15.12.2015 Aufrufe

VDV Das Magazin Ausgabe Dezember 2015

Das Verbandsmagazin des VDV ist die redaktionelle Plattform für Unternehmen des Öffentlichen Personen- und Schienengüterverkehrs in Deutschland. Konzept und Realisierung: AD HOC PR, Gütersloh.

Das Verbandsmagazin des VDV ist die redaktionelle Plattform für Unternehmen des Öffentlichen Personen- und Schienengüterverkehrs in Deutschland.

Konzept und Realisierung: AD HOC PR, Gütersloh.

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Was uns bewegt. Wen wir bewegen. <strong>Ausgabe</strong> <strong>Dezember</strong> <strong>2015</strong><br />

Auf dem Weg in<br />

die grüne Zukunft<br />

Wie der Öffentliche Verkehr<br />

dem Klima hilft Seite 6<br />

Schutzgebühr: 3,20 Euro<br />

Fernverkehr soll für die DB<br />

Terrain zurückgewinnen<br />

Seite 12<br />

Arbeitswelt 4.0: Was<br />

gute Führung ausmacht<br />

Seite 14<br />

Westfalenbahn: „Emil“<br />

an den Start gegangen<br />

Seite 18


INHALT<br />

14 <strong>VDV</strong>-Personalkongress: Wie die<br />

Führung von morgen funktioniert<br />

12 Schneller, öfter, weiter: Die DB geht<br />

im Fernverkehr in die Offensive.<br />

18 „Emil“: Die Westfalenbahn kommt<br />

groß ins SPNV-Geschäft.<br />

22 Jubiläum: Dresden feiert<br />

120 Jahre Standseilbahn.<br />

26 Kunden-Emotionen: Der richtige<br />

Umgang mit Beschwerden<br />

3 Editorial<br />

Busse und Bahnen: Klimaschutz,<br />

der bereits funktioniert<br />

4 <strong>VDV</strong> im Bild<br />

Nürnberg: Entspannter durch<br />

die Vorweihnachtszeit<br />

6 Titelstory<br />

Erst die Verkehrswende<br />

bringt die Klimawende.<br />

Seite 10: Interview mit Maria<br />

Krautzberger (Umweltbundesamt)<br />

12 Aktuell<br />

DB Fernverkehr: Mit Tempo und<br />

Komfort Fahrgäste gewinnen<br />

14 Aus dem Verband<br />

Personalkongress debattiert über<br />

Führung in der Arbeitswelt 4.0.<br />

Seite 15: Ehrung „Unserer Besten“<br />

2 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


EDITORIAL<br />

Busse und Bahnen:<br />

Klimaschutz,<br />

der bereits<br />

funktioniert<br />

Unsere Branche ist im Verkehrssektor das, was<br />

Deutschland gerne für sich beansprucht: Wir sind<br />

Vorreiter im Klimaschutz. Die Nachhaltigkeit der<br />

Verkehrsunternehmen beschränkt sich nicht allein<br />

auf ihren deutlich geringeren Ausstoß von Treibhausgasen<br />

gegenüber Pkw und Lkw sowie auf die<br />

schonendere Ressourcennutzung. Wir sind mehr<br />

als das. Wir sind regional verankerter Arbeitgeber,<br />

lokaler Wirtschaftsfaktor, Stifter von volkswirtschaftlichem<br />

Nutzen und Technologietreiber.<br />

Wer die Wende beim Klimaschutz will, kommt<br />

an der Verkehrswende nicht vorbei. In der Berichterstattung<br />

rund um den Weltklimagipfel<br />

in Paris wurde der Ausbau und die verstärkte<br />

Nutzung des Öffentlichen Verkehrs deshalb zu<br />

Recht regelmäßig als Teil einer Lösung genannt,<br />

um die Klimaziele – auch die Verbesserung der<br />

persönlichen CO 2<br />

-Bilanz – zu erreichen.<br />

Busse und Bahnen sind schon heute Teil einer<br />

funktionierenden Lösung: Beim Personenverkehr<br />

mit Bussen und Bahnen zeigen uns ein stetiges<br />

Wachstum und jährlich neue Fahrgastrekorde, dass<br />

wir in der richtigen Spur sind. Auch milde Winter<br />

und der Trend zum Fahrradverkehr mit und<br />

ohne Elektroantrieb schaden dem ÖPNV-Wachstum<br />

nicht. Aber wir dürfen uns auf Erfolgen nicht<br />

ausruhen. Wir müssen laufend unsere Angebote<br />

verbessern, um weitere Kunden von uns zu überzeugen,<br />

und nicht zuletzt neue Antriebstechnologien<br />

erproben, um unsere Schadstoff- und<br />

Treibhausgasemissionen weiter zu reduzieren.<br />

Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass der Öffentliche<br />

Verkehr vor allem in den Ballungsräumen<br />

und zu den Hauptverkehrszeiten an seine Kapazitätsgrenzen<br />

stößt und dass es Engpässe im<br />

Schienennetz gibt. Der Personenverkehr muss<br />

leistungsfähiger und der Schienengüterverkehr<br />

wettbewerbsfähiger werden. Dazu benötigen wir<br />

die Unterstützung der Politik. Denn Investitionen<br />

in den Erhalt und Ausbau unserer öffentlichen<br />

Verkehrssysteme sind gelebter Klimaschutz<br />

mit vergleichsweise einfachen Mitteln – und<br />

er bringt schnelle und sichtbare Erfolge.<br />

Herzlichst Ihr<br />

Jürgen Fenske<br />

17 Aus dem Verband<br />

Praktische Hilfe für Flüchtlinge<br />

18 Aktuell<br />

„Emil“ geht an den Start.<br />

22 Unterwegs im Netz<br />

Am Seil zum Weißen Hirsch<br />

25 Aus dem Verband<br />

Meldungen aus dem <strong>VDV</strong><br />

26 Hintergrund<br />

Kunden-Emotionen managen<br />

28 U20<br />

„Infrastruktur 2030“: Gewinnerin des<br />

Schülerwettbewerbs besucht Berlin.<br />

30 Zu guter Letzt<br />

Modellbahnlok zu gewinnen<br />

„<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>“ finden<br />

Sie auch im Internet als<br />

E-Paper unter:<br />

www.vdv.de/das-magazin<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 3


<strong>VDV</strong> IM BILD<br />

4 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


Entspannter durch die Vorweihnachtszeit<br />

Keine Parkplatzsuche, keine Staus und ein Tässchen Punsch geht auch: Wer in der<br />

Adventszeit mit Bussen und Bahnen fährt, erspart sich eine Menge Stress. Die Verkehrsunternehmen<br />

entlasten mit unzähligen Extrafahrten und Sonderschichten nicht<br />

nur die Innenstädte, sondern stimmen ihre Fahrgäste oftmals auch mit weihnachtlichen<br />

Aktionen auf das Fest ein. Die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg geht<br />

beispielsweise mit Straßenbahn-Oldtimern auf die beliebten Glühweinfahrten (Foto).<br />

Übrigens nimmt sich auch das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Nürnberger<br />

Christkind gerne eine Auszeit vom Weihnachtsstress und lässt sich von der VAG<br />

chauffieren. Deren Fahrer bringen es seit beinahe zwei Jahrzehnten mit dem Kleinbus<br />

sicher und pünktlich zu seinen ganz irdischen Terminen.<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 5


TITELSTORY<br />

Erst die<br />

Verkehrswende<br />

bringt die<br />

Klimawende


Foto: üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG<br />

15<br />

Millionen<br />

Tonnen CO 2<br />

spart die Nutzung<br />

von Bussen und Bahnen anstelle<br />

von Autos und Lkw pro Jahr<br />

in Deutschland ein. <strong>Das</strong> entspricht<br />

den Emissionen einer Großstadt.<br />

Ein vielfach als „historisch“ gewürdigter Vertrag ist das Ergebnis der Weltklimakonferenz.<br />

Jetzt muss sich zeigen, mit welchen Instrumenten das Abkommen umgesetzt wird, um die Folgen<br />

der Erderwärmung zu begrenzen. Unabhängig davon hat der Gipfel einmal mehr verdeutlicht:<br />

Ohne einen weltweiten politischen Kurswechsel und ohne persönliche Verhaltensänderungen<br />

werden Klimaschutzziele nicht zu erreichen sein. Ein bereits funktionierender Teil einer Lösung<br />

sind Busse, Bahnen und der Schienengüterverkehr.<br />

Die Mahnung war eindringlich. „Im Verkehrssektor<br />

muss dringend mehr passieren“, sagte Maria<br />

Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes,<br />

als im Sommer die „Daten zur Umwelt <strong>2015</strong>“ vorgestellt<br />

wurden. Die ernüchternde Bilanz: Anders als<br />

bei den Energieerzeugern und der Industrie stiegen<br />

die Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich<br />

gegenüber 1990 an – um 0,6 Prozent bis 2014. Die<br />

Ursachen sind täglich auf den Straßen zu beobachten:<br />

Immer mehr Güter werden per Lkw transportiert,<br />

Autos fallen immer schwerer und PS-stärker<br />

aus. Auch die Gesamtfahrleistung von Pkw und Lkw<br />

stieg 2014 auf die höchsten Werte in der Geschichte<br />

der Bundesrepublik und machte damit Effizienzfortschritte<br />

wieder zunichte. Knapp ein Fünftel der<br />

CO 2<br />

-Emissionen, die in Deutschland verursacht<br />

werden, entfällt auf den Verkehrssektor. 95 Prozent<br />

davon stößt der Straßenverkehr aus.<br />

Nachhaltig mobil mit Bussen und Bahnen<br />

Die Nachhaltigkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs<br />

und des Schienengüterverkehrs hat viele Facetten,<br />

und sie geht weit über ihren Beitrag zum Klima- und<br />

Umweltschutz hinaus. Wie die Verkehrsunternehmen<br />

ihrer Verantwortung für Generationengerechtigkeit,<br />

Lebensqualität und Gesellschaft nachkommen, erläutert<br />

eine Broschüre, die auf der Internetseite des <strong>VDV</strong> zum<br />

Download bereitsteht. Daten und Fakten sowie zahlreiche<br />

Beispiele zeigen, wie Busse und Bahnen dazu<br />

beitragen, Ressourcen zu schützen, Struktur- und Demografiewandel zu bewältigen,<br />

Mobilität zu sichern, öffentliche Finanzmittel sinnvoll zu investieren und gesamtwirtschaftlichen<br />

Nutzen zu stiften.<br />

https://www.vdv.de/nachhaltigkeit.aspx<br />

Unterdessen läuft die Bundesregierung Gefahr,<br />

ihr Ziel zu verfehlen, den Treibhausgasausstoß<br />

Deutschlands bis 2020 um 40 Prozent gegenüber<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 7


TITELSTORY<br />

1990 zu reduzieren. In den wenigen verbleibenden<br />

Jahren müsse das Tempo der Emissionsminderung<br />

im Vergleich zu den Veränderungen zwischen 2000<br />

und 2014 mindestens verdreifacht werden. Dies<br />

bilanzierte die Expertenkommission zum Monitoring-Prozess<br />

„Energie der Zukunft“, mit dem die<br />

Bundesregierung die Energiewende begleitet, in<br />

ihrer Stellungnahme von November. Um die Lücke<br />

noch zu schließen, hatte Umweltministerin Barbara<br />

Hendricks im vergangenen Jahr das „Aktionsprogramm<br />

Klimaschutz 2020“ vorgestellt. Ihm zufolge<br />

sollen auch der Öffentliche Verkehr und der Schienengüterverkehr<br />

für den Klimaschutz künftig eine<br />

noch wichtigere Rolle spielen.<br />

Vergleich unterschiedlicher Platzbedarfe durch<br />

Pkw, Bus, Straßenbahn, Stadtbahn, Radfahrer und<br />

Fußgänger (pro Person)<br />

65,2m 2<br />

ca. 140 m 2<br />

mit 1,4<br />

Personen<br />

besetzt<br />

13,5 m 2 41 m 2<br />

„Bis zum Jahr 2020 ist es nicht mehr lange hin.<br />

Wenn man die Treibhausgasemissionen bis dahin<br />

weiter deutlich reduzieren will, wird das im Verkehrssektor<br />

nur durch eine Verlagerung auf die<br />

Schiene gehen. Wir müssen sowohl im Güter- als<br />

auch im Personenverkehr das Eisenbahnsystem<br />

ausbauen und stärken“, so <strong>VDV</strong>-Präsident Jürgen<br />

Fenske. Und auch im kommunalen Verkehr geht<br />

aus Klima- und Umweltschutzgründen kein Weg<br />

am Ausbau des Angebots von Bussen und Bahnen<br />

vorbei. Schon jetzt ersparen sie den deutschen<br />

Straßen jeden Tag 20 Millionen Auto- und 77.000<br />

Lkw-Fahrten mit voller Ladung. Auf diesem Weg<br />

werden jährlich 15 Millionen Tonnen CO 2<br />

vermie-<br />

1,2<br />

m 2 9,0 m 2<br />

5,5 m 2<br />

15,9 m 2<br />

8,6 m 2<br />

2,5 m 2 20 % besetzt<br />

8,1 m 2<br />

4,5 m 2<br />

1,2<br />

m 2<br />

Platzsparend: Der ÖPNV – hier ein Zug der Düsseldorfer Rheinbahn<br />

– geht schonend mit Energie und Flächen um.<br />

den. Um künftig ehrgeizigere Klimaschutzziele zu<br />

erreichen, fordert Maria Krautzberger ein ganzes<br />

Maßnahmenpaket für den Verkehrssektor (siehe Interview<br />

S. 10) – mit einer Verlagerung auf umweltfreundliche<br />

Verkehrsmittel wie ÖPNV und Fahrrad<br />

als Teil der Lösung.<br />

Derweil nutzen immer mehr Menschen ganz selbstverständlich<br />

den Öffentlichen Verkehr – ein Trend,<br />

der ungebrochen ist. Von Jahr zu Jahr erreichen die<br />

Zahlen neue Rekordwerte. <strong>Das</strong> wird sich voraussichtlich<br />

auch <strong>2015</strong> nicht ändern. Zehn Milliarden<br />

Fahrgäste waren wieder mit Bussen und Bahnen<br />

unterwegs. Elektromobilität gehört dabei schon<br />

2,8m 2 Straßenbahn/<br />

Tram<br />

20 % besetzt<br />

8,7 m 2<br />

5,4 m 2<br />

2,8 m 2 Stadtbahn/<br />

Light Rail<br />

20 % besetzt<br />

ca.<br />

0,95<br />

m 2<br />

Stillstand 30 km/h 50 km/h<br />

40 % besetzt<br />

max.<br />

4 km/h<br />

Berechnungsbasis: Flächen ermitteln sich aus Fahrzeuglänge und Breite der benötigten Verkehrsfläche<br />

sowie dem zugehörigen Bremsweg plus doppelter Reaktionsweg als Sicherheitsabstand.<br />

Zugrunde gelegte Bremsverzögerung (Betriebsbremsungen) und Fahrstreifenbreiten<br />

entsprechen RASt 06: Pkw (3,858 m/s 2 , 3 m (30 km/h) / 3,5 m (50 km/h)), Bus (2,5 m/s 2 , MB<br />

Citaro 12 m, 4,25 m (30 km/h + 50 km/h)), Straßenbahn im Mischverkehr (1,35 m/s 2 , Dresden<br />

NGT D12DD, 3,25 m (30 km/h + 50 km/h)), Stadtbahn auf eigenem Bahnkörper (1,8 m/s 2 ,<br />

Stuttgart SSB DT 8.11, 3,7 m (30 km/h + 50 km/h)), Fahrrad (3,5 m/s 2 , 1,5 m (30 km/h +<br />

50 km/h)), Berechnung: http://j.mp/streetspace<br />

länger als ein Jahrhundert zum Alltag: Zwei Drittel<br />

seiner Leistungen erbringt der öffentliche Personenverkehr<br />

elektrisch. Und auch dort, wo es keinen<br />

Fahrstrom und keine Schienen gibt, liegt er in<br />

puncto Klimaschutz vorn: Busse haben gegenüber<br />

allen anderen motorisierten Verkehrsmitteln auf<br />

der Straße einen deutlichen Umweltvorsprung bei<br />

der Energieeffizienz und den Emissionen pro Fahrgast<br />

und Fahrt. „Busse und Bahnen sind im Verkehrssektor<br />

längst das, was Deutschland in Sachen<br />

Quelle: www.zukunft-mobilitaet.net/Martin Randelhoff<br />

8 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


Im Verkehrssektor muss<br />

dringend etwas passieren.<br />

Maria Krautzberger<br />

Präsidentin des Umweltbundesamtes<br />

Busse und Bahnen fahren mit geringen spezifischen CO 2<br />

-Emissionen, sind<br />

energieeffizient und nutzen schon heute Erneuerbare Energien.<br />

Foto: Münchner Verkehrs- und<br />

Tarifverbund GmbH (MVV)<br />

Mobilität mit Bussen und Bahnen lässt sich gut mit dem Fahrrad<br />

kombinieren – ein Beitrag zur persönlichen Fitness.<br />

Klima schutz weltweit anstrebt: Wir sind Vorreiter“,<br />

bekräftigt <strong>VDV</strong>-Präsident Jürgen Fenske. Eine<br />

Reihe von Verkehrsunternehmen setzt Busse mit<br />

alternativen Technologien wie Hybrid- oder Elektroantrieben<br />

ein und trägt so kontinuierlich dazu<br />

bei, die Emissionen von Lärm und Schadstoffen zu<br />

reduzieren. Außerdem lässt sich Mobilität per ÖPNV<br />

hervorragend mit dem Fahrradverkehr kombinieren<br />

– nicht zuletzt ein wichtiger Beitrag zur persönlichen<br />

Fitness.<br />

Die Nachhaltigkeit des ÖPNV geht jedoch noch über<br />

seine vergleichsweise geringen Lärm- und Schadstoffemissionen<br />

hinaus. Ein weiteres Plus: Busse<br />

und Bahnen nutzen nicht nur Energieressourcen<br />

effizient, sondern auch die ihnen zur Verfügung<br />

Sonderzüge steuerten Klimagipfel an<br />

Auf den Umweltvorteil der Schiene hat der Internationale Eisenbahnverband<br />

UIC im Umfeld der Weltklimakonferenz aufmerksam gemacht.<br />

An der Kampagne „Train to Paris“ beteiligten sich europäische und<br />

asiatische Eisenbahnen, indem sie Züge in die französische Hauptstadt<br />

schickten. Mit 300 geladenen Gästen aus Politik, Verbänden, Medien<br />

sowie der deutschen Regierungsdelegation samt Bundesumweltministerin<br />

Barbara Hendricks machte sich ein ICE der Deutschen Bahn von<br />

Berlin aus auf die CO 2<br />

-freie Reise.<br />

http://traintoparis.org<br />

stehenden Flächen. Wie sich der Platzbedarf der<br />

jeweiligen Verkehrsträger pro Kopf und bei unterschiedlichen<br />

Geschwindigkeiten verändert, verdeutlicht<br />

Martin Randelhoff, Träger des vom <strong>VDV</strong><br />

verliehenen Preises „Talente im ÖPNV“, auf seiner<br />

Internetseite „Zukunft Mobilität“ (siehe Infografik):<br />

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h liegt der<br />

Platzbedarf pro Kopf in einem mit durchschnittlich<br />

1,4 Personen besetzten Auto zum Beispiel bei<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 9


TITELSTORY<br />

140 Quadratmetern. Wer mit einem Bus fährt, der im<br />

Schnitt zu 20 Prozent besetzt ist, nimmt 15,9 und in<br />

einer Tram mit gleicher Auslastung neun Quadratmeter<br />

für sich in Anspruch.<br />

Nicht zuletzt stellen ÖPNV und Schienengüterverkehr<br />

mit ihren 275.000 direkten Arbeitsplätzen und<br />

237.000 bei Lieferanten Beschäftigten bedeutende<br />

Wirtschaftsfaktoren dar. Ihre Bruttowertschöpfung<br />

beträgt 45 Milliarden Euro pro Jahr. Zu 90 Prozent<br />

geht die Nachfrage der Verkehrsunternehmen an<br />

inländische Unternehmen. Jeder Euro für den Betrieb<br />

von Bussen und Bahnen fließt drei- bis vierfach<br />

in die Volkswirtschaft zurück.<br />

„Busse, Bahnen und Schienengüterverkehr bieten<br />

für viele Probleme echte Lösungen“, verdeutlicht<br />

Jürgen Fenske. Um diesem Anspruch in Zukunft<br />

noch besser gerecht werden zu können, benötige<br />

die Branche aber entsprechende Rahmenbedingungen<br />

– Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur,<br />

Planungssicherheit, verlässliche gesetzliche Grundlagen<br />

sowie keine weiteren Lasten wie durch das<br />

Erneuerbare-Energien-Gesetz. Fenske: „Deshalb<br />

halten wir es für dringend notwendig, dem ÖPNV<br />

und dem Schienengüterverkehr bei verkehrspolitischen<br />

Entscheidungen klar den Vorrang zu geben.“<br />

Drei Fragen an Maria Krautzberger (Foto),<br />

Präsidentin des Umweltbundesamtes<br />

» Frau Krautzberger, wie können im<br />

Verkehrssektor am schnellsten und<br />

effektivsten CO 2<br />

-Emissionen eingespart<br />

werden?<br />

Maria Krautzberger: Einzelne Maßnahmen<br />

wirken nicht effektiv genug,<br />

hier muss ein ganzes Maßnahmenpaket<br />

geschnürt werden, um den<br />

Verkehr nachhaltiger zu gestalten.<br />

Für anspruchsvolle Klimaschutzziele sind dazu neben einer Verkehrswende<br />

– das heißt Verkehrsvermeidung, Verlagerung auf<br />

umweltfreundliche Verkehrsmittel wie ÖPNV und Fahrrad sowie<br />

Verbesserung der technischen Effizienz, zum Beispiel mit sparsameren<br />

Fahrzeugen – auch Maßnahmen für eine Energiewende<br />

im Verkehr notwendig. Damit ist gemeint, dass fossile Kraftstoffe<br />

perspektivisch weitestgehend durch treibhausgasneutrale Alternativen<br />

ersetzt werden. Alternativen sind die Elektromobilität<br />

beziehungsweise Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien. Bei<br />

allen Bemühungen zum Klimaschutz im Verkehr dürfen jedoch<br />

auch die Ziele zur Luftreinhaltung nicht aus den Augen verloren<br />

werden, wie auch die VW-Affäre wieder zeigt. Vor allem die<br />

Stickoxid-Emissionen von Pkw sind im realen Verkehr immer<br />

noch viel zu hoch. Auch hier ist der Verkehr noch längst nicht so<br />

weit, wie er sein sollte und könnte.<br />

Spezifische CO2-Emissionen im Personenund<br />

Güterverkehr 2012<br />

218<br />

g/Pkm<br />

g/tkm<br />

200<br />

150<br />

137<br />

125<br />

100<br />

94<br />

70<br />

75<br />

50<br />

30<br />

40<br />

22<br />

33<br />

25<br />

0<br />

Flugzeug<br />

Inland<br />

Reisebus<br />

Fernzug<br />

g/Pkm: Gramm pro Personenkilometer<br />

g/tkm: Gramm pro Tonnenkilometer<br />

Pkw<br />

ÖPNV<br />

Güterzug<br />

Lkw<br />

Binnenschiff<br />

Erhalt und Ausbau des Kombinierten Verkehrs schaffen weitere<br />

Potenziale für den Güterverkehr auf der Schiene und helfen,<br />

Transporte umweltfreundlicher zu machen.<br />

Quelle: ifeu, Datenbank Umwelt & Verkehr 2013, bundesweiter Durchschnitt<br />

10 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


» Wie könnte sich der ÖPNV noch besser als Alternative zum eigenen<br />

Auto positionieren?<br />

Die Verkehrsunternehmen müssen ihre Rolle als Mobilitätsdienstleister<br />

aktiv wahrnehmen und durch integrierte und gut vernetzte Angebote<br />

den Umweltverbund zu einem Mobilitätsverbund aus einer Hand<br />

weiter entwickeln. Neben dem ÖPNV mit Bus und Bahn gehören hierzu<br />

zum Beispiel das stationäre und flexible Carsharing oder Fahrradverleihsysteme.<br />

Kundenorientierte Angebote mit einem dichten Takt und<br />

modernen Fahrzeugen sowie einem einheitlichen und leicht verständlichen<br />

Tarifsystem verbessern die Nutzung und den Zugang auch für<br />

Selten- und Gelegenheitsnutzer. Mit einer Mobilitätskarte oder einer<br />

Mobilitäts-App wird der Zugang erleichtert. Die Übergänge von einem<br />

Verkehrsmittel zum anderen müssen außerdem durch Mobilstationen<br />

an den Knotenpunkten gut miteinander verknüpft und sichtbar sein.<br />

» Wie könnte auch im Güterverkehr die Verlagerung auf umweltfreundliche<br />

Verkehrsträger wie die Eisenbahn gelingen?<br />

<strong>Das</strong> Schienennetz in Deutschland muss gezielt ausgebaut und ertüchtigt<br />

werden. Durch kleinere infrastrukturelle Maßnahmen, zum Beispiel<br />

den Bau von Überholgleisen oder Verbindungskurven, können die<br />

Netzkapazitäten und die Zuverlässigkeit auch kurzfristig schon deutlich<br />

gesteigert werden. <strong>Das</strong> gilt auch für betriebliche Maßnahmen wie die<br />

optimierte Leit- und Sicherungstechnik, Blockverdichtungen oder die<br />

Harmonisierung der Geschwindigkeiten. Mittelfristig müssten rund<br />

700 Streckenkilometer neu gebaut und rund 800 Streckenkilometer<br />

elektrifiziert werden, um eine Verdopplung des Schienengüterverkehrs<br />

bis zum Jahr 2030 zu ermöglichen.<br />

Leistungsstark und effizient in der Flächennutzung: Der ÖPNV auf<br />

der Schiene sichert Mobilität, wenn es auf der Straße eng wird.<br />

Wie gut Ihre Klimabilanz ist und wie sie sich beispielsweise<br />

mit einer stärkeren ÖPNV-Nutzung<br />

verbessern lässt, zeigt der CO 2<br />

-Rechner des<br />

Umweltbundesamtes:<br />

http://uba.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/page<br />

www.zukunft-mobilitaet.net<br />

ANZEIGE<br />

+++ E-Ticketing +++ Integriertes Fahrgeldmanagement +++ Echtzeit-Fahrgastinformation +++ Software +++<br />

Verkehrsmanagement +++ Sicherheitssysteme +++ Infotainmentsysteme +++ Kombinierter Verkehr +++ und weitere +++<br />

Partner<br />

Jetzt<br />

Online-<br />

Ticket *<br />

sichern &<br />

sparen!<br />

*gültig bis 29.02.2016<br />

1. - 3. März 2016<br />

Messe Karlsruhe<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 11


Der Intercity 2<br />

Zunächst lösen 27 Doppelstock-Züge sukzessive die Jahrzehnte<br />

alten Intercitys ab. Die Linie Leipzig-Norddeich wird bereits von<br />

ihnen bedient. Ab Februar sollen sie auch von Dresden nach Köln<br />

und ab März zwischen Weimar, Kassel, Hamm und Köln sowie zwischen<br />

Köln und Norddeich verkehren. Im Gegensatz zu den heutigen<br />

DB-Intercity-Garnituren, die für Tempo 200 zugelassen sind, fahren<br />

sie aber mit maximal 160 km/h. Ende 2016 sollen alle 120 Züge<br />

einsatzbereit sein. Ein Zug mit fünf Wagen bietet 465 Sitzplätze. Neu<br />

sind unter anderem mehr Gepäckstauraum und Familienabteile.<br />

MitTempo<br />

und<br />

Komfort<br />

Fahrgäste<br />

gewinnen<br />

Intercity 2: Der Doppelstockzug – hier<br />

bei seiner Vorstellung im September –<br />

kommt seit dem Fahrplanwechsel zum<br />

Einsatz.<br />

12 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


AKTUELL<br />

Schneller, öfter, komfortabler. Damit lässt sich die<br />

Fernverkehrsoffensive kurz umschreiben, mit der<br />

die Deutsche Bahn verloren gegangenes Terrain<br />

wiedergewinnen will. Seit dem Fahrplanwechsel am<br />

13. <strong>Dezember</strong> bietet sie neue Infrastruktur, zahlreiche<br />

Netzerweiterungen und mehr Komfort in ihren<br />

Zügen. Sie will damit nicht nur dem Fernbus, sondern<br />

auch der wachsenden Konkurrenz der Billigflieger<br />

Paroli bieten.<br />

Ein entscheidender und zugleich der teuerste Posten bei der<br />

Umsetzung der neuen Offensive ist die Inbetriebnahme der<br />

Hochgeschwindigkeitsstrecke Erfurt-Leipzig/Halle (Saale)<br />

nach mehr als zwei Jahrzehnten Bauzeit. In der südöstlichen<br />

Schnittstelle zweier Hauptverkehrsrouten gelegen, ermöglicht<br />

das 2,8 Milliarden Euro teure Projekt schnellere Verbindungen<br />

von Berlin in das Rhein-Main-Gebiet, vor allem aber in die<br />

mitteldeutschen Metropolen. Die Fahrt von Wiesbaden über<br />

Frankfurt nach Dresden verkürzt sich um eine Stunde, nach<br />

Leipzig um 20 bis 50 Minuten.<br />

Schon dies hat Auswirkungen auf den gesamten DB-Fernverkehrsfahrplan.<br />

Dazu kommt die Umsetzung des neuen Fernverkehrskonzepts.<br />

Dabei sollen bis 2030 auf den Hauptachsen<br />

mehr als zwei ICE-Züge pro Stunde fahren. Neuerdings sind<br />

die ganz schnellen unter ihnen, die Sprinter, ohne Aufpreis<br />

buchbar. Die wichtige Sprinter-Relation Berlin-Frankfurt, die<br />

bisher nur über die Neubaustrecke Hannover-Fulda bedient<br />

wurde, erhält vier zusätzliche Zugpaare, die über Erfurt und<br />

Halle fahren und dort auch halten.<br />

Bestandteil des Konzepts ist auch eine Erweiterung des Fernverkehrsnetzes<br />

auf „fast alle deutschen Städte mit mehr als<br />

100.000 Einwohnern“, wie es Konzernchef Rüdiger Grube<br />

formulierte. Dadurch werden fünf Millionen Einwohner direkt<br />

ans Netz angeschlossen. <strong>Das</strong> soll jährlich 50 Millionen oder<br />

fast 40 Prozent Reisende zusätzlich in die Fernzüge holen.<br />

Im Rahmen dieser „konsequenten Flächenbedienung“ kommt<br />

auch der Intercity 2 mit Doppelstockwagen auf die Gleise<br />

(siehe Infokasten Seite 12).<br />

Zudem erweitert die Bahn ihr Service-Angebot. So soll es auch<br />

im ICE erweiterte Familienbereiche geben. Jeder ICE erhält<br />

sein eigenes Online-Portal, in dem der Zuglauf, Anschlüsse<br />

und weitere Informationen abrufbar sind. Es kann im Zug mit<br />

Smartphones oder Tablets empfangen werden. Für Fahrgäste,<br />

die weniger online-affin sind, wird der persönliche Reiseplan<br />

ausgedruckt, versehen mit einem QR-Code. Damit kann der<br />

Zugbegleiter den Reiseplan einlesen und ihn, falls nötig, um<br />

Verspätungen oder Änderungen bei den Anschlüssen ergänzen.<br />

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten: Baustellenbedingt wird<br />

es auch wieder zahlreiche Vollsperrungen geben. Am gravierendsten<br />

ist wohl die viermonatige Stilllegung der Schnellfahrstrecke<br />

Göttingen-Hannover im Sommer. Die Züge fahren in<br />

dieser Zeit über die alte Nord-Süd-Strecke. Gar neun Monate<br />

wird die Strecke Lichtenfels-Bamberg wegen Bauarbeiten zur<br />

Fertigstellung der Neubaustrecke VDE 8.1 Erfurt-Nürnberg<br />

gesperrt. Sie soll nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten Planungs-<br />

und Bauzeit Ende 2017 eröffnet werden. Zusammen<br />

mit der Schnellstrecke zwischen Erfurt und Halle/Leipzig<br />

ermöglicht sie eine Verkürzung der Fahrt von München nach<br />

Berlin auf weniger als vier Stunden. Die gesamte Schnellstrecke<br />

schlägt mit 12,8 Milliarden Euro zu Buche.<br />

Ebenfalls Ende 2017 sollen die neuen ICE-4-Züge (bisher ICx<br />

genannt) als Ersatz und Ergänzung der ICE-Flotte kommen.<br />

Insgesamt hat die DB 130 Stück bestellt; einige davon absolvieren<br />

bereits Versuchs- und Testfahrten im Rahmen der Zulassung.<br />

Die gesamte, vor vier Jahren aufgegebene Bestellung hat<br />

Bahnchef Grube zufolge einen Wert von sechs Milliarden Euro.<br />

Die neuen Züge sollen schließlich mit den meisten der über<br />

250 jetzt schon verkehrenden ICE und den Intercity-2-Zügen<br />

für ein Angebot im Fernverkehr von 162 Millionen Zugkilometern<br />

sorgen. Zurzeit sind es 130 Millionen, im Jahr 2000<br />

waren es 153, wie Grube erklärte.<br />

Drei Fragen an Birgit Bohle (Foto),<br />

Vorstandsvorsitzende der<br />

DB Fernverkehr AG<br />

» Frau Bohle, wie soll sich die Angebotsausweitung<br />

im Fernverkehr<br />

auf das Ergebnis auswirken?<br />

Birgit Bohle: Wir möchten mit<br />

unserem neuen Angebot jährlich<br />

50 Millionen zusätzliche Fernverkehrsreisende<br />

gewinnen. Dafür<br />

investieren wir im Fernverkehr<br />

in den kommenden Jahren zwölf<br />

Milliarden Euro. Dies wird sich<br />

mittel- und langfristig positiv auf unsere wirtschaftlichen<br />

Ergebnisse auswirken.<br />

» Wie sollen die Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr trotz<br />

massiver Arbeiten am Netz steigen?<br />

Wir arbeiten im Projekt Zukunft Bahn daran, konzernübergreifend<br />

die Auswirkungen der Baumaßnahmen für<br />

unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. <strong>Das</strong> ist ein<br />

Top-Thema. Mittelfristig nehmen wir uns vor, mit einer<br />

15-Minuten-Reisekettenpünktlichkeit von mehr als<br />

90 Prozent zur zuverlässigsten Alternative auf der Mittelund<br />

Langstrecke zu werden.<br />

» Viele Fahrgäste wünschen sich mehr Transparenz bei der<br />

Information im Zug. Was tut die DB?<br />

Fahrgäste im ICE können sich im kostenfreien ICE-Portal<br />

über den aktuellen Verlauf ihrer Reise informieren. Zusätzlich<br />

liefern Monitore in immer mehr Fernverkehrszügen Informationen<br />

in Echtzeit. Auch unsere App DB Navigator, die meist<br />

genutzte Reise-App, entwickeln wir kontinuierlich weiter.<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 13


AUS DEM VERBAND<br />

Führung in der<br />

Arbeitswelt 4.0<br />

eTicketing, intelligente Fahrzeugkomponenten oder die elektronische Personalakte: Die Digitalisierung und<br />

Vernetzung der Arbeitswelt hat die Verkehrsbranche längst erfasst. Aber was bedeutet das für die betriebliche<br />

Wirklichkeit? Und muss sich im Zuge dieser Veränderungen auch die Führungskultur in den Unternehmen<br />

anpassen? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des 7. <strong>VDV</strong>-Personalkongresses in Hamburg.<br />

Der Tarifvertrag für den<br />

demografischen Wandel<br />

Mit dem „Tarifvertrag zur Bewältigung des demografischen<br />

Wandels im Nahverkehr“ wollen die Tarifpartner seit 2013<br />

die Arbeit für die ÖPNV-Beschäftigten neu gestalten. Stichwörter<br />

sind etwa das alterns- und altersgerechte Arbeiten.<br />

Doch wie sieht die Realität aus? Auf dem Personalkongress<br />

verglich Verdi-Bundesfachgruppenleiterin Mira Ball Anspruch<br />

und Wirklichkeit. Unter anderem seien Bus- und<br />

Straßenbahnfahrer häufiger krank. Sie fielen im Schnitt<br />

26,9 Tage pro Jahr aus – der Bundesdurchschnitt liegt bei<br />

18,9 Tagen. <strong>Das</strong> sei teuer, so Ball. Verdi zufolge können Unternehmen<br />

(240 bis 2.400 Mitarbeiter) zwischen 250.000<br />

und 3,5 Millionen Euro einsparen, wenn sie den Krankenstand<br />

um ein bis zwei Prozentpunkte senken würden.<br />

Unter dem Motto „Gute Führung, Unternehmenskultur und<br />

Beschäftigungsfähigkeit in der Arbeitswelt 4.0“ diskutierten<br />

in diesem Jahr fast 200 Teilnehmer, vorwiegend aus den Personalbereichen<br />

– und so viele wie noch nie zuvor. Ausgerichtet<br />

wurde die zweitägige Veranstaltung im Hamburger „Grand<br />

Elysée“-Hotel durch die <strong>VDV</strong>-Akademie, den Ausschuss für<br />

Personalwesen im <strong>VDV</strong> sowie die Hamburger Hochbahn.<br />

„Die Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Menschen zu gestalten,<br />

ist eine besondere Aufgabe für Führungskräfte“, erläuterte<br />

Ulrike Riedel gleich im Eröffnungsvortrag. Sie ist Vorstand Personal<br />

und Betrieb der Hamburger Hochbahn und stellvertretende<br />

Vorsitzende des <strong>VDV</strong>-Ausschusses. Zusammen mit dem Bogestra-<br />

Chef und Ausschussvorsitzenden Gisbert Schlotzhauer umriss<br />

sie die „Herausforderungen in der Arbeitswelt 4.0“. Schlotzhauer<br />

24 14 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


<strong>VDV</strong> und <strong>VDV</strong>-Akademie zeichnen die besten<br />

Nachwuchskräfte der Branche aus<br />

Gisbert Schlotzhauer und Ulrike Riedel (o.) umrissen<br />

die personalwirtschaftlichen Herausforderungen der<br />

Arbeitswelt 4.0. Prof. Dr. Bernhard Pörksen von der Uni<br />

Tübingen (l.) erläuterte, worauf es bei einer effektiven<br />

Kommunikation ankommt.<br />

fasste die wichtigsten Handlungsfelder für<br />

Unternehmen zusammen: „Sie müssen den<br />

digitalen Wandel zulassen, den Wissensaustausch<br />

von Mensch und Maschine unterstützen<br />

und das Lernen in der digitalisierten Welt<br />

ermöglichen.“ Immer wichtiger würden auch<br />

die humane Arbeitsgestaltung und Führung.<br />

<strong>Das</strong>s sich Führungskräfte in ihrer Kommunikation<br />

anpassen müssen, verdeutlichte<br />

Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard<br />

Pörksen von der Uni Tübingen, der die<br />

„Sieben Prinzipien für eine effektive Kommunikation“<br />

vorstellte. Eines davon: die<br />

Fokussierung. E-Mails, Anrufe, Meetings –<br />

im digitalen Informationszeitalter sprängen<br />

Mitarbeiter zwischen vielen verschiedenen<br />

Dingen hin und her. „Ein permanentes<br />

Task-Switching“, so Pörksen: „Doch die Zeit,<br />

die wir brauchen, bis wir nach einer Störung<br />

wieder auf altem Konzentrationslevel sind,<br />

beträgt bis zu 25 Minuten.“ Eine Lösung<br />

seien Informationsleitbilder im Unternehmen.<br />

„Sie müssen bei Meetings zum Beispiel<br />

klar machen: Wo soll das Handy sein?“<br />

Auf die Frage, welche Handlungsmotive<br />

Gute Noten sollten belohnt werden. Kein Wunder also, dass <strong>VDV</strong> und<br />

<strong>VDV</strong>-Akademie auf dem Personalkongress erneut die besten Nachwuchskräfte<br />

der Branche auszeichneten. Mitmachen durfte jeder, der<br />

2014 oder <strong>2015</strong> eine Ausbildung oder ein duales Studium beendet hatte.<br />

Im gewerblich-technischen Bereich erwies sich Patrick Beau, Gleisbauer<br />

bei der BVG, als „der Beste“. Auf den Plätzen zwei und drei<br />

landeten Marvin Krawtschenko, Elektroniker Geräte und Systeme<br />

(Hamburger Hochbahn), sowie Danny Gosse, Gleisbauer (EVAG). Bei den<br />

verkehrsspezifischen Berufen gingen alle drei Preise an Fachkräfte im<br />

Fahrbetrieb: an Jonathan Siebel (BVG), Nikolaus Lip und Benedikt Tallian<br />

(beide Bogestra). Angelina Ossa (Bürokauffrau, Vestische Straßenbahnen)<br />

und René Brechmann (Industriekaufmann Stadtwerke Bielefeld)<br />

teilten sich den dritten Platz bei den kaufmännischen Berufen. Auf Platz<br />

zwei landete Aylin Steurenthaler, auf Platz eins Stefanie Subirge (beide<br />

Industriekauffrau, Dortmunder Stadtwerke). Als bester dualer Student<br />

wurde Philipp Köllisch ausgezeichnet (Hamburger Hochbahn, Bachelor<br />

Business Administration).<br />

Bei den Absolventen einer LehrePlus (Ausbildung plus Zusatzqualifikation)<br />

hatte Bartosch Wilamowski die besten Noten erzielt. Er<br />

absolvierte bei den Dortmunder Stadtwerken eine Ausbildung zum<br />

Industriekaufmann, ist staatlich geprüfter Betriebswirt und hat einen<br />

Vorbereitungskurs zur Ausbildereignungsprüfung belegt. Bei den gewerblich-technischen<br />

und den verkehrsspezifischen Berufen wurde<br />

mit Michaela Schwarze (Elektronikerin für Betriebstechnik, Bogestra)<br />

und Sina Marie Schindler (Fachkraft im Fahrbetrieb, Verden-Walsroder<br />

Eisenbahn) zudem die jeweils beste Absolventin ausgezeichnet. Ein Projektpreis<br />

ging an Thomas Bekermann und Lukas Delfmann (Stadtwerke<br />

Osnabrück): Sie hatten mit Azubis von KME Germany und der Georgsmarienhütte<br />

GmbH ein Goggo-Mobil zu einem E-Mobil umgerüstet.<br />

Die Besten der Branche: 16 junge Frauen und Männer wurden für ihre herausragenden<br />

Leistungen ausgezeichnet – fast alle konnten die Ehrung persönlich entgegennehmen.<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 15


AUS DEM VERBAND<br />

Die Hamburger<br />

Hochbahn setzte für<br />

die Teilnehmer des<br />

Kongresses Extra-<br />

Fahrzeuge (l.) ein. Die<br />

fast 200 Teilnehmer<br />

diskutierten rege<br />

im Anschluss an die<br />

Vorträge.<br />

für Arbeitnehmer heute eine wichtige Rolle spielen, versuchte<br />

Prof. Dr. Uwe Kanning von der Hochschule Osnabrück, eine<br />

Antwort zu geben. Er präsentierte eine Studie, für die 4.500<br />

Menschen nach den wichtigsten Werten für eine hohe Arbeitszufriedenheit<br />

befragt worden waren. Selbstwert und eine mitarbeiterorientierte<br />

Führung befanden sich dabei an der Spitze.<br />

Wie Verkehrsunternehmen praktisch auf die veränderten<br />

Ansprüche reagieren können, erläuterten zudem Referenten<br />

der Hamburger Hafen und Logistik AG sowie von DB Regio,<br />

den Stadtwerken Osnabrück und den Dortmunder Stadtwerken<br />

(DSW21) anhand von Best-Practice-Beispielen. Exkurse in die<br />

Privatwirtschaft, theoretische Betrachtungen und eine Podiumsdiskussion<br />

zum Thema „Lenken Frauen anders?“ ergänzten<br />

das Programm. Die <strong>VDV</strong>-Akademie wiederum steuerte in ihren<br />

Konferenzunterlagen das Dokument „Werkzeugkoffer für eine<br />

erfolgreiche Personalrekrutierung“ bei. Dieses soll in Zeiten<br />

des Bewerbermangels besonders kleinen und mittleren Verkehrsunternehmen<br />

Tipps für die Mitarbeitergewinnung geben.<br />

<strong>Das</strong> einhellige Fazit der Veranstaltung: Eine gute Führung<br />

setzt heute eine Kommunikation auf Augenhöhe, Respekt und<br />

Leitlinien voraus, die für den Vorgesetzten ebenso wie für<br />

den Mitarbeiter gelten. Angesichts von größerem eigenverantwortlichen<br />

Handeln und immer höherem Leistungsdruck<br />

warnte Dr. Klaus Peters vom Berliner Cogito-Institut für<br />

Autonomieforschung jedoch vor „unschönen Begleiterscheinungen“.<br />

Angetrieben durch wirtschaftlichen oder psychischen<br />

Druck arbeite der Arbeitnehmer bis zum Burn-out.<br />

„Er hat eine Tendenz zur Selbstgefährdung entwickelt“, so<br />

Peters (siehe Interview): „Gleichzeitig will er sich nicht bevormunden<br />

lassen. Gesundheitsförderliche Maßnahmen<br />

dürfen deswegen nicht als Bevormundung erlebt werden.“<br />

Drei Fragen an Dr. Klaus Peters (Foto), Vorstand des Cogito-Instituts für Autonomieforschung, Berlin<br />

» Herr Dr. Peters, in Ihren Vorträgen sprechen<br />

Sie vom Krokodil, das die Menschen zu mehr<br />

Leistung antreibt – bis hin zum Burn-out. Was<br />

können die Arbeitgeber hier tun?<br />

Dr. Klaus Peters: <strong>Das</strong> Krokodil steht für den<br />

Wettbewerbsdruck, die schwierige wirtschaftliche<br />

Lage, die Konkurrenz zu Kollegen. Diese<br />

Sachzwänge werden heute eingesetzt, um das<br />

Unternehmen zu steuern. Unter diesen Bedingungen<br />

müssten die Arbeitgeber Aufklärung über die Funktionsweise<br />

neuer Steuerungsformen befördern. Sonst besteht die Gefahr, dass sich<br />

Mitarbeiter sogar gegen Maßnahmen wehren, die eigentlich ihrem eigenen<br />

Wohl dienen sollen, und weitermachen bis zur Selbstschädigung. Wir benötigen<br />

eine Verständigungsebene in Unternehmen, in der alle Beteiligten<br />

angstfrei über ihre Lage sprechen können. Denn die Probleme sind oft<br />

damit verbunden, dass Ängste im Raum stehen. Aber je weniger Angst im<br />

Betrieb herrscht, offen die realen Umstände zu benennen, desto größer ist<br />

die Chance, in diesen Fragen etwas zu bewegen. Übrigens: Selbst Führungskräfte<br />

und Unternehmensleitungen werden von Krokodilen verfolgt.<br />

» Der Arbeitgeber muss also mit Blick auf die Gesundheit seiner<br />

Mitarbeiter die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Gleichzeitig<br />

befinden sich viele Branchen, auch der ÖPNV, in einer schwierigen<br />

wirtschaftlichen Lage. Wie kann man diesen Widerspruch lösen?<br />

Investitionen in die Gesundheit rechnen sich langfristig. Aber<br />

diese Langfristigkeit ist natürlich ein Problem, denn Entscheidungen<br />

mit Blick auf die Unternehmensziele sind meistens kurzfristig.<br />

Hier entsteht ein Konflikt. Wir brauchen vor allem Maßnahmen,<br />

die von den Betroffenen nicht als Bevormundung empfunden werden.<br />

<strong>Das</strong> ist der Ansatz, den wir bei uns im Institut verfolgen.<br />

» Die Feiertage stehen vor der Tür. Was kann man tun, um das Krokodil<br />

nicht mit nach Hause zu nehmen?<br />

<strong>Das</strong> ist wirklich schwer zu sagen, jeder ist ja anders. Aber der beste Tipp<br />

wäre wahrscheinlich, die Feiertage dafür zu nutzen, darüber nachzudenken,<br />

was man in seinem eigenen Leben als Erfolg ansehen will – und<br />

dabei hohe Ansprüche zu stellen. <strong>Das</strong> meine ich jetzt nicht mit Blick auf<br />

den Konsum. Aber was für eine Lebensqualität will ich für mich? Da<br />

sollte man möglichst unbescheiden sein.<br />

24 16 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


Austausch<br />

in<br />

Flüchtlingsfragen<br />

Die steigende Zahl der Flüchtlinge stellt die Verkehrsbetriebe<br />

vor neue Herausforderungen. Ein Online-<br />

Angebot des <strong>VDV</strong> ermöglicht seinen Mitgliedern<br />

nun den praxisnahen Austausch.<br />

Wie behandeln andere Verkehrsunternehmen das Thema<br />

Ticketing? Gibt es Sozialtickets oder nicht? Kann ich bei Bedarf<br />

einfach so Sonderfahrzeuge für Flüchtlinge einsetzen oder gibt<br />

es bestimmte Richtlinien zu beachten? Und wie kann ich Menschen,<br />

die kein oder kaum Deutsch sprechen, erklären, wie der<br />

ÖPNV in unserer Stadt funktioniert? Auf Fragen wie diese will<br />

der <strong>VDV</strong> über eine neue Online-Plattform Antworten geben. Im<br />

Mitgliederbereich der Verbandswebsite finden die Nutzer nun<br />

vielfältige Informationen zum Thema, unterteilt in insgesamt<br />

sechs Rubriken.<br />

„Die aktuelle Lage stellt für viele Verkehrsunternehmen eine<br />

ganz neue Situation dar“, erklärt Rahime Algan aus dem<br />

<strong>VDV</strong>-Hauptstadtbüro Berlin: „Der <strong>VDV</strong> wollte deswegen ein<br />

Online-Angebot mit Best-Practice-Beispielen und entsprechenden<br />

Informationen aus den Verkehrsunternehmen auf die<br />

Beine stellen. Dazu hatte der Verband alle Mitglieder nach ihren<br />

jeweiligen Maßnahmen, Projekten und Erfahrungen befragt.“<br />

Noch wird die Website zwar kontinuierlich erweitert, aber<br />

viele Betriebe haben bereits geantwortet und unter anderem<br />

ihre mehrsprachigen Informationsmedien zur Verfügung gestellt.<br />

So finden Nutzer auf der Seite beispielsweise das Faltblatt<br />

„Information for refugees“ der Berliner Verkehrsbetriebe auf<br />

Englisch und Arabisch oder den ebenfalls mehrsprachigen<br />

Flyer „Willkommen in unserem Zug“ von Meridian, Bayerischer<br />

Oberlandbahn (BOB) und Bayerischer Regiobahn (BRB). Die drei<br />

Partner haben die wichtigsten Infos und Verhaltensregeln rund<br />

ums Zugfahren zusammengefasst – in insgesamt elf Sprachen.<br />

<strong>Das</strong> Interesse an der <strong>VDV</strong>-Plattform und den Aktivitäten anderer<br />

Verkehrsunternehmen scheint auf jeden Fall groß zu sein:<br />

Seit der Live-Schaltung Ende September hat die Seite mehr als<br />

1.300 Aufrufe verzeichnet.<br />

Wollen auch Sie die Maßnahmen und Projekte Ihres Verkehrsunternehmens<br />

im Mitgliederbereich auf ww.vdv.de vorstellen?<br />

Mailen Sie an: algan@vdv.de<br />

Kölner sammeln<br />

Kleider<br />

im Spenden-Express<br />

Kleider spenden einmal anders: In Köln fuhr Anfang November eine Stadtbahn<br />

der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) als Spenden-Express durch<br />

die Stadt. Die Idee dazu hatte der Student Sven Neu. Er wollte so vor<br />

allem dringend benötigte Winterkleidung für die Kleiderkammer<br />

am Flughafen Köln/Bonn sammeln, wo jeden Tag Flüchtlinge mit<br />

Zügen aus Bayern ankommen. Insgesamt vier Haltestellen fuhr<br />

der Express an, an denen die Bürger ihre Spenden abgeben<br />

konnten. Die Resonanz war so gut, dass zwischenzeitlich auf<br />

Lkw umgeladen werden musste. Neben der KVB gehörten<br />

auch das Deutsche Rote Kreuz, das Deutsche Karriere Institut<br />

und der Arbeiter-Samariter-Bund zu den Partnern der Aktion.<br />

Schirmherrin war Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes.<br />

Jürgen Fenske, KVB-Vorstandsvorsitzender und <strong>VDV</strong>-Präsident,<br />

lobte die Aktion als Beispiel dafür, wie pragmatisch geholfen<br />

werden kann, und packte selbst mit an (unteres Foto, r.).<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 17


AKTUELL<br />

9,5<br />

Millionen<br />

beträgt die Summe der<br />

Zugkilometer im neuen Netz der<br />

Westfalenbahn – mehr als doppelt<br />

so viel wie bisher.<br />

18 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


„Emil“ geht an<br />

den Start<br />

Die Westfalenbahn, bislang mit Regionalbahnen<br />

rund um den Teutoburger Wald<br />

unterwegs, kommt groß ins SPNV-Geschäft.<br />

Im neuen Fahrplanjahr bedient das mittelständische<br />

Unternehmen zusätzlich drei<br />

Regionalexpress-Linien zwischen Münster,<br />

Emden, Rheine, Bielefeld und Braunschweig<br />

mit hochmodernen, 160 Stundenkilometer<br />

schnellen Elektrotriebzügen.<br />

Auf der Website der Westfalenbahn lief über Monate<br />

die Uhr rückwärts. Sie zählte die Zeit bis zum Start,<br />

bis zum Fahrplanwechsel am 13. <strong>Dezember</strong> und bis<br />

zur ersten neuen fahrplanmäßigen Leistung um 0.13<br />

Uhr von Hannover nach Braunschweig. Wer in den<br />

Wochen zuvor zwischen Bielefeld und Herford unweit<br />

des Bielefelder Hauptbahnhofs aus dem Zugfenster<br />

schaute, konnte eine immer größer werdende<br />

Zugparade in Grün-Blau bewundern: Hier warteten<br />

nagelneue „Flirt 3“-Elektrotriebzüge und ebenfalls<br />

elektrische „Kiss“-Doppelstocktriebzüge in den Farben<br />

der Westfalenbahn auf den fahrplanmäßigen Einsatz.<br />

Inzwischen ist die Abstellanlage wieder weithin<br />

leer, denn die Flirt- und Kiss-Züge sind unterwegs<br />

auf ihren Strecken. Die Flirts pendeln zwischen der<br />

westfälischen Metropole Münster bis an die Nordsee<br />

nach Emden-Außenhafen als Regionalexpress RE<br />

15. Und die mächtigen Kiss-Triebzüge verkehren auf<br />

den RE-Linien 60 und 70 von Rheine über Osnabrück<br />

– Löhne – Minden beziehungsweise von Bielefeld<br />

über Minden und Hannover nach Braunschweig.<br />

Acht Jahre nach ihrem Start auf den Regionalbahnstrecken<br />

des Teutoburger-Wald-Netzes steht die Westfalenbahn<br />

jetzt ganz im Zeichen von „Emil“. Dahinter<br />

verbergen sich die neuen SPNV-Leistungen weit über<br />

den Dunstkreis des Bielefelder Firmensitzes hinaus.<br />

Emil steht für „Expresslinien Emsland Mittelland“.<br />

<strong>Das</strong> vergleichsweise kleine Eisenbahnverkehrsunternehmen,<br />

das gerne stolz auf mittelständische<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 19


AKTUELL<br />

Westfalenbahn<br />

Die Westfalenbahn GmbH mit Sitz in Bielefeld ist ein Beteiligungsunternehmen<br />

von vier Partnern, die jeweils Anteile von 25 Prozent halten: die<br />

Abellio GmbH (Tochter der Niederländischen Staatsbahnen), die Mindener<br />

Kreisbahnen GmbH (nicht-bundeseigene Eisenbahn im Schienengüterverkehr<br />

und ÖPNV-Betreiber), die Verkehrsbetriebe moBiel GmbH (Stadtwerke<br />

Bielefeld) und die Verkehrsbetriebe<br />

Extertal GmbH. An der Spitze<br />

des 2005 gegründeten Unternehmens<br />

steht mit Rainer Blüm, Geschäftsführer<br />

und Betriebsleiter in Personalunion, ein<br />

erfahrener SPNV-Experte.<br />

Flexibilität und die Unabhängigkeit von den großen<br />

Bahn-Konzernen hinweist, wandelt sich vom Regionalbahn-Betreiber<br />

zu einem Player, der nun mit<br />

anspruchsvollen, hochwertigen RE-Leistungen mit<br />

160 km/h schnellen Zügen auf Hauptstrecken des<br />

deutschen Schienennetzes in Nordrhein-Westfalen<br />

und Niedersachsen unterwegs ist. Die Verkehrsleistung<br />

wird sich mehr als verdoppeln. Auf dem<br />

bisherigen, 300 Kilometer langen Netz kam die<br />

Westfalenbahn auf 4,1 Millionen Zugkilometer im<br />

Jahr. Jetzt kommen 5,4 Millionen Zugkilometer hinzu.<br />

Die drei RE-Linien sind aneinandergereiht fast<br />

600 Kilometer lang. Gewonnen wurde das neue Netz<br />

in einer europaweiten Ausschreibung im Jahr 2012,<br />

festgeschrieben im Verkehrsvertrag für 15 Jahre. Für<br />

die neuen Aufgaben stockte die Westfalenbahn den<br />

Personalbestand auf über 300 Mitarbeiter auf, 175<br />

von ihnen sind neu. Und gut 70 davon sind Lokführer,<br />

die zum großen Teil intern ausgebildet worden<br />

sind. Die Fahrzeugflotte von bisher 19 Flirts wächst<br />

um weitere 15 Flirt- und 13 Kiss-Züge. Sämtliche<br />

Triebzüge sind von Alpha Trains für die gesamte<br />

Vertragszeit geleast. <strong>Das</strong> Risiko der Anschlussnutzung<br />

liegt beim Leasinggeber. „Wir drehen<br />

schon ein großes Rad“, sagt Dr. Stefan Bennemann,<br />

der als Projektleiter für die Betriebsaufnahme<br />

zurzeit einen besonders stressigen Job hat.<br />

In den kommenden Wochen muss sich zeigen,<br />

ob Emil mühelos ans Laufen kommt. Nach dem<br />

Trubel des vorweihnachtlichen Einkaufs- und<br />

Reiseverkehrs rechnet Bennemann zunächst<br />

mit einer Verschnaufpause über Feiertage und<br />

Jahreswechsel. Doch spätestens nach dem Ende<br />

der Weihnachtsferien ist das volle Programm<br />

gefordert. Der Projektleiter sieht dem gelassen<br />

entgegen: „Wir sind gut vorbereitet. Wir sollten<br />

nach mehreren Bewerbungsrunden und eigener<br />

Ausbildung keinen Lokführermangel haben.<br />

Und unseren Kunden präsentieren wir eine<br />

tolle Fahrzeugflotte. Klimatisiert, komfortabel,<br />

großzügig gestaltet mit vielen Sitzplätzen.“<br />

Ein bisschen Spannung bleibt gleichwohl für Bennemann:<br />

„Es sind keine Fahrzeuge von der Stange.<br />

Hersteller Stadler Pankow hat beide Fahrzeugtypen<br />

Taufe (v.l.): Dr. Klaus Effing, Landrat des Kreises Steinfurt, sowie die Verkehrsminister<br />

Olaf Lies (Niedersachsen), Michael Groschek (NRW), Rheines Bürgermeister<br />

Dr. Peter Lüttmann und Westfalenbahn-Geschäftsführer Rainer Blüm<br />

Geschmückt: Der ET 414 vom Typ Flirt 3 trägt jetzt den Namen „Rheine“.<br />

Mit den Triebzügen „Salzbergen“, „Meppen“, „Geeste“ und „Lingen (Ems)“<br />

ist er als regionaler Botschafter auf der Emslandstrecke unterwegs.<br />

20 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


Norddeich Mole<br />

Borkum<br />

RE 15<br />

Emden Hbf<br />

[Emden Außenhafen]<br />

Groningen<br />

(Niederlande)<br />

Leer (Ostfriesland)<br />

Papenburg (Ems)<br />

Aschendorf<br />

Oldenburg/Bremen<br />

Von 300 auf fast 900 Streckenkilometer: <strong>Das</strong> Netz<br />

der Westfalenbahn hat sich deutlich vergrößert.<br />

Dörpen<br />

Lathen<br />

Hamburg/<br />

Celle<br />

Celle<br />

Hengelo (Niederlande)<br />

Bad Bentheim<br />

Schüttorf<br />

Haren (Ems)<br />

Meppen<br />

Geeste<br />

Lingen (Ems)<br />

Leschede<br />

RB 65<br />

RE 60<br />

Oldenburg<br />

Bremen<br />

Rahden<br />

Salzbergen<br />

Rheine<br />

Hörstel<br />

Ibb.-Esch<br />

Ibbenbüren<br />

Ibb.-Laggenbeck<br />

Osnabrück Altstadt<br />

Osnabrück Hbf<br />

Wissingen<br />

Westerhausen<br />

Melle<br />

Bruchmühlen<br />

Bünde (Westf)<br />

RB 61<br />

/ Rheine-Mesum /<br />

Hasbergen<br />

Hiddenhausen-<br />

Schweicheln<br />

Emsdetten<br />

Natrup-Hagen<br />

/ Reckenfeld /<br />

Lengerich<br />

Halle (Westf)<br />

/ Brake /<br />

Greven<br />

RB 65 RB 66 Kattenvenne<br />

Bielefeld Hbf<br />

RE 15<br />

RE 70<br />

Münster-Sprakel<br />

Ostbevern<br />

Enschede (Niederlande)<br />

RB 61<br />

/ Münster Zentrum Nord /<br />

Westbevern Warendorf<br />

Coesfeld (Westf)<br />

Brackwede<br />

Münster (Westf) Hbf<br />

Gütersloh Hbf<br />

Essen<br />

Schloß Holte<br />

Rheda-<br />

Dortmund<br />

Wiedenbrück<br />

RB 66<br />

Kirchlengern<br />

Löhne (Westf)<br />

Bad Oeynhausen<br />

Hameln<br />

Herford RB 72<br />

Bad Salzuflen<br />

Schötmar<br />

Sylbach<br />

Lage (Lippe)<br />

Detmold<br />

Nienburg (Weser)<br />

Porta Westfalica<br />

Horn-Bad Meinberg<br />

Lemgo<br />

Bückeburg<br />

Minden (Westf)<br />

Bremen/<br />

Nienburg<br />

[Kirchhorsten]<br />

Stadthagen<br />

[Lindhorst]<br />

Haste<br />

Wunstorf<br />

Barsinghausen<br />

Göttingen<br />

Emsland-Netz<br />

Hildesheim<br />

Teutoburger Wald-Netz<br />

Wolfsburg/<br />

Gifhorn<br />

RB 66 Teuto-Bahn<br />

Münster – Lengerich – Osnabrück<br />

Ostwestfalen-Bahn<br />

Uelzen/ Gifhorn<br />

RE 70<br />

Hildesheim<br />

Salzgitter/<br />

Wolfenbüttel/<br />

Harz<br />

RB 61 Wiehengebirgsbahn<br />

Bad Bentheim – Rheine – Osnabrück – Herford – Bielefeld<br />

RB 65 Ems-Bahn<br />

Münster – Emsdetten – Rheine<br />

RB 72<br />

Hannover Hbf<br />

Lehrte<br />

Hämelerwald<br />

Vöhrum<br />

Peine<br />

Vechelde<br />

Herford – Lage (Lippe) – Detmold – Altenbeken – Paderborn<br />

Braunschweig Hbf<br />

RE 60<br />

Wolfsburg<br />

Weddel<br />

Magdeburg/<br />

Helmstedt<br />

Dortmund<br />

Unna<br />

Hamm (Westf)<br />

Soest<br />

Lippstadt<br />

Hövelhof<br />

RB 72<br />

Paderborn Hbf<br />

Leopoldstal<br />

Sandebeck<br />

Altenbeken<br />

Hameln<br />

Höxter<br />

RE 15 Regionalexpress<br />

Münster – Rheine – Meppen – Leer – Emden [ – Emden Außenhafen]<br />

Mittelland-Netz<br />

RE 60 Regionalexpress<br />

Rheine – Osnabrück – Minden – Hannover – Braunschweig<br />

Kassel<br />

RE 70 Regionalexpress<br />

Bielefeld – Herford – Minden – Hannover – Braunschweig<br />

nach unseren Vorstellungen und den Anforderungen<br />

der Besteller angepasst, aber dabei natürlich auf bewährte<br />

Technik zurückgegriffen.“ So sei der Flirt 3<br />

gegenüber der bisher eingesetzten ersten Generation<br />

in vielen Details ein völlig neuer Zug – gut erkennbar<br />

an der neuen Front gemäß EU-Crashnorm. Und<br />

die im Mittelland eingesetzten Kiss-Einheiten sind<br />

sechsteilig und mit 156 Metern und 627 Sitzplätzen<br />

die längsten Doppelstocktriebzüge auf deutschen<br />

Schienen. Die ersten ausgelieferten Fahrzeuge<br />

konnte die Westfalenbahn seit dem Spätsommer<br />

testen, wobei die Flirts schon seit August im regulären<br />

RB-Dienst eingesetzt wurden. Bennemann:<br />

„Die Inbetriebsetzung eines neuen Schienenfahrzeugs<br />

geht faktisch immer in zwei Stufen: erst im<br />

Werk beim Hersteller, dann im Betrieb beim Verkehrsunternehmen.“<br />

Und der beginnt gerade erst.<br />

Neben der Organisation des Betriebs versucht die<br />

Westfalenbahn, in ihren Regionen ein Wir-Gefühl<br />

mit ihren Kunden und den an der Strecke liegenden<br />

Kommunen aufzubauen. „Wir streben eine<br />

Rückverankerung der Bahn in der Bevölkerung an“,<br />

beschreibt Bennemann: „Wir wollen, dass sie uns als<br />

ihre Bahn begreifen.“ So wurden auch die Lokführer<br />

weithin in der Region angeworben: „Wir wollen<br />

keine ‚Legionäre‘. Wir setzten auf die Verwurzelung<br />

in der Heimat.“ Und mit Bürgermeistern, Landräten,<br />

Stadt- und Gemeinderäten wird nach gemeinsamen<br />

Potenzialen gesucht – von der feierlichen Zugtaufe<br />

mit dem Namen der Haltebahnhöfe bis hin zu weiteren<br />

Projekten, die Bennemann noch nicht verraten<br />

will. „Wir werden auch nach dem Betriebsstart viel<br />

unterwegs sein, um zu hören, wie die Regionen an<br />

unseren neuen Linien ticken. Wir wollen einfach<br />

dazugehören“, sagt der Projektleiter.<br />

Eine frohe Botschaft für die Bahnkunden<br />

hat er schon jetzt: Sämtliche<br />

neue Züge für die Emil-Region<br />

sind ab Werk für den Einbau von<br />

WLAN-Technik vorbereitet. Der<br />

Klick von der Schiene ins Web wird<br />

zwar erst im kommenden Frühjahr<br />

geschaltet werden können,<br />

aber, so Bennemann, „wir werden<br />

auch dann noch zu den Ersten im deutschen<br />

SPNV gehören, die einen kundenfreundlichen<br />

kostenlosen Internet-Zugang bieten“.<br />

Mehr Informationen über die Westfalenbahn<br />

finden Sie online unter:<br />

www.westfalenbahn.de<br />

Wir streben eine Rückverankerung<br />

der Bahn<br />

in der Bevölkerung an.<br />

Dr. Stefan Bennemann,<br />

Bereichsleiter<br />

Unternehmensentwicklung<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 21


UNTERWEGS IM NETZ<br />

29<br />

Prozent<br />

So viel beträgt die<br />

maximale Steigung<br />

der Dresdner<br />

Standseilbahn.<br />

22 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


Am<br />

Seil<br />

zum<br />

Weißen Hirsch<br />

Eine Standseilbahn und eine Schwebebahn verbinden das östliche Elbufer mit den<br />

oben am Elbhang gelegenen Wohn- und Ausflugsgebieten. Beide sind mehr als ein<br />

Jahrhundert alte technische Denkmale, die heute der Dresdner Verkehrsbetriebe AG<br />

(DVB) gehören. Sie feierte in diesem Jahr das 120-jährige Bestehen der Standseilbahn.<br />

„Bei Bergbahnen gilt das Motto: ,Von der Schweiz<br />

lernen heißt siegen lernen!‘“, sagt Carsten Lauterbach.<br />

Der 51-Jährige ist Leiter der Gruppe Bergbahnen bei<br />

den Dresdner Verkehrsbetrieben. Mit der passend zu<br />

seinem Beruf abgewandelten einstigen DDR-Parole<br />

(„Von der Sowjetunion lernen ...“) meint er, dass die<br />

Alpenrepublik weltweit Spitze in der Bergbahn-Technologie<br />

ist. „Dort gibt es alles, was das Herz an historischen<br />

und modernen Bahnen begehrt“, sagt Lauterbach.<br />

Auch in Dresden fahren zwei Bergbahnen. Gebaut<br />

wurden sie, weil sich im heutigen Stadtteil<br />

„Weißer Hirsch“ rund 100 Meter über der Elbe ein<br />

Kurort entwickelt hatte, dessen Bewohner, Lieferanten<br />

und Besucher eine kurze Verbindung mit<br />

der Dresdner Innenstadt suchten. Die Berliner „Vereinigte<br />

Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft“<br />

errichtete zwar die 547 Meter lange Bahn und nahm<br />

1895 den Betrieb auf. Aber statt einer halben Million<br />

kostete sie mehr als 800.000 Reichsmark.<br />

1912 übernahm die Stadt die Bahn. Anfangs mit<br />

Dampfmaschinen betrieben, versorgte bald ein eigenes<br />

Kraftwerk die Bahn mit Energie. Seine imposanten<br />

Armaturen können in der Bergstation noch besichtigt<br />

werden. Heute reicht Starkstrom für den 199 Kilo watt<br />

leistenden Motor, der im großen Maschinenhaus neben<br />

den mächtigen Treibscheiben recht klein wirkt. Die<br />

gesamte Antriebsmaschine bringt mehr als 40 Tonnen<br />

auf die Waage. Über die je 15 Tonnen schweren Scheiben<br />

mit vier Metern Durchmesser wird das 38 Millimeter<br />

dicke und 610 Meter lange Seil befördert und<br />

umgelenkt. An ihm hängen die Kabinen mit ihren<br />

stufenförmigen Abteilen. Zieht der Motor eine Kabine<br />

hoch, bewegt sich die andere nach unten. In der Mitte<br />

der Strecke begegnen sie sich an einer Ausweichstelle.<br />

Die Wagen leuchten gelb im Retro-Design der<br />

60er-Jahre. Aus Denkmalschutzgründen wurden<br />

sie bei der Grunderneuerung der Bahn 1994 nostalgisch<br />

designt. „Aber unten drunter und innen drin ist<br />

alles up to date“, erläutert Lauterbach. Auch moderne<br />

E-Mobilität ist hier verwirklicht: In den Stationen<br />

werden Batterien unter den Kabinen aufgeladen. <strong>Das</strong><br />

sichert deren Beleuchtung und erspart eine Oberleitung<br />

wie früher. Der Fahrdienstleiter überwacht<br />

von der Bergstation aus die automatische Fahrt<br />

Carsten Lauterbach, Leiter der Gruppe Bergbahnen bei den DVB,<br />

im Seilbahn-Maschinenhaus. Im Hintergrund befinden sich die<br />

Treibscheiben für das Zugseil.<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 23


UNTERWEGS IM NETZ<br />

und die Strecke. Monitore und Sprechverbindung<br />

sichern den Kontakt zur führerlosen Kabine.<br />

Unter den Kabinen glänzt Mechanik von 1994,<br />

die aussieht wie neu. Sie müsse penibelst gepflegt<br />

werden, sagt Lauterbach. <strong>Das</strong> sei nicht nur eine<br />

Frage der Sicherheit oder des Ehrgeizes der 15<br />

Mitarbeiter: „Fällt ein Wagen aus, liegt ja die ganze<br />

Anlage still. Es gibt keine Ersatzwagen.“ Pro Jahr<br />

wenden die DVB etwas mehr als eine Million Euro<br />

für den Betrieb der Dresdner Seilbahnen auf. „Der<br />

Kostendeckungsgrad liegt bei über 70 Prozent.“<br />

Darüber hinaus werden in Dresden auch Betriebsleiter<br />

für andere Bergbahnen ausgebildet.<br />

Die bis zu 18 km/h schnelle Fahrt zum Weißen<br />

Hirsch mit ihrer traumhaften Aussicht auf Elbflorenz<br />

bis zu den blauen Bergen des Erzgebirges<br />

ist sehr beliebt: Jährlich unternehmen sie knapp<br />

400.000 Menschen. Es sind nicht nur Touristen.<br />

„Viele Dresdner, die oben am Elbhang wohnen,<br />

pendeln mit der Seilbahn“, erläutert Lauterbach:<br />

„Deshalb fahren wir im Berufsverkehr morgens<br />

einen Zehn-Minutentakt, sonst einen 15-Minutentakt.“<br />

Die Touristenzahl stagniert aber gerade.<br />

Lauterbach räumt ein, dass die derzeitigen negativen<br />

Schlagzeilen über Dresden ein Grund dafür<br />

sind: „Nach der Wende ging die Kurve stets nach<br />

oben; seit 2014 gibt es einen Knick.“ In diesem Jahr<br />

kam hinzu, dass das Restaurant Luisenhof samt<br />

Aussichtsterrasse an der Bergstation seit Juni<br />

geschlossen ist. „Wir arbeiten an einer Lösung.“<br />

Wegen all dieser Gründe machen sich die DVB stets<br />

Gedanken darüber, wie sie Wachstum generieren<br />

Die Schwebebahn, die auf den Nachbarberg der Standseilbahn führt,<br />

funktioniert nach dem Prinzip der Wuppertaler Schwester. Allerdings<br />

haben die Kabinen keinen eigenen Antrieb, sondern sind wie die Nachbarin<br />

durch ein Zugseil verbunden.<br />

können. Radfahrer kommen hinzu, auch wenn Räder<br />

wie auch Kinderwagen und Rollstühle schon lange<br />

erlaubt sind, pro Waggon maximal sieben. Frühere<br />

Wagengenerationen hatten dafür Perrons außen,<br />

mit dem Hinweis, dass „die Kinder vor Fahrtbeginn<br />

aus den Kinderwagen zu entnehmen“ seien,<br />

so Lauterbach. Damals fuhr noch ein Schaffner mit.<br />

Dessen Aufgaben „erfüllt heute der Ticket-Automat,<br />

und ein MP3-Player informiert per Lautsprecher<br />

über Sehenswürdigkeiten und Technik“.<br />

Eine wirkungsvolle Idee hatten die Betreiber vor<br />

einigen Jahren: Seitdem ist Halloween der Tag,<br />

an dem die Standseilbahn mit 8.000 die meisten<br />

Besucher zählt – denn da wird sie zur Geisterbahn.<br />

„Tunnels und Maschinenhaus sind wie geschaffen,<br />

um im Nebel und Halbdunkeln das Fürchten zu<br />

lehren“, sagt Lauterbach. Beim ersten Mal wurden<br />

der Geburtstag der Bahn, der 26. Oktober, und<br />

Halloween zusammen gefeiert. „Mittags haben wir<br />

umdekoriert, da haben sogar die Fahrgäste mitgeholfen.“<br />

Auch in der Neujahrsnacht wird der<br />

Seilbahnbetrieb bis mindestens ein Uhr ausgedehnt.<br />

Apropos neues Jahr: 2016 gibt es am Elbhang wieder<br />

etwas zu feiern: Die benachbarte Schwebebahn wird<br />

115 Jahre alt. Während die Kabinen der Standseilbahn<br />

auf Rollen und Schienen „stehen“, hängen sie<br />

bei der Schwebebahn an einer Schiene. „Es ging<br />

damals um ein Beförderungssystem, das unabhängig<br />

von der Topografie unter den Fahrzeugen funktioniert“,<br />

sagt Lauterbach. Bei der Wuppertaler Schwebebahn<br />

war es der Fluss, in Dresden der Elbhang.<br />

Ein Blick aus der Bahn in den Tunnel hinter der Talstation:<br />

Die Fahrzeuge werden nicht mehr vom Führerstand,<br />

sondern aus der Bergstation gesteuert.<br />

Mehr Informationen über die Dresdner Standseil- und<br />

Schwebebahn finden Sie online unter:<br />

www.dvb.de/de-de/ausfluege/bergbahnen<br />

24 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


AUS DEM VERBAND<br />

<strong>VDV</strong>-Präsidium: Jürgen Fenske und Oliver Wolff wiedergewählt<br />

Doppelte Wiederwahl: <strong>Das</strong> Präsidium des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen<br />

(<strong>VDV</strong>) hat sowohl Präsident Jürgen Fenske (Foto, r.) als auch Hauptgeschäftsführer<br />

Oliver Wolff (l.) in ihren Ämtern bestätigt. Beide wurden auf der jüngsten<br />

Präsidiumssitzung für drei beziehungsweise acht Jahre einstimmig gewählt. Im<br />

Präsidium sitzen aktuell 29 Vertreter aus den mehr als 600 Mitgliedsunternehmen<br />

im <strong>VDV</strong>.<br />

Für Jürgen Fenske begann damit die dritte Amtszeit. „Ich freue mich über das einstimmige<br />

Votum“, sagte der hauptamtliche Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrs-Betriebe<br />

(KVB) im Anschluss an die Wahl. Er warf zudem einen Blick in die<br />

Zukunft: „In den kommenden Jahren warten weitere große Aufgaben auf uns, für die<br />

wir als Branche gemeinsam mit der Politik dringend Lösungen finden müssen.“ Als<br />

Beispiel nannte er unter anderem die unklare Zukunft der Entflechtungsmittel.<br />

Auch Oliver Wolff nahm die Wiederwahl als Aufgabe mit in seine achtjährige Amtszeit.<br />

„Solch ein einstimmiges Votum ist nicht einfach nur ein Beschluss, sondern<br />

eine Bestätigung dafür, dass die Mitgliedsunternehmen den bisherigen Kurs und die<br />

erfolgreiche Arbeit des Verbandes in den vergangenen Jahren honorieren“, sagte er.<br />

Der Hauptgeschäftsführer startete in die zweite Amtszeit – nach seiner ersten Ernennung<br />

in 2011. Damit leitet er als geschäftsführendes Präsidiumsmitglied weiterhin<br />

hauptamtlich den Branchenverband des Öffentlichen Verkehrs mit seinen rund<br />

70 Mitarbeitern an den Standorten Köln, Berlin und Brüssel.<br />

ANZEIGE<br />

Mit freundlichem Nachdruck –<br />

Erfolgreich mit Schwarzfahrern kommunizieren<br />

Forderungsmanagement umfasst wesentlich<br />

mehr als den Versand von Mahnschreiben. Vielmehr<br />

er fordert es neben einer leistungsfähigen,<br />

technischen Infrastruktur viel psychologisches<br />

Geschick im Umgang mit dem Kunden. Ziel von<br />

KSP ist es, durch geeignete, vorgerichtliche<br />

Maßnahmen einen schnellen Realisierungserfolg<br />

zu erzielen. So lassen sich kostenintensive gerichtliche<br />

Maßnahmen vermeiden. Eine der Kernaufgaben<br />

ist es herauszufinden: Kann oder will<br />

der Kunde nicht zahlen?<br />

Anwaltliche Mahntelefonie bei KSP<br />

KSP setzt in der Beitreibung der EBE- oder Abo-Forderungen für<br />

Verkehrsunternehmen frühzeitig auf den persönlichen, telefonischen<br />

Kontakt. Im Gespräch lassen sich Missverständisse und Einwände<br />

qualifiziert auflösen. Freundlich, aber bestimmt, wird dem Fahrgast<br />

die rechtliche Situation dargestellt und stets ein Lösungsweg aufgezeigt.<br />

Bei KSP telefonieren neben rund 65 Anwälten juristisch ausgebildete<br />

Mitarbeiter, die unter Berücksichtigung der individuellen mandatsspezifischen<br />

Mahnstrategien auf die persönliche Situation des<br />

Kunden eingehen. Dieser deeskalierende Umgang mit dem Fahrgast<br />

wirkt sich positiv auf das Realisierungsergebnis aus.<br />

Lösungsorientierte Telefonie – mit Anwälten<br />

und juristisch ausgebildeten Fachkräften<br />

Hochleistungsfähige Technik als Basis<br />

Ein hoher Servicelevel hat für KSP große Bedeutung.<br />

Um dies sicherzustellen, arbeitet KSP<br />

mit skalierbaren Systemen. Alle operativ tätigen<br />

Mitarbeiter können bei Bedarf umgehend in die<br />

In- und Outboundtelefonie eingebunden werden.<br />

Der definierte KSP-Servicelevel liegt bei 95/20.<br />

<strong>Das</strong> bedeutet, dass 95 % aller eingehenden Anrufe<br />

in den ersten 20 Sekunden einen qualifizierten<br />

Ansprechpartner erreichen müssen – auch in den<br />

Abendstunden sowie am Sonnabend. Aktuell beträgt<br />

die telefonische Erreichbarkeit 97 %.<br />

Vorteile anwaltliche Mahntelefonie<br />

• Durchgehend juristisch versierte Fallbearbeitung<br />

• Seriöse und qualifizierte Einwandbehandlung<br />

• Reduzierung gerichtlicher Maßnahmen<br />

• Ergebnissteigerung bei gleichzeitiger Reputationswahrung<br />

Intelligente Lösungen für den ÖPNV –<br />

Sprechen Sie mit uns!<br />

KSP Kanzlei Dr. Seegers, Dr. Frankenheim Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Kaiser-Wilhelm-Straße 40, 20355 Hamburg<br />

Kontakt: 040 - 450 65 550 | Mobilitaet@ksp.de | ksp.de<br />

KSP_Advertorial_1/2_quer_1215_final.indd 1 04.12.15 14:20<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 25


HINTERGRUND<br />

der<br />

Die<br />

Emotionen<br />

Kunden<br />

managen<br />

Der Kunde am anderen Ende der Telefonleitung ist ziemlich erbost: Der Bus, den<br />

er hatte nehmen wollen, ist ausgefallen. Wütend schimpft er über den ÖPNV im<br />

Allgemeinen und das Verkehrsunternehmen im Besonderen. Wie soll sich der<br />

Angestellte im Servicecenter verhalten? Freundlich bleiben, zurückschimpfen,<br />

Besserung geloben? Ein Workshop der <strong>VDV</strong>-Akademie sollte Antwort auf die<br />

Frage geben, wie Servicemitarbeiter Kunden-Emotionen am besten begegnen.<br />

26 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


Jeder enttäuschte Kunde<br />

teilt seine Unzufriedenheit<br />

im Schnitt fünf weiteren<br />

Kunden mit.<br />

Holger Gloszeit,<br />

Referent für Beschwerdemanagement<br />

<strong>Das</strong>s diese Antwort nicht so einfach ist, weiß Holger<br />

Gloszeit. „Die Probleme sind so vielfältig wie die<br />

Verkehrsbetriebe selbst“, bilanziert der Inhaber des<br />

auf die Verkehrsbranche spezialisierten Weiterbildungsdienstleisters<br />

„Train4results“ in Remscheid,<br />

der seit 2012 regelmäßig entsprechende Seminare<br />

für die <strong>VDV</strong>-Akademie abhält. Der Name des jüngsten<br />

Workshops im November: „Von der Beschwerde<br />

zum professionellen Beschwerde- und Feedbackmanagement“.<br />

Innerhalb von zwei Tagen sollten die<br />

Teilnehmer das nötige Handwerkszeug erlernen,<br />

um Beschwerden souverän zu begegnen. „Eines der<br />

Schwerpunktthemen ist dabei sicherlich die Kommunikation,<br />

der Umgang mit den Zielgruppen über alle<br />

Kontaktkanäle“, so Holger Gloszeit: „Denn neben dem<br />

Fahrgast haben die Mitarbeiter auch mit Nicht-Kunden<br />

zu tun – mit Politikern zum Beispiel oder mit Anwohnern,<br />

die sich beschweren.“ Wichtig sei jeweils,<br />

tatsächlich Lösungen anzubieten und die Anliegen<br />

aktiv zu bearbeiten. Gloszeit: „Wir müssen lernen, den<br />

Kunden zu verstehen. Was möchte er? Mit Blockadehaltung<br />

komme ich nicht weiter.“<br />

Er betont den langfristigen Nutzen des Beschwerdemanagements<br />

– auch wenn dieses natürlich Geld<br />

kostet. Gerade für kleinere Verkehrsbetriebe ist dies<br />

nicht leicht zu stemmen. Häufig kommt es vor, dass<br />

ein Mitarbeiter abgestellt wird, der Beschwerden<br />

zusätzlich zu seiner eigentlichen Tätigkeit abarbeiten<br />

soll. „Aber das ist nicht zu empfehlen“, mahnt Holger<br />

Gloszeit: „Und die Kosten können sich schnell bezahlt<br />

machen.“ Zum einen sei die Neukundenakquise dreibis<br />

viermal so teuer wie die Bindung eines Bestandskunden.<br />

Zum anderen sei der Multiplikatoreffekt<br />

unzufriedener Fahrgäste nicht zu unterschätzen.<br />

„Auf einen enttäuschten Kunden, der sich direkt beschwert,<br />

kommen nach Zahlen des <strong>VDV</strong> vier andere,<br />

die das nicht tun“, sagt der Referent: „Aber jeder von<br />

ihnen teilt seine Unzufriedenheit im Schnitt fünf<br />

weiteren Personen mit. Bei einem ÖPNV-Unternehmen<br />

mit zwei Millionen Kunden, von denen im<br />

Schnitt 15 Prozent als unzufrieden gelten, wären das<br />

drei Millionen negativ beeinflusste Personen. Zwei<br />

Prozent – also 60.000 davon – werden nie Kunden<br />

werden. Dieser Schaden ist viel teurer als ein gutes<br />

Beschwerdemanagement.“<br />

Ein „ganzheitliches, systematisches Beschwerdemanagement“<br />

sei deshalb der Schlüssel, um die Kundenzufriedenheit<br />

nachhaltig zu steigern. Feste Zu-<br />

Drei Fragen an Heinz Klewe (Foto), Geschäftsführer<br />

der Schlichtungsstelle für<br />

den öffentlichen Personenverkehr (Söp)<br />

» Herr Klewe, 94,7 Prozent der<br />

Reisenden sind nach einer Studie der<br />

Universität Oxford sehr oder ziemlich<br />

zufrieden mit der Söp. Ist sie besser als<br />

die Verkehrsbetriebe?<br />

Heinz Klewe: Nein, unsere Aufgabe ist<br />

die Schlichtung bei ungelösten Streitfällen.<br />

Wir prüfen unparteiisch den<br />

Fall und geben eine juristisch fundierte<br />

Schlichtungsempfehlung. So kommt es vor, dass selbst in Fällen,<br />

in denen wir den Reisenden „einen Korb geben“ müssen, diese<br />

sich bei uns bedanken. Sie fühlen sich verstanden und ernst genommen,<br />

was für den Erfolg unserer Arbeit ganz wesentlich ist.<br />

Bei Bahn und Flug gibt es aufgrund dezidierter Passagierrechte<br />

klare Regelungen für Entschädigungen. Nutzer des ÖPNV wenden<br />

sich zumeist aufgrund eines von ihm verlangten erhöhten<br />

Beförderungsentgelts an die Söp. Auch hier kommen wir in der<br />

Regel zu einer beidseitig anerkannten Schlichtungsempfehlung,<br />

was der zum Teil intensiven und teuren Korrespondenz ein Ende<br />

bereitet.<br />

» Wie ist der Trend bei der außergerichtlichen Streitbeilegung?<br />

In diesem <strong>Dezember</strong> wurde das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz<br />

(VSBG) verabschiedet. Dieses Gesetz wird der außergerichtlichen<br />

Streitbeilegung einen großen Schub geben, zumal es auch<br />

erhebliche Qualitätsstandards für die Schlichtung beinhaltet.<br />

Qualität ist im Übrigen ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor<br />

der Söp. Rück- und vorwärts blickend – es war eine kluge Entscheidung,<br />

dass <strong>VDV</strong> und Söp eine Zusammenarbeit vereinbart<br />

haben und damit einen politischen Schritt vorausgegangen<br />

sind. Vielleicht machen im nächsten Jahr ja noch weitere ÖPNV-<br />

Unternehmen bei der Söp mit.<br />

» Besteht nicht das Risiko, dass die Möglichkeit, sich an eine<br />

Schlichtungsstelle wenden zu können, die Zahl der eingereichten<br />

Beschwerden in die Höhe treibt?<br />

Nein, diese Befürchtung haben Verkehrsunternehmen nur dann,<br />

wenn sie noch keine Praxiserfahrung haben. Sie können Probleme<br />

weiterhin mit ihren Kunden auf direktem Wege lösen. Denn<br />

auch bei der Söp müssen sich die Reisenden im ersten Schritt<br />

immer an ihr Unternehmen wenden. Wir erhalten also nur die<br />

Spitze des Beschwerde-Eisbergs, und der ist real sehr klein.<br />

Schlichtung sollte – und ich bin mir sicher, sie wird es auch –<br />

zum festen Bestandteil eines guten Kundenservices werden.<br />

ständigkeiten sind laut Gloszeit essenziell. „Gerade<br />

in den sozialen Netzwerken, etwa auf den Facebook-Seiten<br />

der ÖPNV-Unternehmen, reagiert eher<br />

die Presseabteilung auf Beschwerden. In der Telefonzentrale<br />

ist es dann der Servicemitarbeiter. <strong>Das</strong> sollte<br />

einheitlich sein.“ Ohnehin seien soziale Medien ein<br />

Grund mehr für ein professionalisiertes Beschwerdemanagement.<br />

<strong>Das</strong>s Kunden per Facebook oder App<br />

direkt und unmittelbar Feedback geben können, kann<br />

die Zahl der Beschwerden in die Höhe treiben.<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 27


U20<br />

Sonderpreis beim<br />

Medienwettbewerb:<br />

Ein Tag in der Hauptstadt<br />

Wichtiger Termin für Janka Bensler in Berlin: Gemeinsam mit einer Freundin stattete die<br />

Elfjährige im Herbst nicht nur dem Reichstag, sondern auch dem Bundesministerium für<br />

Verkehr und digitale Infrastruktur einen Besuch ab. Den hatte sie zuvor beim Schülermedienwettbewerb<br />

„Infrastruktur 2030 – So will ich morgen mobil sein“ der Initiative<br />

„Damit Deutschland vorne bleibt“ als Sonderpreis gewonnen.<br />

Die vom <strong>VDV</strong> unterstützte Initiative<br />

macht sich für eine zukunftsfähige Infrastruktur<br />

in Deutschland stark – der<br />

Schülermedienwettbewerb war dabei<br />

einer der Bausteine. Für Janka hat sich<br />

das Engagement in Sachen Medien auf<br />

jeden Fall ausgezahlt. Eigentlich war<br />

die Schülerin aus Bernau in Brandenburg<br />

noch zu jung für die Teilnahme<br />

am Wettbewerb. Doch ihr Film „Janka<br />

träumt“, in dem sie Infrastrukturprobleme<br />

in ihrer Heimatregion ansprach,<br />

hatte der Jury so gut gefallen, dass sie<br />

extra einen Sonderpreis auslobte: eine<br />

Geldprämie sowie eine Führung mit<br />

dem SPD-Bundestagsabgeordneten<br />

Mahmut Özdemir durch den Reichstag<br />

in Berlin. Ein Besuch bei der parlamentarischen<br />

Staatssekretärin Dorothee<br />

Bär im Bundesministerium für Verkehr<br />

und Digitale Infrastruktur ergänzte das<br />

Programm.<br />

Blick über Berlin (v.l.): Janka Bensler und ihre<br />

Freundin Mila Cecilia mit Mahmut Özdemir<br />

auf dem Dach des Reichstags<br />

28 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


U20<br />

Toll, dass sich jemand<br />

in dem Alter so für etwas<br />

einsetzt.<br />

Mahmut Özdemir<br />

Juror und Bundestagsabgeordneter<br />

Während des Besuchs bei Staatssekretärin<br />

Dorothee Bär (M.) sprachen die Mädchen<br />

über das Filmprojekt. In dem Wettbewerbsbeitrag<br />

ging es um eine fehlende<br />

Regionalexpress-Verbindung zwischen<br />

Biesenthal und Bernau.<br />

Über den Dächern Berlins<br />

Was macht eigentlich ein Abgeordneter?<br />

Welches sind die aktuellen Themen<br />

im Bundestag? Mahmut Özdemir hatte<br />

eine ganze Reihe von Fragen zu beantworten,<br />

als er Janka und ihre Freundin<br />

mit auf die Tour durch den Reichstag<br />

nahm. Aber wann treffen Schüler auch<br />

schon einmal einen Abgeordneten?<br />

Und wer kann schon persönlich die<br />

Orte besichtigen, die man sonst nur<br />

von Bildern oder aus der Tagesschau<br />

kennt? Eine Stunde lang ging es durch<br />

das historische Gebäude in der Mitte<br />

Berlins, vorbei an den Sitzungs- und<br />

Fraktionssälen, und über die berühmte<br />

Glaskuppel hinauf aufs Dach. „Ich war<br />

Mitglied der Jury und Jankas Film hat<br />

mich sehr beeindruckt“, erklärte der Politiker,<br />

weshalb er sich gerne die Zeit für<br />

die Schülerinnen nahm: „Toll, dass sich<br />

jemand in dem Alter so für etwas einsetzt.“<br />

Damit spielte Mahmut Özdemir<br />

auf Jankas Wettbewerbsbeitrag an: In<br />

ihrem Film thematisierte sie zusammen<br />

mit einigen Mitstreitern die fehlende<br />

stündliche Regionalexpress-Verbindung<br />

zwischen Biesenthal und Bernau.<br />

Ein Brief an den Bundesverkehrsminister<br />

sollte Abhilfe schaffen.<br />

Besuch bei der Staatssekretärin<br />

Im Anschluss an den Besuch im Reichstag<br />

ging es ins Verkehrsministerium.<br />

Bundesminister Alexander Dobrindt<br />

hatte für die Schülerinnen zwar keine<br />

Zeit, doch dafür lud die Parlamentarische<br />

Staatssekretärin Dorothee Bär zu<br />

sich ein. Auch sie lobte den Einsatz der<br />

Schüler. „Der Film hat gut an das Thema<br />

herangeführt, und die professionelle<br />

Umsetzung hat mich sehr beeindruckt“,<br />

sagte Dorothee Bär: „Man merkt, dass<br />

viel Engagement dahinter steht, und das<br />

gilt es zu fördern.“ Jankas Bitte, ob sie<br />

sich nicht für die Regionalexpress-<br />

Verbindung einsetzen könnte, musste<br />

die Staatssekretärin allerdings eine<br />

Absage erteilen: „<strong>Das</strong> liegt ganz klar<br />

in der Zuständigkeit der Länder.“ Den<br />

Brief, den Janka und die anderen Mitwirkenden<br />

nicht nur im Film, sondern<br />

auch ganz real an das Ministerium geschickt<br />

hatten, will sie aber dennoch<br />

beantworten – und auch das Land Brandenburg<br />

auf die Situation in Biesenthal<br />

hinweisen.<br />

Hier geht es zu Janka Benslers Beitrag:<br />

http://www.damit-deutschlandvorne-bleibt.de/janka-traeumt.aspx<br />

Der Wettbewerb<br />

Der Schülermedienwettbewerb<br />

„Infrastruktur<br />

2030 – So will<br />

ich morgen<br />

mobil sein“ war<br />

der erste seiner<br />

Art in Deutschland.<br />

Bis Januar<br />

<strong>2015</strong> konnten Jugendliche ab der neunten<br />

Klasse journalistische Beiträge zum<br />

Thema einreichen. Damit sollten sie für<br />

die Bedeutung und den Nutzen einer<br />

funktionierenden Infrastruktur sensibilisiert<br />

werden. Neben dem <strong>VDV</strong> hatte<br />

sich die veranstaltende Initiative „Damit<br />

Deutschland vorne bleibt“ weitere Partner<br />

mit ins Boot geholt: die Tageszeitung<br />

„Die Welt“, die Jugendpresse Deutschland,<br />

die Deutsche Bahn sowie den Auto Club<br />

Europa (ACE). Zu gewinnen gab es vier<br />

Publikums- sowie vier Jurypreise, zum<br />

Beispiel Praktika in Redaktionen und<br />

Pressestellen. Auch zwei Sonderpreise<br />

wurden vergeben.<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong> 29


ZU GUTER LETZT<br />

Mini-Lok für Zuhause<br />

Mitmachen<br />

und<br />

gewinnen<br />

Termin<br />

26. bis 27.<br />

Januar 2016<br />

9. BME/<strong>VDV</strong>-Forum<br />

Schienengüterverkehr<br />

in Bonn<br />

Die Veranstaltung dreht sich um Themen<br />

wie die Verkehrsinfrastruktur und die<br />

Reduzierung des Schienenlärms. Erfolgreiche<br />

Projekte zur Verkehrsverlagerung<br />

auf die Schiene werden vorgestellt.<br />

www.vdv.de/termine.aspx<br />

In Sachen Klimafreundlichkeit spielt der Schlitten des Weihnachtsmanns bestimmt<br />

ganz oben mit. Doch sollten seine Rentiere einmal schlapp machen, ist auch der Öffentliche<br />

Verkehr nicht zu unterschätzen: Er punktet unter anderem mit seinen geringen<br />

CO 2<br />

-Emissionen. Ob das Schienennetz allerdings den logistischen Ansprüchen des<br />

Weihnachtsmanns genügt, sei einmal dahingestellt. Und verglichen mit dem Rentierschlitten<br />

ist eine Lok schließlich ein echtes Schwergewicht und für die obligatorische<br />

Landung auf dem Dach eher ungeeignet.<br />

Nicht aufs Dach, dafür aber in die Wohnung eines unserer Leser schafft es hingegen<br />

ein besonderes Modell: Unter allen Einsendern verlost „<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>“ eine Lokomotive<br />

(Spurweite H0) von Märklin, Baureihe 146.0 von DB Regio NRW, samt Werbung<br />

der Infrastrukturinitiative „Damit Deutschland vorne bleibt“. Dafür müssen Sie nur<br />

folgende Frage beantworten: Wie viele Tonnen CO 2<br />

spart die Nutzung von Bussen und<br />

Bahnen anstelle von Autos und Lkw pro Jahr in Deutschland ein?<br />

Schicken Sie Ihre Antwort an:<br />

Redaktion <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>, AD HOC PR, Berliner Straße 107, 33330 Gütersloh.<br />

Termin<br />

1. bis 3. März 2016<br />

IT-Trans 2016<br />

in Karlsruhe<br />

IT-Lösungen für den<br />

öffentlichen Personenverkehr stehen<br />

im Mittelpunkt der Veranstaltung, die<br />

sowohl internationale Fachmesse als<br />

auch Konferenz ist. Neueste Entwicklungen<br />

im Bereich Digitalisierung werden<br />

präsentiert.<br />

www.vdv.de/termine.aspx<br />

Die Redaktion von „<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>“<br />

wünscht Ihnen frohe Weihnachten!<br />

*Rechtsweg und Teilnahme über gewerbliche Gewinngemeinschaften sind ausgeschlossen.<br />

Einsendeschluss ist der 31. Januar 2016.<br />

Die nächste <strong>Ausgabe</strong> von<br />

„<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>“<br />

erscheint Ende Februar 2016.<br />

Impressum<br />

<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong><br />

Herausgeber:<br />

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (<strong>VDV</strong>),<br />

Kamekestraße 37-39, 50672 Köln,<br />

Tel. 02 21/5 79 79-0,<br />

E-Mail: info@vdv.de,<br />

Internet: www.vdv.de<br />

Redaktion <strong>VDV</strong>:<br />

Lars Wagner (V.i.S.d.P.),<br />

Pressesprecher und Leiter Presse- und<br />

Öffentlichkeitsarbeit<br />

Anschrift der Redaktion:<br />

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (<strong>VDV</strong>),<br />

Redaktion „<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>“,<br />

Leipziger Platz 8, 10117 Berlin,<br />

magazin@vdv.de<br />

Realisierung, Text und Redaktion:<br />

AD HOC PR, Gütersloh: Stefan Temme (Lt.),<br />

Elena Grawe, Ulla Rettig<br />

Mitarbeit:<br />

Eberhard Krummheuer, Thomas Rietig<br />

Gesamtleitung und Anzeigen:<br />

Christian Horn (AD HOC PR),<br />

Tel. 0 52 41/90 39-33 | horn@adhocpr.de<br />

Grafik-Design:<br />

Volker Kespohl (Volker.Kespohl ı Werbung Münster)<br />

Lars Haberl (AD HOC PR, Gütersloh)<br />

Produktion und Druck:<br />

Druckhaus Rihn, Blomberg<br />

Anzeigenpreise:<br />

Laut Mediadaten <strong>2015</strong><br />

Für Anregungen, Themenvorschläge, Lob und Kritik erreichen Sie uns unter magazin@vdv.de<br />

Bildnachweise:<br />

Titelmotiv: Montage Fotolia/NEILRAS, Derek Pommer<br />

Berliner Verkehrsbetriebe (17); Bildagentur Huber/Krammisch<br />

(2, 22); CP/Compartner (28, 29); Deutsche Bahn/<br />

Wolfgang Klee (9); Deutsche Bahn/Michael Neuhaus (2,<br />

10, 12); Deutsche Bahn/Bernd Roselieb (13); Dresdner<br />

Verkehrsbetriebe (24); Fotolia (28); Fotolia/Blackosaka<br />

(30); Fotolia/Jörg Hackemann (30); Fotolia/Christian<br />

Hillebrand (30); Fotolia/lassedesignen (2, 26); Hamburger<br />

Verkehrsverbund (17); iStockphoto.com/Tomas Sereda (6);<br />

iStockphoto.com/udra (6); Peter Jost/ddp images (11); Kölner<br />

Verkehrs-Betriebe (17); Märklin (30); Dr. Klaus Peters (16);<br />

Photostudio D29 Berlin (10); Thomas Rietig (23, 24); Söp<br />

(27); Karl Heinz Spremberg/ddp images (6); Train4results/<br />

Holger Gloszeit (27); VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft<br />

Nürnberg (4/5); <strong>VDV</strong> (3, 8, 25, 29); <strong>VDV</strong>-Akademie/Stefan<br />

Hilger (2, 14, 15, 16); Westfalenbahn (2, 18/19, 20, 21)<br />

„<strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>“ erscheint alle zwei Monate (sechsmal<br />

im Jahr). Alle im <strong>Magazin</strong> erscheinenden Beiträge und<br />

Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Außerhalb der<br />

Grenzen des Urheberrechts ist die Verwertung ohne die<br />

Zustimmung des Herausgebers nicht zulässig. <strong>Das</strong> gilt vor<br />

allem für Vervielfältigungen, Übersetzungen sowie die elektronische<br />

Speicherung und Verarbeitung.<br />

30 <strong>VDV</strong> <strong>Das</strong> <strong>Magazin</strong>


FORUM AUTOMOBILLOGISTIK 2016<br />

SUPPLY CHAIN 4.0 –<br />

stabil, synchron, skalierbar<br />

3. /4. Februar 2016<br />

Messe Frankfurt, Kap Europa<br />

Dr. Karl-Thomas Neumann<br />

Vorsitzender<br />

der Geschäftsführung<br />

Opel Group GmbH<br />

Dr. Hansjörg Rodi<br />

Vorsitzender des Vorstands<br />

Schenker Deutschland AG<br />

Alexander Koesling<br />

Vice President<br />

Supply Chain Management<br />

MercedesBenz Cars<br />

Daimler AG<br />

Matthias Naumann<br />

Senior Vice President<br />

Airbus Group<br />

President<br />

BoostAeroSpace<br />

Information und Anmeldung<br />

unter www.bvl.de/fal


Wir wünschen allen Fahrgästen, Kunden<br />

und Geschäftspartnern ein fröhliches<br />

Weihnachtsfest und einen guten<br />

Rutsch ins neue Jahr 2016.

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!