PolarNEWS Magazin - 18 - CH

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Harte Mahlzeit: Eiderenten bringen so ziemlich alles runter, was sich zerkleinern und schlucken lässt – auch Seesterne.

wo sie selber als Küken geschlüpft waren. In

Svalbard ziehen über vier Fünftel die Insel-

Variante vor.

Anderseits suchen sie schon mal die Nähe

zu brütenden Küstenseeschwalben, wie Beobachtungen

aus Svalbard zeigen. Wer als

harmloser Tundrawanderer den erbitterten

Luftangriff aufgebrachter Küstenseeschwalben

überstanden hat, weiss, dass die Eiderenten

mit einem solchen Bodyguard keine

schlechte Wahl getroffen haben...

Kollektive Aufzucht

Und wo bleiben die Entenmännchen? Weshalb

verteidigen sie nicht ihre werdende Familie?

Die Antwort ist einfach: Sie sind gar

nicht da.

Bei den meisten Eiderenten-Populationen

rund um die Arktis verlassen die Erpel ihre

Weibchen, sobald diese zu brüten beginnen.

Einzig in Svalbard bleiben die Männchen

noch eine bis zwei Wochen nach Brutbeginn

am Nest, bevor sie sich wie alle anderen

Erpel in grossen Trupps im offenen Meer

versammeln und mit der Mauser beginnen.

Als Vogel der Meere zieht es auch die Weibchen

wieder zur See, kaum ist das Brutgeschäft

abgeschlossen – die frisch geschlüpften

Küken verlassen schon im Alter von

einem Tag ihr Nest. Die Entenmütter

schwimmen mit den Kleinen bis 20 Kilometer

weit von den Brutplätzen weg zu idealen

Aufzuchtgebieten. Dort versammeln sie sich

erneut, diesmal zu grossen Trupps aus vielen,

vielen alleinerziehenden Müttern, die

von einem Gewimmel unzähliger Küken

umgeben sind.

Weibchen, die ihre Jungen gut beaufsichtigt

wissen, halten sich manchmal wochenlang

auf dem Meer auf und gehen in Küstennähe

auf Nahrungssuche, wo das Meer zwischen

15 und 50 Meter tief ist. Nach der anstrengenden

Brut müssen sie wieder ihr Normalgewicht

auf die Waage bringen.

Die meiste Zeit des Jahres ernähren sich

Eiderenten von sesshaften oder sich langsam

bewegenden Organismen des Meeresbodens.

Obwohl Eiderenten eigentlich Allesfresser

sind, stellt ausserhalb der Arktis die Miesmuschel

einen Hauptpunkt auf dem mindestens

hundert Tierarten umfassenden Menuplan

dar. Eine Eiderente kriegt bis zu

2 Kilogramm dieser Muschelart runter – pro

Tag notabene!

Zugegeben, nur ein Bruchteil davon ist

verwertbare organische Masse, der Rest

besteht vor allem aus Muschelschalen. Begehrte

Beilagen sind andere Muschelarten,

Fischrogen sowie Stachelhäuter (Seeigel, Seesterne),

Borstenwürmer oder Krebse wie etwa

der ein Zentimeter lange Hummer-Flohkrebs.

Enten als Klima-Zeiger

Sobald der Nachwuchs im Alter von zwei

Monaten endlich fliegen kann, ist die Zeit

reif, dem Winter auszuweichen. Je nach geografischer

Lage des Brutgebietes ziehen Eiderenten

unterschiedlich weit. Am wanderfaulsten

sind die Eiderenten. Zum Beispiel

in der Umgebung der nordnorwegischen

Stadt Tromsø: Sie bleiben selbst im Winter

im Umkreis von weniger als 25 Kilometern

rund um ihren Neststandort.

Sehr viel weiter verschlägt es dagegen die

Eiderenten aus Spitzbergen: Dem eisigen

hocharktischen Winter entfliehen sie an die

Küsten Norwegens oder nach Island. Viele

bleiben auch in den eisfreien Meeresgebieten

vor der Westküste Spitzbergens.

Die Brutvögel der östlichen kanadischen

Arktis hingegen rasten vor Südwestgrön-

Bilder: Hinrich Bäsemann, Eric Meyer, Kev Chapman

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