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KONGRESSJOURNAL 2015/Samstag-Ausgabe public

Offizielle Kongresszeitung der Steirischen Akademie für AllgemeinmedizinGraz/28. November 2015 An drei Tagen wurden zwei Kongressjournale mit Live-Berichterstattungen, Vorschauen auf Vorträge und Seminare, Interviews und Rückblicke direkt am Kongress verteilt.

Offizielle Kongresszeitung der Steirischen Akademie für AllgemeinmedizinGraz/28. November 2015 An drei Tagen wurden zwei Kongressjournale mit Live-Berichterstattungen, Vorschauen auf Vorträge und Seminare, Interviews und Rückblicke direkt am Kongress verteilt.

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KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Offizielle Kongresszeitung der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin Graz/28. November <strong>2015</strong><br />

<strong>Samstag</strong>-<strong>Ausgabe</strong>: 46. Kongress für Allgemeinmedizin<br />

Der Mensch zwischen<br />

Naturwissenschaft<br />

und Heilkunst<br />

Uncharakteristische Schmerzen<br />

Tipps zur Diagnose<br />

Im stressigen Praxisalltag sind Hausärzte<br />

oftmals mit uncharakteristischen<br />

Schmerzen von Patienten konfrontiert.<br />

Prof. Dr. Frank H. Mader kennt Tipps, wie<br />

praxisgerechte und sinnvolle Beratung<br />

aussehen kann. Seite 8<br />

Polypharmazie<br />

Weniger ist mehr<br />

Ein Verzicht auf die am wenigsten wichtigen<br />

Medikamente kann bei Patienten<br />

mit Polypharmakotherapie bis zu einem<br />

Viertel der Arzneimittel und bis zu<br />

60 Prozent der Interaktionen einsparen.<br />

Seite 10<br />

Neurologische Erkrankungen<br />

Schwindel rasch erkannt<br />

Das Beschwerdebild Schwindel zu behandeln<br />

ist sehr zufriedenstellend für<br />

den Arzt. Denn es gibt ein großes Arsenal<br />

an Untersuchungen und Techniken,<br />

die in der Praxis durchgeführt werden<br />

können. Seite 18


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

INHALT<br />

4 Niere: Versorgungskonzept 60/20<br />

6 Österreichischer Impfplan <strong>2015</strong><br />

8 Tipps zur Schmerzdiagnose<br />

9 PSA-Test: Pros & Contras<br />

10 Problem Polypharmazie<br />

11 Lebensstiländerung leicht gemacht<br />

12 Krankheitsbild Psychose<br />

14 Demenz: Von Mensch zu Mensch<br />

15 Jeder Zweite ist zu dick<br />

16 Burnout und positives Denken<br />

17 Hintergrundwissen in der Praxis<br />

18 Alles rund um den Schwindel<br />

20 Check der Blutdruckmessgeräte<br />

21 Der kurze Draht wird digital<br />

22 COPD in Bewegung<br />

23 COPD als Multisystem-Erkrankung<br />

IMPRESSUM<br />

Medieneigentümer & Herausgeber:<br />

Crisafulli & Stodulka<br />

Unlimited Media GmbH<br />

Unlimited Media<br />

video . web . print & more ...<br />

Verlag & Redaktion:<br />

Salierigasse 26/4, 1180 Wien<br />

Kontakt:<br />

office@unlimitedmedia.at,<br />

unlimitedmedia.at, zoe.imwebtv.at<br />

Chefredaktion:<br />

Thomas Stodulka<br />

Lektorat: Alexandra Lechner<br />

Art Direktion & Layout:<br />

Unlimited Media<br />

Druck:<br />

Universitätsdruckerei Klampfer GmbH<br />

Barbara-Klampfer-Straße 347<br />

8181 St. Ruprecht/Raab<br />

Rückschau <strong>2015</strong><br />

Der Kongress<br />

in Bildern<br />

Auch heuer ist der Kongress wieder<br />

ein voller Erfolg. An die 3.000 Besucher,<br />

Aussteller und Referenten sind<br />

in die Grazer Stadthalle gekommen.<br />

Das Thema „Der Mensch zwischen<br />

Naturwissenschaft und Heilkunst“<br />

kommt absolut gut an und zeigt<br />

einmal mehr, dass Schul- und Komplementärmedizin<br />

immer mehr zusammenrücken.<br />

Der Kongress im Web<br />

Nachdem es für viele zeitlich schwierig<br />

ist, bei allen Vorträgen bzw. auch<br />

an allen Kongresstagen anwesend zu<br />

sein, gibt es auf der STAFAM-Webseite<br />

die Möglichkeit, alles nachzuholen<br />

oder Gehörtes aufzufrischen.<br />

Alle Vorträge als Videos sowie die<br />

beiden Kongressjournale mit den<br />

aktuellen Live-Berichterstattungen<br />

können für registrierte Benutzer unter<br />

www.stafam.at beliebig oft und kostenlos<br />

angesehen werden. Das Thema<br />

des nächsten Jahres steht schon<br />

fest: "Vom Geben und Nehmen in<br />

der Allgemeinmedizin".<br />

Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf eine<br />

geschlechtsspezifische Differenzierung<br />

verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten<br />

im Sinne der Gleichbehandlung für beide<br />

Geschlechter.<br />

Offizielle Kongresszeitung der<br />

Steirischen Akademie für<br />

Allgemeinmedizin<br />

2 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Graz/28. November <strong>2015</strong> <strong>KONGRESSJOURNAL</strong> 3


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Nierenschäden rechtzeitig erkennen<br />

Versorgungskonzept 60/20<br />

Vor drei Jahren stellte eine Gesundheitsreform<br />

wieder einmal<br />

den Patienten in den Mittelpunkt.<br />

„Damals wurde das<br />

Projekt zur verstärkten Vorsorge<br />

bei Nierenerkrankungen geboren“,<br />

erklärte Prof. Dr. Alexander<br />

Rosenkranz, Med. Uni Graz,<br />

gestern in seinem Vortrag.<br />

Die meisten Patienten kamen bisher<br />

einfach zu spät zum Nephrologen, oft<br />

erst bei einer Nierenfunktion knapp<br />

vor der Dialyse. „In Österreich haben<br />

wir derzeit etwa 4.000 Dialyse-Patienten“,<br />

erklärt Prof. Dr. Alexander Rosenkranz,<br />

Med. Uni Graz. „Ein Screening<br />

ist dennoch sinnvoll, weil wir<br />

dadurch vor allem bei Patienten mit<br />

Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen<br />

frühzeitig eine eingeschränkte<br />

Nierenfunktion erkennen.“<br />

Screeninginstrumente<br />

Deshalb wurde das Projekt 60/20 ins<br />

Leben gerufen. Es wird in der Steiermark<br />

bereits durchgeführt, weitere<br />

Bundesländer sollen folgen. Die wichtigsten<br />

Ziele des Projektes 60/20<br />

sind die Früherkennung von Herz-<br />

Kreislauf-Erkrankungen, die Früherkennung<br />

einer Leistungsreduktion der<br />

Niere auf 60 Prozent, um Maßnahmen<br />

gegen die Progression des Funktionsverlustes<br />

zu ergreifen. Zudem<br />

soll eine frühzeitige Information der<br />

Betroffenen bei einer Leistungsreduktion<br />

der Niere auf 20 Prozent erfolgen,<br />

um eine jeweils persönliche, optimale<br />

Nierenersatztherapie zu definieren.<br />

„Diese Patienten werden dann beim<br />

Spezialisten oder im Nierenzentrum<br />

abgeklärt. Wichtigster Ansprechpartner<br />

bleibt aber immer der Hausarzt“,<br />

so Alexander Rosenkranz.<br />

Prof. Dr. Alexander Rosenkranz bei seinem Vortrag: „Ein Screening nach<br />

Nierenschäden ist sinnvoll, weil wird dadurch vor allem Patienten mit Diabetes<br />

und Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig auf eine eingeschränkte Nierenfunktion<br />

getestet werden.“<br />

Alexander Rosenkranz: „Die Albumin/Kreatininratio<br />

hat eine hohe<br />

Aussagekraft, um einerseits das Risiko<br />

für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und<br />

andererseits das Risiko der Progression<br />

der chronischen Niereninsuffizienz<br />

zu erkennen.“ Das zweite Screeninginstrument<br />

ist das Serumkreatinin bzw.<br />

die glomeruläre Filtrationsrate. Ein<br />

regelmäßiges, in der Praxis einfach<br />

durchführbares Screening der Nierenparameter<br />

bei Risikopatienten wie<br />

Hypertoniker, Diabetiker sowie Adipositas<br />

und familiärer Nierenerkrankung<br />

ist präventivmedizinisch von großer<br />

Bedeutung und führt zu einer früheren<br />

Diagnose. Nur zwei Risikofaktoren<br />

für chronische Nierenerkrankungen<br />

sind nicht zu ändern: das Geschlecht<br />

und das Alter. Als Zielpopulation<br />

schlägt er Patienten zwischen 40 und<br />

65 Jahren vor.<br />

Infofolder „nieren.schutz“<br />

Als Teil des 60/20-Konzepts wird<br />

bei einer Restfunktion von 20 Prozent<br />

eine umfassende Aufklärung<br />

über die Möglichkeiten der Nierenersatztherapie<br />

(NET) vermittelt, basierend<br />

auf einem neuen, detaillierten<br />

Aufklärungsbogen. Des Weiteren<br />

beinhaltet das 60/20-Konzept ein<br />

klares Überweisungsschema. Die<br />

Screenings sind zu einem großen Teil<br />

im niedergelassenen Bereich umzusetzen.<br />

Das Programm 60/20 gibt<br />

dabei eine strukturierte Basis vor,<br />

die im Programm deklarierten Risikowerte<br />

und Überweisungsschemata<br />

ein sinnvolles Werkzeug. Dazu<br />

gibt es auch einen Infofolder „nieren.<br />

schutz“, der detailliert alle Behandlungsoptionen<br />

und Wege aufzeigt.<br />

Alexander Rosenkranz: „Letztlich<br />

geht es darum, die strukturierte Versorgung<br />

chronisch Nierenkranker zu<br />

verbessern, die Leistungsausgaben<br />

im Gesundheitssystem zu reduzieren.<br />

Sie geht aber auch mit einer deutlich<br />

gesteigerten Lebensqualität für Betroffene<br />

einher. Ziel ist letztlich eine<br />

optimierte Versorgung der Betroffenen,<br />

um ein terminales Nierenversagen<br />

möglichst zu verzögern.“<br />

Foto: Unlimited Media<br />

4 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Österreichischer Impfplan <strong>2015</strong><br />

Impfen in der Praxis<br />

In Österreich werden jährlich<br />

über drei Millionen Impfungen<br />

verabreicht. Im Rahmen der Ausbildung<br />

wird dieses Thema aber<br />

kaum berührt. In den Medien und<br />

in der Laienwelt sind Unwissenheit<br />

und Verunsicherung sehr<br />

verbreitet und bedeutend. Daraus<br />

ergeben sich zeitaufwändige<br />

Diskussionen mit vielen Impflingen<br />

bzw. deren Angehörigen.<br />

Download-Link zum Österreichischen Impfplan <strong>2015</strong>:<br />

http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Gesundheitsfoerderung_Praevention/<br />

Impfen/Oesterreichischer_Impfplan_<strong>2015</strong><br />

Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz, St. Marein<br />

im Mürztal, kennt diese Probleme<br />

aus jahrelanger Erfahrung in seiner<br />

Praxis. „Für diese Gespräche sind<br />

Empathie und Sachwissen essentiell.“<br />

Zusätzlich ist in Mitteleuropa mit<br />

vier Prozent Impfgegnern zu rechnen.<br />

Diese sind für wissenschaftliche Argumente<br />

oft gar nicht empfänglich.<br />

Gespräche sind meist erfolglos und<br />

verlorene Zeit. Im Praxisseminar am<br />

<strong>Samstag</strong> werden immunologische<br />

Grundbegriffe der aktiven Immunisierung<br />

mit Tot- und Lebendimpfstoffen<br />

besprochen. Zudem werden<br />

auch die gesetzlichen Grundlagen der<br />

Impfleistung wie ausreichende Aufklärung<br />

und Dokumentation und der<br />

fachgerechte Umgang mit Impfstoffen<br />

dargelegt. Besonderes Augenmerk<br />

gilt dem Umfeld, der richtigen<br />

Haltung und Technik bei der Injektion,<br />

besonders bei kleinen Kindern.<br />

Umgang mit Nebenwirkungen<br />

Besonders ausführlich werden die<br />

echten und vermeintlichen Nebenwirkungen<br />

von Impfungen dargelegt:<br />

Lokalreaktionen nach Totimpfstoffen<br />

meist innerhalb von ein bis zwei Tagen<br />

und Allgemeinreaktionen als „Mini-<br />

Krankheit“ nach Lebendimpfstoffen<br />

wie bei der Masern-Mumps-Röteln-<br />

Impfung nach fünf bis neun Tagen.<br />

Typische Nebenwirkungen einzelner<br />

Impfstoffe sowie vielfache sogenannte<br />

unerwünschte Arzneimittelwirkungen<br />

ergeben die oft schwierige oder<br />

unmögliche Klärung zwischen einer<br />

ursächlichen Impfnebenwirkung und<br />

der (unvermeidlichen) Hintergrundmorbidität.<br />

„Dazu gehören auch die<br />

Kenntnis über die Meldepflicht von<br />

unerwarteten Reaktionen nach Impfungen<br />

sowie über das Impfschadengesetz“,<br />

so Ingomar Mutz.<br />

Impfplan <strong>2015</strong><br />

Ein Hauptbestandteil ist die Besprechung<br />

einzelner Impfungen im Rahmen<br />

des jährlich überarbeiteten und<br />

ergänzten Österreichischen Impfplans<br />

des Bundesministeriums für<br />

Gesundheit. Der Impfplan <strong>2015</strong> hat<br />

in der aktuellen Version 82 Seiten. Die<br />

wichtigsten Neuerungen sind:<br />

• Pneumokokkenimpfung bei Personen<br />

über 50 Jahren und solchen mit<br />

Immunschwäche durch chronische<br />

Krankheiten<br />

• Impfung gegen Meningokokken B<br />

zusätzlich zu der schon länger verfügbaren<br />

Impfung gegen die Stämme<br />

C und ACWY<br />

Foto: privat<br />

• Impfung gegen Masern-Mumps-<br />

Röteln, wichtig und kostenfrei die<br />

Nachhol-Impfung für Erwachsene<br />

• Nachhol-Impfung gegen Keuchhusten<br />

(Pertussis) wegen der begrenzten<br />

Schutzdauer der Impfung<br />

• Impfung für Schwangere und Betreuungspersonen<br />

von Neugeborenen<br />

• Impfung für Gesundheitspersonal<br />

• Influenza-Impfung besonders auch<br />

für Kinder<br />

• Impfung gegen HPV<br />

• Postexpositionelle Impfungen und<br />

andere Maßnahmen der spezifischen<br />

Prophylaxe nach Kontakt<br />

mit Erkrankten<br />

• Vorgehen bei den seltenen allergischen<br />

Reaktionen nach Impfungen<br />

Univ.-Prof.<br />

Dr. Ingomar<br />

Mutz<br />

SEMINAR FÜR ÄRZTE:<br />

Impfen in der Praxis<br />

Sa., 28. 11., 14.30 - 17.30 Uhr<br />

6 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


2016<br />

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KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Patienten mit uncharakteristischen Schmerzen<br />

Tipps zur Schmerzdiagnose<br />

Oftmals sind Hausärzte im<br />

stressigen Praxisalltag mit uncharakteristischen<br />

Schmerzen<br />

von Patienten konfrontiert. Vor<br />

dem Hintergrund der zeitlichen<br />

und kommunikativen Ressourcenknappheit<br />

bietet Prof.<br />

Dr. Frank H. Mader, Arzt für<br />

Allgemeinmedizin, Nittendorf<br />

in Deutschland, Tipps für eine<br />

praxisgerechte Vorgangsweise.<br />

Charakteristische Schmerzen kennt<br />

jeder Arzt von unzähligen Patientenschilderungen,<br />

aber auch aus eigener<br />

schmerzhafter Betroffenheit. Der<br />

Klassiker unter den charakteristischen<br />

Schmerzen ist der Wundschmerz.<br />

Werden Schmerzen einem bestimmten<br />

Organ oder einer bestimmten<br />

Körperregion zugeordnet, bezeichnet<br />

man sie ebenfalls gerne als charakteristisch.<br />

Beim chronischen Schmerz<br />

ist hingegen der Charakter des Warnsignals<br />

verloren gegangen. Frank<br />

Mader: „Beim uncharakteristischen<br />

Schmerz handelt es sich hingegen<br />

um Fälle, die aus nomenklatorischer<br />

Verlegenheit mit -dynie, -pathie oder<br />

mit -algie enden – also eigentlich um<br />

Keine-Ahnung-Diagnosen.“ Auch die<br />

wissenschaftliche Literatur (PubMed<br />

und Google Scholar) hilft kaum weiter.<br />

Trotz der Spezifizierung „non-specific“<br />

geht es meist um die Bereiche<br />

Rücken oder Bauch.<br />

Die ersten fünf Minuten entscheiden<br />

Wie könnte eine praktikable Lösung<br />

für die Diagnose in der Hausarztpraxis<br />

aussehen? Frank Mader: „Die Berufsausübung<br />

in der Allgemeinmedizin<br />

wird wesentlich vom Zeitfaktor bestimmt.<br />

Zudem hängt der Erfolg des<br />

Beratungsgesprächs laut Kommunikationsexperten<br />

von den ersten fünf<br />

Minuten ab.“ Bewährt hat sich ein<br />

Algorithmus für die ärztliche Ersteinschätzung<br />

eines Beratungsproblems<br />

eines Patienten, der intuitiv im Kopf<br />

des erfahrenen Mediziners abläuft.<br />

Das Beratungsproblem wird bewertet<br />

von „eher leicht“ bis „eher schwer“,<br />

von „eher häufig“ bis „eher selten“,<br />

von eher akut“ bis „eher chronisch“,<br />

von „eher somatisch“ bis „eher psychisch“,<br />

von „sofort überweisen“ bis<br />

„zuwarten“ und von „exakte Diagnose<br />

möglich“ bis „notwendig?“.<br />

Drei Frage-Batterien<br />

In der Praxis haben sich drei Frage-<br />

Batterien bewährt. Zunächst geht es<br />

um die Fragen: Wo, wie lange, wann,<br />

wie, wodurch wird es besser oder<br />

schlechter? Im zweiten Komplex geht<br />

es um die Themen „Angst, Vermutung<br />

und Selbstbehandlung“. Und in<br />

der dritten Frage-Batterie stehen zwei<br />

Fragen im Mittelpunkt: Fühlen Sie<br />

sich krank? Sind Sie krank? Dadurch<br />

soll der Patienten angeregt werden,<br />

über die biopsychosoziale Dimension<br />

seines Sich-krank-Fühlens bzw.<br />

Krankseins nachzudenken. Danach<br />

gilt es festzulegen, welche physikalische,<br />

laborchemische und apparative<br />

Diagnostik zur Eingrenzung oder<br />

Abklärung von uncharakteristischen<br />

Schmerzen notwendig ist. Frank Mader:<br />

„Das Dilemma ist dabei die Entscheidung<br />

zwischen zu wenig oder<br />

zu viel Diagnostik. Der Medizinphilosoph<br />

Wolfang Wieland erklärt dazu,<br />

dass Diagnostik ein unabschließbarer<br />

Prozess ist. Es kommt aber gerade<br />

deswegen darauf an, den Punkt zu<br />

kennen, an dem man diesen Prozess<br />

abbrechen muss.“<br />

Im Praxisalltag bedeutet das, zwischen<br />

diagnostischem Überschuss<br />

und Verweigerung das rechte Maß<br />

zu finden. Tröstlich für den geplagten<br />

Hausarzt, ob er den Ansprüchen<br />

der Patienten beim uncharakteristischen<br />

Schmerz gerecht wird, könnte<br />

die Aussage einer ärztlichen Schlichtungsstelle<br />

sein: „Der Arzt schuldet<br />

dem Patienten nicht in jedem Fall die<br />

objektiv richtige Diagnose, sondern<br />

lediglich eine Untersuchung nach den<br />

Regeln der ärztlichen Heilkunde.“<br />

VORTRAG FÜR ÄRZTE:<br />

Patienten mit uncharakteristischen<br />

Schmerzen<br />

Sa., 28. 11., 16.30 - 16.55 Uhr<br />

8 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Urologische Fragestunde<br />

PSA-Test: Pros & Contras<br />

Seit fast 30 Jahren wird das Prostata-spezifische Antigen (PSA) in<br />

der Urologie verwendet und hat praktisch das gesamte Management<br />

eines Prostatakarzinoms grundlegend verändert.<br />

Univ.-Prof. Dr. Karl Pummer, Med. Uni<br />

Graz: „Schon bald nach der Einführung<br />

wurde PSA als Instrument der<br />

Früherkennung erkannt, was letztlich<br />

zum Screening führte.“ Seither werden<br />

Prostatakarzinome früher und in<br />

deutlich niedrigeren Stadien erfasst<br />

und die Zahl der Patienten mit Metastasen<br />

bei Diagnosestellung hat stark<br />

abgenommen. Auch die Sterblichkeit<br />

ist rückläufig. Die Kehrseite dieser<br />

Entwicklung: Zunehmend werden<br />

Patienten mit einem Prostatakarzinom<br />

erfasst und auch behandelt, die<br />

ohne PSA nie diagnostiziert worden<br />

wären und gar keine Therapie gebraucht<br />

hätten. Deshalb ist es wichtig<br />

zu wissen, wann, unter welchen Bedingungen<br />

und bei wem eine PSA-<br />

Bestimmung sinnvoll sein kann und<br />

wann nicht. Dazu kommt, dass PSA<br />

zwar „prostataspezifisch“ (wie der<br />

Name auch besagt) aber nicht „karzinomspezifisch“<br />

ist, weil eine Fülle von<br />

Faktoren Einfluss auf die Höhe von<br />

PSA nehmen können, was dazu führt,<br />

dass etwa ein Viertel aller Männer mit<br />

erhöhtem PSA zwar eine weitere Abklärung<br />

erfahren muss, aber gar nicht<br />

an Prostatakrebs erkrankt ist. Ziel der<br />

„Urologischen Fragestunde“ ist es,<br />

den richtigen Umgang mit PSA zu<br />

diskutieren und anhand von Beispielen<br />

mögliche Fallen aufzuzeigen.<br />

Da Prostatakarzinome heute überwiegend<br />

in einem frühen und somit<br />

heilbaren Stadium diagnostiziert werden,<br />

ist es sinnvoll, sich mit den Vorund<br />

Nachteilen der einzelnen Therapieoptionen<br />

vertraut zu machen.<br />

SEMINAR FÜR ÄRZTE:<br />

Urologische Fragestunde<br />

Sa., 28. 11., 9.00 – 12.00 Uhr<br />

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Graz/28. November <strong>2015</strong> <strong>KONGRESSJOURNAL</strong> 9<br />

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KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Problem Polypharmazie<br />

Reduktion durch Priorisierung<br />

Durch Verzicht auf die für den<br />

Patienten am wenigsten wichtige<br />

Medikation ließen sich bei Patienten<br />

mit Polypharmakotherapie<br />

möglicherweise bis zu einem<br />

Viertel der Arzneimittel und bis<br />

zu 60 Prozent der potentiellen<br />

Interaktionen einsparen.<br />

„Bis in die achte Lebensdekade steigt<br />

die Zahl der durchschnittlich konsumierten<br />

Arzneimittel an, erst dann<br />

sinkt die Zahl wieder“, erklärt Dr. Jochen<br />

Schuler, FA für Innere Medizin,<br />

Salzburg. In Österreich werden im<br />

Mittel 70 Packungen pro Kopf und<br />

Jahr verordnet. Daraus ergibt sich bei<br />

42 Prozent der Menschen, die älter<br />

als 65 Jahre sind, eine „kumulative<br />

Polypharmazie“ mit fünf oder mehr<br />

Wirkstoffen innerhalb eines Quartals.<br />

„Polypharmazie ist im höheren Lebensalter<br />

eher Regel denn Ausnahme“,<br />

warnt der Internist.<br />

Medikamentenliste ordnen<br />

Insbesondere bei älteren, multimorbiden<br />

Patienten ist dies eine große<br />

Herausforderung für den behandelnden<br />

Arzt, da einerseits die Wahrscheinlichkeit<br />

von Wechselwirkungen<br />

und unerwünschten Wirkungen<br />

steigt und andererseits die Therapie-<br />

Adherence sinkt. Weitere Risiken der<br />

Polypharmazie sind Medikationsfehler<br />

(falsche Dosis, Interaktionen,<br />

Verwechslungen u.v.m.), Verordnung<br />

inappropriater Medikamente, „Underuse“<br />

evidenzbasierter Therapien<br />

sowie eine Assoziation mit erhöhter<br />

Morbidität (Parkinson, Stürze, geriatrische<br />

Syndrome), Spitalsbehandlungen<br />

und Mortalität.<br />

Die Priorisierung könnte dabei hilfreich<br />

sein, jene Medikamente her-<br />

Foto: privat<br />

auszufiltern, die für den jeweiligen<br />

Patienten als potentiell verzichtbar<br />

einzuschätzen sind. Dabei handelt es<br />

sich um eine Beschränkung auf die<br />

für den Patienten jeweils wichtigste<br />

Medikation. Durch die Minderung<br />

der Medikamentenanzahl erreicht der<br />

Arzt auch eine Reduktion des Risikos<br />

potentieller Wechselwirkungen.<br />

Jochen Schuler: „Voraussetzung<br />

ist eine klare Zuordnung von Medikamenten<br />

zu den Diagnosen, eine<br />

Nutzenbewertung auf Grundlage der<br />

EBM-Leitlinien und elektronische<br />

Tools, um die Bewertung in kurzer<br />

Zeit durchführen zu können.“ Ziel<br />

des Absetzens von Medikamenten<br />

bei Patienten mit Polypharmazie<br />

ist eine positive Beeinflussung des<br />

Krankheitsverlaufes und vor allem<br />

der Lebensqualität. Das vorgestellte<br />

Priorisierungsschema bietet eine<br />

einfache und im Alltag gut anwendbare<br />

Möglichkeit, Ordnung in lange<br />

Medikationslisten zu bekommen und<br />

Streichkandidaten zu identifizieren.<br />

Die Medikamente werden in die Kategorien<br />

sehr wichtig, wichtig, optional<br />

unwichtig, unklare Medikamente eingeteilt.<br />

Jochen Schuler: „Schon das<br />

Absetzen von einem Viertel der Medikamente<br />

führt zu einer deutlichen<br />

Verminderung der Wahrscheinlichkeit<br />

von Arzneimittel-Interaktionen.“<br />

Nebenwirkungen beim Absetzen<br />

Das Erfolgsrezept für ein nachhaltiges<br />

Absetzen liegt aber nicht allein<br />

in der Identifikation von Streichkandidaten,<br />

sondern in der richtigen<br />

Absetztechnik. Eine gemeinsame<br />

Zielsetzung mit dem Patienten, gute<br />

Kommunikation und enge Betreuung<br />

des Absetzprozesses ist ebenso<br />

wichtig wie das Wissen über die<br />

unterschiedlichen Nebenwirkungen<br />

beim Absetzen der verschiedenen<br />

Medikamente.<br />

Dr. Jochen<br />

Schuler<br />

VORTRAG FÜR ÄRZTE:<br />

Strategie gegen Polypharmazie<br />

bei älteren Menschen<br />

Sa., 28. 11., 14.55 – 15.15 Uhr<br />

10 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Lebensstiländerungen<br />

Der Weg der kleinen Schritte<br />

Eine Lebensstiländerung ist<br />

schwierig, kann aber funktionieren.<br />

Wichtig ist, Ernährung,<br />

Bewegung und Entspannung<br />

als Ganzheit zu betrachten, zu<br />

vereinen und damit Veränderungen<br />

im Leben zu bewirken.<br />

„Bei der Beratung von übergewichtigen<br />

Menschen bin ich immer wieder<br />

an meine Grenzen gestoßen. Die<br />

reine Wissensvermittlung hat weder<br />

mich noch meine Klienten an das gewünschte<br />

Ziel geführt“, erklärt Ernährungsberaterin<br />

Mag. Ulrike Scherngell.<br />

Die vorgeschlagenen Tipps können<br />

meist nicht umgesetzt werden. Nach<br />

drei Tagen mit den besten Vorsätzen<br />

fällt man wieder ins alte Muster zurück.<br />

Die Jahre vergehen, das Gewicht<br />

steigt stetig, die Bewegung lässt nach,<br />

aber der Stress wird immer mehr. Ulrike<br />

Scherngell: „Ich habe irgendwann<br />

für mich erkannt, dass es mit kleinen<br />

Schritten leichter geht, Lebensstiländerungen<br />

umzusetzen. Man muss die<br />

komplette Lebenssituation erkennen,<br />

akzeptieren und dann maßgeschneiderte<br />

Lösungen finden, um gesunde<br />

Ernährung, Bewegung, und Entspannung<br />

wieder in Form von schönen<br />

Ritualen in den Alltag zu integrieren.“<br />

Hält man kleine Schritte (z.B. keinen<br />

Zucker im Kaffee, ein Glas Wasser vor<br />

jedem Essen, jeden Tag fünf Minuten<br />

spazieren gehen) für längere Zeit<br />

konsequent durch, dann integrieren<br />

sie sich von selbst ins Leben und die<br />

Lebensstiländerung hat sich fast unbemerkt<br />

positioniert.<br />

Mit Freude statt Stress<br />

Das Leben ist sehr schnell geworden,<br />

die Anforderungen höher, und der<br />

Mensch würde am liebsten in allen<br />

Lebensbereichen perfekt funktionieren.<br />

Es ist meistens unrealistisch zu<br />

raten, man möge drei Mal pro Woche<br />

ein Fitnessstudio besuchen und drei<br />

Mal am Tag frisch kochen und danach<br />

entspannt essen. Das führt zu Überforderung<br />

und dem Gefühl zu versagen.<br />

Möglich ist es jedoch für fast<br />

jeden Menschen, Treppen statt Lift zu<br />

benutzen, und gleich nach dem Aufstehen<br />

ein Glas Wasser zu trinken. Ist<br />

man die ersten kleinen Umstellungen<br />

gewohnt, kann man weitere hinzufügen.<br />

„Der Klient kann Erfolgserlebnisse<br />

bewusst wahrnehmen, denn er hat<br />

gemerkt, dass er selbst etwas verändern<br />

kann – das Prinzip der Selbstwirksamkeit<br />

hat gesiegt“, so Ulrike<br />

Scherngell.<br />

Ernährung, Bewegung, Entspannung<br />

Ulrike Scherngell: „Die drei Bereiche<br />

Ernährung, Bewegung und Entspannung<br />

erlebe ich untrennbar als<br />

Ganzheit. Jeder Mensch hat einen<br />

anderen Schwerpunkt, mit dem er<br />

beginnt, um nach und nach in allen<br />

drei Bereichen eine Verbesserung<br />

herbeizuführen. Was ich in meiner<br />

Beratung zu vermeiden versuche,<br />

ist, den Klienten mit Ratschlägen zu<br />

stressen, die es ihm unmöglich machen,<br />

das Ziel zu erreichen.“<br />

SEMINAR FÜR MITARBEITER:<br />

Lebensstiländerungen:<br />

Ernähren, Bewegen, Entspannen<br />

Sa., 28. 11., 9.00 – 12.00 Uhr<br />

Graz/28. November <strong>2015</strong> <strong>KONGRESSJOURNAL</strong> 11


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Krankheitsbild Psychose<br />

Erster Weg führt zum Hausarzt<br />

Psychosen sind in der Allgemeinmedizin-Praxis<br />

ein wichtiges<br />

Thema, denn Patienten<br />

suchen meist zuerst ihren<br />

Hausarzt auf. In seinem Seminar<br />

wird Assoz.-Prof. PD Dr.<br />

Alex Hofer, Med. Uni Innsbruck,<br />

besprechen, auf welcher Basis<br />

Psychosen entstehen und wie<br />

man sie diagnostiziert.<br />

Unter dem Begriff „Psychose“ fasst<br />

man eine Reihe von – oft auch vorübergehenden<br />

– psychischen Störungen<br />

zusammen, bei denen die<br />

Betroffenen die Realität verändert<br />

wahrnehmen oder verarbeiten. Das<br />

Krankheitsbild bei Psychosen ist vielfältig.<br />

Alex Hofer: „Der Hausarzt ist<br />

generell der primäre Vertrauensarzt,<br />

weil die Patienten schon seit Jahren<br />

zu ihm kommen und dort in Behandlung<br />

sind.“<br />

Primäre oder sekundäre Psychose<br />

Einteilen kann man Psychosen anhand<br />

ihrer Entstehungsursache, nach<br />

den vorwiegenden Symptomen und<br />

der Dauer. Primäre Psychosen sind<br />

Krankheitsformen, bei denen keine<br />

organische Ursache feststellbar ist –<br />

etwa die Schizophrenie als häufige<br />

Form. Alex Hofer: „Bei sekundären<br />

Psychosen gibt es eine klare Ursache,<br />

das kann beispielsweise toxisch sein<br />

oder im Rahmen einer Demenz auftreten.“<br />

Diese Psychosen sind Folgen<br />

von organischen Erkrankungen (z.B.<br />

Epilepsie, Hirntumoren, Infektionen,<br />

schwerwiegende Stoffwechselstörungen)<br />

oder die Folge von Nebenwirkungen<br />

von Medikamenten oder<br />

eine Folge des Alkohol- oder Drogenkonsums.<br />

Diagnose-Schritte<br />

Die Diagnose einer Psychose wird<br />

in Zusammenarbeit zwischen dem<br />

Betroffenen, der Familie und dem<br />

Arzt gestellt. Diese Abklärung ist<br />

die erste Hauptaufgabe des Hausarztes.<br />

Zu Beginn steht dabei ein<br />

ausführliches Gespräch über die<br />

aktuellen Beschwerden und ihren<br />

Verlauf, frühere Erkrankungen, das<br />

soziale Umfeld, Lebensgewohnheiten<br />

und eventuelle Vorbehandlungen.<br />

Alex Hofer: „Es geht zunächst<br />

darum, somatische Ursachen auszuschließen.“<br />

Um eine zielgerichtete<br />

Behandlung bei Verdacht auf eine<br />

Psychose durchführen zu können,<br />

muss der Arzt zunächst feststellen,<br />

ob es sich um eine primäre Psychose<br />

handelt oder die Symptome<br />

Ausdruck einer körperlichen Grunderkrankung<br />

sind.<br />

Hierzu sind in der Regel neben körperlichen<br />

eine Reihe von labormedizinischen<br />

und apparativen Untersuchungen<br />

(EKG, Kernspintomografie<br />

des Schädels) notwendig. Das kann<br />

durchaus Aufgabe eines Facharztes<br />

für Psychiatrie sein – muss aber<br />

nicht. Erst wenn eine organische Ursache<br />

ausgeschlossen ist, kann von<br />

einer primären Psychose gesprochen<br />

werden.<br />

Frühzeichen erkennen<br />

„Durch rechtzeitiges Erkennen und<br />

frühzeitige Hilfe ist es möglich, den<br />

Ausbruch einer primären Psychose<br />

wie der Schizophrenie zu verzögern<br />

oder den Verlauf positiv zu beeinflussen“,<br />

erklärt Alex Hofer. Die ersten<br />

Anzeichen sind unspezifisch, treten<br />

aber schon rund fünf Jahre vor dem<br />

Ausbruch der Erkrankung auf. Meist<br />

können sie von den Betroffenen und<br />

den Angehörigen nicht zugeordnet<br />

werden. Mögliche Frühzeichen können<br />

sein, dass man sich aus sozialen<br />

Bindungen zurückzieht, sich die Lebensfreude<br />

und Leistungsfähigkeit<br />

vermindern, Ausbildung oder Beruf<br />

nicht mehr wie früher bewältigt werden<br />

können, Ängste oder Depressionen<br />

auftreten oder sich Nervosität,<br />

Ängstlichkeit und Unruhe einstellen.<br />

SEMINAR FÜR ÄRZTE:<br />

Psychosen und Therapieoptionen<br />

Sa., 28. 11., 14.30 – 17.30 Uhr<br />

12 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


FORTBILDUNG<br />

Unlimited media<br />

video • web • print & more<br />

Fortbildung: Rauchstopp<br />

Österreich ist Europameister, leider nur beim Konsum von Zigaretten.<br />

Dennoch wollen viele Raucherinnen und Raucher einen Rauchstopp<br />

versuchen – oftmals mit Hilfe oder auf Anraten des Arztes oder der Ärztin.<br />

In dieser DFP-Fortbildung werden die Standards der Raucherentwöhnung<br />

zusammengefasst und wichtige Tipps für die ärztliche Beratung gegeben.<br />

THEMENÜBERSICHT<br />

• Zahlen und Fakten<br />

Prim. Dr. Alfred Lichtenschopf gibt einen Überblick über<br />

die Raucherentwöhnung, betont aber auch die Aufgabe der<br />

Ärzte zum Aufhören zu drängen und Hilfe anzubieten.<br />

• Rauchen und COPD<br />

Für OÄ Dr. Irmgard Homeier ist Tabakentwöhnung<br />

die wirksamste Einzelmaßnahme, um das Risiko der<br />

COPD-Entstehung herabzusetzen und das Voranschreiten<br />

zu stoppen.<br />

• Diabetes und CVD<br />

Rauchen erhöht die Diabetesinzidenz um das zweibis<br />

dreifache, erklärt OA Dr. Helmut Brath. Neueste<br />

Studien belegen, dass auch das Passivrauchen nicht viel<br />

besser abschneidet.<br />

• Rauchfrei guter Stimmung<br />

Nikotinabhängigkeit ist eine schwere chronische Erkrankung.<br />

Zudem hängen Rauchen und psychiatrische Erkrankungen<br />

zusammen, ein Rauchstopp ist dann noch<br />

schwieriger, erläutert Univ.-Prof. Dr. Gabriele Fischer.<br />

• Urologie und Krankmacher<br />

Rauchen wirkt sich nicht nur negativ auf das Herz-<br />

Kreislauf-System und die Lunge aus, es fördert auch die<br />

Entstehung von etwa 18 Karzinomen, warnt Univ.-Prof.<br />

Dr. Shahrokh Shariat.<br />

LITERATUR<br />

2 DFP-Punkte<br />

Artikel zum Thema Rauchstopp auf meindfp.at:<br />

www.unlimitedmedia.at/rauchstopp<br />

VIDEO<br />

Alle Videovorträge zum Thema Rauchstopp:<br />

www.unlimitedmedia.at/rauchstopp-video<br />

5 DFP-Punkte<br />

Pro Video-Vortrag<br />

1 Punkt<br />

Infos zu Vareniclin<br />

Im Vortrag erklärt OA Dr. Helmut Brath, Ge sundheitszentrum<br />

Süd Wien, welche Rolle Vareniclin bei<br />

der Tabakentwöhnung spielen kann, wie der Wirkmechanismus<br />

funktioniert und welche Dosierung sich bewährt<br />

hat. (Fachinformation)<br />

Mit freundlicher Unterstützung<br />

Pfizer Corporation Austria GmbH, Wien<br />

CHA-003-15/2/27.10.<strong>2015</strong><br />

IMPRESSUM<br />

Ärztlicher Fortbildungs an bieter:<br />

Zentrum für Allgemeinmedizin<br />

der ÄK für Wien. In Kooperation<br />

mit der Wiener Gesellschaft für<br />

Allgemeinmedizin<br />

Medieneigentümer & Herausgeber:<br />

Unlimited media<br />

video • web • print & more<br />

Crisafulli & Stodulka Unlimited Media GmbH<br />

Verlag & Redaktion: 18., Salierigasse 26/4,<br />

unlimitedmedia.at<br />

Fachkurzinformation auf Seite 20


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Kommunikation mit Demenz-Patienten<br />

Auf ihre Signale genau achten<br />

Menschen mit Demenz haben<br />

viele Fähigkeiten und Ressourcen.<br />

Sie sind in ihrer Persönlichkeit<br />

einzigartig und vollständige<br />

Wesen. „Verstehen wir ihre<br />

Signale, gibt es tiefe und bereichernde<br />

Begegnungen von<br />

Mensch zu Mensch“, erklärt Mag.<br />

Sabine Oswald, Psychotherapeutin,<br />

Volkshilfe Steiermark.<br />

Verloren wirkend, unsicher, nicht wissend,<br />

wo sie sind und was sie hier tun<br />

sollen – unter Spannung, aggressiv,<br />

enthemmt, beschuldigend – still, in<br />

sich gekehrt, kaum reagierend, apathisch<br />

– sehr freundlich, plaudernd,<br />

tarnend und täuschend, um Unsicherheiten<br />

zu maskieren – verzweifelt,<br />

traurig, hilflos, den Verlust spürend,<br />

beschämt, anklammernd – humorvoll,<br />

ablenkend jede Klippe umschiffend<br />

– Anweisungen nicht folgen<br />

können, Erklärungen nicht verstehen,<br />

bemüht – begleitende Angehörige<br />

gestresst, unter Druck, angestrengt,<br />

auch verzweifelt, Hilfe suchend.<br />

Es gibt viele unterschiedliche Verhaltensweisen<br />

von Menschen mit Demenz<br />

und deren Betreuungspersonen.<br />

Sabine Oswald: „Gleichzeitig gibt<br />

es auch Begegnungen, wo alles stimmig<br />

erscheint und wir uns auf einer<br />

tiefen Wesensebene finden können,<br />

wo wir miteinander etwas zum Klingen<br />

bringen und Kommunikation auf<br />

eine ganz andere Art funktioniert. Wir<br />

finden Wege zueinander und erreichen<br />

unkompliziert, was geplant war.“<br />

Was gilt es zu beachten?<br />

Demenz ist der Überbegriff einer Vielzahl<br />

von Erkrankungen, die mit einer<br />

Störung des Gedächtnisses, der Orientierung,<br />

Veränderungen im Verhalten<br />

und der Persönlichkeit, dem<br />

Verlust von Alltagsfertigkeiten, kognitivem<br />

Abbau und einer Verlangsamung<br />

zu tun haben. Jede betroffene<br />

Person, jedes Familiensystem reagiert<br />

in seiner ureigenen Art darauf. Alle<br />

brauchen Zeit, mit dieser Situation<br />

umgehen zu lernen, wichtige Informationen<br />

über das Krankheitsbild<br />

zu erhalten und andere Wege in der<br />

Kommunikation zu beschreiten.<br />

Menschen mit Demenz weisen schon<br />

sehr früh darauf hin, dass sie besondere<br />

Antennen für Authentizität, Präsenz<br />

und den emotionalen Zustand<br />

eines Gegenübers entwickeln und<br />

sehr fein auf Atmosphäre und Umgebungseinflüsse<br />

reagieren. Daher<br />

sind Tipps für Angehörige und Betreuungspersonal<br />

im Vorfeld wichtig,<br />

wie der Weg in die Arztpraxis zum<br />

Termin möglichst entspannt gelingen<br />

kann. Hilfreich sind hier auch einfache<br />

Erklärungen und Zugänge zur Erkrankung,<br />

die einen das Verhalten verstehen<br />

lassen. Ebenso muss die Sprache<br />

einfach und klar sein, damit Anweisungen<br />

verstanden werden.<br />

Nehmen die hirnphysiologischen Abbauprozesse<br />

zu, treten Sprache und<br />

Kognition in den Hintergrund, handelt<br />

die Person immer stärker instinktiv,<br />

evolutionsgesteuert. Unbewusste Bewertungsmechanismen<br />

leuchten die<br />

Foto: privat<br />

Umgebung ab und lassen sie biologisch-emotional<br />

reagieren. Speziell<br />

bei so empfundenem, feindlichem<br />

Stress treten schlüssige Reaktionen<br />

zu Tage, die oft als herausforderndes<br />

Verhalten wahrgenommen werden.<br />

„Reagieren wir hier zu spät, da wir frühe<br />

Signale nicht wahrnehmen, sind<br />

wir selbst mit der Situation überfordert<br />

und reagieren wir körpersprachlich<br />

inadäquat, können viele Situationen<br />

eskalieren“, so Sabine Oswald.<br />

Hier können bereits Milieugestaltung<br />

und Lichtverhältnisse Sicherheit, Geborgenheit<br />

und Entspannung bieten.<br />

Schon ein universal angebotener<br />

„Augengruß“ kann Bindung und eine<br />

tragfähige Beziehung herstellen. Gerade<br />

in schwierigen Situationen sendet<br />

Körpersprache die entscheidenden<br />

Signale zur Deeskalation.<br />

Mag. Sabine<br />

Oswald<br />

VORTRAG FÜR MITARBEITER:<br />

Menschen mit Demenz in der Arztpraxis<br />

Sa., 28. 11., 11.00 – 12.30 Uhr<br />

14 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Stoffwechselstörungen und Ernährungstipps<br />

Jeder Zweite ist zu dick<br />

Eine aktuelle Untersuchung der<br />

OECD hat ergeben, dass die<br />

österreichische Bevölkerung<br />

einen Spitzenplatz im täglichen<br />

Kalorienverzehr mit 3813 kcal<br />

pro Person einnimmt. Etwa 50<br />

Prozent der österreichischen<br />

Bevölkerung leiden an Übergewicht<br />

bzw. Adipositas.<br />

Das abdominale Bauchfett, das eine<br />

starke Assoziation mit Insulinresistenz,<br />

Hyperlipidämien und Bluthochdruck<br />

hat, steht im Fokus der<br />

Sekundärfolgen des Diabetes mellitus<br />

Typ II und des Metabolischen<br />

Syndroms. Claudia Petru, Diätologin,<br />

Ernährungspraxis Graz: „Das<br />

anzustrebende Gesundheitsziel ist,<br />

den Energieverbrauch des Einzelnen<br />

durch Bewegung zu erhöhen und die<br />

Energiezufuhr zu reduzieren.“<br />

Aber die Reduktion des Körpergewichts<br />

funktioniert nur über eine längerfristige<br />

Motivation, Begleitung und<br />

Schulung des Betroffenen. Nach einer<br />

durchgeführten Gewichtsabnahme<br />

ist eine Stabilisierung des Körpergewichts<br />

anzustreben, um das Risiko der<br />

metabolischen Folgen von Adipositas<br />

zu minimieren. Welche Strategie zu<br />

einer dauerhaften Gewichtsreduktion<br />

führt, ist in den Leitlinien zur „Prävention<br />

und Therapie der Adipositas“<br />

anschaulich dargestellt. „Die Basis<br />

für jedes Gewichtsmanagementprogramm<br />

soll aus einer Ernährungs-,<br />

Bewegungs- und Verhaltenstherapie<br />

bestehen“, so die Diätologin.<br />

Diäten wirken alle ähnlich<br />

Um ein Energiedefizit zur erreichen,<br />

können verschiedene Ernährungsstrategien<br />

verwendet werden, die alle<br />

ähnlich wirksam sind: die Reduktion<br />

des Fettverzehrs, die Reduktion<br />

des Kohlenhydratverzehrs oder<br />

beider Komponenten. Reduktionen<br />

von Fett und Kohlenhydraten zeigen<br />

nach zwölf Monaten keine signifikanten<br />

Unterschiede. Bei einer Kaloriensenkung<br />

von 500 kcal pro Tag liegt<br />

der Gewichtsverlust laut Studien bei<br />

durchschnittlich vier Kilogramm in<br />

sechs Monaten. Die mediterrane Kost<br />

konnte über einen längeren Zeitraum<br />

vor allem durch günstige metabolische<br />

Effekte das Risiko für chronische<br />

Erkrankungen und kardiovaskuläre<br />

Mortalität reduzieren. Claudia Petru:<br />

„Eine wissenschaftliche Arbeit von<br />

Dansinger et al. 2005 konnte zeigen,<br />

dass die Atkins-Diät, Low-Carb-Diät,<br />

Weight-Watchers und die Ornish-Diät<br />

keine signifikanten Unterschiede bei<br />

der Gewichtsabnahme zu herkömmlichen<br />

kalorienreduzierten Ernährungsmaßnahmen<br />

aufweisen.“ Gruppenschulungen<br />

über einen längeren<br />

Zeitraum sind effektiver als Einzelberatungen.<br />

Bei der Verhaltenstherapie<br />

gilt es, das Selbst-Monitoring zu erlernen,<br />

Essensverhalten und -frequenz<br />

Foto: privat<br />

zu erfassen, Problemlösungskompetenzen<br />

zu erlangen, ein klares Ziel zu<br />

definieren und auch bezüglich Rückfallsprävention<br />

zu trainieren.<br />

Den Wunderdiäten entgegenwirken<br />

Leitlinien sind in der Ernährungsmedizin<br />

enorm wichtig, um die neuesten<br />

wissenschaftlichen Erkenntnisse<br />

aus der Ernährungsforschung umzusetzen<br />

und diversen „Wunderdiäten“<br />

entgegenzuwirken. Claudia Petru:<br />

„Damit jeder Betroffene die Bedeutung<br />

erkennen kann, benötigt es eine<br />

längerfristige Begleitung und auch<br />

Kenntnis über die Stoffwechselvorgänge<br />

des menschlichen Körpers.“<br />

Ob Beratungshilfen wie Ernährungspyramiden<br />

sinnvoll sind, wo doch<br />

meist von Tellern gegessen wird,<br />

ist zu überdenken. Internationale<br />

Trends zeigen eher die Darstellung<br />

von unterteilten Tellern.<br />

Ernährungsmedizinische Therapien<br />

bei Übergewicht bzw. Adipositas und<br />

den damit verbundenen Folgeerkrankungen<br />

wären effizient und kostengünstig<br />

für unser Gesundheitssystem.<br />

Die Sozialversicherungsträger sehen<br />

die Versorgungsnotwendigkeit der<br />

Bevölkerung vor allem in Krankenhäusern<br />

und in den Ambulatorien sowie<br />

bei Kuraufenthalten.<br />

Diätologin<br />

Claudia<br />

Petru<br />

VORTRAG FÜR MITARBEITER:<br />

Stoffwechselstörungen und ernährungsmedizinische<br />

Maßnahmen<br />

Sa., 28. 11., 9.00 – 10.30 Uhr<br />

Graz/28. November <strong>2015</strong> <strong>KONGRESSJOURNAL</strong> 15


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Interview mit Dr. Karin Klug<br />

Bewusst positiv denken<br />

Über Strategien und Möglichkeiten,<br />

dem Teufelskreislauf Burnout<br />

zu entfliehen, sprach Dr.<br />

Karin Klug mit uns im Interview<br />

ebenso wie über die relativ junge<br />

Forschungsrichtung „Positive<br />

Psychologie“, die Untersuchungen<br />

zu Glück, Resilienz und<br />

Wohlbefinden einschließt.<br />

Was verstehen Sie unter Burnout?<br />

Burnout ist ein langfristiger Prozess,<br />

bei dem man über einen gewissen<br />

Zeitraum in eine Erschöpfung gleitet,<br />

die sich auf der körperlichen und der<br />

seelisch-geistigen Ebene bemerkbar<br />

macht. Burnout ist multidimensional<br />

und baut sich über Monate oder Jahre<br />

hinweg auf.<br />

Welche Alarmsignale und frühen<br />

Warnzeichen gibt es?<br />

Zu den körperlichen Anzeichen zählen<br />

Schlafstörungen, Kopfschmerzen,<br />

Rückenschmerzen, Herzrasen<br />

oder Magen-Darm-Probleme. Das<br />

Schwierige daran: Jedes Symptom<br />

kann auch eine ganz andere Ursache<br />

haben. Aber der Arzt sollte immer im<br />

Hinterkopf an Burnout denken.<br />

Dann gibt es auf der anderen Ebene<br />

Konzentrationsmangel, Denkaussetzer,<br />

manche Betroffenen werde leiser,<br />

ziehen sich zurück, reden weniger;<br />

andere Menschen werden gereizter,<br />

lauter, flippen schnell einmal aus. Es<br />

ist aber immer ein Prozess, der sich<br />

langsam entwickelt, immer wieder<br />

kommen neue Symptome dazu.<br />

Welche Stadien sind wichtig?<br />

Ich bevorzuge das Modell von Freudenberger,<br />

der zwölf Stadien unterscheidet.<br />

Meist fängt das ganz<br />

harmlos an. Der Betroffene hat einen<br />

Dr. Karin Klug ist Klinische Gesundheits-<br />

und Arbeitspsychologin in Graz.<br />

gewissen Ehrgeiz, eine Leidenschaft<br />

und erledigt seine Arbeit mit großer<br />

Begeisterung. Allerdings überschätzt<br />

er sich und vernachlässigt seine Bedürfnisse.<br />

Er geht über seine Grenzen<br />

hinaus, macht Überstunden, hat keine<br />

Zeit mehr, in Ruhe zu essen, nimmt<br />

sich die Arbeit mit heim. Passiert das<br />

über einen längeren Zeitraum, tritt<br />

zwangsläufig eine Erschöpfung auf.<br />

Es kommen Schlafstörungen hinzu,<br />

der Kaffeekonsum steigt. Die nächste<br />

Stufe kann sein, dass man diese<br />

Bedürfnisse und Konflikte verdrängt –<br />

das ist die vierte Stufe. Bis dahin kann<br />

man selbst noch den Weg hinaus<br />

finden. Ab der nächsten Stufe „Umdeutung<br />

von Werten“ ist eine Beratung<br />

sinnvoll. Psychologische, therapeutische<br />

und ärztliche Beratung und<br />

Betreuung sollte so früh wie möglich<br />

in Anspruch genommen werden, je<br />

früher desto besser. Ab einem gewissen<br />

Stadium wird eine stationäre Behandlung<br />

unumgänglich.<br />

Welche Möglichkeiten zur Behandlung<br />

oder Prävention sind sinnvoll?<br />

Je länger die Probleme bestehen,<br />

desto schwerer ist der Weg wieder<br />

herauszukommen. Eine Erschöpfung<br />

über lange Zeit kann man nicht in drei<br />

Tagen auflösen. Anhand der zwölf<br />

Stufen gilt es festzulegen, wo der Patient<br />

steht. Dies bestimmt auch die Hilfe.<br />

Denn im schlimmsten Fall endet<br />

Burnout in der Depression, der Krise,<br />

im Suizid. Wichtig ist, dass alle beteiligten<br />

Personen zusammenarbeiten.<br />

Ein Tipp gilt in allen Stadien: Darauf<br />

achten, dass die Grundbedürfnisse<br />

erfüllt sind: ausreichend (acht Stunden)<br />

Schlaf, auf die Ernährung achten,<br />

Bewegung einplanen.<br />

Was ist die Positive Psychologie?<br />

Die Psychologie hat sich von den Anfängen<br />

her immer mit Krankheiten<br />

und Defiziten beschäftigt: Was funktioniert<br />

nicht und wie kann man das reparieren?<br />

Die Positive Psychologie ist<br />

erst in den letzten Jahren entstanden<br />

und bedeutet eine wirkliche Kehrtund<br />

Trendwende: Was ist ein erfülltes<br />

Leben, wie kann man Gesundheit erhalten,<br />

wie Lebensqualität schaffen,<br />

welche Faktoren tragen dazu bei?<br />

Was versteht man unter Resilienz?<br />

Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit:<br />

Wie weit bin ich in<br />

der Lage, mit Herausforderungen im<br />

Leben umzugehen und mich nicht<br />

unterkriegen zu lassen? Im Volksmund<br />

spricht man auch von Stehaufmanderlqualität.<br />

Es geht darum,<br />

bewusst den Blick darauf zu lenken,<br />

was mich stärkt, was ich gut mache<br />

und was mir Kraft gibt!<br />

SEMINAR FÜR MITARBEITER:<br />

Burnout erkennen und vermeiden<br />

Sa., 28. 11., 9.00 – 12.00 Uhr<br />

Wohlbefinden und Lebenslust<br />

Sa., 28. 11., 14.30 – 17.30 Uhr<br />

16 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Hintergrundwissen für das Praxisteam<br />

Was passiert eigentlich beim ...<br />

Viele Aufgaben in der Allgemeinpraxis werden an die Mitarbeiterinnen<br />

delegiert und von diesen durchgeführt. Um erste Fragen der<br />

Patienten beantworten zu können, fasst Dr. Georg Kurtz, Arzt für<br />

Allgemeinmedizin in Gleisdorf, das wichtigste Hintergrundwissen<br />

für das Praxisteam zusammen.<br />

In einer gut organisierten Praxis sind<br />

die Aufgaben klar verteilt. Somit werden<br />

den Arztassistentinnen und Arztassistenten<br />

Untersuchungen, Tests,<br />

und andere diagnostische Vorgänge<br />

übertragen, deren Ergebnisse dem<br />

Arzt, der Ärztin vorgelegt werden. Patienten<br />

verdienen es, bei der Durchführung<br />

über die Untersuchung informiert<br />

zu werden und wenn sie wie auf<br />

Nadeln sitzend auf ihr Ergebnis warten,<br />

eine erste Beurteilung zu bekommen.<br />

Die wichtigsten Themen:<br />

Was passiert eigentlich beim …<br />

… Blutverdünnen: Dem Überblick<br />

über die Medikamente und Einsatzgebiete<br />

folgt die richtige Durchführung<br />

des Quicktests und die Interpretation<br />

der INR mit Hinweisen auf<br />

die häufigsten Fehlerquellen.<br />

… OGTT: Der feinfühlige Test zum<br />

Aufspüren der Zuckerkrankheit setzt<br />

Geduld beim Patienten voraus, weil<br />

er zwei Stunden sitzen bleiben sollte.<br />

Umso wichtiger ist es, das Ergebnis<br />

bald zu kommunizieren, da es<br />

lebensweisend sein kann. Wichtig<br />

sind die richtige Durchführung, die<br />

Grenzwerte und die physiologischen<br />

Grundlagen.<br />

… Impfen: Die Angestellten sollten<br />

auf erste Fragen zum Thema Impfen<br />

grob Bescheid wissen und das Bild<br />

der Praxis (hier wird geimpft, weil wir<br />

dies für richtig halten) nach außen tragen.<br />

Zum besseren Verständnis werden<br />

die Grundzüge der Immunologie,<br />

auch Vor- und Nachteile des Impfens<br />

an einzelnen Beispielen beleuchtet.<br />

… Blutdruckmessen: Kaum eine<br />

Handlung wird so oft durchgeführt<br />

wie das Messen des Blutdrucks. Nur<br />

die richtige Durchführung macht<br />

das Ergebnis überhaupt verwertbar<br />

und kann damit über die Notwendigkeit<br />

einer Therapieeinleitung<br />

oder Umstellung Aussage geben.<br />

… EKG schreiben: Auch wenn wir<br />

das oft machen, kann es für den<br />

Patienten das erste Mal sein, nicht<br />

selten höre ich die Frage, ob da<br />

nun Strom durchgeschickt würde.<br />

Das Personal soll über die Bedeutung<br />

der korrekten Anlage Bescheid<br />

wissen und erkennen, wenn das<br />

EKG verpolt ist, ein rhythmisches<br />

von einem unrhythmischen unterscheiden<br />

können und bei auffallender<br />

Bradycardie oder Tachycardie<br />

Alarm rufen.<br />

… Kopflichtbad: Nicht mehr sehr<br />

modern, aber gelegentlich bei katarrhalischen<br />

Infekten im Einsatz<br />

ist das Kopflichtbad zur besseren<br />

Durchblutung der Schleimhäute.<br />

… Bestrahlen mit Mikrowelle: Eine<br />

aus der physikalischen Medizin<br />

nicht mehr wegzudenkende Maßnahme<br />

zur Durchblutungsförderung<br />

und Schmerzlinderung.<br />

… Ablesen der Blutsenkung: Auch<br />

wenn es im Hintergrund passiert,<br />

kann es im Einzelfall die Diagnostik<br />

beschleunigen. Grundlagen der<br />

Blutchemie, die wichtigsten Krankheitsbilder<br />

für starke Senkungsbeschleunigung<br />

werden angeführt.<br />

… Hämocculttest: Billig, rasch<br />

durchführbar und sehr fehleranfällig.<br />

Der Test wird erklärt, auf die<br />

Fehlerquellen eingegangen und die<br />

Bedeutung eines positiven Tests<br />

hervorgehoben, dabei auf mögliche<br />

folgende Untersuchungsschritte und<br />

die Konsequenzen eingegangen.<br />

Dr. Georg Kurtz<br />

VORTRAG FÜR MITARBEITER:<br />

Was passiert eigentlich beim ...<br />

Sa., 28. 11., 16.30 - 18.00 Uhr<br />

Graz/28. November <strong>2015</strong> <strong>KONGRESSJOURNAL</strong> 17<br />

Foto: privat


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Schwindel in der Allgemeinmedizin-Praxis<br />

Alles rund um den Schwindel<br />

Die wichtigsten und häufigsten<br />

Schwindelerkrankungen<br />

können vom Arzt auch ohne<br />

langwierige und teure<br />

Spezialuntersuchungen abgeklärt<br />

und suffizient behandelt<br />

werden – die meisten davon<br />

bei entsprechendem Wissen<br />

auch in der Allgemeinpraxis.<br />

„Vor 35 Jahren in meiner neurologischen<br />

Ausbildung war die Diagnose<br />

Schwindel kaum vorhanden“, erinnert<br />

sich Dr. Bernd Pommer, FA für Neurologie<br />

und Psychiatrie, Zell am See,<br />

zurück. Nur einige wenige Schwindelformen<br />

wurden beschrieben –<br />

aus heutiger Sicht fast alle falsch,<br />

mit entsprechend unzureichenden<br />

therapeutischen Ansätzen. Das hat<br />

sich geändert. In den Jahren vor der<br />

Jahrtausendwende waren es Prof.<br />

Brandt und sein Team, die in München<br />

begannen, ein wissenschaftlich<br />

und klinisch fundiertes System in die<br />

Diagnostik des Schwindels zu bringen<br />

– mit praktisch anwendbaren therapeutischen<br />

Grundlagen.<br />

Die Schwindelarten<br />

Bernd Pommer: „Es sind sechs Diagnosen,<br />

die 75 Prozent des Gesamtschwindels<br />

ausmachen, die meisten<br />

davon mit einfachen Untersuchungstechniken<br />

zu klären. Diese werden im<br />

Seminar vorgestellt – zusammen mit<br />

den Anleitungen einer Untersuchung.“<br />

Ziel ist es, Sicherheit in der Diagnostik<br />

zu erlangen, andererseits auch<br />

dem Patienten die Angst zu nehmen,<br />

welche sich bei ihm besonders beim<br />

ersten Auftreten einer so elementaren<br />

Störung wie Schwindel einstellt. Sehr<br />

häufig sind periphere Schwindelformen,<br />

die besonders akut und heftig<br />

einsetzen. Sie verlaufen in der Regel<br />

so typisch, dass in Kenntnis ihrer<br />

Symptome und neurologischen Zeichen<br />

eine rasche Diagnose und auch<br />

Behandlung möglich ist. Gerade beim<br />

häufigsten peripheren Schwindel lässt<br />

sich auch die Therapie, welche durch<br />

ein sogenanntes „Befreiungsmanöver“<br />

schon auf der Untersuchungsliege<br />

erfolgt, sofort durchführen. Besonders<br />

wichtig ist das Erkennen von akuten,<br />

lebensbedrohlichen, mit Schwindel<br />

einhergehenden Hirnstammereignissen,<br />

sei es als Schlaganfall oder symptomatisch<br />

werdende raumfordernde,<br />

entzündliche Prozesse. Hier sind es<br />

die zusätzlichen klinischen Hinweise,<br />

die ein rasches Handeln ermöglichen,<br />

mit Einlieferung auf eine Fachabteilung<br />

in einem sinnvollen Zeitfenster.<br />

Immer noch unterschätzt werden<br />

die psychogenen Schwindelformen,<br />

doch gerade sie sind es, die meistens<br />

zu einem Rundumschlag an Untersuchungen<br />

Anlass geben und oftmals<br />

zu falschen medikamentösen Strategien<br />

führen. Natürlich darf auch der<br />

cervikogene Schwindel nicht fehlen,<br />

der weiterhin unerbittlich seinen Platz<br />

im medizinischen Alltag verteidigt –<br />

Foto: privat<br />

mit beweisenden Röntgenbildern der<br />

Halswirbelsäule und kryptischen Nystagmusbefunden.<br />

Rasche und sichere Diagnose<br />

Bernd Pommer: „Das Beschwerdebild<br />

Schwindel in der täglichen Praxis<br />

zu bearbeiten ist sehr schön und zufriedenstellend<br />

für den Arzt. Denn wir<br />

verfügen über ein großes Arsenal an<br />

klinischen Untersuchungen und Techniken,<br />

die wir in der Praxis durchführen<br />

können. Dadurch sind eine sichere<br />

Diagnose und Behandlungsrichtlinien<br />

gegeben im Gegensatz zu anderen<br />

Krankheiten, die langwierig durch<br />

bildgebende Untersuchungen extern<br />

abgeklärt werden müssen.“<br />

Dr. Bernd<br />

Pommer<br />

SEMINAR FÜR ÄRZTE:<br />

Neues rund um den Schwindel<br />

Sa., 28. 11., 14.30 - 17.30 Uhr<br />

18 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


Wir sind die erste fair-trade und Bio<br />

zertifizierte physikalische<br />

Krankenanstalt in der Steiermark<br />

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zertifizierte physikalische<br />

Krankenanstalt in der Steiermark<br />

Massagen<br />

Physiotherapie<br />

Massagen<br />

Elektro- und Ultraschalltherapie<br />

Physiotherapie<br />

Jontophorese, Kryotherapie<br />

Moor Elektro- / Parafango und Ultraschalltherapie<br />

Jontophorese, Kryotherapie<br />

Ärzte<br />

Moor<br />

für:<br />

/ Parafango<br />

Orthopädie und Neurologie<br />

Ärzte für:<br />

Orthopädie und Neurologie<br />

Kassenverträge mit<br />

BVA, SVA, KFA, VAEB, Rückverrechnung<br />

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BVA, SVA, KFA, VAEB, Rückverrechnung<br />

Patienten erhalten Therapien auch zu Hause und in Heimen<br />

mit allen anderen Kassen<br />

Grieskai 104, 8020 Graz - Tel.: 722 100 - www.physiomur.at -buero@physiomur.at<br />

Patienten erhalten Therapien auch zu Hause und in Heimen<br />

Grieskai 104, 8020 Graz - Tel.: 722 100 - www.physiomur.at -buero@physiomur.at<br />

Die sexualmedizinische Praxis Graz wurde Anfang Februar <strong>2015</strong> eröffnet. Um PatientInnen mit<br />

Sexualstörungen optimal behandeln zu können, ordinieren hier fünf sexualmedizinisch geschulte<br />

Ärzte und<br />

Die sexualmedizinische<br />

Ärztinnen zusammen<br />

Praxis<br />

mit<br />

Graz<br />

je einer<br />

wurde<br />

sexualmedizinisch<br />

Anfang Februar <strong>2015</strong><br />

geschulten<br />

eröffnet.<br />

Pysiotherapeutin<br />

Um PatientInnen<br />

und<br />

mit<br />

einer<br />

Sexualstörungen optimal behandeln<br />

Medizinische<br />

zu können,<br />

Masseurin<br />

ordinieren<br />

unter<br />

hier<br />

einem<br />

fünf<br />

Dach.<br />

sexualmedizinisch geschulte<br />

Ärzte und Ärztinnen zusammen mit je einer sexualmedizinisch geschulten Pysiotherapeutin und einer<br />

Medizinische Masseurin unter einem Dach.<br />

Sexualmedizinische Praxis Graz<br />

Wir bieten auch eine<br />

Anmeldung:<br />

Sexualmedizinische Praxis Graz<br />

Wir telefonische bieten auch Sexualberatung eine durch<br />

Münzgrabenstraße Anmeldung: 7<br />

telefonische Ärzte und Ärztinnen Sexualberatung an: durch<br />

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Münzgrabenstraße<br />

Graz<br />

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Ärzte sexmed und HOTLINE Ärztinnen an:<br />

+43<br />

8010<br />

316<br />

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722 100 100<br />

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0900 88<br />

HOTLINE<br />

80 80<br />

therapie@sexmed.at<br />

(das ärztliche Beratungsgespräch kostet 1,80 Euro/Min)<br />

+43 316 722 100 100 0900 88 80 80<br />

www.sexmed.at<br />

therapie@sexmed.at<br />

(das ärztliche Beratungsgespräch kostet 1,80 Euro/Min)<br />

www.sexmed.at<br />

Öffnungszeiten: Telefonische Terminvereinbarung: von Montag bis Donnerstag von 7-19 Uhr, Freitag von 7-14 Uhr<br />

Öffnungszeiten: Telefonische Terminvereinbarung: von Montag bis Donnerstag von 7-19 Uhr, Freitag von 7-14 Uhr


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Messtechnische Kontrollen<br />

Gratis Geräte-Check<br />

Die Steirische Akademie für Allgemeinmedizin<br />

und die Firma technomed<br />

bieten im Rahmen des<br />

heurigen 46. Kongresses für Allgemeinmedizin<br />

in der Grazer Stadthalle<br />

kostenlose technische Kontrollen<br />

von Blutdruckmessgeräten<br />

an. Alle Kongressteilnehmer haben<br />

an den drei Kongresstagen die Möglichkeit,<br />

ihre Blutdruckmesgeräte<br />

direkt am Stand vorbeizubringen.<br />

Entsprechend der MPBV §7 werden<br />

die messtechnischen Kontrollen live<br />

am Stand von technomed durchgeführt.<br />

Die Ärzte erhalten ein Prüfprotokoll<br />

und ihr Blutdruckmessgerät<br />

inklusive Prüfplakette gleich vor Ort<br />

zurück. Das Team von technomed,<br />

einem Marktführer für Medizintechnik<br />

in Österreich, hat mehrere Prüfstände<br />

am Kongressgelände aufgebaut,<br />

um dem starken Andrang der<br />

Kongressteilnehmer gerecht werden<br />

können. Geschäftsführer Mag. Ing.<br />

Moritz Bubik: „Mitte des zweiten<br />

Tages war die Anzahl der abgegebenen<br />

Blutdruckmessgeräte bereits<br />

weit über 210, Tendenz steigend –<br />

eine gelungene Kongressaktion.”<br />

Foto: Unlimited Media<br />

Kurzfassung der Fachinformation von Brimica ® Genuair ®<br />

Bezeichnung des Arzneimittels: Brimica Genuair 340 Mikrogramm/12 Mikrogramm Pulver zur Inhalation<br />

Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Jede abgegebene Dosis (die über das Mundstück abgegebene Dosis) enthält 340 Mikrogramm<br />

Aclidinium (als 396 Mikrogramm Aclidiniumbromid) und 11,8 Mikrogramm Formoterolfumarat-Dihydrat (Ph.Eur.).<br />

Dies entspricht einer abgemessenen Dosis von 343 Mikrogramm Aclidinium (als 400 Mikrogramm Aclidiniumbromid) und einer abgemessenen<br />

Dosis von 12 Mikrogramm Formoterolfumarat-Dihydrat (Ph.Eur.). Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Jede abgegebene Dosis enthält<br />

etwa 11 mg Lactose<br />

FORTBILDUNG<br />

(als Monohydrat). Liste der sonstigen Bestandteile: Lactose-Monohydrat.<br />

Unlimited media<br />

video • web • print & more<br />

Anwendungsgebiete: Brimica Genuair ist indiziert als bronchodilatatorische Erhaltungstherapie zur Linderung von Symptomen bei Erwachsenen<br />

mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).<br />

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.<br />

Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel bei obstruktiven Atemwegserkrankungen, Sympathomimetika in Kombination mit Anticholinergika,<br />

ATC-Code: R03AL05<br />

Inhaber der Zulassung: AstraZeneca AB, SE-151 85 Södertälje, Schweden<br />

Verschreibungspflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig.<br />

Weitere Angaben zu den Abschnitten Hier Dosierung stehen und Informationen, Art der Anwendung, die Warnhinweise nur für und Experten Vorsichtsmaßnahmen bestimmt für sind. die Anwendung, Wechselwirkungen<br />

Fachkurzinformation<br />

mit anderen Arzneimitteln Sämtliche und sonstige Fachanzeigen Wechselwirkungen, Fertilität, und Fachkurzinformationen Schwangerschaft und Stillzeit sowie sind Nebenwirkungen für Ärzte entnehmen Sie<br />

bitte der veröffentlichten Fachinformation.<br />

Stand der Information: Februar unter <strong>2015</strong> einem eigenen Link (stafam.at) ersichtlich.<br />

▼ Dieses Dieses Arzneimittel Arzneimittel unterliegt unterliegt einer einer zusätzlichen zusätzlichen Überwachung. Überwachung. Dies Dies ermöglicht ermöglicht eine schnelle eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die<br />

Sicherheit. Identifizierung Angehörige neuer Erkenntnisse von Gesundheitsberufen über die Sicherheit. sind aufgefordert, Angehörige jeden von Verdachtsfall Gesundheitsberufen einer Nebenwirkung sind zu melden. Hinweise zur Meldung von<br />

Nebenwirkungen, aufgefordert, jeden siehe Verdachtsfall Abschnitt 4.8 einer der Nebenwirkung veröffentlichten zu Fachinformation.<br />

melden. Hinweise zur Meldung von<br />

Nebenwirkungen siehe Abschnitt 4.8. der Fachinformation.<br />

CHAMPIX 0,5 mg Filmtabletten/CHAMPIX 1 mg Filmtabletten<br />

Qualitative und quantitative Zusammensetzung: Eine 0,5-mg-Filmtablette enthält 0,5 mg<br />

Vareniclin (als Tartrat). Eine 1-mg-Filmtablette enthält 1 mg Vareniclin (als Tartrat). Liste der<br />

sonstigen Bestandteile: Tablettenkern 0,5-mg- und 1-mg-Tablette: mikrokristalline Cellulose,<br />

Calciumhydrogenphosphat, Croscarmellose-Natrium, hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat<br />

(Ph. Eur.). Filmüberzug 0,5-mg-Tablette: Hypromellose, Titandioxid (E 171), Macrogol, Triacetin. 1-<br />

mg-Tablette: Hypromellose, Titandioxid (E 171), Macrogol, Indigocarmin, Aluminiumsalz (E 132),<br />

Triacetin. Anwendungsgebiete: CHAMPIX ist zur Raucherentwöhnung bei Erwachsenen angezeigt.<br />

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 der<br />

Fachinformation genannten sonstigen Bestandteile. Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere<br />

Arzneimittel zur Behandlung des Zentralnervensystems; Mittel zur Behandlung der<br />

Nikotinabhängigkeit. ATC-Code: N07BA03. Inhaber der Zulassung: Pfizer Limited, Ramsgate<br />

Road, Sandwich, Kent, CT13 9NJ, Vereinigtes Königreich. Stand der Information: Mai <strong>2015</strong>.<br />

Rezeptpflicht/Apothekenpflicht: Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten.<br />

Angaben zu besonderen Warnhinweisen und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung,<br />

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstigen Wechselwirkungen, Fertilität,<br />

Schwangerschaft und Stillzeit und Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der veröffentlichten<br />

Fachinformation.<br />

20 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

Qualitätsmanagement im Schnittstellenbereich<br />

Der kurze Draht wird digital<br />

Vor zehn Jahren startete die<br />

Steirische Akademie für<br />

Allgemeinmedizin (STAFAM)<br />

ein einzigartiges Projekt, um<br />

die Schnittstellen zwischen<br />

den steirischen Allgemeinmedizinern<br />

und den Spitalsambulanzen<br />

zu optimieren.<br />

„Die große Neuerung, die wir heuer<br />

auch hier beim Kongress für Allgemeinmedizin<br />

vorstellen: ‘Der kurze<br />

Draht’ steht jetzt zusätzlich als<br />

komplett digitale, interaktive Version<br />

auf der Webseite stafam.at zur Verfügung“,<br />

erklärt Dr. Reinhild Höfler,<br />

Vorstandsmitglied 2. Vorsitz-Stellvertreterin<br />

der STAFAM.<br />

Das Projekt<br />

Zuweisungen an Ambulanzen erfolgen<br />

grundsätzlich dann, wenn die<br />

weitere Diagnostik oder Behandlung<br />

im niedergelassenen Bereich nicht<br />

möglich oder sinnvoll ist. Kennzeichnend<br />

für den Überweisungsvorgang<br />

ist ein komplexer Informationsablauf,<br />

in dem nicht selten Fehler passieren.<br />

„Der kurze Draht“ soll den<br />

Übergang von der Praxis in die diversen<br />

Ambulanzen für niedergelassene<br />

Allgemeinmediziner und auch Patienten<br />

einfacher und überschaubarer<br />

gestalten. Dabei geht es darum, die<br />

Abläufe rund um die Zuweisungen<br />

zu den Spitalsambulanzen zu vereinfachen<br />

und zu optimieren.<br />

Alle Ambulanzen sind in der Mappe<br />

(und jetzt auch im Internet) thematisch<br />

und geographisch übersichtlich<br />

aufgelistet, mit wichtigen Informationen<br />

und Kenndaten versehen – Kontaktnummern,<br />

Adressen, Ambulanzzeiten<br />

und nötige oder gewünschte<br />

Voruntersuchungen bzw. spezielle<br />

Foto: Unlimited Media<br />

Dr. Reinhild Höfler freut sich, dass „Der kurze Draht“ jetzt auch zusätzlich als<br />

digitale, interaktive Version zur Verfügung steht.<br />

Anmeldeformulare. Den Kapiteln vorangestellt<br />

ist jeweils ein allgemeiner<br />

Teil, der alle Ambulanzen des behandelten<br />

Fachbereichs gleichermaßen<br />

betrifft. Diese Übersicht wurde in<br />

Workshops erarbeitet, sie stellen sozusagen<br />

den Konsens zwischen allen<br />

Diskutanten dar – in den Ambulanzen<br />

tätige Fachärzte und niedergelassene<br />

Allgemeinmediziner.<br />

Reinhild Höfler: „Man kann zum<br />

Beispiel ganz gezielt bei einer<br />

Schilddrüsenerkrankungen schauen,<br />

welche Ambulanzen Schilddrüsenerkrankungen<br />

behandeln, findet<br />

eine Liste der speziellen Erfordernisse<br />

für Patienten und erkennt, wie<br />

man als Hausarzt wieder zu den Befunden<br />

kommt – zielgerichtet und<br />

ohne Irrwege.“<br />

Geballte Information<br />

Das Serviceangebot wurde von der<br />

STAFAM gemeinsam mit der Fa.<br />

vermed und der finanziellen Unterstützung<br />

der Industrie vor allem<br />

für die niedergelassenen Allgemeinmediziner<br />

in der Steiermark erarbeitet.<br />

Aber auch Fachärzte greifen gerne<br />

auf die geballte Information des<br />

„Kurzen Drahtes“ zurück.<br />

Reinhild Höfler: „Der Weg von der<br />

papiergebundenen Form zur digitalen<br />

Version hat einen weiteren Vorteil:<br />

Detaillierte Patienteninformationen<br />

können direkt von den Firmen<br />

angefordert werden. Dieser Service<br />

ist sogar für alle Ärzte in ganz Österreich<br />

abrufbar.“<br />

Das gesamte Projekt „Der kurze<br />

Draht“ ist stets aktuell. Personen, Telefonnummern,<br />

Rahmenbedingungen<br />

und auch der medizinische State<br />

of the Art wechseln. „Daher ist auch<br />

bei unserer Arbeit Kontinuität gefordert.<br />

Diese ist ebenso wichtig wie der<br />

ständige Dialog zwischen den verschiedenen<br />

Ebenen der Patientenversorgung.<br />

Und diesen Dialog wollen<br />

wir auch nicht beenden.“<br />

Graz/28. November <strong>2015</strong> <strong>KONGRESSJOURNAL</strong> 21


KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

REPORT<br />

COPD in Bewegung<br />

Zwischen LAMA, LABA & ICS<br />

„Guidelines versus Real Life“<br />

lautete am Donnerstag der Titel<br />

eines von der A. Menarini Pharma<br />

gesponserten Seminars zum<br />

Thema COPD-Behandlung in der<br />

Praxis. Die Referenten schafften<br />

es, die Essenz von Leitlinien auf<br />

die Erfordernisse der täglichen<br />

Praxis zu reduzieren.<br />

In Österreich ist der Prozentanteil von<br />

COPD-Erkrankten höher als in anderen<br />

europäischen Ländern. „Das<br />

kann aber daran liegen, dass die Ärzte<br />

hierzulande mehr COPD-Patienten<br />

diagnostizieren. Denn ein gesunder<br />

Mensch kann auch ein schlecht untersuchter<br />

Patient sein“, erklärte Dr.<br />

Matthias Bastigkeit, Pharmakologe<br />

aus Deutschland. Fünf Punkte sind<br />

seiner Meinung nach wichtig, um mit<br />

80-prozentiger Sicherheit Asthma<br />

und COPD differentialdiagnostisch zu<br />

unterscheiden.<br />

Dr. Matthias<br />

Bastigkeit<br />

Die erste Frage gilt dem Alter. Ist der<br />

Patient über 40, ist er wahrscheinlich<br />

COPD-Patient. Liegt er altersmäßig<br />

darunter, wird er Asthmatiker sein.<br />

Zweitens weist produktiver Husten<br />

auf eine COPD hin - bei Asthma ist<br />

der Husten trocken. Drittens ist eine<br />

Allergie meist nur beim Asthmatiker<br />

vorhanden. Der vierte Hinweis ist der<br />

Rauchkonsum – mehr als zehn Packungsjahre<br />

weisen auf COPD hin.<br />

„Auf die Frage nach dem Hustenempfinden<br />

wird der COPD-Patient<br />

antworten, dass er eine Befreiung<br />

spürt. Der Asthma-Patient findet den<br />

Husten quälend“, erklärt Matthias<br />

Bastigkeit den fünften Punkt.<br />

Große Anwendungsprobleme<br />

Große Probleme gibt es generell<br />

mit der Inhalationstechnik. „Nur die<br />

wenigsten Patienten schaffen eine<br />

wirklich korrekte Anwendung ihrer Inhalatoren“,<br />

erklärt Prof. Dr. Christian<br />

Virchow, Universitätsmedizin Rostock.<br />

„Wichtig ist, das Inhalationsgerät<br />

zu verwenden, das der Patient kennt<br />

und beherrscht sowie ihm immer<br />

wieder auf einfachste Weise vorzuzeigen,<br />

wie es funktioniert.“<br />

Prof. Dr.<br />

Christian<br />

Virchow<br />

Wesentlich ist, so Matthias Bastigkeit,<br />

die leitliniengerechte Therapie bei<br />

Asthma bzw. COPD. Allerdings ist dies<br />

bei den gebräuchlichen Abkürzungen<br />

nicht immer einfach. SABA (short-acting<br />

beta2-agonist) sind kurzwirkende<br />

Bronchodilatatoren und werden für<br />

COPD-Patienten mit geringen oder<br />

temporären Symptomen empfohlen.<br />

Vorteile sind ein schneller Wirkeintritt<br />

(zehn bis 30 Min.) und eine begrenzte<br />

Wirkdauer (vier bis acht Stunden). Sie<br />

sind speziell in der Bedarfs- und Notfallanwendung<br />

sinnvoll.<br />

LABA (long-acting beta2-agonist)<br />

reduzieren die Atemnot und verbessern<br />

Lungenfunktion sowie Lebensqualität.<br />

Zudem reduzieren sie die<br />

Exazerbationen.<br />

Bei den LAMAs (long-acting muscarinic<br />

antagonist) gibt es drei Substanzen,<br />

die ein Mal täglich verabreicht<br />

werden – Tiotropium, Glycopyrronium,<br />

Umcledinium – und das zwei<br />

Mal täglich zu verabreichende Aclidinium<br />

(Bretaris®, Genuair®). Matthias<br />

Bastigkeit: „Tiotropium reduziert die<br />

Exazerbationsrate, wird aber zu 70<br />

Prozent renal ausgeschieden. Bei<br />

älteren COPD-Patienten mit eingeschränkter<br />

Nierenfunktion ist daher<br />

Vorsicht geboten. Der Rest wird<br />

über eine CYP2D6- und CYP3A4-<br />

vermittelte Oxidation abgebaut. Das<br />

kann Interaktionen bedingen.“ Die<br />

Plasmahalbwertszeit beträgt fünf bis<br />

sechs Tage. Bei Glykopyrronium ist<br />

nicht einmal die optimale Dosierung<br />

(ein oder zwei Mal täglich) geklärt<br />

und die Wirkung ist nur mäßig.<br />

Aclidinium ist ein Antagonist mit hoher<br />

Affinität am Muskarin-Rezeptor.<br />

Es vereint die Vorteile einer langen<br />

Verweildauer an den M3-Rezeptoren<br />

(Bronchospasmolyse) und die kürzere<br />

Verweildauer an den M2-Rezeptoren<br />

(kaum kardiale Nebenwirkungen).<br />

Auch die geringe und kurzzeitige systemische<br />

Exposition ist wichtig. „Die<br />

geringe Halbwertszeit von nur 2,4 Minuten<br />

steht für ein geringes Interaktionsrisiko“,<br />

so Matthias Bastigkeit.<br />

Christian Virchow sieht in der zwei Mal<br />

täglichen Verabreichung von Aclidinium<br />

einen Vorteil. Denn durch den<br />

hohen Leidensdruck, die spürbare<br />

Wirkung und die Verbesserung der Lebensqualität<br />

empfinden Patienten die<br />

zweite Gabe als positiv. Weitere Vorteile<br />

vom Genuair®-Inhaler sind die einfache<br />

Handhabung sowie sicht- und<br />

hörbare Feedback-Mechanismen: das<br />

farbige Kontrollfenster und das Klickgeräusch.<br />

Sinnvoll in der COPD-Behandlung<br />

ist immer auch eine Kombination<br />

von LABA + LAMA oder LABA<br />

und ICS (inhaled corticosteroid).<br />

22 <strong>KONGRESSJOURNAL</strong>Graz/28. November <strong>2015</strong>


REPORT<br />

KONGRESS<br />

JOURNAL<br />

COPD als Multisystem-Erkrankung<br />

Problem Komorbiditäten<br />

Das bisherige pulmozentrische<br />

Konzept ist überholt, das moderne<br />

Konzept der COPD geht<br />

von gemeinsamen Noxen und<br />

einem Multiorganschaden aus,<br />

erklärt Prof. Dr. Horst Olschewski,<br />

Med. Uni Graz. Die systemische<br />

Inflammation geht von der<br />

pulmonalen Inflammation aus,<br />

erreicht alle Organe und macht<br />

sie auch krank. Die COPD sollte<br />

als Teil einer Multiorganerkrankung<br />

gesehen werden.<br />

Eine COPD ist nach den Leitlinien<br />

<strong>2015</strong> charakterisiert durch eine persistierende,<br />

meist progressiv verlaufende<br />

Atemwegsobstruktion. Zudem ist die<br />

COPD begleitet von einer chronisch<br />

entzündlichen Reaktion der Lunge<br />

auf schädliche (inhalierte) Partikel<br />

oder Gase. Überdies repräsentiert<br />

eine COPD meist die pulmonale<br />

Komponente einer Multiorganerkrankung.<br />

Gemeinsame Risikofaktoren<br />

sind Rauchen, Luftverschmutzung,<br />

Alterung, Inaktivität und Diätfehler.<br />

Aktuelle Richtlinien<br />

Nach den neuesten Erkenntnissen<br />

wird der Schweregrad einer COPD<br />

jetzt mit den Stufen A, B, C oder D<br />

festgelegt. Auch hier tragen Exazerbationen<br />

und die bisherigen GOLD-<br />

Stadien zur Beurteilung bei, aber<br />

auch die Schweregrade der Symptome<br />

und die Komorbiditäten. „Das<br />

Abfragen der Symptome bei den<br />

Patienten ist in Ordnung, aber nicht<br />

die große Neuerung“, meinte Prof. Dr.<br />

Christian Virchow, Universitätsmedizin<br />

Rostock. Viel wichtiger ist die<br />

Berücksichtigung der Komorbidäten,<br />

vor allem der kardialen, die stark zur<br />

Mortalität beiträgt: Das wurde bisher<br />

zu wenig berücksichtigt. Prof. Dr.<br />

Horst Olschewski: „In den Studien<br />

hat sich gezeigt, dass es fünf COPD-<br />

Phenotypen gibt.“ Die erste Gruppe<br />

hat noch gute Lungenfunktionswerte<br />

und eine gute Lebensqualität, die<br />

Prof. Dr. Horst<br />

Olschewski<br />

nächste Gruppe ist älter und hat geringere<br />

Lungenfunktionswerte sowie<br />

mehr Beschwerden. Dann kommt die<br />

Gruppe mit einer hohen kardiovaskulären<br />

Komorbidität, gefolgt von jener<br />

mit Lungenemphysem sowie eine<br />

Mischgruppe. Der COPD-Phänotyp<br />

mit der größten Multimorbidität hat<br />

die schlechteste Prognose. Aber wie<br />

viele Patienten mit COPD leiden<br />

auch unter Herzinsuffizienz? Eine<br />

Studie zeigte, dass die Hausarztdiagnose<br />

„COPD ohne Herzinsuffizienz“<br />

nur in 60 Prozent wirklich einer COPD<br />

entsprach. Hingegen hatten davon<br />

acht Prozent eine alleinige Herzinsuffizienz<br />

und zwölf Prozent eine COPD<br />

plus Herzinsuffizienz. Horst Olschewski:<br />

„Wichtig ist, dass eine COPD andererseits<br />

auch die Mortalität und<br />

Morbidität von kardiovaskulären<br />

Erkrankungen steigert. Die Studien<br />

haben auch eindeutig gezeigt, dass<br />

Betablocker das Mittel der Wahl sind<br />

bei kardiovaskulären Krankheiten,<br />

um die Mortalität zu verbessern, unabhängig<br />

von einer COPD.“<br />

Osteoporose und Depression<br />

Aber nicht nur kardiologische Krankheiten<br />

beeinflussen eine COPD.<br />

Auch die Osteoporose ist eine<br />

häufige Folgeerkrankung, ebenso<br />

verschlechtert eine Depression die<br />

COPD-Prognose. Horst Olschewski:<br />

„Untersucht wurden in der Lung-<br />

Health-Studie die Todesursachen<br />

von COPD-Patienten bei einer Beobachtungszeit<br />

von fünf Jahren.<br />

Kardiovaskuläre Erkrankungen und<br />

vor allem Lungenkrebs waren die<br />

häufigsten Todesursachen – auch<br />

für Patienten mit einer leichten<br />

COPD!“ Zudem zeigte sich, dass ein<br />

Lungenemphysem ein starker Risikofaktor<br />

für Lungenkrebs ist.<br />

Dieser Report wurde von der<br />

A. Menarini Pharma gewidmet.<br />

Fotos: Unlimited Media<br />

Graz/28. November <strong>2015</strong> <strong>KONGRESSJOURNAL</strong> 23


Unlimited Media<br />

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