Essen vom Baum? - University of Southampton

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Essen vom Baum? - University of Southampton

Essen vom Baum?

Thomas Fischbacher

University of Southampton

Computational Engineering and Design Group

School of Engineering Sciences

University of Southampton

United Kingdom

August 1, 2009

Thomas Fischbacher Essen vom Baum?


Das Thema - ganz aktuell - In der heutigen Jugendkultur

Auf german-bash.org:

Thomas Fischbacher Essen vom Baum?


Vielleicht dann doch eher so. . .

Quelle: http://yesterdaysfuture.net/blog/?p=103

Thomas Fischbacher Essen vom Baum?


Warum das Ganze? (I)

Ein Kernaspekt:

2.4

2.2

2

1.8

1.6

1.4

1.2

1

0.8

0

0.5

1

Energy Landscape (Schematic)

1.5

Energy−Intensive Industrial Agriculture

2

(Semi−)Stable Nature

Productive Low−Input

Systems Useful to Man

2.5 0

2.5

2

1.5

1

0.5

Nahrungsmittelerzeugung ist (heute) sehr energie-hungrig (Traktoren,

Stickstoffdünger, Herbizide, etc.)

Es ist möglich, ähnlich produktive Systeme zu etablieren, die sich nahe an

einer fortgeschrittenen natürlichen biologischen Sukzessionsgemeinschaft

befinden (strukturell, nicht notwendigerweise in Bezug auf Spezies).

Weniger Eingriffe, um das System in einen spezifischen Zustand zu

zwingen → weniger Energieverbrauch!

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Warum das Ganze? (II)

Energie ist ein wichtiger Aspekt. Ein anderer ist Erosion. Bauern

wissen: Richtgröße (in Bayern) für Bodenerosion beim Maisanbau 1

mit heutigen Methoden: “ca. 1 Zentimeter Humus-Verlust in 20

Jahren / Bodenneubildungsraten: ca. 1 Zentimeter in 500

Jahren”. Problem: die jeweils noch fruchtbarste Humus-Schicht

liegt ganz oben und wird als erstes abgetragen!

1 Mais wird nicht nur gegessen und verfüttert, sondern auch als ertragreicher

Biomasse-Lieferant für Biogasanlagen eingesetzt!

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Warum das Ganze? (III)

Erosion: Situation in den USA (Aus: “Tree Crops: A permanent

agriculture”, J.R. Smith, 1953)

I asked county agents in a number of counties in the ,hill country of North Carolina the following question: ”What

is your estimate of number of cultivated crops secured on steep land after clearing and before abandonment of

cultivation?” The answers from ten counties were as follows: 5; 20; 12; 10; 5 to 10; 10 or 12; 10 or more; 12; 5,

extremely variable and 10. (See Figs. 2, 3, 4, 6, 9.) Ten tilled crops, and ruin has arrived! How long can we last?

Even Oklahoma, newest of the new, so recently wrested from the .Indian, who did not destroy it, has its million

miles of gullies and a kingdom of good land ruined and abandoned.

(...)

To the surprise of a past generation 2 , Oklahoma proved to be good land; so we pushed the Indian out and sent him

on to the deserts farther west. The whites entered in two great rushes, 1890 and 1893.

(...)

The white ”civilization” (?) grew cotton in summer and oats in winter on rolling land, and by 1910 land

abandonment had begun. Without any doubt, the American is the most destructive animal that ever trod the earth.

For decades, reports of ruin have come out of the hill section of the American Cotton Belt-thousands of square

miles of ruin.

(...)

In this way we have already destroyed the homelands fit for the sustenance of millions. We need an enlarged

definition for treason. Some people should not be allowed to sing “My Country.” They are destroying it too rapidly.

2 ‘Dust Bowl’ ˜ 1930s!

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Warum das Ganze? (IV)

Auch wenn Baum-/Strauch-basierte Nahrungsmittelproduktion das

Erosionsproblem löst und energie-effizienter ist...

Freilich: Von nichts kommt nichts! Ein vernachlässigter Garten

wird sich nicht von selbst in ein paradiesisches Schlaraffenland

verwandeln.

Welcher Einsatz ist also statt Maschinen und Chemikalien nötig,

um in einem naturnäheren System hohe Produktivität zu

gewährleisten?

Design (insbesondere beim ersten Anlegen des Gartens)

Detailliertes Monitoring (räumlich + zeitlich)

Kleinskalige Eingriffe

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Warum das Ganze? (V)

Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann die Hummel nicht

fliegen. Aber die Hummel weiß das nicht: Robert Hart

Beobachtung: Jäten, Graben, und

Kultivieren geht am einfachsten, wenn

man’s bleiben läßt...(Bäume und

Sträucher brauchen das nicht.)

(Schubkarre plus Inhalt: Alle landwirtschaftlichen Werkzeuge und

Maschinen von Robert Hart)

Quelle: http://www.risc.org.uk/garden/roberthart.html

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Ein Wort der Warnung

Gartenbau ist eine Angelegenheit, die Zeit und Energie kostet, und

etwas Erfahrung braucht.

Halb-wilde Systeme können – richtiges Design vorausgesetzt – sehr

viel Zeit und Arbeit sparen.

So einfach wie “Pizza bestellen” wird das Ganze aber niemals! 3

Zudem: Gärten brauchen Aufmerksamkeit an mehreren kritischen

Phasen im Jahr. Verpaßt man die entscheidende Woche, kann man

sich viel Ärger später einhandeln.

Beispiel: Liegengebliebenes Fallobst zieht Schädlingspopulation

heran.

3 Es sei denn, man wohnt wirklich abgelegen.

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Ja aber. . .

Salat wächst nun mal nicht auf Bäumen!

Wo sollen denn die Kohlenhydrat-Kalorien herkommen?

...und das Protein?

Aber es dauert doch ewig, bis so ein Baum mal trägt. . .

Wie soll man das nur alles maschinell ernten?

Und die Erträge?

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“Salat wächst nun mal nicht auf Bäumen!”

Mit etwas Querdenken kein Problem. ..

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“Kohlenhydrate?” (I)

Grundproblem der Zivilisation: zu einseitige Ernährung! (Speziell

in der 3. Welt 4 : Hungersnöte werden dadurch verschlimmert, daß

Ernährung sehr stark getreidebasiert ist, und in erster Linie

Kalorien und zu wenig Protein liefert. Bei uns: hoher Zucker-Anteil

in der Ernährung, da Zucker relativ billiger Füllstoff in ‘gefälschten’

Nahrungsmitteln.)

Heute: Großteil der Nahrungsmittelkalorien stammt weltweit von

nur fünf Pflanzen: Mais, Kartoffel, Weizen, Reis, Hirse(?).

Insgesamt gibt es weltweit 20 Pflanzenspezies, die mehr als 90%

des vom homo sapiens verzehrten ‘Essens’ liefern. Bekannte eßbare

Pflanzen: ca. 20000!

Europa vor 1500 / indigene Kulturen: Wesentlich vielfältigere

Ernährung.

4 F. Cuny, “Famine, Conflict and Response”

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“Kohlenhydrate?” (II)

Nota bene: Wir benutzen heute nur einige wenige Spezies um

Kohlenhydrate zu produzieren – und machen das oft, um uns

relativ ungesund zu ernähren.

Ertragreiche Bäume und Sträucher für Kohlenhydratproduktion:

u.a. Pflanzen aus der Familie der Fagaceae (Buchengewächse):

Castanea Sativa (Edelkastanie; Flächenertrag und

Zusammensetzung vergleichbar mit Weizen im Ökolandbau)

Quercus robur, Quercus ilex, Quercus rubra, ca. 40 versch.

Arten. (Eichen)

Weniger bedeutend: Fagus species (Buchen)

Man beachte: natürliche Vegetation in unserer Klimazone:

Buchen-/Eichen-Laubmischwald!

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“Kohlenhydrate?” (III)

...Eicheln essen...?

In Korea gang und gäbe: z.B. dotori guksu

(Eichel-Weizen-Spaghetti, 50:50-Mischung)

Wahrscheinlich: Homo sapiens hat insgesamt während seiner

ganzen bisherigen (größtenteils prä-zivilisatorischen!) Existenz

mehr Eicheln verzehrt als Weizen.

Etliche Möglichkeiten, Bitterstoffe (Tannin) loszuwerden:

Zerstampfen, mit heißem Wasser auswaschen

(Indigen: Mit sehr viel kaltem Wasser auswaschen)

(Indigen: Mischen mit eisenhaltiger Erde - Fällen von

schwerlöslichem Eisen-Tannat)

(Indigen: monatelanges vergraben, bis Tannine zersetzt)

(Indigen: Fermentieren, ‘Eichel-Käse’)

Vorher durch ein Schwein leiten und dann das Tier essen.

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“Kohlenhydrate?” (IV)

Andere potentiell interessante Kohlenhydratspezies:

Walnuß-Spezies (Juglans regia, Juglans nigra, etc.; ca. 10

Spezies – hohe Flächenerträge möglich!)

Haseln (Corylus avellana, Corylus maxima, etc.; ca. 10

Spezies)

(In anderen Klimazonen: Weitere Möglichkeiten)

Bäume und Sträucher als Kohlenhydratlieferanten sollen die

derzeitige Spezies-Auswahl nicht vollständig ersetzen, sondern

ergänzen und partiell ersetzen.

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“Kohlenhydrate?” (V)

Heute: Ein erheblicher Teil des produzierten Getreides wird an

Mastvieh verfüttert.

Einst: Wichtige Rolle des Waldes als Futterlieferant z.B. für

Schweine. (Ursprung des Namens “Buckingham”: “Buck” =

Bucheckernmast, “Ham” = Schinken: in den Buchenwäldern

wurden Schweine gehalten!)

Grund, weswegen nicht stattdessen Eicheln zur Viehmast

eingesetzt werden? Keine maschinisierten Ernteverfahren?

(+ keine Profite für Saatgutfirmen?)

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“Protein?”

Effizienteste bekannte Methode zur Proteinerzeugung vom Land 5 :

“Blätterquark”

(Junge grüne Blätter z.B. vom Baum durch Fleischwolf drehen,

erhitzen, geronnenes Protein abtrennen)

Proteinausbeute pro Hektar knapp 2× so hoch wie bei

Schafhaltung!

Protein im Gartenbau: Leguminosen (Hülsenfrüchte: Bohnen,

Erbsen!) Wichtige Baum-Leguminosen: Johannisbrotbaum

(Gleditsia tricanthos), Robinie (Robinia pseudoacacia),

Erbsenstrauch (Caragana arborescens), etc.

sein

5 Manche semi-maschinellen Systeme wie Aquaponik könnten u.U. effizienter

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“Aber wann fängt denn ein Baum an zu tragen”? (I)

Eichen: Tragen ab ca. 5. Jahr.

Edelkastanie: ab ca. 12. Jahr merklicher Ertrag.

Beschleunigung möglich! (Züchtung, Bodenpräparation, etc.)

Zwischen/unter jungen Bäumen: andere Form der

Landnutzung. möglich (mit Schutz der Bäume:

Weidewirtschaft – etwas Gartenbau).

Gradueller Umstieg

konventionelle Landwirtschaft → ‘Agroforestry’ möglich.

Produktive Baumspezies können eingesetzt werden, wo

Ackerbau nicht möglich ist!

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“Aber wann fängt denn ein Baum an zu tragen”? (II)

Martin Crawford’s Waldgarten: 10-jährige Edelkastanie, produktiv.

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Erntemaschinen?

Heute: keine großtechnischen Erntemaschinen verfügbar.

Hindernis, da Arbeitskraft heute ‘zu teuer’. Brennstoffkrise wird

die Karten neu mischen! Kein fundamentales Problem! Man

beachte z.B.: USA heute: Weniger Bauern als Häftlinge!

Möglichst geringer in der Primärproduktion arbeitender Anteil der

Bevölkerung wurde als Fortschrittsindikator gesehen.

(Gerechtfertigt?) Dieser Anteil ist deswegen wahrscheinlich

ideologiebedingt artifiziell niedrig! Theoretisch notwendiger

Bevölkerungsanteil Waldgärtner für Komplett-Umstieg

Getreide → Bäume? Im Bereich 8 − 16%?

Favorisierte Erntestrategien z.B. für Edelkastanien: Netz!

Potentiell: kreative Ansätze für arbeitssparende Strategien

möglich. Beispiel: “Bienenhaltung” mit Nagetieren, die

Wintervorräte anlegen (Eichhörnchen?)

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Erträge?

Wichtiger Unterschied: Ertrag pro Arbeitsstunde vs. Ertrag pro

Quadratmeter. Heute: Optimierung v.a. im Bezug auf ersteren

Parameter (= möglichst wenige Bauern!)

Flächenertrag z.B. in Schrebergärten höher als in Landwirtschaft

durch kleinskaligeres Management.

Typischer guter Weizen-Ertrag in unserem Klima (‘Hausnummer’

auf Lehmboden): ∼ 6t/ha/a. Walnuß: vergleichbar –

Edelkastanie: ∼ 5t/ha/a.

Jahreserträge vieler Nußbäume: Zyklen! (z.B. Eiche typisch:

2-Jahreszyklus).

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So gesehen. . .

Es gibt keine prinzipiellen oder

unüberwindlichen Hindernisse

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Warum also das Ganze?

Energie-Effizienz und Erosion wurden kurz angesprochen.

Darüberhinaus:

Wald-artige Systeme sind durch die bessere Wasser-Retention

und Bedeckung des Bodens intrinsisch dürre-resistenter als

Getreidefelder (→ Klimawandel!)

Ebenfalls: Bäume sind inhärent resistenter als einjährige

Gräser und erholen sich oft von erheblichen

Streß-Einwirkungen. (Häufiges Bild: ‘Einsamer Baum in der

Wüste’.)

Komplexe Polykulturen bieten Lebensräume für Spezies mit

Schlüsselrollen.

Eine interessante Schlüsselspezies, die z.B. mitten im Wald

besser leben kann als mitten in einer Getreide-Monokultur:

homo sapiens!

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Der “eßbare Wald” löst nicht alle Probleme!

Jede Form der Landnutzung, die essentielle Kreisläufe (Nährstoffe,

Wasser) nicht schließt, muß über kurz oder lang (typisch: < max.

paar tausend Jahre) zum Zivilisationskollaps führen! (Peak

Phosphat ≈ 2033?)

Fehlleitung von mineralischen Nährstoffen ist ein separates

gravierendes Problem, das ebenfalls angegangen werden muß!

(Heute: ‘dead zones’ im Meer!)

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Existierende Systeme

Etliche Oasen scheinen nicht lediglich geologische Wasser-Inseln in

der Wüste zu sein, sondern geschickt bewußt angelegte

Waldgartensysteme.

Zentrale Rolle z.B. in indigenen lateinamerikanischen Kulturen!

Korsika vor ca. 100 Jahren: Ausgedehnte

Edelkastanien-Wirtschaft.

Alte Waldgärten sind bisweilen zu finden in manchen asiatischen

Kulturen.

In Europa und USA: Moderne Wiederentdeckung v.a. seit Robert

Hart.

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Zum Anlegen von Waldgärten

Detaillierte botanische Kenntnisse und Wissen über

Systemzusammenhänge von großem Nutzen!

Dennoch: nicht entmutigen lassen! Einiger Erfolg auch schon

ohne ausgefeiltes Design möglich (→ Robert Hart).

Zugang zu Land? Verschiedene erschwingliche Möglichkeiten,

z.B. Pacht.

Besser als Gruppe als alleine: Zeitliche Abdeckung aller

wichtigen Phasen alleine sehr schwierig: enormes

Mobilitätshemmnis!

Wichtige (Informations-)Quellen: Literatur,

Waldgarten-Netzwerk, Experten, etablierte Systeme,

Wildnis!

Wald als Erholungs- und Lebensraum: angenehmes Umfeld!

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Letztendlich. . .

Waldgärten können einen erheblichen Beitrag leisten, um

große fundamentale Probleme effektiv anzugehen:

Dürreresistentere Landbewirtschaftung, Lösung des

Erosionsproblems, Aufhalten des Artensterbens, . ..

Ein Wald ist ein lebendes System, das seine eigenen

biologischen Uhren hat – seine Etablierung braucht Zeit! Wie

bei der Entstehung eines Kindes (9 Monate) sind unserem

‘Verhandlungsspielraum’ Grenzen gesetzt!

Wir sehen heute, daß wir auf massive Probleme zusteuern.

Je eher wir anfangen, die Systeme aufzubauen, deren

Etablierung nicht von heute auf morgen geschehen kann,

desto einfacher wird es für uns, mit ihnen fertig zu werden.

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Es gibt viel zu tun

Ein anderes Zitat aus den Tiefen des Internets: Diskussion auf

slashdot.org anläßlich der Idee einer Mars-Kolonie:

http://hardware.slashdot.org/comments.pl?sid=1230871&cid=27928185

Vitamins don’t grow on trees.

Meine Beobachtung: In manchen Bevölkerungsschichten herrschen

(gerade in den USA) hochgradig absurde Vorstellungen vor, und es

dürfte ein gutes Stück Arbeit sein, bis diese halbwegs im Einklang

mit der Realität sind.

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. ..aber vielleicht auch nicht (german-bash.org):

war ja letztens auf rock am ring

war da so auf der hinfahrt

da kommt da so en schild ¨ rasen ist uncool¨

ja und?

AUF NER 20000m 2 WIESE!!!!

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