KulturFenster Nr. 03|2014 - Juni 2014
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Poste Italiane SpA – Sped. in a.p.<br />
-70% – NE BOLZANO – 65. Jahrgang<br />
<strong>Nr</strong>. 3 | JUNI | <strong>2014</strong><br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatplege in Südtirol<br />
Förderstopp der Landschaftspflege<br />
Singende Menschenkette für Europaregion Tirol<br />
Jugendarbeit in den Musikkapellen
• Geleitwort •<br />
Unser Grundkapital<br />
• Inhalt •<br />
• Heimatpflege<br />
Von Sparkursen und Sparfl ammen 3<br />
Vom Holzzaun bis zum Wegkreuz 4<br />
64. Jahreshauptversammlung des<br />
Heimatpfl egeverbandes 5<br />
Elektrifi zierung der Vinschger Bahn 6<br />
Erhalt historischer bäuerlicher Bausubstanz 7<br />
Brennerbasistunnel – Schluss mit<br />
Geheimniskrämerei 8<br />
Gefährdetes Glurns 9<br />
Vinschgau – ein Bezirk der Sonnenseite 10<br />
Katharinaberg: Wiederbelebung der<br />
„kurzbäurischen“ Tracht 12<br />
Gesamttiroler Maitanz in Steinegg 14<br />
Büchertisch 16<br />
• Chorwesen<br />
Südtiroler Jugendchortreff auf Schloss<br />
Maretsch 19<br />
Jugend singt <strong>2014</strong> in Algund 20<br />
Salzburger Passionssingen in Schlanders 21<br />
AGACH erinnert an Franz R. Miller 22<br />
Treffen der Männerchöre im<br />
Burggrafenamt-Vinschgau 23<br />
Musikprojekt ,,klaNg“ begeistert 24<br />
Konzertreihe ,,Choriosum X“ mit<br />
Erfolg abgeschlossen 25<br />
„Friedenskonzert“ des<br />
Völser Kirchenchores 26<br />
Große Chorkonzerte in Naturns<br />
und Schenna 27<br />
Anna Maria Staffl er seit 30 Jahren<br />
Chorleiterin 27<br />
Stimmgabel 28<br />
Spare in der Zeit, so hast du in der Not<br />
– ein Sprichwort, das vielen aus Kinderzeiten<br />
her vertraut ist. In Südtirol ist zwar<br />
nicht die große Not ausgebrochen, aber<br />
der Wind hat sich gedreht, die fetten Jahre<br />
sind vorbei, die mageren haben sich bereits<br />
angekündigt.<br />
Sparen heißt also das Losungswort – in<br />
vielen privaten Haushalten und auch in<br />
der öffentlichen Verwaltung. Aber es soll<br />
nicht dort die Sparaxt angesetzt werden,<br />
wo bereits ohnedies nur karge Kost verabreicht<br />
wurde. Wie beispielsweise beim<br />
Heimatpfl egeverband Südtirol. Landesrat<br />
Richard Theiner hat in einem Schreiben<br />
an die Geschäftsstelle mitgeteilt, dass die<br />
Beiträge im Bereich Landschaftspfl ege<br />
und Raumentwicklung vorderhand eingefroren<br />
werden. Betroffen sind Zuschüsse<br />
für traditionelle Holzzäune und Schindeldächer,<br />
Trockenmauern und bäuerliche<br />
Kleindenkmäler. Dem Förderstopp unterliegen<br />
weiters Projekte zur Erhaltung, Wiederherstellung<br />
oder Entwicklung der Vielfalt<br />
von Natur und Landschaft, zur Förderung<br />
von Arten- und Lebensraumschutz sowie<br />
für den Schutz von Ensembles. Der Obmann<br />
des Heimatpfl egeverbandes Peter<br />
Ortner ist irritiert und fragt sich, ob Heimatschutz<br />
nur ein Lippenbekenntnis sei<br />
oder ein fundamentales Anliegen der öffentlichen<br />
Hand. „Im Vergleich zu den<br />
Förderungen von Großprojekten sind die<br />
Beiträge für ehrenamtlich tätige Vereine<br />
gering“, so der Obmann. Mit Recht verweist<br />
er auf die beispielsweise Tausende<br />
von bäuerlichen Kleindenkmälern, die von<br />
Sachbearbeitern im Heimatpfl egeverband<br />
instand gehalten und saniert werden. Was<br />
werden die vom Förderstopp des Landes<br />
halten? Peter Ortner appelliert an die Landesregierung<br />
mit dem Hinweis, dass es<br />
sich lohne, in die vielen Natur- und Kulturgüter<br />
des Landes zu investieren, „denn<br />
sie sind unser Grundkapital“.<br />
Alfons Gruber<br />
• Blasmusik<br />
Den Musikkapellen hinter die Fassaden<br />
geschaut 33<br />
Grundlegende Aspekte der<br />
Jugendarbeit in MK erforscht 34<br />
Neue Homepage des VSM aktiv 36<br />
„Auftakt“ für JugendBlasOrchester Wipptal 36<br />
Nicht alltägliches Seminar im<br />
Bezirk Bozen 37<br />
Musik in Bewegung –<br />
Kurse in Meran und Bozen 38<br />
Stammtisch der Pusterer Kapellmeister 39<br />
„Pfeffersberger“ unter neuer Stabführung 40<br />
Frühjahrskonzert der Bürgerkapelle Brixen 41<br />
Osterkonzert der Musikkapelle Villnöß 42<br />
Josefi konzert der Bürgerkapelle<br />
St. Michael Eppan 43<br />
Frühjahrskonzeert der MK Naturns 43<br />
Anton „Toni“ Erlacher im Porträt 44<br />
Im Gedenken an Toni Kiem 45<br />
Mit Blasmusik durch die EU<br />
(Bulgarien, Ungarn) 46<br />
Musikpanorama 49<br />
Titelbild: Das Weiße Bild in Steinegg. Der Name ist dem weißen Stein geschuldet, aus dem das Denkmal gehauen ist.<br />
2<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Vorweg<br />
Heimatpflege<br />
Von Sparkursen und<br />
Sparflammen<br />
Die europäischen Nachbarn tun es, Renzi<br />
befiehlt es in Italien, Landeshauptmann Kompatscher<br />
erarbeitet Pläne für Südtirol, nun<br />
ereilt dieses Schicksal notgedrungen auch<br />
die Heimatpflege: Sparen lautet das Diktat.<br />
Der Notstand äußert sich in einem hoffentlich<br />
temporär begrenzten Beitragsstopp.<br />
Das Debakel um die Goldenen Renten<br />
ist bei weitem noch nicht vom Tisch, die<br />
Politikergehälter scheinen auch noch resistent<br />
gegenüber Kürzungen, allein bei<br />
der Frage um die Verteilung der öffentlichen<br />
Gelder scheinen die Sparmaßnahmen<br />
zu greifen, trotzdem der Bürger auf<br />
allen Ebenen verstärkt zur Kasse gebeten<br />
wird. Prompt ereilt den Heimatpflegeverband<br />
Ende April die Mitteilung, Beiträge<br />
würden für das kommende halbe Jahr eingefroren.<br />
In der Zwischenzeit wolle man<br />
neue Förderkriterien erarbeiten, so Landesrat<br />
Theiner. Eine Tür auf der einen Seite<br />
zuschlagen und ein Fensterchen Richtung<br />
Hoffnung einen Spalt breit öffnen ist ja seit<br />
jeher die praktizierte Strategie der Politik.<br />
Inwieweit man hierbei von Drückerbergerei<br />
vor etwaigen Stellungnahmen sprechen<br />
will, darf willkürlich interpretiert werden.<br />
Neuwahlen in der Verbandsspitze<br />
Im Laufe des Dreijahreszyklus standen<br />
bei der heurigen Jahreshauptversammlung<br />
die Neuwahlen der Verbandsorgane<br />
an. Mit überwältigender Mehrheit wurde<br />
Landesobmann Peter Ortner in seinem<br />
Amt bestätigt. Ebenso die Rechnungsprüfer<br />
und die Schiedsrichter. Dem entgegen<br />
wurden die Karten in den Reihen<br />
der Vorstandsmitglieder neu gemischt:<br />
Bestätigt wurden die Vize-Landesobfrau<br />
Claudia Plaikner sowie die Vorstandsmitglieder<br />
Oscar Dibiasi, Franz Fliri und Toni<br />
Puner. Edeltraud Kaserer Kiebacher verzichtete<br />
aus persönlichen Gründen, aber<br />
dennoch mit Wehmut auf eine weitere Kandidatur.<br />
Ihren Platz überließ sie zwei nicht<br />
weniger engagierten Heimatpflegern: Bernhard<br />
Lösch aus dem Bezirk Pustertal und<br />
Beirat für Architektur sowie Josef Vieider<br />
aus dem Bezirk Meran-Burggrafenamt.<br />
Jahreshauptversammlung am 5. April <strong>2014</strong> im Pastoralzentrum von Bozen<br />
Mit vereinten Kräften<br />
Die Jahreshauptversammlung bot des<br />
Weiteren einen geeigneten Rahmen, die<br />
derzeit aktuellen Resolutionen einem aus<br />
allen Landesteilen angereisten Publikum zu<br />
präsentieren. Der Bezirk Pustertal tritt massiv<br />
ein für die Erhaltung der letzten verbliebenen<br />
bäuerlichen Bausubstanz und damit<br />
für die Wahrung der ursprünglichen Identität.<br />
Im Bezirk Vinschgau gilt es, die geplanten<br />
innovativen Schritte hinsichtlich der<br />
Vinschgerbahn mit viel Fingerspitzengefühl<br />
in eine verträgliche Richtung zu lenken.<br />
(Mehr darüber erfahren Sie unter der<br />
Rubrik „Ins Bild gerückt“.) Der Kampf gegen<br />
den BBT erhitzt im Unterland – und<br />
nicht nur dort – weiterhin die Gemüter. Eine<br />
Resolution mit dem Titel „Schluss mit Geheimniskrämerei“<br />
sollte die bereits von rechtlichen<br />
Schritten flankierte Forderung nach<br />
vollständiger Offenlegung der bereits vor Jahren<br />
erstellten Verträglichkeitsstudie erwirken.<br />
Schöne Sommermonate wünscht<br />
Ihnen Sylvia Rottensteiner<br />
Ihre Beiträge senden Sie bitte an: rottensteiner.sylvia@gmail.com<br />
Für etwaige Vorschläge und Fragen<br />
erreichen Sie mich unter folgender Nummer: 347 0325027 (Sylvia Rottensteiner)<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 3
Das Thema<br />
Förderstopp bei Landschaftspflege<br />
Vom Holzzaun bis zum Wegkreuz<br />
Peter Ortner<br />
Die Pflege unserer Natur- und Kulturlandschaft,<br />
die Erhaltung der typischen<br />
Orts- und Landschaftsbilder sowie der Ensembleschutz<br />
gehören zu den prioritären<br />
Zielen der Heimatpflege. Für die Lebensqualität<br />
der Einheimischen und den Tourismus<br />
sind ökologische Stabilität und<br />
landschaftliche Schönheit unverzichtbare<br />
Voraussetzungen. Von dieser Überlegung<br />
ausgehend vergibt das Land Südtirol schon<br />
seit den 1970er Jahren Beiträge für die Erhaltung<br />
traditioneller Landschaftselemente<br />
wie Holzzäune, Waale, Mühlen und Schindeldächer.<br />
Seit Jahrzehnten arbeitet die<br />
zuständige Landesabteilung mit dem Heimatpflegeverband<br />
zusammen. Die Förderprogramme<br />
werden nach wie vor mit viel<br />
Liebe und Sachkenntnis betreut.<br />
Trockenmauern und bäuerliche Kleindenkmäler.<br />
Dem Förderstopp unterliegen außerdem<br />
Projekte zur Erhaltung, Wiederherstellung<br />
oder Entwicklung der Vielfalt von<br />
Natur und Landschaft, zur Förderung von<br />
Arten- und Lebensraumschutz sowie für<br />
den Schutz von Ensembles. Für die künftigen<br />
Fördermaßnahmen sollen innerhalb<br />
von sechs Monaten neue Richtlinien ausgearbeitet<br />
werden.<br />
Ist der Landschaftsschutz nur ein<br />
Lippenbekenntnis?<br />
Die Heimatpfleger sind ob des Förderstopps<br />
irgendwie irritiert. Ist der Heimatschutz<br />
nur ein Lippenbekenntnis oder ein<br />
fundamentales Anliegen der öffentlichen<br />
Hand? Im Vergleich zu den Förderungen<br />
von Großprojekten sind die Beiträge für<br />
ehrenamtlich tätige Vereine gering. Es ist<br />
auch zu befürchten, dass der Förderstopp<br />
sich nachteilig auf die Zusammenarbeit zwischen<br />
einer öffentlichen Verwaltung und<br />
einer privaten Organisation auswirkt. Was<br />
die Landschaftspflege anbelangt, haben<br />
die Sachbearbeiter im Heimatpflegeverband<br />
Tausende von bäuerlichen Kleindenkmälern<br />
im ganzen Lande instand gehalten<br />
und saniert. Was werden sie vom Förderstopp<br />
halten? Es lohnt sich, in die vielen<br />
Natur- und Kulturgüter des Landes zu investieren,<br />
denn sie sind unser Grundkapital.<br />
Peter Ortner<br />
Förderungen vorübergehend<br />
ausgesetzt<br />
Im Rahmen der wenigen verfügbaren öffentlichen<br />
Mittel hat die Landesregierung<br />
die Förderungen im Bereich Landschaftspflege<br />
und Raumentwicklung vorübergehend<br />
ausgesetzt. „Wenn wir Heimatpfleger<br />
weiter Gesuche annehmen, würden<br />
wir nur die Wartezeiten unverantwortlich<br />
verlängern“, sagte Landesrat Richard<br />
Theiner. Betroffen sind Zuschüsse für traditionelle<br />
Holzzäune und Schindeldächer,<br />
Wegkreuz in Steinegg<br />
Kapelle zum Weißen Bild in Steinegg<br />
4<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
Ein Jahr auf Papier<br />
Resümee der 64. Jahreshauptversammlung des<br />
Am Samstag, dem 5. April <strong>2014</strong>, fand<br />
nach einer besinnlichen Messfeier im Dom<br />
zu Bozen die 64. Jahreshauptversammlung<br />
des Heimatpflegeverbandes Südtirol statt.<br />
Zahlreiche Ehrengäste und Vertreter aus<br />
Bezirken und Vereinen fanden den Weg in<br />
die Landeshauptstadt. Die Tagesordnung<br />
sah unter anderem die Neuwahlen der Verbandsorgane<br />
vor.<br />
Wenngleich sich auch eine nicht unbeachtliche<br />
Zahl von Geladenen entschuldigen<br />
ließ, konnte Landesobmann Peter Ortner<br />
dennoch die Ehrengäste Landesrätin<br />
Waltraud Deeg, die Landtagsabgeordneten<br />
Sigmar Stocker, Bernhard Zimmerhofer,<br />
Hans Heiss, Florian Müller, Geschäftsführer<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen,<br />
Vera Bedin, Kulturreferentin<br />
im AVS in Vertretung von Georg Simeoni,<br />
Erich Deltedesco, Obmann des Südtiroler<br />
Chorverbandes, sowie Armin Thurner in<br />
Vertretung des Kulturwerks für Südtirol in<br />
München bei der Versammlung begrüßen.<br />
Zu einem späteren Zeitpunkt traf auch der<br />
Landesrat für Schule und Kultur, Philipp<br />
Achammer, ein, welcher neben Grußworten<br />
vor allem seine Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft<br />
in Bezug auf die<br />
Belange des Verbandes anbot.<br />
Heimatpflegeverbandes Südtirol<br />
Peter Ortner berührte in seiner Eingangsrede<br />
zahlreiche Themen von aktueller<br />
Brisanz, unter anderem den in den<br />
Medien diskutierten Weltklimabericht mit<br />
durchwegs pessimistischen Prognosen<br />
und Auswirkungen. Auch in diesem Zusammenhang<br />
mache die Heimatpflege<br />
unentwegt auf Lösungsvorschläge aufmerksam<br />
und versuche, über zahlreiche<br />
Institutionen wie beispielsweise Schulen<br />
nachhaltig Einfluss zu nehmen. Allerdings<br />
stünden starke Lobbys den wohlgemeinten<br />
Vorhaben oftmals im Wege. Weiters<br />
wies Ortner auf die regelmäßigen, zu bestimmten<br />
Themen abgehaltenen Naturschutzwochen<br />
hin sowie auf Resolutionen<br />
mit dem Ziel, unverantwortlichem<br />
Handeln Einhalt zu gebieten, dem Profitstreben<br />
entgegen zu wirken und das Wertebewusstsein<br />
zu fördern.<br />
Der Heimatpflegeverband schwimme<br />
oftmals gegen die Stromrichtung. Ortner<br />
erhoffe sich aber Transparenz, Offenheit<br />
und Gesprächsbereitschaft von Seiten der<br />
Politik, um auch die Einbindung der Bevölkerung<br />
zu ermöglichen. Ortner schloss<br />
seine Rede mit dem Grundsatz der Heimatpflege:<br />
Bewahren – Gestalten – Erneuern.<br />
Forderungen mit Nachdruck<br />
Die Jahreshauptversammlung bot auch<br />
den Rahmen für die Verlesung dreier<br />
Resolutionen, welche in ihrem Wortlaut<br />
ebenso in diesem Heft wiedergegeben sind:<br />
Erhalt der historischen bäuerlichen Bausubstanz,<br />
Elektrifizierung der Vinschger<br />
Bahn und Brenner Basistunnel.<br />
Personelle Änderungen<br />
Nachdem sich Edeltraud Kaserer<br />
Kiebacher aus den Reihen des Vorstandes<br />
verabschiedet hatte, schritt die Versammlung<br />
zu den Wahlhandlungen. Die Verlesung<br />
der Wahlergebnisse erbrachte folgendes<br />
Ergebnis: Landesobmann Peter<br />
Ortner sowie Vize-Landesobfrau Claudia<br />
Plaikner wurden in ihrem Amte bestätigt,<br />
ebenso die Vorstandsmitglied Franz Fliri,<br />
Oscar Dibiasi und Toni Puner. Neu im Vorstand<br />
wurden Bernhard Lösch, Beirat für<br />
Architektur, sowie Josef Vieider, Obmann<br />
des Heimatschutzvereins Meran, begrüßt.<br />
Die Rechnungsprüfer Günther Überbacher<br />
und Egon Fischnaller und die Schiedsrichter<br />
Harald Kleewein, Peter von Hellberg<br />
und Oswald Brunelli werden sich weiterhin<br />
in die Verbandsgeschäfte einbringen.<br />
Nach der Wahl schritt die Versammlung<br />
zu einem gemütlichen Umtrunk und zu<br />
weiterem Austausch im Hinblick auf die<br />
Pflege der Heimat.<br />
Sylvia Rottensteiner<br />
Der Marlinger Kirchenchor<br />
gestaltete die Messe<br />
im Bozner Dom. Die<br />
Mundartmesse von Maridl<br />
Innerhofer entlockte<br />
den Gästen so manch<br />
lobendes Wort.<br />
Heimatpflege aktueller denn je<br />
Der neu gewählte<br />
Vorstand des<br />
Heimatpflegeverbandes<br />
Im Zuge der<br />
Jahreshauptversammlung<br />
wurde den Teilnehmern<br />
die Tracht des Jahres<br />
vorgestellt.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 5
Das Thema<br />
Kulturlandschaft wahrnehmen<br />
und gestalten<br />
Heimatpflege hat mit Kultur zu tun<br />
Ein malerisches Ensemble: Kloster Marienberg und die Fürstenburg im Anschluss an die Malser Haide<br />
Zweimal auf fast tausend Kilometer sinkt<br />
der Alpenhauptkamm unter 1800 Meter:<br />
am Reschenpass (1508 m) und am Brenner<br />
(1370 m). In Südtirol dringt das Talsystem<br />
der Etsch von der Poebene im Süden<br />
her weit in die Alpen ein. Mit den Reben<br />
und Edelkastanien erreichen hier mehrere<br />
im Mittelmeerraum beheimatete Pflanzenund<br />
Tierarten die Nordgrenze ihres Verbreitungsareals.<br />
Da Südtirol zugleich den rauen<br />
Norden und den sonnigen Süden einschließt,<br />
bietet es eine Mannigfaltigkeit an Naturer-<br />
scheinungen und ein Mosaik gegensätzlicher<br />
Naturräume.<br />
Südtirol ist ein Gebirgsland mit einem<br />
komplexen Gesteinsaufbau. Während im<br />
zentralalpinen Anteil kristalline Schiefer<br />
vorherrschen, treten in den Südalpen vor<br />
allem Kalke und Dolomite auf. Entsprechend<br />
vielfältig, aber auch gegensätzlich<br />
zugleich ist die Natur und Landschaft Südtirols.<br />
Die Vielfalt im Landschaftsbild hängt<br />
weitgehend mit dem Wechsel der aufbauenden<br />
Gesteinsmassen zusammen.<br />
Bunt ist das Bild der<br />
Kulturlandschaft<br />
Die Beziehung von Mensch und Natur<br />
beruht einerseits auf den naturgegebenen<br />
Voraussetzungen wie Klima, Boden,<br />
Hangneigung, Vegetation und Höhenlage,<br />
andererseits auf Eingriffen geschichtlichkultureller<br />
und wirtschaftlicher Art. Bei einer<br />
ganzheitlichen Sichtweise ist auch der<br />
Mensch als Gestalter einer kleinflächig strukturierten<br />
Kulturlandschaft miteinzubeziehen.<br />
6<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
Erhaltung durch eine<br />
umweltverträgliche<br />
Berglandwirtschaft<br />
Die Flurzusammenlegung und damit verbunden<br />
die sogenannte „Bonifizierung“ lassen<br />
aus dem bunten Bild der traditionellen<br />
Kulturlandschaft ein monotones werden. Die<br />
Monokultur hat sich in weiten Teilen des<br />
Landes durchgesetzt. Der zunehmenden<br />
Intensivierung mussten viele Blumen und<br />
Kleintiere weichen. Dazu kommt das überdüngte<br />
Dauergrünland.<br />
Peter Ortner<br />
St. Barbara in Wangen<br />
Wir müssen uns heute fragen, was uns<br />
dieses Natur- und Kulturerbe wert ist und<br />
welchen Beitrag wir leisten, um es zu erhalten.<br />
Es ist eine „gültige Formel“ für entscheidende<br />
Dinge im heutigen und künftigen<br />
Lebens- und Erholungsraum Südtirols:<br />
➩ Die bäuerliche Kulturlandschaft zeichnet<br />
sich durch ökologische Stabilität<br />
und nachhaltige Produktivität aus. In<br />
landschaftlich extensiv bewirtschafteten<br />
alpinen Gebieten treten kaum<br />
Landschaftsschäden auf. Hier halten<br />
sich die Schäden aus der überlagernden<br />
touristischen Winter- und<br />
Sommernutzung in Grenzen. Bei einer<br />
Verdrängung der traditionellen<br />
Nutzungsformen steht die Nachhaltigkeit<br />
dieser Böden und ihr Vermögen,<br />
das Grundwasser wirksam zu schützen<br />
auf dem Spiel.<br />
➩ Die traditionelle Kulturlandschaft ist<br />
eine fundamentale Größe touristischer<br />
Wertschöpfung. Für den Fremdenverkehr<br />
sind zumindest ökologische Stabilität<br />
und landschaftliche Schönheit<br />
unverzichtbare Voraussetzungen.<br />
➩ Die kulturelle Gestaltung der Landschaft<br />
orientiert sich kleinräumig an<br />
den jeweils vorhandenen, naturräumlichen<br />
Strukturen mit einer entsprechend<br />
differenzierten Bodennutzung<br />
und –pflege. Die traditionelle Kulturlandschaft<br />
bietet daher ein abwechslungsreiches<br />
und lebendiges Bild.<br />
➩ Die traditionelle Kulturlandschaft ist ein<br />
Element „kultureller Identität“ der einheimischen<br />
Bevölkerung. In ihr ist sozusagen<br />
die bäuerliche Lebensraumerfahrung<br />
als Wert und Verhalten, als soziale<br />
und räumliche Identität, gespeichert.<br />
Das mittelalterliche Klausen wurde<br />
unterhalb des erhabenen Klosterfelsens<br />
von Säben gegründet.<br />
Der Mensch braucht ein Plätzchen<br />
Und wär's noch so klein<br />
Von dem er kann sagen<br />
Sieh! Dieses ist mein<br />
Hier leb' ich, hier lieb' ich,<br />
hier ruh' ich mich aus<br />
Hier ist meine Heimat<br />
Hier bin ich zuhaus.<br />
(Unbekannter Autor: Spruch auf einem Brotteller)<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 7
Informiert & Reflektiert<br />
Elektrifizierung der<br />
Vinschger Bahn<br />
Resolution, eingebracht von den Heimatpflegebezirken Vinschgau<br />
und Meran-Burggrafenamt<br />
Die Bahnlinie Meran-Mals durchschneidet bislang recht unauffällig die Natur- und Kulturlandschaft des Vinschgau. Bald schon<br />
sollen Masten und Oberleitungen im Zuge der Elektrifizierung errichtet werden. Die betroffenen Heimatpflegebezirke kämpfen um<br />
eine möglichst dezente Verwirklichung.<br />
Die Vinschger Bahn ist seit 2005 wieder<br />
in Betrieb. Für die Inbetriebnahme<br />
haben sich damals auch die Heimatpfleger<br />
sehr stark eingesetzt, namentlich sei<br />
hier der frühere Bezirksobmann vom Vinschgau,<br />
Adolf Bernhart, erwähnt. Dieser<br />
Schritt war richtig gesetzt; die große Auslastung<br />
und die Benützung der Vinschger<br />
Bahn als öffentliches Verkehrsmittel bestätigen<br />
dies tagtäglich. Dafür danken wir<br />
der Landesregierung für die rasche Inbetriebnahme.<br />
Ein weiterer Schritt zur Optimierung der<br />
Vinschger Bahn steht jetzt an. Die Südtiroler<br />
Transportstrukturen AG STA als Betreiberin<br />
der Bahnlinie Meran-Mals, untersucht<br />
zurzeit Möglichkeiten, die Bahnlinie<br />
zu elektrifizieren mit besonderem Augenmerk<br />
auf Oberleitungsanlage, Anschlüsse<br />
an das Stromnetz usw. Wir Heimatpfleger<br />
unterstützen diese Maßnahme.<br />
Ja zu Verbesserung<br />
Durch die Elektrifizierung erreicht die<br />
Vinschger Bahn nämlich:<br />
• einehöhereEnergieefizienz,<br />
• einehöhereUmweltverträglichkeit,da<br />
Abgase und Lärmbelastung reduziert<br />
werden,<br />
• geringereEnergiekostenimBetriebund<br />
niedrige Wartungskosten,<br />
• Zuggarnituren,dieaufjedesvorhandene<br />
Bahnsystem anwendbar sind.<br />
Nein zu Verschandelung<br />
Wir haben in Erfahrung gebracht, dass<br />
Oberleitungsanlagen mit verschiedenen Modellen/Ausstattungen<br />
installiert werden. Im<br />
benachbarten Ausland beispielsweise sind<br />
vielfach überdimensionierte Betonmasten<br />
montiert worden; es kommen aber auch filigrane<br />
Metallmasten mit einer der Umgebung<br />
angepassten Farbgebung zum Einsatz. Der<br />
Heimatpflegeverband Südtirol ersucht die<br />
Betreiberin, die Südtiroler Transportstrukturen<br />
AG STA, folgende Überlegungen schon<br />
bei der Planungsphase zu berücksichtigen:<br />
• fürdieOberleitungsanlagenLösungen<br />
einzubauen, die auf das Landschaftsund<br />
Ortsbild Rücksicht nehmen,<br />
• eineharmonischeEinbindungderOberleitungsanlagen<br />
in die Land- und Kulturlandschaft<br />
anzustreben,<br />
• dieDimensionierungenderMastenmit<br />
Ausleger und Kabel auf das Notwendigste<br />
zu beschränken,<br />
• dieFarbgebungderMastenmitderUmgebung<br />
abzustimmen,<br />
• diePositionierungderMastenlinksoder<br />
rechts der Bahnlinie je nach Umgebung<br />
festzulegen.<br />
Franz Fliri und Georg Hörwarter<br />
8<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
Erhalt der historischen<br />
bäuerlichen Bausubstanz<br />
Resolution, eingebracht vom Heimatpflegebezirk Pustertal<br />
Das Pustertal<br />
und so manches<br />
seiner Seitentäler<br />
offenbaren noch<br />
wahre Juwele<br />
bäuerlicher<br />
Baukultur. Mit<br />
der nötigen<br />
Sensibilisierung und<br />
mit finanzkräftiger<br />
Unterstützung kann<br />
dieses Erbe auch<br />
weiterhin bestehen<br />
bleiben.<br />
Die Südtiroler Kulturlandschaft ist geprägt<br />
von beeindruckenden alten Gebäuden<br />
und Bauernhöfen. Die historische Bausubstanz<br />
stellt somit ein unverzichtbares<br />
Kulturgut dar, das leider allzu häufig preisgegeben<br />
wird. Vieles ist bereits verloren<br />
gegangen und musste gesichtslosen Neubauten<br />
weichen. Schuld daran sind neben<br />
der Geringschätzung auch die gesetzlichen<br />
Bestimmungen wie die Aussiedlungen mit<br />
Umwidmungen und die Kubaturmaximierung<br />
aufgrund von Spekulation.<br />
Das darf aber so nicht weitergehen! Es<br />
braucht ein verstärktes Bewusstsein für<br />
den Wert dieser Gebäude wie auch eine<br />
neue Qualität bei der Planung. Hierzu<br />
gibt es bereits gute Beispiele von gelungenen<br />
Sanierungen, aber meist nur dort,<br />
wo ein Denkmalschutz besteht.<br />
Ausdruck regionaler<br />
Identität<br />
nen und deren Sanierung als vorrangiges<br />
Ziel darzustellen und entsprechend<br />
finanziell zu fördern.<br />
Gesetzliche Verankerung<br />
notwendig<br />
Vor einem Jahr hat der Heimatpflegeverband<br />
gemeinsam mit dem Kuratorium<br />
für technische Kulturgüter einen<br />
Aufruf zum Erhalt der historischen bäuerlichen<br />
Bausubstanz gestartet, den über<br />
100 namhafte Persönlichkeiten im Lande<br />
mitgetragen haben. Leider hat die Politik<br />
den verlangten Schutz nicht im Raumordnungsgesetz<br />
verankert. Deshalb rufen<br />
wir sie nochmals auf, dringend Maßnahmen<br />
in Gesetzgebung und Förderung<br />
zu setzen, damit dem weiteren Abbruch<br />
historischer Bausubstanz Einhalt geboten<br />
wird.<br />
Geben wir unserer gebauten Vergangenheit<br />
endlich eine Zukunft!<br />
Albert Willeit<br />
Heimatpflegeverband Südtirol<br />
Bezirk Pustertal<br />
Die Politik ist deshalb aufgerufen, die<br />
historische Bausubstanz als großen Wert<br />
für die kulturelle Identität, aber auch<br />
für die Tourismuswirtschaft zu erken-<br />
Noch zwei Beispiele historischer, bäuerlicher Bausuzbstanz im Pustertal<br />
<strong>Nr</strong>. 02 | April <strong>2014</strong> 9
Informiert & Reflektiert<br />
Brennerbasistunnel BBT –<br />
Schluss mit Geheimniskrämerei<br />
Zusammenfassung der Resolution, eingebracht vom<br />
Heimatpflegebezirk Überetsch-Unterland<br />
Wörtlich heißt es im Regierungsprogramm<br />
dieser Legislaturperiode: „Bei größeren Vorhaben<br />
müssen die Bürger vorab eingehend<br />
in den Entscheidungsprozess eingebunden<br />
werden. Denn es gilt, das Vertrauen in Politiker<br />
und Politik [...] wieder zu festigen!“<br />
Wir meinen, dass diese programmatischen<br />
Aussagen ganz besonders für die<br />
weitaus größte und dauerhafteste Großbaustelle<br />
in unserem Land, den Brennerbasistunnel,<br />
Gültigkeit haben müssen.<br />
Aber bisher ist dem leider noch nicht so.<br />
Geheimnisvolle Studie<br />
Im Zuge des Verfahrens zur Umweltverträglichkeitsprüfung<br />
hat die Betreibergesellschaft<br />
Brenner Basisitunnel BBT SE<br />
in den Jahren 2004 und 2005 eine umfangreiche<br />
Gesundheitsstudie bei Professor<br />
Peter Lercher der Medizinischen Universität<br />
Innsbruck in Zusammenarbeit mit<br />
der Eurac Bozen und den Universitäten<br />
Graz, Berlin, Turin und anderen in Auftrag<br />
gegeben. Auf 9.000 Seiten wurde laut<br />
ehemaligem Landesrat Laimer eine detaillierte<br />
Situationsanalyse gemacht und es<br />
wurden angeblich auch die eventuellen<br />
Folgen für die menschliche Gesundheit<br />
minutiös erhoben. Diese Studien wurden<br />
spätestens 2008 abgeschlossen. Trotzdem<br />
werden die Ergebnisse seit Jahren hartnäckig<br />
unter Verschluss gehalten. Trotz zahlreicher<br />
Anträge auf Offenlegung bleibt die<br />
Gesundheitsstudie nach wie vor geheim.<br />
Unklarer Zweck der<br />
Geheimniskrämerei<br />
Wir fragen uns, welche katastrophalen<br />
Ergebnisse müssen wohl in dieser „Gesundheits-Studie“<br />
enthalten sein, dass<br />
sie unter keinen Umständen unter das<br />
Volk kommen darf? Muss eine derartige<br />
Verweigerungshaltung und Geheimnis-<br />
Sofern der Bau nach Plan läuft, sollen das Südtiroler Unterland und weitere<br />
Talabschnitte entlang des BBT mit Zulaufstrecken geziert werden. Im Bild: Auer,<br />
Castelfeder und Neumarkt<br />
krämerei nicht unweigerlich genau jenes<br />
Misstrauen schüren, von dem wir zurzeit<br />
reichlichen Überfluss haben? Warum hält<br />
sich das Baukonsortium nicht an elementare<br />
Transparenzvorgaben, wenn sogar<br />
Landeshauptmann Arno Kompatscher in<br />
seiner Anfragebeantwortung am 26. Februar<br />
<strong>2014</strong> wörtlich schreibt: „Die Landesregierung<br />
befürwortet eine Aushändigung<br />
der Studie.“?<br />
Recht auf Klarheit<br />
Die Südtiroler Bevölkerung hat ein absolutes<br />
Recht darauf, die Inhalte der Gesundheitsstudie<br />
von Prof. Lercher vollinhaltlich<br />
zu erfahren. Es ist nämlich auch<br />
die Pflicht der Baugesellschaft, die Akzeptanz<br />
dieses Megabauwerkes zu ermöglichen<br />
und diese nicht durch die Verweigerung<br />
vertrauensbildender Maßnahmen<br />
zu torpedieren.<br />
Forderungen der<br />
Landesversammlung<br />
Allen Forderungen voran steht die vollständige<br />
Veröffentlichung der Studie, bevor<br />
weitere Schritte gesetzt werden. Zudem<br />
bedarf es klarer Informationen hinsichtlich<br />
der Bauleitplan-Eintragung der Zulaufstrecken.<br />
Schließlich ist auch Klarheit<br />
in den Aussagen der Volksvertreter<br />
vonnöten, wenn es um derlei Mammutprojekte<br />
geht.<br />
Franz Simeoni,<br />
Heimatpflege-Ortsbeauftragter<br />
von Neumarkt<br />
10<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Aus Verband und Bezirken<br />
Heimatpflege<br />
Gefährdetes Glurns<br />
100 m-Schutzzone um die Stadtmauern von Glurns nicht realisierbar?<br />
Glurns ist nicht nur die kleinste Stadt Südtirols, sondern aufgrund seiner intakten mittelalterlichen Stadtmauern auch über die<br />
Landesgrenzen hinaus eine Rarität. Schon für mehrere Filme diente das Juwel im Vinschgau als Kulisse. Im Bild: Blick auf Glurns<br />
von St. Martin aus sowie im kleinen Bild die geforderte 100 m-Schutzzone<br />
Die Einzigartigkeit von Glurns ist wohl<br />
über jeden Zweifel erhaben. Seit dem 16.<br />
Jahrhundert bleibt das Erscheinungsbild des<br />
Städtchens nämlich unverändert. Um diesem<br />
Umstand weiterhin Rechnung zu tragen,<br />
hat die Gemeinde Glurns eine 100-m-<br />
Schutzzone im Sinne des Ensembleschutzes<br />
beschlossen und um die Eintragung in den<br />
Landschaftsplan ersucht. Mitte März wurde<br />
dies von der Landesregierung prompt abgelehnt<br />
und an den Denkmalschutz weitergeleitet.<br />
Übergangene Ämter einerseits und<br />
ignorierte Gutachten andererseits sorgen<br />
für Unmut in Gemeinde, Bezirk und Heimatpflege.<br />
Ein Kräftemessen wurde losgetreten;<br />
nun wartete Ende April das von der<br />
Landesregierung beauftragte Denkmalamt<br />
mit einem Gegenvorschlag auf – die Ähnlichkeit<br />
zum Gemeindeentwurf ist frappant.<br />
Der Bannstreifen sei deshalb notwendig,<br />
so Bürgermeister Wallnöfer, um zu<br />
verhindern, dass Betongerüste für Hagelnetze<br />
oder mit PVC-Folien eingedeckte<br />
Kirschkulturen bis an die Mauern heranreichen.<br />
Sogar der Glurnser Obstbauernrat<br />
habe sich für den Erhalt der bestehenden<br />
hochstämmigen Bäume im Sinne des Ensembleschutzes<br />
ausgesprochen.<br />
Optische Bedrohung<br />
Derweil das Säbelrasseln um die Kunstbauten-Bannzone<br />
weitergeht, ziehen sich<br />
die Kreise der Obstbau-Monokulturen immer<br />
enger um die Stadt. Das optische Erscheinungsbild<br />
des „Juwels der Alpen“<br />
sieht laut Stadtverwaltung einer massiven<br />
Bedrohung entgegen. Nicht nur das, auch<br />
das Vertrauen in die neue Landesregierung<br />
hat nach anfänglich aufkeimender<br />
Hoffnung bereits einen heftigen Dämpfer<br />
erfahren. Sofern die Landesregierung<br />
nicht einlenkt und den im März gefassten<br />
Beschluss abändert, wolle man in Glurns<br />
über den Rekursweg die Entscheidung der<br />
Stadt nachdrücklich wiederholen. Der Hei-<br />
matpflegeverband unterstützt dieses Ansinnen<br />
auf ganzer Linie.<br />
Das Denkmalamt befindet…<br />
Nachdem das Denkmalamt bereits vor<br />
etlichen Jahren auf dasselbe Anliegen<br />
hin angesprochen wurde und zum damaligen<br />
Zeitpunkt zu keiner Lösung beitragen<br />
konnte, liegt nun aber ein Entwurf<br />
für die Eintragung in den Landesplan vor.<br />
Nachdem die Bürger die Möglichkeit in<br />
Anspruch nehmen konnten, Einsicht in<br />
die Unterlagen zu nehmen, runzelt nun<br />
so mancher verwundert die Stirn. Die Unterschiede<br />
zum Vorschlag der Gemeinde<br />
Glurns sind minimal. Will man diese Tatsache<br />
nun unter den Tisch kehren und sich<br />
damit begnügen, letzten Endes das Ziel erreicht<br />
zu haben? Oder reizt der Blick hinter<br />
die Kulissen, um die Drahtzieher derart<br />
absurder Verwirrung zu lokalisieren?<br />
Sylvia Rottensteiner<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 11
Ins Bild gerückt<br />
Vinschgau –<br />
ein Bezirk der Sonnenseite<br />
Bezirksobmann Franz Fliri über Inhalte und Schwerpunkte<br />
vereinsübergreifender Heimatpflege<br />
Prägendes Merkmal des Vinschgau ist<br />
dessen Nebeneinander von scheinbar unüberwindbaren<br />
Gegensätzen. Einerseits dominiert<br />
die raue alpine Bergkulisse mit König<br />
Ortler als deren markantestem Vertreter,<br />
andererseits ist die liebliche breite Talsohle<br />
als ehemalige Kornkammer Südtirols heute<br />
mehr denn je eine fruchtbare Kulturlandschaft.<br />
Die Etsch führt außerdem entlang<br />
imposanter, aber auch unscheinbarer historischer<br />
Zeugen, allesamt mit einer beeindruckenden<br />
Geschichte, welche bis zu<br />
den Römern und Kelten in die Antike zurück<br />
reicht. Diese Einmaligkeit bestmöglich zu<br />
erhalten ist oberstes Ziel der Heimatpflege<br />
im Bezirk, so Bezirksobmann Franz Fliri.<br />
Seit 2011 leitet Franz Fliri die Geschicke<br />
des Bezirkes vom oberen Etschverlauf bis<br />
einschließlich der Gemeinde Kastelbell-<br />
Tschars. Eine verantwortungsvolle und vielseitige<br />
Aufgabe, meint der Heimatpfleger,<br />
denn der Vinschgau birgt zwar eine bemerkenswerte<br />
Anzahl an Natur- und Kulturschätzen,<br />
gebunden daran aber auch<br />
eine große Verantwortung. Derzeit kämpfen<br />
Bezirk und Vereine an mehreren Fronten,<br />
eine Reihe von Tätigkeitsfeldern harrt jedoch<br />
noch ihrer Bearbeitung. Im Folgenden<br />
spricht Franz Fliri über die aktuellen Bemühungen<br />
des Bezirks, Stolpersteine und<br />
zukunftweisende Absichten.<br />
Wert historischer Dorfkerne<br />
Franz Fliri zitiert an dieser Stelle Glurns als<br />
leuchtendes Beispiel. Die Gemeinde hat<br />
dort diesem Umstand entgegengewirkt,<br />
indem sie zwei Stadthäuser erworben, saniert<br />
und erneut den Bewohnern zur Verfügung<br />
gestellt hat. Diese Vorgangsweise<br />
bewahrt nicht nur den historischen Wert<br />
und die Wohnzone innerorts, sondern unterbindet<br />
sinnvollerweise auch die zunehmende<br />
Zersiedelung und fördert die Erhaltung<br />
wertvollen Kulturgrundes.<br />
Freilich sei die Instandsetzung denkmalgeschützter<br />
Bausubstanz – wie sie<br />
sich in Glurns findet – leichter zu realisieren.<br />
Dörfern wie Burgeis oder Schluderns<br />
Natur und<br />
Kultur bilden<br />
im Vinschgau<br />
einen<br />
harmonischen<br />
Reigen. Vor<br />
allem der obere<br />
Abschnitt hat<br />
sich seine<br />
Ursprünglichkeit<br />
noch zu<br />
einem guten<br />
Anteil erhalten<br />
können.<br />
seien diesbezüglich durchaus Steine in<br />
den Weg gelegt, so Fliri. Allerdings gelte es<br />
von Seiten des Heimatschutzes unbedingt<br />
dafür zu sorgen, dass geschichtsträchtige<br />
Bauten in den Ortskernen nach Maßstäben<br />
der Ensembleregelung erhalten bleiben<br />
und nicht form- und identitätslosen<br />
Neubauten weichen müssen.<br />
Ortsvereine dringend notwendig<br />
Derzeit koordiniert der Bezirk Vinschgau<br />
vier Ortsvereine: Glurns, Latsch, Prad<br />
und den Kulturverein Schnals. Seit dem<br />
15. Mai <strong>2014</strong> liegt auch der Gründungs-<br />
Wer den Vinschgau bisher nur auf seiner<br />
Hauptverkehrsader durchfahren hat,<br />
ist gut beraten, sich auch die malerischen<br />
historischen Dorfkerne etwas abseits gelegener<br />
Ortschaften anzusehen. Laas beispielsweise,<br />
Burgeis oder Schluderns sind<br />
vorbildhaft in ihrer Beschaffenheit. Noch<br />
besteht in den Dörfern ein massiver Sanierungsbedarf,<br />
zahlreiche ehrwürdige Bauten<br />
sehen ihrem Verfall entgegen und sind<br />
aufgrund dessen nicht mehr bewohnbar.<br />
Seit 2005 ist die Vinschgerbahn wieder in Betrieb. Zu deren Optimierung steht nun<br />
ein weiterer Schritt an. Die Südtiroler Transportstrukturen sind gebeten, bei der<br />
Umsetzung das Landschaftsbild nicht zu stören.<br />
12<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
akt für den Heimatpflegeverein Mals vor.<br />
Mit der Einbindung von Mals sei bereits ein<br />
großer Schritt unternommen, da mit Mals<br />
sämtliche Fraktionen wie Planeil, Burgeis,<br />
Schlinig, Matsch, Tartsch, Laatsch, Plavenn,<br />
Ulten, Alsack und Schleis miteinbezogen<br />
würden. In einigen von ihnen existiert noch<br />
wertvolle historische Bausubstanz, welche<br />
mit der fachkundigen Beratung und Hilfestellung<br />
von Heimatpflegern womöglich<br />
vor der Abrissbirne bewahrt und einer Bestimmung<br />
im Sinne der Traditionsverbundenheit<br />
zugeführt werden können. Fliri<br />
scheut jedoch davor zurück, die Vereinsgründung<br />
in anderen Gemeinden zu forcieren;<br />
nachhaltige Arbeit könne nur auf<br />
freiwilliger Basis seitens der Bevölkerung<br />
vor Ort entstehen. Nichts desto trotz ruft<br />
er aber dazu auf, dem Beispiel Mals im Interesse<br />
der eigenen Lebensqualität zu folgen<br />
und Akzente in Richtung Heimatpflege<br />
und Heimatschutz zu setzen.<br />
Gefahr Monokultur<br />
Was einst als die Kornkammer Südtirols<br />
bezeichnet wurde, ist heute landwirtschaftlich<br />
vorwiegend dem Apfelanbau gewichen.<br />
Wie eine Phalanx, eine geschlossene<br />
lineare Kampfformation, präsentieren<br />
sich die Anlagen, gestutzt und geschnitten,<br />
dem natürlichen Wuchs zum Trotz.<br />
Hagelschutznetze und weiße Folien geben<br />
den Obstkulturen noch einen zusätzlichen<br />
unnatürlichen Anstrich. Bis an die<br />
Malser Haide reichen die Monokulturen<br />
bereits, allein der obere Vinschgau blieb<br />
noch davor verschont.<br />
Die Anlagen sind in vielerlei Hinsicht<br />
Stein des Anstoßes. Zum einen sorgen sie<br />
für einen permanenten Konflikt mit den<br />
Bezirksobmann Franz Fliri<br />
Tierhaltern, welche das Weideland und die<br />
Gesundheit der Tiere aufgrund der Pestizide<br />
bedroht sehen. Hecken und Stauden<br />
an den Grundstückgrenzen sorgen zwar<br />
zum Teil dafür, dass die Partikel durch den<br />
Vinschger Oberwind abdriften, lösen das<br />
Problem aber nicht grundsätzlich. Derzeit<br />
sind nur wenige Bauern bereit, sich auf einen<br />
alternativen Anbau einzulassen, der<br />
Biodiversität und Artenvielfalt respektiert.<br />
Franz Fliri zweifelt, ob Überzeugungsarbeit<br />
und Aufklärung diesbezüglich ausreichen,<br />
um dem Vormarsch der Monokulturen<br />
Einhalt zu gebieten.<br />
Ein weiteres Hindernis stellt der Mangel<br />
an geschlossenen Höfen im Obervinschgau<br />
dar. Aufgrund der Realteilung<br />
werden Grund und Boden derart zerstückelt,<br />
dass ein Auskommen nicht mehr gewährleistet<br />
werden kann. Diesen Umstand<br />
machen sich Großbauern zunutze, kaufen<br />
die Nutzflächen auf und errichten dort ein<br />
weiteres Stück einer monotonen Anlage.<br />
Dem kann die Heimatpflege schwerlich<br />
entgegenwirken. Franz Fliri hofft darauf,<br />
dass die Landesregierung mit verbesserten<br />
rechtlichen Rahmenbedingungen ein Umdenken<br />
erwirken kann.<br />
Unlängst waren es die Windräder, welche das Landschaftsbild empfindlich gestört<br />
haben. Nach deren Abbau drohen nun die Monokulturen der Schönheit dieses<br />
Landstriches Abbruch zu tun.<br />
Der Dorfkern von Burgeis zählt zu den<br />
schönsten erhaltenswerten Ensembles<br />
im Vinschgau.<br />
Almerschließung<br />
Vielerorts in Südtirol, so auch im Vinschgau,<br />
wird die Erschließung von Almen zunehmend<br />
zum Zankapfel: Was des einen Gewinn,<br />
ist des anderen Verlust. Der Gewinn<br />
beschränkt sich bedauerlicherweise auf einen<br />
monetären Wert und auf einige wenige<br />
Nutznießer, während ein ganzes Gebiet den<br />
Verlust einer einmaligen Naturlandschaft<br />
verbuchen muss. Gott sei Dank, merkt Fliri<br />
an, gibt es noch einige Almbetreiber, denen<br />
an reiner Gewinnmaximierung nichts gelegen<br />
ist, so beispielsweise die Bergl-Alm im<br />
Schnalstal oder die Obisell-Alm in Riffian. Zu<br />
welchen Gunsten der harte Kampf gegen die<br />
zunehmende Erschließung ausgehen wird, ist<br />
noch unklar. Allzu viel Hoffnung dürfe man<br />
vorsichtigerweise auch in die neue Landesregierung<br />
nicht setzen, bedauert Fliri.<br />
Strom für die Vinschgerbahn<br />
Bezüglich der Elektrifizierung der Vinschgerbahn<br />
haben die Heimatpflegebezirke<br />
Vinschgau und Meran-Burggrafenamt bereits<br />
eine Resolution hinterlegt. Es gehe nicht<br />
um die Unterbindung dieser Maßnahme,<br />
betont Franz Fliri, sondern um die Erhaltung<br />
des Landschaftsbildes. Um diesem gerecht<br />
zu werden, fordert die Heimatpflege<br />
bei der Anbringung der Oberleitungsanlagen<br />
filigrane Masten und Ausleger, welche<br />
sich möglichst harmonisch in die Umgebung<br />
einreihen. (Den genauen Wortlaut können<br />
Sie in dieser Nummer unter der Rubrik informiert<br />
& reflektiert nachlesen.<br />
Noch stünden eine Reihe von Aufgaben<br />
und Anliegen an, so Franz Fliri, und vermutlich<br />
werde die Arbeit der Heimatpfleger<br />
auch nicht weniger. Der größte Antrieb für<br />
ein solches Engagement sei aber die Gewissheit,<br />
dass die Mühen letzten Endes jedem<br />
Einzelnen zugute kommen.<br />
Sylvia Rottensteiner<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 13
Arge Lebendige Tracht<br />
Vorbildliches Schnalstal<br />
Wiederbelebung der „kurzbäurischen“ Tracht in Katharinaberg<br />
Vertreter der MK<br />
Katharinaberg/<br />
Schnals stellten bei der<br />
Jahreshauptversammlung<br />
des Heimatpflegeverbandes<br />
die wiederbelebte<br />
kurzbäurische Tracht vor,<br />
die als “Tracht des Jahres<br />
<strong>2014</strong>” besonders in den<br />
Blickpunkt gestellt wurde.<br />
Während die Tracht in vielen Tiroler Gemeinden<br />
ausschließlich von Vereinen getragen<br />
wird, ist in Schnals noch eine gewisse<br />
Lebendigkeit in der bäuerlichen Festtagstracht<br />
vorhanden. Das heißt, sie wird auch<br />
von Privatpersonen zu kirchlichen und weltlichen<br />
Festtagen getragen und teilweise<br />
in den Familien weitervererbt. Die Musikkapelle<br />
Katharinaberg, welche seit ihrer<br />
Gründung das ortstypische und gewachsene<br />
„Langbäurische“ trägt, hat den kulturellen<br />
Wert ihrer Ortstracht erkannt und<br />
nun auch die „kurzbäurische“ Form ihrer<br />
Tracht wiederbelebt.<br />
Nachdem vor wenigen Jahren die Musikkapelle<br />
im Schnalser Hauptort Unsere<br />
Frau mit gutem Beispiel vorangegangen ist,<br />
hat sich die kleine, aber tatkräftige Musikkapelle<br />
Katharinaberg daran gemacht, mit<br />
großem persönlichen Einsatz und finanziellen<br />
Aufwand die so genannten „Kurzen“<br />
wieder zu beleben. Besonders Franziska<br />
Gurschler und Petra Kneissl zeichnen für<br />
das Gelingen dieses Projekts verantwortlich<br />
und haben eine äußerst wertvolle Dokumentation<br />
über die Tracht in Katharinaberg<br />
zusammengetragen.<br />
Zahlreiche Belege und Originalstücke<br />
und nicht zuletzt die Fotografien aus den<br />
1950-er und 1960-er Jahren – als die<br />
„Kurzen“ in Katharinaberg noch bei kirchlichen<br />
Ehrendiensten getragen wurden –<br />
konnten deshalb als verlässliche Vorlagen<br />
verwendet werden. Trotz der vielen<br />
Gemeinsamkeiten unterscheidet sich die<br />
Tracht der Katharinaberger in einzelnen<br />
Elementen von jener in Unsere Frau. Nicht<br />
weil sie anders aussieht und sich dadurch<br />
abheben will, wie es leider allzu oft zwischen<br />
den Vereinen in unseren Gemeinden<br />
der Fall ist, sondern deshalb, weil die<br />
Schnalser Tracht eine vielfältige und gut dokumentierte<br />
Entwicklung hinter sich hat.<br />
Vielfältige Trachtenlandschaft<br />
Das Schnalstal nimmt nämlich als Trachtenlandschaft<br />
eine ganz besondere Rolle<br />
ein, denn drei große Trachtengebiete – der<br />
untere Vinschgau, das Burggrafenamt und<br />
das Ötztal – treffen hier aufeinander. Besonders<br />
erkennbar wird dies an der Männertracht,<br />
die neben charakteristischen und<br />
eigenständigen Elementen, wie der kurzen<br />
Schnalser Lederhose, auch Elemente dieser<br />
benachbarten Gebiete erkennen lässt.<br />
In den Fachkreisen der Volkskunde und<br />
des Trachtenwesens werden historische<br />
Trachtengebiete meist gemäß den Grenzen<br />
und Verwaltungseinheiten der ehemaligen<br />
Landgerichte und Pfarreien eingeteilt und<br />
bestenfalls belegt. Doch gerade wo sich<br />
Stadt und Land begegnen und dort, wo<br />
solch starke Trachtengebiete aufeinander<br />
treffen, wie es im Schnalstal der Fall ist,<br />
waren die Übergänge oft fließend. Denn es<br />
spielen sehr viele Faktoren mit, warum einzelne<br />
Trachtenelemente aus einem benachbarten<br />
Gebiet übernommen, verändert oder<br />
auch wieder ausgetauscht werden. Neben<br />
durchaus praktischen Gründen waren es<br />
vor allem der Zeitgeschmack und der Gefallen<br />
an der jeweiligen Fasson und Mode.<br />
Anpassung an umliegende<br />
Trachtenmoden<br />
Während in der zweiten Hälfte des<br />
19. Jahrhunderts die Männertrachten im<br />
Ötztal und etwas später auch im unteren<br />
Vinschgau abgelegt wurden, konnte sich<br />
14<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
zu finden sind. Diese einfachen, aber aufwendig<br />
gearbeiteten Stickereien finden sich<br />
auch am Halsausschnitt des Leibls und –<br />
in etwas einfacherer Form – auch bei der<br />
Lederhose wieder.<br />
Bei der Neueinkleidung der Musikanten<br />
war es den Verantwortlichen wichtig, diese<br />
wertvollen und typischen Stickereien beizubehalten.<br />
Wertvolle Heimarbeit<br />
Ärmelstulpe des Hemats mit traditioneller Kettenstich-Stickerei<br />
Zierstickerei am Halsausschnitt des Leibls<br />
das Schnalstal seine Tracht erhalten. Nicht<br />
zuletzt deshalb, weil sich die Schnalser an<br />
die Mode, bzw. an das „stärkere“ Trachtengebiet<br />
des Burggrafenamtes angepasst<br />
hatten. Denn in dieser Zeit flossen<br />
jene Elemente aus dem Burggrafenamt<br />
in die Schnalser Männertracht mit ein,<br />
welche wir bis heute festmachen können:<br />
die breiten, roten Aufschläge am<br />
„Lodenhemat“ und der kleine Gupfhut.<br />
Katharinaberg am Eingang des Schnalstals<br />
– und somit in direkter Nachbarschaft<br />
zur Burggräfler Tracht rund um Naturns<br />
– hat diese Anpassung früher vollzogen,<br />
weshalb in Katharinaberg bereits für die<br />
kurzen Lederhosen diese Kombination<br />
dokumentiert ist, während sich in Unsere<br />
Frau die Burggräfler Elemente erst<br />
beim „Langbäurischen“ endgültig durchsetzen<br />
konnten.<br />
Aufwendige Details<br />
Die “Juppe“, wie sie in Katharinaberg<br />
genannt und getragen wird, ist also eine<br />
eigenständige und historisch gewachsene<br />
Mischform. Sie ist in Form und Schnitt ein<br />
Vinschger „Hemat“ mit Burggräfler Aufschlägen<br />
und bunten Stickereien am Ärmel,<br />
wie sie in ähnlicher Form im Ötztal<br />
Da diese ausschließlich in Handarbeit<br />
gemacht werden können und als Auftragsarbeit<br />
nahezu unbezahlbar gewesen<br />
wären, haben Musikantinnen sowie zahlreiche<br />
Frauen und Mütter der Musikanten<br />
die aufwendigen Stickereien selbst ausgeführt<br />
und die unzähligen Knopflöcher<br />
genäht. Auch die Strümpfe wurden in<br />
Heimarbeit und in überlieferten Mustern<br />
gestrickt. Den Katharinabergern ist somit<br />
etwas Großartiges gelungen, denn sie haben<br />
die zahlreichen historischen Muster<br />
und Farbkombinationen ihrer Stickereien<br />
gesammelt und das handwerkliche Wissen<br />
und die entsprechenden Fähigkeiten<br />
gesichert. Mit der Wiederbelebung des<br />
„Kurzbäurischen“ durch die Musikkapelle<br />
Katharinaberg ist die Trachtenlandschaft<br />
Schnalstal nun runder und vollständiger<br />
geworden. Die „lang- und kurzbäurische“<br />
Tracht der Männer gibt gemeinsam mit<br />
der „bäurischen“ Tüchltracht und der erneuerten<br />
Burggräfler- und Schnalser Miedertracht<br />
der Frauen ein umfassendes<br />
und lebendiges Zeugnis über die örtliche<br />
Trachtenentwicklung ab. In ihrer einzigartigen<br />
Machart und Ausdruckskraft sind<br />
die verschiedenen Formen der Schnalser<br />
Tracht ein weiterer Ausdruck dafür, dass<br />
die Jöcher und Täler unserer Heimat weniger<br />
Grenzen, sondern vielmehr Übergänge<br />
sind.<br />
Andreas Leiter Reber<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />
Aus finanziellen und organisatorischen Gründen stehen der Heimatpflege seit den letzten Ausgaben nur mehr 14 Seiten im<br />
<strong>KulturFenster</strong> zur Verfügung. Deshalb wird es nicht immer möglich sein, alle Artikel in ihrer vollständigen Länge zu veröffentlichen.<br />
Die Redaktion behält sich das Recht vor, notwendige Kürzungen vorzunehmen.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 15
Arge Volkstanz<br />
Am Samstag, 17. Mai <strong>2014</strong>, fand in Steinegg<br />
der Gesamttiroler Maitanz statt. Die<br />
Volkstanzgruppe Steinegg hatte sich anlässlich<br />
ihres 30-jährigen Bestehens bereit<br />
erklärt, dieses große Tanzfest zu organisieren.<br />
Nach einer intensiven Vorbereitungszeit<br />
durch die VTG Steinegg war es am<br />
Samstag Abend soweit: Mit dem Auftanz<br />
wurde der bereits traditionelle Gesamttiroler<br />
Maitanz eröffnet. Der Obmann der<br />
Volkstanzgruppe Steinegg, Bernhard<br />
Vieider, begrüßte die Erste Vorsitzende<br />
der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz in Südtirol,<br />
Monika Rottensteiner, den Zweiten<br />
Vorsitzenden Klaus Tappeiner, den Bürgermeister<br />
der Gemeinde Karneid Albin<br />
Kofler, den Vizebürgermeister Franz Tauferer,<br />
den Fraktionsvorsitzenden Rudolf<br />
Lantschner, die Gemeindereferentin Barbara<br />
Wild und ganz besonders den Obmann<br />
der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz<br />
Tirol, Kaspar Schreder.<br />
Auch die Erste Vorsitzende Monika Rottensteiner<br />
richtete einen herzlichen Willkommensgruß<br />
an alle Festbesucher und<br />
beglückwünschte die VTG Steinegg zu<br />
ihrem 30-jährigen Bestehen. „Die zahlreiche<br />
Anwesenheit der Nordtiroler Tänzer<br />
und Tänzerinnen ist ein Zeichen der Verbundenheit<br />
zwischen Nord- und Südtirol.<br />
Auf diesem Fest wird Verbundenheit gelebt<br />
und erlebt“, so Monika Rottensteiner.<br />
Die Burgstaller Tanzlmusig sorgte mit<br />
schwungvollen Polkas, Walzern, Boarischen<br />
und abwechslungsreichen Volkstänzen<br />
für eine stets gefüllte Tanzfläche.<br />
Kaspar Schreder kündigte den Tanzkreis<br />
Gesamttiroler Maitanz in Steinegg<br />
Die Festbesucher beim traditionellen Auftanz<br />
Kaspar Schreder und Monika<br />
Rottensteiner<br />
Innsbruck an, welcher drei besondere<br />
Tänze zur Pausengestaltung präsentierte.<br />
Es waren dies der „Tiroler“, der „Wenner<br />
Achter“ und der „Kupferstecher“. Musikalisch<br />
begleitet wurden die Innsbrucker<br />
Tänzer und Tänzerinnen von Alois Gadener.<br />
Für das leibliche Wohl der Festbe-<br />
30 Jahre Volkstanzgruppe Steinegg<br />
Mit einem gemeinsamen Lied endete<br />
der Maitanz.<br />
sucher sorgte die Volkstanzgruppe Steinegg.<br />
Für die hervorragende Organisation<br />
sei ihr auf diesem Wege herzlich gedankt.<br />
Der nächste Gesamttiroler Maitanz wird<br />
2015 wieder in Nordtirol stattfinden – voraussichtlich<br />
in Hall in Tirol.<br />
Monika Burger-Wenter<br />
Hereinspaziert<br />
•<br />
•<br />
•<br />
AlmtanzamSonntag,6.Juli<strong>2014</strong>,aufderKreuzwiesenalminLüsen<br />
Bergmesse um 11.00 Uhr, anschließend Auftanz. Weitere Informationen zur Veranstaltung erteilt das<br />
Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz (0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org).<br />
Gemeinsamstatteinsam…Musizieren,Singen,Tanzen,Naturgenießen…..<br />
im Bildungshaus Lichtenburg in Nals vom Sonntag, 27. Juli bis Samstag, 2. August <strong>2014</strong>. Besonders<br />
eingeladen sind Familien mit großen, kleinen und ganz kleinen Kindern, aber auch Einzelpersonen,<br />
die gerne singen, musizieren, tanzen und Gemeinschaft erleben. Nähere Auskünfte bei der Lichtenburg:<br />
bildungshaus@lichtenburg.it – Tel. 0471 057100.<br />
BergmesseamPitscherJochamSonntag,7.September<strong>2014</strong><br />
Nord- und Südtiroler Volkstänzer treffen sich zu einer gemeinsamen Messe. Anschließend wird getanzt,<br />
musiziert und die herrliche Bergwelt genossen. Weitere Informationen zur Veranstaltung erteilt<br />
das Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz (0471/970555 oder info@arge-volkstanz.org).<br />
16<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
Der Festablauf am 1. Mai hat sich bewährt<br />
und wurde auch in diesem Jahr beibehalten:<br />
Einzug der Maibaumsetzer mit dem<br />
26 Meter hohen Baum am Vormittag und<br />
Aufstellen des Baumes; Begleitung durch<br />
die Aurer Tanzlmusig und die JuKAuer (Jugendkapelle<br />
Auer); am frühen Nachmittag<br />
Aufführung des Bandltanzes durch die Jugendvolkstanzgruppe<br />
Pfalzen, anschließend<br />
spielten die Haderkrainer zum Tanz<br />
auf. Dies alles schuf einen guten Rahmen<br />
für unterhaltsame Stunden in geselliger<br />
Runde am Heinrich-Lona-Platz.<br />
Ein gelungenes Maibaumfest <strong>2014</strong><br />
Maibaumfest als Fixpunkt unter den Festen in Auer hat<br />
Festlichkeiten und Schutz der<br />
Umwelt gehen Hand in Hand<br />
Für das leibliche Wohl hatten Bernd<br />
Schwienbacher und sein Team von Emotion<br />
Event gesorgt. Die Speisekarte war<br />
wieder durch traditionelle, regionale und<br />
saisonale Gerichte gekennzeichnet. Dies<br />
alles im Hinblick auf einen respektvollen<br />
Umgang mit der Natur: Es wurde weitgehend<br />
auf Kunststoffbesteck und -teller<br />
verzichtet und langlebiges Porzellan und<br />
Edelstahlbesteck verwendet. Durchgängig<br />
Positives war darüber aus den Reihen der<br />
Festbesucher zu hören.<br />
Mit viel Muskelkraft erfolgte das<br />
Aufstellen des Baumes.<br />
Brauch mit europäischer<br />
Ausdehnung<br />
Der Brauch des Maibaumsetzens war<br />
in vielen Teilen Mitteleuropas – auch in Tirol<br />
– weit verbreitet und ist mit Fruchtbarkeitssymbolen<br />
behaftet. 1999 setzte sich<br />
die Volkstanzgruppe zum Ziel, diesen in<br />
Vergessenheit geratenen Brauch auch in<br />
Auer wieder neu zu beleben. Für die Organisation<br />
des diesjährigen Festes verantwortlich<br />
zeichnete der seit einem Jahr<br />
Der Bandltanz der<br />
Jugendvolkstanzgruppe Pfalzen<br />
neu gewählte Ausschuss der Volkstanzgruppe:<br />
Obmann Kurt Unterholzner, Vizeobfrau<br />
Evelyn Pfeifer, Tanzleiterin Barbara<br />
Villotti, Kassierin Christiane Pircher,<br />
Schrift- und Trachtenleiterin Gitte Kalser<br />
und Fotoreferent Rainer Cuel.<br />
Gedankt sei an dieser Stelle allen Festbesuchern<br />
für die Teilnahme sowie allen<br />
Unterstützern, Freunden, Gönnern und<br />
freiwilligen Helfern, die zum guten Gelingen<br />
des Maibaumfestes beigetragen haben.<br />
Evelyn Pfeifer<br />
Das traditionelle Terlaner Maibaumfest der<br />
Volkstanzgruppe Terlan fand auch in diesem<br />
Jahr mit über 1.200 Besuchern großen<br />
Anklang. Mit Spannung und Begeisterung<br />
verfolgten die Gäste am 1. Ma das Aufstellen<br />
des Baumes und den Bandltanz.<br />
Tradition rund um den Mai<br />
Großes Interesse am Maibaumfest der<br />
Volkstanzgruppe Terlan<br />
Fest mit Tradition<br />
Seit 1995 lädt die Volkstanzgruppe Terlan,<br />
die in diesem Jahr ihr 45-jähriges Jubiläum<br />
feiert, zum Maibaumfest ein. So stellten<br />
auch heuer am Tag der Arbeit über 30<br />
kräftige Männer mit Muskelkraft den Maibaum<br />
auf dem Terlaner Dorfplatz auf. Dabei<br />
kam in diesem Jahr ein neues System<br />
zur Anwendung. Besonders wichtig ist den<br />
Veranstaltern immer die Sicherheit der Aufsteller<br />
und der Festbesucher. Nachdem das<br />
Aufstellen des Baumes geglückt war, wurde<br />
am frühen Nachmittag der „Bandltanz“ mit<br />
16 Volkstänzerinnen und Volkstänzern aufgeführt.<br />
Dafür wurde vorab unter der Leitung<br />
von Hans-Peter Höller fleißig geprobt.Musikalisch<br />
umrahmt wurde das Fest von der Terlaner<br />
Böhmischen und dem Maultasch Trio.<br />
Mit Stangen wird der Baum aufgestellt.<br />
Reges Interesse der Bevölkerung<br />
„Das Maibaumfest war in diesem Jahr<br />
so gut besucht wie vermutlich noch nie zuvor.<br />
Der Aufwand für das Fest ist beachtlich<br />
und deshalb freut es uns, dass das Interesse<br />
so groß war“, sagt Thomas Haberer,<br />
Obmann der Volkstanzgruppe Terlan. „Ein<br />
Der Bandltanz der Volkstanzgruppe Terlan<br />
solches Fest ist ohne den fleißigen Einsatz<br />
der Mitglieder und der freiwilligen Helfer<br />
nicht möglich, deshalb gebührt ihnen ein<br />
großer Dank“, so der Obmann.<br />
Der fast 32 Meter hohe und 78 Jahre<br />
alte Maibaum wird nun für einen Monat<br />
auf dem Terlaner Dorfplatz stehen bleiben.<br />
Volkstanzgruppe Terlan<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 17
• Büchertisch •<br />
Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />
„Inser beschtes<br />
G’wond“<br />
Frauentrachten aus dem<br />
südlichen Tirol<br />
Die Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />
stellt Dokumentation der Frauentrachten<br />
im südlichen Tirol vor.<br />
Als ein „Jahrhundertwerk“ wird die von<br />
der Südtiroler Bäuerinnenorganisation<br />
unter der Leitung von Hiltraud Erschbamer<br />
herausgegebene Publikation über<br />
Frauentrachten aus dem südlichen Tirol<br />
bezeichnet. An der im Neumarkter Verlag<br />
„Effekt!“ erschienenen Tirolensie haben<br />
jahrelang Fachleute, Historiker und<br />
Trachtenschneider, aber auch alle Bezirksbäuerinnen<br />
sowie Dutzende Helfer<br />
und Helferinnen vor Ort mitgearbeitet.<br />
Das Buch geht auf eine Idee von Monika<br />
Rechenmacher und Maria Anna Plunger<br />
zurück: „Es war uns ein großes Anliegen,<br />
dass das Wissen über die Tracht<br />
nicht nur wie bisher größtenteils mündlich<br />
weitergegeben wird, sondern dass<br />
es ein fachlich fundiertes Nachschlagewerk<br />
gibt, das auch über die kleinsten<br />
Details Aufschluss gibt“, so die beiden<br />
Bezirksbäuerinnen. Herausgekommen<br />
ist ein einzigartiges Werk mit aussagekräftigen,<br />
bestechenden Bildern des<br />
Fotografen Florian Andergassen sowie<br />
mit informativen und zugleich leicht verständlichen<br />
Beschreibungen der einzelnen<br />
Frauentrachten.<br />
Die Tracht als das typische Alltags- bzw.<br />
Festtagsgewand der bäuerlichen Bevölkerung<br />
hat sich erst im 18. Jh. herausgebildet.<br />
In diese Zeit fällt aber auch eine<br />
weitere Charakteristik der Tracht, nämlich<br />
ihr regionaler Charakter, das heißt,<br />
dass sie einem bestimmten Gebiet zugeordnet<br />
werden kann. Im Gegensatz<br />
zur Mode ist die Tracht also stets Ausdruck<br />
und Kulturgut der Gemeinschaft<br />
eines bestimmten Gebietes. Dabei hat<br />
sie sich bis in das 20. Jh. auch selbst<br />
verändert.<br />
Während sich früher die Trachtengebiete<br />
mit den damaligen Gerichts- und<br />
damit Verwaltungsgrenzen deckten, ist<br />
dieses Kriterium heute nicht mehr ohne<br />
BUCH<br />
Das Wissen über die Tracht ist größtenteils mündlich überliefert.<br />
Viele Trachtenbegeisterte wissen deshalb heute nicht mehr genau,<br />
wie die Tracht ihres Gebietes aussieht und wie sie richtig getragen<br />
wird.<br />
Diese Dokumentation soll dazu dienen, dass die Trachten, die<br />
im Laufe der Jahrhunderte auch den modischen Einflüssen<br />
der jeweiligen Zeit unterlagen, in ihrer traditionellen Form der<br />
Nachwelt erhalten bleiben und damit auch in Zukunft originalgetreu<br />
nachgeschneidert werden können.<br />
Aussagekräftige Fotos und einfache Beschreibungen − ergänzt<br />
durch eine geschichtliche Einführung und die Erklärung<br />
von Fachbegriffen − machen dieses Buch zum einzigartigen<br />
Nachschlagewerk für diesen besonderen Kulturschatz.<br />
weiteres anwendbar, denn Trachtenlandschaften<br />
haben sich auch in ihren Grenzen<br />
verändert. So werden in manchen<br />
Gebieten parallel verschiedene Trachten<br />
getragen, oder aber auch dieselben, die<br />
sich nur in kleinen Details unterscheiden.<br />
Wo kann, wo darf, wo muss eine ganz bestimmte<br />
Tracht getragen werden? Gerade<br />
auch in dieser Frage bietet „Inser beschtes<br />
G’wond“ verlässliche Informationen:<br />
Prinzipiell gilt aber, dass eine Tracht nie<br />
nur von einem bestimmten Verein − beispielsweise<br />
von einer Musikkapelle − getragen<br />
werden darf, sondern dass sie immer<br />
zumindest für ein ganzes Dorf, oft sogar<br />
für die ganze Talschaft Gültigkeit hat. Wer<br />
sich auskennt, sieht an einer Tracht also,<br />
woher die Trägerin kommt und ob ein hoher<br />
Festtag, ein niederer Feiertag oder ein<br />
Trauertag ist.<br />
Es war den Autoren dieses Buches ein<br />
großes Anliegen, auf die vielen noch so kleinen<br />
Details hinzuweisen, damit die heute<br />
im südlichen Tirol getragenen Trachten<br />
in ihrer traditionellen Form der Nachwelt<br />
erhalten bleiben und so auch in Zukunft<br />
originalgetreu nachgeschneidert werden<br />
können. Interessant ist gerade in diesem<br />
Zusammenhang auch der Überblick über<br />
die Erforschung des Trachtenwesens, auf<br />
die im Buch eingegangen wird und die<br />
zum Teil im nicht immer ganz unproblematischen<br />
Umfeld erfolgte.<br />
Von großem Wert ist die Fülle von Hinweisen,<br />
wie die Tracht richtig angezogen wird:<br />
wie der Flor gebunden wird, wie ein Tüchl<br />
richtig in Falten gelegt und fi xiert wird, wie<br />
Inser beschtes G̛wond<br />
Inser beschtes<br />
G̛wond<br />
Frauentrachten aus dem südlichen Tirol<br />
beispielsweise eine Gollerkette angelegt<br />
wird, welche Schuhe zur Tracht gehören<br />
und vieles mehr. In nicht wenigen heute<br />
noch vielfältigen und lebendigen Trachtengebieten<br />
– gerade in jenen mit Tüchltrachten<br />
wie im Sarntal und in Villanders<br />
− bedarf es außerdem genauer Informationen,<br />
zu welchen kirchlichen und weltlichen<br />
Anlässen welches Tuch, welche Schürze<br />
oder welche Überbekleidung getragen wird.<br />
Auch dazu dient dieses Nachschlagewerk.<br />
Da die Tracht ein wertvolles Gewand ist, das<br />
über Jahrzehnte, oft sogar über Generationen<br />
getragen wird, gilt es, sie besonders<br />
sorgfältig zu pfl egen. Im Buch fi nden sich<br />
nicht nur grundlegende Pfl egehinweise,<br />
sondern auch eine ganze Reihe von Tipps,<br />
wie einzelne Trachtenteile schonend gereinigt<br />
werden.<br />
Alles in allem ist „Inser beschtes G’wond“<br />
nicht nur eine außergewöhnliche Dokumentation,<br />
die neben den derzeit in Südtirol<br />
getragenen Frauentrachten auch noch<br />
Beispiele aus Welschtirol aufzeigt, sondern<br />
es ist zugleich auch das erste zeitgemäße<br />
Nachschlagewerk überhaupt für diesen<br />
besonderen Kulturschatz.<br />
Margareth Lun<br />
Inser beschtes G’wond · Frauentrachten aus<br />
dem südlichen Tirol. Herausgeber: Südtiroler<br />
Bäuerinnenorganisation, 308 Seiten, fest<br />
gebunden, Preis: 38 Euro.<br />
Erhältlich in allen Buchhandlungen und<br />
im Büro der Südtiroler Bäuerinnenorganisation,<br />
Tel. 0039 0471 999460,<br />
info@baeuerinnen.it, www.baeuerinnen.it<br />
18<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Heimatpflege<br />
Heimatpfl egeverband Südtirol, zusammengestellt von Franz Wolkinger und Josef Oberhofer<br />
Dokumentation über die 20. Naturschutzwochen<br />
Ziel und Aufgabe der Naturschutzwochen<br />
ist eine vertiefte Wahrnehmung der eigenen<br />
Heimat. Das faszinierende Natur- und<br />
Kulturerbe Südtirols wird dabei bei interessanten<br />
Exkursionen hautnah erlebt und in<br />
Vorträgen zu unterschiedlichen Themen<br />
auch von der theoretischen Warte aus erschlossen.<br />
Einer ganzheitlichen Sichtweise<br />
entsprechend informieren Fachleute und<br />
Ortskundige über Geologie und Klima, Mineralien<br />
und Fossilien, Pfl anzen und Tiere. Mit<br />
einbezogen wird immer auch der Mensch<br />
als Gestalter einer kleinfl ächig strukturierten<br />
Kulturlandschaft, aber auch als Gefahr für<br />
das ökologische Gleichgewicht.<br />
Als Veranstaltungsorte werden jeweils Typenlandschaften<br />
Südtirols im Bereich des<br />
Alpenhauptkammes und der Südalpen gewählt,<br />
von denen mehrere als Naturparke<br />
ausgewiesen sind.<br />
Seit dem Europäischen Naturschutzjahr<br />
1970 organisiert der Heimatpfl egeverband<br />
Südtirol in einem zweijährigen Rhythmus<br />
diese so genannten Naturschutzwochen.<br />
Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit dem<br />
Katholischen Südtiroler Lehrerbund und<br />
der Landesabteilung für Natur und Landschaft.<br />
Die Naturschutzwochen wollen<br />
weite Kreise ziehen, so wirken die teilnehmenden<br />
Lehrpersonen bereits landesweit<br />
als Multiplikatoren bei Kindern und<br />
Jugendlichen.<br />
Die Dokumentation umfasst neben einer<br />
resümierenden Beschreibung aller 20<br />
Naturschutzwochen im Anhang auch allgemeine<br />
Informationen aus dem europäischen<br />
Kontext.<br />
96 Seiten. Das Heft ist kostenlos im Büro des<br />
Heimatpfl egeverbandes erhältlich.<br />
Dokumentation<br />
über die 20 Naturschutzwochen<br />
veranstaltet vom Heimatpflegeverband Südtirol<br />
in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Südtiroler Lehrerbund<br />
Zusammengestellt von<br />
Franz WOLKINGER, Graz und Josef OBERHOFER, Bozen<br />
Mit einem Vorwort von Peter ORTNER<br />
und Sonia KLOTZ SPORNBERGER<br />
sowie mit einer Karte und zahlreichen Abbildungen<br />
Bozen <strong>2014</strong><br />
Simone Frignani<br />
Der Benediktweg<br />
Von Nursia über Subiaco nach Montecassino<br />
auf den Spuren des hl. Benedikt. Für<br />
Fuß- und Radpilger. Mit detailreichen Karten.<br />
Der neue Benediktweg – die spirituelle<br />
Alternative zum Jakobsweg. Naturparks,<br />
Römerwege und Klöster – auf alten Pfaden<br />
durch die Region Latium.<br />
Seit kurzem sorgt ein neuer Pilgerweg in Italien<br />
für Furore, der „Benediktweg“, der die<br />
wichtigsten Lebensstationen des hl. Benedikt<br />
(ca. 480–547) miteinander verbindet:<br />
Nursia in Umbrien, wo er geboren wurde,<br />
Subiaco, wo er 30 Jahre lang gewirkt und<br />
zum Gründervater des westlichen Mönchstums<br />
geworden ist, und Montecassino im<br />
südlichen Latium, wo er die letzten Jahre<br />
seines Lebens zugebracht hatte.<br />
Der 300 Kilometer lange Pilgerweg (16 Etappen)<br />
führt durch jahrtausendealte Kulturlandschaft<br />
und abwechslungsreiche Natur<br />
am Fuße der Apenninen: von Nursia,<br />
im Nationalpark Sibillinische Berge gelegen,<br />
geht es über das franziskanische<br />
Poggio Bustone in das Rieti-Tal, auf alten<br />
Schmugglerpfaden weiter ins Aniene-<br />
Tal und vorbei an mittelalterlichen Burgen<br />
und Abteien nach Subiaco, das unweit der<br />
Grenze zu den Abruzzen am Rande des<br />
Naturparks Monti Simbruini liegt. Am Südhang<br />
der Monti Ernici führt der Pilgerweg<br />
weiter ins Liri-Tal und durch Arpino (die<br />
Heimatstadt des Cicero) sowie Roccasecca<br />
(die Heimat des Thomas von Aquin) nach<br />
Montecassino, der berühmten Abtei, die<br />
vier Mal zerstört und vier Mal wieder aufgebaut<br />
wurde.<br />
Dieser Führer ist die erste deutsche Übersetzung<br />
zum Benediktweg. Er bietet genaue<br />
Wegbeschreibungen, zahlreiche<br />
Fotos und gut lesbare Karten, sowie eine<br />
eigene Routenempfehlung für Radfahrer.<br />
Informationen zu den Sehenswürdigkeiten<br />
am Weg, zum Leben des hl. Benedikt und<br />
zur Geschichte und Spiritualität seines Ordens<br />
machen das Buch zudem zum umfassenden<br />
Begleiter für alle Benediktpilger.<br />
Der Autor:<br />
SIMONE FRIGNANI, geb. 1971, studierte<br />
Biologie in Modena und lebt heute als Religionslehrer<br />
in Maranello (Emilia Romagna);<br />
von klein auf bei den Pfadfi ndern,<br />
lernte er in Spanien den Jakobsweg kennen,<br />
war am Berg Athos und beschäftigte<br />
sich mit benediktinischer Spiritualität. Zwischen<br />
2009 und 2012 entwickelte er den<br />
Benediktweg und betreibt die viel besuchte<br />
Website zum Weg, siehe www.camminodisanbenedetto.it<br />
192 Seiten, 73 farb. u. 2 sw.Abb.,32 farb.<br />
Karten 22 Höhendiagramme, 11,5 x 21<br />
cm, Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien <strong>2014</strong><br />
22,95 Euro<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 19
Vorweg<br />
Singende Menschenkette für<br />
die Europaregion Tirol<br />
Erich Deltedesco<br />
Nach einem arbeitsintensiven Frühjahr<br />
mit vielen verschiedensten Chorkonzerten<br />
und beeindruckenden Mitgestaltungen von<br />
kirchlichen Feiern und Festen genießen<br />
die allermeisten Chöre bald die ruhige<br />
Sommerzeit.<br />
Umso lobenswerter ist es, dass viele<br />
Sängerinnen und Sänger ihre Ferien zum<br />
Besuch einer Schulungswoche nützen.<br />
Nicht nur um die eigene künstlerische<br />
Ader ausleben oder sich selbst verwirklichen<br />
zu können, sondern – und dies erscheint<br />
mir besonders wichtig und wünschenswert<br />
– um das Erlebte und Erlernte,<br />
sowie neu gewonnene Ideen in ihren Chören<br />
weiter zu vermitteln. Es ist überaus<br />
erfreulich, dass auch heuer wieder die<br />
Seminare des Chorverbandes auf reges<br />
Interesse stoßen. Das Fortbildungsprogramm<br />
beinhaltet Angebote für alle Altersbereiche<br />
und für unterschiedlichste<br />
Zielgruppen. Die bereits eingelaufenen<br />
Anmeldungen lassen erwarten, dass alle<br />
Schulungswochen – besonders auch die<br />
Seminare für Kinder und Jugendliche -<br />
sehr gut besucht sein werden. Ich wünsche<br />
allen viele frohe und erfüllte Stunden<br />
bei den Seminaren des Südtiroler Chorverbandes<br />
und lade Kurzentschlossene<br />
ein sich noch schnellstens anzumelden.<br />
Musikalische Fackel durch die<br />
gesamte Region weiterreichen<br />
Auf eine besondere Veranstaltung, auf<br />
einen Sängerrekord der etwas anderen<br />
Art, möchte ich aufmerksam machen<br />
und zur Teilnahme noch einmal herzlichst<br />
einladen. Der amerikanische Künstler<br />
Zefrey Throwell hat den vierten Satz<br />
seiner ENTRROPY SYMPHONY für die<br />
Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino geschrieben.<br />
Auf Einladung von Transart Festival und<br />
dem Generalsekretariat der Europaregion<br />
Tirol bringen der Tiroler Sängerbund, der<br />
Südtiroler Chorverband, die Federazione<br />
Cori dell’Alto Adige und die Federazione<br />
Cori del Trentino am Sonntag, 14. September<br />
<strong>2014</strong>, diesen vierten Satz unter<br />
kompositorischer Anleitung des Osttirolers<br />
Wolfgang Mitterer zur Aufführung. Die<br />
Strecke von Ala bis Kufstein wird mittels<br />
zweier „Klang-Pipelines“ vermessen, die<br />
Sänger/innen aus dem Trentino, aus dem<br />
Bundesland Tirol und aus Südtirol fungieren<br />
sozusagen als musikalische Fackelträger,<br />
die gemeinsam Ton für Ton durch<br />
die gesamte Region weiterreichen, diese<br />
mit ihrem harmonischen Gesang verbinden,<br />
um sich dann von Norden und Süden<br />
kommend in der Festung Franzensfeste<br />
zum großen Finale zu treffen. Bis<br />
zu 6.800 Sänger/innen werden benötigt,<br />
um die Maximalstrecke von Kufstein bis<br />
Ala zum Klingen zu bringen.<br />
Haus Europaregion<br />
Ganz sicher ist eine solche Art von Veranstaltung<br />
für unsere Chöre etwas nicht<br />
ganz Alltägliches, hat mit gewohnter, traditioneller<br />
Chortätigkeit nichts zu tun. Ich<br />
weiß aber, dass unsere Chorgemeinschaften<br />
gerne auch einmal Ausschau halten<br />
nach anderen Ufern, bereit sind, sich dem<br />
Neuen, dem Ungewöhnlichen zu öffnen.<br />
Ich denke, diese Veranstaltung ist eine<br />
interessante Chance einmal etwas ganz<br />
Ungewohntes, etwas Fremdes, etwas<br />
Spannendes zu erleben. Nach dem Willen<br />
der drei Landesregierungen soll die<br />
Europa-Region Tirol-Südtirol-Trentino zu<br />
einem einzigen Kulturraum zusammenwachsen.<br />
Die Chorverbände in der Europaregion<br />
haben diesbezüglich schon<br />
viel Vorarbeit geleistet, arbeiten bereits<br />
gut und erfolgreich zusammen. Und so<br />
werden am 14. September <strong>2014</strong> Sängerinnen<br />
und Sänger aus dem Bundesland<br />
Tirol, aus Südtirol und aus dem Trentino<br />
ganz im Sinne des Euregio-Kulturplanes<br />
gemeinsam am „Haus Europaregion“<br />
weiterbauen. Eine singende Menschenkette<br />
wird dieses zu einem bisher noch<br />
nie dagewesenen Schau- und Klangplatz<br />
werden lassen.<br />
Erich Deltedesco<br />
Obmann des Südtiroler<br />
Chorverbandes<br />
20<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Das Thema<br />
Chorwesen<br />
„Singen ist Leben!“<br />
Südtiroler Chorverband: Südtiroler Jugendchortreff auf Schloss Maretsch<br />
Überrascht vom großen Interesse am Jugendchortreff und von der musikalischen Energie der<br />
Teilnehmer war auch der Leiter des Workshops, der bekannte Referent Markus Detterbeck.<br />
„Einen solchen Chor zu leiten, ist schon<br />
fantastisch!“ freute sich der Leiter des 1.<br />
Südtiroler Jugendchortreffs in Schloss Maretsch,<br />
der Schulmusiker und gefragte Referent<br />
Markus Detterbeck (Bensheim), bei<br />
der Abschlussveranstaltung am vergangenen<br />
Samstag.<br />
Zwei Dinge hätten ihn besonders gefreut:<br />
das Rieseninteresse am Workshop, der unter<br />
dem Motto „Groove im Chor“ stand, und<br />
die Energie, die die jungen Sänger/innen<br />
nach einem langen Tag noch hätten. 125<br />
Sänger und Sängerinnen zwischen 16 und<br />
28 hatten von 9.30 Uhr bis 19.30 Uhr an<br />
ihren vorbereiteten Liedern gearbeitet und<br />
improvisiert, Tipps für die Stimme erhalten<br />
und vor allem viel Spaß an der Gemeinschaft<br />
erlebt. Der Obmann des Südtiroler Chorverbandes<br />
Erich Deltedesco verfolgte den Workshop<br />
aufmerksam mit und freute sich über<br />
das große Engagement der Jugendlichen:<br />
„Danke für euer Kommen, für euren Einsatz<br />
für den Chorgesang“. Der Südtiroler Chorverband<br />
sehe die Förderung des Chorsingens<br />
bei Kindern und Jugendlichen als einen<br />
wichtigen Schwerpunkt an. Das heurige<br />
Arbeitsjahr steht dabei mit verschiedenen<br />
Veranstaltungen in Besonderem Maße im<br />
Zeichen der Jugend.<br />
Dass die Jugend sich für den Chorgesang<br />
begeistern kann, bewies das Abschlusskonzert<br />
zum Workshop, das trotz der anspruchsvollen<br />
Werke zu einem fulminanten Feuerwerk<br />
der Lebensfreude wurde. Die Pop- und<br />
Rocklieder, darunter Werke von Sting, den<br />
Wise Guys, ein Lied aus Kenia, aber auch<br />
Eigenkompositionen von Detterbeck, hatten<br />
die Jugendlichen zum Teil schon mit<br />
ihren Chorleitern vorbereitet, doch Markus<br />
Detterbeck ging weit über den Vortrag des<br />
Einstudierten hinaus und improvisierte mit<br />
dem großen Chor, riss die Jugendlichen<br />
und schließlich auch das Publikum zum<br />
gemeinsamen Gesang mit: „Das größte Geschenk<br />
für mich ist, wenn Musik zu leben<br />
beginnt!“ Auch inhaltlich passten die Lieder<br />
gut zum jugendlichen Chor: So ging es im<br />
Lied der Wise Guys darum, dass es „nicht<br />
immer leicht ist, ich zu sein“: „Ich wäre gern<br />
viel größer, hätte gern mehr Geld, ich wäre<br />
gern viel schöner...“ heißt es im Text. Detterbeck<br />
erklärte in seiner Einführung, dass<br />
der Song uns sagen will, zufrieden mit uns<br />
selbst zu sein. Im von Detterbeck komponierten<br />
Stück heißt es: „Hisse deine Segel!“,<br />
ein Aufruf, sich auf den Weg zu machen,<br />
Ideen, die man hat, zu verwirklichen.<br />
Das Lied von Detterbecks Lieblingspopsänger<br />
Sting erzählt von der Ermordung eines<br />
Freundes in einer „zerbrechlichen Welt“.<br />
Sting schaffe es, die Gefühle in Bilder zu<br />
packen, erklärte Detterbeck, und auch hier<br />
schaffte er es, seine Begeisterung auf die<br />
jungen Sänger und Sängerinnen zu übertragen,<br />
unter denen auch viele des Landesjugendchors<br />
Südtirol waren. Unterstützt<br />
wurde der Chor von Andreas Kuch aus Weimar,<br />
der mit seiner Stimme ein ganzes Orchester,<br />
vor allem das Schlagzeug, ersetzte.<br />
So war die Vocal-Percussion ein wesentlicher<br />
Bestandteil des Workshops, der auch viele<br />
Sänger und Sängerinnen zu eigenem Improvisieren<br />
inspirierte.<br />
„Ich hoffe, dass die Energie des Jugendchortreffs<br />
weitergetragen wird und dass es<br />
wieder einmal eine ähnliche Veranstaltung<br />
gibt!“, sagte Detterbeck zum Abschied. Die<br />
Bedeutung solcher Veranstaltungen für die<br />
Weiterentwicklung der Chorkultur im Lande<br />
betonte auch Verbandschorleiterstellvertreterin<br />
Ulrike Malsiner, die sich vorstellen kann,<br />
dass der Südtiroler Jugendchortreff etwa<br />
alle drei Jahre veranstaltet werden könnte.<br />
Seiner Freude über den großen Anklang der<br />
Veranstaltung gab auch Verbandschorleiter<br />
Armin Mitterer Ausdruck, der ebenfalls zum<br />
Abschlusskonzert gekommen war.<br />
So endete der Abend mit dem Lied „Wer<br />
hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon<br />
so spät?“ und der Chor verabschiedete sich<br />
mit den Worten: „Es war phänomenal, bis<br />
zum nächsten Mal!“<br />
Markus Detterbeck schaffte es, mit<br />
Begeisterung und Fachkompetenz die<br />
Jugendlichen zu einem großen Chor<br />
zusammenzuführen, der Spaß am<br />
Singen hatte und dabei auch viel lernte.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 21
Das Thema<br />
Unter dem Motto „Musik liegt in der Luft“<br />
trafen sich am Freitag, 23. Mai, im Vereinshaus<br />
„Peter Thalguter“ in Algund 230 Kinder<br />
von sieben Kinder- und Jugendchöre aus<br />
verschiedenen Landesteilen zur fünfzehnten<br />
Ausgabe von „Jugend singt <strong>2014</strong>“ und stellten<br />
sich dabei der Bewertung durch eine<br />
Jury: der Musikschulchor der Musikschule<br />
Meran/Passeier, der Burggräfler Kinderchor<br />
„Vox Jubilans“, der Nalser Kinderchor „Die<br />
Goldkehlchen“, die Klasse Vokalausbildung<br />
Jugend an der Musikschule Salurn, der Vinzentiner<br />
Mädchenchor aus Brixen, der Schulchor<br />
der Mittelschule „Ursulinen“ aus Bruneck<br />
und der Kinderchor Völs am Schlern.<br />
Viele Eltern, Freunde und Bekannte waren<br />
gekommen, um den Liedern zu lauschen.<br />
Der Geschäftsführer des Südtiroler Chorverbandes<br />
Josef Mair, der durch die Veranstaltung<br />
führte, betonte, dass es der Sinn<br />
dieser Veranstaltung sei, in Kindern und Jugendlichen<br />
die Freude am Singen zu wecken<br />
und das Chorsingen an den Schulen<br />
gezielt zu fördern. Nicht der „zwar friedliche<br />
Wettstreit“ stehe im Vordergrund, sondern<br />
das Gemeinschaftserlebnis, das Sich-Treffen,<br />
Sich-Kennenlernen und die Freude<br />
am gemeinsamen Singen und Musizieren.<br />
Die Literaturauswahl war grundsätzlich<br />
jeder Gruppe freigestellt, darauf zu achten<br />
war, dass sie dem Alter der Teilnehmer angepasst<br />
ist. Für jeden Chor waren drei bis<br />
fünf Lieder pro Singgruppe vorgesehen.<br />
Juror und Fachinspektor für Musikerziehung<br />
Siegfried Singer betonte, dass er positiv<br />
überrascht sei von der vielfältigen Art<br />
der Darbietungen, die vom Kleinchor einer<br />
Stimmbildungsklasse bis zum Großchor einer<br />
ganzen Mittelschule reichen. Auch die<br />
Programmauswahl sei sehr vielfältig gewesen.<br />
Vom alpenländischen Volkslied, neuer<br />
Kinderlied-Literatur bis zu Kunstgesängen<br />
war alles vertreten: „Ein großes Kompliment<br />
für die Arbeit der Leiterinnen und Leiter!“<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco betonte<br />
in seinen Grußworten die Wichtigkeit<br />
des Singens im Erziehungs- und Bildungsprozess<br />
der Kinder: „Kinder, die regelmäßig<br />
singen und musizieren, entwickeln sich<br />
nicht nur gesünder und klüger, sondern<br />
sind auch friedfertiger und haben größere<br />
soziale Fähigkeiten.“ Sein Dank galt dem<br />
Deutschen Schulamt als Mitträger der Veranstaltung<br />
und den Sponsoren der Stiftung<br />
Sparkasse und dem Kulturamt der Südtiroler<br />
Landesregierung. Vor allem galt sein Dank<br />
aber den Chorleitern und Chorleiterinnen<br />
und den Kindern: „Ihr alle seid heute hier<br />
Gewinner, denn ihr gewinnt Freude und<br />
„Ihr alle seid Sieger!“<br />
Der Burggräfler Kinderchor „Vox<br />
Jubilans“ unter der Leitung von Hans<br />
Schmidhammer<br />
Die Klasse Vokalausbildung Jugend<br />
an der Musikschule Salurn unter der<br />
Leitung von Ursula Torggler<br />
Der Schulchor der Mittelschule<br />
„Ursulinen“ aus Bruneck unter der<br />
Leitung von Gudrun Mayrl<br />
Freunde!“ Zum Schluss hatten alle Chorleiter/innen<br />
die Möglichkeit zu einem Gespräch<br />
mit der Jury. Alle Chöre erhalten<br />
außerdem einen Wertungsbericht der Jury,<br />
die auch den Chor bestimmt, der den Südtiroler<br />
Chorverband beim Kinderchorfestival<br />
2015 in Wien vertreten wird. Abschließend<br />
erhielten die Leiterinnen und Leiter<br />
„Jugend singt <strong>2014</strong>“ in Algund<br />
Der Musikschulchor der<br />
Musikschule Meran/Passeier unter<br />
der Leitung von Susanne Obkircher<br />
Der Nalser Kinderchor „Die<br />
Goldkehlchen“ unter der Leitung von<br />
Eva Paone Geie<br />
Der Vinzentiner Mädchenchor aus<br />
Brixen unter der Leitung von Klara<br />
Sattler<br />
Der Kinderchor Völs am Schlern<br />
unter der Leitung von Agnes Plunger<br />
der Singgruppen stellvertretend für alle jungen<br />
Sängerinnen und Sänger das Singbuch<br />
„Kommt zum Singen“ und einen Pizzagutschein.<br />
Mit einer gemeinsamen Stärkung<br />
endete die Kinder- und Schulchorveranstaltung,<br />
die auch heuer wieder Ausdruck<br />
der lebendigen und jungen Chorlandschaft<br />
in Südtirol war.<br />
22<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Aus Verband und Bezirken<br />
Chorwesen<br />
Tiefer Blick in die Seele<br />
Bezirkskonzert - Salzburger Passionssingen in Schlanders<br />
Ein zum Nachdenken anregendes Erlebnis war das Passionssingen in Schlanders und Meran, bei dem der Bezirkschor des<br />
Südtiroler Chorverbandes mitwirkte.<br />
Über ein besonderes Bezirkskonzert des<br />
Bezirks Burggrafenamt-Vinschgau im Südtiroler<br />
Chorverband freuten sich heuer Sänger<br />
und Sängerinnen: Unter der Leitung von<br />
Bezirkschorleiterin Julia Perkmann und der<br />
Gesamtleitung von Josef Radauer aus Salzburg<br />
wirkten sie beim „Salzburger Passionssingen“<br />
mit. „Wir Salzburger freuen<br />
uns sehr, dass wir uns gemeinsam auf die<br />
Passionszeit einstimmen können!“<br />
Mit diesen Worten begrüßte Josef Radauer<br />
die Besucher am Samstag, den 5.<br />
April, in der Pfarrkirche von Schlanders<br />
und am 6. April in der Evangelischen Christuskirche<br />
in Meran.<br />
Unter der künstlerischen Leitung von<br />
Radauer zeigten Sänger, Musiker und<br />
Schauspieler aus Salzburg und aus dem<br />
Bezirk Burggrafenamt-Vinschgau im Süd-<br />
tiroler Chorverband die Passion Jesu aus<br />
der Sicht des Nikodemus. Nikodemus war<br />
ein heimlicher Jünger Jesu, innerlich für<br />
Jesus begeistert, aber feige, und er zögerte,<br />
sich öffentlich gegen das Unrecht<br />
zu äußern. So erfuhr die Aufführung der<br />
Passionsgeschichte immer wieder überraschende<br />
und zugleich tragische Wendungen<br />
mit anschaulichen Szenen im<br />
Salzburger Dialekt und geistlichen Liedern<br />
aus den verschiedensten Epochen.<br />
Die Aufführung bewirkte nicht nur<br />
eine besinnliche Stimmung, sondern ermöglichte,<br />
wie es der künstlerische Leiter<br />
Josef Radauer formulierte, „tief in die eigene<br />
Seele zu blicken“, ging es doch für<br />
Nikodemus wie für den modernen Menschen<br />
darum, sich zwischen Glauben und<br />
Vernunft, Mehrheit und eigener Weltan-<br />
schauung zu entscheiden. Josef Radauer<br />
betonte, die Aufführung wolle deutlich machen,<br />
„wie es uns erginge in der Passion,<br />
wie wir mit einem Revolutionär des Guten<br />
umgehen würden.“ Wie Nikodemus würden<br />
auch wir uns Fragen stellen, wenn<br />
Neues kommt, müssten uns entscheiden,<br />
ob wir es ablehnen, ob wir mitgehen oder<br />
nur am Rand stehen. Radauer dankte für<br />
die „wunderbare Zusammenarbeit“ mit<br />
dem 60-köpfigen Bezirkschor des Südtiroler<br />
Chorverbandes unter der Leitung<br />
von Julia Perkmann und Präsident Hermann<br />
Schönthaler von „Musica Viva Vinschgau“.<br />
Neben den Südtiroler Sängern<br />
und Sängerinnen und den Schauspielern<br />
aus Salzburg wirkten die Pongauer Bläser,<br />
das Ensemble Tobi Reiser und ein Salzburger<br />
Dreigesang beim Passionssingen mit.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 23
Aus Verband und Bezirken<br />
AGACH erinnert an Franz R. Miller<br />
Gedenkkonzert für einen „Visionär mit Bodenhaftung“<br />
Das Mendelssohn Vocalensemble unter<br />
der Gesamtleitung von Karl Zepnik<br />
Die Pfl ege des alpenländischen Liedgutes<br />
und die kulturelle Zusammenarbeit der Chorverbände<br />
des Alpenraums sind zwei Ziele<br />
der AGACH, der Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer<br />
Chorverbände, zu der auch<br />
der Südtiroler Chorverband gehört.<br />
Verbandsobmann Erich Deltedesco ist<br />
der Präsident der AGACH. Langjähriger<br />
künstlerischer Leiter der AGACH war Franz<br />
R. Miller, der am 12. <strong>Juni</strong> 2012 verstorben<br />
ist. Am 3. Mai <strong>2014</strong> gedachten der Chorverband<br />
Bayerisch-Schwaben und die Arbeitsgemeinschaft<br />
Alpenländischer Chorverbände<br />
AGACH mit einem Konzert zum<br />
Thema „Psalmenvertonungen“ des Chorleiters,<br />
Kapellmeisters, Komponisten und<br />
Redakteurs Franz R. Miller in der Kirche St.<br />
Mang in Füssen. Der Präsident des Chorverbands<br />
Bayerisch-Schwaben würdigte<br />
bei der Begrüßung zu Beginn des Konzerts<br />
Franz R. Miller als „Visionär mit Bodenhaftung“.<br />
Er habe in seinem 40-jährigen Wirken<br />
in Schwaben und in ganz Deutschland<br />
das Chorsingen wieder in den gesellschaftlichen<br />
Mittelpunkt gerückt.<br />
Das Mendelssohn Vocalensemble und<br />
das Bläserensemble der Landesmusikschule<br />
Reutte unter der Gesamtleitung von<br />
Karl Zepnik boten dem zahlreich erschienenen<br />
Publikum, darunter viele Chorleiter<br />
und Präsidenten der AGACH-Chorverbände,<br />
eine beeindruckende Interpretation<br />
von geistlichen Werken von der Romantik<br />
bis zur Moderne, Werke von Felix Mendelssohn<br />
Bartholdy, aber auch von Komponisten<br />
des 20. Jahrhunderts: Franz Philipp, Francis<br />
Poulenc und Heinrich Kaminski. Höhepunkt<br />
des Abends war die Aufführung der<br />
Hymni in honorem Sti. Benedicti von Franz<br />
R. Miller. Die Benediktus-Hymnen zählen zu<br />
seinen herausragenden Werken.<br />
Miller komponierte den 4-sätzigen Hymnus<br />
1980 anlässlich des Jubiläumsfestes<br />
zum Gedenken an den Ordensgründer Benedikt<br />
von Nursia. Das Werk wurde nun extra<br />
für diesen Anlass und auf Initiative des<br />
Chorverbands Bayerisch-Schwaben im Verlag<br />
Anton Böhm & Sohn, Augsburg, vom<br />
handschriftlichen Original in einen Notensatz<br />
übertragen und ist damit nun auch für<br />
die Nachwelt zugänglich. Karl Zepnik studierte<br />
mit seinem Ensemble während der<br />
vergangenen Monate die abwechslungsreichen,<br />
zum Teil mehrchörigen Stimmsätze<br />
der Hymni ein. Begleitet wurden die Sänger<br />
von einer interessanten Besetzung aus Holzund<br />
Blechbläsern und Orgel. Zur Einführung<br />
in die Texte der benediktinischen Ordensregel<br />
sprach Weihbischof Anton Losinger,<br />
Ehrenpräsident des Chorverband Bayerisch-<br />
Schwaben. Statt eines Eintritts konnten die<br />
Zuhörer zugunsten der Stiftung für Straßenkinder<br />
in der Ukraine spenden.<br />
Franz R. Miller<br />
24<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
Nächste Chorweihnacht ist in Trient<br />
Frühjahrstagung der AGACH<br />
Die Delegierten der AGACH-Verbände mit Präsident Erich Deltedesco<br />
Bei der Frühjahrstagung der AGACH am<br />
1. April in Innsbruck konnte Präsident Erich<br />
Deltedesco gemeinsam mit dem künstlerischen<br />
Leiter, P. Urban Stillhard, und den<br />
Vertretern der Mitgliedsverbände auf eine<br />
gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr<br />
zurückblicken.<br />
Ein Höhepunkt war die Chorweihnacht<br />
am 14. Dezember in Hittisau gewesen,<br />
„eine würdige, sehr schöne und rundum<br />
gelungene Veranstaltung“, wie Präsident<br />
Deltedesco betonte. Die Qualität der Chöre<br />
sei hervorragend und das Publikumsinteresse<br />
groß gewesen. Er bedankte sich beim<br />
Vorarlberger Chorverband und bei Roland<br />
Repnik für die perfekte Durchführung der<br />
Veranstaltung. Der Präsident konnte außerdem<br />
berichten, dass 2013 zwei Verbände<br />
neu zur AGACH dazu gekommen sind, und<br />
zwar der Bündner Kantonalgesangverband<br />
und der Verband Walliser Gesangvereine. Somit<br />
ist die Mitgliederzahl der AGACH auf nunmehr<br />
15 angestiegen. 2013 wurde weiters<br />
die Homepage www.agach.eu eingerichtet.<br />
Auch für das laufende Jahr plant die<br />
AGACH Veranstaltungen, die den Chorgesang<br />
im Alpenraum fördern sollen, so das<br />
Jugendchorfestival vom 29. Mai bis 1. <strong>Juni</strong><br />
in Innsbruck, bei dem sich rund 180 Sänger/innen<br />
aus acht Chören treffen und gemeinsam<br />
singen werden. Manfred Duringer,<br />
Obmann des Tiroler Sängerbunds,<br />
der das Festival organisiert, bedankte sich<br />
bei jenen Verbänden, die einen Jugendchor<br />
nach Innsbruck schicken. Die traditionelle<br />
Alpenländische Chorweihnacht fin-<br />
det am 6. Dezember in Trient in der Kirche<br />
San Francesco Saverio mit Beginn um 18<br />
Uhr statt. Bei der Wahl der Werke solle auf<br />
eine Ausgeglichenheit der Gattungen geachtet<br />
werden und auf die Qualität, betonte<br />
P. Urban Stillhard: „Lieder mit regionalem<br />
Charakter aus einem bestimmten<br />
zeitlichen Rahmen, die von vielen Leuten<br />
gut akzeptiert werden, sind sehr wichtig!“<br />
Die Öffnung hin zu einem breiteren Repertoire<br />
sei sehr positiv zu sehen.<br />
Die Delegierten der Verbände warfen aber<br />
auch schon einen Blick auf das nächste<br />
Jahr: So wird 2015 der Bayerische Sängerbund<br />
die Chorweihnacht in Rosenheim organisieren,<br />
im September 2015 wird es den<br />
„Tag der Chöre in den Gärten von Schloss<br />
Trauttmansdorff“ geben.<br />
„So bunt wie der Frühling sind unsere Lieder"<br />
Männerchöre des Bezirks Burggrafenamt-Vinschgau treffen sich<br />
Acht Männerchöre aus dem Bezirk Burggrafenamt-Vinschgau<br />
und ein Gastchor aus<br />
dem Pustertal trafen sich am 18. Mai im<br />
Vereinshaus St. Leonhard-Passeier und<br />
gestalteten für ein zahlreich erschienenes<br />
Publikum ein Konzert mit Werken von der<br />
Klassik bis zum Volkslied: der Männerchor<br />
Mals, der Männergesangsverein Schlanders,<br />
der Ultner Männerchor, der Jägerchor<br />
St. Leonhard-Passeier, der Männergesangsverein<br />
Dorf Tirol, der Männerchor<br />
Untermais, der Männergesangsverein Meran,<br />
der Männerchor St. Leonhard-Passeier<br />
und als Gastchor der Männerchor<br />
Sand in Taufers.<br />
Der Obmann des Bezirks Burggrafenamt-Vinschgau,<br />
Robert Wiest, freute sich,<br />
dass so viele Zuhörer zum Konzert gekommen<br />
waren. Erfreulich sei auch die gute<br />
Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein<br />
und den Chören vor Ort, dem Jäger- und<br />
Männerchor St. Leonhard-Passeier, die zusammen<br />
mit dem Bezirk Burggrafenamt-<br />
Vinschgau im Südtiroler Chorverband das<br />
Treffen organisiert hatten. Zum Männerchorkonzert<br />
waren auch Hans Schmidhammer<br />
vom Musikrat, Geschäftsführer Josef<br />
Mair und Verbandsobmann Erich Deltedesco<br />
gekommen, der in seinen Grußworten<br />
die gut organisierte und gut besuchte<br />
Veranstaltung lobte. Nach dem Konzert<br />
gab es eine kleine Stärkung für alle Mitwirkenden,<br />
und das Treffen endete bei einem<br />
fröhlichen und gemütlichen Beisammensein<br />
aller teilnehmenden Chören.<br />
St. Leonhard-Passeier<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 25
Aus Verband und Bezirken<br />
Musikprojekt „klaNg“ begeistert<br />
Aufführung in Brixen<br />
Zum zwölften Mal bot im heurigen Schuljahr<br />
der Südtiroler Chorverband in Zusammenarbeit<br />
mit dem Deutschen Schulamt<br />
und mit Unterstützung des Bereichs Deutsche<br />
und Ladinische Musikschulen das<br />
Projekt „klaNg“ an: 43 Schulklassen der<br />
Grund- und Mittelschule bekamen auch<br />
heuer wieder die Möglichkeit mit Experten<br />
musikalische Projekte zu erarbeiten,<br />
wobei die Projektangebote vom Schulchor<br />
über die Erstellung eines Musikvideoclips,<br />
die Musical-Werkstatt bis hin zur Erarbeitung<br />
von Liedern unter Einbeziehung von Instrumentalmusik<br />
und Tanz reichen. Die Leitung<br />
des Projekts klaNg hatte auch heuer,<br />
wie in den vergangenen neun Jahren, Hans<br />
Schmidhammer vom Musikrat des Südtiroler<br />
Chorverbandes inne.<br />
So fand auch in der 5. Klasse der Grundschule<br />
Msgr. J. Tschurtschenthaler in Brixen<br />
zur besonderen Förderung des Singens, das<br />
Projekt „klaNg“ statt. Die Leitung hatte der<br />
Experte Josef Elzenbaumer, ein bekannter<br />
Musikpädagoge mit viel Erfahrung in<br />
Instrumental – und Gesangspädagogik<br />
inne. Seine Begeisterung und die Liebe<br />
zur Musik sprangen auf die Schüler/innen<br />
über. Das musikalische Lernangebot, das<br />
Musizieren, das Singen, Tanzen und die<br />
Bühnenerfahrung machte allen Schülern<br />
großen Spaß. „Die aktive Auseinandersetzung<br />
mit Musik und die Ausbildung musikpraktischer<br />
Fähigkeiten im Singen und<br />
im Instrumentalspiel unterstützen die Entwicklung<br />
des sinnlichen und sprachlichen<br />
Ausdrucks und damit die Persönlichkeitsentwicklung“,<br />
erklärten die die Lehrer und<br />
verwiesen so auf die Bedeutung des Musikunterrichts<br />
im Grundschulalter. Dabei<br />
sei es wichtig, dass ästhetische Bildung<br />
bewusst Experimentierphasen zulasse.<br />
Ende Januar wurden Eltern, Freunde<br />
und Bekannte zu einem musikalischen<br />
Winterfest geladen. Viele Lieder wurden<br />
gesungen und szenisch dargestellt, Tänze<br />
wurden aufgeführt. Vor allem der Mozarttanz,<br />
der in originalen Kostümen getanzt<br />
wurde, erntete viel Applaus.<br />
Ein besonderes Glanzlicht war die Uraufführung<br />
des Schattenspiel - Musicals<br />
„Hänsel und Gretel“ mit Instrumentalbegleitung.<br />
Bei der künstlerisch-praktischen<br />
Umsetzung machten die Schüler auch Erfahrungen<br />
im Figuren – und Kulissenbau.<br />
Das Projekt klaNg ist weiterhin<br />
erfolgreich: Das Winterfest in Brixen zum<br />
Beispiel wird allen in schöner Erinnerung<br />
bleiben.<br />
Geistliche Musik vom<br />
Erzherzöglichen Hof zu Innsbruck<br />
Herbst-Seminar „cantare et sonare“<br />
Vom 26. bis 28. September <strong>2014</strong> findet<br />
in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler<br />
Chorverband das Herbst-Seminar von „cantare<br />
et sonare“ in Virgen in Osttirol statt.<br />
Die Einladung richtet sich an Sänger/<br />
innen, Chor- und Ensemble-Leiter/innen,<br />
Organist/innen (Continuo), Instrumentalisten<br />
auf Posaune, Zink, Trompete und<br />
Streichinstrumenten. Im Rahmen des<br />
Seminars erarbeiten die Teilnehmer vierstimmige<br />
bis mehrchörige Werke des 17.<br />
Jahrhunderts von Johann Stadlmayer und<br />
Zeitgenossen. Cantionalsätze und Instrumentalwerke<br />
von Stadlmayer und Zeitgenossen<br />
für Zinken, Streicher, Trompeten<br />
und Posaunen ergänzen das Angebot.<br />
Dozenten sind Arno Paduch, Hannover,<br />
für Zink; Henning Wiegräbe aus Stuttgart<br />
für Posaune, Ursula Sandbichler aus Hall<br />
für Violine, Dominik Bernhard aus Innsbruck<br />
für Continuo, Andreas Lackner aus<br />
Innsbruck für Trompete. Gesamtleiter ist<br />
Oliver Felipe Armas, Innsbruck/Telfs. Der<br />
Kurs beginnt am Freitag, 26. September<br />
um 18 Uhr, das Abschlusskonzert findet<br />
am Sonntag um 16 Uhr in der Pfarrkirche<br />
St. Alban in Matrei i.O. statt. Kursort ist das<br />
Schulzentrum Virgen. Musiklehrer/innen im<br />
Bereich „Deutsche und ladinische Musikschulen“<br />
als auch im Tiroler Musikschulwerk<br />
können dieses Seminar als externe<br />
Bildungsveranstaltung besuchen und als<br />
solche verrechnen.<br />
Das Abschlusskonzert des Herbstseminars<br />
von cantare et sonare findet in der<br />
Pfarrkirche von Matrei i.O. statt.<br />
Alle weiteren Informationen bezüglich Unterkunft, Kurskosten etc. sind ersichtlich auf<br />
der homepage des Vereines www.cantareeetsonare.at. Anmeldung online oder bei Barbara<br />
Marberger, E-Mail: barbara.marberger@aon.at (Tel. +43 (0)664 1401145). Anmeldeschluss<br />
ist der 30. <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong>.<br />
26<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
Mikrophone für alle<br />
Konzertreihe „Choriosum X“ mit Erfolg abgeschlossen<br />
Choriosum setzt innovative Akzente in Südtirols Chorlandschaft, wie auch die heurige Konzertreihe bewiesen hat.<br />
Choriosum hat anlässlich des 10-jährigen<br />
Jubiläums des Chores eine sehr erfolgreiche<br />
Konzertreihe durchgeführt. In<br />
einer zweistündigen Vorführung hat der<br />
Südtiroler Chor die besten Rock- und Popsongs,<br />
sowie Jazz und Klassik aus 10 Jahren<br />
Chorgeschichte dargeboten. Insgesamt<br />
haben heuer an die 1.600 Zuhörer die drei<br />
ausverkauften Konzerte in Eppan, Bruneck<br />
und Bozen besucht.<br />
Choriosum setzte heuer auf ein völlig<br />
neuartiges klangliches Experiment,<br />
welches bisher nur sehr wenige Chöre<br />
in Europa gewagt haben: Alle 34 Sänger<br />
wurden mit einem individuellen Mikrophon<br />
ausgestattet, wodurch eine klangliche<br />
Verstärkung der einzelnen Stimmen<br />
ohne instrumentale Begleitung möglich<br />
wurde. Dies bedeutete für den Chor eine<br />
große Herausforderung. Unterstützt wurde<br />
der Chor von den Soundtechnik-Profis<br />
des europaweit bekannten Chores Perpetuum<br />
Jazzile, Dare Novak und seinem<br />
Team aus Ljubljana. Denn für die Verstärkung<br />
von a Capella-Chören benötigen die<br />
Tontechniker eine besondere Erfahrung,<br />
um die große Zahl an Chorstimmen sauber<br />
zu mischen und Rückkoppelungen zu<br />
vermeiden. Der große Vorteil dieser Technik:<br />
Durch die Mikrophonierung der einzelnen<br />
Chorsänger wird jede noch so leise<br />
und feine Stimmnuance hörbar, der Chor<br />
konnte das Spiel mit dem Mikrophon voll<br />
auskosten und dank Verstärkung in größeren<br />
Sälen auftreten. Das in Pop und Jazz<br />
unverzichtbare Schlagzeug wurde in der<br />
sogenannten Vocal Percussion durch die<br />
menschliche Stimme ersetzt, ebenso die<br />
Bassgitarre, wodurch die Stimme zum Instrument<br />
wird.<br />
Alles, was man braucht, hat man<br />
immer dabei<br />
„Dass es möglich ist tolle Musik zu machen,<br />
ohne dass man dafür irgendein Instrument<br />
benötigt, das begeistert mich immer<br />
wieder an der Chormusik. Alles, was<br />
man braucht, hat man immer dabei: die<br />
eigene Stimme. Das ist doch etwas Wunderbares“,<br />
sagt Chorleiter Hannes Knollseisen.<br />
Die Sängerinnen und Sänger von<br />
Choriosum - im Alter von 25 bis 50 Jahren<br />
- stammen aus ganz Südtirol, unter ihnen<br />
finden sich etliche Spezialtalente, die sowohl<br />
das Arrangieren als auch die herausfordernde<br />
Vocal Percussion beherrschen.<br />
Infos zum Chor und Hörproben gibt’s<br />
im Internet unter www.choriosum.it und<br />
auf www.youtube.com.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 27
Aus Verband und Bezirken<br />
300 Jahre im Dienste Gottes<br />
und zur Freude der Menschen<br />
„Friedenskonzert“ des Völser Kirchenchors<br />
Der Kirchenchor von Völs am Schlern feiert<br />
heuer sein 300-jähriges Bestehen. Aus<br />
einer im Pfarrarchiv erhaltenen Aufzeichnung<br />
über die einem „Schulhalter und Organisten“<br />
zustehenden Taxen aus dem Jahr<br />
1714 geht hervor, dass damals musizierte<br />
(mit Instrumenten begleitete) Requiems und<br />
Lobämter gehalten wurden, die einen höheren<br />
Tarif hatten, als die nur „coraliter“<br />
gesungenen Messen. Beide Arten von musikalisch<br />
umrahmten Gottesdiensten setzen<br />
einen Chor voraus.<br />
Das Jubiläumsjahr wurde am Sonntag,<br />
dem 23. März <strong>2014</strong>, mit einem Kirchenkonzert<br />
eröffnet, an dem neben dem Kirchenchor<br />
auch der Völser Männerchor und der<br />
Kinderchor mitwirkten. Wie sehr die Bevölkerung<br />
von Völs mit ihren Chören verbunden<br />
ist, zeigte sich daran, dass die Besucher<br />
sich durch Schnee und Regen nicht<br />
hatten abhalten lassen und die Kirche so<br />
ziemlich bis auf den letzten Platz füllten.<br />
Chorleiter Toni Federer hatte das abwechslungsreiche<br />
Programm unter das Thema<br />
„Frieden“ gestellt und Kompositionen aus<br />
verschiedenen Jahrhunderten und Nationen<br />
herangezogen, deren Texte Gebete<br />
an Gott um Frieden, aber auch Aufforderungen<br />
an die Menschen, Unfrieden zu<br />
meiden, beinhalteten.<br />
Die Bitte um Frieden ist so alt wie die<br />
Menschheit und heute aktueller denn je.<br />
Dies hob Ortspfarrer Stephan Astner in seiner<br />
einleitenden Ansprache hervor. Das Jubiläum<br />
sei ein Anlass zum Dank für den seit<br />
Hunderten von Jahren bewiesenen Einsatz<br />
und Zusammenhalt. Musik und Gesang<br />
wirkten gemeinschaftsbildend und tragen<br />
zum Frieden bei. Die Sänger brächten heute<br />
Freude in eine Zeit, wo der Frieden bedroht<br />
sei. Der Pfarrer schloss mit einem Gebet<br />
des Hl. Franziskus: „Herr mach mich zum<br />
Werkzeug Deines Friedens.“<br />
Der Männerchor eröffnete die Meditationen<br />
zum Thema mit einer getragenen<br />
Passionsmotette „O bone Jesu“ des Renaissancekomponisten<br />
Giovanni Pierluigi<br />
Unter dem Motto Frieden stand das Jubiläumskonzert des Völser Kirchenchores, das<br />
er mit weiteren Völser Chören gestaltete.<br />
da Palestrina, für Männerchor bearbeitet<br />
und mit einer deutschen Übersetzung versehen<br />
von M. Scheunemann. Das kraftvolle<br />
„Gebet“ des kroatischen Komponisten Jakov<br />
Gotovac gipfelt in einem wuchtigen Friedensruf.<br />
Die vier Lieder des von Agnes Plunger<br />
locker geführten Kinderchores zeigten<br />
dessen Freude am gemeinsamen Singen.<br />
Die ein- bis zweistimmigen Gesänge wurden<br />
von Instrumentalisten aus dem Chor<br />
selbst wirkungsvoll begleitet. Eine besondere<br />
Leistung war das Zusammenwirken<br />
des Kinderchores mit den Frauen des Kirchenchores<br />
bei der nach einem Volkslied<br />
aus Singapur gestalteten Komposition des<br />
fast zeitgenössischen Komponisten Robert<br />
Pappert „Schaffet Frieden auf der Welt “.<br />
Sehr eindringlich wirkte dieser von den Kindern<br />
wiederholte einstimmige Ruf, der mit<br />
einem Satz des Frauenchores abwechselte.<br />
Dieser erreichte seine künstlerisch-musikalische<br />
Höchstleistung mit dem ausdrucksvollen,<br />
durch seine polyphone Struktur und<br />
harmonische Kühnheit packenden Chorsatz<br />
„Herr mach mich zum Werkzeug deines<br />
Friedens“ des 1927 geborenen deutschen<br />
Tonsetzers Peter Paul Förster. Seine<br />
Fähigkeit zu feiner dynamischer Gestaltung<br />
vom Forte bis zum verklingenden Pianissimo<br />
zeigte der Männerchor im Russischen<br />
Kirchengesang „Gib uns Herr den Frieden“<br />
und im Wechsel mit dem Soloquartett beim<br />
Vortrag des „Domine pacem da nobis“ von<br />
Jakob Christ. Fehlen durfte auch nicht das<br />
Lied „Frieden“ des bekannten deutschen<br />
Chorleiters Gotthilf Fischer. Dann war wieder<br />
der Kirchenchor an der Reihe, der mit<br />
guter Intonation und elastischer Lockerheit<br />
einige Spirituals und diesen ähnliche<br />
neuere geistliche Lieder vortrug, wobei bei<br />
der hübschen Komposition „Gib mir die<br />
richtigen Worte“ von Klaus Heizmann eine<br />
Flötistin aus dem Kinderchor sauber und<br />
sicher mitwirkte. Mit zwei gewichtigen Chören<br />
des großen romantischen Komponisten<br />
Felix Mendelssohn-Bartholdy schloss das<br />
Friedenskonzert, wobei sich wieder einmal<br />
zeigte, wie schwer gerade die einstimmigen<br />
Stellen sind. Den leistungsstarken Völser<br />
Chören dankte das ergriffen lauschende<br />
Publikum mit anhaltendem Applaus.<br />
(et/rs)<br />
28<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
Chöre aus berühmten Opern, dargeboten von<br />
siebzig Sängerinnen, Sängern und Solisten,<br />
konnten die Musikfreunde kürzlich miterleben.<br />
Die Kirchenchöre Maria Himmelfahrt<br />
aus Schenna und St. Zeno-Naturns nahmen<br />
die Zuhörer mit in die Welt der großen Gefühle<br />
von Liebe und Leid, tauchten ein in die<br />
Wogen der Leidenschaften, wie sie unübertrefflich<br />
von den Schöpfern der Opernmusik<br />
in Töne verwandelt wurden.<br />
Werke von Verdi, Wagner, Puccini, Mozart,<br />
Offenbach, Smetana und anderen waren<br />
die inspirierenden Quellen dieses Opernabends.<br />
Es war eine gute Idee der beiden<br />
Chorleiter Dietrich Oberdörfer und Josef<br />
Pircher, die Chöre zusammen auftreten zu<br />
lassen, weil sich nur so die große Klangfülle<br />
und Ausdruckskraft erzeugen ließ, welche<br />
erforderlich ist, um die in den Opernwerken<br />
enthaltene reiche Scala von Emotionen wiederzugeben.<br />
Man denke nur an so unterschiedliche<br />
Gefühlswelten wie die von Verdis<br />
„Nabucco“ und Mozarts „Don Giovanni“.<br />
Nimmt man dazu noch Lehars „Lustige<br />
Witwe“ und Richard Wagners „Brautchor“<br />
aus Lohengrin, dann lässt sich erkennen,<br />
welche künstlerischen Leistungen die Tonkunst<br />
mit diesen Opern hervorgebracht hat.<br />
Den Meistern dieser hohen Kunst wurde<br />
auch mit diesem Konzert gehuldigt. Die ausgezeichneten<br />
Solisten Olga Tselinskaia, Sopran,<br />
und Florian Colz, Bariton, boten dann<br />
Mit Meistern der hohen Kunst<br />
Große Chorkonzerte in Naturns und Schenna<br />
Der Herausforderung „Oper“ stellten sich die Chöre von Naturns und Schenna.<br />
den stimmlichen Kontrast zum Stimmenmeer<br />
der Chöre. Sie konnten solistisch oder<br />
im Duett ganz persönliche Gefühle ausdrücken.<br />
Diese Gegenüberstellung von individuellem<br />
Ausdruck und der großen Zahl an<br />
Sängerinnen/Sängern wirkte auch als Höhepunkt<br />
des Abends. Als dritte „Solistin“ begleitete<br />
souverän am Flügel Iryna Kyrylovska<br />
Chor und Solisten. Die Gesangsolisten verbanden<br />
Schönheit der Stimmen mit kraftvollem<br />
raumfüllenden Klang.<br />
Man hatte sich mit diesem anspruchsvollen<br />
Konzert eine große Aufgabe gestellt.<br />
Die erprobten Chöre von Naturns und<br />
Schenna mit Solisten waren zweifellos die<br />
Voraussetzung für das Gelingen eines so viele<br />
Opernwerke umfassenden Programms. So<br />
wurde das Konzert zu einem großen Erfolg<br />
beim Publikum!<br />
Die Moderation durch Josef Pircher mit<br />
kurzen Erläuterungen zu den einzelnen Werken<br />
war für dieses breit angelegte Programm<br />
sowohl bereichernd als auch notwendig.<br />
Die Gesamtleitung des Abends hatte Dietrich<br />
Oberdörfer.<br />
Horst Ringel<br />
Die Wipptaler Chorlandschaft wäre ohne<br />
sie nicht dieselbe: Anna Maria Staffler hat<br />
durch ihre quirlige, fröhliche und doch sehr<br />
disziplinierte Art diesem Bezirk ihren musikalischen<br />
Stempel aufgedrückt.<br />
Den Körper lockern, mit Atem und<br />
Stimme spielen: Als eine der ersten im Bezirk<br />
hält sie ihre Sänger und Sängerinnen<br />
bei jeder Probe und vor jedem Auftritt erst<br />
einmal „zum Aufwärmen“ an und baut in<br />
die Proben regelmäßig Stimmbildung mit<br />
ein. Der Erfolg ihrer Chöre bei Auftritten im<br />
In- und Ausland gibt ihr Recht.<br />
Ihren musikalischen Werdegang begann<br />
die damals zehnjährige Ultnerin 1974 mit<br />
ihrem Eintritt in die Ultner Singgruppe, die<br />
von der landauf, landab bekannten Sängerin<br />
Elsa Schwienbacher geleitet wurde. Elsa<br />
Schwienbacher erkannte Anna Marias Talent<br />
und übergab ihr zehn Jahre später die<br />
Leitung der Singgruppe. Zwanzig Jahre lang<br />
führte Anna Maria diesen Chor mit großem<br />
Erfolg. Inzwischen war sie der Liebe wegen<br />
nach Sterzing gezogen. Dort stand sie für<br />
Chorleiterin seit 30 Jahren<br />
Porträt: Anna Maria Staffler<br />
kurze Zeit dem Sterzinger Singkreis vor.<br />
1999 übernahm sie die Leitung des Kirchen-<br />
und des Männerchores von Mareit.<br />
Ein Jahr darauf war sie entscheidend beteiligt<br />
an der Gründung der Singgemeinschaft<br />
Pflersch, die sie seither als Leiterin<br />
führt. Mit der Gründung des Männerensembles<br />
WIPPMENVOX im Jahr 2007 erfüllte<br />
sie sich selbst einen großen Wunsch<br />
und brachte zudem frischen Wind in die<br />
Männerchorwelt des Wipptals.<br />
Neben ihrer Arbeit als Labortechnikerin<br />
in Bozen singt Anna Maria selbst beim Südtiroler<br />
Vokalensemble und kann als Solistin<br />
auf eine Reihe von Rollen in verschiedenen<br />
Produktionen zurückschauen, etwa in „Die<br />
Zauberflöte“, „Carmen“, „Der Freischütz“,<br />
„Der Barbier von Sevilla“, „Anatevka“, u.a.<br />
Nach dem Besuch des Konservatoriums<br />
in Bozen und Trient absolviert sie derzeit<br />
ein Gesangsstudium in München.<br />
Sie möge den Wipptaler Chören noch<br />
lange erhalten bleiben!<br />
Bmk<br />
Anna Maria Staffler<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 29
Der MGV Schlanders<br />
•Stimmgabel<br />
„Musik kennt keine Grenzen“<br />
MGV-Frühjahrskonzert<br />
Unter dem Motto „Musik kennt keine Grenzen“<br />
überreichte der MGV Schlanders am<br />
10. Mai im Kulturhaus Schlanders dem<br />
zahlreich erschienenen Publikum einen<br />
bunten musikalischen Liederstrauß. Das<br />
von Chorleiterin Sibylle Pichler ausgewählte<br />
und mit viel Einsatz einstudierte Programm<br />
reichte von klassischer Chormusik bis zu<br />
modernen Schlagern. Musikalisch begleitet<br />
wurden die Sänger von der Konzertpianistin<br />
Andrijana Radivojevic Wilhalm. Einer<br />
der Höhepunkte des Abends war die<br />
Uraufführung des „MGV“-Liedes, einer<br />
Eigenkomposition der Chorleiterin (Notensatz)<br />
und des Sängers Robert Grüner<br />
(Text), das den Zuhörern einen humor-<br />
vollen Einblick in die Proben des MGV gewährt.<br />
Einen besonderen Applaus ernteten<br />
die Sänger nach dem gelungenen Vortrag<br />
des Liedes „Meines Großvaters Uhr“ sowie<br />
des Nordtiroler Volksliedes vom „Tatzelwurm“,<br />
bei dem sich die Zuhörer köstlich<br />
amüsierten.<br />
Beim Publikum auf sehr positive Resonanz<br />
stießen die Einlagen des Klarinetten-Quartetts<br />
„Die Holzigen“ aus Tschars unter der<br />
Leitung von Benjamin Blaas. Die vier Virtuosen<br />
spannten einen „grenzenlosen“ Bogen<br />
von Brahms über Ragtime bis zum<br />
Jazzklassiker „Take Five“. Das Publikum<br />
honorierte die abwechslungsreichen und<br />
stimmungsvollen Auftritte des Männer-<br />
chors und des Instrumental-Ensembles<br />
mit viel Applaus.Durch den Abend führte<br />
Konzertsprecher Albert Moser vom MGV<br />
Schlanders. Gemeinsam mit Obmann Johann<br />
Stadler präsentierte er bei dieser Gelegenheit<br />
auch den ersten Tonträger des<br />
MGV Schlanders mit dem Mitschnitt des<br />
Frühjahrskonzerts 2013. Dieses Projekt,<br />
ein Herzenwunsch der MGV-Mitglieder,<br />
konnte mit großzügiger fi nanzieller Unterstützung<br />
der Eigenverwaltung Göfl an<br />
realisiert werden. Zum Dank wurde während<br />
der Konzertpause dem Präsidenten<br />
Erhard Alber das erste Exemplar der CD<br />
überreicht. Ein erfrischender, musikalischer<br />
Abend im Schlanderser Frühling!<br />
30<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Chorwesen<br />
Mariensingen<br />
Kirchenchor „St. Cäcilia“ - Vilpian<br />
Die Sänger und Sängerinnen des Mariensingens mit Chorleiter Gottfried Veit, der<br />
die Gesamtleitung innehatte.<br />
Zum ersten Mal in seiner mehr als dreißigjährigen<br />
Geschichte veranstaltete vor<br />
kurzem der Kirchenchor „St. Cäcilia“ von Vilpian<br />
in der dortigen Pfarrkirche ein „Mariensingen“.<br />
An diesem äußerst gut besuchten<br />
Kirchenkonzert wirkten neben dem Vilpianer<br />
Kirchenchor (Leitung: Gottfried Veit)<br />
auch der Frauenchor „St. Anna“ aus Mölten<br />
(Leitung: Peter Burger), der „Burggräfler<br />
Viergesang“ (Leitung Albert Seppi), die<br />
Sopranistin Maria Theresia Burger, der Organist<br />
Maurizio Bertoncello sowie die Sprecherin<br />
Lidia Pellegrini Hilpold mit.<br />
Festlich eröffnet wurde diese musikalische<br />
Marienandacht mit der Orgelkomposition<br />
„Praeludium und Fuge in e-Moll“ von Nicolaus<br />
Bruhns. Im weiteren Verlauf spielte<br />
der Organist Maurizio Bertoncello auch<br />
mehrere Variationen über das „Magnifi -<br />
cat im V. Ton“ von Heinrich Scheidemann.<br />
Das Kopfthema dieser Komposition wurde<br />
vorerst vom Kirchenchor Vilpian als gregorianische<br />
Choralmelodie angesungen. Der<br />
Kirchenchor überzeugte im weiteren Verlauf<br />
des Konzertes mit den Motetten „Ave<br />
Maria“ von Jacob Arcadelt, „Gegrüßet seist<br />
du Königin“ von Gottfried Veit, „Edle Jungfrau<br />
so entsprossen“ im Satz von Karl Haus<br />
und ganz besonders mit dem allseits beliebten<br />
„Ave Maria“ von Bach/Gounod in<br />
einem vierstimmigen Chorsatz mit Orgelbegleitung.<br />
Von den vier Liedern des Frauenchores<br />
„St. Anna“ gefi elen ganz besonders<br />
„Sie tragt an goldnen Mantel“ aus dem Alpenland<br />
und „Maria, schönste vom Himmelsthron“<br />
im Satz von Cesar Bresgen.<br />
Eine willkommene klangliche Abwechslung<br />
boten die Männer des „Burggräfl er<br />
Viergesangs“ mit ihren sonoren Stimmen.<br />
Sie beeindruckten mit „Ganz schön bist du<br />
Maria“, „Maria voll der Gnaden“ und „Du<br />
schönste Morgenröt“ gleichermaßen. Eine<br />
Besonderheit im Programm stellte der Auftritt<br />
der Sopranistin Maria Theresia Burger<br />
dar: Ihre glänzende Stimme kam sowohl im<br />
„Ave Maria“ von Luigi Cherubini als auch<br />
in jenem von Camille Saint-Saëns sowie im<br />
„Mariä Wiegenlied“ von Max Reger voll zum<br />
Tragen. Ihren großen Auftritt hatte sie aber<br />
beim gemeinsamen Schlusschor „Felix es,<br />
sacra Virgo Maria“ von Carl Czerny, der von<br />
allen Ausführenden gemeinsam dargeboten<br />
wurde und bei dem ihr eine äußert berührende<br />
Überstimme zugedacht war. Abgerundet<br />
wurden all diese musikalischen Vorträge<br />
durch drei Meditationen marianischer<br />
Texte, gekonnt vorgetragen durch die Sprecherin<br />
Lidia Pellegrini Hilpold.<br />
Der lang anhaltende Applaus am Ende dieses<br />
gelungenen „Mariensingens“ galt natürlich<br />
sämtlichen Ausführenden. Ein aufrichtiger<br />
Dank gebührt aber vor allem auch dem<br />
veranstaltenden Kirchenchor „St. Cäcilia“<br />
von Vilpian und hier in besonderer Weise<br />
der Obfrau Waltraud Höller Baur für die<br />
Organisation und dem Chorleiter Gottfried<br />
Veit für die musikalische Gesamtleitung.<br />
Musik erfüllt die Welt<br />
Konzert des Kirchenchores von St. Leonhard in Passeier<br />
Bereits seit zehn Jahren leitet Albrecht Lanthaler den Kirchenchor St. Leonhard<br />
sowie das Orchester, seit 2009 obliegt ihm auch die Leitung des Männerchores.<br />
Nach vielen Jahren lud kürzlich der Kirchenchor<br />
von St. Leonhard in Passeier<br />
Musikinteressierte wieder zu einem Frühlingskonzert<br />
ein, gemäß dem Motto: Musik<br />
erfüllt die Welt. 200 Chormusikbegeisterte<br />
aus nah und fern folgten der Einladung<br />
und ließen sich durch die frühlingshaften<br />
Klänge von Kirchenchor, Frauenchor und<br />
Männerchor sowie Instrumentaleinlagen<br />
von Violine, Horn und Klavier unterhalten.<br />
Unter der Leitung von Chorleiter Albrecht<br />
Lanthaler wurde eineinhalb Stunden lang<br />
ein abwechslungsreiches Programm von<br />
Klassik über Moderne bis Volkslied dargeboten.<br />
Die Obfrau Ulrike Moosmair freute<br />
sich besonders, den ehemaligen Chorleiter<br />
Albin Hofer, der die Geschicke des Kirchenchores<br />
von 1950 bis 2000 leitete, unter<br />
den Anwesenden begrüßen zu dürfen.<br />
Dem Kirchenchor von St. Leonhard gehören<br />
40 aktive Chormitglieder an und<br />
er verfügt über ein eigenes Orchester,<br />
welches bei hohen Feierlichkeiten zum<br />
Einsatz kommt. Im Jahr 2013 war der Kirchenchor<br />
bei 40 Proben und 38 Auftritten<br />
im Einsatz.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 31
Stimmgabel<br />
Wiener Operette und Wiener Lied<br />
Kirchenchor Tabland-Staben<br />
Mit der einmaligen Wiener Klangfarbe<br />
gesungen wurden beim Muttertagskonzert<br />
des Kirchenchors Tabland-Staben<br />
dem Publikum im Schulhaus von Staben<br />
u.a. Stücke von Johann Strauß und<br />
Franz Lehar geboten. Mit dem Ensemble<br />
„Wiener Melange“ ergab sich eine inspirierende<br />
Zusammenarbeit, durch die der<br />
Chor unter der Leitung von Josef Pircher<br />
zu einer beachtlichen Leistung gelangte.<br />
Karl T. Kogler und Elfriede Hallama (1.<br />
Und 2. Geige), Ingrid Ocker (Akkordeon)<br />
und Hans Ocker (Gitarre) spielten so vertraute,<br />
muntere und herzerwärmende Melodien<br />
wie „Wien bleibt Wien“ von Johann<br />
Schrammel, den „Ballsirenen“-Walzer von<br />
Franz Lehar, den „Großmütterchen-Ländler“<br />
von Gustav Langer und den „Wiener<br />
Blut“-Walzer von Johann Strauß. Wie der<br />
Chor sich nun in einen Wiener Operettenchor<br />
verwandelte, fand viel Anklang bei<br />
den Zuhörern, so dass sie gut gelaunt mitsangen,<br />
als das „Schenkt man sich Rosen<br />
in Tirol“ oder als Zugabe „Dem Land Tirol<br />
die Treue“ ertönten. Das reichhaltige Pro-<br />
Gute Laune mit Wiener Blut: Chorleiter Josef Pircher mit dem Kirchenchor von Tabland-Staben<br />
gramm des Chores bot so unvergessliche<br />
Melodien wie „Wie mein Ahnl 20 Jahr“ von<br />
Carl Zeller, das „Trinklied“ aus „Der Bettelstudent“<br />
von Carl Millöcker, die „Barkarole“<br />
aus „Hoffmanns Erzählungen“ von<br />
Jacques Offenbach, oder „Mei Muatterl<br />
war a Wienerin“ von Ludwig Gruber und<br />
viele andere mehr. Gern ließen sich die Zuhörer<br />
an diesem Abend in einen bunten<br />
Reigen des „echt Wienerischen“ entführen<br />
und dankten den Ausführenden mit<br />
begeistertem Applaus.<br />
Frühjahrskonzert „Männer mag man eben...“<br />
MGV Lana<br />
Unter das Motto „Männer mag man<br />
eben...“ stellte der Männergesangverein<br />
Lana unter der bewährten Leitung von<br />
Julia Perkmann sein Frühjahrskonzert.<br />
Im vollbesetzten Saal des katholischen<br />
Arbeitervereins bot der MGV Lana ein abwechslungsreiches<br />
Programm, welches<br />
von traditionellen Heimatliedern über romantische<br />
Klassiker bis hin zu modernen<br />
Kompositionen reichte.<br />
Zusammen mit einem talentierten Klarinettenquartett<br />
und dem „Prima la musica“-<br />
Siegertrio „ad libitum“ der Musikschule<br />
Lana/Ulten/Nonsberg, der hervorragenden<br />
Pianistin Andrijana Radivojevic Wilhalm<br />
und dem allseits bekannten Solisten Alexander<br />
Egger konnte dem Publikum ein<br />
unterhaltsames und spannendes Konzert<br />
präsentiert werden. Der Sprecher Hans<br />
Lanz führte das Publikum locker durch<br />
Traditionell und modern: der MGV Lana beim Frühjahrskonzert<br />
den Abend. Der MGV Lana bedankt sich<br />
von Herzen bei allen Konzertbesuchern<br />
für ihren Applaus und ihre Spenden, beim<br />
Katholischen Arbeiterverein in der Person<br />
seines Präsidenten Heinz Decristan für die<br />
Bereitstellung des Konzertsaales und bei<br />
der Bäckerei Schmidt für ihre besondere<br />
Unterstützung.<br />
32<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Vorweg<br />
Blasmusik<br />
„Das Miteinander zählt“<br />
Den Musikkapellen hinter die Fassaden geschaut<br />
Meinhard Windisch ist<br />
Verbandsjugendleiter im VSM<br />
Ob beim konzentrierten Musizieren oder wenn Spaß angesagt ist, die Gemeinschaft<br />
muss stimmen. Das Bild stammt vom 5. Südtiroler Jugendkapellentreffen 2013 in Nals.<br />
Johanna Abram hat sich in ihrer Abschlussarbeit<br />
an der Hochschule Fresenius<br />
in München mit der Jugendarbeit in unseren<br />
Musikkapellen beschäftigt. Aus ihrer Studie<br />
geht hervor, dass die befragten Jugendlichen<br />
mit der jeweiligen Situation in unseren<br />
Musikkapellen sehr zufrieden sind.<br />
Dies ist natürlich ein sehr erfreuliches Ergebnis,<br />
von dem man ablesen kann, unsere<br />
Kapellen sind um die Jugend bemüht. Das<br />
System Musikkapelle funktioniert nicht nur<br />
in musikalischer Hinsicht, sondern auch als<br />
soziales System sehr gut.<br />
Wie alle Menschen verschieden sind, so<br />
sind es unsere Musikkapellen im Grunde<br />
auch, wenn sie auch nach außen hin dieselben<br />
Merkmale aufweisen. Das heißt im<br />
Grunde, dass jeder seine Problemzonen<br />
hat und natürlich auch Bereiche, die super<br />
funktionieren.<br />
Anhand der Fragestellungen in der Studie<br />
von Johanna Abram hat jede Musikkapelle<br />
die Möglichkeit für sich zu evaluieren:<br />
Wo haben wir Handlungsbedarf und<br />
wo liegen wir richtig? Ich sehe diese Arbeit<br />
nicht nur als Abschluss einer Diplomarbeit,<br />
sondern vielmehr als Anstoß, die verschieden<br />
Facetten unserer eigenen Kapelle zu<br />
durchleuchten, und zwar nicht nur in Bezug<br />
auf die Jugend. Wie wir im Frühjahr<br />
unsere Gärten neu bestellen, Unkraut entfernen<br />
und neue Pflanzen setzen, so können<br />
wir auch im Verein uns neue Vorsätze<br />
vornehmen und umsetzen.<br />
Manchmal suchen wir Lösungen für Probleme<br />
am falschen Ende. Wenn wir unsere<br />
Bedürfnisse und Ziele genau kennen,<br />
lösen sich Probleme oft fast von selbst.<br />
Wenn man die Reihung der Themen<br />
in der Vorstudie anschaut, wird deutlich,<br />
dass das Thema Gemeinschaft ganz<br />
vorne mit dabei ist. An dieser Stelle fällt<br />
mir eine Überschrift zu den Fachbeiträgen<br />
der Generalversammlung 2011 ein,<br />
sie lautete „ DAS MITEINANDER ZÄHLT“.<br />
Schlussendlich zählen die Gemeinschaft<br />
und das Miteinander, ob beim Musizieren<br />
oder Feiern, gemeinsam macht es<br />
doppelt Spaß.<br />
Meinhard Windisch<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 33
Das Thema<br />
Der Jugend ist die Gemeinschaft<br />
in der Kapelle wichtig<br />
Grundlegende Aspekte bezüglich der Jugendarbeit in den Musikkapellen hat<br />
Johanna Abram erforscht<br />
Mit dieser Fragestellung habe ich mich<br />
in meiner Abschlussarbeit an der Hochschule<br />
Fresenius in München beschäftigt.<br />
Dabei war es mir besonders wichtig, verschiedene<br />
Perspektiven miteinzubeziehen<br />
und so einen guten Einblick in die Einstellung<br />
der Jungmusikanten gegenüber den<br />
Musikkapellen zu erhalten. Um mich dem<br />
Thema zu nähern, habe ich deshalb 16 Interviews<br />
mit Jungmusikanten, Jugendleitern<br />
und Musikanten geführt. Dank ihrer<br />
Unterstützung konnten viele Themen aufgedeckt<br />
werden, die die Jungmusikanten<br />
bewegen, sie antreiben oder auch bremsen.<br />
Die Gemeinschaft in den Kapellen wurde<br />
angesprochen, ebenso wie Anforderungen,<br />
die an die bzw. von den Jungmusikanten<br />
gestellt werden. Zahlreiche Rahmenbedingungen<br />
wurden beschrieben,<br />
aber auch die ganz persönliche Motivation<br />
dargestellt.<br />
„In erster Linie bedeutet Musikkapelle:<br />
Musik machen mit vielen anderen<br />
Menschen zusammen.“ (Zitat aus<br />
den qualitativen Interviews, ID 1142)<br />
Das gemeinsame Hinarbeiten auf ein Ziel stärkt den Zusammenhalt .<br />
Johanna Abram von der Musikkapelle Auer hat sich in ihrer Abschlussarbeit an der<br />
Hochschule Fresenius in München mit der Jugendarbeit in unseren Musikkapellen beschäftigt.<br />
Im Folgenden hat sie die wichtigsten Aussagen und Erkenntnisse daraus zusammengefasst<br />
und den Fokus dabei auf die Ergebnisse der Vorstudie gelegt. Zu den<br />
Handlungsempfehlungen und den Ergebnissen der Online-Umfrage sind auf der VSM-<br />
Homepage noch zwei Informationsblätter abrufbar.<br />
Ein Drittel junge Musikantinnen<br />
und Musikanten<br />
Schaut man sich die Altersverteilung<br />
in den Südtiroler Musikkapellen an, dann<br />
sieht man, welche Bedeutung die Jugend<br />
für die Vereine hat. Die Unter-21-Jährigen<br />
machen heute rund ein Drittel aller Musikanten<br />
aus. Darüber hinaus werden sie<br />
diejenigen sein, die in einigen Jahren die<br />
Musik und Traditionen weitertragen werden.<br />
Deshalb ist es besonders wichtig, die<br />
jungen Musiker für die Kapellen zu gewinnen<br />
und sie dort zu halten. Doch wie kann<br />
das gelingen? Was ist den Jungmusikanten<br />
in den Südtiroler Musikkapellen wichtig?<br />
In den Interviews hat sich gezeigt, dass<br />
die Musikkapelle bereits bei den Jüngsten<br />
einen hohen Stellenwert hat. So ist sie beispielsweise<br />
ein Ausgleich für den stressigen<br />
Schulalltag und die Pflege der Musik<br />
und Tradition ist den Musikanten ein<br />
wichtiges Anliegen. Die Motivation, bei der<br />
Kapelle zu sein und aktiv mitzuwirken, hat<br />
dabei sehr individuelle Gründe. Bei manchen<br />
ist es die Freude am Musizieren und<br />
sich selbst weiterzuentwickeln, bei anderen<br />
ist es der Sinn, den sie im freiwilligen<br />
Engagement sehen. Auch die Möglichkeit,<br />
mit anderen zusammenzuspielen und zusammenzuarbeiten,<br />
wirkt sehr motivierend.<br />
Rahmenbedingungen und<br />
Anforderungen<br />
Es wurden jedoch auch Rahmenbedingungen<br />
genannt, die möglicherweise<br />
negativ auf die Motivation der Jungmusikanten<br />
einwirken. So spielt die Meinung<br />
und das Verhalten der Eltern und des<br />
Freundeskreises eine große Rolle. Auch<br />
die zahlreichen Freizeitangebote, wie z.B.<br />
Sportvereine oder andere musikalische<br />
Gruppen stehen in Konkurrenz zu den<br />
Musikkapellen.<br />
Eine weitere, sehr interessante Thematik<br />
sind die Anforderungen, die von den<br />
Jungmusikanten an die Musikkapelle gestellt<br />
werden. Der Wunsch nach einem<br />
abwechslungsreichen Programm und ei-<br />
34<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
ner musikalischen Förderung und Forderung<br />
wurden laut. Auch der Wunsch nach<br />
gutem Zusammenhalt wurde geäußert.<br />
Von Seiten der Musikkapelle werden jedoch<br />
ebenfalls Anforderungen an die Musikanten<br />
wahrgenommen: Ein bestimmtes<br />
musikalisches Niveau, wie auch diszipliniertes<br />
Proben und Üben sind notwendig.<br />
Der letzte Themenkomplex, der von den<br />
Interviewten am häufi gsten angesprochen<br />
wurde, befasst sich mit der Gemeinschaft<br />
in den Südtiroler Musikkapellen. Die Jungmusikanten<br />
haben die Bedeutung von<br />
Freundschaften, Kollegialität und Bezugspersonen<br />
in der Kapelle betont. Ein guter<br />
Zusammenhalt ist dabei essentiell und<br />
wird durch gemeinsame Ziele gestärkt.<br />
Gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit<br />
gehen damit einher, so dass<br />
die Jungmusikanten mit ihren Fragen gut<br />
aufgehoben sind. Ein weiterer wichtiger<br />
Punkt ist die gegenseitige Wertschätzung<br />
und der Respekt, mit dem man sich in der<br />
Kapelle begegnet.<br />
Es hat sich dabei gezeigt, dass die Gemeinschaft<br />
ein sehr wichtiger Motivationsgrund<br />
für die Jungmusikanten ist. Gerade<br />
zu Beginn, wenn sich vielleicht musikalische<br />
Erfolge noch in Grenzen halten,<br />
sind es die Kollegen in der Kapelle, die der<br />
Grund sind dranzubleiben. Eine gute Einbindung<br />
in die Gemeinschaft kann darüber<br />
hinaus auch den äußeren Rahmenbedingungen<br />
entgegenwirken. So kann sich z.B.<br />
der Freundeskreis innerhalb der Kapelle<br />
erweitern und die Jungmusikanten können<br />
so am Ende der Probe zu einer Party<br />
nachkommen, anstatt deshalb schwänzen<br />
zu müssen.<br />
Die Gemeinschaft spielt für die<br />
Jungmusikanten eine große Rolle<br />
Was ich aus diesem ersten Einblick in<br />
die Thematik mitgenommen habe, ist ein<br />
Bewusstsein für die hohe Bedeutung der<br />
Gemeinschaft für die (jungen) Musikanten.<br />
Die nächste Phase der Studie könnte einigen<br />
Lesern bereits bekannt sein. Damit<br />
meine ich die Online-Befragung, die vom<br />
31. Mai bis zum 16. <strong>Juni</strong> 2013 durchgeführt<br />
wurde. Beschäftigt hat sie sich mit<br />
dem Organisationsklima in den Südtiroler<br />
Musikkapellen. Genau genommen wurden<br />
in zwei Frageblöcken fünf Aspekte der Gemeinschaft<br />
abgefragt, die sich in der Vorstudie<br />
ergeben haben: die Kontakte innerhalb<br />
der Kapelle, der Zusammenhalt,<br />
Auch beim Marschieren ist die Unterstützung der Jungmusikanten besonders wichtig.<br />
Zur Autorin:<br />
die musikalische und außermusikalische<br />
Zusammenarbeit, die Unterstützung der<br />
Jungmusikanten und gegenseitige/r Wertschätzung/Respekt.<br />
Im ersten Fragenblock konnten die 257<br />
teilnehmenden Jungmusikanten beschreiben,<br />
wie sie das Klima in all seinen Facetten<br />
wahrnehmen und im zweiten Teil ihre<br />
Bewertung dazu abgeben - also zeigen,<br />
wie sie dazu stehen.<br />
Die Ergebnisse fielen dabei durchwegs<br />
positiv aus. Die Zufriedenheit mit<br />
allen fünf Bereichen war bemerkenswert<br />
hoch. Nichtsdestotrotz wurde auch Verbesserungspotential<br />
aufgezeigt, wie z.B.<br />
die Chance, die durch das Zusammenwirken<br />
von Alt und Jung entsteht. Auch<br />
die Wertschätzung lässt sich als Potential<br />
in der Gemeinschaft der Südtiroler Musikkapellen<br />
nennen. Gerade sie spielt für<br />
die jungen Musiker eine große Rolle, damit<br />
sie sich erwünscht und gebraucht fühlen<br />
- eine wichtige Voraussetzung für Motivation<br />
und Freude im Verein.<br />
Abschließend lässt sich sagen, dass<br />
die Jungmusikanten mit dem Klima in ihren<br />
Kapellen zufrieden sind. Es gibt keine<br />
eindeutigen Defi zite, doch schon das Bewusstsein<br />
darüber, dass in der Gemeinschaft<br />
eine bedeutende Stärke der Kapellen<br />
liegt, kann neue Wege aufzeigen.<br />
Johanna Abram<br />
Die junge Aurerin kommt aus einer musikalischen<br />
Familie und ist seit ungefähr zehn Jahren Mitglied<br />
der Musikkapelle Auer. Nach ihrem Besuch der<br />
Oberschule für Werbegrafi k in Brixen hat sie einige<br />
Monate in London gelebt. Studiert hat Johanna Abram<br />
Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius<br />
in München, wo ihre Begeisterung für<br />
Talentmanagement und Personalentwicklung<br />
geweckt wurde. Die Abschlussarbeit ihres<br />
Studiums beschäftigte sich mit den Jungmusikanten<br />
in Südtiroler Musikkapellen. Nach<br />
ihrem Praktikum in einer Münchner Personalberatung<br />
mit IT-Schwerpunkt absolviert<br />
sie derzeit ein weiteres Praktikum<br />
im Bereich Personalentwicklung<br />
in einem großen Medienunternehmen.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 35
Aus Verband und Bezirken<br />
Die neue Homepage des VSM ist aktiv<br />
Neues Layout – vereinheitlichte Verwaltung<br />
Wie bereits bei der Jahreshauptversammlung<br />
des VSM angekündigt, ist es nun soweit:<br />
Mit 1. <strong>Juni</strong> ist die alte Homepage des<br />
Verbandes auf das neue Layout umgestellt<br />
worden. Doch nicht nur grafisch wurde unser<br />
Internettauftritt modernisiert und heutigen<br />
Standards angepasst, sondern auch<br />
die Verwaltung wird vereinheitlicht und Doppelgleisigkeiten<br />
werden abgebaut.<br />
Es gibt nun eine strikte Trennung der<br />
Inhalte: Alle Informationen, die für unsere<br />
Funktionäre und Mitgliedskapellen interessant,<br />
aber nicht für Außenstehende bestimmt<br />
sind, werden zukünftig nur mehr im<br />
Mitgliederportal VSM-Office abrufbar sein.<br />
Die Internetseite selber hingegen enthält<br />
keinen geschützten Bereich mehr<br />
und dient nur mehr der Vermittlung von<br />
Informationen an die breite Öffentlichkeit.<br />
Für die Mitgliedskapellen bringt dies den<br />
Vorteil, dass sie nicht mehr zwei Zugänge<br />
benötigen, sondern alle relevanten Daten<br />
über einen Zugang verwaltet und abgerufen<br />
werden können.<br />
Einfacher und<br />
klarer soll es<br />
werden mit<br />
der neuen<br />
Homepage<br />
des VSM.<br />
Detaillierte Informationen haben die Mitgliedskapellen<br />
mit einem eigenen Rundschreiben<br />
erhalten.<br />
„Auftakt“ für das JugendBlasOrchester Wipptal<br />
Ein gelungenes Projekt wird fortgesetzt<br />
Um die Zusammenarbeit zwischen der<br />
Musikschule Sterzing und den Musikkapellen<br />
des Bezirks zu fördern, trafen sich<br />
vergangenes Jahr die Funktionäre des VSM<br />
Bezirk Sterzing mit dem Direktor der Musikschule<br />
Sterzing Heinrich Pramsohler.<br />
Dabei entstand die Idee, ein Jugendblasorchester<br />
aus Musikschülern und Jugendlichen<br />
zusammenzustellen.<br />
Die Idee wurde gleich in die Tat umgesetzt.<br />
In acht Gesamtproben unter der<br />
Leitung von Bezirkskapellmeister Joachim<br />
Bacher und einigen Teilproben, abgehalten<br />
von verschiedenen Lehrern der Musikschule,<br />
konnte das Jugendblasorchester<br />
Wipptal am 6. Dezember 2013 sein erstes<br />
Konzert „AUFTAKT“ geben. Im vollbesetzten<br />
„Haus der Dorfgemeinschaft“ in Wiesen<br />
erklang unter anderem das Eröffnungsstück<br />
„Trumpet Voluntary“. Mit dem Werk<br />
„The Great Lokomotive Case“ schickte<br />
das Orchester die Zuhörer auf eine imaginäre<br />
Zugreise, und das Saxophonregister<br />
Das JugendBlasOrchester Wipptal bei seinem Konzert – „Auftakt“ 2013 in Wiesen.<br />
glänzte mit dem Solostück „Yakety Sax“.<br />
Locker und witzig führten die Musikanten<br />
Natalie Ploner und Laurent Egger durch<br />
das Programm.<br />
Beim gemütlichen Zusammensein<br />
nach dem Konzert war man sich schnell<br />
einig, dieses Projekt fortzuführen. Im<br />
Herbst <strong>2014</strong> startet die 2. Auflage von<br />
jbo Wipptal. Genaue Informationen erteilt<br />
die Musikschule Sterzing. Das Gemeinschaftsprojekt<br />
der Musikschule und<br />
des VSM Bezirk Sterzing wird im Herbst<br />
<strong>2014</strong> fortgesetzt.<br />
Sandro Santinato<br />
36<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Ein Fenster öffnen…<br />
Ein nicht alltägliches Seminar im Bezirk Bozen<br />
Dies war das erklärte Ziel der Kapellmeisterfortbildung<br />
des Bezirks Bozen im<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen in Zusammenarbeit<br />
mit der Deutschen Dirigenten-<br />
Akademie. Dozent war der Gründer und Leiter<br />
der Akademie, Peter Vierneisel, der in<br />
Südtiroler Blasmusikkreisen vor allem bekannt<br />
ist als Leiter des Südtiroler Jugendblasorchesters.<br />
Bereits im vergangenen Herbst war der<br />
Professor für Orchesterdirigieren an der<br />
Universität Potsdam in Südtirol als Seminarleiter<br />
zu Gast. Diesmal war er der Einladung<br />
von Bezirkskapellmeister Arnold<br />
Leimgruber gefolgt, um ein Wochenendseminar<br />
über Werkerarbeitung und Interpretation<br />
zu halten.<br />
An zwei Tagen sollten dabei alle Teilnehmer<br />
lernen, wie Komponisten denken,<br />
Diese Gedankengänge nachzuvollziehen<br />
hilft dann bei der Interpretation<br />
eines Werkes.<br />
Im wunderschönen Probelokal der<br />
Musikkapelle Kastelruth lernten die Kursteilnehmer<br />
„die Fenster zu einer Komposition<br />
zu öffnen“ und somit Einblicke<br />
in die Werke zu bekommen. Schnell war<br />
erkannt, dass das Ausgangsmaterial wie<br />
Noten, Dynamik und alle anderen Angaben<br />
in einer Partitur für alle Kapellmeister<br />
gleich sind. Doch jeder fühlt z.B. ein Andante,<br />
ein Allegro oder die Angabe eines<br />
Gemütszustandes anders, je nachdem<br />
welche Erfahrungen er in seinem Lebensrucksack<br />
mit sich trägt.<br />
Es ist wichtig, das Fenster zu einer Komposition<br />
weit zu öffnen und möglichst viel<br />
darüber zu erfahren. Erst dann kann der<br />
Dirigent nachvollziehen, was der Autor<br />
sich beim Komponieren gedacht haben<br />
könnte. Und erst dann kann ein musikalischer<br />
Leiter „an den richtigen Knöpfen<br />
drehen“, wie es Peter Vierneisel auszudrücken<br />
pflegt und dabei an Parameter<br />
wie Klangfarben, Artikulation, Dynamik,<br />
Tempo, usw. denkt.<br />
Ziel einer Werkerarbeitung ist es also<br />
nicht, dass jeder ein Werk gleich interpretiert.<br />
Wichtig ist lediglich, die Sinnhaftigkeit,<br />
die hinter einer Interpretation<br />
Sie haben ein Fenster geöffnet, die Teilnehmer des Wochenendseminars über<br />
Werkerarbeitung/Interpretation mit Peter Vierneisel (hintere Reihe, 2.v.r.) – ganz links<br />
im Bild Arnold Leimgruber, Bezirkskapellmeister des VSM-Bezirks Bozen.<br />
steckt – sprich: Der musikalische Leiter<br />
muss immer wissen, warum er „an einem<br />
Knopf dreht“. Deshalb gibt es auch nicht<br />
die eine richtige Interpretation.<br />
Am Samstag erarbeiteten die Seminarteilnehmer<br />
vier verschiedene Werke, drei<br />
davon für Jugendkapelle. Was ein Kapellmeister<br />
daraus machen kann, sollte sich<br />
am Sonntag bei der Probe mit den Musikantinnen<br />
und Musikanten der Musikkapelle<br />
Kastelruth erweisen. Diese Lehrprobe<br />
war dann für alle Beteiligten höchst<br />
interessant. Und Bedenken angesichts<br />
der „leichten“ Jugendkapellennoten waren<br />
alsbald ausgeräumt. Peter Vierneisel<br />
und die Seminarteilnehmer arbeiteten –<br />
oder besser – interpretierten derart, dass<br />
auch die Kastelruther Musikanten begeistert<br />
waren. Und sie bewiesen, dass es nicht<br />
auf die Komplexität oder den Schwierigkeitsgrad<br />
eines Werkes ankommt, sondern<br />
darauf, ob und welchen Sinn ein Kapellmeister<br />
hinter einer Komposition findet.<br />
Davon hängt nämlich eine gekonnte Interpretation<br />
ab.<br />
Peter Vierneisel leitete den Kurs in<br />
ebenso fachkompetenter wie menschlich<br />
angenehmer Weise. So gelang es ihm, an<br />
diesem Wochenende nicht nur den Kursteilnehmern,<br />
sondern auch den Kastelruther<br />
Musikantinnen und Musikanten<br />
ein Fenster zu öffnen.<br />
Christof Reiterer<br />
Peter Vierneisel<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 37
Aus Verband und Bezirken<br />
Musik in Bewegung<br />
Kurse und Ausbildungen im VSM-Bezirk Meran<br />
Im Frühjahr <strong>2014</strong> organisierte die Fachgruppe<br />
Stabführer im VSM - Bezirk Meran<br />
unter Bezirksstabführer Andreas Lanthaler<br />
verschiedene Schulungen zum Thema „Musik<br />
in Bewegung“.<br />
Marschprobe für Jungmusikanten<br />
Für Jungmusikanten aus dem Bezirk<br />
Meran wurde am Samstag, 22.März, in Untermais<br />
eine Marschprobe abgehalten. Ziel<br />
war es, den 55 Musikanten, welche erst seit<br />
einem Jahr oder zwei Jahren in den Musikkapellen<br />
tätig sind, Grundkenntnisse<br />
des Marschierens beizubringen. Genauso<br />
galt es, das Interesse und die Begeisterung<br />
am gemeinsamen Marschieren zu wecken.<br />
Auf dem Programm standen daher vor<br />
allem die richtige Haltung, das Marschieren<br />
selbst, sowie das Abfallen und Aufmarschieren.<br />
Am Ende der Probe wurde sogar ein<br />
kleines Show-Element eingelernt, von dem<br />
sich die Jungmusikanten begeistert zeigten.<br />
Workshop für Stabführer mit<br />
Franz Ziegl<br />
Am Samstag, 29.März, fand im Probelokal<br />
der Bürgerkapelle Lana eine Fortbildung<br />
zum Thema „Wie motiviere ich als<br />
Stabführer meine Kapelle?“ mit dem Referenten<br />
Franz Ziegl aus Oberösterreich statt.<br />
Ziegl war über viele Jahrzehnte selbst Stabführer<br />
und erhielt in Anerkennung seines<br />
Engagements für die Musik in Bewegung<br />
zusammen mit dem MV Ungenach zahlreiche<br />
Ehrungen und Auszeichnungen.<br />
Der erste Teil des Workshops vermittelte<br />
den 17 Teilnehmern zahlreiche Ideen und<br />
Anregungen. Mit der praktischen Umsetzung<br />
beschäftigte sich später der zweite<br />
Teil, für den sich die BK Lana als Übungskapelle<br />
zur Verfügung stellte.<br />
Kurs für Assistenten bei<br />
Marschproben<br />
Am Mittwoch, 7.Mai, schließlich fand<br />
in Lana erstmals eine Ausbildung für Assistenten<br />
von Stabführern statt, mit dem<br />
Ziel, die Marschproben mit der eigenen<br />
Kapelle zu erleichtern und effizient zu gestalten.<br />
Assistenten haben die Aufgabe,<br />
den Stabführer bei seiner Probenarbeit zu<br />
unterstützen, indem Abstände, Ausrichtung,<br />
Formation oder korrektes Marschieren<br />
überprüft werden. Als Übungskapelle<br />
für die 14 Teilnehmer stellte sich dabei der<br />
Musikverein Lana zur Verfügung.<br />
Stefan Erb<br />
Musik in Bewegung vermag zu<br />
begeistern – dies zeigte sich bei der<br />
Marschprobe für Jungmusikanten.<br />
Schaut zwar recht theoretisch aus,<br />
war aber durchaus praxisorientiert,<br />
was Franz Ziegl (ganz rechts) über das<br />
Marschieren zu sagen hatte.<br />
Assistenten können die Abhaltung von<br />
Marschproben erleichtern, wie sich bei der<br />
Fortbildungsveranstaltung in Lana zeigte.<br />
In Fünfer-Reihe antreten!<br />
Kurs für Stabführer des VSM-Bezirks Bozen<br />
Für alle „Musik in Bewegung“ - Begeisterten<br />
hat die Fachgruppe Stabführer des<br />
VSM-Bezirks Bozen auch heuer wieder einen<br />
Grundkurs abgehalten.<br />
Den sechs Teilnehmern wurden in einem<br />
insgesamt zwölfstündigen Kurs die Grundbegriffe<br />
und Stabzeichen beigebracht. Der<br />
Kurs gliederte sich in einen theoretischen<br />
und einen praktischen Teil. Der nächste<br />
Schritt der Stabführerausbildung ist der<br />
Aufbaukurs, bei dem die Stabführeranwärter<br />
auch die Möglichkeit bekommen, mit<br />
Übungskapellen zu marschieren.<br />
Die Kurse finden jährlich im Frühjahr<br />
statt und werden frühzeitig vom Stabführer-Team<br />
bekanntgegeben.<br />
Das Stabführer-Team des<br />
VSM-Bezirkes Bozen,<br />
Valentin Domanegg und Christian Mayr<br />
(1. Reihe v.l.) Manfred Tammerle,<br />
Silke Pernstich, Günther Fink; (2. Reihe<br />
v.l.) Valentin Domanegg, Stefan Pircher,<br />
Simon Stampfer, Matthias Wiedenhofer,<br />
Christian Mayr<br />
38<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Stammtisch der Pusterer Kapellmeister<br />
Informatives Fachsimpeln beim alljährlichen Treffen in Stegen<br />
Fachsimpeln in gemütlicher Runde, Erfahrungen<br />
austauschen und Themen diskutieren,<br />
die oft bei offiziellen Versammlungen<br />
aus zeitlichen Gründen untergehen, das ist<br />
die Idee des jährlichen Kapellmeisterstammtisches.<br />
So trafen sich Bezirkskapellmeister<br />
Andreas Pramstraller und sein Stellvertreter<br />
Georg Kirchler kürzlich im Probelokal<br />
der Musikkapelle Stegen mit 16 Pusterer<br />
Kapellmeisterkolleginnen und -kollegen.<br />
Dabei warf Kirchler die Frage auf, welche<br />
Fachbücher über das Dirigieren gelesen<br />
werden, und er stellte eine Liste wichtiger<br />
und hilfreicher Fachliteratur vor. Pramstraller<br />
präsentierte den im November im Pustertal<br />
geplanten Workshop mit dem holländischen<br />
Dirigenten Maurice Hamers. Weil<br />
im Jahr 2016 im Bezirk Bruneck wiederum<br />
Konzertwertungsspiele organisiert werden,<br />
war auch das Wertungsspiel eines der viel<br />
diskutierten Themen an diesem rund zweistündigen<br />
Treffen. „Durch die Teilnahme<br />
an Wertungsspielen und besonders durch<br />
Kapellmeister diskutieren beim Stammtisch mit Bezirkskapellmeister Andreas<br />
Pramstraller und seinem Stellvertreter Georg Kirchler (Bildmitte v.r.).<br />
die aufwändige Vorbereitungsarbeit bis dahin<br />
entwickeln sich die Kapellen musikalisch<br />
weiter“, hob Pramstraller die Wichtigkeit<br />
eines Wertungsspiels hervor und lud<br />
die Kapellmeister schon jetzt ein, sich diesen<br />
Termin vorzumerken. Abschließend erläuterte<br />
er noch kurz die neue Kapellmeisterausbildung<br />
des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen (VSM), die ab kommendem<br />
Herbst in den Musikschulen angeboten<br />
wird. Auch Wünsche bezüglich Fortbildungen<br />
für aktive Kapellmeister wurden<br />
beim Treffen deponiert.<br />
Stephan Niederegger<br />
verband<br />
südtiroler<br />
musikkapellen<br />
Programmvorschau<br />
Dreimonatskalender<br />
Datum Veranstalter Veranstaltung Ort Haus Beginn<br />
Sa-Sa, 05.-12. Juli <strong>2014</strong> VSM Jungbläserwoche B (Bronze Fortgeschrittene) Brixen Vinzentinum 09.00<br />
Do-So, 10.-20. Juli <strong>2014</strong> VSM Orchesterwoche des SJBO Schlanders Gamperheim 09.00<br />
JULI<br />
Sa-Sa, 12.-19. Juli <strong>2014</strong> VSM Jungbläserwoche C (Silber) Dietenheim Landwirtschaftsschule 09.00<br />
Sa-Sa, 19.-26. Juli <strong>2014</strong> VSM Jungbläserwoche A (Bronzeprüfung) Brixen Vinzentinum 09.00<br />
Sa-Sa, 19.-26. Juli <strong>2014</strong> VSM Jungbläserwoche A (Bronzeprüfung) Nals Lichtenburg 09.00<br />
Mo-Sa, 21.-26. Juli <strong>2014</strong> Bezirk Bruneck Bezirks-Jungbläsertage Bruneck Mittelschule Karl Meusburger 09.00<br />
So, 03. August <strong>2014</strong> Bezirk Schlanders Bezirksmusikfest Latsch Sport- und Festplatz 09.00<br />
AUGUST<br />
Di-Sa, 05.-09. August <strong>2014</strong> Bezirk Meran Bezirks-Jungbläsertage Nals Lichtenburg 09.00<br />
Mo-Sa, 18.-23. August <strong>2014</strong> Bezirk Schlanders Bezirks-Jungbläsertage Burgeis Fürstenburg 09.00<br />
Mo-Sa, 25.-30. August <strong>2014</strong> Bezirk Sterzing Bezirks-Jungbläsertage Telfes Kulturhaus 09.00<br />
Di-Sa, 26.-30. August <strong>2014</strong> Bezirk Brixen Bezirks-Jungbläsertage Natz Fürstenhof 09.00<br />
SEP.<br />
Mo, 8. September <strong>2014</strong> VSM Stabführer – Abschlusskurs 1.Teil Stegen Mehrzwecksaal 19.30<br />
So, 14. September <strong>2014</strong> Bezirk Bruneck Jugendkapellentreffen St.Lorenzen Musikpavillon 10.00<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 39
Kritisch Hingehört<br />
Die „Pfeffersberger“ unter<br />
neuer Stabführung<br />
Frühjahrskonzert der Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg<br />
Der 16-jährige Euphonium-Solist Tobias Reifer begeistert beim Frühjahrskonzert der Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg – nicht<br />
umsonst wird er „der Südtiroler Steven Mead“ genannt.<br />
Nach der jahrzehntelangen Stabführung<br />
von Andreas Reifer und der sechsjährigen<br />
Zusammenarbeit mit Josef Feichter hat die<br />
Musikkapelle Peter Mayr Pfeffersberg mit Edi<br />
Gamper am Dirigentenpult heuer ein neues<br />
musikalisches Kapitel aufgeschlagen. Das<br />
Publikum beim traditionellen Frühjahrskonzert<br />
im vollbesetzten Forum in Brixen war<br />
dementsprechend neugierig und voller Erwartungen.<br />
Das Wagnersche Vorspiel zu den „Meistersingern<br />
von Nürnberg“ als Konzertauftakt<br />
ist allemal ein Wagnis. Selbstbewusst<br />
und mit dem nötigen Respekt gestaltet<br />
Gamper diese großartige Musik mit einem<br />
wuchtigen Klangteppich, strahlenden Blechbläsern<br />
und einem homogenen Holzregister.<br />
Die langen Phrasierungsbögen verlieren<br />
streckenweise an Spannung, im Finale<br />
findet die Kapelle aber wieder zum nötigen<br />
Wagner-Klang. Dass die „Pfeffersberger“<br />
zu den besten Kapellen des Landes zählen<br />
und eines der blasmusikalischen Aushängeschilder<br />
Südtirols sind, beweisen sie<br />
einmal mehr in der viersätzigen Symphonie<br />
„Save the Sea“. Darin beschreibt Frigyes<br />
Hidas in herrlichen Klangbildern und mit<br />
faszinierenden Klangeffekten den Weg des<br />
Wassers vom romantischen Gebirgsbächlein<br />
bis zum gigantischen Ozean.<br />
Seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs<br />
ist Hidas in Blasmusikkreisen längst kein<br />
Unbekannter mehr und wird verdienter<br />
Weise in einem Atemzug mit Alfred Reed<br />
oder Philip Sparke genannt. Nach so viel<br />
geballter und gewaltiger Blasmusik scheint<br />
der Höhepunkt des Abends bereits erreicht.<br />
Aber weit gefehlt, denn der erst 16-jährige<br />
Euphonium-Solist Tobias Reifer begeistert<br />
in James Curnows „Symphonic Variants“<br />
mit getragenen Kantilenen, technischer<br />
Raffinesse, großem Tonumfang und rhythmischer<br />
Sicherheit. Er übernimmt wie selbstverständlich<br />
die tänzerischen Themen der<br />
teils kammermusikalisch besetzten Kapelle,<br />
kokettiert im Zwiegespräch mit der Oboe<br />
und der Piccoloflöte und beeindruckt in<br />
den Solokadenzen.<br />
Die schwungvolle Ouvertüre „Resplendent<br />
Glory“ von Rossano Galante leitet<br />
den zweiten Konzertteil ein. Stephen Bullas<br />
Rhapsodie „Firestorm“ bietet der Kapelle<br />
die Plattform, auf der sich die Register<br />
einzeln und als gemeinsamer Klangkörper<br />
präsentieren können. Nach dem fesselnden<br />
Wettbewerbs-Marsch „Centaur“ von Derek<br />
Broadbent schwelgt die Kapelle zum Abschluss<br />
mit guter Laune und großer Spielfreude<br />
in Swing-, Samba- und Rockrhythmen<br />
und serviert dem Zuhörer „Gelato con<br />
Caffè“ (Toshio Mashima). Der bekannte<br />
Konzertmarsch „Sons of the Brave“ (Thomas<br />
Bidgood), der Mambo aus Bernsteins<br />
„West Side Story“ und die tänzerisch-verspielte<br />
„Serenade“ von Derek Bourgeois<br />
sind die drei Zugaben, mit denen sich die<br />
Musikkapelle vor dem begeisterten Publikum<br />
verneigt. Damit ist das erste Kapitel<br />
in der neuen musikalischen Ära der „Pfeffersberger“<br />
geschrieben und man darf sich<br />
auf viele weitere freuen!<br />
Stephan Niederegger<br />
40<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Große Bandbreite<br />
symphonischer Blasmusik<br />
Frühjahrskonzert der Bürgerkapelle Brixen<br />
Beim Frühjahrskonzert der BK Brixen - (v.l.) Vizeobmann Konrad Gasser, Obmann Martin Rastner, Brigitte Eichbichler, Georg<br />
Eichbichler, Hermann Prosch, VSM-Bezirksobmann Pepi Ploner, Kapellmeister Hans Pircher<br />
Schon das Eröffnungsstück der Bürgerkapelle<br />
Brixen „Transcendent Journey“ von<br />
Rossano Gallante mit seinen stark rhythmisierten<br />
Motiven, den zahlreichen Klangfarbenwechseln<br />
und impressionistisch anmutenden<br />
Einwürfen ließ die Zuhörer ein<br />
Wechselbad der Stimmungen erleben.<br />
Es zeigte sich, dass hier ein überaus<br />
homogener, stilsicherer und musikalisch<br />
sensibler Klangkörper die ganze Bandbreite<br />
von symphonischer Blasmusik bis<br />
hin zu traditioneller Marschmusik auszuloten<br />
imstande ist. Dies galt ganz besonders<br />
auch für das dreisätzige Werk „Concerto<br />
for Percussion“ von Derek Bourgeois. Für<br />
das Schlagzeugregister ist das Trio Matthias<br />
Unterhofer, Fabian Huber und Tobias<br />
Gasser ein besonderer Glücksfall und Garantie<br />
für überaus virtuose Darbietungen.<br />
In Bourgeois' Werk agieren Marimba, Xylophon<br />
und kleine Trommeln als ebenbürtige<br />
Partner des Orchesters und erzählen<br />
mit ihren suggestiven Klängen in freier<br />
Tonalität Geschichten, die bald leichtfüßig<br />
daherkommen wie Figuren von Walt<br />
Disney, bald an Monumentalfilme aus Hollywood<br />
erinnern.<br />
Wie der folgende Marsch der Textilarbeiter<br />
zu seinem Namen kam, lässt sich<br />
aufgrund seiner traditionellen Kompositionsweise<br />
kaum erahnen. Jedenfalls enthält<br />
der „Textilaku“ Marsch des tschechischen<br />
Komponisten Karol Pádivý alles, was<br />
einen gelungenen Konzertmarsch ausmacht.<br />
In der Interpretation der Bürgerkapelle<br />
wirken die rhythmisch markanten<br />
Stellen ebenso authentisch wie die kantablen<br />
Zwischenspiele. Dafür ist wohl Hans<br />
Pirchers Dirigat verantwortlich, das wenig<br />
auf oberflächliche Effekte, aber umso mehr<br />
auf Intensität und Konzentration setzt. Das<br />
Stück „Orient und Occident“ des spätromantischen<br />
französischen Komponisten<br />
Saint Saens gehört zu Recht zum Repertoire<br />
der Kapelle, hält es doch für alle Register<br />
interessante Gestaltungsmöglichkeiten<br />
bereit, wobei Klarinetten und Schlagzeug,<br />
zwischen Dur- und Moll changierend, orientalische<br />
Klänge imitieren und den Blechbläsern<br />
ein imposantes Finale mit fugiertem<br />
Einsatz und hochkomplexer harmonischer<br />
Steigerung vorbehalten bleibt.<br />
Mit der „Colas Breugnon Ouvertüre“<br />
von Dimitri Kabalevsky wagt die Bürgerkapelle<br />
einen Abstecher in das Musiktheater.<br />
Die Wahl fiel auf die einzige Oper<br />
des russischen Komponisten Kabalevsky,<br />
in welcher ein trinkfester, vor Lebenslust<br />
strotzender Schreinermeister aus dem Burgund<br />
zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum<br />
Leben erweckt wird. Seine Abenteuerlust<br />
spiegelt sich in prägnanten aufsteigenden<br />
Motiven wider, welche in zahlreichen Variationen<br />
durch alle Register wandern.<br />
Stefan Marinoff („Das Abzeichen“) und<br />
Christoph Glantschnig („Lapis Albus“) haben<br />
Originalkompositionen im Stil traditioneller<br />
Marschmusik geschaffen, während<br />
Alfred R. Stevenson in seinem 2012 entstandenen<br />
Auftragswerk für den Kärntner<br />
Blasmusikverband Fragments bekannte<br />
Marschthemen in ihre Einzelteile zerlegt,<br />
die anschließend fantasiereich zusammengefügt<br />
werden.<br />
Diese beiden Kompositionen wird die<br />
Bürgerkapelle Brixen im September als Vertreter<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
beim Österreichischen Blasmusikwettbewerb<br />
als Pflichtstücke zu Gehör bringen.<br />
Nachwuchssorgen kennt die Bürgerkapelle<br />
Brixen nicht, in diesem Jahr wurden sechs<br />
junge Musiker neu aufgenommen in den<br />
Registern Klarinette, Horn, Tuba, Flöte und<br />
Schlagzeug. Zugleich wurde dem Klarinettisten<br />
Hermann Prosch durch Bezirksobmann<br />
Pepi Ploner die Urkunde für 60-jährige<br />
Vereinstreue verliehen, während Georg<br />
Eichbichler für seine über 40-jährige Mitgliedschaft<br />
als Hornist, vor allem aber für<br />
seine verdienstvolle Tätigkeit im Ausschuss,<br />
die Ehrenmitgliedschaft mit goldenem Ehrenring<br />
verliehen wurde.<br />
Barbara Fuchs<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 41
Kritisch hingehört<br />
Technische Viruosität<br />
und klangliche Farbmuster<br />
Osterkonzert der Musikkapelle Villnöß<br />
Mit Hans Pircher am Dirigentenpult hat die Musikkapelle Villnöß am Ostersonntag ein neues Kapitel in ihrer erfolgreichen<br />
Vereinsgeschichte aufgeschlagen (im Bild oben rechts: Der ehemalige Kapellmeister Toni Profanter an der Kontrabassklarinette).<br />
Dass Toni Profanter nach 30 Jahren den<br />
Taktstock der Musikkapelle Villnöß niedergelegt<br />
hat, ist hinreichend bekannt<br />
- dass Hans Pircher, seines Zeichens<br />
seit drei Jahren Kapellmeister der Bürgerkapelle<br />
Brixen, auch die Leitung der<br />
Villnösser übernommen hat, ebenso.<br />
Dementsprechend neugierig und erwartungsvoll<br />
war das „Premierenpublikum“<br />
beim heurigen Osterkonzert, dem<br />
ersten Auftritt der Kapelle unter der neuen<br />
Führung. Es ist sicherlich kein Leichtes,<br />
in Profanters Fußstapfen zu treten.<br />
Pircher ist es hörbar gelungen, die Kapelle<br />
darin zu begleiten und in dieser kurzen<br />
Zeit auch eigene Spuren zu hinterlassen.<br />
Musik auf hohem Niveau<br />
Die festlichen Bläserklänge der „Prozession<br />
der Adeligen“ von Nicolai Rimsky<br />
Korsakov haben den sinfonischen Blasmusikabend<br />
eröffnet und gleich zu Beginn<br />
die musikalische Handschrift des neuen<br />
Mannes am Dirigentenpult erkennen las-<br />
sen: Auf einem breiten Harmonieteppich<br />
lässt er den Melodien und Themen breiten<br />
Raum, um sich entfalten zu können.<br />
Eine ausgewogene Klangbalance, hervorragende<br />
Solisten, die sich ohne Starallüren<br />
ihrer orchestralen Aufgabe unterordnen,<br />
und Musik auf höchstem Niveau<br />
wurden dem Zuhörer präsentiert. Für das<br />
dreisätzige „Fagottkonzert“ von Frigyes<br />
Hidas wird die Kapelle auf ein kleines Kammermusikensemble<br />
dezimiert, damit die<br />
Solistin Birgit Profanter alle klanglichen<br />
und technischen Möglichkeiten ihres Fagotts<br />
– das sie liebevoll „Albert“ nennt –<br />
ausloten und mit ihrem anmutigen Spiel<br />
begeistern kann. Das Werk ist sehr farbig<br />
instrumentiert und eröffnet mit der<br />
Hinzunahme von Harfe, Celesta (Keyboard)<br />
und mehrerer Percussionsintrumente<br />
neue Klangwelten. Der typische<br />
Sousa-Marsch „Hands Across the Sea“<br />
in rasantem Tempo leitet zu einem weiteren<br />
Höhepunkt des Abends hin. In der<br />
„Danza Sinfonica op. 117“ variiert James<br />
Barnes spanische Tanzmusik und fordert<br />
alle Register der Kapelle. Mit technischer<br />
Virtuosität und klanglichen Farbmustern<br />
beschreiten die Villnösser damit auch<br />
neue Wege und fordern den Zuhörer einmal<br />
mehr. Der Schweizer Armeemarsch<br />
„Bellinzona“ von Gian Battista Mantegazzi,<br />
ein Juwel der Europäischen Marschmusik,<br />
dient daher der wohltuenden Entspannung,<br />
bevor Gustav Holst's „Jupiter“ aus seiner<br />
Planeten-Suite nochmals mit seinen monumentalen<br />
Klangeffekten und Klangfarben<br />
beeindruckt. Die einfache, würdevolle<br />
und elegante Melodie der „Pavane pur une<br />
infante défunte“ von Maurice Ravel in einer<br />
hervorragenden Blasorchesterbearbeitung<br />
von Johan de Meij und die mystischquirlige<br />
„Arabesque“ von Samuel R. Hazo<br />
setzen den Schlusspunkt auf einen grandiosen<br />
Blasmusikabend. Derek Bourgeois<br />
virtuoses „Cossack Capers op. 327“ und<br />
der Traditionsmarsch „In Treue fest“ von<br />
Carl Teike sind die Draufgabe. Das Konzert<br />
wurde von RAI Südtirol aufgezeichnet<br />
und am 9. und 16. Mai ausgestrahlt.<br />
Stephan Niederegger<br />
42<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Mit „Fanfare and Flourishes“ eröffnet<br />
die Bürgerkapelle unter der neuen musikalischen<br />
Leitung von Patrick Gruber das heurige<br />
Josefikonzert.<br />
Trotz leichter Intonationstrübungen im<br />
engmensurierten Blech überzeugt die Kapelle<br />
mit sehr schönem Blechklang, ohne<br />
das Holz zu überdecken. In der „Folk Song<br />
Suite“ werden englische Volkslieder gekonnt<br />
zu Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau<br />
verarbeitet. Der Vortrag ist sehr sauber und<br />
intoniert. Positiv hervorzuheben sind die Soloeinlagen<br />
der Oboe und Trompete im zweiten<br />
und dritten Satz. Den Ausführenden gelingt<br />
es nicht ganz, die Lockerheit und Spielfreude<br />
dieser englischen Musik dem Publikum zu<br />
vermitteln. In der Komposition „Of Castles<br />
and Legends“ führt Gruber die Kapelle mit<br />
sicherem Dirigat durch das Werk. Im „Lento“<br />
überzeugt das Holz mit wunderschönem<br />
Klang und Fülle. Obwohl der Schlussteil etwas<br />
an Spannung verliert, ist es insgesamt<br />
eine sehr gut gelungene, effektvolle Darbietung.<br />
Im Werk „Embuscade“ wird das tiefe<br />
Mysterium einer Musik, die ein spannendes<br />
Abenteuer beschreibt, durch verschiedene<br />
Kontraste und Klangfarben wiedergegeben.<br />
Nach dem sehr klangvoll und stilgerecht dargebotenen<br />
Konzertmarsch „Artemis“ interpretieren<br />
die „Michealer“ die sehr effekt-<br />
Josefikonzert der Bürgerkapelle<br />
St. Michael Eppan<br />
Gelungener Einstand des neuen Kapellmeisters Patrick Gruber<br />
Das diesjährige Josefikonzert der Bürgerkapelle St. Michael Eppan stand erstmals<br />
unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Patrick Gruber<br />
volle Ouverture „Images of a City“. Dabei<br />
fällt wiederum die souveräne Leitung des<br />
Dirigenten auf, der die Bürgerkapelle mit<br />
präzisen Gesten durch die zahlreichen Taktwechsel<br />
führt. Die Ausgeglichenheit und das<br />
feinfühlige Musizieren in allen Registern, die<br />
Solos in Oboe und Altsaxophon und die Einsätze<br />
des Hornregisters verdienen besonderes<br />
Lob. Sehr gut gelungen sind auch die<br />
Klangbilder der Komposition „October“, die<br />
von Beginn an spannend und mit sehr vielen<br />
Farben und Phrasierungen vorgetragen<br />
werden. Mit „Birdland“ endet das offizielle<br />
Programm des Josefikonzertes mit gebührendem<br />
Applaus des Publikums.<br />
Ein gelungenes Josefikonzert <strong>2014</strong>, das<br />
eine gute Zukunft der Bürgerkapelle St. Michael<br />
Eppan mit ihrem neuen musikalischen<br />
Leiter voraussehen lässt.<br />
Arnold Leimgruber<br />
Ein Frühjahrskonzert, das betroffen machte.<br />
Die Musikkapelle Naturns hatte tief beeindruckt<br />
und Fragen aufgeworfen: War das Programm<br />
nun Zufall oder bewusste Aktualität?<br />
Hatte der Dirigent in der Stückwahl nur sein<br />
Orchester – Musikkapelle klingt schon banal<br />
– im Kopf oder sind Kriege und Katastrophen,<br />
aber auch Sieg und Rhythmus Bezüge<br />
zu jüngsten Ereignissen?<br />
Der Kenner ließ bewundernd die Klänge<br />
nachhallen, der Laie hatte noch die schwungvolle<br />
"Nachspielzeit" im Ohr. Beide Zuhörerkategorien<br />
mussten sich fragen: Wie viel<br />
Können und Zeit sind aufzuwenden, oder<br />
wie viel Freude an der Musik müssen 66<br />
Mitwirkende aufbringen, um eine derartige<br />
Leistung zu vollbringen? Über jeder Frage<br />
stand die runde und geschlossene Aufführung.<br />
Das waren nicht mehr Musikanten<br />
unter einem Taktstock, das waren 66 Individualisten,<br />
die ein Blasorchester bildeten,<br />
die sich eingelassen hatten, Heroisches und<br />
in Worten Unsägliches in Klang und Melodie<br />
wiederzugeben. Kapellmeister Dietmar<br />
Rainer hat seinem "Klangkörper“ mit<br />
Beethovens „Egmont“ Heroisches zugetraut,<br />
Über sich hinausgewachsen<br />
42. Frühjahrskonzert der Musikkapelle Naturns<br />
mit Alexander Comitas' „Elegy for Tohoku“<br />
Endzeitstimmung erzeugt und in Jan de<br />
Haans „Banja Luka“ Unvorstellbares aufgegriffen.<br />
Jan van der Roost's „Balkanya“<br />
war Überwindung durch Tanz und Rhythmuswechsel.<br />
Beschwörende Trauer klang<br />
aus Frank Tichelis „An American Elegy“, um<br />
kontrastreich-keck in Frigyes Hidas' „Symphonic<br />
Movement“ auszuklingen.<br />
Günther Schöpf<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 43
Zur Person<br />
„Geradlinig mit klaren Vorstellungen“<br />
Anton „Toni“ Erlacher, Obmann der Musikkapelle St. Lorenzen<br />
Toni Erlacher, Obmann der MK St.<br />
Lorenzen, möchte Tradition und<br />
Bewährtes erhalten wissen, aber auch<br />
Neuem gegenüber aufgeschlossen sein.<br />
<strong>KulturFenster</strong>: Haben Sie in Ihrer Familie<br />
musikalische Wurzeln?<br />
Anton Erlacher: Keine<br />
KF: Wer ist Ihr Vorbild?<br />
A. Erlacher: Dr. Silvius Magnago<br />
KF: Welche Charakterzüge schätzen Sie bei<br />
Ihren Mitmenschen am meisten?<br />
A. Erlacher: Verlässlichkeit und da sein,<br />
wenn sie gebraucht werden.<br />
KF: Ihr Lieblingsschriftsteller?<br />
A. Erlacher: Bischof Reinhold Stecher<br />
KF: Ihr Lieblingsmaler?<br />
A. Erlacher: Rembrandt<br />
KF: Ihr/e Lieblingskomponist/en?<br />
A. Erlacher: Johann Strauß (Sohn) und<br />
Gioacchino Rossini<br />
Zur Person:<br />
Anton Erlacher wurde 1952 in St. Lorenzen<br />
geboren. Nach dem Abschluss der<br />
Pflichtschule hat er den Beruf des technischen<br />
Zeichners erlernt. Seit dem Jahr<br />
2008 ist er in Pension. Im Jahr 1968 ist<br />
Anton Erlacher als Klarinettist in die Musikkapelle<br />
St. Lorenzen eingetreten und<br />
hat im Vorstand als Schriftführer und Obmann-Stellvertreter<br />
mitgearbeitet. Er hat<br />
den Verein auch zehn Jahre (1985-1994)<br />
lang als Obmann geführt und dieses Amt<br />
bei der letzten Wahl des Ausschusses<br />
im Februar 2013 erneut übernommen.<br />
Im VSM-Bezirk Bruneck war er zudem<br />
neun Jahre lang als Gebietsvertreter tätig.<br />
KF: Sollte ein Obmann einer Kapelle immer<br />
auch ein aktiver Musiker sein oder<br />
könnten Sie sich vorstellen, dass auch<br />
ein (musikalisch) inaktives Mitglied einen<br />
Verein führt?<br />
A. Erlacher: Ein Obmann muss immer zur<br />
Stelle sein und deshalb sollte er auch ein<br />
aktiver Musikant sein, damit er die Probleme<br />
im Verein sofort erkennen kann und<br />
immer ansprechbar ist.<br />
KF: Über welche Eigenschaften sollte ein<br />
Vereinsobmann verfügen?<br />
A. Erlacher: Er sollte über Organisationstalent<br />
verfügen, ausgleichend wirken, kameradschaftlich<br />
sein. Außerdem sollte er<br />
ein guter Redner sein.<br />
KF: Wie würden Sie als Obmann Ihren Führungsstil<br />
bezeichnen?<br />
A. Erlacher: Geradlinig mit klaren Vorstellungen<br />
KF: Was war als Vereinsvorstand Ihr positivstes<br />
Erlebnis?<br />
A. Erlacher: Die Anschaffung der neuen<br />
historischen Tracht und die damit verbundene<br />
Segnung im Jahr 1996.<br />
KF: Aus welchem Fehler haben Sie am meisten<br />
gelernt?<br />
A. Erlacher: Man kann es nicht jedem recht<br />
machen und deshalb muss man manchmal<br />
Entscheidungen auch alleine treffen. Zudem<br />
sollte man hinterher nicht alles hinterfragen.<br />
KF: Was war Ihr größter Erfolg als Obmann<br />
bzw. als Vorstandsmitglied?<br />
A. Erlacher: Der bescheidene Dank von Mitmenschen<br />
für die gute Führung der Kapelle<br />
als Obmann<br />
KF: An welche internationale Aktivität erinnern<br />
Sie sich gerne zurück?<br />
A. Erlacher: An die Blasmusiktage in Wien<br />
KF: Was war Ihr bislang einschneidendstes<br />
Blasmusikerlebnis?<br />
A. Erlacher: Gelungene Wertungsspiele nach<br />
harter Probenarbeit und die musikalische<br />
Gestaltung beim Begräbnis unseres Stabführers<br />
Fabian Frenner und seines Onkels<br />
Alex Frenner im Jahr 2010.<br />
KF: Ihre Hoffnungen und Wünsche für die<br />
Zukunft der Blasmusikszene?<br />
A. Erlacher: Tradition und Bewährtes unbedingt<br />
erhalten, aber auch neuen Ideen<br />
und neuen Kompositionen gegenüber aufgeschlossen<br />
sein.<br />
Interview: Joachim Buch<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />
Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />
Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des <strong>KulturFenster</strong>s ist<br />
Dienstag, 15. Juli <strong>2014</strong>. Bitte Termin genau beachten!<br />
44<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Nachruf<br />
Blasmusik<br />
Im Gedenken an Toni Kiem<br />
Eine große Trauergemeinde hat Toni Kiem, Leiter in Gratsch, am 20. Mai<br />
in seinem Heimatdorf auf seinem letzten Gang begleitet.<br />
Toni Kiem 1930-<strong>2014</strong><br />
Mit ihm hat uns ein Mensch verlassen,<br />
der sich Zeit seines Lebens auch für öffentliche<br />
Belange und das Gemeinwohl verwendet<br />
und dabei stets auf den Ausgleich zwischen<br />
verschiedenen Positionen gesetzt<br />
hat, der seiner Meinung mit Überzeugung,<br />
jedoch mit feinen Formulierungen, die die<br />
leisen Zwischentöne bevorzugten, zum Ausdruck<br />
brachte.<br />
1946 trat Toni Kiem der Musikkapelle<br />
Gratsch als Posaunist/Tenorhornbläser<br />
bei. Sein bald aufkommendes Interesse<br />
für das politische Geschehen im Lande<br />
drängte seine musikalische Tätigkeit etwas<br />
in den Hintergrund. Später brachte<br />
er sich als Stabführer ein.<br />
1980 wurde er auf Vorschlag vom VSM-<br />
Bezirk Meran zum Obmann-Stellvertreter<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
gewählt, ein Amt, das er zwölf Jahre lang<br />
bis 1992 mit Begeisterung und großem<br />
persönlichen Einsatz ausübte.<br />
In seine Amtszeit als Bezirksobmann<br />
der Südtiroler Volkspartei fiel die historische<br />
Entscheidung über die Annahme<br />
des Südtirol-Paketes und als überzeugter<br />
Paket-Befürworter an der Seite von<br />
Silvius Magnago war er einer dessen engagiertesten<br />
Weggefährten.<br />
Von 1973 bis 1978 und dann noch<br />
einmal einige Monate im Jahre 1988 (an<br />
Stelle der verstorbenen Waltraud Gebert<br />
Deeg) war er Landtagsabgeordneter für<br />
die Südtiroler Volkspartei.<br />
Im Genossenschaftswesen stellte er<br />
seine Kenntnisse und Fähigkeiten der<br />
Raiffeisenkasse Algund, dem Raiffeisenverband<br />
und der Raiffeisen-Landesbank<br />
zur Verfügung. Seinen besonderen<br />
Einsatz widmete er dem Beratungsring<br />
für Obst- und Weinbau, als dessen Obmann<br />
von 1976 bis 1996 er entscheidende<br />
Impulse für den Aufbau einer<br />
effi zienten und fachlich kompetenten<br />
Anlaufstelle für Südtirols Obst- und<br />
Weinbauern setzte. Zudem war er Mitbegründer<br />
und erster Obmann der Arbeitsgruppe<br />
für den Integrierten Obstanbau<br />
in Südtirol – AGRIOS.<br />
Toni Kiem ist im 84. Lebensjahr an einer<br />
schweren, erst vor wenigen Monaten<br />
aufgetretenen Krankheit gestorben.<br />
Was bleibt, ist die Erinnerung an ein erfülltes<br />
Leben eines aufrechten, der Heimat<br />
und der Gesellschaft verpfl ichteten<br />
Menschen. Seiner Frau und seinen Kindern<br />
gilt die aufrichtige Anteilnahme.<br />
Klaus Bragagna<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 45
Komponisten im Porträt<br />
Mit Blasmusik durch die EU<br />
Komponisten aus den EU-Ländern – 9. Teil<br />
In die ehemaligen Ostblockländer Ungarn und Bulgarien begleitet uns Joachim Buch diesmal auf der 9. Etappe<br />
seiner blasmusikalischen Europareise, bei der er namhafte Komponisten aus allen EU- Ländern vorstellt.<br />
(17) Bulgarien – Diko Iliev<br />
Land<br />
Fläche<br />
Bulgarien<br />
110.994 km²<br />
Einwohner 7.364.000<br />
Hauptstadt<br />
Sofia<br />
Vor allem Tänze spielen in den Kompositionen<br />
von Diko Iliev eine Hauptrolle.<br />
Diko Iliev, dessen Kompositionen vor allem<br />
auf bulgarischer Volksmusik beruhen, gilt<br />
als einzigartige Erscheinung in der bulgarischen<br />
Musikkultur. Der 1898 in Karlukovo<br />
nahe der Hauptstadt Sofia geborene Komponist<br />
schrieb mit 19 Jahren seine erste,<br />
und bis heute eine seiner berühmtesten<br />
Kompositionen: den „Iskarsko Horo“. Dieses<br />
Werk, benannt nach dem durch Karlukovo<br />
fließenden Iskur, war der erste traditionelle<br />
Tanz für Blasorchester.<br />
Schon 1911 trat Iliev dem Musikkorps<br />
des 16. Lovech Infanterie-Regiments in<br />
Botevgrad bei. Nach dem Ersten Weltkrieg<br />
war er als 1. Posaunist Mitglied des Orchesters<br />
der Militärschule Sofia, zumeist<br />
bestehend aus den Bläsern des Sofioter<br />
Opernorchesters. Bis in die dreißiger<br />
Jahre trat er als freiberuflicher Musiker<br />
bei Hochzeiten und anderen Veranstaltungen<br />
auf, bevor er sich 1931 mit dem<br />
Eintritt in das Musikkorps des 36. Kozloduy<br />
Infanterie-Regiments wieder der Militärmusik<br />
zuwandte. In Zusammenarbeit mit<br />
dem ungarischen Komponisten Leo Weiner<br />
entstanden in dieser Zeit viele seiner<br />
Tänze und seine etwa 20 Märsche. Von<br />
1948 bis zu seiner Pensionierung stand<br />
er diesem Orchester als Dirigent vor. Daneben<br />
gründete und leitete er verschiedene<br />
zivile Blasorchester, u.a. das Orchester<br />
des Hauses der Kultur in Oriahovo.<br />
Die Zeit dort kann als die kreativste Epoche<br />
seines Schaffens angesehen werden.<br />
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete<br />
Iliev in Oriahovo den Verband der bulgarischen<br />
Berufsmusiker und war lange Zeit<br />
Vorsitzender der Regionalgruppe Nord-<br />
West. Der in den frühen fünfziger Jahren<br />
entstandene „Donau-Horo“ ist eines seiner<br />
berühmtesten Werke und gilt als Perle<br />
des nationalen musikalischen Erbes Bulgariens.<br />
Nach seiner Pensionierung siedelte<br />
er in die Stadt Montana über, wo er 1985<br />
starb. Bis heute erinnert ein regelmäßig ausgetragenes<br />
Blasmusik-Festival an Iliev und<br />
Bulgarien und der Horo<br />
sein Schaffen, ähnlich wie man es im slowakischen<br />
Trencin mit der Musik von Karol<br />
Pádivy praktiziert.<br />
Ilievs Musik erklingt bis heute an jedem<br />
Jahreswechsel. Nach der Ansprache des<br />
Staatspräsidenten und der Nationalhymne<br />
der Republik Bulgarien wird auf dem Zentralplatz<br />
der Hauptstadt Sofia regelmäßig auch<br />
der „Donau-Horo“ gespielt. Das Werk hat<br />
somit den inoffiziellen Charakter einer zweiten<br />
Nationalhymne, so wie Sousas Marsch<br />
„Stars and Stripes Forever“ in den USA.<br />
Als Horo, beziehungsweise Hora werden<br />
verschiedene Reigen oder Kreistänze bezeichnet,<br />
die vorwiegend aus den Balkanstaaten<br />
stammen. Der Name stammt in allen<br />
Fällen von der chorea, dem altgriechischen<br />
Reigentanz, der ursprünglich vom Gesang<br />
der Tänzer (vgl. Chor) begleitet wurde. Die<br />
traditionellen bulgarischen Volkstänze werden<br />
nach zwei Gruppen unterschieden: den<br />
Horos und den Râcenicas. Die letzteren waren<br />
ursprünglich Solotänze, werden heute<br />
aber auch wie die Horos im Kreis oder in<br />
der Reihe getanzt. Die unzähligen bulgarischen<br />
Horos werden im offenen Kreis oder<br />
in gerader kurzer Reihe in Hand-, Gürteloder<br />
Kreuzfassung getanzt. Die allgemeine<br />
Tanzrichtung ist fast immer nach rechts.<br />
Am rechten Ende tanzt der "Tanzführer",<br />
der den Weg der Tänzerkette vorgibt und<br />
ggf. die Figuren ansagt. Die Schrittkombinationen,<br />
Tanzfiguren, Tempi und Rhythmen<br />
der bulgarischen Horos sind äußerst<br />
vielfältig und unterscheiden sich im Stil von<br />
Region zu Region.<br />
Während der über 500-jährigen osmanischen<br />
Herrschaft hatte der Horo für die<br />
Bulgaren eine eminente gemeinschaftsbildende<br />
und identitätsstiftende Funktion. Mit<br />
der Teilnahme am Horo auf dem Dorfplatz gehörte<br />
man zur Gemeinschaft der christlichen<br />
Bulgaren, in Abgrenzung zu den Türken.<br />
Wenn sehr viele Menschen an einem<br />
bulgarischen Horo teilnehmen, fassen sie<br />
sich an den Händen und bilden eine gewundene<br />
Reihe, die die gesamte Tanzfläche ausfüllt.<br />
Gemäß der überlieferten Tanztradition<br />
führt der Tanzführer am rechten Ende die<br />
Reihe zu einer Spirale, die sich allmählich<br />
immer enger zuzieht, wendet sich dann in<br />
der Mitte um und „wickelt den Horo“ wieder<br />
ab. Auch Schlangenlinien oder andere<br />
Raumwege sind möglich, ganz nach dem<br />
Belieben des Tanzführers.<br />
(Quelle: Wikipedia)<br />
46<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
(18) Ungarn – László Dubrovay<br />
Land<br />
Fläche<br />
Ungarn<br />
93.036 km²<br />
Einwohner ca. 10.000.000<br />
Hauptstadt<br />
Budapest<br />
László Dubrovay - seine Kompositionen<br />
für Blasmusik sind keine Massenware.<br />
László Dubrovay wurde am 23. März 1943<br />
als Sohn eines Lehrers und Kantors in Budapest<br />
geboren. Mit fünf Jahren erhielt er<br />
seinen ersten Klavierunterricht von seinem<br />
Vater und schon ein Jahr später stellte sich<br />
heraus, dass der Junge über ein absolutes<br />
Gehör verfügte. Auch kompositorisch war<br />
er früh aktiv: Unmittelbar nach seinem ersten<br />
Opernbesuch im Alter von zwölf Jahren<br />
versuchte er sich gleich in dieser Gattung.<br />
Kurz danach nahm er als Pianist an<br />
einem internationalen Liszt-Wettbewerb teil<br />
und erarbeitete sich durch sechs bis acht<br />
Stunden langes tägliches Üben die schwierigsten<br />
Liszt-Werke. Trotz großer künstlerischer<br />
Fortschritte strebte er keine Karriere<br />
als Konzertpianist an. „Nachdem ich<br />
mir ein Stück erarbeitet hatte, war es für<br />
mich nicht mehr interessant. Die Freude<br />
an der Wiederholung, unabdingbar für<br />
einen regelmäßig auftretenden Künstler,<br />
wollte sich bei mir nicht einstellen.“<br />
Für Dubrovays weitere musikalische<br />
Bildung sorgte der Dirigent Viktor Vaszy,<br />
an den ihn seine Klavierlehrerin vermittelte.<br />
Er brachte Dubrovay mit der Volksmusik<br />
und verschiedenen Methoden der<br />
Stilanalyse in Berührung und ließ den jungen<br />
Studenten auch an seinen Orchesterproben<br />
teilnehmen, damals u.a. für<br />
die ungarische Erstaufführung von Igor<br />
Strawinskys Ballett „Petruschka“.<br />
1961 erhielt er einen Studienplatz in<br />
Komposition an der Budapester Musikakademie<br />
und arbeitete parallel dazu<br />
als Korrepetitor an verschiedenen Theatern<br />
und Schulen. 1972 erhielt er ein Stipendium<br />
des Deutschen Akademischen<br />
Austauschdienstes DAAD und konnte für<br />
zwei Jahre elektronische Musik in Köln<br />
bei Karlheinz Stockhausen und Hans Ulrich<br />
Humpert studieren. Seine dort erworbenen<br />
Deutsch-Kenntnisse sind bis<br />
heute vorhanden und wenn man ihm genau<br />
zuhört, scheint sogar ein wenig vom<br />
rheinischen Akzent aus der Region Köln<br />
in seiner Sprache durch.<br />
Bis in die neunziger Jahre hinein galt<br />
er als Spezialist für elektronische Musik<br />
und hielt Vorträge und Kurse in aller Welt.<br />
In Ungarn gründete er die Electracoustic<br />
Music Association und fungierte auch für<br />
einige Jahre als deren Präsident. Mit der<br />
sinkenden Nachfrage nach elektronischer<br />
Musik wandte er sich wieder traditionelleren<br />
Formen und Besetzungen zu, ließ aber<br />
immer wieder seine Experimentierfreude<br />
an neuen Spieltechniken durchblicken.<br />
Für den Flötisten István Matúz schrieb er<br />
den Zyklus „Matúziaden“, in dem er u.a.<br />
Zirkularatmung vorsah, oder mit Obertönen<br />
experimentierte.<br />
In den neunziger Jahren entdeckte<br />
Dubrovay auch das sinfonische Blasorchester<br />
und die noch unerforschten<br />
klanglichen Möglichkeiten dieser Besetzung.<br />
Für diese Ensembles, die zumeist<br />
„Dreiklangsmusik“ spielten, waren seine<br />
Instrumentationen und die verlangten<br />
Spieltechniken zunächst sehr schwierig zu<br />
bewältigen. Trotz allem hörte man immer<br />
wieder exzellente Aufführungen, was nach<br />
Dubrovays Ansicht vor allem den Dirigenten<br />
zu verdanken war. „Der Tod des<br />
Faust“, gespielt vom Eisenbahner-Blasorchester<br />
Pécs während der WASBE-Konferenz<br />
1997 in Schladming, ist heute noch<br />
vielen in Erinnerung.<br />
Obwohl Dubrovays Bläserwerke aufgrund<br />
ihrer oft komplexen Struktur allesamt<br />
keine „Massenware“ sind, gehören<br />
sie doch zu den am meisten aufgeführten<br />
Stücken aus seinem Werkkatalog. Besondere<br />
Popularität erlangte die bei Stormworks<br />
Europe verlegte „Buzzing Polka“, in<br />
der die Blechbläser nur selten mit konventioneller<br />
Tongebung spielen müssen. Wer<br />
näheren Kontakt mit dem Komponisten<br />
aufnehmen will, fi ndet entsprechende Angaben<br />
auf der Website dieses Verlages:<br />
www.stormworkseurope.nl/2013/#./dubrovay<br />
Werke Für Blasorchester:<br />
- Kihalt tájak (Wüsten; 1988)<br />
- March (1990)<br />
- The Ransom<br />
(Das Lösegeld – Suite in 5 Sätzen;<br />
1992; Musikverlag Kliment)<br />
- Buzzing Polka<br />
(1993; Stormworks Europe)<br />
- Triple Concerto<br />
(für Trompete, Posaune, Tuba;<br />
1994)<br />
- Ballet Suite<br />
(1996; Stormworks Europe)<br />
- Faust halála<br />
(Der Tod des Faust; 1996)<br />
- Festive Music (2000)<br />
- Trompetenkonzert No. 2<br />
(2002; Auftragswerk der Stadtkapelle<br />
Wangen / Deutschland)<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 47
Neues<br />
Neue DVD für Stabführerausbildung<br />
Eine sinnvolle Ergänzung zum Buch „Musik in Bewegung“<br />
Nun ist sie endlich da! Die seit geraumer<br />
Zeit angekündigte DVD für die Stabführerausbildung<br />
ist nun verfügbar. Seit drei Jahren<br />
bemühten sich die Landesstabführer des<br />
Österreichischen Blasmusikverbandes und des<br />
VSM, eine ergänzende Schulungsunterlage<br />
zum Buch „Musik in Bewegung“ zu erstellen.<br />
Der Aufbau der DVD basiert auf einer<br />
PowerPoint Präsentation, die in 10 Kapiteln<br />
unterteilt ist. Dabei wurde auf einige<br />
Graphiken des neuen Buches zurückgegriffen,<br />
von denen zum Teil auch Animationen<br />
der verschiedenen Bewegungsabläufe<br />
abgeleitet werden konnten. Der wesentliche<br />
Vorteil dieser Präsentation liegt in der Integration<br />
kleiner Filmsequenzen, die zum<br />
jeweiligen Thema nach Wunsch angeklickt<br />
bzw. abgespielt werden können. Viele Filmausschnitte<br />
konnten vom Videofi lm „Musik<br />
in Bewegung im VSM“ aus dem Jahr 2004<br />
verwendet werden. Neu defi nierte Bewegungsformationen,<br />
wie z.B. Abfallen und<br />
Breite Formation, wurden mit einer Kapelle<br />
aus Oberösterreich neu aufgenommen. Somit<br />
ersetzt diese neue Schulungsunterlage<br />
auch den bisher verwendeten Film.<br />
Wenn auch die DVD vorrangig für alle<br />
Stabführerkurse vom Grund- bis zum Abschlusskurs<br />
konzipiert ist, so ist es sehr<br />
empfehlenswert, dass sich jeder Stabführer<br />
bzw. jede Kapelle dieses innovativ gestaltete<br />
Hilfsmittel zulegt. Sollte ein Stabführer<br />
das neue Buch „Musik in Bewegung“ noch<br />
nicht haben, sei ihm das kostengünstige<br />
Kombiangebot von DVD und Buch empfohlen.<br />
Die DVD wie auch das Buch kann bei<br />
Musik Walter in Bozen erworben werden.<br />
Toni Profanter, VSM-Verbandsstabführer<br />
MUSIK IN<br />
BEWEGUNG<br />
DVD zum Buch „Musik in Bewegung“<br />
18.03.14 14:47<br />
Als wichtiges Hilfsmittel wird die neue<br />
DVD zur „Musik in Bewegung“ allen<br />
Stabführern empfohlen.<br />
Das Tao des Dirigierens<br />
Ein anderer Blick auf (musikalische) Führung von Jan Stulen<br />
Es gibt mittlerweile so viele Fachbücher<br />
und theoretische Abhandlungen zum Dirigieren,<br />
dass der Suchende die Qual der Wahl<br />
hat und selten das fi ndet, was er eigentlich<br />
braucht. Und seien wir ehrlich, ein Dirigerbuch<br />
kann niemals einen persönlichen Lehrer,<br />
einen aktiven Lehrgang oder praktische<br />
Übungen ersetzen, wohl aber begleiten und<br />
vertiefen. Das 2012 im Molenaar-Verlag erschienene<br />
Buch von Jan Stulen möchte dazu<br />
einen neuen Blickwinkel öffnen. Nun ist auch<br />
die deutsche Ausgabe in der Übersetzung<br />
von Joachim Buch im Handel.<br />
Der 1942 in Amsterdam geborene Dirigent,<br />
Pianist und Violinist ist heute Chefdirigent<br />
und künstlerischer Berater des „Orchestra<br />
Particolare“ von Maastricht. Im<br />
Buch zeichnet er seine gesammelten Erfahrungen<br />
aus „50 Jahren Dirigierpraxis,<br />
25 Jahren Unterricht an Konservatorien<br />
und vor allem aus 50 Jahren Nachdenken<br />
über diese Aktivitäten“ auf und zeigt seine<br />
Vision des Phänomens Dirigieren. Dabei<br />
bezieht der Autor entscheidende geistige<br />
Anregungen aus der chinesischen Weisheitslehre<br />
des Taoismus, der „Lehre vom<br />
richtigen Weg“ im Denken und Handeln der<br />
Menschen: „Es gibt einen richtigen Moment<br />
für jedes Wort und jede Geste.“<br />
Die meisten behandelten Themen beziehen<br />
sich sowohl auf die Arbeit eines Orchesterdirigenten<br />
als auch auf die eines Chorleiters<br />
oder Blasmusikdirigenten. Technische<br />
Fragen, weil „rational erlernbar durch Training“,<br />
lässt der Autor zumeist außen vor.<br />
Umso ausführlicher kommen Themen wie<br />
innerliches Vorstellungsvermögen, Partiturstudium,<br />
Interpretation, Unterrichtsmethodik,<br />
Probenpsychologie, verbale und visuelle<br />
Kommunikation, Begleitung, Ausbildung<br />
und Motivation zur Sprache: „Jedes Kunstwerk,<br />
also auch jedes Musikstück, ist ein<br />
in sich geschlossenes Ganzes, ein Universum,<br />
in dem jede Note, jedes Vortragszeichen,<br />
Teil des Ganzen ist.“ Auch die Oper,<br />
die Operette, das Begleiten von Solisten und<br />
„Die leichte Muse“ werden in den einzelnen<br />
Kapiteln behandelt. Dem Walzer widmet<br />
der Autor gar ein eigenes Kapitel, das<br />
mit dem Klavierauszug des bekannten Kon-<br />
zertwalzers „Wein, Weib und Gesang“ ergänzt<br />
ist. „10 goldene Regeln“ und Gastkommentare<br />
von Marc Brookhuis und Andrè<br />
Presser sowie Literatur-Empfehlungen vervollständigen<br />
dieses Nachschlagewerk, das<br />
den berechtigten Anspruch erhebt, einen<br />
anderen Blick auf die musikalische Führung<br />
zu werfen, das aber nicht behauptet,<br />
dass dies die einzige Möglichkeit ist, das<br />
gesteckte Ziel zu erreichen.<br />
Leider hat mein Buchexemplar den Praxistest<br />
nicht bestanden, denn nach mehrmaligem<br />
Durchblättern lösten sich bereits<br />
die Seiten und anstelle einer interessanten<br />
Lektüre ist man mit dem Sortieren loser Seiten<br />
abgelenkt.<br />
Stephan Niederegger<br />
Titelseite<br />
„Das<br />
Tao des<br />
Dirigierens“<br />
48<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Auch im 30. Jahr ihres Bestehens befi ndet sich die MK Schabs – im Bild bei ihrem<br />
Jubiläumskonzert – im Aufwärtstrend.<br />
•Musikpanorama<br />
30 Jahre Musikkapelle Schabs<br />
Jubiläumskonzert und Begegnung mit Jazzmusiker Matthias Schriefl<br />
Waren es im fernen Jahr 1984 etwa 30<br />
musikbegeisterte Menschen, die die Gründung<br />
der Musikkapelle Schabs vorantrieben,<br />
so zählt der Klangkörper heuer, im<br />
Jahr seines 30-jährigen Bestehens, immerhin<br />
rund 60 aktive Mitglieder. Bereits<br />
am 29. Februar präsentierten sich diese<br />
im Haus der Dorfgemeinschaft mit einem<br />
hörenswerten Jubiläumskonzert. Kapellmeister<br />
Stephan Gasser hatte mit seinen<br />
Musikantinnen und Musikanten u.a. Werke<br />
von Ennio Morricone, Frank Ticheli und<br />
Vaughan Williams vorbereitet und damit<br />
das Publikum begeistert.Aber nicht nur die<br />
Konzertbesucher kamen auf ihre Kosten,<br />
sondern auch die Grundschüler der Gemeinde<br />
Natz-Schabs. Für die Kinder der<br />
4. und 5. Klassen stand nämlich ein Treffen<br />
mit Matthias Schriefl , einem der bekanntesten<br />
Jazz-Musiker Deutschlands,<br />
an. Mit viel Witz und Charme führte dieser<br />
die Buben und Mädchen in die faszinierende<br />
Welt der Instrumente und der<br />
Blasmusik ein, wobei er die verschiedenen<br />
Instrumente mit tollen Soloeinlagen selbst<br />
vorstellte. Das Ergebnis dieser besonderen<br />
Musikstunde war schließlich ein selbst erfundenes<br />
Lied, bei dem alle mitmachen<br />
konnten. Mit einem Musikfest am 19. und<br />
20. Juli wird das 30-jährige Jubiläum der<br />
MK gebührend gefeiert und mit einem Kirchenkonzert<br />
im November abgerundet.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 49
Musikpamorama<br />
Frühjahrsk✖ ✁✂✄t mit zwei Uraufführungen<br />
der Musikkapelle Deutschnofen<br />
Am 5. April <strong>2014</strong> fand in der Aula Magna<br />
der Mittelschule Deutschnofen das<br />
traditionelle Frühjahrskonzert der örtlichen<br />
Musikkapelle statt, dessen erster<br />
Teil ganz im Zeichen des Gedenkens an<br />
die vier im Vorjahr tödlich verunglückten<br />
Freunde Hari, Stefan, Peter und Deborah<br />
stand. Als musikalische Besonderheit<br />
dieses Konzertes dürfen zwei Uraufführungen<br />
gelten, zumal die Komponisten aus<br />
den eigenen Reihen der MK Deutschnofen<br />
kommen. Von Thomas Mahlknecht<br />
stammt das Stück „Rainbow`s end“;<br />
Veronika Pircher aus Lana hatte dabei den<br />
Gesangsteil übernommen. Kapellmeister<br />
Lorenz Mahlknecht empfahl sich mit seinem<br />
„Deutschnofer Musikantenmarsch“<br />
ebenfalls als Komponist. Die Schüler der<br />
3. Klasse Grundschule hatten dazu ihre<br />
musikalischen Vorstellungen in selbstgemalten<br />
Bildern dargestellt. Die heitere Note<br />
überwog im zweiten Konzertteil, einmal<br />
durch die charmant-witzige Morderation<br />
Die Musikkapelle Deutschnofen wartete bei ihrem diesjährigen Frühjahrskonzert<br />
gleich mit zwei Uraufführungen auf.<br />
von Hansjörg Ebnicher, zum andern durch<br />
die Verlosung eines „Wunschstückes“;<br />
die Wahl fiel heuer auf das bekannte Lied<br />
„Over the Rainbow“. Nach dem Motto „Sie<br />
wünschen, wir spielen“ darf Ehrenmitglied<br />
Toni Pichler die Kapelle für einen Anlass<br />
seiner Wahl buchen. Das bestens gelungene<br />
Frühjahrskonzert diente schließlich<br />
auch als Einstand für einige neue<br />
Mitglieder; Sarah Obkircher (Querflöte),<br />
Felix Steinwandter (Klarinette), Stefania<br />
Pircher (Horn), Johanna Zöschg (Tenorhorn),<br />
Philipp Schwarz (Trompete), Marc<br />
Obkircher (Schlagzeug) sowie die Marketenderinnen<br />
Sabine Köhl und Melanie<br />
Köhl werden die Musikkapelle Deutschnofen<br />
optisch und akustisch verstärken.<br />
MK Deutschnofen<br />
Musikstücke mit Geschichte<br />
Frühjahrskonzert der Musikkapelle Partschins im Thalguter-Haus Algund<br />
Die Musikkapelle Partschins präsentierte<br />
bei ihrem traditionellen Frühjahrskonzert<br />
am Palmsonntag im Peter Thalguter Haus<br />
in Algund Musikstücke mit Geschichte.<br />
Kapellmeister Michael Pircher hat mit den<br />
gut 60 Musikantinnen und Musikanten<br />
ein sehr anspruchsvolles, aber gleichzeitig<br />
sehr gefälliges Programm vorbereitet,<br />
das sowohl Orts- und Landesgeschichte<br />
als auch die Welt der Blasmusik zum Inhalt<br />
hatte: Die „Jubelouvertüre“ des ehemaligen<br />
Partschinsers Kapellmeisters<br />
Franz Schöpf war dabei ebenso zu hören<br />
wie der „Piano Forte Marsch“ des Partschinser,<br />
Robert Schweitzer, Jahrgang 1924.<br />
„The 7 night of july“, „The lion king“ und<br />
„A tribute to Michael Jackson“ rundeten<br />
das Konzertprogramm ab. Das Publikum<br />
bedankte sich mit begeistertem Applaus<br />
für die musikalische Farbenvielfalt, die<br />
die Musikkapelle Partschins mit höchster<br />
Konzentration und großem Können darbot.<br />
Die Neuzugänge der Musikkapelle<br />
Partschins, Lea Müller (Alt-Saxophon),<br />
Ardit Krrusa (Horn), Jonas Kaserer (Posaune),<br />
Johannes Kuen (Bass), Andreas<br />
Gerstgrasser (Bariton), Simon Paulmichl<br />
(Klarinette) sowie Kathrin Illmer und Isa-<br />
bella Österreicher (Querflöte), die ihr erstes<br />
Frühjahrskonzert bestritten, werden<br />
künftig die Geschichte der Musikkapelle<br />
Partschins mitschreiben.<br />
MK Partschins<br />
Ardit Krrusa, Simon Paulmichl, Isabella Österreicher, Kathrin Illmer, Lea Müller,<br />
Jonas Kaserer, Andreas Gerstgrasser und Johannes Kuen (1. Reihe v. l.) im Bild mit<br />
Obmann Andreas Österreicher, Jugendleiter Albert Zerzer und Kapellmeister Michael<br />
Pircher (2. Reihe v. l.)feierten ihr Debüt beim Frühjahrskonzert der MK Partschins.<br />
50<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Mit Musik in den Frühling<br />
Frühjahrskonzert der MK Stegen - Ehrungen<br />
Am Samstag, 15. März <strong>2014</strong>, fand das alljährliche<br />
Frühjahrskonzert der Musikkapelle<br />
Stegen statt, zu dem Obmann Hans<br />
Hilber neben den rund 400 Zuhörern auch<br />
zahlreiche Ehrengäste begrüßen konnte.<br />
Kapellmeister Markus Erlacher, der die musikalische<br />
Leitung der Kapelle im Herbst<br />
2013 übernommen hat, hatte mit den 58<br />
Musikantinnen und Musikanten ein vielseitiges<br />
Konzertprogramm vorbereitet, das<br />
Für den neuen Kapellmeister Markus Erlacher besiegelte das Frühjahrskonzert <strong>2014</strong><br />
den erfolgreichen Einstand bei der MK Stegen. (Bildquelle: MK Stegen)<br />
eine bunte Mischung aus traditioneller Blasmusik,<br />
Filmmusik und Ouvertüren bot. Zur<br />
besonderen Freude des jungen Publikums<br />
präsentierte die Kapelle die Filmmusik zum<br />
Walt Disney Zeichentrickfilm „Lilo & Stitch“.<br />
Mit der „New York Ouvertüre“ (Kees Vlak)<br />
und dem „Chicago Festival“ (Markus Götz)<br />
unternahmen die Stegener im zweiten Konzertteil<br />
einen musikalischen Ausflug nach<br />
Amerika. Die Musikantinnen Vera Gamper,<br />
Kathrin Silginer und Elisa Mair wurden von<br />
VSM-Obmannstellvertreter Stefan Sinn für<br />
ihre 15-jährige Tätigkeit in der MK Stegen<br />
mit dem Ehrenzeichen in Bronze ausgezeichnet.<br />
Zudem wurden Simone Federspieler<br />
als Marketenderin, Julia Mair und<br />
Nicoletta Müller (Querflöte) sowie Sophia<br />
Willeit (Klarinette) neu in die Kapelle aufgenommen.<br />
Mei liabste Weis – ein unvergessliches Erlebnis<br />
Die Naturnser Böhmische bei der beliebten ORF-Volksmusiksendung<br />
Die Beteiligung an der bekannten ORF-<br />
Volksmusik-Wunschsendung „ Mei liabste<br />
Weis“ war für uns 17 Musikanten der<br />
Naturnser Böhmischen ein unvergessliches<br />
Erlebnis. Schon der Blick hinter<br />
die Kulissen dieser beliebten „Live-Sendung“<br />
und das Arbeiten mit dem ganzen<br />
tollen Team des ORF Tirol, war für alle<br />
spannend und interessant. Und natürlich<br />
war er wieder mit dabei: Moderator<br />
Franz Posch, ein Vollblutmusiker, wie<br />
er im Buche steht, der immer wieder<br />
selbst zu den Instrumenten greift, auch<br />
dann noch, wenn die Kameras und die<br />
Scheinwerfer längst ausgeschaltet sind.<br />
Die beteiligten Musikgruppen, die Geschwister<br />
Pichler, die „Obervinschger<br />
Raffelemusi“, die „Storchnmusi“, die<br />
„Obervinschger Gstanzlsänger“ und unsere<br />
Böhmische harmonisierten und ergänzten<br />
sich hervorragend, so dass die<br />
Liveübertragung aus dem Naturnser Bürger-<br />
und Rathaus am 15. März in guter<br />
Stimmung und mit großem Erfolg über<br />
die Bühne ging.<br />
Rudi Mair<br />
Ein Fest für die Volksmusik – die<br />
Liveübertragung der ORF-Sendung „Mei<br />
liabste Weis“ am 15. März aus Naturns<br />
mit Moderator Franz Posch (l. stehend)<br />
und der Naturnser Böhmischen dahinter.<br />
Silbernes Verdienstzeichen für<br />
Obmann Christof Petriffer<br />
MK Villnöß: Ehrung – Dank an Toni Profanter – Neuzugänge<br />
grüßte Obmann Petriffer auch den Schlagzeuger<br />
Stephan Mader, den die Liebe von<br />
Nordtirol ins Villnößtal geführt hat.<br />
(sn)<br />
Das „Premierenkonzert“ von Hans Pircher<br />
als neuer Kapellmeister der Musikkapelle<br />
Villnöß am Ostersonntag war gleichzeitig<br />
der passende Rahmen für eine besondere<br />
Ehrung: Obmann Christof Petriffer<br />
wurde mit dem silbernen Verdienstzeichen<br />
des Verbandes Südtiroler Musikkapellen<br />
(VSM) ausgezeichnet. Sepp Mitterrutzner,<br />
Ehrenobmann des VSM-Bezirks<br />
Brixen, nahm die Ehrung vor und dankte<br />
Christof Petriffer für seine Verdienste um<br />
die Musikkapelle Villnöß in seiner bisher<br />
10-jährigen Obmannschaft, aber auch für<br />
seinen Einsatz zum Wohle der Blasmusik<br />
im Allgemeinen. Mit anhaltendem Applaus<br />
dankte das Publikum auch dem ehemaligen<br />
Kapellmeister Toni Profanter. Für Hannah<br />
Pernthaler (Fagott), Thomas Obeser<br />
(Trompete) wie auch für die Marketenderinnen<br />
Mirjam Fischnaller und Daniela<br />
Schatzer war das Konzert gleichzeitig der<br />
erste Auftritt mit der Kapelle. Zudem be-<br />
Obmann Christof Petriffer (links)<br />
überreichte Toni Profanter ein Porträt<br />
als Dank und Anerkennung für dessen<br />
30-jährige Kapellmeistertätigkeit in Villnöß.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 51
Musikpamorama<br />
Musikalisches Festmenü und Glückwünsche<br />
Osterkonzert der Bürgerkapelle Sterzing<br />
Die Bürgerkapelle Sterzing reihte sich<br />
auch dieses Jahr in die Sterzinger Osterspiele<br />
ein und schloss diese mit dem traditionellen<br />
Osterkonzert ab. Kapellmeister<br />
Roland Fidler hatte mit der Kapelle wieder<br />
ein anspruchsvolles und breit gefächertes<br />
Programm einstudiert, das am Ostersonntag<br />
dem Publikum und den zahlreichen Ehrengästen<br />
im vollbesetzten Sterzinger Stadttheater<br />
aufgeführt wurde. Vom Bigbandstil<br />
(“New Generation” von Manfred Schneider)<br />
über symphonische Blasmusik (“English<br />
Folk Song Suite” von Ralph Vaughan<br />
Williams) bis hin zum Solo für Saxophon<br />
(“Air Nostalgique” von Ted Huggins), das<br />
von Stefan Sparber gekonnt dargeboten<br />
wurde, war der erste Konzertteil geprägt.<br />
Vor der Pause gratulierte VSM Bezirksjugendleiter<br />
Klaus Keim den jungen Musikantinnen<br />
Barbara Fontes (Oboe) und Elisabeth<br />
Sparber (Querflöte) zu ihren erfolgreich<br />
bestandenen „Silber-Prüfungen“. Ebenso<br />
wurden die Querflötistin Anna Plank und<br />
die Klarinettistin Annelies Gschließer zu<br />
ihrer großartigen Leistung beim Jugendmusikwettbewerb<br />
“Prima la Musica” beglückwünscht.<br />
Überpünktlich und stets mit<br />
guter Laune zur Stelle ist der Hornist Potauner,<br />
und zwar seit 60 Jahren. Verbandsobmann<br />
Pepi Fauster verlieh ihm für seinen<br />
vorbildlichen Einsatz und die besonderen<br />
Verdienste das große VSM-Ehrenzeichen<br />
in Gold am Bande. Mit zeitgenössischer<br />
amerikanischer Musik und Soundtracks<br />
zu berühmten Filmen wie “The Wizard of<br />
Oz” und einer Hommage an den Komponisten<br />
Ennio Morricone (“Moment for Morricone”)<br />
punktete die Bürgerkapelle Sterzing<br />
im zweiten Teil des Konzertes, das sie<br />
mit der energischen Ouvertüre “Dynamica”<br />
von Jan van der Roost und dem “Premium<br />
Marsch” des Tiroler Komponisten Mathias<br />
Rauch abschloss. Großen Applaus gab es<br />
für die 44 Musikantinnen und Musikanten<br />
der Bürgerkapelle Sterzing sowie auch für<br />
die beiden charmanten Konzertsprecherinnen<br />
Alina Oberhauser und Theresa Velicogna.<br />
Mit zwei Zugaben klang ein gelungener<br />
Konzertabend aus.<br />
Hubert Patauner (Mitte, mit Urkunde) wurde für seine 60 Jahre aktiver Mitgliedschaft in<br />
der BK Sterzing von Bürgermeister Fritz Karl Messner, Obmann Christian Burger, VSM-<br />
Obmann Pepi Fauster und Kapellmeister Roland Fidler geehrt. (Foto: Martin Schaller)<br />
Das Jubiläumsjahr ist eröffnet<br />
200 Jahre MK Lüsen – Festmusik „Lusina“ von Robert Neumair<br />
Mit ihrem traditionellen Konzert hat die<br />
Musikkapelle Lüsen unter der Leitung<br />
von Kapellmeister Christoph Zöschg am<br />
Ostersonntag ihr Jubiläumsjahr musikalisch<br />
eröffnet.<br />
Dazu konnte Musikobmann Pepi Ploner<br />
zahlreiche Ehrengäste aus Kirche, Politik,<br />
Kultur und Wirtschaft begrüßen. Das heurige<br />
Osterkonzert stand unter dem Motto<br />
„Geschichte, Tradition und Zukunft“. Kapellmeister<br />
Christoph Zöschg präsentierte<br />
mit seiner über 50-köpfigen Kapelle dem<br />
begeisterten Publikum im vollbesetzten<br />
Saal ein bunt gemischtes Programm für<br />
Jung und Alt. Neben schwungvollen Melodien,<br />
mitreißenden Rhythmen, originaler<br />
Blasmusik und pulsierenden Märschen war<br />
die Festmusik „Lusina“ des jungen Pusterer<br />
Komponisten Robert Neumair der<br />
Höhepunkt des Konzertes. Obmann Pepi<br />
Ploner führte charmant durch das Kon-<br />
zert und lud zu den weiteren Höhepunkten<br />
im Jubiläumsjahr ein: Am 8. <strong>Juni</strong> wird<br />
die neue historische Männertracht vorgestellt,<br />
Mitte Juli wird das eigentliche Jubi-<br />
läumsfest zum 200-jährigen Bestehen der<br />
Kapelle gefeiert. Das Kirchenkonzert am<br />
15. November wird den Abschluss bilden.<br />
(sn)<br />
Mit einem unterhaltsamen Konzert und der Uraufführung der Festmusik „Lusina“ hat<br />
die Musikkapelle Lüsen am Ostersonntag ihr Jubiläumsjahr musikalisch eröffnet.<br />
52<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
250 Jahre Lorenzner Musikgeschichte<br />
Ehrungen beim Frühjahrskonzert der MK St. Lorenzen<br />
Am Palmsamstag hat die örtliche Musikkapelle<br />
zum traditionellen Frühjahrskonzert<br />
eingeladen und ein abwechslungsreiches<br />
und bunt gemischtes Programm<br />
präsentiert. Den Höhepunkt des Konzertabends<br />
bildete zudem eine ganze Reihe<br />
von Ehrungen. Sieben Musikantinnen<br />
und Musikanten zählen gemeinsam 250<br />
Jahre Lorenzner Musikgeschichte; sie erhielten<br />
das Ehrenzeichen des Verbandes<br />
Südtiroler Musikkapellen (VSM): Anna<br />
Baumgartner (Klarinette) und die Jugendleiterin<br />
Viktoria Erlacher (Flöte) erhielten<br />
das Ehrenzeichen in Bronze für 15<br />
Jahre, Obmann Toni Erlacher (Klarinette),<br />
Manfred Gatterer (Bass) und Walter Gatterer<br />
(Bariton) jenes in Gold für 40 Jahre sowie<br />
Richard Niedermair (Horn) und Hans<br />
Steger (Bass) das große Ehrenzeichen in<br />
Gold für 50 Jahre. Zudem wurden Anton<br />
Steger, Stefan Weissteiner und der ehemalige<br />
Obmann Walter Gatterer für ihre über<br />
15-jährige Mitarbeit im Vereinsvorstand<br />
1. Reihe v.l.: Kapellmeister<br />
Alberto Promberger, Walter<br />
Gatterer, Stefan Weissteiner,<br />
Anton Steger, Richard<br />
Niedermair, Toni Erlacher,<br />
Stefan Sinn und Hannes<br />
Zingerle<br />
2. Reihe v.l.: Obmann-<br />
Stellvertreter Philipp Kofler,<br />
Manfred Gatterer, Viktoria<br />
Erlacher, Anna Baumgartner<br />
und Hans Steger<br />
mit dem silbernen Verbandsverdienstzeichen<br />
geehrt. VSM-Obmannstellvertreter Stefan<br />
Sinn und Bezirksjugendleiter Hannes<br />
Zingerle haben die Ehrungen vorgenommen.<br />
(sn)<br />
Frühjahrskonzert der Musikkapelle Innerpfitsch<br />
Mit traditioneller und neuer Blasmusik erfolgreich<br />
Die Musikkapelle Innerpfitsch<br />
Am 26. April begrüßte Obfrau Melanie<br />
Hofer das Publikum im vollbesetzten Saal<br />
und die Ehrengäste zum diesjährigen Frühjahrskonzert<br />
der Musikkapelle Innerpfitsch.<br />
Eröffnet wurde das Konzert mit der Fanfare<br />
„A Little Opening“ von Thiemo Kraas.<br />
Unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister<br />
Martin Rainer hatten die Musikanten<br />
in zahlreichen Proben ein abwechslungsreiches<br />
und anspruchsvolles<br />
Programm einstudiert, das von den Mu-<br />
sikinteressierten begeistert aufgenommen<br />
wurde. Neben dem Traditionsmarsch „Mars<br />
der Medici“ vom Johan Wichers fanden besonders<br />
„At the Break of Gondwana“ von<br />
Benjamin Yeo sowie „Lord of the Dance“<br />
großen Anklang. Zwischendurch amüsierte<br />
Moderatorin Christine Wieser das Publikum<br />
auch immer wieder mit Anekdoten über<br />
die Probenarbeit der Musikkapelle und<br />
das Engagement des Kapellmeisters. Mit<br />
„Castles of Spain“ von Beck/Mabaar unter-<br />
nahm die Musikkapelle eine musikalische<br />
Reise durch Spanien. Mit der „English Folk<br />
Song Suite“ von Ralph Vaughan Williams<br />
lebte, wenn auch in moderner Form, die<br />
Stimmung des alten England wieder auf.<br />
Traditionell klang der Konzertabend mit<br />
dem Marsch „Alte Kameraden“ von Carl<br />
Teike aus. Mit entsprechend langem Applaus<br />
erbat sich das Publikum noch weitere<br />
Polka- und Marschmusik als Zugabe.<br />
Martin Rainer<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 53
Musikpamorama<br />
70 Jahre für die Musik<br />
„Friedl“ Pomella für 70 Jahre aktive Mitgliedschaft in der MK Kurtatsch geehrt<br />
Im Rahmen des heurigen Frühjahrskonzertes<br />
der Musikkapelle Kurtatsch ließen<br />
die Musikanten Friedrich Pomella, das älteste<br />
Mitglied der Kapelle, hochleben. Seit<br />
nunmehr 70 Jahren ist „Friedl“ als aktiver<br />
Musikant dabei und er war zudem 24 Jahre<br />
als Kapellmeister tätig. VSM- Obmann-Stellvertreter<br />
Stefan Sinn überreichte dem Jubilar<br />
die Urkunde, welche extra für diesen Anlass<br />
entworfen wurde. Obmann Hannes Mayr<br />
dankte Friedl für seinen jahrzehntelangen<br />
unermüdlichen Einsatz im Dienst der Musikkapelle<br />
und für das Dorfleben.<br />
Bereits mit 12 Jahren trat Friedl in die Kapelle<br />
ein und bildete bald darauf die gesamten<br />
Blechbläser aus. Im Jahr 1965 übernahm<br />
er nach dem überraschenden Tod<br />
des Kapellmeisters die musikalische Leitung<br />
der Kapelle. Bis heute hält er die Treue zur<br />
Musikkapelle und zu seinem Tenorhorn. Die<br />
Musikkapelle überraschte ihn mit dem heimlich<br />
einstudierten Marsch „Alte Freunde“, welchen<br />
Friedl in seiner Zeit als Kapellmeister<br />
gerne dirigierte. Besondere Glückwünsche<br />
überbrachte Obmann Hannes Mayr auch<br />
dem Musikant Philipp Sanoll, der das Studium<br />
am Konservatorium Bozen mit Höchstpunktezahl<br />
abgeschlossen hat.<br />
(v.l.) Obmann Hannes Mayr, Anna<br />
Pomella, Friedl Pomella, Kapellmeister<br />
Manfred Sanin, VSM-Obmann-<br />
Stellvertreter Stefan Sinn<br />
Erfolg für die Schützenkapelle Pichl<br />
Frühjahrskonzert unter neuer musikalischer Leitung<br />
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Vereinssaal<br />
von Pichl am 3. Mai, als die Schützenkapelle<br />
Pichl zum Frühjahrskonzert <strong>2014</strong><br />
einlud.Kapellmeister Robert Schwärzer hatte<br />
das Konzert unter das Motto „Die gleiche<br />
Zeit, zwei verschiedene Kontinente – Eine<br />
musikalische Gegenüberstellung“ gestellt.<br />
Das Programm des ersten Teiles war geprägt<br />
von Musikstücken aus der Donau-Monarchie.<br />
Neben dem Hauptwerk, dem Walzer<br />
„Wiener Bürger“ von Carl Michael Ziehrer,<br />
spielte die Schützenkapelle Märsche und<br />
Polkas aus dieser Zeit. Im Gegensatz dazu<br />
gelangten im zweiten Teil des Konzertes Musikstücke,<br />
die im 19. Jahrhundert in Amerika<br />
komponiert wurden, zur Aufführung. Nach<br />
der Amerikanischen Hymne und dem Marsch<br />
„The Liberty Bell“ von John Philip Sousa unterhielt<br />
die Kapelle mit jazzartiger Unterhaltungsmusik<br />
die Konzertbesucher. SK Pichl<br />
Traditionell<br />
und „jazzig“,<br />
so präsentierte<br />
sich die<br />
Schützenkapelle<br />
Pichl bei ihrem<br />
Frühjahrskonzert<br />
<strong>2014</strong>.<br />
Musikalische Weltreise mit der MK Reischach<br />
Frühjahrskonzert mit Ehrungen<br />
„Auf unserer Erde gibt es so viele schöne<br />
Orte und einige davon werden wir erkunden.“<br />
Unter diesem Motto stand das heurige<br />
Frühjahrskonzert der Musikkapelle Reischach<br />
mit Kapellmeister Pepi Fauster, bei<br />
welchem das Publikum im vollbesetzten<br />
„Haus am Anger“ auf eine musikalische<br />
Weltreise geführt wurde. Dazu konnte Obmann<br />
Josef Mauerlechner zahlreiche Ehrengäste<br />
aus Politik, Wirtschaft und Kultur<br />
begrüßen. Einen besonderen Willkommensgruß<br />
richtete er an Verbandskapellmeister<br />
Sigisbert Mutschlechner und Bezirksobmann<br />
Johann Hilber. Die beiden Funktionäre<br />
bedankten sich ihrerseits bei den<br />
Musikantinnen und Musikanten für ihren<br />
ehrenamtlichen Einsatz und gratulierten<br />
zu den musikalischen Leistungen. Für ihre<br />
15-jährige Mitgliedschaft in der Kapelle erhielten<br />
der Klarinettist Michael Oberschmied<br />
und der Tenorhornist Florian Oberschmied<br />
das Ehrenzeichen des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen (VSM) in Bronze.<br />
Florian Lahner<br />
Michael Oberschmied und Florian<br />
Oberschmied (v. l.) wurden beim<br />
Frühjahrskonzert der MK Reischach für<br />
15 Jahre als aktive Musikanten geehrt.<br />
54<br />
<strong>KulturFenster</strong>
Blasmusik<br />
Bläserklasse Toblach<br />
MK Toblach beschreitet neue Wege in der<br />
Nachwuchswerbung.<br />
Unter dem Motto „Jedem Kind ein Instrument“<br />
hatten die Kinder der vierten Grundschulklasse<br />
die Möglichkeit, als Wahlpflichtfach<br />
ein Instrument zu erlernen. Das<br />
Abschlusskonzert war die Krönung dieses<br />
südtirolweit bislang einzigartigen Projektes.<br />
Kapellmeister Sigisbert Mutschlechner und<br />
sein Stellvertreter Thomas Kiniger haben<br />
das Projekt „Bläserklasse Toblach“ geleitet.<br />
In Anlehnung an ähnliche Projekte in<br />
Österreich und Deutschland, die zum Teil<br />
dort auch bereits fester Bestandteil im Lehrplan<br />
der Schulen sind, wurden den Kindern<br />
die verschiedenen Instrumente vorgestellt,<br />
aus denen sie wählen konnten. Ob<br />
Klarinette, Saxofon, Flügelhorn, Trompete,<br />
Horn, Posaune, Tenorhorn oder Tuba – mit<br />
Hilfe von ausgebildeten Musikpädagogen<br />
konnten die 27 Kinder in rund vier Monaten<br />
Grundbegriffe am Instrument im einfachen<br />
Fünf-Ton-Raum erlernen der klingenden<br />
B-Dur-Tonleiter und die erste Orchester-<br />
erfahrung sammeln. Mutschlechner und<br />
Kiniger bedankten sich bei der Schule und<br />
den Eltern sowie den privaten Sponsoren,<br />
ohne deren Unterstützung ein derart kostenintensives<br />
Projekt nicht möglich wäre.<br />
Aufgrund positiver Rückmeldungen soll die<br />
Bläserklasse fortgeführt werden.<br />
Hannes Wisthaler<br />
Die<br />
Bläserklasse<br />
Toblach<br />
mit den<br />
Lehrpersonen<br />
(hinten links)<br />
sowie Thomas<br />
Kiniger und<br />
Sigisbert<br />
Mutschlechner<br />
(hinten v.r.)<br />
Festkonzert der Musikkapelle Kortsch<br />
Drei neue Musikanten und eine neue Bassklarinette zum Geschenk<br />
Ein abwechslungsreiches Programm bot die<br />
Musikkapelle Kortsch ihrem treuen Publikum<br />
beim diesjährigen Festkonzert Ende<br />
März im Kulturhaus „Karl Schönherr“ in<br />
Schlanders. Der 68 Mitglieder starke Klangkörper<br />
spielte unter der musikalischen Leitung<br />
von Stefan Rechenmacher im ersten<br />
Teil „Cutting Winds“ von Armin Kofler,<br />
„Pique Dame“ von Franz von Suppé, „To<br />
my Country“ von Bernard Zweers und „Alpina<br />
Saga“ von Thomas Doss. Der zweite Teil<br />
wurde mit den Marsch „Mit vollen Segeln“<br />
von Klaus Strobl begonnen. Es folgten „Eaglecrest“<br />
von James Barnes, „Balkanya“ von<br />
Jan van der Roost und als Abschluss „Eye<br />
of the Tiger“ von Frankie Sullivan und Jim<br />
Peterik. Anlässlich dieses Konzertes überreichte<br />
die Raiffeisenkasse Schlanders der<br />
Musikkapelle Kortsch eine neue Bassklarinette,<br />
die von ihr mitfinanziert wurde. Obmann<br />
Christian Gemassmer bedankte sich<br />
bei allen, die die Musikkapelle durch das<br />
Jahr hindurch finanziell unterstützen, und<br />
stellte noch die drei neuen Musikanten vor:<br />
Lena Thoman (Flöte), Caroline Gruber (Saxophon)<br />
und Daniel Karnutsch (Klarinette).<br />
Elisabeth Pilser<br />
Lena Thoman, Daniel Karnutsch und<br />
Caroline Gruber (v. l.) sind die drei<br />
Neuzugänge bei der MK Kortsch.<br />
<strong>KulturFenster</strong><br />
Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol<br />
Redaktion <strong>KulturFenster</strong><br />
EinHinweisundeineBitte…damitallewasvom„Musikpanorama“haben<br />
Für die Redaktion des <strong>KulturFenster</strong>s ist es sehr erfreulich, wenn viele Musikkapellen ihre Berichte zur Veröffentlichung<br />
im „Musikpanorama“ schicken und wir bedanken uns sehr herzlich für alle Beiträge. Gleichzeitig erlauben wir uns, darauf<br />
hinzuweisen, dass einerseits das Platzangebot begrenzt ist und andererseits möglichst vielen Musikkapellen „Raum“<br />
für ihre Berichterstattung gegeben werden soll. Deshalb wurde die Textlänge mit 1000 Zeichen als Richtwert festgelegt.<br />
Besonders wenn viele Beiträge von Musikkapellen zu bestimmten Anlässen – z.B. über Cäcilienfeiern und Frühjahrskonzerte<br />
– zu veröffentlichen sind, ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Vorgaben möglichst genau eingehalten<br />
werden. Daher unsere nochmalige Bitte an alle Berichterstatter der Musikkapellen, dies berücksichtigen zu wollen.<br />
<strong>Nr</strong>. 03 | <strong>Juni</strong> <strong>2014</strong> 55
Impressum<br />
Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler<br />
Musikkapellen, des Südtiroler Sängerbundes<br />
und des Heimapflegeverbandes Südtirol<br />
Eigentümer und Herausgeber:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen<br />
Ermächtigung Landesgericht Bozen<br />
<strong>Nr</strong>. 27/1948<br />
Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes<br />
verantwortlich:<br />
Dr. Alfons Gruber<br />
Als Pressereferenten für die Darstellung der<br />
entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:<br />
VSM: Stephan Niederegger,<br />
E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it<br />
SCV: Paul Bertagnolli,<br />
E-Mail: bertagnolli.paul@rolmail.net<br />
HPV: Sylvia Rottensteiner,<br />
E-Mail: rottensteiner.sylvia@gmail.com<br />
Unverlangt eingesandte Bilder und Texte<br />
werden nicht zurückerstattet.<br />
Redaktion und Verwaltung:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen,<br />
I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus<br />
Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347<br />
E-Mail: info@vsm.bz.it<br />
Einzahlungen sind zu richten an:<br />
Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,<br />
Waltherhaus<br />
Raiffeisen-Landesbank, BZ<br />
IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771<br />
SWIFT-BIC: RZSBIT2B<br />
Jahresbezugspreis: Euro 20<br />
Gefördert von der Kulturabteilung<br />
der Südtiroler Landesregierung.<br />
Druck: Ferrari-Auer, Bozen<br />
Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,<br />
und zwar jeweils am 15. Februar, April, <strong>Juni</strong>,<br />
August, Oktober und Dezember.<br />
Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen<br />
Vormonats.