KulturFenster Nr. 05|2015 - Oktober 2015

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Nr. 5 | OKTOBER | 2015

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Kinder- und Familienkonzerte

Gedenken an Sepp Innerkofler

Singen im Chor stärkt Gesellschaft


• Geleitwort •

• Inhalt •

• Blasmusik

„Erlebnis und Leidenschaft“

• Heimatpflege

Alle fünf Jahre wird es festlich begangen,

das Landesmusikfest, und immer ist es ein

Hochfest der Blasmusik. So auch in diesem

Oktober, wo die 17. Aufl age in Meran über

die Bühne ging. Wohl keine andere Stadt eignet

sich mehr für diesen glanzvollen Höhepunkt

als die Kurstadt, ist sie doch der Inbegriff

schlechthin für Tradition und Innovation.

Erlebnis und Leidenschaft – das ist das Leitmotiv,

das Pepi Fauster, der Obmann des

VSM, mit seinem Team für das diesjährige

Landesmusikfest gewählt hat. Die Botschaft

richtet sich nach innen und nach außen:

nach außen an die unzähligen Menschen,

die für Blasmusik ein Herz und eine Seele

haben, die die Konzerte im Kursaal und

im Freien besuchen und die Straßen beim

großen Festumzug säumen - und nach innen

an die eigenen Musikantinnen und

Musikanten, weil sie erleben, dass Blasmusik

ein hohes kulturelles Gut ist, das

es lohnt zu pflegen und zu hegen, jahrein,

jahraus! Ist heute ein Musikfest dieser Größenordnung

noch zeitgemäß? Diese Frage

stellt Obmann Pepi Fauster und er antwortet

mit einem entschiedenen Ja. Denn die

211 Musikkapellen in den 116 Gemeinden

seien herausragende Kulturträger in traditioneller

und innovativer Hinsicht, seien Botschafter

unseres Landes nach außen, sie

leisteten für die Pfl ege der Gemeinschaft

unverzichtbare Dienste – mit einem Wort:

Sie sind von unserer Kulturlandschaft nicht

mehr wegzudenken.

Das Musikfest bot die Vielfalt der Blasmusik

von ganz Südtirol. Aber wer sich daran in

Meran erfreute, wird vermutlich nicht ahnen,

wie viel Arbeit im Kleinen dahinter steckt.

Denn eines ist klar: Es fallen keine Meister

vom Himmel, sondern jeder Fortschritt, der

schließlich zur Meisterschaft führt, muss hart

erarbeitet werden. Da gilt es, Seminare zu

organisieren, Wettbewerbe zu veranstalten,

Motivation zu fördern, um auf der Stufenleiter

weiter nach oben zu kommen. Das 17.

Landesmusikfest hat bewiesen, dass der

VSM auf einem guten Weg ist. Alfons Gruber

• Chorwesen

Warum Kinder- und Familienkonzerte wichtig sind 3

„Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten“ 4

Das Südtiroler Jugendblasorchester auf dem Prüfstand 6

Neues „Kleid“ der Jungbläserwochen 8

Zehnte Bezirksjungbläsertage im Pustertal 9

Bezirksjungbläsertage des Bezirkes Brixen in Natz 10

Jungbläsertage des Bezirkes Meran in Nals 11

Dirigentencoaching für aktive Kapellmeister 12

Zweite Auflage der Dirigentenwerkstatt 13

Südtirols Blasmusik unterm Goldenen Dachl 14

Sommernachtskonzert der Musikkapelle Naturns 15

Verdienstkreuz des Landes Tirol für Hermann Wenter 16

D. Rainer - Studium in Spanien abgeschlossen 17

Myriam Tschenett

Jugendleiterin der Musikkapelle Mals 18

Marco Nussbaumer zum 40. Geburtstag 19

Abschied von Hans Schaad 20

Musikpanorama 21

Zukunft des alten Handwerks 24

Das Zehenmesserhaus in Sarnthein 25

Radikale Entfernung von Rosskastanien

am Kirchplatz in Pfalzen 26

Die Pestkapelle Ladurn 27

Toblach – ein Dorf an der Scheide

von Dolomiten und Villgratner Bergen 28

Von der Heimat 29

Die Lorenziraber in Naturns-Plaus 30

Gedenken an Sepp Innerkofl er –

Denkmal in Sexten 31

Büchertisch 32

Junger Lederhosenschneider in Salurn 34

Europeade 2015 in Schweden 35

Schuhplatteln will gelernt sein 36

Singen im Chor stärkt die Gesellschaft 37

Seit dreizehn Jahren Projekt klaNg 38

Vom Spiellied bis zum Mozarttanz 39

Chor- und Stimmbildungswoche –

Abschlusskonzert in Burgeis 41

Seminar für Chorleiter und

Chorleiterinnen in Dietenheim 42

Jugendliche begeistern mit Musicalsongs 43

Bezirk Bozen bei Nestroys

„Mädel aus der Vorstadt“ in Laag 44

Kompositionspreis für Mathias

J. Schmidhammer 45

Stimmgabel 46

Titelbild: Das Landesmusikfest wird alle fünf Jahre zur „Feier der Blasmusik“ veranstaltet – im Bild die Bauernkapelle Onach beim

Landesmusikfest 2010. © Stephan Niederegger

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KulturFenster


Vorweg

Blasmusik

Warum Kinder- und

Familienkonzerte wichtig sind ...

… oder: Wie man neues Publikum gewinnt!

Warum veranstalten große und berühmte

Orchester wie die Wiener Philharmoniker

Kinder- und Familienkonzerte? Um den

Nachwuchs brauchen sich solche Ensembles

keinen Kopf zu zerbrechen, stehen

doch für jede zu besetzende Stelle Dutzende

von bestens ausgebildeten Musikerinnen

und Musikern in den Startlöchern.

Warum tun sie sich dann diese Arbeit an?

Große Orchester werben auf diese Art und

Weise für neues Publikum. Das kommt

nämlich nicht von allein.

Was den großen Orchestern recht ist,

sollte den kleinen Orchestern nur billig sein.

Immer wieder neues Publikum braucht die

Musikkapelle. Und das locken wir nicht

mit einem hübschen Abendkonzert hinter

dem Ofen hervor. Kinder- und Familienkonzerte

schlagen zwei Fliegen mit einer

Klappe. Sie besorgen uns neues Publikum

und motivieren Kinder und oft auch

Eltern zum Mitmachen. Ob Singen, Tanzen,

Schauspielen oder gar selber Musik

machen – der Phantasie sind in diesem

Bereich so gut wie keine Grenzen gesetzt.

Das klingt jetzt nicht nur nach viel Arbeit,

das ist viel Arbeit.

Was braucht man für ein

gelungenes Kinderkonzert?

Einen „kindgerechten“ Termin (20.30

Uhr ist eher weniger geeignet), ein Thema

(es reicht auch schon der berühmte, wie

auch immer geartete „rote Faden“), eine

„Mitmachgelegenheit“ (kann geplant oder

spontan sein), außergewöhnliche Instrumente

(wer weiß denn schon, wie ein

Fagott aussieht), einen guten Gag (was

passiert normal nicht in einem Konzert?),

wie schon erwähnt Phantasie und damit

verbunden Improvisationstalent, ein Konzept

wäre nicht schlecht und, und, und.

Holen Sie sich Hilfe. Schulen, Lehrpersonen,

Eltern, Kindergärtnerinnen, Kapellmeisterkollegen,

Musikantinnen und

Musikanten sind oft wahre Meister, wenn

es darum geht, etwas Kindgerechtes auf

die Beine zu stellen.

Und noch was: Ein Kinderkonzert

macht noch keine Jugendarbeit und

auch kein neues Publikum. Veranstaltungen

dieser Art müssen ebenso kontinuierlich

angeboten werden wie andere

Veranstaltungen auch. Dann sind Spaß

Viel Arbeit steckt in der Vorbereitung

und Aufführung von Kinder- und Familienkonzerten.

Es lohnt sich aber auf

lange Sicht, zeigt sich Verbandskapellmeister

Sigisbert Mutschlechner überzeugt.

und Erfolg garantiert. Für die Musikkapelle,

die Kinder und deren Eltern. Das

weiß ich aus eigener Erfahrung.

Sigisbert Mutschlechner

VSM-Verbandskapellmeister

Wenn Kinder aktiv mitmachen dürfen, können sie leichter in das „Geheimnis der Musik“ eintauchen – im Bild die Kinder

und Lehrpersonen der Grundschule Jenesien, die zusammen mit der Musikkapelle das Musical „Das Geheimnis der Musik“

aufführten.

Nr. 05 | Oktober 2015 3


Das Thema

„Im Wesen der Musik liegt es,

Freude zu bereiten“

Musikkapellen gestalten Kinder- und Familienkonzerte

Es lohnt sich also, sich in diese

Richtung zu engagieren!

Die Musikkapelle und Grundschule Jenesien brachten in enger Zusammenarbeit das

selbst geschriebene und inszenierte Musical „Das Geheimnis der Musik“ mit großem

Erfolg auf die Bühne.

Südtirols Musikkapellen müssen sich um

den Nachwuchs scheinbar keine Sorgen machen.

Wirft man einen Blick auf die Altersstruktur

der Mitgliedskapellen auf der Internetseite

des VSM, so erfährt man, dass 28

Prozent der aktiven Musikantinnen und Musikanten

unter 20 und weitere 26,9 Prozent

zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Nicht

von ungefähr! Schließlich wird mittlerweile

seit Jahrzehnten eine gezielte Jugendarbeit

betrieben. Ein wichtiger Faktor dafür, dass

das Mitwirken in einer Musikkapelle mehr

denn je interessiert, ist mit Sicherheit auch

der, dass es die Blasmusik hierzulande geschafft

hat, das „Tschingderassabum“-Image

nachhaltig abzulegen und aus dem Eck eines

Männerclubs heraus zu kommen. Die Musikkapellen

sind heute äußerst vielseitig ausgerichtet

und erreichen so ein breites Publikum

verschiedenster Couleur.

Kinder- und Familienkonzerte, um die es

hier geht, haben an dieser Entwicklung sicherlich

auch einen wichtigen Anteil. Seien

es nun Musicals, Märchen, Mitmach- und

Themenkonzerte, kreative Instrumentenvorstellungen,

Abschlusskonzerte von Musikwochen,

Konzerte von Jugendkapellen

oder andere Veranstaltungen in Zusammenarbeit

mit Kindergarten und Grundschule,

sie alle bringen die Blasmusik näher

an die Kinder und deren Eltern heran.

Das besondere Erlebnis, der spürbare Erfolg

und das Gemeinschaftsgefühl, das alles

mit Kinder- und Familienkonzerten stets

einhergeht, lassen die Ausführenden in einzigartiger

Weise spüren, dass es sich lohnt,

sich einzusetzen, zu üben und zu proben.

Derartige Erfahrungen motivieren zum Erlernen

eines Instruments und machen die

Mitgliedschaft in der Kapelle zu einem erstrebenswerten

Ziel, aber nicht nur.

Ganz im Sinne des Zitats des griechischen

Philosophen Aristoteles im Titel schaffen es

Kinder- und Familienkonzerte wie wenige

andere Konzertveranstaltungen, bei allen

Beteiligten eine besondere Faszination hervorzurufen.

Wird dieses Hochgefühl einmal

erfahren, so vermag es Musikschülerinne,

Musikschülern und deren Eltern nicht zuletzt

vielleicht auch über manche Durststrecke

zu retten, die sich beim Erlernen

eines Instruments zwangsläufig einstellt.

Schließlich stellen Kinder- und Familienkonzerte

auch einen wertvollen kulturellen

und erzieherischen Beitrag sowie

eine kreative Bereicherung für die örtlichen

Veranstaltungskalender dar, ein wichtiges

Argument für die Anerkennung durch Gesellschaft

und Politik in Zeiten knapper werdender

Mittel.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile eine

Reihe fertig ausgearbeiteter Beispiele für

Kinder- und Familienkonzerte, was den Zugang

für Interessierte erleichtert. Der Aufwand

für die Umsetzung ist dabei recht

unterschiedlich, es gibt aber durchaus einfachere

und dennoch lohnende Formate.

Die bekannten Suchmaschinen und Notendatenbanken

im Internet leisten hier mit

Filterfunktionen und der Zurverfügungstellung

von Notenbeispielen und Aufnahmen

sehr gute Dienste. Zu empfehlen ist unbedingt

auch eine Recherche mit entsprechenden

Stichworten im Videokanal „You

Tube“, allein schon zur Inspiration der eigenen

Kreativität. Dieser sind beim Entwickeln

von Konzepten für Kinder- und Familienveranstaltungen

im Übrigen kaum

Grenzen gesetzt.

Die Möglichkeiten sind dabei sehr vielfältig.

Mit wenig Aufwand lassen sich Kinder

und Familien in routinemäßig stattfindende

Konzerte integrieren, auch nur

dadurch, dass in der Moderation auf sie

eingegangen wird. Auf diese Art ist es möglich,

näher an Kinder und Familien heran

zu kommen, ohne eigens ein Projekt dafür

veranstalten zu müssen. Es wäre z.B.

möglich, Kinder zu einem Konzert einzuladen

und ein Lieblingsstück wählen zu

lassen, das am Ende des Konzerts ein

zweites Mal aufgeführt wird. Man könnte

Kinder auch spontan - z.B. mit Orff- oder

Schlaginstrumenten - mitspielen oder sie

bei einem geeigneten Stück mittanzen lassen.

Hier sind viele weitere Ideen denkbar,

z.B. ein Kind einmal einen Einsatz geben

zu lassen und dabei zu erklären, wie Dirigieren

funktioniert und vieles mehr. Derartige

Initiativen müssen natürlich geplant

und durchdacht werden, damit sie nicht –

schlimmstenfalls – ins Lächerliche abgleiten,

sie sind aber ansonsten leicht zu realisieren

und durchaus lohnend.

4

KulturFenster


Blasmusik

In verschiedene Rollen schlüpfen, andere Länder „musikalisch“ bereisen – die Freude daran übertrug sich bei allen Aufführungen

von den Darstellern auf das Publikum.

In eine ähnliche Richtung geht auch die

Abhaltung einer öffentlichen Probe – warum

nicht – sogar im Musikpavillon. Hier

ist sicherlich der Dirigent besonders gefordert,

dem Publikum seine Probenarbeit anschaulich

näher zu bringen, denn außer

der Vorbereitung eines Headsets mit Lautsprecheranlage

ist hier weiter nicht viel zu

organisieren.

In der Folge möchte ich weitere gelungene

Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung

anführen. Sehr empfehlenswert bei

der Umsetzung eigener Ideen ist auf jeden

Fall eine Kooperation mit Grund- oder Musikschule.

In den verschiedenen Orten, in

denen ich tätig war, bin ich hier eigentlich

immer auf offene Ohren und sehr viel Engagement,

Kompetenz und Begeisterung

gestoßen. Dafür sei an dieser Stelle allen,

mit denen ich zusammenarbeiten durfte,

ein herzliches Dankeschön gesagt!

Als Kinder- und Familienprojekte seien

genannt:

• Ein Musikfest auf Burgen in Tirol (Konzept

von Hermann Große-Jäger)

• Umsetzung des Stücks „Ein Tag im Zirkus“

von James Curnow

• Begleitung einer Lesenacht oder Märchenwanderung

mit passenden Musikstücken

und Kinderliedern (z.B. Dracula-

Rock)

• Krippenwanderung (Stationen mit Musik)

• Musicals wie „Freude“ (Kurt Gäble),

„Max, der Regenbogenritter“ oder „Wakatanka“

(Christian Kunkel)

• Gestaltung eines Vormittags mit Stationen

und abschließendem Kurzkonzert

bzw. Präsentation in der Grundschule

(als Stationen eignen sich z.B.

Klanggeschichte, Instrumente raten/basteln,

Musik und Meditation, Marschieren,

Bewegung und Pantomime, Klang-

Memory, Musikrätsel, Schätzspiel…)

• Lieder mit angepasstem Text

Zur Person: Ralf Stefan Troger

• Musikstücke mit Erzähler, z.B. Don Quixote

(von Ferrer Ferran) oder Band Land

(von Derek Bourgeois)

Eines meiner schönsten Projekte war die

Aufführung des selbst geschriebenen Musicals

„Das Geheimnis der Musik“ in Jenesien

im heurigen Jänner. Am Anfang dieses

Projekts, von dem übrigens die Fotos hier

stammen, stand ein weißes Blatt Papier. In

Zusammenarbeit mit Gerlinde Weber und

Gerhard Hofer von der Grundschule Jenesien

entstand nach und nach die Geschichte,

ein Drehbuch wurde geschrieben, passende

Musikstücke wurden ausgewählt und arrangiert,

Kostüme gebastelt und das Ganze inszeniert.

Nicht zu unterschätzen bei derartigen

Projekten sind immer Technik und

organisatorischer Aufwand, aber am Ende

hieß es wie immer bei Kinder- und Familienkonzerten:

Es hat sich gelohnt! Womit sich

das Zitat im Titel ein weiteres Mal bestätigt.

Ralf Stefan Troger

Ralf Stefan Troger, Jahrgang 1976, ist in Bruneck aufgewachsen und lebt mit seiner

Familie (3 Kinder) in Völser Aicha. Er studierte Religionspädagogik und Philosophie

in Brixen und Innsbruck und arbeitet als Lehrer und Direktor-Stellvertreter am Sozialwissenschaftlichen

Gymnasium und an der Fachoberschule für Tourismus in Bozen.

Die musikalische Grundausbildung erhielt er an der Musikschule Bruneck, wo er

das Jungmusiker-Leistungsabzeichen in Gold erwarb. Er absolvierte die dreijährige

Kapellmeisterausbildung der Musikschule Brixen und schloss 2006 den sechssemestrigen

Lehrgang für Blasorchesterleitung bei Prof. Thomas Ludescher am Tiroler

Landes- konservatorium Innsbruck mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Weiters

besuchte

er verschiedene Fortbildungsseminare und Dirigierpraktika,

u. a. bei Jan van der Roost, Peter Vierneisel und Maurice Hamers.

Ralf Stefan Troger spielt Klarinette und Trompete und er

war Mitglied der Bürgerkapelle Bruneck, der Stadtkapelle

Bozen und des Auswahlorchesters „Symphonic Winds“.

Zudem arbeitete er als Bezirksjugendleiter-Stellvertreter

im Vorstand des VSM-Bezirkes Bruneck

mit. Von 2007-2010 war er Bezirkskapellmeister

des VSM-Bezirkes Bozen.

Als Kapellmeister leitete er die Musikkapellen

Kiens, Taisten, Tiers, Seis am Schlern

und Jaufental. Von 2005 bis 2013

leitete Ralf Stefan Troger die Bürgerkapelle

St. Michael Eppan und ist seit

Mai 2013 Kapellmeister der Musikkapelle

Jenesien. Daneben leitete er

das Jugendblasorchester des Bezirkes

Bozen (JuBoB) im Jahre 2009

und das Jugendblasorchester Jungschlern

im Jahre 2014.

Nr. 05 | Oktober 2015 5


Aus Verband und Bezirken

Das Südtiroler Jugendblasorchester

(SJBO) auf dem Prüfstand

Ist das „Prestige-Projekt“ des VSM zu teuer? Eine Einschätzung dazu

von Verbandsjugendleiter Meinhard Windisch

Das SJBO zu Gast bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten 2015

Einsparungen, den Gürtel enger schnallen

... dies sind wohl die Worte, die in den letzten

Jahren zum Hauptthema geworden sind.

Auch wir im Verband Südtiroler Musikkapellen

werden alltäglich mit Einsparungen und

unerwarteten Mehrkosten konfrontiert. Dabei

gilt es, die Angebote und deren Qualität

zu gewährleisten - trotz sinkender Geldmittel.

Es liegt natürlich auf der Hand, dass

hier von einigen Mitgliedern unserer Musikkapellen

Kritik laut wurde: Man solle doch

an Projekten wie dem Südtiroler Jugendblasorchester

(SJBO) einsparen. „Es kostet zuviel

und bringt uns nichts“, so konkrete Aussagen.

Im ersten Moment und oberflächlich gesehen

könnte man diesen Stimmen auch

Recht geben. Was passiert schon, wenn es

das SJBO mal nicht gibt?

Von außen betrachtet ist das Südtiroler

Jugendblasorchester eine Probenwoche im

Sommer mit anschließenden Konzerten

und hätte - auf diesen Nenner gebrochen

- vielleicht in Anbetracht der wirtschaftlichen

Situation auch nicht mehr seine alljährliche

Berechtigung. Nur spielt sich im

Hintergrund viel mehr ab und es finden

Prozesse auf mehreren Ebenen statt, die

im ersten Moment nicht zu erkennen sind.

In den mittlerweile elf Jahren seines Bestehens

hat das SJBO immer wieder die Zusammenarbeit

mit Südtiroler und internationalen

Komponisten gesucht. Dabei sind

Werke entstanden, die von experimenteller

Musik bis hin zu großen Sinfonien reichen.

Dies ermöglichte es den Komponisten

- fernab von jedem kommerziellen

Hintergedanken - Werke zu schreiben, die

wegbereitend für die Blasmusik der Zukunft

sein können und so einen Anstoß

zur Weiterentwicklung der Blasmusikliteratur

darstellen. Der Austausch mit Dirigenten

und Referenten und durch deren

Einflüsse konnten die Teilnehmer enorm

profitieren, auch dies kommt wiederum

direkt den Kapellen zugute.

Der Großteil unserer Musikkapellen bewegt

sich im Mittel- und Oberstufenbereich.

Beim SJBO bekommen viele junge

Talente die Möglichkeit, sinfonische Blasmusik

auf höchstem Niveau zu praktizieren

und zu erleben. Dies motiviert und

beschleunigt die Entwicklung dieser Talente

- was wiederum in den Musikkapellen

spürbar wird.

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KulturFenster


Blasmusik

Josef Feichter leitet seit 2014 das

SJBO.

Mitglieder des SJBO beim 9. Sonderkonzert der Wiener Philharmoniker mit jungen

Blasmusiktalenten aus Salzburg und Südtirol in der Felsenreitschule am 24. August 2014

Hier muss man auch erwähnen, dass die

Beiträge von Seiten des Landes zweckgebunden

sind. Diese würden nicht ausbezahlt,

wenn das Orchesterprojekt nicht stattfände.

Zudem versuchen wir, die Geldmittel

sehr sorgsam und wohlbedacht einzusetzen.

Wenn wir ähnliche Projekte betrachten,

wie z.B. das Südtiroler Jugendsinfonieorchester

- das man durchwegs mit

unserem Angebot vergleichen kann - schaffen

wir es mit rund 40 bis 50 Prozent weniger

Geldmittel auszukommen. Anfügen

möchte ich hier noch ein Zitat vom ehemaligen

Präsidenten des Österreichischen

Blasmusikverbandes, Matthäus Rieger:

„Talente sind unbezahlbar, deren

Förderung jedoch schon“.

Natürlich ist das Südtiroler Jugendblasorchester

ein Prestige-Projekt und macht

uns nach außen auch sichtbar. Dies widerspiegelt

sich auch immer wieder in

den zahlreichen Anfragen aus Deutschland,

Österreich und der Schweiz, bei denen

vergleichbare Landesjugendblasorchester

einen Austausch mit uns suchen. Es

entstehen immer wieder Brücken in kultureller

und musikalischer Hinsicht, über die

für uns so wichtige Einflüsse zu uns und

nach außen getragen werden. Dies alles

ist aber nur möglich, wenn dieses Angebot

auch angenommen wird. Mit großer Freude

konnten wir 2015 einen Zuwachs der Teilnehmer

von 15 Prozent verzeichnen. Noch

mehr freut es mich, mit welchem Einsatz

die Musikerinnen und Musiker mitarbeiten,

was in den Konzerten hör- und sicht-

bar wird. An dieser Stelle möchte ich mich

bei allen Teilnehmern aufs Herzlichste bedanken.

Allen voran gilt der Dank jedoch

jenem Menschen, der es immer wieder

schafft, in kürzester Zeit ein Konzert auf

die Bühne zu zaubern, bei dem das Orchester

wie von Zauberhand geführt zu

Höchstleistungen aufblüht und das Publikum

zu begeistern versteht. Ein herzlicher

Dank an unseren Dirigenten Josef Feichter!

Abschließend möchte ich noch einen

Wunsch anbringen: Wenn wir dieses Projekt

auch im weiteren Sinne für unser Musikkapellen

durchführen, so wären die Konzerte

natürlich auch in erste Linie für die

Musikantinnen und Musikanten unserer

Musikkapellen gedacht. Diese vermissen

wir jedoch meist unter unserem dennoch

zahlreichen Publikum.

KulturFenster

Blasmusik, Chorwesen und Heimatpflege in Südtirol

Redaktion KulturFenster

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe des KulturFensters ist

Montag, 16. November 2015. Bitte Termin genau beachten!

Nr. 05 | Oktober 2015 7


Aus Verband und Bezirken

Neues „Kleid“ der Jungbläserwochen

fürs Jubiläum 2016

203 Jungmusikanten nahmen heuer an drei Kursen teil.

Der alte Modus der Jungbläserwochen – das Bild stammt von der JBWO in

Dietenheim - hat ausgedient, ab nächstem Jahr gibt es die Musical Woche.

Heuer fanden die Jungbläserwochen des

VSM noch in gewohnter Form statt - für das

50-Jahr-Jubiläum der Jungbläserwochen im

Jahr 2016 ist eine Musical Woche geplant.

Es ist tatsächlich schon 49 Jahre her,

dass die Jungbläserwochen vom damaligen

Verbandsjugendleiter Karl Pramstaller

ins Leben gerufen wurden mit dem

Ziel, der Blasmusikjugend eine Fortbildung

auf dem Instrument und eine Einführung

in die elementare Musiklehre zu ermöglichen.

Aus diesen bescheidenen Anfängen

entwickelten sich die Jungbläserwochen

zu einem wichtigen Angebot in der

Bläserfortbildung unseres Landes. Pünktlich

zum 50-jährigen Jubiläum sollen die

Jungbläserwochen nächstes Jahr in neuem

Kleid erstrahlen. Geplant ist, die Fortgeschrittenen-Woche

neu auszurichten und

unter das Motto „Musical“ zu stellen. Nähere

Infos werden bei der Ausschreibung

bekannt gegeben.

Dieses Jahr gab es anstatt vier nur mehr

drei Jungbläserwochen, da die beiden Wochen

B und C für Fortgeschrittene aufgrund

der sinkenden Teilnehmerzahlen

zusammengelegt wurden. Die organisatorischen

Zügel der Jungbläserwoche für

Fortgeschrittene, welche vom 11. bis 18.

Juli in der Landwirtschaftsschule in Dietenheim

stattfand, hielt Bezirksjugendleiter

Hannes Zingerle in seinen Händen. Die 79

Teilnehmer wurden von 12 kompetenten

und engagierten Lehrkräften unterrichtet.

Hauptaugenmerk legte man auf die instrumentenspezifische

technische und musikalische

Schulung, auf das Ensemblespiel

und auf die verfeinerte Arbeit im Jugendblasorchester.

Das Orchester wurde von

Bezirkskapellmeister-Stellvertreter Georg

Kirchler in gekonnter Weise geleitet. Außerdem

hatten die Jugendlichen die Möglichkeit,

Solostücke, welche in einem internen

Konzert zur Aufführung kamen, mit

Klavier-Korrepetition zu erarbeiten. Für das

Abschlusskonzert, das am 18.Juli in Stegen

stattfand, wurden die Grundkenntnisse im

Marschieren und der Musik in Bewegung

vom Bezirksstabführer Hansjörg Algrang

und Harald Weber aufgefrischt und zusätzlich

dazu eine kleine Marschmusikshow

präsentiert. Anschließend überzeugten

die Jungmusikanten in der Turnhalle von

Stegen mit vielen Ensemblestücken, bis

das Konzert mit symphonischer Musik

(u.a. „Schmelzende Riesen“ - Armin Kofler)

und rockigen Klängen („Eye of the Tiger“

– Sullivan & Paterik) unter großem

Beifall ausklang.

Vom 18. bis 25. Juli fanden die zwei

zeitgleich laufenden Bronzewochen statt:

eine im Vinzentinum in Brixen unter der

Leitung von Verbandsjugendleiterstellvertreterin

Sonya Profanter und die zweite in

der Lichtenburg in Nals unter der Leitung

von Bezirksjugendleiter Wolfgang Schrötter.

Insgesamt 23 Lehrer spornten die 124

Jungmusikanten zu Höchstleistungen an,

und mit großer Freude und Genugtuung

konnten am Ende der Woche fast alle Kinder

das Jungmusikerleistungsabzeichen in

Bronze in ihren Händen halten. Zusätzlich

zur bestandenen Prüfung überzeugten

die Jungmusikanten bei den Abschlusskonzerten

mit gelungenen Marschmusikparaden,

die von Verbandstabführer Toni

Profanter in Brixen und Bezirksstabführer

Valentin Domanegg und Christian Mayr in

Nals einstudiert worden waren. Auch die

flotten Ensemblestücke und Orchesterwerke

wurden vom Publikum mit begeistertem

Applaus bedacht.

Natürlich kam bei allen Wochen der

Spaß nicht zu kurz, dafür sorgten die kreativen

Betreuer: Es wurden Olympiaden,

Lagerfeuer und viele andere lustige Spiele

organisiert. Was aber vielleicht ein Leben

lang hält, sind die Freundschaften, die in

dieser Zeit geschlossen werden.

Sonya Profanter

VSM-Verbandsjugendleiter-Stellvertreterin

8

KulturFenster


Blasmusik

Zehnte Bezirksjungbläsertage

im Pustertal

Fünf intensive Musiktage unter dem Motto „Jugend ist Zukunft“

In der Alten Turnhalle am Rathausplatz von Bruneck probte das Kursorchester der heurigen Bezirksjungbläsertage: Die jungen

Musikantinnen und Musikanten sind mit Begeisterung dabei.

Bereits zum zehnten Mal organisierte

der Bezirk Bruneck im Verband Südtiroler

Musikkapellen (VSM) die Bezirksjungbläsertage.

Dieser fünftägige Kurs richtet sich

an junge Pusterer Musikantinnen und Musikanten

der ersten beiden Musikschuljahre

ab dem achten Lebensjahr.

Bezirksobmann Johann Hilber und der

damalige Bezirkskapellmeister Eugen Passler

haben vor zehn Jahren dieses Sommerangebot

im Pustertal initiiert. Die Idee war

als Ergänzung zu den auf Landesebene

angebotenen Jungbläserwochen gedacht.

Sie richtet sich an die jüngsten Musikschüler,

um ihnen erste Schritte zum gemeinsamen

Musizieren zu ermöglichen und in

ihnen die Freude am Spiel im Ensemble

und im Orchester zu wecken. Die jährlichen

Teilnehmerzahlen schwanken von

110 bis über 140 und geben den Verant-

wortlichen Recht. „Sie spiegeln die Entwicklung

der Jugendkapellen der letzten zehn

Jahre wider und begleiten den bis heute

anhaltenden Boom der Nachwuchsarbeit

in den Musikkapellen“, analysiert Hilber

und freut sich über den anhaltenden Erfolg

dieses Projektes.

131 Buben und Mädchen aus 27 Pustertaler

Musikkapellen nahmen an der

heurigen Kurswoche teil, die von Bezirkskapellmeister

Andreas Pramstraller und

der Bezirksjugendleiter-Stellvertreterin Stefanie

Watschinger geleitet wurde. Ihnen

stand ein fachmännisches Lehrerteam zur

Seite: Lara Lezuo (Oboe und Fagott), Elisabeth

Mutschlechner, Barbara Hofmann

und Sara Hintner (Querflöte), Monika Steger

und Maximilian Messner (Klarinette),

Barbara Holzer und Lisa Klocker (Saxofon),

Markus Erlacher und Florian Künig

(Trompete und Flügelhorn), Thomas Kiniger

(Horn und Tenorhorn), Erhard Gatterer

(Posaune und Tuba), Daniel Weitlaner

und Sigisbert Mutschlechner (Schlagzeug)

sowie Georg Kirchler (Leitung des Kursorchesters).

Täglich wurde im Kreise von

Gleichgesinnten fünf bis sechs Stunden

lang geübt und musiziert. Der Marsch „Jugend

ist Zukunft“ von Hans Freivogel stand

dabei Pate für das Projekt. Vor allem das

Spiel in kleinen Gruppen, im Register und

im Kursorchester – für gar einige das erste

Mal – machte den jungen Musikantinnen

und Musikanten sichtlich und hörbar Spaß.

Davon konnte sich das Publikum beim

Abschlusskonzert überzeugen, als die Kursteilnehmer

am Rathausplatz aufmarschierten

und zeigten, was sie in dieser Woche

gelernt haben.

Stephan Niederegger

Nr. 05 | Oktober 2015 9


Aus Verband und Bezirken

Die Musik lebt

Bezirksjungbläsertage des VSM- Bezirks Brixen in Natz

Ein freudiges Lebenszeichen gaben die Jungmusikanten des VSM-Bezirkes Brixen bei den Jungbläsertagen in Natz.

Der VSM-Bezirk Brixen organisierte auch

heuer wieder die beliebten Jungbläsertage

im Fürstenhof in Natz. Ziel dieses Projektes

ist es, den Jungmusikantinnen und -musikanten,

welche noch nicht im Besitz des

Jung-Musiker-Leistungs-Abzeichens (JMLA)

in Bronze sind, die Möglichkeit zu geben,

gemeinsam in der Gruppe zu musizieren

und sich auf den Eintritt in eine Musikkapelle

vorzubereiten.

Vom 25. bis 29. August 2015 besuchten

insgesamt 38 Teilnehmer, davon 19 Buben

und 19 Mädchen aus 13 Mitgliedskapellen,

die Jungbläsertage des Bezirkes. Musikalisch

und organisatorisch wurden die

Jungmusikanten von acht Lehrpersonen

und zwei Betreuern unter der Leitung der

Bezirksjugendleiterin Birgit Profanter betreut.

Dabei wurden schulisches Blasen,

das richtige Ansatztraining, das Spiel in

kleinen Gruppen sowie das Ensemble- und

Gemeinschaftsspiel fleißig geübt.

Aber auch das Marschieren durfte nicht

fehlen. Bezirksstabführer Frank Malfertheiner

hat zusammen mit den Kindern

fleißig geprobt und dabei den Kindern die

Musik in Bewegung in spielerischer Art

und Weise näher gebracht. Der absolute

Höhepunkt der Jungbläsertage war das

Abschlusskonzert, welches am Samstag,

dem 29. August 2015, um 17.00 Uhr mit

einer kurzen Marschshow am Festplatz

in Natz begann. Das anschließende Abschlusskonzert

fand im Musikpavillon statt,

wobei die Jungmusikanten auch die Moderation

selbst gestalteten. Ein zahlreich

anwesendes Publikum und der große Applaus

waren wiederum der beste Beweis für

diese rundum erfolgreiche Veranstaltung

des VSM-Bezirkes Brixen. Der Bezirksvorstand

hat deshalb für das kommende Jahr

2016 die Jungbläsertage bereits wieder fix

im Terminkalender eingeplant. Ein Dank

gebührt auch der Musikkapelle von Natz,

die die Veranstaltung organisatorisch mitgetragen

und beim Abschlusskonzert für

Speise und Trank gesorgt hat.

Pepi Ploner, Bezirksobmann

10

KulturFenster


Blasmusik

Ab in den Urlaub mit dem

Musikinstrument!

Jungbläsertage des VSM-Bezirks Meran in der Lichtenburg in Nals - 61 Teilnehmer

Musikalische Urlaubsstimmung herrschte bei der 7. Jungbläserwoche des VSM-Bezirkes Meran in der Lichtenburg Nals.

Eine Woche lang musizieren mit Freunden

– das konnten 61 junge Musikantinnen

und Musikanten bei den siebten Jungbläsertagen

in der Lichtenburg in Nals. Der

Bezirk Meran im Verband Südtiroler Musikkapellen

(VSM) bot den jungen Blasmusikanten

vom 3. bis 8. August die Möglichkeit

zum intensiven Training auf dem

eigenen Instrument.

Dirigiert wurden die Jungmusikanten

dabei von der erst 15-jährigen Julia Überbacher

aus Tisens, welche zurzeit die Dirigierausbildung

in Lana absolviert. Sie leitete

die Gesamtproben mit dem großen

Orchester und bereitete dabei vier Orchesterwerke

für das Abschlusskonzert vor.

Im schulischen Blasen und im Ensemblespiel

wurden die Jugendlichen von insgesamt

elf erfahrenen Lehrpersonen unterrichtet;

dazu kamen zwei Betreuerinnen

und Bezirksjugendleiter Wolfgang Schrötter

als Kursleiter. Die meisten der Jugendlichen

werden bereits seit zwei oder drei

Jahren auf ihrem Instrument ausgebildet,

einige haben auch erst ein Jahr Musikschulerfahrung

hinter sich. „Dank der Bezirksjungbläsertage

haben die Jungs und Mädels

auch im Sommer die Gelegenheit, sich

musikalisch fortzubilden. Das ist sehr wichtig,

weil sie sich erfahrungsgemäß sonst im

Sommer eher wenig mit ihrem Instrument

beschäftigen. Darüber hinaus kommt natürlich

auch der Spaß nicht zu kurz", betonte

Schrötter. Dazu trugen neben den

Gemeinschaftsspielen auch die Marschproben

bei, wenn die Jugendlichen zum

ersten Mal lernen durften, wie das Marschieren

in Reih und Glied funktioniert.

Beim Abschlusskonzert am Samstag

konnte sich auf dem Festplatz in Nals

dann jeder davon überzeugen, was die

Nachwuchsmusikanten in diesen Tagen

alles gelernt hatten. Auf den Einmarsch

der Musikanten folgten die mit den Lehrpersonen

einstudierten Ensemblestücke,

und schließlich die Orchesterwerke mit dem

gesamten Jugendblasorchester.

Stefan Erb

Nr. 05 | Oktober 2015 11


Aus Verband und Bezirken

Alphornklänge in Proveis

„Burggräfler Alphorn-Ruf“ führt Freunde des imposanten Instrumentes am Nonsberg zusammen

Ein ungewöhnliches Bild bot sich am

ersten Sonntag im August am Kirchplatz

in Proveis. Dort trafen sich Alphornbläser

aus dem Bezirk Burggrafenamt, aus Kaltern

und sogar aus Schwaben, um gemeinsam

das erste Alphornbläsertreffen zu veranstalten,

wobei die imposanten Instrumente

den ganzen Tag im Mittelpunkt der Veranstaltung

standen.

Zunächst wurde eine von Pfarrer Roland

Mair zelebrierte Feldmesse gefeiert, musikalisch

mitgestaltet von der Proveiser Alphorngruppe.

Am Nachmittag erfolgte dann

die Erstaufführung des Stückes „Burggräfler

Alphorn-Ruf", überarbeitet von Iginius

Ferrari, der auch selbst anwesend war

und alle beteiligten Alphorngruppen dirigierte.

Dazu zählten neben den Bläsern

aus dem Burggrafenamt auch jene aus

Kaltern sowie die Rottumtaler Alphornbläser

aus Schwaben.

Für das leibliche Wohl sorgten die Bäuerinnen

und die Musikanten der Musikkapelle

Proveis, die damit zu einem rundum

gelungenen Fest beitrugen.

Ein weiterer Auftritt der Alphorngruppe

aus Proveis war bereits bei der zweiten

“Seerenade” am 10. Juli am Felixer Weiher

erfolgt. Dieser besondere Unterhaltungsabend

wurde vom Bildungsausschuss St.

Felix / Unsere liebe Frau im Walde organisiert

und von den Proveiser Bläsern unter

der Leitung von Bernhard Mairhofer musikalisch

begleitet. Drei Mitglieder der Gruppe

hatten außerdem Ende Juni am Rainguthof

in Gfrill zur Eröffnung eines privaten Tierparks,

sowie zum runden Geburtstag des

Besitzers, Alois Piazzi, musiziert.

Stefan Erb

Imposante Klänge von imposanten

Instrumenten waren beim ersten

Alphorntreffen in Proveis zu hören.

Dirigentencoaching für aktive Kapellmeister

VSM unterstützt Dirigenten mit innovativem Weiterbildungsangebot

Ab Februar 2016 veranstaltet der Verband

Südtiroler Musikkapellen ein Dirigentencoaching

als innovatives Weiterbildungsangebot

für aktive Kapellmeister.

Ziel ist es, die aktiven Kapellmeister bei

der praktischen Arbeit mit einer Musikkapelle

zu begleiten.

Die Weiterbildungsveranstaltung umfasst

von Februar bis Dezember 2016 insgesamt

sieben Einheiten und fi ndet entweder am

Samstag (ganztätig) und Sonntag (halbtätig),

oder am Freitag (abends) und Samstag

(ganztätig) statt. Das Hauptaugenmerk

wird auf die Fächer Dirigieren und Dirigierpraxis

gelegt. Wichtige theoretische Aspekte

im Zusammenhang mit dem Dirigieren und

Leiten einer Musikkapelle werden sehr

praxisnah vermittelt. Ein Lehrplan liegt

der Ausschreibung bei. Als Dirigierlehrer

und "Coach" wird Philipp Kufner den

Teilnehmern Hilfe und Unterstützung

geben. Zusammen mit Patrick Gruber,

Markus Silbernagl und Sigisbert Mutschlechner

bildet er das Lehrerteam.

Die Ausbildung fi ndet an den folgenden sieben Wochenenden an verschiedenen Musikschulen in Südtirol statt:

27. - 28. Februar 2016 I 16. - 17. April 2016 I 06. - 07. Mai 2016 I 11. - 12. Juni 2016

05. - 07. August 2016 I 07. - 08. Oktober 2016 I 10. - 11. Dezember 2016

Die genauen Unterrichtsorte werden nach Eingang der Anmeldungen festgelegt und richten sich soweit als möglich nach der Herkunft

der Teilnehmer. Nach Möglichkeit soll jeder Teilnehmer seine eigene Musikkapelle als Lehrgangsorchester zu Verfügung stellen.

Ein Wunschtermin soll mit der Anmeldung angegeben werden. Die Koordination dieser Lehrproben übernimmt das Lehrerteam.

Teilnehmerzahl: mindestens 8 - maximal 35

Teilnahmegebühr: 450 Euro Seminarkosten, Unterkunft und Verpfl egung auf eigene Kosten

Anmeldung: Innerhalb 15. Oktober 2015 über VSM-Office

Informationen. Verbandskapellmeister Sigisbert Mutschlechner: 340 235 2609 - sigisbert.mutschlechner@gmail.com

und im Verbandsbüro des VSM: 0471 976 387 – info@vsm.bz.it

12

KulturFenster


Blasmusik

Zweite Auflage der Dirigentenwerkstatt

Bei der zweiten Auflage der Dirigentenwerkstatt werden Themen wie Klangbalance,

Intonation, Literaturauswahl angesprochen und vertieft.

Die weltbekannte Blasorchesterdirigentin Isabelle Ruf-Weber erarbeitet

dabei mit den Kursteilnehmern folgende Werke: Gold und Silber – Walzer

Franz Lehar; Nabucco – Ouvertüre Giuseppe Verdi; Symphonic Overture -

James Barnes; Fate of the Gods - Steven Reineke; Aquarium - Johan de Meij

Programm:

Donnerstag, 05. November 2015 – Probelokal Musikkapelle Toblach

19.00 - 22.00 Uhr: Theorie und Dirigieren

2. SÜDTIROLER DIRIGENTEN-WERKSTATT

Fortbildung für aktive KapellmeisterInnen

mit Isabelle Ruf-Weber

Termin: 05. - 07. November 2015

Ort:

Referentin:

Teilnahmegebühr:

Anmeldung:

Probelokal der Musikkapelle Toblach

Probelokal der Musikkapelle Reischach

Isabelle Ruf-Weber (CH)

150 € aktive Teilnahme

50 € passive Teilnahme

innerhalb 20. Oktober 2015 über VSM-Office

Freitag, 06. November 2015 – Probelokal Musikkapelle Toblach

09.30 - 12.30 Uhr: Theorie und Dirigieren

12.30 - 14.00 Uhr: Mittagspause

14.00 - 17.00 Uhr: Theorie

17.30 Uhr: Abendessen

20.00 - 22.30 Uhr: Lehrprobe mit der Musikkapelle Toblach

Samstag, 07. November 2015 – Probelokal Musikkapelle Toblach

09.30 - 12.30 Uhr: Dirigieren und Korrepetition

12.30 - 14.00 Uhr: Mittagspause

14.00 - 16.30 Uhr: Lehrprobe mit der Musikkapelle Reischach (in Reischach)

16.30 - 17.30 Uhr: Nachbesprechung und Kursende

Die Anzahl der aktiven Teilnehmer ist auf sechs begrenzt, jene der passiven Teilnehmer ist unbegrenzt, mit Ausnahme des Donnerstagabend.

Teilnahmeberechtigt sind alle aktiven Kapellmeisterinnen und Kapellmeister im Verband Südtiroler Musikkapellen.

Um eine gute Organisation zu gewährleisten, ist auch die passive Teilnahme mittels Anmeldung

innerhalb 20. Oktober 2015 bekannt zu geben (Mitteilung „Passiv“ im Notizfeld).

verband

südtiroler

musikkapellen

Programmvorschau

Dreimonatskalender

OKTOB.

NOVEMBER

DEZ.

Datum Veranstalter Veranstaltung Ort Haus Beginn

Dokumentarfi lm "Blasmusik -

Fr, 16. Oktober

VSM

Erlebnis und Leidenschaft"

RAI Südtirol 20.20

Fr-So, 16.–18. Oktober VSM 17. Südtiroler Landesmusikfest Meran Verschiedene Säle und Plätze

Mo. 26. Oktober Bezirk Meran Bezirksstammtisch Obermais Kolpinghaus 19.30

Sa, 31. Oktober Bezirk Brixen Musikantenhoangart Barbian Vereinshaus 20.00

Do-Sa, 05.-07. November VSM

2. Südtiroler Kapellmeister-Werkstatt

mit Isabell Ruf Weber (CH)

Toblach Probelokal 09.00

Sa, 07. November Bezirk Bozen Bezirkskegeln Bozen Pfarrhof 17.00

Mo, 09. November Bezirk Schlanders Bezirksstammtisch Schlanders Kulturhaus 19.30

Do, 12. November Bezirk Bozen Bezirksstammtisch Eppan Musikschule 19.30

Mo, 16. November Bezirk Bruneck Bezirksstammtisch Stegen Mehrzwecksaal 19.30

Sa, 21. November Bezirk Sterzing Konzert des Bezirksjugendblasorchesters 20.00

Sa, 13. Dezember Bezirk Schlanders Konzert des Bezirksblasorchesters Schlanders Kulturhaus 18.00

Sa, 13. Dezember Bezirk Brixen

Adventkonzert –

Spiel in kleinen Gruppen Workshop

Milland Pfarrkirche 18.00

So-Di, 27.-29. Dezember VSM Jugendleiter-Seminar, 1. Modul Brixen Cusanus Akademie 09.00

Nr. 05 | Oktober 2015 13


Blasmusik International

Südtirols Blasmusik unterm

Goldenen Dachl

Vier Gäste aus Südtirol bei den 21. Innsbrucker Promenadenkonzerten

Heuer hat das Südtiroler Jugendblasorchester

(SJBO) unter der Leitung von Josef

Feichter den Reigen der Südtiroler Gäste

bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten

eröffnet.

Vom 7. Juli bis 2. August öffnete die

erfolgreiche Konzertreihe bereits zum 21.

Mal das Tor zum Innenhof der Innsbrucker

Hofburg. 34 Orchester und Ensembles

aus zehn europäischen Ländern präsentierten

350 verschiedene Werke. In zwei

Jahrzehnten haben sich die Innsbrucker

Promenadenkonzerte mittlerweile europaweit

zu einer der wichtigsten Konzertreihen

entwickelt und sind zur internationalen

Bühne der Blasmusik geworden. Dabei ist

die Hofburg in Innsbruck nicht nur eines

der schönsten Baudenkmäler Tirols, ihr Innenhof

verfügt über eine ausgezeichnete

Akustik, die ideal für abendliche Bläserkonzerte

geeignet ist. In diesem wunderbaren

Ambiente ist seit Jahren auch die

Blasmusik Südtirols vertreten, heuer gleich

mit vier Orchestern.

Unter dem Motto “Die Besten von Südtirols

musizierender Jugend” präsentierte

das Südtiroler Jugendblasorchester (SJBO)

unter der Leitung von Josef Feichter am 18.

Juli ein wahrliches Feuerwerk an musikalischen

Geistesblitzen mit erzählerischem

Tiefgang der letzten drei Jahrhunderte:

„Die Dramaturgie des Abends soll das

breite Repertoire des Südtiroler Jugendblasorchesters

abbilden und die Vielfalt

der Genres, Stile, Tempi und Klangfarben

mit gewinnender Qualität in der Interpretation

verbinden“, sagt Josef Feichter. Am

19. Juli gab die Musikkapelle Toblach unter

der Leitung von Kapellmeister Sigisbert

Mutschlechner ein Matineekonzert im Stil

der k.u.k-Festkonzerte. Am 21. Juli war die

Musikkapelle Villnöß unter der Leitung von

Hans Pircher in Innsbruck zu Gast. Den

Abschluss – aus Südtiroler Sicht – machte

die Bürgerkapelle Gries mit Kapellmeister

Georg Thaler am 30. Juli.

Stephan Niederegger

„Ich danke den jungen Südtiroler Musikantinnen und Musikanten, dass sie so

viele Stunden zum Erlernen eines Instrumentes aufgewendet haben. Sie hätten

weiß Gott viel anderes in dieser Zeit tun können. Aber ich bin mir sicher, dass das

Glücksgefühl, das man in der gemeinsamen Begegnung mit der Musik erfährt, für

die vielen Mühen entschädigt.“

(Alois Schöpf, künstlerischer Leiter der Innsbrucker Promenadenkonzerte)

VSM-Verbandsjugendleiter Meinhard Windisch (v.l.), Alois Schöpf und VSM-

Verbandsobmann Pepi Fauster freuten sich über die erfolgreichen Auftritte der

Südtiroler Gäste bei den heurigen Innsbrucker Promenadenkonzerten:

Südtiroler Jugendblasorchester SJBO

Musikkapelle Villnöß

Musikkapelle Toblach

Bürgerkapelle Gries

14

KulturFenster


Blasmusik

Sommernachtkonzert am

„Naturnser Broadway“

Die Musikkapelle Naturns mit einem inspirierenden Musikmix

Mit ihrem ansprechenden Programm konnte die Musikkapelle Naturns beim heurigen Sommernachtkonzert wiederum begeistern.

Jubel, Standing Ovations und tosenden

Beifall gab es für das Open-Air-Konzert der

Musikapelle Naturns am Sommerabend des

20. August 2015.

In der zweiten Ausgabe ihres Sommernachtkonzerts

führte die Musikapelle Naturns

das Publikum auf eine einstündige

Reise quer durch die bunte und vielfältige

Welt moderner Blasmusik von Musical, Pop,

Jazz, Schlager und Chanson, aber auch

in jene der klassischen Musik in modernen

Arrangements, die unter dem Dirigat

von Kapellmeister Dietmar Rainer eine Renaissance

erlebte. Mit einer ordentlichen

Brise Charme, Esprit und Witz begleiteten

die Moderatoren Daniel Götsch und Judith

Leiter durch den verzaubernden musikalischen

Streifzug.

„Encanto", das spanische Wort für Zauber,

war auch der Titel des eröffnenden

Werkes. Es folgte die Serenade für Alt-Saxophon,

die durch die Glanzleistung des

Solisten Paul Huber am Altsaxophon beeindruckte.

Mit „Magic of Mozart“ forderte

man daraufhin das Publikum zur kognitiven

Interaktion auf, um im Aufeinandertreffen

aparter Mozartklänge das gestellte

Quiz mit „Serenade – Eine kleine Nacht-

musik“, „Konzert für Klavier in C-DUR“

und „Non più andrai – Die Hochzeit des

Figaro” lösen zu können. Kraftvolle, talentierte

Stimmen, gepaart mit gefühlvollen

Melodienfolgen, so könnte man die darauffolgenden

musikalischen Leckerbissen

umschreiben, ebenso wie die Gesangssoli

von Anna Platzgummer und Daniel Götsch,

die mit „Gold von den Sternen“ und „Wie

wird man seinen Schatten los“ das Leben

des Weltmusikers Mozart beleuchteten.

Den Sängern gelang es, die Leidenschaft

und das Feingespür für die musikalische

Inszenierung aus dem Musical „Mozart“

dem Publikum zugänglich zu machen. Von

Mozart, dem „Rockstar“ zu Zeiten des Rokoko,

führte die Reise ins 21. Jahrhundert

zu „Romantic Mood“, dessen Waldhorn-

Soli, intoniert von Stefan Gritsch, in einem

ersteren verträumt-romantischen Thema

erklangen und nach der Holzbläsereinleitung

sowie dem Orchester-Tutti des zweiten

Themas als musikalisch-aufl ockernde

Einwürfe zu hören waren. Eine weitere aktuelle

Komposition wählte Kapellmeister

Rainer mit der Jazzballade „James“.Manuel

Tumler brillierte dabei am Flügelhorn

mit verträumten, unbeschwerten Solomelodien.

Für den romantischen Höhepunkt

sorgte die Kapelle mit der Hochzeitskomposition

für die Vermählung Suzanne Welters

in „Serenade for Louis“. Die fesselnde,

leicht wehmütige und doch hoffnungsvolle

Melodie des Werkes „When I walk alone“

interpretierte Philipp Götsch an der Soloposaune

auf virtuose Weise. Das elektrisierende

Finale, zu dem sich ein Medley

vom weltbekannten Entertainer Udo

Jürgens gesellte und dessen Gesangssoli

Thomas Moriggl in „Ich war noch niemals

in New York“, „Aber bitte mit Sahne“ und

„Mit 66 Jahren“ präsentierte, schloss mit

den beschwingten Rhythmen im seinerzeit

von Frank Sinatra besungenen „New

York, New York“, überzeugend dargeboten

von Veronika Schnitzer, und „Merci Chérie“,

dem offiziellen Verabschiedungssong

des diesjährigen Sommernachtkonzerts.

Mit „Mambo No.5“ servierte die Musikapelle

Naturns das musikalische Dessert

und mag somit wohl Auslöser für die eine

oder andere Tanzeinlage in den bis zum

letzten Platz gefüllten Reihen des Freilichtareals

des Bürger-und Rathauses von Naturns

gewesen sein.

Fabian Fleischmann

Nr. 05 | Oktober 2015 15


Zur Person

Verdienstkreuz des Landes Tirol

für Hermann Wenter

Auszeichnung für vielfältiges volkskulturelles Schaffen aus Liebe zur Heimat

Für seine vielfältigen

Verdienste im

kulturellen,

politischen und

sozialen Bereich

hat Hermann

Wenter aus Naturns

von den beiden

Landeshauptleuten

Günther Platter

(links) und Arno

Kompatscher

(rechts) heuer das

Verdienstkreuz

des Landes

Tirol überreicht

bekommen.

Beim Festakt in der Innsbrucker Hofburg

am 15. August 2015 erhielt unser

ehemaliger Blasmusikfunktionär Hermann

Wenter aus Naturns von den Landeshauptleuten

Südtirols und Tirols, Arno Kompatscher

und Günther Platter, das Verdienstkreuz

des Landes Tirol überreicht.

Hermann Wenter, Jahrgang 1944, war

Gemeindeangestellter in Naturns. Neben

seinem Beruf und nun in seiner Pension

war und ist er immer noch in vielen Bereichen

tätig. Die Motivation seines unermüdlichen

Schaffens nahm er wohl aus

seiner tiefen Beziehung und Liebe zu seiner

Heimat mit all ihren volkskulturellen

Ausdrucksformen, Bräuchen und Besonderheiten.

Ein ganz besonderes Anliegen

war es ihm stets, diese selbst zu leben und

zu pflegen, um sie dann überzeugt und

mit Begeisterung an andere weitergeben

zu können. Durch seinen großen Einsatz

hat er sich in der Blasmusik, in der Heimatpflege,

in der Kirche und Politik große

Verdienste auf Naturnser Gemeindeebene,

in seinem Heimatbezirk Meran und auf

Landesebene erworben.

Sehr viel Zeit und Eifer schenkte er dem

Blasmusikwesen. Hermann trat 1963 in

die Musikkapelle Naturns ein und ist seither

ununterbrochen ihr Mitglied. Von 1972

– 1982 hatte er die Aufgaben als deren

Obmann inne.

1974 wurde er in den Vorstand des

VSM-Bezirkes Meran gewählt. Von 1977

– 2004, also 27 Jahre lang, bekleidete er

das arbeitsaufwändige Amt des Bezirksobmannes

und war zugleich Vorstandsmitglied

im Verband Südtiroler Musikkapellen.

Er trug wesentlich zur Verfassung

der Chroniken der Musikkapelle Naturns

und des 50-Jahr-Jubiläums des Bezirkes

Meran bei. Seit 2004 ist er nun Ehrenob-

mann des Bezirkes. Als aktiver und überzeugter

Heimatpfleger setze er sich ganz

besonders für die Erhaltung und Pflege

der Trachten ein und war Mitautor bzw.

Herausgeber von verschiedenen heimatkundlichen

Publikationen. Er gründete

auch eine Alphorn-Bläsergruppe. Wenter

engagierte sich in seiner Heimatgemeinde

Naturns zusätzlich im Gemeinderat und

als Mesner.

Der Vorstand des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen freut sich mit dem Geehrten

über die hohe Auszeichnung und

Anerkennung des Landes Tirol/Südtirol,

die er sich besonders auf Grund seines

großen Einsatzes und seines tiefen Kulturverständnisses

redlich verdient hat und

bedankt sich für die vielen ehrenamtlich

geleisteten Stunden.

Herzliche Gratulation!

Pepi Fauster, VSM-Verbandsobmann

16

KulturFenster


Blasmusik

Dietmar Rainer schließt

Dirigentenstudium in Spanien ab

Vom Organisten und Chorleiter zum diplomierten Kapellmeister

Seit Jahren schon bietet das Europäische

Institut für Blasorchester (ISEB) in Mezzocorona

eine auf fünf Jahre angelegte Kapellmeisterausbildung

an.

Unterrichtet werden dabei neben dem

Dirigieren auch Harmonielehre, Gehörbildung,

harmonische Werkanalyse (Giuliano

Moser), Instrumentation, Verteilung von

zwei- bis vierstimmigen Musikstücken in

eine komplette Partitur für modernes Blasorchester

(Carlo Pirola) und Repertoire

und Blasmusikgeschichte (Andrea Loss).

Für die Fächer Dirigiertechnik, Partiturstudium,

Probendidaktik und Lehrproben

mit Orchestern werden immer wieder renommierte

Dirigenten eingeladen. In den

vergangenen Jahren waren dies Jan Cober,

Felix Hauswirth, Alex Schillings, Josè

Vilaplana, und Miguel Etchegoncely.

Dass Dietmar Rainer aus Schnals gerne

dirigiert, beweist er schon durch die Tatsache,

dass er gleichzeitig Kapellmeister

der Musikkapellen Unser Frau/Karthaus

und Naturns ist. Und weil neben

dem „Gern-Tun“ das Dirigieren auch ein

richtiges Handwerk ist, welches man erlernen

kann, begann der Schnalser Organist

und Chorleiter im Jahre 2006 die

Ausbildung am ISEB (Istituto superiore

europeo per banda). Nach einigen Jahren

der Unterbrechung setzte er sein

Studium 2012 fort, konnte im Jahr darauf

die Prüfung zum Triennium und im

vergangenen Juni die Abschlussprüfung

des anschließenden zweijährigen Meisterkurses

ablegen.

Dabei stand nicht nur Dirigieren auf

dem Programm, sondern er musste auch

einige Konzertprogramme für Orchester

mit verschiedenem Niveau erstellen und in

einer sechsstündigen Prüfung ein Klavierstück

für Blasorchester instrumentieren.

Für die Dirigierprüfung, welche in Valencia

stattfand, stand das professionelle

Blasorchester „Orquestra de Vents Filharmonia“

von Ontinyent/Valencia zur

Verfügung.

Die Prüfungsaufgabe war, Werke

mit dem Orchester einzustudieren

und in einem abschließenden Konzert

aufzuführen. Dietmar Rainer hat

dazu das Werk „Gloriosa“ (Grad 6)

von Ito Yashuide ausgewählt. Dieses

kam dem passionierten Organisten

und Kirchenmusiker natürlich sehr

entgegen, enthält es doch unüberhörbare

Einfl üsse aus der abendländischen

Kirchenmusik. Dietmar

Rainer meisterte das Werk souverän,

das ausgezeichnete Orchester folgte

seinem grazilen Dirigat mit Bravour

und somit konnte er mit dem

europäischen „Diploma

superiore di Direzione

di Banda“ die

Heimreise antreten.

Herzliche

Gratulation!

Dietmar

Rainer, der

Vollblutmusiker

aus Schnals,

hat sein

Dirigierstudium

unlängst mit

großem Erfolg

in Spanien

abgeschlossen.

Nr. 05 | Oktober 2015 17


Zur Person

Myriam Tschenett,

Jugendleiterin der Musikkapelle Mals

Die Absolventin des Tiroler Landeskonservatoriums Innsbruck möchte den

Jungmusikanten die Faszination des gemeinsamen Musizierens vermitteln.

Zur Person

Myriam Tschenett, Jahrgang 1972, über sich und ihren musikalischen Werdegang:

Ich bin in Mals geboren und habe dort die Pfl ichtschule sowie Oberschule besucht.

Danach studierte ich in Innsbruck am Tiroler Landeskonservatorium Klavier

und Klarinette und habe 1999 das Diplom erhalten. Seit 1986 bin ich Klarinettistin

in der Musikkapelle Mals und seit 2010 leite ich die Jugendkapelle von Mals.

Die Vermittlung der Begeisterung für Blasmusik ist die Hauptmotivation von

Myriam Tschenett in ihrer Tätigkeit als Jugendleiterin der MK Mals.

KulturFenster: Haben Sie in Ihrer Familie

musikalische und/oder pädagogische

Wurzeln?

Myriam Tschenett: Mein Vater und mein

Bruder spielten Flügelhorn bzw. Trompete

in der Musikkapelle Mals.

KF: Wer ist Ihr Vorbild?

M. Tschenett: Ich habe kein bestimmtes

Vorbild. Es begegnen mir in meinem Leben

immer wieder wunderbare Menschen,

von denen ich begeistert bin und von denen

ich lerne.

KF: Welche Charakterzüge schätzen Sie bei

Ihren Mitmenschen am meisten?

M. Tschenett: Humor, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft

KF: Ihr Lieblingsschriftsteller?

M. Tschenett: Hermann Hesse

KF: Ihr Lieblingsmaler?

M. Tschenett: Pablo Picasso

KF: Ihr/e Lieblingskomponist/en?

M. Tschenett: Johann Sebastian Bach, Johannes

Brahms

KF: Was war für Sie der Anlass, das Amt

der Jugendleiterin zu übernehmen?

M. Tschenett: Ich unterrichte an der Musikschule

und es macht mir Freude, Kindern

und Jugendlichen Musik nahezubringen.

Das veranlasste mich, auf Anfrage

unseres Kapellmeisters auch in der Musikkapelle

meine Erfahrungen einzubringen

und den Jungmusikanten die Faszination

des gemeinsamen Musizierens

zu vermitteln.

KF: Wie würden Sie als Jugendleiterin Ihren

Führungsstil bezeichnen?

M. Tschenett: Zielgerichtet, freundlich

und humorvoll

KF: Aus welchem Fehler haben Sie am

meisten gelernt?

M. Tschenett: Ich habe gelernt, dass man

als Leiter, egal welcher Formation, immer

gut vorbereitet sein muss, um ein gutes

Ergebnis zu erzielen.

KF: Was war als Jugendleiterin Ihr größter

Erfolg im musikalischen Bereich?

M. Tschenett: Jedes Konzert der Jugendkapelle

ist für mich ein Erfolg, wenn nach

zahlreichen Proben am Ende ein tolles

Konzert entsteht.

KF: An welche internationale Aktivität erinnern

Sie sich gerne zurück?

M. Tschenett: Die Teilnahme am internationalen

Wettbewerb „Flicorno d’oro“ in

Riva del Garda.

KF: Was war Ihr bislang einschneidendstes

Blasmusikerlebnis?

M. Tschenett: Ein Konzert des Blasorchesters

von Eijsden, das unter der Leitung

von Jan Cober 2009 und 2013 in Kerkrade

Weltmeister wurde.

KF: Ihre Hoffnungen und Wünsche für die

Zukunft der Blasmusikszene?

M. Tschenett: Ich wünsche mir als Jugendleiterin,

dass weiterhin viele Kinder und

Jugendliche Musik zu ihrem Hobby machen,

die Begeisterung für die Blasmusik,

die heute niveauvoller ist denn je, entdecken

und so den Fortbestand unserer Musikkapellen

sichern.

Interview: Joachim Buch

18

KulturFenster


Komponisten im Porträt

Blasmusik

Marco Nussbaumer,

ein vielseitiger Realist

Ein Porträt des Schweizer Musikers zu dessen 40. Geburtstag

Spannend und vielseitig liebt es

der Schweizer Dirigent, Pädagoge,

Komponist und Instrumentalist Marco

Nussbaumer.

Der Schweizer Marco Nussbaumer ist

Realist. Zwar hatte er als Teenager schon

den Wunsch, Musiker zu werden, aber er

wusste auch: „Profi zu werden und von

der Musik leben zu können, ist nicht unbedingt

dasselbe.“ Der zweifache Familienvater,

der am 30. Oktober seinen 40.

Geburtstag feiert, ist daher froh um seine

vielfältigen Aktivitäten. „Finanziell betrachtet

gibt es eine gewisse Sicherheit, wenn

man auf mehreren Standbeinen steht“,

sagt der Dirigent, Pädagoge, Komponist

und Instrumentalist.

Wie viele andere seiner komponierenden

Kollegen kommt er aus einer (amateur-)

musikalisch sehr aktiven Familie. Der Vater

und vier seiner Geschwister haben in

der Dorfmusik „Konkordia“ Mümliswil musiziert,

und als Kind sei Marco bei allen

Anlässen dabei gewesen. Heute ist er dort

Dirigent. Wie so oft begegnete man aber

seinen musikalischen Berufswünschen

eher reserviert. „Natürlich sollte ich zuerst

etwas ‚Richtiges‘ lernen, also etwas, wovon

man leben kann.“ Es habe sich aber

alles einfach so ergeben, erzählt er. „Ich

bin Schritt für Schritt in diese Richtung

gegangen, habe zuerst in Basel ein Vorstudium

Trompete und in Bern dann ein

Hauptstudium Dirigieren begonnen.“ Daneben

habe er aber schon „gearbeitet",

was in seinem Fall dirigieren, musizieren

und unterrichten bedeutete.

Dank seiner guten Ausbildung wurde er

bereits zwei Jahre vor der Matura als Trompetenlehrer

an der Musikschule Mümliswil

angestellt. „In der Schweiz gibt es drei

Lohnstufen: M1, M2, M3“ erklärt Nussbaumer.

„Ich wurde da einfach als M3

(Amateur) angestellt.“ Natürlich habe „Vitamin

B“ damals auch eine Rolle gespielt.

Anderes gelang hingegen durch „learning

by doing“. So übernahm er bereits

mit 17 Jahren seinen ersten Chor. Eigentlich

sollte nur ein einziger Auftritt

vertretungsweise gestaltet werden, aber

Nussbaumers selbstbewusste Probengestaltung

gefiel den Sängern so gut, dass

sich eine Zusammenarbeit über 14 Jahre

entwickelte.

Auch für den Jazz und die moderne

Unterhaltungsmusik entwickelte Marco

Nussbaumer schnell Verständnis. Schon

mit 15 Jahren war er 1. Trompeter in der

Kantonalen Sommer-Bigband. Später leistete

er seinen Militärdienst in der Swiss

Army Concert Band. „Dort hatten wir einige

Jahre auch eine Funk-Band, mit welcher

wir auch privat auftraten.“ Wenn es

sein Zeitplan erlaubt, spielt er heute noch

in der achtköpfigen Combo „Mumol Dixie

Stompers“.

Im Gegensatz zu seinen abwechslungsreichen

Tätigkeiten bewegt sich Nussbaumer

beim Komponieren gerne auf vertrauten

Pfaden. „Am liebsten schreibe ich

für Orchester, die ich kenne“, sagt er und

freut sich, wenn er beim Einstudieren oder

der Aufführung eigener Werke selbst dabei

sein kann. Schon früh habe er für Ensembles

komponiert und arrangiert, in denen

er selbst mitwirkte. „Ob das, was ich mir

vorgestellt habe, auch wirklich so klingt,

finde ich sehr spannend und lehrreich.“

Zum Komponieren angehalten wurde er

bereits während des Studiums der Blasorchesterleitung

bei Hans-Peter Blaser in

Bern, und zwar neben den in diesem Fach

verpflichtend anzufertigenden Instrumentationen.

„Dies hat wohl den Grundstein

für meine jetzige Komponistentätigkeit gelegt.“

Nussbaumers konzertante Werke

beziehen sich oft auf außermusikalische

Themen, wie Historie oder Märchen und

Mythen. Musik müsse für ihn aber nicht

zwingend eine Geschichte vertonen. Für

ihn reiche es aus, wenn Emotionen entfacht

und transportiert werden.

Als Blasmusik-Komponist freut man

sich natürlich, wenn man international

gespielt wird. Andererseits will man regionale

Besetzungs-Traditionen nicht ganz

über Bord werfen. Nussbaumer findet diesen

Zwiespalt sehr spannend. Jeder solle

seine Stärken ausspielen, sagt er. „ Als

Komponist halte ich mich an die Vorgaben

meines Verlages und biete mittels Stichnoten

ggf. Varianten an. Für meine Jugendorchester

arrangiere ich aber vieles selbst,

sodass es auf die vorhandene Besetzung

passt und ich alle gemäß ihrem Können

fordern und fördern kann. Da wird es wohl

auch in Zukunft keine für alle passende

Lösung geben.“

Joachim Buch

Nr. 05 | Oktober 2015 19


Nachruf

Abschied von Hans Schaad

Der Ehrengeneralsekretär der CISM verstarb Ende Juni 87-jährig in Basel

Am 29. 6. 2015 ist der Ehrengeneralsekretär der CISM Hans Schaad nach langer, schwerer Krankheit 87-jährig in Basel verstorben.

Hans Schaad wurde am 5. Juni 1928

in Oberbipp (Verwaltungskreis Oberaargau,

Kanton Bern) geboren. Nach dem

Besuch der Primar- und Sekundarschule

erlernte er in der Zellulosefabrik Attisholz

den Beruf eines Mechanikers. Am l. Oktober

1951 trat er in den Dienst des Polizeikorps

des Kantons Basel-Stadt. Als

Polizeikommissär beendete er seine berufliche

Laufbahn.

Aufgrund seiner hohen musikalischen

Begabung genoss der Verstorbene schon

sehr früh eine solide und umfangreiche

musikalische Ausbildung. So erhielt er

grundlegende musikalische Kenntnisse

bei Musiklehrer Fritz Kobi in Wiedlisbach,

besuchte zwei Dirigentenkurse des Bernischen

Kontonal-Musikverbandes und

studierte acht Semester an der Musikschule

in Basel unter Kapellmeister Albert

E. Kaiser. Ergänzende Kenntnisse erwarb

er im Privatunterricht bei Stephan

Jaeggi in Bern.

Als praktisch ausübender Musiker begann

Hans Schaad bereits mit 16 Jahren

bei der Musikgesellschaft Oberbipp.

Später war er Tenorhornist bei der Metallharmonie

Bern, der Stadtmusik Laufen

und der Polizeimusik Basel. Bei der Militärmusik

war er nach der Absolvierung

der Trompeter- Rekrutenschule und Ableistung

des Militärdienstes als Korporal,

Trompeter- Wachtmeister im Bat. Spiel 30

und im Regimentspiel 14.

Der Polizeimusik Basel - mittlerweile

hatte er seinen Wohnsitz aus beruflichen

Gründen hierher verlegt - diente er während

24 Jahren als Vizedirigent und gehörte

13 Jahren dem Vorstand an. 1971

verlieh ihm die Polizeimusik Basel und

1991 die Musikgesellschaft seiner Heimatgemeinde

die Ehrenmitgliedschaft.

Vom Kantonalmusikverband Basel-Stadt

wurde Hans Schaad 1970 zum Präsidenten

der Musikkommission gewählt,

von 1963 bis 1973 gehörte er der Fachtechnischen

Kommission des Schweizerischen

Militärmusikverbandes, der ihn

Aus Leidenschaft war Hans Schaad

über viele Jahrzehnte mit der Blasmusik

verbunden und er hat sich darum über

seine musikalische Heimat hinaus viele

Verdienste erworben.

ebenfalls zum Ehrenmitglied ernannte, an.

Von 1975 bis 1984 lenkte er die Geschicke

des Stadtverbandes als Präsident.

Sein erfolgreiches Wirken wurde mit der

Verleihung des Titels „Ehrenpräsident“

gewürdigt. Von 1976 bis 1996 gehörte

der Verstorbene auch dem Zentralkomitee

des Schweizer Blasmusikverbandes

an. Während der ersten 13 Jahre war er

ein kompetenter Protokollführer und von

1989 bis zu seinem Ausscheiden aus dem

ZK dessen Vizepräsident. Bleibende Verdienste

erwarb er sich als Redakteur des

EMV-Taschenkalenders und als Mitglied

des geschäftsführenden Vorstands in der

Stephan-Jaeggi-Stiftung.

Meine erste persönliche Begegnung

mit Hans Schaad fand bei einer CISM

Sitzung in Basel statt, als er vom damaligen

Generalsekretär der CISM und Zentralpräsidenten

des EMV Alex Oggier für

das Verfassen der Protokolle in den Geschäftsführenden

Vorstand der CISM mitgenommen

wurde. Schaad verfasste zu

meiner Zeit als CISM Präsident nicht nur

exzellente Protokolle, sondern erarbeitete

sich im organisatorischen Bereich außergewöhnliche

Anerkennung. Fortan kümmerte

er sich um optimale Tagungsorte

und gute Arbeitsbedingungen des CISM

Vorstandes, insbesondere in Basel und

Luzern. 1984 organisierte er gemeinsam

mit Alex Oggier und Frau Zimmermann

vom 17. bis 21. Oktober 1984 den CISM

Kongress in Basel.

Seine aktive Mitarbeit, sowie sein Fachwissen

und Organisationstalent veranlassten

die Führung der CISM, Hans

Schaad nach Alex Oggier von 1992-1998

zum Generalsekretär zu wählen und später

zum Ehrengeneralsekretär zu ernennen.

Seine akkurate, beharrliche und solide

Arbeit, seine konziliante Umgangsform

mit den Vorstands- und Verbandsmitgliedern

sowie seine Geselligkeit und

Freundschaft sind seinen Kollegen und

Kolleginnen noch in guter Erinnerung.

Sein Wirken für die nationale und europäische

Blasmusik wurde durch zahlreiche

Ehrungen und Auszeichnungen

dokumentiert. So wurde er über die bereits

erwähnten Ehrenmitgliedschaften mit

der goldenen Ehrennadel des EMV-Dirigentenverbandes,

der Verdienstmedaille

des Belgischen Musikverbandes und der

ANBIMA Piemont, des Verdienstkreuzes

in Gold des Österreichischen Blasmusikverbandes

und des Ehrenkreuzes der

ClSM geehrt.

Mit Hans Schaad ist ein überaus gewissenhafter,

verlässlicher und umsichtiger

Funktionär, lieber Freund und wahrhafter

Kamerad in die Ewigkeit vorausgegangen.

Seiner lieben Frau Edith Schaad-Kündig

gilt unser aufrichtiges Mitgefühl. Die nationale

und europäische Blasmusikfamilie

wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren

und seine Verdienste und sein Tun

über das Grab hinaus zu schätzen wissen.

Friedrich Weyermüller

Ehrenpräsident des Österreichischen

Blasmusikverbandes ÖBV

20

KulturFenster


Neues

Blasmusik

La Cucaracha – das bekannte Lied aus Mexiko

Für Jugendkapellen arrangiert von

Gottfried Veit

Als Südtiroler Verbandskapellmeister hat

Gottfried Veit die Entwicklung der Blasmusik

in unserem Land entscheidend mitgeprägt.

Neben der sinfonischen Musik war und ist

ihm die sogenannte „Gebrauchsmusik“ ein

großes Anliegen, denn er weiß aus der Praxis

heraus um die besonderen Herausforderungen

des blasmusikalischen Alltages der

Musikkapellen landauf landab. In den letzten

Jahren widmet er sich auch vermehrt

den Jugendkapellen und veröffentlicht immer

wieder Noten, die sich in ihren Schwierigkeitsgraden

und Besetzungsvarianten

hervorragend für dieses Genre eignen. Bereits

2007 hat Veit mit dem „Zottelmarsch“

und „Branle de Chevaux“ zwei „alte Ohrwürmer“

für Jugendkapelle adaptiert. Sein

jüngstes Kind ist das mexikanische Lied „La

Cucaracha“. Der Satz ist einfach gehalten

und im 4/4-Takt notiert, daher in verschiedenen

Besetzungsvarianten – inklusive Klavierstimme

- spielbar und trotz eventueller

Besetzungsengpässe für eine jede Jugendkapelle

interessant. Veit beschränkt sich allerdings

nicht darauf, nur das Original zu

zitieren, sondern „reicht“ die Melodie zwischen

den Registern weiter, beginnt in AS-

Dur, verwebt die Melodie in einem kurzen

Zwischenteil kontrapunktisch zwischen hohem

und tiefem Blech und wechselt dann

über F-Dur zum abschließenden Tutti-Finale

in B-Dur: „O-lé!“ Gottfried Veit setzt aber noch

eines drauf: Zur Standardbesetzung bietet er

auch noch eine Brass-Band-Version an, die

vom Sopran-Cornett bis zur Tuba alle Varianten

und Besetzungswünsche eines Bläserensembles

abdeckt. Die Noten sind im

Schweizer Musikverlag Frank erschienen.

Stephan Niederegger

Südtiroler Rifflblech trumpft mit „Herz Ass“

Die sieben jungen Musiker präsentieren

erste CD mit pfiffiger Blasmusik

Hinter dem Namen „Südtiroler Rifflblech“

verbergen sich sieben junge Musiker, die

sich im Laufe ihres Musikstudiums in Bozen,

Innsbruck, Wien, Salzburg, Linz, Weimar,

Graz und München kennengelernt haben:

Ludwig Wieser, Matthias Kiniger und

Florian Künig (Trompete/Flügelhorn), Thomas

Kiniger und Martin Psaier (Tenorhorn/

Posaune), Martin Eschgfäller (Tuba) und

Dominik Palla (Schlagzeug). Die „sieben

Riffl und ihr Blech“ spielen seit drei Jahren

in dieser Besetzung und sind mittlerweile

kein Geheimtipp mehr. Sie faszinieren bei

ihren Liveauftritten mit einer pfiffigen und

witzigen Mischung aus bodenständigen

Melodien und stilistisch waghalsigen Formen

der Blasmusik. Nun haben sie ihren

ersten Tonträger präsentiert. Mit der CD

„Herz Ass“ haben sie gleich 13 Trümpfe im

Ärmel bzw. auf die Silberscheibe gebrannt:

Aus Freude an überlieferter Volksmusik

reicht das Repertoire von traditioneller böhmisch-mährischer

Blasmusik bis hin zu frechen

Eigenkompositionen und herzergreifenden

Arrangements aus Pop und Rock.

Den Auftakt macht der „Toblacher Musikantenmarsch“

von Matthias Kiniger, den

Abschluss der „Jungböhmische Marsch“

von Dominik Palla. Dazwischen liegt eine

interessante Stückauswahl, die mit einem

homogen-strahlenden Klang, einer transparenten

Klangbalance und rhythmischer

Genauigkeit die musikalische Vielseitigkeit

von Luttl, Hias, Flori, Niki, Martl, Tom und

Mortl unterstreicht: So jung, frisch und unverbraucht

macht Blasmusik Spaß!

Stephan Niederegger

So frech wie

der Name

klingt auch

die Musik

des Südtiroler

Rifflblech.

Ein Buch über ein europäisches Musikphänomen

Slavko Avsenik und seine Original Oberkrainer

Am 2. Juli 2015 starb Slavko Avsenik.

Anfang der 1950-er Jahre hat er gemeinsam

mit seinem Bruder Vilko einen neuen

musikalischen Klang entwickelt. Anfangs

als „Oberkrainer Quartett“ und „Quintett“

und später als „Original Oberkrainer“ ging

der Siegeszug dieser „neuen Volksmusik“

rund um den Globus: von „Auf der Autobahn“

bis zum „Trompetenecho“. Der slowenische

Schriftsteller, Journalist und Redakteur

Ivan Sivec hat nun im ICO-Verlag

ein Buch veröffentlicht, um die Anfänge und

die Entwicklung des Oberkrainer Ensembles

in ausführlicher und vielseitiger Weise darzustellen.

Das 302 Seiten starke Werk ist

in der Reihe „Slowenische Legenden“ (Slovenske

legende) erschienen und versucht,

die Oberkrainer - die „slowenischen Beatles“

- sowohl allgemein als auch wissenschaftlich

in Text und Bild darzustellen. Es

ist in neun Kapitel gegliedert, wobei der

Hauptteil dem Kapitel „Slavko Avseniks Erinnerungen“

gewidmet ist und ihm damit

– neben seinem Bruder Vilko – die meiste

Aufmerksamkeit schenkt.

Das Buch ist im slowenischen Original

bereits im Frühjahr, also noch vor dem überraschenden

Tod Slavko Avseniks erschienen.

Die nun vorliegende deutsche Übersetzung

stammt von Christina Fleischhacker

und Eva Pauer. Weitere Informationen sind

im Internet verfügbar:

www.ico.si und www.slavkoavsenik.de

Stephan Niederegger

Titelbild

des Buches

„Slavko

Avsenik und

seine Original

Oberkrainer“

Nr. 05 | Oktober 2015 21


Marschieren vor herrlicher Bergkulisse, dieses einzigartige Erlebnis war den

jugendlichen Teilnehmern am Sommercamp auf der Barbianer Alm vorbehalten.

•Musikpanorama

Jugendliche Klangwolke auf der Barbianer Alm

Unterhaltsames Sommercamp für Jungmusikanten aus fünf Musikkapellen

Die Jugendkappelle der Musikkapellen Barbian,

Kollmann, Villanders und Waidbruck

haben in Zusammenarbeit mit der Jugendkapelle

Lajen ein paar Tage auf der Barbianer

Alm verbracht und sich dabei musikalisch

weitergebildet.

Die 37 Kinder und Jugendlichen haben

an diesen schönen Sommertagen mehrere

Stunden am Tag fleißig musiziert. Unter der

Leitung von Hannes Pupp, Matthias Prader

und Hildegard Vonmetz wurde in verschiedenen

Zusammensetzungen geprobt,

wobei auf die individuellen Fähigkeiten der

Kinder und Jugendlichen besonderes Augenmerk

gelegt wurde. Neben dem Musizieren

stand aber auch die Pflege der Gemeinschaft

mit Spielen und Wanderungen

auf dem Programm.

Einige der einstudierten Kompositionen

wurden in Villanders im Rahmen eines

Konzertes dem Publikum vorgestellt. Mit

dem Stück „The Final Countdown“ erlebten

die Zuhörer einen furiosen Auftakt,

weiter ging es mit dem romantischen

Stück „Irish dreams“, das die Jungmusiker

an ihre ruhigen, stimmungsvollen Momente

im Sommercamp erinnerte. Weiters

standen die Stücke „Barcarole und „Can

Can“, „La Cucharacha“ und der Beatles-

Song „Hey Jude“ auf dem Programm. Das

Konzert wurde mit dem Hit „Atemlos“ von

Helene Fischer, der nicht nur den Musikern

selbst sichtlich Spaß machte, abgeschlossen.

Der gelungene Konzertabend gilt letztlich

auch als herzliches Dankeschön den

Lehrern und den Jugendleitern für ihr Engagement

sowie allen anderen Freiwilligen,

die das Sommercamp ermöglicht haben.

Waltraud Wörndle (MK Waidbruck)

22

KulturFenster


Blasmusik

Vintler Jugendkapelle zu Gast in Villnöß

Siebte Auflage des Hüttenlagers auf der Zanser Alm

Die Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“ war wieder

auf Sommerfrische. Für ihr mittlerweile

siebtes Hüttenlager haben die 18 jungen

Musikantinnen und Musikanten wiederum

die Zanser Alm in Villnöß gewählt.Es waren

fünf spannende Ferientage voller Musik

mit viel Abwechslung, Spaß und Unterhaltung,

erzählt Jugendleiter Andreas

Messner. Er hat mit der Jugendkapelle

auf der Alm ein unterhaltsames Konzertprogramm

einstudiert. Evelyn Delfauro,

Marion Volgger und Magdalena Zingerle

haben ihn bei den Proben mit den einzelnen

Registern unterstützt. Helga Volgger

war für das leibliche Wohl verantwortlich.

Für die nötige Abwechslung sorgten Frühsport,

Wanderungen und die zweite Auflage

der Casting-Show „Zans sucht den Superstar“.

Als Mittagseinlage beim Kirchtag in

Vintl und - eine Woche später - beim Kirchtag

in Obervintl hat die Jugendkapelle ihr

neues Konzertprogramm einem begeisterten

Publikum präsentiert.

Hannes Zingerle (MK Vintl)

Die Jugendkapelle „y.m.b. Vintl“ bei

ihrer musikalischen Sommerfrische auf

der Zanser Alm

„Musikanten im Stadl“

Die Musikkapellen Abtei und Oberrasen mit einem besonderen Konzert

Am 22. August fanden sich die Musikantinnen

und Musikanten der befreundeten

Musikkapellen Abtei und Oberrasen

zu einem Gemeinschaftskonzert zusammen.

Es sollte ein ganz besonderes Konzert

werden, weshalb nach einem besonderen

Ort Ausschau gehalten wurde. Eine

einmalige Kulisse fand man schließlich im

Stadel des Neumairhofes in Oberrasen.

Nach vielen Einzelproben und einer Gemeinschaftsprobe

der beiden Kapellen hieß

es dann „Stadeltor auf!“ Zahlreiche Gäste

aus nah und fern waren gekommen, um

diesem speziellen Gemeinschaftskonzert

zu lauschen. Die Musikkapelle Oberrasen

mit ihrem Kapellmeister Matthias Hilber

eröffnete das Konzert mit dem schwungvollen

„Florentiner Marsch“ von Julius

Fučík. Die Musikapelle Abtei mit Friedl

Pescoller am Dirigentenpult begeisterte

die Zuhörer im Anschluss mit dem Stück

„Orpheus in der Unterwelt“ von Jacques

Offenbach. Mit dem vereinten Klang beider

Kapellen, also insgesamt 109 Musikantinnen

und Musikanten, wurden schließ-

lich mehrere Stücke, u.a. „The Lion King“

und „Oregon“ aufgeführt. Als Abschluss

durften auch der „Böhmische Traum“ und

der zünftige Marsch „Dem Land Tirol die

Treue“ mit Gesang nicht fehlen. Die Musikanten

und Musikantinnen wurden mit

viel Applaus belohnt und das Konzert wird

mit seiner tollen Stimmung sowohl den Bläsern

als auch den Zuhörern noch lange in

Erinnerung bleiben.

Marion Agstner (MK Oberrasen)

Ein gelungenes Konzert gaben die Musikkapellen Abtei und Oberrasen in der

stimmungsvollen und akustisch hervorragenden Stadel-Kulisse des Neumairhofes.

Jugendcamp der Musikkapelle Zwölfmalgreien in Pens

Eine Woche Proben-Spaß für 25 Jungmusikanten

Am 24. August war es wieder soweit: Die

Jungmusikantinnen und Jungmusikanten

der Musikkapelle Zwölfmalgreien machten

sich mit acht Begleitpersonen auf den Weg

zum Lochgietl-Hof in Pens, wo auch heuer

wieder das Jugendcamp stattfand. Rund 25

begeisterte Jugendliche musizierten eine

ganze Woche lang unter der Leitung von

erfahrenen Musikanten der Kapelle und

übten sich im Zusammenspiel in kleine-

ren und größeren Gruppen. Natürlich kamen

bei all den Proben Spaß und Unterhaltung

nicht zu kurz. Bei verschiedensten

Spielen und Gruppenaktivitäten konnten die

Jugendlichen auch ihre anderen Talente und

ihren Teamgeist unter Beweis stellen und

stärken.Die gemütliche Abschlussfeier am

Unterganznerhof bildete den krönenden Abschluss.

Hier konnten die Jungmusikanten

ihr Erlerntes vor zahlreichen Zuhörern zum

Besten geben und den wohlverdienten Applaus

genießen.

Brigitte Thurner (MK Zwölfmalgreien)

Im Zusammenspiel der jungen mit den

erfahrenen Musikkollegen gab es für die

Musikanten der MK Zwölfmalgreien eine

erlebnisreiche Woche in Pens.

Nr. 05 | Oktober 2015 23


Vorweg

Das Vorführen alter Handwerksberufe

bereichert viele Veranstaltungen, Märkte

und Feste. Es spielt im kulturellen und im

touristischen Angebot eine wichtige Rolle.

Doch so sehr die Vorführungen beim Publikum

auch ankommen und sich Menschen

für das Erlernen von Handwerkstechniken

interessieren, das alte Handwerk im Hauptberuf

hat im 21. Jahrhundert einen schweren

Stand.

Im Jahr 2011 wurde in der Schweiz daher

ein groß angelegtes Forschungsprojekt

durchgeführt mit dem Ziel, bereits ausgestorbene

und gefährdete Handwerksberufe

zu erheben. Dem Projekt lag das von

der UNESCO getroffene „Übereinkommen

zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes“

zugrunde. Dieses umfasst nicht nur

Bräuche, Riten oder sprachliche Besonderheiten,

sondern auch das Fachwissen

rund um historisch gewachsene Handwerksberufe.

Die Untersuchung wurde vom

Schweizer Bundesamt für Berufsbildung

und Technologie und dem Bundesamt für

Kultur in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse

sollten die Basis bilden für weitere Überlegungen

zur Aus- und Fortbildung sowie

zur Förderung und Bewahrung traditioneller

Handwerke.

Wann ist ein Handwerk alt?

Zunächst musste die Bezeichnung „traditionelles

Handwerk“ näher erklärt werden.

Die Studie bezeichnete damit jene Berufe,

die es schon vor 1950 in derselben oder

in ähnlicher Form gab. Untersucht wurde

nach folgendenKriterien: ausgestorben, hohe

Gefährdung, mittlere Gefährdung, geringe

Gefährdung. Insgesamt wurden 307 Handwerksberufe

erfasst. Davon waren 114 im

Jahr 2011 gering gefährdet, 91 mittel gefährdet

und 79 hoch gefährdet. Um einen

Überblick zu geben, um welche Berufe es

sich im Speziellen handelt, möchte ich sie

namentlich anführen. Es handelt sich dabei

zum Teil um reine Frauen- oder Männerberufe

oder um Berufe, die von beiden

Geschlechtern ausgeübt worden sind.

Folgende 23 Handwerksberufe sind in

der Schweiz ausgestorben: Bleicher, Eissäger,

Fallenbauer, Feilenhauer, Flößer, Geschirrflicker,

Hafenbinder, Harnischschmied,

Haubenschmied, Lavezsteindreher, Leimsieder,

Nieter, Pechsieder, Rechenmacher,

Ringpanzerschmied, Schirmmacher, Spiegelschleifer,

Stempelschneider, Textillaborant,

Textilveredler, Verhütter, Vogelfänger

und Wachsbossierer.

Zukunft des alten

Handwerks

Zahlreiche Berufe sind bereits ausgestorben

Hoch gefährdete Berufe

Hoch gefährdet waren folgende Berufe:

Beckenmacher, Hornschnitzer, Beinschnitzer,

Beindrechsler, Besenbinder, Bleigießer,

Bleiglaser, Bronzegießer, Brunnenbauer,

Büchsenschmied, Färber, Fassbinder, Filochierer,

Flachsspinner, Flechter, Flötenbauer,

Freskomaler, Frivoliténmacher, Fuhrmann,

Geiselmacher, Gelbgießer, Glockengießer,

Haarkünstler, Harzbrenner, Helmschmied,

Holzschuhmacher, Hornschnitzer, Kalandrierer,

Kalkbrenner, Kammmacher, Kesselflicker,

Kettenschmied, Knochenmahler,

Köhler, Kristallschleifer, Kunstblumenmacher,

Kürschner, Lederseilmacher, Messerschmied,

Müller, Gerber, Glasschleifer,

Perückenmacher, Pinselmacher, Portefeuiller,

Posamenter, Riemenmacher, Säumer,

Scagliomaler, Schachtelmaler, Schellenschmied,

Schirmflicker, Schriftgießer,

Seidenspinner, Seifensieder, Sensenmäher,

Sensenschmied, Sgraffittomaler, Sodmacher,

Spanschachtelmacher, Steingießer,

Öler, Papierschöpfer, Sticker, Störmetzger,

Strohdachdecker, Strohhutknüpfer, Stuckateur,

Stückfärber, Stumpendreher, Tapetendrucker,

Textildrucker, Textilmechaniker,

Torfstecher, Tüchelbohrer, Tuchfärber,

Walker, Wäscher, Zigarrenmacher, Zinngießer,

Zwirner.

Mittel gefährdete Berufe

Zu den mittelfristig gefährdeten Berufen

zählten: Bahnbetriebsdisponent, Bergwerkselektriker,

Blasinstrumentenbauer, Blechblasinstrumentenbauer,

Brillenmacher,

Buchbinder, Büchsenmacher, Drechsler,

Dreher, Eichmeister, Emailleur, Fachwerker,

Fensterschreiner, Feuerverzinker, Filetmaler,

Fotograf, Fotolaborant, Fräser, Geigenbauer,

Geräteinformatiker, Gerüstmonteur,

Gießer, Glasapparatebauer, Glasblaser, Glasmalerin,

Graveur, Gussformer, Gussputzer,

Gusstechnologe, Handschuhmacher, Handweber,

Hanfspinner, Hinterglasmaler, Holzbauer,

Hutmacher, Intarsienschreiner, Kachel-

und Baukeramikformer, Kartograf,

Kalkputzer, Keramik-Modelleur, Kerzenmacher,

Klingenschmied, Klöppler, Konfektionsschneider,

Korber, Korbflechter, Küfer,

Kupferschmied, Kutscher, Kuvertmaschinenführer,

Lehmbauer, Maschinenzeichner,

Maßschneider, Mauser, Messer- und

Scherenschleifer, Schnapsbrenner, Schuhmacher,

Schindelmacher, Seiler, Skibauer,

Spinner, Steinhauer, Strohflechter, Tierpräparator,

Wagner, Wegmacher, Weißnäher,

Wildheuer, Zementer, Zinngraveur.

Altes Handwerk in Südtirol

Ein großer Teil der genannten Berufe war

auch in Südtirol verbreitet und ist heute bereits

ausgestorben oder gefährdet. Wie hoch

die Gefährdung eines Berufes ist, hängt

von der Anzahl der Menschen ab, die ihn

noch ausüben. Je weniger Menschen die

Kenntnis und die Technik rund um ein altes

Handwerk beherrschen, desto größer ist die

Gefahr, dass es vom Aussterben bedroht

ist. Bestandsaufnahmen wie diese in der

Schweiz wären daher europaweit interessant,

damit gezielt Überlegungen angestellt

werden könnten, wie das Wissen und die

Kenntnis alter Handwerkstechniken erhalten

und gesichert werden können.

Barbara Stocker

Gurtenmacher bei der Arbeit

24

KulturFenster


Neues aus der Verbandszentrale

Heimatpflege

Zehentmesserhaus in Sarnthein

Ein Juwel ländlicher Baukultur mit neuer fragwürdiger Zweckbestimmung

Josef Oberhofer

Wie bekannt, gibt es von Seiten des Kultur-

und Heimatpfl egevereins Sarntal Bestrebungen,

das sich in seinem Besitz befi

ndende Zehentmesserhaus weitreichend

umzubauen und Wohnungen zu errichten.

Nachdem es sich bei diesem Haus laut

fachlichem Gutachten des Landesdenkmalamtes

um ein in architektonischer, kunsthistorischer

und baugeschichtlicher Hinsicht

absolut schutzwürdiges Gebäude handelt,

hat der Vorstand des Heimatpflegeverbandes

Südtirol sofort nach Bekanntwerden

der Umbaupläne am 15. Juli 2014 mit

dem örtlichen Heimatpflegeverein Kontakt

aufgenommen und um eine Aussprache

in Bozen gebeten. Zu dieser Aussprache

kam es leider nie, da sich die Mitglieder

des Landesvorstandes nur ungern auf die

Öttenbacher Alm zitieren ließen.

Zahlreiche Forderungen blieben

fruchtlos

Zehentmesserhaus in Sarnthein

Dem Heimatpflegeverband Südtirol

blieb also nichts anderes übrig, als dem

zuständigen Landesrat Florian Mussner

schriftlich mitzuteilen, dass er die Position

des örtlichen Heimatpflegevereins

Sarntal, der sich

gegen eine Unterschutzstellung

ausgesprochen hatte, absolut

nicht nachvollziehen kann und sich

folglich davon distanziert und dass der

Verband eindeutig die Position des zuständigen

fachlichen Gremiums, also der

Abteilung Denkmalpflege, teilt, die sich für

eine klar begründete Unterschutzstellung

dieses im Kern auf das Mittelalter zurückgehende

Gebäude mit wertvollen Ausstattungselementen

wie Täfelungen und Holzdecken

aus dem Barock und aus dem 19.

Jahrhundert ausspricht.

Schließlich wurde mit genanntem Schreiben

vom 16.10.2014 Landesrat Mussner

aufgefordert, das Zehentmesserhaus ehestens

mit Landesregierungsbeschluss unter

Denkmalschutz stellen zu lassen, damit

dieses wertvolle Haus adäquat geschützt ist.

In einer von der Vollversammlung des

Verbandes im April 2015 verabschiedeten

Resolution wurde diese Forderung nochmals

bekräftigt.

Dass alle Bemühungen des Heimatpflegeverbandes

Südtirol umsonst waren,

konnte man am 20. August 2015 der Tagespresse

entnehmen, wo der Obmann

des örtlichen Heimatpfl egevereins, Helmut

Kritzinger, freudvoll verkündet, dass

das Zehentmesserhaus neu genützt wird

und dass in den beiden oberen Stockwerken

des ehemaligen Benefi ziatenhauses

vier Sozialwohnungen und im Erdgeschoss

ein großer Ausstellungsraum entstehen

sollen. Die Äußerung des Herrn Kritzinger,

mit ihm hätte niemand geredet,

ist schlichtweg

erfunden.

Es soll aber

nicht weiter

verwundern, wenn man sich die Geisteshaltung

in der gesamten Angelegenheit

vor Augen hält.

Befremdliche Vorgangsweisen

Auf die Ankündigung vom 20. August

hin haben jedenfalls die Landtagsabgeordneten

Heiss, Dello Sbarba und Foppa eine

Anfrage an die Landesregierung gestellt, in

der sie feststellen, dass eine sorgsame Erhaltung

des Zehentmesserhauses durch

seinen Eigentümer, dem Kultur- und Heimatpflegeverein

Sarntal, eigentlich gewährleistet

sein müsste. Dem ist aber nicht so,

da „trotz des Versuchs des Landesdenkmalamtes,

das Haus unter Schutz zu stellen,

sowohl die Gemeindeverwaltung als

auch der Verein das Ansinnen unwirsch

abgewiesen haben. Die Landesregierung

hingegen habe den im Juni 2014 eingebrachten

Schutzantrag durch Fristverfall

unwirksam gemacht und Umbauplänen

freie Bahn eröffnet.“

Die grünen Landtagsabgeordneten fragen

deshalb: „Warum sich die Landesregierung

einer Unterschutzstellung verweigert

hat und welche Veränderungen

vorgenommen werden?“ Bleibt nun abzuwarten,

wie die Landesregierung ihr Verhalten

begründet.

Der Heimatpfl egeverband Südtirol hat

am 4. September nochmals in einer Presseaussendung

zum weitreichenden Umbau

dieses historischen Juwels Stellung bezogen,

sein Befremden gegenüber dem Heimatpfl

egeverein Sarntal in dieser Angelegenheit

neuerlich zum Ausdruck gebracht

und die Äußerungen des Vereinsobmannes

Kritzinger, mit ihm habe niemand gesprochen,

entschieden zurückgewiesen.

Ungeachtet dessen hat man unlängst

mit den Umbauarbeiten begonnen, denn

alle Hürden wurden geschickt aus dem

Weg geräumt.

Mit Bedauern und Enttäuschung nimmt

der Verband zur Kenntnis, dass seitens der

Landesregierung dem Denkmalschutz nicht

der nötige Stellenwert eingeräumt wird.

Josef Oberhofer

Nr. 05 | Oktober 2015 25


Informiert & Reflektiert

Stellungnahme zu den jüngsten

Baumschlägerungen in Pfalzen

Radikale Entfernung von Rosskastanien am Kirchplatz

Einheimische und Gäste beklagen seit

Wochen die Schlägerung von zwei Rosskastanien

am Kirchplatz von Pfalzen – Pustertal.

Diese prachtvollen Bäume säumten

die steinerne Treppe zum Aufgang der barocken

St.-Cyriak-Kirche. Man hat sie am

15. Juni morgens ohne Vorankündigung radikal

entfernt. Es ist nicht nachvollziehbar,

warum diese Baum-Denkmäler einer Neugestaltung

des Dorfplatzes weichen mussten.

Sie waren vital und kerngesund und

fügten weder dem Bodenbelag noch der

Friedhofsmauer in all den Jahren irgendeinen

Schaden zu.

Zahme und wilde Kastanien

Man könnte meinen, die Esskastanie

wäre die edlere Form der bitteren Rosskastanie.

Dem ist allerdings nicht so. Mit der

Rosskastanie hat die Edelkastanie außer der

Form der Früchte nichts gemein. Während

die Rosskastanie mit den Rosengewächsen

verwandt ist, gehört die Edelkastanie samt

Buche und Eiche zur Familie der Buchengewächse.

Die wilde Kastanie bereitet uns

vor allem dreimal im Jahr Freude: im zeitigen

Frühjahr, wenn die großen Knospen

aufspringen, im Mai, wenn die weißen bis

rosaroten Blütenkerzen erscheinen sowie

im Herbst, wenn die glänzenden Samen

von den Bäumen fallen. Der Rosskastanienbaum

ist bei uns nicht heimisch. Er gelangte

erst in der zweiten Hälfte des 16.

Jahrhunderts aus dem nördlichen Griechenland

nach Mitteleuropa.

Die beiden Rosskastanienbäume am Kirchplatz in Pfalzen wurden in einer Nachtund

Nebelaktion geschlägert, obwohl Stock und Stamm gesund waren.

Die Rosskastanien gehören zum

Dorfbild von Pfalzen

Die zwei Rosskastanien von Pfalzen

scheinen in der Dorfchronik erstmals auf

einem Foto anlässlich einer Kaiserjubiläumsfeier

im Jahre 1908 auf. Sie schmückten

seitdem viele Abbildungen von kirchlichen

und familiären Feierlichkeiten. Die

beiden Kastanien haben als Zeitzeugen

das Dorfgeschehen des letzten Jahrhunderts

mitgeprägt. Generationen von Bürgerinnen

und Bürgern haben die wilden Kastanien

gehegt und gepflegt. Sie wurden mit

jedem Rückschnitt kräftiger und schöner.

Die ohne Vorankündigung erfolgte Schlägerung

der Rosskastanien in Pfalzen ist

ein Natur- und Kulturfrevel. Sie ist durch

nichts zu rechtfertigen.

Peter Ortner

KulturFenster

Redaktion KulturFenster

Ihre Beiträge für die Heimatpflege senden Sie bitte an: rottensteiner.sylvia@gmail.com

Für etwaige Vorschläge und Fragen erreichen Sie mich unter folgender Nummer: 347 0325027 (Sylvia Rottensteiner)

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KulturFenster


Aus Verband und Bezirken

Heimatpflege

Pestkapelle Ladurn

Kleinodien sind erzählende Fenster in die Vergangenheit

Kleindenkmäler sind wie Fenster. Das

konnte man am Sonntag, dem 16. August, erfahren,

als die Segnung der renovierten Pestkapelle

bei Ladurn stattfand. Der Hof Ladurn

ist der Stammsitz des Geschlechtes der Ladurner.

Nach der vielseitig bekannten Hedwigsage

soll sich der Name von „Leidturn“

ableiten lassen. Solcher lokalen Überlieferung

zufolge spricht man den „Ladurnern“

eine adelige Abstammung zu. Der Hof befindet

sich links am Eingang des Schnalstales

bei der ersten Talweitung.

Sagenumwobener Standort

Weil er 1636 von der Pest verschont geblieben

war, ließ der damalige Besitzer Hanns

Ladurner aus Dankbarkeit dafür eine Kapelle

errichten. Der Standort ist am sogenannten

„Fuiregg“, der wegen des Ausblickes auf

Tschirland geeignet war, Lebens-und Feuerzeichen

in den Vinschgau zu senden. Von

hier aus fällt das Auge auf einen hohen Felsenturm,

der sich aus dem steinigen Gelände

des Sonnenberges erhebt. Er wird

im Volke allgemein als Stegerfrau bezeichnet

und ist der Sage nach eine versteinerte

Steghofbäuerin. Und sagenumwoben blieb

die gesamte Felsengegend. Zu Füßen der

„Elferplatt“ glaubte man das Reich der Saligen

zu wissen. Die „Elferplott“ war sicher

schon die Sonnenuhr der alten Räter und

wurde später von Bedeutung für den Kontrolldienst

am Schnalswaal. Dieser wurde

zwei Jahrhunderte nach der Pestkapelle

errichtet. Dieser Bau galt als das schwierigste

und auch gefährlichste Unternehmen

dieser Art in der Waalbaugeschichte

des Vinschgaus. Heute ist der Verlauf dieser

großartigen Waalanlage von der gegenüberliegenden

Talseite nur noch stellenweise zu

erkennen. Neben dem Waal führte auch der

„verbotene Steig“ hier vorbei. Er schlängelte

sich taleinwärts durch schwindelerregende

Felsabhänge und wurde bis zur Erbauung

der Schnalserstraße von Einheimischen

und sogar von Schulkindern eifrig benutzt.

Wiederaufbau mit vereinten Kräften

Viele Fäden aus Geschichte und Sagen

umspannen das kleine Denkmal, dessen

Gewölbe vor Jahren aus purem Mutwillen

beschädigt worden war. Mit dem heutigen

Besitzer Kurt Ladurner und dem Heimatpflegeverein

Naturns-Plaus wurde eine

Renovierung durchgeführt. Heinrich Oberhofer

und Hermann Müller mauerten das

Gewölbe wieder auf, wobei ihnen die Hofleute

sowie Josef Gasser, Michael Lochmann

und Martin Wenter, allesamt aus Naturns,

hilfreich zur Seite standen. Die Tafel

mit den Pestheiligen Sebastian und Rochus

wurde vom Malermeister Georg Thuile aus

Algund angefertigt.

Den alten Zauber

wiedergewonnen

Hermann Wenter hatte die Renovierung

organisiert und bis zum Ende begleitet. Daher

war er es, der die Begrüßung vornahm

und den Ablauf der Feier koordinierte. Er

fand Dankesworte für alle, die an der Arbeit

beteiligt waren, für die Sponsoren und

Vertreter der Großfamilie, für Dekan Rudolf

Hilpold und die Mitglieder des Heimatpflegevereines,

sowie für interessierte Anwesende.

Nach einem Rückblick auf die

vollzogenen Arbeiten nahm Dekan Rudolf

Hilpold die Segnung vor. Der Obmann des

Heimatpflegevereines, Josef Pircher, zeigte

sich in seiner Ansprache sehr erfreut über

die gelungene Renovierung dieses Kleindenkmales

und hob den Sinn der Instandhaltung

solcher Objekte hervor. Sie sind

Boten eines starken Glaubens und der

Dankbarkeit und sind wie Fenster, die viel

zu erzählen haben und als schmuckvolle

Kleinodien für die Landschaft gelten. Als

Botschafter für uns und die Zukunft müssen

sie erhalten bleiben, und die Spuren

in die Vergangenheit werden nicht ausgelöscht.

Matthias Ladurner Partanes hatte

einen Artikel über den verbotenen Steig

zum Vorlesen mitgebracht, ein Abschnitt

aus dem Buch „Die Ladurner“, das sein

Vater verfasst hatte. In mühevoller Kleinarbeit

hatte er das Geschlecht der Ladurner

weit zurück verfolgt und konnte über fünftausend

Träger dieses Namens schriftlich

festhalten. Kulturreferent Michael Ganthaler

überbrachte die Grüße der Gemeindeverwaltung.

Die Naturnser Alphornbläser

und ein Klarinettentrio der Musikkapelle

Naturns umrahmten die Feierlichkeit mit

ihren Weisen. Der Besitzer Kurt Ladurner

bedankte sich mit einer Marende aus

hofeigenen Produkten. Niemand konnte

sich der beinahe zauberhaften Wirkung

des alten Gemäuers und seiner Umgebung

entziehen und jeder sah in dieser

Aktion die Erhaltung eines Teiles gewachsener

Volkskultur.

Die Geladenen und Interessieren versammelten

sich zahlreich und lauschten

den Erklärungen über Geschichte und

Wichtigkeit des Denkmals.

Dank der Fürsorge des Besitzers und der

guten Zusammenarbeit mit dem Heimatpflegeverein

sowie weiteren Helfern erstrahlt

das schmucke Gemäuer nun in

neuem Glanze.

Für die musikalische Umrahmung sorgte

unter anderem das Klarinettentrio der

Musikkapelle Naturns. (Fotos: Johanna

Weithaler)

Nr. 05 | Oktober 2015 27


Ins Bild gerückt

Fenster mit Bergblick

Toblach – ein Dorf an der Scheide von Dolomiten und Villgratner Bergen

Die Herbstenburg im Anschluss an die

Pfarrkirche

Blick aus dem Heißluftballon auf das Zentrum von Toblach

Die Gemeinde Toblach im Hochpustertal

erstreckt sich von 1.182 bis hinauf auf 3.146

m Meereshöhe. Sie umfasst nicht nur Altund

Neu-Toblach, sondern auch die Ortschaften

Aufkirchen, Wahlen und das Silvestertal.

Toblach wird gemeinhin als „Tor zu den Dolomiten“

bezeichnet und liegt am Fuße der

malerischen Neunergruppe. Mit den Naturparks

Sextner Dolomiten und Fanes-Sennes-

Prags in unmittelbarer Nachbarschaft und

den zwei bedeutenden Wasserspiegeln Toblacher

See und Dürrensee verspricht Toblach

ein Erlebnis für alle Sinne.

Auch Persönlichkeiten wie Gustav Mahler,

der in den Sommermonaten von 1908-

1910 in seinem eigenen Komponierhäuschen

wirkte, wussten die Schönheit der

Gemeinde zu würdigen. Heute noch erinnern

die weitum bekannten Musikwochen

an den Aufenthalt des großen Komponisten.

Auch an weiteren Veranstaltungen

und kulturellen Höhepunkten hat Toblach

einiges zu bieten, so das Südtiroler Festival

im Grand Hotel, das Dolomiti Balloonfestival

oder den Volkslanglauf Toblach Cortina.

Wer sich an Sehenswürdigkeiten orientieren

mag, ist sicherlich mit einem Abstecher

zur sagenumwobenen Herbstenburg

gut beraten oder mit der Besichtigung der

fünf Passionskapellen entlang der Maximilianstraße,

die zusammen mit der Lerschachkapelle

einen großen Kulturschatz,

den ältesten Kreuzweg Tirols, bilden. Ganz

besonders im Vordergrund steht in Toblach

aber unweigerlich die Natur. Mit all ihren

Vorzügen wird Toblach für den dortigen

Heimatpflegeverein zu einem weiten Wirkungsfeld,

aber auch zu einer großen Herausforderung,

zumal er sich gegen vielerlei

Interessen von unterschiedlichen Seiten

behaupten muss.

Von Anfängen und

Wirkungskreisen

Heimatpflege ist in Toblach eng mit

dem Namen Josef Strobl verbunden, der

im Jahre 1964 den Keim der Heimatpflege

in Toblach legte. Er hat die wirtschaftlich

immer besser werdenden Jahre dazu genutz,

die vielen religiösen und bäuerlichen

Kleindenkmäler Toblachs zu sanieren. Er

war wichtiger Ansprechpartner, Berater und

Vermittler zwischen den einzelnen Behörden

für die Besitzer erhaltenswerter Denkmäler.

Im Jahre 1994 hob er schließlich

mit Gleichgesinnten den Toblacher Heimatpflegeverein

aus der Taufe und war bis

2009 dessen Obmann. Er hinterließ seiner

Nachfolgerin Agnes Steinwandter ein

gut bestelltes Feld. Der Schwerpunkt der

neuen Vereinsvorsitzenden liegt mehr auf

dem Erhalt des geistigen Hauses Heimat,

dessen Fassade in Zeiten fortschreitenden

Werteverlustes leider immer mehr bröckelt.

Die amtierende Obfrau hält mit viel Umsicht

und Feingefühl die Fäden im Verein

zusammen. Sie legt beispielsweise großen

Wert darauf, die Kompetenzen der einzelnen

Mitglieder sinnvoll zu nutzen und die

Aufgaben entsprechend zu verteilen. Mit

ihrem Grundsatz der Wertschätzung aller

gelingt es ihr, dass sich ihre Mitarbeiter

mit den Anliegen der Heimatpflege identifizieren

können. Auch dirigiert sie die alljährlichen

Lehrfahrten nicht mehr nur zu

entfernten Kulturschätzen außerhalb des

gewohnten Radius, sondern in die nähere

Umgebung, um die Sensibilität für den unmittelbaren

Lebensraum lebendig zu halten.

Von Taten und Fakten

Agnes Steinwandter plädiert bei ihrer

Tätigkeit als Obfrau des Vereins für eine

rege Zusammenarbeit mit anderen Vereinen,

so beispielsweise mit dem Verein für

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bei der

Beratung für Altbausanierungen oder mit

den örtlichen bäuerlichen Vereinen u.a.m.

Sie setzt sich auch mit sanfter Vehemenz

für den Erhalt des identitätsstiftenden Kulturerbes

sowie für den Natur- und Landschaftsschutz

ein, bleibt aber durchwegs

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KulturFenster


Heimatpflege

Der Einhof ist typisch für das Hochpustertal. Zahlreiche Höfe in und um Toblach wurden mit viel Liebe zum Detail restauriert.

realistisch bei der Einschätzung der Lage.

Nicht alles kann nämlich erzwungen, nicht

alle Störfaktoren beseitigt und der Fortschritt

nicht immer in die Schranken gewiesen werden.

Wichtig sei ein versöhnlicher Konsens

zwischen allen Beteiligten und im Einklang

mit den gewachsenen Werten. Dieser Konsens

sei bei Projekten wie der Rollerbahn

zwischen Säge und dem Toblacher See,

bei dem Bau einer Photovoltaikanlage mitten

im landwirtschaftlichen Grün oder bei

dem Phänomen „Ausverkauf der Heimat“

nicht gegeben. Der Ausverkauf der Heimat

zieht im Schlepptau viele Probleme nach

sich, die landschaftlicher, ökonomischer

und sozialer Natur sind. Den Preis für die

nachhaltigen Folgen muss die ganze Gesellschaft

zahlen, den Nutzen haben nur

wenige. Der Verein spricht sich folglich in

aller Deutlichkeit gegen derartige Vorhaben

aus und regt Kompromisslösungen

an.Dankbar wird in diesem Zusammenhang

registriert, dass auch die Gemeindeverwaltung

im Rahmen ihrer Möglichkeiten

wertvolle Schritte gesetzt hat, dieses Phänomen

einzugrenzen.

Sylvia Rottensteiner

Der rote Turm war durch einen unterirdischen

Gang mit der Burg verbunden.

Kaiser Maximilian, der Namensgeber der Maximilianstraße, residiert heute in Toblach – allerdings

in bronzenem Gewande. Den Maximilianweg säumt eine Reihe von Bildstöcken.

Von der Heimat

„Heimat ist etwas, das uns tief drinnen vertraut ist. Heimat ist Sichtbares und Greifbares,

wie die vom Menschen im Laufe der Zeitgeschichte geschaffene Natur- und

Kulturlandschaft. Heimat sind unser einmalig schönes Weltnaturerbe Dolomiten, die

bleichen Berge, die Almen, Fluren, Weiler, bäuerliche und religiöse Kleinode, Gassen,

verträumte ‚Platzlan‘, der Kirchturm und die Häuser mit ihrem ortstypischen

Baustil. Das alles sind kleinräumige, aber unverkennbare Markenzeichen unseres

Dorfes, Steinchen im großen Mosaik Heimat. In Frieden und Freiheit in der Heimat

leben zu dürfen ist ein Privileg des Himmels, das wir aber auch schätzen und

verantworten müssen.

Heimat ist aber auch geistig Erfahrbares wie das Beziehungsgeflecht von Familie

und Gesellschaft, in das jeder von uns eingebettet ist. Heimat ist ein Ort, wo man

sich kennt und hilft und wo das Fundament der Solidargemeinschaft noch trägt.

Heimat ist gewissermaßen der rote Faden, der von der Vergangenheit in die Zukunft

reicht und an dem das Überlieferte wie die zeitlosen Werte, die Sprache, die

Musik und die Tradition als Kulturgut hängen und dessen Ende auch offen bleiben

muss für Neues.

Heimatpflege ist keine Mottenkiste, bei der man selbstverliebt immer wieder Altes

abstaubt, sondern sie ist darauf bedacht, unser unverwechselbares Heimaterbe

zu schützen, zeitgemäß zu erhalten und so zu gestalten, dass nachkommende Generationen

noch genügend Gestaltungsfreiraum, Perspektive und Freude an der

Heimat haben können.“

Agnes Steinwandter

Nr. 05 | Oktober 2015 29


Rundschau

Der Heimatpflegeverein Naturns-Plaus hat

mit dem Freilichtspiel „Die Lorenziraber“ im

heurigen Sommer wahrlich ins Schwarze

getroffen. Zehn ausverkaufte Aufführungen

haben dem Veranstalter mehr als 1600

Besucher beschert und damit alle Erwartungen

weit übertroffen.

Die Lorenziraber

Erfolgreiche Freilichtaufführung

Die Sage

Der Geschichte des Erfolgsstücks von

Hanns Fliri liegt eine alte Sage zugrunde.

Sie erzählt von Wegelagerern, welche

von ihrem gelegentlichen Unterschlupf

bei der Lorenzikirche zwischen Tschirland

und Staben aus ihr Unwesen getrieben

haben. Dabei wurden vorbeiziehende

Händler, aber nicht zuletzt Bauern

aus dem Schnalstal überfallen und ausgeraubt.

Sogar von Mord und Totschlag

weiß die Geschichte zu berichten.

Das Stück

In dem Stück von Hanns Fliri gewährt

das junge Paar Anna und Hannes, welches

im Lorenzi-Widum sein Zuhause hat, den

Räubern vorübergehend Unterkunft und

macht sich dadurch mitschuldig. Die Eheleute

werden schließlich zusammen mit

den Räubern verhaftet und zum Tode verurteilt.

Anna und Hannes erfahren jedoch

im allerletzten Augenblick dank der Fürsprache

des Pfarrers von Tschars Gnade

beim Landrichter, müssen aber für immer

das Land verlassen. Das berührende Spiel

endet mit der aufrichtenden Botschaft des

Schlussliedes: „Nun aber bleiben Glaube,

Hoffnung, Liebe. Diese Drei“.

Die Aufführung

Wer zu den „Lorenzirabern“ gekommen

war, erlebte niveauvolles Volkstheater, wirkungsvoll

in Szene gesetzt, ohne Effekthascherei

oder übertriebene Gefühlsausbrücke.

Textautor und Regisseur Hanns Fliri

setzte Requisiten und Ausstattung sehr

sparsam ein, nutzte aber umso mehr das

Vorhandene: die Ruinen mit ihrem reizvollen

Umfeld und die einmalige Naturkulisse

im Hintergrund. Zu erwähnen ist

da der Schlosshügel von Juval mit seiner

gleichnamigen Burg, oder auf der gegenüberliegenden

Bergseite, hoch über der

Schnalsbachschlucht, das bizarre, sagenumwobene

Felsmassiv der „Stegerfrau“.

Jeweils zwei Stunden lang haben „Die

Gruppenbild der Theatertruppe

Lorenziraber“ Besucher aus vielen Teilen

Südtirols in ihren Bann gezogen.

Sehr erfreulich ist schließlich, dass durch

das Freilichtspiel sehr viele den besonderen

Ort mit der über 1000 Jahre alten Lorenzikirche

erstmals erlebt und wohl auch

gespürt haben, dass von der Aura solch

heiliger Stätten eine große Kraft ausgeht.

In der Tat, in und um Ruinen kann neues

Leben entstehen. Sicher ist, dass der Heimatpflegeverein

Naturns-Plaus, die Volksbühne

Naturns, der Kirchenchor Tabland-

Staben und viele Helfer und Unterstützer

in beispielhafter Zusammenarbeit mit diesem

Projekt Naturnser Kulturgeschichte

geschrieben haben. Bei der Abschlussfeier

im September war Gelegenheit, allen

Mitwirkenden zu danken. Dies tat vor

allem Bürgermeister Andreas Heidegger.

Ein besonderer Dank ging an die Hauptverantwortlichen

Hanns Fliri (Text und Regie),

Ernst Thoma (Komposition), Josef

Pircher (Musik, Heimatpflegeverein) und

Franz Fliri (Projektleiter).

Josef Pircher

Beim Dorfgericht

Die Verurteilung

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KulturFenster


Heimatpflege

Im Gedenken an Sepp Innerkofler

100. Todestag und Segnung des Standschützen-Denkmals in Sexten im Juli

Am ersten Juliwochenende fand in Sexten

ein zweitätiger Gedenkakt für Sepp Innerkofler

und sämtliche Standschützen statt.

Im Zuge dessen führte Reinhold Messner in

einer Wanderung zur Dreizinnenhütte. Erzählungen

über Sepp Innerkofl er und aus

der Alpingeschichte säumten den Weg. Am

späten Nachmittag fand – wieder im Tale –

die Buchvorstellung “Sepp Innerkofler” statt.

Tags darauf – am Sonntag – schritt die Festgemeinde

zur Segnung des Standschützendenkmals

am Sepp-Innerkofler-Platz.

„Der berstende Berg”, so der Titel des

Denkmals, eine Skulptur von Albert Willeit,

erinnert fortan an die Tiroler Standschützen

und an den Dolomitenkrieg 1915-18. Die

Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung

an die Standschützen im Dolomitenkrieg

war für die Wettbewerbsteilnehmer keine

leichte Aufgabe. Der vorgegebene Standort

im Zentrum Sextens war zwar hervorragend,

aber die Einfügung in dieses bauliche

Ensemble stellte eine Herausforderung dar.

Die Einbeziehung der Umgebung war aber

sehr wichtig und so kam die Idee, den Niveauunterschied

zu nutzen und mittels einer

aufragenden Skulptur in Form eines abstrahierten

Berges einen markanten Mittelpunkt

in diesem öffentlichen Raum zu schaffen.

Dieses Denkmal für die Tiroler Standschützen

ist vor allem ein Denkmal zur Erinnerung

an den unsäglichen, leidvollen Krieg.

Und ein Denkmal für einen Krieg soll nicht

lieblich oder „schön“ sein, im allgemeinen

Verständnis von Schönheit. Deshalb wird

dieses Werk wegen seiner Form und Ausführung

in Beton nicht unbedingt die allgemeine

Zustimmung erhalten. Die Skulptur

soll eben zum Nachdenken anregen und

über die Symbolik Botschaften vermitteln.

Starke Symbolik

Das Standschützendenkmal am Sepp-Innerkofler-Platz in Sexten

In Anlehnung an die Verteidigung des

Landes steht das Denkmal heute auch metaphorisch

für die Verteidigung der Heimat,

die immer wieder gegen verschiedenste Interessen

und Vorhaben verteidigt werden

muss, damit wir uns darin weiter zuhause

fühlen können, denn Heimat ist der Inbegriff

für Frieden, Gemeinschaft und Wohlbefinden.

Dieses Denkmal ist aber auch ein

Mahnmal: Die Kluft im Felsen und die abgesetzt

angeordnete Schrift „Heimat" stehen

als Sinnbild für die gewaltsame Zerreißung

des historischen Tirol nach 1919, aber auch

für den Streit zwischen Menschen und Völkern.

Der poetische Titel der Skulptur „Der

berstende Berg“ versinnbildlicht die damalige

Situation, wo ganze Berge durchlöchert

Innehalten

oder abgesprengt wurden. Heute sind es

die Eingriffe in die Natur oder der Permafrost,

durch welche Muren und gewaltige

Bergstürze ausgelöst werden, wie 2007 am

Einserkofel im Fischleintal. Dieser abstrahierte

Berg weist auch auf Sextens große

Bergsteigertradition hin und damit auch

auf Sepp Innerkofl er, der einer der besten

Kletterer und Bergführer seiner Zeit war.

Aus einem Text von Albert Willeit

Innehalten am Vernagter See, Schnals,

und nachdenken über Heimat und Zukunft.

Wegkreuze, Bildstöcke, Marterlen und

andere religiöse Zeichen prägen unsere

Kulturlandschaft. Hoffentlich auch noch

morgen!

Josef Pircher

Nr. 05 | Oktober 2015 31


• Büchertisch •

Susanne Schaber/Herbert Raffalt

Auf der Suche nach dem Sommerglück

unter den Gipfeln

Unterwegs zu den Almen Österreichs

Prall-grüne Bergwiesen voller saftiger

Kräuter, der Klang der Kuhglocken, die

mit Holzschindeln gedeckte Hütte: Almen

sind Sehnsuchtsorte. Die Unbeschwertheit

unter freiem Himmel, das

einmütige Zusammenleben mit den Tieren,

die selbstproduzierten Nahrungsmittel

und das langsamere Dahinziehen

der Zeit – all das gehört zu den

Wunschträumen unserer Tage.

Herbert Raffalt und Susanne Schaber

haben sich auf die Suche gemacht

nach dem wirklichen Leben auf der

Alm, haben dabei Hirten, Almbauern

und Volkskundler getroffen und das

Wesen des Almlebens von heute erkundet.

Ihre Bilder und Texte spiegeln

die Vielfalt der Regionen und

Kulturen wider und berichten vom

Reichtum der Traditionen und von

einem historischen Erbe, das es zu

bewahren gilt. Da ist man zu Besuch

beim Dichter und Hirten Bodo

Hell, zieht mit den Ötztaler Schafen

über das Joch, lauscht den Almsagen

von Helmut Wittmann oder begleitet

Susanne Türtscher auf ihren

Kräuterwanderungen. Vom nachhaltigen

Wirtschaften wird erzählt, von

der deftigen „Almkoscht“ und auch

vom Baden, zum Beispiel im Kärntner

Karlbad – ja, und wer genau hinhört,

der vernimmt auch den Klang

des boomenden Tourismus und der

Vereinnahmung der Alm als Marketingobjekt.

Hundert spezielle Alm-Tipps am Ende

des Buches können zwar nur einen

kleinen Ausschnitt aus der reichen

Vielfalt der Almkultur abbilden, sollen

aber noch einmal richtig Lust darauf

machen, das Almleben selbst zu

erkunden und bieten viele Möglichkeiten,

die schönsten Almen Österreichs

auf eigene Faust zu entdecken.

Der Fotograf:

Herbert Raffalt: 1964 in Schladming geboren,

ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer

und passionierter Fotograf. Seine Bilder

sind in mehreren Büchern zu sehen,

u.a. im Band „Austria Alpin – die großen

Gipfel in Österreich“ (Tyrolia-Verlag, 2012).

Die Autorin:

Susanne Schaber: 1961 in Innsbruck geboren,

lebt seit ihrem Studium als Rei-

seschriftstellerin in Wien; zahlreiche Bücher,

zuletzt über Venetien, Island und

die Pyrenäen. Im Tyrolia-Verlag hat sie

den Band „Tirol – Land in den Bergen“

mitgestaltet.

Susanne Schaber/Herbert Raffalt: Almen

in Österreich. Von Menschen und Tieren,

vom Gestern und Heute; 200 Seiten, ca.

150 farb. Abb., 24 x 29 cm; gebunden mit

Schutzumschlag; ca. 34,95 Euro;

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KulturFenster


Heimatpflege

Herbert Raffalt

Die schönsten Almen Österreichs im Porträt

Großartige Bilder aus allen Jahreszeiten

In unserer hektischen und schnelllebigen

Zeit wecken Almen mit ihrer Ruhe und Abgeschiedenheit,

ihrer Reduktion auf die (scheinbar)

einfachen Dinge des Lebens bei vielen

Menschen verschiedenste Sehnsüchte. Diesen

ist unser Fotograf auf seiner Suche nach

den schönsten Almmotiven nachgegangen

und präsentiert in faszinierenden Bildern

eine Welt, in der die Natur und das Wetter

noch die Hauptrolle spielen, Mensch und Tier

auf ganz besondere Weise zusammenleben.

Die Almwirtschaft Österreich ist die Dachorganisation

aller Almwirtschaftsvereine in

den Bundesländern und setzt sich für die

Anliegen und Interessen der österreichischen

Almbäuerinnen und Almbauern ein.

Darüber hinaus bietet die Almwirtschaft Österreich

auch Informationen und Hilfestellungen

für das Almpersonal sowie für alle,

die an der Almwirtschaft interessiert sind.

Nähere Informationen sowie ein reichhaltiges

Bildungsangebot, das in Kooperation

mit dem Ländlichen Fortbildungsinstitut Österreich

erstellt wird, finden Sie unter www.

alm-at.com.

Der Fotograf:

Herbert Raffalt, geb. 1964, inmitten der

Dachstein-Tauern-Region aufgewachsen,

hat seine Bergleidenschaft zum Beruf gemacht.

Der staatlich geprüfte Berg- und

Skiführer leitet die Alpinschule in Schladming

und bringt als mehrfach ausgezeichneter

Fotograf seine Verbundenheit zur Region

in Vorträgen, Fotoseminaren, Büchern

und Kalendern zum Ausdruck. Mehr unter

www.raffalt.com.

Almen 2016. Mit Fotos von Herbert Raffalt.

Wandkalender mit Spirale; 14 Blätter; 13

farb. Abb.; 33 x 29 cm; Tyrolia-Verlag,

Innsbruck-Wien 2015; 12,95 Euro (volle

MwSt./unverbindliche Preisempfehlung)

Herausgegeben in Zusammenarbeit mit

der Almwirtschaft Österreich und dem

Ländlichen Fortbildungsinstitut Österreich

in Wien.

Christoph Gufler

Kunstführer Lana und Umgebung

Das südliche Burggrafenamt ist eine alte

Kulturlandschaft mit zahlreichen wertvollen

Baudenkmälern. Erstmals werden

diese vielfach verborgenen Schätze zusammen

in einem Buch der Öffentlichkeit

präsentiert. Der „Kunstführer Lana

und Umgebung“ beschreibt weit über

hundert Kirchen, Burgen, Ansitze, Höfe

und Bürgerhäuser in den Gemeinden

Lana, Tscherms, Marling, Tisens, Burgstall,

Gargazon, Nals, Unsere Liebe Frau

im Walde-St.Felix, Laurein, Proveis, St.

Pankraz und Ulten. Darunter befinden

sich berühmte Kunstdenkmäler wie der

gotische Flügelaltar von Hans Schnatterpeck

in der Pfarrkirche von Niederlana,

St. Hippolyt in Naraun, die Wallfahrtskirche

in Unsere Liebe Frau im Walde und

die romanischen Fresken in St. Margarethen

in Lana und St. Jakob in Grissian.

Daneben kann man in dem 213 Seiten

starken, reich bebilderten Buch aber auch

zahlreiche bislang weniger bekannte Kleinode

der Südtiroler Kunst- und Kulturlandschaft

für sich neu entdecken. Dreißig

ausgewählte Wandervorschläge erschließen

von Marling bis Nals und von Lana

über das Mittelgebirge von Tisens bis in

den Deutschnonsberg und im Ultental

einen ebenso unterschiedlichen wie interessanten

Kulturraum.

Der Autor

Autor des „Kunstführers Lana und Umgebung“

ist Christoph Gufler, der zahlreiche

Publikationen über dieses Gebiet veröffentlicht

hat. In seinem neuesten Buch fasst er

seine langjährige Forschungsarbeit zusammen

und schließt damit eine oft schmerzlich

empfundene Lücke auf dem Südtiroler

Buchmarkt. Auch die meisten der

260 Abbildungen stammen von Christoph

Gufler.

„Kunstführer Lana und Umgebung“; 223

Seiten; 260 Abbildungen, 17.90 Euro;

erhältlich in den Buchhandlungen und

im Südtiroler Obstbaumuseum in Lana

Nr. 05 | Oktober 2015 33


Arge Lebendige Tracht

Junger Lederhosenschneider

in Salurn

Norman Ventura setzt alte Tradition fort

Gedanke, fortan nur mehr mit Leder zu arbeiten,

lässt ihn nicht mehr los. In Trachtenschneider

Hansjörg Götsch in St. Martin

in Passeier findet er einen, der bereit

ist, ihm erste Einblicke in die Lederhosenschneiderei

zu geben. Doch er sucht weiter,

will sich spezialisieren und landet in

der Feldthurner Straße in Brixen.

Gebrüder Gebhard als

Lehrmeister

Norman Ventura in seiner Werkstatt

Wir von der Arge Lebendige Tracht waren

alle besorgt, als mit Jahresende 2011

die Gebrüder Hans und Luis Gebhard in

Brixen ihre Lederhosenschneiderei aufgegeben

hatten. Damals ging eine Ära zu

Ende, waren sie doch jahrzehntelang die

erste Adresse im Land, wenn es um qualitativ

hochwertige, maßgeschneiderte Lederhosen

ging. Nun gibt es einen Lichtblick

für die Fortsetzung dieses traditionsreichen

Handwerks.

Werkstatt in Salurn

Im Mühlenweg 40 in Salurn richtete

im Jänner 2015 Norman Ventura seine

kleine Werkstatt ein. Den Raum beherrschen

der große Zuschneidetisch und die

massive Nähmaschine. An den Wänden

hängen fein säuberlich nach Größe geordnet

die Schnitte für alle Arten von Lederhosen.

Es riecht nach Leder. Was sonst!

Norman’s Leidenschaft ist nämlich das

Schneidern von maßgefertigten Lederhosen.

Er ist über Umwege nun endlich in

seinem Traumberuf angekommen.

Norman - der Quereinsteiger

Eigentlich ist er ausgebildeter Planer,

doch die Arbeit am Computer gefällt ihm

auf die Dauer nicht. So beschließt er, mit

23 Jahren seinen sicheren Arbeitsplatz

aufzugeben und umzusatteln. Er setzt sich

− als sprichwörtlicher Hahn im Korb − in

den Nähkurs einer Haushaltungsschule

und erlernt das Schneiderhandwerk von

der Pike auf. Die Arbeit gefällt ihm. Der

Mit großer Geduld und Ausdauer sind

die Gebrüder Gebhard bereit, ihm in kürzester

Zeit ihr Wissen und ihre lebenslange

Erfahrung weiter zu geben. Dafür gebührt

ihnen großer Dank. Norman fährt oft nach

Brixen, ist ein eifriger Schüler. Was früher

vier Jahre Lehrzeit bedeutete, spielt

sich hier in wenigen Wochen ab. Die Lederhosen

nehmen Form an. Als dann die

Gebrüder Gebhard ihm auch noch ihren

wertvollsten Schatz verkaufen, nämlich die

lebenslang zusammengetragenen Schnittund

Stickmuster für die verschiedensten

Südtiroler Lederhosen − sozusagen das

Herzstück ihrer Lederhosenschneiderei

− ist Norman Ventura am Ziel seiner

Träume. Nun ist er gewappnet und in der

Lage, jede Art unserer typischen Lederhosen

zu schneidern.

Ausgebucht für das Jahr 2015

Es hat sich schnell herumgesprochen,

dass es in Südtirol nun wieder einen jungen

Lederhosenschneider gibt. Es geht

halt nichts über eine maßgeschneiderte

Lederhose! Die Aufträge trudeln ein. Seine

Kontaktadresse ist norman.ventura@hotmail.com.

Norman ist fleißig und schafft

es, in einer Woche drei Lederhosen anzufertigen.

Wir sind froh, dass es wieder

einen gibt, der das alte Handwerk weiterführt

und wünschen Norman viel Freude

und Erfolg in seinem neuen Beruf!

Agnes Andergassen

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KulturFenster


Arge Volkstanz

Heimatpflege

Europeade 2015 in Helsingborg

Südtiroler Volkstänzer sind in Schweden dabei

Die Teilnehmer der Europeade in Schweden

Die Südtiroler Gruppe beim Einmarsch

78 Volkstänzerinnen und Volkstänzer aus

den verschiedenen Teilen des Landes waren

in diesem Jahr in Helsingborg (Schweden)

beim größten Folklorefestival Europas, der

Europeade, zu Gast und haben dabei sage

und schreibe 2.900 km in acht Tagen zurückgelegt.

Am 3. August starteten zwei Busse mit

reiselustigen Südtirolern Richtung Schweden

– mit Zwischenstopp in der Hansestadt

Hamburg. Ziel war die Europeade

2015 in Helsingborg. Das größte Folklorefestival

Europas, das 2010 auch in Bozen

stattfand, geht jedes Jahr in einer anderen

Stadt über die Bühne und zieht über

5.000 Volkstänzer, Chöre und Musikanten

aus ganz Europa an. Auch 78 Südtiroler

Volkstänzer waren dabei und haben die

Arbeitsgemeinschaft Volkstanz Südtirol in

Schweden vertreten.

Bejubelte Auftritte

Bereits bei der großen Eröffnungsfeier

hatten die Südtiroler Tänzer ihren Hauptauftritt.

Bei dieser Feier stellen alle Teilnehmer

einen ausgewählten und für ihr

Land typischen Tanz vor. Vier „Ziachor-

geln“ begleiteten die bejubelten Volkstänzer

bei ihrer gelungenen Vorführung eines

zünftigen Boarischen. Auch beim großen

Trachtenumzug quer durch die Stadt Helsingborg

zeigten sich die Südtiroler in bester

Laune und präsentierten voller Stolz

die Tiroler Tracht. Anschließend gab es

mehrere Auftritte an verschiedenen Plätzen

im beschaulichen Städtchen.

Rundum Kultur

Nach fünf erlebnisreichen Tagen in

Schweden ging es schließlich wieder Richtung

Heimat, dieses Mal mit einem Zwischenstopp

in Berlin. Die Teilnehmer waren

allesamt begeistert: „Wir konnten viele

neue Freundschaften gewinnen sowie viele

positive und bereichernde Eindrücke sammeln

– dies ist das Besondere an einer

Europeade“, so eine der Südtiroler Teilnehmerinnen.

Organisiert wurde die Reise von Thomas

Haberer zusammen mit dem Reisebüro Alpina

Tourdolomit im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft

Volkstanz Südtirol.

Thomas Haberer

Nr. 05 | Oktober 2015 35


ArGe Volkstanz

Schuhplatteln will gelernt sein

Erster Schuhplattler-Lehrgang auf der Villanderer-Latzfonser Alm

Zur Geschichte

Die Teilnehmer beim Plattlen

Am 22. und 23. August 2015 fand bei

der Stöfflhütte auf der Villanderer-Latzfonser

Alm zum ersten Mal der Schuhplattler-Lehrgang

der ARGE Volkstanz in Südtirol,

Bezirk Eisacktal, statt.

17 Tänzer aus Villanders, Brixen, Wiesen,

Montan und Cavalese nahmen an

der zweitägigen Veranstaltung teil. Da sowohl

Anfänger als auch fortgeschrittene

Plattler dabei waren, wurde unter der

Leitung von Andreas Mayrhofer und Michael

Niederstätter in zwei Gruppen geprobt.

Während die Neulinge die Grundschläge

erlernten, studierte die andere

Gruppe fünf neue Tänze ein, unter anderem

den „Mahder“, den „Ramsauer“

und den „Floitenschlager“. Neben dem

Tanz wurde auch auf die Entstehungsgeschichte

des Schuhplattelns eingegangen.

Am Abend ließen die Tänzer

den Tag beim gemütlichen Beisammensein

mit Musik und Gesang ausklingen.

Zum Abschluss wäre für den Sonntag ein

Auftritt bei einem Fest geplant gewesen,

welches jedoch witterungsbedingt verschoben

werden musste.

Der Schuhplattler war ursprünglich ein

freier Werbetanz und wurde nur im Paartanz

praktiziert. Beim Landler plattelte der Bursch

dem Dirndl hinterher, um ihr Herz zu erobern.

Später trafen sich die Burschen

auch ohne die Damen; daraus entstanden

die Burschenplattler. Aufzeichnungen zufolge

existiert der heutige Schuhplattler seit

dem 18. Jahrhundert und kommt aus dem

bäuerlichen Umfeld Bayerns und Österreichs.

Es wird jedoch vermutet, dass bereits

im 11. Jahrhundert beim Plattlen ähnliche

Tänze vorgeführt wurden. Heute wird dieser

Brauch häufig von den örtlichen Volkstanzgruppen

gepflegt, um die Tradition zu

erhalten und weiterzugeben.

Maria Untermarzoner

Es wurde in zwei Gruppen auf der

Stöfflhütte geprobt.

Hereinspaziert

• 50. Landeskathrein-Tanzfest am Samstag, 14. November 2015, im großen Saal des Meraner Kurhauses.

Einlass ab 19 Uhr, Auftanz um 20 Uhr. Zum Tanz spielt die "Salzburger Festagsmusi". Anlässlich dieses 50-jährigen

Jubiläums dürfen sich die Besucher auf einige Höhepunkte freuen. Tracht oder festliche Kleidung erwünscht.

Tischreservierungen und weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz − Tel. 0471 970555

oder info@arge-volkstanz.org

• Volkstanz-Winterlehrgang von Samstag, 26. Dezember 2015, bis Freitag, 1. Jänner 2016, im Haus der Familie/

Lichtenstern am Ritten.

Tanzen, Musizieren und Singen mit fachkundigen Referenten. Schwerpunkt Tiroler Volkstänze. Des Weiteren

werden heuer auch skandinavische Tänze gelehrt. Weitere Infos im Büro der Arbeitsgemeinschaft Volkstanz

− Tel. 0471 970555 oder info@arge-volkstanz.org

36

KulturFenster


Vorweg

Chorwesen

Singen im Chor stärkt die

Gesellschaft

Erich Deltedesco

Es steht heute außer Frage, dass die musikalische

Bildung insgesamt für die Entwicklung

der menschlichen Persönlichkeit sehr

wichtig ist. Singen fördert die Sprachentwicklung,

die motorische Entwicklung, musikalische

und soziale Kompetenzen.

Singende Kinder und Jugendliche verfügen

über Vorteile in der sozialen Urteilsfähigkeit,

d.h. in der Fähigkeit, aus

Erfahrungen zu lernen und in Ursache-

Wirkungs-Zusammenhängen zu denken,

sowie Situationen des Lebensalltags adäquat

zu erfassen und zu beurteilen. Wer

mit Kindern arbeitet, weiß, wie wichtig das

Singen und Musizieren auch für das Sozialverhalten

ist. Gewalt an den Schulen,

Verhaltens- und Kommunikationsstörungen

sowie wachsende Probleme der Eltern bei

der Erziehung, Rechtsradikalismus von Jugendlichen,

Isolierung behinderter Menschen

- das sind Schlagwörter, die jetzt

und in Zukunft immer öfter zu hören sein

werden. Es soll hier nicht so getan werden,

als hörten diese Probleme auf, wenn

jedes Kind in einem Chor sänge. Trotzdem

kann Kinderchorarbeit einen Beitrag

auch für unser gesellschaftliches Zusammenleben

leisten.

Der wichtigste Lebensabschnitt für die Erfahrung

des Singens ist die Kindheit. Jedes

Kind kann durch sensible und zielgerichtete

Stimmbildung ein wertvolles Chormitglied

werden. Es gibt kein Kind, das nicht gerne

singt, wenn es richtig und altersgerecht angeleitet

wird. Gerade deshalb ist die Leitung

von Kinderchören pädagogisch höchst anspruchsvoll.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

des Studios Kinderchorleitung und

Musikpädagogik beim ChorleiterInnenseminar

in Dietenheim erhielten von Yoshihisa

Matthias Kinoshita, einem international

renommierten Dozenten, zahlreiche Anregungen

zum altersgerechten Singen. Sie bekamen

Einblick in die äußerst kompetente

Arbeitsweise von einem der erfolgreichsten

Kinderchorleiter Deutschlands. Man muss

auf der Seite der Kinder stehen, um sie zu

fördern und zu fordern, war nur eine der

Botschaften, die Yoshihisa Matthias Kinoshita

neben zahlreichen Tipps und nötigem

Rüstzeug den Kinderchorleitern und -leiterinnen

für ihre pädagogisch anspruchsvolle

Arbeit mitgegeben hat.

Arbeit mit und für die Jugend

Der Südtiroler Chorverband zählt die Arbeit

mit und für die Jugend zu seinen vordringlichsten

Aufgaben. Weil Vorstand und

Musikrat geschlossen hinter dieser Überzeugung

stehen, zieht sich die Jugendarbeit

wie ein roter Faden durch die Schulungsangebote

und Veranstaltungsprogramme. Hier

finden wir Altbewährtes, aber auch neue

Initiativen, ganz auf die Erfordernisse der

Zeit und die Erwartungen der Kinder und

Jugendlichen abgestimmt.

Zu einer der erfolgreichsten Initiativen

der letzten Jahre zählt ohne Zweifel das

Projekt „klaNg“. In vorbildlicher Zusammenarbeit

mit dem Schulamt und dem Bereich

deutsche und ladinische Musikschulen

wird expertengestützter Musikunterricht

durchgeführt. Diese „Förderung des Singens“

an den Schulen wird von den Schülern

und Schülerinnen mit großer Begeisterung

aufgenommen. Auch Direktoren

und Lehrpersonal unterstreichen die positive

Auswirkung des Projektes auf die

Schüler. Leider können auch im Schuljahr

2015/2016 von den wiederum weit über

100 Anfragen nur etwa die Hälfte berücksichtigt

werden.

Neben vielen anderen Musikrichtungen

darf in einem Jugendprogramm auch Rock

und Pop nicht fehlen. Und so lade ich jetzt

schon zum Workshop Groove im Chor im

April 2016. Zu diesem Treffen der singenden

Jugend Südtirols mit Klassikern aus Rock,

Pop und Gospel sind Jugendchöre, wie

auch einzelne Sänger und Sängerinnen

von 16 bis 28 Jahren herzlich eingeladen.

Dies sind nur zwei konkrete Beispiele,

auf die ich in diesem Zusammenhang

hinweisen wollte. Die Jugend trägt morgen

Verantwortung. Damit das Morgen gelingt,

müssen wir heute in sie investieren.

Wenn sich der Erfolg dieser Investitionen

auch nicht immer gleich einstellt, so dürfen

wir uns jedoch sicher sein, dass der

Same, der ausgesät wird, irgendwann und

irgendwo ganz sicher aufgehen und gute

Früchte tragen wird.

Eine Frau, die Samen ausgesät hat, der

die Jugend besonders am Herzen liegt, feierte

vor kurzem ihren 70. Geburtstag: Christine

Tutzer. Bei all ihren Tätigkeiten als

langjährige, fachkundige Mitarbeiterin im

Musikrat, als Verbandschorleiter-Stellvertreterin,

als Kursleiterin unzähliger Kindersingwochen,

als gefragte Stimmbildnerin und

als kompetente Chorleiterin bei verschiedenen

Chören war ihr stets die Jugend ein

besonderes Anliegen. Von ihrem großen

Wissen, von ihrer Herzlichkeit, von ihrer

Fachkompetenz konnten wir alle, aber im

Besonderen die Kinder und Jugendlichen,

all die Jahre profitieren. In Anerkennung

ihrer Verdienste als Pionierin der Jugendchöre

wurde sie heuer mit der Verdienstmedaille

des Landes Tirol ausgezeichnet.

In Dankbarkeit gratuliere ich im Namen

des Südtiroler Chorverbandes, aber auch

persönlich, zur verdienten Auszeichnung

und zum runden Geburtstag herzlichst und

wünsche das Allerbeste für die Zukunft.

Erich Deltedesco,

Obmann des Südtiroler Chorverbandes

Nr. 05 | Oktober 2015 37


Das Thema

Nicht nur Fußball, auch Singen

macht Spaß!

Seit dreizehn Jahren gibt es das Projekt klaNg

Bei den Schulen beliebt

Projekt klaNg als Ansporn

Hans Schmidhammer, Mitglied des

Musikrats des Südtiroler Chorverbands

und Leiter des Projekts klaNg.

Hans Schmidhammer ist Lehrer und Chorleiter

aus ganzem Herzen: Ideal für das Projekt

klaNg, das auch im heurigen Schuljahr

wieder Schülerinnen und Schüler zum Singen

und Musizieren hinführt. Der pensionierte

Lehrer aus Riffian hat in den dreizehn

Jahren seit Bestehen des Projekts in

über 100 verschiedenen Schulen des Landes

Musikprojekte als Experte geleitet. Immer

noch wirkt Hans Schmidhammer voller

Begeisterung für dieses pädagogische

Großprojekt.

„Die Idee zu einem solchen Projekt

wurde 2002 im Musikrat des Südtiroler

Chorverbandes geboren“, erzählt Schmidhammer.

Ziel war es, das Singen in den

Schulen zu fördern. Die Idee fand großen

Anklang, so auch beim Institut für Musikerziehung

und beim Schulamt, die das

Projekt von Anfang an mitgetragen haben.

Das Schulamt übernimmt neben dem Südtiroler

Chorverband einen großen Teil der

Spesen, sodass den Schulen keine Kosten

entstehen. Nicht nur das ist ein Argument

für das Projekt klaNg.

Vor allem ist klaNg bei Lehrpersonen

und Schülern so beliebt, weil es Kinder

und Jugendliche wirklich für den Gesang

begeistert. „Jedes Jahr erhalten wir von

den Schulen 70 bis 160 Gesuche“, sagt

Schmidhammer. 45 Projekte werden vergeben.

Davon finden im Durchschnitt 43

in der Grundschule statt, ein kleiner Teil

in der Mittel- und Oberschule. Die Angebote

in der Grundschule reichen vom Singen,

Spielen, Tanzen und Begleiten mit

Orff-Instrumenten bis hin zu Singspielen

und Spielliedern. In der Mittel- und Oberschule

bieten Experten Liederarbeitung

und Stimmbildung an oder erarbeiten zusammen

mit den Schülern ein Videoclip.

Außerdem unterstützen sie die Schulen

beim Aufbau eines Schulchors. Die Projekte

umfassen jeweils 16 Stunden, dabei

wird auf die Wünsche der Schulen eingegangen

und die Referenten bieten an,

was ihnen besonders liegt: So ist bei den

einen Musik und Bewegung, bei den anderen

Liedgestaltung und Begleitung oder

Stimmbildung ein Schwerpunkt.

Das Projekt klaNg will Kinder zum Singen hinführen.

Für die Lehrpersonen ist das Projekt

klaNg eine große Hilfe: Manche Lehrpersonen,

die selber keine spezielle Ausbildung

für den Musikunterricht haben, schätzen

diese Unterstützung für ihren eigenen

Unterricht, andere nehmen das Projekt als

Ansporn, mit den Schülern später eigene

musikalische Projekte zu entwickeln. „Mir

ist die Arbeit mit der Kinderstimme besonders

wichtig“, erzählt Schmidhammer, der

sich jedes Mal mit neuen Situationen konfrontiert

sieht: mit Kindern, die überhaupt

nicht gerne singen, mit Schülern, die für

das Projekt erst begeistert werden müssen,

und mit Talenten, die entdeckt werden wollen.

„Zu den schönsten Erfahrungen gehört

für mich, dass ich auch anfänglich uninteressierte

Buben für das Singen begeistern

konnte und dass sie lernten, dass nicht

nur Fußball, sondern auch Singen Freude

macht.“ Gerade „schwierige“ Schüler konnte

er motivieren, mitzusingen. Manche von

ihnen sangen sogar als Solisten mit. „Oft

habe ich mit Kindern gearbeitet, in denen

ein außergewöhnliches musikalisches Ge-

38

KulturFenster


Chorwesen

hör schlummert oder die über eine klangvolle

Stimme verfügten.“ Später sprechen

sie ihn oft an: „Bei Ihnen habe ich zum ersten

Mal gesungen!“ Im Unterricht müsse

er oft ein bisschen den „Showmaster“ geben,

um die Kinder für das Projekt zu begeistern:

„Wichtig ist aber auch, dass die Ruhe

gegeben ist, nur dann kann man ernsthaft

Musik machen und etwas lernen.“ Auch

eine gewisse Distanz zwischen Lehrer und

Schülern dürfe nicht aufgegeben werden.

Aus dieser ernsthaften Auseinandersetzung

entstehen dann Freude und Spaß am Singen,

aber auch ein gewisses Können. „Eine

tolle Sache“, freut sich Schmidhammer, der

im Unterricht auf einen großen Erfahrungsschatz

zurückgreifen kann.

Kinder für das Singen

begeistern

Es sei besonders wichtig, Kindern neue

Lieder anzubieten, begabte Kinder zu fördern

und alle Kinder für das Singen zu

begeistern. „Kinder, die in der Grundschulzeit

singen und die richtige Stimmbildung

erfahren, finden später leichter

den Weg zum Chor im Dorf“, ist Schmidhammer

überzeugt. Am liebsten singt

Schmidhammer mit „seinen“ Schülern

neues kindgemäßes Liedgut, alpenländische

Volkslieder, aber auch Volkslieder

aus der ganzen Welt. Dieses internationale

Liedgut passe gut in den Unterricht,

in dem die Lehrer und Lehrerinnen die

Schüler zu Offenheit und Toleranz gegenüber

anderen Kulturen erziehen wollen.

Der Riffianer hat selbst zehn Musicals

geschrieben, so „Das Kleine Ich bin

Ich“ oder „Gold in der Kehle“, das er voriges

Jahr mit rund 150 Kindern in Truden

und Montan aufgeführt hat. Wenn dann

die Eltern bei der Aufführung ihre Kinder

bewundern, dann freut sich auch Chorleiter

Hans Schmidhammer mit. Zu den

Aufführungen von „Gold in der Kehle“ kamen

insgesamt 800 Leute. Doch nicht nur

die schönen Aufführungen zeigen, dass

„klaNg“ ein Projekt mit Zukunft ist. Vielmehr

ist es die Tatsache, dass das Singen

in der Schule wieder den Platz hat,

der ihm gebührt.

„klaNg darf sich sehen

und hören lassen!“

Vom Spiellied bis zum Mozarttanz: Lehrer Josef Elzenbaumer erzählt

Josef Elzenbaumer, 56, aus St. Lorenzen, Grundschullehrer in Pension, leitet seit acht Jahren

Musikprojekte an Schulen im Rahmen des Projekts klaNg. Während seines normalen

vollen Unterrichtsauftrages führte er im Jahr ein bis zwei klaNg-Projekte in seiner näheren

Umgebung durch. Nach seiner Pensionierung im September 2011 übernahm er mehrere

Projekte, weil er nun mehr Zeit zur Verfügung hatte. Der Geiger Elzenbaumer schreibt jährlich

viele Orff-Begleitungen für Lieder, und setzt Lieder in die passende Kindersingtonlage,

„da in den Büchern meist nicht die korrekte Tonart und Tonlage stehen“, wie er betont.

KulturFenster: Sie leiten seit vielen Jahren

Musikprojekte an den Schulen. Wie

läuft das ab?

Josef Elzenbaumer: Im September teilt mir

Projektleiter Hans Schmidhammer jene

Schulen mit, die sich für das Musikprojekt,

das ich leite, angemeldet haben und

im Rahmen von 16 Stunden mit mir singen,

spielen, tanzen, trommeln, Musik hören

und sich dazu bewegen möchten. Mit

der verantwortlichen Lehrperson bespreche

ich, meist am Telefon, das Programm,

gehe auf spezielle Wünsche ein und biete

öfters auch Vorschläge an.

KF: Und dann gehen Sie in die Schule...

J. Elzenbaumer: Dann ist Spannung pur! Ich

komme in die Schule, kenne keine Kinder,

oft auch nicht die Lehrpersonen, packe

meine Gitarre aus, lege mir die Noten für

die erste Stunde auf, die Tür geht auf und

eine Schar von Kindern betritt den Raum.

Auch für sie spannend. Mit einem Lied begrüße

ich immer die Kinder und die Lehrpersonen,

und sofort ist es mir wichtig eine

Beziehung zur Gruppe aufzubauen. Arbeiten

mit Menschen gelingt nur auf der Beziehungsebene,

daher versuche ich diese

Musikstunden kindgerecht und locker anzugehn

und aufzubauen.

KF: Wie gehen Sie konkret vor?

J. Elzenbaumer: Beim Programm ist es mir

wichtig alle Bereiche des Lehrplanes zu berücksichtigen.

Abwechslung ist da gefragt

und pädagogisches Geschick, Pausen für

Bewegung und zwischendurch auch einmal

aus der Trinkflasche zu trinken. Bei

Josef Elzenbaumer mit Schülern und

Schülerinnen der Grundschule Eppan

der Liederarbeitung versuche ich die Kinder

durch meinen Erstvortrag neugierig

zu machen. Manchmal singe ich auch

nicht das ganze Lied vor, sondern nur Abschnitte,

manchmal lasse ich Wörter aus

und lass die Kinder diese Lücken füllen.

Meine Gäste sollen sich wohlfühlen und

vom ersten Moment an sich miteingebunden

fühlen, sie dürfen merken, dass ich

sie ernst nehme. Andererseits wünsche ich

mir auch ein gesundes Maß an Selbstdisziplin

von Seiten der Kinder.

Nr. 05 | Oktober 2015 39


Das Thema

Ein Mozarttanz mit Vogelpuppen in der Grundschule Dietenheim

KF: Setzen Sie sich und den Kindern ein Ziel?

J. Elzenbaumer: Mein Ziel ist es immer ein

Lied in allen Bereichen auswendig vorzutragen

und zu spielen. Um das zu erreichen,

arbeite ich auf mehreren Ebenen:

Zuerst singe ich das Lied vor, meist mit Gitarrenbegleitung,

den Text schreibe ich vorher

schon auf eine Tafel oder ersuche eine

Lehrerin diesen auf ein Plakat zu schreiben.

Danach baue ich eine angemessene

Orff – Begleitung auf, die die Kinder in

kurzer Zeit spielen können. Am Ende der

Stunde ersuche ich die Lehrerin den Kindern

bis zur nächsten Stunde Freiraum zu

geben, um die Begleitung auf den Orff –

Instrumenten üben zu können. Dies ist besonders

wichtig, weil mir im Rahmen des

klaNg – Projektes sehr wenig Zeit für Vertiefungen

zur Verfügung steht. Diese Bitte

spreche ich meist vor der Klasse aus, und

das funktioniert.

KF: Ein Schwerpunkt ist also die instrumentale

Begleitung.

J. Elzenbaumer: Ich biete den Kindern auch

Kinderstimmbildung mit lustigen Versen

und Reimen an, doch Großes kann ich

auf dieser Ebene nicht verwirklichen wegen

der kurzen Zeitspanne. Ich komme ja

von der Seite eines Instrumentalisten und

weiß, dass Kinder auf den Orff – Instrumenten

mit etwas Übung großartig Lieder

begleiten können.

KF: Wirkt klaNg auch über die 16 Stunden

hinaus?

J. Elzenbaumer: Ich lege Wert darauf, dass

die Lehrpersonen während meiner Abwesenheit

die Thematik weiterführen. Genau

hier liegt ein wertvoller Schatz von klaNg.

Die Lehrpersonen sehen meine didaktisch

methodischen Impulse, erleben hautnah

wie ein Lied in kurzer Zeit auswendig gelernt

wird, wie Kinder sich eine Orff–Begleitung

spielend einprägen und wie die

Kinderaugen strahlen, wenn Lied mit Begleitung

vorgetragen werden.

KF: Wie gehen sie auf Kinder ein, die nicht

so gerne singen?

J. Elzenbaumer: Kinder, die nicht so gern

oder anders gesagt, nicht so leidenschaftlich

die Gesangsstimme zum Klingen bringen,

beauftrage ich, das Lied oder die

Geschichte des Liedes in einem kleinen

Rollenspiel darzustellen. Diese Spiellieder

lieben die Kinder über alles, denn für jeden

Typ ist da etwas Musikalisches dabei.

Diese Eigentätigkeit stärkt bei den jungen

Menschen ihr Selbstwertgefühl, gibt ihnen

Sicherheit und wenn dann bei einer

kleinen Abschlussveranstaltung viele Gäste

erscheinen, pochen die Herzen etwas

heftiger. Das dürfen sie auch, denn jeder

Vortrag muss erst einmal geübt und vertieft

sein. Daneben dürfen die Kinder auch zeigen,

was sie drauf haben, denn den Weg

bis zur Aufführung kennen die Gäste nicht.

KF: Ein weiterer Schwerpunkt ist der Tanz...

J. Elzenbaumer: Neben Liederarbeitung mit

verschiedenen Begleitformen, Rhythmen,

Hören großartiger Werke biete ich auch tanzen

an. Diese Ausdrucksform unterscheidet

sich vollkommen von den anderen. Wir

bewegen uns zu gefälliger Musik, hören dabei

ganz intensiv die gespielten Melodien

und dürfen uns manchmal auch gehen

lassen. Wir tauchen in eine andere Welt

ein und merken dabei, was unser Körper

alles kann. Gerne wähle ich dazu Musik

von W.A. Mozart und beobachte, wie ruhig

die Kinder nach dem Tanz sind. Das

Mozarttanzen steht für mich beim Tanz an

erster Stelle, das macht in Südtirol sonst

niemand. Mein Traum wäre es, bei einer

Fortbildung am Kronplatz auf über 2.000

m Meereshöhe Mozart zu tanzen. Vielleicht

gelingt es mir!

KF: Werden auch die Lehrpersonen eingebunden?

J. Elzenbaumer: Die Lehrperson beauftrage

ich meistens in der Bastelstunde etwas

Passendes mit Vorlage für den Tanz

zu basteln. Diese Zusammenarbeit stärkt

beide Seiten und in der nächsten Stunde

wird erneut das Tanzbein geschwungen

mit der gebastelten Vogelpuppe, mit Katzen

auf einem Stock, mit Schwungbändern

u.a.m. .

Manchmal kommen auch Lehrpersonen,

die eine freie Stunde haben, in den Arbeitsraum

und beobachten, wie musiziert wird,

machen sich Notizen, stellen Fragen und

musizieren mit. Die Lehrpersonen bekommen

von mir alle Unterlagen, damit diese

Musikeinheiten danach weiter vertieft und

wiederholt werden können. Das schätzen

sie besonders, denn zwischen den Zeilen

eines Liedes stehen viele Tipps für die didaktische

Erarbeitung. Wenn eine Abschlussveranstaltung

geplant wird, ist das für alle

Beteiligten ein großartiges Fest, aber auch

für die Eltern, die sich dafür sogar von der

Arbeit eine Stunde frei nehmen.

KF: Das Projekt klaNg ist wohl nicht mehr

wegzudenken?

J. Elzenbaumer: KlaNg darf sich sehen und

hören lassen, denn es ist ein Projekt mit

enormer Nachhaltigkeit. Wenn wir den Kindern

und der Schule diese kleinen Tröpfchen

zukommen lassen, werden sie später

auch auf dieser Schiene fortfahren und

der Musikpädagogik jenen Stellenwert einräumen,

der ihr zusteht.

Interview: Paul Bertagnolli

Die Schüler und Schülerinnen der

Grundschule Schalders sind voll auf ihre

Orff- Instrumente konzentriert.

40

KulturFenster


Aus Verband und Bezirken

Chorwesen

„Singen ist die innigste

Form der Musik“

Abschlusskonzert der Chor- und Stimmbildungswoche in Burgeis

Die Teilnehmer der Chor- und Stimmbildungswoche des Südtiroler Chorverbandes unter der Leitung von Norbert Brandauer

Mit einem Konzert im Vereinshaus von

Burgeis schlossen die Sängerinnen und

Sänger der Chor- und Stimmbildungswoche

des Südtiroler Chorverbandes am 1. August

ihre Fortbildung ab und präsentierten neben

Liedern aus allen Epochen auch eine

Musical-Choreografie.

Heuer hatte es nämlich zum ersten Mal

auch ein Musical-Studio gegeben. „Das

Konzert bietet nur eine kleine Auswahl

von den Stücken, die wir kennen gelernt

haben“, betonte Norbert Brandauer, der

Leiter der Fortbildung, an der 71 Sänger

und Sängerinnen aus dem ganzen Land

teilnahmen. „Dieses Konzert ist auch nicht

das Wichtigste, viel wichtiger sind die positiven

emotionalen Erfahrungen, die wir

in dieser Woche gemacht haben!“ Moderne

und klassische Musik, Schubert und

Brahms, aber auch die Comedian Harmonists

und zeitgenössische Lieder, Volksmusik

und geistliche Musik standen auf

dem Programm. Erste Höhepunkte waren

„Lobe des Herren, meine Seele“ von

Heinrich Schütz und das Ave Maria von

Franz Biebl, bei denen ein solistischer

Oberchor mitwirkte, bestehend aus den

Stimmbildnern und dem zweiten Chorleiter

Stefan Kaltenböck. Die Teilnehmer

trugen im Plenum Schwedens Pendant

zum Südtiroler „Wohl ist die Welt so groß

und weit“ vor und man wagte sich auch

sonst „in entfernte Gefilde“, wie Norbert

Brandauer sagte, ob es nun ein Salzburger

Volkslied, Freddy Mercurys „Barcelona“,

das Country-Stück „Watching The

Apples Grow“ aus den USA oder „Gede

Nibo“ aus Haiti war. Die Teilnehmer sangen

dabei nicht nur im Plenum, sondern

auch als Männer- bzw. Frauenchor und

im „kleinen Chor modern“.

Das Publikum war begeistert

Auffällig war heuer auch die rege Beteiligung

der Stimmbildner im Chor und

als Solisten. Das Publikum war begeistert

vom Konzert und erklatschte sich zwei

Zugaben. Verbandsobmann Erich Deltedesco

bedankte sich bei den Teilnehmern

für ihren Fleiß und ihren Einsatz und er

hob hervor, dass die Referenten die Teilnehmer

„abgeholt und zu einer tollen Leistung

hingeführt hatten“. Als Stimmbildner

wirkten Rudi Chizzali, Monika Hosp,

Belinda Loukota, Karl Oblasser, Steffi Regner

und Petra Sölva. Am Klavier begleitete

Ulrike Deluggi.

„Singen ist die innigste Form der Musik,

das haben wir jetzt erfahren“, sagte der

Obmann. Sein Dank galt auch der Hausleitung

und dem Team der Fürstenburg,

wo die Sänger und Sängerinnen untergebracht

waren, dem Kloster Marienberg,

wo sie am 2. August den Gottesdienst

gestalteten, aber auch der Stiftung Südtiroler

Sparkasse und dem Kulturamt des

Landes für die finanzielle Unterstützung.

Zum Konzert waren auch viele Ehrengäste

gekommen, darunter der Abt von Marienberg

Markus Spanier und der Landtagsabgeordnete

Josef Noggler.

Nr. 05 | Oktober 2015 41


Aus Verband und Bezirken

„Musikalischer Hochgenuss“

Seminar für Chorleiter und Chorleiterinnen in Dietenheim

Ein vielfältiges Programm boten die Chorleiter und Chorleiterinnen beim Abschlusskonzert.

Um die Chorkultur im Lande zu erhalten

und zu fördern, braucht es vor allem engagierte

Chorleiter und Chorleiterinnen.

Deshalb hat sich der Südtiroler Chorverband

zur Aufgabe gesetzt, Interessierten

die Möglichkeit einer Chorleiterausbildung

zu geben. Auch heuer fand wieder

das traditionelle ChorleiterInnenseminar in

der Fachschule für Landwirtschaft Mair am

Hof in Dietenheim in Zusammenarbeit mit

dem Verband der Kirchenchöre Südtirols

statt. Von 3. bis 8. August bildeten sich

49 Chorleiter und Musikerzieher aus dem

ganzen Land unter der Gesamtleitung von

Jan Scheerer in verschiedenen Studios und

unter Anleitung erfahrener Referenten in

Dirigiertechnik und Probengestaltung fort.

Das Studio für weit fortgeschrittene Chorleiter

leitete Jan Scheerer, Tor Morten Halvorsen

arbeitete mit den fortgeschrittenen

Chorleitern, Ole Faurschou mit Anfängern

und Anfängerinnen ohne oder mit geringer

Erfahrung als Chorleiter bzw. Chorleiterin.

Das Studio für Kinderchorleitung leitete

Yoshihisa Matthias Kinoshita, einer der

erfolgreichsten Kinderchorleiter Deutschlands.

Gunter Hartmann und Silke Marchfeld

betreuten die Stimmbildungsarbeit.

Beim Konzert im Vereinshaus von St.

Georgen erklangen Lieder aus den verschiedensten

Epochen und Stilen, so ein

norwegisches Volkslied, Werke von Telemann,

Haydn, Brahms und Mozart, Grieg

und Britten, Frühlingslieder aus dem

20. Jahrhundert, Pop-Collagen und Renaissance-Sätze.

Die Vielfalt der Werke

entsprach auch der Vielfalt der unterschiedlichen

Dirigenten: Die angehenden

Chorleiter und Chorleiterinnen wechselten

sich beim Dirigieren ab und zeigten, dass

sie der nicht leichten Situation gewachsen

waren, vor einem Publikum einen Chor zu

leiten. Kursleiter Jan Scheerer betonte,

dass es für einen Chorleiter sehr wichtig

sei, vom Chor eine Reaktion zu bekommen:

„Der Chor ist gerade in der Ausbildung

notwendig. Vor dem Spiegel zu dirigieren,

das geht nicht.“ Der Zuspruch zum

Seminar sei heuer unerwartet groß gewesen:

„Die Studios 1 und 2 waren fast singfähig.

Zusätzlich haben uns elf Gastsinger

unterstützt.“ Einen südafrikanischen Willkommensgruß

zu Hochzeit sowie ein Lied

aus einem japanischen Animationsfilm trugen

die Kinderchorleiter- und Leiterinnen

vor. „Wir sind zu erwachsen“, sagte Jan

Scheerer: „Wir sollten das Kindliche in uns

– nicht das Kindische! – nicht vergessen.“

Jan Scheerer zeigte sich von den Proben

mit dem großen Chor begeistert: „Es ist

nicht gewöhnlich, dass die Herzen von

Chor und Dirigent einander zufliegen. Es

war hier ein feines Ineinanderweben von

Chor und Chorleiter, es war wunderbar!“

Zum Konzert kamen neben vielen Musikinteressierten

auch der Obmann des

Bezirks Pustertal Rudi Duregger, Otto

Schenk vom Bezirksausschuss Eisacktal-Wipptal

und der Obmann des Südtiroler

Chorverbandes Erich Deltedesco,

der auch die Grüße des VKS-Vorsitzenden

Theodor Rifesser überbrachte. Der

Obmann freute sich über den „musikalischen

Hochgenuss“, den die Teilnehmer

dem Publikum boten: „Macht weiter

so, wir brauchen euch ganz dringend!“,

unterstrich der Obmann die Bedeutung

der Chorleiter und Chorleiterinnen. Chorleitung

sei mehr als Schlagtechnik. Sozialkompetenz

und Ausbildung im Bereich

der Probengestaltung sei immer mehr

gefragt: „Ich wünsche mir, dass ihr viele

Tipps mitnehmt und Freude an der Chorleitung

habt!“

42

KulturFenster


Chorwesen

Talente-Schmiede

„Musical-Fever“

Jugendliche begeistern mit Musicalsongs

Zu einer wahren Talente-Schmiede entwickelt

sich die Schulung des Südtiroler

Chorverbandes „Musical Fever“, das heuer

vom 23. bis 29. August im Priesterseminar

in Brixen stattfand.

Das zeigte das Abschlusskonzert am 29.

August im Vinzentinum. Die Kursleiter, Stephen

Lloyd und der Professor für Musical-

Gesang Jack Poppell aus Essen hatten in

Zusammenarbeit mit der Musical-Darstellerin

Doris Warasin und der Choreographin

Karin Mairhofer mit den Teilnehmern an

der Stimmtechnik, der Interpretation und

der choreographischen Umsetzung von

Musicals gearbeitet. Beim Abschlusskonzert

traten die 22 Teilnehmer – alle im Alter

zwischen 14 und 24 – mit einem eigenen

Lied auf, das sie solistisch vortrugen,

darunter Songs aus den Musicals „Elisabeth“,

„Burlesque“, „Tarzan“, „Hairspray“

und vielen anderen.

Wie schon in den vergangenen Jahre

zeigte sich auch heuer, dass in den Jugendlichen

großes Potential steckt und

dass das Referententeam es schafft, dieses

aus den jungen Sängern hervorzulocken.

Das betonte auch Kursleiter Stephen

Lloyd: „So viel Talent in so kurzer Zeit habe

ich lange nicht mehr gesehen! So ein schönes

Ergebnis ist nur möglich, weil bei uns

Kunst und Freundschaft eine Verbindung

eingehen.“ Besonders hob er den Mut der

Jugendlichen hervor, allein vor dem Publikum

die schwierigen Musicalsongs vorzutragen.

„Sie hören hier viele verschiedene

Musicals, die Sie sonst in Südtirol nie zu

hören bekommen“, wandte sich Lloyd an

das Publikum und betonte, dass Musicals

ganz große Meisterwerke, vergleichbar mit

Opern seien.

Begeistert von den solistischen Beiträgen,

aber auch von den tollen Choreographien

und dem lebendigen, ausdrucksstarken

Gesang des Ensembles zeigte

sich das gesamte Publikum, das sich ein

Zugabe erklatschte. Deshalb führten die

jungen Musical-Sänger und Sängerinnen

nochmals „Side By Side“ aus „Company“

in einer spritzigen Choreographie auf, ein

Lied zum Thema Freundschaft. Der Obmann

des Südtiroler Chorverbandes Erich

Deltedesco war beeindruckt von den Leistungen

der Jugendlichen: „Ich verneige

mich vor euch. Menschen wie ihr, die sich

fortbilden und weiterentwickeln, sind ein

Reichtum für unsere Gesellschaft!“ Sein

Dank galt den Referenten, aber auch Andreas

Pabst, Marcel Lloyd und Mattia Mariotti,

die die Jugendlichen an ihren Instrumenten

begleitet hatten. Dass die jungen

Sänger und Sängerinnen von dieser Schulung

begeistert waren, zeigte zum Schluss

einer der zwei männlichen Teilnehmer, der

im Namen aller ins Publikum rief: „Musical

Fever ist der Wahnsinn. Wir freuen uns

schon auf das nächste Jahr!“

Neben den solistischen Beiträgen gehörten auch die tollen Choreographien zu den Höhepunkten von Musical Fever.

Nr. 05 | Oktober 2015 43


Aus Verband und Bezirken

Ein voller Erfolg

Gemeinschaftsprojekt Freilichtspiele Südtiroler Unterland – Südtiroler Chorverband

Zwanzig Sänger und Sängerinnen des Bezirks Bozen wirkten an der Aufführung von Nestroys „Das Mädel aus der Vorstadt“ mit.

Der Bezirk Bozen im Südtiroler Chorverband

hat sich heuer ein Zusammenführen verschiedener

Kulturträger unseres Landes zum

Ziel gesetzt. Mit dem Gemeinschaftsprojekt

„Das Mädel aus der Vorstadt“ von Johann

Nestroy, einer Posse mit Gesang, aufgeführt

im Rahmen der Freilichtspiele Südtiroler

Unterland, ist das eindrücklich gelungen.

Dieses Stück von Nestroy war geradezu

prädestiniert für ein Gemeinschaftsprojekt

von Theaterkünstlern, Chor und Orchester.

Der Bezirk Bozen stellte dazu den

Chor mit über 20 Sängerinnen und Sängern

aus den umliegenden Mitgliedschören.

Die beiden Hauptverantwortlichen,

der Regisseur Roland Selva und der musikalische

Leiter Othmar Trenner, brachten

ein kurzweiliges Werk auf die Bühne, das

zwei Stunden kulturellen Hochgenuss garantierte.

Die professionellen Schauspieler

und Musiker, gepaart mit den hoch motivierten

und begeisterten Sängerinnen und

Sängern ließen keinen Wunsch offen. Der

Bezirksausschuss dankt bei dieser Gelegenheit

speziell allen Chormitgliedern für

ihren Einsatz. Eine besondere Anerkennung

gebührt Othmar Trenner für das musikalische

Meisterstück, das er innerhalb kürzester

Zeit sowohl für den Chor als auch für

das Orchester größtenteils selber schreiben

musste, weil praktisch keine brauchbare

Literatur auffindbar war.

Es war naheliegend, dass der Bezirk

Bozen alle Mitgliedschöre zu einer Sonderaufführung

in das Klösterle in Laag bei

Das Klösterle in Laag bei Neumarkt

Neumarkt einlud. Beeindruckende 320

Personen folgten dieser Einladung und

füllten den Innenhof des Klösterle bis auf

den letzten Platz. Dabei kam auch das Kulinarische

mit einem typischen Unterlandler

Gericht nicht zu kurz.

Also rundum ein gelungenes Projekt

und ein unvergesslicher Kulturabend.

Danke allen!

Der Bezirksausschuss Bozen

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KulturFenster


Zur Person

Chorwesen

Achtungserfolg für jungen

Riffianer Komponisten

Kompositionspreis gewonnen

Der junge Komponist Mathias Johannes Schmidhammer

Großer Erfolg für einen jungen Südtiroler

Musiker: Der 1991 geborene Komponist

und Pianist Mathias Johannes Schmidhammer

aus Riffian gewann beim renommierten

Internationalen „Joseph Haydn Kammermusikwettbewerb“

den diesjährigen Kompositionspreis

in der Kategorie Klaviertrio.

Der Wettbewerb fi ndet alle drei Jahre in

Wien in den Kategorien Streichquartett und

Klaviertrio statt. Zusätzlich wird ein Kompositionspreis

vergeben: Ein Komponist bzw.

eine Komponistin der Universität für Musik

und Darstellende Kunst erhält die Möglichkeit,

dass sein/ihr Werk von allen teilneh-

menden Ensembles in der ersten Runde

gespielt wird, außerdem wird das Werk im

Doblinger-Verlag verlegt. Heuer wurde diese

Ehre dem jungen Riffi aner zuteil. Schmidhammer

erhielt in Meran an der dortigen

Musikschule 13 Jahre lang Klavierunterricht

bei Margrit Schild. Im Oktober 2010

begann er sein Studium an der Universität

für Musik und Darstellende Kunst Wien im

Fach Klavier-Pädagogik bei Harald Ossberger.

Seit 2011 studiert er zusätzlich noch

Komposition, ein sehr international begehrtes

Studium - mit Studierenden u.a.

aus Taiwan, Korea und dem Iran – zu dem

pro Jahr aus den vielen Bewerbungen ca.

zehn Studierende zugelassen werden. Seit

2013 ist er dort in der Klasse von Michael

Jarrell, einem der international anerkanntesten

Komponisten Neuer Musik.

Die Drei Stücke für Klaviertrio von Mathias

Johannes Schmidhammer sind drei

Charakterstücke, die an die Interpreten

hohe technische und musikalische Ansprüche

stellen. Sie haben trotz ihrer Unterschiedlichkeit

einen gemeinsamen musikalischen

Kern. Der Komponist sucht hier

immer wieder den Weg von „normal“ gespielten

Klängen zu Klängen mit einem höheren

Geräuschanteil und wieder zurück.

Die Videoaufnahmen von diesem Werk

sind online abrufbar, unter:

http://www.mdw.ac.at/mdwMediathek/

haydn-wettbewerb-2015/

Adventskonzert des Bezirkschors Burggrafenamt-Vinschgau

Rund 80 Sänger und Sängerinnen aus dem Bezirk geben am 6. Dezember 2015 um 17 Uhr in der Pfarrkirche von Schlanders

und am 8. Dezember um 18 Uhr in der Pfarrkirche von Niederlana ein Adventskonzert, u.a. mit Chorälen von Bach, Adventsliedern

aus dem 16. und 17. Jahrhundert und traditionellen Volksliedern.

Nr. 05 | Oktober 2015 45


Der Kirchenchor Riffian in Gummer

•Stimmgabel

Ausflug ins Weltall

Der Kirchenchor Riffi an berichtet

Beim diesjährigen Ausflug am 30. August,

einem Sonntag mit Bilderbuchwetter,

wollte der Kirchenchor einmal unsere

kleine Erde hinter sich lassen und sich in

den weiten Weltraum tragen lassen. Dies

kann man, zumindest virtuell, im Planetarium

von Gummer erleben. Nach der Messfeier

in Gummer, die wir mit unseren Liedern

musikalisch umrahmten, war es nach

einem vom dortigen Kirchenchor organisierten

Umtrunk dann soweit: 3D-Brille

auf, entspanntes Zurücklehnen in die bequemen

Sessel und ab ging es, bis unsere

Erde unter uns immer kleiner wurde

und schließlich nur mehr als kleine Kugel

in weiter Ferne wahrzunehmen war. Mit

den Robotern, die den Weltraum kreuz

und quer durchforsten, stießen wir in unwirtliche

Welten vor, trotz aller Schönheit

auch ein wenig unheimlich. Klein und ein

wenig demütig wird man angesichts dieser

Unendlichkeit.

Im Landgasthof Lärchenwald hatte uns die

Erde wieder bei einem köstlichen Mittagessen.

Bei der anschließenden Wanderung

den Planetenweg entlang zum Gasthaus

Unteregger waren dann an einigen Stationen

Geist und Körper gefordert, der Höhepunkt

war wohl der lustige und durchaus

anspruchsvolle Stafettenlauf. Die Männer

maßen sich beim Raten und Sporteln

mit den Frauen und Mädchen – am Ende

lief es dann auf ein friedliches Remis hinaus.

Beim Unteregger saßen wir dann

noch gemütlich zusammen, selbstverständlich

durfte das gemeinsame Singen

dabei nicht fehlen, der urige Wirt mit seiner

Teufelsgeige hat zur guten Stimmung

noch beigetragen.

Am frühen Abend ging es dann wieder zurück

nach Riffi an. Mit dem Ausfl ug geht

traditionell die Sommerpause des Kirchenchores

zu Ende, in den ersten Septemberwochen

ging es wieder ans Planen und Proben,

die nächsten Verpfl ichtungen warten

schon.

K.A.

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KulturFenster


Chorwesen

Aus reiner Freude am Singen

Singkreis Runkelstein feierte seinen 50. Geburtstag

Der Singkreis Runkelstein – bei den Konzerten meistens in schwarzer Chorkleidung

- trat bei der Jubiläumsfeier in Tracht auf und unterstrich damit auch sein Bemühen,

zur Pflege des alpenländischen Kulturgutes beizutragen. Fotos: Aro

50 Jahre Singkreis Runkelstein war für

den Chor Anlass, im Jubiläumsjahr mit

Freude auf Vergangenes zurück zu blicken

und mit Zuversicht in die Zukunft

zu schauen.

Der Singkreis Runkelstein ist im Jahre

1965 vom ersten Chorleiter Raimund Perkmann

zur Bereicherung der damaligen

Chorszene – die vorwiegend aus Männerund

Kirchenchören bestand – gegründet

worden. Seit dieser Zeit war und ist der

Chor immer wieder als singender Botschafter

unseres Landes, zur Förderung der Kultur

unterwegs. Eine Vielzahl von Konzerten,

Veranstaltungen, Begegnungen mit anderen

Chören und Gemeinschaften, vor allem

Auftritte in der Stadt Bozen, in Südtirol und

darüber hinaus, sowie Aufzeichnungen in

Rundfunk und Fernsehen zählen zum erfolgreichen

Schaffen des Chores. Mit viel

Begeisterung erarbeiten die rund 40 Sängerinnen

und Sänger aus Bozen und Umgebung

Literatur aus verschiedenen Epochen:

alte Meister, klassisch-romantische

Literatur, Operette und Zeitgenössisches.

Konzerte mit geistlicher und weltlicher Literatur,

sowie Umrahmungen verschiedener

Anlässe betrachtet der Chor als kulturellen

Auftrag, der mitunter auch mit einem sozialen

Auftrag im engeren Sinne verbunden

wird. Vor allem die Pflege und das

Weitertragen des auf heimischem Boden

gewachsenen Volksliedes ist für den Chor

Verpflichtung. Gemeinschaftssinn und Kameradschaft

ergeben zudem viele fröhliche

Anlässe, die den Chor für jedes Mitglied

zum Erlebnis werden lassen. So ist

der Singkreis Runkelstein in den 50 Jahren

seines Bestehens zu einem wertvollen

Kulturträger der Stadt Bozen herangewachsen.

Heute steht der Chor unter der musikalischen

Leitung von Elmar Grasser.

Im Jubiläumsjahr hat der Singkreis

Runkelstein mit der Literaturauswahl einen

besonderen Akzent gesetzt: mit der

Aufführung des gesamten 42. Psalm von

Mendessohn-Bartholdy (1. Chor „Wie der

Hirsch schreit“) sowie des „Te Deum“ von

Joseph Haydn und mit dem Gebet „Verleih

und Frieden“, ebenso von Mendelssohn-Bartholdy,

ist der Chor künstlerisch

über sich hinausgewachsen.

Der Festakt am 18. April 2015 auf

Schloss Maretsch hat einen vorläufigen

Höhepunkt gesetzt. Die vier Gastchöre,

der Kinderchor der Musikschule Ritten

(Leitung Mares Unterhofer), der MGV Bozen

(Leitung Michael Fink), die Flat Caps

(Leitung Aaron Demez) sowie der Haslacher

Singkreis (Leitung Jean Michel Boulay),

haben ihre Geburtstagsständchen in

unterschiedlichen Stilrichtungen erklingen

lassen. Die Festredner - Kulturlandesrat

Philipp Achammer, Bozens Bürgermeister

Luigi Spagnolli, der Obmann des Südtiroler

Chorverbandes Erich Deltedesco sowie

in Vertretung des Franziskanerklosters Bozen

Vikar P. Benedikt Sperl - haben die 50

Jahre Chorleben des Singkreises Runkelstein

mit großer Wertschätzung bedacht.

Mit der Ernennung zum Ehrenchorleiter

wurde dem Gründer des Chores, Raimund

Perkmann, eine besondere Ehre

zuteil. Außerdem wurden zwei langjährige

und verdiente Sängerinnen, Margareth Ploner

und Gerti Figl, mit einer Ehrenurkunde

gewürdigt. Ein besonderer Dank galt allen

ehemaligen Chorleitern und Chorleiterinnen

sowie allen Obmännern und Obfrauen,

die am Schluss der Veranstaltung

von Moderator Toni Kofler auf die Bühne

gebeten wurden. Der herzliche Dank der

Obfrau Eveline Zelger galt allen, insbesondere

den Förderern. Sie lud abschließend

zum gemeinsamen Umtrunk ein.

Den Abschluss des Jubiläumsjahres bildet

das beliebte „Alpenländische Adventssingen“

in der Franziskanerkirche in Bozen

am 5. Dezember 2015 um16 Uhr und

um 19.30 Uhr.

Die von begeisterten Menschen getragene

Gemeinschaft Singkreis Runkelstein

hat sich von Anfang an dem weltoffenen

Geist verschrieben; diesem will der Chor

auch in Zukunft gerecht werden.

Ehrenurkunde für die beiden langjährigen

und verdienten Sängerinnen Gerti Figl (1.

Reihe links) und Margareth Ploner (rechts)

sowie für den Gründer des Singkreises

Runkelstein Raimund Perkmann, der zum

Ehrenchorleiter ernannt wurde. In der 2.

Reihe von l. n. r.: Chorleiter Elmar Grasser,

der Obmann des Chorverbandes Erich

Deltedesco, Sepp Mayr, Ehrenobmann des

Chores, Landesrat Philipp Achammer und

Obfrau Eveline Zelger.

Nr. 05 | Oktober 2015 47


Impressum

Mitteilungsblatt des Verbandes Südtiroler

Musikkapellen, des Südtiroler Chorverbandes

und des Heimapflegeverbandes Südtirol

Eigentümer und Herausgeber:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen

Ermächtigung Landesgericht Bozen

Nr. 27/1948

Schriftleiter und im Sinne des Pressegesetzes

verantwortlich:

Dr. Alfons Gruber

Als Pressereferenten für die Darstellung der

entsprechenden Verbandsarbeit zuständig:

VSM: Stephan Niederegger,

E-Mail: kulturfenster@vsm.bz.it

SCV: Paul Bertagnolli,

E-Mail: bertagnolli.paul@rolmail.net

HPV: Sylvia Rottensteiner,

E-Mail: rottensteiner.sylvia@gmail.com

Unverlangt eingesandte Bilder und Texte

werden nicht zurückerstattet.

Redaktion und Verwaltung:

Verband Südtiroler Musikkapellen,

I-39100 Bozen, Schlernstraße 1, Waltherhaus

Tel. 0471 976387 - Fax 0471 976347

E-Mail: info@vsm.bz.it

Einzahlungen sind zu richten an:

Verband Südtiroler Musikkapellen, Bozen,

Waltherhaus

Raiffeisen-Landesbank, BZ

IBAN: IT 60S03493 11600 0003000 11771

SWIFT-BIC: RZSBIT2B

Jahresbezugspreis: Euro 20

Gefördert von der Kulturabteilung

der Südtiroler Landesregierung.

Druck: Ferrari-Auer, Bozen

Das Blatt erscheint als Zweimonatszeitschrift,

und zwar jeweils am 15. Februar, April, Juni,

August, Oktober und Dezember.

Redaktionsschluss ist der 15. des jeweiligen

Vormonats.

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