Weilroder Heft 17

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Weilroder Heft 17

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Weilroder Hefte

Für Geschichte, Volks-

und Familienkunde

Herausgegeben vom

Geschichtsverein Weilrod e.V. Heft 17

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Weilroder Heft 17

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Weilroder Hefte

Für Geschichte, Volksund

Familienkunde

Herausgegeben vom

Geschichtsverein Weilrod e.V. Heft 17

Herausgeber: Geschichtsverein Weilrod e.V., Februar 2016

Gesamtherstellung: Druckerei und Verlag Esser

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Weilroder Heft 17

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Weilroder Heft 17

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Weilroder Hefte

© 2016

Geschichtsverein Weilrod e.V.

www.geschichtsverein-weilrod.de

Schriftleitung und Korrektur:

Karin Müller

Friedegunde Eschenröder

Titelbild:

Backhaus zu Mauloff, Zeichnung von Ernst Heidemann, Altweilnau

Produktion:

Druckerei und Verlag Esser

Weilrod-Neuweilnau

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Weilroder Heft 17

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Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist sicher nicht übertrieben, wenn ich sage, dass das Jahr 2016 nicht nur ein ereignisreiches,

sondern wohl auch das bisher arbeitsreichste Jahr für den Geschichtsverein

Weilrod e. V. sein wird.

Zunächst freue ich mich sehr, dass wir nunmehr – wenn auch mit etwas Verspätung –

unser Weilroder Heft 17 fertiggestellt haben. Die Älteren unter uns werden sich noch

an die eine oder andere darin beschriebene ländliche Lebensart erinnern. Tauchen Sie

ein in die Vergangenheit unserer Heimat.

Dieses Weilroder Heft ist übrigens das erste Weilroder Heft, das auch in elektronischer

Form aus dem Internet heruntergeladen und als E-Book auf den Computern und mobilen

Endgeräten gelesen werden kann.

Viele von Ihnen kennen sicher unser 1987 herausgegebenes Buch „Weilrod – Die Geschichte

von dreizehn Taunusdörfern – von Rudi H. und Martha Kaethner“. Immer wieder

erreichten uns viele Anfragen nach dieser schon lange vergriffenen Ausgabe. Im

letzten Jahr hat sich deshalb unser Vereinsvorstand aufgrund der heutigen drucktechnischen

und auch digitalen Möglichkeiten dazu entschieden, dieses viel gefragte Buch in

aktualisierter, ergänzter Form neu aufzulegen.

Der von den Eheleuten Kaethner erarbeitete Teil bleibt im Wesentlichen unverändert,

allerdings wird die heutige Rechtschreibung eingearbeitet. Im zweiten, neuen Teil werden

wir das Buch bis zur heutigen Zeit fortschreiben. Alle Abbildungen, wie auch das

gesamte Erscheinungsbild des Buches, werden dem heutigen Stand der Technik entsprechen.

Bedanken möchte ich mich recht herzlich bei Herrn Gregor Maier, dem Leiter des Fachbereichs

Kultur des Hochtaunuskreises. Ohne seinen fachkundigen Rat und seine Mithilfe

insbesondere bezüglich der Fortschreibung des Buches, wäre diese Aufgabe nicht

zu bewältigen. Ferner werden wir auf die Unterstützung unserer Mitglieder und anderer

Experten angewiesen sein und darauf zurückgreifen.

Im Jahre 1991 hat unser Verein das Sonderheft „175 Jahre Forstamt Weilrod – 1816-

1991 – Schloss Neuweilnau“ herausgegeben. In diesem Jahr domiziliert das Forstamt

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Weilroder Heft 17

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Weilrod, heute unter dem Namen „Hessenforst“, bereits 200 Jahre im Schloss Neuweilnau.

Der Zuständigkeitsbereich dieser Dienststelle reicht heute weit über die Grenzen

von Weilrod hinaus. Wir werden in Zusammenarbeit mit Hessenforst dieses 200-jährige

Jubiläum wieder mit einer Sonderausgabe unserer Weilroder Hefte unterstützen.

Die Verwaltung unser Großgemeinde Weilrod hat sich lobenswerter Weise für das „Integrierte

Kommunale Entwicklungskonzept Weilrod“ – kurz IKEK (früher auch Dorferneuerung

genannt) entschieden. Außer für die kommunalen Aktivitäten bietet dieses

Projekt auch eine nicht unerhebliche finanzielle Unterstützung für private Investitionen.

Schon heute wird es von breiten Teilen unserer Bevölkerung und Vereinen mit getragen,

gestaltet und genutzt. Wir werden erleben, dass die vielfältigen Ideen und Aktivitäten

dieses Projektes die Attraktivität unseres Weilrod positiv voranbringen werden.

Weilrod wird somit für seine Bürger und Touristen noch attraktiver!

Mit diesem vielversprechenden Ausblick verbinde ich meinen Dank an alle am „Weilroder

Heft 17“ Beteiligten und wünsche Ihnen nun viel Spaß und Freude bei der Lektüre.

Hermann Türk

1. Vorsitzender

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Weilroder Heft 17

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Inhaltsverzeichnis:

Bilderrätsel: Wer sind diese Mauloffer Charaktere? ……………….8

Jahresprogramme & Presseberichte………………………….……..9

Jahresprogramm 2013………………………….………….....9

Jahresprogramm 2014…………………………….…..……. 10

Jahresprogramm 2015…………………………….…..……. 11

Die Kleine Mühle – ein Spiegel der Zeit……….……..…… 13

Nächster Appell in Sachen Museum……………….……..... 15

AUTOFREI - ab Mittag herrscht dann Hochbetrieb…......… 16

Mauloffer Historie: Wahre Schätze aus der Vergangenheit...18

Vorwort zu den Erinnerungen von Irene Schlösser………………. 20

Erinnerungen von Irene Schlösser, geb. Sachs…………………… 21

Finsternthal von 1945 – heute…………………………………….. 65

Finsternthal von 1945 – 1970…………………………….. 65

Finsternthal von 1970 – heute……………………………. 79

Genealogie der Schultheißenfamilie LEHR…………………........ 91

Einige Geschehnisse, hier Begräbnisse, zu Mauloff ……………..104

Becker Adolf - Fischer Lina -Palmer Erna……………………….106

Bilderrätsel – Auflösung………………………………………… 120

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Bilderrätsel: Wer sind diese Mauloffer Charaktere?

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Jahresprogramme & Presseberichte

In den nun folgenden Jahresprogrammen sowie in den Presseberichten, die wir mit der

freundlichen Genehmigung des „Usinger Anzeiger“ sowie der „Taunuszeitung“ hier

wiedergeben dürfen, spiegeln sich die Vereinsaktivitäten der letzten drei Jahre. Sie können

Bilder über viele der Aktivitäten auch auf der Webseite unseres Vereins betrachten:

www.geschichtsverein-weilrod.de.

Wir bedanken uns bei den Autorinnen für die Überlassung der Texte, aber auch für die

wohlwollende Berichterstattung.

Winterprogramm 2012/2013

Die Teilnahme an den Vorträgen des Vereins ist kostenlos und offen für jedermann!

Alle Vorträge beginnen, falls nicht anders angegeben, jeweils um 19:30 Uhr.

07.10.12 Teilnahme am „3. Mini-Golfturnier der Weilroder Vereine“ des

Golfclub Taunus Weilrod e. V.

19.10.12 Vortrag von Karl Otto Kilb mit Rundgang/Besichtigung des

Kirchbergs, in der „Pfarrscheune“ Rod an der Weil (Wiederholung)

09.11.12 Vortrag von Erwin Buhlmann

„Cratzenbach mit Bildern aus alter Zeit“, im Rathaus Cratzenbach

18.01.13 Vortrag der Herren Herbert Wischmann und Kevin Wischmann

„Finsternthal, ein Ortsteil Weilrods 1970 - heute“, im DGH Finsternthal

22.02.13 Vortrag von Hermann Türk

„Neuweilnau – wie es früher war“, im DGH Neuweilnau

15.03.13 Vortrag von Karl-Otto Kilb

„Die Roder Gasespitz“, im Restaurant „Aphrodite“, Rod a. d. Weil

19.04.13 Vortrag von Frau Ingrid Schmidt über

„Die Entwicklung der Deutschen Schreibschrift von 1900 bis heute“,

im DGH Gemünden (Wiederholung)

24.05.13 Jahreshauptversammlung, im Gasthaus „Zur Linde“, Gemünden

04.08.13 „10. Autofreier Weiltalsonntag“,

Informationsstand in Rod an der Weil

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25.08.13 5. Tag der offenen Tür im „Park Dreieich“,

Neuweilnau 14:00-17:00 Uhr

31.08.13 Jahresausflug zur Keltenwelt am Glauberg und nach Büdingen

08.09.13 „Tag des offenen Denkmales“

Informationsstand im Schloss Neuweilnau

Winterprogramm 2013/2014

Die Teilnahme an den Vorträgen des Vereins ist kostenlos und offen für jedermann!

Alle Vorträge beginnen, falls nicht anders angegeben, jeweils um 19:30 Uhr.

Fr. 01.11.13

Fr. 17.01.14

Fr. 21.02.14

Fr. 28.03.14

Fr. 16.05.14

So. 03.08.14

So. 24.08.14

Sa. 06.09.14

So. 14.09.14

Vortrag von Karl-Otto Kilb „Die Roder Gasespitz“,

im Restaurant „Aphrodite“, Rod a. d. Weil (Wiederholung)

2. Teil bzw. Fortsetzung: Vortrag von Hermann Türk

„Neuweilnau – wie es früher war“, im DGH Neuweilnau

Vortrag von Karl-Otto Kilb

„…Ziegelhütte…“, im Restaurant „Ziegelhütte“

17.00 Uhr: Vortrag von Herbert Wischmann

„Militärhistorischer Rundgang durch Finsternthal“

Treffpunkt: Am alten Rathaus/Ortsmitte“

Jahreshauptversammlung, „Landsteiner Mühle“

„11. Autofreier Weiltalsonntag“

Informationsstand in Rod an der Weil

14-17.00 Uhr: 6. Tag der offenen Tür im „Park Dreieich“,

Neuweilnau

Jahresausflug

„Tag des offenen Denkmales“

Informationsstand im Schloss Neuweilnau

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Jahresprogramm 2015

Die Teilnahme an den Vorträgen des Vereins ist kostenlos und offen für jedermann!

Alle Vorträge beginnen, falls nicht anders angegeben, jeweils um 19:30 Uhr.

Fr. 22.05.15

Sa. 27.06.15

Sa. 01.08.15

So. 02.08.15

Sa. 22.08.15

So. 06.09.15

So. 13.09.15

Sa. 26.09.15

So. 27.09.15

Sa. 17.10.15

Fr. 30.10.15

Jahreshauptversammlung

im Landgasthof Ziegelhütte, Beginn um 19:30 Uhr

Dorffest im Schmiedhof

Schmiedhof in Rod an der Weil (links neben Gaststätte Felsenkeller

mit einem Vortrag über den Schmiedhof von Karl-Otto Kilb, Beginn

um 15 Uhr

Heimatarchiv Mauloff - Tag der offenen Tür

im Dorfgemeinschaftshaus Mauloff, Heideweg 7,

Beginn um 15:00 Uhr. Besucher können sich die

interessantesten Exponate der Ausstellung anschauen und mit

Wolfgang Haub über ihre Geschichte diskutieren.

12. Autofreier Weiltalsonntag

Informationsstand am „Billy-Berclau-Kreisel“ in

Rod an der Weil, 09:00 - 17:00 Uhr

Jahresausflug nach Idar-Oberstein

Weitere Details finden Sie auf unserer Webseite!

7. Tag der offenen Tür im „Park Dreieich"

Parkstr. 11, Neuweilnau, 14:00-17:00 Uhr

Tag des offenen Denkmales von 13:00 bis 16:00 Uhr.

Das diesjährige Thema: „Handwerk, Technik und Industrie“, Informationsstand

im Schloss Neuweilnau

Offene Gärten Oberes Weiltal, v. 14:00 bis 20:00 Uhr,

von 11:00 bis 18:00 Uhr. Informationsstand im Schloss

Neuweilnau

30. März 1945: Der letzte Kriegstag in Finsternthal.

Realer militärhistorischer Rundgang durch Finsternthal

im Freien mit Herbert Wischmann. Treffpunkt ist der

Brunnenplatz in Finsternthal um 14:00 Uhr!

Vortrag von Karl-Otto Kilb über die Ziegelhütte

(Wiederholung) im Restaurant „Ziegelhütte“

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Sa. 14.11.15

Vortrag von Wolfgang Haub: Mauloff, unser Dorf:

1156 - heute

Ein Abend über Menschen und Geschichten unseres Dorfes Mauloff,

im Gasthaus „Zum Kühlen Grund“ in Mauloff, Beginn um 20:00

Uhr

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Taunuszeitung, 04.04.2013

Die Kleine Mühle – ein Spiegel der Zeit

Von Corina Appel

Des einen Freud war des anderen Frust. Denn als der Müller die „Klaa Mill“ erweitert

hatte, blieb dem Ölmüller das Wasser weg . . . Von solchen historischen

Anekdoten aus Rod an der Weil kann Karl-Otto Kilb viele erzählen. ?

Das Mitfahren im Arbeiterbus war zeitweise recht "erfrischend", da Fenster und Türen

fehlten, was für reichlich Zugluft sorgte. In humorvoller Art schilderte Karl-Otto Kilb

vom Geschichtsverein Weilrod, dass 1948 mangels Ersatzteilen der Bus nach einem

Unfall nicht richtig repariert werden konnte, sondern notdürftig hergestellt weiter genutzt

wurde. Mit diesem Bus sei er auch eine ganze Zeitlang zur Arbeit gefahren, erinnert

sich Kilb, der jüngst einen Vortrag zur "Roder Gasespitz", eine Bezeichnung für

das Gebiet am Ortseingang Rod an der Weil, hielt. Als Busgarage diente damals das

heutige Feuerwehrhaus. Der Stadtbus, der den Arbeiterbus später ablöste, war zu groß

für die Garage und musste auf dem Hof von Kilbs stehen, was der Schiffsmotor des

Gefährtes bei kalten Temperaturen übel nahm. Tatsächlich entfachte Fahrer Kurt

Schröder im Winter ein Feuer unter dem Motor, damit er warm wurde und fuhr. Was

der Referent erzählte, war einigen Anwesenden im voll besetzten Saal der Gaststätte

"Aphrodite" noch lebhaft in Erinnerung.

Ein Foto zeigte die Klein-Mühle aus dem Jahr 1934. Davor wehte die Hakenkreuzflagge,

was die politischen Ansichten der Dorfbewohner widerspiegelte und damals völlig

normal gewesen sei. Die Geschichte der Klein-Mühle reicht bis ins 15. Jahrhundert

zurück. Über vier Jahrhunderte lang drehten sich die Räder der "Klaa Mill" an der Weil.

1764 bauten Johann Jost Will und seine Frau Maria die Mühle neu auf. Nach dieser

Erweiterung hatte nun der Ölmüller Johannes kein Wasser mehr, weshalb es eine Anordnung

von offizieller Stelle gab, dass ihm jede Nacht und an zwei Tagen der Woche

das Wasser der Weil komplett zur Verfügung stehen musste.

Alle männlichen Wills waren von Beruf Müller, erklärte der Referent. Erst der Tod von

Johannes Will 1845 unterbrach diese Linie, da der Sohn erst elf Jahre alt war und die

Witwe das Anwesen verkaufen musste. Der neue Besitzer hieß Philipp Veit. 1875 ging

die Mühle durch die Heirat von Dorothea Katharina Veit mit Christian Will wieder in

den Will'schen Besitz über. "So eine Mühle ging durchs ganze Haus", berichtete Karl-

Otto Kilb, "alles hat geschaukelt, und es war laut. Die Leute hatten also Tag und Nacht

keine Ruhe." Das Wasserrad sei 1932 von Georg Will, der lange Obermeister der Müller-Innung

war, gegen eine Turbine ausgetauscht worden. 1945 erlitt die Müller-Familie

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einen schweren Schicksalsschlag. Durch Beschuss der Amerikaner brannte die Mühle

bis auf die Grundmauern nieder. Gerade das strohgedeckte Dach brannte wie Zunder.

Die Tiere konnten noch rechtzeitig aus den Stallungen getrieben und später im Dorf

wieder eingefangen werden. Doch eines der Pferde muss wohl gebrannt haben, und einer

der Dorfbewohner hat es deshalb in den nahe gelegenen Bach getrieben.

In den 1960 er Jahren hat das Mühlensterben begonnen, auch die Kleine Mühle war

bald betroffen. 1972 standen die Mahlwerke endgültig still. Auch Hans-Jörg Wraase-

Will, der vorletzte Besitzer, konnte sie nicht mehr zum Leben erwecken. 40 Jahre lang

lag die Mühle im Dornröschenschlaf, bis Dirk Wraase-Will in jüngster Vergangenheit

begonnen hat, das ehemalige Mühlhaus zu einem Wohnhaus umzubauen, in dem heute

drei Parteien leben.

Taunuszeitung, 05.06.2013

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Nächster Appell in Sachen Museum

Von Monika Schwarz-Cromm

Wohin mit den vielen Dingen aus der Vergangenheit Weilrods? Der Geschichtsverein

würde lieber heute als morgen ein Museum eröffnen. Aber wo?

Ein Thema beschäftigt den Geschichtsverein seit Jahren: die Einrichtung eines Heimatmuseums.

Auch bei der jüngsten Jahreshauptversammlung wurde wieder darüber gesprochen.

Aus eigenen Mitteln könne der Verein das nicht bewerkstelligen berichtete

Hermann Türk, bis zur Sitzung Vorsitzender des Vereins - wie berichtet, stand er für

dieses Amt nicht mehr zur Verfügung.

„Ohne die kostenlose Bereitstellung geeigneter Räumlichkeiten durch die Gemeinde

kann der Verein aus finanziellen Gründen kein Gemeindemuseum aufbauen und betreuen“,

sagte Türk. Der Verein sei daher auf die Gemeinde angewiesen. Die von der

Verwaltung zur Verfügung gestellten Räume im Untergeschoss des Bürgerhauses in

Emmershausen reichten aber leider für ein Heimatmuseum nicht aus, sagte Türk. Ein

Raum sei dort für das Archiv reserviert, ein anderer diene dem Geschichtsverein als

Lager.

Türk erinnerte an die Vereinssatzung, die den Aufbau eines Museums als Vereinszweck

nennt. Und er erinnerte auch an das Versprechen von Bürgermeister Axel Bangert

(SPD) anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Geschichtsvereins. Damals habe

Bangert versprochen, sich dieses Themas anzunehmen.

„Er hat seine Zusage eingehalten“, betonte Türk und verwies auf die Vorschläge für ein

Museum: das Geschichtshaus Oberlauken, Schloss Neuweilnau, „Das Lädchen“ in Niederlauken,

das Alte Forsthaus in Rod an der Weil, die Alte Schule in Hasselbach, das

Bürgerhaus Emmershausen sowie das Backes in Gemünden. Viele Möglichkeiten, allerdings

noch nichts Konkretes.

Usinger Anzeiger, 04.08.2014

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AUTOFREI - ab Mittag herrscht dann Hochbetrieb

WEILROD - (df). Ein wenig mulmig mag es dem ein oder anderen Helfer an den Ständen

entlang der 30 Kilometer langen Strecke des Weiltalsonntags am frühen Vormittag

schon gewesen sein. „Es ist übersichtlich“, war da noch die eleganteste Umschreibung

für einen recht verhaltenen Start der Großveranstaltung, die in kommunaler Kooperation

von Weilrod, Weilmünster und Weilburg ausgerichtet wurde. Die Gründe dafür

wurden beim Wetter oder bei den hessischen Sommerferien gesucht, doch ab der Mittagszeit

herrschte dann doch Hochbetrieb.

Alles was Beine, Räder oder Reifen hatte und nicht motorisiert war, konnte bei Cratzenbach,

in Rod, Emmershausen oder Winden das Fahrzeug parken und gleich in die

Strecke einsteigen. 32 Mann der Weilroder Feuerwehren aus den Ortsteilen Altweilnau

und Neuweilnau, Cratzenbach, Rod, Emmershausen Niederlauken und Gemünden waren

in jeweils zwei Schichten für den Absperr- und Sicherheitsdienst auf dem Weilroder

Teil des Weiltalsonntags verantwortlich.

Fahrradstreifen der Polizei aus dem Direktionsbereich Limburg und aus dem Hochtaunuskreis

fuhren die Strecke, die über Weilmünster nach Weilburg führt, zusätzlich

ab. Für die medizinische Notfallversorgung war das Deutsche Rote Kreuz zuständig.

Der Ortsverein Weilrod hatte zwei Stationen in Rod und Emmershausen eingerichtet

und 16 Helfer im Einsatz.

Schwerpunkt der Strecke war auf Weilroder Gemeindegebiet der Kreisel in Rod und

der Rewe-Parkplatz, wo Feuerwehr und Vereine für das leibliche Wohl gesorgt hatten.

Viele Erwachsene nutzten die willkommene Pause zum Ausruhen und Plauschen, während

der Nachwuchs sich auf der Hüpfburg des CDU-Stands oder beim Versuch, so

viele Bälle wie möglich in der SPD-Torwand zu versenken, amüsierte. Ebenso beliebt

waren bei den Jüngsten auch die Spiele des Kultur- und Förderkreises Burg Altweilnau.

Aber auch viele Infostände gab es, von der Gemeinde Weilrod über den Allgemeinen

Deutschen Fahrrad-Club und die Landakademie Weilrod bis hin zur Prostatakrebs-

Selbsthilfegruppe Hochtaunus und zum Geschichtsverein. Der hatte denn auch eine

kleine Kostbarkeit ausgestellt: ein Exemplar der WM-Sonderzeitschrift vom 5. Juli

1954. Exakt 60 Jahre habe es im Geschichtsarchiv im Neuweilnauer Schloss unbeachtet

gelegen, erzählt Anja Wischmann, bis es beim Umzug in die neuen Räumlichkeiten in

Emmershausen, genau am 5. Juli dieses Jahres, wieder aufgetaucht sei.

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Und das alles, während die Band „Halb Stark“ die Menschen mit Livemusik unterhielt.

Bis Winden gab es weitere Verpflegungsmöglichkeiten und Attraktionen wie etwa die

Ausstellung alter Traktoren der „Schlepperfreunde Hinnertaunus“.

Von 9 bis 17 Uhr konnten die Teilnehmer des autofreien Weiltalsonntags, die aus allen

angrenzenden Gemeinden und Kreisen angereist waren, auf der Landesstraße ungeniert

flanieren, radeln, skaten und bei vielen Freizeitangeboten und angenehmen Temperaturen

die Seele baumeln lassen. Beatrix Heinz, Einsatzleiterin des DRK, zog eine unspektakuläre

Bilanz – mit neun kleineren Hilfeleistungen bei Schürfwunden und Blasen. Nur

ein einziges Mal musste der Rettungswagen wegen eines neurologischen Notfalles ausrücken.

Als Familienveranstaltung mit sportlichem Charakter konnten die Organisatoren mit

genügend Angeboten für Groß und Klein wieder punkten. Der Charme und die Attraktivität

des Weiltalsonntags werden wohl auch in einer zwölften Auflage wieder eine

Menge Wiederholungstäter anlocken.

Der Stand des Geschichtsvereins Weilrod am Weiltalsonntag

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Taunuszeitung, 19.11.2015

Mauloffer Historie: Wahre Schätze aus der Vergangenheit

Von Corina Appel

Um die Geschichte lebendig zu halten, muss sie weiter erzählt werden. Deshalb

hat Wolfgang Haub einen weiteren Abend lang Geschichte(n) von Mauloff präsentiert.

Hier nun Teil 1:

Foto: Eine Mauloffer Schulklasse aus dem Jahr 1937.

Mauloff. Hat man 850 Jahre geschafft, dann hat man viel zu erzählen. Nun ist zwar

Mauloff, das anfangs Mulefo hieß und danach noch andere Namen trug, bereits in diesem

fortgeschrittenen Alter, doch ein Dorf an sich kann ja nicht berichten. Dafür gibt

es aber Menschen, die sich mit der Geschichte befassen, recherchieren, dokumentieren,

zusammenfassen und sie in komprimierter Form anderen Menschen zugänglich machen.

So jemand ist Wolfgang Haub.

In seinem Vortrag über Mauloffer Geschichte(n) berichtete er zunächst über einen Vertrag:

ellenlang, 100 Seiten und handgeschrieben. Verfasst hat ihn Schultheiß Philipp

Nöll im November 1781, also vor 234 Jahren. Darin ging es um die Überschreibung des

Grindtschiebel, heutiges Grünschiebel, einer Waldfläche oberhalb von Mauloff am Seelenberger

Weg gelegen.

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Die wurde „Eurer hochfürstlichen Durchlaucht“, dem Fürsten von Nassau-Usingen vermacht.

Allerdings nicht, weil die Mauloffer so freigiebig waren, sondern als Schuldtilgung.

Hintergrund: Im Jahr 1774 hatte ein Hagelschlag große Flächen des Waldes zerstört

und dadurch kamen die Bergleute ihrer Verpflichtung, Küchenholz zu liefern, nicht

mehr in vollem Umfang nach. „Krass“, meinte Axel Kresse, der zweite Vorsitzende des

Geschichtsvereins, „dass ein Vertrag, so viele Seiten hat.“ Und Wolfgang Haub rief ins

Publikum, dass er noch jemanden sucht, der die 100 Seiten „übersetzt“.

Danach gab es einen satten Sprung von über 200 Jahren zur Mauloffer Kerb. Hierzu

hatte der ehemalige langjährige Ortsvorsteher etliche Bilder „ausgegraben“. Fotos von

Kerbeburschen, vom Umzug, von den Kindern beim Umzug, den Frauen, der Blaskapelle

und dem recht massigen Kerbejohann. Alle aus verschiedenen Jahren und viele,

der auf den Fotos Abgebildeten, kannten die Besucher des Vortrages im Gasthaus „Zum

Kühlen Grund“ noch. Einige waren gar selbst darauf zu erkennen.

Manches war es eben bereits zu Zeiten von Schwarz-Weiß-Aufnahmen wert, fotografiert

zu werden. So konnte Haub einige Fotos von Schulklassen zeigen und auch hier

viele der abgebildeten Mädchen und Jungen mit Namen benennen. Eine Gaudi für die

Anwesenden, waren doch teilweise ihre Mütter, Väter, Großeltern in jungen Jahren auf

diesen Fotos zu sehen.

Und dann ging das Mitglied des Geschichtsvereins der Frage nach, woher der Name des

Schützenvereins kommt, der 1920 gegründet wurde. Dafür sprang Haub ins Jahr 1813.

Es war die Zeit der Kriege von und gegen Napoleon. Und hier gab es einen Adolf Wilhelm

von Lützow, der mit seinem berühmten Freikorps erfolgreich gegen den französischen

Feldherrn kämpfte. Das Korps habe vorwiegend aus Studenten und Akademikern

bestanden. Dazu berichtete Haub interessante geschichtliche Details. Auch darüber,

dass der Krieg nicht weit weg war. Über die Rennstraße seien die Soldaten immer wieder

durch den Taunus und durch Mauloff marschiert. „Sie brauchten Kleidung, Nahrung

und Pferde. Und von wem haben sie es genommen? Von den Bauern“, erklärte Haub.

Doch wie kam der Schützenverein nun zu seinem Namen? Das hatte wohl mit dem

Gedanken an Freiheit und Befreiung zu tun. Genau wisse man es zwar immer noch

nicht, was die Altvorderen dazu bewogen hatten, den Verein Lützow zu nennen. Aber

mit seinen Erklärungen konnte Haub doch ein wenig mehr Licht in deren Gedankengänge

bringen.

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Vorwort zu den Erinnerungen von Irene Schlösser

Im nachfolgenden handelt es sich um die handschriftlichen Aufzeichnung und Erinnerungen

von Irene Schlösser, geb. Sachs. Dabei schildert sie ihre ganz persönlichen Erinnerungen

an das Dorf und das Leben in Mauloff. Aufgeschrieben hat Irene sie im

Februar 2012.

Es ist jeder aufgefordert, diese Dinge zu ergänzen und, wenn es notwendig sein sollte,

auch anders darzustellen. Ich jedenfalls bin Irene für die viele Arbeit, vielleicht auch

Mühe, dankbar, denn damit wird ein Stück des „alten Mauloff“ zum Teil wieder lebendig.

Ich habe im Januar 2013 ihre handschriftlichen Aufzeichnung abgeschrieben und

werde sie den Unterlagen für unser Dorf beifügen.

Die von mir gemachten Anmerkungen oder auch Ergänzung habe ich kursiv dargestellt.

Grundsätzliches gibt es zu den mundartlichen Hausnamen zu sagen. Hier gibt es ja

keine verbindliche Schreibweise. Die phonetische Aussprache, Wahrnehmung und Weitergabe

sind teilweise unterschiedlich. So habe ich mich für die Schreibweise entschieden,

wie ich sie wahrgenommen habe. Irene ist in einigen Dingen anderer Auffassung.

Ich habe die Unterschiede nachstehend aufgeführt.

Wolfgang Irene Herkunft

Schnaarersch Schneirers Beruf des Schneiders

Phile-Perrersch

Philes-Perrersch

Vinze-Schnaarersch Vinze-Schneirers Familienname Vinze und

Beruf Schneider

Mähl`s

Mehl`s

Waanersch Wannersch Beruf des Wagners

Schoustersch

Beruf des Schuhmachers

Wolfgang Haub, im Januar 2013

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Erinnerungen von Irene Schlösser, geb. Sachs

Inhalt:

Brotbacken in Mauloff .......................................................................... 22

Mauloffer Ehrenämter ........................................................................... 28

Gemischter Chor Mauloff ..................................................................... 35

Wovon bestritten die alten Mauloffer ihren Lebensunterhalt? ............. 37

Das Dorfgemeinschaftshaus und seine Hausmeisterinnen ................... 39

Versorgung von Mauloff mit Gütern und Lebensmitteln ..................... 41

Die Strukturierungen des dörflichen Lebens, der Landwirtschaft

und des Zusammenlebens in den Dörfern (auch in Mauloff) ............... 47

Das Familienferiendorf Mauloff – genannt auch Landheim ................. 49

Das Mauloffer Dorfgemeinschaftshaus –DGH ..................................... 52

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Brotbacken in Mauloff

Bevor der Winter 2011/2012 zu Ende geht, möchte ich noch einige meiner Mauloffer

Erinnerungen aufschreiben. Vielleicht interessiert sich später doch einmal jemand für

Mauloffer Geschichte - wenn nicht, dann ist es auch nicht verloren.

Diesmal will ich mich mit dem Brotbacken beschäftigen, auch deshalb, weil vor einiger

Zeit hier im Dorf die Idee und Begeisterung aufkam, man könne ja wieder mal Brot

backen, der Backofen sei ja noch da usw. usw. Ich denke, die Idee wurde ganz schnell

wieder begraben, als man sich darüber klar wurde, mit wieviel Arbeit das Backen verbunden

ist – vielleicht habe ich mich aber auch getäuscht.

Aber nun zur Sache (zum Backen) selbst. Die Vorbereitungen dafür begannen in der

Regel etwa ein Dreivierteljahr vorher! Denn man musste zunächst in den Wald gehen,

das „Backholz“ zu machen. Wenn der Holzeinschlag beendet war und das Nutzholz

(Stammholz = Brennholz) abgefahren war, das fand im Nachwinter statt – also im späten

Winter, wurde das Leseholz versteigert. Man konnte nicht ohne weiteres in den

Wald gehen und sich holen, was und wieviel man wollte. Als Backholz kam nur Buche

in Frage, das waren Kronen, Äste usw.. Nur die Buche brachte die nötige Hitze für den

Backofen. Das dickere Kronenholz wurde auch noch zu Brennholz aufgearbeitet und

verkauft. Der Rest stand dann als Leseholz zur Verfügung.

Das Leseholz wurde verspielt, d.h. eigentlich durch Losentscheid zugeteilt. Um diese

Lose festzulegen, ging der Haumeister (das war hier in Mauloff viele Jahre Heinrich

Reuter = Christians Heinrich) mit einer weiteren Vertrauensperson in den Wald, um die

Lose festzulegen. Es mussten möglichst so viele Lose eingeteilt werden, wie Haushalte

im Dorf waren – das waren lange Zeit 29 Häuser.

Das Holz sollte möglichst gleichmäßig aufgeteilt werden, was sicher nicht immer ganz

einfach war. Die einzelnen Abschnitte wurden mit Holzpflöcken abgeteilt und mit Nummern

versehen. Entsprechend wurden die Nummern auf Zetteln oder Klötzchen notiert.

Das „Verlosen“ selbst fand, nach vorherigen Bekanntmachung durch die Ortsschelle,

beim Bürgermeister statt. Anschließend ging man in den Wald, um das gezogene Los

zu suchen und zu begutachten. Danach begannen im Dorf immer wieder Diskussionen

und laute Beschwerden, denn irgendjemand oder mehrere Leute fühlten sich immer benachteiligt,

weil entweder das gezogene Los zu klein war oder nicht genug Holz darin

lag. Dann tat man gut daran – je nach Wetterlage – das Leseholz so schnell wie möglich

aufzuarbeiten und nach Hause zu schaffen. Es kam immer wieder zu seltsamen Grenzveränderungen

oder Grenzbereinigungen zwischen den gezogenen Losen sprich Wald-

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stücken. Das Jahr war lang und Backholz ein entsprechendes kostbares Material. Unterschieden

beim Aufarbeiten wurde zwischen „Bengelholz“ und „Reisern“. Bengelholz

waren Äste, die man (besonders im Sommer) auch zum Feuern des Küchenherdes

brauchte, der Rest waren Reiser (Reisig), die zu Wellen (Büschen) gebunden wurden,

möglichst fest mit Kordel, die vom Futterstroh übriggeblieben war. Draht wurde selten

genommen, das hätte Geld gekostet und das waren unnötige Ausgaben. Das Aufarbeiten

des Leseholzes im ausgehenden Winter war teilweise auch Frauenarbeit. Schön scheußlich

war das manchmal, wenn man im abtauenden Schnee stand mit ganz normalen

Schuhen (Gummischuhe oder Stiefel hatte man erst in den letzten Jahren) und selbstgestrickten

Handschuhen, patschnasse Füße und Handschuhe waren garantiert. Ich kann

das stichhaltig beurteilen, denn ich durfte einige Jahre bei dieser Arbeit mithelfen. Das

so gewonnene Holz und die Wellen wurden möglichst umgehend nach Hause geschafft,

denn ab und zu fand da auch schon mal über Nacht eine seltsame Verringerung statt!!

Das Bengelholz und die Wellen trockneten dann über Sommer und konnten ab Nachsommer

oder Herbst verwendet werden. Wohl dem, der aus dem Vorjahr noch geeignetes

Backholz zur Verfügung hatte.

Und nun zum Brotbacken selbst. Mehl hatte man (hoffentlich) genug aus eigener Erzeugung.

Das Brot wurde in aller Regel ausschließlich aus Roggenmehl gebacken. Am

Abend vor dem Backtag wurde der Backtrog herbeigeholt, ganz sauber ausgekehrt und

in der Küche (im Sommer) und im Winter in der Wohnstube auf zwei Hocker oder

Stühle aufgestellt. Im Winter waren die Küchen oft nicht ausreichend warm zu bringen.

Es wurde die entsprechende Menge Mehl eingefüllt, damit dieses über Nacht Zimmertemperatur

annehmen konnte. Der Sauerteig, auch Heberling genannt, musste angesetzt

werden mit Wasser, denn der musste über Nacht aufgehen. Der Heberling war getrockneter

Sauerteig vom letzten Backtag. Die erforderliche Menge kannte man aus Erfahrung.

Warum der Sauerteig Heberling hieß, ist mir bis heute nicht aufgegangen.

Am nächsten Morgen begann dann der eigentliche Backtag. Das Mehl wurde mit dem

Heberling, Salz und der entsprechenden Menge Wasser vermischt und das Ganze kräftig

durchgeknetet. Das war eine verdammt schwere Arbeit, auch abhängig von der beabsichtigten

Menge Brot, das gebacken werden sollte. Man sollte am besten einigermaßen

groß und stabil sein, damit man in den Backtrog bis unten hinkam und den schweren

Teig auch ordentlich durchkneten konnte. In aller Regel war das die Arbeit der Hausfrau.

Dann musste der Teig ruhen und aufgehen. Die Brotkörbchen wurden herbeigeholt.

Mehl, Brotkörbchen und Backtrog befanden sich in der backfreien Zeit entweder

auf dem Speicher oder in einer Vorratskammer. Die Backkörbchen wurden auf der

Oberseite mit im Mehl eingetauchten Lappen ausgelegt und dann mit möglichst gleich

großen Teiganteilen gefüllt. Danach mussten die vorbereiteten Brotteige noch einmal

kräftig aufgehen.

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Inzwischen wurde im Backhaus (Backes) der Backofen angefeuert, nachdem man vorher

eine entsprechende Anzahl von Wellen dorthin gebracht hatte, und auf die nötige

Temperatur gebracht. Wenn die Oberseite des Backofens weiß glänzend war, wurden

die Kohlen mit einem Holzkrätzer herausgekratzt und das Brot konnte eingeschossen

werden. Dazu benutzte man den Schießer, ein stabiles Holzbrett an einem langen Holzstiel.

Die Arbeit im Backhaus war in der Regel Arbeitsteilung. Die Männer versorgten

den Ofen und die Frauen mussten zuarbeiten, d.h. die rohen Laibe auf den Schießer

stürzen, mit Wasser einpinseln (frischen) und ab ging es in den Ofen. Die Backzeit betrug

je nach Menge und Größe der Brote ca. 1 Stunde (Erfahrungssache). Nach der

Hälfte der Backzeit wurde das Brot umgeschossen, d.h. im Backofen umgesetzt (von

hinten nach vorne und umgekehrt), damit möglichst gleichmäßiges Backen gewährleistet

war. Dabei wurde das Brot noch einmal gefrischt, damit es möglichst auch einen

schönen Glanz bekam (was nicht immer gelang).

Die Backabstände waren in den einzelnen Häusern verschieden, je nachdem wie viele

Personen zu versorgen waren. Im Sommer in der Regel etwas länger, denn man hatte

im Haus, Hof und Feld oft mehr als ausreichend zu tun. Im Winter etwas weniger lang,

da war naturgemäß etwas mehr Zeit und der Backofen sollte auch nicht für so lange

auskühlen.

Wer in der entsprechenden Woche backen wollte, ging dienstags um 11 Uhr beim Läuten

ins Backhaus, das war ein fester Termin, um sein Backlos zu ziehen. Damit wurde

die Reihenfolge des Backens, das war in aller Regel freitags und samstags, bei sehr

großem Bedarf auch schon mal donnerstags, festgelegt. Zu diesem Zweck waren Holzklötzchen

(in der Art von Dominosteinen) vorhanden mit den Nummern von 1 bis 16

(soweit ich mich erinnere) und je nach Anzahl der Interessenten. Diese schüttete Dickersch

Nette, die auch um 11 Uhr das Läuten besorgte, in ihre Schürze und jeder der

Anwesenden zog sich ein Hölzchen heraus. Damit war die Reihenfolge des Backens

festgelegt; außer dem Anbacken, das war das erste Anheizen des Ofens in der jeweiligen

Woche - und das ging reihum. An diese Reihenfolge hatte man sich zu halten, denn das

kostete eine entsprechend größere Menge Backholz. Wenn es einmal gar nicht passte,

konnte man das Anbacken schon mal tauschen mit dem Nachbarn oder Verwandten im

Dorf – aber in der nächsten Woche war man auf jeden Fall dran.

Der Backofen war Eigentum der Gemeinde und kostenfrei nutzbar. Er fasste etwa 28

bis 30 Laib Brot. Ganz voll machte man den Ofen eigentlich nie, denn vorne im Bereich

der Tür wurde immer etwas Platz gelassen für Kuchen. In der Regel Brotkuchen, der

etwa die vierfache Größe von heute üblichen Herdblechen hatte und die „nachgeschossen“

wurden. Die brauchten eine entsprechend kürzere Backzeit und kamen mit der verbliebenen

Resthitze aus.

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Vor den Feiertagen (Ostern, Pfingsten, Weihnachten usw.) sollte möglichst am Samstag

kein Brot gebacken werden, denn dann waren für die Festtage die Kuchen dran. Man

tat sich mit mehreren Familien zusammen, um die Back-Abfolge abzukürzen und um

Holz zu sparen. Dann gab es auch Hefekuchen aus Weißmehl auf dem Blech! Weißmehl

war relativ rar, denn der Weizenanbau rentierte sich wegen der Bodenbeschaffenheit

und der Höhenlage in Mauloff nicht so richtig – also waren die Mengen entsprechend

groß oder klein. Im Verlauf dieser Aktionen musste man schon mal bei den Mit-Bäckern

vorbeischauen, ob und dass der vorgesehene Zeitplan eingehalten werden konnte. Telefon

gab es zu dieser Zeit noch nicht, also musste man schon mal durchs Dorf eilen, um

entsprechend nachzufragen.

Beim Brotbacken musste man im Winter besonders darauf achten, dass die rohen Brotlaibe

beim Transport in das Backhaus keinen „Zug“ bekamen, da der Teig sonst zusammenfiel

und beim Heimtransport die gebackenen Brote ebenfalls. Wenn diese zu schnell

abkühlten, dann platzten sie immer von der Kruste ab, sie rissen, und waren dann leichter

verderblich oder schneller trocken.

Den Rest Brot vom vorhergehenden Backen wollte zum Schluss keiner mehr so richtig,

es war in aller Regel sehr trocken und konnte oft nur „eingetunkt“ (in Kaffee oder

Milch) gegessen werden. Weggeworfen wurde auf keinen Fall etwas, und die Hausfrau

erlaubte das Anschneiden eines frischen Laibes in der Regel nur, wenn der letzte Rest

vom alten Brot aufgegessen war. Wenn man erwischt wurde, dass man das letzte Krüstchen

dem Pferd oder der Lieblingskuh gegeben hatte, dann erntete man nur sehr selten

besonderes Lob.

Nach dem Brotbacken fing dann die große Putzerei an. Das Mehl musste vor dem Backen

durch ein entsprechend großes Sieb gerüttelt werden und das war bei aller Vorsicht

immer eine ziemlich staubige Angelegenheit, d.h. die Küche bzw. das Wohnzimmer

mussten schon etwas gründlicher geputzt werden. Der Backtrog war von den Teigresten

durch Auskratzen zu reinigen, die Brotkörbchen und Tücher waren auszuklopfen und

alles wieder dahin zu schaffen, wo man es weggeholt hatte.

Dazu kam, dass man auch das Backhaus möglichst aufgeräumt zu verlassen hatte, die

übrige Kohle nahm man auf jeden Fall mit heim, die konnte man im Küchenherd noch

verbrennen – man sollte auch sauber kehren, was sehr oft nicht stattfand. Wenn man

wieder mal vor dem Backen einen ordentlichen Rest von Reisig oder Kohle vorfand,

dann waren der oder die Verursacher in der Regel nicht mehr festzustellen – es war

komischerweise nie einer gewesen.

In Mauloff gab es nie (außer später bei der Familie Eist) hauseigene Backhäuschen,

zumindest ist mir nichts dergleichen von meiner Vorgängergeneration berichtet. Der

Aufenthalt im Backhaus, besonders im Winter, war angenehm, es war gemütlich warm,

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eine erwachsene Person musste immer bei dem Ofen bleiben, und ab und zu kam auch

schon mal jemand vorbei auf ein Schwätzchen – denn wenn der Ofen rauchte, war auch

jemand da. Wir Kinder hielten uns gerne dort auf. Im Nebenraum, in dem eine Ablagefläche

für Brot und Kuchen vorhanden war, konnte man auf den Backofen krabbeln und

sich bäuchlings hinlegen, dort war es herrlich warm. Zwischen der Oberkante Backofen

und der Decke war so viel Hohlraum, dass schon mal 2-3 Kinder dort Platz hatten. Ich

selbst habe das auch schon mal ausgenutzt.

Etwa 1950 oder 1951 wurde das Backhaus grundsaniert, das war sehr nötig, von da an

konnte das Backen wieder reibungslos ablaufen. Gleichzeitig bekam das Backhaus einen

Wasseranschluss von der Straße quer über den Schulhof (heutiges Anwesen Manier),

das war echter Komfort. Vorher musste das erforderliche Wasser von daheim mitgebracht

werden.

Etwa ab 1960 nahm das Backen ab, zwei Bäcker kamen ins Dorf, um Brot zu liefern

(Hermann Enders aus Steinfischbach und Wilhelm Heberling aus Riedelbach, dessen

Name hatte mit dem Spitznamen des Sauerteigs herzlich wenig zu tun).

Man begann Mehl zu tauschen gegen Brot, d.h. der Bäcker bekam eine entsprechende

Menge Roggenmehl (vielleicht 50 kg oder ähnlich), dafür bekam man Brotmarken und

in eine kleine Kladde (Notizbuch) wurde die jeweils noch verfügbare Menge eingetragen.

Die Anzahl der Brote wurde am Freitag oder Samstag nach Bedarf eingesetzt und

ein Backlohn wurde drauf bezahlt. Man konnte, wenn man Geld hatte, auch schon mal

Brötchen oder ein Weißbrot kaufen. War die gegebene Menge Mehl verbraucht, fing

das Ganze von vorne an. So hatte man immer frisches Brot zur Verfügung und der ganze

Trappel um das Brotbacken, angefangen beim Holzmachen über die anstrengenden und

zeitaufwendigen Backtage, gehörten der Vergangenheit an – eine Erleichterung, die in

der Zeit ungeheuer war.

Irgendwann kamen auch die Bäcker nicht mehr ins Dorf, die Bäckereien Enders und

Heberling wurden aufgegeben und heute sind (fast) alle in Mauloff so mobil, dass sie

sich ihr Brot von außerhalb mitbringen können.

Zuletzt selbst gebacken haben nur noch ganz Wenige, der Letzte war „Frankenbachs

Erwin“ (Erwin Lotz vom Gasthaus Zur Rose) und wohl nur, weil die „Frankfurter“, die

samstags und sonntags in der Rose zu Gast waren, auf das selbstgebackene Brot scharf

waren. Irgendwann hat Erwin Lotz (wohl 1965) auch aufgegeben, weil er im Winter

den Ofen nicht mehr heiß genug bekam.

Damit war die Ära des Brotbackens im Mauloffer Backhaus beendet.

Der Backofen ist noch vorhanden, im heutigen Zustand aber auf keinen Fall mehr

brauchbar. Wollte man ihn heute wieder anheizen, müsste er sicher grundsaniert werden

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und die ganzen Räumlichkeiten bis hin zum Außenkamin mussten den heutigen Voraussetzungen

und Bestimmungen angepasst werden. Da habe ich den Verdacht, dass

man für die entsprechenden Kosten einige Jahre lang eine ganze Menge Brot backen

und vor allem auch verkaufen muss. Das Backholz bekäme man heute auch nicht umsonst.

ALSO: wollte man in Mauloff das Backes wirklich wieder in Betrieb nehmen – dann

zuallererst einmal „alles zurück auf Anfang“.

Will man das wirklich – oder ist die Idee inzwischen im Sand verlaufen?? Für mich

bleibt die Frage offen.

Ich bin Jahrgang 1936 und ich habe das Ganze miterlebt, solange ich mich erinnern

kann – etwa ab 1943- bis zum Ende der Geschichte. Ich weiß, wie viel Mühe, Zeit und

Aufwand mit dem Brotbacken im Backhaus verbunden sind. Ich selbst wäre (auch wenn

ich 40 Jahre jünger wäre) nicht mehr scharf darauf. Das soll aber interessierte jüngere

Mauloffer keinesfalls davon abhalten, alte Bräuche wie das Brotbacken wieder aufleben

zu lassen.

Es kann sein, dass sich der Eine oder Andere aus meinen Schilderungen hauptsächlich

für ältere Mauloffer etwas anders darstellt. Jeder kann, wenn er es wolle, seine eigenen

Erinnerungen gerne darstellen

Nachsatz: In wenigen Haushalten in Mauloff wurde überhaupt kein Brot gebacken, z.B.

bei Christian und Therese Guckes oder Lehrer Knapp, da diese kein Land hatten und

somit auch kein Getreide und kein Mehl. Hier war die Versorgung anders geregelt, dazu

werde ich mich, wenn der Winter noch lang genug ist, in einem weiteren Kapitel

„Mauloffer Geschichten“ noch auslassen.

In vielen Mauloffer Häusern war Backholz-Machen und Brotbacken während des Krieges

und auch die Jahre danach ausschließlich Frauensache. Die Männer waren im Krieg,

später in Gefangenschaft, einige sind nicht mehr heimgekommen. Ich denke dabei z.B.

an Nelle (Scherer-Blum) oder Butze (Feger) und auch an andere Familien, die mir gerade

nicht einfallen. Da hatten die Frauen keine Alternative. Sie mussten in allen Bereichen

(auch in der Landwirtschaft) für die Familie einstehen, wenn da nicht zum Glück

ein rüstiger Opa da war. Diese Frauen mussten ein sehr hohes Maß an körperlicher und

seelischer Kraft aufbringen, um die Familie und den Hof über Wasser zu halten. Dazu

kam Tag und Nacht die Angst um den Ehemann, Sohn und/oder Vater der Kinder.

Sind wir uns überhaupt im Klaren darüber, die heutige Generation (nicht nur in

Mauloff), in welch einer ruhigen, guten Zeit wir seit 1945 leben? Darüber sollten wir

alle einmal sehr gründlich und lange nachdenken, wenn wir uns heute über viele teilweise

recht unnötige Sachen aufhalten oder manchmal auch maßlos aufregen.

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Ich gebe ehrlich zu, auch ich bin nicht immer frei von solchen Aufregungen, die sich

im Nachhinein bei genauerer Betrachtung oft einmal wieder als recht unnötig herausstellen.

Irene Schlösser, am 22. 02. 2012

Mauloffer Ehrenämter

Heute möchte ich einmal die Mauloffer Ehrenämter, ihre Funktion und deren Vergütungen

aus meiner Erinnerung ein wenig behandeln.

Gustav Bachon

In meiner Kinder- und frühen Jugendzeit war Gustav Bachon Bürgermeister (von 1925

bis 1945), ein gestandener Mann, der allein durch sein Auftreten und seine Figur bei

mir für einen gewissen Respekt sorgte. Er war aber auch sehr liebenswürdig und vor

allem hilfsbereit. Für diese beiden Eigenschaften besonders mochte ich ihn bis zu seinem

Tod 1960. Das Bürgermeisteramt war zusammen mit dem Postamt (er war auch

Posthalter) im Stübchen rechts vom Flur aus zugänglich. Im Winter wurden einzelne

Aktivitäten aus diesen Tätigkeiten auch schon mal ins Wohnzimmer verlegt, denn dann

konnte man im Stübchen die Heizkosten sparen. Ich denke, er hat seine Tätigkeit als

Bürgermeister immer nach bestem Wissen und Gewissen ausgeübt. Alle wussten aber

auch, dass sich „Ernste Gustav“ nicht auf der Nase herumtanzen ließ. Das war wohl in

Mauloff zu der Zeit sicher dringend notwendig. Was er für seine Tätigkeit als Entgelt

bekam, weiß ich nicht (wenn ich daran denke, dass Willi Seel am Ende seiner Amtszeit

einen Ehrensold von 280,00 DM im Monat bekam). Ich kann es mir nicht vorstellen,

vielleicht noch eine kleine Aufwandsentschädigung für das Stübchen? Zum reich werden

hat das nicht gereicht. Die Zeit verging und der Krieg war vorbei, als in der Karwoche

1945 die Amerikaner ins Dorf kamen und Gustav Bachon „befahl“: „Wir leisten

keinen Widerstand, an allen Häusern ist die weiße Fahne herauszuhängen“! Zum Glück

war Widerspruch zwecklos. Damit war Mauloff gerettet. Ich denke, dafür war man ihm

bis zu seinem Lebensende dankbar, auch wenn nicht darüber geredet wurde – viele

Dinge werden nach einiger Zeit als selbstverständlich betrachtet. 1948 war die Entnazifizierungswelle

im Gange und Gustav Bachon musste, ob er wollte oder nicht, Kraft

seines Amtes zu Hitlers Zeiten in die Partei eintreten. Er wurde von der amerikanischen

Verwaltung aus seinem Amt entfernt, er wurde abgesetzt! Was damit in diesem Mann

ausgelöst und sicher auch kaputtgemacht wurde, will ich mir auch heute noch nicht

vorstellen. Das Ganze geschah an einem Sommertag, ob Gustav Bachon vorher davon

wusste, weiß ich nicht, im Dorf war die Geschichte recht schnell rund. Auf dem Dalles

fanden sich einige Zuschauer ein (ich auch, deswegen kann ich das Geschehen so genau

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berichten). Eine Leiter wurde an die Hauswand gestellt und das über der Haustür angebrachte

Schild „Bürgermeisteramt Mauloff“ mit einem Adler versehen heruntergeholt.

Lina Bachon (seine Ehefrau) kam voller Wut mit einem ganz normalen Haushaltsbesen

aus der Tür, kehrte die Spinnweben ab und sagte: „Ob is es, dro kimmt des net mi, des

versprech aich euch“: Sie sagt das in einem Tonfall, an dem ich mich genau erinnere

und für den drei Ausrufezeichen sicher nicht ausgereicht hätten. Damit war die Amtszeit

von Gustav Bachon endgültig beendet. Der Platz, an dem das Bürgermeisterschild hing,

war am Haus Bachon noch viele Jahre zu sehen.

Die Übersetzung der Aussage von Lina Bachon: „Ab ist es, und dran kommt es nicht

mehr, das verspreche ich euch!!!“.

Gustav Bachon, Bürgermeister 1925 bis 1945

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Otto Eist

Nun wurde Otto Eist als Bürgermeister von den Amerikanern eingesetzt. Ob das noch

am selben Tag geschah, weiß ich nicht mehr. In den folgenden Tagen wurden alle Unterlagen

in das Haus Eist geschafft, dort gab es von da an auch ein „Bürgermeisterstübchen“.

Ob Eist wirklich Bürgermeister werden wollte, weiß ich nicht, vorstellen kann

ich mir das nicht, ihm blieb nichts anderes übrig, die Amerikaner haben das angeordnet.

Ob er das Amt gut oder weniger gut ausgeübt hat, kann ich nicht beurteilen. Am Anfang

hat man ihm Heinrich Witt aus Usingen (der war auf dem Landratsamt Usingen beschäftigt)

beigestellt, dessen Ehefrau Martha wurde Bürgermeistersekretärin und Otto

Eist hat sich nach wie vor überwiegend mit seiner Landwirtschaft und Holztransporten

beschäftigt. Der Papierkram war ihm weniger wichtig.

Otto Eist, Bürgermeister 1945 - 1948

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Willi Seel

Inzwischen war Willi Seel (Jahrgang 1920) aus der Gefangenschaft zurückgekommen

(kriegsversehrt, er hatte den rechten Arm verloren). Von ihm wusste man, dass er kein

Dummkopf war, er hatte Abitur gemacht und musste Arbeit haben. Man machte ihn

kurzerhand zum Bürgermeistersekretär, was dann bei Otto Eist und besonders dessen

Ehefrau Lina in der Folge nicht täglich Freude bereitete. Willi Seel hatte mit der linken

Hand bald schreiben gelernt, konnte auch die Schreibmaschine bedienen und war Otto

Eist bald in allen Belangen des Bürgermeisteramtes überlegen. Das führte zu Streitereien,

die oft sehr lautstark ausgetragen wurden (später wurde behauptet, es sei auch zu

Handgreiflichkeiten gekommen), ein Zustand, der mittlerweile untragbar war. Die Gemeindevertreter

von Mauloff (wer das alles war, weiß ich nicht mehr) beschlossen, Otto

Eist abzusetzen und Willi Seel zum Bürgermeister zu wählen. Nach meiner heute noch

gültigen Überzeugung hätte man in Mauloff zu der Zeit auch keinen fähigeren Mann

finden können, vielleicht gibt es in Mauloff deswegen auch heute noch andere Ansichten

– die wären in jedem Fall erlaubt.

So wurde Willi Seel noch im Jahr 1948 zum Bürgermeister gewählt. Das Amt zog um

in das Haus von Willi Seel und auch dort gab es ein Bürgermeisterstübchen.

Dort bin ich sehr oft gewesen, denn ich habe in späteren Jahren (ich hatte dann einen

Handelsschulabschluss und konnte Schreibmaschine schreiben) etwa ab 1957/1958 für

Willi Seel geschrieben. Die Schreibarbeit wurde ihm zu viel mit dem einen Arm. Er war

auch Vorsitzender des Wasserbeschaffungsverbandes Tenne geworden, das brachte zusätzliche

Außentermine mit. Ich habe diesen Nebenjob gerne gemacht, er brachte mir,

wenn viel zu tun war, im Monat manchmal fast so viel ein, wie ich aus meiner kaufmännischen

Tätigkeit in Neu-Anspach heimbrachte. Willi hat sehr gut bezahlt, dafür

aber Pünktlichkeit und sehr genaue Leistung verlangt. Ich habe unheimlich viel erfahren

und noch mehr gelernt bei ihm, vor allem Genauigkeit, Gradlinigkeit und Durchsetzungsvermögen

(letzteres kann man, wenn man will, als Sturheit oder Dickköpfigkeit

bezeichnen). Das alles hat mich wohl sehr geprägt, vieles davon ist mir in den folgenden

Jahren und bis heute sehr zugute gekommen. Dafür kann ich bis heute nur „Danke,

Willi“ sagen.

Natürlich waren wir uns nicht immer einig, auch zwischen uns gab es öfter mal Krach

(ich glaube wir waren uns in der Art sehr ähnlich). Willi konnte überhaupt keinen Widerspruch

vertragen (weder von einer Person noch in einer Sache), und ich habe auch

nicht immer nachgegeben, besonders wenn es um meine Familie bzw. unseren Grundbesitz

ging.

Ich erinnere mich an einen Sonntagmorgen im Sommer, wir waren derart aneinander

geraten, dass er in seiner unbändigen Wut mit seinem einen Arm einen Stuhl schnappte

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und damit nach mir warf! Ich sah das wohl kommen und rettete mich vor die Haustür,

der Stuhl flog mit lautem Krachen am Treppengeländer auseinander. Hätte der mich

getroffen, wäre ich vielleicht ab diesem Tag Invalide gewesen. Albert Ott und Wilhelm

Reuter hatten das Ganze mitgekriegt, Tür und Fenster standen offen, sie wollten entweder

schlichten oder mich retten, das weiß ich bis heute nicht.

Ab da herrschte eine ganze Weile absolute Funkstille zwischen uns – ich ging natürlich

nicht mehr hin. Irgendwann kam meine Mutter vom Einkaufen nach Hause und sagte:

„Du sollst bei Willi vorbeikommen, er packt das Ganze überhaupt nicht mehr“. So ging

ich doch wieder hin, denn er wollte meine Arbeit und ich im Grunde auch den schönen

Nebenverdienst.

Mehr oder weniger zusammengearbeitet haben wir bis zur Gebietsreform (Entstehung

der Großgemeinden). Diese Zusammenlegung hat Willi Seel bis ins Mark getroffen.

Selten in meinem Leben habe ich jemand so geknickt erlebt wie ihn. Auch er war jetzt

(wie ehemals Gustav Bachon) nicht mehr Bürgermeister. Man hatte ihm zunächst in

Weilnau, dann in Weilrod einen führenden Posten angeboten, den er voller Stolz und

mit Hohn abgelehnt hat. Damit ist auch das Kapitel Bürgermeister in Mauloff beendet.

Willi Seel, Bürgermeister 1948 – 1972

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Nachzutragen zu dem Thema „Bürgermeister in Mauloff“ wäre noch die Beschreibung

der Bürgermeister-Kerwe, die ich miterlebt habe. Für Otto Eist und Willi Seel wurde

im Wald eine möglichst sehr schöne Fichte geschlagen. Die wurde ins Dorf gebracht,

geschmückt und vor dem Bürgermeisterhaus aufgestellt. Von da gehörte dieser Baum

dem Bürgermeister. Am selben Tag begann dann die Bürgermeisterkerb, das Fest zur

Amtseinführung des Bürgermeisters. Die ganz großen Feste waren zu dieser Zeit sehr

selten, alle Getränke (Essen wohl weniger?) waren frei und es ging richtig zur Sache.

Wer an diesem Tag nicht dreiviertel oder total besoffen nach Hause kam, war entweder

krank, blöd oder nicht dabei gewesen. Nach diesem Spektakel durfte der neue Bürgermeister

die Fichte verkaufen, um das Fest zu bezahlen. Ob der Erlös reichte, entzieht

sich meiner Kenntnis.

Von der Bürgermeisterkerb für Willi Seel erzählt man heute noch, dass der „alte Mehl“,

also Willis Großvater Wilhelm Mehl – sich vor lauter Freude und Begeisterung so zugesoffen

habe, dass man ihn auf einem Schubkarren nach Hause fahren musste.

Die anderen Ehrenämter in Mauloff sind relativ schnell beschrieben:

Georg Bausch war Schöffe, d.h. Schiedsmann in Mauloff. Er galt als klug und vor allem

sehr besonnen. Kleinere Streitereien, die es in Mauloff in der Zeit wohl öfter gab, hatte

er zu schlichten. Die streitenden Parteien wurden „einbestellt“ und hatten zu erscheinen.

Oft klappten diese Verfahren nicht in der ersten Runde und man musste wieder zu „Bausche

Schorsch“. Dann war zwischen den Parteien in aller Regel einmal (wenigstens eine

Zeitlang) „Ruhe im Kasten“. Natürlich sprachen sich diese Vorladungen recht schnell

im Dorf herum. Sie sorgten für reichlich Gesprächsstoff und die Betroffenen haben

nicht immer an Ehre und Ansehen gewonnen. Eine richtige Drohung war schon die

Warnung gegenüber dem Gegner, die Worte: „Pass off – sonst muss Bausche Schorsch

werre mal Feuer in de Stubb mache“. Übersetzt: Pass auf, sonst muss Georg Bausch

mal wieder den Ofen im Wohnzimmer anmachen. Das Wohnzimmer war selbstverständlich

auch das Amtszimmer. Ob für die Tätigkeit als Schiedsmann ein kleines Entgelt

bezahlt wurde, weiß ich nicht. Georg Bausch hat das Amt trotz allem „Trappel“

wohl bis zum Schluss als Ehre angesehen.

Gustav Ott I (Liese Gustav) war Gemeinderechner. Sein Amtszimmer befand sich in

der Wohnstube und bestand aus einem Schreibschrank mit Sicherheitsschloss und einem

schwarzen Tresor (ein ziemliches Ungetüm). Was an Geschäften (Einzahlungen

und Auszahlungen) abzuwickeln war, erfolgte auf dem Wohnzimmertisch. Der gesamte

Publikumsverkehr fand fast ausschließlich sonntags vormittags statt. In der Woche war

dafür keine Zeit. Ich weiß es nicht, aber ich denke, für diese Tätigkeit wurde ein kleines

Entgelt gezahlt.

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Karl Klapper, Gemeinderechner

Nach Gustav Ott wurde Karl Klapper Gemeinderechner. Wann, weiß ich nicht mehr.

Ich erinnere mich nur noch, wie der schwere Tresor und der Schreibschrank von „Liese“

in „Engels“ transportiert wurden. Dort wurden die Sachen in einem kleinen Zimmer

rechts hinter der Haustür untergebracht, darin hatte Karl sein Amtszimmer, in Mauloff

auch „Rechnerstübchen“ genannt. Die Aufgaben eines Gemeinderechners waren dann

schon sehr viel umfangreicher. Es mussten auch die Unterhaltszahlungen für die Flüchtlinge

ausgezahlt werden. Das nötige Bargeld für dies und andere Zahlungen musste herbeigeschafft

werden. Zu diesem Zweck fuhr Karl an jedem ersten Montag im Monat (er

hatte bereits ein Auto) nach Usingen zur Bank, um das Geld in der nötigen Stückelung

zu holen. Sahen die Mauloffer „Engels Karl“ in Richtung Usingen fahren, dann hieß es:

Er holt wieder Geld! Der ganze Geldverkehr musste abgewickelt werden, denn ein laufendes

Konto hatte lange niemand. Die Flüchtlinge bestimmt nicht, die bekamen monatlich

so viel, dass sie gerade „über die Runden“ kamen. Komisch, mir scheint es, als

wiederhole manches im Leben sich mehrfach.Karl Klapper bekam für seine Tätigkeit

ein Entgelt, das weiß ich genau, die Höhe desselben war mir natürlich nicht bekannt. Er

hat diese Tätigkeit ausgeübt bis Mauloff in der Großgemeinde Weilnau aufging. Einige

Jahre später zog er zu seinem Sohn Wolfgang nach Wolfskehlen bei Groß-Gerau. Dort

starb er auch. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof in Mauloff.

Irene Schlösser, am 27. 02 2012

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Gemischter Chor Mauloff

Heute, an einem Tag, der nur alle vier Jahre einmal vorkommt, will ich mich mit den

Mauloffer Vereinen beschäftigen.

Vorab: Wollte ich das Thema Feuerwehr oder Schützenverein näher behandeln. So wäre

das eine „Frechheit“ meinerseits denen gegenüber, die diese Geschichten über viele,

viele Jahre hinweg besser dokumentiert haben.

Mein Thema ist heute der Gemischte Chor Mauloff, von dem es vielleicht auch Aufzeichnungen

gibt?

Ich möchte meine persönlichen Erinnerungen aufschreiben, die überwiegend sehr –

manchmal auch weniger- lustig sind. Ausgesprochene Tragödien hat es zu meiner Zeit

nicht gegeben. Wann in Mauloff der gemischte Chor (wieder??) gegründet wurde, weiß

ich nicht, wer die Urheber waren, weiß ich ebenfalls nicht. Ich weiß nur so viel: als ich

mit der Schule fertig war (1951) gab es den Chor wohl schon, denn ich bin von da an

mit anderen in die wöchentlich stattfindende Singstunde gegangen – und das sehr gerne.

Ich hatte Spaß am Singen und erfahren hat man immer etwas. Zugegeben, ich war noch

nie neugierig, aber hätte in Mauloff ein Vogel gepfiffen, den ich nicht gehört hätte, ich

hätte vielleicht nachts nicht schlafen können. Ich war bis zu meinem 18. Lebensjahr

ständig in Mauloff, das änderte sich erst, als ich mit 18 Jahren eine weiterführende

Schule in Usingen besuchen konnte. Wer alles mitgesungen hat, weiß ich nicht mehr,

sicher ist: Otto Bachon, Wilhelm Hedwig (der Jüngere) und Hartmut Seel, ein ganz

hervorragender Basssänger, Wilhelm Bausch, und mein Bruder – ebenso gute Tenorsänger,

welche Stimmen z.B. mit Hermann Jäger, Albert Vollberg und vielen anderen

besetzt waren. Die Frauenstimmen waren auch recht gut besetzt. Wer das im Einzelnen

war, weiß ich nicht: Auf jeden Fall Hilda Jäger und ihre Mutter Auguste Reuter. Wir

konnten vierstimmig singen. Geprobt wurde im „Rathaus“ in der Schule, das war ein

Mehrzweckraum, neben dem einzigen Schulsaal, in dem auch Versammlungen gleich

welcher Art abgehalten wurden. Woher das zu dieser Zeit recht umfangreiche Notenmaterial

stammte, weiß ich auch nicht, es gab sogenannte Liederbücher mit Noten und

Texten, die Texte waren äußerst wichtig. Noten lesen konnte wohl keiner von uns, man

sang nach den Vorgaben des Dirigenten. Zum Vorsitzenden wurde Albert Vollberg gewählt.

Ich denke, er hatte dieses Amt über die ganze Laufzeit des Vereins / Chors inne.

Vier Dirigenten hatten wir im Laufe der Jahre. Zuerst Christian Guckes aus Riedelbach,

sein Nachfolger wurde Wilhelm Guckes aus Riedelbach (genannt Amme-Wilhelm –

seine Frau war Hebamme), dann Karl-August Sturm (Polizist in Riedelbach, genannt

Laternen-Karl, sein Steckenpferd als Polizist war wohl die Jagd auf unbeleuchtete Bauernfuhrwerke)

und zuletzt Arthur Hedwig.

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Man sang zu verschiedenen Anlässen, wie z.B. bei Hochzeiten in der Kirche, Beerdigungen

und nahm auch schon mal an sogenannten Liedertagen in den umliegenden Dörfern

teil. Sehr weit herumkommen konnte man nicht, alle Ziele mussten zu Fuß erreicht

werden. Bei Hochzeiten wurde in der Kirche regelmäßig so lange gesungen (ein entsprechendes

Liedmaterial war eingeplant) bis endlich die ganze Hochzeitsgesellschaft

weinte, dann war der Erfolg der Auftritte gesichert. Bei Beerdigungen wurde zunächst

„beim Haus“ gesungen und auf dem Friedhof noch einmal. Ab und zu mussten die Lieder

auch 2x begonnen werden, weil man völlig danebenlag. Entweder man hatte nicht

aufgepasst – ich erinnere mich noch sehr genau an die Beerdigung von Heinrich Reuter.

Wir hatten vor dem Haus Aufstellung genommen, Karl Sturm gab die Töne an, und wir

lagen total daneben. Geklappt hat es erst nach dem dritten Einsatz des Liedes „Lasse

mich gehen – lasse mich gehen“. Karl Sturm tobte anschließend wegen der Blamage,

raufte sich die Haare und rannte herum und schrie „Lasst mich gehen – lasst mich gehen“.

Ob das der Anlass war, dass er irgendwann danach seine Dirigententätigkeit in

Mauloff aufgab, weiß ich nicht mehr. Der letzte Dirigent war Arthur Hedwig. Er hat

den Verein bis zu seiner Auflösung begleitet. Ob diese Auflösung zeitgleich mit dem

Weggang von Arthur aus Mauloff zusammenfiel, weiß ich nicht.

Es gibt noch die schöne Geschichte von Albert Vollberg, die noch einige Jahre in

Mauloff präsent war. In Mauloff fand im Sommer anlässlich des 25. Geburtstages des

Gesangvereins ein Liedertag statt (in welchem Jahr weiß ich nicht mehr), zu dem selbstverständlich

Gesangvereine aus den umliegenden Dörfern geladen waren. Das Fest fand

statt in der Strohhalle am Gasthaus „Zur Rose“. Das war ein Holzbau mit Klappläden

ohne Fenster, in dem üblicherweise die Familie Scheid ihre Strohvorräte aufbewahrte.

Die Halle wurde zu diesem Zweck (wie auch bei der Mauloffer Kerb immer) ausgeräumt,

sauber ausgekehrt und mit Bierzelt-Garnituren ausgestattet. In der Halle befand

sich auch ein Tanzboden. Albert Vollberg begrüßte alle anwesenden Gäste mit dem

denkwürdigem Spruch: „Und wie in jedem Jahre begrüße ich euch alle wie alljährlich

auch in diesem Jahr zum 25-jährigen Jubiläum unseres Vereins“! Brüllendes Gelächter

natürlich in der ganzen Halle. Ob Albert Vollberg seine sicher vorbereitete Rede zu

Ende bringen konnte, ist meiner Erinnerung entfallen.

Die Liederbücher wurden noch sehr viele Jahre aufbewahrt. Sie befanden sich im Dorfgemeinschaftshaus

in dem Schrank im Saal im unteren Teil der rechten Schrankhälfte.

Ob sie dort immer noch liegen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Und damit beende ich auch meine persönliche Aufzeichnung über den gemischten Chor

in Mauloff.

Irene Schlösser, am 29. 02.2012

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Weilroder Heft 17

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Wovon bestritten die alten Mauloffer

ihren Lebensunterhalt?

Zunächst gehörte zu jedem Anwesen (außer Guckes, Willi Seel, die Schule und das

Backes) eine mehr oder weniger große Landwirtschaft. Damit war die Grundversorgung

durch Getreide, Kartoffeln, Milch, Fleisch und Eier gesichert.

Viele hatten einen Nebenerwerb, der sicher (hoffentlich) etwas einbrachte. Ich fange

einmal an, soweit ich mich erinnern kann:

Gustav und Emil Sachs (mein Großvater, mein Vater, Ringstraße 6) waren ausschließlich

Landwirte. Die Größe des Hofes ließ zu jener Zeit für einen Nebenerwerb keinen

Spielraum.

Karl Ott und Sohn Adolf (Waanersch Karl und Waanersch Adolf, Brunnenstraße 1)

waren Landwirte und zunächst Karl auch Jagdaufseher und von Beruf Wagner. Ob er

diesen Beruf auch ausübte, weiß ich nicht.

Heinrich Reuter (Christians Heinrich, Brunnenstraße 8) war Landwirt und viele Jahre

Haumeister der Gemeinde Mauloff, d.h. Vorarbeiter im Wald.

Hermann Jäger (Christians Hermann, Brunnenstraße 8) war Metzger und hat die Arbeit

in der Landwirtschaft mit übernommen.

Willi Ott (Frömmersch, Brunnenstraße 6) war Landwirt und Fleischbeschauer.

Gustav Bachon (Ernste Gustav, Brunnenstraße 4)war gelernter Zimmermann, Landwirt,

Bürgermeister und Posthalter in Mauloff.

Otto Frankenbach (Dickersch Otto, Brunnenstraße 2) war Landwirt, Ortsdiener und

Weißbinder.

Otto Seel (Feye Otto, Ringstraße 5) war Landwirt und Hausmetzger.

Otto Eist (Eiste Otto, Ringstraße 7) war Landwirt, von Oktober 1945 bis 1948 Bürgermeister

und hatte eine Art Fuhrunternehmen (hauptsächlich für Holztransporte).

Christian Guckes (Ringstraße 10)war Pensionär (hat seit 1933 in Mauloff gewohnt).

Er war davor Oberbauwart bei der Stadt Frankfurt am Main.

Albert Ott (Schoustersch Albert, Ringstraße 9) war Landwirt. Die Landwirtschaft war

groß. Er war nach Gustav Ott I einige Jahre Ortslandwirt.

Wilhelm Reuter (Vinze Wilhelm, Ringstraße 11) war Landwirt.

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Weilroder Heft 17

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Gustav Ott II (Phile Perrersch Gustav, Ringstraße 13) war Landwirt.

Willi Seel (Mehls Willi, Heideweg 1) war zunächst Gemeindesekretär bei Otto Eist und

dann Bürgermeister. Er hatte zusammen mit seiner Ehefrau einen Gemischtwarenladen.

Albert Vollberg (Ringstraße 15) war Landwirt und Schreiner.

Georg Bausch (Bausche Schorch, Seelenberger Weg 2) war Landwirt, Ortsgerichtsschöffe

und Feuerwehrkommandant.

Gustav Ott I war Landwirt (auch Ortslandwirt) und Gemeinderechner, d.h. Kassenverwalter

der Gemeinde Mauloff.

Otto Steinmetz (Michels Otto, Seelenberger Weg 6) (verstorben 1936) war Landwirt

und der erste Feuerwehrkommandant der im Jahre 1932 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr

Mauloff. Er war auch vor Heinrich Reuter Haumeister bei der Gemeinde

Mauloff.

Theodor Feger (Butze Thedor, Seelenberger Weg 8) war Landwirt und Maurer.

Karl-Wilhelm Hedwig (Drowe Hewis Wilhelm, Seelenberg Weg 3) war Landwirt und

Maurer.

Willi Ott und Emil Scheid (Gasthaus „Zur Rose“) waren Land- und Gastwirte.

Adolf Scherer und Richard Klapper waren Landwirte. Richard Klapper hat auch

Weißbinderarbeiten ausgeführt.

Rudolf Steinmetz war Landwirt und Hausmetzger.

Wilhelm Hedwig (der Ältere, Ringstraße 19) sowie sein Sohn Wilhelm waren Landwirte

und Maurer.

Wilhelm Mehl war Landwirt

Heinrich Seel (Mehls Heinrich) war Schneider (Landwirt wohl nur im Nebenberuf).

Damit ist meine Aufzählung beendet. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Nachträge

sind durchaus erlaubt und wünschenswert.

Somit war in alten Mauloffer Häusern ein einigermaßen Auskommen gesichert.

Dazu kam, dass viele Männer im Winter als Waldarbeiter bei der Gemeinde Mauloff

beschäftigt waren. Wohl auch, weil sie im Winter nicht auf dem Bau arbeiten konnten.

Ausgeschlossen von der Waldarbeit waren mein Vater Emil Sachs, Otto Eist und Albert

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Weilroder Heft 17

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Ott mit der Begründung, die Landwirtschaft sei jeweils groß genug, dass sich die Familien

ohne Zuverdienst ernähren könnten. Ich hoffe, das wurde mir korrekt übermittelt,

bzw. ich habe es damals richtig verstanden

Irene Schlösser

Das Dorfgemeinschaftshaus und seine

Hausmeisterinnen

Als das Dorfgemeinschaftshaus –DGH- im Sommer 1956 eröffnet wurde, bekam Paula

Vollberg (gen. Vinze-Schnaarersch Paula) die Hausmeisterstelle, die sie über sehr viele

Jahre hatte. In den späteren Jahren war sie auch Küsterin für die evangelische Kirche,

bzw. den Gottesdienst, der im DGH gehalten wurde.

Paula Vollberg lebte in ihrem Anwesen Ringstraße 15 (heute Familie Wilde) allein. Ihr

Mann Albert war schon einige Jahre tot. Der Sohn Walter war in Merzhausen und die

Pflegetochter Inge in Steinfischbach verheiratet. Die Landwirtschaft war aufgegeben.

Paula hatte Zeit und das sicher nicht üppige Entgelt, das sie für Tätigkeit bekam, tat ihr

sicher gut. Sie musste ihren Lebensunterhalt von der Witwenrente ihres früh verstorbenen

Mannes bestreiten. Sie war etwa Mitte der 50 er Jahre alt und der Aufgabe sehr gut

gewachsen. Sie „besorgte“ das Haus im wahrsten Sinne des Wortes. Suchte man sie

einmal, war sie in aller Regel im DGH anzutreffen. Sie war auch Leiterin der Wäscherei

und für die Ordnung der Bäder verantwortlich und vor allem zuständig für die Vermietung

des großen Saals und der Küche. Bei den damals vielen Feiern aller Art, hatte sie

in der Küche das Kommando, ein ihr zugestandenes Privileg, an dem man nicht vorbeikam.

Sie hat stets vorneweg gearbeitet, dafür gesorgt, dass alles parat war, wenn die

Gäste kamen und dass nach Ende der Veranstaltungen alles sauber und an seinem Platz

war. Das DGH mit „allem Drum und Dran“ war ihr Lebensinhalt.

Im Grunde ihres Wesens war sie sehr liebenswürdig und zugänglich. Sie konnte aber

auch sehr deutlich (und manchmal nicht immer liebenswürdig) sein, wenn nach ihrer

Auffassung jemand nicht „spurte“ oder die Dinge aus dem Ruder zu laufen schienen.

Viele Jahre vergingen und Paula wurde alt und war irgendwann der Sache nicht mehr

gewachsen. Das konnte oder wollte sie wohl nicht erkennen. Sie fühlte sich auch schon

mal zu Unrecht angegriffen. So wollte man sie seitens der Gemeinde Weilrod in den

Ruhestand versetzen, d.h. sie sollte die Hausmeisterstelle aufgeben. Dieses Ansinnen

hat sie regelrecht auf die Palme gebracht. Sie war nicht bereit, die Schlüssel herauszugeben.

Sie hat niemand an sich herangelassen und einen Mitarbeiter der Gemeinde hat

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sie deswegen auch von ihrem Grundstück gejagt. Ich selber habe all die Jahre, soweit

es meine Zeit zuließ, immer gerne und gut mit ihr im DGH zusammengearbeitet. Zwischen

uns war ein regelrechtes Vertrauensverhältnis entstanden. Das war im Rathaus

auch bekannt und so habe ich von dem Drama wegen der Schlüssel auch erfahren. Man

war ratlos und fragte mich, wie man wohl an die Schlüssel kommen könne. Da kam mir

ein Zufall zu Hilfe (eigentlich gemein und schamlos). Eines Abends kam Paula zu mir

gerannt mit den Worten: „Du musst unbedingt mit mir ins DGH gehen, man hat mich

dort schon wieder mal beklaut“.

Ich fragte: „Was hat man dir denn diesmal geklaut“?

Paula: „Jetzt sind die Kaffeefilter weg“. Ich wusste, das konnte nicht sein, die Größe

dieser Kaffeefilter war in keinem Haushalt zu gebrauchen.

Natürlich ging ich mit ihr ins DGH. Sie war völlig außer sich. Nach kurzer Inspektion

waren die Kaffeefilter gefunden und Paula beruhigt. Und jetzt begann meine Gemeinheit.

Beim Verlassen des DGH sagte ich zu ihr: „Komm gib mir die Schlüssel, lasse

mich zuschließen“. Das tat sie dann bereitwillig. Ich schloss ab und ließ den Schlüssel

in meiner Kittelschütze verschwinden, was Paula in ihrer Aufregung nicht wahrnahm.

Ich begleitete sie nach Hause, den Schlüsselbund legte ich daheim bei mir in die Schublade.

Am nächsten Morgen (es muss ein Samstag oder Sonntag gewesen sein) stand

Paula bei „guter Zeit“ in voller Aufregung bei mir vor der Tür mit den Worten: „Was

mach ich nur, ich habe gestern Abend den Schlüsselbund verloren?“

„Nein“, sagte ich mit dem Brustton voller Überzeugung, „den hast du mir mitgegeben

und gesagt, du wolltest ihn nicht mehr haben“. Ich gestehe, ich habe in meinem Leben

selten so dreist gelogen. „Jetzt liegt er bei mir in der Schublade (ich zeigte ihr den Platz)

und da lassen wir ihn wohl auch liegen?“ Sie sagte laut und deutlich; „Ja“. Und damit

war ihre Hausmeistertätigkeit beendet.

Der Gemeindeverwaltung habe ich entsprechend berichtet und damit war dieses Kapitel

auch für mich abgeschlossen. Das Ende der Geschichte war sicher für alle Beteiligten

nicht sehr rühmlich, aber daran war nichts mehr zu ändern.

Kurz vor dem Ende ihrer Hausmeistertätigkeit sollte Paula auch die Küsterstelle aufgeben.

Für sie ein weiteres Drama in ihrem Leben. Ob man sie längerfristig vorher davon

informiert hatte, weiß ich nicht. Das ging relativ kurz aber spektakulär über die Bühne

und ich habe diesen Akt miterlebt. Unser damaliger Pfarrer Rauchhaus erklärte ihr den

Sachverhalt nach dem Gottesdienst im DGH (alle außer mir waren bereits gegangen)

und überreichte ihr einen Blumenstrauß. Paula überlegte einen winzigen Augenblick,

nahm den Blumenstrauß und feuerte ihn vor den Augen des völlig verdutzten Pfarrers

mit den Blumen nach unten in den Mülleimer. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Pfarrer

Rauchhaus wortlos und in aller Eile den Ort des Geschehens verlassen. Ich denke,

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er tat gut daran, ich weiß nicht wozu Paula in dem Augenblick noch imstande gewesen

wäre. Damit war auch das Kapitel der Geschichte beendet.

Nachwort:

Ich selber habe immer von Anfang an gerne mit Paula zusammengearbeitet, auch in der

Zeit, in der sie mit zunehmendem Alter oft schon recht schwierig war. Zugang zu ihr zu

finden, immer wieder, war für mich nicht schwer. Ich glaube, sie hatte mich sehr in ihr

Herz geschlossen. Ich bin für die Zeit mit ihr heute noch dankbar.

Nach Paula Vollberg wurde Mehls Heidel (Adelheid) Seel Hausmeisterin und selbstverständlich

auch Küsterin. Heidel hat ihre Sache in allen Bereichen ebenfalls sehr ernst

genommen und dem Haus und der Sache viel Zeit und Liebe geopfert. Was sie als Entgelt

bekam, war so gering, dass sich je nachdem wie oft und wie lange sie dort sein

musste, oftmals sicher das Hingehen kaum gelohnt hat. Sie ist aber wohl immer gerne

hingegangen. Das Gefühl hatte ich jedenfalls, denn wir beide haben zusammen manche

Stunde im DGH verbracht. Als ihre Kräfte nachließen (sie war schon krank), ohne dass

sie es vielleicht zunächst nicht wahrhaben wollte, gab sie die Hausmeisterstelle auf. Die

Küsterstelle konnte sie durch die Mithilfe von Irma Seel und mir noch eine Weile behalten.

Irgendwann im Jahre …hat sie auch als Küsterin aufgehört. Bei ihrer Verabschiedung

im Rahmen eines kleinen Festgottesdienstes im DGH konnte man sehen, es

war Zeit. Ihr hatte man den Abschied vom Küsterdienst (den sie aufgegeben hatte) und

den Festgottesdienst vorher angekündigt. Sie hat die Veranstaltung dann auch sehr genossen.

Selbstverständlich bekam sie auch einen schönen Blumenstrauß und als Beigabe

einen Umschlag mit einem Geldgeschenk. Wolfgang Haub hat diesen Festgottesdienst

in Bildern festgehalten. Mehr über Heidel zu berichten, erübrigt sich, denn das

Ganze ist noch gar nicht so lange her. Sie ist an den Folgen der Krankheit am 25.08.2006

verstorben.

Irene Schlösser am 26.02.2012

Versorgung von Mauloff mit Gütern und

Lebensmitteln, die nicht aus der Landwirtschaft

gewonnen werden konnten

Zurückgehen will ich dabei bis in die Zeit des 2. Weltkrieges, die war recht bald auch

die Zeit der Lebensmittelkarten. Die waren, soweit ich mich erinnern kann, etwa DIN

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A 5 groß und aus etwas stabilerem Papier und enthielten Bons (Marken etwa in ¾ der

Größe einer heutigen Briefmarke). Sie enthielten den Aufdruck der jeweiligen Zuteilung,

z.B. Milch, Fett, Butter, Öl, Zucker, Salz Teigwaren usw. und die jeweilige Mengenangaben.

So z.B. 150 g. Butter, 250 g. Mehl, 150 g. Teigwaren usw. Als die Lebensmittel

knapp und knapper wurden, gab es auch bald 50 g.-Bons.

Die Lebensmittelmarken waren auch unterteilt in Kleinkinder und Alte, Kranke und

Schwerstarbeiter. Ihnen standen Sonderrationen zu. Den Gemischtwarenladen betrieb

Greta Steinmetz neben der Landwirtschaft. Wenn man einkaufen wollte, musste man

die Mittagszeit abpassen, den Abend oder Sonntagvormittag. Feste Gefäße, z.B. Flaschen

waren mitzubringen. Papiertüten gab es zunächst noch. Später brachte man die

am besten wieder mit. Sie wurden, weil immer knapper, sauber geleert und ordentlich

gefaltet mit der Aufschrift z.B. Zucker, Salz, Mehl usw. versehen und lange benutzt, bis

sie ihren Geist aufgaben. In Gretas Krämerladen gab es auch andere Dinge wie z.B.

Petroleum, Streichhölzer, Fliegenfänger; halt einfach alles, was in einem Haushalt üblich

war. Brot- und Toilettenpapier gab es zu dieser Zeit in Mauloff nicht. Es wurde die

Zeitung genommen.

Die Lebensmittelbons waren untereinander austauschbar, wer z.B. einen Butterbon

nicht brauchte, konnte gegen Zucker, Teigwaren oder Sonstiges tauschen.

Nicht benötigte Bons wurden auch schon mal weitergegeben, was nicht sein sollte. Dafür

musste man dem Empfänger seine eigenen Lebensmittelkarten komplett mitgeben,

vorher abgeschnittene wurden nicht genommen. Bald wurden die Lebensmittel in ganz

Deutschland knapper und zum Schluss nutzten auch die Lebensmittelkarten nichts

mehr. Auf dem Land war das noch einigermaßen zu ertragen, in der Stadt bald nicht

mehr.

Wegen der allgemeinen Lebensmittelknappheit fingen bald die Viehzählungen an. Ein

Kontrolleur ging durch die Bauernhöfe, zählte Hühner, Schweine, Kühe, Kälber, Schafe

usw., um den Bedarf der einzelnen Familien pro Kopf zu ermitteln. Alles was darüber

hinausging, musste abgeliefert werden.

Die Kunde von den Viehzählern war natürlich bald rund im Dorf und hier und da auch

schon mal ein Ferkel in einem Sack oder einige Hühner in einer Kiste verschwunden

und in der Scheune versteckt, denn die Kontrolleure waren in der Regel Bauern. Die

hätten sicher Verdacht geschöpft, wenn von fünf Kühen in dem Jahr (die Viehzählung

fand jährlich statt) nur zwei oder drei gekalbt hätten. Dass eine Kuh mal nicht trächtig

wurde, konnte man vielleicht noch vorbringen. Dann begann das Schwarzschlachten.

Das war unter strengsten Strafen (mit Zuchthaus) verboten. Ein Huhn konnte man schon

einmal in die Suppe hauen, die Glucke brütete hoffentlich wieder, ein Schwein oder

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Kalb schwarz zu schlachten, war nur unter Lebensgefahr möglich. Das fand, wenn überhaupt,

nachts statt, denn Schweine quiekten und Kälber brüllten. Die Blutspuren mussten

rückstandslos beseitigt werden. Wenn das eine oder andere Hoftor einmal drei Tage

nicht aufgemacht wurde oder man drei Tage keinen Besuch wollte, war man sofort verdächtigt.

Da wird bestimmt geschlachtet, hieß es im ganzen Dorf. Es konnte auch passieren,

dass der Anfangsverdacht von irgendjemand, der einem nicht ganz grün war,

angezeigt wurde. Dann kam der Übeltäter ganz schnell und sehr heftig in Erklärungsnot.

Verboten war auch sehr schnell, Butter herzustellen. Alle Milchzentrifugen-Trommeln

(die Milch musste bis auf den Eigenbedarf abgeliefert werden) wurden eingezogen. Da

konnte man sich besonders im Winter einigermaßen helfen, indem man den Rahm von

der Milch abschöpfte, ihn sammelte und begann „Butter zu stoßen“. Die Butterfässer

waren wohl überall noch vorhanden und manche Hausfrau war abends oder sonntags

über einen langen Zeitraum unsichtbar. Erwischen lassen durfte man sich beim Butterstoßen

auch nicht, das machte auch Geräusche, da ist wohl so manches Sofakissen

zweckentfremdet worden.

Die Bauern bekamen für ihre abzuliefernden Naturalien Geld, für 1 Ei z.B. 9 Pfennige

(das weiß ich genau). Wieviel es für die anderen Produkte gab, weiß ich nicht. Man

konnte aber für das Geld so gut wie nichts mehr kaufen. Der freie Markt war total lahm

gelegt und es gab für alles Bezugsscheine, z.B. Schuhe, Kleider oder Schürzen, sogar

für Seife. Das alles nutzte aber nichts, es war keine Ware vorhanden. Das Wenige was

noch produziert werden konnte, wurde für die Wehrmacht gebraucht.

1945 war der Krieg zu Ende, die Währungsreform 1948 überstanden und die Lebensmittelkarten

und Bezugsscheine waren abgeschafft. Ein relativ normales Leben begann.

Wir hatten am Tag der Währungsreform die erste Deutsche Mark (DM), das sogenannte

Kopfgeld und das waren pro Person 40 DM.

Erstaunlich war, am nächsten Tag waren die Läden wieder voll mit Waren. Ich erinnere

mich genau an einen Eisenwarenhändler aus einem etwas entfernten Nachbardorf bei

dem man bis dahin nur mit großer Mühe ein paar Notringe oder eine Handvoll Nägel

bekommen konnte. Das Schaufenster und der Laden waren voll. Öfen, Rohre, Viehketten,

Pflugscharen – alles war zu haben. Der Mann hatte, als der Krieg zu Ende war, gut

vorgesorgt.

Aber nun wieder speziell zurück nach Mauloff. Zu jedem Haus gehörte seit eh und je

ein Garten und ein Bohnenland. Im Garten wurde das angebaut, was man für das tägliche

Essen brauchte, auf dem Bohnenland z.B. Bohnen, Erbsen und alle Dinge, die wenig

Pflege und Wasser brauchten. Das Bohnenland war eine kleine Parzelle (oft nicht größer

als die Küche oder das Wohnzimmer), die man den umliegenden Wiesen abgewonnen

hatte. Es wurde notwendig gebraucht. In der Küche verarbeitet wurden (speziell im

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Frühjahr) Brennnessel, Löwenzahn, Sauerampfer und ein Gewächs, Wiesenkiel genannt.

Wie der botanische Name ist, weiß ich nicht. Es ist aber vergleichbar (in aller

Freiheit) mit dem heute gebräuchlichen Mangold. Dieser Wiesenkiel wuchs ausschließlich

wild nur an einer ganz bestimmten Stelle in den Mauloffer Wiesen. Man war bestrebt,

jede Woche wenigstens einmal eine Portion davon nach Hause zu bringen. Das

man dabei auf den Wiesen dem Grundbesitzer das Futter zertrampelte, wurde in Kauf

genommen.

Obst war ausreichend vorhanden, Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen. Man kannte

besonders auch die Frühsorten, die oft anderen Leuten gehörten. Beliebt war der Haferapfelbaum

von Nelle /Scherers. Der Baum stand direkt an der Straße nach Finsternthal,

die Äpfel waren reif zur Haferernte und jeder der vorbeiging versuchte, wenigstens

einen davon zu erwischen. Den besten Birnbaum in der ganzen Gemarkung

hatte Gustav Bachon in der „Hohl“, das ist an der Straße nach Riedelbach rechts. Etwa

dort, wo heute die erste Wiese beginnt. Wurde man beim Äpfel- oder Birnenklauen

erwischt, war man in der Regel übel dran. Ich gestehe, auch ich habe es immer wieder

versucht, denn Mundraub war nicht strafbar. Wenn aber die Taschen untersucht wurden,

dann wurde die Sache enger! Es soll auch vorgekommen sein, dass der eine oder

andere Baumbesitzer morgens nur noch einen Rest des Obstes vorfand, dann gab es

richtig Ärger, wenn der Dieb erwischt wurde oder es Zeugen gab. In Mauloff hatte die

Nacht (wie auch heute noch) Augen und Ohren. Bereits vor dem Krieg gab es Zulieferer

besonders für Fleisch, Wurst, Brot und Mineralwasser. Der erste Metzger, an den ich

mich erinnern kann, war der „Seelenberger Schaa“. Der war aus Seelenberg und hieß

Jean Brendel. Er kam regelmäßig Samstagmittag mit dem Henkelkorb und brachte die

bestellte (soweit verfügbar) Ware in die Häuser. Er hatte feste Kundschaft in Mauloff,

zu der auch Christian Guckes (unser Onkel Christian) gehörte und Onkel gelang es immer,

etwas „fürs Kind“ (das war ich) zu ergattern, Meist war es ein Stück Fleischwurst.

Ob er dafür auch mal eine Fleischmarke geopfert hat, weiß ich nicht. Der Bäcker, der

lange Jahre allein ins Dorf kam, war der „Bäcker Hermann“ (Hermann Enders) aus

Steinfischbach. Der hatte mindestens ab dem Jahre 1943 ein Auto und lieferte u.a. auch

bei Familie Guckes. Dort habe ich ihn erlebt. Er hatte auch in der Regel Brötchen und

Weißbrot auf Bestellung dabei. Dann kam noch der „Kronberger Wilhelm“ (Wilhelm

Schmidt aus Kronberg). Er lieferte Selterswasser ins Dorf. Ob das Selterswasser immer

aus Selters an der Lahn kam, weiß ich nicht mehr. Im Haus Guckes war aber immer

Wasser „fürs Kind“ vorrätig. Irgendwann kam auch „Schütze Willi“ ins Dorf, um

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Fleisch und Wurst zu liefern. Er war Metzger in Camberg und hieß Willi Schütz. Dasselbe

galt auch für Wilhelm Heberling (genannt der Riedelbacher Bäcker). Er war Bäcker

in Riedelbach und ging nicht mehr in die Häuser. Man ging jetzt zum Bäckerauto,

das zu bestimmten Zeiten an festen Plätzen hielt. Mit einer Schelle wurden die Kunden

aufmerksam gemacht. Verpasste man den Bäcker, war man schlecht dran. Ein Fußmarsch

nach Riedelbach war dann unumgänglich.

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Jean Brendel hat seine Lieferungen nach Mauloff aus Altersgründen eingestellt. Der

Nachfolger von Hermann Enders war sein Sohn Karlheinz (Jahrgang 1937), der das

Geschäft bis zu einer Erkrankung weiterführte. Der Nachfolger von Wilhelm Heberling

war sein Sohn Frank, der das Geschäft später aufgab und in einer größeren Bäckerei

arbeitete. Der Sohn von Willi Schütz war Edgar Schütz, der bis in die „Neuzeit“ Fleisch

und Wurst nach Mauloff brachte.

Uns mit Brot, Kuchen und Fleisch und Wurst zu versorgen, fiel dann nicht mehr sehr

schwer. In jedem Haus gab es bald ein Auto und man konnte sich alles, was nötig war

von außerhalb mitbringen.

Den Krämerladen (Gemischtwaren) von Greta Steinmetz haben (in welchem Jahr

weiß ich nicht mehr) Willi und Hildegard Seel übernommen. Das Sortiment war umfangreich.

Man konnte vom Schuhband über Mehl, Milch, Zeitungen, Ansichtskarten

und Sonstiges alles kaufen, was man so brauchte. Irgendwann gab es sogar eine

Eistruhe. Rentiert hat sich der Laden über viele Jahre auch durch die Gäste des Familienferiendorfes,

die sich stets länger im Dorf aufhielten. In der Regel 2 bis 3 Wochen.

Besonders gut besucht war der Laden stets am Samstagmorgen, da gab es oft regelrechte

Stoßzeiten. Dort traf man sich, um alle Neuigkeiten und wichtigen Dinge auszutauschen.

Mit Sicherheit ist dabei auch manches Gerücht entstanden. Egal, man redete

auf jeden Fall miteinander und auch über den / die anderen. Ich bin überzeugt,

letzteres findet in Mauloff heute nirgends und in keinem Fall mehr statt!!??

Aufgegeben hat Hildegard den Laden kurz bevor der Euro kam. Die Umstellung wollte

sie sich (inzwischen war sie fast 80 Jahre alt) nicht mehr antun. Dazu beigetragen hat

auch eine Unlust, die sich dadurch einstellte, dass viele Mauloffer nur noch hingingen,

um Dinge zu kaufen, die sie außerhalb vergessen hatten und sich dann beklagten, wenn

Hildegard genau diesen Artikel nicht vorrätig hatte.

So fing in Mauloff plötzlich ein Rückschritt in alte Zeiten an. Die Post war schon vorher

aufgelöst, der Krämerladen weg und vor nicht allzu langer Zeit wurde auch die fahrbare

Bank-Zweigstelle eingestellt.

Die Post wird uns seit einiger Zeit ins Haus gebracht, Arzneimittel zugestellt durch einen

Botendienst. Einkaufen kann man in Mauloff selbst überhaupt nicht mehr – doch,

am Sonntag die Bildzeitung.

Irene Schlösser, am 01.03.2012

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Die Strukturierungen des dörflichen Lebens, der

Landwirtschaft und des Zusammenlebens in den

Dörfern (auch in Mauloff)

Die weiter zurückliegende Zeit hier zu beschreiben, erübrigt sich für mich, dazu wäre

ich keinesfalls imstande. Ich verweise auf das Buch von Kaethner aus dem Jahre 1987

„Weilrod-die Geschichte von 13 Taunusdörfern“. Dort sind von Seite 371 bis Seite 424

diese Dinge recht ausführlich beschrieben. Viele der geschilderten Abläufe kenne ich

gut aus meiner Kinder- und Jugendzeit. Der auf Seite 415 gezeigte Bauernwagen war

im Besitz der Familie Albert Ott in Mauloff. Dieser Wagen zeigte den Beginn einer

neuen Epoche an. Die bis dahin gebräuchliche Deichsel zum Anspannen der Kühe war

abmontiert. Sie war ersetzt durch eine Anhängerkupplung für den Traktor! Besonders

hinweisen möchte ich auf den Schlusssatz des Kapitels Landwirtschaft auf Seite 376, in

dem es wörtlich heißt: „Mit dem Aufhören der kleinbäuerlichen Landwirtschaft haben

unsere Dörfer ein anderes Gesicht bekommen, ob es ein schöneres ist, mag der Leser

entscheiden“.

Mit dem Aufhören der kleinbäuerlichen Landwirtschaft will ich meine persönlichen Erinnerungen

an Mauloff beginnen. Um das Jahr 1960 herum wurde vom Land Hessen

die Flurbereinigung (auch Konsolidierung genannt) angestoßen. Eine große Maßnahme,

der sich auch die Gemeinde Mauloff anschloss. Dadurch kam wieder einmal richtig

Unruhe ins Dorf. Zunächst die Fragen: Wie geht das? Wer soll das bezahlen? Wieviel

bleibt vom ursprünglichen Grundbesitz übrig?

Folgendes war recht schnell klar, die Sache kostet Geld und jeder Bauer musste einen

bestimmten Prozentsatz seines Landes für den Feldwegebau hergeben. Der Ansatz berechnete

sich aus der Flächengröße. Durchgeführt wurde die Maßnahme durch das Kulturamt

Gießen. Von diesem Amt kamen bald drei oder mehr Leute ins Dorf – die Landvermesser.

Der Leiter war ein Mann namens Hajenski. Zunächst wurde der Ist-Bestand,

d.h. der vorhandene Grenzverlauf, die Größe der Grundstücke festgestellt und protokolliert.

Gleichzeitig wurde der Ertragswert der einzelnen Grundstücke aufgrund der Bodenbeschaffenheit

ermittelt und festgehalten. Der Ertragswert war allgemein in

Deutschland in sogenannte Bodenklassen eingeteilt. Soweit ich mich erinnere waren die

von 1 (beste) bis 20 (geringste). Die beste Klasse, die in Mauloff ermittelt wurde, war

wohl 16. Bei dem einen oder anderen Land kam auch 20 heraus. Wir alle wussten, die

Ertragslage in Mauloff war gering wegen der Bodenbeschaffenheit, der Höhenlage und

der vielen Feuchtstellen, starke Hanglagen und Bewuchs. Wer von den Bauern bei der

Bewertung dabei sein wollte, konnte das. Ob wirklich jemand von dieser Möglichkeit

Gebrauch gemacht hat, weiß ich nicht.

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Bald war auch die Finanzierungsfrage geklärt. Aufgrund der Höhenlage und der Klimaverhältnisse

wurde die Gemarkung Mauloff als „Landwirtschaftliches Notstandsgebiet“

deklariert. Dadurch wurde das ganze Projekt relativ hoch vom Staat –wohl um

90%- bezuschusst. Die verbleibenden Beträge, die sich aus den Betriebsgrößen ergaben,

waren für fast alle trotzdem eine harte Nuss. Ratenzahlungen wurden eingeräumt und

die Beträge genau per Vertrag und mit einem Eintrag ins Grundbuch gesichert. So

lastete bis zum Abtrag der Restschuld auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb eine Hypothek.

Das war unangenehm, aber unvermeidlich. Ich kenne kein Haus in Mauloff, das

die entstandenen Kosten in einem Rutsch bezahlen konnte. Aufpassen musste man höllisch,

dass man die fixen Zahlungstermine nicht übersah. Einige Tage später stand dann

der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Der soll in Mauloff hin und wieder einmal gesehen

worden sein.

Nachdem das Land neu vermessen war, ging die Aufteilung los – und oh Wunder, in

Mauloff hatten alle Bauern vorher ausnahmslos nur ganz gute oder die besten Grundstücke.

Die ganz nassen Stücke, das Unland, die Heckenstücke hatten plötzlich keinem

gehört. Ich war bei der Landverteilung dabei. Einen solchen Tumult hatte es in Mauloff

lange nicht gegeben. Wer mehr erfahren möchte, sollte meinen Bruder befragen. Er hat

das noch weit besser in Erinnerung als ich. Fast alle waren beschissen worden. Am

besten erinnere ich mich dabei an Erich Ott (Sohn von Albert Ott). Der Arme war nach

seiner Aussage von allen am meisten beschissen worden. Diese angebliche Tatsache hat

er jahrelang herumgetragen. Ob er jemals ganz damit fertig wurde, weiß ich nicht.

Wer wollte, konnte Ackerland im Zuge der Maßnahme gegen Bauland eintauschen. So

entstand das Neubaugebiet unterhalb des Friedhofes. Bevorzugt wurden zunächst alle,

die in diesem Bereich Ackerland hatten. Andere konnten, wenn sie wollten, ebenfalls

tauschen –Äcker egal wo – gegen Bauplatz. In diesem Zusammenhang wurde auch der

eine und andere kleine Bauernhof aufgelöst. Anstatt sich auf dem verbleibenden Land

mühsam herumzuquälen, tauschte man komplett ein und nahm dafür so viel Bauland,

wie sich aus diesem Tausch ergab. In keinem Fall wurde 1:1 umgerechnet. Das Ergebnis

wurde aus den Wertverhältnissen ermittelt. So richtig draufgelegt hat bei dieser Aktion

wohl keiner. Irgendwann hatten sich fast alle im Dorf wieder beruhigt.

Die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzflächen wurde wesentlich einfacher.

Durch die jetzt für Mauloff relativ großen Parzellen fiel ein ganzer Teil der Wegeparzellen

weg – und mancher Streit fand nicht mehr statt, denn die Grenzsteine waren überall

für jeden sichtbar angebracht und durch die breiten Wirtschaftswege brauchte keiner

mehr über das Nachbargrundstück fahren. Im Dorf war mehr oder weniger Ruhe.

Im Zusammenhang mit dem Kapitel Strukturierungen und den an anderer Stelle genannten

Bürgermeister von Mauloff will ich – vordergründig zu meiner eigenen Freude

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– vielleicht als Belustigung anderer unbedingt auf die Entstehung des Ortsnamens

Mauloff hinweisen.

Zunächst der ernsthafte Teil: In dem Buch von Kaethners „Weilrod-die Geschichte von

13 Taunusdörfern“ ist ab Seite 209 unter der Überschrift „Mauloff das alte Dorf“ der

ganze Ablauf der tatsächlichen Geschichte aufgezeichnet und dazu das heute noch gültige

Ortswappen. Auf Seite 210 sind auch die ersten für Mauloff aufgezeichneten Einwohner

genannt. Auf Seite 435 desselben Buches habe ich unter dem Titel „Der Dorf

Name“ ein wunderschönes Gedicht unter dem Titel „Des Dörfchens Name“ gefunden,

dessen Verfasser nicht genannt ist. Ich konnte ihn auch im Anhang zu dem Buch nicht

finden, vielleicht habe ich doch nicht genau genug nachgesehen??

In dem Buch „Geliebtes Usinger Land“ –Geschichten und Erzählungen unserer Heimat,

bearbeitet und herausgegeben von Klaus Wagner, gedruckt 1982 im Walkmühlenverlag

Usingen findet man auf Seite 200 dasselbe Thema abgehandelt – nur in etwas anderer

Form. Der Inhalt dieser Veröffentlichung war im Dritten Reich in dem damaligen

„Großdeutschen Lesebuch“ abgedruckt unter Überschrift „Die Lügengeschichte von

Mauloff“. Das weiß ich bestimmt, denn ich habe die Geschichte in diesem Lesebuch

selbst gelesen.

Vielleicht ist Mauloff dadurch zum ersten Mal in ganz Deutschland bekannt geworden?

Diese Frage bleibt sicher für immer offen?! Ich weiß die Antwort ganz bestimmt nicht.

Irene Schlösser am 02.03.2012

Das Familienferiendorf Mauloff –

genannt auch Landheim

Das genaue Jahr, in dem mit dem Bau des Landheims begonnen wurde, kann ich nicht

bestimmen. Es lag auf jeden Fall zwischen dem Bauende des Dorfgemeinschaftshauses

und dem Beginn der Flurbereinigung, wie sich aus meinen nachfolgenden Aufzeichnungen

zweifelsfrei ergibt. Ein Großteil des gesamten Areals bestand aus vielen kleinen

Parzellen (Äcker, Grünland, Baumbestände), die vielen verschiedenen Besitzern gehörten.

Den Anstoß soll wohl der Frankfurter Pfarrer Max Vollmer gegeben haben. Ihm sei bei

einem Besuch in Mauloff beim Blick vom Waldrand oberhalb des Seefelds die Idee

dazu gekommen. Max Vollmer hatte später ein Haus im Seelenberger Weg gebaut und

bewohnt. Diese Idee bei unserem Bürgermeister Willi Seel unterzubringen, dürfte nicht

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schwer gefallen sein. Wie die Vorplanungen abliefen, weiß ich nicht. Irgendwann kam

der Plan im Dorf rum – und wieder einmal schieden sich im Dorf die Geister. Die einen

fanden ihn gut, andere wollten partout keine Fremden im Dorf haben. Irgendwann kamen

Leute der Epiphanias Gemeinde aus Frankfurt nach Mauloff und die Verhandlungen

begannen. Ein Preisangebot für die Grundstücke wurde gemacht. Für den 1. Bauabschnitt

wurden 3 DM pro qm gezahlt.

Abgeben wollten zunächst nicht alle Grundbesitzer. Das Geld lockte zwar, aber man

war sich auch darüber im Klaren, ein Stück Land kann man nur einmal verkaufen. Die

Verhandlungen waren schwierig. Es wurde von den Kaufinteressenten bald der Begriff

„Bauerwartungsland“ ins Gespräch gebracht. In der gar nicht so lange zurückliegenden

Zeit wurde sogar behauptet, man habe mit Enteignung gedroht und die Nachkommen

einer Mauloffer Familie behaupten sogar, ihre Eltern seien enteignet worden. Von einer

Enteignung oder der Durchführung einer solchen Maßnahme habe ich in Mauloff nie

etwas erfahren. Letztendlich hatten alle verkauft (nebenbei: von dem Geld kamen die

ersten Traktoren ins Dorf), man fing an zu bauen. Zunächst vom Dorf gesehen links

oberhalb der Straße das Epiphaniashaus, dann weiter links die Bungalows, das

Schwimmbad, dann das Verwalterhaus und zuletzt der Sportplatz. Später wurde das

Gelände links vom Heideweg dazugekauft und dort wurden fünf Bungalows errichtet.

Nach und nach gab es immer mehr Betrieb in Mauloff. In Spitzenzeiten waren mehr

Landheimer –so wurden die Feriengäste in Mauloff genannt- im Dorf als Einheimische,

was nicht immer zur Begeisterung der Dorfbevölkerung führte. Auf der anderen Seite

war man im Dorf auch nicht böse darüber, denn einige (hauptsächlich Frauen) fanden

dort Beschäftigung, die sie bis zum Eintritt in das Rentenalter ausüben konnten.

Die Landheimer brachten auch ein wenig Geld ins Dorf. Besonders die beiden Gaststätten

und der Gemischtwarenladen von Willi und Hildegard Seel profitierten davon. Am

Anfang war auch der eine oder andere Bauer nicht böse, wenn er Kartoffeln, Milch,

Eier, Gemüse usw. liefern konnte. Das Landheim hatte mit der Zeit immer mehr Gäste,

der Bedarf an Naturalien konnte von den einheimischen Bauern nicht mehr gedeckt

werden. Man bezog diese Dinge dann von außerhalb. Wie viele Gäste insgesamt untergebracht

werden konnten, weiß ich nicht, schätze aber so 250. Manchmal sollten es bis

zu 300 gewesen sein. Zunächst war das Ganze konzipiert für Familien mit mehreren

Kindern, wo die Eltern kein übermäßiges Einkommen hatten. Für diese Klientel wurde

der Aufenthalt (in der Regel 2 bis 3 Wochen) von kirchlichen Organisationen bezuschusst.

Im Laufe der Jahre wurden die Zuschüsse gekürzt. Dadurch und durch Preiserhöhungen

wurde der Aufenthalt teurer. Dazu kam der Wandel in den Urlaubsgewohnheiten.

Durch günstige Flug- und Pauschalreisen konnten Menschen, die bisher für einen

Aufenthalt in Mauloff dankbar waren, andere Reiseziele, wie z.B. Italien buchen.

Und wer schon mehrfach in Mauloff war, wollte auch mal was anderes sehen. Zum

Schluss war das Landheim nur noch spärlich belegt, hauptsächlich über Feiertage von

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Senioren- oder Behindertengruppen. Eine Rentabilität war dadurch nicht mehr gegeben.

Eine Anlage in dieser Größe muss über das Jahr verteilt mindestens 220 bis 230 Tage

voll ausgelastet sein, sonst ist das ein Geschäft zum „Drauflegen“. Immer wieder waren

ganz interessante Gruppen in Mauloff, alle Hautfarben waren vertreten, von weiß, gelb,

kaffeebraun bis schwarz. Besonders erinnere ich mich an eine Gruppe aus Südamerika

mit dunkelbrauner Haut, die Frauen mit langen schwarzen Zöpfen und recht bunten Gewändern

und einer schwarzen Melone (Hut) auf dem Kopf.

Der Träger der Anlage war zunächst die Epiphanias Gemeinde aus Frankfurt, die ging

in den Evangelischen Regionalverband Frankfurt über. Das Ganze war zuletzt mehrere

Jahre unter dem Dach des Evangelischen Regionalverbandes untergebracht. Nicht nur

evangelische Christen zählten zu den Gästen. Voraussetzung für den Aufenthalt war in

den letzten Jahren ausschließlich die Zugehörigkeit zu einer christlichen Religion.

Das Landheim war in Mauloff immer umstritten. Die Gäste benahmen sich zum Teil

immer wieder mal daneben. Besonders junge Leute und Heranwachsende, aber bald

stellte sich heraus, dass es in Mauloff aber auch Trittbrettfahrer gab. Alles, aber auch

wirklich alles Negative, welches in Mauloff passierte, wurde grundsätzlich den „Landheimern“

in die Schuhe geschoben. Dabei haben manche Mauloffer Eltern zum Schutz

ihrer Kinder fleißig mitgeholfen.

Die Anlage wurde durch den Gästeschwund immer unrentabler und sie wurde dann geschlossen.

Eine Zeit später stand sie zum Verkauf und das rief in Mauloff allerhöchste

Empörung hervor. „Die Kirche“ könne mit Geld nicht umgehen und „der Laden sei mit

Vorsatz heruntergewirtschaftet“ worden. Eine Mauloffer Familie wollte sogar noch

Geld haben für das Land, das den Eltern –die schon seit Jahrzehnten unter der Erde

liegen- 50 Jahre vorher durch die „Enteignung“ verlorengegangen sei. Irgendwie hatte

ich das Gefühl, einige Mauloffer hätten eine Klatsche mit dem nassen Handtuch bekommen.

Heute ist das gesamte Areal verkauft und neu aufgeteilt und Mauloff hat einige neue

Einwohner mehr.

Für mich steht unumstößlich fest, dass Mauloff durch das Landheim weltweit - zumindest

bis nach Südamerika - bekannt geworden ist.

Irene Schlösser am 04.03.2012

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Das Mauloffer Dorfgemeinschaftshaus –DGH

Durch verschiedene Unterhaltungen über teilweise nicht sehr schöne Begebenheiten in

Mauloff bin ich zu dem Schluss gekommen, dass man Dinge, die man sich vorgenommen

hat, am besten gleich anpackt. Keiner von uns weiß, ob und wieviel Zeit dafür

bleibt oder ob man eines Tages die Kraft dafür noch hat.

So will ich heute ein weiteres Kapitel aus meinen Mauloffer Erinnerungen beginnen:

Angefangen hat das Ganze mit einem sehr starken Windwurf im Winter 1954. Der

ganze fast schlagreife Fichtenbestand in der Gemarkung „Zwölf Morgen“ war einem

Sturm zum Opfer gefallen. Was von diesem Vermögen der Gemeinde Mauloff übriggeblieben

war, könnten z.B. Erwin Reuter, Werner Feger oder mein Bruder näher beschreiben.

Man machte sich an die Arbeit und Holz wurde aufgearbeitet und verkauft.

Das brachte trotz allem einen nicht unerheblichen Geldbetrag in die Gemeindekasse.

Dann tauchte die Frage auf, was machen wir mit dem Geld? Aus Erzählungen weiß ich,

dass man in der damaligen Gemeindevertretung sehr unterschiedlicher Meinung war.

Es gab die Meinung, das Geld auf ein Sperrkonto zu legen oder es 99 Jahre festzulegen.

Einig wurde man sich doch wohl nicht. Inzwischen war durch das Land Hessen eine

Aktion „Hessen vorn“ angelaufen und es wurden Fördermittel ausgeschüttet, unter anderem

auch für den Bau von sogenannten Dorfgemeinschaftshäusern, durch die besonders

kleine Dörfer die oft fehlenden Mittelpunkte erhalten sollten. Darüber hinaus wurden

auch gesellschaftliche und soziale Einrichtungen geschaffen. Unser recht cleverer

Bürgermeister Willi Seel hatte wohl auch Kenntnis davon, und er überzeugte die Gemeindevertreter

in seiner manchmal sehr nachdrücklichen Art davon, dass Mauloff auch

ein Dorfgemeinschaftshaus brauchte. Man hatte ja das Geld aus dem Windbruch und

Fördermittel gab es auch. Die Höhe ist mir allerdings nicht bekannt. So war das Projekt

DGH geboren. Ein geeigneter Platz war auch schnell gefunden. Wie die Planungen dann

im Einzelnen weitergingen, weiß ich nicht. Als Architekt wurde Ernst Kutt aus Usingen

ausgewählt. Die Rohbauarbeiten wurden an die Firma Konrad Ohly aus Grävenwiesbach

vergeben. Das hatte auch den Nebeneffekt, dass einige Mauloffer Bauarbeiter, die

bei der Firma Ohly beschäftigt waren, ihren Arbeitsplatz einmal direkt vor der Haustür

hatten. Wer die anderen Gewerke wie z.B. Zimmermann, Schreiner, Elektroarbeiten

ausgeführt hat, weiß ich nicht. Es entstand für Mauloffer Verhältnisse ein recht ansehnlicher

Bau, um den uns später schon die eine oder andere Nachbargemeinde beneidet

hat.

Untergebracht waren im Erdgeschoss die Wäscherei, eine Gemeinschaftsgefrieranlage

mit 24 Gefriertruhen und eine Bäderabteilung, getrennt nach Männlein und Weiblein,

mit Badewannen und je einer Dusche und Toilette. Nebenan in einem völlig separaten

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„Vinze-Schnarerrsch“ Paula Vollberg

Raum war und ist die Feuerwehr untergebracht. Im 1. Obergeschoss befindet sich noch

heute ein großer Gemeinschaftsraum, der durch eine Schiebetür abzutrennen ist, in dem

man bei entsprechender Einteilung mit Tischen und Stühlen versehen locker 80 Personen

unterbringen kann. Daneben befand sich sie Küche (für damalige Verhältnisse sehr

komfortabel ausgestattet) mit Geschirr, Besteck, Warmwasser über der Spüle (5 Liter

Behälter) usw. ausgestattet für 100 Personen. Neben der Küche befand sich der Waschraum

für den Kindergarten. Dort war und ist auch heute noch der Notausgang Dazu gab

und gibt es heute noch die Toilettenanlage.

Im 2. Obergeschoss befinden sich bis heute die Hausmeisterwohnung und daneben ein

Jugendraum, in dem auch eine kleine Bibliothek untergebracht war, sowie ein Sanitätsraum

für medizinische Notfälle. Warum man diesen unter dem Dach, 2 Treppen hoch,

untergebracht hat, kann ich nicht sagen.

Oberhalb der Feuerwehr war die Wohnung der Gemeindeschwester mit separatem Eingang.

Diese Schwesterstation war über Jahre besetzt. Sie hat auch den Kindergarten

betreut, der sich in dem hinteren durch die Schiebetür abgetrennten Teil des großen

Saals befand.

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An einem Sonntag im Sommer 1956 war auch in Mauloff die Neuzeit angebrochen. Die

Einweihung wurde ganz groß gefeiert. Alle Mauloffer waren anwesend und viele geladene

Gäste, der Landtagspräsident Heinrich Zinnkann, der Landrat und einige Bürgermeister

aus den Nachbargemeinden (so z.B. Otto Rohrbach aus Finsternthal, Albert

Bachon aus Reichenbach und Gustav Ott aus Steinfischbach).

Zur Zeit der Einweihung war ich 19 Jahre alt und kann mich noch ganz gut erinnern.

Alle Mauloffer waren sehr stolz. Es wurde gesungen, und wir jungen Leute hatten

Volkstänze einstudiert. Wer uns diese beigebracht hat, weiß ich nicht mehr. Es wurde

reichlich gegessen und getrunken, selbstverständlich war alles auf Kosten der Gemeinde.

Wann und wie die Festteilnehmer den Heimweg angetreten haben, weiß ich

nicht.

Das DGH wurde in allen Bereichen in Betrieb genommen. Es gab zu dieser Zeit in den

Mauloffer Häusern nur in seltenen Fällen ein Bad - und Gefriertruhen überhaupt nicht.

Vielleicht hier und da ein Kühlschrank und die Wäscherei brachte mancher Hausfrau

große Erleichterung. Die Benutzung dieser Einrichtungen kostete nur ganz wenig Geld.

Ein Wannenbad z.B. 40 Pfennige, ein Duschbad 20 Pfennig. Die Wäsche wurde nach

Kilogramm abgerechnet und war sehr preiswert. Die Miete für die Gefriertruhe war

äußerst günstig.

Allein die Hausmeisterwohnung blieb leer. Man hatte keinen Hausmeister gefunden

(vielleicht hat man den aber auch nicht wirklich gesucht). Die Wohnung wurde an die

Familie Peter Heinemann aus Frankfurt-Heddernheim (ein pensionierter Pfarrer) mit

Ehefrau Mia (Maria) und den Kindern Jost und Margret vermietet. Die Hausmeisterstelle

übernahm Paula Vollberg (Vinze-Schnarerrsch Paula). Sie hatte diese Stelle bis

ins hohe Alter inne. Dazu aber an anderer Stelle mehr. Die Wäscherei war viele Jahre

ebenfalls an Paula Vollberg übertragen. Mitgearbeitet haben u.a. Irma Hedwig, Gertrud

Ott und Heidel (Adelheid) Seel. Geöffnet war die Wäscherei an festgesetzten Tagen.

Bei Abgabe der Wäsche erfuhr man auch den Abholtermin.

Recht bald wurde auch der Evangelischen Kirchengemeinde Steinfischbach-Reichenbach

der Saal für den einmal im Monat stattfindenden Gottesdienst überlassen, wohl

auf Veranlassung von Willi Seel, der zu dieser Zeit Kirchenvorsteher war. Als Küsterin

wurde einfachheitshalber Paula Vollberg bestimmt, das war die einfachste Lösung. Sie

hatte die komplette Schlüsselgewalt für das Haus (außer den beiden Wohnungen und

dem Bereich der Feuerwehr).

Die Öffnungszeiten für das Haus waren genau geregelt, wer z.B. an die Gefriertruhen

wollte, musste die Zeiten einhalten. Im anderen Fall musste man bei Paula Vollberg zu

Hause vorbeigehen und um die Schlüssel bitten, die sie oft nur sehr widerwillig hergab.

Bekommen haben ihn sicherlich alle, damit konnte der Sonntagsbraten manchmal in

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letzter Minute gerettet werden. Die Bäder waren samstags ab 18 Uhr geöffnet und wurden

rege genutzt. Manche Mauloffer (auch ich) gingen jeden Samstag dorthin, einige

hat man nie gesehen, warum auch immer, geschlossen wurde erst, wenn alle Interessenten

gewaschen waren. Das war oft bis 1 Uhr in der Nacht. Wenn der Andrang es zuließ,

blieb man schon mal nach dem Baden sitzen, wo ab und zu jede Menge Informationen

zu erhalten waren, besonders von Karl Klapper und anderen. Ich selbst habe oftmals

zuschließen helfen – ich hätte ja sonst was verpassen können!!

Der Saal samt Küche wurde sehr häufig genutzt für Hochzeiten, Kindtaufen, Geburtstage,

Konfirmationen usw. – aber auch für Beerdigungen. Da brauchte man zu Hause

das Wohnzimmer nicht aus- und einräumen. Die Saalmiete richtete sich nach der Benutzungsdauer,

1 oder 2 Tage je nach Bedarf. Vorbereitungen und Nacharbeiten (Putzen)

waren inklusive. Bei Beerdigungen war der Saal mietfrei. Willi Seel war der Auffassung,

da käme schließlich jeder mal dran. Nur die Tisch- und Küchenwäsche musste

man bezahlen.

Angemietet werden konnte der Saal auch von „Auswärtigen“, was sehr häufig vorkam.

So ist z.B. die Hochzeit meines Vetters Heinz Dienstbach aus Usingen hier gefeiert

worden. Aus dem noch vorhandenen Gästebuch sind viele Einzelheiten zu entnehmen.

Ganz wichtig war in dem Saal auch das erste Fernsehgerät im Dorf. Natürlich nur

schwarz/weiß und zwei Programme (ARD und ZDF). Die Programmauswahl traf in

aller Regel Peter Heinemann, Einsprüche oder Sonderwünsche waren zwecklos. So waren

auch wir mit der großen Welt verbunden. Wer einigermaßen konnte, ging abends

zu den 20 Uhr Nachrichten dorthin, vielleicht kam auch schon mal ein Spielfilm – sitzen

blieb man in der Regel immer. So konnten die Mauloffer über viele Jahre die Segnungen

der Neuzeit genießen.

Mit der Zeit nahm der Badebetrieb ab. In vielen Mauloffer Häusern wurden im Zuge

von Umbauten und Renovierungen Bäder eingebaut, bis das Baden im DGH schließlich

ganz eingestellt wurde. Wer wollte, konnte noch Mittwoch oder Donnerstag abends hingehen.

Da war von der Wäscherei warmes Wasser zur Verfügung. Johann Schlösser

und ich haben diesen Komfort lange genutzt, denn als wir in „Feye“ zogen (Januar 1971)

hatten wir über eine ganze Zeit kein Bad. Umfangreiche Sanierungs- und Umbauarbeiten

waren bei uns erforderlich.

Bis hierher meine Erinnerungen, die sicher einigermaßen authentisch sind.

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Und nun beginnt im Jahre 1988 das 2. Kapitel der Geschichte- und wer hat wieder die

Finger im Spiel? – Ich! Inzwischen war Paula Vollberg im Ruhestand und unsere Heidel

war Hausmeisterin. Sie war natürlich auch bei allen Veranstaltungen mit von der Partie.

Adelheid „Heidel“ und Hartmut Seel (ca. 2005)

Sie half bei den Vorbereitungen, bei den Nacharbeiten usw. Nach 28 Jahren ständigen

Gebrauchs waren viele Teile der Innenausstattung (besonders Wäsche und Geschirr) so

abgewirtschaftet, dass man nur mit größtem Geschick für 30 Personen eindecken

konnte, unter Zuhilfenahme der weißen Tischwäsche, die noch aus wenigen Einzelteilen

bestand und so abgewaschen war, dass man durchsehen konnte. Das Eindecken erfolgte

nach dem Motto: Stelle das Geschirr so drauf, dass man möglichst die Löcher

nicht sieht und das Geschirr bitte mit der angeschlagenen Seite nach hinten.

Das machte Heidel jedes Mal schwer zu schaffen! Als wir beide wieder einmal zugange

waren, sagte sie wörtlich zu mir: „Man müsste einmal durch das Dorf gehen. In einzelnen

Häusern steht in den Schränken sicher eine Menge Geschirr herum, das nicht mehr

gebraucht wird und in manchen Wäscheschränken sitzt sicher auch weiße Tischwäsche,

die genauso übrig ist, vielleicht spendet man ja etwas“. Ich sagte zu ihr: „Heidel, was

soll das dann geben? Wie sollen die Dinge nur halbwegs zusammenpassen? Wie soll

das dann aussehen“? Über meinen Kommentar war sie gar nicht begeistert und wir gingen

an diesem Tag ziemlich bedröppelt heim. Allerdings konnte Heidel keinesfalls ahnen,

was sie bei mir mit ihren Gedanken angerichtet hatte. Sie hatte mich mit der Idee

vom Sammeln angesteckt. Bei mir fing wieder großes Nachdenken an: Wie, was, wann,

womit und wer?? Mein Entschluss natürlich – ICH, wer sonst? Selbst anpacken wurde

auch in diesem Fall meine Devise.

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An einem Sommerabend gingen wir (Reinhard Seel der Ortsvorsteher, Wilhelm Bausch,

Karl Klapper und ich (Schriftführerin) aus einer Ortsbeiratssitzung heim und blieben im

Heideweg stehen. Ungefähr dort, wo der Wirtschaftsweg beim Haus Piecha herauskommt,

um noch – was weiß ich –auszudiskutieren. Dabei fiel mein Blick auf das DGH

und ich hatte plötzlich Heidel mit ihren Plänen im Kopf. Ich sprach besonders Reinhard

darauf an und machte ihm den Vorschlag, ich wollte wieder mal eine Spendenaktion

beginnen – aber wegen Geld! Denn das vom Rathaus in Rod an der Weil nichts zu

erwarten sei, war mir klar. Reinhard und die beiden anderen waren in höchstem Maße

skeptisch. Reinhard sagte: „Du kannst es probieren, meinetwegen, bekommen wirst Du

nichts“. Denkste, dachte ich bei mir, ich werde es auf jeden Fall versuchen.

Also wieder nach Rod an der Weil fahren und wegen Spendenquittungen fragen und

den Segen der Gemeinde abholen. Das hatte geklappt. Auf dem Heimweg dachte ich:

Jetzt hast du dein Maul vollgenommen, jetzt hängst du irgendwie in der Nummer drin.

Zurück geht nicht mehr, sonst wirst du unglaubwürdig.

In meiner „Kriegskasse“ hatte ich zu dieser Zeit einen Bestand von 1.094,34 DM für

Tischwäsche - mochte das nach meinen Überlegungen schon mal reichen – aber Geld

dafür ausgeben? So ging ich am nächsten Morgen (wie täglich für meine Barmer Ersatzkasse)

zur Usinger Volksbank und bat um Audienz bei der Geschäftsführung, dem

„Dreigestirn“, drei gleichberechtigte Vorstandsmitglieder. Denen trug ich meine Sorgen

besonders wegen der Tischwäsche vor (mehr wollte ich am Anfang der Aktion überhaupt

nicht). Mir wurde für den nächsten Morgen Bescheid versprochen. Das war auch

der Fall. Ich solle zum Textilhaus Hatzmann gehen und dort sagen, was und wieviel ich

brauchte. Die Firma Hatzmann hätte Order zu liefern, und die Volksbank würde bezahlen!

Ein Limit war mir nicht gesetzt! Also ich auf dem Rückweg zur Firma Hatzmann,

anfragen was und wieviel usw. Einige Tage später konnte ich in der Volksbank ein respektables

Wäschepaket in Empfang nehmen mit einer Kopie der Rechnung in Höhe von

750 DM. Ich sagte ganz höflich danke und dachte, die Sache läuft gut an. Also weitermachen!

Meine Begehrlichkeit wuchs, jetzt wollte ich neues Geschirr und Besteck samt Zubehör

für 120 Personen. Plötzlich auch eine neue Küche, die alte war wirklich nicht mehr

zeitgemäß. Ein Elektroherd, eine ganz normale Haushaltsspüle und ein Warmwassergerät

von 5 Liter über dem Wasserhahn waren zwar vorhanden, aber veraltet. Zum Spülen

musste man anständig heißes Wasser auf dem Herd machen und auch das Holz war

noch die Erstausstattung, der Kühlschrank inzwischen ein rechter Stromfresser usw.

Da wusste ich: Irene, jetzt brauchst du Geld, viel Geld und vor allem die Zustimmung

der Gemeinde, sie war schließlich der Eigentümer unseres DGH.

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Also, ich wieder zum Rathaus zu unserem damaligen Bürgermeister Horak, der nach

meiner ganzen Erzählung zunächst einmal den guten Antonius Hirschberg herbeiholte.

Nachdem der von meinem Vorhaben erfahren hatte, sagte er: „Mädchen, weißt du was

das bedeutet? Da müssen die ganzen Versorgungsleitungen geändert bzw. neu verlegt

werden. Wasserzu- und -ablauf, der ganze Stromkreis muss verstärkt werden, das gibt

eine große Baustelle“.

Ich war zunächst erschrocken, daran hatte ich überhaupt nicht gedacht. Na ja, sagte ich,

dann kann ich mir die ganze Sache wohl in die Haare schmieren. „Ganz langsam“, sagten

die beiden dann zu mir. Wir wollen die Sache erst einmal überdenken und beraten.

– und der Bürgermeister sagte: „Herr Hirschberg wird Sie informieren.“. Zwischenbemerkung:

Von dieser Stunde an war Herr Hirschberg mein ständiger Begleiter und Berater

in dieser Sache bis zum endgültigen Schluss am 08.04.1993 Ohne ihn wäre vieles

oder alles nicht gelaufen!!

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Irgendwann kam er auf mich zu mit der Bemerkung: Kümmern Sie sich einmal um eine

neue Küche, mal sehen was daraus wird. Ich hatte einen guten Kücheneinrichter (über

meine BEK) an der Hand. Mit ihm verabredeten wir uns zur Besichtigung einer

Musterküche in der Mehrzweckhalle in Obernhain, die er geliefert hatte. Die gefiel uns,

das Grundkonzept war wandelbar für Mauloffer Bedürfnisse. Nächste Verabredung im

DGH Mauloff: Kücheneinrichter, Herr Hirschberg und ich. Inzwischen war der Kindergarten

aufgelöst worden und somit der Waschraum frei und der stand leer. Nun wollte

ich eine zweigeteilte Küche. Eine Kochküche und eine Spülküche, beide verbunden mit

der vorhandenen Durchreiche zwischen Saal und Kochküche und Kochküche und Spülküche.

Fragen: Was wollen wir, was brauchen wir usw. Vor allem eine Warmwasserzufuhr

direkt aus der Heizung damit das Gepansche mit der Warmwasserzubereitung

wegfiel. Anschlüsse für zwei Herde und zwei Kühlschränke, entsprechend Abläufe für

Spülwasser usw. Das war wohl im Rathaus beschlossene Sache. Also die Küche planen

bis ins kleinste Detail, u.a. in der Spülküche mit zwei tieferen Spülbecken. Alles wurde

bis ins Detail besprochen und nun der Kostenvoranschlag für die Küche: Wir wussten,

die kostet richtig Geld, aber mit halben Sachen wollte ich mich auch nicht mehr abgeben.

Der Kostenvoranschlag kam: 18.750 DM! Prost, dachte ich. Inzwischen hatte ich

seit dem 21.07.1988 fleißig Spenden gesammelt, wieder einmal war ich in Mauloff unterwegs

und auf meinen Außendienstterminen für die Barmer suchte ich alle Firmen

heim, die mir unterwegs begegneten. Auch welche, über deren Schwelle ich bisher keinen

Fuß gesetzt hatte. Den Winter 1988/1989 verbrachte ich fast allabendlich mit dem

Schreiben von Bettelbriefen an Leute, die ich bis dahin nicht kannte und die ich z.T. nie

in meinem Leben gesehen habe. Von Berlin, Kiel, Düsseldorf bis München, jeden Brief

einzeln im Original und auf jeden Empfänger persönlich zugeschnitten.

Passend kam mir im Sommer 1989 auch der Landtagswahlkampf. Die Kandidaten auszumachen

war anhand der Wahlplakate eine der leichtesten Übungen. Nix wie ran,

dachte ich. Der Erfolg war durchschlagend. Insgesamt hatte ich allein daraus eine recht

ansehnliche Summe zusammen. Ich konnte der Gemeinde doch schon einen großen Betrag

anbieten. Herr Hirschberg war immer mehr oder weniger auf dem Laufenden. Er

hat wohl im Rathaus meine Zwischenstände nie herausgegeben. Ich wusste, für die Küche

brauchte ich noch einen ordentlichen Brocken, denn inzwischen brauchte ich auch

neue Stühle und vor allem neue Tische, die alten Teile waren fast alle nur noch zu entsorgen.

Die Tische und Stühle entstanden zunächst aber nur in meinem Kopf.

Zurück zur Küche. Eines Samstagnachmittag im Vorsommer 1989 ging ich ganz gezielt

auf Tour - wegen der Küche- 10.000 DM mussten jetzt her. Spruch aufgesagt, von weniger

habe ich erst gar nicht angefangen. Man wolle das überdenken wurde mir gesagt.

Am Montag bekäme ich telefonisch Bescheid. Und am Montagabend der Anruf. Die

10.000 DM wurden mir verbindlich zugesagt! Die Küche war gerettet! Den Auftrag

dafür erteilte ohne Verzug die Gemeinde, nachdem ich die entsprechenden Mittel jetzt

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zusagen konnte. Der Einbau erfolgte recht zügig, jetzt ging es ans Einkaufen von Geschirr

und Besteck, Kochtöpfe, Pfannen usw.- Davon kann Wolfgang Haub ein Lied

singen! Wolfgang, Elsbeth Ritzmann und ich fahren zum Einkaufen in den Großmarkt.

Der arme Wolfgang war davon ausgegangen, dass der Vorgang in 2 Stunden abgeschlossen

sei. – Denkste!

Ich hatte mir eine fast endlose Liste gemacht, wieviel ich von jedem Teil brauchte.

Wolfgang durfte die Liste tragen und jede Position abhaken. Ich ließ mir jedes Teil

bringen und begutachtete es zusammen mit Elsbeth. Es war auch immer die Frage,

konnte man jeweils 120 Stück möglichst aus einer Serie kurzfristig liefern. Einen ganzen

Samstagnachmittag (gefühlte 5 bis 6 Stunden) haben wir im Großmarkt zugebracht,

auch bis das ganze Vorhaben aufgerechnet war. Ich musste ja wissen, mit wieviel Verbindlichkeiten

ich aus dem Großmarkt herausging. Es waren 7.923,56 DM. Den Kaufvertrag

musste ich unterschreiben und damit war ich haftbar für den ganzen Betrag, was

mir aber keine Bauchschmerzen bereitete. Die Summe war ja vorhanden. Meine Bedingung

war: Frachtfrei ausliefern ins DGH nach Mauloff. Das wurde mir schriftlich bestätigt.

Nun ging es an die Stühle. 96 Stück wollte ich haben. Irma Seel hat mich auf 84 Stühle

gebracht. Sie hat, im Gegensatz zu mir, die Eckbänke mit eingerechnet. Aber woher

bekommen? Sie sollten zur Innenausstattung des Saales passen. Ich ging auf die Suche,

gebrauchte Stühle wollte ich keinesfalls, die hatten wir selbst. Durch mehreres Herumfahren

und Fragen kam ich schließlich auf die Königsteiner Stuhlfabrik, von der ich

vorher nie etwas gehört hatte. In Königstein müsste die ja wohl sein, verriet mir das

Telefonbuch. An einem Freitag bin ich früher von der Arbeit fort und nach Königstein

gefahren, um herauszufinden, wo die Firma überhaupt war. Sie war irgendwo außerhalb

und recht gut versteckt, bis ich dort eintraf war gleich Feierabend. Viel ausrichten

konnte ich an diesem Tag nicht – ich wusste, der nächste Freitag kommt. Ich wieder

nach Königstein, diesmal 2 Stunden früher. Dann fingen die Verhandlungen an. Zuerst

die Suche nach einem geeigneten Modell, gepolstert natürlich. Bezüge gab es mehr oder

weniger zur Auswahl. Dann ging das Gefeilsche ums liebe Geld los. Der Mindestpreis

pro Stück stand bald fest. Ich erklärte dem Sachbearbeiter, dass ich für 84 Stühle kein

Geld habe. Man möge mir doch bitte 84 Stühle liefern zum Preis von 78 Stück, soviel

Geld hätte ich - und auf jeden Fall aber frachtfrei bis DGH Mauloff. Der gute Mann hat

ordentlich geschluckt. Ich erklärte ihm nach einer Denkpause seinerseits, jetzt entweder

hopp oder topp – noch einmal käme ich nicht nach Königstein. Es gäbe ja wohl auch

noch andere Hersteller. Als ich die Fabrik verließ, hatte ich was ich wollte –schriftlich-

. Vorher hatte ich mit dem Kirchenvorstand der Evangelischen Kirchengemeinde Steinfischbach-Reichenbach

sehr nachdrückliche Verhandlungen wegen eines entsprechend

hohen Zuschusses für die Stühle gehabt. Dafür erntete ich zunächst wenig Beifall. Erich

Wolf, der Kirchenrechner, erklärte mir, wir Mauloffer hätten eigentlich gar nichts zu

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bekommen, aber aus purer Gutmütigkeit wolle man mir 200 DM überweisen. Das hat

mich wahnsinnig geärgert – aber ich dachte, ganz ruhig, und erst einmal die 200 DM

mitnehmen. Nach Hause, dann sehen wir weiter, du kennst mich noch lange nicht. Kurz

danach starb Erich Wolf. Wir hatten auch einen neuen Pfarrer und ich einen neuen Plan.

Ich wurde auf meine Bitte hin zu einer Sitzung des Kirchenvorstandes eingeladen (damals

wusste ich noch nicht, dass ich einmal in diesem Gremium sitzen werde). Ich erklärte

den Damen und Herren, dass man mir bitte einen angemessenen Zuschuss zukommen

lassen solle. Wenn das nicht so sein würde, so würde ich die paar restlichen

brauchbaren Stühle im DGH auf den Speicher schaffen und dort die Tür zuschließen.

Der Gottesdienst in Mauloff müsse dann als Stehkonvent stattfinden – und man möge

bedenken, dass ich bisher alle meine Versprechungen (gleich welcher Art) eingehalten

hätte. Alle Anwesenden samt Pfarrer waren einigermaßen verdutzt, ich ließ die Versammlung

mit einem Dankeschön für die Einladung sitzen und war weg. Auf Diskussionen

wollte ich mich keinesfalls einlassen. Das sollten die ruhig ohne mich ausmachen.

Und siehe da: Meine Drohungen hatten Erfolg. Nach einiger Zeit bekam ich vom Dekanat

zu Idstein einen durchaus angemessenen Betrag für die Stühle überwiesen. Mit

dem verbleibenden Rest konnte ich gut leben.

Der Rest waren die Tische, 12 Stück. Das war eine der leichtesten Übungen. Mit Fritz

und Elsbeth Ritzmann fuhr ich wieder zum Großmarkt. Die Tische waren bald gefunden

und der Preis verhandelt. Diesmal aber mussten die Tische abgeholt werden, anders

wäre der Preis nicht zu halten. Ich unterschrieb den Kaufvertrag und konnte mir Gedanken

machen, wer die Tische holen sollte. Dafür schickte ich Fredy Steinmetz in den

Großmarkt, gab ihm die Auftragsbestätigung und eine Vollmacht für die Abholung mit.

Wie und mit welchem Fahrzeug er die Tische nach Mauloff bringen würde, war seine

Sache. Das klappte und an dem Abend kam Fredy um 23 Uhr zurück. Er hatte, wie

auch immer, die Tische in einen ganz normalen VW-Bus untergebracht. Ohne jeden

Kratzer. Um Mitternacht war dann die Aktion beendet.

Der Rest ist sehr schnell erzählt. Die Gemeinde Weilrod hat zusätzlich zu den erforderlichen

Versorgungsleitungen neue Fenster einbauen lassen und das Haus außen komplett

runderneuert. Die Schwestern aus Sachsenhausen stifteten die neuen Vorhänge,

komplett genäht und fertig aufgehängt. Die Einweihung konnte stattfinden!

Von 1988 bis 1993 habe ich an diesem Vorhaben gearbeitet. Während dieser Zeit habe

ich eine längere Zeit pausieren müssen. 1991 waren innerhalb von fünf Wochen meine

Mutter und mein Mann verstorben. Meine ganze Kraft und mein Mut hatten mich total

verlassen. Ich musste weiter vollschichtig arbeiten, das ganze Haus- und Hofwesen und

die noch existierende Fremdenpension jetzt ohne meinen Mann stemmen. Bis ich halbwegs

meinen Weg wieder gefunden hatte, das dauerte.

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Das Projekt DGH sollte damals von mir aus jemand anderes zu Ende bringen – zu der

Zeit war mir das völlig egal.

Nach einer Zeit standen irgendwann Wolfgang Haub und Antonius Hirschberg vor mir

mit der Bitte und Aufforderung, das Ganze jetzt zu Ende zu bringen. So rappelte ich

mich auf und wir konnten am 4. April 1993 wieder eine Einweihung feiern, im Beisein

vieler geladener Gäste.

Der Tag war für mich voller Freude, aber mit unsäglichem Kraftaufwand verbunden.

Ich hatte mir natürlich eine Dankesrede aufgeschrieben, im Verlauf der Rede war ich

einem totalen Kollaps nahe. Hätte Wolfgang Haub mich nicht aufgefangen und die Rede

für mich zu Ende gebracht, wäre der Tag in diesem Moment für mich gelaufen gewesen.

Die ganzen Anstrengungen dieser Zeit körperlich und mental und der Verlust meines

Mannes, der auch dieses Vorhaben bis zu seinem Tod unterstützt hat, zogen wie ein

Film an mir vorbei – ich war völlig am Ende. Mit der Sache und der Welt. Ein schöner

Tag wurde es trotz allem noch.

Nachsatz:

Ca. 150 Einzelspender und Sach- sowie Zuwendungen konnte ich verbuchen und damit

einen Betrag von knapp 40.000 DM (in Worten: Vierzigtausend) erzielen. Das waren

Beträge von 10 DM bis 10.000 DM! Das alles ist belegbar und ich habe alle Unterlagen,

auch das kleinste Fitzelchen bis heute aufbewahrt. Davon konnte sich Wolfgang Haub

vor kurzem wieder einmal überzeugen.

Fast fünf Jahre meines Lebens habe ich, mit der geschilderten Unterbrechung, an diesem

Projekt gearbeitet. Und eines ist sicher: Unter ganz gleichen Bedingungen würde

ich dasselbe noch einmal machen – mit derselben Leidenschaft und Freude an der Sache.

Nun mögen sich andere, jüngere Leute um das Dorfgemeinschaftshaus bemühen. Einige

Dinge sind bereits wieder in trockenen Tüchern. Neue Vorhaben sind wohl in Planung

Ich werde in Ruhe und mit aller Gelassenheit meines Alters (ich bin inzwischen 75 Jahre

alt) den Lauf der Dinge beobachten.

Irene Schlösser am 25.02.2012

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Ergänzungen durch Wolfgang Haub:

Im September 2009 wurde auf Initiative und Drängen von mir (damaliger Ortsvorsteher)

die Toilettenanlage im DGH vollständig erneuert. Der Grund war, dass die Abflussleitungen

fast vollständig verstopft waren und auch aus den Wasserhähnen fast

kein Wasser mehr kam. Im Übrigen waren auch die Toiletten veraltet und nicht mehr

zeitgemäß. Es gab, wie immer natürlich, eine über mehrere Monate dauernde Diskussion

mit der Gemeinde, die wie immer, kein Geld hatte. Manfred Pauly, Gerd Faulhaber

und ich haben uns dann bereit erklärt, die alten Wand- und Bodenfliesen rauszureißen.

Die neuen Fliesen wollte die Gemeinde anbringen. Bei dem Entfernen der Fliesen haben

wir schnell festgestellt, dass darunter auch die Toilettenabtrennungen in Mitleidenschaft

gezogen werden mussten. Wir haben dann einfach alles rausgerissen und nach

längerem Disput mit der Gemeinde hat diese sich dann einsichtig gezeigt und alles

wurde erneuert. Die Toilettenanlage mit neuer Abtrennung wurde von der Firma Steinmetz

& Reichel geliefert und aufgebaut. Die Räume wurden neu gefliest und die Wände

neu gestrichen. In diesem Zusammenhang wurden auch die Fliesen im Eingangsbereich

des DGH erneuert. Frank Anschütz hat hierbei auch mitgeholfen.

Umfangreiche Erneuerungs- und Renovierungsarbeiten fanden dann auf Veranlassung

der neuen Ortsvorsteherin Barbara Geyer vom September bis November 2012 statt.

Unter ihrer sehr engagierten Federführung wurden der gesamte große Saal und der

Flur umgestaltet. Unterstützung fand sie bei Silke Haub, aber andere Mauloffer wie z.B.

Kerstin Zimmermann, Regina Volkmar, Lydia Haub, Volker Götz, Gerd Faulhaber,…

Es wurde nicht nur der große Saal komplett umgestaltet sondern auch der Flurbereich.

Alle Stühle wurden neu bezogen, die Tische abgeschliffen und neu lackiert. Neue Lampen

und Bilder beschafft und aufgehängt, ebenso neue Gardinen. Der Balkon wurde

renoviert, das Geländer neu gestrichen und der Boden erneuert. Ein neues von der

Jagdgenossenschaft finanziertes Klavier wurde gekauft. Neue Kleinmöbel für den Raum

aber auch für die Toilettenräume wurden gekauft und aufgestellt. Die gesamte Aktion

wurde finanziert durch die Jagdgenossenschaft (Klavier), die Kirchengemeinde Steinfischbach-Reichenbach,

private Spenden und Mittel des Ortsbeirates.

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Vorbemerkung:

Finsternthal von 1945 – heute

von Herbert Wischmann

Die nachfolgenden Niederschriften basieren auf zwei Vorträgen des Geschichtsvereines

Weilrod, gehalten im Januar 2012 und im Januar 2013 im Dorfgemeinschaftshaus

zu Finsternthal.

Die Geschichte Finsternthals ist in 2 Epochen beschrieben. Zum einen die Zeit, als unser

Dorf noch eigenständig war (1945 – 1970) und die dann folgende Zeit (1970 –

heute) als einer der 13 Ortsteile Weilrods.

Finsternthal

von 1945 – 1970

Am 30. März 1945, das war der Karfreitag des Jahres, ging in Finsternthal der 2. Weltkrieg

zu Ende. Am 8. Mai, also knapp 1 1/2 Wochen später, erfolgte dann die Unterzeichnung

der Kapitulationsurkunde mit den so genannten Siegermächten und der unselige

2. Weltkrieg war somit endgültig vorbei.

Obwohl ich damals erst knapp 4 Jahre alt war, ist mir dieser 30. März 1945 noch sehr

gut in Erinnerung. Es war übrigens meines Wissens das einzige Mal, dass unser Dorf in

militärische Auseinandersetzungen im 2. Weltkrieg verwickelt war. Ansonsten flogen

die alliierten Bomber nachts über das perfekt verdunkelte Finsternthal in Richtung

Frankfurt oder weiter nach Schweinfurt, wo sich das Zentrum der kriegswichtigen deutschen

Kugellager Industrie befand, um dort ihre Bomben abzuwerfen.

An besagtem 30. März 1945 wurden nach starkem Beschuss unseres Ortes von Riedelbach

her, alle Bürger aus den Kellern ihrer Häuser auf die Wiese unterhalb unseres Trafohäuschens

getrieben. Auch aus dem im Mauloffer Berg befindlichen Wasserleitungsstollen,

in den sich ein Teil der Finsternthaler geflüchtet hatte, wurden die Bürger zu

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der besagten Wiese gebracht. – Das hölzerne Jagdhaus des damaligen Jagdpächters Dr.

Jendwed, das auf dem gleichen Platz wie das heutige Anwesen der Familie Melcher

stand, brannte lichterloh und man hörte das laute Krachen der berstenden Balken. Über

dem ganzen Ort hing ein intensiver Rauchgeruch, denn auch noch diverse andere Häuser

des Dorfes brannten.

Bei dem Kampf um Finsternthal gab es 3 deutsche Tote und 6 Verletzte. Eine schwer

verletzte Finsternthaler Mitbürgerin aus dem Oberdorf verstarb später.

Die Amerikaner sammelten ihre zahlreichen Toten und Verletzten, so wurde mir berichtet,

auf der Wiese, auf der sich jetzt das Anwesen Kammer befindet.

Das also war die Stunde 0 für unser Dorf. Die Infrastruktur war weitestgehend defekt,

es gab keine Arbeit, ein Teil der jungen Finsternthaler Männer war gefallen, vermisst

oder noch in Kriegsgefangenschaft und man wusste nicht, wann oder ob der Ehemann,

Vater, Sohn oder Bruder jemals wieder nach Hause kommen wird.

Hinzu kam, dass nahezu alle Häuser des Dorfes hoffnungslos überbelegt waren. Im

„Deutschen Hof“, wo ich aufgewachsen bin, waren das gleich nach dem Kriege sieben

Familienmitglieder, 3 Ausgebombte aus Frankfurt und 3 Flüchtlinge. Zusammen waren

Panzer im Graben, in der Nähe von Rod an der Weil

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das also 13 Personen. Im Hause meines Freundes Norbert Wick z. B. waren es 4 Familienmitglieder

und 2 Flüchtlinge. So ging es quer durch das ganze Dorf.

In dieser Zeit hatte unser Dorf alles in allem 186 Einwohner: 111 Finsternthaler, 45

Flüchtlinge und 30 Evakuierte. – Natürlich konnten nicht alle 45 Flüchtlinge in den

Häusern des Ortes untergebracht werden. Bürgermeister Otto Rohrbach hatte mit der

damaligen Gemeindevertretung beschlossen, deshalb schnell und unkompliziert eine

kurzzeitige Unterkunft zu bauen. Es war das lange flache Haus an der Höhenstrasse vor

dem Anwesen Melcher. Das Haus war seinerzeit im Dorf bekannt als das „Holzhaus“.

Es war ein vorgefertigtes Haus, das die Fa. Sorg aus Gemünden aufschlug. Bis in die

80 er Jahre des letzten Jahrhunderts war es noch bewohnt. Jetzt gehört es zum Anwesen

Melcher und wurde erst im Frühsommer 2013 abgerissen. An gleicher Stelle wird derzeit

ein Wohnhaus errichtet.

Die Begriffe Individualität und Intimsphäre waren zu jener Zeit absolut ausgeblendet!

Z. B. erfolgte das tägliche Waschen in aller Öffentlichkeit.

Mein wöchentliches Baden am Samstag zu jener Zeit war immer mit großer Lautstärke

verbunden, da ich mich partout nicht in der Küche nackt in aller Öffentlichkeit in die

Zinkwanne, Bränksche genannt, setzen wollte.

Somit wären wir auch schon bei dem Thema Reinlichkeit. Zu dieser Zeit gab es im

ganzen Dorfe max. 3 Badewannen. Gleiches gilt für die Anzahl der WCs. Auch da war

die Anzahl sicherlich unter 10. Dafür gab es dann die schon zuvor erwähnte Zinkwanne

für das Samstagsbaden sowie die auf fast jedem Hof existenten und ziemlich geruchsintensiven

Plumpsklos. Auch wir hatten so einen, der von allen Beteiligten nur äußerst

ungern benutzt wurde. Zum Glück waren die WCs dann relativ schnell wieder in Ordnung

und konnten benutzt werden.

Aber das Leben musste weiter gehen. Und es ging auch weiter! Die Grundnahrungsmittel

wie Mehl, Kartoffeln, Butter, Eier, Schmalz, Milch, Salat, Gemüse, Hülsenfrüchte

und ab und an auch einmal Fleisch und Wurst waren ja durch das Vieh, die Gärten und

die Felder weitestgehend vorhanden. Zu jener Zeit gab es Gerichte wie:

Gehitschel, Milchsuppe, Kartoffelbrühe, Wurstsuppe, Biersuppe, Grießsuppe, Arme

Ritter, Quellkartoffeln mit Schmierkäse (= Quark), Krüstchen, (kross gebackene Bratkartoffeln)

Solwerfleisch, Kochkäse, Speck mit Eier, Kartoffelpfannenkuchen mit Apfelbrei,

Blätterkraut, Sauerkraut, Fassbohnen, Rote Rüben warm oder kalt, Griebe mit

Zwiebeln, Grüne Soße, etc., etc. – Sonntags gab es gelegentlich Fleischwurst, Rippchen

mit Kraut oder gelegentlich auch schon einmal Schweinebraten. Einen Teil dieser vorgenannten

Gerichte gibt es heute noch. Sie werden dann unter dem Begriff „Typisch

hessisch“ in den Gaststätten angeboten.

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Ich entsinne mich in diesem Zusammenhang speziell an 2 Suppen: die immer etwas

schleimige Graupensuppe und die oft etwas angebrannte Milchsuppe. Beide Gerichte

habe ich mit Sicherheit die letzten 60 Jahre nicht mehr angerührt. Auch um kalte Rote

Rüben (= Rote Beete) und Gehitschel (Kartoffelbrei mit Sauerkraut gemischt) mache

ich, wenn möglich, einen großen Bogen!

Wie schon zuvor erwähnt, gab es Roggen- und Weizenmehl. Je nach Bedarf wurde an

4 - 5 Tagen die Woche in unserem Backhaus, das sich in dem Erdgeschoss unseres

Rathauses befand, gebacken.

Um 11:00 wurde von Hand die Glocke im Rathaus geläutet. Diese Aufgabe hatte zu

jener Zeit Philipp Müller inne. Danach kam er die steile Rathaustreppe herunter. Je nach

Anzahl der am Backen des nächsten Tages Interessierten tat er die entsprechende Anzahl

handgeschnitzter Nummerntäfelchen in seine blaue Schürze. Der Reihe nach zogen

dann die Anwesenden ihre Nummer. Keiner wollte so richtig gerne der Erste sein. Der

musste ja dann morgens den kalten Ofen anheizen, was eine größere Menge Backwellen

bedeutet hat. Meines Wissens konnte pro Tag so 2 – 3 x gebacken werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt war, dass bis zur Währungsreform am Sonntag, 20. Juni

1948, das Geld – es war die Reichsmark – quasi nichts mehr wert war. Für dieses Geld

gab es eigentlich nichts zu kaufen. Trotzdem war eine minimale Grundversorgung der

Familien mittels so genannter Lebensmittelkarten sichergestellt.

Als es dann aber an dem besagten 20. Juni 1948 für jeden Bürger 40. - DM gab, war

das wie eine Zeitenwende. Die Schaufenster waren wieder über Nacht gefüllt und es

gab nahezu alles zu kaufen. Nur mit den 40.- DM konnte man keine großen Sprünge

machen. Man musste also sehen, dass man Geld verdiente. Finsternthaler sind fleißig!

Wenn man jetzt z. B. einmal auf die Jahre 1948 – 1970 zurückblickt, ergab sich folgende

Situation: Fast jedes Haus hatte Vieh in Form von Kühen, Schweinen, Schafen, Ziegen,

Gänsen, Enten, Truthähnen und Hühner. Das sicherte schon einmal die Grundbedürfnisse

des täglichen Lebens. Des Weiteren gab es diverse Finsternthaler, die zu ihrer

Landwirtschaft auch ihr eigenes Geschäft hatten bzw. betrieben:

- - Es gab 2 Schmiede (Rühls Alfred und Konrads Otto = Otto Wick)

- - Es gab 3 Gaststätten („Haus Pfitzer am Bach“, den „Deutschen Hof“ und die

Gaststätte „Zum Taunus“ von Otto Klingelhöfer)

- Otto Klingelhöfer hatte außerdem auch einen gut sortierten Lebensmittelladen,

den man eigentlich jeden Tag besuchen konnte.

- Schneiders Thedor (Theodor Rühl) war Wagner und fertigte in seiner Werkstatt

alles aus Holz, was man in der Landwirtschaft so brauchte.

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Wagnerwerkstatt von Theodor Rühl (heute Anwesen E. Roth)

- Sein Nachbar, der zuvor genannte Schmied Konrads Otto, ergänzte dann alles mit

den entsprechenden Eisenbeschlägen. Zudem gab es bei Konrads Otto auch Benzin,

Glühbirnchen für die Fahrräder, Feuerzeugbenzin, Flickzeug für die Fahrradschläuche

usw.

- Otto Wick hatte auch zu jener Zeit das Amt des Gemeinderechners inne. Bis 1970

folgten ihm in diesem für unser Dorf so wichtigen Amt: Adolf Schlicht und Karlheinz

Könnemann.

- Flathe August (jetzt Anwesen Jung) hatte eine Rechenmacherwerkstatt.

- Auch im Hause von Otto Rohrbach war zu dieser Zeit noch eine ähnliche, voll

ausgestattete Rechenmacherwerkstatt vorhanden, die aber, soweit ich mich erinnere,

nach dem 2. Weltkrieg nur noch gelegentlich für den Eigenbedarf in Betrieb

war. Man sagte, Finsternthal sei „zwischen den Kriegen“ das „Zentrum der Rechenmacher“

im Altkreis Usingen gewesen.

- Im Anwesen Ziemer, jetzt Familie Engers, war da, wo sich jetzt die Garage befindet,

noch eine Schmiedewerkstatt, die aber nicht mehr in Betrieb war. Ebenso bei

Seels Friedrich, jetzt Anwesen Kahl, war eine voll eingerichtete Wagnerwerkstatt,

die auch nicht mehr benutzt wurde.

- Als weiteres Handwerk war die Korbmacherei vertreten durch Emil Vollberg. Er

wohnte mit seiner Familie im heutigen Anwesen von Heinz Laubner. Sein Handwerk

lernte Emil Vollberg in der seinerzeit bekannten Korbmacherschule in Grävenwiesbach.

- Ein weiteres Finsternthaler Unternehmen war das Malergeschäft von Otto Löw in

der damaligen Schulgasse (jetzt Borngasse). Es war ein Einmann-Unternehmen,

das aber, je nach Umfang der durchzuführenden Arbeiten, durch Hinzuziehung

weiterer Fachkräfte wie Gindersch Lui (Ludwig Wick), August Rühl, Otto Jung

aus Altweilnau und Edwin Marx aus Treisberg verstärkt werden konnte.

- In der vorgenannten Schulgasse gab es auch noch einen Schuhmacher namens Karl

Scherf. Sein Haus stand gegenüber der Schule.

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- Außerdem gab es auch noch drei Friseure. - Das war zum einen Lotte Jung, die

damals mit ihrem Sohn Adi in dem Hause in der Schmitterstraße wohnte, in dem

heute Fam. Bot wohnt. Des Weiteren Richard Weil und Josef Henkel, der mit

Schwester, Schwager und Neffe in der alten Schule in einem Teil der Lehrerwohnung

lebte.

- Otto Rohrbach und Karl Jung waren bei Bedarf auch in ihren Ausbildungsberufen

als Metzger tätig.

- Hinzu kam, dass sich zahlreiche Häuser noch ein Zubrot verdienten mit dem Vermieten

von 1 – oder 2 Zimmern, zumeist am Wochenende. Das waren zumeist

langjährige Verhältnisse. Diese Personen waren fast alle voll in unser Ortsgeschehen

integriert und man kannte sich recht gut.

Noch ein netter Vorfall aus jener Zeit, den man heute wohl als verbotene Preisabsprache

bezeichnen würde:

Mein Opa, Gustav Lehr, Wirt des „Deutschen Hofes“ und Otto Klingelhöfer, Wirt der

Gaststätte „Zum Taunus“ hatten, soweit ich mich erinnern kann, ein etwas distanziertes

Verhältnis. Warum das so war, weiß ich nicht. Aber eines schönen Tages nahm mich

mein Opa mit den Worten an die Hand: „Wir müssen jetzt `mal zu Klingelhöfers Otto!“

Also marschierten wir beide ins Oberdorf und gingen in den Laden. Otto Klingelhöfer

stand, eine Zigarette rauchend, hinter seiner Theke. Mein Opa mit mir davor. Auch er

rauchte seine Zigarre. Ich kürze das jetzt ab. Im Kern ging es darum, den Preis der

Vollpension ihrer vermieteten Fremdenzimmer neu zu kalkulieren. Als Ergebnis dieser

Besprechung kam eine saftige 10%ige Preiserhöhung heraus, nämlich von 5.- DM / Tag

auf 5,50 DM. – Vollpension hieß damals: Frühstück, 3 Gänge Mittagsessen (Suppe,

Hauptgericht + Dessert), nachmittags Kuchen und Kaffee und abends Aufschnitt mit

Wurst und Käse. Auch die Schuhe der Gäste wurden geputzt, was zumeist mein Job

morgens vor der Schule war.

Das waren, soweit ich mich erinnern kann, die „Selbständigen“ in unserem Dorf. Natürlich

hatte auch fast jeder der Vorgenannten noch eine mehr oder weniger große Landwirtschaft

bzw. einen Gemüsegarten, den es zu bewirtschaften galt.

Ein weiterer Teil der damaligen Finsternthäler Männer ging arbeiten. Deutschland

brauchte seinerzeit für den Wiederaufbau Handwerker aller Art. Maurer, Weißbinder,

Verputzer, Stuckateure, Fliesenleger, Elektriker, Schreiner, Zimmerleute und Bagger- /

Raupenfahrer waren die gängigen Berufe. Zudem wurden ständig kräftige Hilfsarbeiter

gesucht.

Aus jener Zeit hätte auch das Sprichwort stammen können: „HANDWERK HAT GOL-

DENEN BODEN!“ Einen Handwerker zu jener Zeit termingerecht zu bekommen, das

war einfach Glückssache.

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Wenn man seinem ursprünglichen Beruf nicht mehr nachgehen konnte oder wollte, fuhr

man schon nach Frankfurt, Bad Homburg, Schmitten, Oberursel oder Usingen. Die

MOHA in Sossenheim, MERCEDES in Ffm oder die HECO in Schmitten, das waren

seinerzeit gängige Arbeitgeber. Ein Teil der jungen Frauen aus Finsternthal und dem

Altkreis Usingen war tätig in der seinerzeit sehr bekannten Textilfirma KIMODE, die

ihren Sitz in der Bahnhofsstraße in Usingen hatte.

Gerne gingen auch die hiesigen Frauen in die „Kultur“. Darunter verstand man das Setzen

von jungen Bäumchen im Wald auf den Flächen, die wieder aufzuforsten waren.

Diese Arbeit geschah in Absprache mit dem jeweiligen Förster (Herr Schiebel / Herr

Otto) unter der fachkundigen Anleitung von z. B. Konrads Adolf (= Adolf Merling)

oder Kaspers Gustav (= Gustav Wick).

Im Winter wurde auch in den Holzwald gegangen. Die anfallende Arbeit in der Landwirtschaft

war im Winter ohnehin beschränkt, so dass man durch die Waldarbeit noch

ein gutes Zubrot hatte.

Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang auch die Milchsammelstelle, die in

dem Erdgeschoss des alten Rathauses untergebracht war. Diese wurde, so lange sie bestand,

von der Familie Rohrbach betrieben. Der durch die MOHA an die hiesigen Landwirte

gezahlte Preis richtete sich nach dem Fettgehalt der Milch. Besagter Fettgehalt

wurde wöchentlich geprüft. Auch das war für viele Finsternthaler Familien, speziell in

der Sommerzeit, wenn die Kühe viel Milch gaben, ein guter Zusatzverdienst.

Die Milch wurde des Nachts von Tankwagen der Fa. Lückel aus Schmitten abgefahren.

Aus Finsternthal fuhren über viele Jahre im Sommer und im Winter zuverlässig Helmut

Rohrbach und Emil Wick dieses Auto.

Finsternthal war von seinen Finanzen her durch den großen Waldbesitz und dem daraus

resultierenden Holzverkauf recht gut positioniert! Also befasste sich die damalige Gemeindevertretung

unter Leitung von Bürgermeister Otto Rohrbach mit dem Thema

„Bau eines Dorfgemeinschaftshauses“. Ich kürze das jetzt ab. 1956, also vor jetzt 57

Jahren, wurde unser DGH in Anwesenheit der ganzen Dorfbevölkerung und zahlreicher

Offizieller eingeweiht. Die Finsternthaler Bevölkerung hatte jetzt die Gelegenheit jeden

Samstag zu baden bzw. zu duschen. Es gab auch ein Schlachthaus, in dem man unter

hygienischen Umständen das Schlachtvieh verarbeiten konnte. Von den früheren Hausschlachtungen

kam man völlig ab! Es gab einen Gefrierraum, in dem fast jede Familie

des Ortes ein eigenes Gefrierfach hatte. Der große Saal im 1. Obergeschoss wurde jedes

Wochenende zum Fernsehen benutzt. Auch Maskenbälle, Tanzabende, Weihnachtsfeiern

der Freiwilligen Feuerwehr, Theateraufführungen der Schule und Familienfeiern

wurden dort abgehalten. – Eine ziemlich reichhaltige Bibliothek gab es auch, in der man

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sich samstagnachmittags ein- oder zwei Bücher ausleihen konnte. Im Erdgeschoss befand

sich zusätzlich noch eine gut ausgestattete Wäscherei mit 2 Waschmaschinen,

Schleudern und einer großen Heißmangel für die Bettwäsche.

Ein generelles Problem seinerzeit war der schon zuvor erwähnte zur Verfügung stehende

Wohnraum. Die existenten Häuser waren auch nach dem Auszug der Flüchtlinge

und Ausgebombten zumeist nicht übermäßig geräumig. Auch wollte die damalige Jugend

dann auf eigenen Beinen stehen und nicht mehr mit 2- oder 3 Generationen zusammen

wohnen, was gelegentlich schon zu Reibereien und Diskussionen führte. Es

wurde also an- und umgebaut bzw. gleich neu gebaut. Außerdem gab es einen großen

Nachholbedarf am Einbau moderner sanitärer Einrichtungen, denn auf den Plumpsklo

gehen bzw. im „Bränksche“ sich samstags zu waschen, das war nicht mehr zeitgemäß!

Das Wannenbad und die 3 Duschkabinen in dem neuen DGH waren, wie zuvor schon

gesagt, nur am Samstag jeweils von 15:00 – 20:00 Uhr geöffnet.

Zum Thema Schule: Hier war der Besuch der hiesigen Volksschule mit einem einzigen

Klassenraum der Normalfall. Man ging 8 Jahre zur Schule und das reichte. Interessanterweise

wurde den Kindern in diesen 8 Jahren von zwar älteren, aber erfahrenen Pädagogen

wie Herrn Gronau, Herrn Wengenroth, Herrn Euler oder zum Schluss Herrn Ditthard

in den Fächern Rechnen, Raumlehre, Deutsch, Naturkunde, Sozial – und Erdkunde

so vieles beigebracht, dass man ohne Zweifel den Vergleich mit einem heutigen

guten mittleren Schulabschluss anstellen kann. Das war dann die Grundlage für eine

gediegene Facharbeiterausbildung.

Noch eine nette Anmerkung: Zu jener Zeit gab es einen etwas übergewichtigen Schulrat

namens Otto Köth, der damals schon einen großen „Opel Kapitän“ fuhr. Vor diesem

großen, immer lautstark polternden Menschen hatten Schüler und Lehrer gleichermaßen

einen Heidenrespekt. Ich entsinne mich an einen Besuch des besagten Herrn bei uns.

Wie immer kam er unangemeldet in unsere Schule. Er stand dann vor der Klasse. Unser

damaliger Lehrer, Herr Wengenroth, stand ziemlich hilflos hinter ihm und soufflierte

uns lautlos die Antworten auf die gestellten Fragen.

Im Zusammenhang mit diesem Herrn erhielt ich den nachstehenden Vierzeiler, dem

nichts mehr hinzuzufügen ist:

Wenn morgens früh die Tür `aufgeht,

ein Riese ohne Schlips da steht,

die Haare wild vom Winde verweht,

dann ist es unser Schulrat Köth!

Man konnte auch hauswirtschaftliche Schulen, z. B. im Vordertaunus, besuchen. Vor –

bzw. während des 2. Weltkrieges wurde auch noch gerne die „Landwirtschaftliche

Schule“ in Usingen im Winterhalbjahr besucht.

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Meines Wissens war der erste Finsternthaler, der die Christian Wirth Schule (damals

„Aufbauschule“) in Usingen besucht hat, unser Mitbürger Reinhold Müller. Aus dieser

Zeit stammt auch die Aussage von Lehrer Emil Ditthard: „Aus allen ist etwas Anständiges

geworden!“ - Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

Vergnügungen

Durch die entbehrungsreichen Kriegsjahre und die ersten Nachkriegsjahre kam das

Thema Vergnügungen zu kurz. Wem hat es damals schon aufgelegen zu tanzen, wenn

der Mann, Sohn, Vater oder Bruder im Feld war und man nicht wusste, wie es ihm ging.

Unsere Gedenkstätte am Friedhof zeigt, welch` hohen Blutzoll unser kleines Dorf im 2.

Weltkrieg zu zahlen hatte. Aber in den 50ern begann es dann.

Im „Deutschen Hof“ gab es regelmäßig Tanzveranstaltungen und Maskenbälle, die ich

als 6 – 10 Jähriger aufmerksam verfolgte. Dabei spielte dann immer die Kapelle Alwin

Müller auf. Die Besetzung besagter Kapelle war lange Jahre immer die gleiche:

Kapellmeister und Trompeter war Alwin Müller. Die Klarinette spielte ein Robert aus

Rod a. d. Weil, Otto aus Winden saß am Schlagzeug und von Fall zu Fall kam Heinrich

Marx aus Treisberg hinzu mit seiner großen Basstuba. – Auch Reinhold Müller, der

Sohn von Alwin Müller, spielte gelegentlich schon mit. Noch viele Jahre später, wenn

ich irgendwo unterwegs war und mein Gegenüber erfuhr, dass ich aus Finsternthal

komme, war die obligatorische Frage: „Was macht denn der Alwin? – Geht’s ihm gut?“

Also, einen besseren Botschafter für Finsternthal gab es in den ersten 30 Nachkriegsjahren

sicherlich nicht!

Ein weiteres Highlight waren die in jedem Sommer stattfindenden Schützenfeste! 1954

fand das erste statt. Auf der Straße vor den Anwesen Roth / Schlicht war ein mit Zeltplane

überdachter Tanzboden aufgebaut. Die Kapelle saß erhöht über dem Vorgärtchen

des Anwesens Schlicht. Unser erster Schützenkönig war damals Norbert Babioch. Ich

entsinne mich, dass es damals z. T. heftig regnete, was aber dem Vergnügen keinen

Abbruch tat.

Diese Schützenfeste begannen zumeist schon freitagabends und endeten am Montag.

Die Mitglieder des Schützenvereines nahmen sich damals immer eine ganze Woche

frei, um bei den Auf – und Abbauarbeiten alles perfekt zu erledigen. Ab 1955 fanden

dann die Schützenfeste auf dem „Alten Hof“ und dem damaligen „Sportplatz“ vor den

„Ochsenwiesen“ statt.

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Zu unseren Straßen

Die waren bis 1952 ungepflastert. Der Belag war eine Art fest gewalzter Splitt. Im Frühjahr

gab es dann immer ziemlich große Schlaglöcher, die ausgefüllt werden mussten.

Ein richtiges Kanalsystem gab es auch noch nicht. Alles, was heute normalerweise in

den Kanal fließt, wurde damals in die Puddelkaut (= Jauchegrube) geleitet, die in jedem

Hause vorhanden war. War diese voll, so wurde die Jauche auf das Feld gefahren. Im

Winter war dieses Verfahren wegen des Schnees und Regens zumeist nicht praktikabel.

Also liefen die hauseigenen Jauchegruben über. Diesen flüssigen Überlauf leitete man

dann durch den Hof hinaus auf die Straße, wo er dank des in Finsternthal fast überall

vorhandenen Gefälles über die an den beiden Seiten der Dorfstraße vorhanden Flesschen

(Ablaufrinnen) in einen unserer beiden Bäche geleitet wurde.

Dorfstraße Finsternthal, ca. 1938

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Unnötig zu sagen, dass gerade in dieser Zeit tags und nachts eine ziemlich übelriechende

Dunstglocke über dem ganzen Dorf stand.

Diese beiden Übel (kein Kanal und schlechter Straßenbelag) galt es abzuschaffen!

Otto Rohrbach war zu dieser Zeit, wie schon zuvor erwähnt, unser Bürgermeister. Er

hatte übrigens sein Amt von 1948 – 1960 inne. Er beriet sich also mit seiner Gemeindevertretung,

wie man da am Besten vorgehen könne.

Das Kanalproblem wurde als Erstes angegangen. Per Hand wurden mit Hacke und

Schaufel in allen 4 damaligen Dorfstraßen tiefe Gräben zur Aufnahme von den jeweils

1 Meter langen Kanalrohren ausgehoben. Anschließend wurden die besagten Rohre verlegt.

Dies` alles erfolgte zumeist in Eigenleistung, d. h. durch die jungen Männer des

Dorfes und hatte somit den Vorteil, dass das so verdiente Geld im Dorf blieb und man

zudem teure Unternehmerkosten sparte.

Resultat: die ansonsten in den Flesschen oberirdisch ablaufende Jauche wurde nun unterirdisch

abgeleitet. Natürlich noch in keine Klärgrube, sondern wie auch zuvor in einen

der beiden Bäche. Das Geruchsproblem war aber somit weitestgehend gelöst!

Somit war die Voraussetzung geschaffen, sich an einen neuen Straßenbelag zu machen.

Das Pflastergeschäft JOST aus Weilmünster, das es übrigens heute noch gibt, erhielt

den Generalauftrag, alle Dorfstraßen zu pflastern. Begonnen wurde mit dem Friedhofsweg,

der in der feuchten, kalten Jahreszeit eine ziemlich furchige Oberfläche hatte,

milde ausgedrückt.

Wir Schüler hatten dabei die seltene Gelegenheit zu beobachten, wie professionell das

Pflasterhandwerk ausgeführt wurde. Jeder Pflasterer hatte sich ein rundes Schemelchen

mit einem Bein an seine Rückseite geschnallt. Mit geübtem Blick wurden die passenden

Steine ausgewählt und in das vorbereitete Sandbett geklopft. Aus jener Zeit stammt

auch der Spruch „Unpassende Steine gibt’s nicht. Was kommt wird genommen!“

So wurden dann nach und nach der Friedhofsweg, die Hintergasse (= Schmitterstraße),

die Hauptstraße (= Landsteiner Straße) und der Neuweiler Weg (= Borngartenstraße)

gepflastert. Der Schmittener Weg wurde zu einem späteren Zeitpunkt mit anderen, gröberen

Pflastersteinen versehen. – Was war das dann für ein Unterschied, als wir mit

unseren Fahrrädern über die nun ebenen glatten Flächen fahren konnten.

Noch eine Anmerkung: In der 12 – jährigen Amtszeit von Bürgermeister Otto Rohrbach

wurden die größten Investitionen aller Zeiten in Finsternthal, nämlich der Bau des DGH,

das neue Kanalsystem, das Pflastern der Dorfstraßen und der Bau des Holzhauses,

durchgeführt. Wie schon gesagt, unser Dorf hatte durch den guten Holzverkauf die nötigen

Mittel parat.

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Die finanzielle Lage des Dorfes war seinerzeit so gut, dass bis in die 60 er / 70 er Jahre

in Finsternthal kein Wasser – oder Kanalgeld zu zahlen war.

Wie kamen nun die Finsternthäler zu ihren auswärtigen Arbeitsplätzen bzw. zum Einkaufen

nach Usingen, Camberg, Weilburg oder Frankfurt?

Da gab es verschiedene Möglichkeiten:

- Zum einen das „Pöstchen“. Das war ein 6 – sitziges gelbes Postauto, mit dem man

mittags nach Usingen fahren konnte. Das Auto brachte von Usingen her die tägliche

Post in die Dörfer des Altkreises USI. War das Pöstchen, das von Mauloff herunter

kam, schon besetzt, so hatte man Pech.

- Des Weiteren gab es vom Landstein aus auch diverse Busverbindungen, wo wir

Finsternthaler zusteigen konnten:

- Bad Nauheim – Wiesbaden - zurück

- Weilburg – Ffm – zurück

- Rod a . d. Weil nach USI - zurück

Man musste dabei halt jedes Mal die 2 km Fußmarsch zum – bzw. vom Landstein

in Kauf nehmen.

- Außerdem gab es einen sehr frühen „Arbeiterbus“ (Abfahrt am Landstein um 5:30)

der von Haintchen / Hasselbach aus nach Ffm fuhr.

Pfad von Finsternthal nach Treisberg („Totepfädche“, ca. 1940))

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Diesen Bus benutzte ich 1 Jahr lang als Azubi. Dann reichte mir das und ich kaufte

mir einen Uralt Brezelkäfer mit 24 PS und unsynchronisiertem Getriebe.

Die Fahrpreise zu jener Zeit, das weiß ich noch sehr genau, betrugen z. B.:

- Landstein – USI (Marktplatz) = 0,55 DM

- Landstein – Ffm (Hbf.) = 2,50 DM

Im Allgemeinen fuhren in den ersten 5 Nachkriegsjahren die Finsternthaler Männer

Motorräder. Da gab es eine 250 ccm Viktoria, eine 125 ccm DKW, eine 98 ccm NSU

Fox, eine 250 ccm DKW, eine schöne 350 ccm Horex „Regina“ und noch eine „Regina“

mit Seitenwagen und auch schon eine 500er BMW mit Seitenwagen.

Ich fuhr eine 50 ccm Kreidler „Florett“. Mein Freund Norbert hatte ein NSU „Quickly“

und später eine NSU „Cavallino“.

So ging es durch das ganze Dorf.

Mit den Motorrädern kam es der schlechten Straßen und des schlechten Wetters wegen

auch zu Stürzen, die leider auch gelegentlich tödlich endeten. Innerhalb von nur 20

Jahren verstarben 5 junge Finsternthaler Männer im Alter von 18 – 39 Jahren durch

Motorradunfälle:

- 1939 Fritz Schäfer

- 1952 Willi Vollberg

- 1954 Richard Melcher

- 1956 Ernst Klingelhöfer und

- 1960 Karl Jung

Fast schlagartig hörte dann die Ära „Motorradfahren“ auf. Die Leute hatten alle Arbeit

und somit etwas Geld zur Verfügung. Somit war es eigentlich nur eine Frage der Zeit,

bis die außerhalb des Dorfes Berufstätigen das erste Auto hatten. Dies` waren u. a.

- Albert Löw mit seinem schwarzen 2 Zylinder DKW, der aber bald durch einen

schönen dunkelroten DKW 3 = 6 abgelöst wurde.

- Fred Fels hatte das gleiche Modell.

- Hubert Vogt fuhr nach der „Regina“ einen Lloyd „Alexander“, der dann von einem

Lloyd „Arabella“ abgelöst wurde.

- Norbert Wick fuhr einen himmelblauen VW „Export“, der auch unser Hochzeitsauto

war.

- Reinhold Müller hatte einen „Buckelford“ und danach ein schönes „Goliath Coupe“

mit immerhin 40 PS.

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- Ich fuhr den schon zuvor erwähnten VW „Standard“ Bj. 1952 mit unsynchronisiertem

Getriebe. Leider war diesem Auto mangels meiner Fahrkenntnisse bzw. wegen

zu schnellen Fahrens nur eine kurze Zeit bei mir beschieden.

Dabei belasse ich es jetzt, denn diese Reihe könnte man noch beliebig fortsetzen.

Das war die Situation, die sich so bis zum Jahre 1970 hin fortsetzte. 15 – 20 Jahre nach

Kriegsende hatten sich die Finsternthäler im Allgemeinen wirtschaftlich wieder etabliert

und alle hatten Arbeit!

Schon zur Mitte der 60 er Jahre begann dann die Diskussion bezüglich einer Gebietsreform.

Dazu nur so viel: Über Weilnau wurde das bis dato unabhängige und schuldenfreie

Finsternthal 1972 dann einer der 13 Ortsteile der Großgemeinde Weilrod.

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Finsternthal

von 1970 – heute

Das immer wieder heiß diskutierte Thema Ende der 60er – und Anfang der 70er Jahre

des letzten Jahrhunderts war die schon zuvor erwähnte

Gebietsreform.

Finsternthal hatte damit aber zunächst gar nichts am Hut. Unser Dorf war, wie gesagt,

schuldenfrei, hatte über 100.000.- DM Guthaben auf der Bank und kam mit der seinerzeit

praktizierten Art von Verwaltung ganz gut zurecht.

Dorfmitte mit dem alten Rat-/Backhaus, der ehemaligen Gaststätte „Deutscher

Hof“ und dem Anwesen Schlieske

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Wollte man z. B. den Bürgermeister besuchen – das war damals Otto Kingelhöfer – so

ging man einfach zu ihm. Sprechstunden, wie heute üblich, gab es nicht. Gleiches galt

auch für den Gemeinderechner (der letzte war Karl Heinz Könnemann). Auch ihn

konnte man jederzeit besuchen.

Somit war es für die übergeordneten Gremien wie Kreis – und Landtag nicht ganz einfach,

die Finsternthaler Bürger von den Vorteilen einer Großgemeinde mit einem

hauptamtlichen Bürgermeister und einer zentralen Verwaltung zu überzeugen.

Im Vorfeld der Gebietsreform kam es dann auch noch Finsternthal intern zu einem Vorfall,

der für unseren Ort nicht gerade schmeichelhaft war. Die Finsternthaler hatten nämlich

einfach die Bürgermeisterwahl verschlafen. Ich war seinerzeit kommunalpolitisch

noch ein Laie und hatte andere Interessen. Der Einfachheit halber zitiere ich jetzt einfach

einmal auszugsweise einen Pressebericht vom Januar 1969 zu diesem Thema mit

dem prinzipiellen Inhalt:

„Mit dem Bürgermeister hatte die Gemeinde Finsternthal einfach die Kommunalwahl

1969 verpasst. … Damit war dann der Weg frei für ein Triumvirat, bestehend aus

- dem Bürgermeister Otto Klingelhöfer

- dem 1. Beigeordneten August Rühl und

- Alfred Rühl als einzigem Gemeindevertreter.

So weit so gut! Sogar der hessische Rundfunk war mit einem Kamerateam im Frühjahr

1969 bei uns hier im Dorfgemeinschaftshaus, um dieses Dorf im Hintertaunus zu filmen.

Zeitnah dazu hatte die hessische Landesregierung mit Stichtag vom 1.8.1972 noch beschlossen,

den Altkreis Usingen mit dem damaligen polizeilichen Kennzeichen „USI“

in den Hochtaunuskreis mit dem pol. Kennzeichen „HG“ zu integrieren. So viele Neuerungen

auf einmal waren den damaligen Finsternthalern schon suspekt.

Aber der Reihe nach. Zunächst die neue Großgemeinde. Da kam es im Dezember 1970

zur Gründung der Vorgängergemeinde Weilrods, nämlich zu WEILNAU. Diese Gemeinde

mit den fünf Ortsteilen Altweilnau, Neuweilnau, Riedelbach, Finsternthal und

Mauloff bestand aus einer homogenen Bevölkerung. Man hatte weitestgehend die gleichen

bäuerlichen Wurzeln und man kannte fast jeden in diesem Umfeld. Im Juni 1971

wurde durch die damalige Gemeindevertretung der erste hauptamtliche Bürgermeister

Kurt Böhmer aus Hausen gewählt.

Zeitnah dazu erfolgte im Dezember 1971 der freiwillige Zusammenschluss der bis dato

unabhängigen vier Dörfer Cratzenbach, Rod a. d. Weil, Gemünden und Winden zur

Großgemeinde Rod an der Weil.

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Aber auch das war alles nur von kurzer Dauer. - Schon im Juli 1972 beschloss der Hessische

Landtag die Bildung der Großgemeinde WEILROD zum 1. August 1972 in der

heutigen Form mit den 13 Ortsteilen Altweilnau, Cratzenbach, Finsternthal, Emmershausen,

Gemünden, Hasselbach, Mauloff, Neuweilnau, Niederlauken, Oberlauken, Riedelbach,

Rod a. d. Weil und Winden.

Das war nun auch nicht gerade die Lösung, die uns Finsternthalern so vorschwebte.

Wir waren jetzt mit Ortsteilen vereint, die man zuvor vielleicht nur 1 – oder 2 mal besucht

hatte oder z. T. sogar nur vom Hörensagen her kannte. Wenn man die damaligen

Berichte in der Presse jetzt so liest, ging das aber fast in allen Ortsteilen ähnlich zu. –

Das bis dato seit 783 Jahren weitestgehend selbständige Dorf Finsternthal (es wurde

erstmals urkundlich 1230 erwähnt) war somit Teil der neuen Großgemeinde Weilrod!

In diesem Zusammenhang kam es noch zu einem weiteren für unser Dorf unerfreulichen

Vorfall. Finsternthal war, wie schon zuvor mehrfach erwähnt, finanziell in einem Zustand,

den heute nahezu alle Kommunen anstreben: das Dorf war schuldenfrei! Im Gegenteil,

wir hatten sogar noch ein Guthaben in Höhe von etwas mehr als 100.000.-DM,

heute wären das noch etwa 50.000.- Euro. Dies` war unsere Mitgift, die wir in die neue

Scheune von N. Wick; eines der ältesten Gebäude in Finsternthal

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Großgemeinde mit einbrachten! Heute lässt sich das nicht mehr so genau recherchieren,

aber ich denke wir waren einer der wenigen Ortsteile generell, die Bargeld als Guthaben

mitbrachten. Es wurde sogar behauptet, davon sei in einem benachbarten Ortsteil die

Straßenbeleuchtung im Neubaugebiet bezahlt worden; wie gesagt, ein Gerücht.

Ab August 1973, also seit 40 Jahren, bestand Weilrod dann offiziell. Wir in Finsternthal

hatten unseren ersten Ortsbeirat. Unser Ortsvorsteher war damals Adolf Merling, ein

erfahrener Kommunalpolitiker, der auch zeitweise im Kreistag zu Usingen saß und von

dem ich sehr viel lernen konnte. Seine Stellvertreterin war Irma Bausch. Ich war der

Jüngste in der Runde.

Die Aufgaben des Ortsbeirates waren uns allen nicht so ganz geläufig. Es gab zwar die

HGO (Hessische Gemeinde Ordnung), in der das Aufgabenspektrum des Ortsbeirates

im Wesentlichen beschrieben war. Aber das war die Theorie. Die Gemeindeverwaltung

in Weilrod hatte diesbezüglich ebenfalls keine Erfahrung. Hinzu kam, dass in der neu

gebildeten Gemeindeverwaltung in Weilrod zumeist auch noch ortsfremde Beamte saßen,

die im Gegensatz zu heute fast keinen der hiesigen Bewohner persönlich kannten.

Außerdem gab es damals dorfintern schon eine Scheu, überhaupt in das neue Rathaus

zu gehen.

Damit kommen wir zu einem anderen Thema, das aus der damaligen Situation resultierte,

den Bürgermeistern. Über lange 21 Jahre, nämlich von 1972 – 1993, hatten wir

Bürgermeister, die alle außerhalb Weilrods ihren Wohnsitz hatten. Dies waren der

schon zuvor erwähnte Hans - Joachim Galuschka, Alwin Grauwinkel und schließlich

Rudolf Horak. Es schien seinerzeit, als ob es in den Reihen unserer Weilroder Mitbürger

einfach niemanden gäbe, der die notwendige Qualifikation für solch ein Amt erfüllt

hätte. - Dabei war der Grund ziemlich einfach: die sich jeweils an der Macht befindliche

politische Partei oder Koalition im Weilroder Gemeindeparlament schlug den entsprechenden

Kandidaten von außerhalb vor. - Das war wahrlich kein Meisterstück unserer

damaligen Kommunalpolitiker!

Erst 1993 durfte der mündige Weilroder Bürger direkt seinen Bürgermeister wählen.

Und siehe da, von 1993 – 2005, also 12 Jahre lang, bekleidete der uns allen gut bekannte

Hartmut Haibach dieses Amt. Seit 2005 bis heute ist der ebenso überall bekannte Axel

Bangert in diesem Amt. Beide Personen, der eine aus Rod a. d. Weil, der andere aus

Gemünden, sind tief verwurzelt in dem Weilroder Kultur – und Vereinsleben und sind

m. E. die richtigen Personen für dieses für uns so wichtige Amt!

Doch zurück nach Finsternthal. Wie schon zuvor erwähnt, war eine der ersten Amtshandlungen

der neuen Weilroder Verwaltung das Versenden von Anliegerbescheiden

für den neu erbauten Kanal in der Schmitterstraße mit ziemlich rigiden Zahlungsbedingungen

und das Ganze auch noch ohne jede Vorankündigung! Da ging ein ziemliches

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Rauschen durch den lokalen Blätterwald. Anwälte wurden konsultiert, Interessengemeinschaften

wurden gegründet. - Die sich damals in der Opposition befindliche Partei

nutzte die Gunst der Stunde und warf der Gemeindeverwaltung Bürgerferne und Unsensibilität

vor. - H.J. Galuschka antworte darauf im UA vom 30.9.1974 mit Begriffen

wie „Vorwürfe entbehren jeder Grundlage“ oder „heuchlerischen Kampagnen“.

Kurzum, das war schon eine sehr lebendige Zeit. Alles wurde dann nach einiger Zeit

gelöst in der Form, dass man den Bürgern Ratenzahlungen zubilligte. Heute werden

solche Aktionen im Vorfeld besprochen und man versucht, für alle Beteiligten akzeptable

Lösungen zu finden.

Aber das war noch nicht alles! Bis zum Zeitpunkt unserer Eingemeindung gab es bei

uns im Dorf der relativ guten finanziellen Lage wegen keine Gebühren für Wasser, Kanal

und Müll. Wasser gab es umsonst. Der Kanal war die fast überall vorhandene Jauche-

bzw. Klärgrube und Müll fiel nicht oder nur in geringen Mengen an. Sogar die

Grundsteuer konnte man vor 1970, sofern man das wollte, abarbeiten z. B. bei der

jährlich stattfindenden Feldwegeinstandsetzung. Das war jetzt nicht mehr möglich! Die

Der Ortseingang vom Landstein her, 2012

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Haushaltskassen der Finsternthaler Bürger wurden ab 1972 in ungewohnter Weise strapaziert.

In diesen Kontext passt der Bericht, der am 23. Juli 2004, also vor 9 Jahren, im UA

erschien unter dem Titel „Unsere Ortsbeiräte“; dieses Mal FINSTERNTHAL. Hier äußern

sich ehemalige Ortsvorsteher und Mitglieder der Ortsbeiräte kritisch – wohlwollend

zum Thema Ortsbeirat. - D. Recknagel war damals unser Ortsvorsteher und fasste

es so zusammen: „Kleine Brötchen backen, aber die die gebacken werden, sollen gut

sein!“ – Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Soweit dieser Bericht, der die damalige Situation gut beschreibt. Er beschreibt aber

auch, dass sich mittlerweile fast alles zum Guten gewendet hat.

Unser derzeitiger Ortsbeirat, bestehend aus Diana Schöneich, Anja Wischmann und

Bärbel Kammer mit Berit Hahn als Schriftführerinnen, haben in den 2 Jahren ihrer bisherigen

Arbeit schon einiges bewegt. Die Verwaltung in Weilrod, das weiß man mittlerweile,

tut zumeist fast alles in ihrer Möglichkeit stehende, um den Ortsbeiräten zu

helfen. Bei Sanierungen z.B. stellt die Gemeindeverwaltung das Material. Die durchzuführenden

Bauarbeiten werden von ortsansässigen Handwerkern durchgeführt. Jagdgenossenschaft,

Freiwillige Feuerwehr, Backesverein und auch viele Bürger sind fast

immer bereit, bei Bedarf ihren freiwilligen Beitrag dazu zu leisten.

In diesem Zusammenhang ist es sicherlich interessant, einmal die größeren Projekte,

die seit der Gebietsreform 1972 bei uns in Finsternthal durchgeführt wurden, zu benennen:

- Trauerhalle auf dem Friedhof

- Ortsmittelpunkt im Straßenverlauf neu gestaltet

- Brunnenplatz neu erstellt

- Back- / Rathaus wurde 2x renoviert

- Feuerwehrhaus wurde 2x renoviert sowie 1x erweitert

- DGH wurde von Grund auf renoviert (danach war ein

- größerer Wasserschaden, der unternehmerseitig repariert wurde.

- Bezahlt wurde das Ganze durch die Versicherung des Verursachers).

- Wiegehäuschen wurde komplett renoviert und umgebaut zu einer

- öffentlichen Toilette, die bei Veranstaltungen der FFW und

- des Backesvereines benutzt werden kann.

- 10 Bänke, gestiftet von Finsternthaler Bürgern, den

- örtlichen Vereinen und Unternehmen.

- Neuer Schaukasten für öffentliche Mitteilungen und

- Mitteilungen der Vereine und der Jagdgenossenschaft.

- die lfd. Instandhaltung der öffentlichen Einrichtungen

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- eine neue Wasserleitung aus dem Mauloffer Berg bis zum Ortseingang.

Dies` dürften die Hauptprojekte der letzten 40 Jahre gewesen sein, die sich, denke ich,

für ein 180 Seelendorf sehen lassen können.

Arbeit bei uns im Dorf

Der größte Unterschied im Vergleich zu der Zeit von 1945 – 1970 ist der, dass in den

vergangenen 40 Jahren die Landwirtschaft, die früher fast immer das Haupteinkommen

der hiesigen Bevölkerung stellte, vollkommen zum Erliegen gekommen ist. Die letzten

aktiven Landwirte - das waren meines Wissens die Familien Wissig, Schlicht und Uhrig

- haben ihre diesbezüglichen Aktivitäten schon seit Jahren eingestellt.

Wie kommen die Finsternthaler heutzutage nun zu ihrem Einkommen? Da gibt es, wie

auch schon früher, die selbstständig Tätigen, die jedoch zumeist ihren Sitz außerhalb

des Dorfes haben. Es sind für ein Dorf unserer Größe ungewöhnlich viele; nämlich 15

Unternehmen der unterschiedlichsten Art, die ihre Firmensitze in Usingen, Bad Camberg,

Hunoldstal, Bad Homburg, Altweilnau, Würges, Neu Anspach, Idar-Oberstein, dem E-

gertshammer und natürlich hier in Finsternthal haben.

Die Arbeitnehmer des Dorfes haben, im Gegensatz zu früher, zumeist Berufe, die sie z.

B. in den Vordertaunus bis hin nach Frankfurt führen. Es sind fast keine der früher üblichen

Berufe mehr dabei, sondern fast ausschließlich solche, die den Bedürfnissen der

heutigen modernen Industriegesellschaft angepasst sind.

Fast alle Finsternthaler sind mittlerweile mit dem Computer gut vertraut und benutzen

ihn gerne und häufig, auch neben dem Beruf. Google, Facebook, Twitter und Skype

haben die Grenzen Stadt – Land wegfallen lassen.

Dass man seinen Beruf zeitweise auch im Ausland ausübt, ist zwar immer noch nicht

alltäglich, aber auch nicht mehr so exotisch wie zu der Zeit, als Günter Sittig und ich

jahrelang dieser Art Tätigkeit in Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika nachgegangen

sind.

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Die Finsternthaler Handwerker N. Wick und H. Laubner bei dem Renovieren des Dorfbrunnens

Damit komme ich zu einem anderen Thema:

Unentgeltliche Hilfe der hiesigen Bürger bei der Renovierung öffentlicher Einrichtungen.

Da sind zuallererst zu nennen:

- unsere Feuerwehr

- der Backesverein und

- die Jagdgenossenschaft

Fast alle Bürger des Dorfes sind Mitglieder in einem oder mehreren der vorgenannten

Vereinigungen.

Fast jeder ist im Rahmen seiner Möglichkeiten auch bereit, für das Dorf auf die eine

oder andere Art ehrenamtlich tätig zu sein.

Besteht zudem Bedarf an zusätzlichen finanziellen Mitteln, so genügt im Idealfall ein

Telefonat, um den benötigten Betrag als Spende zu erhalten. Ich denke, das ist schon

vorbildlich!

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Das „auswärts tätig sein“ hat aber auch seine Negativseiten. Bei knapp 200 Einwohnern

hat unser Dorf ca. 125 Autos. Tagsüber fällt das nicht so auf. Abends und am Wochenende

jedoch, ist speziell in der Dorfmitte sowie in einigen Seitenstraßen fast kein Durchkommen

mehr. Da macht sich schon die Tatsache bemerkbar, dass Finsternthal ursprünglich

ein Dorf bäuerlichen Ursprungs war. Die Dorfstraßen waren seinerzeit völlig

ausreichend für die Kuh – und Pferdefuhrwerke; für den heutigen Verkehr leider nur

noch begrenzt.

Autos gab es bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts nur sehr wenige. Derzeit

gibt es fast in jedem Haus ein – oder mehrere Autos, die auch benötigt werden, um zur

Arbeit zu kommen, zum Einkaufen zu fahren oder zum Transport der Kinder in die

Schule. Es gibt zwar auch Busverbindungen, aber die sind zumeist nur für die reguläre

Schulzeit passend.

Wie gesagt, das Parkproblem ist, trotz ständigen Monierens, noch nicht gelöst.

Feuerwehr

Die Freiwillige Feuerwehr Finsternthal wurde 1932 gegründet. Es war damals eigentlich

Ehrensache, dass man mit 14 Jahren eintrat, mit 16- bzw. 18 Jahren aktives Mitglied

wurde und mit 65 Jahren in die so genannte „Alters – und Ehrenabteilung“ überwechselte.

Veranstaltungen der FFW wie Ausflüge, Weihnachtsfeiern, Grillabende, Teilnahme

an Feuerwehrwettkämpfen, Vatertagsausflüge oder Festbesuche in den Nachbardörfern,

das waren Events, an denen dann fast immer das ganze Dorf mit großer Begeisterung

teilnahm.

Das hat sich heute teilweise geändert. Ausflüge, Grillabende und vergnügte Abende im

DGH gibt es zwar immer noch, aber die Menschen, auch die Finsternthaler, haben ihre

Lebensgewohnheiten der heutigen Zeit angepasst. Viele unserer Mitbewohner fahren

1x pro Jahr – oder auch häufiger - in Urlaub. Dazwischen gibt es Kurzurlaube zum

Wochenende mit dem Flugzeug innerhalb Europas oder auch nach Übersee. Man sieht

fern, chattet und skypt im Internet oder den diversen sozialen Foren.

Aber zurück zur FFW. Uns im Dorf geht es bezüglich der Anzahl der „aktiven Mitglieder“

eigentlich gut. Fast alle Bürger und Neubürger sind Mitglied – aktiv oder passiv.

Das hat neben einem effektiven Brandschutz zudem den Vorteil, dass sich diese Neu –

Finsternthäler schnell in das hiesige Ortsleben integrieren, was in einigen unserer Nachbargemeinden

schon ein Thema ist.

Der letzte Einsatz unserer Wehr im Jahre 2012 war am 13.11.2012. Da hatte sich bei

der ersten Straßenglätte ein Auto von Mauloff kommend überschlagen. Unsere Wehr

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rückte morgens um 7:35, nur 5 Minuten nach dem Sirenenalarm, nahezu voll besetzt

aus. - Das ist schon vorbildlich!

Aber wie gesagt, die Freiwilligen Feuerwehren generell leiden schon unter Mitgliedermangel.

Ich erinnere diesbezüglich nur an Winden oder Westerfeld, wo man zwischenzeitlich

die Mindeststärke einer Einsatzabteilung unterschritten hat und das Szenario

„Stützpunktfeuerwehr“ automatisch zum Thema wird.

Dorfgemeinschaftshaus

Dieses wurde 1955 / 56 in Eigenleistung erbaut. Es war eine frühere Scheune, die der

Familie Hermann gehörte.

Dieses DGH beinhaltete damals alles, was unser Dorf dringend benötigte. Es gab einen

großen – und einen kleinen Saal mit Küche, in dem die Finsternthäler ihre Hochzeiten,

Taufen, Trauerkaffees und runde Geburtstage feierten. Feuerwehr und Schützenverein

veranstalteten dort ihre Festlichkeiten und Sendungen wie „So weit die Füße tragen“

etc. sah man sich dort gemeinsam an. Es gab eine moderne Wäscherei mit allem was

man benötigte. Weiterhin gab es 3 Duschen und ein Wannenbad; es gab das Schlachthaus

und eine moderne Tiefkühlanlage, in der die Frauen des Dorfes ihre Lebensmittel

einlagern konnten. Alle diese genannten Aktivitäten sind im Laufe der Jahre bis auf ein

Minimum zurückgegangen bzw. es gibt sie gar nicht mehr.

Auch hier stellt sich mittlerweile die Frage der Wirtschaftlichkeit. In der Presse konnte

man die Diskussionen bez. der 10.- Euro Nutzungsgebühr schon häufiger lesen. In einigen

Nachbargemeinden denkt man sogar schon über Schließungen nach. So unangenehm

dieses Thema auch ist, es wird in Zeiten der hochverschuldeten Kommunen sicherlich

noch häufiger auf der Tagesordnung stehen.

Gaststätten im Dorf

Daran war unser Dorf reich. In Hochzeiten, so zwischen 1950 und 1980, gab es 4 Gaststätten:

den „Deutschen Hof“, die Gaststätte „Zum Taunus“, das „Haus Pfitzer am

Bach“ und die „Alte Schule“.

Zuerst Schloss die Gaststätte „Zum Taunus“ Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre des

letzten Jahrhunderts, dann das „Haus Pfitzer am Bach“ und zu guter Letzt 1993 der

„Deutsche Hof“.

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Die „Alte Schule“ wurde durch Heinz und Ursula Queisser am 5. September 1977 eröffnet

und war dann 28 Jahre lang bis zum 30. Juni 2005 für die örtlichen Vereine und

den TUS Weilnau das Lokal, in dem man sich traf. Auch zu Familienfesten ging man

des guten Essens und der günstigen Preise wegen gern zu Ursula und Heinz. Das waren

gute Wirtsleute!

Derzeit ist unser Dorf ohne ein Gasthaus. Wenn man gut und günstig deutsch essen

gehen möchte, dann kann man das auf dem Treisberg, in Hunoldstal, in Mauloff und in

Reichenbach.

Schulen

Bis 1967 konnten die Kinder unseres Dorfes hier in unsere einklassige Schule gehen.

Wer weiterführende Schulen besuchen wollte, musste dazu nach Usingen fahren zur so

genannten Mittelschule bzw. zur Christian-Wirth-Schule. Dazu mussten die Kinder

dann erst einmal bei Wind und Wetter zu Fuß oder mit dem Rad die 2 km zum Landstein

bewältigen und dann ging es weiter mit dem Bus.

Ab 1967 änderte sich das dann. Die Mittelpunktschule in Riedelbach am Sommerberg

wurde eröffnet. Unser damaliger Lehrer Emil Ditthard musste noch seine letzten Dienstjahre

in Riedelbach unterrichten. – Einen Vorteil hatte es aber: die Finsternthaler Kinder

wurden morgens mit dem Schulbus abgeholt und mittags auch wieder nach Finsternthal

gebracht. Aber auch dann mussten die Kinder, sofern sie weiterführende Schulen besuchen

wollten, nach Usingen, Neu Anspach oder Königstein, um ihr Abitur zu machen.

Obwohl das fahrtechnisch immer mit ziemlich viel Aufwand verbunden war und ist,

steht jetzt jedem Kind der Weg zu allen Schultypen offen! Auch Auslandsschuljahre

sind mittlerweile für Finsternthäler Kinder Usus. Zuletzt war unsere junge Mitbürgerin

Luca Grünauer für 1 Jahr in Guadalajara, Mexiko und fühlte sich dort sehr wohl.

Häuser im Dorf

Zu diesem Thema hatte ich im 1. Teil dieses Berichtes u. a. geschrieben: „Nach Kriegsende

waren die Wohnverhältnisse bei uns im Dorf schon sehr beengt. Bis zu 4 Generationen

lebten damals zeitweise zusammen, was gelegentlich schon zu Schwierigkeiten

führte. Es wurde also an – um – oder gleich neu gebaut, um diese beengten Verhältnisse

schnellstmöglich zu beenden. Man baute geräumige Häuser und fühlte sich dann darin

auch wohl.“

Jetzt, 50 oder 60 Jahre später, stellt sich die hiesige Wohnsituation allerdings so dar:

Einige Häuser stehen leer, andere geräumige Gebäude sind nur mit 2 bzw. 3 Personen

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bewohnt und das wird sich in der nahen Zukunft sicherlich nicht wesentlich ändern. –

Zum Glück werden diese leerstehenden Häuser aber zumeist relativ rasch verkauft und

unsere Neubürger fühlen sich hierin wohl. Gleichwohl gibt es Häuser, die schon länger

leer stehen. Was einmal mit ihnen geschehen wird, ist derzeit unklar.

Resümee:

Finsternthal ist ein Dorf mit einem schönen Umfeld und einem weitestgehend intaktem

sozialen Leben, in dem es sich angenehm leben lässt!

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Genealogie der Schultheißenfamilie LEHR in

Finsternthal und Umgebung

Zusammengestellt von Erwin Buhlmann auf der Basis der Daten aus dem Buch "Die

Familien des Kirchspiels Altweilnau" von Fritz Dienstbach mit Ergänzungen aus den

umfangreichen Datensammlungen der Eheleute Rudi H. und Martha Kaethner.

Nummer Name Kind Enkel Urenkel siehe bei

Johann Wilhelm Lehr

* um 1634 in Weilburg (?) ab 1638 in Butzbach

Rotgerbermeister

oo

Anna Margarethe Weber

* um 1639 in Butzbach (?)

Kind:

Johannes 1.

* 15.03.1640 in Butzbach

1. Generation

1. Johannes Lehr

* 15.03.1640 in Butzbach + 17.05.1715

Schultheiß ab 1667 bis 1714

oo 08.11.1659

Anna Maria _______

* um 1640 + 21.01.1702

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Anna Katharina Virginia

* 02.07.1660 + 11.08.1704 in Riedelbach

oo 23.01.1683

Johannes Guckes, Schultheis in Riedelbach ab 1677 bis 1713

* 16.11.1641 in Riedelbach +13.05.1713 in Riedelbach

Kind:

Johann Philipp

* 09.02.1686 in Riedelbach + 05.08.1746 in Finsternthal

Schultheiß ab 1732 bis 1738

I. oo 15.01.1711

Anna Catharina Rühl

* 18.10.1683 in Riedelbach + vor 1715

T.d. Johann Marsilus oo Anna Margaretha Rhod

II. oo __.__.1717

Marie Polyxena ______

* um 1686 in Edelsberg + 05.06.1737 in Finsternthal

Kinder: erstes geboren in Reichenbach alle anderen geboren in Finsternthal:

1. Elisabetha Catharina

* 13.10.1715 in Reichenbach

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2. Marie Katharine

* 24.09.1717 + 21.03.1780

3. Johann Wilhelm

*12.03.1719 + 16.03.1774

Küfermeister

I. oo 04.01.1752

Maria Katharina Schmidt

* 28.11.1717 in Reichenbach + 28.08.1765

T.d. Adam Peter oo Anna Maria Riegel

II. oo 24.06.1766

Anna Katharina Born

* 22.09.1736 in Grävenwiesbach + 24.02.1795 in Neuweilnau

T.d. Wenzel Born, Schmiedemeister in Grävenwiesbach

4. Katharina Elisabeth

* 21.10.1721 + 12.03.1779

5. Maria Margarethe

* 21.08.1723

6. Sybilla Margaretha

* 23.11.1725

2. Jörg Philipps 1.2.

* 12.10.1662

3. Anna Margarethe

* 17.07.1664 + 07.05.1735

I. oo __.11.1690

Konrad Rühl

S.d. Hans Philipps aus Brombach

* um 1660 in Brombach + 29.01.1693

Bendergesell

Kind geboren in Finsternthal:

1. Johann Philipp

* 01.07.1691

Waffenschmied zu Walsdorf

oo __.11.1717

Anna Katharina Sauer

II. oo 15.02.1698

Johannes Günther

* um 1664 in Elmershausen (Gericht Schaumburg Cassel) + 05.01.1746

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Anna Katharina

* 02.11.1698

oo 10.01.1726

Johann Henrich Bragel

* um 1693

Schulmeister in Elkerhausen

Kind geboren in Finsternthal (?):

Johannes

* 07.03.1731

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2. Konrad Henrich

* 10.08.1701 + 10.12.1754

Schultheiß ab 1744 bis 1754

oo 14.06.1740

Elisabeththe Katharine Becker

* 14.03.1717

T.d.Johannes oo Sybilla Hatzmann, Müller

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Johann Henrich

* 30.12.1741 + 15.03.1742

2. Marie Katharine

* 20.02.1743 + 13.12.1813 ledig

3. Johann Philippus

*09.06.1746 + 14.09.1828

Schultheiß ab 1802 bis 1813

oo 08.05.1781

Anna Marie Haubt

* um 1746 in Emmershausen + 09.01.1814

(Eine Enkelin heiratet Philipps Heinrich Lehr) 1.2.7.7.1.1

4. Katharina Margarethe (Magdalena)

* 01.01.1750 + __.__.1817 in Hundstadt

oo 17.06.1788

Johann Henrich Wissig, Witwer

* __.__.1744 in Hundstadt + __.__.1818 in Hundstadt

5. Anna Margarethe

* 16.07.1754 + 07.05.1855

3. Johann Philipps

* 01.01.1705

Schuhmacher

oo 27.10.1733

Magdalena Ernst

* um 1713 in Usingen

T.d. Johann Georg Ernst zu Usingen

4. Anna Maria

*16.10.1708

4. Johann Jakob

* 10.11.1669

5. Konrad Heinrich

2. Generation

1.2. Jörg Philipps Lehr

* 12.10.1662 + 20.06.1729

Bendergesell und Schultheiß ab 1714 bis 1729

oo 09.06.1692

Marie Katharine Wendisch

T.d. Hans Michael oo Anna Katharine Ott, Landeshauptmann

* 28.08.1671 in Altweilnau + 19.06.1749

93


Weilroder Heft 17

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Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Anna Katharina

* 16.09.1693 + 26.04.1694

2. Sohn

* und + 25.02.1695

3. Marie Katharine

* 10.05.1696 + 28.02.1700

4. Sohn

*+ 11.04.1698

5. Anna Maria

* 24.05.1699 + 01.10.1699

6. Elisabeth Katharina

* 08.10.1700

oo 21.06.1718

Johann Philipp Born

* 13.05.1696 in Usingen + 14.01.1746 in Usingen

Kind:

Johann Christian

* ? + 15.04.1725

7. Johann Philipp 1.2.7.

* 08.02.1703

3. Generation

1.2.7. Johann Philipp Lehr

* 08.02.1703 + 23.02.1767

Schultheiß ab 1741 bis 1744

oo 12.06.1731

Anna Katharina Oswald

T.d.Nicolai zu Westerfeld

* um 1706 in Westerfeld + 01.02.1752

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Johann Jacob

* 10.08.1732

2. Johann Henrich

* 11.09.1734

3. Philipps Henrich

* 16.09.1736 + 08.09.1760

4. Anna Elisabethe

* 14.02.1739

5. Anna Maria

* 02.02.1741 + 06.09.1760

6. Anna Margarethe

* 20.03.1743 + 01.09.1743

7. Johann Philipp 1.2.7.7.

94


Weilroder Heft 17

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* 10.09.1744

8. Christina Margarethe

* 25.11.1746

9. Katharina Margarethe

* 25.03.1749 + 10.10.1750

10. Johann Wilhelm

* 25.03.1749

11. Marie Margarethe Charlotte

* 20.09.1752 + 06.09.1760

4. Generation

1.2.7.7. Johann Philipps Lehr

* 10.09.1744 + 15.09.1809

Schultheiß ab 1789 bis 1802

oo 26.12.1771

Anna Katharina Jäger

* um 1751 in Arnsbach + 19.12.1789

T.d. Johann Christian Jäger zu Arnsbach

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Johann Philipp 1.2.7.7.1

* 11.10.1772

2. Anna Katharina Margarethe

* 27.12.1775 + __.12.1836

oo 23.04.1799

Friedrich Sorg

* um 1774 in Westerfeld

3. Philipp Gottfried Wilhelm 1.2.7.7.3

* 04.10.1778

4. Christine Margarethe

* 06.04.1786 + 14.10.1797

5. Anna Elisabethe

* 11.12.1789 + 12.10.1797

5. Generation

1.2.7.7.1 Johann Philipp

* 11.10.1772 + 06.02.1847

Gemeinderechner

oo 25.02.1800

Maria Christiane Steinmetz

* 19.06.1779 + 11.07.1833

T.d. Philipp Heinrich Steinmetz, Schultheiß ab 1780 bis 1789

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Philipp Heinrich 1.2.7.7.1.1

* 01.09.1801

2. Marie Christine Friederike

* 15.10.1803 + 05.02.1868

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Weilroder Heft 17

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oo 31.12.1826

Johann Konrad Bangerth

* 02.11.1804 in Emmershausen + 26.01.1856

S.d. Johann Philipp oo Marie Dorothee Wolf

Kinder:

1. Johannette Wilhelmine Katharina

* 18.09.1827 in Emmershausen

oo __.__.1848

Conrad Christian Müller

* 07.08.1824 in Eschbach/Hessenmühle

S.d. Philipp Jakob oo Anna Elisabeth Schwarz

Kind geboren in Finsternthal:

1. Rosa Elisabethe Christiane

* 22.06.1857

2. Philipp Henrich

* 22.09.1831 in Emmershausen + 17.08.1917

Wirt und Bürgermeister ab 1869 bis 1894

oo 12.12.1858

Lisette Katharine Philippine Busch

* 25.03.1836 in Altweilnau/Landsteiner Mühle + 13.12.1872

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Johanette Elisabethe

* 13.08.1869 + 09.09.1859

2. Christian Friedrich

* 28.10.1860

3. Auguste

* 18.07.1865 + 12.01.1937

oo 22.04.1888

August Friedrich Wilhelm Uhrig

* 06.08.1864 in Westerfeld

S.d.Wilhelm Friedrich oo Johannette Elisabethe Bender

4. Lisette Katharine Philippine

* 06.12.1872 + 10.02.1880

3. Johann Gottfried

* 15.05.1834 in Finsternthal + 07.01.1836

4. Sohn

*+ 10.01.1842 in Finsternthal

3. Katharine Johanette Elisabethe

* 10.12.1805

oo 20.05.1832

Philipp Walter Steinmetz

* 19.04.1805

S.d.Konrad Wilhelm oo Elisabethe Katharine Steinmetz

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Philipp Christof

* 20.03.1833

2. Johannette Katharine

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Weilroder Heft 17

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* 28.09.1834 + 07.10.1834

3. Henriette Katharine Elisabethe

* 23.03.1836

4. Philipp Friedrich

* 31.01.1842 + 03.09.1842

4. Katharina Rufina

* 02.11.1807 + 15.02.1895

oo 13.06.1830

Johann Philipp Bietz

* 27.03.1809 + 31.01.1900

S.d. Philipp Henrich oo Maria Margarete Bachon

Schmied und Schultheiß ab 1846 bis 1847

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Katharine Lisette

* 01.09.1831

oo 21.10.1855

Karl Philipp Löw

* 16.11.1829 in Dorfweil

S.d. Philipp Peter oo Anna Elisabeth Rühl

Lehrvikar in Buch

2. Philipp Karl

* 19.06.1864 + 01.12.1835

3. Friedrich August

* 12.01.1837

oo 21.05.1865

Philippine Luise Fei

* 29.05.1846 in Riedelbach

T.d. Johann Philipp oo Christine Saltenberger

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Berta Lisette

* 19.08.1867

oo 27.03.1887

Christian Theodor Philipp Friedrich Ruß

* 24.12.1861 in Riedelbach

S.d. Friedrich oo Marie Karoline Lohnstein

2. Elise Katharine

* 16.07.1871

oo 01.05.1892

Adolf Wilhelm Löw

* 09.03.1863 in Altweilnau + 08.01.1809 in Altweilnau

S.d. Johann Philipp oo Marie Karoline Jung

3. Anna Luise

* 12.04.1873

oo 11.05.1895

Wilhelm Theodor Löber

* 11.03.1868 in Oberems

S.d. Philipp Christian oo Henriette Wilhelmine Barbehenn

4. Elisabeth Katharina

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Weilroder Heft 17

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* 17.10.1839 + 03.04.1841

5. Justine Katharine

* 22.01.1843

oo 30.03.1862

Philipp Christian Volkmar

* 17.04.1838 in Wüstems

S.d. Johann Philipp oo Friedericke Christiane Friedrich

6. Johannette Katharine

* 19.08.1845 + 18.02.1847

7. Philipp Friedrich

* 19.08.1845 + 02.09.1845

5. Johann Philipp

* 18.12.1809

6. Johann Friedrich

* 05.07.1814

7. Johann Gottfried 1.2.7.7.1.7.

* 23.02.1818

1.2.7.7.3 Philipp Gottfried Wilhelm Lehr

* 04.10.1778 + 04.07.1847

Schultheiß ab 1814 bis 1845

oo __.__.1801

Elisabethe Margarethe Becker

* 16.12.1782 in Usingen + 05.12.1849

T.d. Philipp Heinrich Becker, Walkmüller zu Usingen

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Johann Friedrich 1.2.7.7.3.1

* 28.02.1801

2. Marie Christina

* 05.09.1802

oo 29.05.1824

Philipp Peter Maurer

* 12.09.1798 in Oberrod

S.d. Philipp Christoph oo Marie Philippine Dauber

3. Marie Katharine Philippine

* 16.02.1805 +

oo 17.12.1826

Philipp Peter Guckes

Schultheiß in Riedelbach ab 1840 bis 1866

* 09.01.1804 in Riedelbach + 02.12.1867

S.d.Philipp Peter oo Marie Elisabethe Diehl, Förster

4. Philipps Jakob 1.2.7.7.3.4

* 27.09.1807

oo __.__.1832

Marie Katharine Becker

* 27.03.1808 in Oberems

T.d. Georg Friedrich oo Chritiane Elisabeth Guckes zu Oberems

98


Weilroder Heft 17

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5. Margarethe Elisabethe

* 15.02.1812 + 20.08.1818

6. Luise Magdalena

* 09.06.1814

oo 28.07.1839 Johann Friedrich Bücher

* 24.08.1806 in Brombach

Schultheiß in Brombach

7. Philipp Gottfried 1.2.7.7.3.7

* 22.01.1817

8. Johann Georg 1.2.7.7.3.8

* 02.03.1823

6. Generation

1.2.7.7.3.1 Johann Friedrich Lehr

* 28.02.1801 + 08.03.1869 in Oberlauken

oo 09.05.1830

Marie Katharine Wolf

* 21.04.1809 in Oberlauken + 06.04.1880 in Oberlauken

T.d.Johann Konrad Wolf oo Marie Elisabethe

Buhlmann, Schultheiß in Oberlauken

Kinder alle geboren in Oberlauken:

1. Philipp Jacob 1.2.7.7.3.1.1

* 21.03.1831

2. Katharina Elisabetha

* 21.10.1835 + 24.06.1837 in Oberlauken

3. Dorothea Luise

* 22.12.1838 + 14.11.1865 in Oberlauken, ledig

1.2.7.7.3.4 Philipps Jakob Lehr

* 27.09.1807 + __.__.____ in Oberems

oo __.__.1832

Marie Katharine Becker

* 27.03.1808 in Oberems

T.d.Georg Frierich oo Christiane Elisabeth Guckes

1.2.7.7.1.1 Philipps Heinrich Lehr

* 01.09.1801 + 16.06.1872

Schuhmacher

oo 26.10.1834

Marie Margarethe Wick

* 22.08.1808 + 18.04.1881

T.d.Philipp Peter oo Katharine Elisabethe

Maria Günther (aus 1.3.2.3.)

Kind geboren in Finsternthal

1. Marie Katharine Elisabeth

* 24.10.1843 + 05.10.1877

oo 08.03.1868

Philipp Christian Wissig

* 08.04.1841 + 29.03.1897

S.d. Johann Heinrich oo Marie Elisabethe Jung

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Weilroder Heft 17

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Kind geboren in Finsternthal

1. Wilhelmine Lisette Johannette Karoline

* 07.11.1869 + 07.08.1931

oo 21.01.1893

Christian Philipp Haibach

* 08.06.1869 Ernsthausen + 19.01,1934

S.d. Johann Adam oo Johanette Henriette Wagenknecht

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Augusta Lina

* 29.01.1894

2. Luise

* 30.05.1895

oo 09.04.1921

Adolf Schlicht

* 25.8.1895 in Hasselbach/Weilburg

3. Adolf Friedrich

* 01.12.1897 gef. 04.12.1917

1.2.7.7.3.7 Philipp Gottfried Lehr

* 22.01.1817 + 07.07.1895

Schreiner und Wirt

oo 21.05.1843

Katharine Elisabeth Weihrich

* 14.12.1820 + 19.08.1907

T.d.Johann Gerhard oo Elisabethe Katharine Mehl

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Georg Philipp Friedrich

* 07.10.1850 + 26.11.1857

2. Jakob Gustav Adolf

* 13.04.1853

3. Pauline Christine

* 10.09.1856 + 06.10.1856

4. Friedrich Gottlieb 1.2.7.7.3.7.4.

* 10.07.1858

5. Emma Philippine Charlotte Christine

* 31.07.1860

oo um 1890

Emil Louis Markloff

*

Müller zu Köppern später Frankfurt

Kind:

1. Margarethe Luise Karoline

* 31.10.1891 in Köppern

oo 06.01.1918

Wilhelm Adolf Wick

* 14.03.1889

S.d. Georg Philipp Friedrich oo Karoline Katharine Luise Bachon

Bäcker

100


Weilroder Heft 17

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6. Bertha

* 17.10.1864

oo __.11.1886

Friedrich Wilhelm Fritzel

* in Obereschbach

Gastwirt

1.2.7.7.1.7. Johann Gottfried Lehr

* 23.02.1818

Küfer in Idstein

oo __.__.1844

Karoline Friedericke Merz

* 28.04.1823 Hanau

T.d. Christian oo Katharine Philippine Heinzinger,

Küfer in Hanau

1.2.7.7.1.5. Johann Friedrich Lehr

* 05.07.1814

Küfer und Bierbrauer in Neuhof

oo __.__.1846

Johannette Marie Margarethe Grimm

* 12.07.1821 in Neuhof

T.d.Johann Gottfried oo Marie Katharine Schwindt

1.2.7.7.3.8 Johann Georg Lehr

* 02.03.1823

Bürgermeister ab 1848 bis 1869

oo __.06.1849

Christiane Katharine Sachs

* 19.08.1828 in Treisberg

T.d.Johann Peter oo Anna Christina Guckes, Er: Schultheis in Treisberg,

Sie T.d. Johann Philipp Guckes, Schultheiß in Oberems

7. Generation

Kind geboren in Finsternthal:

1. Karolina Katharina Justine

* 02.12.1850

1.2.7.7.3.1.1 Philipp Jacob Lehr

* 22.03.1831 in Oberlauken

oo __.__.1854

Anna Katharina Friederika Schütz

* 15.06.1832 in Arnsbach

T.d. Johannes oo Maria Elisabetha Wolf

Kind:

1. Georg Friedrich 1.2.7.7.3.1.1.1

* 29.01.1855 in Arnsbach

1.2.7.7.3.7.4. Friedrich Gottlieb Lehr

* 10.07.1858

Küfer

oo 27.05.1883

Karoline Katharine Jung

* 02.07.1864 in Riedelbach + 27.02.1939

T.d. Philipp Peter oo Philippine Blum

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Emma Bertha Pauline

* 17.04.1884

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Weilroder Heft 17

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oo 16.04.1903

Friedrich Berthold August Ebel

* 25.07.1877 in Potsdam

S.d. Christian Friedrich oo Berta Gossow, Bahnassistent in Wiesbaden

Lehrer in Altweilnau?

Kind geboren in Altweilnau:

1. Ernst Friedrich

* 28.02.1904

2. Bertha

* 07.02.1887

oo 25.02.1906

August Wilhelm Nicolai

* 04.05.1879 in Usingen + 16.12.1938 in Usingen

S.d. Louis oo Luise Himberger

3. Gustav Adolf 1.2.7.7.3.7.4.3

* 18.11.1890

8. Generation

1.2.7.7.3.1.1.1 Georg Friedrich Lehr

* 29.01.1855 in Arnsbach + 07.01.1892 in Oberlauken

oo Katharina Elisabetha Wilhelmine Bangert

* 26.02.1860 in Cratzenbach + 17.01.1940 in Oberlauken

T. Philipp Conrad oo Dorothea Christiane Haak

Kinder alle geboren in Oberlauken:

1. Philipp Gustav 1.2.7.7.3.1.1.1.1

* 08.11.1879

2. Luise Lina

* 15.06.1888

oo 20.09.1908

Gustav August Bach

* 20.02.1885 in Oberlauken

S.d. Konrad Philipp oo Elisabetha Dorothea Erle

Kinder alle geboren in Oberlauken:

1. Otto

* 19.08.1910

oo 13.05.1934

Erna Bangert

* 21.09.1909 in Niederlauken

T.d. Wilhelm Heinrich oo Luise Wilhelmine Bautz

2 Kinder

2. Richard

* 26.10.1911 + 29.05.1986

oo __.__.1936

Hilda Bangert

* 16.10.1913 in Niederlauken + 16.02.2003 in Oberlauken

T.d. Wilhelm Heinrich oo Luise Wilhelmine Bautz

2 Kinder

3. Willi

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Weilroder Heft 17

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* 05.06.1920 + 30.06.1920

1.2.7.7.3.7.4.3 Gustav Adolf Lehr

* 18.11.1890

oo 30.08.1914

Berta Lisette Jung

* 16.03.1894 in Riedelbach

T.d. Philipp Konrad oo Pauline Rus

Kinder alle geboren in Finsternthal:

1. Elfriede

* 29.04.1915

2. Fredegunde Erika

* 14.05.1917

3. Hildegard

* 28.08.1919

9. Generation

1.2.7.7.3.1.1.1.1 Philipp Gustav Lehr

* 08.11.1879 in Oberlauken gef 17.03.1917 in Frankreich

oo Katharina Lisette Jung

* 10.07.1881 in Oberlauken + 17.12.1918 in Oberlauken

T.d. Johann Peter Ludwig oo Katharina Elisabetha Schnorr

Kinder alle geboren in Oberlauken:

1. Richard

* 19.07.1903

2. Frieda

* 09.04.1905 + 24.01.1906 in Oberlauken

3. Gustav

* 08.03.1907 + 10.01.1936 in Oberlauken, ledig

4. Albert 1.2.7.7.3.1.1.1.1.4

* 17.12.1910

10. Generation

1.2.7.7.3.1.1.1.1.4 Albert Lehr

* 17.12.1910 gef 16.06.1944 in Rußland

oo Anna Emma Jung

04.10.1909 in Oberlauken

T.d. Friedrich Wilhelm oo Wihelmine Karoline Nöll

1 Kind

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Weilroder Heft 17

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Einige Geschehnisse, hier Begräbnisse, zu Mauloff

Zusammengestellt im August 2015 durch Wolfgang Haub, Mauloff. Entnommen dem

Kirchenbuch Steinfischbach; hier aus der 1972 von Martha Kaethner gefertigten Abschrift.

07.11.1695 O t t Johann Jacob, 38 Jahre

„In dem Teich bey der Landsteiner Mühl Tod gefunden, ob Er hineingefallen durch ein

Fehltritt wegen des schmalen Fußpfad oder hineingeschlagen werden von bösen Leuten

dieweil es finster gewesen ist Gott bekannt“

28.01.1730 S t e i n m e t z Anna Juliana, 40 Jahre

oo Johann Jacob

„Diesen Todt hat verursacht der unglück. Fall, da diese Frau den 18. dito in d. Scheuer

Heu rupfen wöllen, der Heurupfer ausgefahren, sie rückwärts aufs Scheunen Denn gefallen

u. den Rück ganz verfallen:“

21.07.1735 Ott Margarethe Ursula, 40 Jahre, 2 Monate und etliche Tage T.d.+

Johann Leonhard

„ist mit dem Vieh an die Weide gefahren, und eines plötzl. und unvermuteten im Wald

an dem sogenannten Loch am Wehrholtz gestorben“

17.11.1746 Anna Christina ????????

„ein frembdtlin undt zwar ein Weibspersohn, so, taub als stumm gewesen“, ein Schein

hat über ihren Vornamen Auskunft gegeben

17.08.1740 N ö l l Philipp Wilhelm, 3 Jahre, 6 Wochen, 1 Tag

S. d. Philipp Henrich

„in der gemeine Wehdte im Dorf ertrunken“

25.03.1753 M ü l l e r Johann Wilhelm, 15 Jahre, 1 Monat

S.d.+ Andreas von Oberems

„ein vatter undt mutterloßes Waisen Kindt welches der freundt von ihm, Joh. Peter Deusinger

erzogen

21.10.1790 O t t Maria Catharina, 3 Jahre, 14 Tage T.d. Philipp Peter

“Da die Haußleute im Feld waren, so ist es in eine Backmuhl voll Teig gefallen und

drin ersticket“

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Weilroder Heft 17

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hoc Anno 1666 Philipps O t t von Ma hat in seiner Schwachheit woran er den 10ten

7bris gestorben in die Kirche Re 5 fl. ieden zu 30 alb. löblich zu einem Altar tuch gestiftet,

welche 5 fl. von dessen Erben den Baumeistern Paul D e u e r und Adam M a

ü r e r n wohl sind geliefert, und zu einem schwarzen wüllenen und weisen von Leinwand

Altartuch angewendet worden. dz schwarze Altar- Tuch, so hiervon gezeuget haben

die Kayserlich fouragirer, mense octobri ao 73 aus der Kirchen geraubet.

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Weilroder Heft 17

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Adolf Becker / Lina Fischer / Erna Palmer

Aufgeschrieben von Wolfgang Haub im August 2015

Was hat Adolf Becker mit Mauloff zu tun?? NICHTS, gar nichts. Er war mit Sicherheit

nie in seinem Leben in Mauloff. Vielleicht hat er den Namen des Dorfes einmal gehört,

mehr aber bestimmt nicht. Und doch ist sein „Heldentod“ am 20. April 1916 abends um

9 Uhr auf einem Schlachtfeld in Frankreich für Mauloff, die Familie Bachon und somit

auch für mich von größerer Bedeutung. Doch der Reihe nach.

Die untenstehende Traueranzeige habe ich vor ca. 20 Jahren beim Durchblättern des

Kreisblattes für den Kreis Usingen, im Jahrgang 1916 gefunden.

Traueranzeige Adolf Becker

Ich habe sie kopiert und dann in meine Mauloffer Unterlagen einfach abgelegt. Dazu

muss man wissen, dass ich seit vielen Jahren dabei bin, möglichst alle Jahrgänge dieses

Kreisblattes (später dann Usinger Anzeiger) zu durchforsten, um Dinge von Mauloff zu

erfahren. Das ist eine sehr zeitraubende Arbeit und ich bin immer noch nicht am Ende.

Seit diesem Jahr werde ich von meiner Frau Lily unterstützt, so geht es etwas schneller.

Im Rahmen meiner Bemühungen, alles was mit Mauloff zu tun hat zu sammeln und zu

archivieren, komme ich zwangsläufig auch zu meiner Großmutter, besser Oma, die hier

in Mauloff unter dem Namen „Ernste Lina“ bekannt war. Ich habe mich dann entschlossen,

die Unterlagen, die ich zunächst nur zur Verfügung hatte einmal genauer anzusehen.

Geholfen haben mir dabei die Erinnerung und der Kontakt zur „Tante Erna“, die

in Frankfurt am Main, zuletzt in der Adalbertstraße 64, gewohnt hat. Dieser Kontakt ist

in den Jahren so ab 1985 insofern enger geworden, da ich im Katasteramt Frankfurt in

der Hamburger Allee 22-24 gearbeitet habe. Das hatte zur Folge, dass ich im Westbahn-

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hof die S-Bahn verlassen habe und an dem Haus Adalbertstraße 64 vorbei in das Katasteramt

gegangen bin. Es hat sich dann so entwickelt, dass Tante Erna morgens und

auch abends auf dem Balkon ihrer Wohnung stand und wir dann kurz miteinander gesprochen

haben. Da sie zu diesem Zeitpunkt schon lange Witwe war, gab es auch hin

und wieder kleinere Probleme, die ich dann mit ihr in ihrer Wohnung besprochen habe,

bzw. ich konnte ihr helfen. Dann hat sie jedoch eine Angewohnheit entwickelt, die auch

etwas lästig wurde. Sie hat mich in immer kürzeren Abständen in meinem Büro im Katasteramt

besucht und - ja- mich auch von der Arbeit abgehalten. Das war manchmal

nicht sehr angenehm, da ich im Amt der Personal- und Finanzchef war, und wenn jeder

Beschäftige immer wieder Besuch seiner Verwandtschaft bekommen hätte, dass hätte

ich auch nicht einfach so hinnehmen können. Also, es war nicht immer einfach. Zumal

ich dann jeden Monat mit ihr auf die Bank gegangen bin, um dort Geld abzuholen und

auch sonstige finanzielle Dinge zu regeln. Ich habe ihr aber immer geholfen und dabei

das eine oder andere aus ihrem Leben erfahren. Dinge, die mich bis dahin nicht interessiert

hatten.

Erna Becker, verh. Palmer

Als sie später in ein Seniorenheim ging, wurde ich ihr vom Gericht bestellter Betreuer.

Dort starb sie am 18. April 2002. Ihr Mann Karl Palmer, der schon am 10. August 1974

verstarb, war auf dem Westfriedhof in Frankfurt beigesetzt. Es war Tante Ernas Wunsch

zusammen mit ihrem Mann Karl in Mauloff beerdigt zu werden. Ich habe das auch alles

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in ihrem Sinne erledigt. Beide liegen jetzt in einem Urnengrab auf dem Mauloffer Friedhof.

Aber – ich musste ja auch noch die Wohnung in der Adalbertstraße ausräumen, wie

heißt das so schön? Besenrein hinterlassen. So ganz einfach war das jedoch auch nicht.

Aber ich habe dabei ein altes Album und eine kleine Kiste mit Bildern aus ihrem Leben

gefunden. Bei den Unterlagen habe ich auch ein großes Plakat mit einer Traueranzeige

entdeckt und mit heimgenommen. Da lagen diese Dinge jetzt fast 15 Jahre. In den letzten

Tagen habe ich mir das Album und die Bilder angesehen.

Dabei ist mir dann der Gedanke gekommen, einmal nachzuforschen, wer war Erna Gothe

und wer war eigentlich ihr Vater? Ihre Mutter, meine Oma, also Ernste Lina, die

habe ich ja noch sehr gut und lange gekannt. Aber auch sie hat nie etwas aus ihrer ersten

Ehe erzählt.

Tante Erna, von uns jedoch immer Erna Gothe genannt, war eine geborene Becker aus

Eschbach. Sie hat am 23. Mai 1942 in Frankfurt am Main den Mechaniker Karl Friedrich

Palmer geheiratet. Die Information, dass Erna Gothe schon einmal verheiratet war,

habe ich nur aus der Heiratsurkunde. Dort steht: Erna Münch, geborene Becker. Das sie

schon einmal verheiratet war, das war mir völlig unbekannt. Diese Ehe war nie Thema

in unserer Familie. Aber – ich habe dann in den Bildern, die ich mitgenommen habe,

ein Bild von ihr mit ihrem ersten Ehemann gefunden.

Erna mit ihrem Ehemann Karl Palmer

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Die zweite Ehe von Erna Becker, dann mit Karl Palmer, wurde am 23. Mai 1942 in

Frankfurt am Main geschlossen. Sie wohnten in Frankfurt in der Jordanstraße 20. Karl

arbeitete zunächst in einer Fabrik unmittelbar neben ihrem Wohnhaus. Dort haben die

beiden sich kennengelernt. Karl war wehrdienstunfähig geschrieben und hat Wehrersatzdienst

geleistet, ebenso wie Erna Gothe. Die Ehe blieb kinderlos.

Irgendwann, den genauen Zeitpunkt konnte ich nicht mehr finden, hatten sich die beiden

selbständig gemacht. Sie kauften einen Mercedes PKW und einen Anhänger. Damit

fuhren sie jeden Morgen um 5 Uhr in die Großmarkthalle in Frankfurt und kauften dort

Obst, Gemüse, Kartoffeln usw. Dann ging es in die Dörfer rund um Idstein. Mit einer

Schelle wurden die Anwohner auf die Ankunft des Gemüseautos aufmerksam gemacht.

Onkel Karls Ruf begleitet mit der Schelle war: Obst, Gemüse, Südfrüchte – Kommt und

kauft! Wenn der Anhänger leer war, ging es zurück nach Frankfurt. Ich selbst war als

12-13-jähriger ein paar Wochen mit auf Einkaufstour in der Großmarkthalle und dann

auch bei der Verkaufstour. Die Großmarkthalle war eine faszinierende Angelegenheit,

die ich nie vergessen habe. Das Gewusel, die vielen Verkaufsstände, der Geruch, das

Geschrei, die Transport-Eidechsen, einfach beeindruckend. Seine Schelle und den Lederbeutel,

in den Tante Erna das Geld getan hat, das habe ich noch heute, denn es befand

sich bei den Unterlagen in ihrer Wohnung. Hier die Abbildung seines Gewerbescheines:

Gewerbeschein von Karl Palmer

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Karl hat später sehr unter Asthma gelitten und konnte die Obststeigen nicht mehr heben

und aufladen. Sie haben notgedrungen ihren Obstverkauf aufgeben müssen. Erna Gothe

hat dann noch viele Jahre bei der Dresdner Bank gearbeitet.

Wer war aber nun Erna Palmer, geborene Becker, verheiratete Münch, wiederverheiratete

Palmer? Sie war das Kind von der aus Usingen aus der Dreihäusergasse 4 stammenden

Lina Fischer und wurde am 8. Juli 1914 in Eschbach geboren.

Lina Fischer war eines von 12 Kindern des Landbriefträgers August Fischer und dessen

Ehefrau Pauline geb. Saltenberger. Lina wurde am 07.05.1891 in Usingen geboren.

Sie war in ihrer Jugend bei einem Pfarrer Braun in Usingen in „Stellung“, so wurde das

damals genannt. Sie hat wohl im Haushalt mitgearbeitet. Diese Informationen habe ich

aus zahlreichen Postkarten, die ihr ein / der Adolf Becker, Weißbinder aus Eschbach

geschrieben hat. Hier hatte wohl eine Liebe begonnen. Adolf Becker (unten abgebildet)

wurde dann auch zum Militärdienst eingezogen.

Adolf Becker

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Er war Ersatz-Reservist im Infanterie-Leibregiment Nr. 117 in der 12. Kompanie. Während

seiner Militärzeit hat Adolf immer wieder Postkarten (die ich alle habe) an seine

Braut und spätere Frau Lina geschrieben. Eine frühe Postkarte mit Bildern von Eschbach

(wahrscheinlich von 1912, das genaue Datum ist nicht mehr lesbar) lautete an:

Fräulein Lina Fischer bei Pfarrer Braun Usingen, Rathausstraße: Liebe Lina! Ich bin

eben zu Hause und arbeite hier. Am Montag war ich zum letzten Mal in Usingen und

habe dich nicht gesehen. Hoffentlich bist du noch gesund und munter. Gruß Adolf Becker

(und am Rand steht noch: Bald Antwort) Adolf und Lina haben am 13. April 1914

im Standesamt Eschbach geheiratet.

Ihre Tochter, also Tante Erna bzw. Erna Gothe, kam am 8. Juli 1914 in Eschbach auf

die Welt. Hier auf dem Bild sieht man Lina mit der Tochter Erna.

Lina Becker geb. Fischer mit Tochter Erna

Erna Gothe hat mir später erzählt, ihr Vater Adolf habe sie nur ein einziges Mal gesehen.

Adolf Becker fiel am Gründonnerstagabend um 9 Uhr am 20. April 1916 in Frankreich.

Er war zu diesem Zeitpunkt 26 Jahre alt.

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Ich habe in den Unterlagen von Tante Erna zwei DIN A2 Plakate gefunden, die meine

Oma Lina anlässlich der Trauerfeier erhalten hat. Es ist zum einen auf der folgenden

Seite der Redetext bei der Trauerfeier in Eschbach, und zum anderen ein Erinnerungsplakat

von Kaiser Wilhelm II. Ich füge einmal beide hier ein, denn auch ich hatte bis

dahin so etwas auch noch nicht gesehen.

Redetext bei der Trauerfeier in Eschbach

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Erinnerungsplakat von Kaiser Wilhelm II.

Lina Becker ging dann irgendwann zusammen mit ihrer Tochter Erna zurück in ihr Elternhaus

nach Usingen in die Dreihäusergasse 4. Ich wurde erst 1947 geboren. Meine

Familie und ich, wir wohnten damals in Usingen in der Bahnhofstraße. Gelegentlich

besuchte uns Oma Lina und ich erinnere mich sehr genau, dass ich mit ihr (mehrfach?)

nach Eschbach gelaufen bin. Dort hat sie Bekannte von Beckers besucht. Dabei war

auch eine Schusterwerkstatt, die ich heute noch genau beschreiben und auch zeichnen

könnte. Auch der Geruch des Leders ist mir in Erinnerung. Bei dem Durchsehen der

jetzt von mir gesichteten Unterlagen, habe ich auch die Heiratsurkunde von Adolf und

Lina Becker gefunden. Dort ist als einer der Trauzeugen ein Schuhmacher Heinrich

Becker, 23 Jahre alt, aufgeführt.

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Erna Gothe hat mir bei einem ihrer vielen Besuchen im Katasteramt einmal erzählt, wie

schlimm für sie der Umzug aus der Stadt (Usingen) aufs Dorf (Mauloff) gefallen ist.

Sie war damals 7 Jahre alt und hat den Umzug auf einem Wagen sitzend mit dem Gepäck

ihrer Mutter erlebt. Sie habe tagelang nur geweint. Sie kam mit der Mutter in

Mauloff in ein Haus, in dem mein Opa Gustav mit seinen beiden Söhnen Otto und Adolf

gelebt hat. Von der Familie Ernst, in die mein Opa am 08.05.1904 eingeheiratet hatte,

lebte niemand mehr. Das Verhältnis zu ihrem Stiefvater Gustav und seinen Söhnen Otto

und Adolf war später ein sehr herzliches, ebenso mit den folgenden Stiefgeschwistern

aus der dann folgenden Ehe zwischen Gustav und Lina. Aber es mussten wohl ein paar

Jahre vergehen.

Wie die Ehe zwischen Gustav Bachon und Lina Becker, geb. Fischer zustande kam,

kann ich nur vermuten. Aber ich bin sicher, die Bekanntschaft kam wie folgt zustande:

Gustav Bachon hatte schon vor seiner Zeit als Mauloffer Bürgermeister, also vor 1925,

die Poststelle in Mauloff gehabt. Er war 1913 Witwer geworden.

Der Vater meiner Oma Lina, August Fischer, war Usinger Briefträger und Postschaffner.

Mit dem Postauto wurde damals die Post auf die Poststellen der umliegenden Dörfer

gebracht. August Fischers Tochter Lina war Witwe, mein Großvater Gustav Bachon

war Witwer, beide hatten Kinder und so hat wahrscheinlich August für eine Bekanntschaft

der beiden gesorgt. Die Eheschließung zwischen meinem Großvater Gustav

Bachon und Lina, verwitwete Becker, geborene Fischer fand am 22.04.1922 statt. Aus

dieser Ehe stammten die Kinder Ewald Bachon, Paula verheiratete Biegel und meine

Mutter Dorothea verheiratete Haub. Das nebenstehende Bild zeigt die Familie im Jahre

1928. Paula ist wohl nicht mit dem fotografieren einverstanden, sie weint, auf dem Arm

von Lina meine Mutter Dorothea und stehend der Sohn Ewald.

Mein Großvater Gustav Bachon kam von Treisberg und hat die in Mauloff im elterlichen

Hof lebende Pauline Emilie Ernst geheiratet. Pauline war das einzige Kind der

Eheleute Ernst. Diese, seine 1. Ehefrau, ist nach der Geburt von Zwillingen im Jahre

1913 in der Klinik in Gießen gestorben.

Für Lina und Gustav war es jeweils die zweite Ehe. Sie gingen in ihrer gemeinsamen

Zeit durch dick und dünn. Gustav Bachon wurde 1925 zum Mauloffer Bürgermeister

gewählt und war das auch über die Zeit des 2. Weltkrieges. Im Herbst 1945 wurde er

von der amerikanischen Militärregierung abgesetzt.

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Familie Bachon im Jahre 1928

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Gustav und somit dann auch Lina hatten die Mauloffer Poststelle bis in die 1980er Jahre.

Gustav hatte die Post schon von seinem Bürgermeistervorgänger Heinrich Scherer gehabt,

da dieser sie nicht haben wollte. Gustavs Haus in der Brunnenstraße 4 (heute steht

es nicht mehr) war für Jahrzehnte der Mittelpunkt von Mauloff. Das Bürgermeisteramt

und die Poststelle (viele Jahre das einzige Telefon in Mauloff) waren wichtige Anlaufstellen

für die Mauloffer. Die Bank vor dem Haus war ein besonderer Treffpunkt und

hier wurden alle Neuigkeiten des Dorfes ausgetauscht.

Hier noch ein Bild von Lina Bachon, verwitwete Becker, geborene Fischer. So habe ich

sie immer gekannt. Sie steht hier im Hof ihres Nachbargrundstückes Brunnenstraße 2,

also bei Dickersch (Familienname Scholl, vorher Frankenbach).

Lina Bachon im Hof ihres Nachbargrundstückes Brunnenstraße 2

Ich habe mir beim Schreiben dieses Artikels wiederholt überlegt, was wohl aus mir und

meiner Familie geworden wäre? Ganz einfach, wenn Adolf Becker nicht gefallen wäre,

dann gäbe es mich, meine Familie, die Familie Bachon, den Bürgermeister Bachon alle

nicht.

Adolf Becker wäre aus dem 1. Weltkrieg nach Eschbach zurückgekehrt, hätte seinen

Beruf als Weißbinder wiederaufgenommen. Er hätte mit seiner Lina sicher noch ein

paar Kinder bekommen – und mich gäbe es nicht. So stellt das Leben seine Weichen.

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Hier jetzt eine tabellarische Übersicht der Lebensdaten der vorgenannten Personen:

13.05.1880 Gustav Bachon wird in Treisberg geboren

27.03.1890 Adolf Becker wird in Eschbach geboren

07.05.1891 Lina Fischer wird in Usingen geboren

08.05.1904 Gustav Bachon heiratet nach Mauloff die Pauline Ernst

12.08.1906 Karl Palmer wird in Frankfurt geboren

13.04.1914 Adolf Becker heiratet Lina Fischer in Eschbach

08.07.1914 Tochter Erna wird in Eschbach geboren

20.04.1916 Adolf Becker fällt in Frankreich

22.04.1922 Gustav Bachon und Lina Becker, geb. Fischer heiraten in Reichenbach,

wohnen in Mauloff

09.09.1923 Tochter Paula wird geboren

03.12.1924 Sohn Ewald wird geboren

14.09.1925 Gustav Bachon wird Bürgermeister in Mauloff

16.09.1926 Tochter Dorothea wird geboren

16.11.1960 Gustav Bachon stirbt in Mauloff

19.07.1972 Lina Bachon, geb. Fischer, verwitwete Becker stirbt in Mauloff

10.08.1974 Karl Palmer stirbt in Frankfurt

03.10.1990 Ewald Bachon stirbt in Mauloff

02.03.1996 Paula Bachon, verheiratete Biegel stirbt in Mauloff

18.04.2002 Erna Palmer, geb. Becker stirbt in Frankfurt

15.07.2010 Dorothea Bachon, verheiratete Haub, stirbt in Weilmünster (Krankenhaus)

Wen weitere Einzelheiten interessieren sollten, der kann das im Band „Mauloffer Häuser

bzw. Gehöfte“ unter der Brunnenstraße 4 nachlesen.

Es gibt von Adolf Becker zahlreiche Postkarten, die er seiner Freundin und späteren

Frau Lina aus dem Krieg geschickt hat. Bis dann keine mehr kam. Sie sind lückenlos

bei mir vorhanden.

Ich werde sie, vielleicht in den Wintermonaten, zeitlich ordnen und dann „übersetzen“

(von Sütterlin in unser modernes Deutsch).

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Hier habe ich noch zwei Bilder aus der Mauloffer Zeit: Das folgende Bild wurde 1932

aufgenommen. Es zeigt von rechts nach links Lina Bachon, Gustav Bachon, vor ihm

stehend die Tochter Paula, meine Mutter Dorothea und davor sitzend der Sohn Ewald,

der große Mann mit Hut ist Waanersch Karl (Karl Ott II), der im Anwesen Brunnenstraße

1 gelebt hat. Die anderen Personen sind mir nicht bekannt.

Familie Bachon mit Bekannten, 1932

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Das nächste Bild wurde 1950 aufgenommen und es zeigt die von mir schon angesprochene

Bank vor dem Haus Brunnenstraße 4.

Bank vor dem Haus Brunnenstraße 4, 1950

Diese Bank war für Jahrzehnte der Treffpunkt der Mauloffer. Hier wurde zum Beispiel

auch auf Telefonanrufe und die Post gewartet. Das erste und einzige Telefon war hier.

Wenn jemand von auswärts angerufen hat, dann hat sich Ernste Lina mit den Worten

gemeldet: „Hier Öffentliche Mauloff“. Wenn jemand vom Dorf angerufen wurde, dann

ist Adolf Bachon zu dem Haus gelaufen und hat den gewünschten Teilnehmer geholt.

Der hat z.B. hier gewartet bis der zweite Anruf kam.

Wolfgang Haub, im August 2015

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Bilderrätsel Auflösung: Das sind die Mauloffer Charaktere!

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