KulturFenster Nr. 04|2013 - August 2013

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Komponisten im Porträt

Mit Blasmusik durch die EU

Komponisten aus den EU-Ländern – 5. Teil

Joachim Buch stellt in seiner Artikelserie die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union „blasmusikalisch“ vor;

diesmal sind die Slowakei und das jüngste EU-Mitgliedsland Kroatien an der Reihe.

(9) Slowakei – Karol Pádivý

Land

Fläche

Slowakei

49.034 km²

Einwohner 5.405.000

Hauptstadt

Bratislava (Pressburg)

Dieses Bronzeporträt von Karol Pádivý ist

an dessen Grabstein in Trencin zu sehen.

Karól Pádivý kann in einem Atemzug zusammen

mit dem Tschechen Jindrich Pravecek,

dem Schweizer Stephan Jaeggi und

dem Niederländer Gérard Boedijn genannt

werden. Jeder von ihnen gilt in seinem Heimatland

als „Vater“ der modernen Konzertblasmusik

und von jedem gibt es Werke,

die zu ihrer Entstehungszeit als sehr „modern“

galten und die heute durchaus das

Zeug zum „Klassiker“ haben.

Pádivý ist jedoch kein gebürtiger Slowake.

Er wurde am 10. September 1908

in Dolni Cerekev in der Nähe von Iglau

(Jihlava; vgl. auch die Komposition des in

dieser Serie bereits vorgestellten Niederländers

Andreas van Zoelen), lebte aber

seit seinem 20. Lebensjahr in der slowakischen

Stadt Trencin, die er bis zu seinem

Tod nachhaltig musikalisch prägte,

zunächst für drei Jahre als Militärmusiker,

dann durch den Aufbau des zivilen

Musiklebens.

Trotz einer Anstellung als Prokurist bei

einer lokalen Firma hielt er engen Kontakt

zu Blasorchestern der Region. Schon bald

sah er die Notwendigkeit, dass man jungen

Musikern nicht nur eine fundierte Ausbildung

geben müsse, sondern auch interessantes,

jugendgerechtes Repertoire. So entstand

das „Album für das erste Konzert“.

Als Dirigent gründete und leitete er zunächst

ein Tanzorchester und schrieb auch

einige jazzverwandte Stücke wie z.B. den

Foxtrot „Biela Pani“. 1941 gründete er in

einer Textilfabrik der Region ein Blasorchester,

das vor allem aus Auszubildenden der

Firma bestand. Zu besten Zeiten hatte es 80

Mitglieder und zählte zu den größten Orchestern

seiner Art in Europa. Für dieses Orchester

schrieb er auch den „Marsch der Textilarbeiter“,

der unter dem Titel „Textilaku“

international bekannt wurde und bis heute

die berühmteste Komposition Pádivýs ist.

Kompositorisch stark beeinflusst hat ihn

auch die osteuropäische Volksmusik. So

entstanden mit „Sobasne Piesne“ (Hochzeitslieder)

oder „Okolo Suce“ (Rundtanz

aus Suca) großformatige Werke mit nahezu

sinfonischem Charakter. Hervorzuheben

sind aber auch die etwas kleineren

Werke wie „Sucanske Cardase“ (Csardas

aus Suca) oder die Suite über rumänische

Tänze. Als besonders originell gelten auch

einige kleinere Kompositionen wie der Galopp

„Lustiges Wettrennen“ oder die Polka

„Musikantentraum“.

Pádivý war nicht nur selbst Dirigent,

sondern hat sich auch um die Dirigentenausbildung

verdient gemacht und entsprechende

Lehrpläne ausgearbeitet. Nach etwa

zehn Jahren als Musikredakteur in der slowakischen

Hauptstadt Bratislava kehrte er

1962 nach Trencin zurück, wo er in den

letzten fünf Jahren seines Lebens an der

neu gegründeten Musikschule wirken und

seinen pädagogischen Neigungen nachgehen

konnte. Er starb am 25. November

1965 in Trencin.

1996 erschien die CD

„Militärmusik Trencin

spielt Karol Pádivý“.

Die dort eingespielten

Kompositionen sind alle

beim Musikverlag Kliment

in Wien erschienen.

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