Baukultur aktiv (Vorschau)

denkmalpflege

Baudenkmäler im Unterricht praxisorientiert erleben

Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2

MODUL 2

Mein Dorf,

meine Stadt

Architektur im eigenen Ort erleben und bewusst wahrnehmen: Schulweg,

Bauten, Baudenkmäler, Siedlungsentwicklung. Einblick in ein Architekturbüro und

ein Archiv erhalten.

Themen

– Baudenkmäler in der eigenen Umgebung und ihre Entwicklung

– Baudenkmäler und andere Attraktionen im Ort

– Architekten im Ort und Architekten der Baudenkmäler im Ort

– Baugeschichte wichtiger Bauten im Ort, schriftliche Quellen und Pläne, Besuch im Gemeindearchiv

– Architekturgeschichte im eigenen Ort: Praxis

Ziele
















Den eigenen Schulweg bewusst erleben

Baudenkmäler im Ort erkennen und festhalten

Sich zu ausgewählten Baudenkmälern Gedanken machen und mehr darüber erfahren

Kompetenter werden im Umgang mit Lesen und Interpretieren von Karten und Plänen

Einblick in ein Architekturbüro erhalten

Auseinandersetzung mit der Arbeit eines Architekten

Ev. Kennenlernen weiterer, für den eigenen Ort wichtiger Architekten

Baudenkmäler & andere Attraktionen im eigenen Ort aus einem anderen Blickwinkel betrachten

Kompetenter werden im Umgang mit Karten

Kennenlernen des Gemeindearchivs

Umgang mit schriftlichen Quellen und Plänen, wichtige Informationen herauslesen

Siedlungsentwicklung und wichtige Bauwerke der eigenen Stadt / des eigenen Ortes kennen lernen

Den eigenen Ort mit anderen Augen wahrnehmen

Architektur im Ort praktisch erleben

Den Blick für Details schärfen

Stand: 1.3.2015


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt 2

Spielideen

Thema: Architektur im Ort

Fach: NMM / BG / DEUTSCH

Umfang: Nach Bedarf

Ziele

→ Förderung der Motivation durch spielerischen Zugang zum Thema

→ Erweiterung und Festigung des erworbenen Wissens

Ideen

– Memory herstellen: Je nach Schwierigkeitsgrad gehören immer zwei identische Abbildungen

(Bauwerke oder Baudetails) zusammen oder eine Karte mit dem Bauwerk als Ganzem und eine Karte

mit einem Detail des Bauwerks.

– Quartett herstellen: Die vier zusammengehörenden Karten bestehen beispielsweise jeweils aus drei

Karten mit unterschiedlichen Bauteilen eines Bauwerks und auf der vierten Karte wird das Gebäude

als Ganzes abgebildet.

– Puzzle aus einem grossen Bild eines Bauwerks herstellen: Kopie der Abbildung laminieren oder

auf Karton kleben, schneiden.


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.1

Baudenkmäler auf dem Schulweg

Schulhaus, Jungfraustrasse 2, Thun

Auf einem Ortsplan zeichnest du deinen Schulweg ein und markierst die Baudenkmäler, die

sich auf diesem Weg befinden. Informationen dazu erhältst du von deiner Lehrperson oder

auf der Seite→ www.bit.ly/bauinventar-online oder auf der Gratis-App denkmappBE.

Auf deinem Schulweg hältst nun bei einem oder mehreren dieser Objekte an und versuchst

die Antworten auf folgende Fragen zu finden:

→ Weshalb hast du dieses Gebäude ausgewählt?

→ Wann ist es entstanden?

Was kannst du über seine Geschichte herausfinden?

→ Wem gehört es?

→ Weshalb befindet es sich wohl gerade an diesem Standort?

→ Warum ist es ein Baudenkmal?

→ Stell dir vor, es sollte abgerissen werden, du bist aber dagegen.

Mit welchen Argumenten würdest du versuchen, den Abriss

zu verhindern?

→ Wenn du willst, kannst du das Gebäude auch abzeichnen

oder fotografieren.

In der Klasse besprecht ihr, was ihr herausgefunden habt, du kannst (wenn du welche

gemacht hast) deine Bilder oder Zeichnungen den anderen zeigen und erklären.


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt 2.1

Informationen für die Lehrperson

Baudenkmäler auf dem Schulweg

Anstelle eines Ortsplans kann – wenn vorhanden – auch der Plan des Bauinventars der

Denkmalpflege verwendet werden. Informationen auf → www.bit.ly/denkmalpflege oder

www.bit.ly/bauinventar-online (Bauinventar der Gemeinde). Das Inventar findet sich auch

auf der Gratis-App «denkmappBE» oder auf dem Geoportal: www.bit.ly/geoportalkanton-bern.

Weiterführung:

Mit den entstandenen Produkten können ein Plakat oder ein kleines Buch für das Klassenzimmer

zusammengestellt werden.

Die Kopie einer Schwarzweiss-Aufnahme eines Gebäudes oder Strassenzugs wird nach den

Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler umgestaltet, koloriert und/oder überarbeitet

(ev. sogar auf dem Computer). Die Endprodukte werden vorgestellt und diskutiert.

Vereinfachte Variante:

Die Klasse bestimmt einen möglichst interessanten Schulweg einer Schülerin oder eines

Schülers. Gemeinsam mit der Lehrperson begeht man diesen, wählt ein Gebäude aus und

versucht, die Fragen zu beantworten. Vielleicht gibt es noch andere spannende Orte auf

diesem Schulweg?

Bilder: Denkmalpflege des Kantons Bern


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.2

Entwicklung der

Baudenkmäler im Ort

Ofenhaus, Köniz

Auf einem Plan des Bauinventars markierst du die Baudenkmäler im Ort und schreibst ihre

Entstehungsdaten dazu. Informationen dazu erhältst du von deiner Lehrperson.

Überlege dir nun folgende Fragen, welche ihr anschliessend in der Klasse besprechen

werdet:

→ Wie sieht die Verteilung der Standorte und der Entstehungsdaten

aus?

→ Findest du Gründe für die jeweiligen Standorte der Gebäude?

→ Kann dadurch etwas über die Siedlungsgeschichte des Ortes

herausgefunden werden?

→ Wie hat sich der Grundriss der Stadt / des Dorfes verändert?


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt 2.2

Informationen für die Lehrperson

Entwicklung der Baudenkmäler im Ort

Informationen zum Bauinventar und den Entstehungsdaten der Gebäude: Internetadressen

→ siehe Auftrag 2.1

Weitere Hintergrundinformationen erhält man allenfalls auch vom Lokalhistoriker und/oder

auf dem Gemeindearchiv.

Weiterführung:

Inzwischen nicht mehr vorhandene, aber bekannte Baudenkmäler können ebenfalls im Plan

eingetragen werden. Sie tragen so zusätzlich zur Interpretation der Standortfrage bei.

Gibt es historische Ereignisse, die den Ortsplan beeinflusst haben? Wenn ja, welche

und wie?

Lokalhistorische Ereignisse und Abbildungen von Bauwerken aus dem eigenen Ort im

Zeitstrahl einordnen. Was geschieht zu dieser Zeit in der restlichen Schweiz und in der

Welt, welche berühmten Bauwerke entstehen?

→ Siehe auch Modul 3, Auftrag 3.1

Bilder: Denkmalpflege des Kantons Bern


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.3

Architekten im Ort

Denkmalpflegepreis 2012, Köniz-Wabern,

Sprengerweg: vorher – nachher

Mit deiner Klasse besuchst du einen Architekten in deinem Ort.

Er stellt euch seine Arbeit vor und erläutert, worauf er beim Entwurf eines neuen und der

Renovierung eines alten Gebäudes achten muss, was ein «gutes» und ein «schlechtes»

Gebäude ausmacht etc.

→ Überlege dir vorher genau, was du den Architekten / die Architektin

in Zusammenhang mit seiner Arbeit und vor allem auch bezüglich

Baudenkmäler fragen möchtest.


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt 2.3

Informationen für die Lehrperson

Architekten im Ort

Auswahl des Architekten:

– Wenn möglich einen Architekten / eine Architektin aus dem Ort anfragen; so kann er/sie

auch über Gebäude sprechen, die die Schülerinnen und Schüler kennen.

– Idealerweise ist es jemand, der bereits mit Baudenkmälern zu tun und der Denkmalpflege

zusammengearbeitet hat.


Dieser Auftrag kann auch mit Modul 3, Auftrag 3.1 «Schulhausarchitekten» kombiniert

werden.

Weiterführung:

Ausgehend von ausgewählten Bauten suchen die Schülerinnen und Schüler Informationen

zu den Architekten und erstellen damit Porträts (Text und Bild).

Variante: Ausgehend von lokalen Architekten/Architektinnen suchen die Schülerinnen und

Schüler Informationen zu deren Bauten und Person und erstellen damit Porträts (Text und

Bild). Die Porträts werden in der Klasse erläutert und besprochen.

Die Schülerinnen und Schüler planen selber ein Gebäude und/oder stellen ein Modell her

(Karton, Holz). Mit den Einzelgebäuden kann beispielsweise auch ein ganzes Quartier inkl.

Umgebung / Aussenräume zusammengestellt und gestaltet werden.

Informationen zu den lokalen Architekten und zu den Architekten der lokalen Baudenkmäler

finden sich im Internet, im (Gemeinde)Archiv, in der Bibliothek etc.

Bilder: Denkmalpflege des Kantons Bern


13

22

16

6

9

Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.4

Kornhausgasse

Ortsführung für Touristen

Platanenstrasse

15

Mühlegasse

18

7 5

12

7

10

8

4

2

1

20

14 12

16 10

Metzgergasse

21 19

15

11 9

Haldenweg

Staldenstrasse

Kronenhalde

3

Hohengasse

7

26

11

13

Kirchbühl

24

20

19

16

Kirchbühl

14

122

7

5

3

4

15 17

19 21

25

27

Kronenhalde

Kreuzgraben

Neuengasse

10

2

5

27

28

23

Schmiedengasse

27

25

25

26

21

22

19

20

Pfisterngasse

20

17

18

15

30 12

21

23 19 17

13

13

14

11

9

12

9

7

8

7

3

6

10 4

6

5

Grabenstrasse

2

3

41

39

Hofstatt

37

14

Hohengasse

35

21

Schlossgässli

Alter Markt

6

2

Rütschelengasse

4

Diese Arbeit erledigst du mit einem Partner / einer Partnerin oder in einer kleinen Gruppe.

3

1

→ Ihr versetzt euch in die Rolle eines Touristenführers / einer Touristenführerin

und überlegt euch, was ihr einer Touristengruppe in

eurem Ort präsentieren würdet. Welche Orte sind euch persönlich

wichtig? Welche findet ihr sehenswert?

→ Ihr zeichnet auf dem Ortsplan eine Route ein und stellt ein Programm

für die Besucherinnen und Besucher zusammen. Dieses beinhaltet

nebst dem Tagesprogramm auch Essen, Abendunterhaltung und

Übernachtung.

Das Verkehrs- oder Tourismusbüro hat vielleicht Prospekte mit hilfreichen Informationen,

wichtig ist aber, was ihr persönlich jemandem zeigen würdet.


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt 2.4

Informationen für die Lehrperson

Ortsführung für Touristen

Vereinfachte Variante:

Diesen Auftrag (mündlich) als Klassenarbeit durchführen. Dazu kann die Lehrperson als

Vorbereitung mit der Klasse beispielsweise einen Durchgang durch den Ort machen und die

Baudenkmäler, Attraktionen und andere, den Schülerinnen und Schülern wichtige, Punkte

vor Ort anschauen.

Weiterführung:

Übertragen des Auftrags in die Fremdsprachen, beispielsweise zu Themen wie Wegbeschreibungen,

Sehenswürdigkeiten etc. → siehe Beispiel.

Die Schülerinnen und Schüler bieten in Kleingruppen in ihrem Ort Führungen für die Bevölkerung

an. Diese können je nach Interesse und Alter der Klasse nebst Baudenkmälern und

Attraktionen auch andere Themen beinhalten, beispielsweise Lieblingsort, Un-Orte etc.

Beispiel:

Berthoud – informations importantes pour les touristes

Tu es un / une guide à Berthoud. La semaine prochaine, un groupe de 20 touristes de la

France (enfants, adolescents et adultes) va visiter ta ville pendant quatre jours.

Maintenant, il te faut préparer le programme pour ce groupe.

– Quels monuments et lieux est-ce que vous allez visiter ?

– Quel est votre tour de ville ?

– Où est-ce que vous allez manger ?

– Qu’est-ce que vous faites le soir ?

Bild: Stadtplan von Burgdorf (Denkmalpflege des Kantons Bern)


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.5

Baugeschichte

Mit der Klasse besucht ihr das Archiv in eurer Gemeinde. Hier erfährt ihr mehr über die

Baugeschichte wichtiger Bauten im Ort und könnt schriftliche Quellen, Abbildungen und

Pläne studieren.

Die Archivarin /der Archivar stellt das Archiv vor und erzählt etwas über ihre/seine Arbeit in

einem Archiv.


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt 2.5

Informationen für die Lehrperson

Baugeschichte

Die Schülerinnen und Schüler bekommen einen Einblick in die vorhandenen Quellen und

Pläne zu den Baudenkmälern im Ort.

Falls vorhanden, zeigt der Archivar / die Archivarin besonders wertvolle, lustige, skurrile, …

Dokumente.

Für Fortgeschrittene:

Falls genügend Material vorhanden ist, können sich die Schülerinnen und Schüler in kleinen

Gruppen mit ausgewählten Gebäuden beschäftigen und diese porträtieren.

Die Erkenntnisse werden später in der Klasse besprochen, die Porträts der Bauten gezeigt

und erläutert.

Falls nötig, finden sich weitere Informationen zu den Baudenkmälern im Ort auch im Internet,

im Bauinventar (Internetadressen → siehe Auftrag 2.1), in «Die Kunstdenkmäler des

Kantons Bern», im «Kunstführer durch die Schweiz – Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern,

Solothurn» (→ siehe weitere Downloads «Literaturliste»).

Weiterführung:

Mit den entstandenen Produkten können ein Plakat oder ein kleines Buch für das Klassenzimmer

zusammengestellt werden.

Lokalhistorische Ereignisse und Abbildungen von Bauwerken aus dem eigenen Ort im

Zeitstrahl einordnen. Was geschieht zu dieser Zeit in der restlichen Schweiz und in der

Welt, welche berühmten Bauwerke entstehen?

→ Siehe auch Modul 3, Auftrag 3.1

Bild: Archiv Bauinspektorat Thun


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.6

Architekturgeschichte im Ort

Das Tätschdachhaus in Schwarzenburg

vor der Sanierung

Deine Lehrperson oder eine Fachperson der Denkmalpflege begleitet euch auf einer

Besichtigung im Ort. Dabei geht es um Geschichte und wichtige Bauwerke.

Vorher überlegst du dir aber die folgenden Fragen (ihr werdet sie auch in der Klasse

diskutieren).

→ Wann / wieso sehen Gebäude «alt» aus? Sind sie ungepflegt?

Haben sie eine andere Form als «neue» Häuser? Wenn ja, welche?

Bestehen sie aus anderen Materialien als «neue» Häuser? Wenn ja,

aus welchen? Wann findet man ein altes Haus «schön», wann gilt es

als «heruntergekommen»?

→ Was macht ein Gebäude / Ort zu einem «besonderen Gebäude /

Ort»?

→ Was spricht dafür / dagegen, alte Gebäude, die nicht mehr den

modernen Standards entsprechen, zu erhalten?


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt 2.6

Informationen für die Lehrperson

Architekturgeschichte im Ort

Exkursion / Besichtigung im eigenen Ort: Geschichte, Siedlungsentwicklung, wichtige

Bauwerke. Bei Bedarf kann eine Fachperson der Denkmalpflege des Kantons Bern dafür

engagiert werden.

Als Vorbereitung werden in der Klasse die Fragen im Auftrag für die Schülerinnen und

Schüler besprochen.

Im Lehrmittel «Gebaute Geschichte» von Gerd Kähler, S. 30/31 (→ siehe weitere Downloads

«Literaturliste») werden im Zusammenhang mit der Thematik «Heutige Probleme im Umgang

mit einer gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt» folgende Überlegungen angestellt:

→ Problem: Unterschiedliche Interessen prallen aufeinander

– Wirtschaftliche Interessen (z.B. Tourismus)

– Attraktivität für Touristen

– Denkmalpflegerische Interessen

– Praktisches Funktionieren für die Bürger/innen

– Ökonomische Vorstellung von der Nutzung eines Hauses (Eigentümer)


Belegbarer Bauzustand ↔ Herrichtung alter Bauten

→ Gelungene Sanierung:

– Technik: Wärmedämmung, Stand- und Feuersicherheit

– Nutzung verträgt sich mit Struktur des Altbaus

Dies lässt sich generell auf eine Ortschaft übertragen; zeigt das Spannungsfeld, in dem

sich u.a. die Denkmalpflege bewegt. Die Fachperson der Denkmalpflege in diese (Klassen)-

diskussion einbeziehen.

Weiterführung:

Lokalhistorische Ereignisse und Abbildungen von Bauwerken aus dem eigenen Ort im

Zeitstrahl einordnen.


Dieser Auftrag kann mit Modul 1, Auftrag 1.4 «Baudenkmäler – Denkmalpflege: Was ist

ein Baudenkmal?» kombiniert werden.

Bild: Denkmalpflege des Kantons Bern


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.7

Foto-OL: Baudenkmäler im Ort

Du bekommst von deiner Lehrperson einen Foto-OL zu den Baudenkmälern im Ort und

→ findest heraus, um welche Bauten es sich handelt.

→ findest heraus, wo sich diese befinden.

→ hältst den genauen Standort im Grundrissplan des Schulhauses oder

im Ortsplan fest.

Vielleicht stellt dir deine Lehrperson auch noch zusätzliche Aufgaben.


Baukultur aktiv

Mein Dorf, meine Stadt

2.7

Informationen für die Lehrperson

Foto-OL: Baudenkmäler im Ort

Die Lehrperson erstellt einen Foto-OL mit den wichtigsten (Bau)denkmälern (und/oder

Gebäuden, die sie als Baudenkmal erachtet) im Ort.

Anhand der Fotos und Hinweise finden die Schülerinnen und Schüler heraus, um welche

Bauten es sich handelt, können die eventuell dazu gestellten Aufgaben lösen und die

Gebäude / Denkmäler im Ortsplan eintragen.

Alternativvariante:

Die Schülerinnen und Schüler gestalten selber einen Foto-OL mit den wichtigsten

(Bau)denkmälern: In Kleingruppen suchen sie geeignete Bauten (ev. in ihnen zugewiesenen

Quartieren), fotografieren diese und stellen einen Foto-OL für ihre Mitschülerinnen und

Mitschüler her.


Dieser Auftrag kann mit Modul 1, Auftrag 1.5 «Bauteile: Foto-OL» kombiniert werden.

Bilder: Schulhaus in Riggisberg; Bauernhaus in Langnau; ehem. Cartonnage-Fabrik in Nidau; Bauernhaus in Iffwil

(Denkmalpflege des Kantons Bern)


36 Samstag, 5. November 2011 —

Baukultur aktiv

Hintergrund

Baustoffe und Konstruktionsarten

Der k leine

4A

Zalotays Zauberschloss

Architektonische Trouvaille oder provokativer Schandfleck? Gewiss ist nur, dass das denkmalgeschützte Haus

des ungarischen Lebenskünstlers Elemér Zalotay in Ziegelried bei Schüpfen allen Stürmen trotzt.

Elemér Zalotays Gesamtkunstwerk: Seit 1979 bastelt er an seinem Zuhause – mit scharfkantigen Blechstücken, spitzen Glasscherben, Stahlseilen, Ketten, Holzbauteilen, Steinen und Recyclingmaterial.

Walter Däpp (Text) und

Hansueli Trachsel (Bilder)

Die Waldegg, das einst beliebte Ziegelrieder

Dorfbeizli, gibt es nicht mehr. Auch

das Dorflädeli ist verschwunden. Und

auch die Käserei. Doch ausgerechnet das

seit Jahren heftig umstrittene skurrile

Haus des spleenigen ungarischen Architekten

Elemér Zalotay steht noch. Zum

Leidwesen etlicher Nachbarn, die dieses

«Forschungshaus», wie Zalotay es nennt,

als «unordentlich zusammengebastelte

Hütte» und als «Schandfleck» betrachten.

Und die es, samt seinem eigenwilligen Erbauer

und Bewohner, endlich weg haben

möchten – «lieber heute als morgen».

Dieses «Ghütt» habe nie hierhergepasst,

hört man. Ein Liegenschaftshändler,

der nebenan mit konventionellen Einfamilienhäuschen

geschäftete, befand

einmal, Zalotays Gebäude wirke «auf

einen Beobachter mit durchschnittlichem

Geschmacksempfinden abstossend und

provokativ».

Und der 79-jährige Zalotay selber, der

«Das Haus lebt.

Ich bin froh, dass

mein Onkel es

kaufen konnte.»

Franziska Würsten, Nachbarin

in der Zeit des Ungarn-Aufstands 1956

eigenen Angaben zufolge in seiner Heimat

mehrfach inhaftiert war und 1973

«endlich eine Ausreisegenehmigung in

die Schweiz» erhielt, bekommt bis heute

hautnah zu spüren, dass er hier, im kleinen

bernischen Dörfchen Ziegelried in

der Gemeinde Schüpfen, für viele noch

immer ein Fremder ist. Und ein «Querulant».

Einer, der mit seiner eigenwilligen

«Ghüder-Architektur» seit Jahren eben

provokativ kundtut, dass ihm jedes durchschnittliche

Geschmacksempfinden egal

ist.

«Reizvolles Märchenhaus»

Doch immerhin: Franziska Würsten,

eine von Elemér Zalotays direkten

Nachbarinnen, findet sein «Märchenhaus»

reizvoll. Und sie hat auch «zu

ihm selber einen guten Draht». In dieser

ansonsten doch so properen Einfamilienhaussiedlung

am Westrand des

Schüpfener Dörfchens Ziegelried sei

Zalotays Haus ein erfrischend unkonventioneller

Akzent: «Das Haus lebt.

Und ich bin froh, dass mein Onkel

Heinz Würsten es 2003 kaufen

konnte.»

Würsten, Baumeister in Zweisimmen,

hat offensichtlich Gefallen gefunden an

diesem speziellen Objekt. Solange es

Elemér Zalotays Zuhause sei, sagt er,

werde er jedenfalls nur die notwendigsten

Renovationsarbeiten ausführen. So

habe er – zusammen mit Zalotay – soeben

begonnen, «das Dach abzuräumen,

ein neues Flachdach zu erstellen und

mit einer undurchlässigen Kautschukfolie

abzudecken». Später werde er – im

Rahmen der denkmalschützerischen

Vorgaben – weiterschauen. «Wer in diesem

Haus wohnt», sagt er, «muss handwerkliches

Geschick haben. Da wird

man immer etwas zu basteln haben.»

Zalotay selber bastelt seit 1979 daran.

Mit scharfkantigen Blechstücken, mit

«Abstossend und provokativ»?

Detailansicht des «Forschungshauses».

spitzen Glasscherben, mit Stahlseilen,

mit Ketten, mit Holzbauteilen, mit Steinen,

mit Recyclingmaterial, das er irgendwo

zusammengesucht hat, mit

herbeigeschleppten flauschigen Polstersesseln

und sonstigem Mobiliar. Und mit

Mörtel und Zement.

Der Eingangspfad in sein Zauberschloss

führt über wild überwucherte

Treppenstufen und über eine Art Hängebrücke,

die der filigranen Miniatur

einer mittelalterlichen Festungsbrücke

gleicht und der Belastung erstaunlich

gut standhält. Drinnen droht man über

unebene Bodenmosaike zu stolpern,

hätte aber allenfalls die Chance, sich an

ungezählten kreuz und quer aufgespannten

Drähten, Seilen, Stricken und

Schnüren zu halten oder von Wandbehängen

und Teppichen weich aufgefangen

zu werden.

Es ist staubig hier, aber trotz faszinierendem

Durcheinander erstaunlich

sauber, sogar recht ordentlich und

wohnlich. Es gibt Verblüffendes zu

sehen: das Bett, das, an Seilen aufgehängt,

in der Luft schwebt und sich per

Flaschenzug heben und senken lässt.

Skulpturen, Vasen, Kerzenständer,

Körbe. Den mit grün oxidiertem Blech

eingefassten Tisch, den Zalotay aus

einer Frienisberger Buche geschreinert

hat. Eine seiner drei Katzen, die sich

vor den ungewohnten Eindringlingen

duckt. Bilder, die an Seilen hängen und

mit rostigem Blech eingerahmt sind.

Steine, die am Ofenrohr hängen –

«zwecks Wärmespeicherung», wie

Zalotay erklärt. Apfelschnitze, die auf

dem Ofen schmoren. Gestelle, die nicht

hingestellt, sondern an Hanfseilen aufgehängt

sind. Auch ein riesiger Leuchter

hängt an einem langen, dünnen

Drahtseil.

«Wie Musik von Pink Floyd»

Und wenn man nach oben blickt, an die

wie ein permanentes Provisorium anmutende

Glas- und Blechdecke, dann

staunt man, dass diese zusammengebastelte

Herrlichkeit den Gesetzmässigkeiten

der Statik zu entsprechen und

auch Wind und Wetter zu trotzen vermag.

So ganz dicht scheint das Hausgebilde

zwar nicht zu sein, da und dort

rinnt manchmal etwas Wasser durch

Ritzen und Löcher. Und die Küche, das

Reich von Zalotays Wohnpartner, ist

reizvoll umrankt mit Efeu, das vor Jahren

schon begonnen hat, ins Haus hineinzuwuchern.

Statt es daran zu hindern,

hat man es willkommen geheis-

«Schön wäre, wenn

Zalotay punkto Ordnung

etwas mehr

Flair hätte.»

Ueli Hunziker, SVP-Gemeindepräsident

Artikel aus: «Der Bund», 5.11.2011, S. 36 Stand: 1.3.2015


Der kleine — Samstag, 5. November 2011 37

Baukultur aktiv

Baustoffe und Konstruktionsarten

4A

sen: Auch die Natur soll in Zalotays

Wohnparadies ihren Platz haben. Das

Grün der Pflanzen verträgt sich gut mit

dem Grünspan des recycelten Kupferblechs.

Doch von Harmonie hält Elemér Zalotay

wenig. Er schwärmt von Dissonanzen:

«Schönheit findet man in Dissonanzen.

Mein Haus ist wie Musik von Pink

Floyd. Archaisch und modern.» Es sei

«ein Zufallsprodukt», das eigentlich Vergangenheit

sei. «Das hier», meint er, mit

Blick auf Zeichnungen, Skizzen und

Pläne, die er plötzlich ausbreitet, sei die

architektonische Zukunft. Er brummt

etwas von einem «160-stöckigen Wolkenkratzer

aus Wasser, abgefüllt in Hunderte

von Blechbehältern», womit sich

der Bau von Hochhäusern revolutionieren

und der Durchschnittsmietzins um

fünfzig Prozent reduzieren liesse. Dass

noch immer niemand da ist, der seine

kühne Vision umsetzen würde, kann er

nicht verstehen. Denn er hält nach wie

vor für genial, was andere schon als

«abstrus», «unrealisierbar» und als reine

«Art Vision» abqualifiziert haben.

«Er hat bewiesen,

dass man aus

Abfall etwas

bauen kann.»

Michael Gerber, Denkmalpfleger

«Wie aus dem Brockenhaus»

Doch auch wenn Zalotays Streben nach

später Anerkennung für seine wirr anmutenden

Hochhausvisionen wohl erfolglos

bleiben wird, kann er sich immerhin

darüber freuen, dass seine verwunschene

Bauakrobatik in Ziegelried

auch nach über dreissig Jahren und

ebenso vielen nachbarlichen Anfeindungen

noch immer Bestand hat. Sie

hat schon faustgrosse Steine überlebt,

mit denen Unbekannte einst die Schlafzimmerscheibe

seines «Palais ideal«

zertrümmerten. Und sie hat auch einer

Petition getrotzt, in der über dreihundert

Bürgerinnen und Bürger einst verlangten,

das Haus sei «mit Bulldozern

niederzuwalzen».

«Diese Nachbarn fühlen sich durch

Elemér Zalotays Haus in ihrem Wertsystem

direkt angegriffen», sagt der Architekturkritiker

und Stadtwanderer Benedikt

Loderer: «Das Haus könnte aus

einem architektonischen Brockenhaus

stammen, es ist undicht, unperfekt»,

sagt er. Damit führe Zalotay den Nachbarn

vor Augen, dass es neben ihren

«Hüsli», die sie doch liebevoll aufgebaut

hätten, auch andere Wertvorstellungen

gebe. Wenn dabei um Formen gestritten

werde, sei das nur ein Vorwand. Denn

eigentlich sei für die Kritiker nicht das

unkonventionelle Nachbarhaus nicht

dorfgerecht, sondern «der Typ, der es

gebaut hat».

«Ein schönes Stück Architektur»

Dieser «Typ», der unbeirrbare und

streitbare Elemér Zalotay, erhielt im

Laufe der Jahre aber auch Sukkurs – aus

dem In- und Ausland. So sagte etwa der

Architekt Urs Grandjean 1984 in einem

Interview, Zalotays Haus sei «wertvoller

als alle anderen in unmittelbarer

Umgebung». So bewunderte die Fachzeitschrift

«The Architectural Review»

1986 Zalotays «experimental house»

und schwärmte vom neuen Geist («new

spirit»), der hier «wie ein Zeichen der

Hoffnung» spürbar sei. So riefen Architekturstudenten

aus Neapel, die 1984

nach Ziegelried gepilgert waren, in der

italienischen Zeitschrift «Domus» dazu

auf, das Haus zu retten.

So liess der französische Architekturhistoriker

Michel Ragon aus der

Ferne verlauten, er sehe da «ein Stück

schöne Architektur», neben «bemitleidenswerten»

umliegenden Häusern. So

brachte es Zalotays Zauberschloss

sogar in eine japanische Fachzeitung.

Und so setzte sich der bekannte frühere

SBB-Architekt Uli Huber 1991 in

einem Brief an seine BSA-Architektenkollegen

für Zalotays Haus ein: «Es ist

nicht nur andersartig. Es ist viel besser,

viel diskreter als alles andere, was dort

an gebauter trostloser Biederkeit herumsteht.

Das gebastelt-gebaute Kunstwerk

scheint mir eins mit der Natur zu

sein. Wenn es dereinst zerstört ist,

wird das grosse Wehklagen anheben.

Bitte unternehmt jetzt etwas.»

Hubers Warnruf und die begeisternden

Stimmen aus nah und fern verhallten

nicht ungehört. Im Juni 1992 beantragte

die kantonale Kunstaltertümerkommission,

das «Objekt Nr. 366,

Schüpfen/Ziegelried, Stapfacker» in

das Inventar der geschützten Kunstaltertümer

aufzunehmen – befristet auf

vierzig Jahre. Die Kommission machte

geltend, das «höchst eigenwillige, 1979

gebaute und stark umstrittene Gebäude»

werde in verschiedenen Fachpublikationen

sehr gelobt. Die massive

Überschuldung des Bauherrn und

Architekten lasse «eine Zwangsverwertung

wahrscheinlich erscheinen», weshalb

dieser um Unterschutzstellung

des Gebäudes ersucht habe.

Der Regierungsrat stimmte der

Unterschutzstellung zu. Und Jürg

Schweizer, der damalige kantonale

Denkmalpfleger, ist noch heute «froh,

dass dieser ästhetisch eigenwillig-einzigartige

Bau noch steht» – dass es damals

gelungen sei, ihn für einen befristeten

Zeitraum unter Denkmalschutz

zu stellen.

Als Recycling-Pionier gewürdigt

Michael Gerber, der heutige Denkmalpfleger

des Kantons Bern, pflichtet

Schweizer bei. Er befürwortet den damaligen

Schutzentscheid, zeigt aber

auch Verständnis dafür, dass Nachbarn

Zalotays es anders sehen – und dass es

für gewöhnliche Passanten nicht unbedingt

leicht nachvollziehbar ist, dass

«ausgerechnet dieses Haus unter Denkmalschutz

steht». Gerber ist deshalb

froh, «nicht ästhetisch, sondern denkmalpflegerisch

urteilen zu müssen».

Da würdigt er vor allem Zalotays Bauen

mit Recyclingmaterial: «Er hat pionierhaft

bewiesen, dass man aus Abfall, aus

unserer Hinterlassenschaft, etwas

bauen kann. Es ist also durchaus denkmalwürdig,

dass dieses spezielle Haus

heute noch steht.»

Andererseits müsse man aber auch

feststellen, dass das Weiterbauen im

Laufe der Jahre nicht konsequent weitergeführt

worden sei: «Elemér Zalotay

hat verschiedene Verpflichtungen nicht

erfüllt, die er durch die Unterschutzstellung

hätte erfüllen müssen. Mit der

Erhöhung des Daches zum Beispiel hat

er sich über Vorgaben hinweggesetzt.

Die Veränderungen, die er vorgenommen

hat, sind massiv. Für mich ist deshalb

die 1992 erfolgte Unterschutzstellung

heute nicht mehr gegeben.» Ihre

Auflösung stehe allerdings nicht zur

Diskussion, da der heutige Besitzer

derzeit keine Absicht habe, etwas zu

verändern.

«Wir können damit leben»

Das nimmt Landwirt Ueli Hunziker, als

SVP-Vertreter seit elf Jahren Gemeindepräsident

von Schüpfen, einigermassen

gelassen zur Kenntnis. Er gibt zwar

murrend zu bedenken, dass «dieses

Haus immer zu Diskussionen Anlass

gegeben hat» und dass Zalotay sich

wiederholt über Bauvorschriften hinweggesetzt

und damit die Dorfbevölkerung

«vertäubt» habe – vor allem mit

der zweiten Fassade, die er ohne Baubewilligung

über die wasserdurchlässige

erste Holz-Glas-Fassade gestülpt

habe. Der Regierungsstatthalter hatte

daraufhin den Abbruch der zweiten

Fassade verfügt, doch das Verwaltungsgericht

stützte dann Zalotays

Beschwerde.

Heute sei der Widerstand in der Gemeinde

nicht mehr so gross wie früher,

sagt Gemeindepräsident Hunziker, es

werde kaum noch «von Schandfleck

oder so» geredet. Man könne «im Dorf

damit leben, obschon halt nicht nur

das Haus speziell sei, sondern auch

sein Erbauer und Bewohner». Persönlich

habe er mit Zalotay allerdings nie

Probleme gehabt.

«Das Haus ist sein Kind»

Und nach all den Jahren verstehe er nicht

nur die verärgerten Anwohner (von

denen sich einer unlängst wieder öffentlich

über Zalotays Bäume beklagt hat, die

ihm die Aussicht versperren würden), er

habe sogar auch «e Blätz wyt» Verständnis

für ihn: «Das Haus ist sein Kind. Er

möchte so lange wie möglich dort leben.

Da begreife ich ihn. Schön wäre allerdings,

wenn er zumindest punkto Ordnung

etwas mehr Flair hätte.» Nach dem

jüngsten Gespräch mit dem neuen Besitzer

scheine es aber, dass «da endlich

etwas geht».

Er selber möchte allerdings nicht in

Zalotays «Verschlag» leben, lacht Hunziker:

«Nein, ums Himmels willen nicht. Ich

wohne in einem 1806 erbauten, also über

zweihundertjährigen stattlichen Berner

Bauernhaus. So lange wird Zalotays Hütte

nicht Bestand haben.»

Es ist staubig hier, aber trotz faszinierendem Durcheinander erstaunlich sauber, sogar recht ordentlich und wohnlich.

«Das Haus könnte aus einem architektonischen Brockenhaus stammen», sagt Stadtwanderer Benedikt Loderer.

«Nein, ums Himmels willen nicht»: Gemeindepräsident Hunziker möchte nicht in Zalotays «Verschlag» leben.

Artikel aus: «Der Bund», 5.11.2011, S. 37


Baustilkunde

Frühchristliche Architektur 3.–6. Jh

Architektur des Jugendstils 1895–1910

Romanische Architektur 800/1000–1150

Architektur des Heimatstils um 1900–1940

Gotische Architektur 1150–1500

Ingenieurarchitektur 1850/70–heute

Renaissance Architektur 15./16. Jh.

Die Moderne – Neues Bauen 1910–1940

Architektur des Barock 1600–1770

Architektur der Fünfzigerjahre 1950–1959

Klassizistische Architektur 1750–1850

Neuere Architekturströmungen ab 1960

Architektur des Historismus 1830–1900

Erziehungsdirektion des Kantons Bern

Amt für Kultur/Denkmalpflege

Münstergasse 32

3011 Bern

Telefon 031 633 40 30

denkmalpflege@erz.be.ch


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770

1

1

Hauptkuppel des Petersdoms, Rom, Italien, 1590

Architektur des Barock

1600–1770

Barock ist Kunst und Architektur der

Gegenreformation → «barocco» heisst

«unregelmässig».

Die absolutistischen Herrscher inszenieren ihren

Reichtum, ihre weltliche und kirchliche Macht;

Barock ist extravagant.

Aufwändige Verzierungen als Gegenbewegung zur

eher strengen Architektur der Renaissance.

Typische Merkmale:

plastische Fassaden

Pathos, Prunk, Fülle

Bewegung

Kuppeln

Licht- und Schatteneffekte

ineinander greifende Formen

→ gedreht und gebogen

Stukkaturen und Vergoldungen

kaum gerade Linien

Stand: 1.3.2015


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770 2

farbiger Marmor

Ellipse als Grundriss

symmetrische Gestaltung

→ Gebäude und Gärten

Deckengemälde in Kirchen

→ Darstellung von Himmel, Gott, Engeln

Putten

grosse Treppenanlagen

starke Betonung der Mittelachse

Natur als formbare Masse

Von-Wattenwyl-

Haus, Bern

Das Béatrice-von-Wattenwyl-Haus (ursprünglich

Frisching-Haus) an der Junkerngasse 59 ist ein aus

drei ehemaligen Gebäudeeinheiten zusammengewachsenes

Stadtpalais, welches ab 1705 unter

Samuel Frisching umfassend umgestaltet und

in den Jahren 1949, 1957/58 und 2006 renoviert

worden ist. 1838 kommt das Haus in den Besitz der

Familie von Wattenwyl und geht 1934 durch ein

Legat (Schenkungsvertrag) an die Schweizerische

Eidgenossenschaft über. Zu diesem Zeitpunkt

erhält es den Namen der Ehefrau des verstorbenen

Jakob Emanuel von Wattenwyl. Heute finden hier

Empfänge des Bundesrates und die Von-Wattenwyl-Gespräche

(zwischen Bundesrat und Regierungsparteien)

statt.

2


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770 3

3

Die Hauptfassade ist gegen Süden gerichtet, die

Gartenanlage erstreckt sich in fünf Terrassen über

den Aarehang bis in die Matte. Die äusserst

reiche Innenausstattung gehört verschiedenen

Stilrichtungen an, welche aber wegen einer

Legatsbestimmung nicht vereinheitlicht wurden.

Die Mittelachse des Gebäudes wird durch einen

Mittelrisaliten mit Giebel betont.

4

1 Estrade

2 Freitreppen

16

3 Sockelgeschoss

4 Hochparterre

5 Hauptgeschoss

6 Lisenen

7 Gurtgesims

8 Gebälk

9

8

14

15

9 Kranzgesims

10 Mittelrisalit

11 Freitreppe

12 Hauptbalkon mit

Konsolen

13 Hauptfenster mit

5

7

4

13

12

6

Bekrönung

14 Giebelfeld mit

Kartusche

15 Dachfenster

3

1

11

16 Dachreiter

2 10

2


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770 4

Weitere Beispiele:

6

4

3

5

2

1

5

Hauptwache, Bern

1766–1770 wurde das Gebäude als Wachthaus am

Theaterplatz 13 erbaut. Es ist eines der bedeutendsten

Werke des Architekten Niklaus Sprüngli,

Umgestaltungen erfolgten im 19. Jahrhundert,

1909/1910 (Umbau zum Geschäftshaus) und 1938.

1 Doppelsäule

2 Kranzgesims

3 Lukarne mit Ochsenauge

4 Lukarne mit Rundgiebel

5 Mansarddach

7

Residenz

Würzburg, Deutschland

1719–1746 von Johann Balthasar Neumann errichtet,

ist dieser Bau ein bemerkenswertes Beispiel

der Verschmelzung von Architektur, Plastik und

Malerei. Im Innern befindet sich das grösste

zusammenhängende Fresko (= Wandmalerei auf

Kalkputz) der Welt, gestaltet von Tiepolo. Es zeigt

die Personifikationen der vier Kontinente. In Auftrag

gegeben wurde die Residenz für den Fürstbischof

Johann Philipp Franz von Schönborn.


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770 5

8 9

Benediktiner-Abtei, Einsiedeln

Schloss Versailles, Paris, Frankreich

934 entstand in Einsiedeln ein Männerkloster,

welches noch heute in Betrieb ist. Der barocke

Klosterbau wurde ab Anfang 18. Jahrhundert nach

Plänen von Caspar Moosbrugger erbaut, 1735

fand die Weihung der Kirche statt. Anziehungspunkt

für Pilger und Touristen ist auch die Schwarze

Madonna (Einsiedler Muttergottes) aus dem

15. Jahrhundert.

Die heute riesige Schlossanlage wurde 1623–

1631 als Jagdschloss für Louis XIII. erbaut. 1661

beschloss Louis XIV. den Bau zum Sitz des französischen

Hofes und der Regierung zu machen,

was unzählige (Aus)baumassnahmen bis ins

18. Jahrhundert zur Folge hatte. Dabei wurde

unter anderem auch der 70 m lange Spiegelsaal

gebaut (Architekten → Louis Le Vaux, Jules Hardouin-Mansart).

Petersdom Rom, Vorbau

Italien, Grundsteinlegung 1506, Weihe 1626

Invalidendom

Paris, Frankreich, 1675–1706

Kuppel des Petersdoms

Rom, Italien, Grundsteinlegung 1506, Weihe 1626

Benediktinerstift

Melk an der Donau, Österreich, 1702–1746

Il Gesù

Rom, Italien, 1576–1584

Palais Besenval

Solothurn, Schweiz, 1703–1706

Isola Bella

Lago Maggiore, Schweiz, 1632–1671

Trevi-Brunnen

Rom, Italien, 1732–1762

Petersplatz Rom

Italien, 1656–1667

Kathedrale von St. Gallen

Schweiz, 1756–1761


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770 6

Wichtige Architekten:

Gian Lorenzo Bernini 1598–1680

Johann B. Fischer von Erlach 1656–1723

Francesco Borromini 1599–1667

Andreas Schlüter 1659–1714

Louis Le Vau 1612–1670

Johann Balthasar Neumann 1687–1753

Jules Hardouin-Mansart 1646–1708

Niklaus Sprüngli 1725–1802

Elemente der

Architektur des Barock

10 11

Rocaille (Muschelwerk) mit Putten

Treppengeländer mit Rocaillemotiven


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770 7

12 13

Dreieckgiebel, verkröpft

Segmentgiebel, gesprengt, mit Ochsenauge

Hauptkuppel des Petersdoms,

Rom, Italien, 1590

14

1 Tambour

2 Säulenpaare vor

Strebepfeilern

3 Gebälk

4 Dreieck- und

Segmentgiebel im

Wechsel

5 Attika

6 Rippen

7 Laterne

6

3

7

5

4

2

1


Baukultur aktiv – Baustilkunde

Architektur des Barock 1600–1770 8

Parkanlage Schloss Versailles

Paris, Frankreich

Puzzle: Bilder in Stücke schneiden

Selber einen Schlosspark entwerfen

(Grundrisspläne finden sich zahlreich im Internet)

15

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