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Sicherheit und Unfallprävention im Seniorensport ... - BfU

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fu<br />

bpa<br />

upi<br />

Schweizerische<br />

Beratungsstelle<br />

für Unfallverhütung<br />

<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong><br />

<strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

R 0113


Impressum<br />

2<br />

Impressum<br />

Herausgeberin/Bezugsquelle<br />

Schweizerische Beratungsstelle<br />

für Unfallverhütung bfu<br />

Postfach 8236<br />

CH-3001 Bern<br />

Tel. 031 390 22 22<br />

Fax 031 390 22 30<br />

info@bfu.ch<br />

www.bfu.ch<br />

Auftraggeber<br />

Schweizerische Beratungsstelle<br />

für Unfallverhütung bfu<br />

Laupenstrasse 11<br />

3001 Bern<br />

B<strong>und</strong>esamt für Sport Magglingen<br />

BASPO<br />

2532 Magglingen<br />

Swiss Olympic<br />

Laubeggstrasse 70<br />

3000 Bern 32<br />

Autor<br />

Hansjürg Thüler, Projekte in Bewegung ®<br />

Co-Autoren<br />

Matthias Brunner, Aquademie ® für Wasserfitness, Kapitel 8<br />

Hugo Kallen, Projekte in Bewegung ® , Kapitel 7<br />

Bernard Marti, BASPO, Sportwissenschaftliches Institut, Kapitel 2<br />

Andres Schneider, BASPO, Ausbildungsbereich <strong>Seniorensport</strong>, Kapitel 6<br />

Anton Schnetzer, Pro Senectute Schweiz, Kapitel 9<br />

Regula Stöcklin, bfu, Abteilung Recht, Kapitel 10<br />

Projektteam<br />

Diana C<strong>im</strong>a, bfu, Abteilung Sport (Projektleitung)<br />

René Mathys, bfu, Leiter Abteilung Sport<br />

Christoph Nützi, Swiss Olympic, Verantwortlicher <strong>Seniorensport</strong><br />

Andres Schneider, BASPO, Verantwortlicher <strong>Seniorensport</strong><br />

Hansjürg Thüler, Projekte in Bewegung ® (Projektleitung)<br />

Begleitgruppe<br />

This Fehrlin, Alter <strong>und</strong> Sport, Pro Senectute Schweiz<br />

Walter Krüsi, Interverband für Schw<strong>im</strong>men IVSCH<br />

Marlies Wegmüller, <strong>Seniorensport</strong>leiterin<br />

Fotos<br />

Daniel Käsermann<br />

Beat Cattaruzza<br />

Matthias Brunner, Aquademie ® für Wasserfitness<br />

Grafische Gestaltung<br />

Illustrationen<br />

c 2 Beat Cattaruzza, Biel<br />

Druck<br />

Edipr<strong>im</strong> AG/SA<br />

15, rue Oppliger<br />

2501 Biel-Bienne<br />

Auflage 1/2001/5000<br />

2/2002/7000<br />

© bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic<br />

Alle Rechte vorbehalten; die auszugsweise oder vollständige Vervielfältigung oder<br />

Kopie (Fotokopie, Mikrokopie) dieser Broschüre darf nur mit Genehmigung <strong>und</strong> Angabe<br />

der Auftraggeber erfolgen.


Inhaltsverzeichnis<br />

Vorwort 5<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell 6<br />

1. Einleitung 7<br />

1.1 Das <strong>Sicherheit</strong>smodell für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong><br />

<strong>Seniorensport</strong> 7<br />

1.2 Ziele des <strong>Sicherheit</strong>smodells 7<br />

1.3 Sicher (!) aktiv sein! 8<br />

2. Das Älterwerden verstehen 9<br />

2.1 Muskulatur: Kraftverlust als Realität 9<br />

2.2 Knochen <strong>und</strong> Gelenke 10<br />

2.3 Herz-Kreislauf-System <strong>und</strong> Lungenfunktion 10<br />

2.4 Abnahme des Seh- <strong>und</strong> Hörvermögens 11<br />

2.5 Hinweise zur gezielten Vertiefung 12<br />

3. Fakten kennen 13<br />

3.1 Das Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung 13<br />

3.2 Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 45 14<br />

3.3 Unfälle bei Senioren ab 65 16<br />

3.4 Hinweise zur gezielten Vertiefung 18<br />

4. Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge an die<br />

<strong>Unfallprävention</strong> leisten 19<br />

4.1 Beiträge des <strong>Seniorensport</strong>s an die <strong>Unfallprävention</strong> 19<br />

4.2 Sturzprävention 21<br />

4.3 Hinweise zur gezielten Vertiefung 23<br />

5. In der Praxis Unfälle vermeiden 24<br />

5.1 Innere Faktoren 24<br />

5.2 Äussere Faktoren 31<br />

6. Im Aktionsfeld Outdoor Unfälle vermeiden 32<br />

6.1 Einordnung 32<br />

6.2 Das Aktionsfeld "Outdoor" 32<br />

6.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende 35<br />

6.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld 37<br />

6.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen 37<br />

7. Im Aktionsfeld Indoor Unfälle vermeiden 38<br />

7.1 Einordnung 38<br />

7.2 Das Aktionsfeld "Indoor" 38<br />

7.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende 39<br />

7.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld 41<br />

7.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen 42<br />

8. Im Aktionsfeld Wasser Unfälle vermeiden 43<br />

8.1 Einordnung 43<br />

8.2 Das Aktionsfeld "Wasser" 43<br />

8.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende 44<br />

8.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld 46<br />

8.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen 46<br />

Inhalt<br />

3


Inhalt<br />

4<br />

9. In einem Notfall richtig handeln 47<br />

9.1 Rettungskette 47<br />

9.2 Weitere Massnahmen 49<br />

9.3 Gefahrenquellen eruieren 50<br />

9.4 Notfallausrüstung für Sportleitende 50<br />

9.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen, z.B. für Hinweise auf<br />

Weiter- <strong>und</strong> Fortbildungen 50<br />

10. Sich rechtlich absichern 51<br />

10.1 Zustandsabklärung <strong>und</strong> Angebotsausschreibung 51<br />

10.2 Haftungsbeschränkungen 52<br />

10.3 Versicherungen 52<br />

10.4 Auswahl möglicher Rechtsfragen nach einem Unfall 55<br />

11. Literatur 58<br />

12. Kopiervorlagen 61<br />

12.1 Min<strong>im</strong>alprogramm 61<br />

12.2 Checkliste 62


Vorwort<br />

Die zweite Lebenshälfte fordert den Menschen als Individuum heraus,<br />

er muss sich umstellen <strong>und</strong> neu orientieren. Bewegung, Spiel<br />

<strong>und</strong> Sport leisten einen wichtigen Beitrag zum Wohlergehen der<br />

älter werdenden Bevölkerung. Auch der organisierte <strong>Seniorensport</strong><br />

trägt entscheidend zur Erhöhung der <strong>Sicherheit</strong> bei, so dass die alltäglichen<br />

Tätigkeiten <strong>im</strong> Haushalt <strong>und</strong> das Bewältigen des Strassenverkehrs<br />

leichter fallen. Somit bleibt die Handlungsfähigkeit <strong>im</strong> Alter<br />

erhalten <strong>und</strong> die Lebensqualität wird erhöht.<br />

Das Bildungsmodell <strong>Seniorensport</strong> Schweiz – getragen von Swiss<br />

Olympic <strong>und</strong> dem BASPO – sieht ein zweistufiges Ausbildungskonzept<br />

für <strong>Seniorensport</strong>-Leiterinnen <strong>und</strong> -Leiter sowie für Expertinnen<br />

<strong>und</strong> Experten vor. Als Gr<strong>und</strong>lage für die Aus- <strong>und</strong> Fortbildung dient<br />

das verbindliche Basis-Lern-Lehrmittel <strong>Seniorensport</strong> Schweiz.<br />

Vermehrtes Bewegen, Spielen <strong>und</strong> Sporttreiben kann aber auch zu<br />

höheren Unfallzahlen führen. Als Ergänzung zum Bildungsmodell<br />

<strong>Seniorensport</strong> Schweiz ist deshalb das <strong>Sicherheit</strong>smodell für die<br />

<strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> geschaffen worden. Es hilft<br />

den aktiven Leiterinnen <strong>und</strong> Leitern das Älterwerden zu verstehen,<br />

die spezifischen Risiken <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> zu erkennen <strong>und</strong> Unfälle<br />

in der Praxis zu verhüten.<br />

Die vorliegende Dokumentation ergänzt das Basis-Lern-Lehrmittel<br />

<strong>Seniorensport</strong> Schweiz <strong>und</strong> dient als weiteres Hilfsmittel in der Aus<strong>und</strong><br />

Fortbildung. Das Autorenteam vermittelt anschaulich die Gr<strong>und</strong>lagen<br />

für die Planung <strong>und</strong> Durchführung eines sicheren <strong>Seniorensport</strong>-Angebots.<br />

Wir danken allen Beteiligten für ihr enormes Engagement bei der<br />

Realisierung dieser Dokumentation <strong>und</strong> wünschen den <strong>Seniorensport</strong>-Leiterinnen<br />

<strong>und</strong> -Leitern viel Freude, Erfolg <strong>und</strong> unfallfreie<br />

Anlässe.<br />

Schweizerische Beratungsstelle<br />

für Unfallverhütung bfu<br />

Der Direktor<br />

Peter Hehlen, dipl. Ing. ETH<br />

Bern, <strong>im</strong> September 2001<br />

B<strong>und</strong>esamt für Sport<br />

BASPO<br />

Der Direktor<br />

Heinz Keller<br />

Swiss Olympic<br />

Der Direktor<br />

Marco Blatter<br />

Vorwort<br />

5


6<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen


1. Einleitung<br />

Die möglichen Beiträge des <strong>Seniorensport</strong>s an die Erhaltung der<br />

Handlungsfähigkeit, an die Erhöhung der Lebensqualität <strong>und</strong> letztlich<br />

an einen bewegungskulturellen Lebensstil von älter werdenden<br />

Menschen wurden <strong>im</strong> Basis-Lern-Lehrmittel <strong>Seniorensport</strong> Schweiz<br />

ausführlich beschrieben. Der Wert dieser Beiträge kann noch erhöht<br />

werden, wenn die ohnehin niedrige Unfallgefahr <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

weiter vermindert <strong>und</strong> damit ein Höchstmass an <strong>Sicherheit</strong> in Bewegungs-,<br />

Spiel- <strong>und</strong> Sportaktivitäten erreicht wird. Zur Unterstützung<br />

wurde dazu das vorliegende <strong>Sicherheit</strong>smodell für die <strong>Unfallprävention</strong><br />

<strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> geschaffen.<br />

1.1 Das <strong>Sicherheit</strong>smodell für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong><br />

<strong>Seniorensport</strong><br />

Der sich bewegende, älter werdende Mensch bringt die unterschiedlichsten<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen <strong>und</strong> Ressourcen in<br />

eine <strong>Seniorensport</strong>aktivität mit. Um als Leitende solcher Aktivitäten<br />

die Voraussetzungen für eine unfallfreie Ausübung dieser Tätigkeit<br />

<strong>und</strong> damit den Zugang zum grösstmöglichen Gewinn daraus zu<br />

gewährleisten, durchlaufen wir ein Modell von sechs Stufen. Das<br />

Verständnis des Älterwerdens stellt dabei den Ausgangspunkt dar<br />

(Stufe 1, Kap. 2). Dazu kommen die Kenntnis der wichtigsten Fakten<br />

zum Unfallgeschehen (Stufe 2, Kap. 3) <strong>und</strong> das Bewusstsein, dass<br />

mit Bewegungsaktivitäten an <strong>und</strong> für sich bereits wesentliche<br />

Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> geleistet werden (Stufe 3, Kap. 4).<br />

Erst darauf aufbauend versuchen wir, unmittelbar während dem<br />

Bewegungsangebot, also in der Praxis, Unfälle zu vermeiden (Stufe<br />

4, Kap. 5 bis 8). Kommt es trotzdem einmal zu einem Unfall, so geht<br />

es darum, diese Notfallsituation so schnell <strong>und</strong> fachgerecht wie<br />

möglich zu beheben (Stufe 5, Kap. 9). Und schliesslich sollen sich<br />

Leitende von <strong>Seniorensport</strong>angeboten auch der rechtlichen Situation<br />

bewusst sein (Stufe 6, Kap. 10).<br />

1.2 Ziele des <strong>Sicherheit</strong>smodells<br />

Das in der vorliegenden Broschüre beschriebene <strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

unterstützt Sportleitende praxisnah <strong>und</strong> sportartübergreifend bei der<br />

möglichst sicheren Gestaltung ihres Bewegungsangebotes. Darin<br />

wird nicht auf die sportartspezifischen Eigenheiten <strong>und</strong> Richtlinien<br />

eingegangen. Diese gelten über die Broschüre hinaus. Mit einer einfachen<br />

Checkliste können Leitende überprüfen, ob ihr Angebot die<br />

Anforderungen des <strong>Sicherheit</strong>smodells erfüllt. Darüber hinaus finden<br />

sie Hinweise <strong>und</strong> Orientierungshilfen zur Vertiefung entweder<br />

am Schluss des Kapitels (Kap. 2 bis 4) oder in der Literaturliste. Aus<br />

dieser Broschüre bewusst ausgegrenzt werden Anliegen an die<br />

<strong>Sicherheit</strong> <strong>im</strong> Alter, die <strong>im</strong> Zusammenhang mit Kr<strong>im</strong>inalität stehen,<br />

d.h. es wird nicht auf die Prävention vor kr<strong>im</strong>inellen Handlungen eingegangen.<br />

1<br />

Lesehinweis:<br />

BLL, B. 2/S.14<br />

heisst:<br />

Seite 14<br />

der Broschüre 2<br />

<strong>im</strong> Basis-<br />

Lern-Lehrmittel<br />

(BLL)<br />

1.1<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

1.2<br />

7


1.3 1.3 Sicher (!) aktiv sein!<br />

Die verschiedensten Seniorenaktivitäten sind bis ins hohe Alter <strong>und</strong><br />

Hinweis:<br />

Laut Duden<br />

beinhaltet das<br />

Wort "Senioren"<br />

in der Mehrzahl<br />

sowohl die<br />

weibliche als<br />

auch die männliche<br />

Form!<br />

Es wird daher in<br />

der vorliegenden<br />

Publikation in<br />

diesem Sinne<br />

verwendet!<br />

8<br />

auch be<strong>im</strong> Auftreten von diversen Erkrankungen <strong>und</strong> Beschwerden<br />

noch bestens durchführbar, ja sogar wärmstens zu empfehlen. Sie<br />

als ganzheitlichen Gewinn sicher erleben zu lassen, kann für Leitende<br />

eine enorme Befriedigung <strong>und</strong> das <strong>Sicherheit</strong>smodell darin eine<br />

grosse Chance darstellen.


2. Das Älterwerden verstehen<br />

Welche Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden beeinflussen das Unfallgeschehen?<br />

Warum kann Kraftverlust eine erhöhte Unfallgefahr darstellen?<br />

Inwiefern verändern sich Bewegungen, wenn weniger Sinnesreize aufgenommen<br />

werden können?<br />

Um den <strong>Sicherheit</strong>sanliegen <strong>und</strong> der <strong>Unfallprävention</strong> möglichst<br />

gerecht zu werden, muss das Älterwerden des sich bewegenden<br />

Menschen an <strong>und</strong> für sich verstanden werden. Das kalendarische<br />

Alter eines Menschen in Jahren alleine sagt wenig über dessen<br />

Ges<strong>und</strong>heitszustand <strong>und</strong> seine Fitness aus, <strong>und</strong> damit auch wenig<br />

darüber, wie sehr er unfallgefährdet ist (BLL, B. 2/S. 14). Wesentlich<br />

mehr Einflüsse auf die Gefährdung eines Menschen hat sein biologisches<br />

Alter (Stand der Auf- bzw. Abbauprozesse <strong>im</strong> Körper).<br />

Veränderungen hinsichtlich des biologischen Alterns sind bei der<br />

<strong>Unfallprävention</strong> von vorrangiger Bedeutung; auf sie soll in diesem<br />

Kapitel das Hauptaugenmerk gerichtet werden. Die nachfolgend<br />

kurz angesprochene Altersforschung der neueren Zeit macht Mut.<br />

Sie zeigt, dass das Älterwerden <strong>im</strong>mer mehr auch ein Stück weit als<br />

"individuelle Lebens- <strong>und</strong> Gestaltungschance" zu verstehen ist. In<br />

der Tat sind die "neuen Alten" ein lebender Beweis dafür.<br />

2.1 Muskulatur: Kraftverlust als Realität<br />

Der für das Unfallgeschehen wohl wichtigste Einzelfaktor ist der<br />

Kraftverlust <strong>im</strong> Alter. Genauer gesagt handelt es sich um die fortdauernde<br />

Abnahme von Nerven-Muskelfaser-Einheiten in den Muskeln<br />

bereits ab dem 3. Lebensjahrzehnt. Sie erreicht mit ca. 50 Jahren<br />

jedoch ein Ausmass, das ein Krafttraining als ratsam erscheinen<br />

lässt. Dieses allen empfohlene Krafttraining ab 50 Jahren umfasst<br />

alle grossen Muskelgruppen des Rumpfes, der Arme <strong>und</strong> der Beine,<br />

<strong>und</strong> es stützt sich auf die wissenschaftlich erwiesene, praktisch<br />

uneingeschränkte Trainierbarkeit der Muskulatur bis ins hohe <strong>und</strong><br />

höchste Alter, d.h. über 80 Jahre hinaus. Die Anpassungsfähigkeit<br />

der Muskulatur an Training ist beträchtlich: bereits innerhalb weniger<br />

Wochen lässt sich in der Regel ein Kraftzuwachs von 20, 30 oder<br />

mehr Prozent feststellen. Sie hat indessen auch ihre Kehrseite: Der<br />

Zuwachs an Leistungsfähigkeit verflüchtigt sich bei einem Trainingsunterbruch<br />

(fast) ebenso schnell, wie er aufgetreten ist.<br />

Etwas weniger detailliert erforscht ist der Verlust an Elastizität <strong>und</strong><br />

Plastizität, umschrieben als "Geschmeidigkeit" der Muskulatur. Ältere<br />

Sportler neigen nachweislich zu vermehrten Muskelverhärtungen<br />

<strong>und</strong> -zerrungen, selbst wenn die Beweglichkeit noch gut erhalten ist.<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

2<br />

2.1<br />

9


2.2<br />

2.3<br />

10<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Der altersbedingte Kraftverlust ist ein Hauptgr<strong>und</strong>, dass Bewegungen nicht mehr<br />

wie in jüngeren Jahren ausgeführt werden können <strong>und</strong> eher zu einem Sturz<br />

führen. Eine "rettende" Handlung kann unter Umständen ebenfalls mangels Kraft<br />

nicht mehr ausgeführt werden. Deshalb ist regelmässiges Krafttraining unabdingbare<br />

Voraussetzung für die <strong>Unfallprävention</strong>. Weniger "geschmeidige" Muskeln zu<br />

haben kann bedeuten, dass die Funktion eines Muskels nicht opt<strong>im</strong>al gegeben ist,<br />

was direkt zu einem Unfall führen kann. Verhärtete Muskeln tolerieren Belastungen<br />

weniger, was die Bedeutung von muskelpflegenden Massnahmen (z.B. angepasstes<br />

Ein- <strong>und</strong> Auslaufen, Dehn- <strong>und</strong> Lockerungsübungen, Massage usw.)<br />

unterstreicht.<br />

2.2 Knochen <strong>und</strong> Gelenke<br />

Vorgeschädigte Gelenkknorpel (z.B. Gelenksarthrosen), Osteoporose<br />

(Knochenschw<strong>und</strong>) oder Beeinträchtigungen des Kapsel-/Bandapparates<br />

der Gelenke kommen mit zunehmendem Alter häufiger<br />

vor (BLL, B. 2/S. 15) <strong>und</strong> spielen bei der <strong>Unfallprävention</strong> eine wichtige<br />

Rolle.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Schmerzen <strong>und</strong> Funktionsstörungen in Gelenken führen dazu, dass gewisse<br />

Bewegungen nicht oder nur unvollständig ausgeführt werden können, was direkt<br />

zu Unfällen führen kann.<br />

2.3 Herz-Kreislauf-System <strong>und</strong> Lungenfunktion<br />

Vorausgesetzt, dass keine Krankheiten dieser Organsysteme<br />

vorliegen, ist auch hier eine lebenslang praktisch uneingeschränkte<br />

Trainierbarkeit gegeben. Die altersbedingte Abnahme der max<strong>im</strong>alen<br />

Herzfrequenz (<strong>im</strong> Durchschnitt ungefähr fünf bis sieben Schläge<br />

pro Lebensjahrzehnt) ist dabei nur <strong>im</strong> Bereich des Leistungssports<br />

als "Bremsfaktor" relevant.<br />

Die mit zunehmendem Alter eintretenden Veränderungen des Herz-<br />

Kreislauf-Systems (BLL, B. 2/S. 16) haben allerdings ihre Einflüsse<br />

auf die <strong>Unfallprävention</strong>.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Die eingeschränkte Leistungsfähigkeit kann dazu führen, dass Übungen oder Spiele<br />

früher unter- oder abgebrochen werden müssen ("ausser Atem sein"). In diesen<br />

Situationen werden nötige Bewegungshandlungen nicht mehr oder allenfalls nur<br />

fehlerhaft ausgeführt, was zu Unfällen führen kann. Dem rechtzeitigen Erkennen<br />

von Überforderung kommt hier grösste Bedeutung zu (BLL, B. 3/S. 15).


Check-Fragen für Krankheiten <strong>und</strong> Symptome:<br />

Hilfreich können in jedem Fall die sieben Kontrollfragen der Schweizerischen<br />

Gesellschaft für Sportmedizin sein, die vor Aufnahme<br />

eines Sportprogramms empfohlen werden <strong>und</strong> die systematisch<br />

nach Krankheiten <strong>und</strong> Symptomen des Herz-Kreislauf-Systems fragen.<br />

Wird mindestens eine dieser Fragen mit "Ja" beantwortet, soll<br />

vorgängig ein Arzt konsultiert werden.<br />

1. Hat Ihnen jemals ein Arzt gesagt, Sie hätten "etwas am Herzen"<br />

<strong>und</strong> Ihnen Bewegung <strong>und</strong> Sport nur unter medizinischer Kontrolle<br />

empfohlen?<br />

2. Haben Sie Brustschmerzen bei körperlicher Belastung?<br />

3. Haben Sie <strong>im</strong> letzten Monat Brustschmerzen gehabt?<br />

4. Haben Sie schon ein- oder mehrmals das Bewusstsein verloren<br />

oder sind Sie ein- oder mehrmals wegen Schwindel gestürzt?<br />

5. Haben Sie ein Knochen- oder Gelenkproblem, das sich unter<br />

körperlicher Aktivität verschlechtern könnte?<br />

6. Hat Ihnen jemals ein Arzt ein Medikament gegen hohen Blutdruck<br />

oder gegen ein Herzproblem verschrieben?<br />

7. Ist Ihnen aufgr<strong>und</strong> persönlicher Erfahrung oder aufgr<strong>und</strong><br />

ärztlichen Rats ein weiterer Gr<strong>und</strong> bekannt, der Sie davon<br />

abhalten könnte, ohne medizinische Kontrolle Sport zu treiben?<br />

2.4 Abnahme des Seh- <strong>und</strong> Hörvermögens<br />

Mit zunehmendem Alter verringert sich die Leistungsfähigkeit<br />

dieser Organe sowohl quantitativ (weniger Signale werden aufgenommen),<br />

wie auch qualitativ (die aufgenommenen Signale werden<br />

langsamer verarbeitet <strong>und</strong> beantwortet). Diese Vorgänge setzen<br />

bereits ungefähr ab dem 30. Lebensjahr ein. Das Ohr kann vor allem<br />

höhere Töne weniger aufnehmen, zudem gelangen weniger Informationen<br />

vom Ohr ins Gehirn. Das Auge wird zunehmend weniger<br />

empfindlich <strong>und</strong> verliert an Beweglichkeit. Das führt dazu, dass<br />

Gegenstände nicht mehr so schnell <strong>und</strong> so scharf sowie unabhängig<br />

von ihrer Entfernung auf der Netzhaut abgebildet werden. Diese<br />

"Alterssichtigkeit" beginnt etwa mit dem 40. Lebensjahr. Die <strong>im</strong><br />

Auge wahrgenommene Helligkeit n<strong>im</strong>mt ebenso ab, mehr Licht<br />

wird benötigt.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Wenn weniger Reize oder Signale aus der Umwelt wahrgenommen werden – dazu<br />

noch langsamer – so hat das für die <strong>Unfallprävention</strong> massive Konsequenzen.<br />

Reaktionen <strong>im</strong> Sinne von erwarteten oder in einer Situation nötigen Bewegungshandlungen<br />

erfolgen nicht oder zu spät, was direkt zu Unfällen führen kann. Viele<br />

Spiel- <strong>und</strong> Übungsformen müssen daher gr<strong>und</strong>legend anders aufgebaut <strong>und</strong> durchgeführt<br />

werden.<br />

2.4<br />

11


2.5 2.5 Hinweise zur gezielten Vertiefung<br />

Vertiefung<br />

12<br />

Zu den körperlichen Veränderungen <strong>im</strong> Alter:<br />

Meusel, H.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit <strong>im</strong> Alter.<br />

1. Auflage – Wiesbaden: Quelle <strong>und</strong> Meyer, 1996, ab S. 20.<br />

Zum geistigen <strong>und</strong> sozialen Altern:<br />

Aspekte des geistigen <strong>und</strong> sozialen Alterns sind <strong>im</strong> BLL eingehend beschrieben <strong>und</strong><br />

werden hier nicht weiter vertieft (BLL; B. 2/S.18–20).<br />

Zu den Check-Fragen:<br />

Artikel: "Plötzlicher Herztod be<strong>im</strong> Sport: sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen <strong>und</strong><br />

Präventionsmassnahmen". Von: B. Marti, B. Villiger, M. Hintermann, R. Lerch.<br />

In: Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie. 46 (2), 1998, 83–85.<br />

Zur Konsultation eines Arztes:<br />

Liste der anerkannten CH-Sportmediziner der SGSM: CH-Gesellschaft für Sportmedizin<br />

(SGSM) c/o Barbara Bühlmann, BBS Congress GmbH, Postfach, 3000 Bern 25.<br />

Literatur:<br />

Aebersold, Chr.; Held, T.; Marti, B.: Leistungsfähigkeit von Ausdauerathleten <strong>im</strong><br />

Seniorenalter: Eine Vergleichsstudie mit männlichen <strong>und</strong> weiblichen Orientierungsläufern.<br />

Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie. 45 (2), 1997, 83–93.<br />

Ehrsam, R.: Training <strong>und</strong> Trainierbarkeit der aeroben Kapazität <strong>im</strong> Alter.<br />

Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie. 45 (2), 1997, 75–82.<br />

Ehrsam, R.; Zahner, L.: Kraft <strong>und</strong> Krafttraining <strong>im</strong> Alter. In: Denk, H. (HRsg.): Alterssport.<br />

Aktuelle Forschungsergebnisse. Schorndorf: Karl Hofmann, 1996; 191–211.<br />

Englisch:<br />

Shephard, RJ.: Aging, Physical Activity, and Health. Champaign IL: Human<br />

Kinetics, 1997.


3. Fakten kennen<br />

Welche Sportarten werden von Senioren vor allem ausgeübt? Wie viele<br />

Unfälle ereignen sich in diesen Sportarten? Was sind Sturzrisikofaktoren?<br />

Damit wirkungsvoll auf die <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong>sanliegen<br />

eingegangen werden kann, ist die Kenntnis der wichtigsten<br />

Fakten <strong>im</strong> Zusammenhang mit Seniorenunfällen von grosser<br />

Wichtigkeit.<br />

3.1 Das Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung<br />

3.1.1 <strong>Seniorensport</strong> beginnt mit 45<br />

Wenn mit Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport ges<strong>und</strong>heitliche Effekte<br />

erreicht werden sollen <strong>und</strong> damit eine biologische Altersvorsorge<br />

angestrebt wird, so sollten gezielte Bewegungsaktivitäten <strong>im</strong> Idealfall<br />

ab dem 45. Lebensjahr aufgenommen werden (BLL, B. 2/S. 3).<br />

Mehr als die Hälfte der 45- bis 74-jährigen (60%) betätigt sich mindestens<br />

einmal in der Woche sportlich. Knapp ein Drittel gehört zu<br />

den völlig Inaktiven. Ungefähr 10% sind zumindest ab <strong>und</strong> zu sportlich<br />

aktiv. Die präventivmedizinischen Empfehlungen (täglich 30<br />

Minuten Bewegungsaktivität) werden von ziemlich genau einem<br />

Drittel (33%) der Senioren ab 45 erfüllt.<br />

3.1.2 Ausgeübte Sportarten<br />

Die von den aktiven Senioren ausgeübten Sportarten sind insbesondere<br />

Wandern (inkl. Walking <strong>und</strong> Bergwandern), Schw<strong>im</strong>men, Radfahren,<br />

Skifahren <strong>und</strong> Turnen/Gymnastik. Bei den 45- bis 64-jährigen<br />

kommt Jogging (Laufen/Waldlauf) hinzu. Für diese Sportarten geben<br />

mindestens 20% der 45- bis 64-jährigen an, in den letzten 12 Monaten<br />

aktiv gewesen zu sein. In der Tabelle 3.1.2 aufgelistet sind diejenigen<br />

Sportarten, die – nach Angaben der Befragten – in den letzten<br />

12 Monaten von mehr als 10% der 45- bis 64-jährigen ausgeübt<br />

worden waren.<br />

Die Tabelle zeigt zudem, dass die Altersgruppe der 65- bis 74-jährigen<br />

in den genannten Sportarten zumeist deutlich weniger aktiv ist,<br />

als die Jüngeren – Ausnahme ist Turnen/Gymnastik. Mit zunehmendem<br />

Alter wird die Palette der ausgeübten Sportarten geringer.<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

3<br />

3.1<br />

3.1.1<br />

3.1.2<br />

Aktivitäten<br />

13


3.1.3<br />

3.2<br />

3.2.1<br />

Unfälle<br />

14<br />

Tabelle 3.1.2:<br />

Die beliebtesten Sportarten<br />

der Senioren ab 45<br />

(aus Datensatz "Sport<br />

Schweiz 2000")<br />

Wandern, Walking, Bergwandern<br />

Schw<strong>im</strong>men<br />

Radfahren, Mountainbike<br />

Skifahren/Carven (Piste)<br />

Turnen/Gymnastik<br />

Jogging/Laufen/Waldlauf<br />

Fitnesstraining/Aerobic<br />

Skilanglauf<br />

Vita-Parcours<br />

Tennis<br />

Kegeln/Bowling<br />

Skitouren/Skiwandern/Schneeschuh<br />

Tanzen/Jazztanz<br />

Eislaufen<br />

3.1.3 Körperliche Aktivität <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heitszustand<br />

Körperliche Aktivität wird nicht nur von der gesamten Schweizer<br />

Bevölkerung, sondern auch von den Senioren als wichtige<br />

Ges<strong>und</strong>heitsressource angesehen – Ges<strong>und</strong>heit ist für sie das<br />

wichtigste Sportmotiv. Nachweisen lassen sich die Zusammenhänge<br />

zwischen körperlicher Aktivität <strong>und</strong> Beschwerden, Einschätzung<br />

des Ges<strong>und</strong>heitszustandes <strong>und</strong> psychischem Wohlbefinden:<br />

• Körperlich aktive Personen sämtlicher Altersgruppen weisen<br />

weniger körperliche Beschwerden <strong>und</strong> ein höheres psychisches<br />

Wohlbefinden aus.<br />

• Körperlich aktive Personen schätzen ihre Ges<strong>und</strong>heit als<br />

bedeutend besser ein als Inaktive.<br />

• Körperliche Inaktivität ist mit vermehrten körperlichen Beschwerden,<br />

längerer Arbeitsunfähigkeit <strong>und</strong> längerer Bettlägerigkeit verb<strong>und</strong>en.<br />

• Inaktive Personen fallen durch mehr Arztbesuche <strong>und</strong> häufigere<br />

bzw. längere Spitalaufenthalte auf <strong>und</strong> schätzen ihr psychisches<br />

Wohlbefinden als geringer ein als körperlich aktive Personen.<br />

3.2 Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 45<br />

Aktive in der Gruppe Aktive in der Gruppe<br />

der 45- bis 64-jährigen der 65- bis 74-jährigen<br />

71%<br />

48%<br />

45%<br />

38%<br />

25%<br />

20%<br />

17%<br />

16%<br />

16%<br />

12%<br />

11%<br />

10%<br />

10%<br />

10%<br />

65%<br />

29%<br />

23%<br />

19%<br />

28%<br />

15%<br />

3.2.1 Unfälle in allen Lebensbereichen<br />

Jedes Jahr verunfallen in der Schweiz <strong>im</strong> Nichtberufsbereich über<br />

230'000 Personen <strong>im</strong> Alter ab 45 Jahren. Dabei machen die Unfälle<br />

<strong>im</strong> Haus- <strong>und</strong> Freizeitbereich den mit Abstand grössten Teil aus.<br />

Unfälle <strong>im</strong> Strassenverkehr <strong>und</strong> während einer sportlichen Tätigkeit<br />

sind weitaus seltener, vor allem bei den über 65jährigen.<br />

Hier liegt ihr Anteil jeweils unter 5%!<br />

5%<br />

6%<br />

9%<br />

5%<br />

6%<br />

7%<br />

7%<br />

1%


Verkehr<br />

Sport<br />

Haus <strong>und</strong> Freizeit<br />

Wandern, Walking, Bergwandern<br />

Schw<strong>im</strong>men<br />

Radfahren, Mountainbike (ohne Verkehr)<br />

Skifahren<br />

Turnen/Gymnastik/Fitness/Aerobic<br />

Jogging/Laufen/Waldlauf<br />

Tennis<br />

Skilanglauf<br />

Eislaufen<br />

Tourenskifahren<br />

Zum Vergleich:<br />

Alle Ball- <strong>und</strong> Rückschlagspiele<br />

Alle anderen erfassten Sportarten<br />

Total<br />

45- bis 64-jährig<br />

65-jährig <strong>und</strong> älter<br />

Personen in % Personen in %<br />

20´390 13,2%<br />

3´600 4,6%<br />

32´110 20,9%<br />

3´220 4,1%<br />

101´510 65,9%<br />

72´070 91,3%<br />

Total 154´010 100%<br />

78’890 100%<br />

3.2.2 Unfälle bei Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport<br />

Unfälle von Senioren machen hier einen kleinen Teil des gesamten<br />

Unfallgeschehens aus. Auch die Verletzungsfolgen sind zumeist<br />

nicht sehr gravierend. Sportunfälle sind nicht deshalb selten, weil<br />

sich Senioren wenig bewegen oder keinen bzw. wenig Sport treiben,<br />

sondern weil sie einen relativ guten Ges<strong>und</strong>heitszustand aufweisen.<br />

Ausserdem betreiben sie eher risikoarme Sportarten. In<br />

Bezug auf die am häufigsten betriebenen Sportarten fällt vor allem<br />

auf, dass be<strong>im</strong> alpinen Skifahren <strong>und</strong> be<strong>im</strong> Wandern/Bergsport ein<br />

grosser Teil der Unfälle geschieht. In der Altersgruppe der 45- bis<br />

64-jährigen fallen zudem die Ballspiele mit einem hohen Anteil an<br />

Unfällen auf.<br />

Anzahl verunfallte<br />

Personen:<br />

45- bis 64-jährig<br />

1´645<br />

1´565<br />

255<br />

11´880<br />

1´230<br />

1´545<br />

2´010<br />

560<br />

400<br />

145<br />

7´005<br />

3´870<br />

32´110<br />

Anzahl verunfallte<br />

Personen:<br />

65-jährig <strong>und</strong> älter<br />

1´420<br />

70<br />

60<br />

760<br />

240<br />

20<br />

10<br />

305<br />

0<br />

30<br />

100<br />

205<br />

3 ´220<br />

Tabelle 3.2.1:<br />

Unfallrate der schweizerischen<br />

Wohnbevölkerung<br />

<strong>im</strong> Nichtberufsbereich<br />

(bfu-Hochrechnung 1997)<br />

Tabelle 3.2.2:<br />

Anzahl Unfälle in den<br />

beliebtesten Sportarten<br />

(bfu-Hochrechnung 1997,<br />

soweit Zahlen vorhanden)<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Unfälle bei Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport sind relativ selten. Allerdings gilt es für uns<br />

trotzdem, Bedingungen zu schaffen, die erlauben, möglichst viele der ungefähr<br />

35'000 jährlichen Sportunfälle zu vermeiden oder deren negative Auswirkungen einzudämmen.<br />

Ein Grossteil der Seniorenunfälle ereignet sich ausserhalb der Bewegungs-<br />

oder Sportaktivitäten. Durch geeignete Trainingsprogramme in Bewegung,<br />

Spiel <strong>und</strong> Sport kann auch zur Vermeidung dieser Unfälle beigetragen werden.<br />

3.2.2<br />

15


3.3<br />

3.3.1<br />

Unfallfaktoren<br />

16<br />

3.3 Unfälle bei Senioren ab 65<br />

Statistisch besser belegt ist das Unfallgeschehen bei den Senioren<br />

ab 65. Die häufigste Unfallart ist der Sturz. R<strong>und</strong> 65'500 Unfälle oder<br />

83% sind darauf zurückzuführen. Weitere Unfallarten sind Einwirkungen<br />

durch Gegenstände <strong>und</strong> Kollisionen (nicht nur <strong>im</strong> Strassenverkehr,<br />

sondern auch <strong>im</strong> Sport, z.B. be<strong>im</strong> Skifahren).<br />

Unwesentliche Anteile an Unfällen machen die Verletzungen durch<br />

Tiere, Verbrennungen <strong>und</strong> andere Unfälle aus.<br />

3.3.1 Unfallfaktoren<br />

Bei einem Unfall spielen zumeist mehrere, sich ergänzende Faktoren<br />

eine Rolle. Meistens kann nicht eindeutig zurückverfolgt werden,<br />

welcher Faktor auslösend war. Trotzdem lassen sich für alle<br />

oben erwähnten Unfallarten die hauptverantwortlichen Faktoren auflisten.<br />

Es sind dies:<br />

1. Schwindel bzw. Gleichgewichtsverlust<br />

2. Bodenbelag<br />

3. Verlangsamte Reaktion<br />

4. Mangelnde Fähigkeit, eine Handlung auszuführen<br />

5. Eile<br />

6. Durchblutungsstörungen<br />

7. Schwächen aller Art<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich kann davon ausgegangen werden, dass sowohl be<strong>im</strong><br />

Sport wie bei Tätigkeiten <strong>im</strong> Haushalt oder in der Freizeit die gleichen<br />

Risikofaktoren für Unfälle zum Tragen kommen.


3.3.2 Der Sturz bei Senioren ab 65<br />

Stürze machen <strong>im</strong> Haushalt 85% <strong>und</strong> <strong>im</strong> Sport 80% der Unfälle aus!<br />

Sie stehen oft mit einer Selbstüber- oder Fehleinschätzung der eigenen<br />

Möglichkeiten in Zusammenhang. Diese, kombiniert mit den verschiedensten<br />

Sturzfaktoren, führt schliesslich zum Unfall. Da Stürze einen<br />

derart hohen Anteil am gesamten Unfallgeschehen ausmachen, sind<br />

die Sturzrisikofaktoren für die <strong>Unfallprävention</strong> wichtige Ansatzpunkte.<br />

Sturzrisikofaktoren<br />

Übergreifend wirkende Sturzrisikofaktoren:<br />

• Mangelnde Fähigkeit, eine<br />

best<strong>im</strong>mte Handlung auszuführen<br />

• Erschöpfung/Müdigkeit<br />

• Eile<br />

• Schwindel/Gleichgewichtsverlust<br />

• Bewegungsmangel<br />

• Eingeschränkte Sehfähigkeit<br />

• Blutdruckabfall<br />

• Schrittstörungen<br />

• Abnehmende Kraft/Beweglichkeit<br />

(Muskelschwächen)<br />

• Reduziertes Reaktionsvermögen<br />

• Psychologische Faktoren wie:<br />

• Abnehmende soziale Integration<br />

• Angstzustände<br />

• Depressionen<br />

Unmittelbar während des Unfalls<br />

einwirkende Faktoren:<br />

• Schwindel/Gleichgewichtsverlust<br />

• Alkohol/Medikamente<br />

• Herz-/Kreislauf-/<br />

Hirndurchblutungsstörungen<br />

• Aktuelle Erschöpfung/Müdigkeit<br />

• Mangelhaftes Schuhwerk<br />

• Mangelhafte Beleuchtung<br />

• Bodenbelag (rutschig, uneben,<br />

...)<br />

Diese Faktoren treten umso<br />

gewichtiger auf bei den Tätigkeiten:<br />

• Aufstehen aus dem Sitzen oder<br />

Liegen<br />

• Treppenaufsteigen<br />

• Treppenabsteigen<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Bei allen Unfällen ist der Sturz die hauptsächliche Unfallart. Aufgr<strong>und</strong> dieser wichtigen<br />

Erkenntnis stellt das Vermeiden von Stürzen ein Hauptanliegen dar. Da Stürze in den<br />

allermeisten Fällen auf verschiedene Faktoren wie altersbedingt verminderte Leistungen,<br />

andere körperliche Einschränkungen oder Umgebungsfaktoren zurückzuführen<br />

sind, muss die Prävention auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Als pr<strong>im</strong>äre Massnahme<br />

steht die Förderung der Kraft, des Gleichgewichts <strong>und</strong> der Beweglichkeit <strong>im</strong> Vordergr<strong>und</strong>.<br />

Darauf wird in Kapitel 4 eingegangen. Dann müssen aber auch Massnahmen<br />

zur Umgebungsgestaltung getroffen werden. Dies wird sich auf die Gestaltung von<br />

Bewegungs-, Spiel- <strong>und</strong> Sportlektionen auswirken (Kap. 5 bis 8).<br />

3.3.2<br />

Sturzrisikofaktoren<br />

Tabelle 3.3.2<br />

Zusammenfassung<br />

Sturzrisikofaktoren<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

17


3.4 3.4 Hinweise zur gezielten Vertiefung<br />

Vertiefung<br />

18<br />

Zum Bewegungsverhalten der Schweizer Bevölkerung:<br />

Calmonte, R.; Kälin, W: Körperliche Aktivität <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit in der Schweizer<br />

Bevölkerung. Sek<strong>und</strong>äranalyse der Daten zur Schweizerischen Ges<strong>und</strong>heitsbefragung<br />

1992. Institut für Sozial- <strong>und</strong> Präventivmedizin, 1997.<br />

Lamprecht, M.; Stamm, H.P.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit in der Schweizer<br />

Bevölkerung. Sek<strong>und</strong>äranalyse der Daten der Schweizerischen Ges<strong>und</strong>heitsbefragung<br />

1997. Zürich: Forschungsbericht <strong>im</strong> Auftrag des B<strong>und</strong>esamtes für Sport,<br />

November 1999.<br />

Lamprecht, M.; Stamm, H.P.: Sek<strong>und</strong>äranalyse zur SOV-STG-Studie "Sport<br />

Schweiz 2000": <strong>Seniorensport</strong> in der Schweiz. Zürich: Arbeitspapier Juli 2000.<br />

Martin, B. W.; Mäder, U.; Calmonte, R.: Einstellung, Wissen <strong>und</strong> Verhalten der<br />

Schweizer Bevölkerung bezüglich körperlicher Aktivität: Resultate aus dem Bewegungssurvey<br />

1999. Neuchâtel: Sportwissenschaftliches Institut Magglingen; Institut für<br />

Sozial- <strong>und</strong> Präventivmedizin der Universität Zürich; B<strong>und</strong>esamt für Statistik; 1999.<br />

Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie 47 (4), 1999, 165–169.<br />

Zum Unfallgeschehen bei Senioren in der Schweiz:<br />

Allenbach, R.: Nichtberufsunfälle in der Schweiz. Das gesamte Ausmass für das Jahr<br />

1997. bfu-Pilotstudie. Bern: bfu, 2000.<br />

Beer, V.; Minder, Ch.; Hubacher, M.; Abelin, Th.: Epidemiologie der Seniorenunfälle.<br />

bfu-Report 42. Bern: bfu, 2000.<br />

Hubacher, M.; Ewert, U.: Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 65 Jahren.<br />

bfu-Report 32. Bern: bfu,1997.<br />

Zur Sturzprävention:<br />

Schwend<strong>im</strong>ann, R.: Sturzprävention <strong>im</strong> Akutspital. Eine Literaturübersicht. In "Pflege"<br />

13/2000, S. 169–179.<br />

Tideiksaar, R.: Stürze <strong>und</strong> Sturzprävention. Bern; Göttingen; Toronto; Seattle:<br />

Huber, 2000.<br />

Englisch:<br />

Cwikel, J.; Fried, A. V.: The social epidemiology of falls among community-dwelling<br />

elderly: guidelines for prevention. Disability and Rehabilitation 14 (3), 1992 113–121.<br />

Oakley, A.; Dawson, M. F. u. a.: Preventing falls and subsequent injury in older<br />

people. Quality in Health Care 5 1996, 243–249.<br />

Tinetti, M. E.; Williams, C. S.: Falls, injuries due to Falls, and the risk of Admission<br />

to a Nursing Home. NEJM 337 (18), 1997, 1279–1284.


4. Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge an die<br />

<strong>Unfallprävention</strong> leisten<br />

Wie passiert <strong>Unfallprävention</strong> durch <strong>Seniorensport</strong>? Wie können Sturzrisikofaktoren<br />

beeinflusst werden? Was gehört zu einem Min<strong>im</strong>alprogramm<br />

"Sturzprävention"?<br />

Hauptanliegen der <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> ist naheliegenderweise,<br />

dass unmittelbar während der Ausübung von Bewegung,<br />

Spiel <strong>und</strong> Sport keine Unfälle passieren (Kap. 5–8). Zunächst <strong>und</strong> als<br />

nächste Stufe <strong>im</strong> <strong>Sicherheit</strong>smodell soll aber darauf eingegangen<br />

werden, welche unfallpräventiv günstigen Effekte durch körperliche<br />

Aktivitäten erreicht werden können.<br />

4.1 Beiträge des <strong>Seniorensport</strong>s an die <strong>Unfallprävention</strong><br />

Demographische Faktoren Ges<strong>und</strong>heitliche Faktoren<br />

Individuelle Voraussetzungen, die eine Person mitbringt<br />

Unfallbegleitende<br />

Faktoren<br />

Unfall<br />

Verletzung/Folgen<br />

Aktuelle Tätikeit<br />

während des Unfalls<br />

4.1.1 Zusammenhänge bei einem Unfall<br />

Die Voraussetzungen einer einzelnen Person, die den Unfallverlauf<br />

beeinflussen, setzen sich aus demographischen Faktoren (z.B. Geschlecht,<br />

Alter, Lebens- <strong>und</strong> Wohnverhältnisse) <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heitsfaktoren<br />

(z.B. körperliche Beschwerden, Blutdruckprobleme, Medikamentenkonsum<br />

sowie das allgemeine Ges<strong>und</strong>heitsverhalten wie Ehrnährung,<br />

Rauchen, körperliche Aktivität usw.) zusammen. Unfallbegleitende<br />

Faktoren wirken während des Unfalls auf die Person ein (siehe<br />

Sturzrisikofaktoren, Kap. 3.3.2). Weiter wird der Hergang des Unfalls<br />

beeinflusst durch die aktuell vorgenommene Tätigkeit, z.B. das Aufstehen<br />

bzw. Absitzen oder die Fortbewegung. Das Unfallereignis<br />

selbst kann sich in verschiedensten Lebenssituationen (z.B. Haushalt,<br />

Verkehr, Sport) einstellen. Als Unfallarten kommen Stürze, Einwirkungen<br />

durch Gegenstände, Kollisionen usw. in Frage (siehe Kap. 3.3).<br />

Je nach Unfallschwere zieht sich das Opfer mehr oder weniger gravierende<br />

Verletzungen zu. Daraus resultierende Folgen können schwerwiegende<br />

Beeinträchtigungen oder Schädigungen sein.<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

Schematische<br />

Darstellung von<br />

Unfällen (modifiziert<br />

nach bfu-Report 42)<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

4<br />

4.1<br />

4.1.1<br />

19


4.1.2<br />

20<br />

Demographische Faktoren Ges<strong>und</strong>heitliche Faktoren<br />

Individuelle Voraussetzungen, die eine Person mitbringt<br />

Unfallbegleitende<br />

Faktoren<br />

Unfall<br />

Verletzung/Folgen<br />

Aktuelle Tätikeit<br />

während des Unfalls<br />

4.1.2 Beiträge von Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport<br />

An der schematischen Darstellung eines Unfallherganges können<br />

angepasst durchgeführte <strong>Seniorensport</strong>angebote auf verschiedene<br />

Weise unfallpräventiv ansetzen:<br />

Die demographischen Faktoren können durch <strong>Seniorensport</strong> kaum<br />

oder nicht beeinflusst werden. Auf der Ebene der ges<strong>und</strong>heitlichen<br />

Faktoren jedoch liegt ein grosses Potenzial. Das allgemeine Ges<strong>und</strong>heitsverhalten<br />

wie auch das körperliche Wohlbefinden <strong>und</strong> vorhandene<br />

Beschwerden können durch regelmässige Aktivität positiv<br />

beeinflusst werden. Mit Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport kann es auch<br />

gelingen, unfallbegleitende Faktoren zu reduzieren. Ein Schwächeoder<br />

Ermüdungszustand tritt be<strong>im</strong> trainierten Menschen später ein –<br />

die Einschätzung der eigenen Ges<strong>und</strong>heit <strong>und</strong> damit auch der Leistungsfähigkeit<br />

erfolgt präziser.<br />

Mögliche unfallverursachende Tätigkeiten (z.B. Fortbewegung oder<br />

Aufstehen <strong>und</strong> Absitzen) können bewusst trainiert werden. Die<br />

Bewegungen werden stabiler, ihre Ausführung kontrollierter, was<br />

die Gefahr eines Unfalles weiter reduziert. Um be<strong>im</strong> Eintreten eines<br />

Ereignisses angemessen reagieren zu können, erweist sich ein Training<br />

der muskulären Reflexe als wirkungsvoll. Gekräftigte Muskeln<br />

sind eher in der Lage, z.B. einen Sturz aufzufangen oder einen<br />

Schlag auf Knochen oder Gelenke abzufedern. Je beweglicher ein<br />

Mensch ist, desto eher gelingt es ihm, in einer Unfallsituation richtig<br />

zu reagieren. Betrachtet man schliesslich die aus einem Unfall resultierenden<br />

Verletzungen <strong>und</strong> Folgen, so gilt: Je besser der körperliche<br />

Zustand eines Menschen zum Zeitpunkt des Unfalles ist, desto<br />

weniger gravierende Verletzungen trägt er davon. Die Abbauprozesse<br />

während der Genesung fallen weniger ins Gewicht, je höher der<br />

Leistungszustand vor dem Unfall gewesen ist.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Im aufgezeigten Unfallschema kann <strong>Seniorensport</strong> an mehreren Stellen wirkungsvoll<br />

ansetzen. Bereits mit moderaten Bewegungsangeboten resultieren feststellbare<br />

Wirkungen, so dass auch über die eigentlichen Ziele der Bewegungs-, Spiel- <strong>und</strong><br />

Sportlektion hinaus Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> erwartet werden dürfen. Hier<br />

helfen uns die vier Zielebenen "Bewegen", "Begegnen", "Begreifen" <strong>und</strong> "Behalten",<br />

um möglichst ganzheitliche Beiträge zu leisten (die 4 B des Bildungsmodells <strong>im</strong><br />

BLL, B. 3/S. 8).


4.2 Sturzprävention<br />

Wie <strong>im</strong> vorherigen Kapitel beschrieben wurde, ist der Sturz nicht nur<br />

<strong>im</strong> Sport die mit Abstand häufigste Unfallursache. Stürze können in<br />

der Biografie von älteren Menschen einschneidende Ereignisse darstellen<br />

– nicht selten einhergehend mit massiven Veränderungen<br />

der Lebensgestaltung, bis hin zum Verlust der eigenen Handlungsfähigkeit<br />

<strong>und</strong> Mobilität. Daher lohnt es sich, auf die Prävention von<br />

Stürzen näher einzugehen.<br />

4.2.1 Beeinflussung der Sturzrisikofaktoren<br />

Mit Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport <strong>im</strong> Seniorenalter (ab 45!) wird vor<br />

allem die Pr<strong>im</strong>ärprävention von Stürzen, also alle Massnahmen, die<br />

helfen, einen Sturz zu verhindern, in den Mittelpunkt gestellt.<br />

Pr<strong>im</strong>ärprävention bedeutet sowohl die Förderung der allgemeinen<br />

körperlichen Fitness (B wie "Bewegen") <strong>und</strong> von sozialen Aktivitäten<br />

(B wie "Begegnen"), als auch die Ges<strong>und</strong>heitsbildung <strong>und</strong> Schärfung<br />

des Bewusstseins für Sturzgefahren (B wie "Begreifen" <strong>und</strong> "Behalten").<br />

Mit der Förderung der allgemeinen körperlichen Fitness ist die<br />

gezielte Beeinflussung der <strong>im</strong> Kapitel 3 aufgeführten Sturzrisikofaktoren<br />

gemeint...<br />

... damit es nicht zum Sturz kommt:<br />

Sturzrisikofaktor Einflussmöglichkeiten<br />

(Konkrete Trainingsmassnahmen)<br />

Selbst- oder Fehleinschätzung<br />

Schwindel oder Blutdruckabfall<br />

Gleichgewichtsverlust<br />

Schritt-, Geh- oder<br />

Muskelschwächen<br />

Eingeschränkte Beweglichkeit<br />

Defizite be<strong>im</strong> Aufstehen,<br />

Absitzen oder Treppensteigen<br />

• Erleben der eigenen Möglichkeiten<br />

bzw. Leistungsgrenzen<br />

• Training der Einschätzung der eigenen<br />

Leistungsfähigkeit (Wahrnehmung<br />

von Müdigkeit, Schwäche,<br />

Erschöpfung usw.)<br />

• Training des Herz-Kreislauf-Systems<br />

(Ausdauer; BLL, B. 3/S. 17)<br />

• Training des Gleichgewichts<br />

• Training der Arme-Beinkoordination,<br />

um den Körper angemessen ausbalancieren<br />

zu können (Koordinative<br />

Fähigkeiten; BLL, B. 3/S. 23)<br />

• Training der Gehfähigkeit<br />

• Training der Muskelkraft<br />

(Kraft; BLL, B. 3/S. 19)<br />

• Training der Beweglichkeit<br />

(Beweglichkeit; BLL, B. 3/S. 21)<br />

• Angepasstes koordinatives Training<br />

dieser Bewegungen<br />

4.2<br />

4.2.1<br />

21


Einflussmöglichkeiten<br />

22<br />

... <strong>und</strong> schadensbegrenzend, wenn’s zum Sturz kommt:<br />

Sturz<br />

Schadensbegrenzung<br />

(Konkrete Trainingsmassnahmen)<br />

Training der Reflexe, um schnell <strong>und</strong> richtig reagieren<br />

zu können.<br />

Training der Muskelkraft zum Auffangen des Sturzes, aber auch<br />

als "Aufprallschutz" be<strong>im</strong> Sturz.<br />

Stetige, angepasste Belastung des passiven Bewegungsapparates<br />

(v.a. Knochen), um eine erhöhte Belastbarkeit zu<br />

erreichen (z.B. Knochenbruchfestigkeit).<br />

Training der Arme-Beinkoordination, um mit den Armen schadensbegrenzend<br />

eingreifen, d.h. sich halten oder sich abstützen<br />

zu können.<br />

Systematisches Training des richtigen Fallens, z.B. aus dem<br />

Kniestand bzw. aus dem Fusstand. Dabei: Abbau der Ängste<br />

vor einem Sturz sowie Training der richtigen Technik <strong>und</strong> Koordination<br />

(Abfangen der Wucht des Aufpralls).


4.2.2 Min<strong>im</strong>alprogramm<br />

Um dem dringenden Bedarf der Sturzprävention gerecht zu werden,<br />

wird ein Min<strong>im</strong>alprogramm vorgeschlagen, das<br />

• den genannten Trainingsanliegen beispielhaft gerecht wird,<br />

• in min<strong>im</strong>aler Weise ein möglichst umfassendes<br />

Sturzpräventionstraining gewährleistet,<br />

• in jedem Bewegungsangebot – unabhängig von örtlichen <strong>und</strong><br />

situativen Begebenheiten – platziert werden kann,<br />

• angepasste Anforderungen für unterschiedliche Zielgruppen<br />

bietet <strong>und</strong><br />

• ohne Materialaufwand <strong>und</strong> vertiefte Sachkenntnisse<br />

durchführbar ist.<br />

Trainingsablauf<br />

Die Dauer des Min<strong>im</strong>alprogramms beläuft sich auf etwa 5 bis 10<br />

Minuten. Es kann in jeden Teil einer Lektion eingebaut werden, vorzugsweise<br />

nach dem Aufwärmen. Dauer <strong>und</strong> Intensität der Übungen<br />

müssen der jeweiligen Zielgruppe angepasst werden, wobei für<br />

die Kräftigungsübungen Varianten gewählt werden sollten, die 10<br />

bis 20 Bewegungswiederholungen zulassen.<br />

Das Programm stellt eine einfache, funktionell sinnvolle Möglichkeit<br />

dar, die nach eigenen Bedürfnissen ausgebaut <strong>und</strong> gezielt angereichert<br />

werden kann (Kopiervorlage siehe Kap. 12).<br />

4.3 Hinweise zur gezielten Vertiefung<br />

Zu ges<strong>und</strong>heitswirksamer Bewegung:<br />

Empfehlungen des B<strong>und</strong>esamtes für Sport BASPO, des B<strong>und</strong>esamtes für Ges<strong>und</strong>heit<br />

BAG <strong>und</strong> des "Netzwerkes Ges<strong>und</strong>heit <strong>und</strong> Bewegung Schweiz".<br />

Informationen erhältlich unter www.hepa.ch, info@hepa.ch oder Tel. 032 327 61 23.<br />

Zu körperlicher Aktivität <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong>:<br />

Meusel, H.: Bewegung, Sport <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit <strong>im</strong> Alter. 1. Auflage – Wiesbaden:<br />

Quelle <strong>und</strong> Meyer, 1996. S. 178.<br />

Zur Sturzprävention:<br />

Schwend<strong>im</strong>ann, R.: Sturzprävention <strong>im</strong> Akutspital. Eine Literaturübersicht.<br />

In "Pflege" 13/2000, S. 169–179.<br />

Tideiksaar, R.: Stürze <strong>und</strong> Sturzprävention. Bern; Göttingen; Toronto; Seattle:<br />

Huber, 2000.<br />

Min<strong>im</strong>alprogramm Sturzprävention siehe Kopiervorlage Kap. 12.1<br />

4.2.2<br />

Min<strong>im</strong>alprogramm<br />

4.3<br />

Vertiefung<br />

23


5 5. In der Praxis Unfälle vermeiden<br />

5.1<br />

24<br />

Unfälle vermeiden<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

Innere<br />

Faktoren<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

Wie passiert <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>? Was sind Massnahmen<br />

zur Min<strong>im</strong>ierung der inneren Unfallfaktoren?<br />

Aus den bisherigen Kapiteln geht eindrücklich hervor, dass gerade<br />

be<strong>im</strong> Älterwerden viele Gründe für Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport sprechen.<br />

So sind angepasste Aktivitäten selbst in den meisten Fällen<br />

von Erkrankungen oder Beschwerden nicht nur möglich, sondern<br />

sogar ausdrücklich empfohlen.<br />

Auf den ersten drei Stufen des <strong>Sicherheit</strong>smodells aufbauend (Kap.<br />

2 bis 4), wird in diesem Kapitel aufgezeigt, welche Konsequenzen<br />

diese Gr<strong>und</strong>lagen in der Praxis generell, d.h. ungeachtet der Sportart,<br />

haben.<br />

5.1 Innere Faktoren<br />

Innere Faktoren, die zu Unfällen führen können, liegen in der sich<br />

bewegenden Person selbst; also <strong>im</strong> Körperinnern. Dazu gehören<br />

altersbedingte Veränderungen (z.B. des Sehvermögens oder des<br />

Gleichgewichts), krankheitsbedingte Zustände (z.B. akute <strong>und</strong> chronische<br />

Erkrankungen) sowie Medikation <strong>und</strong> übermässiger Alkoholkonsum.<br />

Daraus können Überforderung, Überschätzung, Ermüdung,<br />

Konzentrationsmangel <strong>und</strong> ungenügende Technik als innere Unfallfaktoren<br />

hervorgehen.<br />

Wir als Leitende von Bewegungs-, Spiel- <strong>und</strong> Sportangeboten<br />

begegnen den inneren Unfallfaktoren in vier Schritten:<br />

Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />

Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />

Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />

Wir betonen die Selbstverantwortung!


5.1.1 Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />

Die altersbedingten Veränderungen wurden <strong>im</strong> Kapitel 2 eingehend<br />

beschrieben. Wir Leitende müssen diese Veränderungen bei der<br />

Gestaltung unserer Angebote wirklich verstehen, mitberücksichtigen<br />

<strong>und</strong> auffangen, indem wir konkrete Anpassungen vornehmen<br />

(z.B. Übungen <strong>im</strong> Tempo <strong>und</strong> in der Ausführung verändern, trägeres<br />

Material einsetzen usw.).<br />

Zwei Beispiele:<br />

Die Abnahme des Sehvermögens bei unseren Teilnehmenden<br />

bedeutet nicht nur eine erhöhte Unfallgefahr, weil sie ein Hindernis<br />

schlechter sehen können, sondern auch, weil Bewegungshandlungen<br />

schwieriger werden (z.B. die Einschätzung des Tempos bzw.<br />

der Flugbahn eines entgegenkommenden Balles ist ungenauer, was<br />

eine Bewegungsantwort erschwert).<br />

Die Abnahme der Hörleistung bei unseren Teilnehmenden bedeutet<br />

für uns nicht nur, dass wir lauter <strong>und</strong> deutlicher sprechen müssen,<br />

sondern auch, dass sich für die Teilnehmenden Bewegungshandlungen<br />

gr<strong>und</strong>sätzlich verändern, weil wichtige Informationen aus der<br />

Umwelt vermindert zur Verfügung stehen (z.B. Geräusche eines<br />

Mitspielenden, Prellgeräusch eines Balles).<br />

5.1.2 Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich geeignete oder ungeeignete <strong>Seniorensport</strong>angebote<br />

gibt es wenige. Jedes Angebot muss, <strong>und</strong> fast jedes Angebot kann<br />

auf die jeweilige Zielgruppe abgest<strong>im</strong>mt <strong>und</strong> angepasst werden.<br />

Dabei beachten wir als Leitende den sorgfältigen Aufbau des Trainings<br />

<strong>und</strong> der Belastungssteigerung (Lektionsschema <strong>im</strong> BLL B. 4/<br />

S. 15), die Pausengestaltung während der Lektion sowie die Rhythmisierung<br />

<strong>und</strong> Abwechslung der Belastung. Wir gehen langsam von<br />

Ruhe zur Belastung über – ein ausgiebigeres Aufwärmen ist gerade<br />

bei älteren Menschen nötig. Die Belastung wählen wir <strong>im</strong>mer so,<br />

dass sie noch als angenehm oder gut erträglich wahrgenommen<br />

wird, <strong>und</strong> dass die Teilnehmenden eine gewisse Leistungsreserve<br />

"zurückbehalten" können.<br />

Älter werdende Menschen können bei der Ausübung von Bewegung,<br />

Spiel <strong>und</strong> Sport sowohl konditionell <strong>und</strong> körperlich, als auch<br />

technisch <strong>und</strong> geistig überfordert sein (BLL, B. 4/S. 23).<br />

Für uns als Leitende bedeutet dies, dass wir früh erkennen müssen,<br />

wo Überforderung droht <strong>und</strong> welche Massnahmen einzuleiten sind.<br />

5.1.1<br />

Veränderungen<br />

beachten<br />

5.1.2<br />

Das<br />

Angebot<br />

anpassen <strong>und</strong><br />

Überforderung<br />

vermeiden<br />

25


26<br />

Massnahmen zur Vermeidung<br />

von konditioneller Überforderung:<br />

Wir ...<br />

• wählen eine nicht zu hohe Belastung<br />

(v.a. bezüglich Intensität<br />

<strong>und</strong> Tempo)<br />

• steuern die Belastung gezielt<br />

(BLL, B. 3 / S. 15) <strong>und</strong> erhöhen<br />

sie nur schrittweise<br />

• wählen die angepasste Belastungsart<br />

(keine anaerobe<br />

Arbeit, keine hohe Beanspruchung<br />

bei Schnellkraftübungen,<br />

insbesondere Sprungkraftübungen)<br />

• sorgen für Abwechslung der<br />

Belastungsart innerhalb der Lektion<br />

(Körperregionen <strong>und</strong> konditionelle<br />

Fähigkeiten abwechslungsweise<br />

beanspruchen,<br />

damit keine einseitigen Belastungen<br />

entstehen)<br />

Massnahmen zur Vermeidung von<br />

körperlicher Überforderung:<br />

Wir ...<br />

• empfehlen den Teilnehmenden,<br />

sich rechtzeitig <strong>und</strong> regelmässig<br />

ärztlich untersuchen zu lassen<br />

<strong>und</strong> die Anweisungen des<br />

Arztes zu berücksichtigen<br />

• weisen unsere Teilnehmenden<br />

an, nach Krankheiten <strong>und</strong> Verletzungen<br />

ausreichend Erholungs-<br />

<strong>und</strong> Regenerationszeit<br />

zu beachten<br />

• erinnern unsere Teilnehmenden<br />

daran, sich bezüglich Einflüssen<br />

von Medikamenten be<strong>im</strong> Arzt<br />

zu informieren <strong>und</strong> diese Ein<br />

flüsse bei den Bewegungsaktivitäten<br />

mitzuberücksichtigen<br />

• weisen auf Gefahren bei übermässigem<br />

Alkoholkonsum hin


Massnahmen zur Vermeidung<br />

von technischer Überforderung:<br />

Wir ...<br />

• vereinfachen die Technik<br />

(z.B. weniger Technikelemente<br />

in einem Spiel verwenden)<br />

• führen zunächst einfache <strong>und</strong><br />

einfach zu lernende Bewegungen<br />

ein<br />

• räumen dem Lernen von Bewegungen<br />

genügend Zeit ein<br />

• bereiten unsere Teilnehmenden<br />

konditionell darauf vor, gewünschte<br />

technische Bewegungen<br />

auszuführen<br />

• weisen die Teilnehmenden auf<br />

eine allfällig falsche Technik hin,<br />

da diese mit zunehmendem<br />

Alter eher zu Überlastungen<br />

führen kann<br />

• informieren die Teilnehmenden<br />

umgekehrt aber auch, dass die<br />

(erzwungene) Aufrechterhaltung<br />

einer Technik, für welche die körperlichen<br />

<strong>und</strong> konditionellen<br />

Voraussetzungen nicht (mehr)<br />

ausreichend vorhanden sind,<br />

ebenfalls fehlbelastend wirken<br />

kann, <strong>und</strong> dass hier eine Technikanpassung<br />

angebracht ist<br />

Massnahmen zur Vermeidung<br />

von geistiger Überforderung:<br />

Wir ...<br />

• stellen motivierende Aufgaben<br />

mit viel Hoffnung auf Erfolg<br />

• halten Steigerungsmöglichkeiten<br />

bereit<br />

• geben genaue Erklärungen von<br />

Bewegungsabläufen ab (v.a.<br />

auch bei der Verwendung von<br />

Fachausdrücken)<br />

• verbreiten wenig Informationen<br />

auf einmal <strong>und</strong> beachten so die<br />

möglicherweise verminderte<br />

Aufnahmefähigkeit<br />

Vermeidung von Überforderung durch das Training<br />

der Selbsteinschätzung:<br />

Wir ...<br />

• fördern die Selbstkontrolle der Belastung seitens der Teilnehmenden<br />

durch anhaltende Beurteilung des eigenen Belastungsempfindens<br />

• weisen die Teilnehmenden darauf hin, die Belastungen des Alltags<br />

nicht zu unterschätzen (d.h. die aktuelle Ermüdung zu beachten!)<br />

• geben Rückmeldungen bei Zeichen der Selbstüberschätzung<br />

(kein übertriebener Ehrgeiz!)<br />

• machen Hinweise für Geübte, dass Fortschritte bei erweitertem<br />

Könnensstand schwieriger zu erreichen sind<br />

27


...<strong>im</strong><br />

Wettkampf<br />

28<br />

Vermeidung von Überforderung <strong>im</strong> Wettkampf:<br />

Wir ...<br />

• sorgen dafür, dass sich die Teilnehmenden gezielt auf Wettkämpfe<br />

vorbereiten (d.h. ausreichendes Training vor dem Wettkampf ist<br />

notwendig!)<br />

• weisen darauf hin, dass auch <strong>im</strong> Wettkampf ein ausgiebiges Aufwärmen<br />

nötig ist<br />

• helfen unseren Teilnehmenden, ihre Leistungsgrenze zu kennen <strong>und</strong><br />

zu respektieren (kein Geltungsbedürfnis <strong>und</strong> kein falscher Ehrgeiz!)<br />

• geben den Tipp, <strong>im</strong> Wettkampf allzeit eine Leistungsreserve (ungefähr<br />

ein Drittel) "zurückzubehalten"<br />

• informieren über Wettkämpfe mit seniorengerechten Wettkampfregeln<br />

<strong>und</strong> Kategorien<br />

• vermeiden Gruppen-Leistungsdruck


5.1.3 Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />

Durch auftretende Beschwerden <strong>und</strong> Beeinträchtigungen werden<br />

Bewegungsaktivitäten keinesfalls a priori verhindert. Allerdings muss<br />

bei der Planung <strong>und</strong> Durchführung von <strong>Seniorensport</strong>angeboten richtig<br />

damit umgegangen werden. Wir Angebotsleitende achten darauf,<br />

dass Beschwerden ärztlich abgeklärt <strong>und</strong> deklariert werden (d.h. allfällige<br />

Beschwerden bei den Teilnehmenden werden erfragt).<br />

Wir empfehlen eine Arztkonsultation v.a. bei (Neu-)Einsteigenden, die<br />

sich seit langer Zeit nicht mehr sportlich betätigten sowie bei vorhandenen<br />

Risikofaktoren (erhöhter Blutdruck, starkes Rauchen, Übergewicht,<br />

Stress, hoher Cholesterinspiegel usw.).<br />

Vorhandene Beschwerden gilt es bei der Lektionsplanung zu berücksichtigen,<br />

d.h. Übungsalternativen müssen bereitgehalten werden.<br />

Je nach Angebot müssen die Teilnehmenden ein Notfallblatt oder<br />

einen Notfallausweis abgeben bzw. auf sich tragen. Dieser Ausweis<br />

wird bei einem Notfall geöffnet <strong>und</strong> enthält Hinweise auf vorhandene<br />

Beschwerden/Krankheiten, einzunehmende Medikamente <strong>und</strong> allfällige<br />

Handlungsanweisungen bzw. Kontaktpersonen.<br />

5.1.3<br />

Mit<br />

Beschwerden<br />

richtig<br />

umgehen<br />

29


5.1.4 5.1.4 Wir betonen die Selbstverantwortung!<br />

Die Verantwortung für sichere Bewegungsaktivitäten liegt nicht<br />

nur bei den Leitenden oder Anbietenden von Bewegungs-, Spiel-<br />

Selbstverantwortung<br />

betonen<br />

30<br />

<strong>und</strong> Sportangeboten, sondern <strong>im</strong> Wesentlichen auch bei den<br />

aktiven Personen selbst! Wir als Angebotsleitende – oder auch in<br />

der Rolle des Angebotsveranstalters – weisen deutlich auf die<br />

Selbstverantwortung der Teilnehmenden in unserem Angebot hin.<br />

Bei den Senioren handelt es sich um erwachsene Menschen (BLL,<br />

B. 4/S. 4), die ihrerseits Wesentliches an die <strong>Unfallprävention</strong> beitragen<br />

können. Die folgenden sechs <strong>Seniorensport</strong>regeln gelten daher<br />

in der Praxis eigenverantwortlich für alle <strong>Seniorensport</strong>lerinnen <strong>und</strong><br />

<strong>Seniorensport</strong>ler:<br />

1. Bewegen Sie sich mit Spass. Belasten Sie sich nur so<br />

stark, dass Sie sich jederzeit wohl fühlen!<br />

2. Halten Sie sich täglich in Bewegung <strong>und</strong> belasten Sie<br />

sich zwei- bis dre<strong>im</strong>al in der Woche ganz gezielt mit<br />

Fitnesstraining, Spiel <strong>und</strong> Sport.<br />

3. Benutzen Sie die Ihrer Aktivität entsprechende Ausrüstung,<br />

achten Sie speziell auf Schuhe <strong>und</strong> Kleidung.<br />

Lassen Sie sich be<strong>im</strong> Kauf beraten.<br />

4. Wärmen Sie sich vor der Aktivität ausgiebig auf <strong>und</strong><br />

schliessen Sie Ihr Training mit einer ruhigen,<br />

entspannenden Phase ab.<br />

5. Beachten Sie während der Aktivität die aktuellen<br />

Rahmenbedingungen wie Gelände, Wetter, Wegstrecken<br />

<strong>und</strong> Zeitverhältnisse.<br />

6. Konsultieren Sie nach einem längeren Unterbruch der<br />

sportlichen Aktivität sowie bei Beschwerden <strong>und</strong><br />

Unsicherheiten einen Arzt.


5.2 Äussere Faktoren<br />

Äussere Faktoren, die zu Unfällen führen können, sind durch Fremdeinwirkungen<br />

best<strong>im</strong>mt; die Ursache liegt also ausserhalb des Sporttreibenden.<br />

Dazu gehören Umgebungsbedingungen – wie<br />

Witterungseinflüsse, Raumeinrichtung, Bodenbeschaffenheit,<br />

Beleuchtung, Hilfsmittel, Sportgeräte <strong>und</strong> Ausrüstungsgegenstände<br />

(Kleider, Schuhe usw.), aber auch Einwirkungen durch andere Sporttreibende.<br />

Massnahmen zur Beeinflussung der äusseren Faktoren werden in<br />

den Kapiteln 6–8 zu den jeweiligen Aktionsfeldern beschrieben.<br />

Wir Angebotsleitende sind verantwortlich, innere <strong>und</strong> äussere Faktoren<br />

seriös zu bedenken, dazu methodische, organisatorische <strong>und</strong><br />

personelle <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Präventionsüberlegungen anzustellen<br />

<strong>und</strong> geeignete Massnahmen zu treffen. Methodische Überlegungen<br />

betreffen den Lektionsaufbau <strong>und</strong> die Vorgehensweise <strong>im</strong> Angebot.<br />

Organisatorische Überlegungen umfassen die Beeinflussung der<br />

situativen Voraussetzungen, <strong>und</strong> mit personellen Überlegungen ist<br />

die Betrachtung der personalen Voraussetzungen gemeint, d.h. der<br />

Voraussetzungen, die die einzelnen Teilnehmenden ins Angebot mitbringen.<br />

5.2<br />

Äussere<br />

Faktoren<br />

Hinweis:<br />

Checkliste<br />

ausfüllen zur<br />

Überprüfung<br />

des Angebotes<br />

(s. Kopiervorlagen<br />

in<br />

Kap. 12)<br />

31


6<br />

6.1<br />

6.2<br />

6.2.1<br />

32<br />

Unfälle vermeiden<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

Outdoor<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

6. Im Aktionsfeld Outdoor Unfälle vermeiden<br />

Warum sind die äusseren Unfallfaktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld Outdoor besonders<br />

wichtig? Wie wird <strong>Unfallprävention</strong> in den Ablauf eines Outdoor-<br />

Angebotes eingebaut?<br />

Zu den <strong>im</strong> Kapitel 5 aufgeführten, generell gültigen Konsequenzen<br />

für die <strong>Seniorensport</strong>praxis kommen nun Präventionsanliegen aus<br />

den speziellen Aktionsfeldern – hier Outdoor – hinzu.<br />

6.1 Einordnung<br />

Was sind Outdoor-Aktivitäten <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>?<br />

Es sind dies Bewegungsaktivitäten, die einerseits <strong>im</strong> Freien <strong>und</strong><br />

andererseits auch zumeist ohne die Verwendung von definierten <strong>und</strong><br />

baulich installierten Sportanlagen stattfinden. Sie finden in der freien<br />

Natur statt – in mehr oder weniger grosser Distanz zur Zivilisation.<br />

Beispiele solcher Bewegungsformen sind: Gehen, Walking, Nordic-<br />

Walking, Wandern, Bergwandern, Radfahren, Joggen, Laufen, (Wander-)OL,<br />

Skiwandern, Skilanglauf, Schneeschuhlaufen, Inline-Skating,<br />

Mountainbike, Ski alpin, Telemark, Snowboard, Eislauf.<br />

Sportspiele <strong>und</strong> Bewegungsformen <strong>im</strong> Wasser, die draussen stattfinden,<br />

werden hier nicht behandelt (Kap. 7 <strong>und</strong> 8). Sportarten auf dem<br />

Wasser (Rudern, Segeln usw.), in der Luft (Deltasegeln, Gleitschirmfliegen<br />

usw.) <strong>und</strong> auch Klettern oder Triathlon sind hier kein Thema.<br />

Sie verfügen über eigene, sportfachspezifische (<strong>Sicherheit</strong>s-) Richtlinien.<br />

Das Bewusstsein, dass bei Outdoor-Aktivitäten die Rahmenbedingungen<br />

wesentlich anders sind, als beispielsweise bei Indoor-<br />

Sportarten, hat dazu geführt, dass für Outdoor-Aktivitäten sportartspezifische<br />

<strong>und</strong> angepasste <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien bestehen. Diese Vorgaben<br />

sind auch für unsere <strong>Seniorensport</strong>-Outdoor-Aktivitäten eine<br />

wichtige Unterstützung (Kontakte siehe Schluss des Kapitels).<br />

6.2 Das Aktionsfeld "Outdoor"<br />

6.2.1 Innere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Die inneren Faktoren, wie sie <strong>im</strong> Kapitel 5 beschrieben wurden, sind<br />

natürlich auch "outdoor" relevant <strong>und</strong> müssen für die <strong>Unfallprävention</strong><br />

unbedingt beachtet werden.<br />

Als häufigste Unfallart wurden <strong>im</strong> Kapitel 3 die Stürze aufgeführt.<br />

Für das Aktionsfeld Outdoor sind die inneren Sturzfaktoren "Schwindel",<br />

"Gleichgewichtsverlust" <strong>und</strong> "reduziertes Re-aktionsvermögen"<br />

bedeutungsvoll. Sie sind wesentliche Faktoren be<strong>im</strong> Bewegen <strong>und</strong><br />

Sporttreiben mit oder auf Geräten (Fahrrad, Schneesportgeräte, Rollen,<br />

Schlittschuhe) <strong>und</strong> sie beeinflussen das Unfallgeschehen<br />

wesentlich. Daher ist <strong>im</strong> Out-doorbereich die Einflussnahme auf diese<br />

Sturzrisikofaktoren <strong>im</strong> Sinne der vierten Stufe <strong>im</strong> <strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

(Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> leisten) von entscheidender<br />

Bedeutung.


6.2.2 Äussere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Als wichtigster äusserer Faktor wurde der Bodenbelag erwähnt – die<br />

"Bodenbeschaffenheit" (siehe Kap. 3). Ein Merkmal der Outdoor-Aktivitäten<br />

ist der sich ständig verändernde Untergr<strong>und</strong>: Der Bodentyp<br />

variiert, die Beschaffenheit ist unterschiedlich <strong>und</strong> die Witterungseinflüsse<br />

sind bedeutsam.<br />

Beispiele:<br />

Regen – Feldwege werden glitschig, das Bremsverhalten auf dem<br />

Fahrrad verändert sich.<br />

Schneefall – Wege oder Strassen werden unpassierbar: es muss<br />

ausgewichen werden.<br />

Eis – Die Walkingroute wird zum gefährlichen Unfallherd.<br />

Die Sturzgefahr wird erheblich grösser.<br />

Hindernisse – Äste oder Wurzeln auf dem Wanderweg stellen<br />

Stolpergefahren dar.<br />

Speziell den Bodenbelag, überhaupt aber die äusseren<br />

Unfallfaktoren gilt es <strong>im</strong> Freien in besonderem Masse zu beachten.<br />

Im Aktionsfeld Outdoor finden die unterschiedlichsten Angebote<br />

statt. Für sie alle können die wichtigsten äusseren Faktoren sechs<br />

Überbegriffen zugeordnet werden, was die Beachtung<br />

dieser Faktoren erheblich erleichtert:<br />

Gelände:<br />

Je nachdem, wo ein Angebot<br />

stattfindet, treffen wir auf die<br />

unterschiedlichsten Geländeformen:<br />

• Untergr<strong>und</strong>beschaffenheit<br />

(Teer- oder Naturstrasse, ausgebauter<br />

Wanderweg oder steiniger<br />

Pfad, breite Pulverschneepiste<br />

oder steile <strong>und</strong> vereiste<br />

Pistenpassage)<br />

• Höhenlage (auf 400 m/M in<br />

einem Mittellandwald oder auf<br />

3000 m/M auf einem Berggipfel)<br />

• Exposition (freie Fläche, Wald,<br />

Bergkamm)<br />

• Begehbarkeit (Hindernisse,<br />

Flüsse,Bäche, Moorlandschaften)<br />

Wetter <strong>und</strong> Witterung:<br />

Die Witterungsbedingungen sind<br />

entscheidend für die aktuell angetroffene<br />

Situation:<br />

• Schlechte Wetterprognose: Die<br />

Durchführung der geplanten<br />

Aktivität muss möglicherweise<br />

abgesagt werden<br />

• Trockener oder nasser Untergr<strong>und</strong>:<br />

der Schwierigkeitsgrad<br />

einer Aktivität verändert sich<br />

wesentlich<br />

• Nebel: Bekannte Örtlichkeiten<br />

werden fremd<br />

• Kälte: Oberflächenwasser gefriert<br />

<strong>und</strong> macht einen Bergwanderweg<br />

unbegehbar<br />

• Jahreszeiten (Winter mit Schnee<br />

oder Sommer mit hohen Temperaturen)<br />

6.2.2<br />

33


34<br />

Ausrüstung <strong>und</strong> Sportgeräte:<br />

Jede Bewegungsform oder Sportart<br />

bedingt ihre eigene Ausrüstung<br />

oder das dazu gehörende<br />

Sportgerät:<br />

• Persönliche Ausrüstung <strong>und</strong><br />

Kleidung (Bergschuhe, Regenbekleidung,<br />

Kälteschutz)<br />

Zwei Drittel der Outdoor-Aktivitäten<br />

sind zudem auf ein<br />

Sportgerät angewiesen:<br />

• Im Wintersport die vielfältigen<br />

Schneesportgeräte<br />

• Geräte auf Rollen oder Rädern<br />

Mitmenschen:<br />

Die Bewegungsaktivitäten finden<br />

oft zeit- <strong>und</strong> ortsgleich mit vielenweiteren<br />

aktiven Personen mit<br />

den unterschiedlichsten Fertigkeiten<br />

statt:<br />

• Auf der Skipiste oder Loipe<br />

• Im Strassenverkehr<br />

• Auf Wander-, Fuss- oder Radwegen<br />

Distanzen:<br />

Mit den Outdoor-Aktivitäten verlassen<br />

wir die vertraute Umgebung<br />

(z.B. die Turnhalle oder das<br />

Hallenbad):<br />

• Die gewohnte Infrastruktur ist<br />

nicht unmittelbar verfügbar<br />

(z.B. das Telefon)<br />

• Hilfe ist nicht innerhalb weniger<br />

Minuten am Ort (z.B. der Arzt)<br />

• Transportmittel stehen keine<br />

oder nur eingeschränkt, bzw. in<br />

gewisser Entfernung zur Verfügung<br />

(z.B. Bahn, Bus, Auto)<br />

• Verpflegung oder Getränke kön<br />

nen nicht gleich um die Ecke<br />

geholt werden<br />

Zeitliche Rahmenbedingungen:<br />

Jedes Angebot hat seine eigenen,<br />

speziellen, zeitlichen Rahmenbedingungen:<br />

• Aufbruchs- bzw. Rückkehrzeit<br />

(frühmorgens, sehr spät abends)<br />

• Zeitliche Dauer des Angebotes<br />

(einzelne Lektion bis mehrere<br />

Tage)


6.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende<br />

Für uns gilt es, innere <strong>und</strong> äussere Faktoren soweit als möglich zu<br />

berücksichtigen <strong>und</strong> dazu die nötigen methodischen, organisatorischen<br />

<strong>und</strong> personellen <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Präventionsüberlegungen<br />

anzustellen (siehe Kap. 5).<br />

6.3.1 Beachtung der inneren Faktoren<br />

Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />

Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />

Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />

Wir betonen die Selbstverantwortung!<br />

6.3.2 Beachtung der äusseren Faktoren<br />

Für die äusseren Faktoren beachten wir:<br />

Gelände:<br />

Das Gelände beeinflusst die<br />

Gestaltung des Angebotes unter<br />

Umständen wesentlich.<br />

Die genaue Betrachtung der<br />

Geländesituation ist für uns<br />

daher äusserst wichtig.<br />

Ausrüstung <strong>und</strong> Sportgeräte:<br />

Qualität <strong>und</strong> Zustand der Ausrüstung<br />

<strong>und</strong> der Sportgeräte leisten<br />

für die genussvolle <strong>und</strong> sichere<br />

Ausübung der Outdoor-Aktivitäten<br />

einen wesentlichen Beitrag.<br />

Darauf machen wir unsere Teilnehmenden<br />

aufmerksam <strong>und</strong><br />

kontrollieren wo nötig deren<br />

Ausrüstung bzw. Sportgerät.<br />

Mitmenschen:<br />

Die beanspruchten Flächen müssen<br />

wir mit stärkeren <strong>und</strong><br />

schwächeren, schnelleren <strong>und</strong><br />

langsameren Mitmenschen<br />

teilen, d.h. wir achten ausreichend<br />

auf andere.<br />

Wetter <strong>und</strong> Witterung:<br />

Bereits bei der Planung müssen<br />

wir die Einflüsse des Wetters<br />

<strong>und</strong> der Witterung eingehend<br />

beachten. Während der Durchführung<br />

eines Angebotes beobachten<br />

wir Veränderungen der<br />

Situation genaustens <strong>und</strong> treffen<br />

entsprechende Massnahmen.<br />

Distanzen:<br />

Der Beachtung von grossen<br />

Distanzen <strong>und</strong> den damit verb<strong>und</strong>enen<br />

Schwierigkeiten<br />

kommt vor allem bei der Planung<br />

unseres Angebotes grosse<br />

Bedeutung zu.<br />

Zeitliche Rahmenbedingungen:<br />

Die sich unter Umständen ändernden,<br />

zeitlichen Rahmenbedingungen<br />

dürfen bei der Planung <strong>und</strong><br />

der Durchführung von Outdoor-<br />

Aktivitäten nicht unterschätzt werden.<br />

So kann es für unsere Teilnehmenden<br />

z.B. wesentlich sein, ob<br />

ein Angebot plötzlich bis spät in<br />

den Abend hinein andauert.<br />

6.3<br />

Konsequenzen<br />

6.3.1<br />

6.3.2<br />

Äussere Faktoren<br />

<strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Outdoor<br />

35


6.3.3 6.3.3 Planung <strong>und</strong> Durchführung eines Outdoor-Angebotes<br />

Bei der Planung unseres Angebotes gehen wir wie folgt vor:<br />

Planung<br />

eines<br />

Angebotes<br />

36<br />

Planen: den Teilnehmenden angepasste Aktivität planen.<br />

Ziel setzen, Aktivität grobplanen, Zeit berechnen, Reserven vorsehen,<br />

Informationen einholen, gegebenenfalls eine Fachperson beiziehen,<br />

Risiken abschätzen wie: Gefahrenstellen, Wetterabhängigkeit,<br />

Materialdefekt, Notfallsituationen.<br />

Rekognoszieren: die angetroffene Situation in Bezug auf die<br />

Teilnehmenden beurteilen.<br />

Planung überprüfen, Informationslücken schliessen, Risiken einstufen<br />

<strong>und</strong> Massnahmen treffen.<br />

Vorbereiten: die Aktivität <strong>im</strong> Detail vorbereiten.<br />

Vorhaben festlegen, Zeitplan erstellen, Leitungsteam best<strong>im</strong>men<br />

<strong>und</strong> informieren, gegebenenfalls Stellvertretung best<strong>im</strong>men, Ausschreibung<br />

gestalten, Teilnehmende informieren (persönliche<br />

Ausrüstung <strong>und</strong> Notfallausweis, Sportgerät, Verpflegung/Getränke,<br />

Verhaltensregeln, Spezialitäten wie Sonnen-/Kälte-/Hitzeschutz,<br />

Schuhwerk), Information von Drittpersonen,<br />

<strong>Sicherheit</strong>skonzept/Nofalldispositiv, Notfall-ausrüstung (u.a. Handy,<br />

evtl. Funk) <strong>und</strong> alle organisatorischen Vorkehrungen/Massnahmen<br />

treffen.<br />

Bei der Durchführung unseres Angebotes gehen wir wie folgt vor:<br />

Am Vortag: Entscheid über Durchführung treffen.<br />

aktuelle Wetterprognosen studieren, sich über aktuelle Verhältnisse<br />

vor Ort erk<strong>und</strong>igen.<br />

Vor Beginn: kontrollieren, ob alle bereit sind.<br />

Wohlbefinden der Teilnehmenden erfragen, Material,<br />

Verpflegung/Getränke <strong>und</strong> Ausrüstung kontrollieren <strong>und</strong> gewährleisten,<br />

Aktivität besprechen: Ziel, Situation, spezielle Massnahmen,<br />

organisatorische Anweisungen, <strong>Sicherheit</strong>svorkehrungen, Notfallverhalten;<br />

Gruppe organisieren: Leistungsgruppen, Schlussperson, Verantwortlichkeiten,<br />

"Spielregeln" – inkl. sportartspezifische<br />

<strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Verhaltensregeln.<br />

Unterwegs: planmässigen Ablauf gewährleisten.<br />

Belastung/Erholung überprüfen: Teilnehmende beobachten; aber<br />

auch hinweisen auf die eigenverantwortliche Belastungskontrolle;<br />

Wetterentwicklung beobachten, Verpflegung gewährleisten.<br />

Danach: Ablauf auswerten, Verbesserungsmöglichkeiten sammeln<br />

<strong>und</strong> in die Planung kommender Angebote mit einbeziehen.


6.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld<br />

Auch mit Outdoor-Aktivitäten können wesentliche Beiträge an eine allgemeine<br />

Sturzprävention geleistet werden (siehe Kap. 4). So kann<br />

zum Beispiel das Min<strong>im</strong>alprogramm aus Kapitel 4 auch unterwegs<br />

ohne Schwierigkeiten – z.B. während einer Pause bei nicht allzu langandauernden<br />

Aktivitäten – durchgeführt werden.<br />

6.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen<br />

Verband Schweizer Alpen-Club (SAC)<br />

Monbijoustr. 61<br />

3007 Bern<br />

Tel. 031 370 18 18<br />

Fax 031 370 18 00<br />

www.sac-cas.ch<br />

info@sac-cas.ch<br />

Naturfre<strong>und</strong>e Schweiz (NFS)<br />

Pavillonweg 3<br />

3012 Bern<br />

Postfach 7364<br />

3001 Bern<br />

Tel. 031 306 67 67<br />

Fax 031 306 67 68<br />

www.naturfre<strong>und</strong>e.ch<br />

org@naturfre<strong>und</strong>e.ch<br />

Schweizerischer Orientierungslauf<br />

Verband (SOLV)<br />

Langweidstr. 2<br />

8620 Wetzikon<br />

Tel. 01 932 50 80<br />

Fax 01 932 50 84<br />

www.solv.ch<br />

solv@active.ch<br />

Swiss Cycling<br />

(Schweiz. Radfahrer-B<strong>und</strong> SRB)<br />

Haus des Sportes<br />

Laubeggstr. 70<br />

3006 Bern<br />

Postfach 232<br />

3000 Bern 32<br />

Tel. 031 359 72 33<br />

Fax 031 359 72 39<br />

www.cycling.ch<br />

info@srbfcs.ch<br />

Schweiz. Rollsport-Verband (SRV)<br />

Aug. Müllerstr. 7<br />

8134 Adliswil<br />

Tel. 01 206 45 50<br />

Fax 01 710 13 42<br />

www.swiss-sport.ch/skating<br />

eegli@bluewin.ch<br />

Swiss Ski (Schweiz. Skiverband)<br />

Worbstr. 52<br />

Postfach 478<br />

3074 Muri<br />

Tel. 031 950 61 11<br />

Fax 031 950 61 10<br />

www.swiss-ski.ch<br />

info@swiss-ski.ch<br />

Schweizerische Wanderwege (SAW)<br />

Im Hirshalm 49<br />

4125 Riehen<br />

Tel. 061 606 93 40<br />

Fax 061 606 93 45<br />

www.swisshiking.ch<br />

info@swisshiking.ch<br />

6.4<br />

6.5<br />

Hinweis:<br />

Checkliste<br />

ausfüllen zur<br />

Überprüfung<br />

des Angebotes<br />

(s. Kopiervorlagen<br />

in<br />

Kap. 12)<br />

Kontakte<br />

37


7<br />

7.1<br />

7.2<br />

7.2.1<br />

38<br />

Unfälle vermeiden<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

Indoor<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

7. Im Aktionsfeld Indoor Unfälle vermeiden<br />

Wie gewährleisten wir einen organisatorisch einwandfreien Lektionsablauf<br />

zur opt<strong>im</strong>alen <strong>Unfallprävention</strong>? Was gilt es speziell be<strong>im</strong> Turnen<br />

<strong>und</strong> in Spielsportarten zu beachten?<br />

Von den beliebtesten <strong>Seniorensport</strong>arten (siehe Kap. 3) sind Turnen/<br />

Gymnastik, Fitnesstraining/Aerobic <strong>und</strong> Tanzen <strong>im</strong> Indoorbereich angesiedelt.<br />

<strong>Seniorensport</strong>unfälle <strong>im</strong> Indoorbereich bilden einen kleinen<br />

Teil des Unfallgeschehens (auch Kap. 3). Auch hier gibt es allerdings<br />

beachtenswerte Anliegen an eine möglichst umfassende <strong>Unfallprävention</strong>,<br />

welche die generell geltenden Aspekte aus Kapitel 5<br />

aktionsfeldspezifisch <strong>und</strong> sportartbezogen ergänzen.<br />

7.1 Einordnung<br />

Was sind Indoor-Aktivitäten <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>?<br />

Turnen (Gymnastik, Fitnesstraining, Aerobic) <strong>und</strong> die Spielsportarten<br />

wie Rückschlagspiele (Tennis, Badminton, Squash, Faustball, Tischtennis,<br />

Indiaca, Goba) <strong>und</strong> Sportspiele (Volleyball, Basketball, Korbball,<br />

Fussball, Handball, verschiedene Hockeyarten) sind die hauptsächlichsten<br />

Bewegungsangebote <strong>im</strong> Indoorbereich. Hier ereignen<br />

sich auch gleichzeitig die meisten Indoor-Unfälle. Sie werden in diesem<br />

Kapitel in erster Linie behandelt. Der Einfachheit halber werden<br />

dafür nur noch die Begriffe "Turnen" <strong>und</strong> "Spielsport" verwendet.<br />

Auch zu den Indoorbewegungsformen zählen:<br />

• Entspannungsformen wie Autogenes Training, Qi Gong, Tai Chi, u.ä.<br />

• Tanz in allen Stilrichtungen<br />

• Bewegung <strong>und</strong> Spiel <strong>im</strong> He<strong>im</strong><br />

Viele <strong>Unfallprävention</strong>sanliegen dieser Bewegungsangebote finden<br />

sich aber <strong>im</strong> Bereich Turnen wieder. Sie werden daher<br />

indiesem Kapitel nicht explizit erwähnt.<br />

Ausgeklammert <strong>und</strong> nicht behandelt werden:<br />

• Geräte- <strong>und</strong> Kunstturnen, Trampolin u.ä.<br />

• Kampfsportarten: Judo, Karate, Taekwando u.ä.<br />

• Golf, Kegeln, Schiessen u.ä.<br />

Die senioren- <strong>und</strong> unfallspezifischen Anliegen dieser Sportarten<br />

übersteigen die Möglichkeiten der vorliegenden Broschüre –<br />

es muss auf die jeweiligen sportartspezifischen Richtlinien verwiesen<br />

werden (Kontakte siehe Schluss des Kapitels).<br />

7.2 Das Aktionsfeld "Indoor"<br />

Indoorangebote sind wetterunabhängig! Die Unfallgefahren zeigen sich<br />

demnach hier auch anders als bei den Aktivitäten <strong>im</strong> Outdoorbereich.<br />

7.2.1 Innere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Die inneren Faktoren sind in Kapitel 5.1 umfassend beschrieben.<br />

Diese praxisrelevanten Aspekte gelten insbesondere für den Indoorbereich.


7.2.2 Äussere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Die äusseren Bedingungen sind <strong>im</strong>mer mehr oder weniger die gleichen<br />

<strong>und</strong> wesentlich besser in die Planung miteinzubeziehen. Aus<br />

diesem Gr<strong>und</strong> können wir mit den geeigneten Massnahmen opt<strong>im</strong>al<br />

zur Verminderung der äusseren Unfallfaktoren <strong>und</strong> damit der Unfallgefahr<br />

beitragen.<br />

7.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende<br />

Auch hier gilt es nun, innere <strong>und</strong> äussere Faktoren zu beurteilen <strong>und</strong><br />

dazu die methodisch, organisatorisch <strong>und</strong> personell richtigen <strong>Sicherheit</strong>s-<br />

<strong>und</strong> Präventionsüberlegungen anzustellen <strong>und</strong> geeignete<br />

Massnahmen zu treffen (siehe Kap. 5).<br />

7.3.1 Beachtung der inneren Faktoren<br />

Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />

Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />

Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />

Wir betonen die Selbstverantwortung!<br />

7.2.2<br />

7.3<br />

Konsequenzen<br />

7.3.1<br />

39


7.3.2<br />

Äussere Faktoren<br />

<strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Indoor<br />

40<br />

7.3.2 Beachtung der äusseren Faktoren<br />

Die äusseren Faktoren beeinflussen wir vor allem durch einen organisatorisch<br />

einwandfreien Ablauf der Lektion.<br />

Das bedeutet für uns:<br />

• Wir sind verantwortlich dafür, dass die Räumlichkeiten <strong>und</strong> das nötige<br />

Material bereit sind.<br />

• Die Grösse eines Raumes beeinflusst die Bewegungssequenz.<br />

Ist genügend Abstand zwischen den Teilnehmenden möglich (Kollisionsgefahr)?<br />

Die Raum- oder Spielfeldgrösse, allenfalls auch die<br />

Grösse der Gruppe müssen wir dementsprechend anpassen.<br />

• Die Bodenbeschaffenheit ist für uns zwar nur begrenzt beeinflussbar.<br />

Wir müssen sie aber in die Planung miteinbeziehen. Ist der Boden<br />

sehr rutschig, müssen wir dementsprechende Massnahmen treffen,<br />

z.B. andere Reinigungsweise veranlassen oder Inhalte planen, die<br />

keine schnellen Bewegungen voraussetzen.<br />

• Wir beachten Raumwände, z.B. hervorstehende Kanten <strong>und</strong> decken<br />

Gefahrenstellen ab (z.B. mit Matten) oder meiden die Nähe dieser<br />

Wände (Abstand).<br />

• Wir sorgen dafür, dass Fenster <strong>und</strong> Türen während den Bewegungsst<strong>und</strong>en<br />

geschlossen sind (Ausnahmen sind Fenster über Sprunghöhe).<br />

• Die Temperatur eines Raumes kann nur indirekt beeinflusst werden,<br />

ist aber für älter werdende Menschen wichtig, da sich das Temperaturempfinden<br />

ändert. Wir fragen nach, geben Tipps zu zweckmässiger<br />

Kleidung <strong>und</strong> steuern die Intensität der Lektion.<br />

• Wir sorgen dafür, dass der Raum gut belüftet oder gelüftet ist.<br />

• Wir achten unbedingt auf genügend Licht (verminderte Sehfähigkeit,<br />

Kap.2); das Licht darf aber auch nicht blenden.<br />

• Wir achten darauf, dass die Teilnehmenden angepasste Schuhe tragen.<br />

Hallenschuhe dürfen weder rutschen noch hängenbleiben <strong>und</strong><br />

haben keine Absätze. Keine Aussenschuhe: Misstrittgefahr! Leichte<br />

Gymnastik- oder Geräteschuhe sind weniger geeignet.<br />

• Wir weisen die Teilnehmenden darauf hin, Uhren <strong>und</strong> Schmuck vor<br />

der Lektion abzulegen. Bei Brillen kann das nicht <strong>im</strong>mer verlangt<br />

werden. Das verdient deshalb vor allem bei Ballspielen besondere<br />

Beachtung. Brillen können auch mit einem Gummiband befestigt<br />

werden. Fingernägel sind mit Vorteil kurz geschnitten.<br />

• Material, Geräte <strong>und</strong> Hilfsmittel wählen wir seniorengerecht <strong>und</strong><br />

st<strong>im</strong>men sie auf die Teilnehmenden ab, z.B. Absichern mit Matten,<br />

Wahl von rutschfesten Stühlen, tieferen Netzen <strong>und</strong> breiten Bänken,<br />

Auswahl der Musik <strong>und</strong> Einstellung der Lautstärke, angepasste Zusatzgewichte,<br />

leichtere Handgeräte oder Schläger (z.B. Tennis), weichere,<br />

grosse <strong>und</strong> leichte Bälle (z.B. aus Schaumstoff), die langsamer<br />

fliegen <strong>und</strong> somit besser gefangen, gespielt <strong>und</strong> gestoppt werden<br />

können.


7.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld<br />

7.4.1 Sturzprävention<br />

Auch <strong>im</strong> Indoorbereich ist der Sturz die Hauptunfallursache.<br />

Sturzgefahren können wir ganz gezielt min<strong>im</strong>ieren, indem wir:<br />

• auf geeignetes Schuhwerk hinweisen<br />

• ausreichendes <strong>und</strong> angepasstes Aufwärmen durchführen<br />

• die Übungen der Zielgruppe anpassen<br />

• Gleichgewichtshilfen bieten (Wand, Stuhl, Partner, Kasten)<br />

• Hindernisse wie Matten, Handgeräte, Bänke entfernen<br />

• gebrauchte Geräte sofort wegräumen<br />

• Geräte gr<strong>und</strong>sätzlich erst unmittelbar vor Gebrauch austeilen<br />

• Laufwege vorgeben, so dass sich die Teilnehmenden nicht<br />

gegenseitig behindern<br />

• konsequente <strong>und</strong> klare Spielleitung beachten<br />

• geeignete Regelanpassungen vornehmen<br />

• einwandfreie Organisation gewährleisten<br />

• Intensität steuern <strong>und</strong> anpassen<br />

Das in Kapitel 4 aufgeführte Min<strong>im</strong>alprogramm "Sturzprävention" lässt<br />

sich bestens in jede Lektion einbauen.<br />

7.4.2 Turnen (Gymnastik, Fitness, Aerobic)<br />

Turnen ist gr<strong>und</strong>sätzlich keine gefährliche Bewegungsaktivität. Trotzdem<br />

lohnt es sich, ein Höchstmass an <strong>Sicherheit</strong> anzustreben. Über<br />

die bisher aufgeführten Anliegen hinaus gilt es für uns zudem, bei<br />

einer Reihe von Übungen besondere Vorsicht walten zu lassen.<br />

Vorsicht bei Übungen...<br />

• bei denen viel Blut in den Kopf fliesst<br />

• mit Drehungen, Sprüngen <strong>und</strong> Hüpfformen<br />

• die das schnelle Aufstehen <strong>und</strong> sich Hinlegen erfordern<br />

• die nicht <strong>im</strong> aeroben Leistungsbereich angesiedelt sind<br />

• mit gr<strong>und</strong>sätzlich schnellen <strong>und</strong> ruckartigen Bewegungen<br />

• die kein gleichmässiges Atmen zulassen<br />

• mit Zusatzgewichten<br />

7.4<br />

7.4.1<br />

7.4.2<br />

41


7.4.3<br />

Hinweis:<br />

Checkliste<br />

ausfüllen zur<br />

Überprüfung<br />

des Angebotes<br />

(s. Kopiervorlagen<br />

in<br />

Kap. 12)<br />

7.5<br />

42<br />

7.4.3 Spielsportarten<br />

Ballspiele <strong>und</strong> Rückschlagspiele führen v.a. bei den 45- bis 65-jährigen<br />

zu Unfällen. Bei den über 65-jährigen kommt es hingegen zu<br />

deutlich weniger Unfällen – in diesem Alter werden Ballspiele nicht<br />

mehr so häufig praktiziert. Um Spiele möglichst unfallfrei durchzuführen,<br />

gilt es, einige Aspekte zu beachten:<br />

• Hohes Tempo in einem Spiel ist oft ein begrenzender Faktor <strong>und</strong><br />

enthält dadurch ein erhebliches Gefahrenpotenzial. Mit weicheren<br />

bzw. auch grösseren Bällen oder veränderten Bewegungsformen<br />

wie Walking, Marschieren <strong>und</strong> Traben <strong>im</strong> Spiel kann das<br />

Spieltempo wesentlich min<strong>im</strong>iert werden.<br />

• Unfälle können bei Spielen mit Ball durch konsequente Spielleitung<br />

<strong>und</strong> geeignete Regelanpassungen vermieden werden. Z.B.<br />

darf der Ball <strong>im</strong> Volleyball auch gefangen werden, es werden<br />

kleinere Gruppen gebildet oder auch grössere Felder zugelassen.<br />

• Spiele müssen mit Spielformen <strong>und</strong> Übungen aufgebaut <strong>und</strong><br />

eingeführt werden, damit ein technisches F<strong>und</strong>ament entsteht.<br />

Häufig ist gerade die technische Unsicherheit ein Faktor, der zu<br />

einem Unfall führen kann.<br />

• Auch Spiele mit einem gewissen Körperkontakt – richtig aufgebaut<br />

<strong>und</strong> eingeführt – können durchaus gespielt werden. Die<br />

Spielenden lernen, sich zurückzuhalten, Rücksicht zu nehmen<br />

<strong>und</strong> ihren Ehrgeiz zu zügeln. Die leitende Person muss aber hier<br />

konsequent ihren Einfluss durch die Spielleitung <strong>und</strong> gezielte<br />

Sensibilisierung geltend machen.<br />

• Kleine Spiele, New Games <strong>und</strong> Spielformen ohne Verlierer eignen<br />

sich für ältere Menschen besonders gut, bergen doch diese<br />

Bewegungsformen ein kleines Unfallrisiko.<br />

Trotz dem vorhandenen Unfallpotenzial bei Spielen mit Bällen ist der<br />

daraus resultierende Nutzen nicht zu übersehen. Spiele packen, begeistern<br />

<strong>und</strong> wecken Freude. Die koordinativen Fähigkeiten werden<br />

geübt, konditionelle Aspekte fliessen automatisch ein <strong>und</strong> gruppendynamische<br />

Prozesse ergeben sich von selbst. Auch der Alltagsbezug<br />

kann gewährleistet werden, ist doch ein schnelles <strong>und</strong> richtiges<br />

Reagieren nicht nur <strong>im</strong> Spiel, sondern auch <strong>im</strong> Strassenverkehr, be<strong>im</strong><br />

Treppensteigen oder be<strong>im</strong> Gehen auf Schnee <strong>und</strong> Eis von grosser<br />

Bedeutung.<br />

7.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen<br />

Kampfsport:<br />

z.B. Schweiz. Judo & Ju-Jitsu Verband<br />

Laubeggstrasse 70<br />

Postfach 249<br />

3000 Bern 32<br />

Tel. 031 368 05 75<br />

Fax: 031 368 05 76<br />

www.sjv.ch<br />

office@sjv.ch<br />

Turnen/Geräteturnen:<br />

z.B. Schweizerischer Turnverband<br />

Bahnhofstrasse 38<br />

Postfach<br />

5001 Aarau<br />

Tel. 062 837 82 00<br />

Fax 062 824 14 01<br />

www.stv-fsg.ch<br />

stv@stv-fsg.ch


8. Im Aktionsfeld Wasser Unfälle vermeiden<br />

Welchen Einfluss hinsichtlich Unfallgefahr hat das Wasser auf den menschlichen<br />

Körper? Welche Konsequenzen bringen die veränderten inneren <strong>und</strong><br />

äusseren Unfallfaktoren <strong>im</strong> Wasser mit sich?<br />

Schw<strong>im</strong>men <strong>und</strong> Wasserfitness gelten als ausgesprochen ges<strong>und</strong><br />

<strong>und</strong> haben <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> eine lange Tradition. Darum sind Aktivitäten<br />

<strong>im</strong> Wasser für ältere Menschen speziell attraktiv, vor allem<br />

dann, wenn sich erste Beschwerden zeigen <strong>und</strong> besonders schonende<br />

Bewegunsangebote gefragt sind.<br />

Das Verletzungsrisiko <strong>im</strong> Wasser ist min<strong>im</strong>al, trotzdem gilt es, über<br />

die allgemeingültigen Aspekte aus Kapitel 5 hinaus, die <strong>im</strong> Wasser<br />

speziellen Anforderungen an den Kreislauf, die Sturzgefahr auf nassen<br />

Böden <strong>und</strong> die Ertrinkungsgefahr als aktionsfeldspezifische<br />

Anliegen zu beachten.<br />

8.1 Einordnung<br />

Was sind Wasser-Aktivitäten <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>?<br />

Im Aktionsfeld Wasser stehen <strong>Sicherheit</strong>süberlegungen zu den beiden<br />

häufigsten Sportarten Schw<strong>im</strong>men <strong>und</strong> Wasserfitness (Gymnastik,<br />

Jogging <strong>im</strong> Wasser) <strong>im</strong> Zentrum. Aktivitäten mit Geräten wie Segeln,<br />

Rudern, Kanufahren oder auch Gerätetauchen <strong>und</strong> das Schw<strong>im</strong>men in<br />

offenen Gewässern übersteigen den Umfang dieser Broschüre. Die<br />

entsprechenden Fachverbände können mit spezifischen <strong>Sicherheit</strong>shinweisen<br />

weiterhelfen (Kontakte siehe Schluss des Kapitels).<br />

8.2 Das Aktionsfeld "Wasser"<br />

Innere <strong>und</strong> äussere Faktoren zeigen sich <strong>im</strong> Wasser teilweise anders<br />

als in den vorgängig beschriebenen Aktionsfeldern. Die erwähnten<br />

Faktoren sind Gr<strong>und</strong>lage für den hervorragenden Nutzen des Trainings<br />

<strong>im</strong> Wasser auf den Kreislauf. Sie können aber für Personen mit Herz-<br />

Kreislauf-Erkrankungen eine Gefahr bilden.<br />

8.2.1 Innere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Wasserdruck, Wasserwiderstand <strong>und</strong> Temperatur beeinflussen den<br />

Kreislauf:<br />

Der Wasserdruck presst den eingetauchten Körper zusammen. Das<br />

führt zu einem verstärkten venösen Rückfluss des Blutes ins Herz.<br />

Dadurch muss das Herz mit einem Schlag mehr Blut umsetzen <strong>und</strong><br />

mit mehr Druck arbeiten.<br />

Der Puls sinkt um 10 bis 15 Schläge (Tauchreflex). Das Pulsverhalten<br />

<strong>im</strong> Wasser ist noch weitgehend unerforscht: So kann der Puls <strong>im</strong><br />

Wasser unter Belastung bis 40 Schläge zu vergleichbaren Leistungen<br />

an Land abweichen. Mit der Bewegung, dem Training <strong>im</strong> Wasser nehmen<br />

die Kreislaufanforderungen noch massiv zu, weil der Widerstand<br />

je nach Übungswahl eine enorme Muskelarbeit verlangt.<br />

Im Wasser werden Anstrengungen subjektiv als leichter wahrgenommen<br />

als an Land: geringes Körpergewicht, Wegfallen von Schlägen,<br />

kein Schwitzen.<br />

Unfälle vermeiden<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

8<br />

8.1<br />

8.2<br />

8.2.1<br />

Wasser<br />

B Begreifen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

43


8.2.2<br />

8.3<br />

Konsequenzen<br />

8.3.1<br />

44<br />

Be<strong>im</strong> Tauchen kommen noch zwei spezielle Phänomene dazu:<br />

Druck auf das Trommelfell <strong>und</strong> Gefahr durch Hyperventilation.<br />

Tauchübungen sollten darum nur von Leitenden mit dem Lebensrettungs-Brevet-1<br />

durchgeführt werden.<br />

Ein weiterer Punkt erhöht <strong>im</strong> Bad das Unfallrisiko: Hör- <strong>und</strong> Sehhilfen<br />

werden nicht getragen, damit sinkt die Orientierungsfähigkeit<br />

am Land <strong>und</strong> <strong>im</strong> Wasser.<br />

8.2.2 Äussere Faktoren <strong>im</strong> Aktionsfeld<br />

Ein wichtiger äusserer Faktor ist die Wassertemperatur. Der Kreislauf<br />

muss bei normal temperiertem Wasser (27°C) mehr arbeiten,<br />

um der Abkühlung entgegenzuwirken. Bei warmem Wasser (über<br />

32°C) kann der Körper die Wärme nicht abführen (Gefahr des Hitzestaus).<br />

Warmes Wasser erweitert die Gefässe. Das ist ungünstig<br />

für Personen mit Krampfadern <strong>und</strong> kann zu Blutleere <strong>im</strong> Hirn mit<br />

Bewusstlosigkeit führen, was sich vielfach erst auswirkt, wenn der<br />

Wasserdruck wegfällt, also nach dem Aussteigen aus dem Bassin.<br />

8.3 Konsequenzen in der Praxis für uns Sportleitende<br />

Die Besonderheiten der inneren <strong>und</strong> äusseren Faktoren gilt es für<br />

uns auch hier zu beachten <strong>und</strong> dazu die methodisch, organisatorisch<br />

<strong>und</strong> personell richtigen <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Präventionsüberlegungen<br />

anzustellen <strong>und</strong> geeignete Massnahmen zu treffen (siehe Kap. 5).<br />

Wir informieren unsere Teilnehmenden über die besonderen Einflüsse<br />

des Wassers auf den Körper, damit sie eigenverantwortlich ihre<br />

Grenzen abschätzen können.<br />

8.3.1 Beachtung der inneren Faktoren<br />

Wir beachten die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden!<br />

Wir passen das Angebot an <strong>und</strong> vermeiden Überforderung!<br />

Wir gehen mit vorhandenen Beschwerden richtig um!<br />

Wir betonen die Selbstverantwortung!


Damit niemand friert, müssen wir in einer Wasserlektion <strong>im</strong>mer für<br />

hohe Bewegungsintensität sorgen (angepasst an die Wassertemperatur),<br />

aber so, dass die Teilnehmenden nicht überfordert sind. Die Kreis-<br />

laufbelastung dosieren wir sorgfältig <strong>und</strong> überprüfen sie mehrfach.<br />

Überprüfung der Kreislaufbelastung:<br />

• Kontrolle von Puls (angestrebte Pulswerte liegen <strong>im</strong> Wasser<br />

wegen dem Tauchreflex 10 bis 15 Schläge tiefer)<br />

• Überprüfung der Atmung (Sprechtest – kann während der<br />

Belastung noch gesprochen werden?)<br />

• Beobachtung der Teilnehmenden (der Puls als alleinige<br />

Belastungskontrolle genügt <strong>im</strong> Wasser nicht)<br />

• Erk<strong>und</strong>igung nach dem Befinden der Teilnehmenden<br />

Die eingeschränkte Seh- <strong>und</strong> Hörfähigkeit können wir durch besonders<br />

klare Instruktion <strong>und</strong> den Einsatz von Medien kompensieren.<br />

8.3.2 Beachtung der äusseren Faktoren<br />

Die äusseren Faktoren beeinflussen wir vor allem, indem wir den<br />

organisatorischen Eigenheiten von Wasser-Angeboten genügend<br />

Beachtung schenken.<br />

Die organisatorischen Eigenheiten des Wassers beachten, bedeutet für<br />

uns:<br />

• Weil die Orientierung <strong>im</strong> Wasser eingeschränkt ist <strong>und</strong> um Kollisionen<br />

zu vermeiden, sorgen wir jederzeit für klare Organisationsformen,<br />

d.h. es muss klar sein, wer sich wo <strong>und</strong> in welcher Richtung<br />

bewegt.<br />

• Wir setzen Medien ein (Organisationsform aufzeichnen, Markierungshilfen<br />

wie Leinen zum Abtrennen der Bahnen <strong>und</strong>/oder des<br />

Tiefwasserbereichs).<br />

• Wir gewährleisten eine hindernisfreie Bassinumgebung: Kabel der<br />

Musikanlage verstauen, Material sofort nach Gebrauch wegräumen<br />

usw.<br />

• Wir sorgen für die Absicherung des Musikgerätes (<strong>Sicherheit</strong>sstecker).<br />

• Wir setzen die Trennung von Nass- <strong>und</strong> Trockenzone <strong>im</strong> Bad als<br />

Mittel der Sturzprävention durch.<br />

• Pressiert's – passiert's: Ein Bad ist gr<strong>und</strong>sätzlich eine Flanierzone.<br />

Eile ist verboten, auch wenn man mal zu spät ist!<br />

• Die Teilnehmenden halten wir an, Badeschuhe zu tragen, damit sie<br />

nicht ausrutschen.<br />

• Am Bassinrand deponieren wir einen Behälter für die Brillen, um die<br />

Teilnehmenden zu ermuntern, ihre Sehhilfen so lange wie möglich<br />

zu tragen (Minderung des Sturzrisikos).<br />

Belastungskontrolle:<br />

siehe BLL,<br />

B. 3/S.15<br />

8.3.2<br />

Äussere<br />

Faktoren <strong>im</strong><br />

Aktionsfeld<br />

Wasser<br />

45


8.4 8.4 Spezielle Hinweise zum Aktionsfeld<br />

8.4.1<br />

8.4.2<br />

Baderegeln<br />

Hinweis:<br />

Checkliste<br />

ausfüllen zur<br />

Überprüfung<br />

des Angebotes<br />

(s. Kopiervorlagen<br />

in<br />

Kap. 12)<br />

8.5<br />

46<br />

8.4.1 Sturzprävention<br />

Das Wasser ist das opt<strong>im</strong>ale Trainingsmedium für die Sturzprävention.<br />

Wir können ohne Verletzungsrisiko das Gleichgewicht trainieren<br />

<strong>und</strong> das Umfallen üben.<br />

Übungsbeispiele:<br />

• Auf Gegenstände (Schw<strong>im</strong>mbrett, Pool-Noodle, Armringli) stehen<br />

<strong>und</strong> das Gleichgewicht halten<br />

• Gymnastikübungen auf einem Bein ausführen<br />

• Laufen mit vielen Richtungswechseln (auch auf Kommando)<br />

• Bewegungsformen mit geschlossenen Augen suchen<br />

Das in Kapitel 4 aufgeführte Min<strong>im</strong>alprogramm "Sturzprävention" lässt<br />

sich auch <strong>im</strong> Wasser in jede Lektion einbauen.<br />

8.4.2 Baderegeln<br />

Um die Ertrinkungsgefahr zu senken, empfiehlt die Schweizerische<br />

Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) die Einhaltung von sechs Baderegeln.<br />

Fünf dieser Regeln sind auch für den <strong>Seniorensport</strong> relevant:<br />

• Springe nie erhitzt ins Wasser!<br />

– Dein Körper braucht Anpassungszeit<br />

• Luftmatratzen <strong>und</strong> Schw<strong>im</strong>mhilfen gehören nicht ins tiefe<br />

Wasser! – Sie bieten keine <strong>Sicherheit</strong><br />

• Schw<strong>im</strong>me nie mit vollem oder ganz leerem Magen!<br />

– Warte nach üppigem Essen zwei St<strong>und</strong>en<br />

• Springe nie in trübe oder unbekannte Gewässer!<br />

– Unbekanntes kann Gefahr bergen<br />

• Schw<strong>im</strong>me lange Strecken nie allein! – Auch der besttrainierte<br />

Körper hat mal eine Schwäche<br />

8.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen<br />

Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG<br />

Geschäftsstelle Schweiz<br />

Postfach 161<br />

6207 Nottwil LU<br />

Tel. 041 939 21 21<br />

Fax 041 939 21 39<br />

www.slrg.ch<br />

info@slrg.ch


9. In einem Notfall richtig handeln<br />

Welche Handlungsschritte gehören zur Rettungskette?<br />

Welche weiteren Massnahmen müssen <strong>im</strong> Notfall<br />

eingeleitet werden?<br />

9.1 Rettungskette<br />

Bei einem allfälligen Notfall gehen wir systematisch nach der vorgegebenen<br />

Rettungskette vor. Darunter verstehen wir den in Phasen<br />

gegliederten Handlungsablauf zur Behebung einer Notsituation.<br />

9.1.1 Überblick verschaffen<br />

Eine Notfallsituation verlangt vom Helfer in erster Linie ein ruhiges,<br />

überlegtes <strong>und</strong> rasches Handeln. Ein systematisches Vorgehen –<br />

Schritt für Schritt, auch in einer einfachen Situation – ist unbedingt<br />

nötig, um den Erfolg einer Hilfeleistung nicht zum Vornherein zu<br />

gefährden.<br />

Übersicht gewinnen<br />

• Art des Unfalls<br />

• Standort, Umstände<br />

• Zahl der Patienten<br />

• Art der Verletzung (Grobbeurteilung)<br />

• besondere Umstände<br />

Überlegen<br />

• weitere Gefahren (für Patienten, Helfer)<br />

z.B. Zweitunfälle bei Verkehrsunfällen,<br />

Nachrutschen von Schnee <strong>und</strong> Steinschlag <strong>im</strong> Gebirge<br />

Handeln<br />

• Sichern des Patienten, der Helfer<br />

• Absichern der Unfallstelle<br />

9.1.2 Retten/Bergen<br />

Retten ist das Befreien von Patienten aus unmittelbarer Gefahr. Bergen<br />

bedeutet das Sicherstellen von Gegenständen <strong>und</strong> das Suchen<br />

nach tödlich verletzten Personen. Das Retten verlangt sofortiges<br />

Handeln.<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

9<br />

9.1<br />

9.1.1<br />

Überblick<br />

verschaffen<br />

9.1.2<br />

47


9.1.3<br />

Beurteilen<br />

9.1.4<br />

Alarmieren<br />

Die sechs W<br />

48<br />

9.1.3 Beurteilen von Verletzten<br />

Immer zuerst die verletzte Person ansprechen.<br />

Bei bewusstlosen Verletzten sofort Hilfe leisten <strong>und</strong> dabei nach dem<br />

internationalen ABC der Lebensrettung vorgehen:<br />

Bei der Lagerung des ansprechbaren Patienten:<br />

• Drohende Lebensgefahr abwenden<br />

• Verschlechterung des Allgemeinzustandes verhindern<br />

• Normale Körperfunktionen anstreben<br />

• Körper ruhig stellen, d.h. verletzte Körperteile fixieren<br />

• Schmerzen lindern<br />

A<br />

B<br />

C<br />

Bewusstsein<br />

Atemwege freilegen<br />

Atmung<br />

Beatmen (2 Stösse)<br />

Puls<br />

CPR<br />

NEIN<br />

NEIN<br />

NEIN<br />

9.1.4 Notfallmeldung/Alarmierung<br />

Hier geht es um das gezielte Herbeirufen von Hilfe <strong>und</strong> das Auslösen<br />

von Hilfsmassnahmen. Es ist wichtig, dass die Notfallmeldung<br />

vollständig abgegeben wird. Dies erfordert überlegtes <strong>und</strong> ruhiges<br />

Handeln. Erst alarmieren, wenn man über die unten aufgeführten<br />

sechs W Auskunft geben kann.<br />

Wer meldet?<br />

Was ist passiert?<br />

Wo ist der Unfall passiert?<br />

Wieviele Verunfallte (Erwachsene, Kinder)?<br />

Welche Lebensgefahr droht?<br />

> Bewusstlos?<br />

> Atemlos?<br />

> Schwerverletzt?<br />

Weitere Gefahr?<br />

JA<br />

JA<br />

JA<br />

Schock?<br />

Blutung ?<br />

Rückenverletzung ?<br />

Hitzschlag ?<br />

Weitere ?<br />

Bewusstlosenlagerung<br />

Beatmen


Meldestellen<br />

Je nach Situation ist die Sanität, die Rega oder der Arzt vor Ort, <strong>im</strong><br />

Zweifelsfalle aber die Polizei zu alarmieren. Sie übern<strong>im</strong>mt das Aufbieten<br />

weiterer Hilfsorganisationen <strong>und</strong> führt bei Grossereignissen<br />

die Koordination.<br />

• Polizei 117<br />

• Sanität 144<br />

9.1.5 Transport<br />

Vorerst gilt es, Massnahmen zu treffen, die die Transportfähigkeit<br />

eines Notfallpatienten gewährleisten. Diese muss aufrechterhalten<br />

werden durch die Sicherstellung der lebenswichtigen Körperfunktionen<br />

"Atmung" <strong>und</strong> "Kreislauf" <strong>und</strong> die Vermeidung weiterer Schädigungen.<br />

9.2 Weitere Massnahmen<br />

• Feuerwehr 118<br />

• Rega 1414<br />

•Örtlicher Arzt oder Spital ................................<br />

9.2.1 Schutz des Patienten<br />

Es ist darauf zu achten, dass die verletzte Person nur möglichst kurze<br />

Zeit den Witterungseinflüssen ausgesetzt ist. Sie ist vor den neugierigen<br />

Blicken der Zuschauer abzuschirmen. Nur die notwendigen<br />

Helfer bleiben vor Ort. Die anderen halten sich abseits der Unfallstelle<br />

auf <strong>und</strong> sollten z.B. durch einen Hilfsleiter betreut werden.<br />

9.2.2 Unterkühlung (akzidentelle Hypothermie)<br />

In schweren Fällen, d.h. bei Bewusstlosigkeit, Fehlen von Muskelzittern,<br />

oberflächlicher Atmung <strong>und</strong> kaum fühlbarem, langsamem<br />

Puls (Körpertemperatur 30 bis 28 Grad) besteht unmittelbare<br />

Lebensgefahr.<br />

Massnahmen:<br />

• Bewegungen bei <strong>und</strong> nach der Rettung möglichst vermeiden.<br />

• Einschlagen in Isolationsdecke zum Schutz vor Kälte, Feuchtigkeit<br />

<strong>und</strong> Wind (Zweckmässige Improvisationen: Wolldecke, Biwacksack,<br />

warme Kleidungsstücke, Bettflaschen, Zeitungen etc.).<br />

• Nasse Kleider nach Möglichkeit wechseln.<br />

Meldestellen<br />

9.1.5<br />

Transport<br />

9.2<br />

9.2.1<br />

9.2.2<br />

49


9.2.3 9.2.3 Verbrennungen <strong>und</strong> Verbrühungen<br />

Die Folgen von Verbrennungen <strong>und</strong> Verbrühungen können durch fachgerechte<br />

Soforthilfe am Unfallort <strong>und</strong> durch geeignete Massnahmen<br />

vor <strong>und</strong> während des Transportes entscheidend beeinflusst werden.<br />

9.2.4<br />

9.3<br />

9.4<br />

Notfallausrüstung<br />

9.5<br />

50<br />

• Brennende Kleider mit Wasser löschen<br />

• Verbrannte/verbrühte Körperstellen so rasch als möglich kühlen,<br />

am besten durch Abduschen, Eintauchen in kaltes Wasser. Auch<br />

während des Transportes Kühlung aufrechterhalten<br />

• Kleider nicht ausziehen!<br />

9.2.4 Beizug der Polizei (Tatbestandaufnahme)<br />

Bei schweren Verletzungen des Verunfallten wird die Polizei von<br />

Amtes wegen den Tatbestand aufnehmen. Es ist daher wichtig, vor<br />

einer Veränderung der Unfallsituation die Lage der Verletzten auf<br />

dem Boden zu markieren (Oelkreide), sich eine Situationsskizze mit<br />

ungefähren Massangaben zu erstellen, ev. fotografisch festzuhalten,<br />

um bei einer allfälligen Rekonstruktion die notwendigen Angaben<br />

machen zu können.<br />

9.3 Gefahrenquellen eruieren<br />

Nach Abschluss der Ersten Hilfe sind allfällige Gefahrenquellen, die<br />

zum Unfall führten, zu eruieren. Die Frage des "Warum ist es passiert"<br />

ist erst in zweiter Priorität anzugehen.<br />

9.4 Notfallausrüstung für Sportleitende<br />

In der Verantwortung der Sportleitenden liegen:<br />

• Notfallapotheke (schnellen Zugriff gewährleisten <strong>und</strong> den genauen<br />

Standort kennen; je nach Angebot mittragen)<br />

• Das Vorliegen der Notfallnummern <strong>und</strong> die Sicherstellung der<br />

telefonischen Alarmierung (Nummern <strong>und</strong> gegebenenfalls Handy<br />

mittragen)<br />

• Nothilfeausweis/Notfallblatt der Teilnehmenden, je nach Angebot<br />

(Kap. 5.1.3)<br />

9.5 Kontakte <strong>und</strong> Anlaufstellen, z.B. für Hinweise auf<br />

Weiter- <strong>und</strong> Fortbildungen<br />

Samariterb<strong>und</strong> Schweiz Schweizerische Lebensrettungs-<br />

Zentralsekretariat Gesellschaft SLRG<br />

Martin-Disteli-Strasse 27 Geschäftsstelle Schweiz<br />

4600 Olten SO Postfach 161<br />

Tel. 062 286 02 00 6207 Nottwil LU<br />

Fax 062 286 02 02 Tel. 041 939 21 21<br />

www.samariter.ch Fax 041 939 21 39<br />

office@samariter.ch www.slrg.ch<br />

info@slrg.ch


10. Sich rechtlich absichern<br />

Welche Überlegungen über die rechtliche Absicherung eines<br />

Angebotes sind angebracht? Inwiefern kann der Leitende eines Angebotes<br />

haftbar gemacht werden?<br />

Die Ausübung von Bewegung, Spiel <strong>und</strong> Sport ist auch mit gewissen<br />

Unfallrisiken verb<strong>und</strong>en. Daraus ergeben sich zwangsläufig Rechtsfragen<br />

für Teilnehmende, Leitende <strong>und</strong> auch Veranstaltende von <strong>Seniorensport</strong>angeboten.<br />

Als Folge des komplexen Zusammenspiels der<br />

verschiedenen <strong>Sicherheit</strong>s- <strong>und</strong> Unfallfaktoren können indes keine allgemeingültigen<br />

"Rezeptbücher" zur Vermeidung jeglicher rechtlicher<br />

Probleme <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong> verfasst werden. Vielmehr sollen die<br />

nachstehenden Ausführungen zur Sensibilisierung aller Beteiligter hinsichtlich<br />

<strong>Unfallprävention</strong>, Verantwortungsbewusstsein <strong>und</strong> Auseinandersetzung<br />

mit der rechtlichen Problematik beitragen.<br />

10.1 Zustandsabklärung <strong>und</strong> Angebotsausschreibung<br />

Im Sinne der Eigenverantwortung <strong>und</strong> der <strong>Unfallprävention</strong> sinnvoll<br />

<strong>und</strong> zu empfehlen ist eine Eignungsuntersuchung für die Ausübung<br />

von <strong>Seniorensport</strong>, wenngleich <strong>im</strong> Freizeitbereich solche gesetzlich<br />

vorgeschriebenen Eignungsuntersuchungen fehlen. Der Mensch hat<br />

sich seinen physischen <strong>und</strong> psychischen Möglichkeiten anzupassen,<br />

auch wenn er dabei seine Bedürfnisse <strong>und</strong> Wünsche zurückstecken<br />

muss. Eine derartige Ges<strong>und</strong>heits-/Zustandsabklärung ist vorab Sache<br />

jeder einzelnen <strong>Seniorensport</strong>lerin <strong>und</strong> jedes einzelnen <strong>Seniorensport</strong>lers,<br />

wenn sie/er sich nicht dem Vorwurf fahrlässigen Handelns aussetzen<br />

will. Je nach Sportart <strong>und</strong> Leistungsanforderungen sollten aber<br />

auch die <strong>Seniorensport</strong>veranstaltenden bzw. -leitenden bei den Teilnehmenden<br />

solche Abklärungen anregen oder auch fordern.<br />

In jedem Falle muss die Kursausschreibung unmissverständlich die<br />

zur Teilnahme erforderlichen Voraussetzungen <strong>und</strong> Anforderungen<br />

offen legen.<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Anforderungen<br />

klären<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Wir prüfen genau, welche Anforderungen die Teilnehmenden in unserem Angebot<br />

erfüllen müssen. Wir halten die Teilnehmenden dazu an, die Erfüllung dieser Anforderungen<br />

in eigener Verantwortung abklären zu lassen <strong>und</strong> behalten uns vor, Teilnehmende<br />

zurückzuweisen, wenn wir die Verantwortung nicht übernehmen können.<br />

Auf jeden Fall deklarieren wir die Anforderungen unmissverständlich – vor allem<br />

auch in der Ausschreibung des Angebotes.<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

für die <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Bewegungskultureller Lebenstil<br />

10<br />

Ges<strong>und</strong>heit, Wohlbefinden, Lebensqualität, Handlungsfähigkeit<br />

Sich rechtlich absichern<br />

Im Notfall richtig handeln<br />

Unfälle vermeiden<br />

Mit <strong>Seniorensport</strong> Beiträge leisten<br />

B Begreifen<br />

B Begegnen<br />

Fakten kennen<br />

Das Älterwerden verstehen<br />

Der sich<br />

bewegende,<br />

älter werdende<br />

Mensch<br />

B Behalten<br />

B Bewegen<br />

Voraussetzungen, Kompetenzen, Ressourcen<br />

10.1<br />

51


10.2<br />

Sorgfaltspflicht<br />

beachten<br />

10.3<br />

52<br />

10.2 Haftungsbeschränkungen<br />

Es stellt sich die Frage, ob drohende Haftbarkeiten durch Veranstaltende<br />

<strong>und</strong>/oder Leitende zum Vornherein ausgeschlossen oder<br />

beschränkt werden können. Derartige Haftungsbeschränkungen sind<br />

jedoch nur in best<strong>im</strong>mten Grenzen zulässig <strong>und</strong> wirksam. Jede Haftungswegbedingung<br />

<strong>im</strong> Voraus ist nur möglich durch vertragliche<br />

Abrede zwischen dem potenziell Geschädigten <strong>und</strong> dem in Frage<br />

kommenden Haftpflichtigen. Es kann nicht einseitig gegenüber unbest<strong>im</strong>mten<br />

Dritten erklärt werden, auf keinen Fall haftbar zu sein.<br />

Im Weiteren ist eine zum Voraus getroffene Verabredung, wonach<br />

die Haftung für grobe Fahrlässigkeit oder absichtliche Schädigung<br />

ausgeschlossen sein soll, nichtig, d.h. unwirksam (Art. 100 <strong>im</strong> Obligationenrecht).<br />

Auf alle Fälle sind Haftungsbeschränkungsklauseln<br />

nie ein Freipass für Unsorgfalt.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Eine Haftung für grobe Fahrlässigkeit bzw. absichtliche Schädigung kann weder von<br />

uns als Leitende noch vom Veranstalter zum Vornherein ausgeschlossen werden.<br />

Daher müssen wir uns in jedem Falle über unsere Sorgfaltspflicht <strong>im</strong> Klaren sein.<br />

10.3 Versicherungen<br />

Versicherungen können durch Gesetz oder Vertrag verpflichtet sein,<br />

bei einem Unfall für entstandene Schäden aufzukommen. Einen<br />

ersten Überblick über die Versicherungsbeziehungen, die nach einem<br />

Sportunfall zum Tragen kommen können, liefert die folgende Tabelle.<br />

Krankenkasse obligatorisch<br />

deckt auch Unfallkosten deckt Unfallkosten<br />

deckt Ansprüche gegen<br />

den Teilnehmenden<br />

private Unfallversicherung<br />

TEILNEHMENDE, LEITENDE, VERANSTALTER<br />

Privathaftpflichtversicherung<br />

deckt Ansprüche gegen<br />

den Veranstalter<br />

Veranstalterhaftpflichtversicherung<br />

Veranstaltende <strong>und</strong> Leitende von <strong>Seniorensport</strong>angeboten sollten<br />

vor Aufnahme ihrer Tätigkeit abklären, welche Versicherungen bei<br />

den Teilnehmenden schon bestehen <strong>und</strong> welche zusätzlichen Versicherungsmöglichkeiten<br />

<strong>im</strong> Zusammenhang mit dem geplanten<br />

Angebot sinnvoll wären. Für entsprechende Informationen sind die<br />

Teilnehmenden sicherlich auch dankbar.


10.3.1 Versicherungen für Teilnehmende<br />

Aus der Sicht als potenzielle<br />

Unfallopfer<br />

A. Krankenkasse:<br />

Die Krankenversicherung ist die<br />

Basisversicherung für alle ges<strong>und</strong>heitlichen<br />

Schädigungen.<br />

Gr<strong>und</strong>sätzlich muss jede Person<br />

mit Wohnsitz in der Schweiz obligatorisch<br />

eine Krankenpflegeversicherung<br />

abschliessen (Art. 3 B<strong>und</strong>esgesetz<br />

über die Krankenversicherung,<br />

KVG). Diese Versicherung<br />

gewährt Leistungen bei Krankheit<br />

<strong>und</strong> Unfall; letzteres aber nur, soweit<br />

dafür keine Unfallversicherung<br />

aufkommt (Art. 1 KVG ; sog.<br />

Subsidiaritätsprinzip).<br />

B. Unfallversicherung:<br />

Alle in der Schweiz beschäftigten<br />

Arbeitnehmerinnen <strong>und</strong> Arbeitnehmer<br />

sind gr<strong>und</strong>sätzlich obligatorisch<br />

gegen Unfälle versichert (Art.<br />

1 UVG). Keine gesetzliche Unfallversicherung<br />

besteht hingegen für<br />

die nicht mehr erwerbstätigen Personen<br />

(z.B. Senioren). <strong>Seniorensport</strong>treibende<br />

sollten sich rechtzeitig<br />

be<strong>im</strong> Veranstalter des Angebotes<br />

erk<strong>und</strong>igen, ob die Teilnehmenden<br />

allenfalls kollektiv gegen Unfall<br />

versichert sind. Wenn nicht,<br />

dann lohnen sich Abklärungen bezüglich<br />

der Bedingungen/Konditionen<br />

einer privaten (Einzel-) Unfallversicherung<br />

resp. bezüglich der<br />

hierfür in der obligatorischen Krankenversicherung<br />

vorhandenen Unfalldeckung.<br />

Aus der Sicht als potenzielle<br />

Unfallverursacher<br />

Haftpflichtversicherung:<br />

<strong>Seniorensport</strong>treibende können<br />

nicht nur Unfälle erleiden, sondern<br />

auch verursachen <strong>und</strong> damit unter<br />

Umständen mit Haftpflichtforderungen<br />

der verletzten Person konfrontiert<br />

werden. Die Haftpflichtversicherung<br />

übern<strong>im</strong>mt in solchen Fällen<br />

die Zahlung begründeter Ansprüche<br />

des Geschädigten bzw. sie<br />

sorgt für die Abwehr unbegründeter<br />

Ansprüche.<br />

Es ist die Aufgabe jedes Einzelnen,<br />

für eine derartige Versicherung zu<br />

sorgen. In der Regel ist die sogenanntePrivathaftpflichtversicherung<br />

in der Hausratsversicherung<br />

eingeschlossen.<br />

10.3.1<br />

Auf<br />

Versicherungsschutz<br />

hinweisen<br />

53


10.3.2<br />

Den<br />

eigenen<br />

Versicherungsschutz<br />

überprüfen<br />

54<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Wir weisen unsere Teilnehmenden darauf hin, dass sie ihren Versicherungsschutz<br />

(Krankenkasse, Unfallversicherung, Haftpflichtversicherung) rechtzeitig vor der geplanten<br />

Teilnahme am <strong>Seniorensport</strong>angebot überprüfen <strong>und</strong> allenfalls verbessern<br />

sollten. Insbesondere weisen wir unsere Teilnehmenden darauf hin, dass sie für<br />

eine Unfallversicherung selber besorgt sein müssen.<br />

10.3.2 Versicherungen für Veranstaltende <strong>und</strong> Leitende<br />

Aus der Sicht als potenzielle<br />

Unfallopfer<br />

A. Krankenkasse:<br />

Das oben unter Ziffer 10.3.1 für<br />

die Teilnehmenden Gesagte gilt<br />

analog auch für Veranstaltende<br />

<strong>und</strong> Angebotsleitende.<br />

B. Unfallversicherung:<br />

Gemäss der Gesetzgebung über<br />

die Unfallversicherung muss<br />

gr<strong>und</strong>sätzlich jede Arbeitnehmerin<br />

<strong>und</strong> jeder Arbeitnehmer gegen<br />

Berufsunfälle <strong>und</strong> ab acht Arbeitsst<strong>und</strong>en<br />

wöchentlich auch gegen<br />

Nichtberufsunfälle obligatorisch<br />

durch den Arbeitgeber versichert<br />

sein. Selbständigerwerbende<br />

können sich freiwillig gleich wie<br />

die obligatorisch dem UVG unterstellten<br />

Personen versichern lassen.<br />

Dies ist bei der Suva, bei privaten<br />

Unfallversicherern oder bei<br />

Krankenkassen möglich.<br />

Aus der Sicht als potenzielle<br />

Unfallverursacher<br />

Haftpflichtversicherung:<br />

Nicht nur einzelne <strong>Seniorensport</strong>treibende,<br />

sondern beispielsweise<br />

auch ein veranstaltender Verein/<br />

Verband oder einzelne Angebotsleitende<br />

können als Unfallverursacher<br />

gelten <strong>und</strong> haftpflichtig<br />

werden. Eine Vereins- <strong>und</strong>/oder<br />

Veranstalterhaftpflichtversicherung<br />

ist hier sinnvoll. Auch diesbezüglich<br />

ist <strong>im</strong> Einzelfall abzuklären,<br />

welche Versicherungen<br />

schon bestehen <strong>und</strong> welche Zusatzversicherungen<br />

möglich sind.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Wir klären ab, ob wir selbst ausreichend unfallversichert sind. Dazu können wir auch<br />

bei der eigenen <strong>Seniorensport</strong>-Organisation (z.B. Pro Senectute) Informationen einholen.<br />

Eine normale Privathaftpflichtversicherung ist möglicherweise für uns als<br />

Leitende keine ausreichende Lösung. Je nach Angebot, für das wir zuständig sind,<br />

klären wir ab, ob wir selber eine Lösung brauchen oder ob die Organisation, bei der<br />

wir tätig sind, eine befriedigende Lösung anbieten kann.


10.4 Auswahl möglicher Rechtsfragen nach einem Unfall<br />

10.4.1 Frage der Haftung<br />

Im Haftpflichtrecht geht es um die Frage, ob jemand für den Schaden<br />

(Unfall) eines Andern verantwortlich <strong>und</strong> in welchem Ausmass<br />

dieser Schaden allenfalls zu ersetzen ist. Für alle Schadenfälle geht<br />

das Haftpflichtrecht vom Gr<strong>und</strong>satz aus, dass Geschädigte vorab<br />

ihren Schaden selber tragen müssen. Die Abwälzung des Schadens<br />

auf Ersatzpflichtige bildet somit eine Ausnahme.<br />

Für die Schadensabwälzung stehen zwei Möglichkeiten <strong>im</strong> Vordergr<strong>und</strong>:<br />

entweder können Geschädigte aus einer vorbestehenden<br />

vertraglichen Beziehung Haftungsansprüche gegen Vertragspartner<br />

ableiten oder jemanden aufgr<strong>und</strong> einer ausservertraglichen/gesetzlichen<br />

Norm zur Verantwortung ziehen.<br />

Das Verschulden, d.h. der Vorwurf an Schädiger, die Schädigung<br />

anderer nicht verhindert zu haben, obwohl sie hierzu in der Lage<br />

<strong>und</strong> dazu auch verpflichtet gewesen wären, bildet dabei gr<strong>und</strong>sätzlich<br />

die Berechtigung der Schadensüberwälzung.<br />

Im Bereich des ausservertraglichen Haftpflichtrechts gibt es neben<br />

der allgemeinen Verschuldenshaftung auch noch sogenannte Kausalhaftungen.<br />

Diese führen zu einer noch strengeren Verantwortlichkeit,<br />

da sie kein Verschulden der Haftpflichtigen, sondern nur eine<br />

besondere Beziehung der Haftpflichtigen zum haftungsbegründenden<br />

Tatbestand voraussetzen (so können sich beispielsweise<br />

Eigentümer oder Betreiber von Sportanlagen haftbar machen, wenn<br />

Mängel an den Anlagen zu Unfällen führen).<br />

Daraus folgt, dass je nach Unfallursache den Geschädigten mehrere<br />

Leistungspflichtige gegenüberstehen können.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Wir halten uns in unserem Angebot an die <strong>im</strong> Vertrag oder der Angebotsausschreibung<br />

gemachten Angaben. Dabei unterlassen wir nichts, was der <strong>Unfallprävention</strong><br />

dienen würde (<strong>Sicherheit</strong>smodell, insbesondere Stufe 4, Kap. 5–8; Checklisten ausfüllen!).<br />

Nicht nur in der Funktion als <strong>Seniorensport</strong>leitende, sondern auch als anderweitig an<br />

<strong>Seniorensport</strong>angeboten beteiligte Personen (z.B. Eigentümer/Betreiber von Sportanlagen,<br />

Kursleitende oder Veranstaltende) müssen wir uns unserer Verantwortung<br />

bewusst sein <strong>und</strong> Unfällen vorbeugen; ansonsten besteht ein Haftungsrisiko.<br />

10.4<br />

10.4.1<br />

<strong>Sicherheit</strong>smodell<br />

beachten,<br />

Checkliste ausfüllen.<br />

55


10.4.2<br />

Auf<br />

Eigenverantwortung<br />

aufmerksam<br />

machen<br />

56<br />

10.4.2 Selbstverschulden <strong>und</strong> Eigenverantwortung<br />

Unfälle anlässlich von <strong>Seniorensport</strong>veranstaltungen lassen sich nie<br />

vollständig vermeiden. Geschädigte können jedoch nicht für jeden<br />

erlittenen Schaden eine Drittperson verantwortlich machen. Manchmal<br />

müssen sie sich eigenes Verschulden anrechnen lassen, was je<br />

nach Ausmass zur Ermässigung oder zum Ausschluss der Ersatzpflicht<br />

führen kann. Zudem sind gewisse Risiken untrennbar mit<br />

einer Sportart verb<strong>und</strong>en <strong>und</strong> gelten als von Ausübenden akzeptiert<br />

(z.B. die Gefahr eines Sturzes be<strong>im</strong> Geländelauf).<br />

Die Eigenverantwortung der am <strong>Seniorensport</strong> Teilnehmenden hat<br />

demnach einen hohen Stellenwert. Nur der Einzelfall erlaubt aber<br />

eine genauere Umschreibung der Grenzen dieser Eigenverantwortung<br />

<strong>und</strong> damit des Beginns der Verantwortung bzw. Haftung von<br />

anderen.<br />

Für uns als Sportleitende bedeutet dies:<br />

Wir machen die Teilnehmenden auf ihre Eigenverantwortung aufmerksam, z.B. sollen<br />

sich diese selber vergegenwärtigen, ob für sie eine Velotour von drei St<strong>und</strong>en zu<br />

bewältigen sei. Dazu weisen wir auch eindeutig auf die normalen, aber eben vorhandenen<br />

Begebenheiten in einem Bewegungsangebot hin. So findet beispielsweise<br />

Skifahren nun einmal draussen statt, was automatisch mit Kälte <strong>und</strong> Nässe verb<strong>und</strong>en<br />

sein kann.


11 11. Literatur<br />

Literatur<br />

58<br />

AEBERSOLD, CHR.; HELD, T.; MARTI,B.: Leistungsfähigkeit von Ausdauerathleten<br />

<strong>im</strong> Seniorenalter: Eine Vergleichsstudie mit männlichen <strong>und</strong> weiblichen Orientierungsläufern.<br />

Schweiz. Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie 45 (2), 1997, 89–93.<br />

ALLENBACH, R.: Nichtberufsunfälle in der Schweiz. Das gesamte Ausmass für das<br />

Jahr 1997. bfu-Pilotstudie. Bern: bfu, 2000.<br />

BAUMGARTNER, A.; RÖTHLISBERGER, E.: Seniorengruppen leiten – aber sicher:<br />

Eine Arbeitshilfe für Leiterinnen <strong>und</strong> Leiter von Seniorengruppen <strong>und</strong> Seniorenkursen.<br />

Pro Senectute Schweiz. Zürich: 1992.<br />

BEER, V.; MINDER, CHR.; HUBACHER, M.; ABELIN, TH.: Epidemiologie der<br />

Seniorenunfälle. bfu-Report 42. Bern: bfu, 2000.<br />

BFU: Merkblätter Schneesport, Velotouren, Wanderungen. Bern: bfu, 2000.<br />

BRUNNER, M.; FIRMIN, F.: Basis-Lern-Lehrmittel <strong>Seniorensport</strong> Schweiz. Eidgenössische<br />

Sportschule Magglingen (BASPO), 1999.<br />

CALMONTE, R.; KÄLIN, W: Körperliche Aktivität <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heit in der Schweizer<br />

Bevölkerung. Sek<strong>und</strong>äranalyse der Daten zur Schweizerischen Ges<strong>und</strong>heitsbefragung<br />

1992. Institut für Sozial- <strong>und</strong> Präventivmedizin, 1997.<br />

CWIKEL, J.; FRIED, A. V.: The social epidemiology of falls among communitydwelling<br />

elderly: guidelines for prevention. Disability and Rehabilitation 14 (3),<br />

1992 113–121.<br />

EHRSAM, R.:Training <strong>und</strong> Trainierbarkeit der aeroben Kapazität <strong>im</strong> Alter. Schweiz.<br />

Zeitschrift für Sportmedizin <strong>und</strong> Sporttraumatologie 45 (2), 1997, 75–82.<br />

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1995.<br />

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Admission to a Nursing Home. NEJM 337 (18), 1997, 1279–1284.<br />

Literatur<br />

59


Kontakte<br />

60<br />

<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

Kontakte Herausgeber<br />

Schweizerische Beratungsstelle<br />

für Unfallverhütung bfu<br />

Laupenstr. 11<br />

3001 Bern<br />

Tel. 031 390 22 22<br />

Fax 031 390 22 30<br />

www.bfu.ch<br />

sport@bfu.ch<br />

B<strong>und</strong>esamt für Sport Magglingen<br />

BASPO<br />

2532 Magglingen<br />

Tel. 032 327 61 11<br />

Fax 032 327 64 04<br />

www.baspo.ch<br />

senior.sport@baspo.admin.ch<br />

Swiss Olympic<br />

<strong>Seniorensport</strong>, Abteilung Sport<br />

Haus des Sportes<br />

Laubeggstr. 70<br />

3000 Bern 32<br />

Tel. 031 359 71 11<br />

Fax 031 352 33 80<br />

www.swissolympic.ch<br />

seniorensport@swissolympic.ch


12.1 Sturzprävention: Min<strong>im</strong>alprogramm<br />

Varianten<br />

Beispielprogramm<br />

Variante 3<br />

Beispielprogramm<br />

Variante 2<br />

Beispielprogramm<br />

Variante 1<br />

Trainingsempfehlungen<br />

(erhöhter Stand, z.B. auf Dachlatte)<br />

•Führen Sie die Übungen in der vorgegebenen Reihenfolge<br />

aus.<br />

• Die Übungen 1 <strong>und</strong> 2 dienen als Einstieg <strong>und</strong> werden je ca.<br />

1 bis 2 Minuten ausgeführt.<br />

•Die Übungen 3, 4 <strong>und</strong> 5 sind gezielte Kräftigungsübungen.<br />

Führen Sie jeweils 10 bis 20 kontrollierte <strong>und</strong> langsame<br />

Bewegungswiederholungen aus (linke <strong>und</strong> rechte Seite).<br />

•Wiederholen Sie zur Steigerung die Übungen 3, 4 <strong>und</strong> 5<br />

als Serie ein zweites <strong>und</strong> drittes Mal.<br />

für Marianne, 80 Jährig für Guido, 70 Jährig für Peter, 55 Jährig<br />

Arme heben <strong>und</strong><br />

senken,<br />

beugen <strong>und</strong> strecken<br />

Arme heben <strong>und</strong><br />

senken, beugen<br />

<strong>und</strong> strecken<br />

Arme heben <strong>und</strong><br />

senken<br />

Schritte mit<br />

Seitwärtsverschiebung<br />

erhöht<br />

Schritte an Ort<br />

Schritte mit Seitwärtsverschiebung<br />

Übung 1, Koordination:<br />

Gleichzeitiges Bewegen der Arme <strong>und</strong> Beine<br />

Übungen zur Verbesserung der Koordination<br />

(Zusammenspiel der Arme <strong>und</strong> Beine)<br />

• Gleichzeitig mit dem freien<br />

Bein verschiedene Bewegungen<br />

ausführen<br />

• Gleichzeitig Armbewegungen<br />

ausführen<br />

• Übungen mit geschlossenen<br />

Augen ausführen<br />

Übung 2, Koordination:<br />

Stand auf einem Bein<br />

Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts <strong>und</strong><br />

der Stabilität in den Knie- <strong>und</strong> Fussgelenken<br />

Übung 3, Kraft:<br />

Beinstrecken<br />

Übungen zur Kräftigung der Oberschenkel- <strong>und</strong><br />

Gesässmuskulatur<br />

Übung 4, Kraft:<br />

Wadenheben<br />

Übungen zur Kräftigung der Wadenmuskulatur<br />

Übung 5, Kraft:<br />

Vorderfussheben<br />

Übungen zur Kräftigung der Fusshebemuskulatur<br />

Kopiervorlage: aus “<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>” © bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic 2001<br />

61


62<br />

12.2 Checkliste<br />

Diese dient der allgemeinen Kontrolle nach der Planung eines Angebotes. Aussagen, die<br />

nicht eindeutig mit JA beantwortet werden können, sind zu überdenken.<br />

Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden beachten!<br />

Ich habe die Veränderungen be<strong>im</strong> Älterwerden bei der Vorbereitung meines Angebotes beachtet. Ja<br />

Ich habe die verminderte Kraftfähigkeit berücksichtigt. Ja<br />

Ich habe die verminderte Funktionalität der Gelenke berücksichtigt. Ja<br />

Ich habe die Einschränkungen des Herz-Kreislauf-Systems berücksichtigt. Ja<br />

Ich habe die Abnahme des Seh- <strong>und</strong> Hörvermögens berücksichtigt. Ja<br />

Die nötigen Fakten kennen!<br />

Ich kenne die besonderen Sturzgefahrenquellen in meinem Angebot. Ja<br />

Beiträge an die <strong>Unfallprävention</strong> leisten!<br />

Ich weiss konkret, welchen Nutzen für die Ges<strong>und</strong>heit <strong>und</strong> die Fitness der Teilnehmenden ich in<br />

meinem Angebot anstrebe. Ja<br />

Ich habe das Min<strong>im</strong>alprogramm in die Vorbereitung meines Angebotes integriert. Ja<br />

Innere Faktoren berücksichtigen <strong>und</strong> Überforderung vermeiden!<br />

Ich habe konkrete Instrumente zur Belastungssteuerung <strong>und</strong> zur Vermeidung von<br />

Überforderung in meinem Angebot verfügbar. Ja<br />

Ich kenne vorhandene Beschwerden der Teilnehmenden <strong>und</strong> weiss, wie damit umgehen. Ja<br />

Ich weiss, wie ich die Teilnehmenden auf ihre Eigenverantwortung hinweise. Ja<br />

Bei Outdoorangeboten!<br />

Die äusseren Faktoren "Gelände", "Wetter/Witterung", "Ausrüstung/Sportgeräte", "Distanzen",<br />

"Mitmenschen" <strong>und</strong> "Zeitliche Rahmenbedingungen" in meinem Angebot habe ich<br />

abgeklärt <strong>und</strong> kenne die möglicherweise daraus resultierenden Gefahren. Ja<br />

Der genaue Ablauf des Angebotes ist mir bekannt, er kann so gewährleistet werden. Ja<br />

Ich habe die sportartspezifischen <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien in meine Planung miteinbezogen. Ja<br />

Bei Indoorangeboten!<br />

Ich habe die Anliegen an einen organisatorisch einwandfreien Ablauf<br />

meines Angebotes in meiner Planung berücksichtigt. Ja<br />

Ich habe die sportartspezifischen <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien in meine Planung miteinbezogen. Ja<br />

Im Wasser!<br />

Ich weiss, welche besonderen Unfallgefahren <strong>im</strong> Wasser vorhanden sind. Ja<br />

Ich kenne die Konsequenzen aus den veränderten inneren <strong>und</strong> äusseren Unfallfaktoren<br />

<strong>im</strong> Wasser <strong>und</strong> weiss, wie ich ihnen begegne. Ja<br />

Ich habe die sportartspezifischen <strong>Sicherheit</strong>srichtlinien in meine Planung miteinbezogen. Ja<br />

Im Notfall!<br />

Ich kenne die Rettungskette <strong>im</strong> Falle eines Notfalles <strong>und</strong> ich bin auf die zu treffenden Massnahmen<br />

vorbereitet. Ja<br />

Ich habe Zugriff zu einer Notfallapotheke, die Notfallnummern sind verfügbar <strong>und</strong> eine allfällige<br />

Alarmierung ist gewährleistet. Ja<br />

Ich habe <strong>im</strong> Notfall Zugriff auf wichtige Daten <strong>und</strong> Angaben der Teilnehmenden. Ja<br />

Die rechtliche Situation beachten!<br />

Ich habe die Teilnehmenden auf die Anforderungen <strong>und</strong> Besonderheiten<br />

in meinem Angebot aufmerksam gemacht. Ja<br />

Mein Angebot entspricht der Ausschreibung. Ja<br />

Ich habe meine Versicherungssituation (v.a. Haftpflicht <strong>und</strong> Unfall) abgeklärt. Ja<br />

Kopiervorlage: aus “<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong>” © bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic 2001


Notizen<br />

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<strong>Sicherheit</strong> <strong>und</strong> <strong>Unfallprävention</strong> <strong>im</strong> <strong>Seniorensport</strong><br />

© 2001 bfu, BASPO Magglingen, Swiss Olympic

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