W+M Exklusiv Berlin 2015

astrebe

Das Sonderheft von WIRTSCHAFT+MARKT

W+M

WIRTSCHAFT+MARKT-SONDERHEFT

Berlin

In der Welt zu Hause

Gelungene

Direktinvestitionen

International erfolgreich

mit innovativen Produkten


2 | W+M Exklusiv

Inhalt

Report

Die Digitalhauptstadt

ist attraktiv für Investoren______________________ 3

Unternehmen im Porträt

Gelungene Direktinvestitionen___________________ 4

Interview

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller

über wichtige Ansiedlungen und die Entwicklung

der Außenwirtschaft__________________________ 10

Blick auf die Region

Berlin in der Übersicht_________________________ 12

Report

Berlins Unternehmen profitieren

vom internationalen Ansehen der Stadt___________ 14

Unternehmen im Porträt

Weltweit erfolgreich mit innovativen Produkten____ 15

Report

Zukunftsmarkt Frankreich_____________________ 21

Ratgeber

So verhandeln Sie richtig in Frankreich____________ 22

Impressum

W+M Exklusiv

WIRTSCHAFT+MARKT-Sonderausgabe

Ausgabe Berlin

Redaktionsschluss: 18.11.2015

Verlag: W+M Wirtschaft und Markt GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-27

Fax: 030 479071-20

www.WundM.info

Herausgeber: Frank Nehring

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Redaktion: Janine Pirk-Schenker,

Anja Strebe

Layout: moeller-medienagentur.de

Druck: möller druck und verlag gmbh

Liebe Leser,

die Wirtschaft in Berlin hatte nach der Deutschen Einheit keine

leichten Startbedingungen. Sicher, im Westteil der Stadt kannte

man sich mit der Marktwirtschaft bereits aus. Durch die jahrzehntelange

Insellage und die damit einhergehende (West-)Berlin-Förderung

waren die Unternehmen dem Wettbewerb allerdings nicht

annähernd so stark ausgesetzt, wie die Firmen in der alten Bundesrepublik.

Im Ostteil der Stadt durchlief die Wirtschaft den gleichen

unverzichtbaren Strukturwandel, wie er in den übrigen neuen Ländern

auch vollzogen wurde. Speziell in den 90er Jahren hatte die

Stadt Mühe, die Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Doch seit der Jahrtausendwende geht es in der Hauptstadt spürbar

voran. Heute ist Berlin eine der weltweit beliebtesten Metropolen

mit einer dynamischen Start-up-Szene, einer dichten Forschungslandschaft

und einer wiedererstarkenden Industrie. Neben dem

Tourismus haben sich die Cluster Automotive, Gesundheits- und

Medienwirtschaft, Logistik und Energietechnik hervorragend entwickelt.

Die Rolle Berlins als Regierungssitz hat eine Vielzahl von

Hauptquartieren nationaler und internationaler Unternehmen in

die Stadt gelockt.

Inzwischen gäbe es unzählige Erfolgsgeschichten zu erzählen. Da

dies jedoch den Rahmen unseres Magazins sprengen würde, mussten

wir uns bei den Recherchen auf zwei konkrete Fragestellungen

beschränken. Erstens: Wie wird der Wirtschaftsstandort Berlin

von ausländischen Investoren angenommen? Zweitens: Mit welchen

Produkten haben Berlins Unternehmen Erfolg auf internationalen

Märkten?

Lassen Sie sich auf den folgenden Seiten überraschen, wie weit die

globale Vernetzung der Berliner Wirtschaft aktuell vorangeschritten

ist. Ohne Übertreibung lässt sich sagen: Die Welt ist in Berlin

zu Hause. Und: Berlin ist in der Welt zu Hause.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht

Karsten Hintzmann, Chefredakteur

Foto: Torsten George, Titelfotos: dessauer/fotolia.com, photosoup/fotolia.com


Report Direktinvestitionen W+M Exklusiv |

3

Foto: Bayer Pharma AG

Die Digitalhauptstadt

ist attraktiv für Investoren

Die Bayer Pharma AG entwickelt in Berlin innovative Arzneimittel.

Die ehemals geteilte Stadt hat sich

im Laufe der letzten 25 Jahre zu einer

der beliebtesten internationalen

Metropolen entwickelt. Allein im vergangenen

Jahr registrierten die Berliner Hoteliers

nahezu zwölf Millionen Gäste.

Auch wirtschaftlich ging es speziell im letzten

Jahrzehnt spürbar voran. Besonders die

Cluster Gesundheitswirtschaft, Medienund

Kreativwirtschaft, Verkehr und Logistik,

Energietechnik, Optik sowie Dienstleistungswirtschaft

blühten in dieser Zeit auf.

Nach einem tiefgreifenden Strukturwandel

entwickelt sich auch die Berliner Industrie

wieder positiv, ist innovativ, wettbewerbsfähig,

exportorientiert und international

ausgerichtet, vor allem was das Thema Industrie

4.0 angeht. So investiert der Autokonzern

Daimler gerade 500 Millionen

Euro, um sein Berliner Werk in einen Hightech-Standort

zu verwandeln. BMW realisiert

einen Großteil der eigenen Motorradproduktion

in der Hauptstadt und Volkswagen

baut derzeit sein Digital Lab in Berlin

auf. Nicht zu vergessen: Der größte Produktionsstandort

von Siemens ist Berlin.

Der Aufschwung Berlins lockte auch verstärkt

ausländische Investoren an. Im

Jahr 2013 belief sich der Bestand an ausländischen

Investitionen auf 18,9 Milliarden

Euro. Pro Einwohner waren das 5.301

Euro. Ein respektabler Wert, mit dem die

Hauptstadt im Bundesländer-Ranking den

fünften Platz einnimmt.

Einen erheblichen Anteil am Gelingen von

Ansiedlungs- und Expansionsprojekten

hat die Fördergesellschaft Berlin Partner

für Wirtschaft und Technologie. Sie versteht

sich als zentrale Anlaufstelle für Investoren

und bietet Unternehmen maßgeschneiderte

und flexible Servicepakete

– von der Standortsuche, über Finanzierungs-

und Förderungsfragen, Behördenund

Genehmigungsmanagement, die Rekrutierung

von Fachkräften bis hin zu Internationalisierungsvorhaben

und Messeauftritten.

Darüber hinaus ebnet Berlin

Partner Neuberlinern durch ein exklusives

Berlin-Partner-Netzwerk den Zugang zur

Berliner Business-Community und politischen

Entscheidern.

Bei den Vorhaben, die Berlin Partner allein

im Jahr 2014 begleitet hat, entstand

übrigens jeder dritte neue Arbeitsplatz

in der Industrie. Im Schnitt wurden dabei

eine viertel Million Euro pro Arbeitsplatz

investiert – ein Beleg dafür, wie stark Unternehmer

auf den Industriestandort Berlin

setzen.

Auf die Frage, wie Berlin bei ausländischen

Investoren aktuell angenommen wird, hat

Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin

Partner, eine klare Antwort: „Ich muss Berlin

im Ausland nicht mehr erklären. Internationale

Unternehmer schätzen besonders

das hervorragende Image der Stadt, die

zahlreichen gut ausgebildeten Fachkräfte

und auch die gut ausgebaute Infrastruktur.

Ein Beispiel dafür ist BeanAir. Der Hersteller

von Sensortechnologien für die Luftund

Raumfahrtindustrie und die Strukturüberwachung

von Gebäuden verlagerte

sein Headquarter von Frankreich nach Berlin.

Auch Doodle traf seine Standortentscheidung

für Europas Digitalhauptstadt.

Sanofi Pasteur MSD verlegt sein Hauptquartier

nach Berlin. Cisco hat im vergangenen

Jahr ein Innovationszentrum für das

Internet der Dinge in Berlin eröffnet. Im

neuen Service-Center von Booking.com am

Potsdamer Platz werden 450 Arbeitsplätze

entstehen.“

W+M

www.WundM.info


4 | W+M Exklusiv Direktinvestitionen

Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG

Fliegende Werbe-Ikone

Das Unternehmen mit Sitz in Berlin

ist die zweitgrößte deutsche und

siebtgrößte europäische Fluggesellschaft.

Allein durch ihren Namen ist sie

eine ideale Werbeträgerin für die deutsche

Bundeshauptstadt.

Die Gründung der Fluglinie fand nicht in

Berlin, sondern 1978 in den USA statt. Der

US-Pilot Kim Lundgren, der wegen der Ölkrise

seinen Job bei Pan American in Europa

verloren hatte, erfüllte sich den Traum

einer eigenen Chartergesellschaft. Im US-

Bundesstaat Oregon ließ er seine Airline als

„Air Berlin Inc.” ins Handelsregister eintragen.

Am 28. April 1979 startete der Jungfernflug:

Eine Boeing 707 hob von Berlin-Tegel

ab, in Richtung Palma de Mallorca.

Mit der deutschen Einheit verlor Lundgren

das Sonderflugrecht nach Berlin, das

zu Zeiten des Eisernen Vorhangs den Alliierten

vorbehalten war. Daher suchte er händeringend

einen deutschen Mehrheitsgesellschafter.

Den fand er im April 1991 in Joachim

Hunold. Der kaufte 82,5 Prozent der

Geschäftsanteile und gründete die Air Berlin

GmbH & Co. Luftverkehrs KG. Die Airline

startete zunächst mit zwei Flugzeugen und

150 Mitarbeitern und brachte im

Auftrag deutscher Reiseveranstalter Urlauber

zu Sonnenzielen rund ums Mittelmeer.

Seither hat sich das Unternehmen enorm

entwickelt, auch wenn es speziell in den

letzten Jahren einige Turbulenzen zu meistern

hatte. Im Jahr 2014 flog airberlin – so

firmiert die Fluglinie gegenüber ihren Passagieren

– mit 149 Flugzeugen insgesamt 147

Destinationen in aller Welt an. Dabei wurden

31,7 Millionen Fluggäste transportiert.

Die 8.440 Mitarbeiter erwirtschafteten einen

Gesamtumsatz von 4,16 Milliarden Euro.

Seit 2011 hat airberlin in der Fluggesellschaft

Etihad Airways einen strategischen Partner.


www.airberlin.com

Ein Airbus A320

von airberlin beim Start.

B. Braun Melsungen AG

Die Gesundheit im Blick

Die Gesundheit von Menschen auf der

ganzen Welt zu schützen und zu verbessern,

steht im Zentrum des Wirkens

des global agierenden Pharma- und

Pharma-Produktion bei B. Braun in Berlin.

Medizintechnikunternehmens B. Braun Melsungen

AG, das auch in Berlin aktiv ist. An

insgesamt drei Standorten in Neukölln und

Berlin-Mitte arbeiten über 800 Mitarbeiter.

In der Produktionsstätte

Pharma Berlin

werden sterile Injektionslösungen

in

Glas- und Kunststoffampullen

hergestellt,

insgesamt rund 250

verschiedene Rezepturen,

darunter Elektrolyte,

Kohlenhydratlösungen

oder Anästhetika.

In den vergangenen

Jahren hat

B. Braun mehr als

60 Millionen Euro in

die Modernisierung

und Erweiterung der

Pharmaproduktion

investiert.

Innovative Medizinprodukte und Serviceleistungen

für die interventionelle Kardiologie

und die Gefäßchirurgie entwickeln und

produzieren die Mitarbeiter von Vascular

Systems. Neueste Innovationen sind medikamentenfreisetzende

Ballonkatheter- und

Stent-Systeme wie SeQuent Please und Coroflex

ISAR.

Dritter Standort ist die Aesculap Akademie

im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte,

die mit ihrem medizinischen Fort- und

Weiterbildungsangebot Ärzte, das Fachpersonal

in Kliniken und Praxen sowie das

Krankenhausmanagement begleitet.

B. Braun mit Hauptsitz im nordhessischen

Melsungen ist einer der führenden Hersteller

von Medizintechnik- und Pharma-

Produkten und Dienstleistungen weltweit.

Mit rund 55.000 Mitarbeitern in 62 Ländern

entwickelt B. Braun hochwertige Produktsysteme

und Serviceleistungen für Anwender

auf der ganzen Welt.


www.bbraun.de

Fotos: airberlin (oben), B. Braun Melsungen AG (unten)


Firmenporträts W+M Exklusiv |

5

Stromnetz Berlin GmbH

Hüter einer stabilen Stromversorgung

Fotos: Sabine Wenzel/Stromnetz Berlin GmbH (oben), Stromnetz Berlin GmbH (unten)

Innenansicht aus dem Umspannwerk Fennpfuhl.

Die Ursprünge des Berliner Energienetzes

reichen bis ins Jahr 1882 zurück.

Damals sicherte sich der Unternehmer

Emil Rathenau unter Mitarbeit des

Bauingenieurs Oskar von Miller und nach

Absprachen mit dem Unternehmen Siemens

die öffentliche Stromversorgung für

ein zu Beginn zwei Quadratkilometer großes

Versorgungsgebiet. Kein Vergleich mit

dem heutigen Netz, das Tag für Tag unzählige

Unternehmen in der Hauptstadt und

mehr als 3,5 Millionen Einwohner mit Strom

versorgen muss.

Als Eigentümer des Stromverteilungsnetzes

und der dazugehörigen Netzanlagen

sorgt die Stromnetz Berlin GmbH, eine

Tochter des schwedischen Vattenfall-Konzerns,

für die zuverlässige Stromversorgung

der Hauptstadt. Das Unternehmen

ist zuständig für den Anschluss der Stromabnehmer

und -einspeiser im Stadtgebiet

von Berlin. Zum Netz in der Bundeshauptstadt

gehören 36.225 Kilometer Stromleitungen

in drei verschiedenen Netzebenen

– Hochspannung (110 Kilovolt), Mittelspannung

(10 Kilovolt) und Niederspannung

(400 Volt oder auch 0,4 Kilovolt).

In 78 Umspannwerken wird der Strom von

der Hochspannung auf die Mittelspannung

umgewandelt und gelangt über 10.910

Netz- und Kundenstationen in das Stromnetz

der niedrigsten Spannungsebene beziehungsweise

in die Häuser und Betriebe.

Netzanschlusskunden erhalten entsprechend

ihres Leistungsbedarfs einen Stromanschluss

in 110, 10 oder 0,4 Kilovolt und

können darüber die benötigte

Energie beziehen oder

einspeisen. Die Großindustrie

nutzt 110 Kilovolt, private

Haushalte 0,4 Kilovolt.

Damit Berlin rund um die Uhr

stabil mit elektrischer Energie

versorgt wird, sind Umspannwerke,

Kabel und weitere

Anlagen nach einem sicheren

Prinzip miteinander

verknüpft: Sie sind in sogenannte

Versorgungsringe

eingebunden, was im Fall eines

Stromausfalls den Vorteil hat, dass die

Stromversorgung durch Umschaltung innerhalb

kurzer Zeit von der zweiten Seite

wiederhergestellt wird.

Um die Wiederversorgungszeiten nach

Stromausfällen weiter zu verkürzen, automatisiert

die Stromnetz Berlin GmbH kontinuierlich

das Netz. Hierbei werden ausgewählte

Netzstationen der Mittelspannungsebene

mit einer Fernsteuerung ausgestattet.

Statistisch gesehen ist jeder Berliner

Bürger nur alle fünf Jahre einmal spannungslos.

Bleibt doch mal der Strom weg,

dauert es bei einer Störung im Stromnetz

im Durchschnitt 50,4 Minuten, bis er wieder

fließt. In Berlin blieb 2014 jeder Verbraucher

statistisch gesehen rund 9,78 Minuten

ohne Strom. Zum Vergleich: Der deutschlandweite

Wert lag bei 12,28 Minuten.

In der Spreemetropole sind 98,1 Prozent

der Leitungen unterirdisch verlegt. So sind

sie vor äußeren Einflüssen, wie Unwettern

oder Blitzeinschlägen, gut geschützt, können

jedoch bei Tiefbauarbeiten beschädigt

werden.

Für die Netzinfrastruktur, insbesondere den

Ausbau und Erhalt des Verteilungsnetzes

in Berlin, gibt die Stromnetz Berlin GmbH

im laufenden Jahr rund 288 Millionen Euro

aus. Etwa 70 Prozent dieser Ausgaben gehen

dabei an Unternehmen der Region Berlin-Brandenburg.

www.stromnetz.berlin

Freiluftschaltanlage am Berliner Stadtrand in Malchow.

www.WundM.info


6 | W+M Exklusiv Direktinvestitionen

Bombardier Transportation GmbH

Innovative Fahrzeuge für den Nahverkehr

Der kanadische Konzern Bombardier

bietet das weltweit umfassendste

Portfolio an Schienenfahrzeugen.

Die Palette reicht von Straßenbahnen

über Metros bis zu Lokomotiven

und Hochgeschwindigkeitszügen. Auf

allen Kontinenten sind über 100.000 Fahrzeuge

von Bombardier im Einsatz. Im öffentlichen

Nahverkehr Berlins rollen nicht

nur Straßen-, S- und U-Bahnen von Bombardier,

sondern seit Sommer 2015 auch

neue Elektrobusse. Diese Busse werden

kabellos per Induktion an den Endstationen

geladen und stellen ein Novum im

Innenstadtbereich europäischer Hauptstädte

dar.

Mehr als 60 Standorte in 26 Ländern machen

Bombardier Transportation zu einem

echten Global Player. Multinational geht

es auch am Berliner Unternehmenssitz zu.

Dort sind rund 600 Mitarbeiter aus über

40 verschiedenen Nationen tätig.

Für Bombardier Transportation sind die

Stadt Berlin und die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg

elementare Wirtschaftsstandorte.

In Berlin hat Bombardier seit

dem Jahr 2002 seine internationale Konzernzentrale

und in Hennigsdorf, im Berliner

Speckgürtel, den in Europa größten

Produktionsstandort mit etwa 2.800 Beschäftigten.

Das Unternehmen knüpft hier

100 Bombardier-Straßenbahnen vom Typ Flexity fahren in Berlin.

bewusst an eine weit über 100 Jahre zurückreichende

Tradition an. Bereits Mitte

des 19. Jahrhunderts mauserte sich Berlin

zu einem der großen Eisenbahndrehkreuze

Europas, das schon damals Innovationstreiber

bei der Entwicklung neuer Lokomotiven

war. www.bombardier.com

In Berlin ist

Alstom mit

seiner Transportsparte

vertreten.

Alstom Transport Deutschland

Marktführer in der Bahntechnik

Als Verfechter nachhaltiger Mobilität

entwickelt und vermarktet Alstom

Systeme, Ausrüstungen und

Serviceleistungen für den Schienenfahrzeugsektor.

Alstom bietet das umfassendste

Angebot an Lösungen für diesen Markt –

von Hochgeschwindigkeitszügen bis hin zu

Metros und Straßenbahnen – mit der dazugehörigen

Wartung, Modernisierung, Infrastruktur

und Signaltechnik. Der französische

Konzern baut nach eigenen Angaben

den schnellsten Zug und die kapazitätsstärkste

automatisierte U-Bahn der Welt.

Alstom beschäftigt 32.000 Fachkräfte an

105 Standorten weltweit. In Deutschland

hat das Unternehmen 3.000 Mitarbeiter

an insgesamt sechs Standorten im Transportsektor.

In Berlin arbeiten 510 Mitarbeiter

für den Konzern.

In der Repräsentanz in der Berliner Friedrichstraße

sind die Bereiche Signaltechnik

und Infrastruktur der Transportsparte

vertreten. Alstom Transport hat das umfassendste

Portfolio an Systemen, Ausrüstungen

und Dienstleistungen für den

Bahnmarkt.

www.alstom.de

Fotos: Bombardier Transportation GmbH (oben), Alstom Transport Deutschland (unten)


Firmenporträts W+M Exklusiv |

7

Fotos: BERLIN-CHEMIE AG

BERLIN-CHEMIE AG

Adlershofer Arzneimittel

erobern den Weltmarkt

BERLIN-CHEMIE ist ein Pharmaunternehmen

mit mehr als 100-jähriger

Tradition am Standort Berlin-

Adlershof. 1890 wurde der Betrieb als chemisch-pharmazeutische

Fabrik Kahlbaum

gegründet. In der Folgezeit gab es wechselnde

Eigentümer. Von 1937 bis 1948 gehörte

das Adlershofer Werk zur Schering AG.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schering

von der sowjetischen Militäradministration

enteignet und der Betrieb verstaatlicht.

Die Firma hieß dann zunächst VEB

Schering-Adlershof und ab 1956 VEB Berlin-Chemie.

Sie produzierte chemische und

pharmazeutische Produkte und entwickelte

sich zu einem der drei größten Arzneimittelbetriebe

der ehemaligen DDR. 1989 waren

rund 2.800 Menschen im VEB Berlin-

Chemie beschäftigt.

Die Treuhandanstalt firmierte das Unternehmen

im Juni 1990 zur BERLIN-CHEMIE

AG um. 1992 erhielt das größte italienische

Pharmaunternehmen MENARINI (Florenz)

den Zuschlag, da der italienische Investor

Arzneimittelproduktion in Adlershof.

die überzeugendste Konzeption zur Entwicklung

des Unternehmens und zur Aus-,

Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter

vorlegen konnte. Die weltweit tätige

MENARINI-Gruppe (16.600 Mitarbeiter)

entwickelt, produziert und vermarktet Arzneimittel

sowie Diagnostika. Im Jahr 2013

lag der Umsatz bei 3,3 Milliarden Euro.

Das Berliner Unternehmen wurde sofort

in die MENARINI-Gruppe eingebunden und

mit dem Multi-Auftrag ausgestattet, sich

zur Deutschland-, Mittel- und Osteuropa-

Zentrale, zu einem Forschungszentrum sowie

zum größten Herstellungszentrum der

MENARINI-Gruppe nördlich der Alpen zu

entwickeln.

Hierzu war die völlige Umstrukturierung des

Unternehmens und alleinige Konzentration

auf den Arzneimittelsektor nötig, was

seinerzeit mit einem erheblichen Personalabbau

verbunden war. Im Jahr 1995 hatte

BERLIN-CHEMIE nur noch 1.033 Mitarbeiter.

Danach begann die bis heute andauernde

Periode der forcierten Investitionen und des

überdurchschnittlichen Wachstumstempos.

Im Jahr 2014 erwirtschaftete BERLIN-

CHEMIE 1,52 Milliarden Euro Umsatz. 887

Millionen Euro davon wurden im internationalen

Geschäft realisiert. Innerhalb von

knapp 20 Jahren konnte das traditionsreiche

Adlershofer Unternehmen den Umsatz

mehr als verzehnfachen. In diesem Zeitraum

entstanden über 4.000 neue Arbeitsplätze

in Deutschland und dem Ausland.

Die wichtigsten Indikationsgebiete des Unternehmens

sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen

und Diabetes. Im Inland wird weit

über die Hälfte des Umsatzes mit neuen innovativen

Arzneien erzielt. Ziel ist es, unter

die ersten zehn der in Deutschland tätigen

Arzneimittelunternehmen zu gelangen.

BERLIN-CHEMIE ist in mehr als 30 mittelund

osteuropäischen Ländern mit eigenen

Mitarbeitern sowie den eigenen Arzneien

aktiv. Größter Auslandsmarkt ist Russland.

In vielen Ländern nimmt man Spitzenpositionen

im Firmenranking ein. In Russland,

Weißrussland, im Baltikum und in der Ukraine

belegt das Berliner Unternehmen jeweils

Platz zwei im internationalen Vergleich.

Fast alle von BERLIN-CHEMIE verkauften

Arzneimittel stammen aus der eigenen Herstellung

in Berlin. Im vergangenen Jahr wurden

Arzneimittel für 309 Millionen Packungen

hergestellt.

Das Pharmaunternehmen baut in Adlershof

seine moderne Arzneimittelfabrik weiter

aus. Die beiden ersten Module sind bereits

in Betrieb, ein weiterer Abschnitt wird 2016

fertiggestellt. www.berlin-chemie.de

Das Hauptgebäude von BERLIN-CHEMIE.

www.WundM.info


8 | W+M Exklusiv Direktinvestitionen

OSRAM Licht AG

Meister der Helligkeit

Seit 109 Jahren ist OSRAM ein Begriff.

Das Unternehmen hat sich von

einem traditionellen Glühlampenhersteller

zu einem globalen Hightech-Unternehmen

der Lichtbranche entwickelt, das

inzwischen auf allen Kontinenten mit eigenen

Tochterfirmen oder Beteiligungen aktiv

ist und Kunden in 150 Ländern mit seinen

Produkten erreicht.

Gründungsort von OSRAM war Berlin.

1906 wurde das Warenzeichen OSRAM als

Wortmarke für „Elektrische Glüh- und Bogenlichtlampen“

von der Auer-Gesellschaft

(Deutsche Gasglühlicht-Anstalt) beim Kaiserlichen

Patentamt in Berlin eingetragen.

Die Auer-Gesellschaft gründete gemeinsam

mit AEG und Siemens & Halske die

OSRAM G.m.b.H. & KG – 1919 nahm sie ihre

Geschäftstätigkeit auf. Berlin war Anfang

Speziallampenproduktion bei OSRAM in Berlin.

des 20. Jahrhunderts

auch die Hauptstadt der

Elektro- und der Lampenindustrie,

die dort etliche

Werke betrieb. In mehreren

Werken produzierte

OSRAM in Berlin verschiedene

Glühlampen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

und der Teilung Berlins

zog das Unternehmen mit seinem Firmensitz

von der Warschauer Straße in den

Westteil der Stadt. Aufgrund der Insellage

verlagerte es im Jahr 1954 den Hauptsitz

nach München. Doch in Berlin verblieb

mehr als nur ein OSRAM-Koffer. Auf dem

OSRAM-Grundstück an der Nonnendammallee

in Berlin-Siemensstadt wurden auch

zu Zeiten der deutschen Teilung Millionenbeträge

in die Modernisierung der Lampenfertigung

investiert.

Heute beschäftigt OSRAM in Berlin 1.000

Mitarbeiter, die unter anderem Quarzglas

für die Lampenproduktion, Lampen für Autoscheinwerfer,

Speziallampen für die Videoprojektion

und Filmproduktionen sowie

Flutlichtlampen für Stadien herstellen.

www.osram.de

Pfizer Deutschland GmbH

Globaler Arzneimittelhersteller

Seit über 160 Jahren steht der Name

Pfizer für die Erforschung und Entwicklung

moderner Arzneimittel.

Weltweit arbeiten für den amerikanischen

Pfizer-Deutschlandzentrale am Potsdamer Platz.

Konzern mehr als 80.000 Mitarbeiter.

Neben Medikamenten zur Behandlung

von Rheuma, Schmerz, Herz-Kreislauf- und

Stoffwechselerkrankungen sowie Therapien

gegen Krebs bietet

Pfizer auch Medikamente

gegen Hauterkrankungen

und Hämophilie

sowie Impfstoffe,

Biopharmazeutika und

Nahrungsergänzungsmittel

an. Pfizer ist heute

eines der am breitesten

aufgestellten forschenden

Unternehmen

der Gesundheitsbranche

weltweit.

Auch in Deutschland ist

Pfizer in der Arzneimittelversorgung

führend.

Allein im vergangenen

Jahr hat das Unternehmen mehr als sieben

Millionen deutsche Kunden erreicht.

Am Potsdamer Platz in Berlin unterhält Pfizer

seine Deutschlandzentrale mit 550 Mitarbeitern.

Hier sind die Bereiche Humanarzneimittel

und Consumer Healthcare gebündelt.

Außerdem steuert Pfizer von Berlin

aus die europäische Krebssparte. In Karlsruhe

ist das Regional Distribution Center

angesiedelt, das Pfizer-Medikamente innerhalb

Deutschlands, in die Niederlande,

nach Österreich und Dänemark ausliefert.

Am Pfizer-Produktionsstandort in Freiburg

werden nach neuesten Herstellungsverfahren

Arzneimittel für den Weltmarkt produziert

und verpackt.

Insgesamt stellt die Pfizer Deutschland

GmbH mit ihren 2.000 Beschäftigten pro

Jahr mehr als 200 Millionen Packungen verschiedenster

Medikamente her.


www.pfizer.de

Fotos: OSRAM Licht AG (oben), Pfizer Deutschland GmbH (unten)


Firmenporträts W+M Exklusiv |

9

Bayer Pharma AG

Pharmaproduktion mit langer Tradition

Seit mehr als 150 Jahren wird in Berlin-Wedding

das Thema Gesundheit

großgeschrieben. Hier, wo sich in

den 1850er Jahren Ernst Christian Friedrich

Schering mit seiner „Grünen Apotheke“

um das Wohl seiner Mitmenschen verdient

gemacht hat, liefert heute die Bayer Pharma

AG als größtes deutsches Pharmaunternehmen

seine Medikamente in die ganze

Welt. Unter dem Motto „Science for a

better life“ erforscht und entwickelt der

Konzern innovative Arzneimittel und neuartige

Therapieansätze. Schwerpunkte in

Berlin sind die Frauengesundheit und die

Krebsforschung.

Rund 4.500 der weltweit mehr als 39.000

Mitarbeiter der Bayer Pharma AG sind

am Berliner Standort in Verwaltung, Forschung,

Entwicklung und Produktion tätig.

Damit ist Bayer einer der wichtigsten Arbeitgeber

in der Bundeshauptstadt.

Bereits die im Jahr 2006 von Bayer übernommene

Schering AG war im Bezirk Mitte

fest verwurzelt. Der langjährigen Tradition

folgend, beteiligt sich auch die Bayer Pharma

AG an aktuellen städtebaulichen Entwicklungen

des Quartiers rund um den Berliner

Firmensitz, auf dessen 190.000 Quadratmeter

großem Areal 60 Gebäude mit

insgesamt 12.500 Räumen stehen.

Das Unternehmen arbeitet mit zahlreichen

öffentlichen und privaten Forschungseinrichtungen

zusammen und unterhält enge

Kontakte zur renommierten Charité. Mit

dem „CoLaborator“ stellt Bayer jungen Life-

Sciences-Unternehmen vollständig eingerichtete

Labor- und Büroräume mit Zugriff

auf die Infrastruktur und Kompetenz des

Pharmaproduktion bei Bayer in Berlin.

Unternehmens zur Verfügung und schafft

so ein ideales Umfeld, um Forschung und

Innovation weiter voranzutreiben.

www.pharma.bayer.com/de

Fotos: Bayer Pharma AG (oben), Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie/Buehler-Photography (unten)

Freude über Cisco-Ansiedlung: Cisco-Manager

Michael Ganser, Senatorin Cornelia Yzer,

Berlin-Partner-Chef Stefan Franzke (v. l.).

Cisco Systems GmbH

Internet-Ideenschmiede

Der US-Konzern Cisco Systems ist der

international führende Anbieter von

Netzwerk-Lösungen für das Internet.

Im Geschäftsjahr 2015 erzielte Cisco

einen Umsatz von 49,2 Milliarden US-Dollar.

Das Unternehmen hat derzeit weltweit

mehr als 71.500 Mitarbeiter.

Im September 2014 entschied sich der Technologieriese

aus San Francisco, Berlin zum

Standort seines neuen Innovationszentrums

zu machen. Cisco wird mit seiner

Ideenschmiede in den EUREF-Campus am

Gasometer in Schöneberg einziehen. Entsprechend

euphorisch reagierten die politisch

Verantwortlichen. Wirtschaftssenatorin

Cornelia Yzer: „Es war ein harter Wettbewerb

im Ringen um den neuen Cisco-Innovationsstandort.

Wir sind sehr froh und

stolz, dass sich Cisco für uns entschieden

hat. Ich bin fest davon überzeugt, dass das

Engagement von Cisco in Berlin eine Signalwirkung

haben und weitere Player anziehen

wird.”

In dem „openBerlin Cisco Internet of Everything

Innovation Center“ sollen Ideen,

Entwicklungen und Lösungen für das sogenannte

Internet of Everything (IoE) vorangetrieben

und in Prototypen verwirklicht

werden. „Deutschland ist eine Hochburg für

Innovation, insbesondere wenn es um Produktion,

Transport und Logistik geht. Mit

openBerlin und seinem Ökosystem an Partnern

können wir die Innovation und die Verbreitung

von IoE in Deutschland beschleunigen”,

so Michael Ganser, Senior Vice President

Central Europe von Cisco. In Berlin

will Cisco rund 30 Millionen US-Dollar investieren.

www.cisco.com

www.WundM.info


10 | W+M Exklusiv Interview

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller im W+M-Interview

„Unsere Start-up-Szene lockt

große Unternehmen in die Stadt“

W+M: Herr Müller, Sie haben als Regierender

Bürgermeister und zuvor als Stadtentwicklungssenator

einige offizielle Staatsund

Arbeitsbesuche im Ausland absolviert.

Was hat Ihnen wo am stärksten imponiert?

Michael Müller: Ich war unter anderem zwei

Mal in China, in Peking und Kanton. Einen

besonders tiefen Eindruck hat bei mir die

dort herrschende Investitionskraft hinterlassen.

Und die Schnelligkeit mit der Investitionen

durchgesetzt werden. In China baut

man in einem Jahr so viel, wozu wir eine

ganze Legislaturperiode brauchen. Straßen-

und U-Bahnbau haben dort ein ganz

anderes Tempo, eine ganz andere Größenordnung.

Das lässt sich aber natürlich nur

bedingt nach Europa übertragen.

W+M: Wie ist Berlin außenwirtschaftlich

aufgestellt?

Michael Müller: Wir haben eine gute Exportquote,

die allein im letzten Jahr um fünf

Prozent gestiegen ist. Insgesamt hat unsere

Wirtschaft einen Exportanteil von über

50 Prozent. Damit liegt der Berliner Export

über dem Bundesdurchschnitt. Durch unsere

Nähe zu Polen und Tschechien pflegen wir

zu diesen Ländern sehr intensive Kontakte.

Neben den USA und Frankreich zählt Polen

zu unseren größten Handelspartnern. Polen

ist unser zweitwichtigster Exportmarkt.

W+M: Mit welchen Firmen ist Berlin auf

dem Weltmarkt führend?

Michael Müller: Das sind

in erster Linie gar nicht

die großen Unternehmen,

die man hier vermuten

würde, sondern

kleine Unternehmen, die

in der Öffentlichkeit teils

gar nicht so bekannt sind.

Wir haben beispielsweise

am Standort Adlershof

Kleinstunternehmen, die

im Bereich der Raumfahrt

eine Rolle spielen.

Die einzelne Teile für Satelliten oder die

Raumstation ISS liefern. In diesem Segment

sind diese Firmen Weltmarktführer.

Zu unseren Hidden Champions zählen auch

Unternehmen wie Berlin-Heart, Burmeister

Audiosysteme, Otto Bock und Native

Instruments.

W+M: Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die

vitale Start-up-Szene in Berlin?

Michael Müller: Die Start-up-Szene ist nicht

nur kreativ und innovativ, sie sorgt indirekt

auch dafür, dass wieder mehr große Unternehmen

nach Berlin kommen. Und zwar mit

mehr als nur einer Konzernrepräsentanz.

Sie kommen mindestens mit einem Forschungslabor

und wollen bei uns mit diesen

kleinen, innovativen Firmen und Gründern

zusammenkommen. Die großen Firmen

brauchen zudem diesen Transmissionsriemen,

der ihnen zu mehr Beweglichkeit und

Geschwindigkeit bei der Umsetzung von

Ideen verhilft.

W+M: Haben Sie konkrete Pläne, die Außenwirtschaftsförderung

nach der Wahl 2016

auszuweiten?

Michael Müller: Wir werden natürlich unsere

bewährten Instrumente, die wir über unsere

Fördergesellschaft Berlin Partner haben,

weiter nutzen. Darüber hinaus setzen

wir stärker auf verabredete Kooperationen

mit Partnern vor Ort. Ich war jüngst in Israel

und dort haben wir konkret fünf Kooperationen

vereinbart, zwischen Universitäten,

Wirtschaftsfördereinrichtungen, Kammern

und Unternehmen. Außerdem haben

wir vor, unsere Städtepartnerschaften, die

wir weltweit pflegen, wesentlich intensiver

auch für außenwirtschaftliche Kooperationen

zu nutzen.

W+M: Wie wirken sich die Ukraine-Krise

und die in diesem Zusammenhang verhängten

Wirtschaftssanktionen gegen Russland

auf Unternehmen in Berlin aus?

Michael Müller: Mir sagen einige Unternehmer,

dass ihr Exportvolumen nach Russland

zurückgegangen ist. Das hängt aber wohl

nicht in erster Linie mit der Ukraine-Krise

zusammen, sondern eher mit der insgesamt

schwächelnden Wirtschaft in Russland.

Nach meiner Kenntnis ist aber kein Berliner

Unternehmen existentiell betroffen, wir

haben keine diesbezüglichen Alarmmeldungen

erhalten.

W+M: Mit welchen Argumenten holen Sie

ausländische Investoren in die Hauptstadt?

Michael Müller: Die hohe Lebensqualität

bei vergleichbar moderaten Preisen ist ein

wichtiger Standortvorteil. Qualifizierte

Fachleute, die zu uns kommen, leben ausgesprochen

gern in Berlin. Weil sie ein großartiges

Bildungs-, Kultur- und Grünflächen-

Foto: W+M


Interview W+M Exklusiv |

11

Fotos: W+M

angebot vorfinden und sich das Leben hier

obendrein auch noch leisten können. Der

zweite Vorteil gegenüber allen anderen gewachsenen

Millionenmetropolen ist, dass

wir noch freie Gewerbeflächen mitten in

der Stadt haben. Wir haben den CleanTech

Business Park in Marzahn, wir haben große

Technologieparks in Adlershof, Buch und

perspektivisch auch in Tegel. Dazu kommt

noch die Lage Berlins in Deutschland und

Europa – als Schnittstelle zwischen Ost

und West. Das macht Berlin schon sehr attraktiv.

W+M: Können Sie einschätzen, wie gut Direktinvestoren

betreut werden, wenn sie

nach Berlin kommen?

Michael Müller: Ich muss offen sagen, da

höre ich unterschiedliche Dinge. Ich spreche

mit vielen Unternehmern, die sehr begeistert

sind von unseren Wirtschaftsfördereinrichtungen,

unserer Investitionsbank

und den Ansprechpartnern in der Verwaltung.

Andere wiederum sagen mir, dass

es mitunter in Berlin undurchsichtig und

schwerfällig ist, gerade durch die zweistufige

Verwaltung mit Landes- und Bezirksebene

auf engem Raum. Insofern sage ich

selbstkritisch: Ich freue mich über unsere

Entwicklung, aber wir lehnen uns nicht

zurück. Wir müssen in der direkten

Ansprache und den Entscheidungsabläufen

auch weiterhin besser werden

– im Sinne der Unternehmen.

Berlins Regierender

Bürgermeister

Michael Müller (SPD).

W+M: Welche ausländische Ansiedlung

oder Investition aus jüngerer Vergangenheit

hat für Berlin ganz besondere Bedeutung?

Michael Müller: Das ist sicher Cisco Systems.

Weil das Unternehmen einen Namen

hat, der weltweit bekannt ist. Dass sich Cisco

Systems entschieden hat, sich nun auch

in Berlin ein starkes Standbein zu schaffen,

war ein wichtiger Schritt nach vorn,

auch für den EUREF-Campus in Schöneberg.

Cisco löst mit seinem Bekenntnis zu

Berlin neue Entwicklungen und Ansiedlungen

vor Ort aus. Aber zum Beispiel auch die

umfassenden Investitionen von Mercedes

und BMW in die Produktion und den Standort

sind toll.

W+M: Berlin ist heute schon in der Welt zu

Hause. Welche Attribute oder Produkte fallen

Ihnen hierzu spontan ein, um diese These

zu stützen?

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller

mit W+M-Herausgeber Frank Nehring (r.) und

W+M-Chefredakteur Karsten Hintzmann (l.).

Michael Müller: Unsere Geschichte. Berlin

als authentischen Ort europäischer Geschichte

mit den guten wie schlechten Seiten

zu erleben, ist für viele Menschen im

Ausland ein Anziehungspunkt. Mit den guten

wie schlechten Seiten.

Man will wissen, wo das

Haus der Wannsee-

Konferenz steht

und man will das

Holocaust-Mahnmal

besuchen.

Aber man will

auch sehen, wo die

Mauer gefallen

ist. Unsere

Geschichte spielt für Ansiedlungen und

kreative Köpfe eine große Rolle – die Kultur,

die exzellente und traditionsreiche Wissenschaft

mit großen Köpfen und Nobelpreisträgern

aus dem vorigen Jahrhundert. Denken

Sie nur an die Charité. Dazu kommen die

vielen Aspekte, die wir zum Teil schon angesprochen

haben – Bezahlbarkeit des täglichen

Lebens, Offenheit, Liberalität, Internationalität,

das multikulturelle und multireligiöse

Berlin. Das alles sind Dinge, die in

der Welt durchaus wahrgenommen werden

und die anziehen.

Interview: Karsten Hintzmann

und Frank Nehring

www.WundM.info


12 | W+M Exklusiv Blick auf die Region

Wirtschaftsstandort Berlin

1 Berlin Partner für Wirtschaft

und Technologie GmbH

(SEITE 3)

2 Air Berlin PLC & Co.

Luftverkehrs KG (SEITE 4)

3 B. Braun Melsungen AG

(SEITE 4)

4 Stromnetz Berlin GmbH

(SEITE 5)

5 Bombardier

Transportation GmbH (SEITE 6)

6 Alstom Transport

Deutschland (SEITE 6)

7 BERLIN-CHEMIE AG (SEITE 7)

8 OSRAM Licht AG (SEITE 8)

9 Pfizer Deutschland GmbH

(SEITE 8)

e Senatskanzlei des

Landes Berlin (SEITE 10)

r BMW Group Werk Berlin

(SEITE 15)

t PSI AG (SEITE 15)

y Siemens AG (SEITE 16)

u Finetech GmbH & Co. KG

(SEITE 16)

i ALBA Group plc & Co. KG

(SEITE 17)

o OTB GmbH & Co. KG (SEITE 18)

p A·P·E Angewandte Physik &

Elektronik GmbH (SEITE 18)

a Daimler AG/Mercedes-Benz

Werk Berlin (SEITE 19)

s Scansonic MI GmbH (SEITE 20)

q Bayer Pharma AG (SEITE 9)

w Cisco Systems GmbH (SEITE 9)

d Knorr-Bremse AG (SEITE 20)

Flughafen


Berlin im Überblick W+M Exklusiv |

13

6

r

Berlin-Tegel

8

y y

2

y

1

iw

q

t

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9

5u

s

4

y

p

o

d

a

3

7

Berlin-Schönefeld

© GeoBasis - DE / BKG 2015

www.WundM.info


14 | W+M Exklusiv Report Außenhandel

Berlins Unternehmen profitieren

vom internationalen Ansehen der Stadt

Berlins außenwirtschaftliche Verflechtungen

sind vielfältig und dynamisch.

Im Vergleich von 2013 zu

2014 legten die Einfuhren aus den zehn bedeutendsten

Herkunftsländern sowie die

Ausfuhren in die wichtigsten Zielländer warenmäßig

um 584 Millionen Euro zu. Insgesamt

wurden 2014 Waren im Wert von 13,3

Milliarden Euro exportiert.

Die USA waren auch im vergangenen Jahr

der wichtigste Handelspartner für Berlin:

Trotz deutlich rückläufiger Einfuhren hielten

sich sowohl die Importe als auch die Exporte

2014 auf einem hohen Niveau. Innerhalb

eines Jahres stieg der Warenwert der

Exporte in die USA um über dreizehn Prozent.

Diese positive Entwicklung ist unter

anderem auf Zuwächse der Ausfuhren bei

Exportschlager: Motorräder aus dem Berliner BMW-Werk.

Nahrungs- und Futtermitteln sowie Schienenfahrzeugen

zurückzuführen.

Mit einer Steigerungsrate im dreistelligen

Bereich sticht jedoch ein Produkt heraus,

das dem Kenner der Berliner Wirtschaft

womöglich nicht direkt als Exportschlager

in den Sinn kommt: Mit einem Zuwachs von

270 Prozent – auf Basis der Zahlen aus dem

Jahr 2010 – wurden im vergangenen Jahr

Möbel im Wert von über 62 Millionen Euro

in die USA exportiert.

Die Liste der exportstärksten Waren führen

jedoch nach wie vor pharmazeutische

Erzeugnisse an. Berlins Exportstärke in

diesem Bereich ist nicht verwunderlich,

schließlich sind weltweit führende Pharmakonzerne

in der Hauptstadt vertreten.

In der Berliner Rangliste der wichtigsten

Exportländer nach hinten gerutscht ist

Russland: 2013 noch der viertwichtigste

Berliner Handelspartner, stand das Land

im vergangenen Jahr nur noch auf Platz sieben.

Hier haben der Ukraine-Konflikt und

die in diesem Zusammenhang verhängten

Sanktionen Spuren hinterlassen. Tschechien

hingegen schaffte es 2014 in die Top 10

der bedeutendsten Handelspartner Berlins

und belegt vorerst den zehnten Rang. Innerhalb

einer Dekade ist das tschechische

Bruttoinlandsprodukt um 61 Prozent gestiegen.

Mit diesem rasanten Wachstum

im Rücken dürfte sich Tschechien zukünftig

zu einem interessanten Exportmarkt für

Berliner Waren entwickeln.

Ungeachtet der positiven Entwicklung bei

den Exporten, hat die Berliner Wirtschaft

hinsichtlich ihrer außenwirtschaftlichen Aktivitäten

noch Steigerungspotenzial. Denn

im Vergleich der Bundesländer ist die Hauptstadt

mit einer Exportquote von aktuell 13

Prozent seit 2008 im Besitz der roten Laterne.

Das Wiedererstarken der Industrie sowie

die sich rasant entwickelnde Start-up-

Branche lassen hoffen, dass Berlin auf diesem

Feld aufholt und sich mittelfristig

ins deutsche Exportmittelfeld begibt,

das bei Exportquoten zwischen 30

und 40 Prozent verortet ist.

Stefan Franzke, Geschäftsführer

der Fördergesellschaft Berlin Partner

für Wirtschaft und Technologie,

glaubt an den Aufschwung, schließlich

genieße die Stadt ein hohes internationales

Ansehen. Er und sein

Team arbeiten engagiert daran,

die Reputation der deutschen

Metropole weiter auszubauen.

In den vergangenen vier

Monaten präsentierte Berlin

Partner gemeinsam mit dem

Tourismusförderer visitBerlin

eigene Berlin-Läden mit 21 Berliner

Marken und Start-ups in fünf

europäischen Metropolen. W+M

Foto: BMW Group


Außenhandel – Firmenporträts W+M Exklusiv |

15

Siemens AG

Schlüsseltechnik für die Energiewende

Moderne Produktion im Berliner Siemens-Gasturbinenwerk.

Siemens ist mit rund 11.500 Mitarbeitern

das größte Industrieunternehmen

Berlins und gleichzeitig weltweit

größter Produktionsstandort von Siemens.

In Berlin arbeiten 80 Prozent der Mitarbeiter

in Fertigung, Service oder Engineering,

20 Prozent in Verwaltung und Vertrieb.

Rund 1.100 Mitarbeiter sind in Forschungsund

Entwicklungsabteilungen tätig.

Die sechs Berliner Siemens-Werke – vier

in Siemensstadt und je eins in Moabit und

Treptow – stellten im vergangenen Jahr

Produkte und Systeme mit einem Gesamtvolumen

von 2,4 Milliarden Euro her. Etwa

90 Prozent der Güter gehen in den Export.

Davon profitiert auch die Region, denn Siemens

kauft hier jährlich für rund 600 Millionen

Euro Waren und Dienstleistungen ein.

Gut 320 Millionen Euro investierte Siemens

2014 in seine Berliner Standorte, die Hälfte

davon in Forschung und Entwicklung.

Siemens produziert in Berlin

Schlüsseltechnik für die Energiewende.

Neben Schaltanlagen

für den Energietransport

werden auch Schutzgeräte

und Leittechnik für Schaltanlagen

hergestellt, die in intelligenten

Netzen, den sogenannten

Smart Grids, unverzichtbar

sind. Sie überwachen und regeln

die Netzstabilität, wenn

aus regenerativen und fossilen

Quellen zunehmend dezentral

eingespeist wird.

In Berlin befindet sich das größte Ausbildungszentrum

von Siemens in Deutschland:

Mehr als 1.200 Auszubildende und Studierende

erhalten in 18 Berufen ihre technische

und kaufmännische Ausbildung oder

erwerben in drei dualen Studiengängen einen

Abschluss zum Bachelor in Elektrotechnik,

Maschinenbau beziehungsweise Business

Administration. www.siemens.com

Finetech GmbH & Co. KG

Führend bei hochpräzisen Bondsystemen

Fotos: Siemens AG (oben), Finetech GmbH & Co. KG (unten)

Finetech-Spezialisten bei ihrer Entwicklungsarbeit.

Das 1992 in Berlin gegründete Unternehmen

ist ein führender Hersteller

von SMD-Reparatursystemen und

Weltmarktführer für hochpräzise Bondsysteme.

Bondsysteme dienen der hochgenauen

Montage von elektrischen oder optischen

Bauteilen auf Substraten mit Hilfe

unterschiedlicher Aufbau- und Verbindungstechnologien.

Unter dem Markennamen

FINEPLACER® bietet

Finetech manuelle

und vollautomatisierte

Maschinenlösungen

mit einer Platziergenauigkeit

bis ± 0,5 Mikrometern,

die eine Vielzahl aktueller

Aufbau- und Verbindungstechnologien

unterstützen. Sie werden

in der Forschung, für

Produktentwicklung und

Prototyping, in automatisierten

High-Mix-Produktionsumgebungen

sowie für die professionelle

Baugruppenreparatur eingesetzt.

Alle FINEPLACER®-Systeme werden vollständig

in Berlin und Dresden entwickelt

und im modernen Produktions- und Entwicklungszentrum

in Berlin-Marzahn nach

ISO-9001-Qualitätsstandards gefertigt.

Als weltweit agierendes Unternehmen ist

Finetech stark exportorientiert aufgestellt.

Der Hauptumsatz wird dabei mit je rund 30

Prozent in Europa, Asien und Nordamerika

erzielt. Finetech ist in wichtigen Märkten

mit eigenen Niederlassungen vertreten. Regionale

Sales- und Service-Standorte befinden

sich in den USA sowie China, Japan und

Malaysia. Aktuell arbeiten rund 140 Mitarbeiter

auf drei Kontinenten für das Unternehmen.

Zu den namhaften Kunden zählen

Google, Ericsson, Huawei, Flextronics oder

Rhode & Schwarz. www.finetech.de

www.WundM.info


16 | W+M Exklusiv Außenhandel

BMW Group Werk Berlin

Alle 72 Sekunden ein Motorrad

Seit 1969 ist der Berliner Standort

Stammwerk für BMW-Motorräder

und blickt damit auf mehr als 45 Jahre

Produktionshistorie zurück: Bis heute

verließen über 2,74 Millionen Zweiräder

die Produktionshallen im Berliner Bezirk

Spandau. 2014 erreichte das Werk eine Rekordjahresproduktion

von über 125.000

Fahrzeugen. In Spitzenzeiten rollt quasi alle

72 Sekunden ein Motorrad vom Band, insgesamt

sind es bis zu 680 Einheiten am Tag.

Der Berliner Betrieb ist das weltweit einzige

sogenannte Vollwerk der BMW Group

für Motorräder, Scooter und Komponenten.

Innerhalb des internationalen Produktionsnetzwerkes

mit den Montagewerken

in Brasilien und Thailand agiert der Standort

Berlin als Leitwerk und bildet so das

Rückgrat der Motorradproduktion.

Seinen ersten Härtetest erwartet ein neues

BMW-Motorrad auf dem Rollenprüfstand.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte investierte

BMW bereits hunderte Millionen

Euro in das Berliner Werk. Erst vor wenigen

Monaten erfolgte eine neue Investitionsankündigung:

Die BMW Group wird in

den nächsten Jahren 100 Millionen Euro

für die Erweiterung des Produktionsvolumens

und den Aufbau ihres weltweit modernsten

Logistikzentrums in Berlin ausgeben.

Derzeit produzieren etwa 2.000 Mitarbeiter

23 unterschiedliche Motorradmodelle in

über 40 Farben und 300 Sonderausstattungen,

die in mehr als 130 Länder der Erde

verkauft werden. In der PKW-Komponentenfertigung

stellen 170 Mitarbeiter jährlich

rund sechs Millionen Bremsscheiben

für Automobile der BMW Group her.


www.bmw-werk-berlin.de

PSI AG

Softwareexperten für Prozesssteuerung

Der PSI-Konzern entwickelt und integriert

auf der Basis eigener Softwareprodukte

Lösungen und komplette

Systeme für Energieversorger, Industrieunternehmen

und Infrastrukturbetreiber.

PSI zählt in Europa zu den führenden

unabhängigen Lösungsanbietern

für die Prozesssteuerung

und die Überwachung komplexer

Netzinfrastrukturen bei

Energieversorgern in den Sparten

Strom, Gas, Öl, Wärme und

Wasser. In den Bereichen Rohstoffgewinnung,

Metallerzeugung,

Automotive, Maschinenbau

und Logistik stellen Branchenlösungen

des Berliner Unternehmens

die optimale Unterstützung

unternehmensübergreifender

Produktionsprozesse sicher. Darüber hinaus

sorgen leittechnische Anwendungen

der PSI für die optimierte Prozesssteuerung

bei Unternehmen und Organisationen aus

den Bereichen Verkehr und Sicherheit.

Moderne Prozesssteuerung und Überwachung aus dem Hause PSI.

In enger Zusammenarbeit mit branchenführenden

Pilotkunden investiert PSI kontinuierlich

in Produktinnovationen und die

Weiterentwicklung der bestehenden Softwareprodukte.

Der Konzern pflegt enge

Partnerschaften mit international

führenden Anbietern von

IT-Basistechnologien und ist seit

1994 nach ISO 9001 zertifiziert.

PSI wurde 1969 in Berlin gegründet

und beschäftigt heute 1.700

Mitarbeiter an elf deutschen und

19 internationalen Standorten in

Europa, Asien und Nordamerika.

Im Geschäftsjahr 2014 erzielte

der Konzern einen Umsatz von

175,4 Millionen Euro. Die PSI AG

ist im Prime Standard der Deutschen

Börse notiert.

www.psi.de

Fotos: BMW Group (oben), PSI AG (unten)


Firmenporträts W+M Exklusiv |

17

ALBA Group plc & Co. KG

Berliner Recycling-Know-how

ist weltweit gefragt

Fotos: ALBA Group

Die ALBA Group zählt mit einem jährlichen

Umsatzvolumen von rund 2,45

Milliarden Euro und etwa 8.000 Mitarbeitern

zu den führenden Unternehmensgruppen

für Recyclingdienstleistungen und

Rohstoffversorgung weltweit. Unter den

Marken ALBA und Interseroh vereint die

ALBA Group etwa 200 Tochter- und Beteiligungsunternehmen

in Deutschland, Europa,

den USA und Asien.

Das inhabergeführte Unternehmen ALBA

wurde 1968 vom Bauingenieur und Recyclingpionier

Franz Josef Schweitzer in Berlin

gegründet und wird heute von dessen

Söhnen Dr. Axel und Dr. Eric Schweitzer geführt.

Die Geschäftsidee der ALBA Group,

die ihren Hauptsitz noch heute in Berlin hat,

basiert auf den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft:

Die Unternehmensgruppe setzt

sich dafür ein, Abfall langfristig als eine der

wichtigsten Rohstoffquellen für die industrielle

Produktion zu erschließen und immer

mehr Rohstoffe zu erfassen, wiederzugewinnen,

zu veredeln und zu handeln.

Jedes Jahr vermarktet die ALBA Group

rund acht Millionen Tonnen Rohstoffe. Damit

trägt sie maßgeblich dazu bei, die produzierende

Industrie unabhängiger von fossilen

Ressourcen und Importen zu machen.

Familienunternehmer: Axel (l.) und Eric Schweitzer.

Wertstoffsortierung bei ALBA in Berlin-Mahlsdorf.

Darüber hinaus deckt die ALBA Group die

gesamte Bandbreite an Umweltdienstleistungen

entlang der Entsorgungs- und Wiederverwertungskette

ab – von der Abfallmanagement-Beratung

und Verpackungslizenzierung

über zuverlässige Recyclinglösungen

und moderne Sortiertechnologien

bis hin zu passgenauen Logistikkonzepten

und innovativer Produktentwicklung.

Mit ihren Recyclingaktivitäten leistet die

ALBA Group einen signifikanten

Beitrag zum Klimaschutz.

Das Institut Fraunhofer

UMSICHT kommt

in einer aktuellen Studie

zu dem Ergebnis, dass die

ALBA Group im Jahr 2013

rund 51 Millionen Tonnen

Primärrohstoffe und über

sieben Millionen Tonnen

Treibhausgase im Vergleich

zur Primärproduktion eingespart

hat. Um eine ähnlich

hohe Menge an Treibhausgasen

zu binden, bräuchte es einen

Mischwald von der Größe Südtirols.

Durch ihre jahrelange Erfahrung und das

damit verbundene technische Know-how

trägt die ALBA Group nicht unerheblich zur

Technologieführerschaft Deutschlands im

Umweltbereich bei. Ihre Expertise erlebt

derzeit eine enorme internationale Nachfrage

– vor allem aus Ländern wie China,

die eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft

auf technisch hohem Niveau aufbauen

wollen. Der Bedarf an Umweltlösungen ist

enorm: Über 70 Prozent der Siedlungsabfälle

werden in China unbehandelt deponiert

und die Abfallmenge steigt rasant. Die

ALBA Group kann dafür Lösungen anbieten

– zum Beispiel die so genannte „Grüne

Kohle-Techologie“. Diese wandelt Restabfälle

in Ersatzbrennstoff um, der wiederum

in Kraftwerken zum Einsatz kommt. Mit

„Green Fuel”, einem Projekt zum Bau mehrerer

Siedlungsabfall-Behandlungsanlagen

in verschiedenen Landesteilen, und einem

Elektroschrott-Recycling-Projekt in Hongkong

sind unlängst zwei Großprojekte der

ALBA Group in China gestartet. Seit 2011 ist

die ALBA Group auch verstärkt im Bereich

der Recycling-Beratung und des technologischen

Projektmanagements tätig. Darüber

hinaus ist sie im Segment des Rohstoffhandels

der größte Exporteur von Metallen

aus Europa nach Asien. www.alba.info

www.WundM.info


18 | W+M Exklusiv Außenhandel

OTB GmbH & Co. KG

Orthopädietechnik für ein autarkes Leben

Mit 50 Fachgeschäften und Werkstätten

in vier Bundesländern und

500 Mitarbeitern ist OTB heute

einer der größten Dienstleister der Gesundheits-

und Hilfsmittelbranche. Offiziell

gegründet wurde die Firma „Orthopädie-Technik

Berlin“ 1964 – als Werkstätten

des städtischen Gesundheits- und Sozialwesens.

Bereits in jener Zeit beteiligte sich

das Unternehmen an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten

zur Verbesserung der

Orthopädietechnik und Orthopädieschuhtechnik

im damaligen Ostblock.

OTB engagiert sich in den Bereichen Sanitätsfachhandel,

Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik,

Standard-Rehatechnik,

Aktiv-Rehatechnik und HomeCare. Bei ihrer

Arbeit werden die OTB-Mitarbeiter täglich

mit dem Wunsch ihrer Kunden konfrontiert,

ein weitgehend selbstbestimmtes

Leben zu führen. Deshalb hat sich OTB

der „Ermündigung zum selbstbestimmten

Wohnen“ verschrieben und – gemeinsam

mit über 50 Partnern aus Forschung, Industrie

und Dienstleistungssektor – im Bezirk

Marzahn eine Musterwohnung eingerichtet.

Auf über 140 Quadratmetern sind hunderte

intelligenter Lösungen zu sehen und

auszuprobieren, die das Leben in den eigenen

vier Wänden komfortabler, sicherer

und im Idealfall autark machen. Geschäftsführer

Thiago da Silva: „OTB bietet ein breites

Spektrum an Dienstleistungen und Produkten

in den verschiedensten Fachbereichen.

So lösen wir nahezu jegliche Herausforderung,

die eine Behinderung mit sich

bringt.“

OTB hat Kunden in aller Welt, unter anderem

in den Arabischen Emiraten, Polen,

Russland und den USA. www.otb.info

Bei OTB wird mit hoher Präzision gearbeitet.

A·P·E Angewandte Physik & Elektronik GmbH

Hightech-Experten

für ultrakurze Laserpulse

Blick in ein Laserlabor des Unternehmens.

Das mittelständische Hightech-Unternehmen

mit Sitz in Berlin-Hohenschönhausen

ist ein weltweit

operierender Entwickler und Hersteller

von Geräten für die automatisierte Erzeugung

von ultrakurzen Laserpulsen mit weit

durchstimmbaren Wellenlängen sowie Instrumenten

zum Messen und Manipulieren

dieser Pulse. Die Firma ist internationaler

Marktführer im Bereich der optisch

parametrischen Oszillatoren und der Diagnostik

von ultrakurzen Laserpulsen, aber

auch entsprechendem Zubehör wie Pulspickern

und akustooptischen Geräten zur

Frequenzvervielfachung.

Geräte von A·P·E werden weltweit eingesetzt.

Man findet sie in nahezu allen namhaften

Instituten und Forschungseinrichtungen,

hauptsächlich in den Bereichen Grundlagenforschung

der Physik, Chemie, Biologie und

Medizin. Mehr und mehr werden A·P·E-Geräte

aber auch in der Industrie und für medizinische

Anwendungen genutzt.

Das Unternehmen wurde 1992 von Thomas

Lindemann, Jan Popien und Edlef Büttner

gegründet, die zuvor an der Akademie der

Wissenschaften in Berlin geforscht hatten.

Seither befindet sich die Firma, die

auf Hochgeschwindigkeits-Lasertechnologie-Anwendungen

spezialisiert ist, auf einem

gesunden Wachstumskurs. Die rund 70

Mitarbeiter erwirtschaften pro Jahr einen

Umsatz in Höhe von sieben Millionen Euro.

25 Prozent des Umsatzes werden auf dem

heimischen Markt, weitere 25 Prozent im

europäischen Ausland, 30 Prozent in den

USA und Kanada sowie 20 Prozent in Asien

generiert. www.ape-berlin.de

Fotos: OTB GmbH & Co. KG (oben), APE GmbH (unten)


Firmenporträts W+M Exklusiv | 19

Daimler AG/Mercedes-Benz Werk Berlin

Innovative Motorensteuerung aus Marienfelde

Fotos: Daimler AG

Das Berliner Mercedes-Benz-Werk aus der Vogelperspektive.

Fertigung der CAMTRONIC im Werk Berlin.

Im Jahr 1902 gegründet, ist das Mercedes-Benz-Werk

Berlin der älteste, produzierende

Standort im Daimler-Konzern

und mit knapp 2.600 Mitarbeitern einer der

wichtigsten industriellen Arbeitgeber in der

Region Berlin-Brandenburg. Das Werk liegt

nahe der südlichen Stadtgrenze Berlins in einem

Industriegebiet und umfasst eine Gesamtfläche

von 502.000 Quadratmetern. Es

verfügt über ein eigenes Lieferanten- und

Logistikzentrum, von dem aus eingehende

Produktionsmaterialien bedarfsgerecht an

die Fertigungsbereiche verteilt und Produkte

des Werkes für den Versand zum Kunden

zusammengestellt werden.

Der Programmschwerpunkt am Standort

liegt in der Entwicklung und Produktion

von hochmodernen und mit umweltfreundlichen

Fertigungstechnologien hergestellten

Hightech-Komponenten und Teilen. Diese

leisten einen maßgeblichen Beitrag zur

Kohlendioxyd-Reduktion am Fahrzeug, allen

voran das variable Ventilverstellsystem

CAMTRONIC. Diese innovative Motorensteuerung

optimiert den Kraftstoffverbrauch

im häufig vorkommenden Teillastbereich

des Motors durch die Reduzierung

von Ladungswechselverlusten und senkt

so den CO 2 -Ausstoß im Motor. Kraftstoffsysteme,

Nockenwellen, Nockenwellenversteller,

Pumpen sowie Getriebekomponenten

für die kraftstoffsparenden, besonders

leistungsfähigen und geräuscharmen Automatikgetriebe

von Mercedes-Benz, runden

die innovative Produktpalette ab. Mit

der Fertigung des V6-Dieselmotors als Blue

EFFICIENCY- und BlueTEC-Variante stammt

zudem einer der saubersten und innovativsten

Motoren seiner Klasse aus dem

Werk in Berlin.

Um eine Vorstellung von der Größenordnung

der Produktion am Standort Berlin

zu erhalten, lohnt es

sich, auf ausgewählte

Stückzahlen zu schauen:

Im Jahr 2014 verließen

126.716 V6-Dieselmotoren,

2,5 Millionen

Pumpen, 45,7 Millionen

Motorsteuerungskomponenten,

32,9 Millionen

Getriebeteile sowie

3,7 Millionen Kraftstoffsysteme

das Werk.

Für das Mercedes-Benz-

Werk Berlin haben Maßnahmen

zur Reduzierung des Energieverbrauchs

und zur Verbesserung des Umweltschutzes

hohe Priorität. Im Rahmen des

Produktionsprozesses wird kontinuierlich

auf den sparsamen Einsatz von Ressourcen

und Energie geachtet. Seit 1997 erfolgt

die unabhängige Auditierung des Standorts

nach der Öko-Audit-Verordnung EMAS und

zusätzlich seit 1999 die Zertifizierung des

Umweltmanagements nach DIN EN ISO

14001. Vor vier Jahren wurde in das Managementsystem

des Werkes zudem das

Energiemanagement nach DIN EN 16001 integriert,

welches 2012 durch die ISO-Norm

50001 ersetzt wurde.

Das Mercedes-Benz-Werk Berlin ist einer

von 13 Bündnispartnern, die sich gemeinsam

mit der Stadt Berlin im Oktober 2008

zum „Klimabündnis Berlin“ zusammengeschlossen

haben, mit dem Ziel, die Kohlendioxyd-Emissionen

von 1990 bis 2020 um

mehr als 40 Prozent zu reduzieren.

www.daimler.com

www.WundM.info


20 | W+M Exklusiv Außenhandel – Firmenporträts

Scansonic MI GmbH

Patent im präzisen Laserschweißen

Die Scansonic MI GmbH mit Sitz in Berlin

entwickelt und produziert Systemtechnik

für das automatisierte

Fügen in modernen Fertigungsprozessen.

Patentiertes Verfahren zum nahtgeführten Laserschweißen

im Karosseriebau.

Seit der Gründung im Jahr 2000 konnte das

Unternehmen ein kontinuierliches Wachstum

verzeichnen. Durch eine starke Kundenorientierung

und Innovationskraft wuchs

Scansonic MI allein in den letzten fünf

Jahren um durchschnittlich 30 Prozent

jährlich und beschäftigt aktuell

rund 160 Mitarbeiter.

Mit innovativen Verfahren erweitert

das Unternehmen die Grenzen des

technisch Machbaren und erschließt

den Kunden die Vorteile der Laserund

Lichtbogentechnologie. Das patentierte

Verfahren zum „taktil nahtgeführten

Laserschweißen und -löten“

setzt im Karosseriebau der Automobilindustrie

den weltweiten

Standard. Lösungen zum Remote-Laserschweißen,

Laserhärten sowie zur Prozessüberwachung

und -regelung steigern

in verschiedensten Branchen die Effizienz,

Präzision und Qualität in der Fertigung.

Im unternehmenseigenen Applikationszentrum

können Kunden individuelle Verfahrensuntersuchungen

zum Fügen neuer

Werkstoffe und Bauteile durchführen.

Mit dem Umzug des Unternehmens an den

neuen Standort in Berlin-Marzahn zum Jahresende

2015 wird sich die Fläche des Applikationszentrums

und der Produktion mehr

als verdoppeln. Für eine optimale Kundenbetreuung

sind die Vertriebs- und Servicepartner

der Scansonic IPT GmbH und

ABICOR BINZEL weltweit mit mehr als 100

Fachexperten im Einsatz.


www.scansonic.de

Knorr-Bremse AG

Sicherheit für eine Milliarde Menschen

Der aufwendig restaurierte Sitz der Knorr-Bremse AG in Berlin.

Im Jahr 1905 wurde in Berlin die

Firma Knorr-Bremse vom Ingenieur

und Erfinder Georg Knorr

mit der Unterzeichnung des Gesellschaftervertrages

aus der Taufe

gehoben. Somit sind die Bremssysteme,

auf deren Sicherheit sich

über eine Milliarde Menschen täglich

überall in der Welt verlassen, ein

Urberliner Produkt.

Zur Produktion von Druckluftbremsen

für Schienenfahrzeuge kam

1923 das Geschäftsfeld Druckluftbremsen

für Nutzfahrzeuge hinzu. Gegen

Ende der 1920er Jahre war das Unternehmen

bereits zum größten Bremsenhersteller

Europas aufgestiegen. Nach dem Zweiten

Weltkrieg folgte zunächst die Demontage

des in Berlin gelegenen Stammwerkes.

Die Entwicklung und Fertigung von Bremsen

wurde im westlichen Teil Deutschlands

wieder aufgenommen. Am Standort München

befinden sich seither Stammwerk und

Hauptsitz des Unternehmens.

Nach der Wende kehrte die Knorr-Bremse

zu ihren Berliner Wurzeln zurück. Am traditionsreichen

Standort in Marzahn-Hellersdorf

werden Bremsscheiben

und Bremssteuerungen

für Schienenfahrzeugbremssysteme

in aufwendig rekonstruierten

Produktionshallen

hergestellt.

Die seit 2004 ebenfalls wieder

in Marzahn produzierende

Hasse & Wrede GmbH, eine

hundertprozentige Tochter

des Knorr-Bremse-Konzerns,

stellt dort Drehschwingungsdämpfer

für Dieselmotoren in

Nutzfahrzeugen her.

Knorr-Bremse beschäftigt in Berlin derzeit

rund 700 Mitarbeiter, Hasse & Wrede 187.

Seit Januar 2014 gehört auch die PCS Power

Converter Solutions GmbH Berlin mit

293 Mitarbeitern zum Konzern.


www.knorr-bremse.de

Fotos: Scansonic Holding SE (oben), Knorr-Bremse AG (unten)


Zukunftsmarkt W+M Exklusiv |

21

Exportmarkt Frankreich

Luft- und Raumfahrtindustrie bleibt Zugpferd

Das Wahrzeichen von Paris: der Eiffelturm.

ter dem Titel „nachhaltige Stadt“

erhalten vor allem Wasserver- und

Abwasserentsorgung sowie intelligente

Netze und Energiespeicherung

besondere Förderung. Das

Programm „Neue Ressourcen“

betont pflanzenbasierte Rohstoffe

und Recycling, auch mit Blick

auf neue Materialien. Das Inkrafttreten

zweier Dekrete zur Bodensanierung

im Sommer 2015 wird

diesem Bereich voraussichtlich erhöhte

Aufmerksamkeit bringen.

Energietechnik

Foto: Bildpixel/pixelio.de

Frankreich ist die fünftgrößte Volkswirtschaft

der Welt und gilt neben

Deutschland als wichtigstes Industrieland

in Europa. Die Wirtschaft gilt als

relativ breit aufgestellt und durchschnittlich

abhängig von Außenhandel und Finanzmärkten.

Die Regierung nimmt zum Teil erheblich

Einfluss auf die französische Wirtschaft.

Maschinen- und Anlagenbau

Frankreichs Maschinenbau profitiert von

der sich aufhellenden Konjunktur in wichtigen

Abnehmerbranchen wie der Automobilindustrie.

Für das Jahr 2014 verzeichnet

der Dachverband FIM ein Umsatzwachstum

von 1,7 Prozent. Das im April 2015 aus

der Taufe gehobene Programm „Industrie

du Futur” bündelt die Anstrengungen zur

Modernisierung des Produktionsapparates

in Anlehnung an das deutsche Konzept Industrie

4.0. Die Sensibilisierung vor allem

kleinerer Unternehmen sowie die finanzielle

Förderung dürften die Nachfrage nach

Maschinen und Ausrüstungen, aber auch

nach produktionsrelevanter IT in den nächsten

Jahren erhöhen.

Kfz-Industrie

Nach mehreren Jahren sinkender Verkaufszahlen

ist der Absatz von Kfz in Frankreich

2014 geringfügig um 0,2 Prozent angestiegen.

Für 2015 gehen Prognosen von einer

deutlicheren Steigerung um drei bis fünf

Prozent aus. Erholung zeigt sich auch beim

Lkw-Absatz, der 2015 um acht Prozent auf

rund 41.000 Fahrzeuge steigen dürfte. Die

erhöhte Förderung mit Bonuszahlungen von

bis zu 10.000 Euro beim Kauf eines Neuwagens

hat den Absatz von Elektroautos

im Zeitraum Januar bis April 2015 gegenüber

2014 um 95 Prozent ansteigen lassen.

Umwelttechnik

Zwei der zehn im Mai 2015 vorgestellten

Prioritäten zur industriellen Entwicklung

betreffen den Bereich Umwelttechnik. Un-

Nach einigen Jahren rückläufiger

Zahlen vergrößerte sich der

Zubau an neuen Kapazitäten für

die Stromerzeugung aus Windkraft

und Solarenergie 2014 wieder

deutlich. Ursächlich waren die

Ausschreibung größerer Solarkraftwerke

und vereinfachte Genehmigungsverfahren.

Insgesamt haben Erneuerbare Energien einen

Anteil von 16 Prozent an der Elektrizitätsproduktion,

wovon 13 Prozent auf das

Konto der Wasserkraft gehen.

Luft- und Raumfahrttechnik

Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist eines

der Zugpferde der französischen Wirtschaft.

Über zwölf Prozent der gesamten

Exporte Frankreichs kamen 2014 aus der

dynamischen Branche. Der gesamte Umsatz

erhöhte sich um 2,9 Prozent auf 50,7

Milliarden Euro. Noch deutlicher zulegen

konnten die Zulieferer mit einem Zuwachs

um sechs Prozent auf 16,5 Milliarden Euro.

Der Auftragsbestand blieb 2014 gegenüber

2013 mit rund 73 Milliarden Euro konstant

und sichert die Produktion für etwa fünf bis

sechs Jahre. Mit dem Produktionsstart der

neuen Airbusmodelle A350 und A320neo

werden sich die Fertigungsrhythmen 2015

weiter erhöhen.

W+M

www.WundM.info


22 | W+M Exklusiv Ratgeber

Verhaltensregeln für Verhandlungen in Frankreich

Bei Geschäftsessen fallen die wichtigen

Entscheidungen

Frankreich und Deutschland sind aufgrund

der intensiven politischen und

wirtschaftlichen Beziehungen eng

miteinander verwoben. Beide Länder haben

dennoch ein sehr eigenes kulturelles Profil,

was in Geschäftsverhandlungen manchmal

vergessen wird. Bei der ersten geschäftlichen

Begegnung schätzt der Franzose die

freundliche Konversation mehr als einen

schnörkellosen ergebnisorientierten Stil.

Höflichkeit, Etikette und Grußformeln haben

in Frankreich einen höheren Stellenwert

als in Deutschland. Eine leicht dahinplätschernde

Konversation kann eine recht

große Wirkung auf die weitere Entwicklung

der Beziehung haben. Loben Sie Frankreich.

Erzählen Sie, was Sie an Frankreich lieben

und machen Sie ein paar Scherze oder humorvolle

Bemerkungen. Ein immer dankbares

Thema ist der Hochgeschwindigkeitszug

TGV. Franzosen erwarten von ihrem deutschen

Counterpart aber auch Informatives

über sein Land, aus Politik und Wirtschaft

wie auch Kultur und Sport.

Die Kleiderordnung wird nicht so streng gehandhabt

wie in Deutschland, aber definitiv

ist ein gepflegtes Äußeres sehr wichtig.

Businesskleidung ist klassisch elegant und

konservativ mit dunklen Farben.

Die Terminplanung sollte rechtzeitig beginnen,

aber viel Raum für kurzfristige Änderungen

lassen. Franzosen neigen eher als

Deutsche zum Improvisieren. Der Schriftverkehr

kann mit den meisten Unternehmen

per E-Mail erfolgen, natürlich am besten

auf Französisch.

Feiertage und Ferien sind den Franzosen

heilig, niemand will dann geschäftliche Dinge

erledigen. Außer an Brückentagen können

auch freitags getrost Termine vereinbart

werden. Überaus beliebt sind Gesprächstermine

am Vormittag, die in ein

ausgiebiges Mittagessen übergehen. Das

Niveau des Restaurants kann durchaus als

Gradmesser für die Wertschätzung des

Gesprächs gewertet werden. Das eigentliche

Geschäft sollte zunächst aber im Hintergrund

stehen. Mit Franzosen gilt es, zunächst

eine emotionale Beziehung herzustellen,

erst dann ist eine sachliche Akzeptanz

möglich.

Das Geschäftsessen ist der Rahmen, in dem

in Frankreich sicherlich mit Abstand die

meisten wichtigen Entscheidungen getroffen

werden. Wie in vielen anderen Bereichen,

ist auch beim Essen alles umgekehrt

wie in Deutschland. Während in Deutschland

ein Geschäft mit einem Essen beendet

wird (man hat es sich schließlich verdient),

wird in Frankreich eine Geschäftsbeziehung

mit einem guten Essen begonnen.

Um Franzosen für ihr Verhandlungsziel zu

gewinnen, sollten deutsche Geschäftsleute

sympathisch wirken. Bezeichnenderweise

beurteilen die französischen Mitarbeiter

in Frankreich erfolgreiche deutsche Manager

mit den Worten: „Il est sympa!”. Sich zu

öffnen und als Mensch zeigen, bewirkt oft

Wunder. Franzosen ist ihre Muttersprache

sehr wichtig. Sie gilt als Schlüssel zum Verständnis

der Mentalität. Eine Verhandlung

auf Französisch zu führen, bringt enorm

viele Sympathiepunkte, ist aber eine große

Herausforderung, für die Schulfranzösisch

in keinem Fall ausreicht. Wenn es einem

deutschen Gesprächspartner gelingt,

Franzosen mit humorvollen Einlagen oder

Wortspielen zum Lachen zu bringen, ist das

Eis gebrochen.

W+M

Unbedingt beachten

l Bauen Sie persönliche Sympathie

auf, das ist entscheidender als die

Überzeugung durch Sachargumente.

l Gut dargestellte Leistungen der

Firma oder des Produktes sind

wichtiger als umfangreiche technische

Datensammlungen.

l Bestehen Sie nicht auf die Tagesordnung

– Franzosen greifen gern

spontan neue Themen auf und

fühlen sich gemaßregelt, wenn

dies abgeblockt wird.

l Denken Sie in Verhandlungen strategisch

– Ihr Gegenüber tut es

auch.

l Zeigen Sie Ihr Savoir-vivre bei einem

genussvollen Essen, bei der

Wahl von Speisen und Wein. Das

ist die Grundlage für die weiteren

Verhandlungen.

Foto: sldesign1/fotolia.com


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UNTERNEHMENSDELEGATION SIEBENBÜRGEN

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nach Siebenbürgen (Rumänien) ein.

Zeitraum: 11. - 15.4.2016

Standorte: Cluj-Napoca (Klausenburg), Târgu Mure s (Neumarkt am Mieresch) und Bra sov

(Kronstadt)

Programmpunkte: Fachbriefings, Kooperationsbörsen, Firmenbesuche, Networking-Empfänge

Anmeldeschluss: 14.03.2016

Die Kosten des Programms (exklusive Reisekosten) übernimmt Germany Trade & Invest.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bei Interesse treten Sie bitte mit uns in Kontakt.

www.powerhouse-eastern-germany.com/delegation-rumaenien-2016

Kontakt: Thomas Fabian

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