Der Baum als - HS Hallein-Neualm - Salzburg.at

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Der Baum als - HS Hallein-Neualm - Salzburg.at

„Natur Natur schafft schafft schafft Wissen Wissen“ Wissen

Vom Vom Vom Baum Baum zum

zum

Papier

Papier

Ein Projekt der

HS Hallein-Neualm

2006/2007

ProjektLeitung:

Bernhard Pucher

www.hs-hallein-neualm.salzburg.at

Vom Baum zum Papier

HS Hallein-Neualm 2006/2007

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Inhalt

0. Das Projekt

1. Der Baum

• 1 Pflanzengruppen, bei denen Stämme vorkommen

• 2 Die besonderen Merkmale der Bäume

o 2.1 Die Blätter

o 2.2 Die Blüten

o 2.3 Frucht- und Samenbildung

o 2.4 Baumstamm: Morphologie baumförmiger Lebensformen

o 2.5 Aufbau des Baumstammes

o 2.6 Die Wurzel

o 2.7 Das Alter, der Stammumfang und die Höhe der Bäume

o 2.8 Ringzauber - Wie Bäume wachsen

• 5 Nutzung

• 6 Der Baum als „chemische Fabrik“

• 7 In Mitteleuropa heimische und häufige Baumarten

• 8 Extreme Bäume

• 9 Bäume und Menschen

o 9.1 Brauchtum

o 9.2 Mythologie und Religion

9.2.1 In der Bibel

• 10 Der Baumkronenweg

2. Holz

1 Holzarten

o 1.1 Nadelholz

o 1.2 Laubholz

• 2 Entstehung von Holz

• 3 Aufbau der Zellwand

• 5 Gewinnung und Verwendung

o 5.1 Einsatzbereiche

o 5.2 Holzverarbeitung und Holzbearbeitung

• 6 Oscar – Der Mann aus Holz

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3. Baumexperimente

• Spitz-Ahorn

• Blätter-Regenbogen

Der Propeller

• Nützliches zu wissen

• Birken lieben Wasser

• Birkenblätter-Tee

• Wolle färben

• Rotbuche

• Sauerstoff-Fabrik

• Buchen-Butterbrot

4. Papier

• 1 Geschichte

o 1.1 Einführung

o 1.2 Vor der Erfindung des Papiers

o 1.3 Die Erfindung des Papiers

o 1.3.1 Papier in Fernost

o 1.3.2 Arabische Welt

o 1.3.3 Europa

o 1.4 Die Papiermühlen

o 1.5 Industrialisierung

o 1.6 Zusammenfassung - Zeittafel

• 2 Herstellung und Vermarktung

o 2.2 Industrielle Herstellung

o 2.2.1 Rohstoffe

o 2.2.2 Aufbereitung von Halbstoff

o 2.2.3 Aufbereitung zum Ganzstoff

o 2.2.5 Zählmaße und Formate

o 2.3 Papiermarkt

o 3 Verwendung

o 3.1 Beschriftung

o 3.2 Bildende Kunst

o 3.3 Luxuspapiere

o 3.4 Technische und Spezialpapiere

• 4 Umweltaspekte

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• Stiel-Eiche

• Apfelbaum

Der Zankapfel

• Newtons Apfel

• Birnbaum

• Schwarzer Holunder

• Holunder-Omlett

• Aberglauben

• Tinte aus Holunderbeeren

• Holunder-Pusterohr

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5. Die heimische

Papierindustrie –

• 1. Probier Papier - Das Museum

• 2. Druckereimuseum

• 3. Handschöpferei

• 4. Robert'sche Papiermaschine

• 5. Versuchspapiermaschine

• 1. Ihr braucht

• 2. So geht’s

M-real

8. Altpapier – Recycling

hilft ilft der UUmwelt

U

welt welt

• 1. Einleitung

• 2. Altpapier - Ein wichtiger Rohstoff

• 3. Aus alt mach neu!

• 4. Der Weg des Altpapiers

• 5. Altpapierbilder

• 6. Ich hab´s papiert!

o 6.1 Was geht?!

o 6.2 Klopapier kann man nicht essen!

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o 6.3 Indonesien: Papier macht Menschen krank!

o 6.4 Finger weg vom Regenwald!

• 7. Vom Recycling, das keines ist: Die Sache mit dem Grünen Punkt

o 7.1 Mülltricks

o 7.2 Vom Recycling, das keines ist: Die Sache mit dem Grünen

Punkt

o 7.3 Von der Baumverschwendung oder: 100 Jahre wachsen ... in

40 Sekunden fertig für die Papiermühle ... einmal durchlesen ...

ab in den Müll

• 8. Tatort Schule - Die Mülldiät

o 8.1 Alles Müll oder was?

o 8.2 Umfrage &

o 8.3 Ökocheck

9. Die Umfrage

10. Papier –

Zusammenfassung

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Das Projekt

Das Projekt „Vom Baum zum Papier“ entstand im Rahmen von „Natur schafft Wissen“.

„Natur schafft Wissen“ ist ein übergeordnetes Projekt an unserer Hauptschule,

dass es jetzt bereits das zweite Jahr gibt. In Zusammenarbeit mit IMST und MNI haben

wir im Schuljahr 2005/2006 begonnen, in naturwissenschaftlichen Fächern wie

Biologie, Chemie und Physik einen fächerübergreifenden und projektorientierten Unterricht

zu gestalten. Ebenso werden Fächer, deren Inhalte nahe an denen der Naturwissenschaften

liegen einbezogen.

In einem fächerübergreifenden und projektorientierten Unterricht gewinnen unsere

Schüler der 3. und 4. Klassen Einsicht in die für die Lebensvorgänge wichtigsten

Stoffklassen und lernen heimische Betriebe kennen, in denen u.a. die Chemie eine

große Rolle spielt. Ausgehend vom Erfahrungsbereich der Jugendlichen und unter

Berücksichtigung unserer regionalen Besonderheiten wie M-real, werden die Schüler

zu einem chemisch-naturwissenschaftlichen Denken hingeführt und gleichzeitig auf

die Berufs- und Arbeitswelt vorbereitet.

In der ersten Klasse werden der Spieltrieb und die Sinneswahrnehmungen stark angesprochen.

Viele Experimente unseres Förderkurses „Es gibt immer etwas zu entdecken“

zeigen verblüffende Ergebnisse und verlocken zum selber Ausprobieren.

Durch Entdecken, Forschen und Experimentieren wird die Neugierde der Schüler/innen

an und in der Natur geweckt und sie erkennen früh die Bedeutung der Natur(wissenschaft)

im Alltag.

Vom Baum zum Papier - Ziele:

• SchülerInnen kennen den Weg vom Baum zum Papier.

• SchülerInnen erhalten Einblick in die Papierherstellung.

• SchülerInnen lernen die heimische Papierindustrie kennen.

• SchülerInnen erkennen, wie lange ein Baum zum Wachsen braucht und wie

schnell Papier im Müll landet.

• SchülerInnen wissen um die Wichtigkeit der Mülltrennung und des Altpapiers.

• SchülerInnen sammeln kreative Ideen zum Vermeiden von Altpapier und

zum Receycling.

Einbezogene Fachbereiche:

• Chemie

• Biologie

• Geschichte

• Physik

• Förderkurs „Es gibt immer etwas zu entdecken“

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1. Der Baum

Der Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) wird in der Regel 60–80 m hoch. Das höchste bekannt gewordene Exemplar maß 135 m.

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Der Riesenmammutbaum

(Sequoiadendron giganteum) wird in der

Regel 60–80 m hoch. Das höchste

bekannt gewordene Exemplar maß

135 m.

Als Baum wird in der Botanik eine

ausdauernde (mehrjährige) Pflanze

bezeichnet, die einen deutlich erkennbar

aufrechten, verholzten Stamm besitzt,

der aus einer Wurzel emporsteigt und an

dem sich oberirdisch Äste befinden, die

wiederum Zweige, Blätter, Blüten und

Früchte ausbilden. Die Zweige

verlängern sich jedes Jahr durch

Austreiben von Endknospen, verholzen

dabei und nehmen kontinuierlich an

Dicke und Umfang zu. Im Gegensatz

zum Strauch ist es das besondere

Merkmal des Baumes, dass sein holziger

Stamm erst in einer gewissen Höhe eine

aus blättertragenden Ästen bestehende Krone entwickelt.

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Pflanzengruppen, bei denen Stämme vorkommen

Baobab – Charakterbaum der semi-ariden Savannen Afrikas

Baumförmige Lebensformen kommen in sechs verschiedenen Pflanzengruppen vor:

Echte Bäume sind die Laubbäume (aus den Bedecktsamern), die Nadelbäume (aus

den Nadelholzgewächsen) sowie der Sonderfall Ginkgo biloba (einziger noch existierender

Vertreter der Ginkgogewächse). Diese drei Pflanzengruppen haben verholzte

Stämme.

Daneben kommen drei kleinere Pflanzengruppen vor, die baumartige Strukturen

ausbilden: die Palmen, die Palmfarne und die Baumfarne. Diese drei Gruppen besitzen

kein echtes Holz mit Dickenwachstum. Daher ist der Stammdurchmesser relativ

gleichmäßig. Der Stamm entsteht aus den Blattansätzen.

Die besonderen Merkmale der Bäume

Bei Blüten der Ulmen sind die Blütenhüllblätter reduziert, also bestehen sie im Wesentlichen

aus dem Stempel und den Staubblättern, sind klein und unauffällig

Die Blätter

Die Gestalt der Blätter (Laub) ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal. So kann der

Baum entweder Laubblätter unterschiedlicher Formen oder Nadelblätter tragen.

Nicht minder brauchbar zur Unterscheidung im winterlichen Zustand sind die

Knospen des Baumes. Manche Bäume sind überdies mit Dornen ausgestattet.

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Ein Europäischer Laubbaum trägt durchschnittlich 30.000 Blätter. An warmen Sommertagen

können so mehrere hundert Liter Wasser zum Kühlen verdunsten.

Die Blüten

Die Blüten der Bäume aus gemäßigten Breiten sind manchmal verhältnismäßig unscheinbar.

Einige Baumarten gemäßigter Breiten haben eingeschlechtliche Blüten.

Dabei sitzen die Blüten beider Geschlechter entweder auf demselben Baum (einhäusig)

(zum Beispiel Eiche, Buche, Hainbuche, Birke, Erle und Nussbaum) oder auf

verschiedenen (zweihäusig), so dass man männliche und weibliche Bäume zu unterscheiden

hat (unter anderen bei Weiden und Pappeln). Andere Bäume wie Obstbäume,

Rosskastanie und viele Bäume der wärmeren Klimate haben Zwitterblüten,

die sowohl Staub- als auch Fruchtblätter ausbilden.

Eicheln, die Früchte der Eiche

Frucht- und Samenbildung

Die Frucht- und Samenbildung zeigt weniger Eigentümlichkeiten. Bei den meisten

Bäumen fällt die Reife in den Sommer oder Herbst des selben Jahres; nur bei den

Kiefernarten erlangen die Samen und die sie enthaltenden Zapfen erst im zweiten

Herbst nach der Blüte vollständige Ausbildung. Die Früchte sind meistens nussartig

mit einem einzigen ausgebildeten Samen, oder sie zerfallen in mehrere einsamige,

nussartige Teile, wie bei den Ahornen. Saftige Steinfrüchte, ebenfalls mit einem oder

wenigen Samen, finden sich bei den Obstbäumen, Kapseln mit zahlreichen Samen

bei den Weiden und Pappeln.

Der Baumstamm

Mächtiger Buchenstamm

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Detailaufnahme eines Baumstammes

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Bäume bestehen in der Regel der Aufbau aus Baumkrone, Baumstamm und Baumwurzeln.

Doch die Wuchsformen sind vielfältiger.

Bei den baumartigen Farnen und den meisten Palmen findet sich ein einfacher

Stamm, der mit einer einzigen großen Gipfelknospe endigt. Daher bilden sie keine

Äste, sondern enden lediglich mit dicht übereinander stehenden, riesenhaften, meist

gefiederten Blättern. Es eigentlich keine echten Bäume.

Bei den echten Bäumen wächst der Spross des Keimpflänzchens heran bis zum Anfang

des künftigen Baumstammes. Bei den Wuchsverhältnissen der Stämme bemerkt

man aber in der Regel schon von den ersten Lebensjahren an zahlreiche Unterschiede.

Entweder bildet sich der Spross an der Spitze durch seine dauernd erhalten

bleibende Gipfelknospe regelmäßig weiter und wird zum geraden, bis zur höchsten

Spitze durchgehenden Baumstamm. Beispiele dafür sind Fichte, Tanne und

Lärche, bei denen seitlich die zahlreichen horizontal abgehenden Äste ansetzen,

welche die pyramidenförmige Krone bilden. Diese wird schlanker, wenn sich auch die

Äste steil am Stamm aufwärts richten, wie bei der italienischen Pappel.

Oder der Stamm zeigt zwar auch längere Zeit dieses Verhalten, doch später folgen

ihm einer oder mehrere seiner Äste in bald schrägerer, bald steilerer Richtung sowohl

im Höhenwuchs als in der Erstarkung nach oder überholen ihn oder übernehmen

nach gänzlicher Unterdrückung des Hauptstammes allein die Fortbildung, so

dass also der Stamm nicht bis in den Gipfel reicht, sondern sich in seiner Krone in

mehrere starke Hauptäste teilt, wie bei der Kiefer, der Pappel, der Eiche, dem Apfelbaum

und vielen anderen Bäumen. Oder es verliert der Hauptspross schon in den

ersten Lebensjahren die Zellteilungsfähigkeit der Endknospe. Die Seitenknospen übernehmen

das Hauptwachstum und es bilden sich Seitenäste. Da dies alljährlich

geschieht, baut sich hier der Stamm aus so vielen einzelnen auseinander hervorgegangenen

Ästen verschiedenen Grades auf, wie er Jahre alt ist, und erscheint dann

im erwachsenen Zustand ebenso regelmäßig und gerade wie diejenigen Stämme,

welche durch stetige Verlängerung einer Hauptachse gebildet sind. Diese Stammbildung

ist charakteristisch für die Ulme, Buche, Hainbuche, Linde.

Aufbau des Baumstammes

Ein Querschnitt durch einen Baumstamm

zeigt verschiedene Holzarten.

Ganz innen befindet sich das Mark

und das abgestorbene Kernholz, das

keine Nährstoffe mehr transportiert.

Weiter außen befindet sich das

Splintholz, das sich bei so genannten

Kernholzbäumen deutlich vom Kernholz

abhebt; es ist dunkler und härter.

Bei der Eibe ist dies sehr gut sichtbar.

Bei Reifholzbäumen unterscheiden

sich die beiden Holzsorten nur in der

Härte, sind aber beide splintfarben.

Splintholzbäume wie zum Beispiel die

Birke besitzen nur Splintholz. Ein wei-

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Querschnitt durch einen fünfjährigen Kiefernstamm

terer Unterschied zwischen Splint- und Kernholz, der vor allem beim Bogen ausge-

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nutzt wird, ist der, dass sich Splintholz gut dehnen und Kernholz gut zusammendrücken

lässt – umgekehrt aber nicht.

Die äußerste Schicht bildet die Baumrinde. Sie besteht aus der Bastschicht, die in

Wasser gelöste Nährstoffe transportiert, und der Borke, die den Baum vor Umwelteinflüssen

und Schädlingen schützt.

Zwischen der Bastschicht und dem Holz befindet sich das Kambium. Diese

Wachstumsschicht bildet das Holz und die Bastschicht.

Holzfaser

Links im Bild sieht man eine Holzfaser, die aus

Übereinanderlagerung von Zellgefäßen besteht.

In der Mitte ist ein Faserbündel zu sehen, diese

besteht aus mehreren Fasern.

Mehrere Faserbündel ergeben das Holzgewebe.

Zusammenfassend ist zu sagen, das Holzfasern

durch die Überlagerung von langgestreckten

Zellen gebildet, die miteinander in Verbindung

stehen, und die wiederum Ausgangspunkt für

Faserbündel und Gewebe sind.

Die Fasern bestimmen die Holzmaserung und

somit die besondere Charakteristiken eines

Baumes.

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Holzgefäß

Rechts in der schematischen Darstellung sieht man ein

Holzgefäß (Leitgefäß) das die Aufgabe hat,

den Pflanzensaft mit den für die Ernährung der Zellen wichtigen

Substanzen zu transportieren.

Die Holzgefäße sind im Leitgewebe des Holzes äußerst wichtig,

denn Sie transportieren Mineralstoffe und weitere Elemente mit

denen das Wasser angereichert ist von der Wurzel aus dem

Boden zu den Blättern. Wo es durch die Photosynthese mit

Nährstoffen angereichert wird. Dieser Kreislauf schließt sich wenn

der so aufbereitete absteigende Saft über die Siebzellen im Bast

nach unten transportiert wird und im ganzen Baum verteilt wird,

um in zu speichern oder neues Gewebe zu bilden.

Schnitt am Laubholz und Nadelholz

Die typischen Merkmale des Laubholzes sind am besten am Eichenholz zu erkennen.

Der äußere Holzgürtel ist das Splindholz, während der zur Markröhre liegende

Innenteil als Kernholz bezeichnet wird.

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Die Wurzel

Auch in der Wurzelbildung unterscheiden sich die Bäume. Manche behalten die

Hauptwurzel, die sich am Keimpflänzchen entwickelt, ihr ganzes Leben hindurch. Die

Hauptwurzel wächst dann als gerade, dicke Pfahlwurzel tief in den Boden hinab, was

besonders für die Eiche charakteristisch ist. In anderen Fällen bleibt die Pfahlwurzel

frühzeitig zurück; aus dem Stock entwickeln sich mehrere Seitenwurzeln, und diese

wachsen entweder auch zu beträchtlicher Tiefe in schiefer Richtung in den Boden

hinein, wie zum Beispiel bei der Linde, oder sie halten sich nur oberflächlich und breiten

sich dabei oft weit im Umkreis aus, wie bei den Pappelarten. Überdies erzeugt

ein stets lockerer und tiefgrundiger Boden eine tiefere Wurzelausbildung. Ist die Bodenbeschaffenheit

dagegen bindiger und flachgrundiger, kommt es zu einer oberflächlicheren

Wurzelausbildung. Bei einigen Baumarten bilden diese flachen Wurzeln

neue Triebe aus, so genannte Wurzelbrut. Die einkeimblättrigen baumförmigen Lebensformen

haben nie eine Pfahlwurzel; ihr Stamm endet nahe unter der Bodenfläche

und ist mit seitlich aus ihm hervorkommenden Nebenwurzeln im Erdreich befestigt.

Das Alter, der Stammumfang und die Höhe der Bäume

Die Bäume können bei ungestörter Vegetation und unter günstigen Verhältnissen ein

außerordentliches Alter erreichen. Mit dem hohen Alter, das oft mehrere Jahrhunderte

betragen kann, ist in der Regel eine ungewöhnliche Dicke des Stammes, aber

nicht immer eine entsprechende Höhe verknüpft.

Wächst der Baum unter im Jahresrhythmus schwankenden klimatischen Bedingungen,

wird jedes Jahr ein Jahresring angelegt. Mit Hilfe dieser Ringe lassen sich sowohl

das Alter eines solchen Baumes als auch die Bedingungen in den einzelnen

Jahren ablesen. Die Dendrochronologie nutzt dies, um altes Holz zu datieren und

das Klima einer Region bis zu mehreren tausend Jahren zurückzuverfolgen.

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Ringzauber - Wie Bäume wachsen

Ein quer durchgesägter Baumstamm zeigt ein Muster konzentrischer Ringe - ähnlich

wie auf einer Schießscheibe. Jeder Ring steht für ein Jahr, das der Baum älter wurde.

Bei Nadelhölzern sind diese Jahresringe deutlich, bei Laubbäumen meist weniger

gut zu erkennen. Wissenschaftler, die Dendrochronologen haben mit Hilfe der Jahresringe

Kalender aufgestellt, die beinahe 10000 Jahre zurückreichen. Auch wir haben

uns mit dem Alter der Bäume links und rechts der Salzach beschäftigt.

Auf der Suche nach dem passenden

Baum.

... und die Jahresringe sichtbar machen.

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Blatt auflegen, festhalten ...

Und wie alt warst du?

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Nutzung

Baumstämme von Weißtannen aus Gersbach (Südschwarzwald) stützen auf der Expo

2000 das größte freitragende Holzdach der Welt

Als Kletterbaum für Kinder dienen Bäume der nachkommenden Generation als Erlebniswelt.

Vor allem ältere Generationen nutzen Wälder als Lebensraum zur Erholung.

Die Menschheit versorgen Bäume durch den Vorgang der Photosynthese mit

dem für sie so wichtigen Atemgas Sauerstoff und durch Holzbildung mit nachwachsendem

Rohstoff für Bauwerke sowie zur Energiegewinnung (Energieumwandlung).

Baumkulturen zum Zweck der Gewinnung von Holz, Zweigen, Rinden, Laub, Blüten,

Früchten, Samen oder einzelnen chemischen Bestandteilen (Terpentin, Zucker,

Kautschuk, Balsame, Alkaloide etc.) bilden einen Teilbereich der Forstwirtschaft, der

Landschafts- und Nutzgärtnerei. Dieser Anbau erfolgt auch heute häufig noch in

Form von Plantagen. Zu diesem Zweck werden seit Generationen zum Wohle der

Menschheit in der Pflanzenzucht Klone von Bäumen erzeugt. Dies erfolgt durch die

Verbreitung und Vermehrung etlicher Obstsorten mittels Pfropfen, wobei die bekannten,

gewollten Eigenschaften der Früchte einer Obstsorte auf einen jungen Baum

übertragen werden. Zurückgegangen ist dagegen die Nutzung von Streuobstwiesen,

die früher in vielen Gebieten Mitteleuropas landschaftsprägend waren.

Mit der Lehre von den Bäumen (Gehölzen), welche in einem bestimmten Land im

Freien gedeihen, beschäftigt sich die Dendrologie. Anpflanzungen von Bäumen in

systematischer oder pflanzengeographischer Anordnung, die Arboreten, dienen ihr

zu Beobachtungs- und Versuchszwecken. Bäume können vegetativ, das heißt durch

Pflanzenteile, oder generativ durch Aussaat vermehrt werden. Bei der Pflanzung von

Gehölzen in Garten und Landschaft sollten Pflanzregeln eingehalten werden.

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Der Baum als „chemische Fabrik“

Eine 80jährige Buche hat etwa 800.000 Blätter

Am Beispiel einer 80-jährigen, allein stehenden Rotbuche wird deutlich, wieso ein

Baum als „chemische Fabrik“ bezeichnet werden kann:

In diesem Lebensalter ist der Baum 25 m hoch, und seine Baumkrone mit einem

Durchmesser von 15 m bedeckt eine Standfläche von 160 m². In ihren 2.700 m³

Rauminhalt finden sich 800.000 Blätter mit einer gesamten Blattoberfläche von

1.600 m², deren Zellwände zusammen 160.000 m² Fläche betragen.

Pro Stunde verbraucht diese Buche 2,352 kg Kohlenstoffdioxid, 0,96 kg Wasser und

25.435 Joule, im gleichen Zeitraum stellt sie 1,6 kg Traubenzucker her und deckt mit

1,712 kg Sauerstoff den Verbrauch von zehn Menschen. In 80 Jahren hat sie somit

40.000.000 m³ Luft verarbeitet.

Die 15 m³ Holz des Baumes wiegen trocken 12.000 kg, allein 6.000 kg davon sind

Kohlenstoff.

Solche Beispiele dürfen jedoch nicht ohne Weiteres auf Bäume im Wald angewendet

werden, denn der effektive Wirkungsquerschnitt eines freistehenden Baumes für die

Photosynthese ist deutlich größer als die Standfläche, die wiederum größer ist als

der effektive Wirkungsquerschnitt des Waldbaumes – da die Sonne in Mitteleuropa

nicht senkrecht scheint. Zudem verbrauchen die Bäume einen kleinen Teil des Sauerstoffes

für Wachstums- und Erhaltungsprozesse.

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In Mitteleuropa heimische und häufige Baumarten

Zu den in Mitteleuropa heimischen Laubbäumen zählen die Ahorne, Birken, Buchen,

Eichen, Erlen, Eschen, Linden, Mehlbeeren, Pappeln, Ulmen, Weiden, Walnussbaum

und viele Obstbäume.

Typische Nadelbäume sind die Eiben, Fichten, Kiefern, Lärchen, Tannen und

Zypressen.

Der in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Baum, der in diesem Gebiet ursprünglich

nicht beheimatet ist, ist die Gewöhnliche Robinie.

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Extreme Bäume

Bonsai

Der höchste Baum der Welt ist ein Küstenmammutbaum Sequoia sempervirens

mit 112,8 m aus Kalifornien.

• Die niedrigsten Bäume sind Bonsai, die durch menschliche Eingriffe künstlich

klein gehalten werden.

• Die ältesten Bäume sind 4700 Jahre alte Grannenkiefern (Pinus longaeva,

Bristlecone Pines) in den White Mountains in Kalifornien. Die Mitarbeiter des

Champion-Tree-Projektes klonen in den USA alte Bäume.

Der dickste Baum ist der Ahuehuete-Baum in Santa Maria de Tule im

mexikanischen Staat Oaxaca, eine Sumpfzypressenart (Taxodium mucronatum).

Sein Durchmesser an der dicksten Stelle beträgt 11,42 m.

• Die winterhärtesten Bäume sind die Dahurische Lärche (Larix gmelinii) und die

Ostasiatische Zwerg-Kiefer (Pinus pumila): Sie widerstehen Temperaturen bis

zu −70 °C.

Der Baum, der die dünnste Luft atmet, ist die Schuppenrindige Tanne Abies

squamata: sie wächst auf 4600 m Seehöhe am Osthimalaya in Sichuan.

• Das Holz geringster Dichte ist jenes des Balsabaumes.

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Bäume und Menschen

„Kein anderes Geschöpf ist mit dem Geschick der Menschheit so vielfältig, so eng

verknüpft wie der Baum.“

schrieb der Historiker Alexander Demandt und hat dem Baum mit Über allen Wipfeln

Der Baum in der Kulturgeschichte ein umfangreiches Werk gewidmet. Für ihn beginnt

die Kulturgeschichte mit dem Feuer, das der Blitz in die Bäume schlug und mit

dem Werkzeug, für das Holz zu allen Zeiten unentbehrlich war.

Caspar David Friedrich; Bäume im Mondschein, Öl auf Leinwand, um 1824, Köln,

Wallraf-Richartz-Museum

Brauchtum

Dieser Bedeutung entsprechend, ist auch ein vielfältiges Brauchtum mit dem Baum

verknüpft. Das reicht vom Baum, der zur Geburt eines Kindes zu pflanzen ist, über

den Maibaum, der in manchen Regionen immer noch in der Nacht zum ersten Mai

der Liebsten verehrt, dem Kirmesbaum und dem Weihnachtsbaum, unter dem gefeiert

und dem Richtbaum, der zur Feier eines neu errichteten Hauses auf dem Dachstuhl

aufgesetzt wird, bis zum Baum, der auf dem Grab gepflanzt wird. Nationen und

Völkern werden bestimmte, für sie charakteristische Bäume zugeordnet. Eiche und

Linde gelten als typisch „deutsche“ Bäume. Die Birke symbolisiert Russland, und der

Baobab gilt als der typische Baum der afrikanischen Savanne. In Bayern gibt es auch

den Hungerbaum Hungerbaum welcher eine alte Tradition in Bayern darstellt.

Unter der Gerichtslinde wurde Recht gesprochen und unter der Tanzlinde gefeiert.

Kelten, Slawen, Germanen und Balten haben einst in Götterhainen Bäume verehrt,

und das Fällen solcher Götzenbäume ist der Stoff zahlreicher Legenden, die von der

Missionisierung Nord- und Mitteleuropas berichten.

Mythologie und Religion

In vielen Mythen existiert ein Weltenbaum, der die Weltachse darstellt, um die der

Kosmos gruppiert ist.

In vielen alten Kulturen und Religionen wurden Bäume oder Haine als Sitz der Götter

oder anderer übernatürlicher Wesen verehrt. So spielt der Baum in den Mythen der

Völker auch als Lebensbaum (zum Beispiel die Sykomore bei den Ägyptern oder der

Baum des Lebens in der jüdischen Mythologie), als Baum der Unsterblichkeit (der

Pfirsichbaum in China) oder als Symbol des Erwachens im Buddhismus (der

Bodhibaum) eine Rolle.

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In der Bibel

Auch in der Bibel werden Bäume immer wieder erwähnt. Das Alte wie das Neue Testament

nennen unterschiedliche Baumarten wie zum Beispiel den Olivenbaum oder

den Feigenbaum, mit dessen relativ großen Blättern das erste Menschenpaar Adam

und Eva laut 1. Mose/Genesis 3:7 nach ihrem Sündenfall ihre Blöße bedeckten. Im 1.

Buch Mose, der Genesis, wird in Kapitel 1 in den Versen 11 und 12 berichtet, dass

Gott die Bäume und insbesondere die fruchttragenden Bäume in seiner Schöpfung

der Welt hervorbrachte. Zwei Bäume jedoch spielen in der Bibel eine entscheidende

Rolle: der Baum des Lebens sowie der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. So

hat der Baum auch in der christlichen Ikonographie eine besondere Bedeutung. Dem

Baum als Symbol des Sündenfalls, um dessen Stamm sich eine Schlange windet,

steht häufig das hölzerne Kreuz als Symbol der Erlösung gegenüber. Ein dürrer und

ein grünender Baum symbolisieren in den Dogmenallegorien der Reformationszeit

den Alten und den Neuen Bund. In der Pflanzensymbolik haben verschiedene

Baumarten wie auch ihre Blätter, Zweige und Früchte eine besondere Bedeutung. So

weist die Akazie auf die Unsterblichkeit der menschlichen Seele hin, der Ölbaum auf

den Frieden und ist ein altes marianisches Symbol für die Verkündigung an Maria.

Der Zapfen der Pinie weist auf die Leben spendende Gnade und Kraft Gottes hin, die

Stechpalme, aus deren Zweigen nach der Legende die Dornenkrone gefertigt war,

auf die Passion Christi.

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Der Baumkronenweg

Der Auftakt unseres Projektes "Natur schafft

Wissen" führt uns nach Kopfing (OÖ) zum

Baumkronenweg. Zwei unvergessliche Tage

erwarten die 1a Klasse.

Die Schüler lernen dabei den Wald aus einer ganz

anderen Perspektive kennen, nämlich von oben! In

luftiger Höhe wandern Eltern und Kinder auf dem

ca. 500 Meter langen Steg von einer Baumkrone

zur nächsten und genießen dabei eine herrliche

Aussicht über die Region Sauwald.

Der Erlebnisweg Baumkronenweg besteht aus

insgesamt 17 Türmen, die zum Teil über 20 m

hoch sind. Verbunden sind die einzelnen Türme

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durch stabile Holzstege und muterfordernde Hängebrücken. Außerdem findet man

am Erlebnisweg in Kopfing 26 Stationen (z. B. Gleichgewichtsstation, Akkustikstation)

vor, die auf spielerische Weise Wissenswertes über den Wald oder einfach nur

Spaß vermitteln.

Wir beginnen unseren Weg in einer Höhe von 30 cm ... und befinden uns plötzlich

mitten in den Baumkronen - 10 Meter über dem Waldboden!

Mit der Riesenrutsche geht es ein Stück abwärts zu unseren Baumhäusern, wo wir

die Nacht verbringen.

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Die Erkundungstour im Wald geht weiter! Mit Hilfe des Waldgrammophons lauschen

wir den Stimmen im Wald.

Unsere "Mädchengruppe" sammelt im Wald Blätter, Rindenstücke, Farne und Zapfen

um die Buben beim Nachtwettbewerb zu überholen.

Nach einer etwas unheimlichen Nachtwanderung unter und über den Baumwipfeln

fühlen wir uns im Baumhaus richtig geborgen. Gute Nacht!

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2. Holz

Holz (v. germanisch *holt, ) bezeichnet die feste bzw.

harte Substanz des Stammes, der Äste und Zweige

von Bäumen und Sträuchern. Es wird in den Pflanzen

von den Zellen des Meristems gebildet. Kulturell

gesehen zählen Gehölze zu den ältesten Nutzpflanzen.

Als vielseitiger, insbesondere aber nachwachsender

Rohstoff stellt Holz eines der wichtigsten

Pflanzenprodukte dar, wobei in der Gewinnung

zwischen dem Holz lebender Pflanzen und Totholz

unterschieden wird.

Holzarten

Holz besteht aus:

• Zellulose (40-50 %)

• Lignin (20-30 %)

• Hemicellulose (Polyosen) (20-30 %)

• Akzessorische Bestandteile (auch Begleit-, Inhalts- oder Extrastoffe) (1-3 %,

Tropenholz bis 15 %!): Fette, Stärke, Zucker, Eiweiß, Phenole, Wachse,

Pektine, Gerbstoffe (nur bei Laubhölzern), Sterine, Harz, Terpene

• Asche (0,1-0,5 %, Tropenholz bis 5 %)

Nadelholz

Kiefernholz

Entwicklungsgeschichtlich sind Nadelhölzer älter als Laubhölzer, haben daher einen

einfacheren anatomischen Zellaufbau.

Die Nadelbäume Fichte, Lärche, Kiefer und Douglasie besitzen Harzkanäle, Eibe,

Tanne und Wacholder nicht.

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Verschiedene Holzarten

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Laubholz

Kirschbaumholz

Die Zellen von Laubholz sind wesentlich differenzierter als die von Nadelholz. Man

kann sie in drei funktionale Gruppen einteilen.

1. Leitgewebe

2. Festigungsgewebe

3. Speichergewebe

Charakteristisch für Laubhölzer sind die in Nadelhölzern nicht vorhandenen Gefäße.

Sie sind oft mit bloßem Auge als kleine Löcher im Holzquerschnitt zu erkennen. Man

unterscheidet hier, je nach Anordnung, ringporige Hölzer (z. B. Eiche, Edelkastanie,

Esche, Robinie, Ulme ...), halbringporige Hölzer (z. B. Nussbaum, Kirsche ...) und

zerstreutporiger Hölzer (z. B.Birke, Erle, Linde, Pappel, Rotbuche, Weide ...).

Entstehung von Holz

0 = Mark; 1 Jahresringgrenze; 2 Harzkanäle; 3 Primäre Holzstrahlen;

4 Sekundäre Holzstrahlen; 5 Kambium; 6 Holzstrahlen des Bastes; 7 Korkkambium;

8 Bast; 9 Borke

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In unseren Breiten gibt es klimatisch bedingt vier Wachstumsphasen:

• Ruhephase (November bis Februar)

• Mobilisierungsphase (März, April)

• Wachstumsphase (Mai bis Juli): Holzzellen, die in dieser Jahreszeit entstehen

sind großlumig, dünnwandig und von heller Farbe und bilden das so genannte

Frühholz.

• Depositionsphase (August bis Oktober): Holzzellen, die in dieser Jahreszeit

entstehen sind kleinlumig, dickwandig und von dunkler Farbe und bilden das

so genannte Spätholz (bzw. Herbstholz).

Durch dieses zyklische Wachstumsverhalten entstehen Jahresringe, die deutlich in

einem Querschnitt durch einen Stamm erkennbar sind (siehe auch

Dendrochronologie).

Abb. 1:

Querschnitt durch einen

Eichenstamm.

Abb. 2:

Querschnitt durch einen

Kiefernstamm.

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Abb. 3:

Querschnitt durch einen

Fichtenstamm.

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Gewinnung und Verwendung

Einsatzbereiche

Aufgeschichtetes Holz, Brennholzstapel

Wie jeder andere Werkstoff hat auch Holz seine Vor- und Nachteile.

Unter ökologischem Gesichtspunkt ist die Reproduzierbarkeit sicherlich ein wichtiger

Punkt, doch auch die leichte Bearbeitbarkeit und der damit verbundene niedrige Energiebedarf

bei der Gewinnung sowie bei der Verarbeitung spielen hier eine wichtige

Rolle. Wandert das Holz schließlich auf den Müll oder fallen bei der Produktion

Abfälle an, kann es problemlos entsorgt werden. Im Idealfall kann es sogar kompostiert

werden. Lassen Begleitstoffe wie Holzschutzmittel, Lacke oder Leime dies nicht

zu, ermöglicht moderne Rauchgasreinigung auch in diesen Fällen eine thermische

Nutzung. Die langfristige Nutzung von Holz stellt eine über die natürliche Zersetzung

hinausgehende CO2-Speicherung dar.

Aufgrund seines geringen Wärmeleitvermögens ist Holz ein hervorragendes Dämmmaterial

(z. B. Faserdämmplatten, Balsa zur Isolation von Flüssiggastanks). Im Unterschied

zu Metallen ist Holz elektrisch nicht leitfähig. Aus diesem Grund baute man

in den dreißiger Jahren zahlreiche Sendetürme für Mittelwellensender aus Holz, wobei

der Antennendraht im Innern des Turmes aufgehängt wurde.

Ein wesentlich größerer Nachteil von Holz ist seine Anfälligkeit gegenüber biotischen

Faktoren, es kann also von z. B. Insekten, Pilzen oder Bakterien angegriffen werden

und in seiner Substanz nachhaltig zerstört werden.

Ein weiterer Minuspunkt ist das Arbeiten, also die Formänderungen des Holzes. Zum

einen schwindet Holz prinzipiell mit zunehmendem Alter, und kann sich auch durch

den Abbau der im lebenden Holz entstandenen Spannungen werfen. Zum anderen

verursacht die hygroskopische Eigenschaft von Holz – d. h. es kann Wasser aufnehmen

und abgeben – über die ganze Lebensdauer Verformung.

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Holzverarbeitung und Holzbearbeitung

Holz wird in der Holzverarbeitung und Holzbearbeitung genutzt als:

• Brennstoff: Brennholz weist als nachwachsender Rohstoff eine extrem günstige

Energiebilanz auf, ohne dass die Produktionsfläche nur der Produktion

dient. Aus diesem Grund fand Holz Verwendung als Brennstoff in Holzöfen.

Durch die Entwicklung bequemer Befeuerungsanlagen wie der

Holzpelletheizung oder die einfache Handhabung von Hackschnitzel kommt

die Nutzung von Holz als Brennstoff inzwischen wieder häufiger vor.

• Baustoff: Bauholz, für Energieversorgungsmasten, Holzschwellen für die

Eisenbahn.

• Tischlerholz: Schnittholz, Material für Möbel in Form von Massivholzplatten,

Furnier, für Rahmenkonstruktion im Fenster-Bau.

• Klangholz für Musikinstrumente.

• Ausgangsstoff für Holzwerkstoffe wie beispielsweise Spanplatten,

Tischlerplatten oder Sperrholz.

• Rohstoff für Zellstoff, aus dem wiederum Papier hergestellt werden kann.

• Rohstoff für chemische Prozesse.

• Ausgangsmaterial für die Herstellung von Branntwein, siehe Holzbranntwein

Gebrauchtes Holz wird als Altholz bezeichnet und dient zerkleinert als Rohstoff für

die Holzwerkstoffindustrie. Altholz wird zunehmend aber auch als Brennmaterial in

Biomassekraftwerken zur regenerativen und CO2-neutralen Energiegewinnung genutzt.

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Oscar - Der Mann aus Holz

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3. Baumexperimente

Aus Labbé, die Bunte Werkstatt von Jako-o.

Spitz-Ahorn (Acer Platanoides)

Mit ein wenig Phantasie sehen die Blätter des Spitz-Ahorns wie Hände aus. Ahorn-

blätter können sehr groß werden. Das größte Blatt, das man bisher gemessen hat,

war 32 cm breit. Vielleicht findest du ja noch ein größeres Blatt! - Ahornbäume kannst

du im Herbst besonders leicht erkennen, weil die welkenden Blätter dann so farben-

prächtig sind.

Frische Ahornblätter haben auch eine kühlende und abschwellende Wirkung. Du

kannst mit Ahornblättern also auch Insektenstiche einreiben. Außerdem gewinnt man

aus den Ahornstämmen süßen Sirup, der gut zu Pfannkuchen und warmen Waffeln

passt.

Ahornholz ist nicht so hart wie andere Hölzer. Aber man macht daraus Stiele für Ar-

beitsgeräte, weil das Holz angenehm in der Hand liegt. Holzschnitzer arbeiten eben-

falls gerne mit Ahornholz. Und der berühmteste Geigenbauer aller Zeiten, Giacomo

Stradivari, hat es immer für den Boden seiner Geigen genommen, weil Ahornholz

besonders gut klingt.

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Blätter-Regenbogen

Mit den Blättern des Ahorns kann man einen tollen Regenbogen zaubern. Dazu

sammelst du Ahornblätter in verschiedenen Farben. Sortiere sie nach den Farben

und klebe sie auf ein großes Blatt Papier. Die dunkelgrünen Blätter kommen ganz

nach oben. Weiter geht es mit den Farben hellgrün, gelb, orange, rot, hellbraun und

dunkelbraun.

Ist schon komisch, dass unsere Laubbäume im Herbst ihre Blätter immer abwerfen!

Sie verlieren einfach ihren grünen Farbstoff und leuchten nun in bunten Farben auf.

Großvater sagt, dieses Feuerwerk in rot, gelb und orange kommt durch einen ande-

ren Farbstoff, das Karotin. Das ist der gleiche Stoff, der auch Möhren orange färbt.

Die Farbe des Karotins kann man aber nur sehen, wenn der grüne Farbstoff ver-

schwunden ist. Der ist nämlich stärker. Wenn die Blätter dann abgefallen sind, blei-

ben kleine Wunden an den Ästen zurück, die schnell vernarben. Sie sind für den

Baum natürlich ungefährlich, denn er hat ja für das kommende Jahr genügend Zu-

ckervorräte gespeichert. Und wenn du die vernarbten Äste genauer anschaust, dann

findest überall kleinen Knospen, die auf den nächsten Frühling warten.

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Der Propeller

Ahornfrüchte bestehen aus zwei Hälften, die jeweils einen Samen und einen großen

Flügel haben. Wenn die Früchte im Herbst reif sind wirbeln sie mit Hilfe der Flügel

wie Propeller zum Boden. Sie können so sehr weite Strecken zurücklegen. Wirf eine

Handvoll Ahornfrüchte hoch in die Luft, dann siehst du, wie sie wie Propeller zum

Boden wirbeln.

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Nützliches zu wissen

Frische Ahornblätter haben auch eine kühlende und abschwellende Wirkung. Du

kannst mit Ahornblättern also auch Insektenstiche einreiben. Außerdem gewinnt man

aus den Ahornstämmen süßen Sirup, der gut zu Pfannkuchen und warmen Waffeln

passt.

Ahornholz ist nicht so hart wie andere Hölzer. Aber man macht daraus Stiele für Ar-

beitsgeräte, weil das Holz angenehm in der Hand liegt. Holzschnitzer arbeiten eben-

falls gerne mit Ahornholz. Und der berühmteste Geigenbauer aller Zeiten, Giacomo

Stradivari, hat es immer für den Boden seiner Geigen genommen, weil Ahornholz

besonders gut klingt.

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Birken lieben Wasser

Auch Birken brauchen wie die meisten Bäume viel Wasser. Eine ausgewachsene

Birke kann an einem warmen Sommertag über 1.000 Liter Wasser verdunsten. Wenn

du sehen willst wie schnell Birkenblätter Wasser verdunsten, binde einfach eine

durchsichtige Plastiktüte über die Spitze eines Zweiges. Schnell bilden sich Wasser-

tröpfchen an der Innenwand der Tüte. Das ist wieder das Verdunstungswasser, wie

bei der Feld-Ulme. Beim Verdunsten wird Wasser nämlich zu Wasserdampf, und der

schlägt sich an der Tütenwand nieder.

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Birkenblätter-Tee

Nach einem Spaziergang im späten Frühling solltest du mal einen Birkenblätter-Tee

probieren. Das schmeckt prima und ist schnell gemacht: Gib 2 Teelöffel frisch ge-

pflückte Birkenblätter in eine Tasse. Überschütte sie mit kochendem Wasser und las-

se sie 5 Minuten ziehen. Den abgesiebten Tee kannst du dann mit Honig süßen.

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Wolle färben

Früher wurden auch Stoffe und Wolle mit Birkenblättern gefärbt. Besonders einfach

geht das mit Wolle: Nimm ca. 1 Liter frische Birkenblätter, koche sie 30 Minuten in 1

Liter Wasser und siebe die Blätter ab.

Nun legst du weißes Wollgarn in den Sud und kochst es weitere 30 Minuten auf

kleinster Flamme.

Danach kannst du das Garn herausnehmen, spülen und zum Trocknen aufhängen.

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Rotbuche (Fagus sylvatica)

Die Blätter von diesem Baum haben glatte Ränder, und sie sehen wie spitze Hüh-

nereier aus. Rotbuchen erkennst du im Winter auch an der Rinde, die sehr glatt ist.

Außerdem sind die Zweigknospen ziemlich lang, dünn und spitz.

Jedes Buchenblatt ist eine kleine Fabrik, die mit Luft, Wasser und Sonnenenergie

nahrhafte Kohlenhydrate herstellt, also Zucker. Michael Green wusste sogar, wie

dieser Vorgang in Fachchinesisch heißt, nämlich Photosynthese.

Buchenholz ist immer noch sehr beliebt. Man kann daraus viele Sachen machen:

Möbel, Wäscheklammern, Kleiderbügel, Spielzeug, Schullineale und Brennholz.

Deswegen ist Buchenholz aber nicht mein Lieblingsholz. - Mir gefällt es, weil daraus

Eis am Stiel gemacht wird.

In manchen Jahren haben Rotbuchen im Herbst besonders viele Früchte. Das nennt

man Mastjahre, denn im Mittelalter wurden die Hausschweine in den Wald getrieben.

Dort hat man sie mit den Baumfrüchten fett gemästet, also auch mit Bucheckern. Es

gibt aber noch einen anderen Grund, warum die Buche im Mittelalter besonders

wichtig war. Man konnte aus dem Holz nämlich Holzkohle für die Eisen- und Stahl-

verarbeitung gewinnen. Koks, Öl, Erdgas oder Strom kannte man damals ja noch

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nicht. Nur mit einem Holzkohlenfeuer konnte ein Schmied das zähe Eisen zum Glü-

hen bringen.

Außerdem habe ich mal gehört, dass auch Bücher ihren Namen von den Buchen

haben. Früher schrieb man nämlich oft auf dünnen Buchenbrettchen, die dann zu

Büchern zusammengebunden wurden.

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Sauerstoff-Fabrik

Großvater versucht seit einiger Zeit, den Trick mit der Sonnenenergie nachzuahmen.

Er hat auf seinem Gartenhaus einen Solarkollektor, der Sonnenlicht in elektrische

Energie verwandelt. Mit diesem Strom koche ich oft Wasser, denn Großvater wird es

immer ganz weich ums Herz, wenn ich ihm eine Tasse Tee auftische.

In einer Teepause hat Großvater jedenfalls sein bestes Gartenbuch ausgepackt und

mir was über Buchen vorgelesen. Eine ausgewachsene Buche soll über 200.000

Blätter haben, und an einem schönen Sommertag strömen fast 30 Millionen Liter Luft

durch die Blätter. Dabei filtern die Blätter etwa 10.000 Liter Kohlendioxid-Gas heraus

und machen damit jeden Tag rund 12 Kilogramm Zucker. Gleichzeitig geben die Blät-

ter fast 8.000 Liter Sauerstoff an die Luft ab. Das reicht einen ganzen Tag lang für

die Atmung von zehn Menschen.

Ich spaziere gerne durch einen richtigen Buchenwald, besonders wenn die Sonne

scheint. Der Wald strahlt dann so viel Ruhe aus, aber das täuscht. Im Buchenwald

gibt es dauernd stille Kämpfe um das Licht. Für Pflanzen bedeutet das Licht ja Leben

und Nahrung. Deshalb wachsen Bäume auch so hoch hinaus. Sie wollen aus dem

Schatten der anderen Pflanzen heraus. Und Buchen machen viel Schatten, die neh-

men den benachbarten Pflanzen also das Sonnenlicht weg. Als Großvater das er-

zählte, war mir sofort klar, warum es im Buchenwald nur so wenig andere Pflanzen

unter den Bäumen gibt. Die gehen alle an Lichthunger ein.

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Buchen-Butterbrot

Und im letzten Frühjahr habe ich sogar ein Butterbrot mit frisch entrollten Buchenblät-

tern probiert. Das schmeckt genauso gut wie Petersilie. Solltest du auch probieren!

Du schneidest die frischen Blätter einfach in kleinen Streifen und legst sie aufs But-

terbrot. Natürlich kann man die Blätter auch klein hacken und in den Salat oder

Quark tun.

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Stiel-Eiche (Quercus robur)

Das Blatt der Stiel-Eiche erkennst du an den

vielen "Ohrläppchen". Eigentlich sollte man ja

meinen, dass der Blattstiel lang sein müsste. Der

ist aber ziemlich kurz. Der Name Stiel-Eiche

kommt nämlich von den Eicheln, und die haben

einen langen Stiel.

Ich liebe große Eichenbäume und mir wird bei dem Gedanken ganz schwindelig,

dass Eichenbäume über tausend Jahre alt werden können. Stell dir vor, eine alte Ei-

che, die immer an der gleichen Stelle gelebt hat, würde dir etwas aus vergangenen

Zeiten erzählen. "Eichen reden wirklich mit uns, wenn der Wind durch die Blätter

rauscht!" sagt Großvater. Und an einem dämmrigen Winterabend habe ich tatsäch-

lich mal eine Eiche gesehen, die plötzlich lebendig wurde. Wenn du so eine Eiche

lange genug anschaust und dabei die Augen etwas zusammenkneifst, siehst du auf

einmal Arme anstelle von Ästen, Finger anstelle von Zweigen und Augen anstelle

von Löchern.

Aus den Eicheln, die roh ungenießbar sind, kochte man in Notzeiten sogar Kaffee.

Man konnte sie aber auch vermahlen und ins Brotmehl mischen. Außerdem sind Ei-

cheln ein gutes Wildfutter.

Aus dem Holz der Stiel-Eiche kann man eine Menge machen: Möbel, Türen, Fässer

für die Weinlagerung und Zaunpfosten. Eichenholz ist sehr hart und widerstandsfä-

hig. Darum wurden Schiffe früher meist aus Eichenholz gebaut. Noch heute findet

man Wracks von solchen Schiffen, die vor hunderten von Jahren untergegangen

sind. Dieses Eichenholz wurde mit der Zeit schwarz und hart wie Stein.

In Eichenrinde findet man auch große Mengen Gerbsäure, und darum wurden früher

Tierfelle meist mit Eichenrinde gegerbt. Anschließend wurde Leder daraus gemacht.

Es gibt aber noch eine andere Eichenart, die uns etwas Wichtiges liefert - die Korkei-

che. Aus ihrer Rinde werden nämlich Flaschenkorken und viele andere Korkgegens-

tände gemacht.

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Apfelbaum (Malus Domestica)

Auf den Monat Mai freue ich mich ganz besonders. Da blühen überall die rosaweißen

Apfelblüten. Sie erinnern mich immer an kleine Rosen. "Das stimmt!", sagt Großva-

ter. "Apfelbäume gehören zur Pflanzenfamilie der Rosengewächse." Nach der Blüte

kommen dann die Blätter so richtig zum Vorschein. Irgendwie sehen sie wie platte

Eier aus. Nur die Zipfelspitze und die kleinen Zacken am Rand wollen dazu nicht

ganz passen.

Das Blühen kostet den Baum viel Kraft und Energie, weil die Blätter zu dieser Zeit ja

noch sehr klein sind. Sie können noch nicht so viel Zuckernahrung liefern. Aber der

Baum hat natürlich vorgesorgt. Er hat im Jahr zuvor mehr Zucker produziert, als er

verbrauchen konnte. Der Baum legt sich also Vorräte an, die er im Winter in der Rin-

de speichert. Das Speichern klappt im Sommer natürlich auch von Tag zu Tag. Wenn

am Tag die Sonne scheint, ist genug Licht da, um viel Zuckernahrung zu machen.

Diese wird dann noch ein bisschen umgebaut und in den Blättern oder in der Rinde

gespeichert. Nachts gibt es aber kein Sonnenlicht. Also muss der Baum einen Teil

seiner Zuckervorräte verbrauchen, damit er kräftig und lebensfähig bleibt. Dazu at-

met der Baum, so ähnlich wie wir.

Ich habe mal bei einem Museumsbesuch gehört, dass die Steinzeitmenschen schon

kleine Wildäpfel gegessen haben. Bei Ausgrabungen hat man nämlich Apfelkerne in

einer steinzeitlichen Siedlung gefunden. Irgendwann haben die Menschen aber damit

angefangen, immer neue Apfelsorten mit immer größeren Früchten zu züchten.

Die ganze Geschichte der Menschheit ist voll mit Äpfeln. Das beginnt schon in der

Bibel, wo Adam und Eva im Paradies einen verbotenen Apfel gegessen haben.

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Man kann viele Sachen mit Äpfeln machen, zum Beispiel Apfelsaft oder Apfelmus.

Und Großvater hat mir eine geheimnisvolle Kraft verraten, die von einem Apfel aus-

gehen kann: Gehe am 31. Oktober abends alleine in einen Raum und iss langsam

einen Apfel vor dem Spiegel. Dann werden ganz langsam die Umrisse deines zu-

künftigen Mannes oder deiner zukünftigen Frau hinter dir sichtbar. Dieser Trick

kommt aus Schottland und sollte er nicht klappen, probiere es mal mit schottischen

Äpfeln.

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Der Zankapfel

Ein anderer Apfel, der uns dauernd begegnet, ist der Zankapfel. Der war schon den

alten Griechen bekannt. Ein Prinz namens Paris hat der griechischen Liebesgöttin

Aphrodite solch einen Apfel überreicht und löste damit einen langen Krieg aus. Das

war der berühmte trojanische Krieg, in dem auch die List mit dem trojanischen Pferd

passierte. - Übrigens kannst du ganz leicht aus einem normalen Apfel einen Zankap-

fel machen. Du schreibst auf den Apfel "Für die Schönste!" und nimmst ihn mit zu

einem Fest. Jetzt können sich alle darum zanken, wer denn wohl die Schönste ist.

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Newtons Apfel

Sogar die moderne Astronomie, also die Himmelskunde, ist ohne Apfel kaum vor-

stellbar. Im Jahre 1666 soll beispielsweise der Wissenschaftler Sir Isaac Newton un-

ter einem Apfelbaum ein Nickerchen gemacht haben. Er hatte zuvor darüber nach-

gedacht, was den Mond wohl in seiner Bahn hält. Plötzlich fiel ihm ein Apfel auf den

Kopf, und da begriff er: Die gleiche Kraft, die den Apfel zur Erde fallen lässt, hält

auch den Mond in seiner Bahn. Das ist die sogenannte Erdanziehungskraft.

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Birnbaum (Pyrus Communis)

Wenn ich seine Blätter sehe, denke ich immer an Pflaumen mit einer Zipfelspitze.

Das muss wohl mit der Form zusammenhängen.

Im letzten Herbst bin ich mit Michael Green auf einer großen Obstwiese gewesen.

Die Birnen und Äpfel waren schon überreif und fielen von den Bäumen.

Die Äpfel hatten es ganz gut überstanden, aber die Birnen waren oft aufgeschlagen

und fingen an zu faulen. Du kannst dir bestimmt nicht vorstellen, wie viele Tiere an

den süßlich riechenden Birnen saßen. Da gab es Insekten, vom Käfer bis zur Wespe.

Deshalb muss man beim Auflesen und Essen auch vorsichtig sein. Es könnten ja

beißende oder stechende Tiere in dem Fallobst sitzen. Die Tiere haben es sich je-

denfalls schmecken lassen und wir auch.

Früher war es hier und da üblich, dass man einen Birnbaum zur Geburt eines Kindes

pflanzte. War es ein Mädchen, wurde manchmal auch das erste Badewasser an den

Stamm eines Birnbaums geschüttet. Das sollte für die Gesundheit und das Wachs-

tum des Kindes gut sein. Außerdem glaubten die Leute, dass man Krankheiten, zum

Beispiel, Zahnschmerzen mit besonderen Zeremonien auf den Birnbaum übertragen

kann. - Ob das wohl klappt?

Das Holz des Birnbaums ist sehr hart und dauerhaft. Man kann daraus Fruchtpres-

sen und Messinstrumente machen. Außerdem lässt sich das Holz schwarz färben,

was nur bei wenigen Holzarten geht.

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Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

Das Blatt sieht so ähnlich aus wie das Blatt der Esche. Holunderblätter haben aber

nur 5 bis 7 spitze Blättchen an dem langen und dünnen Stiel. Außerdem macht der

Holunder meist mehrere Stämmchen nebeneinander und wächst zu einem großen

Strauch heran. Er kann aber auch wie ein normaler Baum wachsen.

Holunderbeeren

Im Herbst hängen am Holunderstrauch dann große Büschel mit schwarzen Beeren

an den Holunderästen. Sie sind ein Festschmaus für Vögel, aber der Holunder hat

auch etwas davon. In den Beeren sind nämlich kleine Samenkerne, und die werden

von den Vögeln nicht verdaut sondern mit dem Kot wieder ausgeschieden. So kom-

men die Samen an andere Orte und wachsen dort zu neuen Holundersträuchern.

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Holunder-Omlett

Eigentlich sind weiße Holunderblüten ziemlich klein, doch sie stehen im Frühjahr so

dicht nebeneinander, dass sie oft große Teller bilden. Die werden gerne von Insekten

besucht. Mit diesen Blütentellern kannst du ein tolles Omelett zaubern.

Dazu braucht du: 125 g Mehl, 3 Eier, 2 Esslöffel Milch, 1 Prise Salz, 1 Esslöffel Butter

und zwei große Blütenteller.

An den Blütentellern schneidest du die dickeren Stiele alle weg, bis die Blüten zu

kleineren Häufchen zerfallen. Anschließend Mehl, Eier, Milch und Salz zusammen-

schütten und daraus einen Teig rühren. Dann werden die Blütenhäufchen in den Teig

getaucht, nicht zu viel und nicht zu wenig. Nun gibst du die Butter bei mittlerer Hitze

in die Pfanne. Wenn sie geschmolzen ist, kommt die erste Portion Blütenteig hinein.

Den Teig auf beiden Seiten goldgelb backen und fertig ist das Omelett.

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Aberglauben

Früher glaubten die Menschen, dass der Holunder vor bösen Geistern schützt, weil

er die bösen Kräfte bindet. Die Leute hüteten sich davor, einen Holunderstrauch ein-

fach umzuhauen. Dabei wären die bösen Kräfte frei geworden, und sie hätten sich ja

auf den Übeltäter übertragen können.

Und wer eine Nacht unter einem freistehenden Holunderbusch verbrachte, der spürte

angeblich die Nähe von kleinen Kobolden und Zwergen, die gut oder schlecht ge-

launt sein konnten.

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Tinte aus Holunderbeeren

Aus Holunderbeeren kannst du eine prima Tinte selber herstellen.

Wahrscheinlich bekommst du blaue Finger, wenn du holunderbeerenblaue Tinte her-

stellst, das sieht ein bisschen irre aus, macht aber nichts! Beerenfarbe verblasst

nämlich schneller und hält nicht so lange wie gekaufte Farbe. Du kannst damit

schreiben oder malen, mit einem Pinsel, oder wie man es früher machte, mit einem

echten Gänsekiel.

Presse den Saft der Früchte mit der Gabel durch ein stabiles Sieb in einer Schüssel.

Fülle die "Tinte" in ein Gläschen und bewahre sie im Kühlschrank auf. Und so sieht

der Holunder aus:

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Holunder-Pusterohr

Mit einem Pusterohr kann man ganz hervorragend "Räuber und Gendarm" spielen,

oder um die Wette pusten. Aus einem Holunderbeerenstängel bastelst du dir ganz

einfach dein eigenes.

Du brauchst: einen festen, dickeren Stängel vom Holunderbeerstrauch, grüne Holun-

derbeeren

Schneide den Holunderstängel auf etwa 15 cm zu und kratze innen das Mark sorgfäl-

tig heraus. Als Munition nimmst du grüne Holunderbeeren.

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4. Papier

Papiergeschichte

Papier das; -s, -e [spätmhd. papier <

lat. papyrum, papyrus =

Papyrus(staude) < griech. papyros]:

aus Pflanzenfasern (mit Stoff- u.

Papierresten) durch Verfilzen u.

Verleimen hergestelltes, zu einer

dünnen, glatten Schicht gepreßtes

Material, das vorwiegend zum

Beschreiben u. Bedrucken od. zum

Verpacken gebraucht wird.

(DUDEN, Deutsches Universal

Wörterbuch A-Z)

Mit diesen wenigen Worten lässt sich ein Werkstoff definieren, der aus

unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist - PAPIER.

Papier dient uns als wichtiger Kommunikationsträger, den wir in Form von

Zeitungen, Büchern, Briefen, Plakaten, Banknoten etc. täglich nützen. Durch

Künstler gestaltetes Papier vermittelt uns Gefühle, Eindrücke und

Vorstellungen anderer Menschen: Bilder - gezeichnet, gemalt, gedruckt.

Papier ist vielseitig und vielfältig.

Einführung

Papier ist ein äußerst vielseitiger Werkstoff. So unterschiedlich wie seine Formen

waren auch die Methoden der Herstellung und seine historischen Verwendungszwecke

in einzelnen Kulturen. Im Osten galt Papier als heiliges Material, diente zugleich

aber auch praktischen Zwecken: von der Herstellung von Knallkörpern bis hin zu Bodenbelägen.

Im Westen betrachtete man Papier bald als einen Artikel des täglichen Gebrauchs.

Das lag vor allem daran, dass es in Europa ein Jahrtausend später als in China eingeführt

wurde. Es diente vorwiegend zum Beschriften, Bedrucken und Verpacken.

Papier gab es in Form von Briefpapier, Zeitungen, Büchern, Zeichenpapier, Geldscheinen

und Tapeten.

Die charakteristischen Merkmale eines in sorgfältiger handwerklicher Arbeit hergestellten

Materials verlor das Papier mit Beginn der Industrialisierung. Seine Rolle als

einzigartiger Werkstoff zum Beschreiben, Zeichnen, Bemalen und Bedrucken wird

heute durch die Entwicklung immer neuer elektronischer Medien untergraben. Papier

ist zu einem Wegwerfprodukt unserer Gesellschaft geworden. Es war ein langer und

weiter Weg von den ersten vor mehr als 2000 Jahren in China in mühsamer

Handarbeit geschöpften Papierbogen bis zu den tonnenschweren Papierrollen,

welche heute von gigantischen Hochleistungsmaschinen produziert werden. Dieser

Weg, der geprägt ist von der unermüdlichen Suche des Menschen nach

Verbesserungen und Neuerungen, soll auf den folgenden Seiten nachvollzogen

werden.

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Vor der Erfindung des Papiers - Frühe Schriftträger

Das Bedürfnis des Menschen, Erinnerungsbilder und -zeichen, oft mit magischer Bedeutung,

dauerhaft festzuhalten, steht wohl am Anfang von Schrift und Schreibmaterial.

Die Entwicklung solcher Bilder und Zeichen zur Schrift ist in den meisten Fällen

von der Art des zur Verfügung stehenden Trägermaterials bestimmt. Die Frage der

Beschaffungsmöglichkeit und der Kosten wird ausschlaggebend für die Wahl des

entsprechenden Materials gewesen sein.

Die ältesten Bildschriftzeichen sind Felsmalereien aus der Zeit um 13.000 v.Chr. Auf

Knochen, MuscheIn, Elfenbein und Jade wurden Bilder und Zeichen geritzt. Später

dienten Kalkstein, Holz, Ton-, Metall- und Wachstafeln als Trägermaterial. In China

entdeckte man Panzer vonSchildkröten, in die um 1.700 v.Chr. Schriftzeichen geritzt

worden waren.

Aus den ursprünglichen Bildern der ältesten chinesischen Schrift ist durch das Beschreiben

von Geweben (Seidenbändern) oder Stoffen aus Bast mit einem Pinsel die

Form der chinesischen Schriftzeichen entstanden, die dann über Korea nach Japan

gelangten. BambustäfeIchen, durch ein Lederband zusammengehalten, kannte man

in China um 500 v. Chr. Die älteste mesopotamische Bilderschrift wandelte sich

durch Einritzen und Eindrücken der Bildsymbole in feuchten Ton zur Keilschrift, die in

allen Hochkulturen des Alten Orients bekannt war. Auch die kretische Bilderschrift

entwickelte sich zur Symbolschrift und wurde auf Tontafeln eingeritzt. Diese "Linearschrift"

wurde von den einwandernden Griechen der mykenischen Zeit um 1.500 v.

Chr. übernommen. Tierhäute, ungegerbtes, mit Kalk behandeltes Fell von Schaf,

Ziege oder Esel wurde im Mittelalter zum wichtigsten Schriftträger des europäischen

Kulturkreises. Die Verarbeitung von meist leicht beschaffbaren Pflanzenfasern zu

einem blattartigen Schreibmaterial führte zu den ersten Vorläufern des Papiers.

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Die Erfindung des Papiers - Technologie des Papiers

Papier giessen - Papier schöpfen

Der wesentliche Unterschied zwischen den Papiervorläufern (Papyrus, Tapa, ...) und

echtem Papier liegt beim Herstellungsverfahren sowie dem verwendeten Fasermaterial:

durch Zerstampfen und Kochen aufbereitete Fasern, meist unterschiedlicher

Pflanzenarten, werden unter Zugabe von Wasser zu einem dünnen Brei verarbeitet

(Fasersuspension), welcher über ein Sieb wieder entwässert wird. Die dabei verfilzenden

Fasern bilden das Papierblatt, das nach dem Trocknen für die weitere Verwendung

bereit ist. Der Ursprung dieses Verfahrens liegt im Fernen Osten. Noch

heute wird die älteste und primitivste Art der Papierherstellung, die den direkten Zusammenhang

mit der Tapa-Bereitung deutlich erkennen lässt, in Nepal, Bhutan und

anderen Himalayaländern ausgeübt:

Papier giessen

Zur Papierbereitung verwendet in Nepal der Papiermacher meist die innere Rindenschicht

(Bast) von Seidelbastgewächsen. Die Baststreifen werden eingeweicht, von

der dunklen Oberschicht befreit und in Holzaschenlauge gekocht. Diese gekochten

Streifen werden mit einem Hammer geklopft, bis die Fasern aus ihrem Verband gelöst

sind und fibrillieren. In einem Holztrog bereitet man daraus einen verdünnten Faserbrei.

Eine Portion dieses Breis gießt der Papiermacher in eine Schöpfform, die

aus einem Holzrahmen mit einer Bespannung aus grobem Gewebe besteht und auf

einem Wassertümpel schwimmt. Mit den Händen wird der eingegossene Faserbrei

gleichmäßig über die ganze Siebfläche verteilt. Vorsichtig wird die Form waagrecht

emporgehoben, so dass das Wasser abfließen kann. Es bildet sich ein Faserfilz, das

Papierblatt. Erst nach dem Trocknen an der Sonne oder nahe einem Feuer kann das

fertige Blatt leicht vom Sieb gelöst werden.

Diese Methode hat den großen Nachteil, dass für jedes Blatt Papier ein eigener

Rahmen benötigt wird, der erst wieder verwendet werden kann, wenn das jeweils

erzeugte Blatt getrocknet ist.

Papier schöpfen

Beim Papier schöpfen befindet sich der stark mit Wasser verdünnte Faserbrei in einem

großen Behälter (Bütte). Mit dem Schöpfrahmen wird daraus Faserbrei aufgenommen,

die darauf schwimmenden Fasern durch gleichmäßiges Schütteln verteilt.

Nach dem Abfließen des Wassers kann das Papierblatt mit dem Rahmen zum

Trocknen abgelegt werden. Bei später verbesserter Methode wird das noch feuchte

Blatt vom Sieb abgenommen, gepresst und anschließend getrocknet.

Somit kann bei diesem Verfahren das Schöpfsieb sofort wieder zur Bildung eines

neuen Bogens Papier verwendet werden.

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In den Grundelementen ist diese Technik zur Herstellung von Papier bis heute unverändert

geblieben: Aufbereitung der Fasern, Entwässerung auf einem Sieb, Pressen

und Trocknen, wenn sich auch die Methoden gewaltig verändert haben.

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Papier in Fernost - Verbreitung in Asien

Von China kam die Kunst des Papierschöpfens nach Korea, wo im 6.Jahrhundert

n.Chr. mit der Herstellung von Papier aus Hanf, Rattan, Maulbeerbast, Bambus,

Reisstroh und Seetang begonnen wurde. Nach der Überlieferung hat ein buddhistischer

Mönch aus Korea namens Don-cho diese Kunst im Jahre 610 an den kaiserlichen

Hof nach Japan gebracht.

Die Papierproduktion breitete sich rasch in Japan aus und im 8.Jahrhundert wurde

bereits in vierzig Provinzen Papier hergestellt. Handgemachtes Papier wird in Japan

noch immer nach dem alten Verfahren geschöpft. Vorzugsweise werden die frischen

Bastfasern des (Papier-) Maulbeerbaumes (jap. kozo) verwendet.

Mit der Ausbreitung des Buddhismus wuchs schnell die Nachfrage nach Papier. Von

chinesischen Papiermachern angeleitet, begann man in Tibet alte traditionelle

Schreibmaterialien durch Papier zu ersetzen. Die Form der tibetischen Bücher aus

Papier erinnert noch an die langen, schmalen Bücher aus Palmblättern.

Die Kunst des Papiermachens weitete sich nach Zentral-Asien, Indien und Persien

aus.

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Von Asien nach Westen - Arabisch-maurisches Papier

An die erste Epoche der Papierherstellung innerhalb des chinesischen Kulturkreises

schließt sich als zweite die arabisch-maurische Epoche der Erzeugung von Papier

an.

Während mehrerer Jahrhunderte konnten die Chinesen das Geheimnis des Papiermachens

hüten. In der Mitte des 8.Jahrhunderts führten sie Krieg mit den Arabern

und wurden im Gebiet von Turkestan entscheidend geschlagen. Beim Angriff auf die

Stadt Samarkand 751 n.Chr. befanden sich unter den chinesischen Kriegsgefangenen

auch einige Papiermacher, welche ihre Kunst den Siegern preisgeben mussten.

Von Samarkand aus verbreitete sich das Papiermachen rasch in der islamischen

Welt. Große Papiermanufakturen wurden eingerichtet. Schon im Jahre 794 n.Chr

wurde in Baghdad Papier hergestellt. Damaskus wurde für Jahrhunderte der Hauptlieferant

für Papier nach Byzanz und in andere Teile Europas, wohin der Export etwa

im 10./11.Jahrhundert begann. Über Kairo verbreitete sich die Papierherstellung bis

Marokko (ca.1110). Schließlich brachten die Mauren die Papiererzeugung nach Spanien.

Viele der in China üblichen Materialien waren für die Papiermacher im Mittleren Osten

nicht verfügbar, so wurden Flachs und textile Abfälle (Lumpen, Handern) zu den

überwiegend

verwendeten Faserstoffen. Die Errichtung von Stampfwerken anstelle der in China

gebräuchlichen Mörser zur Fasertrennung ermöglichten die Produktion in größerem

Ausmaß. Weiters verbesserten die Araber die Technik des Papiermachens, indem

sie, um eine bessere Beschreibbarkeit zu gewährleisten, die Papierbogen beidseitig

mit pflanzlicher Stärke versahen.

Es bleibt das unbestrittene Verdienst der Araber, die Kunst der Papierherstellung in

ihrem weiten Reich bis nach Spanien ausgebreitet zu haben. Unverkennbar war es

der Besitz des Papiers, der im islamischen Reich die Schreibkultur, das Schulwesen,

die Gelehrsamkeit und die Literatur zu mächtiger Entfaltung gebracht hat. Dies zu

einer Zeit, als sich das Abendland noch des teuren Pergaments als alleinigem Beschreibstoff

bediente. Der Besitz des Papiers ließ im islamischen Reich das Schreib-

und Buchwesen aufblühen und Bibliotheken größten Ausmaßes entstehen.

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Die Papiermühle - Rohstoffe und Faseraufbereitung

Die einzigen Rohstoffe, die in den europäischen Papiermühlen vorerst verwendet

wurden, waren Baumwoll-, Leinen-, Hanf- und Flachslumpen (Hadern), welche von

Lumpensammlern angeliefert wurden. Die Aufbereitung der Lumpen erforderte großen

Aufwand. Die gesponnenen und zu Tuch gewebten Fäden mussten aufgelöst

werden. Zunächst wurden die Lumpen nach Faserart, Farbe und Qualität sortiert, die

Nähte aufgetrennt, Schnallen und Knöpfe entfernt. Anschließend zerkleinerte man

die Lumpen mit einem Sensenmesser. Diese Arbeiten wurden in erster Linie von

Frauen erledigt. Nach einem Mazerationsprozess (Faulung) wurden die Lumpen nun

zerfasert. Diese Zerfaserung führte man jahrhundertelang im Stampfgeschirr

(Stampfwerk) durch. Die Papiermühlen lagen immer an Wasserläufen, denn mächtige

Wasserräder dienten zum Antreiben des Hadernstampfwerkes. Das Stampfwerk

bestand aus einer Reihe von mehreren Trögen - anfangs aus Holz, ab dem

17.Jahrhundert auch aus Stein - gefüllt mit Wasser und Hadern, in die in gleichmäßigem

Rhythmus die von einer langen Nockenwelle angetriebenen Stampfhämmer

niederschlugen. Erst nach etwa 48 Stunden war der Stoffbrei bereit für die Weiterverarbeitung.

Um 1670 machten holländische Papiermacher eine wichtige Erfindung: den nach

ihnen benannten Holländer, ein Mahlgerät, das nicht nur schneller arbeitete, sondern

auch mengenmäßig mehr leistete. Der Faserbrei zirkuliert durch eine ovale

Wanne in deren Mitte sich eine angetriebene Walze mit quer stehenden Messern

befindet - ähnlich dem Schaufelrad eines Raddampfers. Durch die Bewegung der

Walze wird der Papierbrei gegen eine am Boden der Wanne angebrachte Platte gedrückt

und die Fasern dabei durch die Messer zerquetscht und zermahlen. Bis vor

kurzem wurden Holländer - allerdings in technisch vervollkommneter und weiterentwickelter

Art - in Fein- und Spezialpapierfabriken noch immer verwendet. Heute sind

diese diskontinuierlich mahlenden Holländer durch moderne, kontinuierlich arbeitende

Mahlmaschinen verdrängt.

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Der Schritt zur Industrie

Bis Ende des 18.Jahrhunderts wurde das gesamte Papier von Hand hergestellt. Die

Qualität dieser Papiere war sehr hoch, aber die Produktivität der Papiermühlen zu

gering um die ständig steigende Nachfrage befriedigen zu können. Einen grundlegenden

Wandel brachte die Erfindung des Franzosen Nicholas-Louis Robert, der

die erste Langsieb-Papiermaschine baute und damit die Epoche der maschinellen

Papierfabrikation einleitete. Die einstige handwerkliche Tradition wandelte sich im

Laufe weniger Jahrzehnte zu einer modernen Industrie.

Nach seinem Ausscheiden aus der französischen Armee arbeitete Nicholas-Louis

Robert (1761 - 1828) für den Drucker Pierre-Francois Didot und wurde bald Buchhalter

in der Papiermühle von dessen Sohn Saint Léger Didot in Essones bei Paris.

Dort hatte er die Idee eine Maschine zu konstruieren, welche das Schöpfen von einzelnen

Blättern ersetzen und die Herstellung einer zusammenhängenden Papierbahn

möglich machen sollte. 1798 war der Prototyp einer derartigen Maschine fertig gestellt.

Für diese Erfindung erhielt er am 18.Jänner 1799 das Patent. Wenn auch diese

Maschine noch nicht vollkommen war, so bedeutete sie dennoch den ersten Schritt

zur Mechanisierung der Papierherstellung.

Die Maschine bestand in der Hauptsache aus zwei in gleicher Richtung drehbaren

Walzen, um die ein endloses Sieb lief. Diese Vorrichtung war über einer ovalen Bütte

angebracht. Wurden die Walzen mit einer Handkurbel gedreht, so bewegte sich das

Sieb in seiner Längsrichtung, und mittels eines mit Kupferlamellen bestückten Zylinders

wurde fortwährend Stoffsuspension aus der Bütte auf das Sieb gebracht. Die

feuchte Papierbahn wurde auf einer Walze aufgewickelt und periodisch abgenommen.

Robert erreichte eine Tageserzeugung von ca. 100 kg bei einer Siebbreite von

64 cm und 5 m/min Arbeitsgeschwindigkeit. Mit dieser Maschine war es nun erstmals

möglich eine beliebig lange Papierbahn zu erzeugen und damit Papier schneller und

kostengünstiger zu produzieren. Ein Modell der Robert'schen Maschine, der Urform

unserer heutigen Papiermaschinen, befindet sich im Science Museum London, funktionstüchtige

originalgetreue Nachbauten im Deutschen Technikmuseum Berlin und

im Österreichischen Papiermachermuseum Laakirchen-Steyrermühl.

Die politischen Verhältnisse und finanzielle Schwierigkeiten verhinderten die Weiterentwicklung

in Frankreich. Ein Schwager Didot´s, der Engländer John Gamble, erhielt

im April 1801 das englische Patent für eine verbesserte Version der Robert'schen

Maschine. Von dieser weiterentwickelten Maschine erlangten die Brüder Henry and

Sealy Fourdrinier (Londoner Papiergroßhändler) Kenntnis. Diese engagierten den

Ingenieur Bryan Donkin von der Firma Donkin and Hall in Dartford.

Dank der Gemeinschaftsleistung eines Teams, in dem die Brüder Fourdrinier als

Geldgeber, Gamble als Spezialist für den Patentschutz und Donkin als der überragende

Konstrukteur fungierten, konnte 1804 in Frogmore (Hertfordshire) eine wesentlich

verbesserte Papiermaschine in Betrieb genommen werden. 1819 gelang

Donkin der Bau des ersten Trockenzylinders.

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Mit der Fourdrinier-Maschine wird Papier erzeugt, indem Faserbrei auf ein endloses,

sich ständig bewegendes Drahtsieb gegeben wird. Der größte Teil des Wassers

läuft sofort ab. Das gebildete Faservlies wird auf ein Filztuch übertragen und zwischen

mehreren Walzen hindurchgeführt, die weiteres Wasser herauspressen. Dann

passiert das Papier erhitzte Trockenzylinder. Kalanderwalzen glätten das Papier, bevor

es schließlich zu Rollen aufgewickelt wird. Die Fourdrinier-Maschine hatte bereits

alle wesentlichen Elemente unserer modernen Papiermaschinen: Stoffauflauf, Sieb-,

Pressenund Trockenpartie, Glättwerk, Aufrollung. Somit konnten alle bisherigen Tätigkeiten

wie Schöpfen, Abgautschen, Pressen, Trocknen und Glätten in einem kontinuierlichen

Arbeitsvorgang ausgeführt werden. Um 1827 produzierte eine derartige

Maschine mit nur drei Männern und zwei Jugendlichen bereits eine Papiermenge, für

deren Herstellung nach altem Verfahren 50 bis 60 Personen erforderlich waren.

Robert konnte die Früchte seiner Erfindung nicht ernten. Bryan Donkin war der Einzige

der finanziellen Erfolg mit seiner Arbeit erlangen konnte. Bis 1851 hatte er insgesamt

191 Papiermaschinen konstruiert: 83 für britische Mühlen, 105 in weiteren europäischen

Ländern, eine für Indien und zwei für die Vereinigten Staaten. Die erste

aus England importierte Fourdrinier-Maschine in den Vereinigten Staaten wurde

1827 in Saugerties, New York, errrichtet.

Diese erste deutsche Papiermaschine wurde vom Heilbronner Mechaniker Johann

Jakob Widmann konstruiert und in der Fabrik von Gustav Schaeuffelen aufgestellt,

wo sie 1830 den Betrieb aufnahm. Eine zweite Maschine baute Widmann danach

unter Mithilfe des Heidenheimer Schlossermeisters Johann Matthäus Voith für die

Papiermühle Rau und Voelter, Heidenheim.

Ab etwa 1825 entwickelte sich in Europa und in den Vereinigten Staaten die Industrialisierung

der Papierproduktion in rasantem Tempo. 1850 gab es zum Beispiel in

England 300 Papiermaschinen und 250 in Frankreich. Bis zur Mitte des

19.Jahrhundertst sind alle Produktionsschritte von der Aufbereitung der Lumpen bis

zur Verpackung des fertigen Papiers mechanisiert worden.

Eine weitere umwälzende Erfindung für die Papierherstellung wurde im Jahre 1806

gemacht. Der deutsche Papiermacher Moritz Friedrich Illig erfand die Leimung des

Papierstoffes in der Masse (Masseleimung) mittels Harz und Alaun als Ersatz für die

Oberflächenleimung mit tierischem Leim. Diese Erfindung war von großer Bedeutung

für die Entwicklung beschreibbarer Papiere bei der maschinellen Papierfabrikation.

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Zeittafel - Zusammenfassung:

Im mittelalterlichen Venedig gab es keine Bäume.

Deshalb benutzte man Algen zum P apiermachen.

Im Wilden Westen nahm man alte Jeans.

In Schweden machte man Papier aus dem, was der Elch nicht mehr brauchte.

Und die alten Ägypter nahmen eine Schilfart namens Papyrus.

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Egal wo: Immer wurde Papier aus Pflanzenfasern gemacht.

Die wurden gekocht, zermahlen und zu einem Brei verrührt.

Dann kam der Papiermacher mit einem Sieb und ...

... tauchte es in die Pampe ein. Er "schöpfte" Papier.

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Die Fasern, die auf dem Sieb liegen blieben, wurden getrocknet und geglättet - fertig

war das Blatt Papier!

Die Chinesen verwendeten Papier für Fenster und Kleidung und sie schrieben auch

darauf.

Das Papier gelangte von China nach Japan.

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Araber nahmen chinesische Papiermacher gefangen, erlernten ihre Kunst...

... verfeinerten die Papierpampe noch mit Stoffresten und...

... stellten dann besonders reißfestes Papier her.

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Wir haben's später übernommen - für Geldscheine und Ausweise.

Die Araber hatten noch eine gute Idee - Papier, auf dem die Tinte nicht verlief.

Dafür mischten Sie Knochenleim und Stärke zum Papierbrei. Haben wir auch von

ihnen gelernt.

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In Deutschland arbeiteten die Papiermacher mit Wasserkraft.

In Papiermühlen. Und es gab damals schon Werbung - mit Wasserzeichen in Papierbögen.

Diese Wasserzeichen gibt es immer noch - auf Geldscheinen.

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Herstellung

Papier (von französ.: papier, aus griech.: πάπυρος, pápyros,

„Papyrusstaude“) ist ein Material, das vorwiegend zum Beschreiben

und Bedrucken verwendet wird und größtenteils aus pflanzlichen

Fasern besteht. Weitere wichtige Einsatzgebiete sind Verpackungen

(Pappe, Karton), Hygienepapiere (Toilettenpapier) und Spezialpapiere

( Beispiel Tapete). Heute wird Papier in der Regel aus Zellstoff

oder Holzstoff (Holzschliff) hergestellt. Wiederverwertetes Papier in

Form von Altpapier stellt mittlerweile die wichtigste Rohstoffquelle in

Europa dar.

Normalerweise wird Papier als dünnes Substrat verwendet; es kann

aber auch zu massiven Objekten, wie Pappmaché, geformt werden.

In Japan und China wird Papier in der Inneneinrichtung vielfältiger

verwendet, wie beispielsweise die japanischen Shoji, mit durchscheinendem

Washi-Papier bespannte Raumteiler.

Ein genormtes Blatt Papier

Rohstoffe

Die für das Papier notwendigen Ausgangsstoffe kann man in vier Gruppen einteilen:

Die Zellulose (Halbstoffe), die Leimung, die Füllstoffe und die Farbstoffe (Hilfsstoffe).

Die Zellulose ist ein Polysaccharid der Kohlenhydrate mit der angenäherten chemischen

Formel (C6H10O5)n und die häufigste organische Verbindung der Welt, aus der

fast alle Zellwände von Pflanzen und Hölzern bestehen.

Zellulose kann aus Holz, in geringem Umfange Stroh, Hadern und heute etwa zur

Hälfte Altpapier gewonnen werden. Zellulose besteht aus sehr vielen, kettenförmig

miteinander verknüpften Glukoseresten. Die einzelnen Zellulosemoleküle sind also

kettenförmige Makromoleküle, deren kleinste Glieder Glukoseeinheiten sind. Das

Glukosemolekül (C6H12O6), das Monomer der Zellulose, bildet mit einem weiteren

Glukosemolekül durch Lösung eines Wassermoleküls eine Zellobiose. Das Aneinan-

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derreihen solcher Zellobiosen zu einer Kette bildet ein Zellstoffmolekül (es entsteht

ein Polymer).

Die Kettenmoleküle bilden miteinander Mizellen, das sind Molekülbündel, aus denen

sich die Fibrillen aufbauen. Erst eine größere Anzahl Fibrillen bilden die sichtbare

Zellulosefaser. Die Molekülbündel bestehen aus kristallinen Bereichen (regelmäßige

Molekül-Führung) und amorphen Bereichen (unregelmäßige Molekülführung). Die

kristallinen Bereiche sind für die Festigkeit und Steifheit, die amorphen Bereiche für

die Flexibilität und Elastizität des Papiers verantwortlich. Die Länge der Kette, d. h.

die Anzahl der Monomere, variiert je nach Papierrohstoff und ist für die Qualität und

Alterungsbeständigkeit von großer Bedeutung.

Das Fasermaterial zur Papierherstellung nennt der Papiermacher Halbstoff.

Zu 95 % wird Papier heute aus Holz (Holzstoff) hergestellt. Faserbildung und Härte

des Holzes spielen bei der Auswahl als Papierrohstoff eine Rolle, nicht jedes Holz ist

geeignet. Als besonders geeignet gelten Nadelhölzer wie Fichte, Tanne, Kiefer und

Lärche und Laubhölzer wie Buche, Pappel, Birke und Eukalyptus.

Die Verfügbarkeit und die regionalen Gegebenheiten bestimmen, welche Holzart als

Primärrohstoff eingesetzt wird. Schnellwüchsige Hölzer, wie z. B. Pappeln kommen

dem großen Bedarf entgegen. Zellstoffe aus Laubhölzern haben kürzere und dünnere

Fasern als jene aus Nadelhölzern. Entsprechend den späteren Anforderungen an

das Papier werden unterschiedliche Mischungen von diesen Kurzfaser- und Langfaserzellstoffen

eingesetzt. Während für die Herstellung von graphischen Papieren hohe

Anteile von Laubholz verwendet werden, um eine möglichst gleichmäßige Formation

zu erreichen, wird für Zeitungsdruckpapiere überwiegend Holzstoff aus

Nadelholz verwendet, da dieses eine höhere Reißfestigkeit besitzt. Alle zellulosehaltigen

Stoffe sind grundsätzlich zur Papierherstellung geeignet. Zunehmend ist die

Bedeutung von Altpapier als Rohstoff. Stroh und Papierabfälle werden in geringen

Mengen für weniger wertvolle Papiersorten eingesetzt. Der früher wichtigste Rohstoff,

die Hadern (Lumpen), finden heute nur noch in verschwindend geringen Mengen

Verwendung.

Einen Anteil von etwa 65 % hat der Sekundärrohstoff Altpapier an den eingesetzten

Rohstoffen für Papier, Pappe und Kartonagen. Da Altpapier bereits einmal zu Papier

verarbeitet wurde, enthält es viele Zusatzstoffe und wurde bereits gemahlen. Die Fasern

werden durch die erneute Verarbeitung zu Papier weiter geschädigt, der Anteil

der Zusatzstoffe im Verhältnis zu den Faserstoffen nimmt weiter zu.

Aufbereitung von Halbstoff

Mechanische Aufbereitung

1. Weißer Holzstoff entsteht aus geschliffenen Holzstämmen. Dazu werden geschälte

Holzabschnitte mit viel Wasser in Pressenschleifern oder Stetigschleifern

zerrieben. Im gleichen Betrieb wird die stark verdünnte Fasermasse zu

Papier verarbeitet oder zum Versand in Pappenform gebracht. Dies geschieht

mit Entwässerungsmaschinen.

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2. Brauner Holzstoff entsteht, wenn Stammabschnitte in großen Kesseln erst gedämpft

und dann geschliffen werden.

3. Thermomechanischer Holzstoff entsteht aus gehäckselten Holzabfällen und

Hackschnitzeln aus Sägereien. Diese werden im TMP-Verfahren

(Thermomechanisches-Refiner-Verfahren) bei 130 °C g edämpft. Die Lignin-

Verbindungen zwischen den Fasern lockern sich dadurch. Anschließend

werden die Holzstücke in Refinern (Druckmahlmaschinen mit geriffelten

Mahlscheiben) und Zusatz von Wasser gemahlen.

Chemische Aufbereitung

Holzschnitzel werden in einem Kochprozess chemisch behandelt. Die Fasern werden

durch zwölf- bis fünfzehnstündiges Kochen von den Inkrusten, den unerwünschten

Holzbestandteilen, Begleitstoffen von Zellulose getrennt. Chemisch betrachtet besteht

Holz aus:

• 40 % bis 50 % Zellulose

• 10 % bis 55 % Hemizellulose

• 20 % bis 30 % Lignin

• 6 % bis 12 % sonstigen organischen Stoffen

• 0,3 % bis 0,8 % anorganischen Stoffen

Der Faserstoff muss gebleicht werden, damit daraus weißes Papier entstehen kann.

Traditionell wird der Zellstoff mit Chlor gebleicht. Das führt jedoch zu einer hohen

Belastung der Abwässer mit organischen Chlorverbindungen (AOX). Modernere Verfahren

ersetzten Chlor durch Chlordioxid und man erhält ECF-Zellstoffe (elemental

chlorine free). Chlorarme Druckpapier sind in hochweißer Qualität schon ab einer

Flächenmasse von 51 g/m² herstellbar, chlorfreie erst ab 80 g/m².

Organocell-Verfahren

Das Organocell-Verfahren dient der schwefelfreien und damit umweltfreundlicheren

Zellstoffproduktion. In mehreren Kochstufen werden die Holzschnitzel in einem

Methanol-Wasser-Gemisch unter Zusatz von Natronlauge bei Temperaturen von bis

zu 190 °C unter Druck aufgeschlossen. Dabei lösen s ich Lignin und Hemizellulose.

Es folgen verschiedene Waschstufen, in denen der Zellstoff von der Kochflüssigkeit

befreit wird sowie Bleichen und Entwässern.

Der Zellstoff wird in drei Stufen gebleicht:

1. im alkalischen Milieu mit Sauerstoff unter Verwendung von Wasserstoffperoxid

2. mit Wasserstoffperoxid oder Chlordioxid

3. mit Wasserstoffperoxid

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De-inking (Entfärbung) von Altpapier

Druckfarben werden mit Hilfe von Chemikalien (Seifen und Natriumsilicat) von den

Fasern des Altpapiers gelöst. Durch Einblasen von Luft bildet sich an der Oberfläche

des Faserbreis Schaum in welchem sich die Farbbestandteile sammeln und abgeschöpft

werden können. Dieses Trennverfahren nennt man Flotation.

Aufbereitung zum Ganzstoff

Der Halbstoff wird durch Mahlung und Mischung zum Ganzstoff verarbeitet. Die

Halbstoffe werden in Refinern (Kegelstoffmühle) weiter zerfasert. Als dicker Brei fließt

das Halbfertigprodukt im Refiner zwischen einer Messerwalze und seitlich befestigten

Grundmessern hindurch. Die Faser werden dabei zerschnitten (rösche Mahlung) oder

zerquetscht (schmierige Mahlung), je nach Einstellung der Messer. Die Enden

der gequetschten Fasern sind fibrilliert (ausgefranst), was bei der Blattbildung zu einer

besseren Verbindung der Fasern führt.

• Weiche, voluminöse, saugfähige und samtige Papiersorten entstehen aus

rösch gemahlenen Fasern, z. B. Löschpapier.

• Schmierig gemahlene Fasern führen zu festen harten Papieren mit geringer

Saugfähigkeit und wolkiger oder gleichmäßiger Transparenz z. B. transparentes

Zeichenpapier aber auch Urkunden- Banknoten- und

Schreibmaschinenpapier.

Außerdem können die Fasern bei der Mahlung lang oder kurz gehalten werden, wobei

die langen Fasern stärker verfilzen als die kurzen. Es ergeben sich daraus vier

verschiedene Möglichkeiten der Mahlung. Faserlänge und Mahlart bestimmen Faser-

und Papierqualität. Übliche Kombinationen sind rösch/lang und schmierig/kurz.

Die Messer des Refiners liegen bei der Kurzfasermahlung sehr eng aneinander, Zwischenraum

ist fast keiner mehr vorhanden. Das Mischen der verschiedenen Halbstoffe

sowie die Zugabe von Füll-, Leim- und Farbstoffen gehört zur Herstellung des

Ganzstoffes.

Schematische Darstellung einer Langsiebpapiermaschine

Auf der Papiermaschine wird die Papierbahn gebildet. Folgende Maschinenstationen

sind hintereinander geschaltet:

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• Stoffauflauf

• Siebpartie

• Nasspressenpartie

• Trockenpartie

• Aufrollung

Blattbildung

Die Blattbildung findet bei der industriellen

Papierproduktion auf der Papiermaschine

statt. Der Papierbrei, welcher zu 99 % aus

Wasser besteht, fließt nach mehrfacher

Reinigung aus der Vorratsbütte auf die

Siebpartie der Langsiebpapiermaschine.

Auf dem endlosen Sieb, welches den

Papierbrei transportiert, läuft ein sehr

großer Teil des Wassers ab und die

Papierstruktur entsteht. Soll das Papier

ein Wasserzeichen enthalten, ist dieses in

das Sieb eingearbeitet. Maschinell

gefertigtes Papier hat zwei verschiedene

Seiten: Die Siebseite und die glatte Filz-

oder Schönseite. Bei Papieren aus

maschineller Produktion verlaufen fast

alle Fasern in eine Richtung (vgl.

Laufrichtung). In der Trockenpartie findet

die endgültige Entwässerung statt. Hier

läuft die Papierbahn durch eine Anzahl dampfbeheizter Trockenzylinder und wird anschließend

geglättet und aufgerollt. Der Papierbrei enthält außerdem:

Füllstoffe

Neben den Faserstoffen werden bis zu 30 % Füllstoffe dem Ganzstoff hinzugefügt.

Diese können sein:

• Kaolin (im engl. China Clay) (Porzellanerde)

• Stärke

• Blanc fixe

• Titanweiß (Titandioxid)

• Kreide

Durch das Ausfüllen der Zwischenräume zwischen den Fasern machen die

Füllstoffe das Papier weicher und geschmeidiger und geben ihm eine glatte

Oberfläche.

Die Zusammensetzung der Füllstoffe bestimmt Transparenz und Opazität eines

Papiers sowie die Farbaufnahme beim Druck. Für die Tintenfestigkeit dagegen

ist Leim notwendig.

Farbstoffe

Auch weiße Papiere enthalten Farbstoffe, die in unterschiedlichen Mengen

zugesetzt werden. Auch optische Aufheller zählen zu den Farbstoffen. Es

werden vor allem Teerfarbstoffe verwendet.

Leimstoffe

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Leim macht das Papier beschreibbar, weil es weniger saugfähig und weniger

hygroskopisch bzw. hydrophob wird.

Nassfestmittel

Unbehandeltes Papier wird mechanisch sehr unbeständig, wenn es feucht oder

nass wird. Um auch im nassen Zustand eine gewisse mechanische Festigkeit

zu erhalten, werden dem Papier bei der Herstellung Nassfestmittel zugesetzt.

Küchenkrepp dürfte das bekannteste Papier dieser Klasse sein, aber

auch Kartons, Landkartenpapiere, Papier für Geldnoten enthalten große Mengen

Nassfestmittel.

Zählmaße und Formate

1877 wurden in Deutschland die Zählmaße dezimal festgelegt:

1 Heft = 10 Bogen

1 Buch (B) = 10 Heft = 100 Bogen

1 Rieß, Ries = 10 Buch = 1 000 Bogen

1 Ballen = 10 Rieß = 10 000 Bogen

1 Pack = 15 Ballen = 150 000 Bogen

Heute ist ein Ries nach DIN 6730 immer 500 Blatt Papier.

Die bekanntesten international genormten Papierformate sind

diejenigen der A-Reihe; in einigen Ländern wie den Vereinigten

Staaten und Kanada werden andere Formate verwendet.

Papiergrößen

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Papiermarkt

Weltweit werden jährlich über 300 Millionen Tonnen

Papier verwendet. Der Papierverbrauch pro

Kopf lag im Jahr 2000 in den USA bei über 300

kg, in Westeuropa bei 200 kg und weltweit bei etwa

50 kg. In Deutschland gingen davon jeweils 30

% in Schreibpapiere und Verpackungen, 15 % in

Zeitungspapiere und 25 % in Hygiene-Papiere,

Pappen, Technische und Spezialpapiere.

Die Papierindustrie unterscheidet folgende fünf

Großgruppen von Papiersorten:

• Druck- und Presspapiere,

• Papier, Karton und Pappe für Verpackungen,

• Papiere für Büro und Verwaltung,

• Hygienepapiere,

• Papiere und Pappe für spezielle technische Verwendungszwecke.

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Verwendung

Beschriftung

Beim Beschriften wird ein Farbstoff

(z. B. Tinte, Toner und Druckfarbe)

mit einem Gerät auf Papier

aufgetragen. Dies kann von Hand

mit einer Schreibmaschine, einem

Füllfederhalter, einem Bleistift oder

einem Federkiel geschehen. Seit der

Erfindung des Buchdrucks gibt es

Maschinen, die einen Text

seitenweise auf Papier übertragen

können. Dies ist mit einer

Druckmaschine millionenfach und

z. B. mit einem Laserdrucker für nur

wenige Seiten möglich. Während zu

Anfangs noch der zur Verfügung

stehende Rohstoff die Eigenschaften

des Papiers bestimmte, kann heute

Papier den Anforderungen angepasst

werden. Bilderdruckpapier zum Kunstdruck, zum Zeitungsdruck ein billiges,

reißfestes Papier und als Kopierpapier holzfreies, ungestrichenes Papier.

Bildende Kunst

Pappmaché ist ein Gemisch aus Papier, Bindemittel und Kreide oder Ton, das im 18.

Jahrhundert als Ersatz für Stuck in der Innenausstattung verwendet wurde. So gab

es in Ludwigslust eine Manufaktur, in der aus alten Akten Deckenverzierungen, Büsten,

etc. und sogar Statuen, die wenige Monate im Freien aufgestellt werden konnten,

hergestellt wurden. Heute findet man Papier im Modellbau, in der japanischen

Papierfaltkunst Origami und bei Collagen und Assemblagen. Aquarellpapier für

Aquarelle hat eine Flächenmasse von bis zu 850 g/m² und Fotopapier muss speziell

beschichtet werden, um als Träger der Farbstoffe für z. B. Tintenstrahldrucker oder

die Fotos zu dienen.

Luxuspapiere

Unter Luxuspapieren versteht man veredelte, geschmückte und verzierte, oft aufwendig

bearbeitete Papiererzeugnisse von ca. 1820/60 bis 1920/30, als es eine eigene

Luxuspapierindustrie gab. Zur Veredlung wurden eine Reihe von Bearbeitungsverfahren

eingesetzt, u.a. Kolorierung (Hand- und Schablonenkolorierung), Farbendruck

(Chromolithografie), Gold- und Silberdruck, Prägen (Gaufrieren) und Stanzen,

das Aufbringen von Fremdmaterialien (Glimmer, Seide) sowie das Anbringen von

Laschen, Klappen und Mechanismen bei Spielzeugen. Unter Luxuspapiere fallen

Andachts- und Fleißbildchen, viele Ansichts- (Leporello), Gelegenheits- (Glückwunsch-,

Weihnachts- und Neujahrskarten) und Bildpostkarten (Motivkarten), verzierte

Briefbogen, Etiketten, allerlei Papierspielzeug (Papiertheater), Reklamemarken

und Sammelbilder und vieles mehr. Heute sind solche Luxuspapiere Sammelobjekte.

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Technische und Spezialpapiere

Pappe hat eine Flächenmasse von mindestens 600 g/m² und 1,5 mm Dicke. Dünneres

Material, ab 130 g/m², heißt Karton und wird vorwiegend als Kartonage verwendet.

Mit einer Kunststoffbeschichtung und eventuell einer Aluminiumfolie als Zwischenlage

kann sie als Getränkekarton sogar Flüssigkeiten verpacken. Die am meisten

verbreitete Pappe ist die Wellpappe, die in den vielfältigsten Sorten vorkommt.

Pappe und Kartons werden vorwiegend aus Recyclingpapier produziert, da es hierbei

nicht so sehr auf die Farbe des Materials ankommt.

Umweltaspekte

Bei der Papierproduktion ist vor allem der Verbrauch an Holz, Wasser und Energie

problematisch. 10 % bis 15 % des weltweit eingeschlagenen Holzes werden zu Papier

verarbeitet. Vornehmlich wird allerdings so genanntes „Durchforstungsholz“,

Sturmholz, oder Sägerestholz verwendet. Problematisch ist dies vor allem dann,

wenn dafür Urwälder abgeholzt werden, wie es z. B. in Kanada und im russischen

Karelien geschieht. Das Holz wird meist durch Kahlschläge gewonnen. Dabei wird

die Lebensgemeinschaft Wald zerstört, denn Tiere, Flechten und Moose können ohne

schützende Bäume nicht überleben. In den großen Papier produzierenden Industrieländern

steht der Begriff der nachhaltigen Forstwirtschaft (1 Baum fällen, 2 werden

nachgepflanzt) mittlerweile an erster Stelle.

Kahlschläge werden meist mit Wirtschaftswäldern bepflanzt, die in der Regel aus art-

und altersgleichen Bäumen bestehen und nur wenige Tier- und Pflanzenarten beheimaten.

Der große Flächenbedarf für solche Forste beschleunigt das Abholzen der

Primärwälder oder anderer ursprünglicher Vegetation. Zellstofffabriken in Brasilien

und Indonesien etwa legen ihre Eukalyptus- und Akazienplantagen häufig auf ehemaligen

Regenwaldflächen an.

Der hohe Wasserverbrauch stellte die Papierindustrie bereits vor 1900 vor Probleme.

Deshalb setzten früh Bemühungen ein, den Verbrauch zu reduzieren, vor allem

durch die mehrfache Nutzung des Wassers. In den Papiermühlen benötigte man -

ohne jeden Wasserkreislauf - rund 1.200 Liter pro Kilogramm Papier, um 1900 waren

es 600 bis 800 Liter, heute ist es zumindest technisch möglich, mit knapp 2 Litern

auszukommen. Realistisch sind Werte um 10 Liter pro kg Papier. 100%ige Kreislaufschliessungen

sind bisher an der Anreicherung von Calciumsalzen gescheitert, die

zu Ablagerungen und Verstopfungen von Maschinenteilen führen.

In enger Verbindung mit dem Wasserbrauch steht die Frage der Abwässer. Mit der

Industrialisierung erreichten die Probleme ganz neue Dimensionen. Durch Chlorbleiche

und Zellstofferzeugung fielen bisher unbekannte Schadstoffe an, und die Menge

der Abwässer stieg gewaltig. Nach bundesdeutschen Vorschriften dürfen Abwässer

aus Zellstofffabriken eine Belastung bis 70 Kilogramm CSB pro Tonne Zellstoff aufweisen

(CSB: chemischer Sauerstoffbedarf, das heißt Menge an Sauerstoff, die zur

Oxidation der organischen Verschmutzungen erforderlich ist), bei der Papierherstellung

sind 2 bis 12 Kilogramm CSB pro Tonne üblich. Zum Vergleich: Seit 1997 gelten

für Abwässer aus kommunalen Kläranlagen als Grenzwerte 0,075 bis 0,15 Kilogramm

CSB pro Tonne, je nach Verschmutzung der ungeklärten Abwässer. Aus die-

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sem Grund besitzen die meisten Papierfabriken eigene 3-stufige (mechanisch, biologisch,

chemisch) Kläranlagen, die das eingesetzte Wasser reinigen und anschließend

in den Vorfluter einleiten.

Der Energieverbrauch liegt pro Kilogramm Papier bei etwa 8 kWh Energie.

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5. Die heimische Papier-

Standort

10 M-real Hallein AG

A-5400 Hallein, Salzachtalstraße 88

Tel. 06245/890-0, Fax 06245/890-224

www.m-real.com

19

Austropapier – Vereinigung der

Österreichischen Papierindustrie

A-1061 Wien, Gumpendorferstraße 6

Tel. 01/588 86-0, Fax 01/588 86-222

www.austropapier.at

industrie

M-real

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Probier Papier - und entdecke die vielen Seiten von Papier

im Österreichischen Papiermachermuseum

Kannst du dir ein Leben ohne Papier vorstellen? Nicht wirklich, oder? Aber weißt du

eigentlich, seit wann es Papier gibt und woraus es gemacht wird?

Das alles und noch viel mehr erfährt man im Öst. Papiermachermuseum in Steyrermühl.

Behandelt wird u.a.

o die Geschichte des Papiers

o woraus entsteht Papier – Papier wächst! Die wichtigsten pflanzlichen

Rohstoffe zur Papierherstellung. Wie aus Holz ein Blatt Papier wird

o die erste Papiermaschine der Welt

o sorgfältiger Umgang mit Papier, die Bedeutung des Altpapiers etc.

o kurzer Rundgang durch die Maschinenhallen des Museums

o Kreativwerkstatt Papier: die Kinder werden selber zum Papiermacher

und können das Papierschöpfen ausprobieren. Durch Beimengen von

Materialien wir Blüten, Fäden, Farbe etc. entstehen sehr individuelle

Blätter. Je nach Wunsch können auch Billets, Kuverts, Bilderrahmen

usw. angefertigt werden.

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Das Museum

Das Österreichische Papiermacher-Museum Laakirchen-Steyrermühl

mit seinem angeschlossenen Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum

ist seit 1. Juni 1997 geöffnet und im Tourismusangebot Salzkammergut

eines der beliebtesten Ausflugsziele für Schulen und Reisegruppen geworden.

Es ist sicherlich einzigartig in Österreich und wurde in stillgelegten Werkshallen der Papierfabrik

Steyrermühl, wo rund 110 Jahre Papier und Zellulose produziert wurde, eingerichtet.

Gezeigt werden die ältesten Beschreibzeuge, die Geschichte des Papiers und des Papierschöpfens,

wie das Pergament von Papier abgelöst und die Buchdruckkunst eingeführt wurde.

Eine besondere Attraktion des Museums ist der funktionstüchtige originalgetreue Nachbau der

Robert'schen Papiermaschine von 1799 - der ersten Papiermaschine der Welt.

Druckereimuseum

Wenn man Drucken will, so braucht man zuerst einmal eine Schrift.

Wir zeigen anhand zahlreicher Bilder und Schriftproben wie die auf

der ganzen Welt derzeit am meisten gebrauchte Schrift, die "Lateinische

Schrift" entwickelt wurde.

Druckmaschinen, angefangen von der Presse Gutenbergs bis zum

modernen Fotosatz können besichtigt werden.

Die Sonderausstellung "Lateinische Schrift" beginnt mit fantastischen

Bildern von Felszeichnungen und Höhlenmalereien aus der

letzten Eiszeit und leitet über zu den Wurzeln der Lateinischen

Schrift.

Es wird u.a. erklärt, wie man ägyptische Hieroglyphen liest.

Über die Sumerer, Ägypter, Minoer, Phönizier, Griechen, Etrusker

und Römer gelangt man zu Johannes Gutenberg.

Ein Letterngießgerät wie es Gutenberg erfand steht zur Verfügung.

Mit Kniehebelpressen kann man selbst drucken.

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Handschöpferei

In der Handschöpferei, die in den fünfziger Jahren von Mitarbeitern der Papierfabrik Steyrermühl

und der Papiermacherschule eingerichtet wurde, werden heute hochwertige Papiere aus

einem Gemisch von Baumwolle und Zellstoff hergestellt.

In mühevoller Handarbeit werden die Blätter einzeln aus der Bütte

geschöpft, abgegautscht, getrocknet und ausgerüstet, bevor sie in

schmucken Geschenkkartons ihren Weg zu Liebhabern solch exquisiter

Papiere in aller Welt antreten.

Besucher des Museums haben in einer eigens dafür eingerichteten

"Besucherschöpferei" die Möglichkeit ihr persönliches Büttenpapier

selbst zu schöpfen und mit nach Hause zu nehmen.

Robert'sche Papiermaschine

Die erst Papiermaschine der Welt - vom französischen Ingenieur

Nicolas-Louis Robert 1799 patentiert - wurde nach

Originalplänen und Studium der im Technischen Museum

Berlin funktionierenden Robert'schen Papiermaschine von

aktiven Vereinsmitgliedern nachgebaut. Somit können wir

den Besuchern als einziges Museum Österreichs vorführen,

wie Nicolas-Louis Robert vor 200 Jahren mit seiner

handbetriebenen Maschine Papier erzeugte. Die Maschine

ist in der Besucherschöpferei des Museums aufgestellt,

um den Besuchern die Veränderung im Herstellungsprozeß unmittelbar demonstrieren

zu können.

Die Besucher können sich von der Funktionstüchtigkeit dieser Maschine überzeugen und

hautnah Papiererzeugung wie vor 200 Jahren miterleben!

Versuchspapiermaschine

Eine besondere Attraktion bildet die betriebsfähige

Versuchspapiermaschine. Nach vorheriger Vereinbarung

kann auf dieser ca. 6 m langen Miniatur- Papiermaschine

Papier mit einer Bahnbreite von 22cm

erzeugt werden.

Die Besucher haben die Möglichkeit, hautnah die

Entstehung des Papiers, ausgehend vom Stoff (Faserbrei)

in der Maschinenbütte, über die Entwässerung

in der Sieb- und Pressenpartie, weiters die

Trocknung mittels beheizten Zylindern, bis hin zur Aufrollung des fertigen Papiers mitzuerleben.

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Der Wasser-Faser Mix wird ordentlich durchgerühren und das Gemisch in das Sieb

geschöpfen.

Das Wasser durch das Sieb abrinnen lassen, ...

… und noch einmal abtropfen lassen.

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Die getrockneten und gepressten Blütenblätter auflegen. Den Rahmen abnehmen

und das noch feuchte Papier "gautschen".

Nun wird noch das restliche Wasser aus dem Papier gepresst und die Blätter zum

Trocknen aufgehängt oder in einer eigenen Maschine getrocknet.

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Ihr braucht:

• 3 große Bögen von einer Tageszeitung

• Kanthölzer (4X 25 cm lang, 4X 16 cm lang)

• 1 großer Kochtopf (ruhig einen alten, ausrangierten)

• 1 Plastikwanne

• 2 Küchenhandtücher

• Pürierstab

• Nudelholz

• Bügeleisen

• Etwas Dispersionsfarbe

• Einzelne, kleine Blütenblätter

Wenn ihr mal einen ganz besonderen Brief schreiben wollt, dann braucht ihr ein ganz

besonderes Papier: Selbst gemachtes Papier... beziehungsweise selbst geschöpftes

Papier.

So geht’s:

1. Zuerst reißt ihr drei Bögen einer Tageszeitung in möglichst kleine Stücke und gebt

sie vorsichtig in einen Topf mit kochendem Wasser. Die Kleineren von euch lassen

sich hier von einem Erwachsenen helfen.

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2. Das Papier soll gut mit Wasser bedeckt sein. Das Ganze muss jetzt zwei Stunden

lang kochen. Immer wieder mal umrühren, bis der Papierbrei zu einer Pampe verkocht

ist.

3. In der Zwischenzeit könnt ihr ja schon mal den Schöpfrahmen bauen. Dazu

braucht ihr zwei Rechtecke. Zuerst je 2 X 25 cm lange und 2 X 16 cm lange Kanthölzer

zu einem Rechteck zusammensetzen. Dann tackert ihr die Ecken zusammen...

4. Eines der beiden Rechtecke bespannt ihr mit Fliegengitter. Das befestigt ihr auch

mit dem Tacker. Das überstehende Fliegengitter abschneiden.

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5. Zum Schöpfen werden beide Rahmen übereinander gelegt. Den Rahmen mit dem

Fliegengitter so hinlegen, dass das Fliegengitter nach oben zeigt. Der andere Rahmen

kommt dann darauf. Er ist nur zum Schutz da, damit euch der Brei später nicht

runter läuft. Schon ist der Schöpf-Rahmen fertig!

6. Den fertigen Papierbrei müsst ihr mit dem Pürierstab nochmals zerkleinern.

7. Dann die Pampe in eine Plastikwanne schütten. Jetzt den Brei so lange mit Wasser

verdünnen bis er schön flüssig ist - so wie Buttermilch.

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8. Das Papier soll auch schön aussehen. Dafür etwas Dispersionsfarbe, kleine Blütenblättchen,

wenn ihr mögt auch Glimmer oder einzelne Grashalme in den Papierbrei

geben und vorsichtig unterheben.

9. Dann nehmt ihr den Schöpfrahmen und zieht ihn wie beim Goldsuchen unter den

Papierbrei. Waagerecht halten, hochnehmen und 20 Minuten gut abtropfen lassen.

10. Jetzt die Masse vom Fliegengitter vorsichtig auf ein Küchenhandtuch stürzen.

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11. Das zweite Handtuch oben drauf legen und mit dem Nudelholz vorsichtig das

restliche Wasser herausdrücken. Nicht zu fest drücken – sonst zerreißt euch das Papier.

12. Mit dem Küchenhandtuch kommt unser Papier dann zum Trocknen auf die Leine.

13. Wenn es trocken ist, wird es wie Wäsche gebügelt. Ruhig auf höchster Stufe -

und mit Dampf.

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14. Und fertig ist euer eigenes Papier!! Jetzt habt ihr einen super originellen Aufkleber

für Hefte und Bücher oder aber ein ganz besonderes Geschenk – romantisches

Papier für Gedichte oder einen Liebesbrief…

aus der Sendung Papier ZDF

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Auch bei kannst du sehen, wie man Papier selber macht.

Klicke auf http://www.tivi.de/fernsehen/loewenzahn/index/07310/index.html und versuch

es!

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8 Altpapier - Recycling

1. Einleitung

Das Wort „Recycling“

(sprich: Risaikling) kommt

aus der englischen Sprache

und bedeutet so viel wie:

Wiederverwertung von

Abfällen oder auch wieder

in den Kreislauf zurückbringen.

hilft hilft hilft der der der Umwelt Umwelt

Umwelt

Oft sind Abfälle, die entstehen,

nutzloser Müll, den

man nicht mehr gebrauchen

kann. Lange Zeit wurden einfach alle Verpackungen in die graue Tonne geworfen

und landeten auf der Müllkippe - auch Mülldeponie genannt.

Aber viele Verpackungen bestehen aus Wertstoffen, die wiederverwendbar sind, und

aus denen man etwas Neues machen kann.

Diese Wertstoffe müssen daher von dem nutzlosen Müll getrennt und in verschiedenen

Mülltonnen oder Containern gesammelt werden.

Das hat den Vorteil, dass die ohnehin schon großen Müllberge

nicht noch mehr anwachsen und spart auch Energie und

Rohstoffe aus der Natur.

Damit du die verwertbaren Verpackungen erkennst, sind sie

mit dem Grünen Punkt bedruckt.

Dieses Zeichen soll allen Menschen sagen:

Stopp!

Nicht einfach in die graue Tonne werfen!

Diese Verpackung kann recycelt werden.

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2. Altpapier - Ein wichtiger Rohstoff

Zur Herstellung des Werkstoffes

Papier werden viele

Rohstoffe aus der Natur benötigt:

Holz, Wasser, Energie.

Der Verbrauch dieser wertvollen

Rohstoffe und die dabei

anfallenden Abfallprodukte

belasten die Umwelt in

hohem Maße.

Die Umweltprobleme, die

durch die Papierherstellung

verursacht werden, heißen:

Abholzung der Wälder, Einsatz

von Chemikalien, Energie-

und Frischwasserverbrauch,

sowie Abwasserbelastungen

und Ausströmen

von Schadstoffen.

Daher ist es besonders wichtig, Papier und Pappe getrennt von anderen Abfällen zu

entsorgen, damit daraus Recyclingpapier hergestellt werden kann.

Denn jährlich werden rund 200 kg Papier pro Kopf der Bevölkerung verbraucht.

Bei der Herstellung von Recyclingpapier werden nur rund ein

Drittel der Wassermenge und nur etwa die Hälfte an Energie benötigt.

Für die Herstellung von einem Kilogramm Recyclingpapier wird

etwa zwei Kilogramm weniger an Holz gebraucht als bei der

Herstellung von neuem Papier, und auch das Ausströmen von

Schadstoffen (Emissionen) ist wesentlich geringer.

Papierprodukte, die zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt werden,

sind mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet.

Wenn du also Hefte und Schreibblöcke kaufst, auf denen du dieses Zeichen

findest,

leistet du einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.

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3. Aus alt mach neu!

In allen Städten werden den

Bürgern entweder Mülltonnen

für die Sammlung von

Altpapier (Pappe, Papier,

Karton) zur Verfügung gestellt,

oder es sind Container

im Stadtgebiet, in die man

das Altpapier bringen kann.

Wichtig für die weitere Verwendung

des Altpapiers ist,

dass es nicht verschmutzt

oder verunreinigt ist, denn

dann ist es nur wertloser

Abfall.

Die Altpapiertonnen und Container werden von den Mitarbeitern der Müllabfuhr regelmäßig

ausgeleert.

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Vom Sammelcontainer werden

die bunt gemischten Altpapiere

in die Papiersortieranlage

gebracht. Hier werden sie

sortiert und zu großen Ballen

gepresst. Ein Luftstrom trennt

leichtere Papiere von schweren

Sorten und löst papierfremde

Teile und Stoffe heraus.

Die Papierballen werden in

eine Papierfabrik transportiert.

Hier kommt das Papier in

die Pulper. Das sind

riesengroße Mixer, in

denen das ein- geweichte

Papier verrührt und

zerfasert wird.

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Gleichzeitig wird dieser Faserbrei auch erhitzt und gereinigt. Damit das Papier später

besonders rein ist, wird auch die Druckfarbe entfernt.

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Zuletzt entstehen in der Papiermaschine

aus diesem

Faserbrei neue Produkte.

Moderne Papiermaschinen

stehen in riesigen Hallen.

Sie können bis zu zehn Meter

breit und 120 Meter lang

sein. Pro Minute stellen sie

vollkommen automatisch

1.400 Meter Papier her.

Das Papier, das eine Maschine

an einem Tag hergestellt

hat, ergibt ausgerollt

eine Strecke von Flensburg

bis Garmisch-Patenkirchen.

So werden Kartons, Schulhefte, Zeitungen und Eierkartons aus Recyclingpapier hergestellt.

Altpapier ist inzwischen mit einem Anteil von 61 Prozent der am häufigsten eingesetzte

Rohstoff in der deutschen Papierherstellung.

Er findet unter anderem bei der Herstellung von Küchenrollen, Briefpapier, Briefumschlägen

oder Tüten Verwendung. Zeitungspapier lässt sich vollständig aus Recyclingmaterial

herstellen, aber auch Druckpapiere für Kataloge, Zeitschriften oder Bücher

können heute mit einem immer höheren Altpapieranteil hergestellt werden.

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4. Der Weg des Altpapiers

Hier kannst du den Weg des Altpapiers verfolgen,

das in den Papiercontainer geworfen wurde.

Aus Medienwerkstatt Mühlacker Verlagsges.

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5. Altpapierbilder

Altpapiertonne

Müllwagen

Auf dem Fließband. Pappstücke werde

aussortiert.

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Kleinen Pappstücke müssen aus dem Altpapier

herausgenommen werden.

Papierzerkleinerer

Fremdteile werden ausgesiebt.

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Die Druckfarben werden aus dem Papierbrei

herausgewaschen.

Dieser Brei besteht nur noch aus zermatschtem

Altpapier.

Aus dem sauberen Altpapier-Brei kann man

jetzt neues Papier herstellen.

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Was geht?!

6. Ich hab´s papiert!

Die fantastischen vier - "Schorsch", "Prima", "Number One" und "Carlotta" treffen sich

im Supermarkt. Sie haben sich lange nicht mehr gesehen.

Sie kennen sich aus der Papierfabrik. Dort sind sie sich das erste Mal begegnet.

Damals waren die Vier noch nicht Schorsch, das Schulheft, Prima, die Illustrierte,

Number One, das Kopierpapier und Carlotta, die Klopapierrolle. Als sie sich kennen

lernten, waren sie zwar alle aus dem gleichen Material - Zellstoff - kamen aber aus

den unterschiedlichsten Ländern der Erde.

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In der Papierfabrik wurde entschieden, was aus den Vieren wird. Die einen hatten

Glück, die anderen weniger. Mit Carlotta haben sie nie über ihre Zukunft gesprochen...

Schorsch hat immer davon geträumt, ein berühmtes Bild im Museum zu werden. Aber

er hat ja noch Glück gehabt, dass es ihm nicht wie Carlotta ergangen ist.

In einer Sache sind die Vier sich aber einig: Die einen wären lieber als Baum im Wald

geblieben, die anderen wären lieber nie in einer Plantage groß geworden. Das wäre

möglich, wenn die Menschen anders handeln würden. Es gibt nämlich DIE Alternativen:

Papiersparen und Recyclingpapier nutzen!

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Klopapier kann man nicht essen!

Carlotta ist sich sicher: Wirklich merken tut's keiner. Ob nun Klopapier

aus Recyclingpapier oder Papier, das aus Bäumen hergestellt

wird, beides kann weich sein.

Carlotta denkt sich:

".... ob ich aus Altpapier bin oder nicht! - Den Menschen in Brasilien ist es aber nicht

egal, ob das Klopapier in Deutschland aus Altpapier oder aus Zellstoff hergestellt

wird. Auf ihrem Land wächst nämlich der Zellstoff für Papierprodukte wie Tempo,

Charmin Klopapier, Kleenex und, und, und... Im Osten Brasiliens werden immer mehr

Plantagen angepflanzt. Die Eukalyptusbäume, die in den Plantagen wachsen, sehen

alle gleich aus. In den Plantagen können nur wenige Tiere überleben. Die Bäume

wachsen nur, weil sie viel gedüngt werden und Gifte gegen Schädlinge gespritzt

werden. Das Gift verseucht die Böden und das Grundwasser. Die Eukalyptusbäume

wachsen sehr schnell und verbrauchen große Mengen Wasser. Der Grundwasserspiegel

wird dadurch immer niedriger. Und die Menschen haben sowieso schon

Probleme mit der Wasserversorgung. Das Schlimmste ist aber, dass in einem Land

wie Brasilien Menschen hungern müssen, weil ihr Land benutzt wird, um Holz für Papier

anzubauen. Eigentlich müssten auf ihrem Land doch Nahrungsmittel wachsen,

oder?"

Carlotta macht sich nicht nur Sorgen um ihre eigene Zukunft, sondern vielmehr darüber,

ob die Menschen in Brasilien zukünftig genug zu essen haben werden. Was

passiert, wenn immer mehr Baumplantagen für Papier angepflanzt werden?

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Indonesien: Papier macht Menschen krank!

Number One träumt: Stell dir vor, jeder benutzt die zweite Seite...

Riesige Mengen Papier könnten eingespart werden, wenn beide

Seiten eines Blattes benutzt würden! Und Recyclingpapier bei

Drucken und Kopierern sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Das ist doch das Papier der Zukunft: Super Qualität und umweltfreundlich.

Number One weiß:

"Den Menschen in Indonesien ist es nicht egal, ob das Kopier- und Druckpapier in

Deutschland aus Altpapier oder aus Zellstoff hergestellt wird.

In Indonesien wird Billigpapier ohne Umweltauflagen hergestellt: Hier wird die Natur

ausgebeutet, die Umwelt verschmutzt, und die Menschen leiden unter der Zellstoff-

und Papierindustrie. Wertvolle Regenwälder werden abgeholzt und die Flüsse mit

Chemikalien verseucht. Die Menschen werden von dem verschmutzten Wasser

krank. Die Fischer, die in der Nähe von Zellstofffabriken leben, fangen immer weniger

Fische. Und dann wird das Papier hier bei uns in Deutschland auch noch zu Schleuderpreisen

verkauft. Ich finde das unerhört!"

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Finger weg vom Regenwald!

Schorsch und Prima sind sich einig: Stell´ dir vor, alle würden Recyclingpapier

benutzen. Schulhefte aus Recyclingpapier, die Illustrierte

aus Recyclingpapier, was meinst du, wie viele Bäume

dann im Wald bleiben könnten? Und wenn sich die Menschen

dann noch clevere Dinge einfallen lassen würden, um weniger

Papier zu verbrauchen, da wäre den Wäldern weltweit schon sehr

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geholfen.

Prima:

"Meinst du etwa, Sarah Connor und Marc Terenzi fällt auf, ob ihr Hochzeitsbild in der

Illustrierten auf Recyclingpapier oder auf Papier aus neuen Holzfasern gedruckt ist?

Für den Wald in Kanada ist es nicht egal, ob das Kopier- und Druckpapier in

Deutschland aus Altpapier oder aus Zellstoff hergestellt wird.

Wusstest du, dass Jahr für Jahr immer noch Urwald zu Papier verarbeitet wird? In

Kanada werden riesige Waldflächen kahlgeschlagen. Urwälder, die über 1000 Jahre

gewachsen sind, werden zu Papier verarbeitet, das in Nullkommanix verbraucht ist.

Kaum zu glauben, dass erst die letzten Urwälder verschwinden müssen, bevor die

Menschen sich Alternativen überlegen. Warum fangen die nicht heute schon an, Recyclingpapier

zu nutzen und andere Materialien einzusetzen, statt die Urwälder abzuholzen?

Wissen die denn nicht, dass man Urwälder nicht wieder pflanzen kann?"

Aus dem Informationsangebot der Initiative 2000plus, gefördert vom Umweltbundesamt

Deutschland.

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7. Vom Recycling, das keines ist: Die Sache mit dem

Grünen Punkt

Mülltricks

Recycling ist nicht gleich Recycling. Und holzfreies

Papier hat auch nichts mit Baum schonender

Papierherstellung zu tun. Beides hat aber sehr viel

mit guten Geschäften zu tun.

Es wird ganz schön herumgetrickst, wenn es darum

geht, ein Produkt umweltfreundlich erscheinen lassen

zu wollen.

• Vom Recycling, das keines ist: Die Sache mit dem Grünen Punkt

• Von der Baumverschwendung oder: 100 Jahre wachsen ... in 40 Sekunden

fertig für die Papiermühle ... einmal durchlesen ... ab in den Müll

Vom Recycling, das keines ist: Die Sache mit dem Grünen Punkt

Auf fast allen Einwegverpackungen verspricht der Grüne Punkt:

Dieser Müll wird recycelt. Hört sich gut an. Hat aber einen Haken.

Recycling bedeutet nämlich streng genommen, dass

beispielsweise aus einer Getränkedose wieder eine Getränkedose

werden müsste. Aus der Dose wird aber keine Dose mehr,

sondern meistens ein minderwertigeres Produkt, zum Beispiel

Draht. So etwas hat mit Recycling nichts zu tun, denn Recycling

bedeutet Kreislauf. Das, was mit den Dosen und vielen anderen

Einwegprodukten passiert, nennt man deshalb Downcycling (down

ist das englische Wort für herunter).

Und genau wie der Dose ergeht es vielen anderen

Einwegverpackungen. Bei manchen von ihnen, zum Beispiel bei den Tetrapacks,

sind verschiedene Materialien (Kunststoffe, verschiedene Papierarten und Aluminium)

miteinander verklebt. Es ist sehr aufwändig, solche Verpackungen zu trennen

und die Bestandteile wiederzuverwerten. Viele Produkte landen dann eben trotz

Grünem Punkt auf der Deponie oder in der Müllverbrennung. Aber es ist eine Tatsache:

Mit beidem wird Geld verdient.

Von der Baumverschwendung oder: 100 Jahre wachsen ... in 40 Sekunden

fertig für die Papiermühle ... einmal durchlesen ... ab in den Müll

Die meisten Einwegverpackungen sind größtenteils Ergebnis einer gigantischen

Rohstoff- und Energieverschwendung. Aber auch mit anderen Produkten wird so

umgegangen, als gäbe es sie in unendlichen Mengen ... sie werden gedankenlos

verschwendet. Papier zum Beispiel landet oft im Müll, obwohl man es sehr gut weiter

verwenden oder recyceln könnte.

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Dabei war jedes Stück Papier in - seinem früheren Leben

- einmal Teil eines Baumes. Und je mehr Papier verbraucht

wird, desto mehr Bäume werden gefällt. Weißes

Papier wird aus Zellstoff hergestellt. Um Zellstoff zu

erhalten, werden Bäume gefällt und das Holz einer chemischen

Behandlung unterzogen. Aus 17 Bäumen

entstehen cirka 1000 Kilogramm Papier. Anders gesagt:

Für 1000 Kilogramm Papier braucht man 1200 Kilogramm Holz.

Sogar Urwaldbäume fallen für die Papierherstellung: Ein hundert Jahre alter Baum ist

laut Aussage der Papierindustrie ideal. Er wird in nur 40 Sekunden gefällt, entastet

und zerstückelt.

Nicht nur, dass die Kettensägen in den letzten Urwaldgebieten der Erde wüten und

damit die Lebensräume von Menschen und Tieren zerstören. Auch die Herstellung

von Frischfaserpapier ist alles andere als umweltfreundlich. Dabei wird Wasser verschmutzt,

die Luft verpestet und die Energiemenge, die für eine einzige Tonne Papier

benötigt wird, das sind 5920 Kilowattstunden, würde ausreichen, um den Stromverbrauch

einer dreiköpfigen Familie zwei Jahre lang zu decken.

Zum Glück gibt es da echte Alternativen: Recyclingpapier schneidet nämlich in allen

Punkten sehr viel besser ab: Wesentlich geringerer Energieverbrauch, geringste Abfallmengen,

weniger Schadstoffe ... und: jede Tonne Frischfaserpapier, die durch

Recyclingpapier ersetzt wird, spart 1,8 Tonnen Holz.

Übrigens: Wenn auf dem Papier Holzfrei steht, heißt das nicht, dass da kein Holz

verwendet worden wäre. Im Gegenteil: Diese Papierqualität besteht aus reinem Zellstoff

und hier wird noch mehr Holz verbraucht als bei der Herstellung von holzhaltigem

Papier. Der Begriff Holzfrei bezieht sich auf Faserstoffe des Holzes, die das Papier

schneller gelb werden lassen. Die werden bei holzfreiem Papier in einem chemischen

Prozess herausgelöst.

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8. Tatort Schule - Die Mülldiät

Müll gibt es überall - aber: man kann auch überall anfangen, etwas dagegen zu

tun. Und das heißt als erstes, dafür zu sorgen, dass er gar nicht erst entsteht!

Das geht zu Hause und in der Schule. Zu Hause müsst ihr Überzeugungsarbeit leisten,

damit sich eure Eltern einer Mülldiät anschließen und zum Beispiel auch beim

Einkaufen darauf achten, dass möglichst wenig Einwegverpackungen im Einkaufswagen

landen oder der Drucker mit Recyclingpapier gefüttert wird.

Tatorte für eine Mülldiät

In der Schule könnt ihr euch verschiedene Tatorte ausgucken: Was bietet zum Beispiel

euer Schulkiosk an - kleine Tetrapacks, Einmalflaschen oder gar Getränkedosen?

Einzeln verpackte Mini-Schokoriegel? Das alles könnte doch locker durch umweltfreundliche

Mehrwegflaschen und lose angebotene Süßigkeiten ersetzt werden.

Und wie sieht es mit dem Papierverbrauch im

Schulsekretariat aus? Werden durch den Kopierer

blütenweiße Blätter genudelt? Und spuckt der

Drucker immer nur einseitig bedruckte weiße

Seiten aus? Das ist erstens nicht nötig und

zweitens reine Baum-Verschwendung! Auch auf

den Toiletten muss es keineswegs strahlend weiß

zugehen. Oder ist eure Schule schon auf

Recycling-Klopapier umgestiegen und verwendet

Stoffhandtücher? Wenn nicht: kleiner Tipp an den Hausmeister kann nicht schaden

...

Auch Schulranzen und Federmappe könnt ihr einem Check unterziehen: Wie sieht’s

bei Heften und Blöcken aus? Alles schön weiß? Für Hefte gilt dasselbe wie fürs Klopapier:

Recyclingpapier hilft Müll vermeiden und schützt die Wälder!

Von Heike Dierbach und Helga Bachmann (Greenpeace)

Und wird das Pausenbrot, damit's auch heil

bleibt, dreimal in Alufolie eingewickelt? Wie

oben schon erwähnt, ist die Alu-Herstellung

eine reichlich giftige und energieverschwenderische

Angelegenheit. Also:

Butterbrotpapier tut’s auch, aber am besten ist

eine Klappdose, die ihr immer wieder

verwenden könnt. Die gibt’s sogar in Brötchenform!

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9. Die Umfrage

Befragt wurden 100 SchülerInnen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren. Die Befragung

erfolgte anonym. Die Fragebögen wurden von 62 Mädchen und 35 Buben abgegeben.

3 Fragebögen waren durch sich ausschließende Antworten als ungültig

gewertet. Die Fragebögen wurden den Schülern für 24 Stunden überlassen. Sie

konnten also bei Fragen wie „Im Sekretariat wird Umweltschutzpapier verwendet“

nachfragen und rechachieren. Ausgewertet wurden die Fragebögen im Tabellenkalkulationsprogramm

Excel.

80

60

40

20

0

100

80

60

40

20

0

100

80

60

40

20

0

Im Sekretariat wird Umweltschutzpapier verwendet

0

ja teilw eise nein

Die Kopierer laufen mit Recyclingpapier

0 0

ja teilw eise nein

Die Faxgeräte laufen mit Recyclingpapier

0 0

ja teilw eise nein

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19

78

97

97

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100

80

60

40

20

0

100

80

60

40

20

0

Es wird darauf geachtet, das Papier beidseitig zu bedrucken

100

80

60

40

20

0

97

Wenn möglich, wird Text verkleinert, um 2 Seiten auf einer Seite

unterzubringen

97

Einseitig bedrucktes Papier wird als Schmierpapier verwendet

85

0 0

ja teilweise nein

0 0

ja teilweise nein

ja teilweise nein

12

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0

116/124


100

80

60

40

20

0

80

60

40

20

0

Findest du, dass an unserer Schule zu viel Müll produziert wird?

24%

22%

Papier wird getrennt vom übrigen Müll entsorgt

97

70

0%

27

0 0

ja teilweise nein

Ordner, Register, Mappen sind nicht aus Plastik sondern aus

Altpapierkarton

ja teilweise nein

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54%

0

ja

ist mir egal

nein

geht nicht anders

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Kaufst du Hefte, Umschläge, usw. aus Altpapier?

30%

14%

Würdest du umweltfreundliche Hefte, … kaufen, wenn sie in deiner

Nähe oder direkt an der Schule angeboten würden?

2%

0%

94%

ja, auf jeden Fall ja, wenn sie nicht zu teuer sind vielleicht nein

Werden in der Klasse oft Kopien verteilt oder wird eher an die

Tafel geschrieben?

0%

11%

4%

47% immer Kopien

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42%

56%

ja, immer manchmal nein gibt´s in meinem Schreibwarenladen nicht

gleich verteilt

selten Kopien

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nein, ich jause nicht in

der Schule

nein, ich kaufe mir eine

Jause beim Schulwart

sonstiges

Butterbrotpapier

Frischhaltebox

Alufolie

nein

ja

ja

Nimmst du dir von zu Hause eine Jause mit?

Wenn du dir die Jause kaufst, ist sie verpackt?

7

2

3

6

0 10 20 30 40 50 60

Wenn ja, wie ist deine Jause verpackt?

0 2 4 6 8 10 12 14 16 18

0 10 20 30 40 50

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34

12

50

17

57

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Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Umweltbewusstsein der SchülerInnen

und Lehrer stark ausgeprägt ist. Nur die Umsetzung des Umweltschutzgedankens

klappt in der Praxis noch nicht so ganz. Es wir brav Müll getrennt, Alpapier gesammelt

und die Jause in Jausenboxen verpackt bzw. vom Schulwart ohne Verpackung

verkauft. Beim Papierge- und verbrauch kann und muss aber noch viel getan

werden. Vor allem der Kopierer ist ein großer Papierverschwender (der Kopierer?)

und man sollte sich fragen, ob es nicht möglich wäre, weniger und auf Umweltschutzpapier

zu kopieren.

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10. Papier -

Zusammenfassung

Aus der aus Austropapier Bibliothek 2005:

Papier aus Österreich

Papier ist überall

Kannst du dir ein Leben ohne Papier vorstellen? Ohne Bücher, ohne Zeitungen, ohne

Schulhefte, Servietten, Sackerln, Plakate, Geldscheine, Briefe, Schachteln und

und und … Papier ist für die moderne Zivilisation ein unverzichtbares Gut, und der

Lehrberuf Papiertechniker hat daher Zukunft. Besonders bei uns in Österreich, denn

wir verfügen in unserem Land in reichem Maß über die notwendigen Voraussetzungen

für die Papierherstellung, wie Holz, Wasser und Energie. Nicht zuletzt schöpft

diese Industrie aus einer jahrhundertelangen Erfahrung. Österreichs Papierindustrie

hat international einen hervorragenden Platz. Sie ist nicht nur ein moderner Wirtschaftszweig,

deren Maschinen und Anlagen sich auf dem letzten Stand der Technik

befinden, sondern sie exportiert auch mehr als 85 Prozent ihrer Produktion – mehrheitlich

nach Westeuropa. Apropos Technik: Hast du gewusst, dass in einer modernen

Papiermaschine mehr Elektronik steckt als in einem Jumbojet? Wer eine Zeitung

oder ein Papiertaschentuch zur Hand nimmt, ahnt gar nicht, welche Fülle von Technologie

und praktischer Erfahrung in der Erzeugung des scheinbar so alltäglichen

Stoffs Papier steckt. Papiertechniker ist daher wirklich kein Modejob, sondern ein

Beruf mit Zukunft, zugleich ein Beruf mit uralter Tradition.

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Eine Kunst mit Geschichte und Zukunft

Die Bezeichnung Papier leitet sich von der Papyrusstaude ab, aus deren Mark die

Ägypter vor etwa 5.000 Jahren Schriftträger herstellten. Die Urform unseres heutigen

Papiers kommt allerdings aus China. Um 105 n. Chr. berichtet ein Beamter am chinesischen

Kaiserhof namens Tsai Lun über die Herstellung von Papier aus verschiedenen

Pflanzenfasern. Wahrscheinlich war sie aber schon etwa 200 Jahre früher bekannt.

Von China gelangte die Kenntnis des Papiermachens über die afrikanische

Nordküste nach Spanien und so nach Europa. Die erste österreichische Papiermühle

bestand bereits 1321 in der Nähe von Baden bei Wien. Das Prinzip der Papierherstellung

– die rein handwerkliche Erzeugung mittels Schöpfrahmen – und das Rohmaterial

textile Abfälle blieben bis zur Erfindung der Langsiebmaschinen gegen Ende

des 18. Jahrhunderts gleich. Der Rohstoffbedarf wurde aber immer größer, und da

Textilien nicht in ausreichendem Maß vorhanden waren, musste man sich nach einem

neuen Rohstoff umsehen, und das war Holz. Holz ergibt auf mechanischem

Weg zerfasert Holzschliff, auf chemischem Weg aufgeschlossen Zellstoff. In den letzten

200 Jahren hat die industrielle Papierproduktion einen rasanten Verlauf genommen:

Die heutigen Maschinen sind bis zu 300 Meter lang und erzeugen bis zu 1.500

Tonnen pro Tag. 1850 betrug die Papierproduktion weltweit nur etwa 100.000 Tonnen

pro Jahr, während sie heute mehr als 325 Millionen Tonnen jährlich ausmacht.

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Österreichs Stärke

Um Papier zu erzeugen, braucht man Holz, Wasser, Kapital und Know-how. Alles

gibt es in Österreich ausreichend. Besonders das Know-how ist entscheidend, um

international wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb legen die Papierfabriken großen

Wert auf die Ausbildung und investieren erheblich in das Wissen ihrer Mitarbeiter. In

Österreich gibt es 24 Unternehmen, die Zellstoff und Papier herstellen, zusammen

rund 9.500 Mitarbeiter beschäftigen und etwa 4 Milliarden Euro pro Jahr umsetzen.

Die Produktion beträgt jährlich rund 5 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe,

die zu mehr als 85 Prozent exportiert werden. Damit ist das kleine Österreich der

achtgrößte Papierexporteur der Welt. Allein in den letzten zehn Jahren investierte

Österreichs Papierindustrie über 3 Milliarden Euro in Produktionsanlagen, Umweltschutz

und andere Verbesserungen.

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Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit beweist sich in den drei Säulen Umwelt, Soziales und Wirtschaft. Sie

hat in der letzten Zeit stark an Bedeutung zugenommen. Für die Papierindustrie ist

das jedoch nichts Neues: Seit dem Beginn der industriellen Erzeugung baut sie auf

den nachwachsenden Rohstoff Holz, nutzt die Wasserkraft, recycelt ihre Produkte

und ist ein attraktiver Arbeitgeber im ländlichen Raum. Papier besteht aus Holz, das

aus der notwendigen Durchforstung stammt oder als Sägenebenprodukt anfällt, außerdem

enthält es natürlich vorkommende Füllstoffe aus umweltfreundlichen Materialien.

Heute ist Altpapier bereits der mengenmäßig wichtigste Faserstoff. Die Papierindustrie

nimmt sämtliches in Österreich anfallende Altpapier ab und führt es der

Wiederverwertung zu. Mechanische und biologische Kläranlagen sorgen flächendeckend

für saubere Flüsse. Kein Fluss unterhalb einer Zellstoff- und Papierfabrik hat

eine schlechtere biologische Gewässergüte als II (mäßige organische Belastung).

Auch im Abluftbereich wurden die Emissionen in den letzten 20 Jahren drastisch minimiert.

Besonderes Augenmerk wird in allen Betrieben auf die Sicherheit und Gesundheit

der Mitarbeiter gelegt. Aus- und Weiterbildung werden groß geschrieben.

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