physio-Journal I 3/2015

diefachwelt

physio

Ausgabe 3 / 2015

Wissenschaftlicher Beitrag

Faszienrolle –

Was kann sie

wirklich?

Tipps eines

Sportphysiotherapeuten

Interview mit

Reinhold Roth

Workshop Sportphysiotherapie

Vorderes Kreuzband

Zum Sammeln

Muskelanatomie

Braintuning

Goodbye Gedächtnislücken –

Lernen und Bewegung

Diagnostik

Hintergründe zur

Blutsenkungsgeschwindigkeit

Bestell-Nr: dF30942 · € 5

Journal


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EDITORIAL

LIEBE LESERIN,

LIEBER LESER,

»Sport ist Mord« – dieser Satz, der u. A. Winston

Churchill nachgesagt wird, wird immer wieder gerne

als Argument gegen sämtliche körperliche Aktivitäten

gebraucht. Warum Bewegung aber alles andere als

Mord ist, darum geht es in dieser Ausgabe. So erläutert

Angelika Baldus die Bedeutung von Sport und Bewegung

für die Rehabilitation und Prävention und zeigt

auf, wie die Ausbildung zum Sport- und Bewegungstherapeuten

aussieht. Bewegung trägt aber nicht nur

zur Vermeidung von Krankheiten bei, sondern kann

auch sehr wirksam beim Lernen von Prüfungsstoff helfen.

Wie das funktioniert, stellt Patricia Frahm in der

Kolumne »Braintuning« vor. Dass man seine Sportart

möglichst vollkommen beschwerdefrei ausüben kann,

ist das Ziel von Sportphysiotherapeuten. So schildert

Reinhold Roth, der als Sportphysiotherapeut die deutsche

Männer Handball-Nationalmannschaft betreut,

was ihm bei der Behandlung von Sportlern wichtig ist

und gibt Tipps, was man dabei beachten sollte. Häufig

wird in der Therapie von Sportlern, aber auch bei

Nichtsportlern, die Faszienrolle angewendet. Diese gibt

es in verschiedensten Farben und Formen und ist seit

einigen Jahren nicht mehr aus dem Handwerkskoffer

von vielen Therapeuten wegzudenken. Doch was

bewirkt diese Rolle eigentlich und was sagen wissenschaftliche

Arbeiten zu dieser Maßnahme? Aufschluss

darüber gibt Ulli Meyer, der sich mit den Wirkungen

dieses Therapiegerätes auseinander gesetzt hat. Nachdem

in der letzten Ausgabe das »Flossing« vorgestellt

wurde, erscheint in dieser Ausgabe eine Einzelfallstudie,

in der die Effekte dieser Behandlungsmethode untersucht

wurden.

Neben Artikeln zum Thema »Sport und Bewegung«

gibt es aber auch wieder viele weitere Tipps für den

praktischen Alltag. So kannst Du erfahren, was die

Blutsenkungsgeschwindigkeit ist und was sie für die

Arbeit in der Physiotherapie bedeutet. Als besonderes

Schmankerl gibt es zudem einen Bericht über den

WCPT-Concress, dem Weltkongress der World Confederation

for Physical Therapy in Singapur. Wie gewohnt

bekommst Du außerdem wieder Muskelbilder,

Studienzusammenfassungen und Fragen zur Prüfungsvorbereitung.

Viel Spaß beim Lesen und Mitmachen!!

Eure/r

Anna und Stephan

PS So sind wir zu erreichen: heller@dieFachwelt.de kruft@dieFachwelt.de

physio-Journal 1


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INHALT

Impressum

physio-JOURNAL

Verlag

Die Fachwelt Verlags- und Handelsgesellschaft mbH

Ifenpfad 2–4 · 12107 Berlin

Geschäftsführer

Benjamin Bareiss

Herausgeber/Redaktion

Anna Heller, Marburg

Stephan Kruft, Marburg

Wissenschaftlicher Beirat

Verena Gesing M.Sc., Dortmund

Dr. Bernard C. Kolster, Marburg

Prof. Dr. Udo Wolf, Fulda

Franz van den Berg, Straßwalchen

Erscheinungsweise

3 Ausgaben/Jahr

Bestellung

Online unter: www.dieFachwelt.de

1–10 Ex.: € 5,– je Exemplar

11–20 Ex.: € 3,20 je Exemplar

ab 21 Ex.: € 1,60 je Exemplar

Layout/Producing

Lydia Kühn, Aix-en-Provence, Frankreich

Druck

Grafisches Institut Kroatien, Zagreb

Redaktionshinweise

Wie jede Wissenschaft ist die Medizin/Physiotherapie

ständigen Entwicklungen unterworfen. Forschung und

klinische Erfahrung erweitern unsere Erkenntnisse, insbesondere

was Behandlung und medikamentöse Therapie

anbelangt. Soweit in diesem Werk eine Dosierung

oder eine Applikation erwähnt wird, darf der Leser darauf

vertrauen, dass Autoren, Herausgeber und Verlag große

Sorgfalt darauf verwandt haben, dass diese Angabe dem

Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes entspricht. Für

Angaben über Dosierungsanweisungen und Applikationsformen

kann vom Verlag jedoch keine Gewähr übernommen

werden. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf

eigene Gefahr des Benutzers. Autoren und Verlag appellieren

an jeden Benutzer, ihm etwa auffallende Ungenauigkeiten

dem Verlag mitzuteilen.

Urheber- und Verlagsrecht

Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge

und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt.

Mit Annahme des Manuskripts gehen das Recht zur

Veröffentlichung sowie die Rechte zur Übersetzung, zur

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festgelegten Grenzen ist ohne Zustimmung des

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www.presse-monitor.de.

Gebrauchsnamen

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen,

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nicht zu der Annahme, dass solche Namen ohne Weiteres

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es sich um gesetzlich geschützte eingetragene Warenzeichen,

auch wenn sie nicht als solche gekennzeichnet sind.

© Die Fachwelt Verlags- und Handelsgesellschaft mbH

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INHALT

EDITORIAL

TITELTHEMA

SPORT- UND BEWEGUNGSTHERAPIE 4

WORKSHOP SPORTPHYSIOTHERAPIE 6

KREUZBANDBEHANDLUNG

WISSENSCHAFTLICHER BEITRAG

»DIE FASZIENROLLE«

WAS KANN SIE WIRKLICH? 10

VORGESTELLT

Leute: Reinhold Roth 14

Studium: FH Bielefeld 17

Blickwinkel: Diätassistenz 19

Einzelfallstudie »Flossing« 24

Kongressbericht: WCPT 2015 in Singapur 32

BRAINTUNING

Lerntechniken: Lernen und Bewegung 33

Wissenscheck 37

Wissenscheck – Antworten 38

Anatomie zum Herausnehmen 43

MT Befundbogen »Großzehengrundgelenk« 40

Shorties Physiologie: Immunsystem 41

FÜR DEN PRAXISALLTAG

Tests und Assessmentinstrumente: Nordischer Fragebogen 43

Diagnostik: Blutsenkungsgeschwindigkeit 44

Gesetze im Berufsleben 46

Studienzusammenfassungen 48

Diagnostik- und Therapiegeräte: mobee med 50

»FRISCH EINGETROFFEN«

Untersuchen und Befunden in der Physiotherapie 56

MITMACHEN UND GEWINNEN

Mach mit! 57

INSIDER

Comic 58

VERANSTALTUNGEN UND TERMINE

Veranstaltungskalender 59

Ausblick: Das erwartet Euch in der nächsten Ausgabe 60

physio-Journal 3


TITELTHEMA

SPORT- UND BEWEGUNGSTHERAPIE

DEUTSCHER VERBAND

FÜR GESUNDHEITSSPORT UND

SPORTTHERAPIE E.V. (DVGS)

Text: Angelika Baldus

Fotolia © sokolova23

L Sporttherapie ist eine bewegungstherapeutische Maßnahme,

die mit geeigneten Mitteln des Sports gestörte körperliche,

psychische und soziale Funktionen kompensiert,

regeneriert, Sekundärschäden vorbeugt und gesundheitlich

orientiertes Verhalten fördert. Sie beruht auf biologischen Gesetzmäßigkeiten,

bezieht besonders Elemente pädagogischer,

psychologischer und soziotherapeutischer Verfahren ein und

versucht, eine überdauernde Gesundheitskompetenz zu erzielen

(DVGS 1983).

Die Förderung und Nutzung gesundheitsorientierter körperlicher

Aktivität ist eine prioritäre Strategie in Gesundheitsförderung,

Prävention, Kuration und Rehabilitation. Der DVGS

als Fach- und Berufsverband vertritt diese Strategie seit seiner

Gründung (1983). Ziel des DVGS ist es deshalb, mehr Menschen

in körperliche Aktivität zu bringen, um dadurch deren

Gesundheit nachhaltig zu erhalten und zu verbessern.

Die Umsetzung dessen erfordert einen sektorenübergreifenden

Ansatz, in dem das Individuum in seiner Lebensspanne

und seinen Lebenswelten und die politisch-gesellschaftlichen

Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

Der Bekämpfung des weit verbreiteten Bewegungsmangels

und seiner Folgen kommt besondere Bedeutung zu. Dabei

reicht das Spektrum von der Förderung individueller,

ressourcenorientierter und naturbezogener Bewegung bis

hin zur komplexen Umsetzung bewegungstherapeutischer

Verfahren.

Sport- und Bewegungstherapie ist aus folgenden Gründen als Versorgungsform wichtiger geworden:

I Demografischer Wandel durch Veränderung der Altersstruktur: der Bedarf an Rehabilitation wächst

I Veränderung des Krankheitsspektrums: die Zielgruppen in der Rehabilitation werden immer

multimorbider, womit rein biomedizinische Modelle an ihre Grenzen geraten

I Entwicklung einer salutogenetischen Perspektive: Entkopplung von der

medizinischen Dominanz und Entwicklung zur ressourcenorientierten

Intervention am Patienten

I Wirtschaftliche Notwendigkeiten im Gesundheitswesen:

Forderung nach Evidenzbasierung und Gruppenverfahren

I Verändertes Spektrum in der Gesundheitsversorgung:

Therapieformen werden zunehmend vernetzt

(integrierte Versorgung) und die Schnittstellen zwischen

Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention werden durchlässiger

Fotolia © aletia2011

4 physio-Journal


TITELTHEMA

Der DVGS unterstützt die Entwicklung von

solchen Konzepten und Programmen. Dies

umfasst die Aus-, Fort- und Weiterbildung,

die Förderung von Wissenschaft und Forschung

sowie die Umsetzung von Forschungsergebnissen

in die Praxis.

Sport- und Bewegungstherapie sowie

deren Inhalte sind abrechnungsfähig bei

den Leistungsträgern (Gesetzliche Krankenversicherungen,

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung

sowie Deutsche Rentenversicherung

Bund, s. Abb. 1).

In Abgrenzung zur funktionell-medizinischen

Zugehensweise in der Einzeltherapie,

die bei der Physiotherapie im Vordergrund

steht, vermittelt die Sport- und Bewegungstherapie:

I Evidenzbasierte trainings- und

bewegungswissenschaftliche Inhalte

I Pädagogische Verfahren (didaktischmethodische

Stundenplanungen)

I Biopsychosoziale Verfahren (International

Classification of Functioning, Disability

and Health /ICF)

I Vermittlung von Kompetenzen zur

Hinführung in ein Selbstmanagement

(Bewegungskompetenz, Steuerungskompetenz,

Selbstregulationskompetenz)

I Schwerpunktmäßig Gruppenverfahren

Erfreulicherweise bekommen die genannten

Aspekte, die in der Sportwissenschaft seit

langer Zeit eine tragende Rolle einnehmen

und teilweise dort ihren Ursprung hatten,

in der physiotherapeutischen Ausbildung einen

immer größer werdenden Stellenwert.

Abb. 1: Abbrechnungsfähigkeit

Als Schlüsselqualifikationen werden in der

Ausbildung zum Bewegungs- und Sporttherapeuten

folgende Inhalte vermittelt:

I Planungen von Übungseinheiten in Abhängigkeit

der Zielgruppen und Handlungsfelder

bis hin zur Erstellung von Gesamtkonzeptionen

für Leistungserbringer

= KONZEPTION

I Umsetzung der Interventionen zur körperlichen

Aktivität, Bewegung und Sport

= REALISATION

I Zielformulierungen sowie deren Überprüfung

und Darlegung von Ergebnissen

= EVALUATION

Fotolia © contrastwerkstatt

Die Ausbildung zum Bewegungs- und Sporttherapeuten ist vielseitig.

Literatur:

Schüle K., Huber G. (2012): Grundlagen der Sport – und Bewegungstherapie.

3. Aufl., Deutscher Ärzte-Verlag, Köln: 1–7, 67–171; www.dvgs.de.

physio-Journal 5


TITELTHEMA

WORKSHOP

SPORTPHYSIOTHERAPIE

Fotolia © Picture-Factory

Kreuzbandbehandlung

Evidence based – Schritt für Schritt

Text: Sven Friese

Fotograf: André Fels

L Kreuzbandverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen

im physiotherapeutischen Behandlungsgebiet. Auch

früher waren sie mit 26.200 Ereignissen pro Jahr in Deutschland

eine oft gestellte Diagnose (Lobenhoffer et al. 1999).

Häufig kommt es nach einer solchen Verletzung zu einer

Operation, da ohne diese eine Arthrose zu befürchten ist. So

denken zumindest viele Chirurgen. Eine Langzeitstudie aus

Schweden untersuchte von 1987 bis zum Jahr 2009, ob es bezüglich

einer Arthrose im Knie zwischen operierten und nicht

operierten Patienten einen Unterschied gibt. Das Ergebnis: Die

Kreuzband-OP hat im Vergleich zu nicht operierten Patienten

keinen protektiven Mehrwert (Nordenvall et al. 2014). Ob mit

oder ohne Kreuzband-OP – für eine Arthrose macht es demnach

langfristig keinen Unterschied.

Eine evidenzbasierte Leitlinie in deutscher Sprache ist derzeit

nicht auffindbar und es wird erfahrungsgemäß in der Praxis

ein breites Spektrum an Interventionen angewendet. Dazu

zählen manuelle Lymphdrainage, Cryotherapie, Elektrotherapie,

Isometrische Übungen in offener Kette, Übungen in

geschlossener Kette, Techniken zur Bewegungsverbesserung

und viele weitere Maßnahmen. Ob diese tatsächlich notwendig

sind, wird allerdings oft nicht hinterfragt.

Das Ziel dieses Artikels ist es, anhand eines Patientenbeispiels

aus der Praxis zu verdeutlichen, wie aktuelle Studienergebnisse

zum Thema Rehabilitation des vorderen Kreuzbandes in

der Physiotherapie (PT) genutzt werden können und was Bestandteil

der PT sein kann. Der Focus dieses Patientenbeispiels

liegt auf sportphysiotherapeutischen Techniken.

Bei Rückfragen erreicht Ihr den Autor unter consulting@svenfriese.com

Patientenbeispiel

Alter: 20 Jahre

Verletzungsmechanismus:

Fremdeinwirkung beim Handball –

Riss des vorderen Kreuzbandes

Versorgung: Quadricepssehne

Beruf: Schüler

Zeitpunkt: 2. Woche post Op.

Nach Erhebung der Anamnese ist die Behandlung

folgendermaßen aufgebaut:

Therapieeinheit 1: Befund, Informieren / Beraten

Befund

Im Befund zeigt sich ein Temperaturunterschied von + 5 °C zur

nicht operierten Seite und ein aktives sowie passives Extensionsdefizit

von 10 Grad. Die aktive und passive Flexion beträgt

80 Grad. Im Krankenhaus wurde eine Schiene verordnet, die

die volle Extension des Knies verhindern soll. Als Hilfsmittel zur

Entlastung werden Unterarmgehstützen (UAGS) im 3-Punkt-

Gang genutzt.

Befunderhebung und Beratung – Ein fließender Übergang

6 physio-Journal


TITELTHEMA

Die Messung der Temperatur des operierten Bereichs eignet

sich gut, um ein Gefühl für den Stand der Wundheilungsphase

zu bekommen. Maßnahmen, die während der PT-Interventionen

angewendet wurden und noch zu intensiv für die verletzte

Struktur waren, lassen sich so anhand einer Temperatursteigerung

feststellen.

Therapieeinheit 2

A Üben des Gehens mit UAGS.

A Trainingswirksame Reize für die pelvicotrochantären

Muskeln in der offenen Kette.

Mögliche Übungen sind:

I Abduktion des Hüftgelenks (HG) in Seitlage

I Außenrotation des HG in Seitlage

Elektromyographische Untersuchungen haben gezeigt, dass

bei diesen Übungen (sowie der nachfolgenden Übung in der

geschlossenen Kette) die Muskeln besonders involviert sind,

welche für die Aufrechterhaltung einer »gelenkfreundlichen«

Beinachse eine Relevanz haben (Boren et al. 2011).

Temperaturmessung

A Übungen in der geschlossenen und/oder offenen Kette

Mit Fokus auf die Laxität, den Schmerz und die Funktion gibt

es keinen deutlichen Vorteil einer der beiden Interventionen

gegenüber der anderen (Wright et al. 2008b).

Erfahrungsgemäß sind die Resultate gut, wenn mit Übungen

in der geschlossenen Kette begonnen wird. Allerdings

dürfen Übungen in der geschlossenen Kette erst dann durchgeführt

werden, wenn es die Schmerztoleranz zulässt.

Informieren/Beraten

Der Patient erhält Informationen und wird über folgendes

beraten:

I Frühe Gewichtsbelastung (Early weight-bearing): Eine frühe

»funktionelle Belastung« mit dem eigenen Körpergewicht

scheint vorteilhaft zu sein und einen patellofemoralen

Schmerz zu reduzieren (Wright et al. 2008a).

Sofern in dieser Einheit Zeit ist, wird das Gehen mit UAGS

noch praktisch geübt.

I Schienen (Braces): Das Tragen postoperativer Schienen hat

gegenüber des Nichttragens keinen Vorteil (Wright et al.

2008a, Lobb et al. 2012). Allerdings müssen hier Absprachen

mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

I Rückkehr zum Sport: Eine Rückkehr zum Sport kann 3 bis 9

Monate dauern (Thomee et al. 2011).

Inwiefern der Patient eher schneller oder langsamer im

Rehaprozess ist, bleibt abzuwarten und sollte auch so kommuniziert

werden.

Therapieeinheit 3 (Dritte Woche post Op)

A Übungen in der offenen Kette mit folgenden Maßnahmen:

I Abduktion HG in SL

I Außenrotation HG in SL

A Feedback zum Gehen mit UAGS

Therapeutenziel

Struktur-/Funktionsebene:

Belastbarkeitssteigerung des Kniegelenks innerhalb der physiologischen

Grenzen unterstützen.

Aktivitäts-/Partizipationsebene:

Die Teilhabe am Handballtraining innerhalb der nächsten 3 bis

9 Monate ermöglichen.

Patientenziel

Möglichst bald wieder Handball spielen zu können.

Demonstrierung und Übung unilateraler Squats

physio-Journal 7


TITELTHEMA

WORKSHOP

SPORTPHYSIOTHERAPIE

Therapieeinheit 4

A Trainingswirksame Reize u. a. für die pelvicotrochantären

Muskeln in der geschlossenen Kette durch Squats unilateral,

im möglichst schmerzfreien Bereich

A Außerdem erfolgen weiterhin Übungen in der offenen

Kette:

I Abduktion HG in SL

I Außenrotation HG in SL

Therapieeinheit 5

A Die Maßnahmen entsprechen denen der 4. Therapieeinheit.

Weiterer Verlauf

In den weiteren 6 Wochen liegt der Fokus auf Übungen in der

geschlossenen Kette. Die Intensität wird mit der Verlagerung

des Körperschwerpunkts gesteuert und das Feedback für die

Technikkontrolle kann verringert werden.

Die Extension des Kniegelenks hat weiterhin ein Defizit

von ca. 10 Grad. Das Endgefühl bei der passiven Extension

ist fest-elastisch. Es besteht der Verdacht, dass es sich um ein

»Cyclops Syndrom« handelt, dessen Häufigkeit immerhin bei

4 % liegt (Sonnery-Cottet et al. 2010). Physiotherapeutische

Maßnahmen scheinen dabei zwecklos zu sein (Shelbourne et

al. 1994). Die Ursachen sind vielfältig und die volle Extension

ist eingeschränkt.

Nach einem Kontakt mit dem behandelnden Arzt wird anhand

eines MRT der Verdacht bestätigt. Einige Wochen später

erfolgt eine stationär durchgeführte Operation. Anschließend

ist die Extension im Knie wieder frei und die Therapie kann

nach 3 weiteren Rezepten abgeschlossen werden. Als Ergebnis

kann der Patient langsam wieder mit dem Handballspielen

anfangen.

Therapieeinheit 6

A Es wird der Abschlussbefund erhoben.

Zuammenfassung

Die Temperatur ist rückläufig und zeigt + 3 °C im Vergleich zu

der nicht betroffenen Seite. Das Bewegungsausmaß hat sich

verbessert. Die aktive und die passive Flexion betragen 100

Grad. Das Gehen ist ohne UAGS möglich. Die Extension zeigt

ein Defizit von ca. 10 Grad.

Literatur

Boren K., Conrey C., Le Coguic J., Paprocki L., Voight M., Robinson T.K. (2011):

Electromyographic analysis of gluteus and gluteus maximus during rehabilitation

exercises. The International Journal of Sports Physical Therapy. 6(3): 206–223.

Nordenvall R., Bahmanyar S., Adami J. , Mattila V. M., Felländer-Tsai L. (2014):

Cruciate Ligament Reconstruction and Risk of Knee Osteoarthritis: The Association

between Cruciate Ligament Injury and Post-Traumatic Osteoarthritis.

A Population Based Nationwide Study in Sweden, 1987–2009. PLoS One 9(8).

Lobenhoffer P. (1999): Kniebandverletzungen. Chirurg 70: 219–230.

Lobb R., Tumilty S., Claydon L.S. (2012): A review of systematic reviews on

anterior cruciate ligament reconstruction rehabilitation. Phys Ther Sport. 8:

270–278.

Thomee R., Kaplan Y., Kvist J., Myklebust G., Risberg M.A., Theisen D., Tsepis

E., Werner S., Wondrasch B., Witvrouw E. (2011): Muscle strength and hop performance

criteria prior to return to sports after ACL reconstruction. Knee Surg

Sports Traumatol Arthrosc. 19(11): 1798–1805.

Shelbourne KD, Johnson GE (1994): Outpatient surgical management of arthrofibrosis

after anterior cruciate ligament surgery. Am J Sports Med. 22(2):

192–197.

Sonney-Cottet B., Lavoie F., Ogassawara R., Kasmaoui H., Scussiato RG,

Kidder JF, Chambat P. (2010): Clinical and operative characteristics of Cyclops

syndrome after double-bundle anterior cruciate ligament reconstruction. Arthroscopy

26(11):1483-1488.

Wright R.W., Preston E., Fleming B.C., Amendola A., Andrish J.T., Bergfeld

J.A., Dunn W.R., Kaeding C., Kuhn J.E., Marx R.G., McCarty E.C., Parker R.C.,

Spindler K.P., Wolcott M., Wolf B.R., Williams G.N. (2008a): A systematic review

of anterior cruciate ligament reconstruction rehabilitation: part I: continuous

passive motion, early weight bearing, postoperative bracing, and home-based

rehabilitation. J Knee Surg 21(3): 217-24.

Wright R.W., Preston E., Fleming B.C., Amendola A., Andrish J.T., Bergfeld

J.A., Dunn W.R., Kaeding C., Kuhn J.E., Marx R.G., McCarty E.C., Parker R.C.,

Spindler K.P., Wolcott M., Wolf B.R., Williams G.N. (2008b): A systematic review

of anterior cruciate ligament reconstruction rehabilitation: part II: Open versus

closed chain exercises, neuromuscular electrical stimulation, accelerated rehabilitation,

and miscellaneous topics. J Knee Surg 21(3): 225-34.

Gangschule auf der Treppe mit Feedback zur Beinachse

8 physio-Journal


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physio-Journal 9


TITELTHEMA

»DIE FASZIENROLLE« Text: Uli Meyer

WAS KANN SIE WIRK

LICH?

EINE EINLEITUNG ZUM UMGANG

UND EINE KRITISCHE

BETRACHTUNG DER EFFEKTE

WISSENSCHAFTLICHER BEITRAG

Fotolia © Stocksnapper

L Foamrolling ist in aller Munde. Jeder rollt, egal ob vor oder

nach dem Sport, in der Mittagspause oder während der Therapie

beim Physiotherapeuten. Tom Myers titelt sogar in seinem

Blog »to roll or not to roll? That is the question« (Myers,

2015). Beim »Self-Myofascial-Release« (SMR) auch »Foamrolling«

genannt, handelt es sich um eine Selbstbehandlung mithilfe

von Hartschaumstoffrollen (engl. Foamroll) oder Bällen.

Beide Begriffe dienen als Synonym, bedeuten also das Gleiche.

Hierbei können verschiedene Rollarten mit jeweils anderen

Wirkungen unterschieden werden.

Aufgrund der großen Nachfrage gibt es eine schier unbegrenzte

Auswahl an sogenannten »Faszienrollen«. Von Groß

bis Klein, in allen möglichen Farben, in verschiedenen Härtegraden

sowohl mit als auch ohne Einkerbungen. Mittlerweile

gibt es die Schaumstoffrollen sogar mit eingebautem Vibrationseffekt.

Natürlich dürfen in der Palette zur »Selbstbehandlung«

auch kleine Bälle für gezielte Triggerpunktbehandlungen

nicht fehlen.

Doch was macht wirklich Sinn? Was ist reiner Hype,

was ist wissenschaftlich belegt und wie benutzt man die

bunten Rollen am besten?

Vielleicht gerade weil der Umgang mit der »Faszienrolle«

so einfach ist, wird sie von so vielen benutzt. Ein einfacher Test

zeigt auch zuverlässig die Wirkung. Beugt euren Körper nach

vorne über, spürt in welchem Bein es mehr dehnt, oder ob

es vielleicht deutlicher im lumbalen Bereich zieht. Merkt euch

dann den Finger-Boden-Abstand.

Nun nehmt einen festen Ball und beginnt langsam eure

Plantarfaszie zu rollen, beginnend am Großzehballen, sehr

langsam, mit viel Druck in Richtung Calcaneus. Wiederholt

dies in mehreren Bahnen bis die ganze Fußsohle bearbeitet

ist. Nun führt den Finger-Bodenabstandstest erneut durch und

spürt in euer Bein und euren Rücken hinein. Was hat sich verändert?

In den meisten Fällen nimmt das Dehnungsgefühl in

diesem Bein ab und der Finger-Boden-Abstand ist einseitig

vermindert. Eine veränderte Bewegungsqualität kann auch

im M. erector spinae beobachtet werden. So lässt sich nachweislich

über die Plantarfaszie Einfluss auf die Beweglichkeit

der ischiokuralen und lumbalen Muskulatur nehmen (Grieve

et al. 2015).

Schnelles Rollen vor dem Training führt zu Aktivierung der

Myofaszien und bereitet auf die Aktivität vor. Beim schnellen

Rollen sollte man jede Stelle im raschen Tempo 6–8 Mal

bearbeiten, um einen kurzen Reiz zur Aktivierung zu setzen

und um die Proprizeption zu verbessern. Mit kleinen Bällen

kann man »Triggerpunkte« angehen, indem man langsam in

zirkulären Bewegungen auf dem Punkt verweilt (Simons et

al. 1999) oder mit einem »Shift-Roll«, bei dem man leichte

Rotationen auf schmerzhaften Punkten ausführt und anguläre

Bewegungen der angrenzenden Gelenke mit einschließt.

Die beiden letzteren Methoden lassen sich optimal mit langsamem

Rollen kombinieren, da sie am besten bei langsamer

Geschwindigkeit funktionieren. Beim langsamen Rollen mit

der Foamroll, sollte man behutsam und schmelzend über die

ausgewählten Körperpartien rollen und dies in möglichst langen

Zügen, ohne dabei Druck von der Rolle zu nehmen.

Bei der Wahl der Rolle sollte zu Beginn auf das persönliche

Empfinden geachtet werden. Bei höherer Schmerztoleranz

kann zu härteren Produkten gegriffen werden, bei besonders

schmerzhaften Stellen sollte man lieber ein weicheres Produkt

bevorzugen. An Stellen, die für die Standardprodukte

schlecht zugänglich sind, wie z. B. dem M. pectoralis major,

dem darunterliegen M. pectoralis minor und die nicht zu unterschätzende

sternale Faszie, können Bälle mit ähnlicher Beschaffenheit

benutzt werden. Für die Plantarfaszie eignen sich

zum Beispiel feste Lacrossebälle sehr gut, da man so mehr

punktuellen Druck erzeugen kann. Wissenschaftlich ist hier

nur untersucht, dass Rollen mit Einkerbungen einen höheren

punktuellen Druck erzeugen, flache Rollen jedoch mehr Fläche

auf einmal berühren (Curran et al. 2008). Die preislich

etwas weiter oben angesiedelten Vibrations-Rollen können

einen Effekt auf die Menge an Hyaluronsäure zwischen den

Faszienschichten haben und so das Gleiten zwischen diesen

verbessern (Chaudhry et al. 2013). Noch länger ist der positive

Effekt von kurzzeitigen Vibrationen auf Muskeln bekannt

(Aström et al. 2009).

10 physio-Journal


TITELTHEMA

Gerade weil der Self-Myofascial-Release zu einem so großen

Trend geworden ist, sollte man sich fragen, was überhaupt

dabei geschieht und welche Effekte bewiesen sind. Es beginnt

schon beim Namen der Rolle. Selbstverständlich bearbeitet

man nicht nur seine Faszien, sondern genauso Muskeln, Haut,

Blut und Lymphgefäße. Eine klare Trennlinie kann man hier

natürlich nicht ziehen und fraglich ist auch, ob sich durch die

Benutzung der Rolle wirkliche fasziale Adhäsionen respektive

pathologische Crosslinks lösen. Denn Scherkräfte, die wichtig

für die Behandlung unseres Bindegewebes sind, können zwar

durch manuelle Therapie erzeugt werden, mit der »Faszienrolle«

werden aber keine Schichten gegeneinander verschoben,

sondern nur komprimiert. Folgende Effekte sind bei korrekter

Anwendung dennoch nicht zu unterschätzen:

EFFEKTE

Hydratation

Bis zu 2 ⁄3 unseres Fasziengewebes besteht aus Wasser, welches

sich durch Dehnen oder lokale Kompression wie aus

einem Schwamm herausdrücken lässt (Schleip et al., 2012,

Schleip und Klingler 2007, Meert 2006). So kann das in den

Faszien gespeicherte und »verschmutzte« Wasser, welches

freie Radikale und Zytokine enthält, herausgedrückt und anschließend

mit »frischem« Wasser ersetzt werden (Sommer

und Zhu, 2008).

Bewegungsmangel, verursacht durch Verletzungen oder

eine sitzende Tätigkeit, kann die Hydratation des Gewebes

einschränken. Durch den wiederholt aufgebrachten Druck

der Foamroll kann eine bessere Hydratation des betroffenen

Bindegewebes stattfinden. Durch Benutzung der Faszienrolle

kommt auch Druck an die Stellen, welche unter dem Bewegungsmangel

leiden, was wiederum die Rehydrierung fördert

(Chaitow, 2009). Nach Applikation von Druck oder Zug auf

das Bindegewebe kommt es jedoch zuerst zur Zunahme der

Steifigkeit, da Wasser ausgepresst wird, wobei sich das Bindegewebe

jedoch nach circa 3 Stunden wieder mit Wasser

vollsaugt. So ergab die Dehnung einer Mausfaszie, dass von

anfänglichen 68 % Wasser 3 % herausgepresst wurden, nach

3 Stunden der Wasseranteil jedoch wieder auf 70 % im Gewebe

angestiegen war (Schleip et al. 2012). Durch das Rollen

sorgen wir also dafür, dass frisches Wasser von unserem Bindegewebe

aufgesogen wird, was wiederum eine verbesserte

Mikrozirkulation mit frischen Nährstoffen zur Folge hat.

Einfluss auf Beweglichkeit und Kraft

Durch eine Foamroll-Massage der Plantarflexoren (Halperin et

al, 2014), der Ischiokuralen Muskulatur (Sullivan et al. 2013,

Peacock et al. 2014) sowie des M. quadriceps (MacDonald et

al. 2013) konnte gezeigt werden, dass sich die Beweglichkeit

im Vergleich zu den Kontrollgruppen signifikant steigern ließ,

ohne dass Einbußen der Maximalkraft zu erkennen waren und

ohne dass sich das EMG veränderte. Die gesteigerte Beweglichkeit

hielt bis zu zehn Minuten nach der Intervention an

(Halperin et al. 2014, MacDonald et al. 2013, Jay et al. 2014).

Sullivan et al. (2013) weisen außerdem darauf hin, dass längeres

Rollen einen deutlicheren Effekt auf die bearbeitete Struktur

bewirkt. Alle Studien verwendeten jedoch unterschiedliche

Zeiten und eine unterschiedliche Anzahl der Sätze, so dass hier

keine Aussage über die optimale Anwendungsdauer getroffen

werden kann. Zwei Studien zeigen neben der verbesserten

Range of Motion (ROM) außerdem eine gesteigerte Leistung

bei einem vertikalen Sprung, einem Sprung aus dem Stand

nach vorne, beim Bankdrücken und einem Sprint (Peacock et

al. 2014, MacDonald et at. 2014). In diesen Studien wurde

der SMR in ein Aufwärmtraining integriert, wobei über die

jeweils ausgewählten Stellen fünf Mal in 30 Sekunden gerollt

wurde.

Des Weiteren zeigt sich bei häufigerer Anwendung kombiniert

mit statischem Dehnen eine signifikante Verbesserung

der Hüftflexion im Gegensatz zum alleinigen statischen Dehnen.

Alle getesteten Probanden hatten vor Beginn der Studie

eine Verletzung der unteren Extremität und bei passiver Hüftflexion

einen Bewegungsumfang von weniger als 90 ° (Mohr

et al. 2014).

Mit Self Myofascial Release gegen

den Muskelkater

Jay et al. (2014) erzeugten einen Muskelkater (delayed onset

muscle soreness, DOMS) durch 10 x 10 Deadlifts mit einer

Kettlebell und MacDonald et al. (2014) durch 10 x 10 Squads.

Beide kamen zu dem Ergebnis, dass Foamrolling nach dem

Training eine höhere Schmerztoleranz (mechanisch aufgebrachter

Druck auf die trainierten Muskeln) der Probanden sowie

ein geringeres Empfinden der DOMS-Stärke auf der VAS

zur Folge hatte. Ebenso gipfelte der Muskelkater bei der Foamroll-Gruppe

bereits nach 24 Stunden und nahm danach ab.

Bei der Kontrollgruppe hingegen geschah dies erst nach 48

Stunden. Ein weiteres Resultat des Rollens nach dem Training

ist, dass sich die Schädigung der Muskelfasern reduziert und

sich somit positiv auf die Regeneration auswirkt. Eine sofortige

Selbstbehandlung mit der Rolle zeigte im Gegensatz zur

verspäteten Intervention signifikant bessere Ergebnisse. Die

Dauer, getestet wurden 15 Minuten und 30 Minuten, hatte

hierbei auf keinen der Parameter einen deutlichen Einfluss

(Haas et al. 2013 a, b).

Weitere Effekte des Self Myofascial Release

Kim et al. (2009) fanden heraus, dass der Cortisolspiegel im

Blut nach der Anwendung mit einer Foamroll signifikant sank.

Die SMR Intervention lag bei 30 Minuten, wobei ihr eine

ebenso lange sportliche Aktivität vorausging.

Zu weiteren interessanten Ergebnissen, die bisher mit SMR

erzielt wurden, zählen die Senkung der Pulsfrequenz sowie

ein vermehrter Austritt von Blutplasma in das Interstitium.

Letzteres hat zur Folge, dass die Steifigkeit der Arterien ab-

physio-Journal 11


TITELTHEMA

nimmt und sich die vaskuläre endotheliale Funktion verbessert

(Okamoto et al. 2014). So kann durch Selbstbehandlung mit

der Foamroll Einfluss auf das biochemische Milieu des umliegenden

Gewebes und die Mikrozirkulation der Arterie genommen

werden.

Der oben beschriebene Effekt könnte auch an der Reizung

der interstitiellen Rezeptoren liegen, welche einen Anteil von

80 % der sensorischen Rezeptoren unseres Bindegewebes

ausmachen (Mitchell & Schmidt, 1977). Neben der erwiesenen

Senkung der Sympatikusaktivität durch mechanischen Druck

(van den Berg & Capri 1999, Schleip 2003) wird vermutet, dass

die interstitiellen Rezeptoren ebenso Einfluss auf die Plasmaextravasion

haben (Kruger 1987, Schleip 2003). Der Austritt

von Blutplasma ins Interstitium hat also auf die Viskoelastizität

des Bindegewebes – die Gleitfähigkeit der unterschiedlichen

Faszienschichten – positiven Einfluss.

ZUSAMMENFASSUNG

Trotz der präsentierten Ergebnisse sind viele Aspekte bezüglich

des SMR noch lange nicht geklärt. Was ist der optimale

Druck und die optimale Geschwindigkeit? Gibt es diese überhaupt?

Zwar weisen Studien (Sullivan et al. 2013; MacDonald

et al. 2013) darauf hin, dass längeres Rollen auch einen größeren

Einfluss auf die Beweglichkeit hat, jedoch bleibt die Diskussion

der adäquaten Geschwindigkeit. In Artikeln erwähnte

Tempoangaben sind, wenn überhaupt vorhanden, sehr vage

gehalten und variieren stark. Aus der Praxis zeigt sich jedoch,

dass schnelles Rollen eher aktivierend wirkt sowie die Propriozeption

fördert und dass eine langsame Anwendung mit

Shift-Techniken eine regenerative Wirkung hat, wobei sich die

Maximalkraft tendenziell eher verringert. Welche konkreten

Effekte die Tempowahl und der aufgebrachte Druck letztendlich

auf unser Bindegewebe haben, lässt sich noch nicht mit

Sicherheit sagen. Zukünftige Studien müssen die Klärung dieser

offenen Fragen zum Ziel haben und die Effektivität dieser

Maßnahme untersuchen.

Aufgrund der positiven Ergebnisse bei DOMS sollte die

Selbstbehandlung unmittelbar nach dem Training oder dem

Workout nicht fehlen, um die Regeneration zu beschleunigen,

die persönliche Schmerztoleranz herabzusetzen und den

Schwammeffekt der Faszie zu fördern. Gerade der letztgenannte

Effekt sollte nicht unterschätzt werden, da die Rezeptoren

der Faszie auch bei Muskelkater eine bedeutende Rolle

spielen (Lau et al. 2014).

Ebenso lässt sich das runde Werkzeug sehr gut in den Praxisalltag

einbauen. So kann man den Patienten anleiten, betroffene

Strukturen zu bearbeiten und somit die Bandbreite

an Eigenübungen erweitern. Um das Programm auf der Rolle

noch effektiver zu gestalten, bieten sich statische oder dynamische

Dehnungen der bearbeiteten Körperpartie an (Mohr

et al. 2009). Ein weiterer positiver Nebeneffekt des SMR ist,

dass die Rolle dem Patienten auch nach den verschriebenen

Rezepten weiterhin zur Verfügung steht.

Dennoch sollte man immer darauf hinweisen und nie vergessen,

dass eine »Faszienrolle« niemals einen Therapeuten

ersetzen kann! Als Therapeut spürt man die Beschaffenheit

des Gewebes und kann viel gezielter auf Restriktionen eingehen.

Ebenso ist die Evaluation der Intervention durch einen

Therapeuten unerlässlich. Abgesehen von den untersuchten

Effekten ist es schlicht angenehm, sich auf eine Rolle zu legen

und ein paar Minuten den eigenen Rücken zu bearbeiten,

denn es fühlt sich einfach gut an. Wenn ihr es noch nicht

getestet habt, dann legt euch dieses Tool zu, denn ich möchte

es nicht mehr missen, ganz egal ob für den privaten oder beruflichen

Gebrauch!

Literaturangaben

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van den Berg F., Cabri J. (1999): Angewandte Physiologie –

Das Bindegewebe des Bewegungsapparates verstehen

und beeinflussen. Thieme Verlag, Stuttgart: 255–256.

12 physio-Journal


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VORGESTELLT

In dieser Rubrik stellen wir Euch interessante Menschen vor, die vor einigen Jahren,

genauso wie Ihr jetzt, ihre Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht haben

oder die in ihrer Arbeit viel mit Physiotherapeuten zu tun haben. Außerdem berichten

für Euch Physioschüler und -studenten von ihrer Schule oder Hochschule.

Auch Ihr könnt Eure Ausbildungsstelle ins Rampenlicht rücken, wenn Ihr glaubt,

dass von Eurer Schule oder Hochschule jeder mal gehört haben sollte! Da wir

immer mit vielen Disziplinen zusammenarbeiten, darf natürlich bei »Vorgestellt«

auch der Einblick in andere Berufsgruppen nicht fehlen! Freut Euch also auf interessante

Menschen der Physiotherapie, interdisziplinäre Einblicke und die bunte

Welt der Physioschulen und Hochschulen.

Steckbrief

Reinhold Roth

INTERVIEW

LEUTE:

REINHOLD ROTH

Text: Noemi Hagemann

Ausbildung zum

Physiotherapeuten

und Osteopathen

Physiotherapeut

der deutschen

Handballnationalmannschaft

Inhaber einer

Praxis in Gießen

l Was hat Sie persönlich zur Physiotherapie und Osteopathie gebracht?

l Alles beginnt mit einer Vision. Meine Vision war und ist ein ausbalancierter Körper, ein

gesünderes Leben, Stressabbau oder einfach Spaß an Bewegung, am Sport und Fitness.

Die Vision Physiotherapie hat die Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die jedem

menschlichen Körper helfen können, seine Ziele zu erreichen. Als Physiotherapeut

und Instruktor der Manuellen Therapie ist meine Behandlungsambition nicht allein die

Bewältigung der Krankheit gewesen, sondern die Wiederherstellung der Gesundheit.

Alles Lebendige ist in Bewegung! Daraus wurde meine Devise: ganzheitlich statt einseitig!

Als Osteopath wurde das ganzheitliche Denken gefördert. Es existiert eine beidseitige

Wechselwirkung zwischen Struktur und Funktion. Dies führte zur Abkehr von

der reinen Symptombehandlung. Um das Passende zu tun, ist es notwendig, dass das

parietale, viszerale, kraniosacrale System und die Psyche sich im Gleichgewicht befinden.

l Wie kommt es, dass Sie ausgerechnet mit Handballern arbeiten?

l Als aktiver Handballer war die Verbundenheit zum Handballsport schon immer da. Eine

nichtoperative Kreuzbandverletzung setzte allerdings meiner aktiven Karriere ein Ende.

Statt auf dem Hallenparkett mit wurfgewaltigen Händen für Tore zu sorgen, wechselte

ich zur Seitenlinie. So konnte ich im Fall der Fälle meine Begabung, therapeutische Handfertigkeiten

und künstlerische Qualitäten ins Spiel bringen. Von den mir nachgesagten

»heilenden Händen« in den lokalen Handballvereinen (Kleenheim, Hüttenberg, Dutenhofen

und Wallau Massenheim) hörte auch der Deutsche Handballbund. Nach einer

Bewerbung beim DHB entschied man sich für mich im medizinischen Team. Und ich

entschied mich, mein Hobby zum Beruf zu machen.

l

l Wie kann man sich Ihre Therapie mit den Sportlern vorstellen?

l Auch Sportler gelangen bei ihren Bemühungen, einen Weg aus der Verletzung zu

finden, letztlich in einer Sackgasse. Festgefahren – sind wir Therapeuten immer der richtige

Ort und wichtigster Helfer in der Not. Um noch wissender und gewisser in die Zukunft

zu therapieren, qualifizierte ich mich zum TCM-Therapeuten nach der chinesischen

Medizin, und die alternativ energetische Meridian-Diagnostik und Meridian-Therapie

kamen dazu. Es gründete sich ein multidisziplinäres und komplementär angewandtes

HET-Gesundheits-Konzept (Harmonisierende Energetische Translation). HET wird auf die

14 physio-Journal


VORGESTELLT

Persönlichkeit des einzelnen Sportlers abgestimmt. Am Bewegungsapparat des Sportlers

sind Schmerz, Form- und Funktionsstörungen die Symptome, die zur Diagnose zusammengesetzt

werden müssen. Eine klinische Diagnose ist vor der Therapie obligat.

Das Untersuchen und Testen des neuro-muskulo-skelettalen Systems des Sportlers ist

nichts anderes als angewandte Anatomie. Verinnerlicht man sich die Informationen von

all den lädierten anatomischen Strukturen (Material-Energie-Steuerungselementen), so

bekommt man eine rationelle Interpretation von physiologischen Vorgängen, Abläufen

und Kenntnissen und eine genauere Differentialdiagnose. Meine Devise: Begreifen der

Anatomie fördert Erkenntnisse, was mit dieser Struktur passiert ist und welche Therapie

angebracht ist.

l Welche Voraussetzungen sollte man am besten mitbringen – fachlich sowie

persönlich – wenn man mit Sportlern arbeiten möchte?

l Mit der explosionsartigen Entwicklung des Sports haben sich in den letzten Jahren die

Aufgaben und Funktionen der in der Betreuung von Sportlern tätigen Therapeuten

(PT-OT-MT) stark entwickelt und zu Gunsten der trainings- und leistungsorientierten

Maßnahmen/ Methoden verändert. Ein Therapeut ist das Bindeglied zwischen Sportler

und Trainer. Ein Kennzeichen eines geschickten Therapeuten ist sein Erfolg, welcher von

seiner persönlichen und fachlichen Kompetenz abhängig ist. Persönlich soll er konzentriert,

optimistisch, diszipliniert und pünktlich sein, Verantwortung für sich und seine

Handlungen übernehmen, soll Idealist sein, beliebt sein, er soll Begeisterung, Entschlossenheit

und Zielklarheit zeigen, teamfähig sein und sich mit seiner Tätigkeit identifizieren

können.

Fachlich soll er Qualifikationen und Spezialisierungen aufweisen, das Wissen aus persönlichen

Erfahrungen soll seinen Kenntnissen vorausgehen. Außerdem soll er fähig sein,

aus einer Vielzahl von möglicherweise geeigneten Behandlungsmethoden die geeignete

Behandlungsform auszuwählen und auszuführen. Weiterhin ist es wichtig, kommunikationsfähig

zu sein, Probleme in Chancen und Lösungen verwandeln zu können, aus

Fehlern zu lernen, keine Ausreden und Ausflüchte zu suchen, keine Schuld zu zuzuweisen,

keine individuelle Schwäche zu zeigen und akkomodations- und artikulationsfähig

sein.

l Was haben Sie bei der Behandlung von Handballern insbesondere über das

Schultergelenk gelernt? Und: Können Sie uns da ein paar Tipps verraten?

l Sorry, ich kenne kein lokales Schultergelenkproblem. Schon allein aus den anatomischen

Verbindungen und der funktionellen Strukturanalyse der OEX (oberen Extremität) wird

bei mir das eigentliche Schultergelenk zum Schultergürtel mit einbezogen. Die Schulter

setzt sich funktionell aus 5 Gelenken zusammen (ACG, SCG, Glenohumeral-, scapulothoracal-

und subacromial Gelenk). Sie alle können Funktionsstörungen aufweisen, die

infolge muskulärer Dysbalancen und Inkongruenzen im Gelenk zu kapsulär entzündlichen

Einschränkungen mit Schmerzen führen. Schulterschmerzen sind ein mehrdeutiges

Symptom, dessen Zuordnung nicht immer leicht ist. Mögliche Ursachen können osteopathische

Dysfunktionen C1-C7 sein oder viszerale Dysfunktionen von Leber, Galle, Magen,

fasziale bzw. veno-lymphatische Adhäsionen und Verquellungen in der Schulterregion,

thorakale Dysfunktionen mit Blockaden im CTÜ (Cervico-thoracaler-Übergang)

und Rippengelenks- oder auch Ilium- und OSG-Dysfunktionen usw.

Praxis Tipps bei Sportlern:

• Anamnestisch abklären: Probleme im Gastrointestinaltrakt, Allergien, Unverträglichkeiten

von Medikamenten, Pflastern, Tapes

• Konzentration auf die angewandte Anatomie und auf die Schmerzpunkt-Palpation

(Entwicklung eines Tast-Feingefühls) bei der Entfaltung seiner diagnostischen und therapeutischen

Fertigkeiten bzw. Fähigkeiten

• Achten auf die Balance und Stabilität des Rumpfes, bzw. auf ein harmonisches Zusammenspiel

von OEX und UEX

»

Begreifen der

Anatomie fördert

Erkenntnisse, was

mit dieser Struktur

passiert ist und

welche Therapie

angebracht ist.

Praxistipps von

Reinhold Roth:

«

Anamnestisch abklären:

… Allergien …

Konzentration auf die

angewandte Anatomie

und auf die Schmerzpunkt-Palpation


Achten auf die

Balance und Stabilität

des Rumpfes …

physio-Journal 15


VORGESTELLT

INTERVIEW

LEUTE:

REINHOLD ROTH

l Welche Rolle spielt mentales Training in Bezug auf Trainingserfolg,

Verletzungsrisiko und Rehabilitation?

l Hier zeigt sich wieder meine Philosophie vom ganzheitlichen Ansatz. Durch das HET-

Konzept eröffnet man sich eine Tür, um in die Beziehungsarbeit zwischen Körper und

Geist und Seele einzutreten. Man bemüht sich nicht nur um die körperliche, sondern

auch um die Wiederherstellung der mentalen Stärke. Mentales Training und Stärke hat

ein enormes Gewicht auf Erfolg, Verletzungsrisiko und Rehabilitation. Denn es nutzt die

beste körperliche Verfassung nichts, wenn der Kopf nicht mitspielt. Wer eine körperliche

Haltung hat, hat auch einen Halt im Leben. Und wer einen Halt im Leben hat, besitzt

auch bessere Haltung. Die mentale Stärke bringt nicht nur die körperliche, sondern auch

die psychische Gesundheit und Leistungsfähigkeit ins Gleichgewicht. Ein Sportler wird

sich mental immer auf seine eigene Art selbst stimulieren, bzw. motivieren können. Die

meisten wissen, um mental stark zu sein, braucht man nicht nur Talent, sondern auch

Training. Fazit: An sich glauben! Der Erfolg kommt von innen nach außen. Im entscheidenden

Moment, auf dem Spielfeld oder auf der Behandlungsbank, wird es auf die

richtige Einstellung des Sportlers zu den anvisierten Zielen ankommen. Ein Sportler, der

weiß, dass er mehr ist als die Rollen die er spielt, bekommt und hat echtes Selbstvertrauen.

Und durch sein Selbstwertgefühl übersteht er alles mit Bravour.

»

Fazit:

An sich glauben!

Der Erfolg kommt

von innen nach außen.

ll

«

l Nehmen Sie Unterschiede wahr zwischen »normalen« Patienten und

Sportlern in Bezug auf Disziplin und Körperwahrnehmung?

l Der Unterschied zwischen Sportler und Nichtsportler liegt in jedem selbst. Der Körper

von beiden spricht eine ehrliche Sprache. Er teilt uns stets zuverlässig mit, wenn seine

neuro-muskulo-skelettalen und viszeralen Hauptsysteme aus der Balance geraten sind.

Um die Genesung einzuleiten, muss sowohl beim Sportler als auch beim Nichtsportler

ein gangbarer Lösungsweg her. Bei beiden denkt der Körper zuerst immer an seine

Gesundheit. Die genetischen Dispositionen des Körpers kann man nicht verändern,

während die endogenen und exogenen Einflussgrößen der Gesundheit erworben sind.

Manche davon kann man nicht verhindern, aber Risiken kann man senken. Sportverletzungen

unterscheiden sich nicht von normalen Verletzungen. Sie haben die gleichen

Ursachen und heilen nicht schneller. Mit der aktuellen Entwicklung des Leistungsdrucks

im Sport sind die Rezidive bei einem Sportler größer geworden und die Regenerationen

und Rehabilitationen schneller. Der Sportler ist gesundheitlich fitter und disziplinierter.

Der Sportler ist durch die hohe Ambition und Leidenschaft zielstrebiger, konzentrierter

und motivierter. Er hat einen besseren allgemeinen Gesundheitsstatus durch mehr Training,

gute Koordination und ein stärkeres Immun- und Atmungssystem. Dadurch ist

er austrainierter, belastungs- und entlastungsfähiger. Der Sportler ist bei Verletzungen

behandlungsfähiger und wird schon in Akutphasen öfter und regelmäßiger therapiert.

Er ist selbstbewusster, besiegt rascher seine Selbstzweifel und besitzt eine bessere und

stärkere Körperwahrnehmung. Seine Körperwahrnehmung ist die Basis für eine positivere

innere Haltung und ein gesunderes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Der

Sportler hat mehr Vertrauen in seinen Körper, welches sein dynamischeres Selbstbild

steigert. Bei einem Nichtsportler bleibt vieles durch seinen stressigen Alltag auf der

Strecke des Lebens liegen. Der Nichtsportler neigt dazu, neue sportliche Erkenntnisse zu

bagatellisieren und zu ignorieren. Er wird seine Komfortzone erst verlassen, wenn es zu

spät ist. Er will nicht aus seiner Bequemlichkeit heraustreten, obwohl die Folgen noch

unbequemer werden. Er wird zum Großteil zu wenig, erst in einer chronischen Phase

der Verletzung behandelt und besitzt ein statischeres Selbstbild. Der Sportler und der

Nichtsportler sind beide ungeduldige und ängstliche Patienten. Der Sportler lässt sich

auf starke Herausforderungen ein, während der Nichtsportler oft aus Versagensangst

gar nicht erst einsteigt. Um die funktionelle biologische Einheit »Nerv-Muskel-Gelenk

und Psyche« beim Sportler und Nichtsportler zu sichern, sollten beide regelmäßig durch

das HET-Gesundheitskonzept kontrolliert und behandelt werden.

Vielen Dank für das Interview.

16 physio-Journal


VORGESTELLT

© FH Bielefeld

FACHHOCHSCHULE BIELEFELD

Text: Nina Kriegesmann

STUDIENGANG »BERUFLICHE BILDUNG THERAPIE«

»Die Lernprozessbegleiter«

In Bielefeld, der Stadt, die es dem Volksmund

Nordrhein-Westfalens nach gar nicht

gibt, gibt es etwas bisher Einmaliges. Einen

Studiengang für Therapeuten, die lehren

möchten. Der Studiengang heißt »Berufliche

Bildung Therapie« und ist seit 2007 an der

Fachhochschule Bielefeld verortet. Der Studiengang

richtet sich an alle Therapeuten,

die Lust haben die Lernprozesse von Auszubildenden

in der praktischen Ausbildung,

an Berufsfachschulen, an Fachhochschulen

oder in anderen Einsatzorten zu begleiten.

Neben dem pädagogischen Handwerkszeug,

wissenschaftlichen Arbeiten und

praktischer Erfahrung in der Berufspädagogik

sind die Gesundheitswissenschaften

und die Wissenschaft in der Therapie die

großen Stränge, die sich vielfältig durch das

Das Formale

gesamte Studium ziehen. Mit dem Studium

werden zudem Grundlagen vermittelt, die

Forschungstätigkeiten ermöglichen, Lust auf

berufspolitische Tätigkeiten wecken und einen

Zugang zur scientific community sowie

Kontakte ins Ausland ermöglichen.

3 große Stränge

kennzeichnen den Weg

Der Aufbau des Studiengangs »Berufliche

Bildung Therapie« orientiert sich an den

Lehramtsstudiengängen der Universitäten.

Daraus resultiert eine Gliederung in drei Bereiche:

1. Bildungswissenschaften, hier speziell

die Berufspädagogik

2. Berufliche Fachrichtung Therapie

3. Berufliche Fachrichtung Gesundheit

Innerhalb der Fachrichtungen wird regelmäßig

modulübergreifend gearbeitet, so dass

die Inhalte und Ziele oft gut verknüpfbar sind.

Der Bachelor Studiengang »Berufliche Bildung Therapie« wird parallel zum Studiengang

»Berufliche Bildung Pflege« angeboten. Es ist ein Vollzeitstudiengang, der als

Präsenzstudiengang konzipiert ist. Es besteht jedoch keine Anwesenheitspflicht. Voraussetzungen

für den Studiengang sind in der Regel die Fachhochschulreife und

eine abgeschlossene Berufsausbildung als Physiotherapeut/in. Die Regelstudienzeit

beträgt 6 Semester. Studienbeginn ist jährlich zum Wintersemester. Ein Großteil der

Studierenden geht trotz des mit 24 Semesterwochenstunden gefüllten Studienplans

parallel noch ein paar Stunden als Therapeut arbeiten, was es erleichtert, den Bezug

zur beruflichen Praxis zu erhalten. Der Semesterbeitrag beträgt 248,80 €. Informationen

zum Studiengang gibt es unter: www.fh-bielefeld.de/studiengaenge/bbt

Berufspädagogik –

Die Lehrermacher

Der Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten

ist nach mehreren Jahren Berufserfahrung

manchmal nicht leicht. Gerade der

Zugang zu wissenschaftlicher Literatur der

Pädagogik kann eine Herausforderung sein.

Die pädagogische Qualifizierung setzt eine

Auseinandersetzung mit Didaktik, soziologischen

und psychologischen Grundlagen,

Lehren, Lernen und berufspädagogischen

Grundlagen voraus. Das ermöglicht eine intensive

Auseinandersetzung mit der Lehrtätigkeit

in der beruflichen Praxis und Theorie.

Neben einem Verständnis und der Verortung

der eigenen beruflichen Tätigkeit geht

es immer darum, wer, was, in welchem Kontext,

von wem, warum, wofür, wie, wann

und wo lernt oder lehrt. Berufspädagogisches

Verständnis wird dabei nicht nur theoretisch

bearbeitet, sondern von Lehrenden

häufig beeindruckend vorgelebt. Das methodische

Vorgehen in der Lehrveranstaltung

wird regelmäßig von den Lehrkräften

begründet. Dabei gilt es natürlich auch für

die Studierenden, immer wieder aktiv zu

werden, regelmäßig Inhalte zu präsentieren,

sich zu reflektieren und Feedback anzunehmen,

um die eigene Kompetenzentwicklung

voran zu treiben.

>>

physio-Journal 17


VORGESTELLT

Berufliche Fachrichtung

Gesundheit –

Das System verstehen

Aufbauend auf dem gesundheitswissenschaftlichen

und statistischen Grundwissen

geht es im Bereich der Gesundheitswissenschaften

um Prävention, Gesundheitsförderung,

Gesundheitsversorgung, Gesundheitspsychologie

und Gesundheitspolitik. Es geht

um sozialwissenschaftliche Grundlagen, um

Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung.

Mit dem notwendigen Wissen ausgestattet

geht es, wie in allen drei Bereichen,

an aktuelle deutsche, aber auch internationale

Studien. Immer mit dem Auge des kritischen

Lesers und der Absicht, das Detail

einer Studie zu durchdringen, um sie richtig

zu bewerten und zu interpretieren. Doch

auch praktische Bezüge, wie die Planung

von Projekten in der Prävention und Gesundheitsförderung

kommen nicht zu kurz

und bereichern das eigene Kompetenzprofil

für das spätere Berufsleben.

Das Wissen über das Gesundheitssystem,

in dem man seit Jahren arbeitet, ist oft

erschreckend gering. Wer sich später sicher

im System bewegen will, hilfreiche Adressen

und die notwendigen Zusammenhänge im

Geflecht unseres Gesundheitssystems kennen

will, kann es sich hier aneignen und

auch direkt anwenden. Wer bezahlt was?

Was ist eigentlich ein Heilmittel? Wie gelange

ich an Informationen? Wie plane ich

Projekte? Welche Finanzierungsmöglichkeiten

gibt es? Wie evaluiere ich mein Projekt?

Was nutzen mir die Ergebnisse der Gesundheitsversorgung?

Wie entstehen Versorgungsdefizite?

Welche Unterschiede gibt es

in der Versorgung von Menschen innerhalb

unseres Systems?

Dabei bleibt es oft möglich, sich seinen

persönlichen Schwerpunkt zu suchen und

sich z. B. in einer Hausarbeit intensiv einer

bestimmten Problematik zu widmen. Wenn

der Aufbau des Studiums auch etwas starr

wirkt und leider manchmal etwas verschult

ist, eröffnet er zumindest im Bereich der inhaltlichen

Vertiefung persönliche Freiräume.

FACHHOCHSCHULE

BIELEFELD

Berufliche Fachrichtung

Therapie –

Therapiewissenschaften?

Die Seminare und Vorlesungen in der Wissenschaft

des Herkunftsberufs (Pflege, Physiooder

Ergotherapie) haben einen ganz eigenen

Charakter. Mit einer Gruppengröße von 10

bis maximal 25 Studierenden kann konzentriert

und intensiv gearbeitet werden. Physiotherapeuten

und Ergotherapeuten arbeiten

interdisziplinär. Doch woran eigentlich?

Im Gegensatz zur alteingesessenen Berufspädagogik

und den gut etablierten

Gesundheitswissenschaften stecken die

Therapiewissenschaften noch in den Kinderschuhen,

bzw. ganz am Anfang. Dabei geht

es nicht vorrangig um Effektivitätsnachweise

einzelner Maßnahmen, sondern um einen

Blick auf den Beruf »Therapeut/in«. Was

macht eigentlich einen Therapeuten aus?

Welches berufliche Selbstverständnis haben

Therapeuten? Was macht uns speziell, was

grenzt uns von anderen Berufen ab? Wie

denken und arbeiten Physiotherapeuten, an

welchen Modellen können wir uns orientieren?

Warum gibt es so wenig qualitative

Studien im Bereich der Therapie? Wie können

wir unseren Beruf professionalisieren,

wie sehen rechtliche Rahmenbedingungen

aus? Wie kann man Akademisierung gestalten,

ist das überhaupt der richtige Weg?

Natürlich werden auch andere Fragen, wie

z. B. die nach dem First contact und der Gestaltung

der Berufsbildung thematisiert.

Viele dieser Fragen sind noch nicht ausreichend

beantwortet. Zudem gibt es wenig

Literatur und wenig bis keine Forschung.

Auch wenn das manchmal im ersten

Moment sehr ernüchternd ist, liefert dieser

Zustand viel Raum, um Dinge weiter zu

denken, sie voran zu treiben, sie selbst zu

untersuchen, die Übertragbarkeit von Ergebnissen

aus Nachbardisziplinen zu überprüfen,

eigene Konstrukte zu entwickeln

und regelmäßig leidenschaftlich, oft konstruktiv,

gerne mal mit konträrer Meinung,

aber immer fair zu diskutieren.

Praxis inbegriffen

Da die große Bedeutung des Erfahrungswissens

ein regelmäßig wiederkehrendes

Thema im Studiengang Berufliche Bildung

Therapie ist, sind im Bachelor Studiengang

zwei Praxisphasen eingeplant. Ein erster

Praxiseinsatz findet zur Hälfte in einer Bildungseinrichtung,

meist einer Berufsfachschule,

und zur anderen Hälfte in einer Versorgungseinrichtung

statt und dient unter

anderem zur beruflichen Orientierung und

zur Verknüpfung von Theorie und Praxis.

Im 5. und 6. Semester wird ein Praxisprojekt

geplant und durchgeführt. Die Studierenden

suchen sich dafür einen Kooperationspartner,

wie z. B. Berufsfachschulen, Physiotherapie-

oder Arztpraxen, Kommunen

oder Verbände. Die inhaltliche Bandbreite ist

groß und kann nach eigenen Interessen ausgesucht

und bearbeitet werden. Nicht selten

liefert das Projekt den thematischen Einstieg

für die folgende Bachelorarbeit oder

eine Einstiegsmöglichkeit ins Berufsleben.

Und dann?

Wer später in einer Bildungseinrichtung lehren

möchte, hat die Möglichkeit, sich für

den darauf aufbauenden und passend abgestimmten

Masterstudiengang »Berufspädagogik

Pflege und Therapie« zu bewerben

und sein Wissen z. B. in der Curriculumentwicklung

zu vertiefen.

Vom Therapeut sein und

Lehrer werden

Die meisten studierenden Therapeuten der

Fachhochschule Bielefeld sind, genau wie

ich: Therapeut aus Leidenschaft. Wir haben

das Studium begonnen, um uns intensiv

mit unserem Beruf auseinander zu setzen.

Doch nach und nach ändert sich unsere Perspektive.

Wir entwickeln ein pädagogisches

Selbstverständnis, wir lehren, lernen, denken

über Erziehungsfragen nach, wir wählen

Methoden, die zum Inhalt, zur Intention

und zur Zielgruppe passen. Wir entwickeln

Lernaufgaben und nehmen die Physiotherapie

auch als Lehrinhalt wahr. Wir sind nicht

mehr drin, wir gucken darauf. Wir werden

Lehrer. Mit einem lachenden und einem

weinenden Auge verändern wir unser berufliches

Selbstverständnis, doch »der Therapeut«

in unserem Herzen gewöhnt sich

langsam an seinen Nachbarn »den Lehrer«

und ich habe den Verdacht, die beiden werden

noch ganz dicke Freunde.

18 physio-Journal


BLICKWINKEL

VORGESTELLT

Fotolia © Voyagerix

Text: Wiebke Meisgeier

Der Beruf des Diätassistenten

gehört zu den bundesrechtlich

geregelten Heilberufen. Er

ist über das Diätassistentengesetz

(DiätAssG) und die dazugehörige

Ausbildungs- und Prüfungsordnung

(DiätAss-APrV) geregelt.

BERUFSBILD

DIÄTASSISTENT

Die Ausbildung dauert drei

Jahre und darf ausschließlich

an staatlich anerkannten

Schulen erfolgen. Sie schließt

mit einer mündlichen, schriftlichen

und praktischen Prüfung als

staatlich anerkannter Diätassistent ab.

Arbeitsbereiche

Klinische Diätetik und Ernährung

Dazu gehören insbesondere die Diät- und

Ernährungsberatung im klinischen und ambulanten

Sektor sowie die diättherapeutische

Einstellung von Patienten (z. B. Enterale

Ernährung und Sonderdiäten).

Administration

(Verpflegungsmanagement)

Diätassistenten überwachen die praktische

Umsetzung der diättherapeutischen Maßnahmen

unter Berücksichtigung der gesetzlichen

Vorgaben, wie z. B. der Diätverordnung, in der

Küche und verantworten das Management

der (Diät)küche wie z. B. Anleiten des Personals,

Kostenkalkulation und Wareneinkauf.

Public Health (Prävention und

Gesundheitsförderung)

Diätassistenten sorgen für die Entwicklung,

Implementierung, Umsetzung und Evaluation

von präventiven und Gesundheit fördernden

Maßnahmen.

Lehre und Forschung

Hier sind Diätassistenten für die theoretische

und praktische Ausbildung von Gesundheitsberufen

im Themengebiet Diätetik

und Ernährung (z. B. von Diätassistenten,

Gesundheits- und Krankenpflegern) verantwortlich.

Außerdem sind sie an der Durchführung

von Studien beteiligt.

Fort- und Weiterbildung

Da die Arbeit in den verschiedenen Bereichen

einen hohen Grad an Spezialisierung

erfordert, gibt es verschiedene anerkannte

Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung

sowie Studiengänge (z. B. das Studium zum

Medizinpädagogen oder den Bachelor of

Science in Gesundheits- und Pflegewissenschaft),

bei denen die Ausbildung zum Diätassistenten

(oder zu anderen Gesundheitsfachberufen)

Zugangsvoraussetzung ist. Die

Berufsgruppe der Diätassistenten wird berufspolitisch

national und international durch

den Verband der Diätassistenten, dem Deutschen

Bundesverband e. V. (VDD), vertreten.

Der VDD koordiniert und betreut unter anderem

Ausbildungsrichtlinien, er überwacht

die gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien

und ist in der Gesundheitspolitik das Sprachrohr

der Diätassistenten. Darüber hinaus arbeitet

der VDD in Form verschiedener Gremien

und Fachgruppen an der Umsetzung

zahlreicher Projekte mit, wie z. B. der Analyse

des Berufsfelds, der Akademisierung

der Berufsausbildung und vielen weiteren.

Interdisziplinarität

Als mögliche Schnittstelle der Zusammenarbeit

von Diätassistenten und anderen therapeutischen

Berufen soll hier das Projekt DOC

WEIGHT ® schemenhaft vorgestellt werden.

DOC WEIGHT ® ist ein interdisziplinäres

Programm für die Behandlung stark adipöser

Patienten mit einer Laufzeit von mindestens

einem Jahr. Zum Behandlungsteam gehören

Ernährungsmediziner, Diätassistenten,

Psychologen und Bewegungstherapeuten.

Damit die hohe Struktur- und Prozessqualität

dieses Therapiekonzeptes dauerhaft

gesichert ist, bleibt die Anwendung in

der Regel zertifizierten Schwerpunktpraxen

für Ernährungsmedizin vorbehalten. Durch

die Anbindung an Schwerpunktpraxen für

Ernährungsmedizin stellt DOC WEIGHT ®

einen Therapiebaustein in der langfristigen

Adipositastherapie dar. Netzwerkbildung

zur Etablierung systematischer Adipositastherapie

und Wissensaustausch ist für

diese Art der Therapie unabdingbar. DOC

WEIGHT ® ist derzeit noch ein Modellprojekt

mit der Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln

und zu verbessern, da die Therapie

kontinuierlich evaluiert wird. Es kann jedoch

schon festgehalten werden, dass bei der

Therapie der Adipositas die Kooperation

der verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen

unabdingbar ist.

Zum Schluss noch ein paar persönliche

Worte: Versucht ruhig Kontakt mit Ernährungsfachkräften

aufzunehmen. Gerade im

ambulanten Sektor können dadurch interessante

Kooperationen und Projekte entstehen.

Ich selber freue mich über die Entwicklung,

dass die medizinischen Fachberufe

beginnen, sich untereinander zu vernetzen

und voneinander zu lernen.

Literatur:

VDD (2015): Aufgaben und Kompetenzen von Diätassistenten; Zugriff am 17.09.2015; http://www.vdd.de/diaetassistenten/aufgabenundkompetenzen/

VDD (2015): Berufsgeschichte der Diätassistenten; Zugriff am 17.09.2015; http://www.vdd.de/diaetassistenten/berufsgeschichtederdiaetassistenten/

VDD (2015): Projekt DOC WEIGHT ® : Zugriff am 17.09.2015; http://www.vdd.de/der-vdd/projekte/laufende-projekte/projektdocweight/

VDD (2015): Richtlinien und Gesetze; Zugriff am 17.09.2015; http://www.vdd.de/diaetassistenten/richtlinien-und-gesetze/

physio-Journal 19


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physio-Journal 23


VORGESTELLT

Text: Dietmar Seidenspinner

INTERVENTION BEI PERSISTIERENDEN Bernard Kolster

KNIEBESCHWERDEN mit einem elastischen Band

bei isokinetischer und EMG-gestützter Untersuchung

VOR UND NACH DER KOMPRESSION DES KNIEGELENKS

Fotolia © WavebreakMediaMicro

L Die vorgestellte Arbeit ist eine Einzelfallanalyse

bei Vorliegen von persistierenden der Kraftsteigerung, Mobilisation und

lassen sich angeblich Soforteffekte bei

Kniebeschwerden. Sie will die Effekte einer Schmerzlinderung erzielen. Verlässliche

Interventionsmaßnahme mit einem elastischen

Therapieband auf den Leistungs- zu dieser Technik nicht gefunden. Wohl

Studien wurden trotz intensiver Recherche

und Kraftzuwachs in Bezug auf das Kniegelenk

und den M. quadriceps darstellen. Videos, die dieses Verfahren beschreiben.

aber gibt es Internetbeiträge und YouTube-

Dazu werden isokinetische und elektromyografische

Testverfahren eingesetzt. validierter Messverfahren die Frage be-

Hier soll mittels präziser isokinetischer,

Idee und Hintergrund zu dieser Arbeit lieferte

das Buch von Kelly Starrett und Glenn maligen Intervention Veränderungen in

antwortet werden, ob sich nach einer ein-

Cordoza mit dem Titel »Werde ein geschmeidiger

Leopard« (Riva-Verlag, Mün-

ob das Setting und das angewandte Test-

Richtung Leistungssteigerung ergeben und

chen 2015). Darin wird das sogenannte set (validiertes isokinetisches Testverfahren)

geeignet wären, ein darauf basieren-

»Voodoo Flossing« mittels elastischem

Band beschrieben. Mit dieser Technik des Studiendesign zu entwickeln (Abb. 1).

1. Anamnese

2. Kujala-Score

3. Untersuchung

4. Apparative Testung

1. Anamnese

Eine 45-jährige Patientin (Größe: 1,73 m,

Gewicht: 69 kg) wurde mit Kniebeschwerden

am 3.9.2015 in der Abteilung für Physiotherapie

der Universitätsklinik Marburg

vorstellig. Anamnestisch gab die Patientin

an, dass sie sich vor neun Monaten, im November

2014, bei einem Bagatelltrauma

(»Beschleunigung bei Spaziergang mit dem

Hund«) eine Verletzung des rechten Kniegelenks

zuzog.

Die Beschwerden traten im Bereich der

medialen Facette der Patella auf, insbesondere

bei Belastung, Bewegung, nach langem

Sitzen, Springen, Laufen und Bergabgehen.

Die genannten Beschwerden im rechten

Kniegelenk persistierten über den Zeitraum

bis zur Vorstellung, sodass von einer Chronifizierung

mit Entwicklung eines patellofemoralen

Syndroms ausgegangen werden kann.

Aufgrund der Symptomatik wurde die

Patientin einer EMG-gestützten Muskelfunktionsdiagnostik

im Labor des Universitätsklinikums

Marburg-Gießen, Abteilung

Physiotherapie, zugeführt.

4.1. Isokinetischer Test des M. quadriceps bilateral

4.2. Re-Test (nur rechtes Kniegelenk)

4.3. EMG-gestützte Muskelfunktionsdiagnostik im

eingeschränkten Bewegungsbereich:

40 Grad Flexion – 5 Grad Extension

4.4. Intervention

4.5. Re-Test: EMG-gestützte Muskelfunktionsdiagnostik

im eingeschränkten Bewegungsbereich:

40 Grad Flexion – 5 Grad Extension

Abb. 1: Ablauf der Untersuchung

2. Kujala-Score

Nach der Anamnese füllte die Patientin den

Kujala-Scorebogen aus. Dieser validierte

Score wurde speziell zur Diagnostik des vorderen

Knieschmerzes konzipiert und wird

daher oft verwendet und empfohlen. Dabei

gehen häufig durchgeführte Alltagsaktivitäten

wie Treppensteigen und Kinobesuch

als auch sportliche Aktivitäten wie Joggen

und Springen in den Score ein. Er umfasst

24 physio-Journal


VORGESTELLT

insgesamt 13 Fragen und ist vom Patienten

auszufüllen. Der Score reicht von 0–100.

Ein höherer Wert bedeutet einen besseren

Zustand oder keine Einschränkung. Eine

klinisch signifikante Verbesserung, z. B. im

Zuge einer therapeutischen Intervention,

wird bei einer Zunahme von 8–10 Punkten

gesehen. Ein Wert unter 80 ist in jedem Fall

als patellofemorales Schmerzsyndrom einzustufen.

Bei der Patientin ergab sich ein

Wert von 64 (von 100), was eine eindeutige

Zuordnung zum patellofemoralen Schmerzsyndrom

erlaubte.

3. Untersuchung

Nach der Anamnese wurde ein Sicht- und

Tastbefund bei der Patientin durchgeführt:

• Hierbei war eine Atrophie des M. vastus

medialis obliquus an der rechten, betroffenen

Seite sichtbar.

• Beim Krepitationstest waren deutliche

Krepitationen retropatellar rechts tastbar.

• Eine Lateralisierungstendenz der Patella

zwischen 30 und 0 Grad bestand nicht.

• Beim exzentrischen Stepptest zeigte die

Patientin einen auffälligen Kniekollaps, allerdings

beidseits, wobei die Unsicherheiten

auf der verletzten Seite größer waren

als auf der unverletzten.

• Beim Koordinationstest zeigte die Patientin

keine Auffälligkeiten.

• Der Apprehension-Test war unauffällig.

• Bei der physiotherapeutischen Untersuchung

zeigte sich außerdem ein Streckdefizit

rechts, wobei hier von einer kapsulären

Einschränkung auszugehen ist. Es

bestehen keine Muskelverkürzungen.

Abb. 2: Drehmomentkurve des isokinetischen Tests, bilateral mit 4 Wiederholungen

bei 60 Grad/s; rot: rechtes (betroffenes) Knie, blau: linkes Knie.

Bei der höheren Geschwindigkeit, die eher

die lokale Muskelausdauer abdeckt, wurden

keine Differenzen festgestellt. Die Messung

erfolgte bei 210 Grad/s. Insofern ist bei dieser

Patientin von einem allgemeinen Kraftdefizit

durch einen Bewegungsbereich von

90–0 Grad auszugehen, wobei aufgrund

der Beschwerdesymptomatik von 4 auf der

Visuellen Analogskala (VAS) auch eine anteilige

neurogene Hemmung anzunehmen

ist.

Das größte Defizit im Rechts-Links-Vergleich

(BG-Bericht) zeigte sich bei einem

Winkel von 30 Grad Flexion und lag bei

33,8 %. Dies bedeutet, dass die Kraft im

endgradigen Bewegungsbereich gegenüber

dem gesunden Kniegelenk um ein Drittel

vermindert ist.

4.2. Re-Test (nur rechtes Kniegelenk)

Um einen Zuwachs des Drehmoments durch

Lerneffekte auszuschließen bzw. zu bestimmen,

wurde nach der ersten isokinetischen

Messung ein zweiter Messvorgang (Kraftreproduzierbarkeitstest)

nur mit dem betroffenen,

rechten Kniegelenk durchgeführt.

Hierbei zeigte sich eine Kraftzunahme

des maximalen Drehmoments um 24,9 %.

Diese Zunahme führen wir auf den entstandenen

Lerneffekt zurück.

4. Apparative Testung

4.1. Isokinetischer Test des

M. quadriceps bilateral

Beim isokinetischen bilateralen Vergleich

(klassischer BG- oder empfohlener Bericht

des deutschen gesetzlichen Unfallversicherungsträgers)

zeigte sich bei einer Winkelgeschwindigkeit

von 60 Grad/s ein Defizit

im maximalen Drehmoment der Extensoren

bzw. des M. quadriceps von 25,9 % (Abb. 2).

Auch bei den Flexoren zeigte sich eine Differenz,

die allerdings nicht so ausgeprägt war.

Abb. 3: Drehmomentkurve des rechten Knies; Blau: Ausgangswert aus dem ersten Test

(s. Abb. 2), Rot: Kraftzuwachs beim Re-Test von 24,9 % im Sinne eines Lerneffekts.

physio-Journal 25


VORGESTELLT

Abb. 4: Anlage des elastischen Bandes.

4.3. EMG-gestützte Muskelfunktionsdiagnostik

im eingeschränkten

Bewegungsbereich: 40 Grad

Flexion – 5 Grad Extension

Aufgrund der beim Test durch den gesamten

Bewegungsbereich entdeckten Defizite

wurde die Patientin einer kurzbogigen

EMG-gestützten Muskelfunktionsdiagnostik

(validierter Versuchsaufbau) zugeführt.

Die EMG-gestützte Muskelfunktionsdiagnostik

zwischen 40 Grad Flexion und 5

Grad Extension deckte genau den Bereich

des Hauptdefizits ab.

Beim ersten Test zeigte sich bei 30 Grad

Flexion ein Drehmoment von 84 Newtonmeter

(Nm).

Bei den elektromyografischen Funktionsparametern

»onset«, i. e. zeitgleiches Einsetzen

der elektromyografischen Aktivität, betrug

die durchschnittliche Aktivierungszeit

für den M. vastus medialis obliquus 0,646

Sek. und für den M. vastus lateralis 0,677

Sek.

Abb. 5: Vollständige Anlage des elastischen

Bandes.

Nach der vollständigen Anlage führte die

Patientin unter Anleitung 20 tiefe Kniebeugen

(Squats) durch (Abb. 6). Anschließend

erfolgte der Re-Test.

4.5. Re-Test: EMG-gestützte

Muskelfunktionsdiagnostik

im eingeschränkten Bewegungsbereich:

40 Grad Flexion – 5

Grad Extension

Im Re-Test ergab sich im betroffenen rechten

Kniegelenk bei 30 Grad Flexion ein Drehmo-

Abb. 6: Squats unter Anleitung.

ment von 105,8 Nm (Abb. 7). Dies bedeutet

einen Zuwachs von 25,9 % im Vergleich

zum ersten Test. Auch die Werte der Gesamtarbeit

haben sich im Re-Test nach der

Intervention von 36,0 Joule auf 48,0 Joule,

also um 33,5 % verbessert.

Die Leistung (in Watt) erhöhte sich um

37,7% im Vergleich zum Ausgangswert im

Test vor der Intervention. Ferner steigerte

sich die Gesamtarbeit von 135,9 Joule auf

181,2 Joule, was einen Zuwachs von 33,3 %

bedeutet.

4.4. Intervention mit dem

elastischen Band

Anschließend wurde die Intervention durchgeführt.

Dabei wurde ein elastisches Latexband

(Stärke: 1 mm, Breite: 5 cm) sehr straff

um das Kniegelenk gewickelt. Die Anlage

begann unterhalb der Tuberositas tibiae und

wurde mit sehr starkem, fortlaufendem Zug

und ca. 50%iger Überlappung nach kranial

gewickelt, bis das gesamte Kniegelenk sehr

fest umschlossen war (Abb. 4 und 5).

Abb. 7: Re-Test: EMG-gestützte Muskelfunktionsdiagnostik mit isolierter Fokussierung

auf die Extension am rechten Kniegelenk; Blau: Test vor der Intervention,

Rot: Re-Test nach der Intervention.

26 physio-Journal


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physio-Journal 31


VORGESTELLT

WCPT 2015 IN SINGAPUR

SINGAPORE INTERNATIONAL CONVENTION AND EXHIBITION CENTRE

Text: Bernard Kolster

Ankunft

Mit Blick auf meine Herausgeberaufgaben beim Manual Physiotherapie

wollte ich mir einen Überblick über den Stand der

Dinge zum Thema »Innovationen in der PT« verschaffen. Dazu

gibt es kaum eine bessere Gelegenheit als den WCPT-Kongress,

der in diesem Jahr in Singapur stattfand. Sowohl der

Kongress als auch der Tagungsort Singapur sind an sich schon

Superlative mit unzähligen hochkarätigen Vorträgen, Symposien,

Postern, Kursen usw. Mehr dazu später.

Durch meine Reisevorbereitungen war mir natürlich klar,

dass Singapur eine gigantische Metropole ist, dass hier extreme

klimatische Bedingungen herrschen (hohe Luftfeuchtigkeit

bei hohen Temperaturen) und dass – neben Tamil,

Malaiisch, Chinesisch – die Amtssprache beruhigender Weise

Englisch ist. Als ich nach dem Flug ein Taxi erwischte, das mich

in mein Hotel bringen sollte, verstand ich aber, dass das Englisch

des Taxifahrers nichts mit meiner Vorstellung von Englisch

gemeinsam hatte. Es handelt sich bei diesem Dialekt um

»Singlish«, also jener Sprache, die von den Angehörigen der

unterschiedlichsten Ethnien (Chinesen, Inder, Malaien und anderen)

zur interkulturellen Verständigung verwendet wird. Auf

jeden Fall habe ich es geschafft, die Adresse meines Hotels

anzugeben und dort auch hinzugelangen. Nachdem ich das

sehr angenehm temperierte Flughafengebäude und danach

das klimatisierte Taxi verlassen hatte, traf mich die Nachmittagshitze

wie eine Keule. Gefühlte 50 °C bei gefühlten 100 %

Luftfeuchtigkeit. Meine klimatischen »Lieblingsbedingungen«.

Tatsächlich lagen die Temperatur bei etwa 33 °C und die Luftfeuchtigkeit

bei ca. 85 % am späten Nachmittag. In der Hotellobby

herrschten dagegen Temperaturen vor wie in einer

Gefriertruhe. Dieser extreme Temperaturwechsel von draußen

nach drinnen und umgekehrt sollte mir dann im weiteren Verlauf

meines Aufenthalts regelmäßig begegnen. Ein mit einigem

Optimismus geniales Training für das Immunsystem!

Nach dem Bezug meiner Unterkunft in der Nähe des Kongressortes

(Singapore International Convention and Exhibition

Centre) in einem zentral gelegenen Stadtteil (CBD – Central

Business District) entschloss ich mich zu einem abendlichen

Rundgang. Über das muslimisch geprägte Kampong Glam

durchstreifte ich Little India, das Gebiet um die Serangoon

Road. Obwohl es inzwischen schon fast Mitternacht war,

herrschte reges Treiben in den Straßen und es war immer noch

sehr, sehr warm. Dann meldete sich auch mein Magen: Hunger!

Essen kann man praktisch überall an jeder Ecke. Gutes

und günstiges Essen findet man auf den sogenannten Hawker

Märkten oder Foodcourts. Hier gibt es ein überaus vielfältiges

Angebot, das alle Geschmacksrichtungen bedient – zu für

Westeuropäer unschlagbaren Preisen (2–5 Euro). Meine von

der Reise überreizten Sinne saugten alle Eindrücke um mich

herum auf und erst weit nach Mitternacht kehrte ich in mein

Hotelzimmer zurück und war endlich müde. Mein Resümee

vor dem Tiefschlaf: Singapur repräsentiert auf engstem Raum

die Vielfalt Asiens.

Der Kongress

Das eigentliche Ziel und Anliegen meiner Reise war die Teilnahme

am WCPT-Kongress. Dieser findet alle vier Jahre statt.

Seit seiner Gründung wurden 17 Weltkongresse abgehalten,

der letzte hier in Singapur, vom 1.– 4. Mai 2015. Der WCPT-

Kongress dürfte die größte internationale Zusammenkunft von

Physiotherapeuten sein. Er dient dem interdisziplinären Austausch

von Physiotherapeuten, Ärzten, Forschern, Politikern

und Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen. WCPT steht

übrigens für World Confederation for Physical Therapy. Diese

Organisation vertritt nach eigenen Angaben mehr als 350.000

Physiotherapeuten über ihre Mitgliedsgesellschaften. Schon seit

1951 ist beispielsweise Deutschland über physio-Deutschland

mit seinen inzwischen 24.872 Mitgliedern dabei (Stand 2015).

Die WCPT wurde 1951 gegründet. Neben Australien, Kanada,

Dänemark, Finnland, Großbritannien, Neuseeland, Norwegen,

Südafrika, Schweden und den USA gehörte übrigens

auch die damalige Bundesrepublik Deutschland zu den Gründungsmitgliedern.

Seit 2015 ist die irische Physiotherapeutin

Emma Stokes die Präsidentin der WCPT. Sie löste die bis dahin

amtierende Marilyn Moffat ab. Hier übrigens ein Grußwort

32 physio-Journal


VORGESTELLT

von Frau Moffat an alle deutschen PT-Azubis, exklusiv für

die Fachwelt: https://www.facebook.com/diefachwelt/

videos/675381622607252/ (Wahlweise kann man auch eingeben:

fachwelt moffat).

Die WCPT repräsentiert also die Physiotherapie und somit

uns »Physios« weltweit. Weiterhin entwickelt sie internationale

Standards der Physiotherapie und der Ausbildung sowie

im Bereich der Forschung.

Der Kongress fand in einem der modernsten Kongresszentren

dieses Planeten statt, dem Suntec Convention & Exhibition

Centre. Die Fassadenfront des Kongresszentrums wurde von

einem gigantischen Videoscreen eingenommen. Das Kongressprogramm

war schier überwältigend: unzählige Vorträge, Seminare,

Symposien und Kurse.

Einige meiner Highlights waren:

• Tendinopathy Rehabilitation and ›Tickets‹ to Treatment [Übersicht

über Behandlung/Rehabilitation von Tendinopathien]

• Stratified Models of Care for Low Back Pain [Behandlungsstrategien

bei lumbalen Rückenschmerzen]

• Strength Training in Physical Therapy [Krafttraining in der

Physiotherapie]

• Sport and Sports Injuries [Sportverletzungen]

• Shoulder Impingement Syndrome: How Does Opinion Regarding

Aetology Influence Treatment? [Impingementsyndrom

der Schulter]

Daneben gab es die sogenannten Poster Sessions, in deren

Rahmen im Kongressverlauf einige hundert Poster unterschiedlichster

Güte ausgestellt wurden.

Wer sich auch im Nachhinein ein genaueres Bild von den

Kongressinhalten machen will, kann über den weiter unten

angegebenen Link zu einer Übersicht aller Veranstaltungen

gelangen. Das Anklicken der jeweiligen Veranstaltung liefert

vielfältige Informationen, Abstracts u. a. Die Veranstaltungen

können auch nach »Types« (Menü rechts) gefiltert werden.

So kann man sich beispielsweise im Handumdrehen alles zum

Thema »State of the Art« durch die Auswahl »Platform: State

of the Art (PLSoA)« anzeigen lassen. Im Grunde ist fast das

gesamte Kongressangebot detailliert dargestellt und durchsuchbar

(Suchbegriffe immer in Englisch eingeben!) Über die

Suche lassen sich gezielt Inhalte abfragen: http://www.professionalabstracts.com/wpt2015/iplanner/

>>

Über diesen Link WCPT_Bildschirmfoto_III.tif aufrufen: http://www.professionalabstracts.com/wpt2015/iplanner/

physio-Journal 33


VORGESTELLT

WCPT 2015 IN SINGAPUR WCPT 2015 IN SINGAPUR WCPT 2015 IN SINGAPUR

Suchmöglichkeit über Schlagworte:

Die Eingabe von Schlagworten führt zur Ergebnisanzeige

von relevanten Vorträgen oder Postern.

Effektiv ist die Suche nach Themen.

Hierzu »Topics« anklicken.

Über die Schlagwortsuche gelangt man zu den jeweiligen Vorträgen

und Postern. Man kann die einzelnen Veranstaltungen,

Poster oder Beiträge anklicken und erhält die Abstracts.

Fazit

Insgesamt war der 17. Weltkongress der WCPT ein gigantisches

Ereignis: Ein vibrierender spannender Treffpunkt für

den Erfahrungsaustausch mit Kolleginnen und Kollegen aus

aller Welt. Exzellente und aktuelle Vorträge über den gesamten

Bereich der PT. Was mir persönlich jedoch fehlte, waren

Vorträge und Übersichten zur Faszienforschung. Dies ist aus

meiner Sicht ein Bereich, in dem sich neue Erkenntnisse ent-

Über diesen Planer lassen sich auch alle (!) Poster anschauen.

Sie befinden sich thematisch und nach Tagen geordnet in der

linken Kolumne, grün hinterlegt. Ein Klick auf die Lupe beim

jeweiligen Titel ruft den entsprechenden Text zum Poster auf.

Stöbern lohnt sich, da es zahlreiche interessante und hochkarätige

Beiträge gibt.

wickeln, die die Physiotherapie nachhaltig prägen und beeinflussen

werden. Aber es gibt ja noch den Faszienkongress

in Washington (The Fourth International Fascia Research

Congress (FRC), Washington, DC, 18.– 20. September 2015)

http://www.fasciacongress.org/2015/. pJ wird darüber

berichten.

34 physio-Journal


BRAINTUNING

Fotolia © scusi

LERNEN UND BEWEGUNG

Text: Patricia Frahm

Ende der 9. Klasse haben Kinder schon 1.200 Stunden sitzend

in der Schule verbracht und 1.600 Stunden vor Bildschirmen.

Ein Blick in das tägliche Bewegungsverhalten von ca. 1.000

Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren zeigt, dass sie alles andere

als regelmäßig aktiv sind. Mit Hilfe eines Bewegungstagebuchs

wurde herausgefunden, dass sie ca. 9 Stunden pro Tag

sitzend oder schlafend verbringen. Gerade einmal 1 Stunde

verbringen sie in Bewegung und davon nur 15 bis 30 Minuten

mit Sport. Jedoch werden mindestens 60 Minuten Sport pro

Tag dringend empfohlen (Seidel 2006). Mögliche Folgen sind

Unruhe, Konzentrationsschwäche und hohe Nervosität, die

zu 87 % zwischen der 4. und 6. Unterrichtsstunde auftreten

(Fölling-Albers 1995). Schwankungen in der Gemütslage und

Konzentration der Schüler sind häufig zu beobachten, jedoch

zeigt sich nach Sportstunden meist eine deutlich bessere geistige

Leistungsfähigkeit (Wamser u. Leyk 2003).

Wirkung

Was bewirkt Bewegung also bei geistiger Anstrengung? Kann

ich nach sportlicher Betätigung sogar besser lernen? Und wie

integriere ich Sport sinnvoll in eine Lernphase ohne nachher

schwitzend über den Unterlagen zu hocken?

Natürlich sind Ruhe und das Stillsitzen der Schüler und Studenten

wesentlich für ein erfolgreiches Unterrichten. Doch ist

es wirklich erwiesen, dass sich das geistige Potential erst dann

entfaltet, wenn der Körper still liegt? Waren es nicht die großen

Philosophen, die beim Spaziergang diskutierten (Zimmer

2004)? Und war es nicht Goethe, bei dem sich seine besten

Ideen und Eingebungen beim Wandern in der Natur

entfalteten (Oppolzer 2004)?

Ein Bericht zu aktuellen Lernmythen von

Lydia Klöckner (2012) zeigt auf, dass »wenn

man einem Kleinkind das Bild von einer

Tasse zeigt, es sich hinterher schlechter

an deren Form erinnern (könne), als

wenn es sie (umfasse) und ihre Konturen

mit den Fingern (nachvollziehe). Ebenso

(sei) es bei Erwachsenen: Wir sollten beim

Lernen unseren Körper einsetzen, um etwas

zu begreifen und verinnerlichen zu

können«.

Rein bio-chemisch gesehen macht

diese Aussage auch durchaus Sinn. Das

Gehirn benötigt 20 % des gesamten Energiebedarfs des Körpers

und wird pro Minute mit ca. 0,75 Litern Blut durchströmt.

Es ist also ein durchaus aktives Organ. Sport erhöht die Aktivität

des Blutkreislaufs und fördert so mehr Sauerstoff (O 2 )

durch den Körper. Das Gehirn profitiert sogar schon bei einer

dynamischen aeroben Bewegung von 25 Watt, was einem

langsamen Spaziergang entspricht, mit einer Durchblutungssteigerung

um 20 % (Hartmann et al. 2011). Die bessere O 2 -

Versorgung des Gehirns bewirkt im Detail eine Stimulation der

Synapsen und auch einen Anstieg der regionalen Neubildung

von Neuronen. Dies hat zur Folge, dass Leitungen

und Verbindungen neu konstruiert und geordnet

werden. Somit können neue Informationen

leichter entschlüsselt und vom Gehirn aufgenommen

werden (Hollmann u. Strüder

2009). Daraus lässt sich schließen, dass

eine aerobe dynamische Muskelbeanspruchung

die Fähigkeit zur Gehirnplastizität

vergrößert und somit einen positiven Einfluss

auf die Qualität und Quantität von

Fotolia © scusi

Neuronen und Synapsen hat. Die geistige

Leistungsfähigkeit ist bei körperlicher Aktivität

also höher als in Inaktivität.

Ein weiterer erfreulicher Effekt der höheren

Durchblutung, ist die Ausschüttung

physio-Journal 35


BRAINTUNING

LERNEN UND BEWEGUNG

von Endorphinen, Dopamin und Serotonin um das ca. 3 bis

4-fache, was zur Stimmungsverbesserung und Schmerzdämpfung

führt (Spitzer 2012).

Hollmann et al. kamen 2007 in einer Studie über körperliche

Aktivität bei Senioren zu dem Ergebnis, dass eine Verbesserung

der Lernleistung durch Bewegung nicht nur in jungen Jahren

möglich ist. Die Untersuchung ergab, dass Sport, insbesondere

das Ausdauertraining (2 x /Woche 60 Min. Spaziergang), zu einer

ökonomischeren Arbeitsweise des Gehirns auch bei untrainierten

Senioren führte. Die kognitive Leistung untrainierter

50 bis 60-Jähriger zeigte eine deutliche Verbesserung nach

einem Jahr Training. Auch der Abbau kognitiver Fähigkeiten

bei körperlich aktiven älteren Frauen (> 65 Jahre) verlief langsamer

als bei gleichaltrigen inaktiven (Hollmann et al. 2007).

Wege zum erfolgreichen Lernen

Natürlich führt Sport, wenn man ihn regelmäßig betreibt, zur

Verbesserung der psychischen Aktivität, doch wie lässt sich

das Gehirn zu Höchstleistungen motivieren?

Im Schulunterricht wird leicht eine Lösung gefunden. Die

Schüler können auf zwei Weisen zum erfolgreichen Lernen

kommen:

1. Lernen mit Sport: Dies bedeutet im Klartext, dass sich Kinder

neue Informationen mittels Aktivität erschließen. Durch

selbst durchgeführte Experimente und Erkundungen gestaltet

sich das Lernen abwechslungsreich und die Eigeninitiative

steht dabei im Vordergrund (Müller u Rochelt 2004, Müller u

Petzold 2006).

2. Lernen durch Sport: Hierbei werden zusätzliche Informationszugänge

erschlossen. Es wirken nicht nur optische und

akustische Reize auf den Schüler, sondern auch taktile (Tastsinn)

und statico-dynamische (Gleichgewichtssinn). Diese werden

als Weg zum Lernerfolg eingesetzt (Müller u. Rochelt 2004).

Auch Erwachsene können versuchen, ihre Lernphasen durch

kurzzeitige Bewegung zu unterbrechen, um so das Gehirn

wieder aufnahmefähig zu machen.

1. Bewegungsanlässe schaffen: Sitzen unterbrechen, Sitzhaltung

verändern (dynamisches Sitzen), Bewegung zulassen

bzw. einfordern (zum Papierkorb/Toilette gehen), Zehenwackeln/Strecken

(Schraml 2010).

2. Bewegungspausen: erfolgen spontan oder geplant, dienen

zur körperlichen und geistigen Regeneration, mehrere

kleine Pausen zum Essen, Trinken und Spazieren

3. Entspannungs- und Stillübungen: tiefes und bewusstes

Atmen für einige Minuten, (Selbst-) Massage, Phantasiereisen,

Gymnastik am Arbeitsplatz

4. Themenbezogene Bewegung mit Fachinhalt verknüpfen:

Versuche, Experimente, auch selbst schreiben/aufsagen,

eigene Darstellung des Gelernten (Bilder, Modelle, kleinere erklärende

Videos gestalten …)

Es gibt also einige Wege, sein Lernen über Bewegung zu verbessern.

Am besten probierst Du es einfach aus!

Literatur

Anrich C. (2002): Bewegte Schule–Bewegtes Lernen. Bd. 2. Bewegungein

Unterrichtsprinzip. Klett, Leipzig: 35–41.

Die Welt (2010): Mehr Sport hilft Schülern beim Lernen. Zugriff am

02.09.2015: http://www.welt.de/gesundheit/article8145391/Mehr-Sporthilft-Schuelern-beim-Lernen.

html.

Fölling-Albers M. (1995): Kindheitsforschung und Schule. In: Jumann I.,

(Hrsg.): Kindheit und Schule. Beltz, Weinheim/Basel: 11–20.

Hollmann W., Strüder H. K. (2009). Sportmedizin. Grundlagen zum

motorischen Leistungsverhalten. Schattauer, Stuttgart: 34.

Hollmann W., Strüder H. K., Tagarakis C. V., King G. (2007): Physical

activity and the elderly. European Journal of Cardiovascular Prevention

and Rehabilitation 14(6): 730.

Klöckner L. (2012): Tipps, die das Lernen leichter machen. Zugriff am

2.09.2015: http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2012-11/Manfred-

Spitzer-Lernmythen.

Krüger M. (2010): Bewegtes Lernen im Biologieunterricht – Ein Unterrichtskonzept

zur Förderung des Lernerfolgs. Sportunterricht 59(11):

328–333.

Müller C., Rochelt A. (2004): Bewegtes Lernen im Fach Biologie. Klassen

5 bis 10/12. Didaktisch-methodische Empfehlungen. Academica, Sankt-

Augustin: 7.

Müller C., Petzold R. (2006): Bewegte Schule. Aspekte einer Didaktik der

Bewegungserziehung in den Klassen 5 bis 10/12. Academica, Sankt-

Augustin: 42.

Oppolzer U. (2004): Bewegte Schüler lernen leichter. Ein Bewegungskonzept

für die Primarstufe, Sekundarstufe I und II. Borgmann, Dortmund: 9.

Seidel I. (2006): Beweg-Gründe für Bewegung, Spiel und Sport in der

Schule. Zugriff am 3.09.2015: http://www.sport.kit.edu/foss/img/content/Newsletter_Mai_2006.pdf.

Wamser P., Leyk D. (2003): Einfluss von Sport und Bewegung auf Konzentration

und Aufmerksamkeit: Effekte eines »Bewegten Unterrichts«

im Schulalltag. Sportunterricht. 52(4): 108–113.

Waschler G., Leitner M. (2015): Bewegter Ganztag. Daten zur Analyse

der schulischen Situation in Niederbayern und Oberösterreich mit Handlungsempfehlungen.

Meyer + Meyer Verlag, Aachen: 434–440.

Zimmer R. (2004): Toben macht schlau! Bewegung statt Verkopfung.

Herder-Spektrum, Freiburg: 9.

36 physio-Journal


REFRESHER- UND

PRÜFUNGSFRAGEN

Egal ob man gerade in der Ausbildung steckt, oder diese

schon absolviert hat – man muss als Physiotherapeut eine

ganze Menge wissen. Dabei weiß man häufig gar nicht

mehr, mit was man sich schon alles beschäftigt hat.

BRAINTUNING

Hier findet Ihr einige Fragen, die in Prüfungen

häufig abgefragt werden und mit denen Ihr testen

könnt, was Ihr noch alles wisst. Die passenden

Antworten findet Ihr in der nächsten Ausgabe des

physio-Journals. Viel Spaß beim Lösen.

?

1. Wie kann man den Schweregrad bei

Spondylolisthesis einteilen?

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..............................................................................................

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2. Welche diagnostischen Maßnahmen sind nötig, um bei

unklarem Befund ein Mamma-Ca zu diagnostizieren?

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3. Beschreiben Sie die klinische Untersuchung der

Stand- und Gangsicherheit an einem Testbeispiel.

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4. Was versteht man unter einem Pseudokrupp?

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5. Welche Folgeerkrankungen können durch

Arteriosklerose entstehen?

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6. Welche Mechanismen müssen im fetalen Kreislauf bei

der Geburt umgestellt werden?

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7. Was versteht man unter primären und sekundären

Knochenbruchheilungen?

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..............................................................................................

8. Welche Belastung kann durch eine konstitutionell

bedingte Plus-Oberlänge resultieren?

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9. Nennen Sie fünf wichtige Symptome bei Mukoviszidose.

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10. Wie verändert sich der Blutdruck im Alter?

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11. Was sind Risikofaktoren für eine Phlebothrombose?

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12. Wozu dient die Glasgow Coma Scale?

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..............................................................................................

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..............................................................................................

Übrigens: Viele dieser Fragen stammen

aus dem Heller-Skript, einer Skript-Reihe,

die kurz und bündig die wesentlichen

Themen der einzelnen Fächer

zusammenfasst.

Mehr Infos unter

www.hellerskripte.de

Damit der Pool an Fragen und Aufgaben immer weiter wachsen kann, brauchen wir Dich!

Schicke uns Fragen, die Dir in Klausuren gestellt wurden, die Du Deinen Vorgängern aus der Nase ziehen konntest

oder die im Dunstkreis geheimer Ordner in deiner Schule kursieren.

physio-Journal 37


!

BRAINTUNING

ANTWORTEN

ZUM WISSENSCHECK

DER 7. AUSGABE

In der 7. Ausgabe haben wir Euch einige examensrelevante

Fragen aus den Hellerskripten vorgestellt. Die dazugehörigen

Antworten wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten! Falls

Ihr noch weitere Fragen und Antworten als Lernhilfe benötigt,

dann schaut einfach mal in die Hellerskripte rein!

Mehr Infos unter www.hellerskripte.de

Frage 1:

Eine schmerzhafte Menstruation wird als Dysmenorrhoe

bezeichnet.

Frage 2:

Therapiemöglichkeiten bei Tendopathien

• Querfriktion

• Dehnung

• Detonisierung

• Kryotherapie

• Elektrotherapie

Frage 3:

Wenn eine Zyanose kardial bedingt ist, tritt auch durch

O 2 -Gabe von außen keine Besserung ein.

Frage 5:

Patienten mit einer Schädelfraktur haben häufig ein Brillenhämatom.

Frage 6:

Nach einer Brustkorbverletzung können folgende

Komplikationen auftreten:

• Hämatothorax

• Pneumothorax

• Verletzung abdominaler und thorakaler Organe

und Gefäße

Frage 7:

Bei einer auxotonischen Kontraktion ändert sich sowohl die

Länge als auch die Spannung des Muskels.

Frage 4:

Akute Erkrankungen des Venensystems sind

• Thrombophlebitis

• Phlebothrombose

SOFTWARE UND

ABRECHNUNG AUS EINER HAND

PERSÖNLICHE BETREUUNG

DURCH EINEN ANSPRECHPARTNER

Die azh

wünscht Ihnen

frohe

Weihnachten!

Damit in Ihrer Praxis

alles rund läuft.

Wer für seine Patienten jeden Tag sein Bestes gibt,

verdient einen starken und zuverlässigen Partner.

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38 physio-Journal

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BRAINTUNING

ANATOMIE ZUM SAMMELN

M. gluteus maximus

In der nächsten Ausgabe:

physio-Journal

M. piriformis


physio-Journal 39


BRAINTUNING

MT BEFUNDBOGEN

»GROSSZEHENGRUNDGELENK«

Inspektion

Rechts

Name:

Datum:

Links

Palpation

Aktive Plantarflexion

Passives Weiterbewegen in Plantarflexion

Passive Plantarflexion

Aktive Dorsalextension

Passives Weiterbewegen in Dorsalextension

Passive Dorsalextension

Aktive Abduktion

Passives Weiterbewegen in Abduktion

Passive Abduktion

Aktive Adduktion

Passives Weiterbewegen in Adduktion

Passive Adduktion

Ausmaß/Quantität Qualität/EG Ausmaß/Quantität Qualität/EG

Traktion (Tarsometatarsalgelenk)

Kompression (Tarsometatarsalgelenk)

Gleiten nach dorsal (Tarsometatarsalgelenk)

Gleiten nach plantar (Tarsometatarsalgelenk)

Gleiten nach dorsal (proximale metatarsale Syndesmose)

Gleiten nach plantar (proximale metatarsale Syndesmose)

Gleiten nach dorsal (distale metatarsale Syndesmose)

Gleiten nach plantar (distale metatarsale Syndesmose)

Traktion (Metatarsophalangealgelenk I)

Kompression (Metatarsophalangealgelenk I)

Gleiten nach dorsal (Metatarsophalangealgelenk I)

Gleiten nach plantar (Metatarsophalangealgelenk I)

Gleiten nach tibial (Metatarsophalangealgelenk I)

Gleiten nach fibular (Metatarsophalangealgelenk I)

R Plantarflexion

R Dorsalextension

R Abduktion

R Adduktion

Kraft Schmerzen Kraft Schmerzen


40 physio-Journal


BRAINTUNING

SHORTIES PHYSIOLOGIE

Jeder kennt das: die Ausbildung und das Studium zum Physiotherapeuten

beinhalten vor allem in den Fächern Physiologie, Anatomie

und in den klinischen Fächern zahlreiche sehr komplexe Themengebiete,

die man sich immer wieder durchlesen muss, um sie endlich

zu verstehen. Leider sind in der Fachliteratur die spannenden

und kniffligen Themen auch sehr komplex und langatmig beschrieben.

Deshalb wollen wir Euch gerne ein bisschen unterstützen und

kleine Shorties verzehrfertig servieren. Hier findet Ihr knifflige Themen-gebiete

häppchenweise kurz und prägnant zusammengefasst.

Fotolia © Eric Isselée

Viel Spaß und Erfolg beim Lesen und Verstehen!

Immunsystem Teil 1 – die Bestandteile

Text: Lina Wirtz

L Tagtäglich setzen wir uns als Physiotherapeuten mit dem

Immunsystem unserer Patienten und unserem eigenen auseinander.

Natürlich verläuft dies zumeist unbewusst, es ist aber

eines unserer wichtigsten Systeme. Denn ohne einen guten

Schutzschild ist jede Strategie und Therapie erfolglos.

Nehmen wir zum Beispiel die Reaktion des Körpers auf

eine Überlastung am Gelenk. Der Bereich schmerzt, wird rot,

schwillt an, lässt sich nicht mehr gut bewegen. Der Körper

signalisiert über einen fortlaufenden Prozess, dass er geschont

werden muss. Aber welche Bestandteile unseres Körpers kümmern

sich eigentlich um diese Außenwirkung? Dies gilt es im

Folgenden zu erfahren.

Ganz grob gehören Antikörper, Immunzellen und Immunorgane

zum Immunsystem. Sie sorgen für die Immunantwort

sobald – in den meisten Fällen – Erreger den Körper angreifen.

IMMUNANTWORT

Das ist die Reaktion, welche der Körper

als Antwort auf ein Antigen aussendet.

ANTIKÖRPER

Dies sind globuläre Proteine, die von zu

Plasmazellen differenzierten B-Lymphozyten

produziert und sezerniert werden.

Immunorgane

Komponenten des Immunsystems

Oberflächenbarriere

Beginnen wir von außen nach innen. Ganz außen, wichtig

und groß, aber oft vergessen in diesem Zusammenhang, ist

die Haut. Sie schützt uns durch ihre Barrierefunktion vor den

stetig eintreffenden Angriffen durch Antigene. Durch den

engmaschigen Verbund aus Zellen und zusätzlichen Kollagenen

ist diese Funktion bei einer intakten Hautoberfläche der

erste Schutz gegenüber der Außenwelt. Daher sollte gerade

bei häufigem Desinfizieren auf die darauffolgende Pflege geachtet

werden.

Zusätzlich verfügt der menschliche Körper über Schleimhäute,

welche uns zusätzlich schützen. Als Beispiel wäre hier

die Nase zu nennen. Hier verfangen sich Partikel in der Nasenschleimhaut

und werden ausgereinigt.

Humorale Abwehr

Hierunter fallen alle Substanzen, die nicht zellulär, sondern auf

Plasmaproteinen basieren.

E Antikörper

E Komplementfaktoren

E Interleukine

Zelluläre Abwehr

Primär lymphatische Organe

Sekundär lymphatische Organe

Knochenmark

Tonsillen

Stammzelle im Knochenmark

Thymus

Lymphknoten

Gemeinsame

myeloide Vorläuferzelle

Gemeinsame

lymphatische Vorläuferzelle

Appendix vermiformis

Milz

Peyer-Plaques

Thrombozyten

Erythrozyten

Granulozyten Monozyten Natürliche

T–

B–

Killer (NK)-Zellen

Lymphozyten

Lymphozyten

In den Immunorganen ist lymphatisches Gewebe vorhanden.

Die Differenzierung ergibt sich daraus, dass in den primären

Immunorganen Zellen heranreifen (T-Lymphozyten im Thymus

und Vorläuferzellen der B-Lymphozyten) und in den sekundären

lymphatischen Organen die Antigene und die »kämpfenden«

Zellen des Immunsystems zusammengeführt werden.

Daher ist ein Entfernen der Tonsillen oder der Lymphknoten

immer ein Risiko für das Funktionieren des Immunsystems.

Plasmazelle

Neutrophlie basophile eosinophile

Granulozyten

T-Gedächtniszellen

Zytotoxische T-Zellen

T-Helferzellen

regulatorische T-Zellen

Mastzellen Makrophagen Dendritische

Antikörper

Zellen

Autoantikörper

Zelluläres Abwehrsystem (modifiziert nach: www.das-immunsystem.de)

physio-Journal 41


BRAINTUNING

SHORTIES PHYSIOLOGIE

Einteilung

Die angeborene Immunreaktion ist die, die dem Körper von

Geburt an zur Verfügung steht, hingegen ist die adaptive jene,

die mit dem Immungedächtnis verstrickt ist.

ENTWICKLUNGSZEITPUNKT

Angeborene Immunreaktion

Adaptive Immunreaktion

SPEZIFITÄT

Unspezifische Immunreaktion

Spezifische Immunreaktion

KONTAKT

Primäre Immunreaktion

Sekundäre Immunreaktion

KOMPONENTEN

Zelluläre Immunreaktion

Humorale Immunreaktion

IMMUNGEDÄCHTNIS

Hier speichert der Körper bereits

eingetroffene und phagozytierte Antigene.

Diese können dann nach dem

»Schlüssel-Schloß-Prinzip« beim

nächsten Eintreffen dieses Antigens

eingesetzt werden und eine schnellere

Immunreaktion hervorrufen.

Bei der unspezifischen Immunreaktion phagozytieren Makrophagen

und Granulozyten gemeinsam mit der humoralen Immunabwehr

alles, was keinen körpereigenen Ausweis hat. Die

spezifische Immunreaktion ist ein Synonym für die adaptive

Immunabwehr. Trifft ein Antigen zum ersten Mal auf den Körper

bzw. die Zellen des Immunsystems, so bezeichnet man die

darauffolgende Reaktion als primäre Immunreaktion. Im Falle

dessen, dass das Antigen zum wiederholten Male angreift, tritt

die sekundäre Immunreaktion in Kraft. Nun sind die Bestandteile

und die Grundlage erläutert, im nächsten Heft lest ihr

dann, wie die einzelnen Zellen aufeinanderfolgend reagieren.

Literatur:

Gekle M., Gründer S., Petersen M., Wischmeyer E. (2010): Atmung und Säure-

Basen-Haushalt. Taschenlehrbuch Physiologie. Thieme, Stuttgart: 279 ff.

Zalpour C. (2010): Das Atmungssystem. Anatomie Physiologie.

Elvesier, München: 443 ff.

http://das-immunsystem.de/fuer-jedermann/unser-immunsystem/die-menschlichen-immunzellen

(Zugriff am: 29.10.2015)

Frankfurt Sa. 12. Dez. 2015

Sa. 12. März 2016

Leipzig Sa. 09. Jan. 2016

Di. 09. Feb. 2016

Bad Sa. 09. April 2016

Dürkheim Sa. 18. Juni 2016

Trier Sa. 09. April 2016

Sa. 25. Juni 2016

Infotage 2015/2016:

Neuss Sa. 16. April 2016

Sa. 04. Juni 2016

Gersfeld Fr. 22. April 2016

Sa. 04. Juni 2016

Würselen Fr. 22. April 2016

Sa. 11. Juni 2016

Berlin Sa. 23. April 2016

Sa. 16. Juni 2016

Kostenlose

Informations-

Veranstaltungen!

Bitte telefonisch, per

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42 physio-Journal


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FÜR DEN PRAXISALLTAG

Tests und Assessmentinstrumente

NORDISCHER FRAGEBOGEN

Fragebogen über Beschwerden

am Bewegungsapparat

Was ist das?

Der Nordische Fragenbogen zur Analyse von

Muskel-Skelett-Symptomen (Nordic Musculoskeletal

Questionnaire – NMQ) ist ein häufig

verwendetes Instrument zur Erfassung

und Einschätzung von muskuloskeletalen

Beschwerden. Sein Einsatz dient vor allem

der Beurteilung von Prävalenz (Lebenszeitprävalenz,

12-Monats-P., Punktp.) und Dauer

der Beschwerden (Legault et al., 2014).

Bei seiner Entwicklung wurden ursprünglich

zwei Hauptziele verfolgt: einerseits ein

Screeninginstrument zu entwickeln, um arbeitsbedingte

Belastungen und Beschwerden

darstellen zu können und andererseits

eine Unterstützung arbeitsmedizinisch tätiger

Professionen anbieten zu können (Kourinka

et al., 1987).

Wie geht das?

Der Nordische Fragebogen liegt in verschiedenen

Versionen vor. Im Kern aber werden

zwei Hauptbestandteile des Instruments unterschieden.

Der erste Abschnitt fragt nach

allgemeinen Informationen zur Person und

zur jeweiligen Arbeitssituation. Außerdem

werden neun Körperregionen hinsichtlich

früherer oder aktueller Beschwerden abgefragt

(siehe Infografik). Damit sollen Muskel-Skelett-Probleme

aufgedeckt und den

entsprechenden Körperarealen zugeordnet

werden. Der zweite, spezifischere Teil des

Instrumentes betrachtet die Regionen Nacken,

Schultern und Rücken genauer. Hier

werden die Dauer der Beschwerden sowie

potentielle (arbeitsbedingte) Ursachen für

Schmerzen abgefragt. Wenn in einer der

genannten Regionen keine Probleme bestehen,

kann dieser Teil des Fragebogens übersprungen

werden (BAuA, 1999).

Der Nordische Fragebogen kann sowohl

als Selbstbeurteilungsinstrument als auch für

Interviews genutzt werden. Die Beantwortung

nimmt etwa 15–20 Minuten in Anspruch.

In der Auswertung des Fragebogens ergeben

sich Hinweise auf Beschwerden in verschiedenen

Körperregionen sowie ein möglicher

Bezug zu arbeitsbedingten Ursachen.

Darauf aufbauend kann eine gezielte Therapie

und Beratung hinsichtlich des Arbeitsplatzes

vorgenommen werden.

Wozu?

Text: Silke Wolf

Das Haupteinsatzgebiet des Nordischen Fragebogens

ist nach wie vor die Arbeitsmedizin.

Ursprünglich für die Anwendung in diesem

Bereich entwickelt, stellt das Instrument

eine international anerkannte Möglichkeit

zur standardisierten Einschätzung des Gesundheitszustandes

dar (AWMF, 2013).

Aber auch der Einsatz im Praxisalltag ist

möglich. Allerdings sollte der Fragebogen

aufgrund des zeitlichen Aufwandes dann

eher vom Patienten selbst bzw. außerhalb der

Behandlungszeit beantwortet werden. Wei-

INFOGRAFIK

Nacken

Schulter

Oberer

Rücken

Hand

Unterer Rücken,

Kreuzregion

Hüften

Knie

Füße,

Unterschenkel

Abgefragte Körperregionen im Nordischen Fragebogen

(modifiziert nach: www.rueckenkompass.de)

terhin hat eine französische Studie die Anwendung

des Instrumentes bei Kindern und

Jugendlichen untersucht. Die angepasste

Version, der »Teen Nordic Musculoskeletal

Screening Questionnaire (TNMQ-S)«, stellt

eine gute Möglichkeit dar, auch Heranwachsende

bezüglich muskuloskeletaler Beschwerden

zu befragen (Legault et al., 2014).

Zusammenfassung

Der Nordische Fragebogen ist ein gut untersuchtes,

international verwendetes Instrument

zur subjektiven Erfassung und

Beurteilung (arbeitsplatzbezogener) Muskel-

Skelett-Beschwerden. Er kann als Screeninginstrument

und zur Verlaufsdokumentation

eingesetzt werden und ist (in veränderter

Form) auch bei Kindern und Jugendlichen

anwendbar. Die zusätzliche Anwendung

von Schmerzskalen (bspw. Visuelle Analog

Skala) und körperlichen Untersuchungen

sind allerdings zur umfassenden Befunderhebung

unentbehrlich. Auch die subjektive

Beurteilung von psychischen Belastungen

am Arbeitsplatz wird durch den Nordischen

Fragebogen nicht abgedeckt.

Weitere Informationen und eine deutsche

Version des Instrumentes finden sich unter:

www.rueckenkompass.de/methoden.

Literatur

AWMF (2013): S1-Leitlinie Körperliche Belastungen des

Rückens durch Lastenhandhabung und Zwangshaltungen

im Arbeitsprozess.

BAuA (1999): Praxisorientiertes Methodeninventar zur Belastungs-

und Beanspruchungsbeurteilung im Zusammenhang

mit arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Barros de. E. N. C., Alexandre N. M. C. (2003): Cross-cultural

adaptation of the Nordic musculoskeletal questionnaire.

In: International Council of Nurses International Nursing

Review 50: 101–108.

Giberti C., Gallo F., Francini L., Signori A., Testa M. (2014):

Musculoskeletal disorders among robotic surgeons:

A questionnaire analysis. In: Archivio Italiano di Urologia

e Andrologia 86(2): 95–98.

Kuorinka B. et al. (1987): Standardised Nordic questionnaires

for the analysis of musculoskeletal symptoms.

Applied Ergonomics 18(3): 233–237.

Legault É. Et al. (2014): Assessment of musculoskeletal

symptoms and their impacts in the adolescent population:

adaptation and validation of a questionnaire.

BMC Pediatrics 14: 173.

www.rueckenkompass.de/download_files/doc/Fragen-

Nordischer.pdf (Zugriff am: 17.9.2015)

physio-Journal 43


FÜR DEN PRAXISALLTAG

Text: Susanne Klotz

DIAGNOSTIK

BLUTSENKUNGSGESCHWINDIGKEIT

Willkommen zu einer neuen Ausgabe unserer Diagnostik-Reihe. Ab heute wird ein neues Kapitel aufgeschlagen und

wir widmen uns der Labordiagnostik. Den Anfang macht die Blut(körperchen)senkungsgeschwindigkeit (BSG). Dieses

Verfahren hat viele Bezeichnungen, dementsprechend vielfältig sind auch die Abkürzungen: Neben BSG wird es auch

als Blutsenkungsreaktion (BSR), Blutkörperchensenkung (BKS) oder Erythrozytensedimentationsrate (ESR) bezeichnet.

Wirkmechanismus

entgegensetzt, nimmt ab. Als Folge sinken die Erythrozyten-

Wie ihr wisst, setzt sich das Blut zu etwa 55 % aus dem flüssigen

Blutplasma und zu 45 % aus festen Blutbestandteilen

zusammen. Blutplasma ist hauptsächlich Wasser (90 %), in

dem Elektrolyte, Nährstoffe, Vitamine und Gase gelöst sind.

Die festen Bestandteile sind rote und weiße Blutkörperchen

(Erythrozyten und Leukozyten) sowie Blutplättchen (Thrombozyten).

Allerdings machen Leukozyten und Thrombozyten zusammen

gerade mal etwa 1 % aus, die überwiegende Mehrheit

sind Erythrozyten. Bei der Blutsenkungsgeschwindigkeit

wird die Geschwindigkeit gemessen, in der Erythrozyten im

ungerinnbar gemachten Blut absinken. Sie reflektiert die Geschwindigkeit,

mit der sich die roten Blutkörperchen aggregieren

würden und ist ein unspezifisches labordiagnostisches

Verfahren bei verschiedenen Erkrankungen.

Doch warum sinken Erythrozyten überhaupt im Blut ab?

Ausschlaggebend sind die unterschiedlichen Dichten der Blutbestandteile.

Erythrozyten haben eine geringfügig höhere

Dichte als Blutplasma, sinken daher in Richtung Gefäßboden.

Allerdings setzt das Blutplasma den roten Blutkörperchen einen

Strömungswiderstand entgegen, so dass das Absinken

nur sehr langsam geschieht. Bei entzündlichen Geschehen

geschieht das Absinken der Erythrozyten beschleunigt. Grund

hierfür ist eine Erhöhung der Konzentration bestimmter Plasmaeiweiße,

Akute-Phase-Proteine genannt. Diese Proteine

verändern die Ladung des Blutplasmas an der Oberfläche

Rollen schneller auf den Boden des Gefäßes. Die Menge der

abgesunkenen Erythrozyten in einem bestimmten Zeitraum

kann Aufschluss über den Zustand des Organismus geben.

Geschichte und Verfahren

Bevor wir zur Durchführung der Blutsenkungsgeschwindigkeit

kommen, unternehmen wir ersteimal einen kurzen Abstecher

zur Entwicklung dieses schnellen, einfach durchzuführenden

und billigen Verfahrens. Die Ursprünge finden sich bereits in

der griechischen Antike. Hier wurde die Sedimentationsrate

von Blutzellen beobachtet um ›schlechte Körpersäfte‹ gemäß

der Vier-Säfte-Lehre nachzuweisen. In der Neuzeit entdeckte

der Pole Edmund Biernacki 1897 den Zusammenhang zwischen

der Blutsenkungsgeschwindigkeit und dem Gesamtzustand

des Organismus. Seine Erkenntnisse gerieten in Vergessenheit

bis sie unabhängig voneinander 1917 vom polnischen

Immunologen Ludwig Hirschfeld und 1918 vom schwedischen

Hämatologen Robert Fahareus wiederentdeckt wurden. Fahareus

setzte die Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit

als Schwangerschaftstest ein. 1921 entwickelte der Schwede

Alf Westergren das Verfahren zur Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit,

das noch heute gebräuchlich ist und

vom Internationalen Rat für Standardisierung in der Hämatologie

(International Council on Standardization in Hematology)

empfohlen wird.

der roten Blutkörperchen. Erythrozyten

Hierzu wird dem venösen Blut der Gerinnungshemmer

Natriumcitrat beigefügt

BSG nach Westergen

sind normalerweise negativ geladen und

Ø 2,5 mm

stoßen sich ab. Durch die vermehrte Einschwemmung

an positiv geladenen Proteinen

verändert sich auch die Ladung

in der Nähe der Erythrozyten. Es kommt

zur Ansammlung der roten Blutkörperchen

in Form sogenannter Erythrozyten-

200 mm

Rollen (im Englischen als Rouleaux formation

bezeichnet). Die Erythrozyten

Blutplasma

Erythrozyten

(im Verhältnis 4 : 1). Heutzutage enthalten

die bei der Blutabnahme verwendeten

Gefäße in der Regel bereits eine

3,8%ige-Citrat-Lösung. Das Citrat-Blut

wird in ein Gefäß mit einer Höhe von

200 mm und einem inneren Durchmesser

von 2,5 mm gegeben. Dieses Gefäß

wird bei Zimmertemperatur aufrecht

stapeln sich quasi übereinander. Dadurch

Erythrozytenrollen

steigt ihr Gewicht relativ zu ihrer Oberfläche

und der Strömungswiderstand,

Meßstrecke zur

Bestimmung der

BSG (in mm)

und vibrationsfrei eine Stunde stehen

gelassen. Dabei sinken die Erythrozyten

im flüssigen Blutplasma nach unten

den das Plasma den Blutkörperchen

a) zu Beginn b) nach 1h

und sammeln sich auf dem Grund des

Fotolia © Inge Knol

44 physio-Journal

BSG nach Westergren


FÜR DEN PRAXISALLTAG

Gefäßes. Nach Ablauf der Stunde wird die Strecke zwischen

dem Boden des Gefäßes und der Spitze der Erythrozytensäule

gemessen. Teilweise wird auch der Gerinnungshemmer EDTA

(Ethylendiamintetraessigsäure) anstelle des Citrats verwandt.

Neben der Westergren Methode gibt es übrigens noch jede

Menge andere, weniger gebräuchliche Verfahren z. B. das

Wintrobe Verfahren, bei dem ein 100 mm Gefäß und Oxalat

als Gerinnungshemmer verwandt werden. Anzumerken ist,

dass bei der Interpretation andere Referenzwerte als bei Westergren

gelten.

Tab. 1: Normwerte (bei der Bestimmung der BSG nach Westergren)

Kinder Unter 6 Monaten 12–17 mm/Stunde

Männer

Frauen

Unter 50 Jahren

Über 50 Jahren

Unter 50 Jahren

Über 50 Jahren

Bis zu 15 mm/Stunde

Bis zu 20 mm/Stunde

Bis zu 20 mm/Stunde

Bis zu 30 mm/Stunde

Je nach Literatur werdet Ihr auch eventuell andere Referenzwerte

finden, da diese für lange Zeit Gegenstand wissenschaftlicher

Diskussion waren und auch teilweise noch sind.

Als Faustregel gilt übrigens ein Anstieg um 0,85 mm/Stunde

alle 5 Lebensjahre.

Diagnostik

Nun zu der Frage, wie uns die Blutsenkungsgeschwindigkeit in

der Diagnostik weiterhelfen kann. Zwei wichtige Grundsätze

gilt es zu beachten. Erstens, sowohl bei Kranken als auch bei

Gesunden kann es zu Abweichungen der Normwerte kommen.

Eine veränderte Blutsenkungsgeschwindigkeit alleine

erlaubt noch keine zuverlässige Aussage über eine Erkrankung,

ebenso wenig wie eine normale BSG eine Krankheit

ausschließen kann. Daher sollten bei der Interpretation der

Werte neben Geschlecht und Alter auch bekannte Erkrankungen

und Medikamenteneinnahme beachtet werden. Ebenso

sollten Befunde weiterer diagnostischer Tests zum Vergleich

herangezogen werden. Zweitens, die BSG eignet sich nicht

als Screeningverfahren bei asymptomatischen Erkrankungen,

sondern wird nur bei Patienten mit Symptomen angewandt.

Neben der Diagnostik von Krankheiten kann die BSG auch zur

Verlaufskontrolle der Krankheitsaktivität oder dem Ansprechen

auf eine Therapie eingesetzt werden.

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit kann natürlich verringert

oder erhöht sein. Kommen wir zuerst zur Verringerung der

Blutsenkungsgeschwindigkeit. Grundsätzlich resultiert diese

entweder aus einer Veränderung der roten Blutzellen oder der

Plasmaeiweiße. So kann eine verringerte BSG ein Anzeichen

für eine Polyglobulie (Zunahme der roten Blutkörperchen) oder

eine angeborene Formveränderung der roten Blutkörperchen

Literatur

Bedell S. E., Bush B. T. (1985): Erythrocyte sedimentation rate. From folklore to facts. The

American Journal of Medicine 78: 1.001–1.009.

Bochen K., Krasowska A., Milaniuk S., Kulczyńska M., Prystupa A., Dzida G. (2011): Erythrocyte

sedimentation rate – an old marker with new applications. Journal of Pre-Clinical

and Clinical Research 5(2): 50–55.

Brigden M. (1998): The erythrocyte sedimentation rate. Still a helpful test when used judiciously.

Postgraduate Medicine 103(5): 257–274.

z. B. Sichel- oder Kugelzellanämie sein. Häufigste Ursache im

Zusammenhang mit veränderten Plasmaeiweißen ist eine Abnahme

des Plasmaeiweißes Fibrinogen, eine Hypofibrinogenämie

(Blutgerinnungsstörung durch Faktor I-Mangel). Iatrogen

kann die BSG verringert sein durch die Einnahme von Cortison,

Salicylate und andere entzündungshemmende Medikamente.

Leistungssportler können ebenfalls eine verringerte

BSG haben, da bei ihnen der Volumenanteil an Erythrozyten

am gesamten Blutvolumen (Hämatokrit) erhöht ist.

Oftmals ist die Blutsenkungsgeschwindigkeit jedoch erhöht.

Den Hauptgrund dafür habt ihr schon kennengelernt:

eine Erhöhung der Konzentration bestimmter Plasmaeiweiße

bei entzündlichen Reaktionen. Die Entzündung kann vielerlei

Ursachen haben und demensprechend groß ist das Indikationsspektrum,

bei dem die BSG erhöht sein kann:

• Infektionen, Sepsis, Osteomyelitis

• Autoimmunerkrankungen z. B. Rheumatoide Arthritis,

Riesenzellarteriitis, Kollagenosen, Diabetes mellitus

• Maligne Geschehen

• Entzündungen durch Trauma oder Operationen

• Entzündungsgeschehen bei bestehenden Erkrankungen

z. B. COPD

• Nephrotisches Syndrom

• Hypothyreoidismus, Thyreoiditis

• Erkrankungen mit arteriosklerotischer Genese

z. B. koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall;

die Gefäße reagieren auf verschiedene Faktoren wie Cholesterol

oder Low Density Lipoprotein mit Entzündungen

als Teil des arteriosklerotischen Prozesses

• U.v.a.

Bei der Verlaufskontrolle von Entzündungen sollte beachtet

werden, dass die BSG nach überstandener Entzündung noch

über einen längeren Zeitraum erhöht sein kann. Eine erhöhte

BSG kann ferner hämatologische Ursachen haben z. B. Paraproteinämien,

die ebenfalls zu einer Ladungsveränderung des Blutplasmas

führen oder Anämien, die aufgrund des verringerten

Hämatokrits die Blutviskosität herabsetzen. Neben all diesen

Erkrankungen kann eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit

auch bei einer Schwangerschaft oder der Verwendung von hormonellen

Kontrazeptiva oder Heparin auftreten. Eine sehr stark

erhöhte BSG wird übrigens auch als Sturzsenkung bezeichnet.

Fazit

Als Fazit könnt ihr mitnehmen, dass die Bestimmung der Blutsenkungsgeschwindigkeit

trotz ihrer Schwächen im Bezug

auf falsch-negative oder falsch-positive Testergebnisse ein oft

eingesetztes Verfahren ist. Sie kann als einer von mehreren

Parametern bei der Diagnostik und Verlaufskontrolle vieler Erkrankungen

dienen.

Olshaker J. S., Jerrard D. A. (1997): The erythrocyte sedimentation rate. The Journal of

Emergency Medicine 15(6): 869–874.

Saadeh C. (1998): The erythrocyte sedimentation rate: old and new clinical applications.

Southern Medical Journal 91(3): 220–225.

Walzog B., Fandrey J. (2010): Blut: Ein flüssiges Organsystem. In: Klinke R, Pape HC, Kurtz

A, Silbernagl S (Hrsg.): Physiologie. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York:

224–256.

physio-Journal 45


FÜR DEN PRAXISALLTAG

§§ GESETZE §§

Text:

Anne Riethmüller

Für viele Schüler und Studierende zählt das Fach

»Berufskunde« nicht gerade zu den spannendsten

Fächern in der Physiotherapieausbildung. Allerdings

kann das Wissen über Regelungen und Gesetze für

die spätere Arbeit sehr wichtig sein. In dieser Rubrik

bekommt Ihr einen Einblick, welche Gesetze besonders

relevant sind und was sie genau bedeuten.

Fotolia © Hans-Jörg Nisch

Illustrationen: Fotolia © Robert Kneschke

Mutterschutzgesetz

Das solltet Ihr (vor allem die Physiotherapeutinnen) beachten:

§

Werdet Ihr als werdende oder stillende Mütter beschäftigt,

hat euer Arbeitgeber darauf zu achten, dass die

Gesundheit von Mutter und Kind nicht durch den Arbeitsplatz

gefährdet werden (§ 2 Abs. 1 Mutterschutzgesetz).

§

Bei Arbeiten, bei denen Ihr ständig stehen/gehen müsst,

hat euer Arbeitgeber eine Sitzgelegenheit zum kurzen

Ausruhen bereitzustellen (§ 2 Abs. 2 Mutterschutzgesetz).

Durchgängiges Arbeiten im Stehen, über vier Stunden

täglich, ist nach Ablauf des 5. Schwangerschaftsmonates verboten

(§ 4 Abs. 2 Mutterschutzgesetz).

§

Weiterhin dürft Ihr nicht mit schweren körperlichen Arbeiten

beschäftigt werden, bei denen ihr regelmäßig

Lasten von mehr als 5 kg Gewicht oder gelegentlich Lasten

von mehr als 10 kg Gewicht ohne mechanische Hilfsmittel

von Hand bewegt (§ 4 Abs. 2 Mutterschutzgesetz).

§

Habt Ihr Euren Urlaub vor Beginn des Beschäftigungsverbotes

nicht oder nicht vollständig erhalten, so könnt

Ihr nach Ablauf der Fristen den Resturlaub im laufenden

oder im nächsten Urlaubsjahr beanspruchen (§ 17 Abs. 1 Mutterschutzgesetz).

§

Die Kündigung während der Schwangerschaft und bis

zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung ist

unzulässig, wenn dem Arbeitgeber zurzeit der Kündigung

die Schwangerschaft bekannt war oder innerhalb von

zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mitgeteilt wird (§ 9

Abs. 1 Mutterschutzgesetz).

§

Zudem dürft Ihr in den letzten sechs Wochen vor der

Entbindung nicht beschäftigt werden, es sei denn, dass

Ihr euch zur Arbeitsleistung ausdrücklich bereit erklärt;

diese Erklärung kann jederzeit von euch widerrufen werden

(§ 3 Abs. 2 Mutterschutzgesetz).

§

Arbeiten, bei denen Ihr Euch häufig erheblich strecken

§

oder beugen müsst, sind ebenfalls untersagt (§ 4 Abs. 2

Mutterschutzgesetz).

Ihr solltet Eurem Arbeitgeber die Schwangerschaft und

den mutmaßlichen Tag der Entbindung mitteilen, sobald

es euch bekannt ist (§ 5 Abs. 1 Mutterschutzgesetz).

§

Außerdem dürft Ihr nicht beschäftigt werden, wenn

eine ärztliche Bescheinigung vorliegt, die besagt, dass

die Gesundheit von Mutter oder Kind bei Fortdauer

der Beschäftigung gefährdet ist (§ 3 Abs. 1 Mutterschutz-

gesetz).

Nach der Entbindung

§

Ihr dürft bis zum Ablauf von acht Wochen, bei Früh- und

Mehrlingsgeburten bis zum Ablauf von zwölf Wochen

nach der Entbindung nicht beschäftigt werden (§ 6 Abs.

1 Mutterschutzgesetz). Bei Frühgeburten verlängern sich die

46 physio-Journal


FÜR DEN PRAXISALLTAG

Fristen zusätzlich um den Zeitraum der Schutzfrist, der nicht

in Anspruch genommen werden konnte (§ 6 Abs. 1 Mutterschutzgesetz).

Arbeitszeiten

§

Werdende und stillende Mütter dürfen nicht an Sonnund

Feiertagen sowie mit Mehrarbeit beschäftigt werden

(§ 8 Abs. 1 Mutterschutzgesetz). Somit dürfen

Frauen unter 18 Jahren nicht über 8 Stunden täglich und erwachsene

Frauen nicht über 8 ½ Stunden täglich arbeiten (§ 8

Abs. 2 Mutterschutzgesetz). Jedoch gibt es Ausnahmen für

tätige Frauen in Kranken- und Badeanstalten. Hierbei dürfen

werdende oder stillende Mütter an Sonn- und Feiertagen beschäftigt

werden, wenn ihnen in jeder Woche einmal eine ununterbrochene

Ruhezeit von mindestens 24 Stunden gewährt

wird (§ 8 Abs. 4 Mutterschutzgesetz).

§

Nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit dürfen Jugendliche

erst wieder nach mindestens 12 Stunden Ruhepause

eingesetzt werden (§ 13 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Zudem dürfen sie nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr

beschäftigt werden (§ 14 Abs. 1 Jugendarbeitsschutzgesetz).

§

Sind sie über 16 Jahre alt, dann dürfen sie im Gaststätten-

und Schaustellergewerbe bis 22 Uhr, in mehrschichtigen

Betrieben bis 23 Uhr, in der Landwirtschaft ab 5

Uhr oder bis 21 Uhr, in Bäckereien und Konditoreien ab 5 Uhr

beschäftigt werden (§ 14 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz).

§

An einem Tag, vor einem Berufsschultag, dürfen Jugendliche

nicht nach 20 Uhr arbeiten, wenn der Berufsschulunterricht

am Berufsschultag vor 9 Uhr beginnt

(§ 14 Abs. 4 Jugendarbeitsschutzgesetz).

§

An Samstagen und Sonntagen dürfen Jugendliche nicht

beschäftigt werden (§ 16 Abs. 1 Jugendarbeitsschutzgesetz;

§ 17 Abs. 1 Jugendarbeitsschutzgesetz). Jedoch

gibt es Ausnahmen. Die Beschäftigung Jugendlicher an Samstagen/Sonntagen

ist zulässig bei einer Tätigkeit u. A. in Krankenanstalten

und in Alten-, Pflege- und Kinderheimen, im Familienhaushalt,

beim Sport sowie im ärztlichen Notdienst und im

Gaststättengewerbe (§ 17 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Jugendarbeitsschutzgesetz

Nun alles Wichtige zum Jugendarbeitsschutzgesetz bezogen

auf den physiotherapeutischen Bereich:

§

Es gilt für alle Personen, die noch nicht 18 Jahre alt sind

und sich in einer Berufsausbildung befinden beziehungsweise

einen Nebenjob ausüben (§ 1 Abs. 1 Jugend-

arbeitsschutzgesetz).

§

Im Jugendarbeitsschutzgesetz ist festgelegt, dass Jugendliche

nicht mehr als 8 Stunden täglich und nicht

mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden

können (§ 8 Abs. 1 Jugendarbeitsschutzgesetz). Außerdem

dürfen sie nur an fünf Tagen in der Woche arbeiten (§ 15 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Zusätzlich haben sie Anspruch auf

zwei Ruhetage, welche nach Möglichkeit aufeinander folgen

sollten (§ 15 Jugendarbeitsschutzgesetz).

§

Weiterhin müssen Ruhepausen eingehalten werden: 30

Minuten bei einer Arbeitszeit von mehr als viereinhalb

bis zu sechs Stunden; 60 Minuten bei einer Arbeitszeit

von mehr als sechs Stunden (§ 11 Abs. 1 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Die Ruhepausen müssen in angemessener zeitlicher

Lage gewährt werden; es gilt: frühestens eine Stunde nach

Beginn und spätestens eine Stunde vor Ende der Arbeitszeit

(§ 11 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz).

§

Darüber hinaus müssen mindestens zwei Samstage beziehungsweise

Sonntage im Monat beschäftigungsfrei

bleiben (§ 16 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz; § 17

Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz). Für den Fall, dass Jugendliche

an einem Samstag/Sonntag beschäftigt werden, ist ihnen

die Fünf-Tage-Woche durch Freistellung an einem anderen

berufsschulfreien Arbeitstag derselben Woche sicherzustellen

(§ 16 Abs. 3 Jugendarbeitsschutzgesetz; § 17 Abs. 3 Jugendarbeitsschutzgesetz).

§

Weiterhin gilt, dass Jugendliche am 24. und 31. Dezember

nach 14 Uhr und an gesetzlichen Feiertagen nicht

beschäftigt werden dürfen (§ 18 Abs. 1 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Erlaubt ist die Beschäftigung Jugendlicher an

gesetzlichen Feiertagen in den Fällen des § 17 Abs. 2, jedoch

nicht am 25. Dezember, am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag

und am 1. Mai (§ 18 Abs. 2 Jugendarbeitsschutzgesetz). Für

den Fall, dass die Beschäftigung an einem gesetzlichen Feiertag

erfolgt, der auf einem Werktag fällt, ist der Jugendliche an

einem anderen berufsschulfreien Arbeitstag derselben oder

der folgenden Woche freizustellen (§ 18 Abs. 3 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Literatur

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2015).

Gesetz zum Schutze der erwerbstätigen Mutter.

Zugriff am 06.09.2015: http://www.gesetze-im-internet.de/muschg/.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (2015).

Gesetz zum Schutz der arbeitenden Jugend.

Zugriff am 06.09.2015: http://www.gesetze-im-internet.de/jarbschg/.

physio-Journal 47


FÜR DEN PRAXISALLTAG

STUDIENZUSAMMENFASSUNGEN

fotolia: © Amero

Studien liefern uns interessante und wichtige Informationen

zur Behandlung unserer Patienten. Doch

leider hat man nicht immer die

Zeit, sich intensiv mit wissenschaftlichen

Arbeiten zu beschäftigen.

Damit Ihr trotzdem einen Einblick in neue

wissenschaftliche Erkenntnisse bekommt, findet Ihr

hier verschiedene Zusammenfassungen von Studien,

die für die Therapie interessant sein könnten.

Was sind prognostische Faktoren für die radiologische Progression der Knie-Osteoarthritis? Eine Meta-Analyse

Hendrik Eggers

K Bastik et al. (2015) untersuchten in einer

Meta-Analyse die prognostischen Faktoren

für eine Progression einer Knie-Osteoarthritis.

Hierzu führten sie eine Recherche in den

Onlinedatenbanken MEDLINE und EMBASE

durch. Ihre Suche ergab 1.912 Artikel, wobei

79 Artikel die Einschlusskriterien erfüllten.

72 dieser Publikationen erzielten eine hohe

Qualität, die restlichen 7 eine geringe Qualität.

Die Ergebnisse enthielten starke Hinweise

darauf, dass das Geschlecht, ehemalige

Knieverletzungen, Rauchen, Laufen und

regelmäßiges Durchführen von Sport nicht

mit einer Knie-Osteoarthritis einhergehen

muss. Weiterhin kamen die Autoren zu der

Erkenntnis, dass ein Varus-Alignment, ein

hohes Baseline-Level der Hyaluronsäure,

der Tumor necrosis factor-a, eine Heberden-

Arthrose sowie ein Basisschmerz in den

Knien prognostische Faktoren für eine Progression

der Knie-Osteoparthritis zu sein

scheinen. Allerdings gaben die Autoren zu

bedenken, dass in den eingeschlossenen Arbeiten

Knie-Osteoarthritis und eine Progression

der Knie-Osteoarthritis unterschiedlich

definiert wurden, was einen Vergleich

erschwerte.

Die Ergebnisse unterstreichen die Wichtigkeit,

dass klinische Studien mit klaren Definitionen

arbeiten sollten, um ein Sammeln

von Informationen und zukünftige Meta-

Analysen zu erleichtern.

fotolia: © PhotographyByMK

Literatur

Bastick et al. (2015):

What Are the Prognostic

Factors for Radiographic

Progression of Knee Osteoarthritis?

A Meta-analysis.

Clinical Ortho-paedics

and Related Research

473(9): 2.969–2.989.

Frühmobilisation nach Knie- oder Hüftgelenksersatz verkürzt Krankenhausaufenthalt

Sarah Klamroth

K Die bisherige Literatur zeigt, dass sich eine

frühe Mobilisation nach dem Einsatz einer

Knie- oder Hüftgelenksendoprothese positiv

auf den Heilungsprozess auswirken kann. Je

früher die Patienten aus dem Bett mobilisiert

werden, desto geringer ist das postoperative

Risiko für tiefe Beinvenentrombosen,

Lungenembolien und Infektionen. Da auch

mögliche negative Aspekte einer Frühmobilisation,

wie z. B. Kreislaufbeschwerden oder

Schmerzen, berücksichtigt werden müssen,

haben Guerra und seine Kollegen (2015) in

einer systematischen Übersichtsarbeit die

Effekte von Frühmobilisation nach Hüft-/

Kniegelenksersatz zusammengefasst.

Anhand einer Recherche in elektronischen

Datenbanken wurden 5 randomisierte kont-

rollierte Studien (622 Patienten) in die Übersichtsarbeit

eingeschlossen. Alle Teilnehmer

dieser 5 Studien befanden sich in der akuten

postoperativen Phase nach Hüft-/Kniegelenksersatz,

wurden jedoch unterschiedlich

schnell nach der Operation mobilisiert (sitzen

am Bettrand, aufstehen und laufen).

Die statistische Zusammenfassung der einzelnen

Ergebnisse (Metaanalyse) zeigte,

dass Patienten, die frühzeitig mobilisiert

wurden (Sitzen 24 Stunden und Laufen 48

Stunden postoperativ), durchschnittlich 1,8

Tage früher aus dem Akutkrankenhaus entlassen

werden konnten. Zudem wirkte sich

die Frühmobilisation positiv auf das Bewegungsausmaß

und die Kraftentwicklung des

betroffenen Beines, und auf die gesundheitsbezogene

Lebensqualität aus. Komplikationen

und negative Begleiterscheinungen

traten bei früher Mobilisation nicht

häufiger auf als bei den Kontrollgruppen.

Eine frühe Mobilisation nach Hüft-/Kniegelenksersatz

kann demnach im Klinikalltag

empfohlen werden, unter Berücksichtigung

des individuellen postoperativen Zustands

der Patienten. Jedoch sollten diese ersten

Erkenntnisse in weiteren Studien untersucht

werden.

Literatur

Guerra et al. (2015): Early mobilization of patients

who have had a hip or knee joint replacement

reduces length of stay in hospital: a systematic

review. Clinical Rehabilitation 29(9): 844–854.

48 physio-Journal


FÜR DEN PRAXISALLTAG

Die Effektivität einer physiotherapeutisch geleiteten Gruppentherapie zur Sturzprophylaxe

Michael Meyer

K Jedes Jahr ist einer von drei Erwachsenen,

die älter als 65 Jahre sind, von einem Sturz

betroffen. Die Folgen davon reichen von

körperlichen bis hin zu psychosozialen Einschränkungen,

wie z. B. verminderte gesellschaftliche

Teilhabe. Aktuelle Studien haben

gezeigt, dass Verletzungen, die durch Stürze

verursacht wurden, 1,85-mal mehr Kosten

verursachen als eine Implementierung einer

Sturzprävention.

Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, physiotherapeutisch

geleitete Gruppentherapien

mit einem traditionellen Einzelprogramm

hinsichtlich der Outcomes Sturzrate, Gleichgewicht,

körperliche Leistungsfähigkeit,

Gesundheitsbezogene Lebensqualität und

der Sturzangst bei älteren Erwachsenen zu

vergleichen und die aktuelle Studienlage

darzustellen.

Die systematische Suche erfolgte in den

gängigen medizinischen Datenbanken (Pub-

Med, CINAHL) und folgte dem PRISMA-

Schema. Dabei konnten insgesamt 213 Artikel

identifiziert werden, wovon schließlich

10 Artikel eingeschlossen wurden. Diese

wurden mit Hilfe der PEDRO-Skala hinsichtlich

ihrer Güte eingestuft.

Zusammenfassend ist die Gruppentherapie

gegenüber keiner Therapie überlegen. Neben

einer Verminderung der Sturzfrequenz

konnte sowohl das Gleichgewicht als auch

die Lebensqualität gesteigert werden. Verglichen

mit einem konventionellen Einzelprogramm

für zu Hause zeigte die Gruppentherapie

keine statistischen Unterschiede.

Allerdings zeigten hierbei die Lebensqualität

sowie die körperliche Funktionsfähigkeit

fotolia: © Robert Kneschke

eine Verbesserung. Es scheint, dass Gruppentherapie

zu mehr Patientenzufriedenheit

führt und eine größere Kontinuität bei der

Durchführung der Übungen bedingt.

Literatur

Martin et al. (2013): The Effectiveness of Physical

Therapist– Administered Group-Based Exercise

on Fall Prevention: A Systematic Review of

Randomized Controlled Trials. Journal of Geriatric

Physical Therapy 36: 182–193.

Welchen Nutzen haben intubierte Patienten auf einer Intensivstation von physiotherapeutischen Maßnahmen?

Anne Riethmüller

K Kathy Stiller untersuchte in einer systematischen

Literaturanalyse, inwiefern atemtherapeutische

Maßnahmen sowie Mobilisationsübungen

einen positiven Effekt für

erwachsene, intubierte Patienten auf einer

Intensivstation haben.

Hierzu erfolgte eine Literaturrecherche

in den Datenbanken PubMed, MEDLINE,

CINAHL, Embase, Pedro und Cochrane

Library. Im Allgemeinen wurden wissenschaftliche

Studien ab dem Jahre 1999 in

die systematische Übersichtsarbeit einbezogen.

Darüber hinaus gab es keine weiteren Einschränkungen

hinsichtlich Studiendesigns,

Outcomes etc. – lediglich nicht-systematische

Reviews wurden ausgeschlossen.

Insgesamt konnten 55 klinische und 30

nicht klinische Studien berücksichtigt werden.

Randomisierte kontrollierte Studien

zeigten auf, dass mithilfe einer frühzeitigen

Mobilisation des Patienten sowohl der

Aufenthalt auf der Intensivstation als auch

der Krankenhausaufenthalt im Allgemeinen

verkürzt werden konnten. Jedoch bedarf es

hierbei weiterer Forschung, um die Intensität,

Dauer und Frequenz der Mobilisierung

für einen optimalen Therapieerfolg genau

zu bestimmen. Darüber hinaus, zeigte sich

kein nachweislicher Effekt für atemtherapeutische

Maßnahmen bei einem intubierten

Patienten.

Somit lässt sich feststellen, dass frühzeitig

begonnene physiotherapeutische Maßnahmen

zur Verhütung von Komplikationen des

Bewegungsapparates und zur Senkung der

Verweildauer im Krankenhaus nachweislich

beitragen, jedoch atemtherapeutische

Maßnahmen in diesem Bereich angezweifelt

werden müssen.

Literatur

Stiller (2013): Physiotherapy in Intensive Care.

An updated Systematic Review. Chest 144(3):

825–847.

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physio-Journal 49


FÜR DEN PRAXISALLTAG

DIAGNOSTIK- UND THERAPIEGERÄTE

NEUES DIGITALES MESSVERFAHREN

NACH DER NEUTRAL-NULL-METHODE

Text: Sven Friese

L Oftmals kämpfen Therapeuten mit mangelnder Evidenzlage,

schlechter Bezahlung und fehlenden Qualitätsnachweisen.

Neue technische Verfahren können hier Unterstützung

bieten, indem sie die diagnostischen Möglichkeiten erweitern

und objektive Belege für erzielte therapeutische Erfolge zur

Verfügung stellen. Dieser Artikel zeigt am Beispiel eines neuen

Messverfahrens (mobee med) auf Grundlage der bewährten

Neutral-Null-Methode auf, wie man als Physiotherapeut vom

technischen Fortschritt partizipieren kann, sowohl aufseiten

der therapeutischen Möglichkeiten als auch aus ökonomischer

Sicht.

Herausforderungen im Praxisalltag

Die Identifikation und Dokumentation der Gelenkbeweglichkeit

bei Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates

gehört für viele Therapeuten zum Praxisalltag. Bisher

erfolgt dieser Vorgang im Regelfall durch Messung mithilfe

eines Goniometers und der anschließenden händischen Dokumentation

– je nach Digitalisierungsstand der Patientenakten

– gefolgt durch eine Eingabe der Daten in ein Datenverwaltungssystem.

Diese Teilschritte kosten Zeit, welche die knapp

bemessene Behandlungszeit am Patienten erheblich schmälern

kann. Gleichzeitig bergen sie ein nicht gänzlich zu reduzierendes

Risiko für Ungenauigkeiten und Fehler, beispielsweise

beim Ablesen am Goniometer, bei der Niederschrift sowie

der Übertragung der niedergeschriebenen Angaben. Gerade,

Messmöglichkeiten mobee med

• Halswirbelsäule (Extension/Flexion, Rotation, Lateralflexion)

• Wirbelsäule (Extension/Flexion, Rotation Variationen,

Lateralflexion)

• Schultergelenk (Abduktion/Adduktion, Außen-/Innenrotation

Varianten, Extension/Flexion, Extension/Flexion transversal

Variationen)

• Ellenbogen (Extension/Flexion in Varianten, Supination/

Pronation)

wenn es um geringe Verbesserungen im Rahmen der Therapie

geht, können dabei auch kleinste Ungenauigkeiten erzielte

therapeutische Erfolge quasi aus der Patientendokumentation

»verschwinden« lassen. Dies hat deutliche Nachteile für die

Kommunikation – sei es mit den überweisenden Ärzten und

Kliniken oder mit den jeweiligen Patienten.

Digitales Messverfahren nach

Neutral-Null

mobee med ist ein softwaregestütztes Messverfahren gemäß

Neutral-Null, das sich mit der Vermessung der Gelenkbeweglichkeit

des menschlichen Körpers beschäftigt. Das System

bietet eine hohe technische Messgenauigkeit von +/– 1 Winkelgrad

(Ewert 2014), einen Messkatalog mit mehr als 100

Messmöglichkeiten sowie verschiedene Auswertungsmöglichkeiten,

wie z. B. Referenzwertabgleich, Vergleich rechts/links,

Vergleich aktiv/passiv. Um die Durchführung der Messungen

zu erleichtern, wird zwischen liegender, sitzender und stehender

Position unterschieden. Alle Messwerte werden automatisch

dokumentiert. Hauptziel des Messgerätes ist es, den

Therapeuten als Experten im Bereich der Gelenkvermessung

ein technisches Werkzeug an die Hand zu geben, das Praxisabläufe

bei Messung und Dokumentation erleichtert und

die Kommunikation mit Dritten – seien es Zuweiser wie Ärzte

und Kliniken oder Patienten – durch klar aufbereitete Messergebnisse

optimiert.

• Handgelenk (Dorsalextension/Palmarflexion, Ulnarduktion/

Radialduktion)

• Hüftgelenk (Abduktion/Adduktion, Außen-/Innenrotation

Varianten, Extension/Flexion in Varianten)

• Kniegelenk (Außen-/Innenrotation Varianten, Extension/

Flexion Varianten)

• Sprunggelenk (Supination/Pronation, Dorsalextension/

Palmarflexion)

50 physio-Journal


FÜR DEN PRAXISALLTAG

Das Messsystem ist mit einem PC/Laptop verbunden und

überträgt während der Messdurchführung alle Messwerte

auf diese Station. In einem ersten Schritt wird die durchzuführende

Messung festgelegt. Dazu kann aus über 100 Messmöglichkeiten

gewählt werden, die folgende Gelenke umfassen:

HWS, BWS/LWS, Ellenbogen, Handgelenk, Hüfte, Knie

und Sprunggelenk. Nach Auswahl des Gelenks wird festgelegt,

ob im Stehen, Sitzen oder Liegen gemessen wird und

wie die Bewegungsausführung erfolgt (aktiv und/oder passiv).

Nun kann entschieden werden, ob bei Extremitäten beide Seiten

gemessen werden sollen, um so z. B. einen Vergleich der

verletzten/kranken Seite mit der gesunden zu ermöglichen.

Die Gelenkvermessung mit mobee med erfolgt gemäß der

Neutral-Null-Methode. Dazu wird der Patient in eine korrekte

Null-Position gebracht. Dann wird das Messgerät am jeweiligen

Gelenk platziert, wobei der Teach-in der Software Hinweise

zur genauen Lage des Messgerätes gibt. Nun folgt die

Bewegung des Gelenkes in beide Bewegungsrichtungen (z. B.

Extension und Flexion). Die Messausführung wird live auf dem

Bildschirm angezeigt.

Effekte

Visualisieren von therapeutischen Erfolgen

Mithilfe von Re-Tests mit mobee med können durch therapeutische

Interventionen erzielte Erfolge schwarz auf weiß sichtbar

gemacht werden. Durch eine Vermessung der Gelenkbeweglichkeit

im Rahmen der ersten Behandlungseinheit und

eine abschließende Vermessung nach Abschluss der Therapie

wird nicht nur die Effektivität der Therapie greifbar, sondern

auch weiteres Behandlungspotenzial, z. B. für Folgeverschreibungen

oder selbst finanzierte Zusatzleistungen, aufgezeigt.

Erleichterung manualmedizinischer Untersuchungen

Die Bewertung des Endgefühls eines Gelenks oder Körperteils

in Funktionsbewegung kann eine wichtige Rolle spielen. Fällt

beispielsweise die palpierte Härte der Spannung am Ende der

passiven Beweglichkeit auf Grund unterschiedlicher Verhältnisse

vom Tonus anders aus, kann das auf bremsende Strukturen

hinweisen. So gibt gegebenenfalls ein hartes Endgefühl

Aufschluss über eine mögliche Blockierung im Gelenk oder

Wirbelsäulensegment, wobei auch Funktionsstörungen der

Muskulatur das Endgefühl wesentlich mitbestimmen können

(Niemier u. Seidel 2009). Im Rahmen der Gelenkvermessung

mit mobee med in passiver Bewegungsausführung besteht

daher die Möglichkeit, Angaben zum Endgefühl zu dokumentieren

– bis hin zur Differenzierung in weich-elastisch (Muskelstopp),

fest-elastisch (Bänderstopp) oder hart-elastisch (Knochenstopp).

Oben: Messung der HWS-Beweglichkeit

Unten: Messung der Hüfte

Während der Messung können über das Messgerät Schmerzbereiche

nach Winkelgrad lokalisiert werden. Direkt im Anschluss

ist es möglich, Schmerzart und Schmerzintensität einzugeben.

Bei einer passiven Bewegungsausführung kann durch

den Therapeuten auch das Endgefühl dokumentiert werden.

Im Rahmen der Messauswertung können folgende Vergleiche

softwarebasiert ausgewertet werden: Abgleich mit Referenzwerten,

Vergleich Rechts/Links, Vergleich aktive/passive

Bewegungsausführung. Im Rahmen einer Verlaufsanalyse ist

es möglich, das gleiche Messprofil zu verschiedenen Zeitpunkten

der Therapie durchzuführen, um so therapeutische Fortschritte

aufzuzeigen. Neben dem Expertenmodus gibt es eine

spezielle Patientenansicht, die eine laienverständliche Darstellung

der Messwerte im Therapieverlauf ermöglicht.

Dokumentation von Schmerzbereichen

Auch der qualitativen Bewertung von Schmerzen kommt in

der medizinischen Praxis zunehmende Bedeutung zu, insbesondere

bei der Arbeit mit Schmerzpatienten, für die es

methodische Hilfsmittel zur Lokalisation (z. B. Schmerzzeichnungen)

gibt. Eine genaue Beschreibung des Schmerzes kann

beispielsweise zur anamnestischen Differenzierung z. B. zwischen

einer muskulären Insuffizienz, entzündlichen und degenerativen

Gelenkschmerzen beitragen (Niemier u. Seidel

2009). Vor diesem Hintergrund wurde bei der Weiterentwicklung

von mobee med, an der neben Forschungseinrichtungen

auch Therapiezentren und Ärzte beteiligt sind, die Identifikation

von Schmerzbereichen (nach Winkelgrad, Intensität und

Schmerzart) in den Messkatalog mit aufgenommen.

Zeit- und Kostenersparnis im

Rahmen des Qualitätsmanagements

Ein hoher Arbeitsaufwand bei verhältnismäßig geringer wirtschaftlicher

Rentabilität einzelner Einheiten steht im Praxisalltag

der Forderung nach immer mehr Dokumentation und Qualitätsmanagement

entgegen. Hier können technische Verfahren wie

mobee med helfen, Zeit und Kosten zu sparen und gleichzeitig

die Qualität interner Abläufe weiter zu steigern. Das macht

sich besonders bei Zertifizierungsverfahren bezahlt, da mobee

med dem Therapeuten Dokumentationsarbeit abnehmen

physio-Journal 51


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physio-Journal 53


FÜR DEN PRAXISALLTAG

kann. Durch die hohe Standardisierung der Messdurchführung

können die Messungen auch außerhalb der eigentlichen

Behandlungseinheiten durch eingewiesene Assistenzkräfte

erfolgen, was ebenfalls Zeit und Personalkosten reduziert.

Abgrenzung von anderen Anbietern

plus Zusatzeinnahmen

Mit der Visualisierung und Therapieerfolgen und einer laienverständlichen

Kommunikation der Ergebnisse grenzen sich

Therapeuten von anderen Einrichtungen ab und erweitern

ihre Einnahmemöglichkeiten z. B. durch einen Einstieg in den

Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung (Arbeitsplatzwertung,

Ergonomie, bewegte Pausen etc.). Gerade wenn es

um den aktiven Verkauf von derartigen Zusatzangeboten

geht, kann es entscheidend sein, potenziellen Kunden ihre

Bewegungsdefizite und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken

aufzuzeigen und objektive Erfolgsbelege zu liefern.

Praxisbeispiel: Therapiezentrum

»movinamlorettoberg« (Freiburg im Breisgau)

Wie kann man technische Innovationen gezielt einsetzen, um

die Zusammenarbeit zwischen Therapeuten, Zuweisern und

Patienten zu verbessern und therapeutische Erfolge zu steigern?

Das zeigt ein gemeinsames Projekt des »movinamlorettoberg«

mit Ärzten und der hiesigen Klinik beim Problem der

»Frozen shoulder«. Beträgt die Behandlungszeit in der Regel

oft zwölf Monate, konnte die Therapiedauer im Schnitt auf

etwa sechs Monate gesenkt werden – bei gleichzeitig reduzierten

Heilmittelverordnungen.

Die Durchführung der Therapie erfolgte in Verbindung mit

einer Gelenkvermessung bei der Ein- und Ausgangsuntersuchung

pro Rezept oder pro Monat. Die Gelenkbeweglichkeit

der betroffenen Schulter wurde unter Einsatz von mobee med

wie folgt vermessen und dokumentiert: Flexion/Extension sowie

Abduktion und Außenrotation. Im Rahmen der Behandlung

wurden zunächst nur passive Maßnahmen eingesetzt,

die über den Schmerz hinaus durchgeführt wurden und ausschließlich

der Dehnung der Kapselstruktur galten. Ab einer

bestimmten Beweglichkeit (z. B. 90 Grad Abduktion und 140

Grad Flexion) wurde die Krankengymnastik hinzugezogen.

Eine wichtige Rolle in der Therapie spielte eine optimale Medikation

für eine bessere Therapie durch weniger Schmerzbelastung

während und nach der Behandlung.

Daniel Klein, Physiotherapeut am Lorettoberg umschreibt

das wie folgt: »Die Idee, exakte Messmethoden in der Therapie

zu nutzen, hat sich für uns bewährt. Wir haben uns für

den Einsatz von mobee entschieden, um die Identifikation von

krankheitsspezifischen Bewegungseinschränkungen weiter zu

optimieren und die Sicherung des Therapieerfolges per Re-Test

zu garantieren. So konnten wir neben der anvisierten Reduktion

unserer Behandlungszeit auf die Hälfte zusätzlich einige

Wochen Zeitersparnis herausarbeiten. Denn unsere Patienten

erkennen nun selbst, wie sie sich im Laufe der Maßnahmen

verbessern und bleiben so motiviert. Obwohl sie oftmals bereits

eine wahre Odyssee an Arztbesuchen und Behandlungsterminen

hinter sich haben, wenn sie zu uns kommen.«

Den Nutzen einer umfassenden Dokumentation bestätigt

auch der Schulteroperateur Dr. Jörg Halbgewachs, Oberarzt

Messung mit mobee med

54 physio-Journal


FÜR DEN PRAXISALLTAG

Neutral-Null-Methode

Die Neutral-Null-Methode nach Debrunner ist ein bekanntes

und international verbreitetes medizinisches Messverfahren

zur Erfassung menschlicher Gelenkbeweglichkeit, das international

zum Einsatz kommt. Die Festlegung der Nullstellung

eines Gelenks ermöglicht die Vergleichbarkeit von Messergebnissen

und die Standardisierung von Befunddokumentationen

im Rahmen von Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Das Verfahren steht bei Begutachtung und

Nachuntersuchung konkurrenzlos da (Grüber u. Inglis 1992).

Die Neutral-Null-Stellung entspricht dem aufrechten Stand

des Menschen: Die Arme hängen seitlich neben dem Körper

herab, Daumen, Füße, Knie sowie der Blick sind nach vorne gerichtet.

Fuß- und Unterschenkellängsachsen bilden einen rechten

Winkel, die Füße stehen im Hüftgelenkabstand. In dieser

festgelegten Ausgangsstellung befinden sich die Gelenke in

ihrer Nullstellung, aus der heraus die möglichen Bewegungsausschläge

gemessen werden. Diese Haltung lässt sich auch

auf andere Ausgangsstellungen übertragen (z. B. Rücken-,

Seiten- oder Bauchlage). Bewegt wird stets der distale Gelenkpartner

in einer der drei definierten Körperebenen (Sagittal-,

Frontal-, Transversalebene), während der proximale Gelenkpartner

am Ort bleibt (Dölken u. Hüter-Becker 2011).

Die ermittelten Werte sind in einer bestimmten, genau einzuhaltenden

Reihenfolge zu protokollieren. Aus der festgelegten

Folge proximal-distal ergeben sich die Messwerte zu:

• Extension-Flexion

• Abduktion-Adduktion

• Außenrotation-Innenrotation

• Pronation-Supination

• Ulnarabduktion-Radialabduktion.

Bei der Dokumentation werden grundsätzlich 3 Zahlen angegeben,

um den ganzen Bewegungsausschlag zu erfassen (Meinecke

2002). Bei Normalbefunden steht zwischen den Werten

für die Anfangs- und Endstellung als Wert für die Grundstellung

die Ziffer 0, da Gelenke aus dieser Grundstellung in zwei

Richtungen beweglich sind (Grüber u. Inglis 1992).

am RKK Klinikum in Freiburg. Er steht dem TZL beratend und

als zuweisender Arzt zur Seite. »Die Kombination von Beratung

über Krankheit, Schmerzmedikation und personenbezogener,

individueller Physiotherapie, der enge Kontakt zum Arzt

und die exakte Dokumentation der Behandlungsergebnisse

scheinen optimal. Ich bin überrascht über die Ergebnisse der

Behandlung der ›Frozen shoulder‹, bei denen eine OP in aller

Regel überhaupt keinen Sinn macht, da das Krankheitsbild dadurch

nicht verbessert oder beseitigt werden kann.« Für den

verordnenden Arzt kann die softwaregestützte Dokumentation

außerdem ein »Beweismittel« für den Behandlungserfolg

sein, z. B. bei Regress. Für den Operateur bieten die Daten eine

Entscheidungshilfe, wenn es um die bekanntlich schwierige

Indikationsstellung zu einem operativen Vorgehen geht.

Grenzen der Gelenkvermessung

mit mobee med

mobee med ist ein Messsystem, das auf die Vermessung von

Gelenkbeweglichkeiten spezialisiert ist. Eine Vermessung der

Beweglichkeit von Finger- und Zehengelenken ist nicht möglich,

da hier der vom Hersteller gesetzte Genauigkeitsanspruch

(technischen Messgenauigkeit von +/– 1 Winkelgrad)

nicht gehalten werden kann. Um eine möglichst hohe Intraund

Intertester-Reliabilität zu erzielen, empfiehlt sich, wie bei

vergleichbaren Messgeräten, zusätzlich eine möglichst hohe

Standardisierung der einzelnen Abläufe.

Bei mobee med werden alle Messungen in statischer Weise

durchgeführt. Es erfolgt keine Messung von Bewegungsumfängen

während einer laufenden Bewegung. Durch eine

Erweiterung des Messgerätes um die Funktionalität mobee

fit können auf Basis der Messdaten konkrete Trainingsempfehlungen

für den Bereich Prävention und Sport erstellt

werden.

Fazit: äußerst hilfreiches Werkzeug

für die Praxis

Technische Innovationen wie mobee med können den Praxisalltag

erleichtern. Gleichzeitig eröffnen sich so neue Chancen

und Möglichkeiten für Physiotherapeuten, um sich durch

Expertise und Engagement als professionelle Gesundheitsexperten

zu positionieren. Für noch zufriedenere Patienten, eine

bessere Zusammenarbeit mit Ärzten und Kliniken und – nicht

zu vergessen – auch für den eigenen und verdienten wirtschaftlichen

Erfolg. Die Investition in das Messsystem mit der

inklusiven Software und der Möglichkeit, mobee med auf drei

Geräten zu installieren, liegt mit 4.290,– Euro im Vergleich zu

anderen technischen Gerätschaften dabei auf einem moderaten

Niveau.

Literatur

Dölken M., Hüter-Becker A. (2011): Untersuchen in der Physiotherapie: 44 Tabellen. 2. Auflage. Thieme, Stuttgart: 3–36.

Ewert B. (2014): Implementierung, Optimierung und Verifikation einer Sensordatenfusion an einem Inertial-Messsystem

zur Aufzeichnung der menschlichen Extremitätenbeweglichkeit. Hochschule Koblenz, Lehrstuhl für Medizintechnik. Bis

dato unveröffentlicht: 29.

Grüber J., Inglis R. (1992): Die Verwendung von computerlesbaren Belegen zur Messung von Gelenkbewegungen nach

der Neutral-Null-Methode in der Begutachtung und bei wissenschaftlichen Untersuchungen. Unfallchirurgie 18(1): 50–54.

Meinecke R. (2002): Bewegungs-, Längen- und Umfangmessungen: (Neutral-Null-Durchgangsmethode). 4. Auflage. Lau,

Reinbek: 13–30.

Niemier K., Seidel W. (2009): Funktionelle Schmerztherapie des Bewegungssystems. Springer Medizin, Heidelberg:

123–127.

physio-Journal 55


FRISCH EINGETROFFEN

UNTERSUCHEN UND

BEFUNDEN IN

DER PHYSIOTHERAPIE

Text: Verena Loidl

Text: Verena Loidl

Bücher, Lehr-Videos, CD-Roms,

Lernkarten – heutzutage gibt es

eine große Fülle an Informationsquellen.

Aber woher weiß man

eigentlich, welche sich zu kaufen

lohnen?

Auf genau diese Frage findet

Ihr hier eine Antwort.

In dieser Kolumne werden wir

in jeder Ausgabe Bücher und

Medien vorstellen, auf die das

Wort »empfehlenswert« zutrifft.

»Mir tut die Hüfte so weh und manchmal

zieht es auch ins Bein. Laut den ärztlichen

Therapiebefunden fehlt mir nichts. Ich

komme zu Ihnen, weil Sie Spezialist Ihrer

Physiotherapiepraxis sind.« – Ein frustrierendes

Szenario für Patient und Physiotherapeut.

Hoher Erwartungsdruck, innerer

Perfektionszwang und kritische Kontrolle

durch Patienten, Ärzte oder Kollegen gen Stress und

erzeu-

Angstschweiß.

Die frohe Botschaft ist, dass es in der Physiotherapie

weniger darum geht, alle worten auf Anhieb zu kennen, als vielmehr

Antdarum,

diese Antworten zu finden. Dafür

sind zwei Fähigkeiten essentiell: Sehen und

Fühlen. Befunden und Untersuchen sind die

grundlegenden Techniken in der physiotherapeutischen

Behandlung. Ohne richtige

Untersuchung ist eine adäquate und patientenorientierte

Therapie nicht möglich. Daher

muss der Befund im Arbeitsalltag zur Routine

werden und der Stellenwert einer ausführlichen

Untersuchung kann im Behandlungsprozess

nicht hoch genug eingeschätzt

werden.

Das Buch Untersuchen und Befunden in

der Physiotherapie hilft, den klinischen

Alltag zu sortieren und zu strukturieren. Es

begeistert durch seine übersichtliche Struktur

sowie die anschauliche und sehr fundierte

Darstellung der Untersuchungstechniken.

Wertvolle Fallbeispiele und Praxistipps

sind vom umfassenden Erfahrungsprofil des

Autors, Kay Bartrow, geprägt und lenken

den Fokus auf praxisrelevante Fragestellungen.

Farblich hervorgehobene Übersichten

helfen die wesentlichen Inhalte schnell zu

erfassen; beispielsweise werden die Gangphasen

mit den entsprechenden Sequenzen

oder die Formen der Muskelarbeit in einer

Übersicht genannt und im nebenstehenden

Text ausführlich erläutert. Leicht verständlich

und anschaulich sind auch die anatomischen

Abbildungen und Zeichnungen. Sich

selbst erklärende Fotografien zeigen zum

Beispiel die Tests der Neuromotorik für die

einzelnen Segmente, und der Transfer in

den Praxisalltag gelingt leicht.

Das Befundbuch ist kürzlich in der zweiten

Auflage erschienen. Durch die konstruktiven

Anregungen vieler Leser konnten vermisste

Inhalte und zahlreiche Erweiterungen in das

Lehrbuch integriert werden. Ein neues Kernstück

ist unter anderem das Kapitel der speziellen

Testverfahren für die obere und untere

Extremität, das die klinische Diagnostik

für den Therapeuten erleichtern kann.

In der modernen Physiotherapie ist es wichtig,

Behandlungsprozesse sowie -ergebnisse

nachzuweisen. Die wissenschaftlich ausgerichtete

Behandlungsplanung als strukturierter

Entscheidungsprozess, sog. Clinical

Reasoning, spielt hierbei eine wichtige Rolle.

Um die Effektivität der Untersuchungs- und

Befundmethoden besser beurteilen zu können,

wurde der Abschnitt »Gütekriterien

standardisierter Ergebnismessung« ergänzt.

Die kritische Reflektion der Testverfahren

bezüglich deren Gütekriterien hilft, therapierelevante

Informationen und Messergebnisse

zu erkennen und falsche Schlüsse

zu vermeiden. Neuste wissenschaftliche

Erkenntnisse werden in die Anleitung zum

praktischen Vorgehen beim Clinical Reasoning

eingebunden. Theoretische Hintergründe

werden dabei äußerst ansprechend

aufbereitet und immer mit praxisrelevanten

Themen kombiniert.

Untersuchen und Befunden in der Physiotherapie

ist eine hervorragende Grundlage

für die Befunderhebung sowie Clinical

Reasoning. Beim Finden der Antworten im

Physiotherapiealltag ist das Werk eine großartige

Hilfe. Es zeigt Wege und Strategien

zum Behandlungserfolg auf. Somit wird der

Befund zur schnellen und zugleich flexiblen

Routine. Für die Physiotherapieausbildung

stellt es sowohl für Schüler und Berufseinsteiger

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physio-Journal 57


INSIDER

COMIC

Die Autoren dieser Ausgabe:

Angelika Baldus Sven Friese Uli Meyer Noemi Hagemann Nina Kriegesmann

Wiebke Meisgeier

Dietmar Seidenspinner

Bernard Kolster

Patricia Frahm

Lina Wirtz

Silke Wolf

Susanne Klotz

Hendrik Eggers

Sarah Klamroth

Michael Meyer

Anne Riethmüller

Verena Loidl

Anna Heller

Stephan Kruft

58 physio-Journal


VERANSTALTUNGEN & TERMINE

Datum Veranstaltung Ort Internet

Januar

24.01.–27.01.2016 ISPO München munich.ispo.com

27.01.2016 Health Aktuell: Geriatrie 2016 Köln

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15.02.–20.02.2016 Winter School in Clinical Epidemiology Hall (A)

18.02.–20.02.2016 9. Endoprothetikkongress Berlin www.endokongress.de

19.02.–20.02.2016 Kongress der AG Elektrotherapie Leipzig

20.02.2016 Erfolgreich mit medizinischem Gerätetraining – Zielgruppengerechte Konzepte für Ihre Praxis Herborn www.hur-deutschland.de

24.02.–27.02.2016 32. Deutscher Krebskongress Berlin www.dkk2016.de

29.02.–02.03.2016

März

25. Reha-Kolloquium 2016 »Gesundheitssystem im Wandel –

Perspektiven der Rehabilitation«

Aachen

02.03.–05.03.2016 Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag 2015 Frankfurt/Main www.schmerz-und-palliativtag.de

02.03.–05.03.2016 57. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie Berlin www.dgp-kongress.de

03.03.–05.03.2016 10. Osnabrücker Kongress Bewegte Kindheit Osnabrück www.bewegtekindheit.de

03.03.–05.03.2016 Jahrestagung des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin Köln www.ebm-kongress.de

03.03.–05.03.2016 Osteologie 2016 Essen www.osteologie16.de/

12.03.2016 Erfolgreich mit medizinischem Gerätetraining – Zielgruppengerechte Konzepte für Ihre Praxis

April

Höhr-

Grenzhausen

www.hur-deutschland.de

07.04.–10.04.2016 FIBO Köln www.fibo.de

09.04.–12.04.2016 Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. Mannheim www.dgim2016.de

15.04.–16.04.2016 Ortho-TraumaUpDate 2016 Berlin www.ortho-trauma-update.com

23.04.2016 Erfolgreich mit medizinischem Gerätetraining – Zielgruppengerechte Konzepte für Ihre Praxis Duisburg www.hur-deutschland.de

26.04.–28.04.2016 Pflege Plus (vormals Pflege & Reha) Stuttgart www.messe-stuttgart.de/pflege/

26.04.–29.04.2016 Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie Berlin www.dgch.de

Mai

03.05.–06.05.2016 OTWorld Leipzig ot-world.com

20.05.–21.05.2016 40. Fortbildungstagung der Bobath Vereinigung Berlin www.bobath-vereinigung.de

25.05.–28.05.2016 29. Jahrestagung der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie e. V. Hamburg www.dmgp-kongress.de

Juni

04.06.2016 Erfolgreich mit medizinischem Gerätetraining – Zielgruppengerechte Konzepte für Ihre Praxis Werneck www.hur-deutschland.de

08.06.–10.06.2016 Hauptstadtkongress Berlin www.hauptstadtkongress.de

08.06.–10.06.2016

48. Gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin

und Notfallmedizin und der Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine

Intensivmedizin und Notfallmedizin

Berlin

09.06.–11.06.2016 23. Jahreskongress der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie (DVSE) Bremen 2016.dvse-kongress.de

12.06.–15.06.2016 67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) Frankfurt/Main www.dgnc.de

16.06.–18.06.2016 31. Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) München www.gots-kongress.org

17.06.2016 Berufseinsteigerforum Hamburg

17.06.–18.06.2016 Physioswiss Congress Basel (CH)

www.physioswiss.ch/physioswisscongress

Quellen Veranstaltungskalender

– AWMF – Kongresskalender, AWMF online Das Portal der wissenschaftlichen Medizin, http://www.

– Physio Deutschland Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V., http://www.physio-deutschland.de/bundesverband/fachkreise/veranstaltungen.html

awmf.org/service/kongresskalender.html

– Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V., http://www.ebm-netzwerk.de/ebm-events/

– Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH, http://www.conventus.de/veranstaltungen/

kalender

– PT – Portal für Physiotherapeuten, https://www.physiotherapeuten.de/termines/

– Kongresskalender Via medici online, Thieme Verlag, https://www.thieme.de/viamedici/kongressekongresskalender-1665.htm

– Thieme.de Themenwelten Physiotherapie, Thieme Verlag, https://www.thieme.de/de/physiotherapie/physiotermine-30453.htm

physio-Journal 59


AUSBLICK

physio

Journal

DAS ERWARTET EUCH

IN DER 9. AUSGABE

TITELTHEMA: SCHMERZTHERAPIE

Schmerztherapie

Hintergründe zur Schmerztherapie

Evidenz in der Schmerztherapie

Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es in der Schmerztherapie?

Fallbeispiel »Schmerztherapie«

Vorstellen einer schmerztherapeutischen Behandlung

Diagnostik

Was ist eigentlich der CRP-Wert?

Weiteres:

Studienzusammenfassungen

Muskelplakat

Assessments

Prüfungsfragen

Veranstaltungskalender

… und vieles mehr

60 physio-Journal


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