VDV Das Magazin Ausgabe Dezember 2015

intelligentinformieren

Das Verbandsmagazin des VDV ist die redaktionelle Plattform für Unternehmen des Öffentlichen Personen- und Schienengüterverkehrs in Deutschland. Konzept und Realisierung: AD HOC PR, Gütersloh.

Was uns bewegt. Wen wir bewegen. Ausgabe Dezember 2015

Auf dem Weg in

die grüne Zukunft

Wie der Öffentliche Verkehr

dem Klima hilft Seite 6

Schutzgebühr: 3,20 Euro

Fernverkehr soll für die DB

Terrain zurückgewinnen

Seite 12

Arbeitswelt 4.0: Was

gute Führung ausmacht

Seite 14

Westfalenbahn: „Emil“

an den Start gegangen

Seite 18


INHALT

14 VDV-Personalkongress: Wie die

Führung von morgen funktioniert

12 Schneller, öfter, weiter: Die DB geht

im Fernverkehr in die Offensive.

18 „Emil“: Die Westfalenbahn kommt

groß ins SPNV-Geschäft.

22 Jubiläum: Dresden feiert

120 Jahre Standseilbahn.

26 Kunden-Emotionen: Der richtige

Umgang mit Beschwerden

3 Editorial

Busse und Bahnen: Klimaschutz,

der bereits funktioniert

4 VDV im Bild

Nürnberg: Entspannter durch

die Vorweihnachtszeit

6 Titelstory

Erst die Verkehrswende

bringt die Klimawende.

Seite 10: Interview mit Maria

Krautzberger (Umweltbundesamt)

12 Aktuell

DB Fernverkehr: Mit Tempo und

Komfort Fahrgäste gewinnen

14 Aus dem Verband

Personalkongress debattiert über

Führung in der Arbeitswelt 4.0.

Seite 15: Ehrung „Unserer Besten“

2 VDV Das Magazin


EDITORIAL

Busse und Bahnen:

Klimaschutz,

der bereits

funktioniert

Unsere Branche ist im Verkehrssektor das, was

Deutschland gerne für sich beansprucht: Wir sind

Vorreiter im Klimaschutz. Die Nachhaltigkeit der

Verkehrsunternehmen beschränkt sich nicht allein

auf ihren deutlich geringeren Ausstoß von Treibhausgasen

gegenüber Pkw und Lkw sowie auf die

schonendere Ressourcennutzung. Wir sind mehr

als das. Wir sind regional verankerter Arbeitgeber,

lokaler Wirtschaftsfaktor, Stifter von volkswirtschaftlichem

Nutzen und Technologietreiber.

Wer die Wende beim Klimaschutz will, kommt

an der Verkehrswende nicht vorbei. In der Berichterstattung

rund um den Weltklimagipfel

in Paris wurde der Ausbau und die verstärkte

Nutzung des Öffentlichen Verkehrs deshalb zu

Recht regelmäßig als Teil einer Lösung genannt,

um die Klimaziele – auch die Verbesserung der

persönlichen CO 2

-Bilanz – zu erreichen.

Busse und Bahnen sind schon heute Teil einer

funktionierenden Lösung: Beim Personenverkehr

mit Bussen und Bahnen zeigen uns ein stetiges

Wachstum und jährlich neue Fahrgastrekorde, dass

wir in der richtigen Spur sind. Auch milde Winter

und der Trend zum Fahrradverkehr mit und

ohne Elektroantrieb schaden dem ÖPNV-Wachstum

nicht. Aber wir dürfen uns auf Erfolgen nicht

ausruhen. Wir müssen laufend unsere Angebote

verbessern, um weitere Kunden von uns zu überzeugen,

und nicht zuletzt neue Antriebstechnologien

erproben, um unsere Schadstoff- und

Treibhausgasemissionen weiter zu reduzieren.

Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass der Öffentliche

Verkehr vor allem in den Ballungsräumen

und zu den Hauptverkehrszeiten an seine Kapazitätsgrenzen

stößt und dass es Engpässe im

Schienennetz gibt. Der Personenverkehr muss

leistungsfähiger und der Schienengüterverkehr

wettbewerbsfähiger werden. Dazu benötigen wir

die Unterstützung der Politik. Denn Investitionen

in den Erhalt und Ausbau unserer öffentlichen

Verkehrssysteme sind gelebter Klimaschutz

mit vergleichsweise einfachen Mitteln – und

er bringt schnelle und sichtbare Erfolge.

Herzlichst Ihr

Jürgen Fenske

17 Aus dem Verband

Praktische Hilfe für Flüchtlinge

18 Aktuell

„Emil“ geht an den Start.

22 Unterwegs im Netz

Am Seil zum Weißen Hirsch

25 Aus dem Verband

Meldungen aus dem VDV

26 Hintergrund

Kunden-Emotionen managen

28 U20

„Infrastruktur 2030“: Gewinnerin des

Schülerwettbewerbs besucht Berlin.

30 Zu guter Letzt

Modellbahnlok zu gewinnen

VDV Das Magazin“ finden

Sie auch im Internet als

E-Paper unter:

www.vdv.de/das-magazin

VDV Das Magazin 3


VDV IM BILD

4 VDV Das Magazin


Entspannter durch die Vorweihnachtszeit

Keine Parkplatzsuche, keine Staus und ein Tässchen Punsch geht auch: Wer in der

Adventszeit mit Bussen und Bahnen fährt, erspart sich eine Menge Stress. Die Verkehrsunternehmen

entlasten mit unzähligen Extrafahrten und Sonderschichten nicht

nur die Innenstädte, sondern stimmen ihre Fahrgäste oftmals auch mit weihnachtlichen

Aktionen auf das Fest ein. Die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg geht

beispielsweise mit Straßenbahn-Oldtimern auf die beliebten Glühweinfahrten (Foto).

Übrigens nimmt sich auch das weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Nürnberger

Christkind gerne eine Auszeit vom Weihnachtsstress und lässt sich von der VAG

chauffieren. Deren Fahrer bringen es seit beinahe zwei Jahrzehnten mit dem Kleinbus

sicher und pünktlich zu seinen ganz irdischen Terminen.

VDV Das Magazin 5


TITELSTORY

Erst die

Verkehrswende

bringt die

Klimawende


Foto: üstra Hannoversche Verkehrsbetriebe AG

15

Millionen

Tonnen CO 2

spart die Nutzung

von Bussen und Bahnen anstelle

von Autos und Lkw pro Jahr

in Deutschland ein. Das entspricht

den Emissionen einer Großstadt.

Ein vielfach als „historisch“ gewürdigter Vertrag ist das Ergebnis der Weltklimakonferenz.

Jetzt muss sich zeigen, mit welchen Instrumenten das Abkommen umgesetzt wird, um die Folgen

der Erderwärmung zu begrenzen. Unabhängig davon hat der Gipfel einmal mehr verdeutlicht:

Ohne einen weltweiten politischen Kurswechsel und ohne persönliche Verhaltensänderungen

werden Klimaschutzziele nicht zu erreichen sein. Ein bereits funktionierender Teil einer Lösung

sind Busse, Bahnen und der Schienengüterverkehr.

Die Mahnung war eindringlich. „Im Verkehrssektor

muss dringend mehr passieren“, sagte Maria

Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes,

als im Sommer die „Daten zur Umwelt 2015“ vorgestellt

wurden. Die ernüchternde Bilanz: Anders als

bei den Energieerzeugern und der Industrie stiegen

die Treibhausgasemissionen im Verkehrsbereich

gegenüber 1990 an – um 0,6 Prozent bis 2014. Die

Ursachen sind täglich auf den Straßen zu beobachten:

Immer mehr Güter werden per Lkw transportiert,

Autos fallen immer schwerer und PS-stärker

aus. Auch die Gesamtfahrleistung von Pkw und Lkw

stieg 2014 auf die höchsten Werte in der Geschichte

der Bundesrepublik und machte damit Effizienzfortschritte

wieder zunichte. Knapp ein Fünftel der

CO 2

-Emissionen, die in Deutschland verursacht

werden, entfällt auf den Verkehrssektor. 95 Prozent

davon stößt der Straßenverkehr aus.

Nachhaltig mobil mit Bussen und Bahnen

Die Nachhaltigkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs

und des Schienengüterverkehrs hat viele Facetten,

und sie geht weit über ihren Beitrag zum Klima- und

Umweltschutz hinaus. Wie die Verkehrsunternehmen

ihrer Verantwortung für Generationengerechtigkeit,

Lebensqualität und Gesellschaft nachkommen, erläutert

eine Broschüre, die auf der Internetseite des VDV zum

Download bereitsteht. Daten und Fakten sowie zahlreiche

Beispiele zeigen, wie Busse und Bahnen dazu

beitragen, Ressourcen zu schützen, Struktur- und Demografiewandel zu bewältigen,

Mobilität zu sichern, öffentliche Finanzmittel sinnvoll zu investieren und gesamtwirtschaftlichen

Nutzen zu stiften.

https://www.vdv.de/nachhaltigkeit.aspx

Unterdessen läuft die Bundesregierung Gefahr,

ihr Ziel zu verfehlen, den Treibhausgasausstoß

Deutschlands bis 2020 um 40 Prozent gegenüber

VDV Das Magazin 7


TITELSTORY

1990 zu reduzieren. In den wenigen verbleibenden

Jahren müsse das Tempo der Emissionsminderung

im Vergleich zu den Veränderungen zwischen 2000

und 2014 mindestens verdreifacht werden. Dies

bilanzierte die Expertenkommission zum Monitoring-Prozess

„Energie der Zukunft“, mit dem die

Bundesregierung die Energiewende begleitet, in

ihrer Stellungnahme von November. Um die Lücke

noch zu schließen, hatte Umweltministerin Barbara

Hendricks im vergangenen Jahr das „Aktionsprogramm

Klimaschutz 2020“ vorgestellt. Ihm zufolge

sollen auch der Öffentliche Verkehr und der Schienengüterverkehr

für den Klimaschutz künftig eine

noch wichtigere Rolle spielen.

Vergleich unterschiedlicher Platzbedarfe durch

Pkw, Bus, Straßenbahn, Stadtbahn, Radfahrer und

Fußgänger (pro Person)

65,2m 2

ca. 140 m 2

mit 1,4

Personen

besetzt

13,5 m 2 41 m 2

„Bis zum Jahr 2020 ist es nicht mehr lange hin.

Wenn man die Treibhausgasemissionen bis dahin

weiter deutlich reduzieren will, wird das im Verkehrssektor

nur durch eine Verlagerung auf die

Schiene gehen. Wir müssen sowohl im Güter- als

auch im Personenverkehr das Eisenbahnsystem

ausbauen und stärken“, so VDV-Präsident Jürgen

Fenske. Und auch im kommunalen Verkehr geht

aus Klima- und Umweltschutzgründen kein Weg

am Ausbau des Angebots von Bussen und Bahnen

vorbei. Schon jetzt ersparen sie den deutschen

Straßen jeden Tag 20 Millionen Auto- und 77.000

Lkw-Fahrten mit voller Ladung. Auf diesem Weg

werden jährlich 15 Millionen Tonnen CO 2

vermie-

1,2

m 2 9,0 m 2

5,5 m 2

15,9 m 2

8,6 m 2

2,5 m 2 20 % besetzt

8,1 m 2

4,5 m 2

1,2

m 2

Platzsparend: Der ÖPNV – hier ein Zug der Düsseldorfer Rheinbahn

– geht schonend mit Energie und Flächen um.

den. Um künftig ehrgeizigere Klimaschutzziele zu

erreichen, fordert Maria Krautzberger ein ganzes

Maßnahmenpaket für den Verkehrssektor (siehe Interview

S. 10) – mit einer Verlagerung auf umweltfreundliche

Verkehrsmittel wie ÖPNV und Fahrrad

als Teil der Lösung.

Derweil nutzen immer mehr Menschen ganz selbstverständlich

den Öffentlichen Verkehr – ein Trend,

der ungebrochen ist. Von Jahr zu Jahr erreichen die

Zahlen neue Rekordwerte. Das wird sich voraussichtlich

auch 2015 nicht ändern. Zehn Milliarden

Fahrgäste waren wieder mit Bussen und Bahnen

unterwegs. Elektromobilität gehört dabei schon

2,8m 2 Straßenbahn/

Tram

20 % besetzt

8,7 m 2

5,4 m 2

2,8 m 2 Stadtbahn/

Light Rail

20 % besetzt

ca.

0,95

m 2

Stillstand 30 km/h 50 km/h

40 % besetzt

max.

4 km/h

Berechnungsbasis: Flächen ermitteln sich aus Fahrzeuglänge und Breite der benötigten Verkehrsfläche

sowie dem zugehörigen Bremsweg plus doppelter Reaktionsweg als Sicherheitsabstand.

Zugrunde gelegte Bremsverzögerung (Betriebsbremsungen) und Fahrstreifenbreiten

entsprechen RASt 06: Pkw (3,858 m/s 2 , 3 m (30 km/h) / 3,5 m (50 km/h)), Bus (2,5 m/s 2 , MB

Citaro 12 m, 4,25 m (30 km/h + 50 km/h)), Straßenbahn im Mischverkehr (1,35 m/s 2 , Dresden

NGT D12DD, 3,25 m (30 km/h + 50 km/h)), Stadtbahn auf eigenem Bahnkörper (1,8 m/s 2 ,

Stuttgart SSB DT 8.11, 3,7 m (30 km/h + 50 km/h)), Fahrrad (3,5 m/s 2 , 1,5 m (30 km/h +

50 km/h)), Berechnung: http://j.mp/streetspace

länger als ein Jahrhundert zum Alltag: Zwei Drittel

seiner Leistungen erbringt der öffentliche Personenverkehr

elektrisch. Und auch dort, wo es keinen

Fahrstrom und keine Schienen gibt, liegt er in

puncto Klimaschutz vorn: Busse haben gegenüber

allen anderen motorisierten Verkehrsmitteln auf

der Straße einen deutlichen Umweltvorsprung bei

der Energieeffizienz und den Emissionen pro Fahrgast

und Fahrt. „Busse und Bahnen sind im Verkehrssektor

längst das, was Deutschland in Sachen

Quelle: www.zukunft-mobilitaet.net/Martin Randelhoff

8 VDV Das Magazin


Im Verkehrssektor muss

dringend etwas passieren.

Maria Krautzberger

Präsidentin des Umweltbundesamtes

Busse und Bahnen fahren mit geringen spezifischen CO 2

-Emissionen, sind

energieeffizient und nutzen schon heute Erneuerbare Energien.

Foto: Münchner Verkehrs- und

Tarifverbund GmbH (MVV)

Mobilität mit Bussen und Bahnen lässt sich gut mit dem Fahrrad

kombinieren – ein Beitrag zur persönlichen Fitness.

Klima schutz weltweit anstrebt: Wir sind Vorreiter“,

bekräftigt VDV-Präsident Jürgen Fenske. Eine

Reihe von Verkehrsunternehmen setzt Busse mit

alternativen Technologien wie Hybrid- oder Elektroantrieben

ein und trägt so kontinuierlich dazu

bei, die Emissionen von Lärm und Schadstoffen zu

reduzieren. Außerdem lässt sich Mobilität per ÖPNV

hervorragend mit dem Fahrradverkehr kombinieren

– nicht zuletzt ein wichtiger Beitrag zur persönlichen

Fitness.

Die Nachhaltigkeit des ÖPNV geht jedoch noch über

seine vergleichsweise geringen Lärm- und Schadstoffemissionen

hinaus. Ein weiteres Plus: Busse

und Bahnen nutzen nicht nur Energieressourcen

effizient, sondern auch die ihnen zur Verfügung

Sonderzüge steuerten Klimagipfel an

Auf den Umweltvorteil der Schiene hat der Internationale Eisenbahnverband

UIC im Umfeld der Weltklimakonferenz aufmerksam gemacht.

An der Kampagne „Train to Paris“ beteiligten sich europäische und

asiatische Eisenbahnen, indem sie Züge in die französische Hauptstadt

schickten. Mit 300 geladenen Gästen aus Politik, Verbänden, Medien

sowie der deutschen Regierungsdelegation samt Bundesumweltministerin

Barbara Hendricks machte sich ein ICE der Deutschen Bahn von

Berlin aus auf die CO 2

-freie Reise.

http://traintoparis.org

stehenden Flächen. Wie sich der Platzbedarf der

jeweiligen Verkehrsträger pro Kopf und bei unterschiedlichen

Geschwindigkeiten verändert, verdeutlicht

Martin Randelhoff, Träger des vom VDV

verliehenen Preises „Talente im ÖPNV“, auf seiner

Internetseite „Zukunft Mobilität“ (siehe Infografik):

Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h liegt der

Platzbedarf pro Kopf in einem mit durchschnittlich

1,4 Personen besetzten Auto zum Beispiel bei

VDV Das Magazin 9


TITELSTORY

140 Quadratmetern. Wer mit einem Bus fährt, der im

Schnitt zu 20 Prozent besetzt ist, nimmt 15,9 und in

einer Tram mit gleicher Auslastung neun Quadratmeter

für sich in Anspruch.

Nicht zuletzt stellen ÖPNV und Schienengüterverkehr

mit ihren 275.000 direkten Arbeitsplätzen und

237.000 bei Lieferanten Beschäftigten bedeutende

Wirtschaftsfaktoren dar. Ihre Bruttowertschöpfung

beträgt 45 Milliarden Euro pro Jahr. Zu 90 Prozent

geht die Nachfrage der Verkehrsunternehmen an

inländische Unternehmen. Jeder Euro für den Betrieb

von Bussen und Bahnen fließt drei- bis vierfach

in die Volkswirtschaft zurück.

„Busse, Bahnen und Schienengüterverkehr bieten

für viele Probleme echte Lösungen“, verdeutlicht

Jürgen Fenske. Um diesem Anspruch in Zukunft

noch besser gerecht werden zu können, benötige

die Branche aber entsprechende Rahmenbedingungen

– Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur,

Planungssicherheit, verlässliche gesetzliche Grundlagen

sowie keine weiteren Lasten wie durch das

Erneuerbare-Energien-Gesetz. Fenske: „Deshalb

halten wir es für dringend notwendig, dem ÖPNV

und dem Schienengüterverkehr bei verkehrspolitischen

Entscheidungen klar den Vorrang zu geben.“

Drei Fragen an Maria Krautzberger (Foto),

Präsidentin des Umweltbundesamtes

» Frau Krautzberger, wie können im

Verkehrssektor am schnellsten und

effektivsten CO 2

-Emissionen eingespart

werden?

Maria Krautzberger: Einzelne Maßnahmen

wirken nicht effektiv genug,

hier muss ein ganzes Maßnahmenpaket

geschnürt werden, um den

Verkehr nachhaltiger zu gestalten.

Für anspruchsvolle Klimaschutzziele sind dazu neben einer Verkehrswende

– das heißt Verkehrsvermeidung, Verlagerung auf

umweltfreundliche Verkehrsmittel wie ÖPNV und Fahrrad sowie

Verbesserung der technischen Effizienz, zum Beispiel mit sparsameren

Fahrzeugen – auch Maßnahmen für eine Energiewende

im Verkehr notwendig. Damit ist gemeint, dass fossile Kraftstoffe

perspektivisch weitestgehend durch treibhausgasneutrale Alternativen

ersetzt werden. Alternativen sind die Elektromobilität

beziehungsweise Kraftstoffe auf Basis erneuerbarer Energien. Bei

allen Bemühungen zum Klimaschutz im Verkehr dürfen jedoch

auch die Ziele zur Luftreinhaltung nicht aus den Augen verloren

werden, wie auch die VW-Affäre wieder zeigt. Vor allem die

Stickoxid-Emissionen von Pkw sind im realen Verkehr immer

noch viel zu hoch. Auch hier ist der Verkehr noch längst nicht so

weit, wie er sein sollte und könnte.

Spezifische CO2-Emissionen im Personenund

Güterverkehr 2012

218

g/Pkm

g/tkm

200

150

137

125

100

94

70

75

50

30

40

22

33

25

0

Flugzeug

Inland

Reisebus

Fernzug

g/Pkm: Gramm pro Personenkilometer

g/tkm: Gramm pro Tonnenkilometer

Pkw

ÖPNV

Güterzug

Lkw

Binnenschiff

Erhalt und Ausbau des Kombinierten Verkehrs schaffen weitere

Potenziale für den Güterverkehr auf der Schiene und helfen,

Transporte umweltfreundlicher zu machen.

Quelle: ifeu, Datenbank Umwelt & Verkehr 2013, bundesweiter Durchschnitt

10 VDV Das Magazin


» Wie könnte sich der ÖPNV noch besser als Alternative zum eigenen

Auto positionieren?

Die Verkehrsunternehmen müssen ihre Rolle als Mobilitätsdienstleister

aktiv wahrnehmen und durch integrierte und gut vernetzte Angebote

den Umweltverbund zu einem Mobilitätsverbund aus einer Hand

weiter entwickeln. Neben dem ÖPNV mit Bus und Bahn gehören hierzu

zum Beispiel das stationäre und flexible Carsharing oder Fahrradverleihsysteme.

Kundenorientierte Angebote mit einem dichten Takt und

modernen Fahrzeugen sowie einem einheitlichen und leicht verständlichen

Tarifsystem verbessern die Nutzung und den Zugang auch für

Selten- und Gelegenheitsnutzer. Mit einer Mobilitätskarte oder einer

Mobilitäts-App wird der Zugang erleichtert. Die Übergänge von einem

Verkehrsmittel zum anderen müssen außerdem durch Mobilstationen

an den Knotenpunkten gut miteinander verknüpft und sichtbar sein.

» Wie könnte auch im Güterverkehr die Verlagerung auf umweltfreundliche

Verkehrsträger wie die Eisenbahn gelingen?

Das Schienennetz in Deutschland muss gezielt ausgebaut und ertüchtigt

werden. Durch kleinere infrastrukturelle Maßnahmen, zum Beispiel

den Bau von Überholgleisen oder Verbindungskurven, können die

Netzkapazitäten und die Zuverlässigkeit auch kurzfristig schon deutlich

gesteigert werden. Das gilt auch für betriebliche Maßnahmen wie die

optimierte Leit- und Sicherungstechnik, Blockverdichtungen oder die

Harmonisierung der Geschwindigkeiten. Mittelfristig müssten rund

700 Streckenkilometer neu gebaut und rund 800 Streckenkilometer

elektrifiziert werden, um eine Verdopplung des Schienengüterverkehrs

bis zum Jahr 2030 zu ermöglichen.

Leistungsstark und effizient in der Flächennutzung: Der ÖPNV auf

der Schiene sichert Mobilität, wenn es auf der Straße eng wird.

Wie gut Ihre Klimabilanz ist und wie sie sich beispielsweise

mit einer stärkeren ÖPNV-Nutzung

verbessern lässt, zeigt der CO 2

-Rechner des

Umweltbundesamtes:

http://uba.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/page

www.zukunft-mobilitaet.net

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Messe Karlsruhe

VDV Das Magazin 11


Der Intercity 2

Zunächst lösen 27 Doppelstock-Züge sukzessive die Jahrzehnte

alten Intercitys ab. Die Linie Leipzig-Norddeich wird bereits von

ihnen bedient. Ab Februar sollen sie auch von Dresden nach Köln

und ab März zwischen Weimar, Kassel, Hamm und Köln sowie zwischen

Köln und Norddeich verkehren. Im Gegensatz zu den heutigen

DB-Intercity-Garnituren, die für Tempo 200 zugelassen sind, fahren

sie aber mit maximal 160 km/h. Ende 2016 sollen alle 120 Züge

einsatzbereit sein. Ein Zug mit fünf Wagen bietet 465 Sitzplätze. Neu

sind unter anderem mehr Gepäckstauraum und Familienabteile.

MitTempo

und

Komfort

Fahrgäste

gewinnen

Intercity 2: Der Doppelstockzug – hier

bei seiner Vorstellung im September –

kommt seit dem Fahrplanwechsel zum

Einsatz.

12 VDV Das Magazin


AKTUELL

Schneller, öfter, komfortabler. Damit lässt sich die

Fernverkehrsoffensive kurz umschreiben, mit der

die Deutsche Bahn verloren gegangenes Terrain

wiedergewinnen will. Seit dem Fahrplanwechsel am

13. Dezember bietet sie neue Infrastruktur, zahlreiche

Netzerweiterungen und mehr Komfort in ihren

Zügen. Sie will damit nicht nur dem Fernbus, sondern

auch der wachsenden Konkurrenz der Billigflieger

Paroli bieten.

Ein entscheidender und zugleich der teuerste Posten bei der

Umsetzung der neuen Offensive ist die Inbetriebnahme der

Hochgeschwindigkeitsstrecke Erfurt-Leipzig/Halle (Saale)

nach mehr als zwei Jahrzehnten Bauzeit. In der südöstlichen

Schnittstelle zweier Hauptverkehrsrouten gelegen, ermöglicht

das 2,8 Milliarden Euro teure Projekt schnellere Verbindungen

von Berlin in das Rhein-Main-Gebiet, vor allem aber in die

mitteldeutschen Metropolen. Die Fahrt von Wiesbaden über

Frankfurt nach Dresden verkürzt sich um eine Stunde, nach

Leipzig um 20 bis 50 Minuten.

Schon dies hat Auswirkungen auf den gesamten DB-Fernverkehrsfahrplan.

Dazu kommt die Umsetzung des neuen Fernverkehrskonzepts.

Dabei sollen bis 2030 auf den Hauptachsen

mehr als zwei ICE-Züge pro Stunde fahren. Neuerdings sind

die ganz schnellen unter ihnen, die Sprinter, ohne Aufpreis

buchbar. Die wichtige Sprinter-Relation Berlin-Frankfurt, die

bisher nur über die Neubaustrecke Hannover-Fulda bedient

wurde, erhält vier zusätzliche Zugpaare, die über Erfurt und

Halle fahren und dort auch halten.

Bestandteil des Konzepts ist auch eine Erweiterung des Fernverkehrsnetzes

auf „fast alle deutschen Städte mit mehr als

100.000 Einwohnern“, wie es Konzernchef Rüdiger Grube

formulierte. Dadurch werden fünf Millionen Einwohner direkt

ans Netz angeschlossen. Das soll jährlich 50 Millionen oder

fast 40 Prozent Reisende zusätzlich in die Fernzüge holen.

Im Rahmen dieser „konsequenten Flächenbedienung“ kommt

auch der Intercity 2 mit Doppelstockwagen auf die Gleise

(siehe Infokasten Seite 12).

Zudem erweitert die Bahn ihr Service-Angebot. So soll es auch

im ICE erweiterte Familienbereiche geben. Jeder ICE erhält

sein eigenes Online-Portal, in dem der Zuglauf, Anschlüsse

und weitere Informationen abrufbar sind. Es kann im Zug mit

Smartphones oder Tablets empfangen werden. Für Fahrgäste,

die weniger online-affin sind, wird der persönliche Reiseplan

ausgedruckt, versehen mit einem QR-Code. Damit kann der

Zugbegleiter den Reiseplan einlesen und ihn, falls nötig, um

Verspätungen oder Änderungen bei den Anschlüssen ergänzen.

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten: Baustellenbedingt wird

es auch wieder zahlreiche Vollsperrungen geben. Am gravierendsten

ist wohl die viermonatige Stilllegung der Schnellfahrstrecke

Göttingen-Hannover im Sommer. Die Züge fahren in

dieser Zeit über die alte Nord-Süd-Strecke. Gar neun Monate

wird die Strecke Lichtenfels-Bamberg wegen Bauarbeiten zur

Fertigstellung der Neubaustrecke VDE 8.1 Erfurt-Nürnberg

gesperrt. Sie soll nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten Planungs-

und Bauzeit Ende 2017 eröffnet werden. Zusammen

mit der Schnellstrecke zwischen Erfurt und Halle/Leipzig

ermöglicht sie eine Verkürzung der Fahrt von München nach

Berlin auf weniger als vier Stunden. Die gesamte Schnellstrecke

schlägt mit 12,8 Milliarden Euro zu Buche.

Ebenfalls Ende 2017 sollen die neuen ICE-4-Züge (bisher ICx

genannt) als Ersatz und Ergänzung der ICE-Flotte kommen.

Insgesamt hat die DB 130 Stück bestellt; einige davon absolvieren

bereits Versuchs- und Testfahrten im Rahmen der Zulassung.

Die gesamte, vor vier Jahren aufgegebene Bestellung hat

Bahnchef Grube zufolge einen Wert von sechs Milliarden Euro.

Die neuen Züge sollen schließlich mit den meisten der über

250 jetzt schon verkehrenden ICE und den Intercity-2-Zügen

für ein Angebot im Fernverkehr von 162 Millionen Zugkilometern

sorgen. Zurzeit sind es 130 Millionen, im Jahr 2000

waren es 153, wie Grube erklärte.

Drei Fragen an Birgit Bohle (Foto),

Vorstandsvorsitzende der

DB Fernverkehr AG

» Frau Bohle, wie soll sich die Angebotsausweitung

im Fernverkehr

auf das Ergebnis auswirken?

Birgit Bohle: Wir möchten mit

unserem neuen Angebot jährlich

50 Millionen zusätzliche Fernverkehrsreisende

gewinnen. Dafür

investieren wir im Fernverkehr

in den kommenden Jahren zwölf

Milliarden Euro. Dies wird sich

mittel- und langfristig positiv auf unsere wirtschaftlichen

Ergebnisse auswirken.

» Wie sollen die Pünktlichkeitswerte im Fernverkehr trotz

massiver Arbeiten am Netz steigen?

Wir arbeiten im Projekt Zukunft Bahn daran, konzernübergreifend

die Auswirkungen der Baumaßnahmen für

unsere Kunden so gering wie möglich zu halten. Das ist ein

Top-Thema. Mittelfristig nehmen wir uns vor, mit einer

15-Minuten-Reisekettenpünktlichkeit von mehr als

90 Prozent zur zuverlässigsten Alternative auf der Mittelund

Langstrecke zu werden.

» Viele Fahrgäste wünschen sich mehr Transparenz bei der

Information im Zug. Was tut die DB?

Fahrgäste im ICE können sich im kostenfreien ICE-Portal

über den aktuellen Verlauf ihrer Reise informieren. Zusätzlich

liefern Monitore in immer mehr Fernverkehrszügen Informationen

in Echtzeit. Auch unsere App DB Navigator, die meist

genutzte Reise-App, entwickeln wir kontinuierlich weiter.

VDV Das Magazin 13


AUS DEM VERBAND

Führung in der

Arbeitswelt 4.0

eTicketing, intelligente Fahrzeugkomponenten oder die elektronische Personalakte: Die Digitalisierung und

Vernetzung der Arbeitswelt hat die Verkehrsbranche längst erfasst. Aber was bedeutet das für die betriebliche

Wirklichkeit? Und muss sich im Zuge dieser Veränderungen auch die Führungskultur in den Unternehmen

anpassen? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des 7. VDV-Personalkongresses in Hamburg.

Der Tarifvertrag für den

demografischen Wandel

Mit dem „Tarifvertrag zur Bewältigung des demografischen

Wandels im Nahverkehr“ wollen die Tarifpartner seit 2013

die Arbeit für die ÖPNV-Beschäftigten neu gestalten. Stichwörter

sind etwa das alterns- und altersgerechte Arbeiten.

Doch wie sieht die Realität aus? Auf dem Personalkongress

verglich Verdi-Bundesfachgruppenleiterin Mira Ball Anspruch

und Wirklichkeit. Unter anderem seien Bus- und

Straßenbahnfahrer häufiger krank. Sie fielen im Schnitt

26,9 Tage pro Jahr aus – der Bundesdurchschnitt liegt bei

18,9 Tagen. Das sei teuer, so Ball. Verdi zufolge können Unternehmen

(240 bis 2.400 Mitarbeiter) zwischen 250.000

und 3,5 Millionen Euro einsparen, wenn sie den Krankenstand

um ein bis zwei Prozentpunkte senken würden.

Unter dem Motto „Gute Führung, Unternehmenskultur und

Beschäftigungsfähigkeit in der Arbeitswelt 4.0“ diskutierten

in diesem Jahr fast 200 Teilnehmer, vorwiegend aus den Personalbereichen

– und so viele wie noch nie zuvor. Ausgerichtet

wurde die zweitägige Veranstaltung im Hamburger „Grand

Elysée“-Hotel durch die VDV-Akademie, den Ausschuss für

Personalwesen im VDV sowie die Hamburger Hochbahn.

„Die Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Menschen zu gestalten,

ist eine besondere Aufgabe für Führungskräfte“, erläuterte

Ulrike Riedel gleich im Eröffnungsvortrag. Sie ist Vorstand Personal

und Betrieb der Hamburger Hochbahn und stellvertretende

Vorsitzende des VDV-Ausschusses. Zusammen mit dem Bogestra-

Chef und Ausschussvorsitzenden Gisbert Schlotzhauer umriss

sie die „Herausforderungen in der Arbeitswelt 4.0“. Schlotzhauer

24 14 VDV Das Magazin


VDV und VDV-Akademie zeichnen die besten

Nachwuchskräfte der Branche aus

Gisbert Schlotzhauer und Ulrike Riedel (o.) umrissen

die personalwirtschaftlichen Herausforderungen der

Arbeitswelt 4.0. Prof. Dr. Bernhard Pörksen von der Uni

Tübingen (l.) erläuterte, worauf es bei einer effektiven

Kommunikation ankommt.

fasste die wichtigsten Handlungsfelder für

Unternehmen zusammen: „Sie müssen den

digitalen Wandel zulassen, den Wissensaustausch

von Mensch und Maschine unterstützen

und das Lernen in der digitalisierten Welt

ermöglichen.“ Immer wichtiger würden auch

die humane Arbeitsgestaltung und Führung.

Dass sich Führungskräfte in ihrer Kommunikation

anpassen müssen, verdeutlichte

Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard

Pörksen von der Uni Tübingen, der die

„Sieben Prinzipien für eine effektive Kommunikation“

vorstellte. Eines davon: die

Fokussierung. E-Mails, Anrufe, Meetings –

im digitalen Informationszeitalter sprängen

Mitarbeiter zwischen vielen verschiedenen

Dingen hin und her. „Ein permanentes

Task-Switching“, so Pörksen: „Doch die Zeit,

die wir brauchen, bis wir nach einer Störung

wieder auf altem Konzentrationslevel sind,

beträgt bis zu 25 Minuten.“ Eine Lösung

seien Informationsleitbilder im Unternehmen.

„Sie müssen bei Meetings zum Beispiel

klar machen: Wo soll das Handy sein?“

Auf die Frage, welche Handlungsmotive

Gute Noten sollten belohnt werden. Kein Wunder also, dass VDV und

VDV-Akademie auf dem Personalkongress erneut die besten Nachwuchskräfte

der Branche auszeichneten. Mitmachen durfte jeder, der

2014 oder 2015 eine Ausbildung oder ein duales Studium beendet hatte.

Im gewerblich-technischen Bereich erwies sich Patrick Beau, Gleisbauer

bei der BVG, als „der Beste“. Auf den Plätzen zwei und drei

landeten Marvin Krawtschenko, Elektroniker Geräte und Systeme

(Hamburger Hochbahn), sowie Danny Gosse, Gleisbauer (EVAG). Bei den

verkehrsspezifischen Berufen gingen alle drei Preise an Fachkräfte im

Fahrbetrieb: an Jonathan Siebel (BVG), Nikolaus Lip und Benedikt Tallian

(beide Bogestra). Angelina Ossa (Bürokauffrau, Vestische Straßenbahnen)

und René Brechmann (Industriekaufmann Stadtwerke Bielefeld)

teilten sich den dritten Platz bei den kaufmännischen Berufen. Auf Platz

zwei landete Aylin Steurenthaler, auf Platz eins Stefanie Subirge (beide

Industriekauffrau, Dortmunder Stadtwerke). Als bester dualer Student

wurde Philipp Köllisch ausgezeichnet (Hamburger Hochbahn, Bachelor

Business Administration).

Bei den Absolventen einer LehrePlus (Ausbildung plus Zusatzqualifikation)

hatte Bartosch Wilamowski die besten Noten erzielt. Er

absolvierte bei den Dortmunder Stadtwerken eine Ausbildung zum

Industriekaufmann, ist staatlich geprüfter Betriebswirt und hat einen

Vorbereitungskurs zur Ausbildereignungsprüfung belegt. Bei den gewerblich-technischen

und den verkehrsspezifischen Berufen wurde

mit Michaela Schwarze (Elektronikerin für Betriebstechnik, Bogestra)

und Sina Marie Schindler (Fachkraft im Fahrbetrieb, Verden-Walsroder

Eisenbahn) zudem die jeweils beste Absolventin ausgezeichnet. Ein Projektpreis

ging an Thomas Bekermann und Lukas Delfmann (Stadtwerke

Osnabrück): Sie hatten mit Azubis von KME Germany und der Georgsmarienhütte

GmbH ein Goggo-Mobil zu einem E-Mobil umgerüstet.

Die Besten der Branche: 16 junge Frauen und Männer wurden für ihre herausragenden

Leistungen ausgezeichnet – fast alle konnten die Ehrung persönlich entgegennehmen.

VDV Das Magazin 15


AUS DEM VERBAND

Die Hamburger

Hochbahn setzte für

die Teilnehmer des

Kongresses Extra-

Fahrzeuge (l.) ein. Die

fast 200 Teilnehmer

diskutierten rege

im Anschluss an die

Vorträge.

für Arbeitnehmer heute eine wichtige Rolle spielen, versuchte

Prof. Dr. Uwe Kanning von der Hochschule Osnabrück, eine

Antwort zu geben. Er präsentierte eine Studie, für die 4.500

Menschen nach den wichtigsten Werten für eine hohe Arbeitszufriedenheit

befragt worden waren. Selbstwert und eine mitarbeiterorientierte

Führung befanden sich dabei an der Spitze.

Wie Verkehrsunternehmen praktisch auf die veränderten

Ansprüche reagieren können, erläuterten zudem Referenten

der Hamburger Hafen und Logistik AG sowie von DB Regio,

den Stadtwerken Osnabrück und den Dortmunder Stadtwerken

(DSW21) anhand von Best-Practice-Beispielen. Exkurse in die

Privatwirtschaft, theoretische Betrachtungen und eine Podiumsdiskussion

zum Thema „Lenken Frauen anders?“ ergänzten

das Programm. Die VDV-Akademie wiederum steuerte in ihren

Konferenzunterlagen das Dokument „Werkzeugkoffer für eine

erfolgreiche Personalrekrutierung“ bei. Dieses soll in Zeiten

des Bewerbermangels besonders kleinen und mittleren Verkehrsunternehmen

Tipps für die Mitarbeitergewinnung geben.

Das einhellige Fazit der Veranstaltung: Eine gute Führung

setzt heute eine Kommunikation auf Augenhöhe, Respekt und

Leitlinien voraus, die für den Vorgesetzten ebenso wie für

den Mitarbeiter gelten. Angesichts von größerem eigenverantwortlichen

Handeln und immer höherem Leistungsdruck

warnte Dr. Klaus Peters vom Berliner Cogito-Institut für

Autonomieforschung jedoch vor „unschönen Begleiterscheinungen“.

Angetrieben durch wirtschaftlichen oder psychischen

Druck arbeite der Arbeitnehmer bis zum Burn-out.

„Er hat eine Tendenz zur Selbstgefährdung entwickelt“, so

Peters (siehe Interview): „Gleichzeitig will er sich nicht bevormunden

lassen. Gesundheitsförderliche Maßnahmen

dürfen deswegen nicht als Bevormundung erlebt werden.“

Drei Fragen an Dr. Klaus Peters (Foto), Vorstand des Cogito-Instituts für Autonomieforschung, Berlin

» Herr Dr. Peters, in Ihren Vorträgen sprechen

Sie vom Krokodil, das die Menschen zu mehr

Leistung antreibt – bis hin zum Burn-out. Was

können die Arbeitgeber hier tun?

Dr. Klaus Peters: Das Krokodil steht für den

Wettbewerbsdruck, die schwierige wirtschaftliche

Lage, die Konkurrenz zu Kollegen. Diese

Sachzwänge werden heute eingesetzt, um das

Unternehmen zu steuern. Unter diesen Bedingungen

müssten die Arbeitgeber Aufklärung über die Funktionsweise

neuer Steuerungsformen befördern. Sonst besteht die Gefahr, dass sich

Mitarbeiter sogar gegen Maßnahmen wehren, die eigentlich ihrem eigenen

Wohl dienen sollen, und weitermachen bis zur Selbstschädigung. Wir benötigen

eine Verständigungsebene in Unternehmen, in der alle Beteiligten

angstfrei über ihre Lage sprechen können. Denn die Probleme sind oft

damit verbunden, dass Ängste im Raum stehen. Aber je weniger Angst im

Betrieb herrscht, offen die realen Umstände zu benennen, desto größer ist

die Chance, in diesen Fragen etwas zu bewegen. Übrigens: Selbst Führungskräfte

und Unternehmensleitungen werden von Krokodilen verfolgt.

» Der Arbeitgeber muss also mit Blick auf die Gesundheit seiner

Mitarbeiter die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Gleichzeitig

befinden sich viele Branchen, auch der ÖPNV, in einer schwierigen

wirtschaftlichen Lage. Wie kann man diesen Widerspruch lösen?

Investitionen in die Gesundheit rechnen sich langfristig. Aber

diese Langfristigkeit ist natürlich ein Problem, denn Entscheidungen

mit Blick auf die Unternehmensziele sind meistens kurzfristig.

Hier entsteht ein Konflikt. Wir brauchen vor allem Maßnahmen,

die von den Betroffenen nicht als Bevormundung empfunden werden.

Das ist der Ansatz, den wir bei uns im Institut verfolgen.

» Die Feiertage stehen vor der Tür. Was kann man tun, um das Krokodil

nicht mit nach Hause zu nehmen?

Das ist wirklich schwer zu sagen, jeder ist ja anders. Aber der beste Tipp

wäre wahrscheinlich, die Feiertage dafür zu nutzen, darüber nachzudenken,

was man in seinem eigenen Leben als Erfolg ansehen will – und

dabei hohe Ansprüche zu stellen. Das meine ich jetzt nicht mit Blick auf

den Konsum. Aber was für eine Lebensqualität will ich für mich? Da

sollte man möglichst unbescheiden sein.

24 16 VDV Das Magazin


Austausch

in

Flüchtlingsfragen

Die steigende Zahl der Flüchtlinge stellt die Verkehrsbetriebe

vor neue Herausforderungen. Ein Online-

Angebot des VDV ermöglicht seinen Mitgliedern

nun den praxisnahen Austausch.

Wie behandeln andere Verkehrsunternehmen das Thema

Ticketing? Gibt es Sozialtickets oder nicht? Kann ich bei Bedarf

einfach so Sonderfahrzeuge für Flüchtlinge einsetzen oder gibt

es bestimmte Richtlinien zu beachten? Und wie kann ich Menschen,

die kein oder kaum Deutsch sprechen, erklären, wie der

ÖPNV in unserer Stadt funktioniert? Auf Fragen wie diese will

der VDV über eine neue Online-Plattform Antworten geben. Im

Mitgliederbereich der Verbandswebsite finden die Nutzer nun

vielfältige Informationen zum Thema, unterteilt in insgesamt

sechs Rubriken.

„Die aktuelle Lage stellt für viele Verkehrsunternehmen eine

ganz neue Situation dar“, erklärt Rahime Algan aus dem

VDV-Hauptstadtbüro Berlin: „Der VDV wollte deswegen ein

Online-Angebot mit Best-Practice-Beispielen und entsprechenden

Informationen aus den Verkehrsunternehmen auf die

Beine stellen. Dazu hatte der Verband alle Mitglieder nach ihren

jeweiligen Maßnahmen, Projekten und Erfahrungen befragt.“

Noch wird die Website zwar kontinuierlich erweitert, aber

viele Betriebe haben bereits geantwortet und unter anderem

ihre mehrsprachigen Informationsmedien zur Verfügung gestellt.

So finden Nutzer auf der Seite beispielsweise das Faltblatt

„Information for refugees“ der Berliner Verkehrsbetriebe auf

Englisch und Arabisch oder den ebenfalls mehrsprachigen

Flyer „Willkommen in unserem Zug“ von Meridian, Bayerischer

Oberlandbahn (BOB) und Bayerischer Regiobahn (BRB). Die drei

Partner haben die wichtigsten Infos und Verhaltensregeln rund

ums Zugfahren zusammengefasst – in insgesamt elf Sprachen.

Das Interesse an der VDV-Plattform und den Aktivitäten anderer

Verkehrsunternehmen scheint auf jeden Fall groß zu sein:

Seit der Live-Schaltung Ende September hat die Seite mehr als

1.300 Aufrufe verzeichnet.

Wollen auch Sie die Maßnahmen und Projekte Ihres Verkehrsunternehmens

im Mitgliederbereich auf ww.vdv.de vorstellen?

Mailen Sie an: algan@vdv.de

Kölner sammeln

Kleider

im Spenden-Express

Kleider spenden einmal anders: In Köln fuhr Anfang November eine Stadtbahn

der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) als Spenden-Express durch

die Stadt. Die Idee dazu hatte der Student Sven Neu. Er wollte so vor

allem dringend benötigte Winterkleidung für die Kleiderkammer

am Flughafen Köln/Bonn sammeln, wo jeden Tag Flüchtlinge mit

Zügen aus Bayern ankommen. Insgesamt vier Haltestellen fuhr

der Express an, an denen die Bürger ihre Spenden abgeben

konnten. Die Resonanz war so gut, dass zwischenzeitlich auf

Lkw umgeladen werden musste. Neben der KVB gehörten

auch das Deutsche Rote Kreuz, das Deutsche Karriere Institut

und der Arbeiter-Samariter-Bund zu den Partnern der Aktion.

Schirmherrin war Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes.

Jürgen Fenske, KVB-Vorstandsvorsitzender und VDV-Präsident,

lobte die Aktion als Beispiel dafür, wie pragmatisch geholfen

werden kann, und packte selbst mit an (unteres Foto, r.).

VDV Das Magazin 17


AKTUELL

9,5

Millionen

beträgt die Summe der

Zugkilometer im neuen Netz der

Westfalenbahn – mehr als doppelt

so viel wie bisher.

18 VDV Das Magazin


„Emil“ geht an

den Start

Die Westfalenbahn, bislang mit Regionalbahnen

rund um den Teutoburger Wald

unterwegs, kommt groß ins SPNV-Geschäft.

Im neuen Fahrplanjahr bedient das mittelständische

Unternehmen zusätzlich drei

Regionalexpress-Linien zwischen Münster,

Emden, Rheine, Bielefeld und Braunschweig

mit hochmodernen, 160 Stundenkilometer

schnellen Elektrotriebzügen.

Auf der Website der Westfalenbahn lief über Monate

die Uhr rückwärts. Sie zählte die Zeit bis zum Start,

bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember und bis

zur ersten neuen fahrplanmäßigen Leistung um 0.13

Uhr von Hannover nach Braunschweig. Wer in den

Wochen zuvor zwischen Bielefeld und Herford unweit

des Bielefelder Hauptbahnhofs aus dem Zugfenster

schaute, konnte eine immer größer werdende

Zugparade in Grün-Blau bewundern: Hier warteten

nagelneue „Flirt 3“-Elektrotriebzüge und ebenfalls

elektrische „Kiss“-Doppelstocktriebzüge in den Farben

der Westfalenbahn auf den fahrplanmäßigen Einsatz.

Inzwischen ist die Abstellanlage wieder weithin

leer, denn die Flirt- und Kiss-Züge sind unterwegs

auf ihren Strecken. Die Flirts pendeln zwischen der

westfälischen Metropole Münster bis an die Nordsee

nach Emden-Außenhafen als Regionalexpress RE

15. Und die mächtigen Kiss-Triebzüge verkehren auf

den RE-Linien 60 und 70 von Rheine über Osnabrück

– Löhne – Minden beziehungsweise von Bielefeld

über Minden und Hannover nach Braunschweig.

Acht Jahre nach ihrem Start auf den Regionalbahnstrecken

des Teutoburger-Wald-Netzes steht die Westfalenbahn

jetzt ganz im Zeichen von „Emil“. Dahinter

verbergen sich die neuen SPNV-Leistungen weit über

den Dunstkreis des Bielefelder Firmensitzes hinaus.

Emil steht für „Expresslinien Emsland Mittelland“.

Das vergleichsweise kleine Eisenbahnverkehrsunternehmen,

das gerne stolz auf mittelständische

VDV Das Magazin 19


AKTUELL

Westfalenbahn

Die Westfalenbahn GmbH mit Sitz in Bielefeld ist ein Beteiligungsunternehmen

von vier Partnern, die jeweils Anteile von 25 Prozent halten: die

Abellio GmbH (Tochter der Niederländischen Staatsbahnen), die Mindener

Kreisbahnen GmbH (nicht-bundeseigene Eisenbahn im Schienengüterverkehr

und ÖPNV-Betreiber), die Verkehrsbetriebe moBiel GmbH (Stadtwerke

Bielefeld) und die Verkehrsbetriebe

Extertal GmbH. An der Spitze

des 2005 gegründeten Unternehmens

steht mit Rainer Blüm, Geschäftsführer

und Betriebsleiter in Personalunion, ein

erfahrener SPNV-Experte.

Flexibilität und die Unabhängigkeit von den großen

Bahn-Konzernen hinweist, wandelt sich vom Regionalbahn-Betreiber

zu einem Player, der nun mit

anspruchsvollen, hochwertigen RE-Leistungen mit

160 km/h schnellen Zügen auf Hauptstrecken des

deutschen Schienennetzes in Nordrhein-Westfalen

und Niedersachsen unterwegs ist. Die Verkehrsleistung

wird sich mehr als verdoppeln. Auf dem

bisherigen, 300 Kilometer langen Netz kam die

Westfalenbahn auf 4,1 Millionen Zugkilometer im

Jahr. Jetzt kommen 5,4 Millionen Zugkilometer hinzu.

Die drei RE-Linien sind aneinandergereiht fast

600 Kilometer lang. Gewonnen wurde das neue Netz

in einer europaweiten Ausschreibung im Jahr 2012,

festgeschrieben im Verkehrsvertrag für 15 Jahre. Für

die neuen Aufgaben stockte die Westfalenbahn den

Personalbestand auf über 300 Mitarbeiter auf, 175

von ihnen sind neu. Und gut 70 davon sind Lokführer,

die zum großen Teil intern ausgebildet worden

sind. Die Fahrzeugflotte von bisher 19 Flirts wächst

um weitere 15 Flirt- und 13 Kiss-Züge. Sämtliche

Triebzüge sind von Alpha Trains für die gesamte

Vertragszeit geleast. Das Risiko der Anschlussnutzung

liegt beim Leasinggeber. „Wir drehen

schon ein großes Rad“, sagt Dr. Stefan Bennemann,

der als Projektleiter für die Betriebsaufnahme

zurzeit einen besonders stressigen Job hat.

In den kommenden Wochen muss sich zeigen,

ob Emil mühelos ans Laufen kommt. Nach dem

Trubel des vorweihnachtlichen Einkaufs- und

Reiseverkehrs rechnet Bennemann zunächst

mit einer Verschnaufpause über Feiertage und

Jahreswechsel. Doch spätestens nach dem Ende

der Weihnachtsferien ist das volle Programm

gefordert. Der Projektleiter sieht dem gelassen

entgegen: „Wir sind gut vorbereitet. Wir sollten

nach mehreren Bewerbungsrunden und eigener

Ausbildung keinen Lokführermangel haben.

Und unseren Kunden präsentieren wir eine

tolle Fahrzeugflotte. Klimatisiert, komfortabel,

großzügig gestaltet mit vielen Sitzplätzen.“

Ein bisschen Spannung bleibt gleichwohl für Bennemann:

„Es sind keine Fahrzeuge von der Stange.

Hersteller Stadler Pankow hat beide Fahrzeugtypen

Taufe (v.l.): Dr. Klaus Effing, Landrat des Kreises Steinfurt, sowie die Verkehrsminister

Olaf Lies (Niedersachsen), Michael Groschek (NRW), Rheines Bürgermeister

Dr. Peter Lüttmann und Westfalenbahn-Geschäftsführer Rainer Blüm

Geschmückt: Der ET 414 vom Typ Flirt 3 trägt jetzt den Namen „Rheine“.

Mit den Triebzügen „Salzbergen“, „Meppen“, „Geeste“ und „Lingen (Ems)“

ist er als regionaler Botschafter auf der Emslandstrecke unterwegs.

20 VDV Das Magazin


Norddeich Mole

Borkum

RE 15

Emden Hbf

[Emden Außenhafen]

Groningen

(Niederlande)

Leer (Ostfriesland)

Papenburg (Ems)

Aschendorf

Oldenburg/Bremen

Von 300 auf fast 900 Streckenkilometer: Das Netz

der Westfalenbahn hat sich deutlich vergrößert.

Dörpen

Lathen

Hamburg/

Celle

Celle

Hengelo (Niederlande)

Bad Bentheim

Schüttorf

Haren (Ems)

Meppen

Geeste

Lingen (Ems)

Leschede

RB 65

RE 60

Oldenburg

Bremen

Rahden

Salzbergen

Rheine

Hörstel

Ibb.-Esch

Ibbenbüren

Ibb.-Laggenbeck

Osnabrück Altstadt

Osnabrück Hbf

Wissingen

Westerhausen

Melle

Bruchmühlen

Bünde (Westf)

RB 61

/ Rheine-Mesum /

Hasbergen

Hiddenhausen-

Schweicheln

Emsdetten

Natrup-Hagen

/ Reckenfeld /

Lengerich

Halle (Westf)

/ Brake /

Greven

RB 65 RB 66 Kattenvenne

Bielefeld Hbf

RE 15

RE 70

Münster-Sprakel

Ostbevern

Enschede (Niederlande)

RB 61

/ Münster Zentrum Nord /

Westbevern Warendorf

Coesfeld (Westf)

Brackwede

Münster (Westf) Hbf

Gütersloh Hbf

Essen

Schloß Holte

Rheda-

Dortmund

Wiedenbrück

RB 66

Kirchlengern

Löhne (Westf)

Bad Oeynhausen

Hameln

Herford RB 72

Bad Salzuflen

Schötmar

Sylbach

Lage (Lippe)

Detmold

Nienburg (Weser)

Porta Westfalica

Horn-Bad Meinberg

Lemgo

Bückeburg

Minden (Westf)

Bremen/

Nienburg

[Kirchhorsten]

Stadthagen

[Lindhorst]

Haste

Wunstorf

Barsinghausen

Göttingen

Emsland-Netz

Hildesheim

Teutoburger Wald-Netz

Wolfsburg/

Gifhorn

RB 66 Teuto-Bahn

Münster – Lengerich – Osnabrück

Ostwestfalen-Bahn

Uelzen/ Gifhorn

RE 70

Hildesheim

Salzgitter/

Wolfenbüttel/

Harz

RB 61 Wiehengebirgsbahn

Bad Bentheim – Rheine – Osnabrück – Herford – Bielefeld

RB 65 Ems-Bahn

Münster – Emsdetten – Rheine

RB 72

Hannover Hbf

Lehrte

Hämelerwald

Vöhrum

Peine

Vechelde

Herford – Lage (Lippe) – Detmold – Altenbeken – Paderborn

Braunschweig Hbf

RE 60

Wolfsburg

Weddel

Magdeburg/

Helmstedt

Dortmund

Unna

Hamm (Westf)

Soest

Lippstadt

Hövelhof

RB 72

Paderborn Hbf

Leopoldstal

Sandebeck

Altenbeken

Hameln

Höxter

RE 15 Regionalexpress

Münster – Rheine – Meppen – Leer – Emden [ – Emden Außenhafen]

Mittelland-Netz

RE 60 Regionalexpress

Rheine – Osnabrück – Minden – Hannover – Braunschweig

Kassel

RE 70 Regionalexpress

Bielefeld – Herford – Minden – Hannover – Braunschweig

nach unseren Vorstellungen und den Anforderungen

der Besteller angepasst, aber dabei natürlich auf bewährte

Technik zurückgegriffen.“ So sei der Flirt 3

gegenüber der bisher eingesetzten ersten Generation

in vielen Details ein völlig neuer Zug – gut erkennbar

an der neuen Front gemäß EU-Crashnorm. Und

die im Mittelland eingesetzten Kiss-Einheiten sind

sechsteilig und mit 156 Metern und 627 Sitzplätzen

die längsten Doppelstocktriebzüge auf deutschen

Schienen. Die ersten ausgelieferten Fahrzeuge

konnte die Westfalenbahn seit dem Spätsommer

testen, wobei die Flirts schon seit August im regulären

RB-Dienst eingesetzt wurden. Bennemann:

„Die Inbetriebsetzung eines neuen Schienenfahrzeugs

geht faktisch immer in zwei Stufen: erst im

Werk beim Hersteller, dann im Betrieb beim Verkehrsunternehmen.“

Und der beginnt gerade erst.

Neben der Organisation des Betriebs versucht die

Westfalenbahn, in ihren Regionen ein Wir-Gefühl

mit ihren Kunden und den an der Strecke liegenden

Kommunen aufzubauen. „Wir streben eine

Rückverankerung der Bahn in der Bevölkerung an“,

beschreibt Bennemann: „Wir wollen, dass sie uns als

ihre Bahn begreifen.“ So wurden auch die Lokführer

weithin in der Region angeworben: „Wir wollen

keine ‚Legionäre‘. Wir setzten auf die Verwurzelung

in der Heimat.“ Und mit Bürgermeistern, Landräten,

Stadt- und Gemeinderäten wird nach gemeinsamen

Potenzialen gesucht – von der feierlichen Zugtaufe

mit dem Namen der Haltebahnhöfe bis hin zu weiteren

Projekten, die Bennemann noch nicht verraten

will. „Wir werden auch nach dem Betriebsstart viel

unterwegs sein, um zu hören, wie die Regionen an

unseren neuen Linien ticken. Wir wollen einfach

dazugehören“, sagt der Projektleiter.

Eine frohe Botschaft für die Bahnkunden

hat er schon jetzt: Sämtliche

neue Züge für die Emil-Region

sind ab Werk für den Einbau von

WLAN-Technik vorbereitet. Der

Klick von der Schiene ins Web wird

zwar erst im kommenden Frühjahr

geschaltet werden können,

aber, so Bennemann, „wir werden

auch dann noch zu den Ersten im deutschen

SPNV gehören, die einen kundenfreundlichen

kostenlosen Internet-Zugang bieten“.

Mehr Informationen über die Westfalenbahn

finden Sie online unter:

www.westfalenbahn.de

Wir streben eine Rückverankerung

der Bahn

in der Bevölkerung an.

Dr. Stefan Bennemann,

Bereichsleiter

Unternehmensentwicklung

VDV Das Magazin 21


UNTERWEGS IM NETZ

29

Prozent

So viel beträgt die

maximale Steigung

der Dresdner

Standseilbahn.

22 VDV Das Magazin


Am

Seil

zum

Weißen Hirsch

Eine Standseilbahn und eine Schwebebahn verbinden das östliche Elbufer mit den

oben am Elbhang gelegenen Wohn- und Ausflugsgebieten. Beide sind mehr als ein

Jahrhundert alte technische Denkmale, die heute der Dresdner Verkehrsbetriebe AG

(DVB) gehören. Sie feierte in diesem Jahr das 120-jährige Bestehen der Standseilbahn.

„Bei Bergbahnen gilt das Motto: ,Von der Schweiz

lernen heißt siegen lernen!‘“, sagt Carsten Lauterbach.

Der 51-Jährige ist Leiter der Gruppe Bergbahnen bei

den Dresdner Verkehrsbetrieben. Mit der passend zu

seinem Beruf abgewandelten einstigen DDR-Parole

(„Von der Sowjetunion lernen ...“) meint er, dass die

Alpenrepublik weltweit Spitze in der Bergbahn-Technologie

ist. „Dort gibt es alles, was das Herz an historischen

und modernen Bahnen begehrt“, sagt Lauterbach.

Auch in Dresden fahren zwei Bergbahnen. Gebaut

wurden sie, weil sich im heutigen Stadtteil

„Weißer Hirsch“ rund 100 Meter über der Elbe ein

Kurort entwickelt hatte, dessen Bewohner, Lieferanten

und Besucher eine kurze Verbindung mit

der Dresdner Innenstadt suchten. Die Berliner „Vereinigte

Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft“

errichtete zwar die 547 Meter lange Bahn und nahm

1895 den Betrieb auf. Aber statt einer halben Million

kostete sie mehr als 800.000 Reichsmark.

1912 übernahm die Stadt die Bahn. Anfangs mit

Dampfmaschinen betrieben, versorgte bald ein eigenes

Kraftwerk die Bahn mit Energie. Seine imposanten

Armaturen können in der Bergstation noch besichtigt

werden. Heute reicht Starkstrom für den 199 Kilo watt

leistenden Motor, der im großen Maschinenhaus neben

den mächtigen Treibscheiben recht klein wirkt. Die

gesamte Antriebsmaschine bringt mehr als 40 Tonnen

auf die Waage. Über die je 15 Tonnen schweren Scheiben

mit vier Metern Durchmesser wird das 38 Millimeter

dicke und 610 Meter lange Seil befördert und

umgelenkt. An ihm hängen die Kabinen mit ihren

stufenförmigen Abteilen. Zieht der Motor eine Kabine

hoch, bewegt sich die andere nach unten. In der Mitte

der Strecke begegnen sie sich an einer Ausweichstelle.

Die Wagen leuchten gelb im Retro-Design der

60er-Jahre. Aus Denkmalschutzgründen wurden

sie bei der Grunderneuerung der Bahn 1994 nostalgisch

designt. „Aber unten drunter und innen drin ist

alles up to date“, erläutert Lauterbach. Auch moderne

E-Mobilität ist hier verwirklicht: In den Stationen

werden Batterien unter den Kabinen aufgeladen. Das

sichert deren Beleuchtung und erspart eine Oberleitung

wie früher. Der Fahrdienstleiter überwacht

von der Bergstation aus die automatische Fahrt

Carsten Lauterbach, Leiter der Gruppe Bergbahnen bei den DVB,

im Seilbahn-Maschinenhaus. Im Hintergrund befinden sich die

Treibscheiben für das Zugseil.

VDV Das Magazin 23


UNTERWEGS IM NETZ

und die Strecke. Monitore und Sprechverbindung

sichern den Kontakt zur führerlosen Kabine.

Unter den Kabinen glänzt Mechanik von 1994,

die aussieht wie neu. Sie müsse penibelst gepflegt

werden, sagt Lauterbach. Das sei nicht nur eine

Frage der Sicherheit oder des Ehrgeizes der 15

Mitarbeiter: „Fällt ein Wagen aus, liegt ja die ganze

Anlage still. Es gibt keine Ersatzwagen.“ Pro Jahr

wenden die DVB etwas mehr als eine Million Euro

für den Betrieb der Dresdner Seilbahnen auf. „Der

Kostendeckungsgrad liegt bei über 70 Prozent.“

Darüber hinaus werden in Dresden auch Betriebsleiter

für andere Bergbahnen ausgebildet.

Die bis zu 18 km/h schnelle Fahrt zum Weißen

Hirsch mit ihrer traumhaften Aussicht auf Elbflorenz

bis zu den blauen Bergen des Erzgebirges

ist sehr beliebt: Jährlich unternehmen sie knapp

400.000 Menschen. Es sind nicht nur Touristen.

„Viele Dresdner, die oben am Elbhang wohnen,

pendeln mit der Seilbahn“, erläutert Lauterbach:

„Deshalb fahren wir im Berufsverkehr morgens

einen Zehn-Minutentakt, sonst einen 15-Minutentakt.“

Die Touristenzahl stagniert aber gerade.

Lauterbach räumt ein, dass die derzeitigen negativen

Schlagzeilen über Dresden ein Grund dafür

sind: „Nach der Wende ging die Kurve stets nach

oben; seit 2014 gibt es einen Knick.“ In diesem Jahr

kam hinzu, dass das Restaurant Luisenhof samt

Aussichtsterrasse an der Bergstation seit Juni

geschlossen ist. „Wir arbeiten an einer Lösung.“

Wegen all dieser Gründe machen sich die DVB stets

Gedanken darüber, wie sie Wachstum generieren

Die Schwebebahn, die auf den Nachbarberg der Standseilbahn führt,

funktioniert nach dem Prinzip der Wuppertaler Schwester. Allerdings

haben die Kabinen keinen eigenen Antrieb, sondern sind wie die Nachbarin

durch ein Zugseil verbunden.

können. Radfahrer kommen hinzu, auch wenn Räder

wie auch Kinderwagen und Rollstühle schon lange

erlaubt sind, pro Waggon maximal sieben. Frühere

Wagengenerationen hatten dafür Perrons außen,

mit dem Hinweis, dass „die Kinder vor Fahrtbeginn

aus den Kinderwagen zu entnehmen“ seien,

so Lauterbach. Damals fuhr noch ein Schaffner mit.

Dessen Aufgaben „erfüllt heute der Ticket-Automat,

und ein MP3-Player informiert per Lautsprecher

über Sehenswürdigkeiten und Technik“.

Eine wirkungsvolle Idee hatten die Betreiber vor

einigen Jahren: Seitdem ist Halloween der Tag,

an dem die Standseilbahn mit 8.000 die meisten

Besucher zählt – denn da wird sie zur Geisterbahn.

„Tunnels und Maschinenhaus sind wie geschaffen,

um im Nebel und Halbdunkeln das Fürchten zu

lehren“, sagt Lauterbach. Beim ersten Mal wurden

der Geburtstag der Bahn, der 26. Oktober, und

Halloween zusammen gefeiert. „Mittags haben wir

umdekoriert, da haben sogar die Fahrgäste mitgeholfen.“

Auch in der Neujahrsnacht wird der

Seilbahnbetrieb bis mindestens ein Uhr ausgedehnt.

Apropos neues Jahr: 2016 gibt es am Elbhang wieder

etwas zu feiern: Die benachbarte Schwebebahn wird

115 Jahre alt. Während die Kabinen der Standseilbahn

auf Rollen und Schienen „stehen“, hängen sie

bei der Schwebebahn an einer Schiene. „Es ging

damals um ein Beförderungssystem, das unabhängig

von der Topografie unter den Fahrzeugen funktioniert“,

sagt Lauterbach. Bei der Wuppertaler Schwebebahn

war es der Fluss, in Dresden der Elbhang.

Ein Blick aus der Bahn in den Tunnel hinter der Talstation:

Die Fahrzeuge werden nicht mehr vom Führerstand,

sondern aus der Bergstation gesteuert.

Mehr Informationen über die Dresdner Standseil- und

Schwebebahn finden Sie online unter:

www.dvb.de/de-de/ausfluege/bergbahnen

24 VDV Das Magazin


AUS DEM VERBAND

VDV-Präsidium: Jürgen Fenske und Oliver Wolff wiedergewählt

Doppelte Wiederwahl: Das Präsidium des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen

(VDV) hat sowohl Präsident Jürgen Fenske (Foto, r.) als auch Hauptgeschäftsführer

Oliver Wolff (l.) in ihren Ämtern bestätigt. Beide wurden auf der jüngsten

Präsidiumssitzung für drei beziehungsweise acht Jahre einstimmig gewählt. Im

Präsidium sitzen aktuell 29 Vertreter aus den mehr als 600 Mitgliedsunternehmen

im VDV.

Für Jürgen Fenske begann damit die dritte Amtszeit. „Ich freue mich über das einstimmige

Votum“, sagte der hauptamtliche Vorstandsvorsitzende der Kölner Verkehrs-Betriebe

(KVB) im Anschluss an die Wahl. Er warf zudem einen Blick in die

Zukunft: „In den kommenden Jahren warten weitere große Aufgaben auf uns, für die

wir als Branche gemeinsam mit der Politik dringend Lösungen finden müssen.“ Als

Beispiel nannte er unter anderem die unklare Zukunft der Entflechtungsmittel.

Auch Oliver Wolff nahm die Wiederwahl als Aufgabe mit in seine achtjährige Amtszeit.

„Solch ein einstimmiges Votum ist nicht einfach nur ein Beschluss, sondern

eine Bestätigung dafür, dass die Mitgliedsunternehmen den bisherigen Kurs und die

erfolgreiche Arbeit des Verbandes in den vergangenen Jahren honorieren“, sagte er.

Der Hauptgeschäftsführer startete in die zweite Amtszeit – nach seiner ersten Ernennung

in 2011. Damit leitet er als geschäftsführendes Präsidiumsmitglied weiterhin

hauptamtlich den Branchenverband des Öffentlichen Verkehrs mit seinen rund

70 Mitarbeitern an den Standorten Köln, Berlin und Brüssel.

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VDV Das Magazin 25


HINTERGRUND

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Die

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er hatte nehmen wollen, ist ausgefallen. Wütend schimpft er über den ÖPNV im

Allgemeinen und das Verkehrsunternehmen im Besonderen. Wie soll sich der

Angestellte im Servicecenter verhalten? Freundlich bleiben, zurückschimpfen,

Besserung geloben? Ein Workshop der VDV-Akademie sollte Antwort auf die

Frage geben, wie Servicemitarbeiter Kunden-Emotionen am besten begegnen.

26 VDV Das Magazin


Jeder enttäuschte Kunde

teilt seine Unzufriedenheit

im Schnitt fünf weiteren

Kunden mit.

Holger Gloszeit,

Referent für Beschwerdemanagement

Dass diese Antwort nicht so einfach ist, weiß Holger

Gloszeit. „Die Probleme sind so vielfältig wie die

Verkehrsbetriebe selbst“, bilanziert der Inhaber des

auf die Verkehrsbranche spezialisierten Weiterbildungsdienstleisters

„Train4results“ in Remscheid,

der seit 2012 regelmäßig entsprechende Seminare

für die VDV-Akademie abhält. Der Name des jüngsten

Workshops im November: „Von der Beschwerde

zum professionellen Beschwerde- und Feedbackmanagement“.

Innerhalb von zwei Tagen sollten die

Teilnehmer das nötige Handwerkszeug erlernen,

um Beschwerden souverän zu begegnen. „Eines der

Schwerpunktthemen ist dabei sicherlich die Kommunikation,

der Umgang mit den Zielgruppen über alle

Kontaktkanäle“, so Holger Gloszeit: „Denn neben dem

Fahrgast haben die Mitarbeiter auch mit Nicht-Kunden

zu tun – mit Politikern zum Beispiel oder mit Anwohnern,

die sich beschweren.“ Wichtig sei jeweils,

tatsächlich Lösungen anzubieten und die Anliegen

aktiv zu bearbeiten. Gloszeit: „Wir müssen lernen, den

Kunden zu verstehen. Was möchte er? Mit Blockadehaltung

komme ich nicht weiter.“

Er betont den langfristigen Nutzen des Beschwerdemanagements

– auch wenn dieses natürlich Geld

kostet. Gerade für kleinere Verkehrsbetriebe ist dies

nicht leicht zu stemmen. Häufig kommt es vor, dass

ein Mitarbeiter abgestellt wird, der Beschwerden

zusätzlich zu seiner eigentlichen Tätigkeit abarbeiten

soll. „Aber das ist nicht zu empfehlen“, mahnt Holger

Gloszeit: „Und die Kosten können sich schnell bezahlt

machen.“ Zum einen sei die Neukundenakquise dreibis

viermal so teuer wie die Bindung eines Bestandskunden.

Zum anderen sei der Multiplikatoreffekt

unzufriedener Fahrgäste nicht zu unterschätzen.

„Auf einen enttäuschten Kunden, der sich direkt beschwert,

kommen nach Zahlen des VDV vier andere,

die das nicht tun“, sagt der Referent: „Aber jeder von

ihnen teilt seine Unzufriedenheit im Schnitt fünf

weiteren Personen mit. Bei einem ÖPNV-Unternehmen

mit zwei Millionen Kunden, von denen im

Schnitt 15 Prozent als unzufrieden gelten, wären das

drei Millionen negativ beeinflusste Personen. Zwei

Prozent – also 60.000 davon – werden nie Kunden

werden. Dieser Schaden ist viel teurer als ein gutes

Beschwerdemanagement.“

Ein „ganzheitliches, systematisches Beschwerdemanagement“

sei deshalb der Schlüssel, um die Kundenzufriedenheit

nachhaltig zu steigern. Feste Zu-

Drei Fragen an Heinz Klewe (Foto), Geschäftsführer

der Schlichtungsstelle für

den öffentlichen Personenverkehr (Söp)

» Herr Klewe, 94,7 Prozent der

Reisenden sind nach einer Studie der

Universität Oxford sehr oder ziemlich

zufrieden mit der Söp. Ist sie besser als

die Verkehrsbetriebe?

Heinz Klewe: Nein, unsere Aufgabe ist

die Schlichtung bei ungelösten Streitfällen.

Wir prüfen unparteiisch den

Fall und geben eine juristisch fundierte

Schlichtungsempfehlung. So kommt es vor, dass selbst in Fällen,

in denen wir den Reisenden „einen Korb geben“ müssen, diese

sich bei uns bedanken. Sie fühlen sich verstanden und ernst genommen,

was für den Erfolg unserer Arbeit ganz wesentlich ist.

Bei Bahn und Flug gibt es aufgrund dezidierter Passagierrechte

klare Regelungen für Entschädigungen. Nutzer des ÖPNV wenden

sich zumeist aufgrund eines von ihm verlangten erhöhten

Beförderungsentgelts an die Söp. Auch hier kommen wir in der

Regel zu einer beidseitig anerkannten Schlichtungsempfehlung,

was der zum Teil intensiven und teuren Korrespondenz ein Ende

bereitet.

» Wie ist der Trend bei der außergerichtlichen Streitbeilegung?

In diesem Dezember wurde das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz

(VSBG) verabschiedet. Dieses Gesetz wird der außergerichtlichen

Streitbeilegung einen großen Schub geben, zumal es auch

erhebliche Qualitätsstandards für die Schlichtung beinhaltet.

Qualität ist im Übrigen ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor

der Söp. Rück- und vorwärts blickend – es war eine kluge Entscheidung,

dass VDV und Söp eine Zusammenarbeit vereinbart

haben und damit einen politischen Schritt vorausgegangen

sind. Vielleicht machen im nächsten Jahr ja noch weitere ÖPNV-

Unternehmen bei der Söp mit.

» Besteht nicht das Risiko, dass die Möglichkeit, sich an eine

Schlichtungsstelle wenden zu können, die Zahl der eingereichten

Beschwerden in die Höhe treibt?

Nein, diese Befürchtung haben Verkehrsunternehmen nur dann,

wenn sie noch keine Praxiserfahrung haben. Sie können Probleme

weiterhin mit ihren Kunden auf direktem Wege lösen. Denn

auch bei der Söp müssen sich die Reisenden im ersten Schritt

immer an ihr Unternehmen wenden. Wir erhalten also nur die

Spitze des Beschwerde-Eisbergs, und der ist real sehr klein.

Schlichtung sollte – und ich bin mir sicher, sie wird es auch –

zum festen Bestandteil eines guten Kundenservices werden.

ständigkeiten sind laut Gloszeit essenziell. „Gerade

in den sozialen Netzwerken, etwa auf den Facebook-Seiten

der ÖPNV-Unternehmen, reagiert eher

die Presseabteilung auf Beschwerden. In der Telefonzentrale

ist es dann der Servicemitarbeiter. Das sollte

einheitlich sein.“ Ohnehin seien soziale Medien ein

Grund mehr für ein professionalisiertes Beschwerdemanagement.

Dass Kunden per Facebook oder App

direkt und unmittelbar Feedback geben können, kann

die Zahl der Beschwerden in die Höhe treiben.

VDV Das Magazin 27


U20

Sonderpreis beim

Medienwettbewerb:

Ein Tag in der Hauptstadt

Wichtiger Termin für Janka Bensler in Berlin: Gemeinsam mit einer Freundin stattete die

Elfjährige im Herbst nicht nur dem Reichstag, sondern auch dem Bundesministerium für

Verkehr und digitale Infrastruktur einen Besuch ab. Den hatte sie zuvor beim Schülermedienwettbewerb

„Infrastruktur 2030 – So will ich morgen mobil sein“ der Initiative

„Damit Deutschland vorne bleibt“ als Sonderpreis gewonnen.

Die vom VDV unterstützte Initiative

macht sich für eine zukunftsfähige Infrastruktur

in Deutschland stark – der

Schülermedienwettbewerb war dabei

einer der Bausteine. Für Janka hat sich

das Engagement in Sachen Medien auf

jeden Fall ausgezahlt. Eigentlich war

die Schülerin aus Bernau in Brandenburg

noch zu jung für die Teilnahme

am Wettbewerb. Doch ihr Film „Janka

träumt“, in dem sie Infrastrukturprobleme

in ihrer Heimatregion ansprach,

hatte der Jury so gut gefallen, dass sie

extra einen Sonderpreis auslobte: eine

Geldprämie sowie eine Führung mit

dem SPD-Bundestagsabgeordneten

Mahmut Özdemir durch den Reichstag

in Berlin. Ein Besuch bei der parlamentarischen

Staatssekretärin Dorothee

Bär im Bundesministerium für Verkehr

und Digitale Infrastruktur ergänzte das

Programm.

Blick über Berlin (v.l.): Janka Bensler und ihre

Freundin Mila Cecilia mit Mahmut Özdemir

auf dem Dach des Reichstags

28 VDV Das Magazin


U20

Toll, dass sich jemand

in dem Alter so für etwas

einsetzt.

Mahmut Özdemir

Juror und Bundestagsabgeordneter

Während des Besuchs bei Staatssekretärin

Dorothee Bär (M.) sprachen die Mädchen

über das Filmprojekt. In dem Wettbewerbsbeitrag

ging es um eine fehlende

Regionalexpress-Verbindung zwischen

Biesenthal und Bernau.

Über den Dächern Berlins

Was macht eigentlich ein Abgeordneter?

Welches sind die aktuellen Themen

im Bundestag? Mahmut Özdemir hatte

eine ganze Reihe von Fragen zu beantworten,

als er Janka und ihre Freundin

mit auf die Tour durch den Reichstag

nahm. Aber wann treffen Schüler auch

schon einmal einen Abgeordneten?

Und wer kann schon persönlich die

Orte besichtigen, die man sonst nur

von Bildern oder aus der Tagesschau

kennt? Eine Stunde lang ging es durch

das historische Gebäude in der Mitte

Berlins, vorbei an den Sitzungs- und

Fraktionssälen, und über die berühmte

Glaskuppel hinauf aufs Dach. „Ich war

Mitglied der Jury und Jankas Film hat

mich sehr beeindruckt“, erklärte der Politiker,

weshalb er sich gerne die Zeit für

die Schülerinnen nahm: „Toll, dass sich

jemand in dem Alter so für etwas einsetzt.“

Damit spielte Mahmut Özdemir

auf Jankas Wettbewerbsbeitrag an: In

ihrem Film thematisierte sie zusammen

mit einigen Mitstreitern die fehlende

stündliche Regionalexpress-Verbindung

zwischen Biesenthal und Bernau.

Ein Brief an den Bundesverkehrsminister

sollte Abhilfe schaffen.

Besuch bei der Staatssekretärin

Im Anschluss an den Besuch im Reichstag

ging es ins Verkehrsministerium.

Bundesminister Alexander Dobrindt

hatte für die Schülerinnen zwar keine

Zeit, doch dafür lud die Parlamentarische

Staatssekretärin Dorothee Bär zu

sich ein. Auch sie lobte den Einsatz der

Schüler. „Der Film hat gut an das Thema

herangeführt, und die professionelle

Umsetzung hat mich sehr beeindruckt“,

sagte Dorothee Bär: „Man merkt, dass

viel Engagement dahinter steht, und das

gilt es zu fördern.“ Jankas Bitte, ob sie

sich nicht für die Regionalexpress-

Verbindung einsetzen könnte, musste

die Staatssekretärin allerdings eine

Absage erteilen: „Das liegt ganz klar

in der Zuständigkeit der Länder.“ Den

Brief, den Janka und die anderen Mitwirkenden

nicht nur im Film, sondern

auch ganz real an das Ministerium geschickt

hatten, will sie aber dennoch

beantworten – und auch das Land Brandenburg

auf die Situation in Biesenthal

hinweisen.

Hier geht es zu Janka Benslers Beitrag:

http://www.damit-deutschlandvorne-bleibt.de/janka-traeumt.aspx

Der Wettbewerb

Der Schülermedienwettbewerb

„Infrastruktur

2030 – So will

ich morgen

mobil sein“ war

der erste seiner

Art in Deutschland.

Bis Januar

2015 konnten Jugendliche ab der neunten

Klasse journalistische Beiträge zum

Thema einreichen. Damit sollten sie für

die Bedeutung und den Nutzen einer

funktionierenden Infrastruktur sensibilisiert

werden. Neben dem VDV hatte

sich die veranstaltende Initiative „Damit

Deutschland vorne bleibt“ weitere Partner

mit ins Boot geholt: die Tageszeitung

„Die Welt“, die Jugendpresse Deutschland,

die Deutsche Bahn sowie den Auto Club

Europa (ACE). Zu gewinnen gab es vier

Publikums- sowie vier Jurypreise, zum

Beispiel Praktika in Redaktionen und

Pressestellen. Auch zwei Sonderpreise

wurden vergeben.

VDV Das Magazin 29


ZU GUTER LETZT

Mini-Lok für Zuhause

Mitmachen

und

gewinnen

Termin

26. bis 27.

Januar 2016

9. BME/VDV-Forum

Schienengüterverkehr

in Bonn

Die Veranstaltung dreht sich um Themen

wie die Verkehrsinfrastruktur und die

Reduzierung des Schienenlärms. Erfolgreiche

Projekte zur Verkehrsverlagerung

auf die Schiene werden vorgestellt.

www.vdv.de/termine.aspx

In Sachen Klimafreundlichkeit spielt der Schlitten des Weihnachtsmanns bestimmt

ganz oben mit. Doch sollten seine Rentiere einmal schlapp machen, ist auch der Öffentliche

Verkehr nicht zu unterschätzen: Er punktet unter anderem mit seinen geringen

CO 2

-Emissionen. Ob das Schienennetz allerdings den logistischen Ansprüchen des

Weihnachtsmanns genügt, sei einmal dahingestellt. Und verglichen mit dem Rentierschlitten

ist eine Lok schließlich ein echtes Schwergewicht und für die obligatorische

Landung auf dem Dach eher ungeeignet.

Nicht aufs Dach, dafür aber in die Wohnung eines unserer Leser schafft es hingegen

ein besonderes Modell: Unter allen Einsendern verlost „VDV Das Magazin“ eine Lokomotive

(Spurweite H0) von Märklin, Baureihe 146.0 von DB Regio NRW, samt Werbung

der Infrastrukturinitiative „Damit Deutschland vorne bleibt“. Dafür müssen Sie nur

folgende Frage beantworten: Wie viele Tonnen CO 2

spart die Nutzung von Bussen und

Bahnen anstelle von Autos und Lkw pro Jahr in Deutschland ein?

Schicken Sie Ihre Antwort an:

Redaktion VDV Das Magazin, AD HOC PR, Berliner Straße 107, 33330 Gütersloh.

Termin

1. bis 3. März 2016

IT-Trans 2016

in Karlsruhe

IT-Lösungen für den

öffentlichen Personenverkehr stehen

im Mittelpunkt der Veranstaltung, die

sowohl internationale Fachmesse als

auch Konferenz ist. Neueste Entwicklungen

im Bereich Digitalisierung werden

präsentiert.

www.vdv.de/termine.aspx

Die Redaktion von „VDV Das Magazin

wünscht Ihnen frohe Weihnachten!

*Rechtsweg und Teilnahme über gewerbliche Gewinngemeinschaften sind ausgeschlossen.

Einsendeschluss ist der 31. Januar 2016.

Die nächste Ausgabe von

VDV Das Magazin

erscheint Ende Februar 2016.

Impressum

VDV Das Magazin

Herausgeber:

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV),

Kamekestraße 37-39, 50672 Köln,

Tel. 02 21/5 79 79-0,

E-Mail: info@vdv.de,

Internet: www.vdv.de

Redaktion VDV:

Lars Wagner (V.i.S.d.P.),

Pressesprecher und Leiter Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit

Anschrift der Redaktion:

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV),

Redaktion „VDV Das Magazin“,

Leipziger Platz 8, 10117 Berlin,

magazin@vdv.de

Realisierung, Text und Redaktion:

AD HOC PR, Gütersloh: Stefan Temme (Lt.),

Elena Grawe, Ulla Rettig

Mitarbeit:

Eberhard Krummheuer, Thomas Rietig

Gesamtleitung und Anzeigen:

Christian Horn (AD HOC PR),

Tel. 0 52 41/90 39-33 | horn@adhocpr.de

Grafik-Design:

Volker Kespohl (Volker.Kespohl ı Werbung Münster)

Lars Haberl (AD HOC PR, Gütersloh)

Produktion und Druck:

Druckhaus Rihn, Blomberg

Anzeigenpreise:

Laut Mediadaten 2015

Für Anregungen, Themenvorschläge, Lob und Kritik erreichen Sie uns unter magazin@vdv.de

Bildnachweise:

Titelmotiv: Montage Fotolia/NEILRAS, Derek Pommer

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Holger Gloszeit (27); VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft

Nürnberg (4/5); VDV (3, 8, 25, 29); VDV-Akademie/Stefan

Hilger (2, 14, 15, 16); Westfalenbahn (2, 18/19, 20, 21)

VDV Das Magazin“ erscheint alle zwei Monate (sechsmal

im Jahr). Alle im Magazin erscheinenden Beiträge und

Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Außerhalb der

Grenzen des Urheberrechts ist die Verwertung ohne die

Zustimmung des Herausgebers nicht zulässig. Das gilt vor

allem für Vervielfältigungen, Übersetzungen sowie die elektronische

Speicherung und Verarbeitung.

30 VDV Das Magazin


FORUM AUTOMOBILLOGISTIK 2016

SUPPLY CHAIN 4.0 –

stabil, synchron, skalierbar

3. /4. Februar 2016

Messe Frankfurt, Kap Europa

Dr. Karl-Thomas Neumann

Vorsitzender

der Geschäftsführung

Opel Group GmbH

Dr. Hansjörg Rodi

Vorsitzender des Vorstands

Schenker Deutschland AG

Alexander Koesling

Vice President

Supply Chain Management

MercedesBenz Cars

Daimler AG

Matthias Naumann

Senior Vice President

Airbus Group

President

BoostAeroSpace

Information und Anmeldung

unter www.bvl.de/fal


Wir wünschen allen Fahrgästen, Kunden

und Geschäftspartnern ein fröhliches

Weihnachtsfest und einen guten

Rutsch ins neue Jahr 2016.

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