FINE Das Weinmagazin - 04/2015

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FINE Das Weinmagazin ist in der Welt der großen Weine zu Hause. Hauptthema dieser Ausgabe: SASSICAIA

E U R O P E A N F I N E W I N E M A G A Z I N E

DEUTSCHLAND • ÖSTERREICH • SCHWEIZ • SKANDINAVIEN • GROSSBRITANNIEN • USA • AUSTRALIEN

4| 2015 Deutschland € 15

Österreich € 16,90

Italien € 18,50

Schweiz chf 30,00

DAS WEINMAGAZIN

Frauen im Wein: Gesine Roll

Jürgen Dollase im Arlberg-Hospiz

Wein und Zeit: Carl Zuckmayer und Nackenheim

Grosse Gewächse 2014

Burgund: Die Domaine Dujac

Gruaud-Larose: Acht Jahrzehnte

Australien: Barossa Valley

Toskana: San Giusto a Rentennano

Rheingau: Pinot Noir

S A S S I C A I A


Grosse Weine von Mosel und Rheingau

www.wegeler.com


E U R O P E A N F I N E W I N E M A G A Z I N E D I E G R O S S E N W E I N E D E R W E L T

DAS WEINMAGAZIN

4/2015

INHALT

34 Toskana: San Giusto a Rentennano

60 Australien: Barossa Valley 72 Australien: Chris Ringland

146 Die Domaine Dujac

14 Rheingau: Pinot Noir

50 Vertikale Sassicaia

9 FINE Editorial Thomas Schröder

14 FINE Rheingau Auf der Suche nach dem deutschen Pinot Noir

34 FINE Toskana San Giusto a Rentennano und seine großen Weine

50 FINE Tasting Dreiunddreißig Jahrgänge Sassicaia

56 FINE Das Große Dutzend Tenuta di Trinoro

60 FINE Australien Barossa Valley: Winzer mit deutschen Tugenden

72 FINE Australien Chris Ringland: Der Großmeister des Shiraz

84 FINE Die Pigott Kolumne Mitten im Busch: Riesling Downunder

88 FINE Tasting Acht Jahrzehnte Gruaud-Larose

104 Jürgen Dollase im Arlberg-Hospiz

114 Frauen im Wein: Gesine Roll

120 Ten Years After: Riesling 2005

88 Château Gruaud-Larose

98 FINE Tasting Taittinger und die Liebe zum Chardonnay

104 FINE Wein & Speisen Jürgen Dollase im Arlberg-Hospiz

112 FINE Die Würtz Kolumne Deutscher Winzersekt

114 FINE Frauen im Wein Gesine Roll und ihr Faible für Sauvignon Blanc

120 FINE Tasting Ten Years After: Die trocknen Rieslinge 2005

126 FINE Tasting Schloss Johannisberg: Grünlack

130 FINE Tasting Die Großen Gewächse 2014

136 FINE Genießen Blutwurst für die Seele

138 FINE Wein und Zeit Carl Zuckmayer und die Weinberge von Nackenheim

146 FINE Bourgogne Ein erfülltes Winzerleben: Jacques Seysses

158 FINE Das Bier danach Barley Wine

126 Schloss Johannisberg: Grünlack

130 Die Großen Gewächse 2014

138 Carl Zuckmayer und Nackenheim

98 Champagne Taittinger

162 FINE Abgang Ralf Frenzel

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FINE 4 | 2015 FINE Inhalt


D I E G R O S S E N W E I N E D E R W E L T

Verehrte Leserin, lieber Leser,

haben auch Sie einen Lieblingswein?

Einen Wein, den Sie in stillen

wie ausgelasseneren Stunden

auch einem der ganz großen vorziehen

würden, weil Sie sich mit ihm verstanden und bei sich fühlen, der

sein Glücks versprechen immer und unter allen Umständen einhält und

dazu nicht allzu heftig das Konto rupft? Von Altkanzler Kohl beispielsweise

heißt es, sein Lieblings wein sei über die Jahre und Jahrzehnte hinweg

bis heute ein Wachenheimer Riesling; Konrad Adenauer habe die süßen

Beerenauslesen von der Mosel geliebt, Oskar Lafontaine sei dem Cheval

Blanc von Herzen zugetan, Gerhard Schröder ziehe sich gern mit einem

Lafite zurück. Ein Lieblingswein der Bundes kanzlerin ist bisher nicht namhaft

geworden; außer ihrem Faible für Kartoffelsuppe weiß man ohnehin

nichts Genaues über die kulinarische Verführbarkeit von Angela Merkel.

Und nun ich: Ja, ich gestehe, ich bin vernarrt in Sangiovese, in die

herrlichen reinsortigen Weine wie »Reimitz«, »Le Pergole Torte« von

Montevertine, »Percarlo« von San Giusto a Rentennano und einige

andere. Sie alle wachsen im Chianti und lösen mir beim Trinken, wenn

man ihnen denn nur genügend Luft gegeben hat, augenblicklich Wohlgefühl

aus. Sie wirken auf mich leicht und unbeschwert, sind gleichwohl

exzellent gebaut und elegant strukturiert. Wie liebe ich das belebende

Spiel von Frucht und zarter Säure am Gaumen! Bin ich ein wenig süchtig

danach? Das sollte mich nicht wundern: Es sind eben, wie unser Autor

Till Ehrlich über den 2012er Reimitz befand, Weine von großer Schönheit.

Freilich muss man die Lust an der Italianità und der fröhlichen

Gemütserhebung schon ein wenig in sich geweckt haben: Ich erinnere

mich, wie ich vor einiger Zeit einmal in einer Runde von strikten Bordeaux-

Freunden, die jeweils ihre Lieblinge kredenzten, eine Flasche Percarlo

2006 auf den Tisch stellte. Lange Gesichter nach der Verkostung: Zu

dünn, hieß es da, dem fehle es ja an allen Ecken und Enden, außer an

Säure! Die zweite Flasche aber brachte den Umschwung: Die Gaumen

hatten sich ein getrunken und Gefallen daran gefunden – die dritte wurde

als reiner Freudenspender begrüßt. Warum man von den Weinen der

Fattoria San Giusto a Rentennano so hingerissen sein kann, beschreibt

Till Ehrlich in diesem Heft.

Natürlich, das wissen wir alle, hilft geduldiges Eintrinken auch

nicht immer. Bei der wahrhaft grandiosen Fine-Verkostung von Andrea

Franchettis Ausnahmewein Trinoro, einem der ganz großen Italiener aus

dem Val d’Orcia, wollte sich bei mir – bei aller Einsicht in die Perfektion

des Weins – direkte Herzenslust nicht einstellen. Ich sehe noch immer das

begeisterte Leuchten in den Augen von Dirk Würtz und anderen Weinkennern

am Verkostungstisch und bin bis heute auch ein wenig beschämt

über meine reservierte Reaktion. Mir erschienen die Weine allzu dicht,

allzu komplex und voluminös. Aber meine Neugier auf diese weltweit von

Weinliebhabern hochgeschätzten Tropfen wollte natürlich gestillt sein.

Gern hätte ich an der Verkostung der mehr als vierzig Jahrgänge

Gruaud- Larose teilgenommen – eine so geschichtliche Fülle muss man

erst einmal zusammenbringen! Als Eleganz- und Finesse-Trinker hätte

ich hier sicher einige Male die Bodenhaftung verloren, jedenfalls, wenn

ich den Verkostungsnotaten von Michael Schmidt folge, der dieses große

Fine-Tasting wahrgenommen hat – und der hat sich mit seiner quasi britischen

Kühle unter unseren Kennern als Hymniker nicht eben hervorgetan.

Und Sassicaia, dreiunddreißig Jahrgänge? Da kribbelt’s schon am

Gaumen! Die Großen Gewächse 2014? Die trocknen Rieslinge 2005, zehn

Jahre danach? Schloss Johannisberger Grünlack? Champagne Taittinger?

Rheingauer Pinot Noirs und die saftigen Burgunder der Domaine Dujac?

Da hätte mich wohl so manches tiefer berührt. Und die gewaltigen australischen

Shiraz aus dem Barossa Valley, zumal jene von Chris Ringland?

Dirk Notheis, unser Syrah- und Shiraz-Experte, hat den Magier dieser Rebe

besucht, dreizehn seiner Weine verkostet – und ist hin und weg: Große

Exzellenz, schreibt er und gibt zweimal 100, zweimal 99 Punkte. Das beeindruckt

noch beim Lesen seiner Notate und schafft ganz unmittelbar ein

intensives Mundgefühl. Für unseren Autor zweifellos ein Lieblingswein.

Auch für mich? Da bleibe ich, bis zum Beweis des Gegenteils, skeptisch.

Aber ist es nicht beglückend, wie vielgestaltig die Weinwelt ist? Jeder

findet, wenn er nur weiß, was er sucht – an Rhein und Mosel, am Kap der

Guten Hoffnung oder an den Hängen der Anden, an Garonne und Gironde,

in den Hügeln des Chianti. Und wo auch immer. Goethe, der gern und viel

trank, schätzte, wie von den Brentanos freudig bezeugt, Frische und Eleganz

der Rheingauer Weine. »Im Trocknen«, so lehrte einst Augustinus,

»mag der Geist nicht wohnen«. Der Ungeist, leider, aber auch nicht.

Denn auch Josef Stalin hatte einen Lieblingswein: den Chwantschkara,

einen Rotwein seiner georgischen Heimat, der als »lieblich« beschrieben

wird. Er kredenzte ihn 1945 bei der Jalta-Konferenz der Siegermächte dem

amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und dem britischen

Premier und Champagnerfreund Winston Churchill. Deren Reaktion

auf das Getränk ist nicht überliefert, aber vorstellbar. Dass also auch ein

schlechter Mensch Wein trinkt: mit dieser Wahrheit müssen wir leben.

Thomas Schröder

Chefredakteur

FINE

Editorial

9


RHEINGAUER

PINOT

NOIR

Auf der Suche nach dem neuen deutschen Spätburgunder

Von Stefan Pegatzky Fotos Christof Herdt

Der Rheingau ist eine historische Keimzelle des Rotweinanbaus in Deutschland und

galt lange Zeit auch international als führende Herkunftsregion für deutschen Spätburgunder.

Irrwege seit den 1960er Jahren ließen den Kontakt zu dieser großen Tradition

fast ab reißen. Drei Quereinsteiger in Sachen Rotwein stellen sich nun dem großen Erbe:

Tom Drieseberg als neuer Mitinhaber des Weinguts Krone in Assmannshausen, Günter

Schulz und sein Betriebsleiter Michel Städter vom Weingut Chat Sauvage in Geisenheim­

Johannisberg und Fred Prinz vom Weingut Prinz in Hallgarten. Es ist eine Aufgabe, die

bereits viel versprechende Resultate gezeitigt hat, von der aber keiner der drei heute genau

weiß, wohin sie ihn führen wird.

Vom Schlossberg bei Lorch, der nördlichsten Lage

des Johannisberger Weinguts Chat Sauvage, geht

der Blick über die Rheininsel Lorcher Werth zum

jenseitigen Ufer des Stroms.

14 15

FINE 4 | 2015 FINE Rheingau


Abgeschieden

von der

Geschäftigkeit

der Welt

San Giusto a Rentennano und seine grossen Weine

San Giusto im Süden des Chianti Classico ist der Ort, an dem die Familie Martini di Cigala

den Sangiovese ebenso konsequent wie kompromisslos erneuert hat. Hier entstehen einige der

erhabensten und gesuchtesten Rotweine der Welt – wie Percarlo, Le Baròncole und La Ricolma.

Familiensinn: Luca Martini di Cigala ist der Weinmacher

der Fattoria San Giusto a Rentennano, sein

Leben ganz verwoben mit Geschichte und Kultur

seines Hauses. Seiner Schwester Elisabetta obliegt die

Verwaltung des toskanischen Weinguts.

Von Till Ehrlich

Fotos Thilo Weimar

34 35

FINE 4 | 2015 FINE Toskana


Der tiefste Punkt des Weinkellers ist der älteste Teil von San Giusto a Rentennano. Wir sind im alten Gewölbe des toskanischen Weinguts,

das vor weit mehr als tausend Jahren tief in die Kuppe des Berges von San Giusto nahe Siena gegraben wurde. Das uralte Anwesen

be findet sich im südlichsten Teil des Chianti Classico und geht auf die Etrusker zurück, wovon der Name »Rentennano« zeugt. Im Mittelalter

wurde San Giusto zum zisterziensischen Kloster, das im Jahr 980 als »San Giusto alle Monache« erstmals urkundlich erwähnt wird.

Später kam San Giusto in den Besitz des toskanischen Adelsgeschlechts Ricasoli. Die mächtige Patrizierfamilie baute das Kloster alsbald

in ein Castello um. Doch da San Giusto im florentinisch-sienesischen Krieg Florenz die Treue hielt, wurde die Festung im Jahr 1390 von

Siena fast vollständig zerstört. Nur eine Mauer mit Zinnen blieb stehen und zeugt heute noch im Innenhof des Weinguts von dieser Zeit.

Später bauten die Ricasoli San Giusto zu einer Villa um und betrieben hier Landwirtschaft und Weinbau. Im Jahre 1914 kam das An wesen

durch Heirat in den Besitz der piemontesischen Familie Martini di Cigala, die San Giusto seit den späten 1970er Jahren zu einem Weingut

von erstem Rang gemacht hat. Heute führt Luca Martini di Cigala das Gut gemeinsam mit seinen Geschwistern Elisabetta und Francesco.

In den verwinkelten Kellerräumen, die sich

über mehrere Ebenen erstrecken, reifen, abgeschieden

von der Geschäftigkeit der Welt, in

Eichenfässern die berühmten trocknen Rotweine

der Fattoria. Luca Martini klopft mit dem Handknöchel

auf einen hellen Steinquader in der Wand

und sagt: »Albarese ist für die Ewigkeit«. Albarese,

ein hartes Marmorgestein, kommt auch in den

Weinbergen von San Giusto vor, in denen überwiegend

Sangiovese angebaut wird. Wein gab es

auf San Giusto schon immer.

Sensibilità

»Würden unsere Weine in einem anderen Keller

entstehen, wären sie vermutlich anders«, sagt

Luca Martini. Auf die Frage, was für ihn das Entscheidende

der Winzerkunst ist, antwortet er lapidar:

»Sensibilità. Nicht das Blablabla, von dem die

Welt voll ist.« Wer das Glück hatte, einmal einen

San-Giusto-Wein zu kosten oder das Weingut selbst

besuchen zu können, dem offenbaren sich Ein blicke

in eine Kultur des Weinbaus, die selten geworden

ist. San Giusto ist ein Ort, an dem für den Wein

gelebt und gearbeitet wird. Und es ist ein Weingut

von Weltrang, das keinerlei Marketing betreibt.

Der Besitz umfasst insgesamt zweiunddreißig

Hektar Reben, wovon gut achtundzwanzig

im Ertrag stehen. Luca Martinis Großmutter,

eine geborene Ricasoli, hatte dieses Anwesen mit

Weinbergen, Feldern, Wiesen, Olivenhainen und

Wäldern 1914 als Mitgift bekommen, als sie den

Piemonteser Martini di Cigala heiratete. Das Adelsweins

erlebte in den 1990er Jahren einen Traditionsbruch:

Statt des hochwertigen Malvasia wurde

die Massentraube Trebbiano verwendet, und der

Wein wurde auch nicht mehr in Kastanienfässern

gereift, sondern in Eiche. Doch auf San Giusto

wurde der Archetyp des Vin Santo in seiner archaischen

Weinbereitungsmethode im Kern bewahrt

und weiterentwickelt. »Der Herstellungsprozess ist

absolut traditionell, das Ergebnis nicht«, sagt Luca

Martini. Der Vin Santo verdankt seinen Namen der

Settimana Santa, der Karwoche, in der normalerweise

das Keltern abgeschlossen war.

Göttlicher Nektar

Anfang Oktober wurde die Lese 2015 beendet. Hier

in der Vinsantaia sind die Trauben auf Strohmatten

ausgebreitet, um bis weit in den Winter hinein zu

trocknen und dabei zu süßen Rosinen zu schrumpfen.

Noch sind sie frisch, schimmern goldgelb im

Dämmerlicht des Dachbodens. Die Landschaft

des südlichen Chianti ist heute von tiefen Wolken

und Regenschauern eingehüllt. Doch unterm Dach

der Vinsantaia sind die Trauben vor dem Wetter

geschützt. Ab Mitte Januar wird ihr konzentrierter

Saft Tropfen für Tropfen durch ein dünnes

Tuch gefiltert, nur durch Schwerkraft. Das dauert:

Für tausend Liter braucht das Team des Guts etwa

zwei Monate. »Alles andere würde den Wein zerstören«,

sagt Luca Martini. Für zehn Liter Vin Santo

werden hundert Kilogramm Trauben gebraucht.

Der Most, der in Wahrheit ein Sirup ist, wird in

kleine Holzfässer gefüllt, die sechzig, siebzig oder

hundert Liter fassen. Danach werden sie mit rotem

Siegellack verschlossen. Vin Santo wird nicht aufgefüllt.

Erst nach fünf Jahren werden die Siegel aufgebrochen,

dann ist die Hälfte ver dunstet. Anschließend

reift der Wein noch weitere zwei Jahre in der

Flasche, ehe er zum Verkauf frei gegeben wird. Der

aktuelle Jahrgang ist der 2007er. Er wird weite re

zwanzig Jahre brauchen, bis die wuchtige Süße ins

Gleichgewicht kommt. Wie die vertikale Verkostung

der San-Giusto-Weine gezeigt hat, gehören

Jahrgänge wie der 1995er zu den schönsten Süßweinen

überhaupt – sie können in der Liga von

Château d’Yquem oder von deutschen Riesling-

Trockenbeerenauslesen bestens bestehen.

Es ist nicht nur wichtig, dass die Fässer unterschiedliche

Größen haben, sondern auch, dass sie

aus unterschiedlichen Hölzern bestehen: neben

hauptsächlich Kastanie auch Robinie und vereinzelt

Eiche. Die ältesten Fässer, in denen schon seit hundert

Jahren Vin Santo gereift wird, sind die besten.

»Wer keine alten Fässer hat, riskiert, dass der Vin

Santo zerstört wird«, sagt Luca Martini. Denn

der Most ist beim Vin San Giusto so konzentriert

und süß, dass die Gärung fünf Jahre braucht, weil

geschlecht der Ricasoli gehört zu den großen toskanischen

Familien, die vom nahegelegenen Castello

di Brolio aus seit gut tausend Jahren die Geschicke

der Gegend geprägt und immer auch Weinbau im

großen Stil betrieben haben. Ein Vorfahre von Luca

Martini war Barone Bettino Ricasoli (1809 bis 1880),

ein italienischer Staatsmann des Risorgimento und

zugleich einer der größten italienischen Winzer des

19. Jahrhunderts, der den Chianti Classico erneuert

hat, ohne die Tradition zu zerstören. Seit fast vierzig

Jahren wird auf San Giusto die Tradition großer

Sangiovese-Gewächse von innen her neu belebt.

Wir folgen Luca Martini über eine Steintreppe

unters Dach der Fattoria in die Vinsantaia. Dieser

Raum ist dem Vin Santo, dem heiligen Wein, vorbehalten.

Die Erzeugung des toskanischen Süßdie

gewaltige Süße die Hefe immer wieder erstickt.

Doch wenn die Frühlingssonne das Ziegeldach der

Vinsantaia erwärmt, beginnt die Gärung erneut.

Nur ein kleines Glucksen, sonst bleibt es unterm

Dach still. Der Vin San Giusto unterscheidet sich

von vielen edelsüßen Weinen dadurch, dass der im

Fass durch Verdunstung entstehende Schwund nie

aufgefüllt wird.

Obwohl Vin Santo natürlich ein Nischenprodukt

ist, zeigt dieser Ausnahmewein, wie die

Seelenlandschaft: Weit lagert sich das

Rebland von der Anhöhe San Giusto

hinab über die sanften Hügelschwünge

des Chianti Classico. Nichts kann die

Beschaulichkeit und den Arbeitsfrieden

des uralten Weinguts stören.

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FINE 4 | 2015 FINE Toskana


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Sassicaia

Mit Frauenpower in die Zukunft

Von Dirk R. Notheis

Fotos: Peter Quirin

Wäre Burkard Bovensiepen an jenem verregnetem Herbsttag des Jahres 1978 nicht wegen einer Automobilpräsentation nach Südtirol gereist

und wäre er, als Automobilbauer und Weinkenner gleichermaßen genial, nicht zufällig dort in einem Restaurant auf einen völlig unbekannten

Vino da Tavola namens Tignanello vom Jahrgang 1975 gestoßen, die Weinwelt außerhalb der Grenzen Italiens hätte womöglich

niemals oder nur mit großer zeitlicher Verzögerung vom Sassicaia erfahren. Nach dem Restaurantbesuch ging der kluge Geschäftsmann

und Alpina-Gründer unverzüglich auf Marchese Antinori zu, den Besitzer des unbekannten Weinguts, um sich die Vertriebsrechte des

Tignanello für Deutschland zu sichern. Giovanni Santoni, der damalige Exportleiter, wies Bovensiepen jedoch zunächst in die Schranken,

da der Platz als exklusiver Vertriebspartner für alle Produkte nach Deutschland bereits von dem renommierten Bremer Handelshaus

Reidemeister & Ulrichs besetzt war. Bovensiepen blieb dennoch hartnäckig. Und nachdem Reidemeister schließlich ablehnte, den einfachen

Vino da Tavola ins Sortiment aufzunehmen, bekam er den Zuschlag. Das Geschäft kam jedoch nicht ohne eine kleine, vermeintlich

lästige Auflage zustande, denn Santoni verlangte, noch einen weiteren Wein exklusiv abzunehmen, einen bis dahin noch unbekannteren

Vino da Tavola aus der kleinen toskanischen Gemeinde Bolgheri namens Sassicaia.

Der Jahrgang 1978 sollte schließlich der erste werden, den Burkard

Bovensiepen mit seiner Alpina deutschlandweit vertrieb – und dies

sofort mit beachtlichem Erfolg. Seither sind fast vierzig Jahre vergangen,

und der Sassicaia ist als Supertuscan von keiner Weinkarte oder

seriösen Italien­ Probe mehr wegzudenken. Er ist die Schöpfung zweier Männer

voller Leidenschaft und herausragender Kompetenz: Marchese Nicolò Incisa

della Rocchetta, der Inhaber der Tenuta San Guido, und Giacomo Tachis

(Fine 2/2012), der Önologe und Spiritus Rector des Sassicaia.

Die Legende will, dass die Reben, ausschließlich Cabernet Sauvignon

und Cabernet Franc, ursprünglich von Château Lafite im Bordelais stammen,

das Baron Elie de Rothschild gehörte, einem alten Freund der Familie. Doch

die Wahrheit ist weniger spektakulär: Mario Incisa della Rocchetta hatte während

seines Studiums immer wieder auf dem Weingut der Familie Salviati, der

Fattoria di Migliarino bei Pisa, hospitiert, die Cabernet Sauvignon anpflanzte

und an deren Weinen der junge Mann großen Gefallen fand. Von hier, nicht

aus dem Bordelais, holte er die Rebstöcke, mit denen das Abenteuer Sassicaia

begann. Er war der Erste, der Cabernet Sauvignon in die Maremma brachte,

jene dem Meer zugewandte ehemalige Sumpflandschaft im Süden der Toskana.

Schon bald nach dem ersten offiziellen Jahrgang 1968 wurde der Wein –

in der Regel aus 85 Prozent Cabernet Sauvignon und 15 Prozent Cabernet

Franc – in Stahltanks und ausschließlich neuen französischen Barriques ausgebaut.

Diese Regel hat bis heute Bestand. Der Name Sassicaia geht auf seinen

mit Geröll und Steinen durchsetzen Boden zurück, denn »Sassi« bedeutet

»Steine«.

Die große Fine-Vertikalprobe, die zu Ehren eines prominenten Wiesbadener

Sassicaia-Sammlers auf dem malerischen Rheingauer Gut Robert Weil

stattfand, glich einem Streifzug durch die Geschichte dieses Weins, der mit

faszinierendem Spannungsbogen eine Reihe bestätigender wie überraschender

Erkenntnisse brachte. Neben dem sich großartig präsentierenden 1990er

und dem aufgrund des Magnum-Formats nicht in vollreifem Zustand befindlichen

Jahrhundertjahrgang 1985 beeindruckten insbesondere der 1998er sowie

der Jahrgang 2006, der sich mit seiner Komplexität und hohen Konzentration

künftig zum wahren Nachfolger des 1985ers mausern dürfte. Vor allem

aber bestätigte die Vertikalprobe den seit Ende der neunziger Jahre einsetzenden

Stilwechsel des Sassicaia. War der Wein Ende der sechziger Jahre eher von

früher Lese, schlankem Körper, nicht so hoher Konzentration, mitunter dominantem

Säurespiel sowie Moos-, Eukalyptus- und Waldbodentönen geprägt,

macht sich seit dem Jahrgang 1998 immer mehr der Charakter eines neuen,

modernen Supertuscans bemerkbar. Mit der gezielten Metamorphose durch

reifere Lese, etwas höhere Alkoholwerte sowie mehr Viskosität und Konzentration

hat der Sassicaia eine neue Persönlichkeit entwickelt, ohne jedoch sein

ein maliges Terroir zu verleugnen. Losgelöst von Jahrgangs typizität werden die

Weine damit aber auch enger in ihrer geschmacklichen Amplitude, irgendwie

mehr Mainstream und wiedererkennbarer, allerdings ohne jeden artifiziellen

oder gar industriellen Gusto. Der Sassicaia ist und bleibt auch in seiner neuen

Ära ein Wunderwerk, das den Weinfreund mit jedem Jahrgang aufs Neue erfreut.

Seit dem Jahr 2010 nimmt die Tochter von Marchese Nicolò Incisa, die

junge, kluge Principessa Priscilla, die Geschicke des Gutes mehr und mehr in

die Hand. Sie ist auserkoren, das künftige Gesicht von Sassicaia zu werden. Ihr

zur Seite stellt Marchese Nicolò die erfahrene Önologin Graziana Grassini,

die neben einer Vielzahl von Beratungsmandaten, etwa für die Fattoria di

Magliano, zunächst als Beraterin und seit dem Jahrgang 2011 als Chef önologin

und Nachfolgerin ihres kongenialen Mentors Giacomo Tachis wirkt. Solch

geballte Frauenpower auf der Tenuta San Guido lässt aufhorchen und macht

neugierig auf eine möglicherweise wieder neue Phase im Stil des Hauses. Nimmt

man zudem die These Grassinis von der »Geschlechtersensitivität des Weins«

ernst, nach der man schmecken kann, ob der Wein von einer Frau oder einem

Mann gemacht wurde, mag gar eine Revolution zu erwarten sein. Die Verkostung

der Jahrgänge 2010 bis 2012 gehörte auch deshalb zu den spannendsten

Ereignissen der Vertikalprobe.

Eine geradezu rhône-artige, süße, dropsige Kirschfrucht drängte aus allen

drei Gläsern dieser Jahrgänge in die Nase, und man war geneigt, tatsächlich an

ein neues Kapitel auf dem Traditionsgut zu glauben. Am Gaumen zeigt sich

dann neben Jahrgangstypizität durchaus doch Terroirtreue. Schon in der Tradition

des Stils der modernen Sassicaias, dennoch ein wenig frischer, irgendwie

spritziger, die Kirsche – mal süß, mal sauer – im Vordergrund, präzise, außerordentlich

gekonnt und mit spielerischer Raffinesse, ganz zur Freude des Verkosters.

Es ist noch zu früh, und die Weine sind zu jung, um ein abschließendes

Urteil zu fällen, aber eines lässt sich ohne Zweifel schon heute festhalten:

Es tut sich etwas im Reich des Marchese, und das Schlechteste ist es nicht. •

50 51

FINE 4 | 2015 FINE Tasting


Barossa V alley

Australische Winzer,

deutsche Tugenden

Der australische Winter kennt auch kühle Tage:

Wenn die Arbeit in den Weinbergen ruht, verirrt

sich gelegentlich auch ein wildes Känguru in die

reifbedeckten Rebzeilen von Barossa Valley.

Von Dirk R. Notheis

Fotos Dragan Radocaj

Den besten Blick auf das Barossa Valley hat man vom Kaiserstuhl. Nicht etwa von dem in südbadischen Gefilden, sondern von der gleichnamigen

zweithöchsten Erhebung der Barossa Ranges, jener Hügelkette, die das Tal in das tiefer gelegene »Erdgeschoss«, das ursprüngliche

Barossa Valley, und das etwa dreihundert Meter höhere »Obergeschoss«, das sogenannte Eden Valley, teilt. Die beiden Plateaus

formen die Weinregion Barossa mit insgesamt vierzehntausend Hektar Rebfläche. Der Name Kaiserstuhl geht auf die deutschen Einwanderer

zurück. Es waren vornehmlich aus Schlesien stammende Siedler, die als Lutheraner um ihrer religiösen Freiheit willen dorthin

Mitte des 19. Jahrhunderts auswanderten. Noch heute künden Familiennamen, Gebäude und Gebräuche vom Erbe der Siedlungsgeschichte:

die original schlesische Mettwurst, das Krustenbrot oder der Bienenstich aus dem Holzofen des deutschstämmigen Bäckers

oder gar die öffentliche Kegelbahn in der kleinen Gemeinde Tanunda. In dieser ganz speziellen Barossa-Kultur fühlt man sich als Deutscher

sofort heimisch. Selbst eine eigene Sprache haben die Siedler entwickelt, das sogenannte Barossa-Deutsch, ein Kauderwelsch aus

deutschen und englischen Versatzstücken, auf das man noch heute bei Vertretern der älteren Generation trifft. Bei den Jüngeren hat der

Bezug zu Sprache und Religion nachgelassen, und doch ist überall der Respekt vor den deutschen Gründervätern spürbar.

Die Vielzahl der von den Deutschen erbauten

Kirchen und Kapellen prägt die Landschaft

der etwa siebzig Kilometer nordöstlich der

Millionenstadt Adelaide gelegenen Barossa-Region.

Daneben bestimmen Weinberge und das satte Grün

hügeliger Schafweiden das Bild. Hier und da hüpfen

wilde Kängurus durch Wiesen und Reben. Überhaupt

hat Barossa nichts mit einer von moderner

Architektur und hollywoodesker Inszenierung aufgeladenen

Weinregion gemein, wie wir sie etwa

aus dem Nappa Valley kennen. Von den wenigen

Großkellereien, wie etwa Penfolds (im Besitz des

Getränkekonzerns Foster’s Group) oder Jacob’s

Creek (Pernod Ricard), einmal abgesehen, überwiegen

in Barossa Familienweingüter und Winzerpersönlichkeiten.

Die Region steht für Bodenständigkeit

und ehrliche Landwirtschaft, basierend

auf deutschen Tugenden. Alles wirkt beschaulich

und ländlich. Hektik ist diesem Flecken Erde fremd,

Fleiß nicht.

Mit eben diesem Fleiß betrieben die Schlesier

zunächst Ackerbau und Viehzucht. Als der Mineraloge

Johannes Menge für die »South Australian

Company«, die damals führende Grundbesitzgesellschaft

Süd-Australiens, in einer Studie zu dem

Schluss kam, neben Gemüse könne in dem fruchtbaren

Tal und auf den Höhen auch Wein angebaut

werden, griffen die Aussiedler diesen Vorschlag mit

großem Elan auf. Aufgrund der insularen Lage

und ihrer natürlichen Abschirmung gegen Schädlinge

blieb Australien von der Reblausplage verschont,

die im 19. Jahrhundert in Europa wütete.

Hinzu kommt das einmalige mediterrane Klima

in Barossa, das trotz der vielen Sonnentage mit

Temperaturen bis über 40 Grad nie mehr als 15 Prozent

Luft feuchtig keit aufweist und damit zusätzlichen

Schutz vor Schädlingen und Krankheiten

bietet. Infolgedessen verwundert es nicht, dass sich

die ältesten bewirtschafteten Reben der Welt in der

Region Barossa befinden. So erzeugt der italienischstämmige

Winzer Marco Cirillo seinen 1850 Old

Wine Grenache aus der weltweit ältesten Rebstockparzelle

ihrer Art. Von dem komplexen und erstaunlich

frischen Grenache tauscht Cirillo jedes Jahr mit

Emmanuel Reynaud, seinem berühmten Kolle gen

aus dem Rhône-Tal, eine Kiste gegen dessen Rayas.

Die ältesten Shiraz-Reben gehen sogar bis auf das

Jahr 1843 zurück. Sie stehen etwa in dem weltberühmten

Weinberg Hill of Grace (Eden Valley)

und in der Freedom-Parzelle der Langmeil Winery.

Obgleich Barossa auf mehr als einhundertfünfzig

Jahre Weingeschichte zurückblickt, ist die

Region für trockne Weine noch sehr jung. Bis in die

frühen achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts

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FINE 4 | 2015 FINE Australien


Acht Jahrzehnte

Gruaud-Larose

Eine Blindprobe mit ungeahnten Überraschungen

Von Michael Schmidt

Fotos Alex Habermehl

»Le Vin des Rois, Le Roi des Vins«. Ein Wappen

mit diesem Motto ziert schon seit Ende des 18. Jahrhunderts

das Etikett des Deuxième Cru Château

Gruaud­ Larose aus der Gemeinde St. Julien im Bordelais.

Der Chevalier Joseph Stanislas Gruaud gilt als

der eigentliche Gründer des Weinguts, das nach

Zusammen legung mehrerer Lagen aber erst einmal

unter dem Namen Fonbedeau firmierte. Nachdem

seine zwei Söhne die Leitung des Geschäfts übernommen

hatten, wurden die Weine unter den Etiketten

L’Abbé Gruaud und Chevalier Gruaud vermarktet.

Während sich der Chevalier de Gruaud bis zu seinem

Tod im Jahr 1771 noch persönlich um die Führung

des Weinguts gekümmert hatte, überließ sein Nachfolger

und Schwiegersohn Joseph-Sébastien de Larose

das Tagesgeschäft seinen Angestellten, um sich ganz

der Vermarktung der Weine widmen zu können. Wie

erfolgreich er damit war, spiegelt der besagte Aufdruck

auf dem Etikett wider: Gruaud-Larose wurde

regel mäßig an der Tafel des französischen Königshofs

sowie auf den Banketten des gehobenen Adels kredenzt.

Selbst Thomas Jefferson ließ es sich während

seiner Zeit als Diplomat in Paris nicht nehmen, das

Château zu besuchen; wahrscheinlich war es ihm mitzuverdanken,

dass Joseph-Sébastien de Larose noch

vor seinem Tod im Jahr 1795 erleben durfte, wie sich

sein Wein erfolgreich auf dem neuen amerikanischen

Exportmarkt etablieren konnte.

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FINE 4 | 2015 FINE Tasting


Im größten Saal des Wiesbadener Kurhauses, der Galerie

Hygieia mit Blick auf den Kurpark, fand die Premiere

der Großen Gewächse des Jahrgangs 2014 statt.

Doch für die Schönheiten der Anlage hatten die Verkoster

keine Augen. Ihre Aufmerksamkeit galt ganz allein den

dreihundertfünfzig Weinen, die sie in zweieinhalb Tagen

zu probieren hatten.

Foto Ralf Kaiser

Das Feinste vom Feinen

Alljährlich stellt der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitäts weingüter Ende

August alle »VDP.Grossen Gewächse« in Wiesbaden vor. Die besten Weine aus allen

Regionen Deutschlands stehen während zweieinhalb Tagen zur Verkostung bereit.

Von Dirk Würtz

Man kann ganz trefflich darüber diskutieren, was ein großer Wein

ist und was nicht. Es gibt mehr oder minder objektive Parameter,

die mit der Herstellung, sprich dem Handwerk, zu tun haben. Der

VDP, eine Art Ultra-Premium-Club der Weinwelt, hat seine eigene

Definition, was ein Großer Wein ist und was nicht. Die VDP-Welt

basiert auf einem recht ein fachen Grundprinzip: Je kleiner die

Herkunft desto höher die Qualität. Steht also nur eine Region

auf dem Etikett, »Rheingau« beispielsweise, handelt es sich um

einen Basiswein. Ist der Weinberg genannt, etwa »Assmanns häuser

Höllenberg«, ist es ein Premiumwein.

Dementsprechend klassifiziert der Verband die Weine in Gutsweine,

Ortswein und Lagenweine. Die Lagenweine unter teilen sich in »VDP.

Erste Lage« und »VDP.Grosse Lage«. Das Ganze ist also einerseits

sehr burgundisch und andererseits auch sehr deutsch – schließlich stammt die

älteste Lagenklassifikation, die Dünkelberg-Karte von 1867, nachweislich aus

Deutschland (aus dem Rheingau).

Das »VDP.Grosse Gewächs« kommt aus der »VDP.Grossen Lage« –

also aus den hoch wertigsten und parzellengenau abgegrenzten Weinbergen des

Landes. Es ist der trockne Spitzenwein aus einem Weingut, dessen Erzeugung

strengen Regeln unterliegt: Der Ertrag darf fünfzig Hektoliter pro Hektar nicht

übersteigen, die Trauben müssen von Hand und damit selektiv geerntet sein,

die Rebsorten sind begrenzt, die Vermarktung darf frühestens ab dem 1. September

des auf die Ernte folgenden Jahres stattfinden, und sowohl die Weinberge

als auch die Weine werden einer besonderen Prüfung unterzogen. Es ist

also ein langer Weg, bis ein Wein die Bezeichnung »VDP.Grosses Gewächs«

tragen darf. Soweit die Theorie.

In der Praxis hat das Ganze natürlich sehr viel mit dem eigenen Geschmack

zu tun. Ein Großer Wein ist in der Wahrnehmung etwas sehr Individuelles.

Er muss vom ersten Moment an faszinieren, packen und einen nicht mehr

loslassen. Es muss sich sofort der Reflex einstellen, die Flasche leertrinken zu

wollen – am besten läuft einem dabei noch ein kleiner wohliger Schauer über

den Rücken. Großer Wein ist nur emotional zu begreifen – anders geht das

gar nicht. Ob man dieses Gefühl in eine Klassifikation fassen und transportieren

kann, ist eher fraglich. Auch kann man darüber diskutieren, ob eine

derartige Klassifikation überhaupt notwendig ist. Ganz sicher ist sie aber

eine gute Basis, um überhaupt zu verstehen, worum es geht, wenn man von

Herkunft spricht.

Wenn also in Wiesbaden zur Premiere der Großen Gewächse mehrere

hundert Weine auf dem Tisch stehen, ist davon auszugehen, dass damit so

ziemlich alles anzutreffen ist, was sehr gut ist. Ganz sicher ist das eine der am

besten organisierten Proben der gesamten Weinwelt. Ganz sicher ist es auch

eine der anstrengendsten Verkostungen. Um die dreihundertfünfzig Weine

in zweieinhalb Tagen – das ist ein hartes Programm. Und ganz sicher ist es

für den einen oder anderen Wein auch noch zu früh. Dennoch ist es eine

Standort bestimmung und eine einzigartige Möglichkeit, einen Überblick über

die Spitze der trocknen Weine des Landes zu bekommen. Innerhalb dieser

Spitzen weine gibt es natürlich auch solche, die besonders herausragen. Und

nur um die soll es hier gehen. •

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FINE 4 | 2015 FINE Tasting


Daniel Deckers

wein und zeit xvii

Eklat: Als Carl Zuckmayers »Fröhlicher Weinberg«

im März 1926 in Mainz auf die Bühne gebracht

werden sollte, sah man in Rhein hessen die Ehre der

Heimat in den Dreck gezogen.

Das Wunder

des Lebens

Carl Zuckmayer, Carl Gunderloch

und die Weinberge von Nackenheim

Es war Sonntag, der letzte vor dem Weihnachtsfest des Jahres 1925. Mehr als zwei Jahre waren vergangen, seit die Inflation gebannt und die

Rentenmark eingeführt wurde, gut zwei Monate seit der Konferenz von Locarno, auf der die Weimarer Republik wieder in den Kreis der

zivilisierten Nationen aufgenommen worden war. Ob die bitteren Nachkriegsjahre wohl vorbei waren? »Deutsch-Französische Einigung«

lautete die Schlagzeile der in Berlin erscheinenden Vossischen Zeitung, der Leitartikler haderte mit der Sozialdemo kratie, weil die sich

einer Regierungsbildung verweigerte, im Innenteil wurde über die exorbitanten Preise für Weihnachtsbäume geklagt, und eine anzeigensatte

Sonderbeilage unter dem Titel »Die Festtafel« steigerte die Vorfreude auf die kommenden Tage.

Fotos: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Noch war es nicht so weit. »Das Unterhaltungsblatt«,

das der Sonntag­ Ausgabe

beilag, entführte den Leser unvermittelt

in die »Weinberge von Nackenheim«. In farbiger,

anscheinend von unmittelbarer Anschauung

gesättig ter Sprache ließ da einer das Leben in dem

kleinen, von Weinbau geprägten Dorf am Rhein

erstehen: »Nirgends ist so viel Rot in wechselnder

Schicht durch die Landschaft gesprengt«, hieß es

über die unverwechselbare Färbung jenes südlich

von Mainz gelegenen Hangs, an dessen Fuß sich

das kleine Dorf duckt, »… der matte Ton dünner

Rohrpfeifen, das Grell zerbröckelnder Ziegel, das

verwaschene Karmin gewittriger Abendhimmel,

der rostige Brand alter Radreifen auf regenweichen

Fahrstraßen und die volle, gesättigte Röte von den

Brustfedern des Buchfinks …«.

Nicht alles war in das milde Licht roman tischer

Landschaftsbeschreibung getaucht. Ein kurzer Vorspann

ließ den Leser wissen, dass es sich bei diesem

kleinen Feuilleton um eine Art Ouvertüre handele.

Ein Theaterstück namens »Der fröhliche

Weinberg« stehe vor seiner Urau führung, vorab

schildere der Dichter »Luft und Landschaft, aus

der seine Komödie erwachsen ist«: Die Nackenheimer

sprachen Mundart (»Die Stenze sin dies

Jahr langsam«), bei der Kirmes kamen alle elementaren

Bedürfnisse zu ihrem Recht (»… der Hof ohne

Scheu benutzt, wenn die Natur sich regt, Stuhlbein

und Weinbuttel, wenn der Mut schwillt, und die

Scheuer, die Laube, der Stall, wenn die Liebe kein

Maß kennt«), der Tod war Teil des Lebens von

Beginn an. Eines Morgens hing »die alte Bärb am

Fenster …, und die Kinder standen blaß mit ofenen

Mäulern am Zaun und streckten die Zunge heraus

wie der Leichnam da droben«. Zu viel versprochen?

Der Verfasser war dem Berliner Publikum

nicht unbekannt. Nach einer turbulenten

Jugend in Mainz, vier Jahren als blut junger

Offizier an der Westfront hatte es den gebürti gen

Nackenheimer über Frankfurt und Heidelberg

sowie ersten dramaturgischen Gehversuchen in Kiel

und München nach Berlin verschlagen. Über das

jüngste, erst im Frühjahr auf die »Junge Bühne«

des Deutschen Theaters gebrachte Drama namens

»Pankraz erwacht oder Die Hinter wäldler«

urteilte die Kritik, anders als bei seinen früheren

Stücken, nicht mehr rundheraus ablehnend: »Carl

Zuckmayer gehört zu jenem Häuflein Pioniere,

denen es von der Natur bestimmt scheint, Material,

Brücke, Füllsel zu sein für den Graben, der heute

und morgen trennt«, hieß es in einer Besprechung.

Der Rezensent sollte Recht behalten.

Schon das kleine vorweihnachtliche Feuilleton

atmete einen neuen Geist. Nichts mehr von

dem übersteigerten Expressionismus der frühen

Dramen und der ersten lyrischen Versuche, statt

dessen Farben und Töne, Charaktere und Stimmen,

die dem wirklichen Leben buchstäblich abgelauscht

waren. Doch wie würde das verwöhnte Berliner

Theater publikum die Kehrtwende namens »Der

Fröhliche Weinberg« aufnehmen?

An Vorschusslorbeer fehlte es nicht. Paul

Fechter, der einflussreiche Theaterkritiker der Deutschen

Allgemeinen Zeitung, hatte dem Stück nach

Durchsicht aller Einsendungen noch vor der Uraufführung

den Kleist-Preis des Jahres 1925 zuerkannt,

seinerzeit die renommierteste Auszeichnung für ein

Bühnen werk. Das Ensemble des Theaters am Schifbauerdamm

stürzte sich mit Haut und Haar in das

Abenteuer, anstelle eines weiteren expressionischen

Dramas einen bodenständig-prallen Schwank auf

die Bühne zu bringen. Das Premierenpublikum, das

sich am 22. Dezember 1925 einfand, ließ sich nicht

lange bitten. »It was an orgy. It was orgy of sunshine,

harvest, love, lewdness, tenderness, satire and gargantuan

mirth«, hielt Dorothy Thompson, die

Korrespondentin der New Yorker Evening Post fest.

Dass die Amerikanerin große Teile des Textes nicht

verstand, weil das Stück durchweg in Mundart verfasst

war und sich manches rheinhessische Wort aus

dem Mund Berliner Schauspieler doppelt komisch

anhörte, tat nichts zu Sache. Lach salven, Begeisterungsstürme,

rauschender Beifall. Als Zuckmayer

auf die Bühne trat, um die Ova tionen entgegenzunehmen,

war die Flasche leer, die die Schauspieler

ihm geschenkt hatten: Ein Nackenheimer Rothenberg

des grandiosen Jahrgangs 1921.

Auf ungeteilten Beifall stieß das Stück nicht.

Zwar sollte »Der fröhliche Weinberg« das

meistgespielte Bühnenwerk der Wei marer

Republik werden. Doch Nationalsozialisten wie

Joseph Goebbels spürten sofort, dass sie es bei

Zuckmayer mit einem Freigeist zu tun hatten, dem

jede dumpf-totalitäre Geisteshaltung zu wider war –

im »Fröhlichen Weinberg« verkörpert von dem

Korpsstudenten Knuzius. »Das Ganze ist eine

geist- und witzlose Schweinerei«, schrieb der Völkische

Beobachter am 11. Februar 1926. Und: »Eine

Frage an die Korpsstudenten Münchens: Laßt Ihr

euch die schamlose Verhöhnung der schlagenden

Ver bindungen durch den Halbjuden Zuckmayer

gefallen?«

Die braunen Schläger und andere humorlose

Zeitgenossen waren nicht die einzigen, die sich

über Zuckmayer erregten. Auch in Zuckmayers

rhein hessischer Heimat herrschte Aufruhr –

freilich nicht wegen des »Halbjuden«, dessen

Mutter der honorigen, längst zum evangelischen

Glauben konver tierten jüdischen Mainzer Familie

Goldschmidt entstammte. Als das Stück im März

1926 in Mainz auf die Bühne gebracht werden sollte,

sahen mehrere tausend Demonstranten die Ehre

ihrer Heimat im Allgemeinen und die einer hoch

angesehenen Familie im Besonderen in den Berliner

Dreck gezogen.

Was war geschehen? Die Hauptperson des

Schwanks trug keinen anderen Familiennamen als

den des weit über die Region hinaus bekannten

Nackenheimer Weingutsbesitzers Carl Gunderloch,

eines ehemaligen Mainzer Bankiers. In den »Weinbergen

von Nackenheim« hatte es am 20. Dezember

1925 noch lakonisch geheißen: »Die Gunderlöcher

sin schon fertig«. Zwei Tage erfuhr ein

begeistertes Publikum aus dem Mund des Protagonisten

Jean-Baptiste Gunderloch, dass er einst

»hinterrücks« mit einem Schifermädchen eine

Tochter gezeugt habe, weil seine Frau keine Kinder

bekommen konnte. Jetzt wollte der inzwischen

verwitwete Vater sichergehen, dass seine einzige

Tochter, die die Hälfte der Weinberge erben wird,

nur von einem Mann als Braut heimgeführt wird,

der dieser seine Zeugungsfähigkeit schon vor der

Ehe bewiesen hat: »Wenn einer e Sau kauft, muss

er wisse dass se ferkelt.«

Carl Gunderloch, der 1910 dabei gewesen

war, als der Verband Deutscher Naturweinversteigerer

(VDNV, heute VDP) aus der

Taufe gehoben wurde, und der mit 6000 Mark für

ein Viertelstück 1911er den höchsten Preis erzielt

hatte, der je für einen Wein aus Rheinhessen gezahlt

worden war, sah sich und sein Lebenswerk der

Lächerlichkeit preisgegeben. Und das nicht von

Aufruhr: Dem Publikum in

Leipzig wurden Zettel zur

Unterschrift vorgelegt, mit

der sie sich ver pflichteten, die

Au führung nicht zu stören.

138 139

FINE 4 | 2015 FINE Wein und Zeit


wein und zeit xvii

Reue: Von jugendlichem

Leichtsinn sprach Carl

Zuckmayer in einem Brief,

den er am 19. Juni 1962

an Franz Usinger, den

Ehemann der Enkelin

von Carl Gunderloch,

schrieb, und das Schreiben

vom 1. Juni 1970 an Elli

Usinger kam gar einer

kleinen Beichte gleich.

möchte es Ihnen und Ihrer Familie, als den damals

›Haupt betrofenen‹, überlassen, ob Sie dazu einen

Vorschlag oder Wünsche haben.«

Wie die Geschichte ausgegangen ist, hat sich

in der Gunderlochschen Korrespondenz mit

Zuckmayer nicht erhalten. Aber zu Misstönen

kam es wohl nicht. Kaum einen Monat später kam

Zuckmayer aus der Schweiz »mit herzlichen und

freundschaftlichen Grüßen« auf eine Geschenksendung

zu sprechen: »… wirklich nicht nötig, doch

wenn es Ihnen Freude macht, so wird die meine, als

Empfänger, doppelt so groß sein«. Wetten, dass

von den weit über Rheinhessen hinaus über alle

Maßen geschätzten Weinen aus dem Nacken heimer

Rothenberg die Rede war?

Carl Zuckmayer, Jahrgang 1896, stand im

siebten Lebensjahrzehnt, als der Ton der

Korres pondenz mit Elli und Franz Usinger

so vertraut war, als habe nie etwas zwischen dem

Dichter und den Weingutsbesitzern gestanden.

»Im nächsten Jahr hofe ich endlich wieder einmal

in meine Gebietsheimat zu kommen«, schrieb

Zuck am 23. Juli 1969, »… und ich hofe vor allem,

Sie und Ihren Mann in bester Gesundheit wiederzusehen.

Merkwürdig – am Abend, bevor Ihr Brief

kam, habe ich für ganz besondere, liebe Freund eine

Flasche des beiliegenden Etiketts (Anhängsel) aufgemacht,

der Wein war köstlich, und ich habe einen

Trinkspruch auf Euer Wohl ausgebracht. Ich freue

mich auf einen gemeinsamen Abend in der ›Gutsschenke‹,

– so Gott will.«

Und Gott wollte es – aber nicht so bald. Ende

Mai 1970 reiste Carl Zuckmayer nach Deutschland,

um vor den Mitgliedern des Ordens Pour le Mérite,

dem er seit drei Jahren angehörte, seine »obligate

Antrittsvorlesung« zu halten, wie er unter dem

Datum des 1. Juni 1962 von Bonn auch nach Nackenheim

schrieb. Der Brief war eine kleine Beichte.

Von Mainz aus machte er sich am Fronleichnamstag

ungeplant und unangemeldet auf nach Nackenheim.

»Ich stand vor Ihrem Hoftor und schaute

hinein, unschlüssig, ob ich Sie einfach ›überfallen‹

könne, – aber es war um die Mittagszeit, es war sehr

still und ich liess es, mit Rücksicht auf Ihren Mann,

den es doch vielleicht sehr gestört hätte, lieber

bleiben. Aber ich hatte wenigstens die Kirche und

das Rathaus gesehen, Ihren Hof, auch die Fabrik

(von aussen), und die rote Erde!« Franz Usinger

sollte Zuckmayer nicht wiedersehen. Er starb im

November 1970 im Alter von dreiundachtzig Jahren.

Knapp ein Jahr später stand der Dichter wieder

vor dem Hoftor. Diesmal ging er hindurch, mit der

Einwilligung des neuen Besitzers Karl-Otto Usinger,

den Zuckmayer wohl nicht ganz zu Unrecht noch

immer unversöhnt wähnte. Am 23. Oktober 1971,

fast ein halbes Jahrhundert nach der Urauführung

des »Fröhlichen Weinberg«, kam es zur Versöhnung

an historischem Ort. Bilder hielten den

Händedruck in der Gutsschänke fest. Zuckmayer

bedankte sich am 5. November, kurz vor seinem 75.

Geburtstag: »Ihre Ansprache an jenem Abend in

Ihrer schönen Gutsschänke hat uns beide, meine

Frau und mich, nicht nur erfreut, sondern auch

ergrifen … Ich habe Ihre Haltung immer respektiert,

ja ich hätte mich in einem solchen Fall nicht anders

verhalten. Doch ist Ihre Treue zu Ihrem Urgroßvater

dadurch nicht geringer geworden, dass Sie nun

auch den jugendlichen Leichtsinn eines Menschen,

der bewusst niemand verletzten wollte, Ihr gütiges

Verständnis entgegenbringen. Ihre Worte kamen

aus reinem und warmen Herzen, und Ihr Bekenntnis

zum freien Geist war von schlichter und echter

Überzeugungskraft. Ich darf mich jetzt Ihnen in

diesem Sinne freundschaftlich verbunden fühlen.«

Die Freundschaft währte gut fünf Jahre.

»Meine Familie und ich werden am 27., dem Vorabend

meines 53. Geburtstages, in Gedanken mit

Ihnen sein und bei einem guten Glas Nacken heimer

Rothenberg auf Ihre baldige Genesung und Ihr weiteres

Wohlergehen anstoßen«, schrieb Karl-Otto

Usinger am 20. Dezember 1976 in die Schweiz. Drei

Wochen später war Carl Zuckmayer tot – er starb

am 18. Januar 1977 im Alter von achtzig Jahren,

»versehen mit den heiligen Sterbesakramenten«,

wie es in der Todesanzeige hieß. Wenn den Dichter

des Jahrhunderts neben dem Wein zeitlebens etwas

mit seiner rheinhessischen Heimat verbunden hatte,

dann die vom Katholizismus getränkte Welt rund

um den Mainzer Dom.

Das Weingut Gunderloch blickt in diesem

Jahr auf eine reiche Geschichte von einhundertfünfundzwanzig

Jahren zurück.

Als einziges Gründungsmitglied des Vereins der

rheinhessischen Naturweinversteigerer hat es alle

Wechselfälle der Geschichte überlebt, als einziges

Weingut am Roten Hang hält es die Tradition jener

»großen Spitzen« hoch, die Carl Zuckmayer so sehr

schätzte: frucht- und edelsüße Rieslinge aus den

Spitzenlagen an der Rheinfront, allen voran aus dem

Rothenberg. Andere Weine sind hinzu gekommen.

»Jean-Baptiste«, ein Riesling-Gutswein, erblickte

1990 das Licht der Welt, als der »Fröhliche Weinberg«

erstmals am Originalschauplatz aufgeführt

wurde, dem Hof des Weinguts. 2015, als Agnes (die

Tochter Karl-Otto Usingers) und Fritz Hasselbach

das Weingut in die Hände ihres Sohnes Johannes

und seiner Frau Marie legten und damit die sechste

Generation die Verantwortung übernahm, kam der

zweite Jahrgang eines Weins auf den Markt, den

Johannes Hasselbach so nannte wie Zuckmayer

seine im Jahr 1966 erschienene Autobiographie:

»Als wär’s ein Stück von mir.« •

Fotos: Familienarchiv Gunderloch-Usinger, Nackenheim

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144 FINE 4 | 2015


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