PolarNEWS Magazin - 20 - CH

polarreisen

Studienergebnis: In den fünf grossen Strömungskreisen der Weltmeere wird Plastikmüll regelrecht eingeschlossen. (Bild Cozar et al., 2014)

Plastik gebundenen Energie wiedergewonnen.

Diese Länder können als Vorbilder für andere

europäische Länder gelten, die in Sachen

Recycling und Energiegewinnung noch

Platz nach oben haben. Hier sind die politischen

Entscheidungsträger gefragt, um die

bestehenden Gesetze und Reglemente besser

umzusetzen. Und die werden ja von Bürgern

gewählt, also von uns...

Alle stehen in der Pflicht

Und zwar nicht nur im Umgang mit Abfall,

sondern auch in dessen Vermeidung. Muss

beispielsweise aus Gründen der Hygienevorschriften

in einer Packung Schokorollen

wirklich jede einzeln in eine Plastikhülle

verpackt werden?

Des Weiteren müssen auch die gesetzlichen

Grenzwerte für bestimmte Stoffe, die in der

Plastikverarbeitung verwendet werden, neu

bestimmt werden. Denn verschiedene Studien

haben gezeigt, dass auch chronische

Belastungen unterhalb existierender Grenzwerte

negative Auswirkungen auf Organismen

haben.

Auch die Plastikproduzenten müssen stärker

in die Pflicht genommen werden, um mehr

umweltverträglichere, abbaubare Materialien

herzustellen beziehungsweise Materialien,

deren Inhaltsstoffe weniger Schaden an Tieren

und Menschen verursachen. Und die

Wissenschaft muss ihre Forschungsanstrengungen

sowohl in der Materialentwicklung

wie auch im Bereich der Auswirkungen von

Plastikverschmutzung verstärken. Denn unser

Wissensstand, besonders über die Auswirkungen

von Mikroplastikbelastung, steht

gerade erst am Anfang. Aufgrund der Langlebigkeit

von Plastik wird hier das Problem

auch so schnell nicht wieder verschwinden.

Doch auch wenn all diese Lösungsansätze

global gesehen umgesetzt werden, bleiben

Fragen immer noch im Raum: Was geschieht

mit all dem Plastik, der bereits in den Meeren

treibt oder in den Eisschollen der Arktis eingefroren

ist? Wer ist dafür zuständig? Diese

Fragen lassen sich nicht so leicht beantworten.

Denn die Hauptanteile des Plastikmülls

liegen in internationalen Gewässern oder

auf dem Meeresgrund. Soll man auf das Verursacherprinzip

zurückgreifen beim Einsammeln

und Entsorgen? Wie soll man die

ganzen Teile überhaupt einsammeln? Auf

diese Antworten warten Eisbären, Rentiere,

Wale und all die anderen Meereslebewesen...

wahrscheinlich noch eine ganze

Weile.

Bleibt die Frage: Wie schlimm ist das Plastikproblem

in der Antarktis? Dazu existieren

zurzeit noch keinerlei Untersuchungen...

Clean up Svalbard: Strandreinigung, vorher und

nachher. Der Mikroplastik bleibt. (Bild: Linking

Tourism & Conservation LT&C)

76

PolarNEWS