Sicherheit und Unfallprävention im Seniorensport ... - BfU
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fu<br />
bpa<br />
upi<br />
Schweizerische<br />
Beratungsstelle<br />
für Unfallverhütung<br />
<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong><br />
<strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
R 0113
Impressum<br />
2<br />
Impressum<br />
Herausgeberin/Bezugsquelle<br />
Schweizerische Beratungsstelle<br />
für Unfallverhütung bfu<br />
Postfach 8236<br />
CH-3001 Bern<br />
Tel. 031 390 22 22<br />
Fax 031 390 22 30<br />
info@bfu.ch<br />
www.bfu.ch<br />
Auftraggeber<br />
Schweizerische Beratungsstelle<br />
für Unfallverhütung bfu<br />
Laupenstrasse 11<br />
3001 Bern<br />
B<strong>und</strong>esamt für Sport Magglingen<br />
BASPO<br />
2532 Magglingen<br />
Swiss Olympic<br />
Laubeggstrasse 70<br />
3000 Bern 32<br />
Autor<br />
Hansjürg Thüler, Projekte in Bewegung ®<br />
Co-Autoren<br />
Matthias Brunner, Aquademie ® für Wasserfitness, Kapitel 8<br />
Hugo Kallen, Projekte in Bewegung ® , Kapitel 7<br />
Bernard Marti, BASPO, Sportwissenschaftliches Institut, Kapitel 2<br />
Andres Schneider, BASPO, Ausbildungsbereich <strong>Seniorensport</strong>, Kapitel 6<br />
Anton Schnetzer, Pro Senectute Schweiz, Kapitel 9<br />
Regula Stöcklin, bfu, Abteilung Recht, Kapitel 10<br />
Projektteam<br />
Diana C<strong>im</strong>a, bfu, Abteilung Sport (Projektleitung)<br />
René Mathys, bfu, Leiter Abteilung Sport<br />
Christoph Nützi, Swiss Olympic, Verantwortlicher <strong>Seniorensport</strong><br />
Andres Schneider, BASPO, Verantwortlicher <strong>Seniorensport</strong><br />
Hansjürg Thüler, Projekte in Bewegung ® (Projektleitung)<br />
Begleitgruppe<br />
This Fehrlin, Alter <strong>und</strong> Sport, Pro Senectute Schweiz<br />
Walter Krüsi, Interverband für Schw<strong>im</strong>men IVSCH<br />
Marlies Wegmüller, <strong>Seniorensport</strong>leiterin<br />
Fotos<br />
Daniel Käsermann<br />
Beat Cattaruzza<br />
Matthias Brunner, Aquademie ® für Wasserfitness<br />
Grafische Gestaltung<br />
Illustrationen<br />
c 2 Beat Cattaruzza, Biel<br />
Druck<br />
Edipr<strong>im</strong> AG/SA<br />
15, rue Oppliger<br />
2501 Biel-Bienne<br />
Auflage 1/2001/5000<br />
2/2002/7000<br />
© bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic<br />
Alle Rechte vorbehalten; die auszugsweise oder vollständige Vervielfältigung oder<br />
Kopie (Fotokopie, Mikrokopie) dieser Broschüre darf nur mit Genehmigung <strong>und</strong> Angabe<br />
der Auftraggeber erfolgen.
Inhaltsverzeichnis<br />
Vorwort 5<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell 6<br />
1. Einleitung 7<br />
1.1 Das <strong>Sicherheit</strong>smodell für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong><br />
<strong>Seniorensport</strong> 7<br />
1.2 Ziele des <strong>Sicherheit</strong>smodells 7<br />
1.3 Sicher (!) aktiv sein! 8<br />
2. Das Älterwerden verstehen 9<br />
2.1 Muskulatur: Kraftverlust als Realität 9<br />
2.2 Knochen <strong>und</strong> Gelenke 10<br />
2.3 Herz-Kreislauf-System <strong>und</strong> Lungenfunktion 10<br />
2.4 Abnahme des Seh- <strong>und</strong> Hörvermögens 11<br />
2.5 Hinweise zur gezielten Vertiefung 12<br />
3. Fakten kennen 13<br />
3.1 Das Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung 13<br />
3.2 Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 45 14<br />
3.3 Unfälle bei Senioren ab 65 16<br />
3.4 Hinweise zur gezielten Vertiefung 18<br />
4. Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge an die<br />
<strong>Unfallprävention</strong> leisten 19<br />
4.1 Beiträge des <strong>Seniorensport</strong>s an die <strong>Unfallprävention</strong> 19<br />
4.2 Sturzprävention 21<br />
4.3 Hinweise zur gezielten Vertiefung 23<br />
5. In der Praxis Unfälle vermeiden 24<br />
5.1 Innere Faktoren 24<br />
5.2 Äussere Faktoren 31<br />
6. Im Aktionsfeld Outdoor Unfälle vermeiden 32<br />
6.1 Einordnung 32<br />
6.2 Das Aktionsfeld "Outdoor" 32<br />
6.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende 35<br />
6.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld 37<br />
6.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen 37<br />
7. Im Aktionsfeld Indoor Unfälle vermeiden 38<br />
7.1 Einordnung 38<br />
7.2 Das Aktionsfeld "Indoor" 38<br />
7.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende 39<br />
7.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld 41<br />
7.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen 42<br />
8. Im Aktionsfeld Wasser Unfälle vermeiden 43<br />
8.1 Einordnung 43<br />
8.2 Das Aktionsfeld "Wasser" 43<br />
8.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende 44<br />
8.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld 46<br />
8.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen 46<br />
Inhalt<br />
3
Inhalt<br />
4<br />
9. In einem Notfall richtig handeln 47<br />
9.1 Rettungskette 47<br />
9.2 Weitere Massnahmen 49<br />
9.3 Gefahrenquellen eruieren 50<br />
9.4 Notfallausrüstung für Sportleitende 50<br />
9.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen, z.B. für Hinweise auf<br />
Weiter- <strong>und</strong> Fortbildungen 50<br />
10. Sich rechtlich absichern 51<br />
10.1 Zustandsabklärung <strong>und</strong> Angebotsausschreibung 51<br />
10.2 Haftungsbeschränkungen 52<br />
10.3 Versicherungen 52<br />
10.4 Auswahl möglicher Rechtsfragen nach einem Unfall 55<br />
11. Literatur 58<br />
12. Kopiervorlagen 61<br />
12.1 Min<strong>im</strong>alprogramm 61<br />
12.2 Checkliste 62
Vorwort<br />
Die zweite Lebenshälfte fordert den Menschen als Individuum heraus,<br />
er muss sich umstellen <strong>und</strong> neu orientieren. Bewegung, Spiel<br />
<strong>und</strong> Sport leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlergehen der<br />
älter werdenden Bevölkerung. Auch der organisierte <strong>Seniorensport</strong><br />
trägt entscheidend zur Erhöhung der <strong>Sicherheit</strong> bei, so dass die alltäglichen<br />
Tätigkeiten <strong>im</strong> Haushalt <strong>und</strong> das Bewältigen des Strassenverkehrs<br />
leichter fallen. Somit bleibt die Handlungsfähigkeit <strong>im</strong> Alter<br />
erhalten <strong>und</strong> die Lebensqualität wird erhöht.<br />
Das Bildungsmodell <strong>Seniorensport</strong> Schweiz – getragen von Swiss<br />
Olympic <strong>und</strong> dem BASPO – sieht ein zweistufiges Ausbildungskonzept<br />
für <strong>Seniorensport</strong>-Leiterinnen <strong>und</strong> -Leiter sowie für Expertinnen<br />
<strong>und</strong> Experten vor. Als Gr<strong>und</strong>lage für die Aus- <strong>und</strong> Fortbildung dient<br />
das verbindliche Basis-Lern-Lehrmittel <strong>Seniorensport</strong> Schweiz.<br />
Vermehrtes Bewegen, Spielen <strong>und</strong> Sporttreiben kann aber auch zu<br />
höheren Unfallzahlen führen. Als Ergänzung zum Bildungsmodell<br />
<strong>Seniorensport</strong> Schweiz ist deshalb das <strong>Sicherheit</strong>smodell für die<br />
<strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> geschaffen worden. Es hilft<br />
den aktiven Leiterinnen <strong>und</strong> Leitern das Älterwerden zu verstehen,<br />
die spezifischen Risiken <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> zu erkennen <strong>und</strong> Unfälle<br />
in der Praxis zu verhüten.<br />
Die vorliegende Dokumentation ergänzt das Basis-Lern-Lehrmittel<br />
<strong>Seniorensport</strong> Schweiz <strong>und</strong> dient als weiteres Hilfsmittel in der Aus<strong>und</strong><br />
Fortbildung. Das Autorenteam vermittelt anschaulich die Gr<strong>und</strong>lagen<br />
für die Planung <strong>und</strong> Durchführung eines sicheren <strong>Seniorensport</strong>-Angebots.<br />
Wir danken allen Beteiligten für ihr enormes Engagement bei der<br />
Realisierung dieser Dokumentation <strong>und</strong> wünschen den <strong>Seniorensport</strong>-Leiterinnen<br />
<strong>und</strong> -Leitern viel Freude, Erfolg <strong>und</strong> unfallfreie<br />
Anlässe.<br />
Schweizerische Beratungsstelle<br />
für Unfallverhütung bfu<br />
Der Direktor<br />
Peter Hehlen, dipl. Ing. ETH<br />
Bern, <strong>im</strong> September 2001<br />
B<strong>und</strong>esamt für Sport<br />
BASPO<br />
Der Direktor<br />
Heinz Keller<br />
Swiss Olympic<br />
Der Direktor<br />
Marco Blatter<br />
Vorwort<br />
5
6<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen
1. Einleitung<br />
Die möglichen Beiträge des <strong>Seniorensport</strong>s an die Erhaltung der<br />
Handlungsfähigkeit, an die Erhöhung der Lebensqualität <strong>und</strong> letztlich<br />
an einen bewegungskulturellen Lebensstil von älter werdenden<br />
Menschen wurden <strong>im</strong> Basis-Lern-Lehrmittel <strong>Seniorensport</strong> Schweiz<br />
ausführlich beschrieben. Der Wert dieser Beiträge kann noch erhöht<br />
werden, wenn die ohnehin niedrige Unfallgefahr <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
weiter vermindert <strong>und</strong> damit ein Höchstmass an <strong>Sicherheit</strong> in Bewegungs-,<br />
Spiel- <strong>und</strong> Sportaktivitäten erreicht wird. Zur Unterstützung<br />
wurde dazu das vorliegende <strong>Sicherheit</strong>smodell für die <strong>Unfallprävention</strong><br />
<strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> geschaffen.<br />
1.1 Das <strong>Sicherheit</strong>smodell für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong><br />
<strong>Seniorensport</strong><br />
Der sich bewegende, älter werdende Mensch bringt die unterschiedlichsten<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen <strong>und</strong> Ressourcen in<br />
eine <strong>Seniorensport</strong>aktivität mit. Um als Leitende solcher Aktivitäten<br />
die Voraussetzungen für eine unfallfreie Ausübung dieser Tätigkeit<br />
<strong>und</strong> damit den Zugang zum grösstmöglichen Gewinn daraus zu<br />
gewährleisten, durchlaufen wir ein Modell von sechs Stufen. Das<br />
Verständnis des Älterwerdens stellt dabei den Ausgangspunkt dar<br />
(Stufe 1, Kap. 2). Dazu kommen die Kenntnis der wichtigsten Fakten<br />
zum Unfallgeschehen (Stufe 2, Kap. 3) <strong>und</strong> das Bewusstsein, dass<br />
mit Bewegungsaktivitäten an <strong>und</strong> für sich bereits wesentliche<br />
Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> geleistet werden (Stufe 3, Kap. 4).<br />
Erst darauf aufbauend versuchen wir, unmittelbar während dem<br />
Bewegungsangebot, also in der Praxis, Unfälle zu vermeiden (Stufe<br />
4, Kap. 5 bis 8). Kommt es trotzdem einmal zu einem Unfall, so geht<br />
es darum, diese Notfallsituation so schnell <strong>und</strong> fachgerecht wie<br />
möglich zu beheben (Stufe 5, Kap. 9). Und schliesslich sollen sich<br />
Leitende von <strong>Seniorensport</strong>angeboten auch der rechtlichen Situation<br />
bewusst sein (Stufe 6, Kap. 10).<br />
1.2 Ziele des <strong>Sicherheit</strong>smodells<br />
Das in der vorliegenden Broschüre beschriebene <strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
unterstützt Sportleitende praxisnah <strong>und</strong> sportartübergreifend bei der<br />
möglichst sicheren Gestaltung ihres Bewegungsangebotes. Darin<br />
wird nicht auf die sportartspezifischen Eigenheiten <strong>und</strong> Richtlinien<br />
eingegangen. Diese gelten über die Broschüre hinaus. Mit einer einfachen<br />
Checkliste können Leitende überprüfen, ob ihr Angebot die<br />
Anforderungen des <strong>Sicherheit</strong>smodells erfüllt. Darüber hinaus finden<br />
sie Hinweise <strong>und</strong> Orientierungshilfen zur Vertiefung entweder<br />
am Schluss des Kapitels (Kap. 2 bis 4) oder in der Literaturliste. Aus<br />
dieser Broschüre bewusst ausgegrenzt werden Anliegen an die<br />
<strong>Sicherheit</strong> <strong>im</strong> Alter, die <strong>im</strong> Zusammenhang mit Kr<strong>im</strong>inalität stehen,<br />
d.h. es wird nicht auf die Prävention vor kr<strong>im</strong>inellen Handlungen eingegangen.<br />
1<br />
Lesehinweis:<br />
BLL, B. 2/S.14<br />
heisst:<br />
Seite 14<br />
der Broschüre 2<br />
<strong>im</strong> Basis-<br />
Lern-Lehrmittel<br />
(BLL)<br />
1.1<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
1.2<br />
7
1.3 1.3 Sicher (!) aktiv sein!<br />
Die verschiedensten Seniorenaktivitäten sind bis ins hohe Alter <strong>und</strong><br />
Hinweis:<br />
Laut Duden<br />
beinhaltet das<br />
Wort "Senioren"<br />
in der Mehrzahl<br />
sowohl die<br />
weibliche als<br />
auch die männliche<br />
Form!<br />
Es wird daher in<br />
der vorliegenden<br />
Publikation in<br />
diesem Sinne<br />
verwendet!<br />
8<br />
auch be<strong>im</strong> Auftreten von diversen Erkrankungen <strong>und</strong> Beschwerden<br />
noch bestens durchführbar, ja sogar wärmstens zu empfehlen. Sie<br />
als ganzheitlichen Gewinn sicher erleben zu lassen, kann für Leitende<br />
eine enorme Befriedigung <strong>und</strong> das <strong>Sicherheit</strong>smodell darin eine<br />
grosse Chance darstellen.
2. Das Älterwerden verstehen<br />
Welche Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden beeinflussen das Unfallgeschehen?<br />
Warum kann Kraftverlust eine erhöhte Unfallgefahr darstellen?<br />
Inwiefern verändern sich Bewegungen, wenn weniger Sinnesreize aufgenommen<br />
werden können?<br />
Um den <strong>Sicherheit</strong>sanliegen <strong>und</strong> der <strong>Unfallprävention</strong> möglichst<br />
gerecht zu werden, muss das Älterwerden des sich bewegenden<br />
Menschen an <strong>und</strong> für sich verstanden werden. Das kalendarische<br />
Alter eines Menschen in Jahren alleine sagt wenig über dessen<br />
Ges<strong>und</strong>heitszustand <strong>und</strong> seine Fitness aus, <strong>und</strong> damit auch wenig<br />
darüber, wie sehr er unfallgefährdet ist (BLL, B. 2/S. 14). Wesentlich<br />
mehr Einflüsse auf die Gefährdung eines Menschen hat sein biologisches<br />
Alter (Stand der Auf- bzw. Abbauprozesse <strong>im</strong> Körper).<br />
Veränderungen hinsichtlich des biologischen Alterns sind bei der<br />
<strong>Unfallprävention</strong> von vorrangiger Bedeutung; auf sie soll in diesem<br />
Kapitel das Hauptaugenmerk gerichtet werden. Die nachfolgend<br />
kurz angesprochene Altersforschung der neueren Zeit macht Mut.<br />
Sie zeigt, dass das Älterwerden <strong>im</strong>mer mehr auch ein Stück weit als<br />
"individuelle Lebens- <strong>und</strong> Gestaltungschance" zu verstehen ist. In<br />
der Tat sind die "neuen Alten" ein lebender Beweis dafür.<br />
2.1 Muskulatur: Kraftverlust als Realität<br />
Der für das Unfallgeschehen wohl wichtigste Einzelfaktor ist der<br />
Kraftverlust <strong>im</strong> Alter. Genauer gesagt handelt es sich um die fortdauernde<br />
Abnahme von Nerven-Muskelfaser-Einheiten in den Muskeln<br />
bereits ab dem 3. Lebensjahrzehnt. Sie erreicht mit ca. 50 Jahren<br />
jedoch ein Ausmass, das ein Krafttraining als ratsam erscheinen<br />
lässt. Dieses allen empfohlene Krafttraining ab 50 Jahren umfasst<br />
alle grossen Muskelgruppen des Rumpfes, der Arme <strong>und</strong> der Beine,<br />
<strong>und</strong> es stützt sich auf die wissenschaftlich erwiesene, praktisch<br />
uneingeschränkte Trainierbarkeit der Muskulatur bis ins hohe <strong>und</strong><br />
höchste Alter, d.h. über 80 Jahre hinaus. Die Anpassungsfähigkeit<br />
der Muskulatur an Training ist beträchtlich: bereits innerhalb weniger<br />
Wochen lässt sich in der Regel ein Kraftzuwachs von 20, 30 oder<br />
mehr Prozent feststellen. Sie hat indessen auch ihre Kehrseite: Der<br />
Zuwachs an Leistungsfähigkeit verflüchtigt sich bei einem Trainingsunterbruch<br />
(fast) ebenso schnell, wie er aufgetreten ist.<br />
Etwas weniger detailliert erforscht ist der Verlust an Elastizität <strong>und</strong><br />
Plastizität, umschrieben als "Geschmeidigkeit" der Muskulatur. Ältere<br />
Sportler neigen nachweislich zu vermehrten Muskelverhärtungen<br />
<strong>und</strong> -zerrungen, selbst wenn die Beweglichkeit noch gut erhalten ist.<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
2<br />
2.1<br />
9
2.2<br />
2.3<br />
10<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Der altersbedingte Kraftverlust ist ein Hauptgr<strong>und</strong>, dass Bewegungen nicht mehr<br />
wie in jüngeren Jahren ausgeführt werden können <strong>und</strong> eher zu einem Sturz<br />
führen. Eine "rettende" Handlung kann unter Umständen ebenfalls mangels Kraft<br />
nicht mehr ausgeführt werden. Deshalb ist regelmässiges Krafttraining unabdingbare<br />
Voraussetzung für die <strong>Unfallprävention</strong>. Weniger "geschmeidige" Muskeln zu<br />
haben kann bedeuten, dass die Funktion eines Muskels nicht opt<strong>im</strong>al gegeben ist,<br />
was direkt zu einem Unfall führen kann. Verhärtete Muskeln tolerieren Belastungen<br />
weniger, was die Bedeutung von muskelpflegenden Massnahmen (z.B. angepasstes<br />
Ein- <strong>und</strong> Auslaufen, Dehn- <strong>und</strong> Lockerungsübungen, Massage usw.)<br />
unterstreicht.<br />
2.2 Knochen <strong>und</strong> Gelenke<br />
Vorgeschädigte Gelenkknorpel (z.B. Gelenksarthrosen), Osteoporose<br />
(Knochenschw<strong>und</strong>) oder Beeinträchtigungen des Kapsel-/Bandapparates<br />
der Gelenke kommen mit zunehmendem Alter häufiger<br />
vor (BLL, B. 2/S. 15) <strong>und</strong> spielen bei der <strong>Unfallprävention</strong> eine wichtige<br />
Rolle.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Schmerzen <strong>und</strong> Funktionsstörungen in Gelenken führen dazu, dass gewisse<br />
Bewegungen nicht oder nur unvollständig ausgeführt werden können, was direkt<br />
zu Unfällen führen kann.<br />
2.3 Herz-Kreislauf-System <strong>und</strong> Lungenfunktion<br />
Vorausgesetzt, dass keine Krankheiten dieser Organsysteme<br />
vorliegen, ist auch hier eine lebenslang praktisch uneingeschränkte<br />
Trainierbarkeit gegeben. Die altersbedingte Abnahme der max<strong>im</strong>alen<br />
Herzfrequenz (<strong>im</strong> Durchschnitt ungefähr fünf bis sieben Schläge<br />
pro Lebensjahrzehnt) ist dabei nur <strong>im</strong> Bereich des Leistungssports<br />
als "Bremsfaktor" relevant.<br />
Die mit zunehmendem Alter eintretenden Veränderungen des Herz-<br />
Kreislauf-Systems (BLL, B. 2/S. 16) haben allerdings ihre Einflüsse<br />
auf die <strong>Unfallprävention</strong>.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit kann dazu führen, dass Übungen oder Spiele<br />
früher unter- oder abgebrochen werden müssen ("ausser Atem sein"). In diesen<br />
Situationen werden nötige Bewegungshandlungen nicht mehr oder allenfalls nur<br />
fehlerhaft ausgeführt, was zu Unfällen führen kann. Dem rechtzeitigen Erkennen<br />
von Überforderung kommt hier grösste Bedeutung zu (BLL, B. 3/S. 15).
Check-Fragen für Krankheiten <strong>und</strong> Symptome:<br />
Hilfreich können in jedem Fall die sieben Kontrollfragen der Schweizerischen<br />
Gesellschaft für Sportmedizin sein, die vor Aufnahme<br />
eines Sportprogramms empfohlen werden <strong>und</strong> die systematisch<br />
nach Krankheiten <strong>und</strong> Symptomen des Herz-Kreislauf-Systems fragen.<br />
Wird mindestens eine dieser Fragen mit "Ja" beantwortet, soll<br />
vorgängig ein Arzt konsultiert werden.<br />
1. Hat Ihnen jemals ein Arzt gesagt, Sie hätten "etwas am Herzen"<br />
<strong>und</strong> Ihnen Bewegung <strong>und</strong> Sport nur unter medizinischer Kontrolle<br />
empfohlen?<br />
2. Haben Sie Brustschmerzen bei körperlicher Belastung?<br />
3. Haben Sie <strong>im</strong> letzten Monat Brustschmerzen gehabt?<br />
4. Haben Sie schon ein- oder mehrmals das Bewusstsein verloren<br />
oder sind Sie ein- oder mehrmals wegen Schwindel gestürzt?<br />
5. Haben Sie ein Knochen- oder Gelenkproblem, das sich unter<br />
körperlicher Aktivität verschlechtern könnte?<br />
6. Hat Ihnen jemals ein Arzt ein Medikament gegen hohen Blutdruck<br />
oder gegen ein Herzproblem verschrieben?<br />
7. Ist Ihnen aufgr<strong>und</strong> persönlicher Erfahrung oder aufgr<strong>und</strong><br />
ärztlichen Rats ein weiterer Gr<strong>und</strong> bekannt, der Sie davon<br />
abhalten könnte, ohne medizinische Kontrolle Sport zu treiben?<br />
2.4 Abnahme des Seh- <strong>und</strong> Hörvermögens<br />
Mit zunehmendem Alter verringert sich die Leistungsfähigkeit<br />
dieser Organe sowohl quantitativ (weniger Signale werden aufgenommen),<br />
wie auch qualitativ (die aufgenommenen Signale werden<br />
langsamer verarbeitet <strong>und</strong> beantwortet). Diese Vorgänge setzen<br />
bereits ungefähr ab dem 30. Lebensjahr ein. Das Ohr kann vor allem<br />
höhere Töne weniger aufnehmen, zudem gelangen weniger Informationen<br />
vom Ohr ins Gehirn. Das Auge wird zunehmend weniger<br />
empfindlich <strong>und</strong> verliert an Beweglichkeit. Das führt dazu, dass<br />
Gegenstände nicht mehr so schnell <strong>und</strong> so scharf sowie unabhängig<br />
von ihrer Entfernung auf der Netzhaut abgebildet werden. Diese<br />
"Alterssichtigkeit" beginnt etwa mit dem 40. Lebensjahr. Die <strong>im</strong><br />
Auge wahrgenommene Helligkeit n<strong>im</strong>mt ebenso ab, mehr Licht<br />
wird benötigt.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Wenn weniger Reize oder Signale aus der Umwelt wahrgenommen werden – dazu<br />
noch langsamer – so hat das für die <strong>Unfallprävention</strong> massive Konsequenzen.<br />
Reaktionen <strong>im</strong> Sinne von erwarteten oder in einer Situation nötigen Bewegungshandlungen<br />
erfolgen nicht oder zu spät, was direkt zu Unfällen führen kann. Viele<br />
Spiel- <strong>und</strong> Übungsformen müssen daher gr<strong>und</strong>legend anders aufgebaut <strong>und</strong> durchgeführt<br />
werden.<br />
2.4<br />
11
2.5 2.5 Hinweise zur gezielten Vertiefung<br />
Vertiefung<br />
12<br />
Zu den körperlichen Veränderungen <strong>im</strong> Alter:<br />
Meusel, H.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit <strong>im</strong> Alter.<br />
1. Auflage – Wiesbaden: Quelle <strong>und</strong> Meyer, 1996, ab S. 20.<br />
Zum geistigen <strong>und</strong> sozialen Altern:<br />
Aspekte des geistigen <strong>und</strong> sozialen Alterns sind <strong>im</strong> BLL eingehend beschrieben <strong>und</strong><br />
werden hier nicht weiter vertieft (BLL; B. 2/S.18–20).<br />
Zu den Check-Fragen:<br />
Artikel: "Plötzlicher Herztod be<strong>im</strong> Sport: sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen <strong>und</strong><br />
Präventionsmassnahmen". Von: B. Marti, B. Villiger, M. Hintermann, R. Lerch.<br />
In: Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie. 46 (2), 1998, 83–85.<br />
Zur Konsultation eines Arztes:<br />
Liste der anerkannten CH-Sportmediziner der SGSM: CH-Gesellschaft für Sportmedizin<br />
(SGSM) c/o Barbara Bühlmann, BBS Congress GmbH, Postfach, 3000 Bern 25.<br />
Literatur:<br />
Aebersold, Chr.; Held, T.; Marti, B.: Leistungsfähigkeit von Ausdauerathleten <strong>im</strong><br />
Seniorenalter: Eine Vergleichsstudie mit männlichen <strong>und</strong> weiblichen Orientierungsläufern.<br />
Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie. 45 (2), 1997, 83–93.<br />
Ehrsam, R.: Training <strong>und</strong> Trainierbarkeit der aeroben Kapazität <strong>im</strong> Alter.<br />
Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie. 45 (2), 1997, 75–82.<br />
Ehrsam, R.; Zahner, L.: Kraft <strong>und</strong> Krafttraining <strong>im</strong> Alter. In: Denk, H. (HRsg.): Alterssport.<br />
Aktuelle Forschungsergebnisse. Schorndorf: Karl Hofmann, 1996; 191–211.<br />
Englisch:<br />
Shephard, RJ.: Aging, Physical Activity, and Health. Champaign IL: Human<br />
Kinetics, 1997.
3. Fakten kennen<br />
Welche Sportarten werden von Senioren vor allem ausgeübt? Wie viele<br />
Unfälle ereignen sich in diesen Sportarten? Was sind Sturzrisikofaktoren?<br />
Damit wirkungsvoll auf die <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong>sanliegen<br />
eingegangen werden kann, ist die Kenntnis der wichtigsten<br />
Fakten <strong>im</strong> Zusammenhang mit Seniorenunfällen von grosser<br />
Wichtigkeit.<br />
3.1 Das Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung<br />
3.1.1 <strong>Seniorensport</strong> beginnt mit 45<br />
Wenn mit Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport ges<strong>und</strong>heitliche Effekte<br />
erreicht werden sollen <strong>und</strong> damit eine biologische Altersvorsorge<br />
angestrebt wird, so sollten gezielte Bewegungsaktivitäten <strong>im</strong> Idealfall<br />
ab dem 45. Lebensjahr aufgenommen werden (BLL, B. 2/S. 3).<br />
Mehr als die Hälfte der 45- bis 74-jährigen (60%) betätigt sich mindestens<br />
einmal in der Woche sportlich. Knapp ein Drittel gehört zu<br />
den völlig Inaktiven. Ungefähr 10% sind zumindest ab <strong>und</strong> zu sportlich<br />
aktiv. Die präventivmedizinischen Empfehlungen (täglich 30<br />
Minuten Bewegungsaktivität) werden von ziemlich genau einem<br />
Drittel (33%) der Senioren ab 45 erfüllt.<br />
3.1.2 Ausgeübte Sportarten<br />
Die von den aktiven Senioren ausgeübten Sportarten sind insbesondere<br />
Wandern (inkl. Walking <strong>und</strong> Bergwandern), Schw<strong>im</strong>men, Radfahren,<br />
Skifahren <strong>und</strong> Turnen/Gymnastik. Bei den 45- bis 64-jährigen<br />
kommt Jogging (Laufen/Waldlauf) hinzu. Für diese Sportarten geben<br />
mindestens 20% der 45- bis 64-jährigen an, in den letzten 12 Monaten<br />
aktiv gewesen zu sein. In der Tabelle 3.1.2 aufgelistet sind diejenigen<br />
Sportarten, die – nach Angaben der Befragten – in den letzten<br />
12 Monaten von mehr als 10% der 45- bis 64-jährigen ausgeübt<br />
worden waren.<br />
Die Tabelle zeigt zudem, dass die Altersgruppe der 65- bis 74-jährigen<br />
in den genannten Sportarten zumeist deutlich weniger aktiv ist,<br />
als die Jüngeren – Ausnahme ist Turnen/Gymnastik. Mit zunehmendem<br />
Alter wird die Palette der ausgeübten Sportarten geringer.<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
3<br />
3.1<br />
3.1.1<br />
3.1.2<br />
Aktivitäten<br />
13
3.1.3<br />
3.2<br />
3.2.1<br />
Unfälle<br />
14<br />
Tabelle 3.1.2:<br />
Die beliebtesten Sportarten<br />
der Senioren ab 45<br />
(aus Datensatz "Sport<br />
Schweiz 2000")<br />
Wandern, Walking, Bergwandern<br />
Schw<strong>im</strong>men<br />
Radfahren, Mountainbike<br />
Skifahren/Carven (Piste)<br />
Turnen/Gymnastik<br />
Jogging/Laufen/Waldlauf<br />
Fitnesstraining/Aerobic<br />
Skilanglauf<br />
Vita-Parcours<br />
Tennis<br />
Kegeln/Bowling<br />
Skitouren/Skiwandern/Schneeschuh<br />
Tanzen/Jazztanz<br />
Eislaufen<br />
3.1.3 Körperliche Aktivität <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heitszustand<br />
Körperliche Aktivität wird nicht nur von der gesamten Schweizer<br />
Bevölkerung, sondern auch von den Senioren als wichtige<br />
Ges<strong>und</strong>heitsressource angesehen – Ges<strong>und</strong>heit ist für sie das<br />
wichtigste Sportmotiv. Nachweisen lassen sich die Zusammenhänge<br />
zwischen körperlicher Aktivität <strong>und</strong> Beschwerden, Einschätzung<br />
des Ges<strong>und</strong>heitszustandes <strong>und</strong> psychischem Wohlbefinden:<br />
• Körperlich aktive Personen sämtlicher Altersgruppen weisen<br />
weniger körperliche Beschwerden <strong>und</strong> ein höheres psychisches<br />
Wohlbefinden aus.<br />
• Körperlich aktive Personen schätzen ihre Ges<strong>und</strong>heit als<br />
bedeutend besser ein als Inaktive.<br />
• Körperliche Inaktivität ist mit vermehrten körperlichen Beschwerden,<br />
längerer Arbeitsunfähigkeit <strong>und</strong> längerer Bettlägerigkeit verb<strong>und</strong>en.<br />
• Inaktive Personen fallen durch mehr Arztbesuche <strong>und</strong> häufigere<br />
bzw. längere Spitalaufenthalte auf <strong>und</strong> schätzen ihr psychisches<br />
Wohlbefinden als geringer ein als körperlich aktive Personen.<br />
3.2 Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 45<br />
Aktive in der Gruppe Aktive in der Gruppe<br />
der 45- bis 64-jährigen der 65- bis 74-jährigen<br />
71%<br />
48%<br />
45%<br />
38%<br />
25%<br />
20%<br />
17%<br />
16%<br />
16%<br />
12%<br />
11%<br />
10%<br />
10%<br />
10%<br />
65%<br />
29%<br />
23%<br />
19%<br />
28%<br />
15%<br />
3.2.1 Unfälle in allen Lebensbereichen<br />
Jedes Jahr verunfallen in der Schweiz <strong>im</strong> Nichtberufsbereich über<br />
230'000 Personen <strong>im</strong> Alter ab 45 Jahren. Dabei machen die Unfälle<br />
<strong>im</strong> Haus- <strong>und</strong> Freizeitbereich den mit Abstand grössten Teil aus.<br />
Unfälle <strong>im</strong> Strassenverkehr <strong>und</strong> während einer sportlichen Tätigkeit<br />
sind weitaus seltener, vor allem bei den über 65jährigen.<br />
Hier liegt ihr Anteil jeweils unter 5%!<br />
5%<br />
6%<br />
9%<br />
5%<br />
6%<br />
7%<br />
7%<br />
1%
Verkehr<br />
Sport<br />
Haus <strong>und</strong> Freizeit<br />
Wandern, Walking, Bergwandern<br />
Schw<strong>im</strong>men<br />
Radfahren, Mountainbike (ohne Verkehr)<br />
Skifahren<br />
Turnen/Gymnastik/Fitness/Aerobic<br />
Jogging/Laufen/Waldlauf<br />
Tennis<br />
Skilanglauf<br />
Eislaufen<br />
Tourenskifahren<br />
Zum Vergleich:<br />
Alle Ball- <strong>und</strong> Rückschlagspiele<br />
Alle anderen erfassten Sportarten<br />
Total<br />
45- bis 64-jährig<br />
65-jährig <strong>und</strong> älter<br />
Personen in % Personen in %<br />
20´390 13,2%<br />
3´600 4,6%<br />
32´110 20,9%<br />
3´220 4,1%<br />
101´510 65,9%<br />
72´070 91,3%<br />
Total 154´010 100%<br />
78’890 100%<br />
3.2.2 Unfälle bei Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport<br />
Unfälle von Senioren machen hier einen kleinen Teil des gesamten<br />
Unfallgeschehens aus. Auch die Verletzungsfolgen sind zumeist<br />
nicht sehr gravierend. Sportunfälle sind nicht deshalb selten, weil<br />
sich Senioren wenig bewegen oder keinen bzw. wenig Sport treiben,<br />
sondern weil sie einen relativ guten Ges<strong>und</strong>heitszustand aufweisen.<br />
Ausserdem betreiben sie eher risikoarme Sportarten. In<br />
Bezug auf die am häufigsten betriebenen Sportarten fällt vor allem<br />
auf, dass be<strong>im</strong> alpinen Skifahren <strong>und</strong> be<strong>im</strong> Wandern/Bergsport ein<br />
grosser Teil der Unfälle geschieht. In der Altersgruppe der 45- bis<br />
64-jährigen fallen zudem die Ballspiele mit einem hohen Anteil an<br />
Unfällen auf.<br />
Anzahl verunfallte<br />
Personen:<br />
45- bis 64-jährig<br />
1´645<br />
1´565<br />
255<br />
11´880<br />
1´230<br />
1´545<br />
2´010<br />
560<br />
400<br />
145<br />
7´005<br />
3´870<br />
32´110<br />
Anzahl verunfallte<br />
Personen:<br />
65-jährig <strong>und</strong> älter<br />
1´420<br />
70<br />
60<br />
760<br />
240<br />
20<br />
10<br />
305<br />
0<br />
30<br />
100<br />
205<br />
3 ´220<br />
Tabelle 3.2.1:<br />
Unfallrate der schweizerischen<br />
Wohnbevölkerung<br />
<strong>im</strong> Nichtberufsbereich<br />
(bfu-Hochrechnung 1997)<br />
Tabelle 3.2.2:<br />
Anzahl Unfälle in den<br />
beliebtesten Sportarten<br />
(bfu-Hochrechnung 1997,<br />
soweit Zahlen vorhanden)<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Unfälle bei Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport sind relativ selten. Allerdings gilt es für uns<br />
trotzdem, Bedingungen zu schaffen, die erlauben, möglichst viele der ungefähr<br />
35'000 jährlichen Sportunfälle zu vermeiden oder deren negative Auswirkungen einzudämmen.<br />
Ein Grossteil der Seniorenunfälle ereignet sich ausserhalb der Bewegungs-<br />
oder Sportaktivitäten. Durch geeignete Trainingsprogramme in Bewegung,<br />
Spiel <strong>und</strong> Sport kann auch zur Vermeidung dieser Unfälle beigetragen werden.<br />
3.2.2<br />
15
3.3<br />
3.3.1<br />
Unfallfaktoren<br />
16<br />
3.3 Unfälle bei Senioren ab 65<br />
Statistisch besser belegt ist das Unfallgeschehen bei den Senioren<br />
ab 65. Die häufigste Unfallart ist der Sturz. R<strong>und</strong> 65'500 Unfälle oder<br />
83% sind darauf zurückzuführen. Weitere Unfallarten sind Einwirkungen<br />
durch Gegenstände <strong>und</strong> Kollisionen (nicht nur <strong>im</strong> Strassenverkehr,<br />
sondern auch <strong>im</strong> Sport, z.B. be<strong>im</strong> Skifahren).<br />
Unwesentliche Anteile an Unfällen machen die Verletzungen durch<br />
Tiere, Verbrennungen <strong>und</strong> andere Unfälle aus.<br />
3.3.1 Unfallfaktoren<br />
Bei einem Unfall spielen zumeist mehrere, sich ergänzende Faktoren<br />
eine Rolle. Meistens kann nicht eindeutig zurückverfolgt werden,<br />
welcher Faktor auslösend war. Trotzdem lassen sich für alle<br />
oben erwähnten Unfallarten die hauptverantwortlichen Faktoren auflisten.<br />
Es sind dies:<br />
1. Schwindel bzw. Gleichgewichtsverlust<br />
2. Bodenbelag<br />
3. Verlangsamte Reaktion<br />
4. Mangelnde Fähigkeit, eine Handlung auszuführen<br />
5. Eile<br />
6. Durchblutungsstörungen<br />
7. Schwächen aller Art<br />
Gr<strong>und</strong>sätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sowohl be<strong>im</strong><br />
Sport wie bei Tätigkeiten <strong>im</strong> Haushalt oder in der Freizeit die gleichen<br />
Risikofaktoren für Unfälle zum Tragen kommen.
3.3.2 Der Sturz bei Senioren ab 65<br />
Stürze machen <strong>im</strong> Haushalt 85% <strong>und</strong> <strong>im</strong> Sport 80% der Unfälle aus!<br />
Sie stehen oft mit einer Selbstüber- oder Fehleinschätzung der eigenen<br />
Möglichkeiten in Zusammenhang. Diese, kombiniert mit den verschiedensten<br />
Sturzfaktoren, führt schliesslich zum Unfall. Da Stürze einen<br />
derart hohen Anteil am gesamten Unfallgeschehen ausmachen, sind<br />
die Sturzrisikofaktoren für die <strong>Unfallprävention</strong> wichtige Ansatzpunkte.<br />
Sturzrisikofaktoren<br />
Übergreifend wirkende Sturzrisikofaktoren:<br />
• Mangelnde Fähigkeit, eine<br />
best<strong>im</strong>mte Handlung auszuführen<br />
• Erschöpfung/Müdigkeit<br />
• Eile<br />
• Schwindel/Gleichgewichtsverlust<br />
• Bewegungsmangel<br />
• Eingeschränkte Sehfähigkeit<br />
• Blutdruckabfall<br />
• Schrittstörungen<br />
• Abnehmende Kraft/Beweglichkeit<br />
(Muskelschwächen)<br />
• Reduziertes Reaktionsvermögen<br />
• Psychologische Faktoren wie:<br />
• Abnehmende soziale Integration<br />
• Angstzustände<br />
• Depressionen<br />
Unmittelbar während des Unfalls<br />
einwirkende Faktoren:<br />
• Schwindel/Gleichgewichtsverlust<br />
• Alkohol/Medikamente<br />
• Herz-/Kreislauf-/<br />
Hirndurchblutungsstörungen<br />
• Aktuelle Erschöpfung/Müdigkeit<br />
• Mangelhaftes Schuhwerk<br />
• Mangelhafte Beleuchtung<br />
• Bodenbelag (rutschig, uneben,<br />
...)<br />
Diese Faktoren treten umso<br />
gewichtiger auf bei den Tätigkeiten:<br />
• Aufstehen aus dem Sitzen oder<br />
Liegen<br />
• Treppenaufsteigen<br />
• Treppenabsteigen<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Bei allen Unfällen ist der Sturz die hauptsächliche Unfallart. Aufgr<strong>und</strong> dieser wichtigen<br />
Erkenntnis stellt das Vermeiden von Stürzen ein Hauptanliegen dar. Da Stürze in den<br />
allermeisten Fällen auf verschiedene Faktoren wie altersbedingt verminderte Leistungen,<br />
andere körperliche Einschränkungen oder Umgebungsfaktoren zurückzuführen<br />
sind, muss die Prävention auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Als pr<strong>im</strong>äre Massnahme<br />
steht die Förderung der Kraft, des Gleichgewichts <strong>und</strong> der Beweglichkeit <strong>im</strong> Vordergr<strong>und</strong>.<br />
Darauf wird in Kapitel 4 eingegangen. Dann müssen aber auch Massnahmen<br />
zur Umgebungsgestaltung getroffen werden. Dies wird sich auf die Gestaltung von<br />
Bewegungs-, Spiel- <strong>und</strong> Sportlektionen auswirken (Kap. 5 bis 8).<br />
3.3.2<br />
Sturzrisikofaktoren<br />
Tabelle 3.3.2<br />
Zusammenfassung<br />
Sturzrisikofaktoren<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
17
3.4 3.4 Hinweise zur gezielten Vertiefung<br />
Vertiefung<br />
18<br />
Zum Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung:<br />
Calmonte, R.; Kälin, W: Körperliche Aktivität <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit in der Schweizer<br />
Bevölkerung. Sek<strong>und</strong>äranalyse der Daten zur Schweizerischen Ges<strong>und</strong>heitsbefragung<br />
1992. Institut für Sozial- <strong>und</strong> Präventivmedizin, 1997.<br />
Lamprecht, M.; Stamm, H.P.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit in der Schweizer<br />
Bevölkerung. Sek<strong>und</strong>äranalyse der Daten der Schweizerischen Ges<strong>und</strong>heitsbefragung<br />
1997. Zürich: Forschungsbericht <strong>im</strong> Auftrag des B<strong>und</strong>esamtes für Sport,<br />
November 1999.<br />
Lamprecht, M.; Stamm, H.P.: Sek<strong>und</strong>äranalyse zur SOV-STG-Studie "Sport<br />
Schweiz 2000": <strong>Seniorensport</strong> in der Schweiz. Zürich: Arbeitspapier Juli 2000.<br />
Martin, B. W.; Mäder, U.; Calmonte, R.: Einstellung, Wissen <strong>und</strong> Verhalten der<br />
Schweizer Bevölkerung bezüglich körperlicher Aktivität: Resultate aus dem Bewegungssurvey<br />
1999. Neuchâtel: Sportwissenschaftliches Institut Magglingen; Institut für<br />
Sozial- <strong>und</strong> Präventivmedizin der Universität Zürich; B<strong>und</strong>esamt für Statistik; 1999.<br />
Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie 47 (4), 1999, 165–169.<br />
Zum Unfallgeschehen bei Senioren in der Schweiz:<br />
Allenbach, R.: Nichtberufsunfälle in der Schweiz. Das gesamte Ausmass für das Jahr<br />
1997. bfu-Pilotstudie. Bern: bfu, 2000.<br />
Beer, V.; Minder, Ch.; Hubacher, M.; Abelin, Th.: Epidemiologie der Seniorenunfälle.<br />
bfu-Report 42. Bern: bfu, 2000.<br />
Hubacher, M.; Ewert, U.: Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 65 Jahren.<br />
bfu-Report 32. Bern: bfu,1997.<br />
Zur Sturzprävention:<br />
Schwend<strong>im</strong>ann, R.: Sturzprävention <strong>im</strong> Akutspital. Eine Literaturübersicht. In "Pflege"<br />
13/2000, S. 169–179.<br />
Tideiksaar, R.: Stürze <strong>und</strong> Sturzprävention. Bern; Göttingen; Toronto; Seattle:<br />
Huber, 2000.<br />
Englisch:<br />
Cwikel, J.; Fried, A. V.: The social epidemiology of falls among community-dwelling<br />
elderly: guidelines for prevention. Disability and Rehabilitation 14 (3), 1992 113–121.<br />
Oakley, A.; Dawson, M. F. u. a.: Preventing falls and subsequent injury in older<br />
people. Quality in Health Care 5 1996, 243–249.<br />
Tinetti, M. E.; Williams, C. S.: Falls, injuries due to Falls, and the risk of Admission<br />
to a Nursing Home. NEJM 337 (18), 1997, 1279–1284.
4. Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge an die<br />
<strong>Unfallprävention</strong> leisten<br />
Wie passiert <strong>Unfallprävention</strong> durch <strong>Seniorensport</strong>? Wie können Sturzrisikofaktoren<br />
beeinflusst werden? Was gehört zu einem Min<strong>im</strong>alprogramm<br />
"Sturzprävention"?<br />
Hauptanliegen der <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> ist naheliegenderweise,<br />
dass unmittelbar während der Ausübung von Bewegung,<br />
Spiel <strong>und</strong> Sport keine Unfälle passieren (Kap. 5–8). Zunächst <strong>und</strong> als<br />
nächste Stufe <strong>im</strong> <strong>Sicherheit</strong>smodell soll aber darauf eingegangen<br />
werden, welche unfallpräventiv günstigen Effekte durch körperliche<br />
Aktivitäten erreicht werden können.<br />
4.1 Beiträge des <strong>Seniorensport</strong>s an die <strong>Unfallprävention</strong><br />
Demographische Faktoren Ges<strong>und</strong>heitliche Faktoren<br />
Individuelle Voraussetzungen, die eine Person mitbringt<br />
Unfallbegleitende<br />
Faktoren<br />
Unfall<br />
Verletzung/Folgen<br />
Aktuelle Tätikeit<br />
während des Unfalls<br />
4.1.1 Zusammenhänge bei einem Unfall<br />
Die Voraussetzungen einer einzelnen Person, die den Unfallverlauf<br />
beeinflussen, setzen sich aus demographischen Faktoren (z.B. Geschlecht,<br />
Alter, Lebens- <strong>und</strong> Wohnverhältnisse) <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heitsfaktoren<br />
(z.B. körperliche Beschwerden, Blutdruckprobleme, Medikamentenkonsum<br />
sowie das allgemeine Ges<strong>und</strong>heitsverhalten wie Ehrnährung,<br />
Rauchen, körperliche Aktivität usw.) zusammen. Unfallbegleitende<br />
Faktoren wirken während des Unfalls auf die Person ein (siehe<br />
Sturzrisikofaktoren, Kap. 3.3.2). Weiter wird der Hergang des Unfalls<br />
beeinflusst durch die aktuell vorgenommene Tätigkeit, z.B. das Aufstehen<br />
bzw. Absitzen oder die Fortbewegung. Das Unfallereignis<br />
selbst kann sich in verschiedensten Lebenssituationen (z.B. Haushalt,<br />
Verkehr, Sport) einstellen. Als Unfallarten kommen Stürze, Einwirkungen<br />
durch Gegenstände, Kollisionen usw. in Frage (siehe Kap. 3.3).<br />
Je nach Unfallschwere zieht sich das Opfer mehr oder weniger gravierende<br />
Verletzungen zu. Daraus resultierende Folgen können schwerwiegende<br />
Beeinträchtigungen oder Schädigungen sein.<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
Schematische<br />
Darstellung von<br />
Unfällen (modifiziert<br />
nach bfu-Report 42)<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
4<br />
4.1<br />
4.1.1<br />
19
4.1.2<br />
20<br />
Demographische Faktoren Ges<strong>und</strong>heitliche Faktoren<br />
Individuelle Voraussetzungen, die eine Person mitbringt<br />
Unfallbegleitende<br />
Faktoren<br />
Unfall<br />
Verletzung/Folgen<br />
Aktuelle Tätikeit<br />
während des Unfalls<br />
4.1.2 Beiträge von Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport<br />
An der schematischen Darstellung eines Unfallherganges können<br />
angepasst durchgeführte <strong>Seniorensport</strong>angebote auf verschiedene<br />
Weise unfallpräventiv ansetzen:<br />
Die demographischen Faktoren können durch <strong>Seniorensport</strong> kaum<br />
oder nicht beeinflusst werden. Auf der Ebene der ges<strong>und</strong>heitlichen<br />
Faktoren jedoch liegt ein grosses Potenzial. Das allgemeine Ges<strong>und</strong>heitsverhalten<br />
wie auch das körperliche Wohlbefinden <strong>und</strong> vorhandene<br />
Beschwerden können durch regelmässige Aktivität positiv<br />
beeinflusst werden. Mit Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport kann es auch<br />
gelingen, unfallbegleitende Faktoren zu reduzieren. Ein Schwächeoder<br />
Ermüdungszustand tritt be<strong>im</strong> trainierten Menschen später ein –<br />
die Einschätzung der eigenen Ges<strong>und</strong>heit <strong>und</strong> damit auch der Leistungsfähigkeit<br />
erfolgt präziser.<br />
Mögliche unfallverursachende Tätigkeiten (z.B. Fortbewegung oder<br />
Aufstehen <strong>und</strong> Absitzen) können bewusst trainiert werden. Die<br />
Bewegungen werden stabiler, ihre Ausführung kontrollierter, was<br />
die Gefahr eines Unfalles weiter reduziert. Um be<strong>im</strong> Eintreten eines<br />
Ereignisses angemessen reagieren zu können, erweist sich ein Training<br />
der muskulären Reflexe als wirkungsvoll. Gekräftigte Muskeln<br />
sind eher in der Lage, z.B. einen Sturz aufzufangen oder einen<br />
Schlag auf Knochen oder Gelenke abzufedern. Je beweglicher ein<br />
Mensch ist, desto eher gelingt es ihm, in einer Unfallsituation richtig<br />
zu reagieren. Betrachtet man schliesslich die aus einem Unfall resultierenden<br />
Verletzungen <strong>und</strong> Folgen, so gilt: Je besser der körperliche<br />
Zustand eines Menschen zum Zeitpunkt des Unfalles ist, desto<br />
weniger gravierende Verletzungen trägt er davon. Die Abbauprozesse<br />
während der Genesung fallen weniger ins Gewicht, je höher der<br />
Leistungszustand vor dem Unfall gewesen ist.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Im aufgezeigten Unfallschema kann <strong>Seniorensport</strong> an mehreren Stellen wirkungsvoll<br />
ansetzen. Bereits mit moderaten Bewegungsangeboten resultieren feststellbare<br />
Wirkungen, so dass auch über die eigentlichen Ziele der Bewegungs-, Spiel- <strong>und</strong><br />
Sportlektion hinaus Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> erwartet werden dürfen. Hier<br />
helfen uns die vier Zielebenen "Bewegen", "Begegnen", "Begreifen" <strong>und</strong> "Behalten",<br />
um möglichst ganzheitliche Beiträge zu leisten (die 4 B des Bildungsmodells <strong>im</strong><br />
BLL, B. 3/S. 8).
4.2 Sturzprävention<br />
Wie <strong>im</strong> vorherigen Kapitel beschrieben wurde, ist der Sturz nicht nur<br />
<strong>im</strong> Sport die mit Abstand häufigste Unfallursache. Stürze können in<br />
der Biografie von älteren Menschen einschneidende Ereignisse darstellen<br />
– nicht selten einhergehend mit massiven Veränderungen<br />
der Lebensgestaltung, bis hin zum Verlust der eigenen Handlungsfähigkeit<br />
<strong>und</strong> Mobilität. Daher lohnt es sich, auf die Prävention von<br />
Stürzen näher einzugehen.<br />
4.2.1 Beeinflussung der Sturzrisikofaktoren<br />
Mit Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport <strong>im</strong> Seniorenalter (ab 45!) wird vor<br />
allem die Pr<strong>im</strong>ärprävention von Stürzen, also alle Massnahmen, die<br />
helfen, einen Sturz zu verhindern, in den Mittelpunkt gestellt.<br />
Pr<strong>im</strong>ärprävention bedeutet sowohl die Förderung der allgemeinen<br />
körperlichen Fitness (B wie "Bewegen") <strong>und</strong> von sozialen Aktivitäten<br />
(B wie "Begegnen"), als auch die Ges<strong>und</strong>heitsbildung <strong>und</strong> Schärfung<br />
des Bewusstseins für Sturzgefahren (B wie "Begreifen" <strong>und</strong> "Behalten").<br />
Mit der Förderung der allgemeinen körperlichen Fitness ist die<br />
gezielte Beeinflussung der <strong>im</strong> Kapitel 3 aufgeführten Sturzrisikofaktoren<br />
gemeint...<br />
... damit es nicht zum Sturz kommt:<br />
Sturzrisikofaktor Einflussmöglichkeiten<br />
(Konkrete Trainingsmassnahmen)<br />
Selbst- oder Fehleinschätzung<br />
Schwindel oder Blutdruckabfall<br />
Gleichgewichtsverlust<br />
Schritt-, Geh- oder<br />
Muskelschwächen<br />
Eingeschränkte Beweglichkeit<br />
Defizite be<strong>im</strong> Aufstehen,<br />
Absitzen oder Treppensteigen<br />
• Erleben der eigenen Möglichkeiten<br />
bzw. Leistungsgrenzen<br />
• Training der Einschätzung der eigenen<br />
Leistungsfähigkeit (Wahrnehmung<br />
von Müdigkeit, Schwäche,<br />
Erschöpfung usw.)<br />
• Training des Herz-Kreislauf-Systems<br />
(Ausdauer; BLL, B. 3/S. 17)<br />
• Training des Gleichgewichts<br />
• Training der Arme-Beinkoordination,<br />
um den Körper angemessen ausbalancieren<br />
zu können (Koordinative<br />
Fähigkeiten; BLL, B. 3/S. 23)<br />
• Training der Gehfähigkeit<br />
• Training der Muskelkraft<br />
(Kraft; BLL, B. 3/S. 19)<br />
• Training der Beweglichkeit<br />
(Beweglichkeit; BLL, B. 3/S. 21)<br />
• Angepasstes koordinatives Training<br />
dieser Bewegungen<br />
4.2<br />
4.2.1<br />
21
Einflussmöglichkeiten<br />
22<br />
... <strong>und</strong> schadensbegrenzend, wenn’s zum Sturz kommt:<br />
Sturz<br />
Schadensbegrenzung<br />
(Konkrete Trainingsmassnahmen)<br />
Training der Reflexe, um schnell <strong>und</strong> richtig reagieren<br />
zu können.<br />
Training der Muskelkraft zum Auffangen des Sturzes, aber auch<br />
als "Aufprallschutz" be<strong>im</strong> Sturz.<br />
Stetige, angepasste Belastung des passiven Bewegungsapparates<br />
(v.a. Knochen), um eine erhöhte Belastbarkeit zu<br />
erreichen (z.B. Knochenbruchfestigkeit).<br />
Training der Arme-Beinkoordination, um mit den Armen schadensbegrenzend<br />
eingreifen, d.h. sich halten oder sich abstützen<br />
zu können.<br />
Systematisches Training des richtigen Fallens, z.B. aus dem<br />
Kniestand bzw. aus dem Fusstand. Dabei: Abbau der Ängste<br />
vor einem Sturz sowie Training der richtigen Technik <strong>und</strong> Koordination<br />
(Abfangen der Wucht des Aufpralls).
4.2.2 Min<strong>im</strong>alprogramm<br />
Um dem dringenden Bedarf der Sturzprävention gerecht zu werden,<br />
wird ein Min<strong>im</strong>alprogramm vorgeschlagen, das<br />
• den genannten Trainingsanliegen beispielhaft gerecht wird,<br />
• in min<strong>im</strong>aler Weise ein möglichst umfassendes<br />
Sturzpräventionstraining gewährleistet,<br />
• in jedem Bewegungsangebot – unabhängig von örtlichen <strong>und</strong><br />
situativen Begebenheiten – platziert werden kann,<br />
• angepasste Anforderungen für unterschiedliche Zielgruppen<br />
bietet <strong>und</strong><br />
• ohne Materialaufwand <strong>und</strong> vertiefte Sachkenntnisse<br />
durchführbar ist.<br />
Trainingsablauf<br />
Die Dauer des Min<strong>im</strong>alprogramms beläuft sich auf etwa 5 bis 10<br />
Minuten. Es kann in jeden Teil einer Lektion eingebaut werden, vorzugsweise<br />
nach dem Aufwärmen. Dauer <strong>und</strong> Intensität der Übungen<br />
müssen der jeweiligen Zielgruppe angepasst werden, wobei für<br />
die Kräftigungsübungen Varianten gewählt werden sollten, die 10<br />
bis 20 Bewegungswiederholungen zulassen.<br />
Das Programm stellt eine einfache, funktionell sinnvolle Möglichkeit<br />
dar, die nach eigenen Bedürfnissen ausgebaut <strong>und</strong> gezielt angereichert<br />
werden kann (Kopiervorlage siehe Kap. 12).<br />
4.3 Hinweise zur gezielten Vertiefung<br />
Zu ges<strong>und</strong>heitswirksamer Bewegung:<br />
Empfehlungen des B<strong>und</strong>esamtes für Sport BASPO, des B<strong>und</strong>esamtes für Ges<strong>und</strong>heit<br />
BAG <strong>und</strong> des "Netzwerkes Ges<strong>und</strong>heit <strong>und</strong> Bewegung Schweiz".<br />
Informationen erhältlich unter www.hepa.ch, info@hepa.ch oder Tel. 032 327 61 23.<br />
Zu körperlicher Aktivität <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong>:<br />
Meusel, H.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit <strong>im</strong> Alter. 1. Auflage – Wiesbaden:<br />
Quelle <strong>und</strong> Meyer, 1996. S. 178.<br />
Zur Sturzprävention:<br />
Schwend<strong>im</strong>ann, R.: Sturzprävention <strong>im</strong> Akutspital. Eine Literaturübersicht.<br />
In "Pflege" 13/2000, S. 169–179.<br />
Tideiksaar, R.: Stürze <strong>und</strong> Sturzprävention. Bern; Göttingen; Toronto; Seattle:<br />
Huber, 2000.<br />
Min<strong>im</strong>alprogramm Sturzprävention siehe Kopiervorlage Kap. 12.1<br />
4.2.2<br />
Min<strong>im</strong>alprogramm<br />
4.3<br />
Vertiefung<br />
23
5 5. In der Praxis Unfälle vermeiden<br />
5.1<br />
24<br />
Unfälle vermeiden<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
Innere<br />
Faktoren<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
Wie passiert <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>? Was sind Massnahmen<br />
zur Min<strong>im</strong>ierung der inneren Unfallfaktoren?<br />
Aus den bisherigen Kapiteln geht eindrücklich hervor, dass gerade<br />
be<strong>im</strong> Älterwerden viele Gründe für Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport sprechen.<br />
So sind angepasste Aktivitäten selbst in den meisten Fällen<br />
von Erkrankungen oder Beschwerden nicht nur möglich, sondern<br />
sogar ausdrücklich empfohlen.<br />
Auf den ersten drei Stufen des <strong>Sicherheit</strong>smodells aufbauend (Kap.<br />
2 bis 4), wird in diesem Kapitel aufgezeigt, welche Konsequenzen<br />
diese Gr<strong>und</strong>lagen in der Praxis generell, d.h. ungeachtet der Sportart,<br />
haben.<br />
5.1 Innere Faktoren<br />
Innere Faktoren, die zu Unfällen führen können, liegen in der sich<br />
bewegenden Person selbst; also <strong>im</strong> Körperinnern. Dazu gehören<br />
altersbedingte Veränderungen (z.B. des Sehvermögens oder des<br />
Gleichgewichts), krankheitsbedingte Zustände (z.B. akute <strong>und</strong> chronische<br />
Erkrankungen) sowie Medikation <strong>und</strong> übermässiger Alkoholkonsum.<br />
Daraus können Überforderung, Überschätzung, Ermüdung,<br />
Konzentrationsmangel <strong>und</strong> ungenügende Technik als innere Unfallfaktoren<br />
hervorgehen.<br />
Wir als Leitende von Bewegungs-, Spiel- <strong>und</strong> Sportangeboten<br />
begegnen den inneren Unfallfaktoren in vier Schritten:<br />
Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />
Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />
Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />
Wir betonen die Selbstverantwortung!
5.1.1 Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />
Die altersbedingten Veränderungen wurden <strong>im</strong> Kapitel 2 eingehend<br />
beschrieben. Wir Leitende müssen diese Veränderungen bei der<br />
Gestaltung unserer Angebote wirklich verstehen, mitberücksichtigen<br />
<strong>und</strong> auffangen, indem wir konkrete Anpassungen vornehmen<br />
(z.B. Übungen <strong>im</strong> Tempo <strong>und</strong> in der Ausführung verändern, trägeres<br />
Material einsetzen usw.).<br />
Zwei Beispiele:<br />
Die Abnahme des Sehvermögens bei unseren Teilnehmenden<br />
bedeutet nicht nur eine erhöhte Unfallgefahr, weil sie ein Hindernis<br />
schlechter sehen können, sondern auch, weil Bewegungshandlungen<br />
schwieriger werden (z.B. die Einschätzung des Tempos bzw.<br />
der Flugbahn eines entgegenkommenden Balles ist ungenauer, was<br />
eine Bewegungsantwort erschwert).<br />
Die Abnahme der Hörleistung bei unseren Teilnehmenden bedeutet<br />
für uns nicht nur, dass wir lauter <strong>und</strong> deutlicher sprechen müssen,<br />
sondern auch, dass sich für die Teilnehmenden Bewegungshandlungen<br />
gr<strong>und</strong>sätzlich verändern, weil wichtige Informationen aus der<br />
Umwelt vermindert zur Verfügung stehen (z.B. Geräusche eines<br />
Mitspielenden, Prellgeräusch eines Balles).<br />
5.1.2 Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />
Gr<strong>und</strong>sätzlich geeignete oder ungeeignete <strong>Seniorensport</strong>angebote<br />
gibt es wenige. Jedes Angebot muss, <strong>und</strong> fast jedes Angebot kann<br />
auf die jeweilige Zielgruppe abgest<strong>im</strong>mt <strong>und</strong> angepasst werden.<br />
Dabei beachten wir als Leitende den sorgfältigen Aufbau des Trainings<br />
<strong>und</strong> der Belastungssteigerung (Lektionsschema <strong>im</strong> BLL B. 4/<br />
S. 15), die Pausengestaltung während der Lektion sowie die Rhythmisierung<br />
<strong>und</strong> Abwechslung der Belastung. Wir gehen langsam von<br />
Ruhe zur Belastung über – ein ausgiebigeres Aufwärmen ist gerade<br />
bei älteren Menschen nötig. Die Belastung wählen wir <strong>im</strong>mer so,<br />
dass sie noch als angenehm oder gut erträglich wahrgenommen<br />
wird, <strong>und</strong> dass die Teilnehmenden eine gewisse Leistungsreserve<br />
"zurückbehalten" können.<br />
Älter werdende Menschen können bei der Ausübung von Bewegung,<br />
Spiel <strong>und</strong> Sport sowohl konditionell <strong>und</strong> körperlich, als auch<br />
technisch <strong>und</strong> geistig überfordert sein (BLL, B. 4/S. 23).<br />
Für uns als Leitende bedeutet dies, dass wir früh erkennen müssen,<br />
wo Überforderung droht <strong>und</strong> welche Massnahmen einzuleiten sind.<br />
5.1.1<br />
Veränderungen<br />
beachten<br />
5.1.2<br />
Das<br />
Angebot<br />
anpassen <strong>und</strong><br />
Überforderung<br />
vermeiden<br />
25
26<br />
Massnahmen zur Vermeidung<br />
von konditioneller Überforderung:<br />
Wir ...<br />
• wählen eine nicht zu hohe Belastung<br />
(v.a. bezüglich Intensität<br />
<strong>und</strong> Tempo)<br />
• steuern die Belastung gezielt<br />
(BLL, B. 3 / S. 15) <strong>und</strong> erhöhen<br />
sie nur schrittweise<br />
• wählen die angepasste Belastungsart<br />
(keine anaerobe<br />
Arbeit, keine hohe Beanspruchung<br />
bei Schnellkraftübungen,<br />
insbesondere Sprungkraftübungen)<br />
• sorgen für Abwechslung der<br />
Belastungsart innerhalb der Lektion<br />
(Körperregionen <strong>und</strong> konditionelle<br />
Fähigkeiten abwechslungsweise<br />
beanspruchen,<br />
damit keine einseitigen Belastungen<br />
entstehen)<br />
Massnahmen zur Vermeidung von<br />
körperlicher Überforderung:<br />
Wir ...<br />
• empfehlen den Teilnehmenden,<br />
sich rechtzeitig <strong>und</strong> regelmässig<br />
ärztlich untersuchen zu lassen<br />
<strong>und</strong> die Anweisungen des<br />
Arztes zu berücksichtigen<br />
• weisen unsere Teilnehmenden<br />
an, nach Krankheiten <strong>und</strong> Verletzungen<br />
ausreichend Erholungs-<br />
<strong>und</strong> Regenerationszeit<br />
zu beachten<br />
• erinnern unsere Teilnehmenden<br />
daran, sich bezüglich Einflüssen<br />
von Medikamenten be<strong>im</strong> Arzt<br />
zu informieren <strong>und</strong> diese Ein<br />
flüsse bei den Bewegungsaktivitäten<br />
mitzuberücksichtigen<br />
• weisen auf Gefahren bei übermässigem<br />
Alkoholkonsum hin
Massnahmen zur Vermeidung<br />
von technischer Überforderung:<br />
Wir ...<br />
• vereinfachen die Technik<br />
(z.B. weniger Technikelemente<br />
in einem Spiel verwenden)<br />
• führen zunächst einfache <strong>und</strong><br />
einfach zu lernende Bewegungen<br />
ein<br />
• räumen dem Lernen von Bewegungen<br />
genügend Zeit ein<br />
• bereiten unsere Teilnehmenden<br />
konditionell darauf vor, gewünschte<br />
technische Bewegungen<br />
auszuführen<br />
• weisen die Teilnehmenden auf<br />
eine allfällig falsche Technik hin,<br />
da diese mit zunehmendem<br />
Alter eher zu Überlastungen<br />
führen kann<br />
• informieren die Teilnehmenden<br />
umgekehrt aber auch, dass die<br />
(erzwungene) Aufrechterhaltung<br />
einer Technik, für welche die körperlichen<br />
<strong>und</strong> konditionellen<br />
Voraussetzungen nicht (mehr)<br />
ausreichend vorhanden sind,<br />
ebenfalls fehlbelastend wirken<br />
kann, <strong>und</strong> dass hier eine Technikanpassung<br />
angebracht ist<br />
Massnahmen zur Vermeidung<br />
von geistiger Überforderung:<br />
Wir ...<br />
• stellen motivierende Aufgaben<br />
mit viel Hoffnung auf Erfolg<br />
• halten Steigerungsmöglichkeiten<br />
bereit<br />
• geben genaue Erklärungen von<br />
Bewegungsabläufen ab (v.a.<br />
auch bei der Verwendung von<br />
Fachausdrücken)<br />
• verbreiten wenig Informationen<br />
auf einmal <strong>und</strong> beachten so die<br />
möglicherweise verminderte<br />
Aufnahmefähigkeit<br />
Vermeidung von Überforderung durch das Training<br />
der Selbsteinschätzung:<br />
Wir ...<br />
• fördern die Selbstkontrolle der Belastung seitens der Teilnehmenden<br />
durch anhaltende Beurteilung des eigenen Belastungsempfindens<br />
• weisen die Teilnehmenden darauf hin, die Belastungen des Alltags<br />
nicht zu unterschätzen (d.h. die aktuelle Ermüdung zu beachten!)<br />
• geben Rückmeldungen bei Zeichen der Selbstüberschätzung<br />
(kein übertriebener Ehrgeiz!)<br />
• machen Hinweise für Geübte, dass Fortschritte bei erweitertem<br />
Könnensstand schwieriger zu erreichen sind<br />
27
...<strong>im</strong><br />
Wettkampf<br />
28<br />
Vermeidung von Überforderung <strong>im</strong> Wettkampf:<br />
Wir ...<br />
• sorgen dafür, dass sich die Teilnehmenden gezielt auf Wettkämpfe<br />
vorbereiten (d.h. ausreichendes Training vor dem Wettkampf ist<br />
notwendig!)<br />
• weisen darauf hin, dass auch <strong>im</strong> Wettkampf ein ausgiebiges Aufwärmen<br />
nötig ist<br />
• helfen unseren Teilnehmenden, ihre Leistungsgrenze zu kennen <strong>und</strong><br />
zu respektieren (kein Geltungsbedürfnis <strong>und</strong> kein falscher Ehrgeiz!)<br />
• geben den Tipp, <strong>im</strong> Wettkampf allzeit eine Leistungsreserve (ungefähr<br />
ein Drittel) "zurückzubehalten"<br />
• informieren über Wettkämpfe mit seniorengerechten Wettkampfregeln<br />
<strong>und</strong> Kategorien<br />
• vermeiden Gruppen-Leistungsdruck
5.1.3 Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />
Durch auftretende Beschwerden <strong>und</strong> Beeinträchtigungen werden<br />
Bewegungsaktivitäten keinesfalls a priori verhindert. Allerdings muss<br />
bei der Planung <strong>und</strong> Durchführung von <strong>Seniorensport</strong>angeboten richtig<br />
damit umgegangen werden. Wir Angebotsleitende achten darauf,<br />
dass Beschwerden ärztlich abgeklärt <strong>und</strong> deklariert werden (d.h. allfällige<br />
Beschwerden bei den Teilnehmenden werden erfragt).<br />
Wir empfehlen eine Arztkonsultation v.a. bei (Neu-)Einsteigenden, die<br />
sich seit langer Zeit nicht mehr sportlich betätigten sowie bei vorhandenen<br />
Risikofaktoren (erhöhter Blutdruck, starkes Rauchen, Übergewicht,<br />
Stress, hoher Cholesterinspiegel usw.).<br />
Vorhandene Beschwerden gilt es bei der Lektionsplanung zu berücksichtigen,<br />
d.h. Übungsalternativen müssen bereitgehalten werden.<br />
Je nach Angebot müssen die Teilnehmenden ein Notfallblatt oder<br />
einen Notfallausweis abgeben bzw. auf sich tragen. Dieser Ausweis<br />
wird bei einem Notfall geöffnet <strong>und</strong> enthält Hinweise auf vorhandene<br />
Beschwerden/Krankheiten, einzunehmende Medikamente <strong>und</strong> allfällige<br />
Handlungsanweisungen bzw. Kontaktpersonen.<br />
5.1.3<br />
Mit<br />
Beschwerden<br />
richtig<br />
umgehen<br />
29
5.1.4 5.1.4 Wir betonen die Selbstverantwortung!<br />
Die Verantwortung für sichere Bewegungsaktivitäten liegt nicht<br />
nur bei den Leitenden oder Anbietenden von Bewegungs-, Spiel-<br />
Selbstverantwortung<br />
betonen<br />
30<br />
<strong>und</strong> Sportangeboten, sondern <strong>im</strong> Wesentlichen auch bei den<br />
aktiven Personen selbst! Wir als Angebotsleitende – oder auch in<br />
der Rolle des Angebotsveranstalters – weisen deutlich auf die<br />
Selbstverantwortung der Teilnehmenden in unserem Angebot hin.<br />
Bei den Senioren handelt es sich um erwachsene Menschen (BLL,<br />
B. 4/S. 4), die ihrerseits Wesentliches an die <strong>Unfallprävention</strong> beitragen<br />
können. Die folgenden sechs <strong>Seniorensport</strong>regeln gelten daher<br />
in der Praxis eigenverantwortlich für alle <strong>Seniorensport</strong>lerinnen <strong>und</strong><br />
<strong>Seniorensport</strong>ler:<br />
1. Bewegen Sie sich mit Spass. Belasten Sie sich nur so<br />
stark, dass Sie sich jederzeit wohl fühlen!<br />
2. Halten Sie sich täglich in Bewegung <strong>und</strong> belasten Sie<br />
sich zwei- bis dre<strong>im</strong>al in der Woche ganz gezielt mit<br />
Fitnesstraining, Spiel <strong>und</strong> Sport.<br />
3. Benutzen Sie die Ihrer Aktivität entsprechende Ausrüstung,<br />
achten Sie speziell auf Schuhe <strong>und</strong> Kleidung.<br />
Lassen Sie sich be<strong>im</strong> Kauf beraten.<br />
4. Wärmen Sie sich vor der Aktivität ausgiebig auf <strong>und</strong><br />
schliessen Sie Ihr Training mit einer ruhigen,<br />
entspannenden Phase ab.<br />
5. Beachten Sie während der Aktivität die aktuellen<br />
Rahmenbedingungen wie Gelände, Wetter, Wegstrecken<br />
<strong>und</strong> Zeitverhältnisse.<br />
6. Konsultieren Sie nach einem längeren Unterbruch der<br />
sportlichen Aktivität sowie bei Beschwerden <strong>und</strong><br />
Unsicherheiten einen Arzt.
5.2 Äussere Faktoren<br />
Äussere Faktoren, die zu Unfällen führen können, sind durch Fremdeinwirkungen<br />
best<strong>im</strong>mt; die Ursache liegt also ausserhalb des Sporttreibenden.<br />
Dazu gehören Umgebungsbedingungen – wie<br />
Witterungseinflüsse, Raumeinrichtung, Bodenbeschaffenheit,<br />
Beleuchtung, Hilfsmittel, Sportgeräte <strong>und</strong> Ausrüstungsgegenstände<br />
(Kleider, Schuhe usw.), aber auch Einwirkungen durch andere Sporttreibende.<br />
Massnahmen zur Beeinflussung der äusseren Faktoren werden in<br />
den Kapiteln 6–8 zu den jeweiligen Aktionsfeldern beschrieben.<br />
Wir Angebotsleitende sind verantwortlich, innere <strong>und</strong> äussere Faktoren<br />
seriös zu bedenken, dazu methodische, organisatorische <strong>und</strong><br />
personelle <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Präventionsüberlegungen anzustellen<br />
<strong>und</strong> geeignete Massnahmen zu treffen. Methodische Überlegungen<br />
betreffen den Lektionsaufbau <strong>und</strong> die Vorgehensweise <strong>im</strong> Angebot.<br />
Organisatorische Überlegungen umfassen die Beeinflussung der<br />
situativen Voraussetzungen, <strong>und</strong> mit personellen Überlegungen ist<br />
die Betrachtung der personalen Voraussetzungen gemeint, d.h. der<br />
Voraussetzungen, die die einzelnen Teilnehmenden ins Angebot mitbringen.<br />
5.2<br />
Äussere<br />
Faktoren<br />
Hinweis:<br />
Checkliste<br />
ausfüllen zur<br />
Überprüfung<br />
des Angebotes<br />
(s. Kopiervorlagen<br />
in<br />
Kap. 12)<br />
31
6<br />
6.1<br />
6.2<br />
6.2.1<br />
32<br />
Unfälle vermeiden<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
Outdoor<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
6. Im Aktionsfeld Outdoor Unfälle vermeiden<br />
Warum sind die äusseren Unfallfaktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld Outdoor besonders<br />
wichtig? Wie wird <strong>Unfallprävention</strong> in den Ablauf eines Outdoor-<br />
Angebotes eingebaut?<br />
Zu den <strong>im</strong> Kapitel 5 aufgeführten, generell gültigen Konsequenzen<br />
für die <strong>Seniorensport</strong>praxis kommen nun Präventionsanliegen aus<br />
den speziellen Aktionsfeldern – hier Outdoor – hinzu.<br />
6.1 Einordnung<br />
Was sind Outdoor-Aktivitäten <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>?<br />
Es sind dies Bewegungsaktivitäten, die einerseits <strong>im</strong> Freien <strong>und</strong><br />
andererseits auch zumeist ohne die Verwendung von definierten <strong>und</strong><br />
baulich installierten Sportanlagen stattfinden. Sie finden in der freien<br />
Natur statt – in mehr oder weniger grosser Distanz zur Zivilisation.<br />
Beispiele solcher Bewegungsformen sind: Gehen, Walking, Nordic-<br />
Walking, Wandern, Bergwandern, Radfahren, Joggen, Laufen, (Wander-)OL,<br />
Skiwandern, Skilanglauf, Schneeschuhlaufen, Inline-Skating,<br />
Mountainbike, Ski alpin, Telemark, Snowboard, Eislauf.<br />
Sportspiele <strong>und</strong> Bewegungsformen <strong>im</strong> Wasser, die draussen stattfinden,<br />
werden hier nicht behandelt (Kap. 7 <strong>und</strong> 8). Sportarten auf dem<br />
Wasser (Rudern, Segeln usw.), in der Luft (Deltasegeln, Gleitschirmfliegen<br />
usw.) <strong>und</strong> auch Klettern oder Triathlon sind hier kein Thema.<br />
Sie verfügen über eigene, sportfachspezifische (<strong>Sicherheit</strong>s-) Richtlinien.<br />
Das Bewusstsein, dass bei Outdoor-Aktivitäten die Rahmenbedingungen<br />
wesentlich anders sind, als beispielsweise bei Indoor-<br />
Sportarten, hat dazu geführt, dass für Outdoor-Aktivitäten sportartspezifische<br />
<strong>und</strong> angepasste <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien bestehen. Diese Vorgaben<br />
sind auch für unsere <strong>Seniorensport</strong>-Outdoor-Aktivitäten eine<br />
wichtige Unterstützung (Kontakte siehe Schluss des Kapitels).<br />
6.2 Das Aktionsfeld "Outdoor"<br />
6.2.1 Innere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Die inneren Faktoren, wie sie <strong>im</strong> Kapitel 5 beschrieben wurden, sind<br />
natürlich auch "outdoor" relevant <strong>und</strong> müssen für die <strong>Unfallprävention</strong><br />
unbedingt beachtet werden.<br />
Als häufigste Unfallart wurden <strong>im</strong> Kapitel 3 die Stürze aufgeführt.<br />
Für das Aktionsfeld Outdoor sind die inneren Sturzfaktoren "Schwindel",<br />
"Gleichgewichtsverlust" <strong>und</strong> "reduziertes Re-aktionsvermögen"<br />
bedeutungsvoll. Sie sind wesentliche Faktoren be<strong>im</strong> Bewegen <strong>und</strong><br />
Sporttreiben mit oder auf Geräten (Fahrrad, Schneesportgeräte, Rollen,<br />
Schlittschuhe) <strong>und</strong> sie beeinflussen das Unfallgeschehen<br />
wesentlich. Daher ist <strong>im</strong> Out-doorbereich die Einflussnahme auf diese<br />
Sturzrisikofaktoren <strong>im</strong> Sinne der vierten Stufe <strong>im</strong> <strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
(Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> leisten) von entscheidender<br />
Bedeutung.
6.2.2 Äussere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Als wichtigster äusserer Faktor wurde der Bodenbelag erwähnt – die<br />
"Bodenbeschaffenheit" (siehe Kap. 3). Ein Merkmal der Outdoor-Aktivitäten<br />
ist der sich ständig verändernde Untergr<strong>und</strong>: Der Bodentyp<br />
variiert, die Beschaffenheit ist unterschiedlich <strong>und</strong> die Witterungseinflüsse<br />
sind bedeutsam.<br />
Beispiele:<br />
Regen – Feldwege werden glitschig, das Bremsverhalten auf dem<br />
Fahrrad verändert sich.<br />
Schneefall – Wege oder Strassen werden unpassierbar: es muss<br />
ausgewichen werden.<br />
Eis – Die Walkingroute wird zum gefährlichen Unfallherd.<br />
Die Sturzgefahr wird erheblich grösser.<br />
Hindernisse – Äste oder Wurzeln auf dem Wanderweg stellen<br />
Stolpergefahren dar.<br />
Speziell den Bodenbelag, überhaupt aber die äusseren<br />
Unfallfaktoren gilt es <strong>im</strong> Freien in besonderem Masse zu beachten.<br />
Im Aktionsfeld Outdoor finden die unterschiedlichsten Angebote<br />
statt. Für sie alle können die wichtigsten äusseren Faktoren sechs<br />
Überbegriffen zugeordnet werden, was die Beachtung<br />
dieser Faktoren erheblich erleichtert:<br />
Gelände:<br />
Je nachdem, wo ein Angebot<br />
stattfindet, treffen wir auf die<br />
unterschiedlichsten Geländeformen:<br />
• Untergr<strong>und</strong>beschaffenheit<br />
(Teer- oder Naturstrasse, ausgebauter<br />
Wanderweg oder steiniger<br />
Pfad, breite Pulverschneepiste<br />
oder steile <strong>und</strong> vereiste<br />
Pistenpassage)<br />
• Höhenlage (auf 400 m/M in<br />
einem Mittellandwald oder auf<br />
3000 m/M auf einem Berggipfel)<br />
• Exposition (freie Fläche, Wald,<br />
Bergkamm)<br />
• Begehbarkeit (Hindernisse,<br />
Flüsse,Bäche, Moorlandschaften)<br />
Wetter <strong>und</strong> Witterung:<br />
Die Witterungsbedingungen sind<br />
entscheidend für die aktuell angetroffene<br />
Situation:<br />
• Schlechte Wetterprognose: Die<br />
Durchführung der geplanten<br />
Aktivität muss möglicherweise<br />
abgesagt werden<br />
• Trockener oder nasser Untergr<strong>und</strong>:<br />
der Schwierigkeitsgrad<br />
einer Aktivität verändert sich<br />
wesentlich<br />
• Nebel: Bekannte Örtlichkeiten<br />
werden fremd<br />
• Kälte: Oberflächenwasser gefriert<br />
<strong>und</strong> macht einen Bergwanderweg<br />
unbegehbar<br />
• Jahreszeiten (Winter mit Schnee<br />
oder Sommer mit hohen Temperaturen)<br />
6.2.2<br />
33
34<br />
Ausrüstung <strong>und</strong> Sportgeräte:<br />
Jede Bewegungsform oder Sportart<br />
bedingt ihre eigene Ausrüstung<br />
oder das dazu gehörende<br />
Sportgerät:<br />
• Persönliche Ausrüstung <strong>und</strong><br />
Kleidung (Bergschuhe, Regenbekleidung,<br />
Kälteschutz)<br />
Zwei Drittel der Outdoor-Aktivitäten<br />
sind zudem auf ein<br />
Sportgerät angewiesen:<br />
• Im Wintersport die vielfältigen<br />
Schneesportgeräte<br />
• Geräte auf Rollen oder Rädern<br />
Mitmenschen:<br />
Die Bewegungsaktivitäten finden<br />
oft zeit- <strong>und</strong> ortsgleich mit vielenweiteren<br />
aktiven Personen mit<br />
den unterschiedlichsten Fertigkeiten<br />
statt:<br />
• Auf der Skipiste oder Loipe<br />
• Im Strassenverkehr<br />
• Auf Wander-, Fuss- oder Radwegen<br />
Distanzen:<br />
Mit den Outdoor-Aktivitäten verlassen<br />
wir die vertraute Umgebung<br />
(z.B. die Turnhalle oder das<br />
Hallenbad):<br />
• Die gewohnte Infrastruktur ist<br />
nicht unmittelbar verfügbar<br />
(z.B. das Telefon)<br />
• Hilfe ist nicht innerhalb weniger<br />
Minuten am Ort (z.B. der Arzt)<br />
• Transportmittel stehen keine<br />
oder nur eingeschränkt, bzw. in<br />
gewisser Entfernung zur Verfügung<br />
(z.B. Bahn, Bus, Auto)<br />
• Verpflegung oder Getränke kön<br />
nen nicht gleich um die Ecke<br />
geholt werden<br />
Zeitliche Rahmenbedingungen:<br />
Jedes Angebot hat seine eigenen,<br />
speziellen, zeitlichen Rahmenbedingungen:<br />
• Aufbruchs- bzw. Rückkehrzeit<br />
(frühmorgens, sehr spät abends)<br />
• Zeitliche Dauer des Angebotes<br />
(einzelne Lektion bis mehrere<br />
Tage)
6.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende<br />
Für uns gilt es, innere <strong>und</strong> äussere Faktoren soweit als möglich zu<br />
berücksichtigen <strong>und</strong> dazu die nötigen methodischen, organisatorischen<br />
<strong>und</strong> personellen <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Präventionsüberlegungen<br />
anzustellen (siehe Kap. 5).<br />
6.3.1 Beachtung der inneren Faktoren<br />
Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />
Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />
Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />
Wir betonen die Selbstverantwortung!<br />
6.3.2 Beachtung der äusseren Faktoren<br />
Für die äusseren Faktoren beachten wir:<br />
Gelände:<br />
Das Gelände beeinflusst die<br />
Gestaltung des Angebotes unter<br />
Umständen wesentlich.<br />
Die genaue Betrachtung der<br />
Geländesituation ist für uns<br />
daher äusserst wichtig.<br />
Ausrüstung <strong>und</strong> Sportgeräte:<br />
Qualität <strong>und</strong> Zustand der Ausrüstung<br />
<strong>und</strong> der Sportgeräte leisten<br />
für die genussvolle <strong>und</strong> sichere<br />
Ausübung der Outdoor-Aktivitäten<br />
einen wesentlichen Beitrag.<br />
Darauf machen wir unsere Teilnehmenden<br />
aufmerksam <strong>und</strong><br />
kontrollieren wo nötig deren<br />
Ausrüstung bzw. Sportgerät.<br />
Mitmenschen:<br />
Die beanspruchten Flächen müssen<br />
wir mit stärkeren <strong>und</strong><br />
schwächeren, schnelleren <strong>und</strong><br />
langsameren Mitmenschen<br />
teilen, d.h. wir achten ausreichend<br />
auf andere.<br />
Wetter <strong>und</strong> Witterung:<br />
Bereits bei der Planung müssen<br />
wir die Einflüsse des Wetters<br />
<strong>und</strong> der Witterung eingehend<br />
beachten. Während der Durchführung<br />
eines Angebotes beobachten<br />
wir Veränderungen der<br />
Situation genaustens <strong>und</strong> treffen<br />
entsprechende Massnahmen.<br />
Distanzen:<br />
Der Beachtung von grossen<br />
Distanzen <strong>und</strong> den damit verb<strong>und</strong>enen<br />
Schwierigkeiten<br />
kommt vor allem bei der Planung<br />
unseres Angebotes grosse<br />
Bedeutung zu.<br />
Zeitliche Rahmenbedingungen:<br />
Die sich unter Umständen ändernden,<br />
zeitlichen Rahmenbedingungen<br />
dürfen bei der Planung <strong>und</strong><br />
der Durchführung von Outdoor-<br />
Aktivitäten nicht unterschätzt werden.<br />
So kann es für unsere Teilnehmenden<br />
z.B. wesentlich sein, ob<br />
ein Angebot plötzlich bis spät in<br />
den Abend hinein andauert.<br />
6.3<br />
Konsequenzen<br />
6.3.1<br />
6.3.2<br />
Äussere Faktoren<br />
<strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Outdoor<br />
35
6.3.3 6.3.3 Planung <strong>und</strong> Durchführung eines Outdoor-Angebotes<br />
Bei der Planung unseres Angebotes gehen wir wie folgt vor:<br />
Planung<br />
eines<br />
Angebotes<br />
36<br />
Planen: den Teilnehmenden angepasste Aktivität planen.<br />
Ziel setzen, Aktivität grobplanen, Zeit berechnen, Reserven vorsehen,<br />
Informationen einholen, gegebenenfalls eine Fachperson beiziehen,<br />
Risiken abschätzen wie: Gefahrenstellen, Wetterabhängigkeit,<br />
Materialdefekt, Notfallsituationen.<br />
Rekognoszieren: die angetroffene Situation in Bezug auf die<br />
Teilnehmenden beurteilen.<br />
Planung überprüfen, Informationslücken schliessen, Risiken einstufen<br />
<strong>und</strong> Massnahmen treffen.<br />
Vorbereiten: die Aktivität <strong>im</strong> Detail vorbereiten.<br />
Vorhaben festlegen, Zeitplan erstellen, Leitungsteam best<strong>im</strong>men<br />
<strong>und</strong> informieren, gegebenenfalls Stellvertretung best<strong>im</strong>men, Ausschreibung<br />
gestalten, Teilnehmende informieren (persönliche<br />
Ausrüstung <strong>und</strong> Notfallausweis, Sportgerät, Verpflegung/Getränke,<br />
Verhaltensregeln, Spezialitäten wie Sonnen-/Kälte-/Hitzeschutz,<br />
Schuhwerk), Information von Drittpersonen,<br />
<strong>Sicherheit</strong>skonzept/Nofalldispositiv, Notfall-ausrüstung (u.a. Handy,<br />
evtl. Funk) <strong>und</strong> alle organisatorischen Vorkehrungen/Massnahmen<br />
treffen.<br />
Bei der Durchführung unseres Angebotes gehen wir wie folgt vor:<br />
Am Vortag: Entscheid über Durchführung treffen.<br />
aktuelle Wetterprognosen studieren, sich über aktuelle Verhältnisse<br />
vor Ort erk<strong>und</strong>igen.<br />
Vor Beginn: kontrollieren, ob alle bereit sind.<br />
Wohlbefinden der Teilnehmenden erfragen, Material,<br />
Verpflegung/Getränke <strong>und</strong> Ausrüstung kontrollieren <strong>und</strong> gewährleisten,<br />
Aktivität besprechen: Ziel, Situation, spezielle Massnahmen,<br />
organisatorische Anweisungen, <strong>Sicherheit</strong>svorkehrungen, Notfallverhalten;<br />
Gruppe organisieren: Leistungsgruppen, Schlussperson, Verantwortlichkeiten,<br />
"Spielregeln" – inkl. sportartspezifische<br />
<strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Verhaltensregeln.<br />
Unterwegs: planmässigen Ablauf gewährleisten.<br />
Belastung/Erholung überprüfen: Teilnehmende beobachten; aber<br />
auch hinweisen auf die eigenverantwortliche Belastungskontrolle;<br />
Wetterentwicklung beobachten, Verpflegung gewährleisten.<br />
Danach: Ablauf auswerten, Verbesserungsmöglichkeiten sammeln<br />
<strong>und</strong> in die Planung kommender Angebote mit einbeziehen.
6.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld<br />
Auch mit Outdoor-Aktivitäten können wesentliche Beiträge an eine allgemeine<br />
Sturzprävention geleistet werden (siehe Kap. 4). So kann<br />
zum Beispiel das Min<strong>im</strong>alprogramm aus Kapitel 4 auch unterwegs<br />
ohne Schwierigkeiten – z.B. während einer Pause bei nicht allzu langandauernden<br />
Aktivitäten – durchgeführt werden.<br />
6.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen<br />
Verband Schweizer Alpen-Club (SAC)<br />
Monbijoustr. 61<br />
3007 Bern<br />
Tel. 031 370 18 18<br />
Fax 031 370 18 00<br />
www.sac-cas.ch<br />
info@sac-cas.ch<br />
Naturfre<strong>und</strong>e Schweiz (NFS)<br />
Pavillonweg 3<br />
3012 Bern<br />
Postfach 7364<br />
3001 Bern<br />
Tel. 031 306 67 67<br />
Fax 031 306 67 68<br />
www.naturfre<strong>und</strong>e.ch<br />
org@naturfre<strong>und</strong>e.ch<br />
Schweizerischer Orientierungslauf<br />
Verband (SOLV)<br />
Langweidstr. 2<br />
8620 Wetzikon<br />
Tel. 01 932 50 80<br />
Fax 01 932 50 84<br />
www.solv.ch<br />
solv@active.ch<br />
Swiss Cycling<br />
(Schweiz. Radfahrer-B<strong>und</strong> SRB)<br />
Haus des Sportes<br />
Laubeggstr. 70<br />
3006 Bern<br />
Postfach 232<br />
3000 Bern 32<br />
Tel. 031 359 72 33<br />
Fax 031 359 72 39<br />
www.cycling.ch<br />
info@srbfcs.ch<br />
Schweiz. Rollsport-Verband (SRV)<br />
Aug. Müllerstr. 7<br />
8134 Adliswil<br />
Tel. 01 206 45 50<br />
Fax 01 710 13 42<br />
www.swiss-sport.ch/skating<br />
eegli@bluewin.ch<br />
Swiss Ski (Schweiz. Skiverband)<br />
Worbstr. 52<br />
Postfach 478<br />
3074 Muri<br />
Tel. 031 950 61 11<br />
Fax 031 950 61 10<br />
www.swiss-ski.ch<br />
info@swiss-ski.ch<br />
Schweizerische Wanderwege (SAW)<br />
Im Hirshalm 49<br />
4125 Riehen<br />
Tel. 061 606 93 40<br />
Fax 061 606 93 45<br />
www.swisshiking.ch<br />
info@swisshiking.ch<br />
6.4<br />
6.5<br />
Hinweis:<br />
Checkliste<br />
ausfüllen zur<br />
Überprüfung<br />
des Angebotes<br />
(s. Kopiervorlagen<br />
in<br />
Kap. 12)<br />
Kontakte<br />
37
7<br />
7.1<br />
7.2<br />
7.2.1<br />
38<br />
Unfälle vermeiden<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
Indoor<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
7. Im Aktionsfeld Indoor Unfälle vermeiden<br />
Wie gewährleisten wir einen organisatorisch einwandfreien Lektionsablauf<br />
zur opt<strong>im</strong>alen <strong>Unfallprävention</strong>? Was gilt es speziell be<strong>im</strong> Turnen<br />
<strong>und</strong> in Spielsportarten zu beachten?<br />
Von den beliebtesten <strong>Seniorensport</strong>arten (siehe Kap. 3) sind Turnen/<br />
Gymnastik, Fitnesstraining/Aerobic <strong>und</strong> Tanzen <strong>im</strong> Indoorbereich angesiedelt.<br />
<strong>Seniorensport</strong>unfälle <strong>im</strong> Indoorbereich bilden einen kleinen<br />
Teil des Unfallgeschehens (auch Kap. 3). Auch hier gibt es allerdings<br />
beachtenswerte Anliegen an eine möglichst umfassende <strong>Unfallprävention</strong>,<br />
welche die generell geltenden Aspekte aus Kapitel 5<br />
aktionsfeldspezifisch <strong>und</strong> sportartbezogen ergänzen.<br />
7.1 Einordnung<br />
Was sind Indoor-Aktivitäten <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>?<br />
Turnen (Gymnastik, Fitnesstraining, Aerobic) <strong>und</strong> die Spielsportarten<br />
wie Rückschlagspiele (Tennis, Badminton, Squash, Faustball, Tischtennis,<br />
Indiaca, Goba) <strong>und</strong> Sportspiele (Volleyball, Basketball, Korbball,<br />
Fussball, Handball, verschiedene Hockeyarten) sind die hauptsächlichsten<br />
Bewegungsangebote <strong>im</strong> Indoorbereich. Hier ereignen<br />
sich auch gleichzeitig die meisten Indoor-Unfälle. Sie werden in diesem<br />
Kapitel in erster Linie behandelt. Der Einfachheit halber werden<br />
dafür nur noch die Begriffe "Turnen" <strong>und</strong> "Spielsport" verwendet.<br />
Auch zu den Indoorbewegungsformen zählen:<br />
• Entspannungsformen wie Autogenes Training, Qi Gong, Tai Chi, u.ä.<br />
• Tanz in allen Stilrichtungen<br />
• Bewegung <strong>und</strong> Spiel <strong>im</strong> He<strong>im</strong><br />
Viele <strong>Unfallprävention</strong>sanliegen dieser Bewegungsangebote finden<br />
sich aber <strong>im</strong> Bereich Turnen wieder. Sie werden daher<br />
indiesem Kapitel nicht explizit erwähnt.<br />
Ausgeklammert <strong>und</strong> nicht behandelt werden:<br />
• Geräte- <strong>und</strong> Kunstturnen, Trampolin u.ä.<br />
• Kampfsportarten: Judo, Karate, Taekwando u.ä.<br />
• Golf, Kegeln, Schiessen u.ä.<br />
Die senioren- <strong>und</strong> unfallspezifischen Anliegen dieser Sportarten<br />
übersteigen die Möglichkeiten der vorliegenden Broschüre –<br />
es muss auf die jeweiligen sportartspezifischen Richtlinien verwiesen<br />
werden (Kontakte siehe Schluss des Kapitels).<br />
7.2 Das Aktionsfeld "Indoor"<br />
Indoorangebote sind wetterunabhängig! Die Unfallgefahren zeigen sich<br />
demnach hier auch anders als bei den Aktivitäten <strong>im</strong> Outdoorbereich.<br />
7.2.1 Innere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Die inneren Faktoren sind in Kapitel 5.1 umfassend beschrieben.<br />
Diese praxisrelevanten Aspekte gelten insbesondere für den Indoorbereich.
7.2.2 Äussere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Die äusseren Bedingungen sind <strong>im</strong>mer mehr oder weniger die gleichen<br />
<strong>und</strong> wesentlich besser in die Planung miteinzubeziehen. Aus<br />
diesem Gr<strong>und</strong> können wir mit den geeigneten Massnahmen opt<strong>im</strong>al<br />
zur Verminderung der äusseren Unfallfaktoren <strong>und</strong> damit der Unfallgefahr<br />
beitragen.<br />
7.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende<br />
Auch hier gilt es nun, innere <strong>und</strong> äussere Faktoren zu beurteilen <strong>und</strong><br />
dazu die methodisch, organisatorisch <strong>und</strong> personell richtigen <strong>Sicherheit</strong>s-<br />
<strong>und</strong> Präventionsüberlegungen anzustellen <strong>und</strong> geeignete<br />
Massnahmen zu treffen (siehe Kap. 5).<br />
7.3.1 Beachtung der inneren Faktoren<br />
Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />
Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />
Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />
Wir betonen die Selbstverantwortung!<br />
7.2.2<br />
7.3<br />
Konsequenzen<br />
7.3.1<br />
39
7.3.2<br />
Äussere Faktoren<br />
<strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Indoor<br />
40<br />
7.3.2 Beachtung der äusseren Faktoren<br />
Die äusseren Faktoren beeinflussen wir vor allem durch einen organisatorisch<br />
einwandfreien Ablauf der Lektion.<br />
Das bedeutet für uns:<br />
• Wir sind verantwortlich dafür, dass die Räumlichkeiten <strong>und</strong> das nötige<br />
Material bereit sind.<br />
• Die Grösse eines Raumes beeinflusst die Bewegungssequenz.<br />
Ist genügend Abstand zwischen den Teilnehmenden möglich (Kollisionsgefahr)?<br />
Die Raum- oder Spielfeldgrösse, allenfalls auch die<br />
Grösse der Gruppe müssen wir dementsprechend anpassen.<br />
• Die Bodenbeschaffenheit ist für uns zwar nur begrenzt beeinflussbar.<br />
Wir müssen sie aber in die Planung miteinbeziehen. Ist der Boden<br />
sehr rutschig, müssen wir dementsprechende Massnahmen treffen,<br />
z.B. andere Reinigungsweise veranlassen oder Inhalte planen, die<br />
keine schnellen Bewegungen voraussetzen.<br />
• Wir beachten Raumwände, z.B. hervorstehende Kanten <strong>und</strong> decken<br />
Gefahrenstellen ab (z.B. mit Matten) oder meiden die Nähe dieser<br />
Wände (Abstand).<br />
• Wir sorgen dafür, dass Fenster <strong>und</strong> Türen während den Bewegungsst<strong>und</strong>en<br />
geschlossen sind (Ausnahmen sind Fenster über Sprunghöhe).<br />
• Die Temperatur eines Raumes kann nur indirekt beeinflusst werden,<br />
ist aber für älter werdende Menschen wichtig, da sich das Temperaturempfinden<br />
ändert. Wir fragen nach, geben Tipps zu zweckmässiger<br />
Kleidung <strong>und</strong> steuern die Intensität der Lektion.<br />
• Wir sorgen dafür, dass der Raum gut belüftet oder gelüftet ist.<br />
• Wir achten unbedingt auf genügend Licht (verminderte Sehfähigkeit,<br />
Kap.2); das Licht darf aber auch nicht blenden.<br />
• Wir achten darauf, dass die Teilnehmenden angepasste Schuhe tragen.<br />
Hallenschuhe dürfen weder rutschen noch hängenbleiben <strong>und</strong><br />
haben keine Absätze. Keine Aussenschuhe: Misstrittgefahr! Leichte<br />
Gymnastik- oder Geräteschuhe sind weniger geeignet.<br />
• Wir weisen die Teilnehmenden darauf hin, Uhren <strong>und</strong> Schmuck vor<br />
der Lektion abzulegen. Bei Brillen kann das nicht <strong>im</strong>mer verlangt<br />
werden. Das verdient deshalb vor allem bei Ballspielen besondere<br />
Beachtung. Brillen können auch mit einem Gummiband befestigt<br />
werden. Fingernägel sind mit Vorteil kurz geschnitten.<br />
• Material, Geräte <strong>und</strong> Hilfsmittel wählen wir seniorengerecht <strong>und</strong><br />
st<strong>im</strong>men sie auf die Teilnehmenden ab, z.B. Absichern mit Matten,<br />
Wahl von rutschfesten Stühlen, tieferen Netzen <strong>und</strong> breiten Bänken,<br />
Auswahl der Musik <strong>und</strong> Einstellung der Lautstärke, angepasste Zusatzgewichte,<br />
leichtere Handgeräte oder Schläger (z.B. Tennis), weichere,<br />
grosse <strong>und</strong> leichte Bälle (z.B. aus Schaumstoff), die langsamer<br />
fliegen <strong>und</strong> somit besser gefangen, gespielt <strong>und</strong> gestoppt werden<br />
können.
7.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld<br />
7.4.1 Sturzprävention<br />
Auch <strong>im</strong> Indoorbereich ist der Sturz die Hauptunfallursache.<br />
Sturzgefahren können wir ganz gezielt min<strong>im</strong>ieren, indem wir:<br />
• auf geeignetes Schuhwerk hinweisen<br />
• ausreichendes <strong>und</strong> angepasstes Aufwärmen durchführen<br />
• die Übungen der Zielgruppe anpassen<br />
• Gleichgewichtshilfen bieten (Wand, Stuhl, Partner, Kasten)<br />
• Hindernisse wie Matten, Handgeräte, Bänke entfernen<br />
• gebrauchte Geräte sofort wegräumen<br />
• Geräte gr<strong>und</strong>sätzlich erst unmittelbar vor Gebrauch austeilen<br />
• Laufwege vorgeben, so dass sich die Teilnehmenden nicht<br />
gegenseitig behindern<br />
• konsequente <strong>und</strong> klare Spielleitung beachten<br />
• geeignete Regelanpassungen vornehmen<br />
• einwandfreie Organisation gewährleisten<br />
• Intensität steuern <strong>und</strong> anpassen<br />
Das in Kapitel 4 aufgeführte Min<strong>im</strong>alprogramm "Sturzprävention" lässt<br />
sich bestens in jede Lektion einbauen.<br />
7.4.2 Turnen (Gymnastik, Fitness, Aerobic)<br />
Turnen ist gr<strong>und</strong>sätzlich keine gefährliche Bewegungsaktivität. Trotzdem<br />
lohnt es sich, ein Höchstmass an <strong>Sicherheit</strong> anzustreben. Über<br />
die bisher aufgeführten Anliegen hinaus gilt es für uns zudem, bei<br />
einer Reihe von Übungen besondere Vorsicht walten zu lassen.<br />
Vorsicht bei Übungen...<br />
• bei denen viel Blut in den Kopf fliesst<br />
• mit Drehungen, Sprüngen <strong>und</strong> Hüpfformen<br />
• die das schnelle Aufstehen <strong>und</strong> sich Hinlegen erfordern<br />
• die nicht <strong>im</strong> aeroben Leistungsbereich angesiedelt sind<br />
• mit gr<strong>und</strong>sätzlich schnellen <strong>und</strong> ruckartigen Bewegungen<br />
• die kein gleichmässiges Atmen zulassen<br />
• mit Zusatzgewichten<br />
7.4<br />
7.4.1<br />
7.4.2<br />
41
7.4.3<br />
Hinweis:<br />
Checkliste<br />
ausfüllen zur<br />
Überprüfung<br />
des Angebotes<br />
(s. Kopiervorlagen<br />
in<br />
Kap. 12)<br />
7.5<br />
42<br />
7.4.3 Spielsportarten<br />
Ballspiele <strong>und</strong> Rückschlagspiele führen v.a. bei den 45- bis 65-jährigen<br />
zu Unfällen. Bei den über 65-jährigen kommt es hingegen zu<br />
deutlich weniger Unfällen – in diesem Alter werden Ballspiele nicht<br />
mehr so häufig praktiziert. Um Spiele möglichst unfallfrei durchzuführen,<br />
gilt es, einige Aspekte zu beachten:<br />
• Hohes Tempo in einem Spiel ist oft ein begrenzender Faktor <strong>und</strong><br />
enthält dadurch ein erhebliches Gefahrenpotenzial. Mit weicheren<br />
bzw. auch grösseren Bällen oder veränderten Bewegungsformen<br />
wie Walking, Marschieren <strong>und</strong> Traben <strong>im</strong> Spiel kann das<br />
Spieltempo wesentlich min<strong>im</strong>iert werden.<br />
• Unfälle können bei Spielen mit Ball durch konsequente Spielleitung<br />
<strong>und</strong> geeignete Regelanpassungen vermieden werden. Z.B.<br />
darf der Ball <strong>im</strong> Volleyball auch gefangen werden, es werden<br />
kleinere Gruppen gebildet oder auch grössere Felder zugelassen.<br />
• Spiele müssen mit Spielformen <strong>und</strong> Übungen aufgebaut <strong>und</strong><br />
eingeführt werden, damit ein technisches F<strong>und</strong>ament entsteht.<br />
Häufig ist gerade die technische Unsicherheit ein Faktor, der zu<br />
einem Unfall führen kann.<br />
• Auch Spiele mit einem gewissen Körperkontakt – richtig aufgebaut<br />
<strong>und</strong> eingeführt – können durchaus gespielt werden. Die<br />
Spielenden lernen, sich zurückzuhalten, Rücksicht zu nehmen<br />
<strong>und</strong> ihren Ehrgeiz zu zügeln. Die leitende Person muss aber hier<br />
konsequent ihren Einfluss durch die Spielleitung <strong>und</strong> gezielte<br />
Sensibilisierung geltend machen.<br />
• Kleine Spiele, New Games <strong>und</strong> Spielformen ohne Verlierer eignen<br />
sich für ältere Menschen besonders gut, bergen doch diese<br />
Bewegungsformen ein kleines Unfallrisiko.<br />
Trotz dem vorhandenen Unfallpotenzial bei Spielen mit Bällen ist der<br />
daraus resultierende Nutzen nicht zu übersehen. Spiele packen, begeistern<br />
<strong>und</strong> wecken Freude. Die koordinativen Fähigkeiten werden<br />
geübt, konditionelle Aspekte fliessen automatisch ein <strong>und</strong> gruppendynamische<br />
Prozesse ergeben sich von selbst. Auch der Alltagsbezug<br />
kann gewährleistet werden, ist doch ein schnelles <strong>und</strong> richtiges<br />
Reagieren nicht nur <strong>im</strong> Spiel, sondern auch <strong>im</strong> Strassenverkehr, be<strong>im</strong><br />
Treppensteigen oder be<strong>im</strong> Gehen auf Schnee <strong>und</strong> Eis von grosser<br />
Bedeutung.<br />
7.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen<br />
Kampfsport:<br />
z.B. Schweiz. Judo & Ju-Jitsu Verband<br />
Laubeggstrasse 70<br />
Postfach 249<br />
3000 Bern 32<br />
Tel. 031 368 05 75<br />
Fax: 031 368 05 76<br />
www.sjv.ch<br />
office@sjv.ch<br />
Turnen/Geräteturnen:<br />
z.B. Schweizerischer Turnverband<br />
Bahnhofstrasse 38<br />
Postfach<br />
5001 Aarau<br />
Tel. 062 837 82 00<br />
Fax 062 824 14 01<br />
www.stv-fsg.ch<br />
stv@stv-fsg.ch
8. Im Aktionsfeld Wasser Unfälle vermeiden<br />
Welchen Einfluss hinsichtlich Unfallgefahr hat das Wasser auf den menschlichen<br />
Körper? Welche Konsequenzen bringen die veränderten inneren <strong>und</strong><br />
äusseren Unfallfaktoren <strong>im</strong> Wasser mit sich?<br />
Schw<strong>im</strong>men <strong>und</strong> Wasserfitness gelten als ausgesprochen ges<strong>und</strong><br />
<strong>und</strong> haben <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> eine lange Tradition. Darum sind Aktivitäten<br />
<strong>im</strong> Wasser für ältere Menschen speziell attraktiv, vor allem<br />
dann, wenn sich erste Beschwerden zeigen <strong>und</strong> besonders schonende<br />
Bewegunsangebote gefragt sind.<br />
Das Verletzungsrisiko <strong>im</strong> Wasser ist min<strong>im</strong>al, trotzdem gilt es, über<br />
die allgemeingültigen Aspekte aus Kapitel 5 hinaus, die <strong>im</strong> Wasser<br />
speziellen Anforderungen an den Kreislauf, die Sturzgefahr auf nassen<br />
Böden <strong>und</strong> die Ertrinkungsgefahr als aktionsfeldspezifische<br />
Anliegen zu beachten.<br />
8.1 Einordnung<br />
Was sind Wasser-Aktivitäten <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>?<br />
Im Aktionsfeld Wasser stehen <strong>Sicherheit</strong>süberlegungen zu den beiden<br />
häufigsten Sportarten Schw<strong>im</strong>men <strong>und</strong> Wasserfitness (Gymnastik,<br />
Jogging <strong>im</strong> Wasser) <strong>im</strong> Zentrum. Aktivitäten mit Geräten wie Segeln,<br />
Rudern, Kanufahren oder auch Gerätetauchen <strong>und</strong> das Schw<strong>im</strong>men in<br />
offenen Gewässern übersteigen den Umfang dieser Broschüre. Die<br />
entsprechenden Fachverbände können mit spezifischen <strong>Sicherheit</strong>shinweisen<br />
weiterhelfen (Kontakte siehe Schluss des Kapitels).<br />
8.2 Das Aktionsfeld "Wasser"<br />
Innere <strong>und</strong> äussere Faktoren zeigen sich <strong>im</strong> Wasser teilweise anders<br />
als in den vorgängig beschriebenen Aktionsfeldern. Die erwähnten<br />
Faktoren sind Gr<strong>und</strong>lage für den hervorragenden Nutzen des Trainings<br />
<strong>im</strong> Wasser auf den Kreislauf. Sie können aber für Personen mit Herz-<br />
Kreislauf-Erkrankungen eine Gefahr bilden.<br />
8.2.1 Innere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Wasserdruck, Wasserwiderstand <strong>und</strong> Temperatur beeinflussen den<br />
Kreislauf:<br />
Der Wasserdruck presst den eingetauchten Körper zusammen. Das<br />
führt zu einem verstärkten venösen Rückfluss des Blutes ins Herz.<br />
Dadurch muss das Herz mit einem Schlag mehr Blut umsetzen <strong>und</strong><br />
mit mehr Druck arbeiten.<br />
Der Puls sinkt um 10 bis 15 Schläge (Tauchreflex). Das Pulsverhalten<br />
<strong>im</strong> Wasser ist noch weitgehend unerforscht: So kann der Puls <strong>im</strong><br />
Wasser unter Belastung bis 40 Schläge zu vergleichbaren Leistungen<br />
an Land abweichen. Mit der Bewegung, dem Training <strong>im</strong> Wasser nehmen<br />
die Kreislaufanforderungen noch massiv zu, weil der Widerstand<br />
je nach Übungswahl eine enorme Muskelarbeit verlangt.<br />
Im Wasser werden Anstrengungen subjektiv als leichter wahrgenommen<br />
als an Land: geringes Körpergewicht, Wegfallen von Schlägen,<br />
kein Schwitzen.<br />
Unfälle vermeiden<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
8<br />
8.1<br />
8.2<br />
8.2.1<br />
Wasser<br />
B Begreifen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
43
8.2.2<br />
8.3<br />
Konsequenzen<br />
8.3.1<br />
44<br />
Be<strong>im</strong> Tauchen kommen noch zwei spezielle Phänomene dazu:<br />
Druck auf das Trommelfell <strong>und</strong> Gefahr durch Hyperventilation.<br />
Tauchübungen sollten darum nur von Leitenden mit dem Lebensrettungs-Brevet-1<br />
durchgeführt werden.<br />
Ein weiterer Punkt erhöht <strong>im</strong> Bad das Unfallrisiko: Hör- <strong>und</strong> Sehhilfen<br />
werden nicht getragen, damit sinkt die Orientierungsfähigkeit<br />
am Land <strong>und</strong> <strong>im</strong> Wasser.<br />
8.2.2 Äussere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />
Ein wichtiger äusserer Faktor ist die Wassertemperatur. Der Kreislauf<br />
muss bei normal temperiertem Wasser (27°C) mehr arbeiten,<br />
um der Abkühlung entgegenzuwirken. Bei warmem Wasser (über<br />
32°C) kann der Körper die Wärme nicht abführen (Gefahr des Hitzestaus).<br />
Warmes Wasser erweitert die Gefässe. Das ist ungünstig<br />
für Personen mit Krampfadern <strong>und</strong> kann zu Blutleere <strong>im</strong> Hirn mit<br />
Bewusstlosigkeit führen, was sich vielfach erst auswirkt, wenn der<br />
Wasserdruck wegfällt, also nach dem Aussteigen aus dem Bassin.<br />
8.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende<br />
Die Besonderheiten der inneren <strong>und</strong> äusseren Faktoren gilt es für<br />
uns auch hier zu beachten <strong>und</strong> dazu die methodisch, organisatorisch<br />
<strong>und</strong> personell richtigen <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Präventionsüberlegungen<br />
anzustellen <strong>und</strong> geeignete Massnahmen zu treffen (siehe Kap. 5).<br />
Wir informieren unsere Teilnehmenden über die besonderen Einflüsse<br />
des Wassers auf den Körper, damit sie eigenverantwortlich ihre<br />
Grenzen abschätzen können.<br />
8.3.1 Beachtung der inneren Faktoren<br />
Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />
Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />
Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />
Wir betonen die Selbstverantwortung!
Damit niemand friert, müssen wir in einer Wasserlektion <strong>im</strong>mer für<br />
hohe Bewegungsintensität sorgen (angepasst an die Wassertemperatur),<br />
aber so, dass die Teilnehmenden nicht überfordert sind. Die Kreis-<br />
laufbelastung dosieren wir sorgfältig <strong>und</strong> überprüfen sie mehrfach.<br />
Überprüfung der Kreislaufbelastung:<br />
• Kontrolle von Puls (angestrebte Pulswerte liegen <strong>im</strong> Wasser<br />
wegen dem Tauchreflex 10 bis 15 Schläge tiefer)<br />
• Überprüfung der Atmung (Sprechtest – kann während der<br />
Belastung noch gesprochen werden?)<br />
• Beobachtung der Teilnehmenden (der Puls als alleinige<br />
Belastungskontrolle genügt <strong>im</strong> Wasser nicht)<br />
• Erk<strong>und</strong>igung nach dem Befinden der Teilnehmenden<br />
Die eingeschränkte Seh- <strong>und</strong> Hörfähigkeit können wir durch besonders<br />
klare Instruktion <strong>und</strong> den Einsatz von Medien kompensieren.<br />
8.3.2 Beachtung der äusseren Faktoren<br />
Die äusseren Faktoren beeinflussen wir vor allem, indem wir den<br />
organisatorischen Eigenheiten von Wasser-Angeboten genügend<br />
Beachtung schenken.<br />
Die organisatorischen Eigenheiten des Wassers beachten, bedeutet für<br />
uns:<br />
• Weil die Orientierung <strong>im</strong> Wasser eingeschränkt ist <strong>und</strong> um Kollisionen<br />
zu vermeiden, sorgen wir jederzeit für klare Organisationsformen,<br />
d.h. es muss klar sein, wer sich wo <strong>und</strong> in welcher Richtung<br />
bewegt.<br />
• Wir setzen Medien ein (Organisationsform aufzeichnen, Markierungshilfen<br />
wie Leinen zum Abtrennen der Bahnen <strong>und</strong>/oder des<br />
Tiefwasserbereichs).<br />
• Wir gewährleisten eine hindernisfreie Bassinumgebung: Kabel der<br />
Musikanlage verstauen, Material sofort nach Gebrauch wegräumen<br />
usw.<br />
• Wir sorgen für die Absicherung des Musikgerätes (<strong>Sicherheit</strong>sstecker).<br />
• Wir setzen die Trennung von Nass- <strong>und</strong> Trockenzone <strong>im</strong> Bad als<br />
Mittel der Sturzprävention durch.<br />
• Pressiert's – passiert's: Ein Bad ist gr<strong>und</strong>sätzlich eine Flanierzone.<br />
Eile ist verboten, auch wenn man mal zu spät ist!<br />
• Die Teilnehmenden halten wir an, Badeschuhe zu tragen, damit sie<br />
nicht ausrutschen.<br />
• Am Bassinrand deponieren wir einen Behälter für die Brillen, um die<br />
Teilnehmenden zu ermuntern, ihre Sehhilfen so lange wie möglich<br />
zu tragen (Minderung des Sturzrisikos).<br />
Belastungskontrolle:<br />
siehe BLL,<br />
B. 3/S.15<br />
8.3.2<br />
Äussere<br />
Faktoren <strong>im</strong><br />
Aktionsfeld<br />
Wasser<br />
45
8.4 8.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld<br />
8.4.1<br />
8.4.2<br />
Baderegeln<br />
Hinweis:<br />
Checkliste<br />
ausfüllen zur<br />
Überprüfung<br />
des Angebotes<br />
(s. Kopiervorlagen<br />
in<br />
Kap. 12)<br />
8.5<br />
46<br />
8.4.1 Sturzprävention<br />
Das Wasser ist das opt<strong>im</strong>ale Trainingsmedium für die Sturzprävention.<br />
Wir können ohne Verletzungsrisiko das Gleichgewicht trainieren<br />
<strong>und</strong> das Umfallen üben.<br />
Übungsbeispiele:<br />
• Auf Gegenstände (Schw<strong>im</strong>mbrett, Pool-Noodle, Armringli) stehen<br />
<strong>und</strong> das Gleichgewicht halten<br />
• Gymnastikübungen auf einem Bein ausführen<br />
• Laufen mit vielen Richtungswechseln (auch auf Kommando)<br />
• Bewegungsformen mit geschlossenen Augen suchen<br />
Das in Kapitel 4 aufgeführte Min<strong>im</strong>alprogramm "Sturzprävention" lässt<br />
sich auch <strong>im</strong> Wasser in jede Lektion einbauen.<br />
8.4.2 Baderegeln<br />
Um die Ertrinkungsgefahr zu senken, empfiehlt die Schweizerische<br />
Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) die Einhaltung von sechs Baderegeln.<br />
Fünf dieser Regeln sind auch für den <strong>Seniorensport</strong> relevant:<br />
• Springe nie erhitzt ins Wasser!<br />
– Dein Körper braucht Anpassungszeit<br />
• Luftmatratzen <strong>und</strong> Schw<strong>im</strong>mhilfen gehören nicht ins tiefe<br />
Wasser! – Sie bieten keine <strong>Sicherheit</strong><br />
• Schw<strong>im</strong>me nie mit vollem oder ganz leerem Magen!<br />
– Warte nach üppigem Essen zwei St<strong>und</strong>en<br />
• Springe nie in trübe oder unbekannte Gewässer!<br />
– Unbekanntes kann Gefahr bergen<br />
• Schw<strong>im</strong>me lange Strecken nie allein! – Auch der besttrainierte<br />
Körper hat mal eine Schwäche<br />
8.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen<br />
Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG<br />
Geschäftsstelle Schweiz<br />
Postfach 161<br />
6207 Nottwil LU<br />
Tel. 041 939 21 21<br />
Fax 041 939 21 39<br />
www.slrg.ch<br />
info@slrg.ch
9. In einem Notfall richtig handeln<br />
Welche Handlungsschritte gehören zur Rettungskette?<br />
Welche weiteren Massnahmen müssen <strong>im</strong> Notfall<br />
eingeleitet werden?<br />
9.1 Rettungskette<br />
Bei einem allfälligen Notfall gehen wir systematisch nach der vorgegebenen<br />
Rettungskette vor. Darunter verstehen wir den in Phasen<br />
gegliederten Handlungsablauf zur Behebung einer Notsituation.<br />
9.1.1 Überblick verschaffen<br />
Eine Notfallsituation verlangt vom Helfer in erster Linie ein ruhiges,<br />
überlegtes <strong>und</strong> rasches Handeln. Ein systematisches Vorgehen –<br />
Schritt für Schritt, auch in einer einfachen Situation – ist unbedingt<br />
nötig, um den Erfolg einer Hilfeleistung nicht zum Vornherein zu<br />
gefährden.<br />
Übersicht gewinnen<br />
• Art des Unfalls<br />
• Standort, Umstände<br />
• Zahl der Patienten<br />
• Art der Verletzung (Grobbeurteilung)<br />
• besondere Umstände<br />
Überlegen<br />
• weitere Gefahren (für Patienten, Helfer)<br />
z.B. Zweitunfälle bei Verkehrsunfällen,<br />
Nachrutschen von Schnee <strong>und</strong> Steinschlag <strong>im</strong> Gebirge<br />
Handeln<br />
• Sichern des Patienten, der Helfer<br />
• Absichern der Unfallstelle<br />
9.1.2 Retten/Bergen<br />
Retten ist das Befreien von Patienten aus unmittelbarer Gefahr. Bergen<br />
bedeutet das Sicherstellen von Gegenständen <strong>und</strong> das Suchen<br />
nach tödlich verletzten Personen. Das Retten verlangt sofortiges<br />
Handeln.<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
9<br />
9.1<br />
9.1.1<br />
Überblick<br />
verschaffen<br />
9.1.2<br />
47
9.1.3<br />
Beurteilen<br />
9.1.4<br />
Alarmieren<br />
Die sechs W<br />
48<br />
9.1.3 Beurteilen von Verletzten<br />
Immer zuerst die verletzte Person ansprechen.<br />
Bei bewusstlosen Verletzten sofort Hilfe leisten <strong>und</strong> dabei nach dem<br />
internationalen ABC der Lebensrettung vorgehen:<br />
Bei der Lagerung des ansprechbaren Patienten:<br />
• Drohende Lebensgefahr abwenden<br />
• Verschlechterung des Allgemeinzustandes verhindern<br />
• Normale Körperfunktionen anstreben<br />
• Körper ruhig stellen, d.h. verletzte Körperteile fixieren<br />
• Schmerzen lindern<br />
A<br />
B<br />
C<br />
Bewusstsein<br />
Atemwege freilegen<br />
Atmung<br />
Beatmen (2 Stösse)<br />
Puls<br />
CPR<br />
NEIN<br />
NEIN<br />
NEIN<br />
9.1.4 Notfallmeldung/Alarmierung<br />
Hier geht es um das gezielte Herbeirufen von Hilfe <strong>und</strong> das Auslösen<br />
von Hilfsmassnahmen. Es ist wichtig, dass die Notfallmeldung<br />
vollständig abgegeben wird. Dies erfordert überlegtes <strong>und</strong> ruhiges<br />
Handeln. Erst alarmieren, wenn man über die unten aufgeführten<br />
sechs W Auskunft geben kann.<br />
Wer meldet?<br />
Was ist passiert?<br />
Wo ist der Unfall passiert?<br />
Wieviele Verunfallte (Erwachsene, Kinder)?<br />
Welche Lebensgefahr droht?<br />
> Bewusstlos?<br />
> Atemlos?<br />
> Schwerverletzt?<br />
Weitere Gefahr?<br />
JA<br />
JA<br />
JA<br />
Schock?<br />
Blutung ?<br />
Rückenverletzung ?<br />
Hitzschlag ?<br />
Weitere ?<br />
Bewusstlosenlagerung<br />
Beatmen
Meldestellen<br />
Je nach Situation ist die Sanität, die Rega oder der Arzt vor Ort, <strong>im</strong><br />
Zweifelsfalle aber die Polizei zu alarmieren. Sie übern<strong>im</strong>mt das Aufbieten<br />
weiterer Hilfsorganisationen <strong>und</strong> führt bei Grossereignissen<br />
die Koordination.<br />
• Polizei 117<br />
• Sanität 144<br />
9.1.5 Transport<br />
Vorerst gilt es, Massnahmen zu treffen, die die Transportfähigkeit<br />
eines Notfallpatienten gewährleisten. Diese muss aufrechterhalten<br />
werden durch die Sicherstellung der lebenswichtigen Körperfunktionen<br />
"Atmung" <strong>und</strong> "Kreislauf" <strong>und</strong> die Vermeidung weiterer Schädigungen.<br />
9.2 Weitere Massnahmen<br />
• Feuerwehr 118<br />
• Rega 1414<br />
•Örtlicher Arzt oder Spital ................................<br />
9.2.1 Schutz des Patienten<br />
Es ist darauf zu achten, dass die verletzte Person nur möglichst kurze<br />
Zeit den Witterungseinflüssen ausgesetzt ist. Sie ist vor den neugierigen<br />
Blicken der Zuschauer abzuschirmen. Nur die notwendigen<br />
Helfer bleiben vor Ort. Die anderen halten sich abseits der Unfallstelle<br />
auf <strong>und</strong> sollten z.B. durch einen Hilfsleiter betreut werden.<br />
9.2.2 Unterkühlung (akzidentelle Hypothermie)<br />
In schweren Fällen, d.h. bei Bewusstlosigkeit, Fehlen von Muskelzittern,<br />
oberflächlicher Atmung <strong>und</strong> kaum fühlbarem, langsamem<br />
Puls (Körpertemperatur 30 bis 28 Grad) besteht unmittelbare<br />
Lebensgefahr.<br />
Massnahmen:<br />
• Bewegungen bei <strong>und</strong> nach der Rettung möglichst vermeiden.<br />
• Einschlagen in Isolationsdecke zum Schutz vor Kälte, Feuchtigkeit<br />
<strong>und</strong> Wind (Zweckmässige Improvisationen: Wolldecke, Biwacksack,<br />
warme Kleidungsstücke, Bettflaschen, Zeitungen etc.).<br />
• Nasse Kleider nach Möglichkeit wechseln.<br />
Meldestellen<br />
9.1.5<br />
Transport<br />
9.2<br />
9.2.1<br />
9.2.2<br />
49
9.2.3 9.2.3 Verbrennungen <strong>und</strong> Verbrühungen<br />
Die Folgen von Verbrennungen <strong>und</strong> Verbrühungen können durch fachgerechte<br />
Soforthilfe am Unfallort <strong>und</strong> durch geeignete Massnahmen<br />
vor <strong>und</strong> während des Transportes entscheidend beeinflusst werden.<br />
9.2.4<br />
9.3<br />
9.4<br />
Notfallausrüstung<br />
9.5<br />
50<br />
• Brennende Kleider mit Wasser löschen<br />
• Verbrannte/verbrühte Körperstellen so rasch als möglich kühlen,<br />
am besten durch Abduschen, Eintauchen in kaltes Wasser. Auch<br />
während des Transportes Kühlung aufrechterhalten<br />
• Kleider nicht ausziehen!<br />
9.2.4 Beizug der Polizei (Tatbestandaufnahme)<br />
Bei schweren Verletzungen des Verunfallten wird die Polizei von<br />
Amtes wegen den Tatbestand aufnehmen. Es ist daher wichtig, vor<br />
einer Veränderung der Unfallsituation die Lage der Verletzten auf<br />
dem Boden zu markieren (Oelkreide), sich eine Situationsskizze mit<br />
ungefähren Massangaben zu erstellen, ev. fotografisch festzuhalten,<br />
um bei einer allfälligen Rekonstruktion die notwendigen Angaben<br />
machen zu können.<br />
9.3 Gefahrenquellen eruieren<br />
Nach Abschluss der Ersten Hilfe sind allfällige Gefahrenquellen, die<br />
zum Unfall führten, zu eruieren. Die Frage des "Warum ist es passiert"<br />
ist erst in zweiter Priorität anzugehen.<br />
9.4 Notfallausrüstung für Sportleitende<br />
In der Verantwortung der Sportleitenden liegen:<br />
• Notfallapotheke (schnellen Zugriff gewährleisten <strong>und</strong> den genauen<br />
Standort kennen; je nach Angebot mittragen)<br />
• Das Vorliegen der Notfallnummern <strong>und</strong> die Sicherstellung der<br />
telefonischen Alarmierung (Nummern <strong>und</strong> gegebenenfalls Handy<br />
mittragen)<br />
• Nothilfeausweis/Notfallblatt der Teilnehmenden, je nach Angebot<br />
(Kap. 5.1.3)<br />
9.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen, z.B. für Hinweise auf<br />
Weiter- <strong>und</strong> Fortbildungen<br />
Samariterb<strong>und</strong> Schweiz Schweizerische Lebensrettungs-<br />
Zentralsekretariat Gesellschaft SLRG<br />
Martin-Disteli-Strasse 27 Geschäftsstelle Schweiz<br />
4600 Olten SO Postfach 161<br />
Tel. 062 286 02 00 6207 Nottwil LU<br />
Fax 062 286 02 02 Tel. 041 939 21 21<br />
www.samariter.ch Fax 041 939 21 39<br />
office@samariter.ch www.slrg.ch<br />
info@slrg.ch
10. Sich rechtlich absichern<br />
Welche Überlegungen über die rechtliche Absicherung eines<br />
Angebotes sind angebracht? Inwiefern kann der Leitende eines Angebotes<br />
haftbar gemacht werden?<br />
Die Ausübung von Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport ist auch mit gewissen<br />
Unfallrisiken verb<strong>und</strong>en. Daraus ergeben sich zwangsläufig Rechtsfragen<br />
für Teilnehmende, Leitende <strong>und</strong> auch Veranstaltende von <strong>Seniorensport</strong>angeboten.<br />
Als Folge des komplexen Zusammenspiels der<br />
verschiedenen <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Unfallfaktoren können indes keine allgemeingültigen<br />
"Rezeptbücher" zur Vermeidung jeglicher rechtlicher<br />
Probleme <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> verfasst werden. Vielmehr sollen die<br />
nachstehenden Ausführungen zur Sensibilisierung aller Beteiligter hinsichtlich<br />
<strong>Unfallprävention</strong>, Verantwortungsbewusstsein <strong>und</strong> Auseinandersetzung<br />
mit der rechtlichen Problematik beitragen.<br />
10.1 Zustandsabklärung <strong>und</strong> Angebotsausschreibung<br />
Im Sinne der Eigenverantwortung <strong>und</strong> der <strong>Unfallprävention</strong> sinnvoll<br />
<strong>und</strong> zu empfehlen ist eine Eignungsuntersuchung für die Ausübung<br />
von <strong>Seniorensport</strong>, wenngleich <strong>im</strong> Freizeitbereich solche gesetzlich<br />
vorgeschriebenen Eignungsuntersuchungen fehlen. Der Mensch hat<br />
sich seinen physischen <strong>und</strong> psychischen Möglichkeiten anzupassen,<br />
auch wenn er dabei seine Bedürfnisse <strong>und</strong> Wünsche zurückstecken<br />
muss. Eine derartige Ges<strong>und</strong>heits-/Zustandsabklärung ist vorab Sache<br />
jeder einzelnen <strong>Seniorensport</strong>lerin <strong>und</strong> jedes einzelnen <strong>Seniorensport</strong>lers,<br />
wenn sie/er sich nicht dem Vorwurf fahrlässigen Handelns aussetzen<br />
will. Je nach Sportart <strong>und</strong> Leistungsanforderungen sollten aber<br />
auch die <strong>Seniorensport</strong>veranstaltenden bzw. -leitenden bei den Teilnehmenden<br />
solche Abklärungen anregen oder auch fordern.<br />
In jedem Falle muss die Kursausschreibung unmissverständlich die<br />
zur Teilnahme erforderlichen Voraussetzungen <strong>und</strong> Anforderungen<br />
offen legen.<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Anforderungen<br />
klären<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Wir prüfen genau, welche Anforderungen die Teilnehmenden in unserem Angebot<br />
erfüllen müssen. Wir halten die Teilnehmenden dazu an, die Erfüllung dieser Anforderungen<br />
in eigener Verantwortung abklären zu lassen <strong>und</strong> behalten uns vor, Teilnehmende<br />
zurückzuweisen, wenn wir die Verantwortung nicht übernehmen können.<br />
Auf jeden Fall deklarieren wir die Anforderungen unmissverständlich – vor allem<br />
auch in der Ausschreibung des Angebotes.<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Bewegungskultureller Lebenstil<br />
10<br />
Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />
Sich rechtlich absichern<br />
Im Notfall richtig handeln<br />
Unfälle vermeiden<br />
Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />
B Begreifen<br />
B Begegnen<br />
Fakten kennen<br />
Das Älterwerden verstehen<br />
Der sich<br />
bewegende,<br />
älter werdende<br />
Mensch<br />
B Behalten<br />
B Bewegen<br />
Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />
10.1<br />
51
10.2<br />
Sorgfaltspflicht<br />
beachten<br />
10.3<br />
52<br />
10.2 Haftungsbeschränkungen<br />
Es stellt sich die Frage, ob drohende Haftbarkeiten durch Veranstaltende<br />
<strong>und</strong>/oder Leitende zum Vornherein ausgeschlossen oder<br />
beschränkt werden können. Derartige Haftungsbeschränkungen sind<br />
jedoch nur in best<strong>im</strong>mten Grenzen zulässig <strong>und</strong> wirksam. Jede Haftungswegbedingung<br />
<strong>im</strong> Voraus ist nur möglich durch vertragliche<br />
Abrede zwischen dem potenziell Geschädigten <strong>und</strong> dem in Frage<br />
kommenden Haftpflichtigen. Es kann nicht einseitig gegenüber unbest<strong>im</strong>mten<br />
Dritten erklärt werden, auf keinen Fall haftbar zu sein.<br />
Im Weiteren ist eine zum Voraus getroffene Verabredung, wonach<br />
die Haftung für grobe Fahrlässigkeit oder absichtliche Schädigung<br />
ausgeschlossen sein soll, nichtig, d.h. unwirksam (Art. 100 <strong>im</strong> Obligationenrecht).<br />
Auf alle Fälle sind Haftungsbeschränkungsklauseln<br />
nie ein Freipass für Unsorgfalt.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Eine Haftung für grobe Fahrlässigkeit bzw. absichtliche Schädigung kann weder von<br />
uns als Leitende noch vom Veranstalter zum Vornherein ausgeschlossen werden.<br />
Daher müssen wir uns in jedem Falle über unsere Sorgfaltspflicht <strong>im</strong> Klaren sein.<br />
10.3 Versicherungen<br />
Versicherungen können durch Gesetz oder Vertrag verpflichtet sein,<br />
bei einem Unfall für entstandene Schäden aufzukommen. Einen<br />
ersten Überblick über die Versicherungsbeziehungen, die nach einem<br />
Sportunfall zum Tragen kommen können, liefert die folgende Tabelle.<br />
Krankenkasse obligatorisch<br />
deckt auch Unfallkosten deckt Unfallkosten<br />
deckt Ansprüche gegen<br />
den Teilnehmenden<br />
private Unfallversicherung<br />
TEILNEHMENDE, LEITENDE, VERANSTALTER<br />
Privathaftpflichtversicherung<br />
deckt Ansprüche gegen<br />
den Veranstalter<br />
Veranstalterhaftpflichtversicherung<br />
Veranstaltende <strong>und</strong> Leitende von <strong>Seniorensport</strong>angeboten sollten<br />
vor Aufnahme ihrer Tätigkeit abklären, welche Versicherungen bei<br />
den Teilnehmenden schon bestehen <strong>und</strong> welche zusätzlichen Versicherungsmöglichkeiten<br />
<strong>im</strong> Zusammenhang mit dem geplanten<br />
Angebot sinnvoll wären. Für entsprechende Informationen sind die<br />
Teilnehmenden sicherlich auch dankbar.
10.3.1 Versicherungen für Teilnehmende<br />
Aus der Sicht als potenzielle<br />
Unfallopfer<br />
A. Krankenkasse:<br />
Die Krankenversicherung ist die<br />
Basisversicherung für alle ges<strong>und</strong>heitlichen<br />
Schädigungen.<br />
Gr<strong>und</strong>sätzlich muss jede Person<br />
mit Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch<br />
eine Krankenpflegeversicherung<br />
abschliessen (Art. 3 B<strong>und</strong>esgesetz<br />
über die Krankenversicherung,<br />
KVG). Diese Versicherung<br />
gewährt Leistungen bei Krankheit<br />
<strong>und</strong> Unfall; letzteres aber nur, soweit<br />
dafür keine Unfallversicherung<br />
aufkommt (Art. 1 KVG ; sog.<br />
Subsidiaritätsprinzip).<br />
B. Unfallversicherung:<br />
Alle in der Schweiz beschäftigten<br />
Arbeitnehmerinnen <strong>und</strong> Arbeitnehmer<br />
sind gr<strong>und</strong>sätzlich obligatorisch<br />
gegen Unfälle versichert (Art.<br />
1 UVG). Keine gesetzliche Unfallversicherung<br />
besteht hingegen für<br />
die nicht mehr erwerbstätigen Personen<br />
(z.B. Senioren). <strong>Seniorensport</strong>treibende<br />
sollten sich rechtzeitig<br />
be<strong>im</strong> Veranstalter des Angebotes<br />
erk<strong>und</strong>igen, ob die Teilnehmenden<br />
allenfalls kollektiv gegen Unfall<br />
versichert sind. Wenn nicht,<br />
dann lohnen sich Abklärungen bezüglich<br />
der Bedingungen/Konditionen<br />
einer privaten (Einzel-) Unfallversicherung<br />
resp. bezüglich der<br />
hierfür in der obligatorischen Krankenversicherung<br />
vorhandenen Unfalldeckung.<br />
Aus der Sicht als potenzielle<br />
Unfallverursacher<br />
Haftpflichtversicherung:<br />
<strong>Seniorensport</strong>treibende können<br />
nicht nur Unfälle erleiden, sondern<br />
auch verursachen <strong>und</strong> damit unter<br />
Umständen mit Haftpflichtforderungen<br />
der verletzten Person konfrontiert<br />
werden. Die Haftpflichtversicherung<br />
übern<strong>im</strong>mt in solchen Fällen<br />
die Zahlung begründeter Ansprüche<br />
des Geschädigten bzw. sie<br />
sorgt für die Abwehr unbegründeter<br />
Ansprüche.<br />
Es ist die Aufgabe jedes Einzelnen,<br />
für eine derartige Versicherung zu<br />
sorgen. In der Regel ist die sogenanntePrivathaftpflichtversicherung<br />
in der Hausratsversicherung<br />
eingeschlossen.<br />
10.3.1<br />
Auf<br />
Versicherungsschutz<br />
hinweisen<br />
53
10.3.2<br />
Den<br />
eigenen<br />
Versicherungsschutz<br />
überprüfen<br />
54<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Wir weisen unsere Teilnehmenden darauf hin, dass sie ihren Versicherungsschutz<br />
(Krankenkasse, Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung) rechtzeitig vor der geplanten<br />
Teilnahme am <strong>Seniorensport</strong>angebot überprüfen <strong>und</strong> allenfalls verbessern<br />
sollten. Insbesondere weisen wir unsere Teilnehmenden darauf hin, dass sie für<br />
eine Unfallversicherung selber besorgt sein müssen.<br />
10.3.2 Versicherungen für Veranstaltende <strong>und</strong> Leitende<br />
Aus der Sicht als potenzielle<br />
Unfallopfer<br />
A. Krankenkasse:<br />
Das oben unter Ziffer 10.3.1 für<br />
die Teilnehmenden Gesagte gilt<br />
analog auch für Veranstaltende<br />
<strong>und</strong> Angebotsleitende.<br />
B. Unfallversicherung:<br />
Gemäss der Gesetzgebung über<br />
die Unfallversicherung muss<br />
gr<strong>und</strong>sätzlich jede Arbeitnehmerin<br />
<strong>und</strong> jeder Arbeitnehmer gegen<br />
Berufsunfälle <strong>und</strong> ab acht Arbeitsst<strong>und</strong>en<br />
wöchentlich auch gegen<br />
Nichtberufsunfälle obligatorisch<br />
durch den Arbeitgeber versichert<br />
sein. Selbständigerwerbende<br />
können sich freiwillig gleich wie<br />
die obligatorisch dem UVG unterstellten<br />
Personen versichern lassen.<br />
Dies ist bei der Suva, bei privaten<br />
Unfallversicherern oder bei<br />
Krankenkassen möglich.<br />
Aus der Sicht als potenzielle<br />
Unfallverursacher<br />
Haftpflichtversicherung:<br />
Nicht nur einzelne <strong>Seniorensport</strong>treibende,<br />
sondern beispielsweise<br />
auch ein veranstaltender Verein/<br />
Verband oder einzelne Angebotsleitende<br />
können als Unfallverursacher<br />
gelten <strong>und</strong> haftpflichtig<br />
werden. Eine Vereins- <strong>und</strong>/oder<br />
Veranstalterhaftpflichtversicherung<br />
ist hier sinnvoll. Auch diesbezüglich<br />
ist <strong>im</strong> Einzelfall abzuklären,<br />
welche Versicherungen<br />
schon bestehen <strong>und</strong> welche Zusatzversicherungen<br />
möglich sind.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Wir klären ab, ob wir selbst ausreichend unfallversichert sind. Dazu können wir auch<br />
bei der eigenen <strong>Seniorensport</strong>-Organisation (z.B. Pro Senectute) Informationen einholen.<br />
Eine normale Privathaftpflichtversicherung ist möglicherweise für uns als<br />
Leitende keine ausreichende Lösung. Je nach Angebot, für das wir zuständig sind,<br />
klären wir ab, ob wir selber eine Lösung brauchen oder ob die Organisation, bei der<br />
wir tätig sind, eine befriedigende Lösung anbieten kann.
10.4 Auswahl möglicher Rechtsfragen nach einem Unfall<br />
10.4.1 Frage der Haftung<br />
Im Haftpflichtrecht geht es um die Frage, ob jemand für den Schaden<br />
(Unfall) eines Andern verantwortlich <strong>und</strong> in welchem Ausmass<br />
dieser Schaden allenfalls zu ersetzen ist. Für alle Schadenfälle geht<br />
das Haftpflichtrecht vom Gr<strong>und</strong>satz aus, dass Geschädigte vorab<br />
ihren Schaden selber tragen müssen. Die Abwälzung des Schadens<br />
auf Ersatzpflichtige bildet somit eine Ausnahme.<br />
Für die Schadensabwälzung stehen zwei Möglichkeiten <strong>im</strong> Vordergr<strong>und</strong>:<br />
entweder können Geschädigte aus einer vorbestehenden<br />
vertraglichen Beziehung Haftungsansprüche gegen Vertragspartner<br />
ableiten oder jemanden aufgr<strong>und</strong> einer ausservertraglichen/gesetzlichen<br />
Norm zur Verantwortung ziehen.<br />
Das Verschulden, d.h. der Vorwurf an Schädiger, die Schädigung<br />
anderer nicht verhindert zu haben, obwohl sie hierzu in der Lage<br />
<strong>und</strong> dazu auch verpflichtet gewesen wären, bildet dabei gr<strong>und</strong>sätzlich<br />
die Berechtigung der Schadensüberwälzung.<br />
Im Bereich des ausservertraglichen Haftpflichtrechts gibt es neben<br />
der allgemeinen Verschuldenshaftung auch noch sogenannte Kausalhaftungen.<br />
Diese führen zu einer noch strengeren Verantwortlichkeit,<br />
da sie kein Verschulden der Haftpflichtigen, sondern nur eine<br />
besondere Beziehung der Haftpflichtigen zum haftungsbegründenden<br />
Tatbestand voraussetzen (so können sich beispielsweise<br />
Eigentümer oder Betreiber von Sportanlagen haftbar machen, wenn<br />
Mängel an den Anlagen zu Unfällen führen).<br />
Daraus folgt, dass je nach Unfallursache den Geschädigten mehrere<br />
Leistungspflichtige gegenüberstehen können.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Wir halten uns in unserem Angebot an die <strong>im</strong> Vertrag oder der Angebotsausschreibung<br />
gemachten Angaben. Dabei unterlassen wir nichts, was der <strong>Unfallprävention</strong><br />
dienen würde (<strong>Sicherheit</strong>smodell, insbesondere Stufe 4, Kap. 5–8; Checklisten ausfüllen!).<br />
Nicht nur in der Funktion als <strong>Seniorensport</strong>leitende, sondern auch als anderweitig an<br />
<strong>Seniorensport</strong>angeboten beteiligte Personen (z.B. Eigentümer/Betreiber von Sportanlagen,<br />
Kursleitende oder Veranstaltende) müssen wir uns unserer Verantwortung<br />
bewusst sein <strong>und</strong> Unfällen vorbeugen; ansonsten besteht ein Haftungsrisiko.<br />
10.4<br />
10.4.1<br />
<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />
beachten,<br />
Checkliste ausfüllen.<br />
55
10.4.2<br />
Auf<br />
Eigenverantwortung<br />
aufmerksam<br />
machen<br />
56<br />
10.4.2 Selbstverschulden <strong>und</strong> Eigenverantwortung<br />
Unfälle anlässlich von <strong>Seniorensport</strong>veranstaltungen lassen sich nie<br />
vollständig vermeiden. Geschädigte können jedoch nicht für jeden<br />
erlittenen Schaden eine Drittperson verantwortlich machen. Manchmal<br />
müssen sie sich eigenes Verschulden anrechnen lassen, was je<br />
nach Ausmass zur Ermässigung oder zum Ausschluss der Ersatzpflicht<br />
führen kann. Zudem sind gewisse Risiken untrennbar mit<br />
einer Sportart verb<strong>und</strong>en <strong>und</strong> gelten als von Ausübenden akzeptiert<br />
(z.B. die Gefahr eines Sturzes be<strong>im</strong> Geländelauf).<br />
Die Eigenverantwortung der am <strong>Seniorensport</strong> Teilnehmenden hat<br />
demnach einen hohen Stellenwert. Nur der Einzelfall erlaubt aber<br />
eine genauere Umschreibung der Grenzen dieser Eigenverantwortung<br />
<strong>und</strong> damit des Beginns der Verantwortung bzw. Haftung von<br />
anderen.<br />
Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />
Wir machen die Teilnehmenden auf ihre Eigenverantwortung aufmerksam, z.B. sollen<br />
sich diese selber vergegenwärtigen, ob für sie eine Velotour von drei St<strong>und</strong>en zu<br />
bewältigen sei. Dazu weisen wir auch eindeutig auf die normalen, aber eben vorhandenen<br />
Begebenheiten in einem Bewegungsangebot hin. So findet beispielsweise<br />
Skifahren nun einmal draussen statt, was automatisch mit Kälte <strong>und</strong> Nässe verb<strong>und</strong>en<br />
sein kann.
11 11. Literatur<br />
Literatur<br />
58<br />
AEBERSOLD, CHR.; HELD, T.; MARTI,B.: Leistungsfähigkeit von Ausdauerathleten<br />
<strong>im</strong> Seniorenalter: Eine Vergleichsstudie mit männlichen <strong>und</strong> weiblichen Orientierungsläufern.<br />
Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie 45 (2), 1997, 89–93.<br />
ALLENBACH, R.: Nichtberufsunfälle in der Schweiz. Das gesamte Ausmass für das<br />
Jahr 1997. bfu-Pilotstudie. Bern: bfu, 2000.<br />
BAUMGARTNER, A.; RÖTHLISBERGER, E.: Seniorengruppen leiten – aber sicher:<br />
Eine Arbeitshilfe für Leiterinnen <strong>und</strong> Leiter von Seniorengruppen <strong>und</strong> Seniorenkursen.<br />
Pro Senectute Schweiz. Zürich: 1992.<br />
BEER, V.; MINDER, CHR.; HUBACHER, M.; ABELIN, TH.: Epidemiologie der<br />
Seniorenunfälle. bfu-Report 42. Bern: bfu, 2000.<br />
BFU: Merkblätter Schneesport, Velotouren, Wanderungen. Bern: bfu, 2000.<br />
BRUNNER, M.; FIRMIN, F.: Basis-Lern-Lehrmittel <strong>Seniorensport</strong> Schweiz. Eidgenössische<br />
Sportschule Magglingen (BASPO), 1999.<br />
CALMONTE, R.; KÄLIN, W: Körperliche Aktivität <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit in der Schweizer<br />
Bevölkerung. Sek<strong>und</strong>äranalyse der Daten zur Schweizerischen Ges<strong>und</strong>heitsbefragung<br />
1992. Institut für Sozial- <strong>und</strong> Präventivmedizin, 1997.<br />
CWIKEL, J.; FRIED, A. V.: The social epidemiology of falls among communitydwelling<br />
elderly: guidelines for prevention. Disability and Rehabilitation 14 (3),<br />
1992 113–121.<br />
EHRSAM, R.:Training <strong>und</strong> Trainierbarkeit der aeroben Kapazität <strong>im</strong> Alter. Schweiz.<br />
Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie 45 (2), 1997, 75–82.<br />
EHRSAM, R.; ZAHNER, L.: Kraft <strong>und</strong> Krafttraining <strong>im</strong> Alter. In: Denk, H. (Hrsg.): Alterssport.<br />
Aktuelle Forschungsergebnisse. Schorndorf: Karl Hofmann, 1996; 191–211.<br />
GLAS, B: Sportunterricht ohne Unfälle. L<strong>im</strong>pert, 1995.<br />
HENNING, A: Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport <strong>im</strong> Alter: Ein Handbuch zur<br />
Planung <strong>und</strong> Organisation attraktiver Angebote. Stuttgart: Kohlhammer, 2000.<br />
HOLLIGER-HAGMANN, E.: Haftpflicht: wer haftet für Zuschauer <strong>und</strong> Mitwirkende<br />
von Sportanlässen? In: Schweizer Versicherung 6/2000.<br />
HUBACHER, M.; EWERT, U.: Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 65 Jahren.<br />
bfu-Report 32. Bern: bfu, 1997.<br />
KALBERMATTEN, U., U.A.: Erwachsenenbildung mit älteren Menschen – Handlungsanleitung.<br />
1. Ausgabe – Bern: Berner Lehrmittel- <strong>und</strong> Medienverlag, 2000.<br />
KOLB, M.: Bewegtes Altern: Perspektiven einer Sportgeragogik. Schorndorf: Hofmann,<br />
2000.<br />
LAMPRECHT, M.; STAMM, H.P.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit in der Schweizer<br />
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1997. Zürich: Forschungsbericht <strong>im</strong> Auftrag des B<strong>und</strong>esamtes für Sport,<br />
November 1999.<br />
LAMPRECHT, M.; STAMM, H.P.: Sport Schweiz 2000. Sportaktivität <strong>und</strong> Sportkonsum<br />
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LAMPRECHT, M.; STAMM, H.P.: Sek<strong>und</strong>äranalyse zur SOV-STG-Studie "Sport<br />
Schweiz 2000": <strong>Seniorensport</strong> in der Schweiz. Zürich: Arbeitspapier Juli 2000.<br />
LENZHOFER, G.; STÄUBLE, J.: Unfallverhütung <strong>im</strong> Sportunterricht mit Senioren.<br />
bfu-Dokumentation. Bern: bfu, 1991.
MARTI, B.; VILLIGER, B; HINTERMANN, M.; LERCH, R.: Plötzlicher Herztod be<strong>im</strong><br />
Sport: sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen <strong>und</strong> Präventionsmassnahmen. Schweiz.<br />
Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie 46 (2), 1998, 83–85.<br />
MARTIN, B. W.; MÄDER, U.; CALMONTE, R.: Einstellung, Wissen <strong>und</strong> Verhalten der<br />
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1999. Neuchâtel: Sportwissenschaftliches Institut Magglingen, Institut für<br />
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Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie. 47 (4) 1999; 165–169.<br />
MEUSEL, H.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit <strong>im</strong> Alter. 1. Auflage – Wiesbaden:<br />
Quelle <strong>und</strong> Meyer, 1996.<br />
MEUSEL, H.: Sport für Ältere: Bewegung – Sportarten – Training. Stuttgart:<br />
Schattauer, 1999.<br />
NETZLE, S.: Der Sportveranstalter haftet. In : Fair Play 3/98.<br />
OAKLEY, A.; DAWSON, M. F.; U. A.: Preventing falls and subsequent injury in older<br />
people. Quality in Health Care 5 1996, 243–249.<br />
PRO SENECTUTE: Velofahren mit Senioren. Schweiz: 1997.<br />
RIEMER-KAFKA, G.: Die Pflicht zur Selbstverantwortung: Leistungskürzungen <strong>und</strong><br />
Leistungsverweigerungen zufolge Verletzung der Schadensverhütungs- <strong>und</strong><br />
Schadensminderungspflicht <strong>im</strong> schweizerischen Sozialversicherungsrecht.<br />
Schweiz: Universitätsverlag Freiburg, 1999.<br />
SCHWENDIMANN, R.: Sturzprävention <strong>im</strong> Akutspital. Eine Literaturübersicht.<br />
In "Pflege" 13/2000, S. 169–179.<br />
SHEPHARD, R J.: Aging, Physical Activity, and Health. Champaign IL: Human Kinetics,<br />
1997.<br />
SKUS: Richtlinien für das Verhalten der Skifahrer <strong>und</strong> Snowboarder. Bern: SKUS,<br />
1995.<br />
STARK, E. W.: Ausservertragliches Haftpflichtrecht. Zürich: Schulthess Polygraphischer<br />
Verlag, 1988.<br />
TIDEIKSAAR, R.: Stürze <strong>und</strong> Sturzprävention. Bern; Göttingen; Toronto; Seattle: Huber,<br />
2000.<br />
TINETTI, M. E.; WILLIAMS, C. S.: Falls, injuries due to Falls, and the risk of<br />
Admission to a Nursing Home. NEJM 337 (18), 1997, 1279–1284.<br />
Literatur<br />
59
Kontakte<br />
60<br />
<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
Kontakte Herausgeber<br />
Schweizerische Beratungsstelle<br />
für Unfallverhütung bfu<br />
Laupenstr. 11<br />
3001 Bern<br />
Tel. 031 390 22 22<br />
Fax 031 390 22 30<br />
www.bfu.ch<br />
sport@bfu.ch<br />
B<strong>und</strong>esamt für Sport Magglingen<br />
BASPO<br />
2532 Magglingen<br />
Tel. 032 327 61 11<br />
Fax 032 327 64 04<br />
www.baspo.ch<br />
senior.sport@baspo.admin.ch<br />
Swiss Olympic<br />
<strong>Seniorensport</strong>, Abteilung Sport<br />
Haus des Sportes<br />
Laubeggstr. 70<br />
3000 Bern 32<br />
Tel. 031 359 71 11<br />
Fax 031 352 33 80<br />
www.swissolympic.ch<br />
seniorensport@swissolympic.ch
12.1 Sturzprävention: Min<strong>im</strong>alprogramm<br />
Varianten<br />
Beispielprogramm<br />
Variante 3<br />
Beispielprogramm<br />
Variante 2<br />
Beispielprogramm<br />
Variante 1<br />
Trainingsempfehlungen<br />
(erhöhter Stand, z.B. auf Dachlatte)<br />
•Führen Sie die Übungen in der vorgegebenen Reihenfolge<br />
aus.<br />
• Die Übungen 1 <strong>und</strong> 2 dienen als Einstieg <strong>und</strong> werden je ca.<br />
1 bis 2 Minuten ausgeführt.<br />
•Die Übungen 3, 4 <strong>und</strong> 5 sind gezielte Kräftigungsübungen.<br />
Führen Sie jeweils 10 bis 20 kontrollierte <strong>und</strong> langsame<br />
Bewegungswiederholungen aus (linke <strong>und</strong> rechte Seite).<br />
•Wiederholen Sie zur Steigerung die Übungen 3, 4 <strong>und</strong> 5<br />
als Serie ein zweites <strong>und</strong> drittes Mal.<br />
für Marianne, 80 Jährig für Guido, 70 Jährig für Peter, 55 Jährig<br />
Arme heben <strong>und</strong><br />
senken,<br />
beugen <strong>und</strong> strecken<br />
Arme heben <strong>und</strong><br />
senken, beugen<br />
<strong>und</strong> strecken<br />
Arme heben <strong>und</strong><br />
senken<br />
Schritte mit<br />
Seitwärtsverschiebung<br />
erhöht<br />
Schritte an Ort<br />
Schritte mit Seitwärtsverschiebung<br />
Übung 1, Koordination:<br />
Gleichzeitiges Bewegen der Arme <strong>und</strong> Beine<br />
Übungen zur Verbesserung der Koordination<br />
(Zusammenspiel der Arme <strong>und</strong> Beine)<br />
• Gleichzeitig mit dem freien<br />
Bein verschiedene Bewegungen<br />
ausführen<br />
• Gleichzeitig Armbewegungen<br />
ausführen<br />
• Übungen mit geschlossenen<br />
Augen ausführen<br />
Übung 2, Koordination:<br />
Stand auf einem Bein<br />
Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts <strong>und</strong><br />
der Stabilität in den Knie- <strong>und</strong> Fussgelenken<br />
Übung 3, Kraft:<br />
Beinstrecken<br />
Übungen zur Kräftigung der Oberschenkel- <strong>und</strong><br />
Gesässmuskulatur<br />
Übung 4, Kraft:<br />
Wadenheben<br />
Übungen zur Kräftigung der Wadenmuskulatur<br />
Übung 5, Kraft:<br />
Vorderfussheben<br />
Übungen zur Kräftigung der Fusshebemuskulatur<br />
Kopiervorlage: aus “<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>” © bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic 2001<br />
61
62<br />
12.2 Checkliste<br />
Diese dient der allgemeinen Kontrolle nach der Planung eines Angebotes. Aussagen, die<br />
nicht eindeutig mit JA beantwortet werden können, sind zu überdenken.<br />
Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden beachten!<br />
Ich habe die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden bei der Vorbereitung meines Angebotes beachtet. Ja<br />
Ich habe die verminderte Kraftfähigkeit berücksichtigt. Ja<br />
Ich habe die verminderte Funktionalität der Gelenke berücksichtigt. Ja<br />
Ich habe die Einschränkungen des Herz-Kreislauf-Systems berücksichtigt. Ja<br />
Ich habe die Abnahme des Seh- <strong>und</strong> Hörvermögens berücksichtigt. Ja<br />
Die nötigen Fakten kennen!<br />
Ich kenne die besonderen Sturzgefahrenquellen in meinem Angebot. Ja<br />
Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> leisten!<br />
Ich weiss konkret, welchen Nutzen für die Ges<strong>und</strong>heit <strong>und</strong> die Fitness der Teilnehmenden ich in<br />
meinem Angebot anstrebe. Ja<br />
Ich habe das Min<strong>im</strong>alprogramm in die Vorbereitung meines Angebotes integriert. Ja<br />
Innere Faktoren berücksichtigen <strong>und</strong> Überforderung vermeiden!<br />
Ich habe konkrete Instrumente zur Belastungssteuerung <strong>und</strong> zur Vermeidung von<br />
Überforderung in meinem Angebot verfügbar. Ja<br />
Ich kenne vorhandene Beschwerden der Teilnehmenden <strong>und</strong> weiss, wie damit umgehen. Ja<br />
Ich weiss, wie ich die Teilnehmenden auf ihre Eigenverantwortung hinweise. Ja<br />
Bei Outdoorangeboten!<br />
Die äusseren Faktoren "Gelände", "Wetter/Witterung", "Ausrüstung/Sportgeräte", "Distanzen",<br />
"Mitmenschen" <strong>und</strong> "Zeitliche Rahmenbedingungen" in meinem Angebot habe ich<br />
abgeklärt <strong>und</strong> kenne die möglicherweise daraus resultierenden Gefahren. Ja<br />
Der genaue Ablauf des Angebotes ist mir bekannt, er kann so gewährleistet werden. Ja<br />
Ich habe die sportartspezifischen <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien in meine Planung miteinbezogen. Ja<br />
Bei Indoorangeboten!<br />
Ich habe die Anliegen an einen organisatorisch einwandfreien Ablauf<br />
meines Angebotes in meiner Planung berücksichtigt. Ja<br />
Ich habe die sportartspezifischen <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien in meine Planung miteinbezogen. Ja<br />
Im Wasser!<br />
Ich weiss, welche besonderen Unfallgefahren <strong>im</strong> Wasser vorhanden sind. Ja<br />
Ich kenne die Konsequenzen aus den veränderten inneren <strong>und</strong> äusseren Unfallfaktoren<br />
<strong>im</strong> Wasser <strong>und</strong> weiss, wie ich ihnen begegne. Ja<br />
Ich habe die sportartspezifischen <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien in meine Planung miteinbezogen. Ja<br />
Im Notfall!<br />
Ich kenne die Rettungskette <strong>im</strong> Falle eines Notfalles <strong>und</strong> ich bin auf die zu treffenden Massnahmen<br />
vorbereitet. Ja<br />
Ich habe Zugriff zu einer Notfallapotheke, die Notfallnummern sind verfügbar <strong>und</strong> eine allfällige<br />
Alarmierung ist gewährleistet. Ja<br />
Ich habe <strong>im</strong> Notfall Zugriff auf wichtige Daten <strong>und</strong> Angaben der Teilnehmenden. Ja<br />
Die rechtliche Situation beachten!<br />
Ich habe die Teilnehmenden auf die Anforderungen <strong>und</strong> Besonderheiten<br />
in meinem Angebot aufmerksam gemacht. Ja<br />
Mein Angebot entspricht der Ausschreibung. Ja<br />
Ich habe meine Versicherungssituation (v.a. Haftpflicht <strong>und</strong> Unfall) abgeklärt. Ja<br />
Kopiervorlage: aus “<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>” © bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic 2001
Notizen<br />
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<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />
© 2001 bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic