VANGARDIST MAGAZINE - Issue 56 - The Antifame Issue

VANGARDIST

Ruhm ist nichts erstrebenswertes. Diese Ausgabe dreht sich um die dunkle Seite des Ruhms.

#56 / 12 / 2015

ANTIFAME


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9 CANNES

LIONS

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Magazine

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EDITORIAL

Liebe VANGARDISTEN!

Willkommen zur Anti-Fame Ausgabe. Diesmal widmen wir uns der dunklen Seite

von Berühmtheit und geben den Blick frei in jenen Abgrund, der bereits viele

großartige Talente verschlungen hat, denn: Ruhm macht süchtig. Wer einmal

auf den Geschmack von Medienrummel und kreischenden Fans gekommen ist,

kann sich schwer wieder davon lossagen. Schnell verliert der Adrenalincocktail

an Wirkung und man will nur noch eines: Mehr!

Dass diese Reise eine gefährliche ist, zeigen unzählige Dramen rund um Persönlichkeiten

wie Heath Ledger, Whitney Houston oder Amy Winehouse. Drogensucht,

Depression und Suizid gehören zu den schlimmsten Folgen dieser

Odyssee zur Erfüllung. Trotzdem wird einer ganzen Generation Ruhm und Medienrummel

als erstrebenswertes Ziel wie eine Karotte vor die Nase gehalten.

Wir haben mit Wilson Gonzales Ochsenknecht über das Leben in der Öffentlichkeit

gesprochen und einen Blick auf den Film „After Love“ geworfen, dessen

Charaktere auf der Suche nach Erfüllung langsam aber sicher zugrunde gehen.

Für euch waren wir auch in Miami, wo uns Locals erzählt haben, was diese Metropole

neben Oberflächlichkeiten und sonnengebräunten Körpern noch zu bieten

hat.

Außerdem zeigen wir auf, welchen Gewohnheiten man bei großer Berühmtheit

nur noch schwer nachgehen kann und hoffen, dass diese Ausgabe dabei hilft,

die Ruhmkarotte gegen etwas mehr Selbstverwirklichung einzutauschen.

Julian Wiehl und das ruhmlose VANGARDIST-Team


Impressum:

Herausgeber und Geschäftsleitung:

VANGARDIST MEDIA GmbH

Julian Wiehl

Herausgeber:

VANGARDIST MEDIA GmbH

Chefredakteur: Julian Wiehl

Produktionsleitung: Julian Behrenbeck

Bildredaktion: Ella Koppensteiner

Textchef: Klemens Gindl

Moderedaktion: Mirza Sprecakovic

Redaktion: Julian Behrenbeck, Klemens Gindl,

Laman Akhmedova, Mirza Sprecakovic, Georg

Rauber, Ella Koppensteiner, Elisabeth Gatterburg, Ole

Siebrecht, Sebastian Krebitz, Elisabeth von Cappeln

Fotografie: Kidizin Sane, Michael Dürr, Matthias

Halibrand

Korrektorat: Georg Rauber

Produktion und Styling: Mirza Sprecakovic

Styling Assistenz: Vladimir Satric, Elisabeth

Gatterburg, Sara Dolado

Grafische Gestaltung: Magdalena Weyrer

Illustrationen: Maximilian Schnürer

Kamera: Cristobal Hornito

Videoschnitt: Cristobal Hornito

Making of: Elisabeth Gatterburg

Herzlichen Dank an alle, die durch ihren unermüdlichen

Einsatz diese Ausgabe möglich gemacht haben.

VANGARDIST MEDIA GmbH

Mariahilferstraße 49 Top 15 - 1060 Wien


INDEX

SHOOTINGS

THEMEN

COVER-

STORY

Fassade

PRIDE COMES BEFORE

A FALL 28

Radar

FUCK THE FAME 18

Warum wir den Ruhm suchen, warum das

so lächerlich ist und wie wir uns davon

befreien könnnen

Fassade

INFAMOUS LOVERS 108

Hommage an den Film After Love

VangART

MARIO TESTINO 94

Neugierde macht erfolgreich


VangART

MASTURBATION IM

MUSEUM 162

Klimt, Schiele, Kokoschka und die Frauen

Fassade

WILSON GONZALEZ

OCHSENKNECHT 126

Man hat seine Hände und seine Fresse

EDITORIAL 11

Balance

BEAUTY 52

Düfte für den Mann

VangART

#THEBESTARTISTALIVE 66

Rinat Shingareev

Fassade

THE FAME GAME 82

Wanna know how you'll get famous

and why? Take our quiz.

Auf Achse

HOW TO SURVIVE

IN MIAMI 84

Fassade

EDITOR'S CHOICE 134

Lieblinge aus der Redaktion

Fassade

DRUG ADDICTION WAS

PART OF THE PARTY-

MONSTER ERA 140

Interview mit Ur-Hipster Larry Tee

Radar

SIA, BANKSY & MARTIN

MARGIELA 152

Drei Stars, ein Geheimnis

Fassade

SHOPZONE 180

Auf Achse

THE PLACES 186

Wo die Stars gestorben sind


KEINE AUSGABE VERPASSEN!

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18 RADAR


WARUM WIR DEN RUHM SUCHEN,

WARUM DAS SO LÄCHERLICH IST UND

WIE WIR UNS DAVON BEFREIEN KÖNNEN

TEXT: KLEMENS GINDL / ILLUSTRATION: MAX SCHNÜRER

Du gehst langsam auf die 30 zu und hetzt immer noch von

Kreativpraktikum zu Kreativpraktikum? Du arbeitest für

einen Hungerlohn, nur damit du sagen kannst, du hättest

keinen normalen Job, sondern wärst Journalist, Autor, Modedesigner,

Fotograf, Künstler, Schauspieler oder Rockstar

(zutreffendes bitte ankreuzen)? Du denkst dir, jeden Moment

kommt der Durchbruch, nur noch auf dieser einen Party die

richtigen Leute anquatschen, nur einmal die 10K Follower-

Marke überschreiten und - BÄM!!! – Fame? Willkommen in

der Narzissmus-Hölle. Kauf dir hier kein Haus! Der Preis ist

absurd und das Leben hier ist langweilig. Im besten Fall...


20

GENERATION Y

„Der Ruhm ist die wahre Unsterblichkeit

der Seele“ soll ein schmächtiger

Korse einst gesagt haben. Aus der

Sicht einer Generation Y hat er damit

absolut recht. Unsere Großeltern haben

es nach dem Reset des Weltkriegs

zu bescheidenem Wohlstand gebracht

und waren zwischen Hausbauen und

60 Stundenwoche im Wirtschaftswunder

in erster Linie damit beschäftigt,

so zu


tun, als ob die Vergangenheit nie passiert

wäre. Unsere Eltern haben sich

dann unter teils erheblichen zwischenmenschlichen

Opfern von dieser verlogenen

Idylle befreit, die sexuelle

Revolution gefeiert, ihre verstockten

Eltern ins Altersheim gesteckt und als

erste Generation überhaupt ein wirklich

individualistisches,

freies Leben geführt. Sie

haben mit so ziemlich allen

Traditionen gebrochen,

die unsere Gesellschaft

ehedem unter ihrer

Knute hatte und für uns

Würstchen eine Welt geschaffen,

in der uns alles, aber wirklich

alles, offen steht. Unsere Eltern haben

geglaubt, wenn sie nur alle sozialen

Hemmnisse auf dem Weg zur Selbstverwirklichung

beseitigen, würde ihrem

Nachwuchs ganz ganz großes

bevorstehen. Leider. Danke für nix!

„DER RUHM

IST DIE WAHRE

UNSTERBLICHKEIT

DER SEELE“

WARTEN AUF

DEN DURCHBRUCH

Das Bittere an dieser schönen neuen

Welt ist nämlich, dass all die Möglichkeiten

weniger eine Freiheit, als

vielmehr eine existenzielle Pflicht bedeuten.

Weil die simple Tatsache, ein

eigenes, selbstbestimmtes Leben aufzubauen,

für unsere Generation keine

Leistung mehr bedeutet, sind wir dazu

verdammt, nach Höherem zu streben.

Aus dem Lokomotivführer und dem

Feuerwehrmann sind der

Modefotograf, der erfolgreiche

Start Up-CEO, der

Fußballgott und der Hollywood

Star geworden. Weil

wir einmal als Kleinkinder

ein hübsches Bild mit unseren

Fingerfarben gemalt

haben, wurden wir in ein musisches

Gymnasium geschickt und weil man

angenehme Illusionen gern für bare

Münze nimmt, haben wir uns danach

auch fix für ein Studium der Kunstgeschichte

an der Universität eingeschrieben

– nachdem wir an der Aufnahmeprüfung

für Filmakademie und

Schauspielschule gescheitert waren.

Seither warten wir – und mit uns vermutlich

viele unserer Erzeuger – auf

den großen Durchbruch.


22

ANDY WARHOL UND KIM K.

Der für die meisten nicht kommen

wird. Einfach schon deshalb, weil nicht

jeder eine herausragende Stellung

unter seinen Mitmenschen einnehmen

kann. Wären alle berühmt, gäbe

es ja erst recht wieder keinen Ruhm.

Und die meisten von uns haben auch

schlicht nichts außergewöhnliches anzubieten.

Da hilft auch die dekonstruierte,

fragmentierte post post Scheiße,

die wir uns als Gegenwart zusammengezimmert

haben, nix. Dieses eine

Andy Warhol-Zitat, auf das wir alle insgeheim

noch immer hoffen, das war

ironisch. Sorry. Es bezieht

sich auf Dinge wie Kim

K´s Arsch auf Instagram.

Und selbst wenn man es

tatsächlich schaffen sollte,

seine 15 Minuten zu

bekommen, was dann?

Man bleibt ja trotzdem die

gleiche Person, die man

vorher war und wer glaubt, dass er –

einmal ein bisschen berühmt – vom

nagenden Bedürfnis nach noch mehr

Aufmerksamkeit geheilt sein wird,

ES GIBT NICHTS

LANGWEILIGERES

ALS MENSCHEN,

DIE PERMANENT

AUF DER SUCHE

NACH RUHM

SIND...

liegt ziemlich daneben. Fame ist eine

Droge, die niemals befriedigt aber

ziemlich abhängig macht. Es gibt kein

schönes Leben danach. Die traurige

Wahrheit der daraus resultierenden

Beschaffungskriminalität kann man an

unzähligen Beispielen – Justin Bieber,

David Hasselhoff, oder good ol´ Lindsay

Lohan – nachvollziehen. Wer will

denn sowas?

GELTUNG STATT GLÜCK

Wir wollen nicht so weit gehen, zu

behaupten, Ruhm sei langweilig. Wir

wissen es nicht, weil keiner von uns

da aus Erfahrung sprechen

kann. Aber eines ist ganz

sicher: Es gibt nichts langweiligeres

als Menschen,

die permanent auf der Suche

danach sind. Weil es

so lächerlich ist. Und weil

es am Ende nichts konformistischeres

gibt als das

Bedürfnis, anderen zu gefallen. Dabei

könnte alles so schön sein. In einer Gesellschaft,

die so viele frühere Tabus

gebrochen und hinter sich gelassen


hat, muss man doch ein aufregendes

Leben führen können, ohne die ganze

Zeit einer selbstverliebten Illusion

hinterherzulaufen und seine Mitmenschen

damit zu langweilen. Abgesehen

von Kindern und Tieren können

wir theoretisch mit allem und jedem

Sex haben, wann, wo und so oft wir

wollen, ohne dafür auf dem Scheiterhaufen

zu landen, an Syphilis zu sterben

oder in die Hölle zu kommen.

Wir können mit jenen Leuten unsere

Zeit verbringen, mit denen wir das

auch wollen, weil wir keine Vernunftehen

eingehen und den Hof der

Eltern übernehmen müssen. Wir

haben Menschenrechte, billige

i-phone Tarife und selbst wenn

wir ein Leben lang keinen Finger

rühren, werden wir nicht

verhungern, weil die Allgemeinheit

für uns sorgt.

Aber natürlich sind das alles

keine Optionen für uns. Weil

wir nämlich nicht nach Glück

streben, sondern nach Geltung.


24

NARZISSTISCHE FICKVIDEOS

Warum stellen wir private Fickvideos,

die wir mit unseren Handys geschossen

haben, ins Netz? Weil uns das Lust

verschafft? Nein. Zumindest nicht im

unmittelbar erotischen Sinn. Wir tun

das, weil wir sogar unsere Sexualität

als Mittel zur narzisstischen Unterscheidung

nutzen. Wir brüsten uns mit

unseren Eroberungen und wollen den

anderen zeigen, was wir haben und sie

nicht. Weil mit der ganzen Freiheit, die


wir gegenwärtig genießen, vor allem

eine Sache in den Mittelpunkt gerückt

ist: Der alternativlose Individualismus.

Es gibt keinen Gott mehr und im Prinzip

auch keine Familie und das ist auch

gut so. Irgendwo. Nur bedeutet das

auch, dass wir zu 100% auf uns selbst

zurückgeworfen sind. Es gibt kein Leben

nach dem Tod und deshalb haben

wir die totale Panik,

irgendwas zu verpassen,

nicht genug rauszuholen

aus der unendlich kurzen

Zeit, in der wir einigermaßen

schön, luzide und sexuell

leistungsfähig sind.

Der Individualismus ist die

Quelle unserer Freiheit,

aber aus ihm entspringt

auch das Bedürfnis, sich von anderen

zu unterscheiden und sich überlegen

zu fühlen. Das verdirbt den ganzen

Spaß und ist angesichts unserer Möglichkeiten

ziemlich erbärmlich.

PENISKOMPLEX

UND RIESEN EGO

Es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet

ES GIBT KEIN

LEBEN NACH DEM

TOD UND DESHALB

HABEN WIR DIE

TOTALE PANIK,

IRGENDWAS ZU

VERPASSEN...

Napoleon war, der das mit dem Ruhm

und der Unsterblichkeit der Seele gesagt

hat. Er war ein Nobody mit Peniskomplex

und einem riesen Ego, der

es nach ganz oben geschafft hatte. Die

Französische Revolution war sowas wie

der Urknall des bürgerlichen Individualismus

und der korsische Kaiser war ein

Kind seiner Zeit. Der liebe Gott und die

alte soziale Ordnung sind

auf dem Schafott in die

ewigen Jagdgründe der

Geschichte eingegangen

und von da an war jeder

seines eigenen Glückes

Schmied. Napoleon war

damit auf eine Art seine

eigene Generation Y. Weil

alles, was ihn getrieben

hat, sein Verlangen nach Unsterblichkeit

war. Angesichts der Abschaffung

von Himmel und Hölle konnte das nur

der Ruhm sein. Allerdings hat er den

Bogen überspannt, die alte Welt hat

noch einmal gesiegt und es mussten

weitere 200 Jahre vergehen, bis wir

alle in den Genuss einer solchen Lebensrealität

kommen konnten.


PROGRESSIV

ANSTATT KONFORM

Es ist schlussendlich diese Angst vor

dem Sterben, die uns alle zu lächerlichen

Fame-Zombies macht. Ruhm versklavt

und macht einen eitlen, gefallsüchtigen

Waschlappen aus jedem, der

ihn verzweifelt sucht. Aber selbst wenn

uns langsam dämmert,

dass das wohl

eine Illusion ist, der

wir da hinterherrennen,

können wir uns

nicht einfach davon

verabschieden. Weil

DASS WIR ABSOLUT

NICHTS ZU VERLIEREN

HABEN AUSSER DIE

ENTTÄUSCHUNG, DASS

AUS UNS KEIN SUPER-

STAR GEWORDEN IST.

DAS MACHT DOCH

MUT, ODER?

wir nicht einfach den

Grund dafür aus der

Welt schaffen können.

Aber vielleicht können

wir versuchen, unseren Geltungszwang

ein bisschen progressiver in unsere Lebensentwürfe

zu inkorporieren. Es ist

nämlich keineswegs so, dass es außer

berühmt werden nichts gibt, wofür es

sich zu Leben lohnt. Dem gesteigerten

Bewusstsein für die eigene Vergänglichkeit

kann man nämlich sehr wohl

auch etwas positives abgewinnen: Weil

uns klar ist, dass wir für normkonformes

Schnauze halten in dieser Welt später

nicht im Himmelreich belohnt werden,

gibt es eigentlich keinen Grund, nach

den herrschenden Regeln zu spielen

und darunter zu leiden. Jeder von uns

hat die Macht, so zu leben,

wie er will, zu lieben,

wen er will und zu sagen,

was er will. Aus dem einfachen

Grund, dass wir

absolut nichts zu verlieren

haben außer die Enttäuschung,

dass aus uns

kein Superstar geworden

ist. Das macht doch Mut,

oder? Geh morgen nicht

zu deinem Praktikum, hab mehr Sex

mit vermeintlich unattraktiven Leuten,

fang mit deinem homophoben, rassistischen

Nachbarn eine Schlägerei an

und lebe ein progressives, furchtloses

Leben. Und poste es bitte nicht auf Instagram.


PRIDE COMES BEFORE A


FALL

Look Diesel, Sneakers Converse All Star


Lederkleid & Lederrock Pennyblack, Lederhose Diesel, Gürtel vintage Moschino,

Stiefletten H&M, Armreifen Peacock Modeschmuck


Er: Pullover Diesel, Hose H&M, Sneakers Converse All Stars, Harnes Stylist's own

Sie: Shirt Martha Foremniak, BH Diesel, Hose M Missoni, Lederschuhe Pennyblack


Jacke & Hose Tiberius, Hemd & Sneakers Diesel, Socken Nike


Shirt & Hose Martha Foremniak, Rucksack Chanel


Pullover H&M, Lederhose & Sneakers Diesel, Harnes Stylist's own, Brille Tom Ford


Hut Lucienne Emily Lücke


Lederkleid & Lederrock Pennyblack, Lederhose Diesel, Gürtel vintage Moschino,

Stiefletten H&M, Armreifen Peacock Modeschmuck


Kleid & Jacke H&M, Armreifen & Ringe Peacock Modeschmuck


Pullover Diesel, Offiziershut Stylist's own


Pullover H&M, Harnes Stylist's own, Brille Tom Ford


Fashion Editor Mirza Sprecakovic / mirzasprecakovic.com

Styling Mirza Sprecakovic

Photography Kidizin Sane / kidizin.com

Hair & Make Up Shlomit Migay / shlomitmigay.com

Models Christoph, Anna / sp-models.com

Making Of Foto Elisabeth Gatterburg

Styling Assistant Sara Dolado, Elisabeth Gatterburg

Make-Up Assistent Amit Yakobov

Location Sofitel Vienna Stephansdom


SOFITEL, Luxury Hotels, Wien Stephansdom


PRIDE COMES

BEFORE THE FALL

making of

Kamera & Schnitt: Cristóbal Hornito

Interpret / Track: Robbero - SunLight


52

BALANCE

BEAUTY

DÜFTE FÜR DEN MANN

ART DIRECTION JULIAN BEHRENBECK

TEXT ELISABETH GATTERBURG

FOTOS NEFE | HALI | BRAND

ASSISTENZ ELLA KOPPENSTEINER

Ruhm und Fast Food haben eines gemeinsam

– beide versprechen Erlösung

von einem ungestillten Verlangen

in uns. Doch genauso, wie Fast

Food keine echte Nahrung darstellt,

liefert auch Ruhm keine Befriedigung

für unsere innere Rastlosigkeit.

Düfte sind da anders; so flüchtig sie

auch erscheinen, verleihen sie eine

besondere Erdung. Sie ergänzen

die Persönlichkeit und treten wie ein

bester Freund immer gemeinsam mit

dem Träger auf. Manche Persönlichkeiten

haben ihr Parfum ein lebelang

nicht gewechselt und nicht all zu selten

war ihr Duft das einzig Beständige

in einem Leben voller Abwechslung

und Tumult.


54

„FÜR DIE TAGE, WO MAN

DIE WELT AUS DEN ANGELN

HEBEN WILL.”

CHANEL - BLEU DE CHANEL

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„RAU UND GLATT,

HOLZIG UND

FRISCH ZU GLEICH.”

DIOR – SAUVAGE

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56

„ZIELSTREBIG UND KLAR, DER

DUFT FÜR DEN STADTLÖWEN.”

JIL SANDER - STRICKTLY

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„ERFRISCHEND, WIE

KLARES WASSER.”

BURBERRY - BRIT SPLASH FOR HIM

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58


„EINE EXPLOSION

DER AROMEN.”

VIKTOR & ROLF - SPICEBOMB

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„AN LAUEN SOMMERABENDEN

MIT LAUTER NEUEN MENSCHEN.”

TOM FORD – EXTREME

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60

„WEIL EIN MANN AUCH

MAL SINNLICH UND

TIEFGRÜNDIG

SEIN DARF.”

ARMANI – CODE

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„ERINNERT AN

STILLE NÄCHTE IN

SCHICKEN BARS.”

YVES SAINT LAURENT – LA NUIT DE L'HOMME

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62

„FÜR VOLLMONDNÄCHTE

IN DER GROSSSTADT.”

ISSEY MIYAKE – NUIT D'ISSEY

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„WEIL SCHWARZ

NICHT IMMER

DÜSTER IST.”

LACOSTE – EAU DE LACOSTE NOIR

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10 FACTS für den perfekten Kaffee:

1. LEITUNG ODER MINERAL?

Leitungswasser in Österreich hat alles, was

man für guten Kaffee braucht!

2. ARABICA ODER ROBUSTA?

Sie sind die zwei wichtigsten Kaffeearten,

aber Robusta hat fast doppelt so viel Koffein,

schmeckt flacher und holziger. Arabica

ist ausgewogen und schmeckt nach Karamell,

Schokolade und Honig.

3. SINGLE ORIGIN ODER BLEND?

Single Origin-Kaffee aus nur einem Anbaugebiet

hat einen klaren Charakter, aber

erst die Mischung mehrerer Arabicasorten

macht das Aroma ausgewogen.

4. GEMAHLEN, ALS BOHNE ODER KAPSEL?

Kommt drauf an: Gemahlener Kaffee ist

ready to use, aber je Verwendung muss der

Mahlgrad anders sein. Bohnenkaffee passt

für automatische Maschinen am besten –

und mit Kaffeekapseln gelingt jedem ein

perfekter Espresso.

5. WELCHE ZUBEREITUNGSART?

Espresso! Aus 9 Atmosphären Druck, 7 g

Kaffee, 30 Sekunden Zubereitungszeit entstehen

25-30 ml köstliche Flüssigkeit, die

Quintessenz des Kaffees mit der größtmöglichen

Anzahl an Aromen.

6. WELCHE KAFFEEMENGE?

Das Volumen des Espresso sollte 25-30 ml

betragen ca. eine halbvolle Espressotasse.

7. WIE WICHTIG IST DIE ZUBEREITUNGSZEIT?

“Preinfusion”, die ersten fünf Sekunden, in

denen das Wasser mit dem Kaffee in Kontakt

kommt und die “Extraktion” in den darauffolgenden

25 Sekunden müssen stimmen.

Zu lange Extraktion führt zu mehr

Koffein und Bitterstoffen – ist sie zu kurz,

hat der Kaffee zu viel Säure.

8. MIT ODER OHNE ZUCKER?

Das ist subjektiv, aber gut gemachter Kaffee

schmeckt ausgewogen und pur ist das

Geschmackserlebnis einmalig.

9. UND DIE TASSE?

Ihre Form ist essentiell für die Aromaentfaltung

(angewärmt noch besser) und um

die Crema aufzufangen.

10. HAT ESPRESSO MEHR KOFFEIN ALS ANDERE

KAFFEEZUBEREITUNGEN?

Im Gegenteil: Koffein ist in heißem Wasser

löslich, darum hat z.B. Caffè Americano

durch die Kontaktzeit mit dem Wasser und

die Flüssigkeitsmenge 98 % des im Kaffeepulver

enthaltenen Koffeins, der Espresso

dagegen nur ca. 75 %.


GEWINNSPIEL

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66 VANGART

#THEBESTARTISTALIVE

RINAT SHINGAREEV

TEXT ELLA KOPPENSTEINER & RINAT SHINGAREEV

BILDER RINAT SHINGAREEV


Wenn Putin “leicht entflammbar” ist und mit scharfem

Geschütz auf Liebe geschossen wird, dann ist

das Ironie, Satire. Dann ist das aber auch Kritik an der

Popkultur. Der russische Künstler Rinat Shingareev

macht mit seiner Pop-Art genau das. Seine Öl-Bilder

sind eine Mischung aus zeitgenössischer Kunst und

klassischer Porträtmalerei. Mit seinen Werken möchte

er den Geist unserer Zeit, der durch berühmte

Menschen gelebt wird, einfangen und wiedergeben.

Seine Karriere begann an einer Kunsthochschule

in Russland, an der er unterschiedlichste Kurse besuchte,

um seinen eigenen kreativen Weg zu finden.

Es folgte ein Wechsel nach Italien, wo er noch

immer lebt. Seine Werke indes wurden immer bekannter.

Gruppenausstellungen in Italien, Deutschland

und Österreich sowie die Zusammenarbeit mit

Zeitschriften wie MAXIM (Italien) oder ZEIT Magazin

(Deutschland) folgten.


68

LADY GAGA

I created this work exactly during the period where

Lady Gaga appeared in public wearing unusual and

very daring dresses. Her goal was to shock the

audience and so all the attention was focused only

on her clothes. In this painting I wanted to make

Lady Gaga the central figure and to concentrate

only on her person and inspiration,

removing everything that might relate

to her scenic image.


70

BARACK OBAMA

I believe that Barack Obama's story is an ideal example that the ordinary

person from a simple family can achieve any goal through hard work. It does not

matter what kind of family you belong to and what skin color you have, thanks to

the enormous faith in yourself and in your strength, you will surely achieve

that which others didn't even dream of.


MICHELLE OBAMA

This work complements perfectly the portrait of Barack Obama. And the main

idea consists in that behind the successful leader there is always a strong woman.


72

RENZO ROSSO

This work was done on commission.

I revised the slogan of Diesel "Be Stupid"

and represented it from my point of view.


74

PHARRELL WILLIAMS

I am a fan of Pharrell Williams and N.E.R.D band since the beginning of the

2000th years. He is the cool guy who creates cool music and my work reflects

the lighter side of his creativity.


VLADIMIR PUTIN

Vladimir Putin is one of the most influential people in the world and I treat him

with great respect. This work was done on commission for the occasion of the

Winter Olympic Games in Sochi in 2014.


76

MARK ZUCKERBERG

Mark Zuckerberg is one of the most outstanding

people of our generation. He made a perfect

career and is an excellent example for young

people. Number one!


78

KANYE WEST

Kanye West is a talented and in many ways a genius. Maybe he can't turn water

into wine, but he definitely has the gift to transform even the simplest things into

gold. In this portrait I wanted to show how this person is ambitious and also

I wanted to touch on his recent statement that he is going to run for

United States President.


KIM JONG-UN

Kim Jong-un is one of the most unpredictable and eccentric characters on the

world political scene. His personality evokes a great interest because his life is

shrouded in mystery and each statement is disputable. Isn't he the perfect

character for one of my works?!


80

MADONNA

A living legend, gifted singer and beautiful woman who continues to surprise

and remain actual in our time. The first time I heard about her was when I was 5

years old, through the pages of Bravo magazine. This article was dedicated to the

video "Like a Prayer". It's inexplicable, but even then I was impressed and I wanted

to dedicate this artwork to my first memory about Madonna.


THINGS YOU CAN’T

DO ANYMORE

ONCE YOU’RE FAMOUS:

FACT

001

HAVE

ACNE


THE FAM

WANNA KNOW HOW YOU'LL GET FA

82

PhD stands for

„Pretty huge Dick“ Right?

FALSE

It‘s nice to be im

more importa

TRUE

FA

Dance like your dad‘s

not watching

TRUE

My life motto

with my c

FALSE

TR

My favourite subject at

school was Lunch Break!

TRUE

FALSE

Fame involves a lo

or wait…Was it

TR

THE KARDASHIAN CLAN

You‘ll be famous for doing absolutely

nothing! (or having an oversized sexual body

part) Your road to fame requires minimal

brain power!

FUCKED-UP EX

Your road to fame will in

wars, a sprinkle or publi

of unnecessary scand


E GAME

MOUS AND WHY? TAKE OUR QUIZ.

portant, but it‘s

nt to be nice!

TRUE

I always lie about

my life to taxi drivers!

LSE

FALSE

TRUE

is: Rock out

ock out!

FALSE

Any publicity is

good publicity!

UE

t of self-tanning -

self-confidence?

TRUE

FALSE

Instagram, Twitter?

What‘s that? STDs?

UE

FALSE

TRUE

FALSE

-DISNEY STAR

volve a handful of online

c slutification and a dash

als. Slow down tiger!

GUYS LIKE DANIEL CRAIG

You will gain your spot on the walk of fame

with nothing less than unadulterated talent

coursing through your veins.. and probably

some class A drugs too.. oops!


84 AUF ACHSE

In Kooperation mit


TEXT ELISABETH VON CAPPELN

WELCOME TO MIAMI.

„Bouncin’ in the club where the heat is on, all night on the beacht til the break of

dawn.“ Und dabei geht es in dem Lied gar nicht um Miami, also die große Weltmetropole,

sondern nur um einen kleinen Teil: Miami Beach. Denn alles, was wir von

Miami kennen, ob aus Filmen, Serien oder Zeitschriften, entsteht hier. Ob „S Club

7 in Miami“ - falls sich noch jemand daran erinnert - „CSI:Miami“ oder „Miami

Vice“. Klar spielen die letzten zwei Serien auch in der Stadt Miami und drum herum,

aber das was sich eingeprägt hat, ist Sonnenschein, RayBan und der Ocean Drive.

Allerdings ist die Gegend nicht nur warmes Orange und sattes Grün, wie es uns das

Fernsehen vormachen will. Miami hat, wie jede große Stadt, auch einige Schönheitsfehler.

Downtown Miami zum Beispiel muss nicht unbedingt besucht werden, wenn

wenig Zeit ist. Und allein sowieso nicht. Aber es gibt genug andere Orte, bei denen

sich ein Stop lohnt.


86

Neu im Programm der Austrian Airlines

Zunächst aber kommt die Frage nach

dem „wie kommt man da eigentlich

hin?“ Am Sinnvollsten – und vermutlich

auch die Variante die alle nehmen

– mit dem Flugzeug. Schwimmen

geht bestimmt auch, das ist aber anstrengender.

Von Wien aus fliegt seit

neuestem Austrian Airlines bequem

Nonstop direkt über den großen Teich

mit einer geräumigen Boing 777 um

schmackhafte 699,- Euro. Schmackhaft

ist auch das Essen an Bord, denn

für den gesamten Bordservice wurde

Austrian mit dem 1. Platz beim World

Airline Award 2015 ausgezeichnet.

Die kennen sich also ziemlich gut aus

was Komfort und Bequemlichkeit angeht.

Die Auszeichnung wird von der

englischen Unternehmensberatung

„Skytrax“ für Service, Komfort und

Essen usw. vergeben. Jedes Jahr befragen

sie mehr als 18 Millionen Passagiere

nach ihrer Meinung.

Und nach knapp 10 Stunden Flug

heißt es dann endlich: Sommer, Sonne,

Sonnenschein!

Ocean Drive in Miami Beach

Ja, zur Institution schlechthin müssen

einige Worte gesagt werden. Immerhin

ist der Ocean Drive ja schon das

Zunächst aber kommt die Frage nach

dem „wie kommt man da eigentlich

hin?“ Am Sinnvollsten – und vermutlich

auch die Variante die alle nehmen

– mit dem Flugzeug. Schwimmen

geht bestimmt auch, das ist aber anstrengender.

Von Wien aus fliegt seit

neuestem Austrian Airlines bequem

Nonstop direkt über den großen Teich

mit einer geräumigen Boing 777 um

schmackhafte 699,- Euro. Schmackhaft

ist auch das Essen an Bord, denn

für den gesamten Bordservice wurde

Austrian mit dem 1. Platz beim World

Airline Award 2015 ausgezeichnet.

Die kennen sich also ziemlich gut aus

was Komfort und Bequemlichkeit angeht.

Die Auszeichnung wird von der

englischen Unternehmensberatung

„Skytrax“ für Service, Komfort und

Essen usw. vergeben. Jedes Jahr befragen

sie mehr als 18 Millionen Passagiere

nach ihrer Meinung.

Und nach knapp 10 Stunden Flug

heißt es dann endlich: Sommer, Sonne,

Sonnenschein!

Ocean Drive

in Miami Beach

Ja, zur Institution schlechthin müssen

einige Worte gesagt werden. Immerhin

ist der Ocean Drive ja schon das


88

Little Havanna

©Dtobias / © VISIT FLORIDA

Aushängeschild für die Stadt. Zwei Kilometer

lang ist die Straße alles: Promenade,

Ausgehviertel, Touristenhochburg,

Kneipenmeile – hier spielt

sich das Leben ab. Beim Besuch von

Miami also ruhig mal vorbeischauen.

Zwischen der Kreuzung zur 5. und

14. Straße finden sich zahlreiche

Bars, Hotels und Restaurants in den

berühmten historischen Art-Deco-

Gebäuden. Allein deswegen lohnt

sich der Weg dahin. Und wer sich an

die erwähnten Filme und Serien erinnert,

der wird die Strandpromenade

und den „Lummus Park“ lieben. Hier

wurde unser Bild von Miami geprägt.

Alle möglichen Menschen tummeln

sich hier, es ist ein „sehen und gesehen

werden“. Ein Hinweis noch zu

den Restaurants und Bars: Die gehen


eim Kundenfang ziemlich offensiv

vor, wer aber schon mal durch die

Oranienstraße in Berlin geschlendert

ist und auf die Inder der „Amrit-Restaurants“

getroffen ist, der kann damit

ganz gut umgehen.

Little Haiti und Little Havana

Ebenfalls absolut sehenswert sind

die Voodoo-Shops in Little Haiti. Und

zwar allein deshalb, weil sie einfach

SEHENSWERT sind. In den Shops

werden religiöse Gegenstände für

Zeremonien verkauft. Kleine Fetische

wie getrocknete Tierkadaver,

lebendige Schildkröten die in Eimern

schwimmen, überdimensionierte

Buddha- oder Jesus-Statuen, schlicht

alles Mögliche. In Little Havanna ist

vor allem die kubanische Gemeinde


90

Vizcaya Museum

© VISIT FLORIDA


zu Hause. Im Schatten sitzende, Domino-spielende

Männer, Straßenmusiker

die Jazz spielen oder Zigarrenshops

lassen sich hier finden. In den

Läden bringen sie dir bei, eine echte

kubanische Zigarre herzustellen. Und

spätestens hier wird einem auch bewusst,

dass der Anteil der spanischen

Sprache ziemlich hoch ist, es schadet

also nicht, bei einer Reise nach Miami

auch ein paar Worte Spanisch zu

können.

Museen

Miami Beach selbst hat nicht viel zu

bieten, wenn es um Museen geht.

Einen Besuch wert ist aber auf jeden

Fall das World Erotic Museum. Das

heißt, Kindern ist der Eintritt untersagt.

Die Sammlung ist äußerst umfassend,

leider ist die Ausstellung

aber nicht gut kuratiert. So fehlen

oftmals Informationen zur Geschichte.

Aber wegen der ganzen Erotik

passt das Ganze natürlich einfach gut

zu Miami Beach. Ein weiteres Museum,

bei dem sich der Besuch lohnt,

befindet sich auf dem Festland in der

Stadt Miami. Allerdings könnte die

Reise dahin relativ anstrengend werden.

Denn Busse fahren nicht so regelmäßig

wie wir das sonst kennen.

Da kann es schon mal sein, dass die

Wartezeit einige Stunden beträgt.

Wer also kann, sollte sich lieber ein

Auto mieten und den Weg selbst fahren.

Und wer es dann schafft, das Vizcaya

Museum and Gardens zu erreichen,

wird auch ordentlich belohnt.

Es handelt sich dabei um einen im

europäischen Stil angelegten Palast,

angefüllt mit Kunst und Antiquitäten

vom 16. bis 19. Jahrhundert. Wenn

einen die Reise sowieso schon über

die Brücken geführt hat, sollte auch

dem Fruit and Spice Park in Homestaed

ein Besuch abgestattet werden.

Hier gibt es auf 12 Hektar alles, was

das Gourmet-Herz begehrt. Gewürze,

Früchte, Nüsse, Kräuter und so

weiter. Außerdem eignet er sich hervorragend

um noch kurz die Sonne

und das warme Wetter zu genießen,

bevor dann am Abend die große Party

losgeht.

Clubbing

Für Clubs gilt, was in allen Clubs

dieser Welt gilt: Touristen haben es

schwerer an den Türstehern vorbeizukommen.

Wer sich also nicht ganz

affig aufführt und wenigstens ein

wenig gesunden Menschenverstand

im Gepäck hat, sollte leichter auf

die Tanzfläche kommen, als Andere.


92

Versace Villa

Außerdem ist es sinnvoll, einfach in

Miami Beach zu bleiben. Die Insel

ist voll mit Clubs unterschiedlichster

Couleur. Und die Clublandschaft

ändert sich regelmäßig, es gibt aber

ein paar Läden, die regelrechte Institutionen

sind, wie etwa in Berlin das

Berghain. Allerdings sind die Läden

in Miami Beach NOCH oberflächlicher.

Die Devise ist also, wer gut

aussieht, hat noch größere Chancen.

Außerdem feiern die Amerikaner anders.

Hier füllen sich die Clubs in aller

Regel schon ab etwa 12 Uhr, eine

Zeit zu der die Läden bei uns teilweise

erst öffnen. Zu den nach wie vor

angesagten Läden in Miami Beach

zählen das LIV und der Nikki Beach

Club. Der LIV Nightclub ist dabei der

größte Club in ganz Miami und der

Nikki Beach Club ist tagsüber ein Restaurant

und wird nachts zum House-

Club. Durch die Lage am Ende des

Ocean Drive, direkt unter Palmen am

Strand lohnt sich der Besuch also zu

jeder Zeit. Miami Beach ist außerdem

für seine große LGBT-Community bekannt.

Die Menschen, Clubs und Re-


© VISIT FLORIDA

staurants sind sehr offen und freundlich.

Das zeigt sich zum Beispiel im

The Palace. Wer hier zum Dinner ist,

bekommt zum guten Essen auch noch

eine kostenfreie Dragshow zu sehen.

Und zwar richtig gute Shows. Als

Clubs empfehlen sich das Twist, das

mit freiem Eintritt lockt und das Buck

15, vor allem wenn es darum geht,

mehr zu erleben als nur ein bisschen

auf der Tanzfläche rumzuhopsen.

Kneipen, Parks und Everglades

Bei den Einwohnern immer noch sehr

beliebt ist die älteste Kneipe in Miami:

The Deuce. Die Preise sind okay,

dafür gibt es Charakter und mit etwas

Glück auch echte Geschichten von

den in Miami lebenden Menschen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der

Miami Botanical Garden. Das ist

dann eher etwas zur Entspannung,

die Einrichtung ist nicht groß und

wer offenen Auges umherläuft, kann

grüne Echsen, Vögel, wunderschöne

Blumen und Pflanzen mit handtuchgroßen

Blättern entdecken. Der botanische

Garten ist besonders dann


94 VANGART

MARIO

TESTINO


INTERVIEW MIRZA SPRECAKOVIC

TEXT KLEMENS GINDL

NEUGIERDE

MACHT

ERFOLGREICH

Schneesturm Gespräche über James Bond, Kate Moss

und warum neugierige Menschen erfolgreicher sind.

„Life is driven by death. Each year has 365 Days and

I want each of them to be incredible.

That´s what drives me!“

Die Angst vor dem Tod steht Mario Testino nicht bei

diesem Spruch unbedingt ins Gesicht geschrieben.

Eher eine bedingungslose Freude am Leben.

Wobei das Eine vermutlich nur die Kehrseite des

Anderen ist. Zumal aus dem Munde eines der berühmtesten

Mode- und Portraitfotografen unserer Zeit,

dessen Makenzeichen das Festhalten und Unsterblich

machen großer Momente von Glück, Erfolg

und Schönheit sind.


96

Mario Testino ist einer der weltweit einflussreichsten

Fotografen. Geboren wurde er in Lima, Peru. 1976

zog er nach London um seine Karriere als Fotograf

voranzutrei-ben. Seine visionären Ideen machten ihn

zu einem der gefragtesten kreativen Köpfe der heutigen

Mode- und Schönheitsindustrie. Von Vogue bis

Vanity Fair ist seine Arbeit weltweit in allen großen

Modemagazinen zu finden.

VANGARDIST war beim Shooting von Mario Testinos

„On Arrival“ – Kampagne für Ciroc im österreichischen

Sölden. Das Wetter war grauenhaft...

m a r i o t e s t i n o u n d m i r z a ( v a n g a r d i s t )

DIE VORTEILE EINES SCHNEESTURMS

Freunde des neuerdings gebrochenen Doppel-Null

Agenten seiner Majestät werden ihn kennen: Den

Ice Q, das abgefahrenste Luxusrestaurant der Tiroler

Alpen. Auf über 3000m Seehöhe bietet dieser architektonisch

aufregend designte Glaskasten neben

fancy Drinks und Gourmetküche vor allem eines: eine

Wahnsinns Aussicht über die Ötztaler Alpen. Das hat

nicht nur Sam Mendes und sein James Bond Team


als Drehort gereizt, sondern auch den Peruanischen

Starfotografen Mario Testino, der das Alpenpanorama

zum Hintergrund für eines seiner Shootings zur

aktuellen Kampagne der Luxus Vodka Marke Ciroc

auserkoren hat. In der Theorie klingt das durchaus

malerisch, nur hatte es das schöne Wetter am Tag

des Shootings noch nicht in die hochalpinen Klimazonen

geschafft. Stundenlang mussten wir auf die

Inbetriebnahme der

Seilbahn warten, um

die Bergstation beim

Ice Q zu erreichen.

Empfangen wurden

wir dort dann von einem

Schneesturm epischen

Ausmaßes. Sehr

romantisch, aber der

Sache mit dem Bergpanorama

nicht unbedingt

zuträglich. „The

view we are not seeing

at the moment is incredible

up here. I quite

like the mix of modern

and nature. You know,

the glass. It´s like being

up in the mountains for real. “ Diese Realität war

blöd für das geplante Shooting, aber gut für uns.

Die Folge war nämlich, dass ein abwartender Mario

Testino etwas Zeit hatte, über sein Leben und seine

Arbeit zu plaudern.

c î r o c . o n a r r i v a l . s ö l d e n


c î r o c . o n a r r i v a l . s ö l d e n


100

DIANA, MADONNA UND DER GROSSE DURCHBRUCH

On Arrival heißt die aktuelle Kampagne, und ihr Anspruch

ist nichts weniger als die besonderen Erfolgsmomente

jüngst aufstrebender Talente auf der ganzen

Welt festzuhalten, die gerade ihren Durchbruch

feiern. Nach London, wo der britische Jungschauspieler

Sam Claflin abgelichtet wurde, waren noch

Rio, Ibiza, Cape Town und eben Sölden für Shootings

vorgesehen. Als Creative Director und Fotograf

ist Mario Testino dafür die erste und logische Wahl.

Er ist verantwortlich für einige der ikonischsten Celebrity-Inszenierungen

der vergangenen Jahrzehnte.

Seine Portraits von Lady Diana oder Madonna sind

weltberühmt. Wer vor seiner Linse landet, hat es


geschafft. Mit der Princess of Wales hatte er seinen

persönlichen Durchbruch. Auf die Frage nach seiner

wichtigsten Arbeit meint er: „I think the one I did

with Diana was the closest to, not perfection, but

to clear communication. I met somebody that was

magical and I wanted that everybody can see that

in a picture. The reactions I got were

that people really felt her and so for

me that is the most achieved image.

Because that´s what I wanted people

to feel.“ Während seine eigene Karriere

von berühmten Menschen beflügelt

wurde, die sich von ihm fotografieren

ließen, ist es mittlerweile umgekehrt.

Als Creative Director von On Arrival

ist es an ihm, die Großen von morgen

auszuwählen und ihren Moment der

Ankunft im Erfolg zu inszenieren.

KAUFE KEINE KUNST DIE DIR GEFÄLLT

Ein Auge für das Neue, das Zukünftige,

hat Mario Testino bei seiner zweiten

Leidenschaft, dem Sammeln von

Kunst, entwickelt: „I´m always looking

for things I don´t know. I discovered

this in the art world. Because when

you buy art you always buy what you

like. But that´s a mistake, because what you like is

what you know. I´ve noticed through the years that

it´s more interesting to buy things that you´re puzzled

by, where you aren´t sure. After a little while you

learn to love it.“ Die Affinität zur Kunst spiegelt sich

m a r i o t e s t i n o


c î r o c . o n a r r i v a l . r i o

m a k i n g o f


104

auch in seiner Arbeit als Fotograf wieder. Seine Bilder

sind ausgeklügelte Kompositionen. Jedes Detail

ist wohl überlegt, der betriebene Aufwand beachtlich.

Allein die Stylisten haben etwa 30 Koffer

auf den Berg geschleppt. Die ganz spezielle Magie

eines guten Shots bleibt aber doch ein Geheimnis,

das nicht gänzlich planbar ist. Wie man das Gefühl

eines Moments transportiert? „If I feel it, the people

will feel it too. So I have to get it to the moment

where I believe in it. It´s hard to get that picture,

you know. I´m very critical of my own work so

it takes me a while to get it to look like I believe it.

And when I do, thank god the people do as well. “

JAMES BOND IST KEINE INSPIRATION FÜR LIFESTYLE

Die große Inspiration für On Arrival ist der US-Amerikanische

Society-Fotograf Slim Aarons. Seine Bilder

des globalen Jet Set der 50er, 60er und 70er Jahre

sind legendär. Eines seiner beliebtesten Sujets waren

dabei auch luxuriöse Wintersportdestinationen

wie St. Moriz, Cortina D´Ampezzo oder Aspen. Den

Grund dafür erklärt Testino, als wir ihn bezüglich der

Location auf James Bond ansprechen: „It´s funny,

I never thought about James Bond before. My inspiration

here is Slim Aarons. He´s the opposite of

James Bond. Because Bond is a hired agent, you

know, somebody who gets paid for a job. Slim Aarons

is about lifestyle, about living the life. Bond is

always at work and the people that I´m shooting here

are partying, travelling, having a good time. I only

was told today that they shot a scene for the new

Bond Movie here not long ago.”


NEUGIERIGE LEUTE SIND ERFOLGREICHER

Das Einfangen von Momenten der Lebensfreude ist

seit jeher eine Spezialität, die Mario Testino mit Slim

Aarons teilt. Oder zumindest das, was man in der

Welt des Jet Set darunter versteht: Luxus, Erfolg,

Ruhm. Das Schöne an Testinos Arbeit ist, dass dieser

Luxus nie zum Selbstzweck wird, dass ihm das

Dekadente abgeht. Auf den Unterschied zwischen

Slim Aarons Schickeria

vergangener

Zeiten und jener der

Gegenwart, wie Testino

sie zeigt, meint

er: „In many cases,

Aarons didn´t use

celebrities. He did

Families who lived

the jet set life. It was

much more about

wealth back then.

People who lived the

life. Today, the jet set

is not so much about

wealth. It´s ruled by

curiosity. Today, anybody

can do this. You don´t have to be rich because

for 60 Dollars you can fly with Ryan Air from London

to Rome. People who want to live move around all

the time. It´s those curious kind of people who become

successful. Those are the ones I´m shooting

today.”

c î r o c . o n a r r i v a l . r i o


106

KATE MOSS ALS GROSSE MUSE

Persönlich ist Testino aber durchaus eng mit den klassischen

Celebs. Kate Moss etwa bezeichnet er als

eine seiner ganz persönlichen Musen. Weil auch sie

ein Mensch des Augenblicks für ihn ist: „Kate Moss

has been my muse forever. Because apart from being

beautiful and everything on her looks good, you go for

dinner with her and everything she tells you is fun and

exciting. She´s a real bon vivant. Somebody who really

enjoys life. It´s intoxicating.“ Als wir ihn fragen, ob es

Menschen für ihn gäbe, die er als seine persönlichen

Helden bezeichnen würde, winkt er ab: „I´m not really

a hero person, because I think people are people. I

think those who become heroes are those who leave

the world before their time – like Marilyn Monroe. Everybody

loves Monroe but we never saw her at age. I admire

people like Madonna. She will fight to stay. Or David

Bowie, because he broke the rules of masculinity. “

RUHM IST EIN VÖGLEIN

Gerne wollen wir noch nachhaken, ob er da jetzt nicht

Heroes mit Legends verwechselt. Leider hat sich aber

mittlerweile das Wetter etwas aufgeklärt und die Arbeit

ruft. Beim Alpenshooting in Sölden posiert übrigens

der deutsche Model-Shootingstar Johannes Huebl

vor Herrn Testinos Linse. Wie auch immer sich diese

vielversprechende junge Karriere entwickeln wird, der

eine große Moment des Durchbruchs wird dank dieses

Shootings unsterblich werden. Auch, wenn schon

längst kein Hahn mehr nach Johannes Huebl krähen

wird. Der Ruhm soll nämlich – wie das Glück – ein Vöglein

sein.


THINGS YOU CAN’T

DO ANYMORE

ONCE YOU’RE FAMOUS:

FACT

002

SEND PICTURES OF

YOUR JUNK TO A

CUTE STRANGER

ONLINE


Petra: Mantel von Karl Michael, Shorts von Ute Ploier, Rollkragen Jersey von Fuzzi

Wilson: Mantel von Karl Michael, Hose von Ute Ploier


INFAMOUS

LOVERS

Inspiriert vom Art Haus Film

„Die blauen Stunden - After Love“.

Jetzt in auserwählten Kinos


Hemd Givenchy & Hose Dries van Noten gesehen im peng! Shop


Kleid Lanvin gesehen im peng! Shop, Sonnenbrille vintage Christian Dior


Jacke & Hose von Meshit, compressed steel and fringe Kette von heirs.com, Sandalen von DMMJK


Overall Stella McCartney und Hut Vivienne Westwood gesehen im peng! Shop, Mantel Sophyline gesehen im

Magazin am Getreidemarkt, Stiefletten United Nude, Rose Gold finger tip & Silber palm cuff von heirs.at


Leder Overall von H&M Studio, Uhr von Calvin Klein


Kleid Ducy&Co. gesehen im Magazin am Getreidemarkt, Uhr von Calvin Klein, Gold, Silber und Rose Gold Finger Tip Ringe von heirs.at


Anzug von Missoni, Shirt von Karl Michael


Hemd Givenchy & Hose Dries van Noten gesehen im peng! Shop


Fashion Editor

Mirza Sprecakovic

mirzasprecakovic.com

Styling

Mirza Sprecakovic

Photography

Michael Dürr

michaelduerr.com

Hair & Make Up

Jessica Lang

jessicalang.at

Models

Wilson Gonzalez Ochsenknecht

& Tanja Petrovsky

Assistent Fashion

Vladimir Satric

Making Of

Elisabeth Gatterburg

elisabethgatterburg.com

Location

Grelle Forelle

grelleforelle.com


INFAMOUS

LOVERS

making of

Kamera & Schnitt: Cristóbal Hornito

Interpret / Track: zikweb - B34


126 RADAR

WILSON

GONZALEZ

OCHSENKNECHT

MAN HAT SEINE HÄNDE UND SEINE FRESSE


TEXT GEORG RAUBER / TITELFOTO MICHAEL DÜRR

WEITERE FOTOS ELISABETH GATTERBURG

Wilson Gonzalez Ochsenknecht, bekannt aus der Filmreihe

„die wilden Kerle“, ist ein deutscher Schauspieler

und Sänger. Als Sohn von Uwe Ochsenknecht ist er von

klein auf mit Medienrummel aufgewachsen. Wir haben uns

mit ihm im Wiener Café Leopold getroffen, um bei Melange und

Salat über die „dunkle Seite des Ruhmes“ und seine neue Rolle

im Film „After Love“ zu plaudern. Wie das so ist, eine Person des

öffentlichen Interesses zu sein, was sich dadurch im Leben so verändert

und was an seiner neuesten Rolle so speziell ist, hat er uns im ganz

persönlichen VANGARDST-Interview verraten.

VANGARDIST: Viele Leute stellen sich

vor, dass Berühmtheit zu erlangen automatisch

zur Lösung all ihrer Probleme

führt. Natürlich hat ein gewisser Bekanntheitsgrad

eindeutige Vor-, aber sicherlich

auch Nachteile. Was sind denn die Vorteile

wenn man eine in der Öffentlichkeit bekannte

Person ist?

Wilson Gonzalez Ochsenknecht: Das

gute an der Sache ist schon mal, dass

ich nie berühmt werden wollte. Ich

wollte Schauspieler werden. Filme drehen.

Wenn man da auf eine gewisse Art

und Weise bekannt ist geht man meistens

auch daran kaputt wenn man sich

nur das als Ziel setzt. Die Vorteile... ich

hatte eine ganz normale Kindheit wie

die meisten. Ich hab mit den Nachbarskindern

gespielt, musste pünktlich zu

Hause sein, sonst gabs Hausarrest. Und

in den Sommerferien haben wir dann

Filme gedreht. Das war wie in einem

Sommercamp für Jugendliche. Aber

konkrete Vorteile... sich nur wegen dem


128

Namen irgendwie Vorteile zu beschaffen,

da bin ich eher nicht so. Ich denke,

ich bin relativ normal auf dem Boden

geblieben und bin offen für alles.

V: Liegt das daran, dass du schon sehr

früh damit konfrontiert worden bist? In

einer Welt aufzuwachsen in die andere

erst hineinfallen?

Dadurch, dass ich mit 12 Jahren schon

einen Boss, also einen Regisseur, hatte,

der mir Ansagen gemacht hat und

ich regelmäßig mit Erwachsenen zu tun

hatte und mit normaler Arbeit konfrontiert

war, dadurch hab ich schnell gelernt

auf den eigenen Beinen zu stehen.

V: Du bist sehr früh professionell geworden.

Auf eine gewisse Art und Weise schon.

Ich dreh ja auch relativ viel. Ich hab

mich aber generell schon sehr früh für

Film interessiert und das auch studiert.

V: Wo?

In Kalifornien. Dadurch bin ich mehr

in die Materie eingetaucht und habe

auch Spaß empfunden mit den Leuten

am Set zu arbeiten, weil ich alles verstanden

hab wie alles funktioniert. Es

macht Spaß wenn man mehr darüber

weiß wer was zu tun hat.

V: So viel zu den Vorteilen. Was sind die

Nachteile als öffentliche Person?

Das oft nur wegen des Namens, den

man hat, über einen geschrieben wird.

Mein Privatleben geht eigentlich nur

mich was an, aber komplett verhindern

kann man das nicht wenn man in der

Öffentlichkeit steht. Oder das oft Dinge

geschrieben werden, die man nie so

gesagt hat. Aber das ist mir eigentlich

relativ egal (lacht).

V: Das heißt, ich könnte jetzt schreiben

was ich will?

(lacht) Ne, aber die Leute die mich kennen

oder mit mir mal direkt gesprochen

haben, die haben eine andere Meinung

darüber wie wenn sie einfach nur Dinge

hören von denen sie nicht zu 100%

wissen ob ich‘s tatsächlich gesagt hab

oder nicht.

V: Es passiert also manchmal, dass die

Presse deine Worte und dein Erscheinungsbild

so hindreht, dass es für sie vorteilhaft

ist, aber diese Art von „Journalismus“

interessiert dich dann eh nicht?


Die sind halt einfach gestört. Oder

dumm (lacht). Die sollen machen was

sie wollen. Ich weiß ja, was mein Ziel ist

und das werd ich weiterhin verfolgen.

Wenn manche Leute das nicht verstehen...

das ist jetzt aber nichts, was mir

irgendwie auf die Eier geht. Jeder Job

hat Vor- und Nachteile.

V: Gibt es durch deinen Bekanntheitsgrad

manchmal Verlockungen, die du als normale

Person nicht haben würdest?

Ja, mit den Rollen die man angeboten

bekommt. Da kriegt man manchmal

komische Angebote. Das ist mit

dem deutschen Film im Moment etwas

schwer. Man möchte prinzipiell die

Unterstützung vom Markt haben, aber

viele von den finanziell groß unterstützten

Filmen sind eher oberflächlich und

klischeehaft. Ich möchte da jetzt auch

gar keine Namen sagen, aber so Filme

wo man von Anfang an weiß was passiert,

das ist nicht unbedingt mein Ding.

Da mach ich lieber den Film der kein

Geld hat wenn da mehr Fleisch zum

rein beißen in der Rolle ist. Wenn da

Leidenschaft dabei ist, macht mans im

schlimmsten Fall auch für lau. Hauptsache

der Film wird gut.


130

V: Inwiefern verändert es eine Person,

wenn man in der Öffentlichkeit bekannt

ist?

Es kann passieren, vor allem wenn

man ganz am Anfang steht, dass man

manchmal Dinge erzählt, die man

nachher lieber nicht gesagt hätte.

Aber irgendwann weiß man, worüber

man reden will und was Tabuthemen

sind. Ich fühl mich aber immer noch irgendwie

gleich.

V: Glaubst du, es hätte dich stärker verändert,

wenn du nicht damit aufgewachsen

wärst und es später in deinem Leben

passiert wäre?

Ich glaube nicht. Ich glaub ich wär derselbe

Typ geworden der ich jetzt bin.

Ich bin naturentspannt und lass mich

nicht provozieren. Vielleicht wär ich


Architekt geworden oder so.

V: Gibt es Momente wo du denkst, dass

du gewisse Dinge nicht machen kannst

wegen deines Bekanntheitsgrades?

Muss man Opfer bringen?

Eigentlich nicht. Manchmal macht

man einen Film für weniger Geld. Da

bringt man Opfer, aber Opfer mit Herz.

Wenn ich mich für ein Projekt interessier

bleib ich hart am Ball.

V: Und im privaten Leben?

In Berlin kriegt man vielleicht alle

zwei Jahre auf der Straße mal ‘nen

dummen Spruch an den Kopf, aber

sonst passiert eigentlich kaum was

Negatives. Wenn mal was passieren

sollte, ich bin eigentlich eh nie allein.

Ich halt mich einfach nicht auf an Orten

wo sowas passieren könnte. Meist

bleib ich zu Hause und schau Filme.

Ich bin da relativ langweilig. Ich geh

Stress aus dem Weg und lass mich

damit nicht konfrontieren.

V: Stört dich das, wenn dich jemand in

der Öffentlichkeit anspricht?

Nö. Überhaupt nicht. Ich bin da immer

offen wenn Leute Fragen haben.

Ich bin da nie ein Arschloch. Wenn ich

vielleicht mal in einem Club oder einer

Bar bin morgens um 3 und ich bin

schon ein bisschen angeschwipst dann

entschuldige ich mich und sage, dass

es vielleicht ein bisschen zu spät ist um

noch ein Foto zu machen. Aber Autogramme,

kein Problem. Ich mach das

gerne. Gehört zum Job dazu.

V: Wie würdest du ein Leben in der Öffentlichkeit

jemandem beschreiben, der

sich nichts darunter vorstellen kann?

Das wichtigste ist, egal was man macht,

man sollte nie vergessen was sein Ziel

ist. Auch wenn‘s Höhen und Tiefen

gibt. Solange man das weiß und verfolgt,

wird man’s auch irgendwann erreichen.

Dafür muss man dann auch

hart arbeiten und am Ball bleiben.

Es kann manchmal passieren, dass irgendeine

gossip-Zeitschrift was über

einen schreibt, was man selbst von

sich noch nicht wusste, weil‘s einfach

falsch ist. Irgendwas über „wann heiratet

der oder die endlich“ und man

hat da selber noch keine Gedanken


132

daran verschwendet. Da reg ich mich

aber überhaupt nicht mehr auf. Ich frag

mich dann nur „wieso interessiert sich

jemand für so einen Scheiß?“ Die Leute

die sich wirklich für Film interessieren,

das merkt man dann eh schnell.

Denen ist mein Beziehungsstatus dann

auch ziemlich egal. Die Leute, die den

gossip lesen, interessieren sich dafür

nicht für meine Filme,.

V: Es ist die Geilheit, jemanden ins Privatleben

schauen zu können.

Ja. Aber manche von den Journalisten,

die nur aufs Privatleben und Gerüchte

aus sind, kann man so schön verarschen.

Da merkt man schnell „das wird

nix mehr“ und dann mach ich mir einen

Spaß mit denen. Ich höre jedem

zu, aber manchmal merkt man nach einer

Minute „ach, einer von der Bild“

(lacht).

V: Worum geht es in deinem neuen Film

„After Love“?

Um einen Transvestiten der was von einem

Fotografen möchte, der Fotograf

aber was von einem Stricher, und der

Stricher was vom Transvestiten. Es hat

mit Abhängigkeit, mit Geld und Liebe

zu tun.

V: Ein Liebesdreieck der skurrilen Art.

Du spielst in diesem Szenario den Stricher.

Was an dieser Rolle so speziell ist:

der Stricher spricht kein einziges Wort.

Der Stricher hat die Schnauze voll

(lacht). Ne, ich weiß noch als ich das

Drehbuch das erste Mal gelesen habe

hab ich die ganze Zeit zurück geblättert

und gedacht „War da wirklich kein

Text?“ Ich dachte anfänglich ich hab

was übersprungen oder verwechselt.

Aber es war tatsächlich so, dass da kein

Text war. Das fand ich interessant und

hat mich sehr gereizt.

V: Wie war das als schauspielerische Erfahrung?

Wenn du lange Szenen hast ohne Text

musst du überlegen „was mach ich

jetzt?“ Man hat seine Hände und seine

Fresse. Was sehr wichtig ist, ist zuzuhören.

Was passiert um einen herum?

Was gibt das Gegenüber von sich, was

erzählt es? Wenn du das verstehst und

akzeptierst und da tiefer eintauchst

dann ist das spannend dafür einen Ort

zu bekommen. Man bekommt durchs

Zuhören ein ganz eigenes Gespür. Es


war relativ schwierig, aber super interessant.

Wie früher im Stummfilm.. Ich

bin als Person auch eher still und ruhig,

und beobachte gern. Das hat geholfen.

Ich konnte mich mit der Rolle irgendwo

identifizieren vermutlich. Nicht zwingend

als Stricher aber von der grundlegenden

Einstellung (lacht).

V: Was kann man sich von dem Film erwarten?

Es ist sehr künstlerisch und ästhetisch

aufgenommen. Es geht ein bisschen

in die Arthouse Schiene. Für Leute die

Film Noir Sachen oder David Lynch

oder etwas skurriler Filme mögen ist da

auf alle Fälle was dabei.

„After Love“ ist seit 02.10. in ausgewählten

Kinos zu sehen.


134

EDITOR'S

CHOICE:

STYLE-

TIPP

Lederjacke von House of Holland / Hut von Hood by Air / Briefs von Moschino /

Sonnenbrille von Andy Wolf / Lederschuhe von Lanvin


Kappe von A Bathing Ape / Uhr von Swatch / Mantel von Raf Simons / Yoko Ono

„Mended Cups“ für illy Art Collection / Jedi Path Book von Urban Outfitters /

Boxers von Versace / Peut etre black Sonnenbrille von Lunettes /

Kerze von Karl Lagerfeld / Sneakers von Raf Simons


136

Sweater von Dsquared2 / Uhr von Zenith / Geldtasche von Maison Margiela / Ledertasche

von Moschino / Short Hood by Air / Rucksack von Fendi


Jacket von Damir Doma / Mütze von NewEra / Handschuhe von Y-3 / Clutch von Givenchy

/ Socken von Kenzo / Bermudas von Damir Doma / Rucksack von Givenchy /

Sonnenbrille von Dior Homme


THE

PERFECT

X-MAS GIFT!

5 PRODUCTS

1 BOX


140

FASSADE


DRUG ADDICTION

WAS PART OF THE

PARTYMONSTER ERA

EIN INTERVIEW MIT DEM UR-HIPSTER

LARRY TEE

TEXT OLE SIEBRECHT

Larry Tee ist Fame. Er ist mit den Reichen

und Schönen befreundet, gehört dazu, hat

zu jedem und überall Kontakte, legt auf

großen Festivals als DJ auf, schrieb Hit-

Songs. Manch einer sagt, er war ein Hipster

bevor es überhaupt Hipster gab. Popstars

wie Madonna oder Britney bedienen

sich gerne mal seiner Arbeit.

Doch Larry ist nicht der Typ Mensch, der

sich auf seinem Fame ausruht. Denn von

Fame allein kann man sich ja schließlich

nichts kaufen. Larry probiert immer wieder

etwas aus, erfindet sich neu, geht andere

Wege. Hauptsache nicht still stehen.

Weitermachen, weitergehen, wagen. Und

so gründete er – der erfolgreiche Produzent

und DJ – kurzerhand auch noch

sein eigenes Modelabel TZUJI.


142

WER IST DIESER MANN?

Larry wuchs in Seattle auf und zog

dann nach Atlanta, wo er mit RuPaul,

Lady Bunny und Co. abhing. Schnell

zog es ihn weiter nach New York City.

Schon mal von den Club Kids gehört

oder den Film „Party Monster“ gesehen?

Ja? Larry gehörte zu

diesen Club Kids, machte

sich mit seiner Party

„Love Machine“ einen

Namen, war Host bei Michael

Alig’s DISCO 2000

– der Party, die man aus

„Party Monster“ kennt.

In den 90ern machte Tee sich als DJ

einen Namen, tourte durch die Welt,

schrieb Songs für diverse Künstler.

So ist er zum Beispiel Co-Autor

von RuPauls „Supermodel (You Better

Work)“. Er etablierte den Begriff

„Electroclash“, koordinierte und organisierte

das gleichnamige Festival,

brachte 2009 ein Album heraus, etablierte

eine erfolgreiche Partyreihe in

London, engagiert sich sozial – kurzum:

Alles, was Larry macht, scheint er

richtig zu machen.

Momentan lebt er in Berlin und hat sich

wieder neu erfunden.

„KATY PERRY IS AN

OLYMPIC ATHLETE“

Zusammen mit seinem

Team arbeitet er gerade

an seinem Label TZUJI.

Schwierig auszusprechen,

bleibt aber im Kopf. Ein

Label, das mehr Lebensgefühl als Marke

sein möchte. Seid mehr TZUJI.

Die Klamotten fallen vor allem durch

knallige Farben auf. Die Schnitte sind

außergewöhnlich, nicht von der Stange

und trotzdem tragbar.

Wir habe mit Larry über FAME, Glück

und TZUJI gesprochen.


INTERVIEW

VANGARDIST: Do you have a motto

for your life?

Larry Tee:Yeah, if it’s not fun, don’t do

it. I think we all do best when we are

doing things we love to do.

LARRY TEE

V: What is FAME for you?

FAME is when everyone knows who

you are. I don't think it’s necessarily

a great thing or bad thing or easy to

handle when you get it. It does have

its rewards. Fame can be like infamy

though, not always a gift.

V: You have fame. Would you agree?

I have a limited amount of fame that I

can handle. I like having access to artists,

designers, musicians and people

that make things happen and my level

of fame gives me that. Now that I have

worked on myself for years, I think I am

ready for the fame that designing TZU-

JI is bringing me.


144

V: You are friends with a lot of celebrities,

you are a one yourself, many people

like and adore your work. But does

this also have a negative side?

Well, drug addiction was a part of my

notoriety during the Party Monster era

when I abused drugs. But when I got

clean with the help of AA and NA, my

life REALLY got good. Even though I

ran NYC's best nightclubs and wrote

pop songs, I didn’t really get to travel

around the world and could not live

the life I really wanted until I got clean

and sober.

There are a lot of one-hit-wonders

today. They become famous for one

thing and then they are gone.

They might not do anything wrong.

I think the system is set up for short

term hit and run success. Record companies

don’t really want to pay large

royalties and MAC/APPLE gets most

of the money anyways. So music artists

get paid from live performances

not pop songs. MAC has ruined music

and demystified the process of it by

giving it out for free and not paying

artists. There are so many movie stars,

art stars, performance stars, etc. that

you have to really do several formats

to stay relevant...rock stars as actors,

hip hop stars as designers, etc.

Why are there so many people longing

for FAME today? Why does everybody

want to happen in public?

People think fame is all easy and everything

comes free. But the truth is

that Katy Perry is an Olympic athlete

doing the shows she does every night

and having to sing, too! hehehehhe. I

appreciate their hard work. Their schedule

is exhausting without any time for

a life.


146

V: I heard that Madonna, Britney and

Iggy took parts of your work without

asking? What happened? And how did

it feel?

Well, Britney's 'You Better Work' is

an obvious take

on „Supermodel

You better work“

which I wrote with

Rupaul and I sent

Madonna a song

with an intro and

shout out with

her name and she

created a song

using my song title, and that idea. If

they change the spoken words 'you better

work' into a melody, it’s enough of a

change that they don’t have to pay for

the original song. And when Madonna

borrows ideas, unless it sounds exactly

like yours, you better not expect a jury

to believe you...and besides you sound


like a lunatic saying, "Madonna stole

my song". Hehehehehe. I’m not angry

because good things always happen

for me. Iggy didn’t steal from me but

his biggest songs have the same titles

as my biggest hits, weirdly and she

does use my Rupaul song for an intro

using my song...that’s fine with me.

V: You belonged to the NYC Club-Kids-

Scene next to Michael Alig, you cohosted

DISCO 2000. Do you miss that

sometimes? Or are you glad it’s over?

Well, I’m glad it made me get clean.

And I don’t regret those druggie times,

but it doesn’t inspire me either. I always

like what’s going to happen NEXT not

what happened years ago. I am glad

that people like the colorful club kids

inspiration from that time and some

of the characters like Amanda Lepore,

Sophia Lamar, and VON designer Tobell

von Cartier.

V: What makes you proud?

I am proud that I have made music

that has made people happy. I am

proud that I can shake the money out

of people's pockets when I DJ. I am

proud to do service for NA, AA and

the Charities that benefited from my

yearly Charity Monster events. And

I am supremely proud that so many

people I grew up with, talked with, and

worked alongside have been inspired

by my enthusiasm. I believe everyone

can do what they dream to do and it

often gives people the permission to

try it. When they see me run a fashion

house after writing pop songs, running

festivals and nightclubs and playing

amazing music, they realize that they

can do it for themselves!! I love giving

people the means to be amazing!

V: What makes you happy?

My boyfriend Vasilis. Traveling to new


148

places. Trying new foods. Playing a

great set. Writing a great song and

TZUJI! I am so thankful that TZUJI is

being discovered by the hip hop world

right now and that the entertainment

industry really likes my TZUJI swag...

V: You are a successful DJ, Producer

and now you started your own fashion

label – how did that happen?

I noticed that I liked hanging out with

designers more than rock stars and

DJs. When my assistant from my record

label asked me what I could

do if I could do anything, I thought

about it and said, 'be a designer'.

As soon as I said it, the ideas started

happening. I used to fantasize

about designers after reading their

biographies and loving to wear amazing

clothes. I am not surprised I

would have to start doing it myself!

I LOVE TZUJI!

V: What inspires your looks?

Music mostly. My last season was inspired

by electroclash, the music genre

I helped launch in 2000. If you think

about it, nightclubs and music trends

create the fashion ideas that most

people that are into new fashion enjoy.

I think music and fashion are inseparable.

V: What does TZUJI mean? What does

it stand for?

I wanted a name that looked strong

and was un-googleable. When someone

said I should name my label after

myself, I thought that was 'TZUJI'

enough. So I googled the slang word

TZCHAUJ, which means to make something

more fabulous and found that

it had been a secret word for gays in

London and probably a Yiddish term

from way back. No one was using it

and I created my own spelling which

looks more powerful.


V: Did you think TZUJI would be such

a success?

Once my first collection samples arrived,

I knew TZUJI would be a great

success. It looked like 'money' right

from the start. What I hadn’t counted

on was that I would know so many of

the shopkeepers and buyers at the

cool shops and that they would help

me in so many amazing ways. It was

'Sex in The City' stylist legend Pat

Fields that introduced my stuff to the

hip hop community weirdly enough in

NYC! It’s not a surprise, but I am so grateful

for all the help from my shops like

the HAPPY SHOP here in Berlin! It’s the

coolest shop anywhere and they have

helped me so much!

V: Where do you wanna get with TZU-

JI? What are your plans? Upcoming

collection?

I am ready to take TZUJI to the mainstream

runway, to LA where all the fashion

really comes from these days,

and to a collaboration with a sneaker

company. So many of my prints

and ideas would translate very well

into sportswear. My ultimate though,

would be to have a jeans company.

TZUJI jeans. There hasn't been a new

to-die-for jeans brand in forever.

V: And then? What are your plans?

Or do you prefer living life the way it

happens?

As soon as something comes to reality,

then something else comes up to

surprise and delight me. I just think if

I follow my passions, that there will be

an amazing clue to what I want next. I

watch Abraham Hicks on YouTube to

help me remember what it is that turns

me on and how to make my dreams

happen. I hope to have lots of fun in

the process. If it’s not fun, don‘t do it.


THINGS YOU CAN’T

DO ANYMORE

ONCE YOU’RE FAMOUS:

FACT

003

SHOPPING.

FULL FUCKING

STOP.


152

RADAR

SIA,

BANKSY

& MARTIN

MARGIELLA

3 STARS, 1 GEHEIMNIS

TEXT GEORG RAUBER

FOTO SIA RCARECORDSPRESS

Nicht jeder der im Rampenlicht steht, verweilt dort freiwillig.

Nicht alle, die öffentliche Erfolge feiern, wollen damit

angeben. Manche wollen einfach nur eins: Erschaffen.

In dieser Ausgabe stellen wir euch drei Celebrities vor,

die sich den Weltruhm zwar zu recht ergattert, aber nie

gewünscht haben.


IS THAT SIA?

DER POPSTAR, DER KEINER SEIN WOLLTE

Sia Kate Isobelle Furler ist eine australische

Musikerin und heutzutage wahrscheinlich

am besten für ihre Hit-Single

Chandelier bekannt, die 2014 auf

ihrem Album 1000 Forms Of Fear erschien.

Tatsächlich aktiv ist die Dame

aber schon seit mehreren Jahrzehnten;

und vielen wahrscheinlich bekannter

als man annimmt – zumindest durch

ihre Arbeit.

UNSICHTBARER

GIGANT IM BUSINESS

Auch wenn Frau Furler mittlerweile

6 Alben unter ihrem eigenen Namen

veröffentlicht hat, schwimmt sie – mit

Ausnahme der erwähnten Top-Single

– selten im Mainstream und ist für die

Öffentlichkeit größtenteils immer noch

ein Geheimtipp. Nicht aber so in der

Musikbranche selbst.

Seit Jahren agiert Sia fleißig hinter den

melodiösen Kulissen und arbeitete bereits

mit zahlreichen branchen-elitären

Künstlern zusammen. Unter anderem

haben Beyonce, Rihanna, Flo Ryda,

David Guetta und Christina Aguilera

ihrer Feder Hits zu verdanken.

Als dann der Erfolg der eigenen Lie-


der kam, kam auch die Scheu vor der

Öffentlichkeit.

Fortan zeigte sich Sia auf Albumcovers

und Magazinshootings hauptsächlich

verdeckt (unter anderem mit einer Einkaufstüte

über dem genialen Haupt)

oder manchmal auch gar nicht.

Es ist nicht so, als ob Sias Gesicht nicht

bereits gesehen oder ihre Leistung als

Musikerin zum Zeitpunkt ihres Durchbruchs

unbekannt war, aber mit der Erweiterung

ihrer Popularität entschloss

die Dame für sich selbst den Fokus ihres

Lebens auf die Musik und nicht auf

die Promotion von dieser zu setzen –

und das mit Erfolg.

CLEVER, SCHÜCHTERN

ODER BEIDES?

Durch ihren Nichtdrang berühmt zu

werden hat sie die Neugier der Massen

nur umso mehr entfacht. Ein unerwünschter

Nebeneffekt oder schlaues

Marketing? Auch in den Welten der

social media gibt sich Sia mysteriös.

IHRE TWITTER-BIOGRAFIE:

I am sia, I was born from the bumhole

of a unicorn named steve.

Charmant, witzig, kreativ aber wenig

preisgebend ist die Philosophie. Sia

lässt ihre Arbeit für sich sprechen und

kämpft damit gegen den Mythos an,

dass Berühmtheit zwingend ein Gesicht

brauche. Ironischer Weise erlangte

sie durch ihr anti-fame-manifesto

weiteren Bekanntheitsgrad.:

If anyone besides famous people knew

what it was like to be a famous person,

they would never want to be famous.

Imagine the stereotypical highly opinionated,

completely uninformed

mother-in-law character and apply it

to every teenager with a computer in

the entire world. Then add in all bored

people, as well as people whose

job it is to report on celebrities. Then,

picture that creature, that force, criticizing

you for an hour straight once a

day, every day, day after day.

Mit mittlerweile über 12 Millionen

verbuchten track-sales auf diversen

Musikservices kann man nicht anders

als Sias Rezept des gesichtslosen Berühmtseins

zuzustimmen. Auch wenn

dadurch alle Paris Hiltons dieser Welt

wahrscheinlich in ein endloses Augenrollen

verfallen gibt uns Sia einen

Grund zu Hoffen: Vielleicht ist harte

Arbeit und Talent tatsächlich mehr

wert als fame.


MARTIN MARGIELA

WHO?

MODEUNTERNEHMEN EINES

SCHÜCHTERNEN DESIGNERS

Das französische

Modehaus

Martin Margiela

erhielt seinen

Namen von

dessen Gründer,

der bereits in den 90er Jahren

neben seiner hervorragenden Arbeit

am Modemarkt für sein striktes Anti-

Öffentlichkeits-

Verhalten bekannt

war. Bis

zu diesem Tage

wurde nur ein

einziges Foto

von ihm an die Presse geleakt.

Auch jetzt ist die Marke Margiela aufgrund

der Pressescheu eines ihrer De-


signer wieder genau dort gelandet: in

der Presse. Designerwunderkind John

Galliano ist ein Star der Szene, würde

selbst auf diesen Ausdruck aber wahrscheinlich

gerne verzichten. Bekannt

dafür, selbst tobenden Publikumsmassen

nach seinen Shows nicht gegenüberzutreten

und Veranstaltungen oft

sogar frühzeitig zu verlassen, ist Galliano

oft sehnlicher auf den Laufstegen

erwünscht als seine Kollektionen.

WIE DER PHÖNIX

AUS DER ASCHE

Es wirkt beinahe wie ein Widerspruch,

dass der immer top-gestylte John es

bevorzugt, Zeit in seinem Studio statt

am roten Teppich zu verbringen.

Doch auch hier prägt wieder die Arbeitsmoral,

der Drang zum Kreieren

und Schaffen, und nicht die Öffentlichkeitsgeilheit

den Charakter.

Bereits in den Achtzigern machte sich

Galliano einen Namen in der Modewelt,

fiel dann aber den üblichen Verlockungen

dieser Zeit zum Opfer –

Drogen, Clubs, Parties.

Gegen Ende des Jahrzehnts erlitt seine

Karriere dadurch eine längere Abkühlung

– diese war zum Glück nur

temporärer Natur.

Galliano lies all den Glamour und das

Wettblenden vor Kameras und Mikrofonen

hinter sich und widmete sich

wieder dem, was ihn ausmachte: der

Mode. Er raffte sich auf und konnte

seine durch Berühmtheit vernarbte

Karriere wieder in Gang bringen. Er ist

jetzt wieder in aller Munde und auf allen

Laufstegen.


HAVE YOU SEEN BANKSY?

AUF ALLER WELTEN

WÄNDE, DOCH

NICHT AUF FOTOS

Banksy ist der wohl berühmteste Graffiti-Künstler

unserer, und höchstwahrscheinlich

aller, Zeit. Neben seiner

Straßenkunst hat er in den letzten Jahren

das Spektrum seines Wirkens erweitert

und widmet sich nun auch dem

Polit-Aktivismus.


WHO THE FUCK

IS BANKSY?

Der wohl größte Streich– und die Liste

an Streichen ist lange – der Banksy im

Kampf mit seiner Popularität gelungen

ist, ist das große Geheimnis um seine

Person: Niemand weiß so ganz genau,

wer Banksy eigentlich ist, wie er heißt

oder aussieht. Natürlich gibt es haufenweise

Spekulationen, ein prominenter

Geheimtipp lautet er sei Robin

Gunningham, ehemaliger Student der

Bristol Cathedral School.

Aber mit jedem Geheimtipp kommen

zwanzig weitere, noch geheimere und

noch differentere. Wird er laut einer

Quelle an der Themse gesichtet, heißt

es Minuten später, er wäre in Frankreich

verhaftet worden.

Ob Mister Banksy bei dieser Art von

Verschleierung seiner Person selbst

die Finger im Spiel hat?

Feuer mit Feuer und Gerüchte mit Gerüchten

bekämpfen.

ANONYM ZU WELTRUHM

Gerade dieses ungelöste Rätsel der

Frage Wer ist Banksy? hat dem Künstler

seinen Erfolg und seine Berühmtheit

beschert.

Als eisernem Verfechter des Prinzips

Kunst vor Name ist Banksy der Trick

gelungen, den sich heute viele Celebrities

sehnlichst wünschen: Freies

Schaffen ohne das eigene Privatleben

preisgeben oder opfern zu müssen.

Herr Banksy beschreibt seine Philosophie

selbst am besten:

The time of getting fame for your

name on its own is over. Artwork that

is only about wanting to be famous will

never make you famous. Any fame is a

by-product of making something that

means something. You don't go to a

restaurant and order a meal because

you want to have a shit.

KUNST HAT VORRANG

Den Namen Banksy kennt jeder. Alle


haben schon

mal eine Banksy

stencil-art

auf den Straßen

gesehen.

Sein Stil ist

unverkennbar,

und dafür bedarf

es keines

Profis in der

Öffentlichkeit.

Ähnlich wie

Daft Punk

in der Musikwelt hat sich Banksy

eine eigene Persona geschaffen,

die nicht durch ihr Erscheinen,

sondern durch das, was sie

präsentieren und vermitteln will, glänzt.

Banksy hat durch seine eindeutig herausstechende

Art Graffitis zu machen

seine eigene Visitenkarte entwickelt.

Spricht die Kunst für sich, braucht es

den Künstler nicht – zumindest nicht in

körperlicher Form. Die Idee, dass da

jemand ist, der uns mit so wunderba-

ren Kreationen

beschert, ist

uns mehr als

genug.

Und am Ende

des Tages ist

ja wohl wichtiger,

was ein

Künstler erschaffen

hat,

als mit wem er

oder sie gevögelt,

gestritten,

sich geschieden oder geprügelt

hat.

I have no interest in ever coming out.

I’m just trying to make the pictures

look good; I’m not into trying to make

myself look good. And besides, it’s a

pretty safe bet that the reality of me

would be a crushing disappointment to

a couple of 15-year-old kids out there.

-banksy


THINGS YOU CAN’T

DO ANYMORE

ONCE YOU’RE FAMOUS:

FACT

004

YOUR FAVOURITE

PLACE AT EVERY

CLUB IS THE

DARK ROOM


THINGS YOU CAN’T

DO ANYMORE

ONCE YOU’RE FAMOUS:

FACT

005

JOIN TINDER, OR PRETTY

MUCH ANY ONLINE

DATING PLATFORM,

BECAUSE THEY WON'T

BELIEVE YOU’RE

ACTUALLY YOU


162

VANGART

MASTURBATION

IM MUSEUM

DIE AKTUELLE AUSSTELLUNG

KLIMT, SCHIELE, KOKOSCHKA UND DIE FRAUEN

ZEIGT, WARUM MAN NUR DURCH MUT

ZUM RUHM KOMMT.

INTERVIEW & TITELFOTO ELISABETH GATTERBURG


Die aktuelle Ausstellung „Klimt, Schiele, Kokoschka und die Frauen“ im Belvedere

in Wien sorgt nicht nur durch die Vereinigung der wohl berühmtesten

österreichischen Künstler des letzten Jahrhunderts für großen Andrang,

sondern auch wegen eines „Masturbationsraums“. In diesem kann man eine

umfangreiche Zusammenstellung von Zeichnungen von Frauen bei der Selbstbefriedigung

sehen. Der Ausstellungsmacher Alfred Weidinger sprach mit uns

über den Zusammenhang zwischen Fame, Masturbation und Tabus, die wir bis

heute nicht losgeworden sind.


164

VANGARDIST: In der Ausstellung

„Klimt, Schiele, Kokoschka und die

Frauen“ wurden die Superstars der österreichischen

Kunstszene um 1900 erstmals

zusammengefasst. Gab es das Thema

Fame damals schon und wie gingen

die Künstler mit ihrer Berühmtheit um?

Alfred Weidinger: Natürlich existierte

so etwas wie Fame and Glory in

der Kunst auch schon um 1900. Gustav

Klimt war ein absoluter Superstar.

Auch wenn sein Werk heftigst kritisiert

wurde, aber vielleicht gerade deshalb,

war er im Kunstbetrieb der damaligen

Zeit die absolute und unerreichbare

Nummer 1. Der bedeutend jüngere

Egon Schiele konnte seinen späten

Ruhm nicht mehr selbst erleben, denn


EGON SCHIELE

SITZENDE FRAU IN VIOLETTEN STRÜMPFEN . 1917

© PRIVATE COLLECTION, COURTESY RICHARD NAGY LTD., LONDON

er starb 1918, im selben Jahr wie Klimt. Oskar Kokoschka

erging es im Vergleich mit Schiele bedeutend

besser. Er überlebte seine beiden Kollegen um

Jahrzehnte und hatte ausreichend Zeit den auf seinem

Frühwerk gründenden Ruhm ausgiebig zu genießen.

V: Viele Künstler passen sich des Ruhmes wegen sehr

an die gesellschaftlichen Normen an. Aus Angst, etwas

zu verlieren werden Themen wie Masturbation, uneheliche

Kinder, HIV oder Homosexualität geheim gehalten.

Aber ist es nicht der Tod der Kunst, wenn sich der

Künstler an Moral und Normen anpasst?

A: Klimt, Kokoschka und Schiele haben sich entschieden

gegen die Moralvorstellungen ihrer Zeit

und gegen die bestehenden Normen gewandt. Dieses

Verhalten hat den drei gegenständlichen Künstlern

letztlich zu ihrem Erfolg verholfen. Betrachten

wir in dieser Hinsicht etwa Gustav Klimt: ihm war

es vollkommen gleichgültig, dass er mit seinen Fakultätsbildern

den größten Kunstskandal ausgelöst

hat, den Wien jemals erlebt hatte. Niemals hätte er

sich dem Willen der Professoren gebeugt, die sich

darüber beschwerten, dass er die Fakultäten gemäß


EGON SCHIELE

LIEGENDER WEIBLICHER AKT, 1918

© BPK / THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART


G U S T AV E C O U R B E T S

DER URSPRUNG DER WELT . 1866

MUSÉE D’ORSAY

seinen Vorstellungen malte und er die nackten Körper

nicht idealisierte, sondern so wiedergab, wie er

sie vor sich gesehen und empfunden hat. Er hat immer

sein Ding durchgezogen. Das gilt auch für Egon

Schiele. Dieser ist allerdings zu weit gegangen und

vollkommen zu Recht im Gefängnis gelandet. Minderjährige

Mädchen zum Modellstehen zu bringen

und sich dann tätlich an ihnen zu vergreifen ist nicht

zu entschuldigen, auch wenn die daraus resultierenden

Zeichnungen großartig sind. Das größte Enfant

terrible war allerdings Oskar Kokoschka. Er wurde

von den Kritikern förmlich zerrissen. Erst in späteren

Jahren hat er begonnen Marktkonform zu arbeiten

und sich dem Geschmack der potentiellen Sammler

anzupassen. Bei den zeitgenössischen Künstlern

verhält es sich oftmals nicht anders. In der anfänglichen

Sturm- und Drangphase sind sie authentisch.

Sobald sich aber der wirtschaftliche Erfolg einstellt

und Rechnungen für die Aufrechterhaltung des Lebensstandards

beglichen werden müssen, beginnt

die Phase der Anpassung.

V: In welcher Phase haben sich die Künstler mit der

Masturbation der Frau befasst? Ich nehme an, die Bilder

waren sicher schwer zu verkaufen. Wer hängte sich


damals schon eine masturbierende Frau

ins Wohnzimmer?

A: Korrekt. Erotische oder explizit sexuelle

Szenen hingen damals nicht im

Wohnzimmer. Sie waren entweder für

die Privatgemächer oder für Schubladen

von Sammlern bestimmt. Auch

Courbets berühmtes Kleinformat „Der

Ursprung der Welt“ war nur im privaten

Salon des Eigentümers zu sehen.

Es zeigt den Blick auf die behaarte

Vulva einer mit gespreizten Schen-


GUSTAV KLIMT

FREUNDINNEN . 1916


keln vor dem Künstler liegenden Frau.

Klimt ging allerdings einen bedeutenden

Schritt weiter. Sehr früh hat er begonnen

sich für die gleichgeschlechtliche

Liebe zu interessieren. So schuf er

1904 mit seinem Pergament „Freundinnen“

eine atemberaubende Ikone

der lesbischen Liebe. Klimt hat sich

intensiv mit der Frau auseinandergesetzt.

Da er sein Leben lang bei seiner

Mutter und den beiden Schwestern

wohnte kannte er die Befindlichkeiten

der Frauen besser als viele andere.

Sex hatte er mit zahlreichen Modellen

in seinem Atelier, selten mit Frauen

aus der Gesellschaft. Auch wenn

der Geschlechtsverkehr Folgen hatte,

erwuchs daraus für ihn nicht zwangsläufig

eine emotionelle Verbindlichkeit.

Vollkommen konträr verhielt sich

Egon Schiele. Für ihn war die permanente

physische und psychische Interaktion

mit Frauen eine künstlerische

Voraussetzung. Auch wenn Klimt die

Modelle mit der Bezahlung der erbrachten

Leistungen wohl auch dazu

animiert hat sich vor ihm ausziehen,

war der Schritt zu Masturbation kein

ausschließlich gelenkter. Schiele hat

im Gegensatz zu Klimt die Masturbation

großteils regelrecht angeordnet.

Mit wenigen Ausnahmen spüren wir

in seinen Zeichnungen die seelischen

Qualen die viele seiner Modelle ertragen

mussten. So auch seine Ehefrau,

die sich während des Masturbierens

von ihm abwandte und schamhaft die

Hand vor ihr Gesicht hält. Bei Klimt

verhielt sich das doch etwas anders. Er

kannte viele seiner Modelle schon seit

Jahren und hatte ein vertrauensvolles

Verhältnis zu ihnen. Oftmals hielten

sich in seinem Atelier bis zu fünf Aktmodelle

gleichzeitig auf. In einer erotisch

aufgeladenen Atmosphäre hat

er sie, nicht immer nur bewusst posierend,

gezeichnet. In einer derartigen

Stimmung, unter miteinander vertrauten

Menschen, kam es natürlich vor,

dass sich Frauen sexuell vergnügten.


GUSTAV KLIMT

LIEGENDER WEIBLICHER AKT, 1913

© BPK / THE METROPOLITAN MUSEUM OF ART


174


OSKAR KOKOSCHKA

SITZENDER MÄDCHENAKT, 1908

© PRIVATSAMMLUNG

Diese Momente hat Klimt dann mit seinem Bleistift

festgehalten. Er zeichnete die Phasen der klitoralen

Stimulation genauso wie die des Höhepunkts, der

Entspannung, selbst den manchmal darauf folgenden

Schlaf. So gesehen war die Masturbation bei

ihm nicht ausschließlicher Selbstzweck, sondern ein

einzelnes Stimmungsbild aus einer kontinuierlich

sich vor seinen Augen entfaltenden Handlungsreihe,

wie aus einem Film.

V: Wer war der erste von den Dreien, der mit Tabubrüchen

begonnen hat und wie sah die Gesellschaft von

damals diese Entwicklung?

A: Darstellungen von Masturbation kennen wir seit

der griechischen Antike. Die weibliche Selbstbefriedigung

war eine vollkommen normale sexuelle

Handlung; selbst in den Symposien haben Frauen

mit ledernen Dildos sich teilweise auch im Tanz stimuliert

und so die Stimmung erotisch aufgeladen.

Damals hatte man keine Scham, nur heute haben

wir ein Problem damit. In der aktuellen Ausstellung

haben wir weltweit erstmals einen Raum für diese

Werke eingerichtet, auch wenn dieser zu keinem

Zeitpunkt als Masturbationsraum geplant war. In der

Auseinandersetzung mit Klimt habe ich festgestellt,

dass für ihn die weibliche Masturbation eine große


176

Rolle gespielt hat - immerhin existieren

von ihm etwa 70 Zeichnungen mit

diesem Thema.

V: Wie waren die damaligen Reaktionen

auf Klimt’s Masturbantinnen? Gibt es

Berichte davon?

A: Nein, nicht über Klimt, aber Berichte

über Prozesse über den Vertrieb

von diesbezüglich erotischer Literatur,

etwa Baudelaires „Les Fleurs du Mal“

und de Sades „Juliette“. Als eine Folge

der fortschreitenden Emanzipationsbewegung

war der Fokus auf die

Ergründung der Frau gerichtet. Die

Frau der Wiener Moderne wurde von

den Künstlern daher entweder als

Madonna idealisiert, zum formbaren

Mädchen degradiert oder als belächelte

Muse funktionalisiert. Abgesehen

vom künstlerischen Schaffen von

Auguste Rodin, Felician Rops, Egon

Schiele und Gustav Klimt spielte die

Masturbation in der bildenden Kunst

keine besonders große Rolle. Heute

aber hat die Gesellschaft offensichtlich

ein Problem damit. Denn die öffentliche

Zurschaustellung dieses

immer noch tabuisierten Sexualakts

verursacht ein durch Scham sich äußerndes

Unbehagen. Das ist schon

überraschend. Ein Hardcore-Porno ist

offenbar verträglicher als ein Akt der

Selbstbefriedigung. Erst nachdem ich

die Zahlen der rezentesten Statistik erwähne,

der zu Folge 94 % aller Männer

und 80% aller Frauen regelmäßig

masturbieren, fühlen sie, dass wir alle

im selben Boot sitzen und beginnen

sich ernsthaft und fruchtbringend damit

auseinanderzusetzen.

V: Gibt es in der Museumsszene auch

Vorbehalte gegenüber der Masturbation?

Museen sehen sich ja gerne als elitäre

Tempel, wo man sich nur mit dem

Schönen und dem Ästhetischen schmücken

will.


E G O N S C H I E L E

KARDINAL UND NONNE . 1912

LEOPOLD MUSEUM-PRIVATSTIFTUNG


A: Eine Ausstellung mit einem Kapitel

über Masturbation ist wahrscheinlich

nur in Wien denkbar. In Amerika würde

die Ausstellung wohl sofort geschlossen

werden, so sieht das auch meine

amerikanische Kollegin Jane Kallir, mit

der ich diese Ausstellung konzipierte.

Unsere Gesellschaft ist durchaus in der

Lage sich mit diesem Thema, auch im

öffentlichen Raum, auseinanderzusetzen.

Noch vor wenigen Monaten wurde

eine Zeichnung einer masturbierenden

Frau als liegender weiblicher

Akt bezeichnet. Durch diese Ausstellung

sind wir einen großen Schritt weitergekommen,

denn wir sprechen aus

und beschreiben, was wir sehen. Face

it! Das ist, was die Gesellschaft von uns

erwartet und darauf müssen wir auch

reagieren.

Dr. Alfred Weidinger ist österreichischer

Kunsthistoriker und Fotograf.

Er studierte von 1985 bis 1998 Kunstgeschichte

und klassische Archäologie

an der Universität Salzburg. Seine Diplomarbeit

verfasste er 1992 über die

Landschaftsgemälde von Gustav Klimt,

seine Dissertation 1998 über das Frühwerk

des österreichischen Malers Oskar

Kokoschka. Seit 2007 ist Weidinger

Vizedirektor und Prokurist des Museums

Österreichische Galerie Belvedere.

Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen

Unteres Belvedere

22.10.2015 – 28.2.2016

Täglich 10 bis 18 Uhr

Mittwoch 10 bis 21 Uhr

www.belvedere.at


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AUF ACHSE

THE

PLACES

WO DIE

STARS

GESTORBEN

SIND

VON ELLA KOPPENSTEINER

Wir beobachten ihren Höhenflug, wie sie immer

heller am Firmament strahlen, bis sie der Sonne zu

nah kommen und wie ein Stein vom Himmel fallen.

Für Menschen, die immer unterwegs sind, die ganze

Welt bereisen, ist es kaum verwunderlich, dass

Hotels zum einsamen Mittelpunkt ihres Lebens werden.

Dass sie dort schlussendlich auch sterben, ist

traurig, aber das ist vermutlich der Preis, den sie für

ihr glamouröses Leben zahlen. Der Tod eines Stars

ist für uns genauso tragisch wie faszinierend. Wenn

ihr sehen wollt, wo einige der ganz Großen ein-,

aber nicht mehr selbst ausgecheckt haben, werft einen

Blick auf unsere Places...

30.11.1900

Oscar Wilde

Hotel d' Alsace

(Paris)


Foto Hotel © Amy Murell

Nicht jedes Ende ist glamourös. Der Schöpfer von Dorian Gray starb im Pariser

„Hotel d`Alsace“ an einer Hirnhautentzündung. Was von seinem Leben übriggeblieben

ist, das er ganz dem Laster und der Verführung gewidmet hatte, sind

unzählige Küsse von Verehrern auf seinem Grabstein. Mittlerweile herrscht dort

strenges Kussverbot – aber wie er schon sagte: Versuchungen sollte man nachgeben,

denn wer weiß, ob sie wiederkommen.


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Foto Jimi by Gered Mankowitz, © Bowstir Ltd / Foto Hotel © TEL-Brough


18.9.1970

Jimi Hendrix

Samarkand Hotel (London)

Das Tödlichste für Stars? Alkohol, Drogen

und Schlaftabletten. Um seinen

Tod blühten sofort Gerüchte und Verschwörungstheorien

auf, jeder bezichtigte

einen anderen. Schuldige wurden

aber keine gefunden. Jimis letzte

Konzerte waren geprägt von seinen

Alkoholexzessen. Gefunden hat man

ihn einsam in seinem Hotelzimmer. Er

war an seinem eigenen Erbrochenen

erstickt.


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Hotel © Alessandro Prada


10.1.1971

Coco Chanel

Hotel Ritz (Paris)

Angeblich waren ihre letzten Worte

„So stirbt man also“. Als sie 1971 im

Pariser Hotel Ritz das Zeitliche segnete,

arbeitete sie trotz ihres hohen Alters

gerade an einer neuen Kollektion. Zwei

Wochen nach ihrem Tod wurde diese

dann vom Haus Chanel präsentiert.


Foto Anna © Photobucket


8.2.2007

Anna Nicole Smith

Hard-Rock-Casino-Hotel (Hollywood)

Nicht immer sind die Mythen um tote

Stars wahr, doch gegen den Lebensgefährten

der Schauspielerin Anna

Nicole Smith wurde tatsächlich ein Urteil

gesprochen. Sie soll nicht gewusst

haben, was für Medikamente sie von

ihrem Mann in der Nacht ihres Ablebens

verabreicht bekommen hatte, die

dann schlussendlich zu einer Überdosis

führten.


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Foto Cory © Eva Rinaldi / Foto Hotel © Darren Kirby


13.7.2013

Cory Monteith

Fairmont Pacific Rim Hotel

(Vancouver)

Manchmal verliert auch der normalsterbliche

Mensch den Boden unter

den Füßen zwischen all den Terminen

und Aufgaben. Ein Star, auf den ständig

alle Augen gerichtet sind, muss

immer lächeln, strahlen und darf keine

Fehltritte machen. Eines Tages wurde

Schauspieler Cory Monteith der Druck

zu viel. Im Vancouver Hotel Fairmont

Pacific Rim gab er sich schließlich dem

Abgrund von Drogen und Alkohol hin.


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