Nulltoleranz im Verkehr - Sucht Schweiz

suchtschweiz.ch

Nulltoleranz im Verkehr - Sucht Schweiz

Hintergründe

und Positionen

zu legalen und

illegalen Drogen

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STAND

Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme

Nulltoleranz im Verkehr

Foto: Pedrazzetti

PUNKTE

4-5 Die zweitsüsseste Versuchung

Die aufgrund ihres hohen Zuckergehalts speziell bei Jugendlichen beliebten Alcopops fanden

lange Zeit reissenden Absatz. Unter anderem dank der starken Besteuerung ist der Umsatz nun

eingebrochen. Jetzt sind neue, weniger gezuckerte Getränke auf den Markt gelangt.

6-9 Null Einigkeit bei Nulltoleranz

Ab dem 1. Januar 2005 gilt im Verkehr die 0,5-Promillegrenze und Nulltoleranz in Sachen Drogen.

Dürfen sich Gelegenheitskiffer nun nie mehr ans Steuer setzen? Bei Polizei, Behörden und

Rechtsmedizinern hat die neue Gesetzgebung für rauchende Köpfe gesorgt.

11 Drogen statt Vitamine

Die Schweizer Jugendlichen trinken sich vermehrt in den Rausch, sie kiffen mehr und ernähren

sich gleichzeitig ungesünder als früher. Dies ist das ernüchternde Resultat der internationalen

Schülerstudie HBSC. Die Zahl der Unfälle und Verletzungen nahm seit 1994 um 15 Prozent zu.


AUS BUND UND KANTONEN

Werbung für so genannte

«Light-Zigaretten» ist seit

dem 1. November verboten.

Foto: SFA

2 3

Schutz vor Passivrauchen

Gutzwiller lanciert Initiative

Der Zürcher FDP-Nationalrat Felix Gutzwiller hat am 8.

Oktober eine parlamentarische Initiative zum Schutz

der Nichtrauchenden eingereicht. «Täglich stirbt in der

Schweiz ein Mensch am Tabakrauch, obwohl er nie geraucht

hat», heisst es im Begründungstext, «die Kosten

für das Gesundheitswesen und die Wirtschaft sind

immens, das menschliche Leid ist gross, und die alltägliche

Freiheitsbeschränkung für die grosse Mehrheit

der Schweizer Bevölkerung ist beträchtlich». Gutzwiller

fordert einen besseren Schutz der Gesellschaft

und Wirtschaft vor den «gesundheitsschädigenden

und einschränkenden Wirkungen des passiven Rauchens».

Zu diesem Zweck sei eine Gesetzesänderung

unerlässlich. Nur so könne der Schutz der Nichtrauchenden

vor dem schädlichen Nebenstromrauch an

Arbeitsplätzen sowie in öffentlich zugänglichen Räumen

und Verkehrsmitteln gewährleistet werden. Gutzwiller

hat die Initiative auf Anregung der Stiftung pro

Aere eingereicht.

Rauchverbote im

Kanton Bern

EVP-Grossrat Löffel reicht Motion ein

Ruedi Löffel, Projektleiter der Fachstelle für Suchtprävention

des Blauen Kreuzes und Berner EVP-

Grossrat, hat am 18. November zwei Motionen zum

Schutz vor dem Passivrauchen eingereicht. Er fordert

den Regierungsrat auf, das Gastgewerbegesetz so anzupassen,

dass in Restaurants künftig nicht mehr geraucht

werden darf, resp. nur noch in klar abgetrennten,

mit Lüftung versehenen Räumen. Die zweite Motion

verlangt, dass der Regierungsrat das Rauchen in

öffentlich zugänglichen Innenräumen in Schulen, Sportanlagen,

Verwaltungsgebäuden, Versammlungslokalen,

Spitälern, Kinos und Theatern generell untersagt.

Löffel beruft sich auf das WHO-Rahmenübereinkommen,

das die Schweiz unterzeichnet hat. Ferner erinnert

er an das Beispiel der Tessiner Regierung, welche

die Botschaft verabschiedet hat, öffentlich zugängliche

Räume seien in Zukunft rauchfrei zu gestalten.

Alkohol am Steuer

Jede(r) Dritte gefährdet

Mit der Einhaltung der Promillegrenze nahmen es die

Fahrzeuglenkenden in der Schweiz bisher nicht allzu

genau: Jede(r) Fünfte gab bei einer Befragung im Oktober

an, sich gelegentlich auch mit einer Blutalkoholkonzentration

von über 0,8 Promille ans Steuer zu

setzen. Fragte man nach dem ab 1. Januar 2005 geltenden

Grenzwert 0,5, so gaben 38 Prozent der

Befragten an, ihn manchmal zu überschreiten. Die

hohen Werte sind offenbar damit zu begründen, dass

die wenigsten damit rechnen, in eine Kontrolle zu

kommen: Vier von fünf Motorfahrzeuglenkenden

rechnen nie oder selten mit einer Alkoholkontrolle (in

der Westschweiz sind es sogar 93 Prozent!). Gleichzeitig

vertreten aber 62 Prozent der Befragten die Ansicht,

Fahren in angetrunkenem Zustand sei kriminell;

57 Prozent wünschen sich mehr Alkoholkontrollen,

besagt die Befragung des Bundesamts für Statistik

und der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Dank

der Möglichkeit, ab dem 1. Januar verdachtsfrei die

Atemluft zu kontrollieren, kann die Polizei diesen

Wunsch grundsätzlich erfüllen.

Fall Rylander

Uni Genf erlässt Auftragsverbot

(AT) Ragnar Rylander, ehemaliger Professor an der

Medizinischen Fakultät der Universität Genf, ist als

ein von der Tabakindustrie abhängiger Forscher anzusehen.

Besonders zum Zigarettenkonzern Philip

Morris pflegte er dauerhafte und meistens geheime

Beziehungen. Diese Schlussfolgerung zieht die Universität

Genf aufgrund des Berichts der Kommission

Wissenschaftliche Integrität der Medizinischen Fakultät.

Rylanders Studien über Passivrauchen entstanden

auf Initiative der Tabakindustrie hin und verfolgten

das Ziel, die anerkannten gesundheitlichen Schäden

durch Passivrauchen wieder in Frage zu stellen.

Die Universität wird die betroffenen Fachzeitschriften

über Rylanders zweifelhafte Arbeiten schriftlich informieren.

Die Genfer Universität verurteilt allerdings in

erster Linie die Tabakindustrie, deren Eigeninteressen

im Widerspruch stünden sowohl zur öffentlichen Gesundheit

als auch zur medizinischen Wissenschaft.

Die Universität Genf untersagt deshalb ab sofort

allen Universitätsmitgliedern, direkt oder indirekt

Forschungsgelder oder Beratungsaufgaben von der

Tabakindustrie anzunehmen.

Tabakpolitik

Bundesrat setzt Verordnung in Kraft

Auf den 1. November hat der Bundesrat die totalrevidierte

Tabakverordnung in Kraft gesetzt. Kernpunkte

der neuen Tabakverordnung sind die Einführung von

deutlichen Warnungen auf Tabakprodukten sowie

eine obligatorische Meldepflicht der zugesetzten

Stoffe. Neu wird es zudem nicht mehr erlaubt sein,

Begriffe wie «light» und «mild» zu verwenden. Für

Teer- und Nikotingehalt und Kohlenmonoxidwerte gelten

neu Höchstwerte – Exportzigaretten sind jedoch

davon nicht betroffen. Die Frist für die Umsetzung der

Massnahmen beträgt 18 Monate für Zigaretten und

30 Monate für andere Tabakprodukte. Diese Frist ermöglicht

laut Auskunft des EDI das Aufbrauchen von

Lagerbeständen bei Handel und Industrie und trägt

den Besonderheiten der verschiedenen Produkte

Rechnung. Die neue Tabakverordnung erfüllt die Anforderungen

des WHO-Rahmenübereinkommens zur

Tabakkontrolle, das die Schweiz am 25. Juni 2004 in

New York unterzeichnet hat.

Die Forderung nach Rauchverboten in öffentlich zugänglichen

Gebäuden wird immer lauter. Foto: SFA


Je mehr Menschen im

Ausgang zu viel trinken,

desto höher ist die Zahl

der Verkehrsunfälle.

Foto: Sieber

Studie:

G. Gmel, J.-L. Heeb,

L. Rezny, J. Rehm,

M. Mohler-Kuo:

Drinking patterns and

traffic casualities in

Switzerland: matching

survey data and police

records to design

preventive action.

Journal of the Royal

Institute of Public Health,

(im Druck).

Gelegentlich ein Glas zu viel kann fatale

Folgen haben

Dass Fahren in angetrunkenem Zustand zu Unfällen führen kann, ist längst bekannt. Unklar war bisher, wer diese

Verkehrsunfälle verursacht. Eine neue SFA-Studie zeigt nun, dass nicht die chronischen Vieltrinker für die Mehrheit

der Unfälle am Wochenende sorgen, sondern die grosse Gruppe derer, die bloss im Ausgang gelegentlich ein Glas

zu viel trinkt. Von Janine Messerli und Mathias Morgenthaler

Im vergangenen Jahr kamen laut Bundesamt für Statistik

546 Personen bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Bei einem Fünftel davon war der Unfall alkoholbedingt.

Bei jedem zehnten der 23 840 Unfälle mit Personenschaden

war Alkohol im Spiel. Diese Zahlen

zeigen eindrücklich, dass Fahren in angetrunkenem

Zustand schwerwiegende Folgen haben kann. Unklar

war bis anhin, wer die Unfälle verursacht. Sind es –

wie bisher oft angenommen – vor allem die chronischen

Vieltrinker oder sind es jene, die meist mässig

trinken und nur bei gewissen Gelegenheiten über die

Stränge schlagen? Ältere Studien geben meist bloss

Auskunft über den Blutalkoholgehalt von im Verkehr

Verunfallten. Über den Zusammenhang von Trinkmustern

und Verkehrsunfällen gab es bisher in der

Schweiz keine Untersuchung.

Wochenendkonsum sorgt für Unfälle

Die neue Studie von Gerhard Gmel, Leiter der Forschungsabteilung

der Stiftung SFA, zeigt nun erstmals

den Zusammenhang von Trinkmustern und alkoholbedingten

Verkehrsunfällen auf. Gmel und seine

Ko-Autoren liessen 747 zufällig ausgewählte Personen,

die Alkohol konsumieren, während sieben Tagen

ein Trinktagebuch führen. Die Teilnehmenden mussten

notieren, wie viel Alkoholisches sie an welchen

Tagen und zu welcher Tageszeit konsumierten und ob

sie zuhause oder auswärts tranken. Ihrem Alkoholkonsum

gemäss wurden sie in verschiedene Konsumgruppen

eingeteilt: Ein Mann, der täglich vier und

mehr alkoholische Standarddrinks, also z.B. vier Deziliter

Wein, konsumiert, gilt als «usual heavy drinker»,

also als chronischer Vieltrinker; bei Frauen reichen

zwei Gläser, um zu dieser Kategorie zu gehören. Wer

diese Menge nur bei einzelnen Gelegenheiten zu sich

nimmt, ist ein «risky single occasion drinker», also ein

ALKOHOL UND VERKEHRSUNFÄLLE

episodischer Risikokonsument. Wer weniger als die

angegebenen Mengen trinkt, gilt als mässiger Konsument

(«usual light drinker» oder «occasional light drinker»).

Die so gebildeten Konsumgruppen mit ihren

entsprechenden Trinkmustern wurden dann mit der

Statistik alkoholbedingter Verkehrsunfälle verglichen.

«Bei der Auswertung zeigte sich eine sehr starke Korrelation

zwischen der Zahl der episodischen Risikokonsumenten

und der Anzahl und dem Zeitpunkt

von alkoholbedingten Verkehrsunfällen», erklärt Forschungsleiter

Gerhard Gmel. «Das heisst: Je mehr

Menschen im Ausgang ein Glas zu viel trinken, desto

höher ist die Zahl der Unfälle.» Am Wochenende sind

es mehrheitlich die episodischen Risikokonsumenten,

welche die vielen alkoholbedingten Verkehrsunfälle

verursachen. An Werktagen dagegen, wo sich

weit weniger alkoholbedingte Unfälle ereignen, sind

hauptsächlich die chronischen Vieltrinker dafür verantwortlich.

Im Wochendurchschnitt sind die episodischen

Risikokonsumenten und die chronischen Vieltrinker

etwa gleich häufig in Unfälle verwickelt.

«Wer fährt, sollte nicht trinken»

Laut Gerhard Gmel sind die Ergebnisse der Studie insofern

erstaunlich, als sie zeigen, dass nicht primär

die chronischen Vieltrinker oder Alkoholabhängigen

für die meisten Unfälle am Wochenende sorgen, sondern

eine Gruppe von Konsumierenden mit einem

weit verbreiteten Trinkmuster: «Während der Woche

nur wenig oder gar nichts zu trinken und dafür am

Wochenende beim gemütlichen Zusammensein im

Restaurant ein, zwei Gläser zu viel, das ist ein Trinkmuster,

das auf viele, insbesondere junge Menschen

hierzulande zutrifft und das kaum jemand für problematisch

hält», erklärt Gmel. Verschiedene neue Befragungen

haben gezeigt, dass sich viele Menschen

trotz ihres Alkoholkonsums anschliessend ans Steuer

setzen.

Die SFA-Studie macht deutlich, dass die Senkung der

Promillegrenze auf 0,5 und die Einführung der verdachtsfreien

Atemluftkontrollen sinnvolle und notwendige

Massnahmen sind, um die Zahl der alkoholbedingten

Verkehrsunfälle einzudämmen. Einen spürbaren

Effekt haben diese Massnahmen aber wohl nur,

wenn die Polizeikontrollen so häufig und gezielt durchgeführt

werden, dass Partygänger damit rechnen

müssen, auf dem Heimweg kontrolliert zu werden.

«Wer fährt, sollte nicht trinken», sagt SFA-Direktor

Michel Graf, «deshalb ist es wichtig, dass schon vor

dem Ausgang klar ist, wer sich auf dem Nachhauseweg

ans Steuer setzt. Diese Person sollte von der

ganzen Gruppe beim Verzicht auf Alkohol unterstützt

werden».


HANFMARKT ALKOHOLKONSUM SCHWEIZ BEI JUGENDLICHEN

Alcopops waren bei Jugendlichen

aufgrund ihres hohen

Zuckergehalts vorübergehend

sehr beliebt.

Foto: Sieber

4 5

Die Sondersteuer auf Alcopops zeigt Wirkung

Bis vor kurzem fanden Alcopops reissenden Absatz, speziell unter Jugendlichen waren die Mischgetränke

aus Zuckerwasser und gebranntem Alkohol sehr beliebt. Knapp ein Jahr nach der Einführung der Sondersteuer

ist der Absatz nun aber eingebrochen. Die neuen, weniger gesüssten Getränke finden wenig Akzeptanz.

Von Thomas Pfluger*

Unter Jugendlichen breiten sich Wochenend- und

Rauschtrinken aus, wie die Ergebnisse der Gesundheitsbefragung

und der SFA-Schülerstudie aus dem

Jahr 2002 gezeigt haben. Eine besondere Rolle spielen

dabei möglicherweise die Alcopops, deren Beliebtheit

seit ihrer Einführung auf dem Schweizer

Markt vor einigen Jahren rapide zugenommen hat.

Der Umsatz sprang von 2 Millionen Flaschen im Jahr

2000 innerhalb von zwei Jahren auf 40 Millionen.

20 Prozent der 15- und 16-Jährigen konsumieren gemäss

der Gesundheitsbefragung mindestens wöchentlich

die gezuckerten alkoholhaltigen Mischgetränke,

und junge Frauen trinken – im Gegensatz zur

Situation bei anderen Alkoholika – ebenso häufig

davon wie die männlichen Gleichaltrigen. Diese Entwicklung

hat zu einer intensiven öffentlichen Debatte

geführt und auch den Gesetzgeber aktiviert.

Das Parlament stimmte letztes Jahr mit grosser

Mehrheit einer vom Bundesrat ausgearbeiteten Vorlage

zu, gemäss der eine Sondersteuer auf jene

Alcopops erhoben wird, die weniger als 15 Volumenprozent

Alkohol und mindestens 50 Gramm Zucker

pro Liter enthalten und konsumfertig gemischt in den

Handel gelangen. Ausgenommen sind die – allerdings

raren – Erzeugnisse aus Wein, Obstwein oder

Bier, da sie nicht der Alkoholgesetzgebung unterstehen.

Seit Anfang Februar 2004 ist die Sondersteuer in

Kraft. Gemäss der bundesrätlichen Botschaft wurde

sie mit dem Ziel eingeführt, «die Attraktivität der

Alcopops sowohl für die Hersteller als auch für die

Konsumenten zu vermindern». Konkret wünscht sich

der Bundesrat, dass der Alcopops-Umsatz dank der

Steuererhöhung um die Hälfte zurückgeht. Zudem

hofft er, dass neue, ähnliche Konkurrenzprodukte gar

nicht erst auf den Markt kommen.

Preis steuert Nachfrage

Das Vorgehen der Schweizer Regierung ist wissenschaftlich

gut begründet. Internationale Studien

haben immer wieder gezeigt, dass hohe Preise den

Alkoholkonsum stark zu drücken vermögen, insbesondere

bei jüngeren Konsumentinnen und Konsumenten.

Als Vorbild für die Schweizer Politik gilt unter

anderem Frankreich, wo der Alcopops-Konsum heute

wegen der bereits vor Jahren erhobenen Sondersteuer

gegen Null strebt. Auch hierzulande sind

Steuern schon erfolgreich gegen alkoholische Süss

getränke eingesetzt worden: Das Premix-Getränk

«Hooch» verschwand 1997 sofort vom Schweizer

Markt, nachdem es der Monopolgebühr (Alkoholsteuer)

unterstellt worden war. Auf die Frage, ob auch

die neue Sondersteuer ihr Ziel erreicht habe, antwortet

Christoph Zurbrügg, stellvertretender Direktor der

Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV), mit einem

klaren Ja: «Die Importe und die Produktion im Inland

sind sehr stark zurückgegangen.»

Die Versuche, der Besteuerung

auszuweichen, treiben

auch einige seltsame Blüten.

Der Alcopops-Absatz brach gemäss den Zahlen der

EAV schon im letzten Jahr ein. Während 2002 fast

40 Millionen Flaschen importiert wurden, waren es

2003 nur noch 25 Millionen. Diese Entwicklung sei

einerseits darauf zurückzuführen, dass die Importeure

bereits vor Einführung der Sondersteuer reagiert

hätten, schreibt die EAV im Septemberheft ihrer

Zeitschrift «communica». Andererseits dürfe aber

auch die Wirkung der breiten Berichterstattung in den

Medien nicht unterschätzt werden. Dem trendigen

Image der Alcopops seien dabei die zahlreichen negativen

Aspekte gegenübergestellt worden, was

ihnen einen «etwas anrüchigen Touch» verliehen

habe.

* Thomas Pfluger ist freier Journalist in Blauen (BL) und spezialisiert

auf die Themen Gesundheit und Medizin.


Trotz grossen Werbeaufwendungen

finden die

Mixgetränke seit Einführung

der Sondersteuer weniger

Abnehmer.

Fotos: SFA

Kein «In-Produkt» mehr

Die Grossverteiler Coop und Denner bestätigen zwar,

dass die Verkaufszahlen rückläufig sind, sie orten

dafür aber einen anderen Grund als die Sondersteuer:

Die Alcopops seien einfach nicht mehr angesagt.

«Der Trend hat im letzten Jahr seinen Peak erreicht»,

glaubt Coop-Pressesprecher Karl Weisskopf. Tatsächlich

liegt die Einführung der Sondersteuer noch nicht

lange genug zurück, dass man definitive Schlüsse

über ihre Wirkung ziehen könnte. Die Frage, ob sie

den Konsum unter Jugendlichen direkt beeinflusst

hat, lässt sich noch nicht beantworten. Eine 2003

durchgeführte Studie des Lehrstuhls für Marketing an

der Universität Zürich hat zwar ergeben, dass Jugendliche

bei einer Preiserhöhung von zwei bis drei

Die alten Alcopops sind

vollständig aus den Regalen

verschwunden und durch

Produkte ersetzt worden, die

weniger als 50 Gramm Zucker

pro Liter enthalten.

Franken pro Flasche deutlich weniger Alcopops konsumieren

würden, die Studie kann aber nicht als

repräsentativ gelten, weil sie einzig auf einer Online-

Umfrage basiert. Für eine schlüssige Antwort müsste

eine repräsentative Befragung zum Alcopopkonsum

bei Jugendlichen durchgeführt werden. Sicher ist

gemäss Zurbrügg hingegen, dass die Alkoholhersteller

sofort auf die neue Steuer reagiert haben. «Sie

haben Getränke mit geringerem Zuckergehalt auf den

Markt gebracht», erklärt der EAV-Vizedirektor.

Bei Denner und Coop ist in Erfahrung zu bringen,

dass die «alten» Alcopops vollständig aus den Regalen

verschwunden und durch Produkte ersetzt worden

sind, die weniger als 50 Gramm Zucker pro Liter

enthalten und damit nicht unter die Sondersteuer fallen.

Sie werden mit auffälligen Hinweisen auf den

verringerten Alkohol- und Zuckergehalt angepriesen.

Neue Mischgetränke mit Wein oder Bier sind dagegen

nicht auf dem Markt aufgetaucht, vermutlich weil

es nicht einfach ist, sie geschmacklich ansprechend

zu gestalten. Für die EAV und den Bundesrat sind die

Ausweichmanöver der Industrie ärgerlich, sie kommen

aber nicht überraschend. Zurbrügg beschwichtigt:

«Es ist zu bezweifeln, ob die neuen Getränke den

ganz jungen Leuten, welche die Sondersteuer schützen

soll, schmecken werden.» Laut den Herstellerfirmen

soll mit dem «herberen» Geschmack der Alcopops-Nachfolger

ein älteres Publikum angesprochen

werden. Danach befragt, wie sich die geänderten Rezepturen

auf die Verkaufszahlen auswirken, sagt Denner-Sprecherin

Eva-Maria Bauder: «Es läuft schon

nicht mehr so gut wie vorher.» Allerdings seien die

neuen Getränke erst seit einigen Wochen erhältlich,

was eine abschliessende Beurteilung unmöglich

mache.

Die Versuche, der Besteuerung auszuweichen, treiben

auch einige seltsame Blüten. Ende 2003 wurden

Wodka-Mixprodukte in Tuben als «das In-Getränk

schlechthin» (Werbeslogan) angeboten – der überschwänglichen

Bewerbung ist inzwischen Einhalt geboten

worden. In Deutschland werden Alcopops

sogar als wasserlösliches Pulver vertrieben (vgl. S. 16

dieser Ausgabe). Laut Zurbrügg wird der Bund auf

ALKOHOLKONSUM BEI JUGENDLICHEN

das veränderte Angebot reagieren: «Die Situation

wird laufend geprüft, und fragliche Produkte werden

dem Alkoholgesetz unterstellt.»

Kontrollen und Aufklärung

Die EAV geht davon aus, dass die Diskussion rund um

die geplante Sondersteuer bereits eine erhebliche

Präventionswirkung erzielt hat. Man ist sich allerdings

gleichzeitig bewusst, dass Steuern und Preiserhöhungen

nur ein Element einer umfassenden Gesundheitspolitik

sein können und dass dieses Element

von weiteren Massnahmen begleitet werden

muss. So hat die Luzerner Ständerätin Helen Leumann

vorgeschlagen, gleichzeitig mit der Sondersteuer

eine Aufklärungskampagne «in der Sprache

der Jugendlichen» zu starten. Diese Idee sei zurzeit

nicht umsetzbar, bedauert Zurbrügg: «Die Kredite für

Kampagnen fehlen beim Bund.» Er hält aber fest,

dass von privater und staatlicher Seite stark daran gearbeitet

werde, die geltenden Beschränkungen beim

Verkauf an Jugendliche besser durchzusetzen. «Im

Vordergrund steht, dass es zur Selbstverständlichkeit

wird, den Ausweis zeigen zu müssen. Genau wie in

der Bahn oder im Kino.» Coop, Denner und andere

«Es ist zu bezweifeln, ob die

neuen Getränke den ganz jungen

Leuten, welche die Sondersteuer

schützen soll, schmecken

werden.»

Detaillisten haben die Kontrollen denn auch verschärft

und führen beim Verkaufspersonal regelmässige

Schulungen zum Thema Alkohol durch. Zudem

ist vielerorts an den Kassen eine Software eingerichtet

worden, welche die Kassiererin beim Scannen

eines alkoholhaltigen Produkts an ihre Kontrollpflicht

erinnert. Tests zeigen aber, dass es für Minderjährige

nach wie vor sehr einfach ist, Alcopops zu erwerben.

Auch wenn endgültige Ergebnisse noch ausstehen,

scheint es, als ob die vom Bundesrat angestrebte

Halbierung des Alcopops-Konsums nach einem knappen

Jahr bereits erreicht worden sei. Kein Wunder, ist

das Schweizer Vorgehen inzwischen zum Modell geworden:

Deutschland hat am 2. August 2004 ebenfalls

eine Sondersteuer eingeführt und will deren

Erfolg im nächsten Jahr überprüfen.


NEUES STRASSENVERKEHRSGESETZ

Speicheltests geben der

Polizei vor Ort erste Hinweise

auf einen allfälligen Drogenkonsum.

Die Analyse im Labor

bleibt aber unerlässlich.

Foto: Keystone

6 7

Null Einigkeit in Sachen Nulltoleranz

Ab dem 1. Januar gelten neue Grenzwerte im Strassenverkehr. Maximal 0,5 Promille Alkohol und keinerlei

Drogen – so lautet die neue Faustregel. Während die Herabsetzung der Promille-Grenze wenig Diskussionen

auslöste, sorgte die so genannte «Nulltoleranz» für Fahren unter Drogen bei Behörden und Wissenschaftlern

für rauchende Köpfe. Von Mathias Morgenthaler

Wer ab dem 1. Januar 2005 mit zu viel Alkohol oder

mit Drogen im Blut in einer Verkehrskontrolle hängen

bleibt, muss unter Umständen tief ins Portmonee

greifen: Bei einer Alkoholkonzentration zwischen

0,5 und 0,79 im Blut droht Haft (zwischen einem Tag

und drei Monaten) und/oder eine Busse von bis zu

5000 Franken. Macht sich jemand der qualifizierten

Angetrunkenheit (Werte über 0,8 Promille) schuldig,

drohen Gefängnisstrafen zwischen drei Tagen und

drei Jahren sowie Bussen von bis zu 40 000 Franken;

zusätzlich wird dem fehlbaren Verkehrsteilnehmer in

diesem Fall der Ausweis für mindestens drei Monate

entzogen. Grundsätzlich gilt: Für Ersttäter fallen die

Sanktionen weniger hart aus als für Wiederholungstäter.

Wird jemand fünf Mal mit einem Blutalkoholwert

von über 0,8 erwischt, muss er den Ausweis

für immer abgeben.

48 Todesopfer weniger

Die Wahrscheinlichkeit, wegen zu viel Alkohol in einer

Kontrolle hängen zu bleiben, steigt aufs neue Jahr

hin: Ab dem 1. Januar und mit Inkrafttreten des revidierten

Strassenverkehrsgesetzes darf die Polizei verdachtsfrei

die Atemluft kontrollieren. Rudolf Dieterle,

Direktor des Bundesamts für Strassen, erhofft sich

von der Senkung des Grenzwerts und der verdachtsfreien

Kontrollen mehr Sicherheit auf den Schweizer

Strassen. «Erste Schätzungen lassen erwarten, dass

wir dank der neuen Gesetzgebung nächstes Jahr im

Verkehr 48 Todesopfer und 320 Schwerverletzte weniger

zu beklagen haben werden», sagt der ASTRA-

Direktor. Er hofft, die verschärfte Rechtslage führe

dazu, dass sich künftig weniger Menschen nach dem

Alkoholkonsum ans Steuer setzen. Bei einer BfU-Umfrage

im Oktober 2004 gab noch jede(r) Fünfte an, gelegentlich

mit mehr als 0,8 Promille unterwegs zu

sein. Ab dem 1. Januar gilt das als schwere Widerhandlung

gegen das Gesetz.

Thomas Siegrist, Chefarzt des Instituts für Rechtsmedizin

des Kantonsspitals St. Gallen, erklärt die

Gesetzesverschärfung wie folgt: «Bisher wurde zu

stark auf den Tatbestand der Fahrunfähigkeit geachtet.

Neu werden auch Verkehrsteilnehmende bestraft,

die zwar fahrfähig, aber nur noch eingeschränkt

leistungsfähig sind.» Mit anderen Worten: Bei Blutalkoholwerten

zwischen 0,5 und 0,8 sind viele zwar

noch in der Lage, routinemässig sicher zu fahren, sie

verfügen aber nicht mehr über die Leistungsreserve,

in überraschenden Situationen richtig zu reagieren.

Deshalb sollen Lenkerinnen und Lenker künftig kontrolliert

werden, bevor sie durch unsicheres Fahren

auffallen. Ergibt der Atemlufttest einen Wert von zwischen

0,5 und 0,79 Promille und erkennt der Kontrollierte

die Messung an, ist keine Laboranalyse notwendig.

Der Verkehrsteilnehmer wird verwarnt, bestraft

und muss sein Fahrzeug stehen lassen.

«Neu werden auch

Verkehrsteilnehmende bestraft,

die zwar fahrfähig, aber nur noch

eingeschränkt leistungsfähig

sind.»

Der Streit um die Null

Während die neue Promillegrenze im Vorfeld der Einführung

kaum für Polemik sorgte, erhitzte die vom

Bundesrat verfügte Nulltoleranz für das Fahren unter

Drogeneinfluss die Gemüter. Nulltoleranz heisst im

Grundsatz, dass als fahrunfähig zu betrachten ist und

gegen das Gesetz verstösst, wer mit Spuren von

Cannabis, Heroin, Morphin, Kokain, Amphetamin

oder Designerdrogen wie Ecstasy am Steuer erwischt

wird. Im Gegensatz zum Alkohol wurde also

beim Fahren unter Drogen offiziell kein Grenzwert definiert,

der zwischen legal und illegal unterscheidet.

Was in der Theorie einfach klingt, wird in der Laborpraxis

kompliziert: Da die Messung der Drogenkonzentration

im Mikrogrammbereich aufwändig und

fehleranfällig ist, musste für jede Substanz eine Nachweisgrenze

bestimmt werden. Den Auftrag, diesen

Wert für THC, jene Substanz, die im Strassenverkehr

unter allen illegalen Drogen die wichtigste Rolle

spielt, zu bestimmen, delegierte der Bundesrat ans

Bundesamt für Strassen und dieses an die Schweize-


Die Fehleranfälligkeit der

Schnelltests ist derzeit noch

relativ hoch.

Fotos: ZVG

Neue Informationsbroschüren

der SFA:

• Alkohol, Drogen und

Medikamente im

Strassenverkehr

• Apéro und Alkohol

Beide Broschüren sind

gratis und können bei der

SFA mit einem frankierten

Antwortcouvert bestellt

werden:

SFA, Postfach 870,

1001 Lausanne.

Sie sind auch im Internet

als pdf-Dateien greifbar:

www.sfa-ispa.ch

Atemluftmessungen dürfen

ab dem 1. Januar auch

durchgeführt werden, wenn

sich der Verkehrsteilnehmer

unauffällig verhält.

Foto: ZVG

rische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM). Diese

legte schliesslich eine selbst innerhalb der SGRM

umstrittene Nachweisgrenze von 1,5 Mikrogramm

THC pro Liter Blut fest mit der Begründung, dieser

Wert sei in allen acht Labors der Schweiz mit vernünftigem

Aufwand verlässlich messbar.

Kaum fand der Wert in den Weisungen des ASTRA zur

neuen Strassenverkehrsverordnung Aufnahme, geriet

er unter Beschuss – und zwar von zwei Seiten. Einige

Politiker und Wissenschaftler fanden, der Wert

sei deutlich zu hoch und habe nichts mehr mit Nulltoleranz

zu tun. EDU-Nationalrat Christian Waber kritisiert

in einer im Oktober eingereichten Interpellation,

bei der neuen Regelung könnten sich Automobilisten

weiterhin ungestraft bekifft ans Steuer setzen. Er argumentiert,

der Nachweis, ob THC im Blut vorhanden

sei oder nicht, könne bereits bei deutlich tieferen

Werten erbracht werden (vgl. dazu das Interview S.

8/9). Gegenüber der SFA sagte Waber, im Vergleich

mit dem Ausland sei die Nachweisgrenze in der

Schweiz viel zu hoch angesetzt worden.

Gerade umgekehrt argumentieren Hanffreunde und

manche Anhänger einer liberaleren Drogenpolitik:

Der Wert sei so tief, dass Gelegenheitskiffer gar nie

mehr Auto fahren könnten und unverhältnismässig

kriminalisiert würden, lautet der meistgeäusserte Kritikpunkt.

So argumentiert auch Stefan Siegrist, der

Chefarzt des IRM St. Gallen. «Ich habe meine Mühe

damit, wenn jemand 24 bis 48 Stunden nach einem

Joint noch eines schweren Vergehens gegen das Gesetz

überführt werden kann», sagt der Mediziner und

fügt an, dass er die Grenze lieber bei 20 statt bei

1,5 Mikrogramm THC gezogen hätte.

In vielem eine Glaubensfrage

Der Hintergrund solcher Debatten ist, dass es der

Wissenschaft nicht gelungen ist, beim THC eine gesicherte

Korrelation zwischen der Konzentration im Blut

und der Wirkung aufzuzeigen. Zudem verläuft die

THC-Abbaukurve von Mensch zu Mensch und situationsabhängig

sehr verschieden. Man kann also nicht

verlässlich sagen, wann jemand bekifft ist und wie

lange er es bleibt. Das führt dazu, dass die Diskussion

auch unter Ärzten und Wissenschaftlern oft politischideologisch

geführt wird und sich gelegentlich zwei

erbitterte Widersacher auf die gleiche Studie stützen,

um ihre gegensätzliche Haltung zu legitimieren. Jeder

findet einzelne Labordaten, die seine Haltung stützen,

jeder fände aber, wenn er denn danach suchte,

auch solche, die ihn vom Gegenteil überzeugen könnten.

Auch ein Blick über die Grenzen hilft nur bedingt

weiter: Zwar haben Frankreich und Deutschland den

Grenzwert tatsächlich tiefer angelegt als die Schweiz,

in der Praxis harzt es aber in beiden Ländern mit der

Umsetzung des Gesetzes.

NEUES STRASSENVERKEHRSGESETZ

Drogentests verbesserungswürdig

Wie geht die Polizei mit solchen Unsicherheiten um?

Bei der Kontrolle der Alkoholwerte ändert sich für sie

nicht allzu viel. «Wir werden nicht mehr kontrollieren

können, aber es werden mehr Verkehrsteilnehmende

in den Kontrollen hängen bleiben», sagt Ewald Weber,

Chef für Verkehr bei der Kantonspolizei Zürich. André

Glauser, Kommandant der Stadtpolizei Biel, erwartet

«eine leichte Zunahme der alkoholspezifischen Kontrollen»

respektive eine «Konzentration der Mittel am

späten Abend und am Wochenende». Peter Sieber,

Chef Verkehr der Kantonspolizei Bern ergänzt: «Wir

werden nicht jeden, den wir anhalten, blasen lassen,

aber wir können nun nach einem Pubfestival alle

Heimkehrenden testen. Bisher brauchte es ein auffälliges

Verhalten, damit man einen Atemlufttest durchführen

konnte.»

Die Kantonspolizei Bern ist eine der wenigen Einheiten,

die bisher darauf verzichtet hat, im Hinblick auf

die Nulltoleranz-Regelung bei Drogen Schnelltests

anzuschaffen, die im Schweiss oder Speichel Drogenkonsum

nachweisen. «Diese Produkte kamen

sehr schnell auf den Markt, sie sind meiner Meinung

nach noch nicht zuverlässig genug», sagt Peter Sieber.

Deshalb vertraut die Berner Kantonspolizei vorläufig

weiterhin auf die Beobachtungen ihrer Angestellten

und auf Urintests bei der Entscheidung, ob

ein Bluttest angeordnet werden soll. André Glauser

von der Stadtpolizei Biel dagegen setzt seit Juli 2003

den in der Schweiz am weitesten verbreiteten

Schnelltest Drugwipe ein. Seine Bilanz: «Wir haben

das Problem des Fahrens unter Drogen bisher massiv

unterschätzt, mehrmals in der Woche halten wir Lenker

an, die unter Cannabis- oder Kokaineinfluss stehen.»

In 95 Prozent aller Fälle wurde ein positiver

Schnelltest-Befund laut Glauser im Labor bestätigt.

«Wenn jemand vollkommen

nüchtern wirkt, wird man keinen

Drogen-Schnelltest mit ihm

machen.»

Ewald Weber von der Kantonspolizei Zürich und sein

Berufskollege Beat Oppliger, Chef der Verkehrspolizei

der Stadt Zürich, haben beide ähnliche Vorbehalte gegenüber

den Schnelltests, obwohl sie mit unterschiedlichen

Produkten arbeiten. Oppliger sagt, der

Entscheid, ob sie nächstes Jahr mit dem seit Mai getesteten

Produkt aus dem Hause Dräger weiterarbeiten,

sei noch ausstehend. Der Test zeige auch bei

Cannabiskonsumenten mit beträchtlichem THC-Wert

im Blut noch zu oft negativ an. Auch Ewald Weber, der

Drugwipe einsetzt, ist «ein wenig frustriert, dass die

Geräte ausgerechnet bei Cannabis unzuverlässig

sind». Beide betonen aber, dass die Tests lediglich ein

zusätzlicher Indikator, eine weitere Entscheidungshilfe

seien. Entscheidend blieben weiterhin das geschulte

Auge des Polizisten und – wenn ein Verdacht

besteht – der ärztliche Untersuchungsbefund sowie

die toxikologische Analyse. Ein Anfangsverdacht

bleibt beim Vorgehen gegen Fahren unter Drogen

auch 2005 unerlässlich, wie Ewald Weber bestätigt:

«Wenn jemand vollkommen nüchtern wirkt, wird

man keinen Drogen-Schnelltest mit ihm machen.»


IM GESPRÄCH

Dr. Werner Bernhard (54)

ist Chemiker und Leiter

der Abteilung Forensische

Chemie am Institut für

Rechtsmedizin der

Universität Bern.

Dort werden die Blut-

und Urinanalysen von

Verkehrsteilnehmenden

aus den Kantonen Bern,

Solothurn und Aargau

durchführt.

8 9

«Es gibt viel zu viele drogenbedingte Unfälle»

Der Anteil der Cannabis konsumierenden Verkehrsteilnehmer habe in den letzten Jahren «massiv zugenommen»,

sagt Werner Bernhard vom Institut für Rechtsmedizin in Bern. Er schildert die Folgen dieser Entwicklung, erläutert,

warum «Nulltoleranz» ein heikler Begriff ist, und erklärt, weshalb die neuen Drogenschnelltests nicht zwischen

Hustensaft und Heroin unterscheiden können. Interview: Mathias Morgenthaler

Herr Bernhard, hat die Zahl jener, die in angetrunkenem

Zustand oder unter Drogen ein Fahrzeug lenken, in den

letzten Jahren zugenommen?

Es ist schwierig, hier verlässliche Zahlen zu finden,

weil die Statistik immer auch vom Aufwand abhängt,

den die Polizei betreibt. Aus meiner Optik als Leiter

des Analyselabors des Instituts für Rechtsmedizin

stelle ich fest, dass die Zahl der Aufträge aus dem

Kanton Bern im Bereich Fahren in angetrunkenem Zustand

während der letzten acht Jahre etwa konstant

blieb. Wir analysieren für den Kanton Bern jährlich

rund 2300 Blutproben auf Alkohol. Ganz anders sieht

es beim Fahren unter Drogen aus: Da stieg die Zahl

der untersuchten Fälle im Kanton Bern zwischen

1997 und 2003 von 200 auf rund 700 an. In mehr als

der Hälfte dieser Fälle wurden bei der Urinprobe Hinweise

auf Cannabis gefunden. Der Anteil der Cannabiskonsumierenden,

die motorisiert am Verkehr teilnehmen,

hat mit Sicherheit massiv zugenommen.

Auch in der Sparte Kokain verzeichnen wir deutliche,

allerdings schwächere Zunahmen.

Zwischen Cannabis und Kokain liegt ein beträchtlicher

Unterschied. Ist es erwiesen, dass auch moderater

Cannabiskonsum die Fahrfähigkeit beeinträchtigt?

Fahren unter Drogen ist in jedem Fall unverantwortlich.

Von den 700 Fällen, die wir im Jahr 2003 untersucht

haben, stammen 300 aus Verkehrsunfällen,

400 aus Verkehrskontrollen. Das heisst: Diese Lenkenden

werden nicht grundlos von kleinlichen Polizisten

kontrolliert, sondern sie sind in Unfälle verwickelt

– oft als Verursacher. Ich weiss aus meiner

Arbeitserfahrung nur zu gut, dass unter Cannabiseinfluss

stehende Verkehrsteilnehmende eine Gefahr

darstellen, speziell dann, wenn sie zusätzlich unter

Alkoholeinfluss stehen. Dieser Mischkonsum ist

ebenso häufig wie unberechenbar. Manchmal hat das

Kiffen zur Folge, dass jemand die Selbstbeherrschung

verliert, dass er zum Beispiel viel mehr Alkohol trinkt

als gewöhnlich. Kürzlich hatten wir den Fall eines

20-Jährigen, der 2 Promille Alkohol im Blut hatte. Das

ist der Wert eines schweren Alkoholikers! Aber es

geht nicht nur um diese spektakulären Fälle. Wir

sehen auch Jugendliche, die mit 0,5 Promille und

etwas Marihuana im Blut einen Unfall bauen, weil sie

sich überschätzen oder zu spät reagieren. Tatsache

ist: Es gibt viel zu viele drogenbedingte Unfälle, und

viel zu viele enden tödlich – auch für Unschuldige.

Nun werden die Gesetze verschärft. Was ändert die Senkung

der Promillegrenze und die so genannte Nulltoleranz

bei Drogen in der Praxis?

Das hängt stark von der Umsetzung in den einzelnen

Kantonen ab. Bisher haben einige Kantone wenig

Kontrollen durchgeführt. Auch im Kanton Bern musste

es letztes Jahr bei fast jedem zweiten, der mit Dro-

gen unterwegs war, zum Unfall kommen, bis man

ihn erwischte. Ich denke die neu vorgesehene verdachtsfreie

Atemluftkontrolle und die geklärte

Rechtsgrundlage beim Fahren unter Drogen können

präventiven Charakter haben, wenn jeder Verkehrsteilnehmer

damit rechnen muss, in eine Kontrolle zu

kommen. In Deutschland hat Manfred Möller, Professor

am Rechtsmedizinischen Institut der Universität

des Saarlandes, ein spannendes Projekt geleitet: Ein

Jahr lang kontrollierten 100 speziell geschulte Polizisten

die Fahrtüchtigkeit an gut frequentierten Verkehrsstellen.

Die Polizeipräsenz sprach sich rasch

herum, jeder kannte jemanden, der sich einer Blutprobe

hatte unterziehen müssen. Das erfreuliche Resultat:

In diesem Jahr sank die Zahl der Verkehrstoten

im Saarland um 68 Prozent, jene der Schwerverletzten

um 34 Prozent. Das zeigt, dass häufige Kontrollen

viele Menschenleben retten.

Weite Kreise, nebst Hanffreunden auch Politikerinnen,

Rechtsmediziner und führende Bundesangestellte, monieren,

beim Cannabis gehe die neue Regelung zu weit, es sei

nicht zu verantworten, dass Gelegenheitskiffer nun aufs

Autofahren verzichten müssten…

... das trifft auch nicht zu. Wer gelegentlich am Abend

einen Joint raucht, kann am nächsten Morgen das

Auto besteigen – falls er ausgeschlafen ist.

Berufskollegen von Ihnen sagen, Kiffer, die täglich einen

Joint rauchten, müssten damit rechnen, dass ihnen noch

48 Stunden nach dem Konsum ein zu hoher THC-Wert

nachgewiesen werde.

Das ist so falsch. Das aktive Tetrahydrocannabinol

wird innert weniger Stunden in THC-Säure umgewandelt,

und nur dieser pharmakologisch nicht aktive Metabolit

bleibt länger im Blut nachweisbar. Das aktive

THC fällt innert drei bis sechs Stunden nach einem

kräftigen Joint auf einen mit der Routinemethode

nicht mehr nachweisbaren Wert ab. Das heisst: Feierabendkiffer

können durchaus noch Auto fahren. Wer

aber täglich und dazu noch mehrere Joints raucht, der

kann sein Auto verkaufen. Er ist aus meiner Sicht auf

derselben Stufe wie ein Alkoholabhängiger, der dauernd

seinen Pegel braucht. Beide haben im Verkehr

nichts zu suchen.

Es gibt Ärzte und Wissenschaftler, die sagen, mit wenig

THC im Blut sei die Fahrfähigkeit nicht beeinträchtigt.

Warum hat man nicht – ähnlich wie beim Alkohol – einen

Grenzwert definiert, sondern Nulltoleranz verfügt?

Weil es keine wissenschaftlich gesicherte Korrelation

zwischen der THC-Konzentration im Blut und dem

Grad der Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit gibt.

Beim Alkohol weiss man genau: Wer mit 1,2 Promille

Alkohol im Blut unterwegs ist, verursacht mit sechsmal

höherer Wahrscheinlichkeit einen tödlichen Unfall


Im Labor werden Urin- und

Bluttests (Foto rechts) auf den

Alkohol- und Drogengehalt untersucht.

Das 200 000 Franken

teure Blutanalysegerät (Foto

Mitte) erlaubt die Bestimmung

der Konzentration des aktiven

THC und der THC-Metaboliten

(Foto links).

Fotos: IRM Bern

als ein nüchterner Verkehrslenker. Und man kann relativ

zuverlässig zurückrechnen: Wenn eine Blutprobe

im Labor einen Promillewert von 0,7 ergibt, dann

hatte der Betreffende vier Stunden vorher beim Unfall

zwischen 1,05 und 1,75 Promille im Blut. Beim THC

ist weder eine verlässliche Rückrechnung noch ein sicherer

Schluss vom Blutwert auf die Wirkung möglich.

Die Wirkung ist individuell zu verschieden, die

Streuung viel zu gross. Sogar wenn im Blut kein THC

«Wer täglich mehrere Joints

raucht, kann sein Autoverkaufen.»

nachgewiesen wird, kann jemand bekifft sein. In

Frankreich wurden im Rahmen einer Studie das Blut

und das Gehirn von elf Verstorbenen untersucht. Bei

drei davon war das Blut negativ auf THC. Bei allen war

THC im Gehirn nachweisbar. Die Werte waren im Gehirn

durchwegs höher, bei einigen sogar fünfmal so

hoch wie im Blut. Das heisst: Die Konzentration im

Blut sinkt schneller ab, als der Rausch vergeht. Es ist

aus wissenschaftlicher Sicht unmöglich zu sagen: Bis

zu diesem oder jenem THC-Gehalt im Blut ist jemand

in der Lage, sicher ein Motorfahrzeug zu lenken. Deshalb

entschied man sich für Nulltoleranz: Sobald THC

im Blut nachgewiesen werden kann, gilt dies als Gesetzesverstoss.

Soweit die Theorie. Die Weisungen des Bundesamts für

Strassen zuhanden der Behörden besagen nun aber, dass

in der Praxis ein Grenzwert von 2 Mikrogramm THC pro

Liter Blut zur Anwendung kommen soll. Kann THC unterhalb

dieses Wertes nicht zweifelsfrei registriert werden?

Doch, durchaus. Die Nachweisgrenze («Limit of Detection»)

liegt bei 0,5 Mikrogramm pro Liter. Ab dieser

Grenze kann man im Routinebetrieb feststellen,

ob THC im Blut ist oder nicht, man kann aber nicht

genau messen, wie gross die Konzentration ist. Eine

genaue Quantifizierung der Konzentration ist erst ab

1,5 Mikrogramm möglich. Hier liegt die so genannte

Bestimmungsgrenze («Limit of Quantification»). Dieser

Wert diente dem Bundesamt für Strassen als

Basis. Dazu kommt ein Sicherheitszuschlag von 30

Prozent, so dass der Grenzwert de facto bei 2 Mikrogramm

liegen wird.

Viele Polizeieinheiten wollen ab Januar 2005 Drogenschnelltests

einführen, um vor Ort abklären zu können, ob

eine Blutprobe notwendig ist. Erste Tests zeigten aber,

dass die Fehlerquote speziell bei Cannabis um die 20 Prozent

beträgt. Wie gut sind die Speichel- und Schweisstest-

Geräte aus Ihrer Sicht?

Zunächst möchte ich festhalten, dass keiner dieser

Schnelltests einen genauen Wert bestimmen kann,

0,5 PROMILLE UND NULLTOLERANZ

sie geben im besten Fall Hinweise darauf, ob eine

Droge konsumiert wurde. Verglichen mit den Urintests

haben die neuen Schnelltests mehrere Vorteile:

Sie sind für die Polizei praktischer in der Anwendung,

weil der Intimbereich nicht tangiert wird, das heisst,

es braucht bei Kontrollen weder einen speziellen

Raum noch weibliches Personal für Verkehrsteilnehmerinnen.

Zudem sollten die Speicheltests den Konsum

in den letzten Stunden anzeigen, der für die

Fahrtüchtigkeit relevant ist, und nicht wie Urintests

noch Spuren eines Konsums, der mehrere Tage

zurückliegen kann. Es ist aber richtig, dass die auf

dem Markt verfügbaren Tests noch nicht ganz ausgereift

sind, dass sie vor allem bei der Substanz Cannabis

noch zu wenig empfindlich sind. Deshalb verstehe

ich gut, wenn die Berner Kantonspolizei vorläufig an

ihren Urintests festhält.

Viele andere Polizeikorps setzen die Tests trotz der Unsicherheiten

ein. Ist das sinnvoll?

Ich will das nicht beurteilen. Wichtig ist zu wissen,

dass niemand aufgrund von solchen Tests gebüsst

oder sonst bestraft wird, es ist bloss ein weiterer Indikator

nebst der Einschätzung des Polizisten. Was

die Qualität der Tests betrifft, so werden zurzeit im

Rahmen einer grossen internationalen Studie, an der

auch die Schweiz teilnimmt, alle derzeit verfügbaren

Geräte genau unter die Lupe genommen. Die detaillierten

Resultate dieser Rosita-2-Studie werden allerdings

erst Ende 2005 bekannt sein. Dann wird es

auch möglich sein, klare Richtlinien für solche Geräte

zu formulieren, Mindestanforderungen betreffend

Empfindlichkeit und Spezifität. Aber der Markt ist

genug umkämpft, so dass die Geräte laufend besser

werden.

«Sogar wenn im Blut kein THC

nachgewiesen wird, kann jemand

bekifft sein.»

Hier besteht noch viel Handlungsbedarf, bleiben doch derzeit

auch Automobilisten wegen Hustensaft-Konsums im

Drogentest hängen…

Das ist klar, diese Tests unterscheiden nicht zwischen

Hustensaft und Heroin. Das im Hustensaft enthaltene

Codein gehört ja auch zur Gruppe der Opiate,

folglich muss der Test anzeigen. Der Beweis wird

anschliessend im Labor erbracht.


Wer nach dem 1. April 2005

auf dem Roten Platz in

Moskau Bier trinkt, wird mit

einer Geldstrafe gebüsst.

Foto: ADI

10 11

AUSLAND

Russland

Kein Bier auf offener Strasse

In Russland ist das Biertrinken in der Öffentlichkeit

künftig strafbar. Die Duma beschloss Ende Oktober in

Moskau, Übertretungen mit einer Geldbusse von bis

zu 500 Rubel (20 Fr.) zu ahnden – im Wiederholungsfall

steigt die Summe auf das Sechsfache an. Zwar liegen

die Russen mit 50 Liter Jahreskonsum pro Kopf

noch weit hinter den führenden Iren (124,8 Liter), doch

nirgendwo sonst wächst der Bierkonsum so schnell

wie in Russland – jedes Jahr um etwa 8 Prozent.

Gemäss mehreren Umfragen hat Bier das Nationalgetränk

Wodka als beliebtesten Drink abgelöst. Das Trinken

von Wodka und anderen Schnäpsen in der Öffentlichkeit

ist schon länger verboten, ab 1. April 2005 gilt

das Verbot nun auch für Bier. Der Verkauf von Bier in

der Nähe von Schulen und Universitäten und die Abgabe

an Jugendliche unter 18 Jahren sollen generell

verboten, die Werbung stark eingeschränkt werden.

Laut russischem Gesundheitsministerium sind in ganz

Russland 47 500 chronische Alkoholiker unter 18 Jahren

registriert – zwei Drittel mehr als vor fünf Jahren.

40 567 Russen tranken sich im vergangenen Jahr zu

Tode. Die russischen Brauereien sprechen von einer

«Hexenjagd», die von der mächtigen Wodka-Lobby initiiert

worden sei. Der Parlamentarier Nikolai Pawlow

möchte dagegen noch weiter gehen, wie der «Bund»

berichtete. Er plädierte für eine Volksbefragung über

ein nationales Alkoholverbot: «Seht euch die Duma

an! Selbst hier wird jeden Tag getrunken, in den Fraktionen,

in den Kommissionen. Und in depressiven Regionen

tun die Leute gar nichts mehr, sondern sitzen

nur noch im Dorf und trinken.»

England

Ebenfalls bald rauchfrei?

(sda) Die Labour-Regierung will in England das Rauchen

in der Öffentlichkeit weitgehend verbieten.

Neben öffentlichen Räumen sollen auch Restaurants,

die Pubs mit Speiseangeboten sowie die Arbeitsplätze

rauchfrei werden; dies sagte der britische

Gesundheitsminister John Reid Mitte Oktober im Parlament.

Lokale in denen lediglich Getränke ausgeschenkt

werden, können nach Angaben aus Regierungskreisen

selbst darüber entscheiden, ob sie die

Gaststube zur rauchfreien Zone erklären. Dies gelte

auch für private Clubs. Sie müssen allerdings eine

«Rauchlizenz» beantragen. Laut Reid will die Londoner

Regierung weitere Mittel zur Verstärkung der Aufklärung

über die gesundheitsschädlichen Folgen des

Rauchens zur Verfügung stellen, um in den nächsten

fünf Jahren zwei Millionen Menschen zum Aufgeben

zu bewegen. Reid zufolge gibt es in Grossbritannien

12 Millionen Raucherinnen und Raucher. Das sind

26 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Tabakkonsum

ist nach offiziellen Statistiken in Grossbritannien

jedes Jahr für 106 000 Todesfälle verantwortlich.Wann

das Verbot in Kraft tritt, steht noch nicht fest. Beobachtern

zufolge könne sich dies bis nach den 2005

erwarteten Parlamentswahlen hinauszögern. Das

schottische Parlament hat bereits Anfang Oktober ein

Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden beschlossen.

Deutschland

Echo auf Tabaksteuererhöhung

Knapp 8 Prozent der Raucherinnen und Raucher in

Deutschland haben die letzte Tabaksteuererhöhung

per 1. März 2004 zum Anlass genommen, mit dem

Rauchen aufzuhören. Dies ist das Ergebnis einer

Repräsentativbefragung zu «Umsetzung, Akzeptanz

und Auswirkungen der Tabaksteuererhöhung zum

1. März 2004», die vom Bundesministerium für Gesundheit

und Soziale Sicherung beauftragt und Mitte

November veröffentlicht wurde. Weitere Ergebnisse

der Befragung sind, dass mehr als die Hälfte der Raucherinnen

und Raucher (54,5 Prozent) anlässlich der

Tabaksteuererhöhung über den eigenen Tabakkonsum

nachgedacht haben und die Zustimmung der Bevölkerung

zur Steuererhöhung in den letzten Jahren

kontinuierlich gestiegen ist.

Weltdrogenbericht 2004

Umfassender Überblick in zwei Bänden

185 Millionen Menschen oder 3 Prozent der Weltbevölkerung

konsumieren illegale Drogen. Wie entwickeln

sich die Märkte? Wo wird welche Substanz

gewonnen, gehandelt und konsumiert? Der Weltdrogenbericht

2004 des Büros der Vereinten Nationen

für Drogen- und Verbrechensbekämpfung gibt auf solche

und viele weitere Fragen fundierte Antworten. Er

kann unter folgender Adresse bestellt oder heruntergeladen

werden:

www.unodc.org/unodc/world_drug_report.html.

Irland

Rauchverbot bewährt sich

(TA) In Irland blieben die Besucherzahlen in Restaurants

und Pubs weitgehend unverändert, seit Rauchende

Ende März per Gesetz aus öffentlichen Einrichtungen

verbannt wurden. Wie der «Tagesanzeiger»

berichtet, hielten die Pubs die Rauchverbote

bereits im ersten Monat nach der Gesetzesänderung

zu 96 Prozent ein. Jenen anderen 4 Prozent, die nicht

entschlossen gegen Rauchende vorgehen, drohen

Bussen bis 4700 Franken und der Entzug des Patents.

Das Verbot hatte offenbar bereits Auswirkungen

auf das Rauchverhalten: Eine(r) von fünf Rauchenden

gab bei einer Umfrage an, während des Ausgangs

nicht mehr geraucht zu haben. Fünf Monate

nach dem Inkrafttreten des Rauchverbots fühlten sich

70 Prozent der Befragten wohler in Pubs, 78 Prozent

besuchten Restaurants lieber als vorher.

Breite Akzeptanz für Rauchverbote: Fünf Monate nach der Einführung

gehen 70 Prozent der Iren lieber in die Pubs. Foto: ADI


Schweizer Jugendliche

suchen öfter den Rausch als

früher und vernachlässigen

ihre Gesundheit.

Foto: Sieber

SCHÜLERSTUDIE HBSC

Ausgeprägter Suchtmittelkonsum bei Schweizer

Jugendlichen

Übermässiger Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung sowie Unfälle und Verletzungen nehmen bei Jugendlichen

in der Schweiz zu. Beim Kiffen der 15-Jährigen nimmt unser Land im europäischen Vergleich gar eine Spitzenposition

ein. Dies zeigt eine repräsentative Studie der SFA. Von Janine Messerli

«Die Schweizer Jugendlichen trinken vermehrt über

den Durst, sie kiffen mehr und ernähren sich ungesünder

als früher», erklärt Holger Schmid, Leiter der

Schülerstudie «Health Behaviour in School-Aged Children

(HBSC)». «Was uns darüber hinaus Sorgen

macht, ist, dass sie viel mehr Unfälle und Verletzungen

haben als noch vor acht Jahren.» Wie ein aktueller

europäischer Vergleich zeigt, steht die Schweiz mit

diesen Problemen aber nicht alleine da: In ganz Europa

suchen die Jugendlichen den Alkoholrausch.

Immer mehr 11- bis 15-Jährige haben Erfahrung mit

Cannabis und der Anteil der jugendlichen Raucherinnen

und Raucher ist europaweit hoch. Auch die ungesunde

Ernährung sowie die Unfälle und Verletzungen

sind in unseren Nachbarländern häufig.

Ost-West-Gefälle im Gesundheitsbefinden

Neben den erwähnten Gemeinsamkeiten zeichnen

sich auch Unterschiede ab: Grossbritannien und

einige skandinavische Länder ragen vor allem mit

einem hohen Anteil sich betrinkender Jugendlicher

heraus: Mehr als die Hälfte der 15-Jährigen in Grossbritannien,

Dänemark, Finnland und der Ukraine

waren schon mehrmals betrunken. In der Schweiz

liegt die Rate mit 27,8% deutlich tiefer. Umso heftiger

ziehen die helvetischen Jugendlichen aber am Joint:

Beim Kiffen liegt die Schweiz zusammen mit Grossbritannien

und Spanien ganz vorne: Etwa jeder dritte

15-Jährige in diesen drei Ländern hat in den 12 Monaten

vor der Untersuchung Cannabis konsumiert.

Fragt man die Jugendlichen nach ihrem Gesundheitsbefinden,

so zeigt sich ein grosses Ost-West-Gefälle:

In den Ländern Osteuropas ist der subjektive

Gesundheitszustand der Jugendlichen besonders

schlecht. In Russland, Lettland und in der Ukraine bezeichnet

ein Drittel bis fast die Hälfte der befragten

Jugendlichen die eigene Gesundheit als «schlecht»

oder nur «einigermassen gut». In der Schweiz sind es

bloss 9,4%. Die mittel- und westeuropäischen Jugendlichen

fühlen sich aber deutlich häufiger zu dick

und unwohl in ihrer Haut als die osteuropäischen:

Rund ein Drittel der 15-Jährigen ist in den meisten

mittel- und westeuropäischen Ländern mit seinem

Körper unzufrieden. Die Schweiz liegt mit 33 Prozent

im oberen Mittelfeld.

Weniger Gewalt

Unfälle und Verletzungen sind die wichtigste Todesursache

bei Jugendlichen in der Schweiz und sie werden

im Vergleich zu den Krankheiten immer wichtiger:

In der Schülerbefragung von 2002 gab etwa die

Hälfte der Jugendlichen im Alter von 11 bis 15 Jahren

an, in den letzten 12 Monaten wegen einer Verletzung

(z.B. Sportverletzung, Freizeit- oder Verkehrsunfall)

beim Arzt gewesen zu sein. Das sind 10 bis 15 Prozent

mehr als 1994 (je nach Altersgruppe). Verglichen

mit anderen Ländern in Mittel- und Westeuropa liegt

die Schweiz damit leicht über dem Durchschnitt. Für

unser Land gibt es aber auch positive Entwicklungen

zu verzeichnen: Gewalt in der Schule nimmt nach den

Angaben der helvetischen Jugendlichen ab – sowohl

die selbst erlebte, als auch die ausgeübte. Während

im Jahre 1998 noch rund 20 Prozent der Jugendlichen

angaben, in den letzten zwei Monaten wiederholt

schikaniert worden zu sein, waren es im Jahr 2002

nur noch etwa 13 Prozent.

Freude am Risiko und Zukunftsangst

Tägliches Rauchen, wiederholte Trunkenheit und

Cannabiskonsum gehören mit zu den Risikoverhaltensweisen,

welche die Gesundheit Jugendlicher gefährden.

Der Anteil Schweizer Schüler und Schülerinnen

mit mindestens einer dieser Verhaltensweisen

hat zwischen 1998 und 2002 um fast 10 Prozent zugenommen.

Weshalb? «Risikoverhalten hat in unserer

Gesellschaft und speziell in der Jugendkultur ein

positives Image: Kiffen, saufen und rauchen sowie

das Ausloten der eigenen Grenzen gilt als cool», erläutert

Studienleiter Holger Schmid. «Ausserdem

kann der Griff zu Alkohol, Tabak oder Cannabis für

manche Jugendliche auch die Antwort auf steigende

Leistungsanforderungen der Gesellschaft oder mangelnde

Zukunftsperspektiven sein.»

«Wenn Jugendliche regelmässig Suchtmittel oder

Drogen konsumieren, ist das meist Ausdruck eines

generellen Unwohlseins», ergänzt Michel Graf, Direktor

und Präventionsfachmann der SFA. «Solche gefährdete

Jugendliche brauchen dringend fachkundige

Unterstützung – sei dies durch den Schulpsychologen,

die Hausärztin oder eine Suchtfachstelle.» Graf appelliert

an Eltern, Lehrkräfte, Gemeinden sowie Politiker

und Politikerinnen, sich vermehrt für die Gesundheit

Jugendlicher einzusetzen: «Jugendschutzmassnahmen,

Zugangsbeschränkungen, Werbeverbote und

eine Hochpreispolitik haben sich als sehr wirksam erwiesen»,

sagt Graf, «sie müssen deshalb dringend

umgesetzt werden.»


VERANSTALTUNGEN UND WEITERBILDUNG

12 13

Schweiz

7. Nationale Gesundheitsförderungs-Konferenz:

«Geteiltes Wissen macht Gesundheitsförderung

erfolgreich»

27. und 28. Januar 2005 in Freiburg

Information und Anmeldung:

www.gesundheitsfoerderung.ch

Tel. 043 888 07 81

Zusatzqualifikation im Suchtbereich

Lehrgang für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit

sekundärem Bildungsabschluss (Handwerker,

Kaufleute usw.), die ihre Kompetenzen um

suchtspezifische Aspekte erweitern möchten.

Januar 2005 bis Dezember 2005 (30 Tage)

Information und Anmeldung: Elsbeth Ingold,

HSA Luzern, Werftstr. 1, 6002 Luzern.

Tel. 041 367 48 33. E-Mail: eingold@hsa.fhz.ch

Behandlungsspezifische Aspekte von Migration

und Sucht

Die Weiterbildung richtet sich in erster Linie an

Interessierte mit tertiärem Bildungsabschluss (Universität,

Höhere Fachschule o.ä.) und Berufspraxis.

14.-16. März 2005 in Zürich

Information und Anmeldung: Dora Hamann,

Institut für Suchtforschung, Zürich, Tel. 01 448 11 60,

E-Mail: isf@isf.unizh.ch; www.suchtforschung.ch

Adoleszenz zwischen Selbstfindung und Sucht

Risikoverhalten in den Bereichen Substanzkonsum,

Selbstverletzung, Körper und Seele

Der Kurs richtet sich an Mitarbeitende im Feld

Suchthilfe legale und illegale Drogen mit tertiärem

Bildungsabschluss.

18.-20. April 2005 in Zürich

Information und Anmeldung:

Dora Hamann, Institut für Suchtforschung,

Konradstrasse 32, PF, 8031 Zürich, Tel. 01 448 11 60,

E-Mail: isf@isf.unizh.ch

Neue Wege in der Prävention in Kinder- und

Jugendheimen. Der Prozess macht den

Unterschied! (Arbeitstitel)

Fil rouge – Abschlusstagung

21. April 2005 in Bern

Das provisorische Programm ist unter

www.infoset.ch erhältlich.

Nachdiplomkurs Sexualität in Pädagogik und

Beratung – Grundlagen

Der Nachdiplomkurs richtet sich an Fachpersonen,

die pädagogisch oder beraterisch im Themenbereich

Sexualität tätig sind.

Beginn: 21. April 2005

Anmeldeschluss: 30. Januar 2005

Weitere Informationen unter www.hsa.fhz

oder bei Elsbeth Ingold, HSA Luzern, Werftstr. 1,

6002 Luzern, Tel: 041 367 48 33,

E-Mail: eingold@hsa.fhz.ch

Schule + Soziale Arbeit: Schulsozialarbeit?

Die Tagung wird gemeinsam getragen und

durchgeführt von der Hochschule für Soziale Arbeit

Luzern, der Hochschule für Soziale Arbeit Bern

sowie der Hochschule für Pädagogik und Soziale

Arbeit beider Basel.

27. April 2005 in Luzern

Information und Anmeldung:

E-Mail: eingold@hsa.fhz.ch

Kokain – Kokainismus: Rekreationskonsum,

Abhängigkeit, Polytoxikomanie: Phänomene und

Interventionsstrategien

Der Kurs richtet sich an Ärzte und Ärztinnen, an

Fachleute aus den Bereichen Psychologie, Sozialpädagogik,

Therapie sowie an weitere interessierte

Berufsgruppen mit Berufspraxis im Bereich

Substanzabhängigkeit.

23. und 24. Mai 2005, Zürich

Information und Anmeldung:

Dora Hamann, Institut für Suchtforschung,

Konradstrasse 32, PF, 8031 Zürich, Tel. 01 448 11 60,

E-Mail: isf@isf.unizh.ch

Senden Sie Ihre Veranstaltungshinweise bitte

an:

SFA Redaktion Standpunkte

Veranstaltungshinweise,

Postfach 870,

1001 Lausanne

E-Mail: mmorgenthaler@sfa-ispa.ch

GASTA Tel. 01 383 74 16 ➢ Betriebsberatung

Florastrasse 12 Fax 01 383 74 54 ➢ Betriebs-Management

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8034 Zürich Internet: www.gasta.ch ➢ Weiterbildung


Impressum

Herausgegeben von der

Schweizerischen

Fachstelle für Alkoholund

andere

Drogenprobleme SFA,

Av. Ruchonnet 14, Lausanne

Briefadresse

SFA, Postfach 870,

1001 Lausanne

Telefon 021 321 29 11

Fax 021 321 29 40

112. Jahrgang der

«Freiheit», 33. Jahrgang

der «neuen A-Presse»

Erscheint

sechsmal jährlich

Verantwortliche Redaktoren

Janine Messerli (jm)

Mathias Morgenthaler (mm)

Mitarbeitende dieser Ausgabe

Thomas Pfluger

Adressverwaltung und

Fakturierung

Fleur Delafontaine

Abonnementspreis pro

Jahr (inkl. MWSt)

Schweiz: Fr. 24.–/Ausland:

Fr. 27.– (Vereine: Fr. 20.–)

Kündigungsfrist

30. November 2005

Inserate

Auf Anfrage

Gestaltungskonzept

René Habermacher

Visuelle Gestaltung, Zürich

www.habermacher.ch

Druck

Presses Centrales

Lausanne SA

Einsendeschluss

für die Nummer 1/2005:

25. Januar 2005

Erscheinungsdatum

der nächsten Nummer

28. Februar 2005

© Copyright Standpunkte

alle Rechte vorbehalten

Wer auf dem Sprung ist, kann abstürzen

oder zu Höhenflügen ansetzen. Jedenfalls

verlässt er die Sicherheit des

Alltagstrotts. Der neue Wandkalender

der SFA für das Jahr 2005 regt über Fotografien

und Texte zu Auseinandersetzungen

mit verschiedenen Situationen

an, in denen wir Sprünge machen –

etwa bei den ersten Schritten, der ersten

Liebe oder beim ersten Stellenantritt.

Der Kalender eignet sich zur Suchtprävention

in Schulen oder zur Aufwertung

der eigenen vier Wände im Büro

und zu Hause. Er kann zum Einzelverkaufspreis

von 29.– (Rabatte für Schulen

oder Bestellungen ab 10 Stück) bezogen

werden bei:

SFA, Postfach 870, 1001 Lausanne.

Tel. 021 321 29 35.

E-Mail: buchhandlung@sfa-ispa.ch

Wer einen Apéro organisiert oder besucht, muss sich

ab Januar 2005 mehr denn je die Fragen stellen: Mit

oder ohne Alkohol? Und wenn mit: Wie viel ist zu

viel? Das SFA-Faltblatt Apéro und Alkohol gibt Antworten

auf diese Fragen und zeigt auf, wie gross die

INSERATE

Palette an attraktiven Apérogetränken ohne

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TRAMELAN

Chalet «Le Refuge»

Les Bises de Cortébert s/Tramelan (1200 m über Meer).

Auskunft und Anmeldung in Tramelan. Tel. 032 97 51 68.

Zimmer mit 2 und 4 Betten. Schlafsäle, insgesamt 50 Betten.

Dusche und Badezimmer, Selbstverpflegung.

Piazza Indipendenza 9,

6901 Lugano

Tel. 091 921 46 46

Fax 091 922 20 45

pestalo@bluewin.ch

www.attuale.com/pestalozzi.html

– Zentrale Lage, nahe am See

– Ruhige Zimmer oder mit Blick auf

den See

– Frühstücksbuffet

– Alkoholfreies Restaurant mit Tessiner

und vegetarischen Spezialitäten

– Saal für Veranstaltungen bis 150

Personen

Tradition und Gastfreundschaft ein

GASTA-Hotel

mehr als eine Druckerei

Da wo sich Menschen wohl fühlen!

Auf einer einmaligen Sonnenterrasse leicht oberhalb Aeschiried, mit herrlichem

Blick auf das umliegende Bergpanorama und den Thunersee, liegt

das Ferienzentrum Aeschiried in einen sanften Hügelzug in die Natur eingebettet.

Erleben Sie unbeschwerte Stunden in intakter Landschaft, fernab vom

lärmigen Strassenverkehr und vom Alltagsstress.

Ob Sie Erholung suchen, Gemeindeferien oder Seminare durchführen

wollen, in unserem Haus finden Sie alle diese Möglichkeiten zu sehr

angenehmen Preisen.

Bei uns erwartet Sie: Gastfreundschaft mit Herz!

CH-3703 Aeschi ob Spiez

Tel. 033 654 18 10, Fax 033 654 18 41

E-Mail: aeschiried@vch.ch

Internet: www.vch.ch/aeschiried

Hotel-Restaurant

Goldige Öpfel

5001 Aarau – Kasernenstr. 24

Im Zentrum von Aarau,

3 Gehminuten von Bahn- und

Busstation, an ruhiger Lage.

Komfortable Zimmer,

Frühstücksbuffet.

Preiswerte Mittagsmenus.

Räumlichkeiten für kleinere

Geschäfts- und Familienanlässe.

Alkoholfrei.

Tel. 062 823 21 21

Fax 062 822 32 63

Marktgasse 66, 8400 Winterthur

Tel. 052 312 89 29

Wir sind ein Werk des Blauen Kreuzes

St. Gallen-Appenzell und bieten 25 alkoholkranken

Menschen ein in ländlicher

Umgebung gelegenes Zuhause mit einem

geschützten Rahmen und sinnvoller

Beschäftigung.

Unser Angebot beinhaltet:

• angenehme Wohnsituation, Einzelzimmer

• strukturierter Tagesablauf

• individuelle Beschäftigung und Betreuung

• medizinische Versorgung durch unseren

Hausarzt und das Personal

• Einzelgespräche nach Bedarf und

Wunsch

• Freizeitanimation

Auskünfte und Information unter

Tel. 071 994 19 56, E-mail:

info@wohnheim-felsengrund.ch oder

www.wohnheim-felsengrund.ch


Laut amerikanischen

Forschern sind Anästhesisten

anfälliger für Drogenerkrankungen

als andere

Mediziner.

Foto: SFA

Die Internetseiten der Alkoholindustrie

üben auf Jugendliche

eine grosse Anziehungskraft

aus.

Foto: ZVG

14 15

Berauschendes

Berufsrisiko

Anästhesisten sind gefährdet

(ddp) Anästhesisten werden mit viermal höherer

Wahrscheinlichkeit drogenabhängig als andere Mediziner,

da sie im Kontakt mit den Patienten ständig geringen

Dosen von Narkosemitteln ausgesetzt sind.

Diese These vertrat der amerikanische Mediziner

Mark Gold von der Universität Florida in Gainesville

auf der Tagung der Society for Neuroscience in San

Diego. Substanzen wie Fentanyl und Propofol, die bei

der Narkose verwendet werden, sind teilweise tausendfach

wirksamer als Heroin und können abhängig

machen. Anästhesisten sind ihnen während Operationen

ausgesetzt, da die Patienten die verabreichten

Narkosemittel in geringen Dosen wieder ausatmen.

«Da Anästhesisten am Kopf der Patienten sitzen, um

die Narkose zu überwachen, atmen sie die Wirkstoffe

ein», erklärte Gold. Der Wissenschaftler und seine

Kollegen verwendeten für ihre Untersuchungen Sensoren,

wie sie das Militär zum Aufspüren von Nervengas

einsetzt, sowie Standardverfahren wie Gaschromatographie

und Massenspektroskopie. Die Untersuchung

zeigte, dass die höchste Fentanyl- und

Propofolkonzentration über dem Mund der Patienten

zu verzeichnen ist. Laut Gold könnten diese geringen

Dosen bei den Anästhesisten zu Gehirnveränderungen

und einer Sensibilisierung für Drogen führen.

Quelle: www.wissenschaft.de

Suchtverhalten von

Lehrkräften

Zigaretten gegen den Stress

86 Prozent der Lehrkräfte in der Schweiz haben

grundsätzlich Spass an der Arbeit, ein Fünftel aller Lehrenden

gibt aber an, man sei in diesem Beruf dauernd

überfordert, ein Drittel kann nur selten richtig abschalten.

Dies zeigt die Auswertung einer repräsentativen

Befragung von 577 Lehrkräften, welche die SFA im

Rahmen der Schweizer Schülerbefragung 2002 durchgeführt

hat. Das SFA-Forschungsteam untersuchte

den Zusammenhang zwischen Arbeitsüberforderung

und Suchtmittelkonsum. Es zeigte sich, dass 20 Prozent

der Lehrkräfte täglich rauchen und rund 10 Prozent

täglich Alkohol trinken. Damit liegen die Lehrerinnen

und Lehrer im gesamtschweizerischen Durchschnitt.

Bei den täglich rauchenden Lehrkräften konnte

ein klarer Zusammenhang zwischen Arbeitsüberforderung

und der Anzahl gerauchter Zigaretten festgestellt

werden – je grösser die Belastung, umso mehr

wird geraucht. Angesichts der Vorbildfunktion von

Lehrkräften lässt dieses Resultat aufhorchen. Untersuchungen

zeigen, dass die Beobachtung und Nachahmung

von Rollenmodellen einen entscheidenden

Einfluss auf das Rauchen Jugendlicher haben. Sowohl

die SFA wie auch der Lehrerverband sprechen sich

deshalb klar für eine rauchfreie Schule aus.

AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Nikotinabhängigkeit

Gendefekt spielt wichtige Rolle

(ddp) Manche Heranwachsende werden besonders

schnell nikotinabhängig, weil ihre Leber den Giftstoff

aufgrund eines bestimmten Gendefekts nur sehr

langsam abbaut. Das vermuten die Forscherin

Jennifer O´Loughlin und ihre Kollegen von der McGill-

Universität in Montreal nach der Untersuchung von

mehr als 1200 Jugendlichen. Die Wissenschaftler

analysierten Angaben zu Rauchgewohnheiten und

Symptome der Nikotinabhängigkeit von Schülern und

bestimmten anhand von Blutproben ein genetisches

Profil der Probanden. Zusätzlich wurden 228 der Freiwilligen,

die zu Beginn der Studie zwar rauchten, jedoch

noch nicht abhängig waren, von den Forschern

über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren beobachtet.

In dieser Zeit wurden 67 der Schüler nikotinsüchtig.

Probanden, die eine inaktive Variante des Gens

CYP2A6 trugen, entwickelten dreimal häufiger eine

körperliche Abhängigkeit vom Nervengift als Teilnehmende

mit der normalen Genvariante. Der Gendefekt

verlangsamt den Abbau von Nikotin in der Leber. Dadurch

ist das Gehirn dem Giftstoff länger und möglicherweise

auch besonders intensiv ausgesetzt.

Quelle: Tobacco Control (Bd. 13, S. 422)

Alkoholkonsum

Jugendlicher

Internetwerbung zeigt Wirkung

Eine Untersuchung der Radboud Universität Nijmegen

zeigt auf, dass die Internetseiten einiger Alkoholanbieter

Jugendliche zum Alkoholkonsum verleiten

können. Nach dem Besuch entsprechender Homepages

gaben Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren

an, dass sie diese Drinks probieren möchten. Besonders

beliebt waren bei den Jugendlichen Websites,

die eine Fotogallerie, Spiele sowie Musik zum Herunterladen

enthielten und in lockerer Sprache Jugendliche

ansprachen. Die Internetseiten von Palm (Bier),

Bacardi (Schnaps), Bacardi Breezer und Flügel (Alcopops)

übten auf die Teilnehmenden die stärkste Anziehungskraft

aus. Alterswarnungen blieben dabei

weitgehend unbeachtet. Befragt wurden 327 Schülerinnen

und Schüler zwischen 12 und 17 Jahren. Die

holländischen Forscher gewannen zusätzlich Erkenntnisse

über die Bekanntheit der Alcopop-Portale:

6 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren

kannten die Homepage von Bacardi Breezer,

7 Prozent jene von Flügel. Hochgerechnet auf diese

Altersgruppe in Holland bedeutet das, dass 72 000

respektive 84 000 Minderjährige die Seiten schon besucht

haben. Laut dem (freiwilligen) Werbekodex für

alkoholische Getränke darf Alkoholwerbung nicht

speziell an minderjährige Personen gerichtet sein.

Gestützt auf die neue Studie fordert die holländische

Stiftung für Alkoholprävention nun, dass Internetkampagnen

künftig verboten werden sollen, wenn

sie eines der Charakteristika enthalten, die für Minderjährige

erwiesenermassen besonders attraktiv

sind.

Quelle: Vriends, C (2004): Enjoy, but surf with moderation. A

study of the attractiveness of alcohol advertisements on Internet

to young people between 12 and 17 years old. Radboud University

Nijmegen, department of Communication. www.alcoholreclame.nl


PUNKTUM

die Tessiner die Romands und

Deutschschweizer hinter sich.

Foto: ADI

JAB Lausanne 1 In Sachen Bierkonsum lassen

Nüchterne

Antworten

auf Fragen

zum Rausch

Welche Sprachgruppe in der Schweiz trinkt am

häufigsten Bier? Wie viele Menschen setzen sich

auch dann noch ans Steuer, wenn sie drei und

mehr Gläser Alkohol getrunken haben? Und wie

viele Raucherinnen und Raucher möchten eigentlich

mit dem Rauchen aufhören? Die neue SFA-

Broschüre «Zahlen und Fakten» gibt klare und oft

überraschende Antworten.

(mm) Nein, es sind nicht die Deutschschweizer, die

am meisten Bier trinken hierzulande, sondern die Tessinerinnen

und Tessiner, gefolgt von den Romands.

Wer in die SFA-Broschüre «Zahlen und Fakten»

schaut oder sich die entsprechenden Dateien im

Internet herunterlädt, erlebt die eine oder andere

Überraschung. Die neuen Statistiken zu Alkohol und

anderen Drogen räumen nicht nur mit Klischees auf,

sondern erlauben auch einen Vergleich der Konsumgewohnheiten

in der Schweiz mit dem Ausland und

erlauben einen Blick unter die Oberfläche der Drogenberichterstattung.

So zeigt die Broschüre beispielsweise

auf, dass der Staat im Bereich der illegalen

Drogen über 20-mal mehr für Repression ausgibt

als für die Prävention, nämlich 587 Millionen Franken.

Rauchende «contre cœur»

Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass fast

zwei Drittel der Rauchenden in der Schweiz mit dem

Rauchen aufhören möchten. Das bedeutet: Nur rund

11 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer über

15 Jahren rauchen ohne die Absicht, aufhören zu wollen.

Gleichzeitig ist rund ein Viertel der Nichtrauchenden

täglich mindestens eine Stunde dem Rauch anderer

ausgesetzt. Die Kenntnis solcher Sachverhalte

erlaubt bei Diskussionen um die Ausweitung des

Nichtraucherschutzes sicheres Argumentieren.

Aussagekräftige Zahlen und Fakten findet auch, wer

sich die Frage stellt, ob die Revision des Strassenverkehrsgesetzes

nötig war. Die SFA-Broschüre zeigt

auf, dass 895 000 Männer und Frauen episodisch zu

viel trinken (d.h. mehr als fünf respektive vier Gläser

pro Gelegenheit) und dass jede(r) Sechste dieser

Gruppe sich nach dem Konsum von drei Gläsern oder

mehr noch ans Steuer setzt.

Die Broschüre «Zahlen und Fakten 2004» umfasst 96

Seiten und ist mit zahlreichen Tabellen und Grafiken

illustriert. Sie ist bei der SFA in den Sprachen Deutsch

und Französisch zum Preis von 8 Franken erhältlich

und auf der Internetseite www.sfa-ispa.ch kostenlos

verfügbar. Die einzelnen Kapitel werden laufend aktualisiert

und können als pdf-Datei heruntergeladen

werden.

Sie wachsen rauchfrei auf: Bhutan hat als erstes Land der Welt

den Verkauf von Tabakprodukten verboten. Foto: SFA


St(r)andpunkt

Alkohol als Brausepulver

Marketing mit Medien

(mm) «Wir haben acht Jahre getüftelt, jetzt überschwemmen

wir Deutschland». Mit diesem Satz

schaffte es Jost-Henner Nies am 15. Oktober in das

Boulevard-Blatt «Bild». Nies verkündete stolz, dass er

Alcopops in Pulverform entwickelt habe – ein Produkt

zum Selbermixen, das keiner Sondersteuer unterliege.

Die Meldung verfehlte ihre Wirkung nicht. Flugs

berichteten alle grösseren deutschen Medien, darunter

die öffentlichen und privaten Fernsehsender, über

die geschmacklose Erfindung und die Konsequenzen

für die Jugend. Namhafte Politikerinnen und Präventionsexperten,

unter ihnen die Drogenbeauftragte der

Regierung, Marion Caspers-Merk, liessen die Alarmglocken

läuten und kündigten Sanktionen an. Einer

Journalistin des Westdeutschen Rundfunks kam es

schliesslich in den Sinn, etwas genauer hinzuschauen.

Sie stellte fest, dass ausser den Medienleuten,

die damit beliefert worden waren, kaum jemand

vom neuen Trendartikel wusste. Keine Spur jedenfalls

von 40 000 Tüten, die laut Nies täglich auf

den Markt geschleudert worden waren. Stattdessen

ein Erfinder, der schliesslich kleinlaut zugab, dass das

Pulver zunächst kaum Abnehmer gefunden habe.

Dank der gigantischen Empörungsmaschinerie der

Medien habe die Nachfrage nun allerdings kräftig angezogen…

Blitzlicht

Rauchfreies Königreich

(mm) Das Himalaya-Königreich Bhutan will als erstes

Land der Welt vollständig nikotinfrei werden. Auf Anordnung

der Regierung werde der Verkauf von Tabakprodukten

vollständig verboten, teilte das Gesundheitsministerium

am 17. November mit. Bis zum

17. Dezember mussten Geschäfte, Hotels, Restaurants

und Bars ihre Tabakbestände vernichten. Wer

nach diesem Datum noch Tabak verkauft, muss mit

einer Geldstrafe von umgerechnet 260 Franken rechnen;

das durchschnittliche Monatseinkommen in

Bhutan beträgt rund 15 Franken. «Wir haben der WHO

mitgeteilt, dass wir das erste rauchfreie Land der Erde

werden», sagte Sangay Thinley vom Gesundheitsministerium

gegenüber der Nachrichtenagentur afp.

Der Genuss von Tabak wird nicht unter Strafe gestellt.

Allerdings werden die Rauchenden unter den 735 000

Bürgerinnen und Bürgern des streng buddhistischen

Königreichs Probleme haben, an Zigaretten zu gelangen.

Im Bergstaat wird kein Tabak angebaut; er wurde

bislang importiert, dies ist fortan aber verboten.

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