PolarNEWS Magazin - 18 - CH

polarreisen

Kommen wir zurück zum echten Leben,

aber bleiben wir bei der Rollenverteilung:

Ihre Frau Emil spielt eine wichtige Rolle

in Ihrem Leben.

Ohne sie könnte ich meine Leidenschaft so

nicht leben. Sie stammt aus Mexico City und

ist ebenso begeistert von der Natur wie ich.

Deshalb gehen wir wenn möglich gemeinsam

auf Expeditionen, wo sie auch filmt,

fotografiert oder Soundaufnahmen macht.

Da muss man ein sehr gut eingespieltes

Team sein. Zu Hause hält sie die Stellung,

wenn ich alleine unterwegs bin. Gerade auch

beim Zusammenstellen der Vorträge oder

dem Schnitt der Filme verfügt sie über sehr

grosses Know-how.

Ihr habt einen Sohn, der ist zwei Jahre

alt und heisst Nanuk...

...das heisst Eisbär in der Inuit-Sprache. Wir

lieben die Arktis...

Sie halten sich zum Zeitpunkt unseres

Interviews in Seattle auf. Was tun Sie

dort?

Ich war die letzten beiden Monate auf Expedition

in den Aleuten, und gegen Ende dieser

Reise kamen Emil und Nanuk per Buschflugzeug

zu mir. Wir lebten mitten unter Bären,

Nanuk hat zwischen der Fotoausrüstung

geschlafen, die Bären liefen darum herum...

Jetzt machen wir eine Pause bei Freunden,

danach werde ich nochmals nach Alaska

fliegen.

Zur Person

Engagement für die Natur

Florian Schulz wurde am 21. Dezember 1975 geboren.

Als 14jähriger naturbegeisterter Teenager knipste er

sein erstes Foto – eine Eidechse. Später brach er sein

Biologie- und Englisch-Studium an der Universität in

Heidelberg ab und entschloss sich, nicht Mittelschullehrer,

sondern Naturfotograf zu werden. Inzwischen veröffentlicht

er seine Bilder in namhaften Zeitschriften

weltweit. Er lebt mit seiner Frau Emil und dem gemeinsamen

Sohn Nanuk in Wilhelmsdorf beim Bodensee.

Die meiste Zeit des Jahres ist er allerdings draussen in

der Natur.

www.visionwildnis.com

Um was zu tun?

Ich arbeite am Freedom-to-Roam-Projekt

weiter. Nach den Rocky Mountains zeige ich

die Küstengebiete beziehungsweise die Ökosysteme

der Westküste von Alaska bis nach

Baja California in Mexiko. Ich möchte Zusammenhänge

der verbleibenden Naturgebiete

entlang der Küste aufzeigen, auch anhand

der Wanderung der Grauwale. Aus demselben

Grund war ich vorher in den Aleuten. Am

Ende soll daraus ein Buch entstehen.

Ihr neustes Buch erschien Anfang dieses

Jahres und heisst «Ein Jahr in der Arktis».

Es ist im Verlag von National Geographic

erschienen und zeigt uns grossartige Bilder.

Danke. Einige Aufnahmen sind entstanden,

während ich ein Imax-Filmteam begleiten

durfte. Andere stammen aus eigenen Expeditionen.

Insgesamt habe ich sechs Jahre

lang am Projekt «Arktis» gearbeitet, zusammengezählt

war ich dafür achtzehn Monate

lang draussen im Eis – einmal sogar ununterbrochen

sechs Monate lang. Ich finde,

dass man in diesen Bildern sehr gut sieht,

was ich meine, wenn ich sage, dass ich nicht

nur Tiere, sondern ganze Ökosysteme zeigen

will.

Sie waren früher Laien-Theaterspieler.

Gibt es eine Schnittstelle zwischen dem

Theater und der Fotografie?

Eigentlich nicht. Ausser bei dem, was vor dem

Theater und nach dem Fotografieren kommt:

Das Lampenfieber. Vor den Theaterauftritten

war ich immer sehr nervös – heute kann ich

vor meinen Vorträgen damit umgehen.

Und immerhin erlebt Ihr Vortragspublikum

einen erfahrenen Schauspieler...

Naja... ich muss mir halt keine Notizen mehr

machen und kann deshalb frei erzählen. Das ist

spannender als eine vorgefertigte Rede. Aber

ich verhasple mich trotzdem noch andauernd.

Teamwork: Während Florian schläft,

hält Emil Wache – und umgekehrt.

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