aerokurier 03/2016
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3/<strong>2016</strong> Deutschland € 5,50 / Schweiz sfr 10 / Österreich € 6,30 / Benelux € 6,40 / Finnland € 8,30 www.<strong>aerokurier</strong>.de / 60. Jahrgang<br />
<strong>aerokurier</strong><br />
DAS MAGAZIN FÜR PILOTEN<br />
LEEWELLE<br />
BIS AUF<br />
3000 METER<br />
plus 32 Seiten<br />
Flight Training<br />
SPECIAL<br />
Interview<br />
Skispringer<br />
im Helikopter<br />
Mit dem UL<br />
nach Istanbul<br />
Cobalt Co50<br />
VALKYRIE<br />
ON AIR<br />
Lockheed T-33 T-Bird<br />
Jetfliegen in Santa Fe<br />
Sicherheit<br />
Risiken in der<br />
Randsaison<br />
Erstflug<br />
Ventus 3 geht<br />
in die Luft
REKORDPRODUKTION<br />
Boomtime bei<br />
Airbus und Boeing<br />
Foto: Eurospot<br />
Dieses und viele weitere<br />
spannende Themen aktuell in<br />
FLUG REVUE, Deutschlands<br />
großem Luft- und Raumfahrt-<br />
Magazin.<br />
Auch als E-Paper<br />
Tagesaktuelle<br />
Luftfahrtnachrichten:<br />
www.flugrevue.de<br />
DIE GANZE WELT DER LUFT- UND RAUMFAHRT<br />
JETZT NEU<br />
IM HANDEL
[ EDITORIAL März ]<br />
Neuer Standort, neue<br />
Redaktionsstruktur, neue<br />
Ideen: Der <strong>aerokurier</strong> wagt<br />
in Stuttgart den Neustart.<br />
Unser Anspruch bleibt<br />
hoch. Nichts weniger als<br />
Deutschlands vielseitigstes<br />
General-Aviation-Magazin<br />
wollen wir sein.<br />
TAKEOFF IN DIE ZUKUNFT<br />
Michael Pfeiffer, Herausgeber (links)<br />
Lars Reinhold, Redaktionsleiter (rechts)<br />
Verehrte Leserinnen und Leser, liebe Fliegerkameraden,<br />
Der Jahreswechsel war für den <strong>aerokurier</strong> mehr als nur Sekt und Feuerwerk. Mit dem Umzug der Redaktion von Bonn nach<br />
Stuttgart hat die Motor Presse Stuttgart ein neues Kapitel in der Produktion ihrer Luftfahrtmagazine aufgeschlagen. Konzentriert<br />
an einem Standort, kann der <strong>aerokurier</strong> von den Synergien profitieren, die sich durch die nunmehr mögliche unmittelbare<br />
und persönliche Zusammenarbeit von Redaktion, Grafik und Verlag ergeben.<br />
Auch im <strong>aerokurier</strong>-Team hat sich etwas getan. Für die inhaltliche Koordination und die Organisation des Tagesgeschäfts ist<br />
ab dieser Ausgabe Lars Reinhold verantwortlich. Ebenfalls an Bord ist <strong>aerokurier</strong>-Urgestein Gerhard Marzinzik. Gemeinsam<br />
stellen die beiden passionierten Flieger jeden Monat eine ausgewogene Mischung aus Reportagen, Flugberichten, News und<br />
Praxistipps zusammen, um dem Anspruch des <strong>aerokurier</strong>s, die Allgemeine Luftfahrt in ihrer ganzen Vielfalt abzubilden, gerecht<br />
zu werden. Als Herausgeber hält Michael Pfeiffer im Hintergrund die organisatorischen Fäden in der Hand. Unterstützt<br />
wird das <strong>aerokurier</strong>-Team von einer Vielzahl freier Autoren, die ihre Expertise aus professioneller Fliegerei, Technik, Meteorologie<br />
und Recht in das Magazin einbringen.<br />
Doch auch Sie, liebe Leser, sollen sich im <strong>aerokurier</strong> mit Ihrer Meinung wiederfinden. Wir freuen uns über Anregungen und<br />
Erfahrungen und sind dankbar für sachliche Kritik. Leserbriefe können Sie wie gehabt per Mail und auf dem Postweg an uns<br />
senden. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir den <strong>aerokurier</strong> als ansprechende Lektüre für aktive Piloten weiterentwickeln und<br />
dabei auch unser Internetportal und soziale Medien wie Facebook nicht aussparen. Besuchen Sie uns also gerne auch auf<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de und unter www.facebook.de/<strong>aerokurier</strong>.<br />
Mit besten Wünschen für die Flugsaison <strong>2016</strong><br />
Lars Reinhold<br />
Michael Pfeiffer<br />
Diskutieren Sie mit! Wir freuen uns über eine E-Mail (redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de), ein Fax (+49 711 182-1781)<br />
oder einen Brief (Redaktion <strong>aerokurier</strong>, Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart) für unser Leserforum. Bitte vergessen<br />
Sie nicht, Ihre Adresse und Telefonnummer für eventuelle Rückfragen anzugeben.<br />
Foto: mps-Fotostudio<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 3
112<br />
Interview<br />
Vom Skispringer zum<br />
Helikopterpiloten<br />
Motorfliegen<br />
6 Im Airliner auf Sicht<br />
Mit der Viermot VFR auf 1000<br />
Fuß? Die Schweizer Super<br />
Constellation bietet genau das<br />
14 Walküre in der Luft<br />
Der Entenflügler Cobalt Co50<br />
soll Maßstäbe in seiner Klasse<br />
setzen<br />
17 Als Backseater im T-Bird<br />
Den Traum vom Jetfliegen<br />
erfüllte sich <strong>aerokurier</strong>-Autor<br />
Peter Schneider in Santa Fe<br />
112 Interview<br />
Thomas Morgenstern findet,<br />
dass Hubschrauberfliegen<br />
weniger gefährlich ist als<br />
Skispringen<br />
Magazin<br />
30 Grenzkontrollen<br />
Welche Folgen hat die Flüchtlingskrise<br />
für Privatflieger?<br />
UL/LSA<br />
32 Ultraleichter Orientexpress<br />
Wohin, wenn man schon<br />
fast überall war? Mit einer<br />
CT Short Wing nach Istanbul<br />
Business Aviation<br />
38 Jetset in Altenrhein<br />
Zum Weltwirtschaftsforum in<br />
Davos herrscht auf dem<br />
Flugplatz Altenrhein Hochbetrieb<br />
Inhalt Nr. 3 <br />
März <strong>2016</strong> I 60. Jahrgang<br />
32<br />
75<br />
6<br />
4 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong><br />
Titelillustration: Cobalt Aircraft; Titelfotos: Jet Warbird Training Center<br />
Fotos: Thomas Meder, VBS, Mark Juhrig, Michael Reimers, Bernd Hilpert, Philipp Platzer
Praxis<br />
75 Ausmotten im Frühjahr<br />
Worauf man bei den Checks zu<br />
Beginn der Saison achten sollte<br />
78 Strafsache<br />
Das Bundesaufsichtsamt für<br />
Flugsicherheit verfolgt Verstöße<br />
im Luftverkehr<br />
80 Experten-Tipp<br />
Wie man Lacke pflegt und<br />
Macken dauerhaft beseitigt<br />
81 Fliegen in der Randsaison<br />
Schwierige Bedingungen und<br />
schlechter Trainingsstand sind<br />
Unfallrisiken in Winter und<br />
Frühjahr<br />
Titelthemen<br />
im Abo<br />
Coupon auf S. 111 und im Special<br />
auf S. 13<br />
Segelfliegen<br />
84 Der neue Ventus fliegt<br />
Was hat der Prototyp bei den<br />
ersten Flügen über sich alles<br />
preisgegeben?<br />
88 Wellenfliegen<br />
Schönes Weihnachtsgeschenk:<br />
Eine Woche Wellenaufwinde<br />
über Weser und Thüringer Wald<br />
92 Massen-Diskussion<br />
Wird in der Doppelsitzerklasse<br />
künftig mit 850 kg geflogen?<br />
<strong>aerokurier</strong>-Leserwahl <strong>2016</strong><br />
Stimmen Sie ab, wer in diesem Jahr<br />
einen Innovation Award erhalten<br />
und welche Firma als beste Marke<br />
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94 Unfallanalyse<br />
Ein Bruch in der Landeklappenmechanik<br />
bringt eine<br />
DG-1001 zum Absturz<br />
Rubriken<br />
3 Editorial<br />
12 News<br />
96 <strong>aerokurier</strong>-Markt<br />
105 Jobbörse<br />
108 Termine, Impressum<br />
110 Leserbriefe<br />
114 Vorschau<br />
88<br />
Flight Training Special<br />
3 Intro/Inhalt<br />
4 Einmal Höhenluft schnuppern<br />
Ein Schnupperflug ist für viele Fußgänger<br />
der erste Schritt zur Lizenz<br />
8 Karrierechancen für Piloten<br />
Mit einer frozen ATPL hängen viele<br />
Piloten in der Warteschleife<br />
10 Fliegen lernen im Urlaub<br />
In den Ferien die Lizenz erwerben. Was<br />
dabei alles zu beachten ist<br />
14 Ausbildung im Simulator<br />
Virtuelles Fliegen wird<br />
immer mehr zur<br />
kostenfreundlichen<br />
Alternative<br />
19 Flugschul-Guide <strong>2016</strong><br />
Die <strong>aerokurier</strong>-Übersicht<br />
über Ausbildungseinrichtungen<br />
Den <strong>aerokurier</strong> gibt es auch als E-Paper.<br />
Mehr Infos: www.<strong>aerokurier</strong>.de/epaper<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 5
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Lockheed Super Constellation<br />
MIT DER<br />
SCHÖNHEIT<br />
AUF SICHT<br />
6
Die Lockheed Super Constellation ist ein<br />
extrem rarer Klassiker: Nur noch zwei<br />
Exemplare sind weltweit flugfähig, eine<br />
davon in Europa. Der viermotorige Airliner‐<br />
Oldie aus Basel kommt <strong>2016</strong> mehrere<br />
Male nach Deutschland.<br />
AUTOR: Jürgen Schelling<br />
Fotos: Jürgen Schelling<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 7
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Viel Rauch: Wenn die<br />
Doppelsternmotoren<br />
erwachen, machen sie<br />
sich nicht nur<br />
akustisch bemerkbar.<br />
Wenn eine Super Constellation<br />
ihre vier Triebwerke startet,<br />
ist dies ein besonderes Spektakel.<br />
Denn das Anlassen bedarf<br />
einer besonderen Choreografie. Der Motor<br />
innenbords auf der Copilotenseite ist eigentlich<br />
Triebwerk Nummer 3. Kurz schaut<br />
Flugkapitän Ernst Frei aus einem Cockpitfenster,<br />
sein Helfer am Boden signalisiert,<br />
dass kein Unbefugter nahe des Propellers<br />
steht. Jetzt dreht der Anlasser. Lautstark<br />
nimmt der Curtiss-Wright Cyclone seine Arbeit<br />
auf. Es vergehen einige Sekunden, bis<br />
das Zusammenspiel von 18 Kolben und zahlreichen<br />
Ventilen harmonisch läuft. Wenig<br />
später folgt Nummer 4 auf derselben Tragfläche,<br />
dann Cyclone 2 und 1<br />
auf der anderen Seite. Die scheinbar<br />
krumme Startreihenfolge<br />
der Triebwerke liegt darin begründet,<br />
dass Motor 3 und 4<br />
jeweils Hydrauliktanks aktivieren, die man<br />
von Beginn an braucht. Deshalb werden sie<br />
zuerst angelassen. Vier Doppelsternmotoren<br />
erzeugen nun zusammen mit den Luftschrauben<br />
einen unvergleichlichen Sound.<br />
Die Lockheed L-1049 Super Constellation,<br />
von allen nur kurz „Super Connie“ genannt,<br />
ist auf jedem Flugplatz ein Superstar. Eine<br />
elegant-schlanke Silhouette, das grazile hochbeinige<br />
Fahrwerk – und dann erst dieses Heck.<br />
Wo bei anderen Propeller-Airlinern der 50er<br />
Jahre ein wuchtiges Seitenleitwerk den Abschluss<br />
bildet, sind es bei der Super Connie<br />
drei fast filigrane Flossen. Auch die machen<br />
sie unverwechselbar. Eigentlich wäre ja ein<br />
einziges Leitwerk völlig ausreichend, wenn<br />
ES DAUERT, BIS DAS KONZERT DER<br />
18 KOLBEN UND 36 VENTILE EINEN<br />
HARMONISCHEN KLANG ERGIBT<br />
es genügend groß dimensioniert wäre. Aber<br />
eine solche Konstruktion hätte wegen ihrer<br />
Höhe nicht mehr in die damals üblichen Hangars<br />
gepasst. Also wurden drei kleinere gewählt.<br />
Dass dies der Connie auch eine unnachahmliche<br />
Optik bescherte, stellte sich<br />
erst später als Design-Glücksfall heraus. Für<br />
viele Luftfahrtfans ist sie das schönste Flugzeug<br />
der Welt.<br />
Der legendäre Howard Hughes hatte bereits<br />
1939 als Hauptaktionär seiner Airline TWA<br />
den Bau der Maschine bei Lockheed forciert.<br />
Er forderte ein Flugzeug mit mindestens 20 000<br />
Fuß Reiseflughöhe, das 250 Knoten schnell<br />
sein und eine Reichweite von mehr als 3500<br />
Nautischen Meilen (knapp 6500 Kilometer)<br />
haben sollte. Lockheed entwickelte<br />
daraufhin erste Modelle,<br />
der Zweite Weltkrieg brachte<br />
das Projekt für den zivilen Luftverkehr<br />
aber zunächst zum<br />
8 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Verglichen mit modernen<br />
Airlinern wirkt die Silhouette<br />
der Connie wie mit kühnem<br />
Schwung gezeichnet.<br />
Erliegen. Allerdings wurden während des<br />
Krieges ab 1943 die ersten ursprünglich für<br />
den zivilen Einsatz vorgesehenen Constellations<br />
als Militärtransporter der Baureihe C-69<br />
gebaut. Zivile Varianten folgten ab 1945 als<br />
Airliner mit bis zu 60 Sitzplätzen. Nach Ende<br />
des Kriegs wurden Forderungen der Airlines<br />
nach einer größeren und bis zu 100-sitzigen<br />
Passagiermaschine laut. Dies führte bei Lockheed<br />
zur Weiterentwicklung Super Constellation<br />
in der L-1049-Baureihe.<br />
Ausgestattet mit der damals neuartigen<br />
Druckkabine, etwa 270 Knoten Reisegeschwindigkeit<br />
und mehr als 4000 Nautischen Meilen<br />
(7400 Kilometer) Reichweite konnten ab 1951<br />
zuerst bei Eastern Air Lines und TWA die<br />
maximal 109 Passagiere in der hochmodernen<br />
Super Constellation einen für die 50er Jahre<br />
nicht gekannten Reisekomfort erleben. Allerdings<br />
galten die neu entwickelten Curtiss-<br />
Wright-Cyclone-Triebwerke vom Typ R-3350<br />
als ihre Achillesferse. Relativ häufig mussten<br />
die Piloten und der vorgeschriebene Flugingenieur<br />
einen der 3250 PS starken 18-Zylinder<br />
wegen technischer Probleme im Flug abstellen.<br />
Deshalb bekam sie auch den spöttischen<br />
Spitznamen „beste Dreimotorige der Welt“<br />
verpasst. Angeblich verzeichnete allein die<br />
Lufthansa einst auf jedem dritten Linienflug<br />
ein Triebwerksproblem. Dennoch entwickelte<br />
sich die Super Connie zu einem Erfolgsmodell:<br />
Mehr als 850 Exemplare der Baureihe,<br />
bestehend aus Super Constellation, dem<br />
kleineren Vorgängermodell Constellation<br />
sowie der größten Version, dem Starliner,<br />
wurden in 15 Jahren Bauzeit ausgeliefert.<br />
Wer bei den Airshow-Auftritten <strong>2016</strong> die<br />
Möglichkeit hat, den Basler Airliner zu besichtigen<br />
und dann mondänen Luxus in der<br />
Kabine erwartet, wird überrascht sein: Auffallend<br />
nüchtern ist das Innendesign, und die<br />
Sitze für maximal 35 Passagiere sind eher<br />
schmal und asketisch. Des Rätsels Lösung:<br />
Die eidgenössische Super Connie war 1955<br />
als Transportflugzeug fürs US-Militär gebaut<br />
und eingesetzt worden, weswegen Bestuhlung<br />
und Interieur spartanisch ausfielen.<br />
Die schweizerische Connie besitzt auch<br />
keine Cockpittür mehr. Wer also während des<br />
Fluges bei den Piloten vorbeischaut, gerät<br />
ins Staunen: Fast alle Anzeigen und Bedienhebel<br />
sind bis auf ein modernes GPS noch<br />
aus den 1950er Jahren. Hinter den beiden<br />
Piloten sitzt heute genau wie früher an einem<br />
seitlichen Bedienpanel der Flugingenieur, der<br />
vor allem den Lauf der vier Motoren synchronisiert<br />
und sie während der Reise überwacht.<br />
Derzeit sind vier Kapitäne und ein Copilot<br />
auf der Connie ausgecheckt. Alle besitzen<br />
einen ATPL, zwei von ihnen sind ehemalige<br />
747-Captains. Um auf der Super Connie fliegen<br />
zu dürfen, ist zwar Routine im Airlinerfliegen<br />
Grundvoraussetzung, aber ein Cock-<br />
Fotos: Sascha Linkemeyer, Jürgen Schelling<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 9
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
pit-Kandidat sollte möglichst auch Erfahrung<br />
auf Flugzeugen mit Kolbenmotor haben. <strong>2016</strong><br />
kommt ein neuer Pilot mit an Bord. Er fliegt<br />
Airbus A340, war aber auch schon am Steuer<br />
von DC-3 und Ju 52 zu Hause. Die Super<br />
Constellation Flyers Association (SCFA) verlangt<br />
zwar keine ausdrückliche Mindestflugstundenzahl,<br />
die Versicherung besteht aber<br />
darauf, dass angehende Connie-Piloten mehr<br />
als 5000 Flugstunden nachweisen.<br />
Die Super Connie ist nicht mehr IFR-zertifiziert,<br />
sondern darf nur nach Sichtflugregeln<br />
betrieben werden. Deshalb ist seit der Flugsaison<br />
2015 auch ein FLARM-Kollisionswarner<br />
installiert. Denn Flugkapitän Frei und seine<br />
Crewkollegen lieben es, in der erlaubten Mindestflughöhe<br />
in der Schweiz – also 1000 Fuß<br />
über Grund – zu fliegen, um ihren Passagieren<br />
eine spektakuläre Erdsicht zu ermöglichen.<br />
Mancher General-Aviation-Pilot<br />
staunt in den Sommermonaten<br />
ziemlich, wenn in Bierflaschenhöhe<br />
ein Airliner von der Größe<br />
einer Boeing mit 37 Metern<br />
Spannweite vorbeifliegt. Da leistet das FLARM,<br />
dessen Displays sowohl auf Piloten- als auch<br />
Copilotenseite angebracht sind, gute Dienste.<br />
Die einst vorhandene Enteisung von Flächen,<br />
Leitwerk und Propellern ist heute außer<br />
Funktion. Aus diesem Grund wird die Connie<br />
lediglich von Mai bis Ende September und<br />
innerhalb Europas betrieben, um Flüge in<br />
Icing-Bedingungen zu vermeiden. Um nach<br />
der mehrmonatigen Winterpause vor der<br />
Saison wieder fliegerisch fit zu werden, gehen<br />
Piloten und Flugingenieure im Frühjahr ins<br />
Trainingslager im französische Dole. Eine<br />
knappe Woche wird dort geflogen. Vier der<br />
fünf Piloten sind auch gleichzeitig Checkpiloten<br />
und Fluglehrer, das sorgt für Flexibilität.<br />
Der Neuling wird dann etwa acht Stunden<br />
fliegen, seinen erfahrenen Kollegen reichen<br />
jeweils rund eineinhalb Flugstunden und vier<br />
BEIM SIGHTSEEING IN 1000 FUSS<br />
ÜBER GRUND IST AUCH IM VIERMOT-<br />
AIRLINER EIN FLARM SINNVOLL<br />
oder fünf Landungen. Insgesamt ist die Connie<br />
bei dieser Trainingswoche knapp 15<br />
Stunden in der Luft und absolviert zahlreiche<br />
Touch-and-go- oder Full-stop-Landungen.<br />
Weltweit fliegt heute außer der schweizerisch<br />
zugelassenen Connie nur noch eine<br />
Maschine gleichen Typs in Australien. Diese<br />
ist aber nicht für Passagierbetrieb zugelassen.<br />
Die deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung, die<br />
auch die Ju 52 D-AQUI betreibt, baut zwar<br />
derzeit aus Teilen von drei ausgemusterten<br />
Flugzeugen in den USA ein Exemplar zum<br />
Wie-neu-Zustand wieder auf, um sie wie die<br />
Junkers als Traditionsflugzeug einzusetzen.<br />
Da die Maschine des damals letzten und<br />
größten Modells der Constellation-Baureihe,<br />
der L-1649A Starliner, mit modernem Glascockpit,<br />
TCAS und weiteren modernen Elektronikfeatures<br />
ausgerüstet wird, dauert es<br />
wohl noch einige Zeit, bis sie<br />
wieder fliegen wird.<br />
Bei der SCFA steht aber nicht<br />
etwa eine weltweit agierende<br />
Airline hinter dem Projekt, son-<br />
Wer genau hinschaut,<br />
bemerkt, dass die<br />
Super Connie für jeden<br />
ein Lächeln übrig hat.<br />
10 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
tritt ist für 120 Schweizer Franken für ein<br />
Jahr aber problemlos möglich. Im Anschluss<br />
daran kann gegen einen je nach Flugdauer<br />
und Reiseziel gestaffelten Kostenbeitrag mitgeflogen<br />
werden Ein 45-minütiger Rundflug<br />
kostet laut SCFA beispielsweise rund 375<br />
CHF. Auch bei den Auftritten der Super Connie<br />
<strong>2016</strong> in Deutschland kann voraussichtlich<br />
eine Mitgliedschaft in der SCFA vereinbart<br />
werden. Dann gibt es bei freien Plätzen die<br />
Möglichkeit, direkt für einen Rundflug an Bord<br />
zu gehen.<br />
Derzeit ist die Maschine noch im Winterquartier<br />
in Zürich-Kloten, wo die vorgeschriebenen<br />
Stundenkontrollen vorgenommen<br />
werden und sie fit für die Flugsaison <strong>2016</strong><br />
gemacht wird. Dabei sind teilweise auch<br />
Restaurierungsmaßnahmen fällig, da bei einem<br />
mehr als 60 Jahre alten Flugzeug immer<br />
wieder unvorhersehbare Mängel entdeckt<br />
werden. Eines der größten Risiken für den<br />
Ausfall einer Flugsaison, den möglichen kapitalen<br />
Schaden eines Triebwerks, haben die<br />
SCFA-Verantwortlichen durch kluge Vorrats-<br />
dern es ist der Courage und dem Einsatz<br />
einiger flugbegeisterter eidgenössischer<br />
Privatleute zu verdanken: Im Frühjahr 2000<br />
gründeten sie die SCFA in Basel als Verein<br />
mit dem Ziel, eine Super Connie zu erwerben,<br />
flugfähig zu machen und später in der Schweiz<br />
mit Passagieren zu betreiben.<br />
Bereits im Dezember 20<strong>03</strong> konnten die<br />
SCFA-Verantwortlichen in den USA eine Vereinbarung<br />
über den Erwerb der sogenannten<br />
Camarillo-Connie unterzeichnen, die lange<br />
auf dem Airport von Camarillo, Kalifornien,<br />
stationiert war. Am 26. April 2004 startete<br />
die Crew zum Überführungsflug in mehreren<br />
Etappen bis zum Zielflughafen Basel-Mulhouse,<br />
wo der Airliner am 8. Mai von einer großen<br />
Menschenmenge euphorisch empfangen<br />
wurde.<br />
Heute widmen sich fast 3400 Mitglieder,<br />
unterstützt von Sponsoren wie dem Uhrenhersteller<br />
Breitling, dem Erhalt ihres Airliners.<br />
Da die 1955 gebaute Connie rechtlich gesehen<br />
ein Vereinsflugzeug ist, dürfen auch nur Mitglieder<br />
der SCFA mitfliegen. Ein Vereinsbeihaltung<br />
minimiert. Zwei neu überholte Cyclone-Ersatzmotoren<br />
schlummern einsatzbereit<br />
in einer Halle.<br />
Nachdem die erforderlichen Genehmigungen<br />
und Zusagen für Start und Landung der<br />
Connie in Deutschland vorliegen, kann die<br />
Vorfreude nun beginnen: So sind Auftritte<br />
am 11./12. Juni auf dem Flughafen Hahn mit<br />
einem Besuch des nahe gelegenen Flugzeugmuseums<br />
Hermeskeil geplant, wo im Static<br />
Display schon eine Super Constellation zu<br />
sehen ist. Und nach dem großen Erfolg bei<br />
den Tagen der offenen Tür in Speyer im Sommer<br />
2015 wird es dieses Jahr ein Comeback<br />
geben: Am letzten Augustwochenende landet<br />
die Super Connie erneut in Speyer, VFR-<br />
Wetter vorausgesetzt. Dort nimmt sie zusammen<br />
mit weiteren nostalgischen Airlinern an<br />
den erstmals stattfindenden AirlinerClassics<br />
teil. Weitere Landungen auf Flugplätzen in<br />
Südwest- und Norddeutschland sind geplant.<br />
Mehr Informationen rund um die SCFA<br />
und die Super-Constellation-Termine unter<br />
www.superconstellation.org.<br />
ae<br />
Drei wichtige Crewmitglieder<br />
sind Leiter Operations<br />
Ernst Frei, Chef-Bordmechaniker<br />
Rolf Harlacher und<br />
Chefpilot Francisco Agullo (v.l.)<br />
Cockpitatmosphäre:<br />
Der Flugingenieur überwacht<br />
und synchronisiert die vier<br />
Motoren während des Fluges.<br />
Fotos: Jürgen Schelling<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 11
[ NEWS ]<br />
Die Cessna Caravan kann jetzt auch<br />
in Wichita, Kansas, im Simulator<br />
geflogen werden. Flight Safety<br />
International hat für ihre zwei am<br />
Cessna-Standort stationierten<br />
Caravan-Simulatoren von der<br />
amerikanischen Luftfahrtbehörde<br />
FAA die Level-D-Zulassung erhalten.<br />
Die Simulatoren sind mit moderner<br />
Avionik, Garmin G1000<br />
und Garmin G600, bestückt. Das<br />
Breezer Aircraft B600 jetzt als LSA zugelassen<br />
FÜR PILOTEN MIT PPL(A)<br />
Seit 2000 baut Breezer Aircraft in Norddeutschland einmotorige Sportflugzeuge in den Kategorien<br />
Ultraleicht und Experimental. Jetzt ist für Europa das EASA-zugelassene Light Sport Aircraft B600 dazugekommen.<br />
In Nordamerika hat Breezer Aircraft die B600 schon 2009 als LSA auf den Markt gebracht.<br />
Ermutigt von den ersten erfolgreichen Verkäufen hatte der<br />
Hersteller den Zertifizierungsprozess nach den Regeln der<br />
EASA aufgenommen. Gekrönt wurde dieser Prozess jetzt mit<br />
der EASA-Zulassungsurkunde. Die B600 als europäisches LSA<br />
ist weitgehend mit dem US-Modell nach ASTM sowie mit den<br />
bereits in großer Zahl als Ultraleicht oder Experimental fliegenden<br />
Modellen identisch. Und trotzdem war die Zertifizierung<br />
ein aufwendiger Akt. Für Breezer Aircraft ist das Ende des<br />
Verfahrens mit dem erteilten Type Certificate ein Meilenstein<br />
in der Entwicklung des Unternehmens als Flugzeughersteller<br />
der Allgemeinen Luftfahrt.<br />
Stolz posiert das Breezer-Team mit der<br />
Zulassungsurkunde.<br />
dem aktuellen Stand der Technik<br />
entsprechende Vital-1100-Sichtsystem<br />
vermag die Umweltbedingungen<br />
vom Rollen über den Start<br />
und die unterschiedlichsten Verfahren<br />
bis zur Landung quasi<br />
realistisch darzustellen. Dazu ge -<br />
hört die Simulation von Tag und<br />
Nacht sowie der Dämmerung mit<br />
ganz unterschiedlichen Sicht- und<br />
Wetterverhältnissen für das Training<br />
von VFR- und IFR-Anflügen.<br />
DIGITAL-BOX<br />
Gulfstream<br />
G500<br />
Flattertests<br />
Die Flugerprobung der Gulfstream G500 hat einen<br />
Meilenstein erreicht: den Abschluss der<br />
Flattertests. Über 50 Flüge führte der Hersteller<br />
in dieser Phase durch.<br />
Embraer Phenom 300<br />
VOM TURBOPROP ZUM BUSINESS JET<br />
Gleich zwei Embraer Phenom 300 sind um die Jahreswende zu deutschen<br />
Unternehmen gekommen. Ende Januar ersetzte ein norddeutsches<br />
Unternehmen mit dem Jet seine Pilatus PC-12. „Der Sprung vom Turboprop<br />
zur Phenom war kein Problem“, erklärte der Pilot. Vier Wochen<br />
zuvor hatte das Charterunternehmen DAS Private Jets aus Mengen ihre<br />
Phenom 300 im US-Werk von Embraer Executive Jets in Melbourne,<br />
Florida, übernommen. Die Phenom 300 kann bis zu zehn Personen<br />
befördern. Wie ein Verkehrsflugzeug verfügt der Jet über Brake-by-Wire,<br />
Druckbetankung und eine vollwertige Bordtoilette.<br />
DRF fliegt<br />
2015 mehr<br />
Einsätze<br />
Merger für<br />
iPad und<br />
Tablet<br />
Mit der<br />
Antares 23E<br />
zum Rekord<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Im letzten Jahr starteten die rot-weißen Hubschrauber<br />
der DRF Luftrettung bundesweit zu<br />
36 476 Einsätzen. 2014 waren es 35 368.<br />
Auf Tastendruck können jetzt RocketRoute-<br />
Flugpläne direkt in Jeppesens Mobile FliteDeck<br />
JeppView übernommen werden.<br />
Am 7. Januar war Anja Kohlrausch auf Antares<br />
23E schnell: In Namibia erzielte sie einen<br />
Schnitt von 147,9 km/h über ein 500-km-Dreieck.<br />
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12 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Comco Ikarus<br />
FIT FÜR CHINA<br />
SD-Planes stockt auf<br />
ZWEISITZIGE SCHWESTER FÜR DIE SD-1<br />
SD-Planes bringt ab Frühjahr zum einsitzigen „Floh“ SD-1 ein zweisitziges<br />
Modell: Die SD-2 wird nebeneinander angeordnete Sitze, ein<br />
Dreibeinfahrwerk und ein steuerbares Bugrad haben. Konstruiert wird<br />
sie in Holzbauweise, wobei der holzbeplankte Flügel einen Holm in<br />
Faserverbundwerkstoff und Schaumrippen erhält. Das Höhenleitwerk<br />
ist als Pendelruder ausgeführt. Der Doppelsitzer ist nach den LTF-UL/<br />
UL-2 als Ultraleichtflugzeug konzipiert, soll aber auch als Experimental<br />
vertrieben werden. Als Leermasse werden 255 kg angegeben. Die<br />
ersten fünf Exemplare der SD-2 bietet SD-Planes ab Frühsommer zu<br />
einem Einführungspreis an, das Basismodell ohne Rettungssystem<br />
netto für knapp 70 000 Euro. Auch einen Bausatz soll es geben.<br />
3029 066<br />
Flüge hat die DFS im vergangenen Jahr kontrolliert.<br />
Nach den Rückgängen 2011 und 2012 konnte damit erstmals<br />
wieder die Drei-Millionen-Hürde genommen werden.<br />
Bei Comco Ikarus wurden jetzt<br />
Produktion und Qualitätsstandards<br />
von der chinesischen<br />
Luftfahrtbehörde CAAC erneut<br />
unter die Lupe genommen. Danach kann der Hersteller weiterhin in<br />
China aktiv sein. Bereits seit April 2013 ist die speziell für den chinesischen<br />
Markt konzipierte E-Variante der C42 als LSA in China zugelassen.<br />
Der Schulterdecker von Comco Ikarus war das weltweit<br />
dritte LSA, das im Reich der Mitte fliegen durfte. Er darf mit maximal<br />
540 kg Abflugmasse fliegen und bietet mehr als 250 kg Zuladung.<br />
Red Bull Air Race World Championship<br />
IM SEPTEMBER AM LAUSITZRING<br />
Der Red-Bull-Race-Kalender <strong>2016</strong> sieht auch wieder ein Rennen in<br />
Deutschland vor. Der sechste Wettbewerb ist im September am Lausitzring<br />
geplant. Der Auftakt der Rennserie findet im März in Abu Dhabi statt,<br />
danach ist der Rennzirkus in Spielberg, Österreich, zu Gast. Chiba, nur rund<br />
eine Stunde von Tokio entfernt, wird nach dem Erfolg im vergangenen Jahr<br />
im Juni erneut Schauplatz<br />
des Wettbewerbs sein. In<br />
den Folgemonaten gibt<br />
es Gastspiele in Budapest<br />
und in dem eher für<br />
Pferderennen berühmten<br />
Ascot, Großbritannien.<br />
Der Oktober sieht zwei<br />
Veranstaltungen in den<br />
USA vor, in Indianapolis<br />
und in Las Vegas.<br />
Mitsui steigt bei Quest ein<br />
KAPITAL FÜR WEITERE EXPANSION<br />
Part NCC wirft seine Schatten voraus<br />
GBAA UNTERSTÜTZT FLUGZEUGBETREIBER<br />
Part NCC trifft alle, egal ob großer Werksflugbetrieb oder nur Betreiber<br />
eines einzelnen Firmenjets: Fast alle nichtgewerblich operierenden Flugbetriebe<br />
mit Sitz in einem EU-Land müssen bis zum 25. August ihre Handbücher<br />
an die EASA-Vorgaben angepasst haben. Für nicht komplexe<br />
Flugzeuge und Hubschrauber sind dann die Vorgaben des EASA-Annex<br />
VI Part NCC zu erfüllen. Vor allem für kleine Unternehmen bedeutet das<br />
einen unverhältnismäßigen Zeit- und Personalaufwand. Unterstüzung<br />
bietet deshalb jetzt die German Business Aviation Association (GBAA) als<br />
Interessenverband der Werks- und Geschäftsluftfahrt.<br />
Der Kodiak-Hersteller Quest hat mit dem Einstieg des japanischen<br />
Mischkonzerns Mitsui die Basis für eine weitere Expansion seiner Fertigung<br />
geschaffen. Den Anteil von 12,5 Prozent des Turbopropherstellers<br />
in Sandpoint, Idaho, hat Mitsui mit zehn Millionen Dollar bezahlt.<br />
Quest will vorerst im Utility-Sektor bleiben. Hier sieht Sam Hill aus<br />
der Geschäftsführung das größte Potenzial für die Firma. Intensiviert<br />
werden soll vor allem der Verkauf. Für <strong>2016</strong> hat Quest Aufträge für<br />
42 Kodiak. Langfristig ist auch eine weitere Produktionsstätte geplant.<br />
Fotos: Atlas Air Service, Breezer, Comco Ikarus, Flight Safety, Kayser, Quest, Red Bull, SD-Planes<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 13
[ MOTORFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
Cobalt Co50 Valkyrie<br />
DIE EDLE WAL<br />
Illustration und Foto: Cobalt Aircraft<br />
Das Design: futuristisch. Die Technik: modern. Die<br />
Leistung: an der Spitze. David Lourys Kreation mausert<br />
sich zum respektablen Projekt. Und auch eine Zielgruppe<br />
scheint der 38-jährige Ingenieur ausgemacht zu haben.<br />
14 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
KÜRE<br />
F<br />
ür die einen ist David Loury<br />
ein Spinner, für die anderen<br />
ein Träumer, manch einer<br />
hält ihn gar für ein Phantom.<br />
Ende vergangenen Jahres hat es der<br />
charmante Franzose mit dem jungenhaften<br />
Lachen jedoch allen Zweiflern<br />
gezeigt: Seine Cobalt Co50 Valkyrie<br />
wurde in San Francisco einer breiten<br />
Öffentlichkeit vorgestellt – und kann<br />
ab sofort bestellt werden.<br />
Mit Neuentwicklungen ist es in<br />
der Fliegerei so eine Sache. Die Luftfahrt<br />
zieht seit jeher eine Menge<br />
Menschen an, die entweder viel Begeisterung,<br />
aber keine finanziellen<br />
Mittel oder aber einen Haufen Geld<br />
mitbringen, aber kein Konzept haben.<br />
Als der 38-jährige Ingenieur vor knapp<br />
zehn Jahren den ersten Sketch des<br />
eigenen Flugzeugs zeichnete, ahnte<br />
er nicht, wohin die Reise gehen und<br />
wie beschwerlich der Weg sein würde.<br />
Was Loury auszeichnet, sind<br />
Hartnäckigkeit und koordiniertes<br />
Vorgehen. Diese Eigenschaften haben<br />
es dem ehemals angestellten Manager<br />
erlaubt, eine kleine Sensation<br />
abzuliefern: einen neuen Entenflügler<br />
in Composite-Bauweise, der nun<br />
in der Flugerprobung und auf dem<br />
besten Weg zur FAA-Zulassung ist!<br />
Alles begann mit der Cobalt-Gründung<br />
im Jahr 2007. Auf dem Höhepunkt<br />
der Finanzkrise in Amerika mussten<br />
Partner gefunden werden, die das<br />
Projekt unterstützten. Die Auswahl<br />
der Zulieferer war ebenfalls eine Herausforderung,<br />
denn trotz des Stateof-the-Art-Designs<br />
steckt viel Bewährtes<br />
unter der spiegelglatten Haut der<br />
Co50: Der Motor kommt von Teledyne-Continental,<br />
der Propeller von<br />
Hartzell, und bei der Avionik wird es<br />
eine Option auf „Full Glass“ von Garmin<br />
geben.<br />
Edles Interieur: Die<br />
Sidesticks fügen sich<br />
harmonisch ins moderne<br />
Ambiente ein.<br />
AUTOR:<br />
David Kromka<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 15
[ MOTORFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
Daten Cobalt Co50 Valkyrie<br />
Hersteller: Cobalt Aircraft, USA<br />
Sitzplätze: 5 Bauweise: Faserverbund<br />
Verwendung: Reise- und Sportflugzeug<br />
Antrieb Continental TSIO-F 550 350 PS<br />
Spannweite <br />
10,24 m<br />
Länge <br />
7,76 m<br />
Höhe <br />
2,84 m<br />
Leermasse <br />
1000 kg<br />
MTOM <br />
1550 kg<br />
Tankinhalt <br />
109 USG<br />
Reichweite <br />
1050NM<br />
VReise<br />
220 kt<br />
Vmax <br />
260 kt<br />
Dienstgipfelhöhe <br />
25000 ft<br />
Preis (certified aircraft) 699 000 USD<br />
Fotos: David Kromka, Cobalt Aircraft<br />
Das absolut ungewöhnliche<br />
Design des Canard-<br />
Flugzeugs dürfte die<br />
Cobalt zum Hingucker auf<br />
jedem Flugplatz machen.<br />
VIDEO COBALT CO50<br />
Sie möchten sich ein<br />
Video vom Erstflug der<br />
Cobalt ansehen? Dann<br />
scannen Sie einfach<br />
diesen QR-Code oder<br />
geben Sie<br />
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erstflug_cobalt ein.<br />
Das Herz der Valkyrie,<br />
ein Continental TSIO-550F,<br />
soll eine Höchstgeschwindigkeit<br />
von 260 Knoten<br />
ermöglichen.<br />
Die Valkyrie ist eine komplette<br />
Neuentwicklung und bestenfalls auf<br />
den ersten Blick mit den bekannten<br />
Canards vergleichbar. Mit mehr als<br />
zehn Metern Spannweite, knapp acht<br />
Metern Länge und einer Höhe von<br />
fast drei Metern ist der schwarze<br />
Vogel ein imposantes Flugzeug, das<br />
durch seine breite Kabine beeindruckt.<br />
Gerade hier kann die Cobalt ihre<br />
französischen Gene nicht verstecken,<br />
kommt doch die Innenausstattung in<br />
Gestalt von Ledersitzen daher, die<br />
Schneider der Pariser Nobelmarke<br />
Hermès herstellen.<br />
2010 feierte das erste 1:1-Modell<br />
beim AirVenture in Oshkosh seine<br />
Publikumspremiere. Damals glaubte<br />
Loury, drei bis vier Jahre später die<br />
ersten Maschinen ausliefern zu können,<br />
doch sowohl technische als auch<br />
finanzielle Herausforderungen erwiesen<br />
sich als komplexer als gedacht.<br />
Erste Tests in Kalifornien verliefen<br />
erfolgreich, und im Jahr 2012 verlegte<br />
das Unternehmen seinen Sitz nach<br />
Saguenay in Kanada. Auf dem Militärflugplatz<br />
Bagotville erfolgten dann<br />
der „First Hop“ sowie umfangreiche<br />
Komponententests.<br />
MIT 260 KNOTEN TOPSPEED SOLL DIE VAL<br />
Canardflugzeuge sind naturgemäß<br />
avantgardistischer Natur. Bislang hat<br />
es kein Projekt zu übergroßem kommerziellen<br />
Erfolg gebracht, was zu<br />
einem Teil sicherlich an der konservativen<br />
Grundeinstellung der Pilotenschaft<br />
liegt. In bestimmten Nischen<br />
gehören Canards wie der Business-<br />
Turboprop Piaggio Avanti jedoch zu<br />
den absoluten High-Performern. In<br />
eine solche Nische zielt auch die Co50:<br />
Zwischen High-End-Kolbenmotorflugzeugen<br />
wie Cirrus oder Mooney und<br />
kleineren Turboprops möchte Loury<br />
seine Valkyrie positionieren. Was in<br />
der Automobilbranche seit einigen<br />
Jahren zu beobachten ist, gilt nun<br />
auch für die Luftfahrt: Kein Marktsegment<br />
wird ausgelassen.<br />
Die Leistungsdaten des Flugzeugs<br />
versprechen Großartiges: Nichts weniger<br />
als die schnellste Kolben-Einmot<br />
soll die Valkyrie werden, 260 Knoten<br />
sind als Höchstgeschwindigkeit angepeilt.<br />
Beim Überschreiten der<br />
Höchstgeschwindigkeit bremsen<br />
hydraulisch betätigte Airbrakes die<br />
Auch von unten hat die Cobalt Co50 Valkyrie eine<br />
unverwechselbare Silhouette.<br />
Valkyrie automatisch ab. Im ökonomischen<br />
Reiseflug sollen 220 Knoten<br />
erreicht werden, der turbogeladene<br />
Continental TSIO-550F mit FADEC-<br />
Einhebelbedienung wird sich dabei<br />
rund 17 Gallonen pro Stunde genehmigen.<br />
Avgas versteht sich, denn<br />
Versionen mit Diesel oder gar Turbopropantrieb<br />
sind in Lourys Planungen<br />
bislang Zukunftsmusik.<br />
Um die Reiseflugphase in den höheren<br />
Flight Levels ausnutzen zu<br />
können, verfügt die Valkyrie über<br />
eine eingebaute Sauerstoffanlage.<br />
Das Design mit der großen Haube<br />
erlaubt ohnehin keine Druckkabine.<br />
Dafür bietet es einen fantastischen<br />
Ausblick mit 320-Grad-beinahe-Rundumsicht.<br />
Mit so vielen neuartigen<br />
Features zielt die Co50 nunmehr auf<br />
eine Käuferschicht, die mit iPhones<br />
und Tesla-Autos groß wird. Daher<br />
war es nur logisch, dass Cobalt vor<br />
knapp zwei Jahren dorthin zurückkehrte,<br />
wo alles begann: nach Kalifornien.<br />
Auf dem Hayward Airport<br />
bei San Francisco ist das Unternehmen<br />
nahe bei den Menschen, die zu den<br />
wichtigsten Kunden werden sollen,<br />
den wohlhabenden Design- und Technikfreaks<br />
aus dem Silicon Valley. Die<br />
dürften sich freuen, dass Cobalt neben<br />
der kanadischen Esterline-Avionik<br />
auch eine Lösung mit Garmin-<br />
Geräten anbieten wird.<br />
Um die Kundschaft nicht mit den<br />
luftfahrttypischen Zulassungszyklen<br />
zu überfordern, hat sich Loury etwas<br />
Neues ausgedacht. Ab Herbst <strong>2016</strong><br />
soll die Co50 als Experimental ausgeliefert<br />
werden, Bau durch Cobalt-<br />
Mitarbeiter inklusive. Early Adopters<br />
können so hoffen, nicht bis zur avi-<br />
16 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
[ 1 ] [ 2 ]<br />
KYRIE NICHTS WENIGER ALS DIE SCHNELLSTE EINMOT WERDEN<br />
sierten FAA-Zulassung Ende 2017<br />
auf ihr Spielzeug warten zu müssen.<br />
Mit 595 000 Dollar liegt die Valkyrie<br />
X (für Experimental) zudem über<br />
100 000 Dollar unter dem Listenpreis<br />
für die ersten 50 Standardflugzeuge.<br />
Die sind auch schon reserviert, 66<br />
Bestellungen liegen für die Valkyrie<br />
bereits vor.<br />
Im Frühjahr 2015 erfolgte der erste<br />
größere Flug mit der Valkyrie. Gesteuert<br />
wurde sie von Testpilot Mark<br />
Stucky, einem ehemaligen NASA- und<br />
Airforce-Piloten. Stucky ist mit den<br />
Flugleistungen recht zufrieden und<br />
wird gemeinsam mit seinem ebenfalls<br />
berühmten Testpilotenkollegen Mike<br />
Melvill die weitere Flugerprobung<br />
leiten. Die größten Probleme scheint<br />
Cobalt bereits im Griff zu haben: Dem<br />
<strong>aerokurier</strong> versicherte David Loury,<br />
dass es keine Kühlprobleme mit dem<br />
rückseitig eingebauten Triebwerk<br />
gibt. Große Einlässe oben und unten<br />
führen genug Frischluft zum Motor.<br />
Man darf gespannt sein auf den ersten<br />
Pilot Report.<br />
ae<br />
[ 1 ] David Loury (3. v. l.) im<br />
Kreise von Partnern, mit<br />
denen er seine Vision reali -<br />
siert hat. [ 2 ] Mäuse kino:<br />
Der Uhrenladen hat in der<br />
Cobalt ausgedient, alle<br />
Infos gibt es auf Wunsch<br />
digital aufs Display.
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
SCHLUCK<br />
Foto: Jet Warbird Training Center<br />
MIT CHARA<br />
18 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
AUTOR: Peter Schneider<br />
Lockheed T-33 „T-Bird“<br />
SPECHT<br />
KTER<br />
<strong>aerokurier</strong><br />
Männer sind wie Kinder, nur die Spielzeuge<br />
sind teurer. Vor allem, wenn die großen Jungs<br />
einen Pilotenschein haben. Große Jungs wie<br />
<strong>aerokurier</strong>-Autor Peter Schneider. Der hat sich<br />
den Traum vom Jetfliegen in Santa Fe erfüllt.<br />
3/<strong>2016</strong> 19
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ] [ 3 ]<br />
[ 1 ] Briefing am Flugzeug:<br />
<strong>aerokurier</strong>-Autor Peter<br />
Schneider mit Larry<br />
Salganek, Betreiber des<br />
Jet Warbird Training<br />
Centre. [ 2 ] Blick auf die<br />
linke Fläche mit Tip-Tank.<br />
[ 3 ] Probesitzen in der<br />
ersten Reihe.<br />
Y<br />
ou have it!“, schallt es vom<br />
Vordersitz, kaum dass wir<br />
in der Luft sind. Ich bestätige.<br />
Das Erste, was ich feststelle,<br />
sind sogenannte pilot induced<br />
oscillations um die Längsachse, ein<br />
Aufschaukeln durch verzögerte Steuereingaben.<br />
Das hatte ich erwartet<br />
und erinnere mich an die Einweisung:<br />
einfach den Stick festhalten, die Querruder<br />
ruhen lassen und abwarten.<br />
Bei etwa 1000 Fuß über Grund gehen<br />
die Warnlichter der Tip-Tanks an. Der<br />
Sprit darin ist bereits verbrannt, umgesetzt<br />
zu 75 Prozent in Hitze und<br />
Lärm, zu 25 Prozent in Schub. 22 Kilonewton<br />
leistet das Radialkompressor-Triebwerk<br />
Rolls-Royce Nene und<br />
genehmigt sich dabei satt Kerosin.<br />
Der Deutsche Hans von Ohain hatte<br />
während des Zweiten Weltkriegs diesen<br />
Triebwerkstyp entwickelt, es flog<br />
sogar früher als das von Frank Whittle<br />
entwickelte britische Pendant.<br />
Rückblick. Ein Jahr ist es her, dass<br />
ich im Jet Warbird Training Center<br />
Santa Fe im US-Bundesstaat New<br />
Mexico mit der L-39 Albatros, einem<br />
Jettrainer aus der Tschechoslowakei,<br />
geflogen bin. Nach dem letzten Flug<br />
setzte mir damals Larry Salganek,<br />
Gründer dieses Eldorados für große<br />
Jungs mit Pilotenschein, den Floh mit<br />
der T-33 ins Ohr. Zwölf Monate später<br />
zwickt´s mich.<br />
Die Lockheed T-33, besser bekannt<br />
als T-Bird, wurde aus dem ersten Jet<br />
Fighter, der Lockheed P 80 Shooting<br />
Star, entwickelt. Dies war notwendig,<br />
20 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
[ 4 ]<br />
[ 4 ] Corpus Delicti: Das Bugrad ist ungesteuert und frei drehbar. Steht es quer, muss<br />
es ein Helfer ausrichten. [ 5 ] Im Uhrenladen: Das vordere Cockpit versprüht den<br />
Charme aus der ersten Phase des Jetzeitalters. Die Elektronik beschränkt sich auf<br />
Funk, VOR-Empfänger, ADF und Transponder. [ 6 ] Parade: Mit voll gesetzten Klappen<br />
ist die T-Bird eine imposante Erscheinung. Die Tip-Tanks fassen je 890 Liter Kerosin.<br />
[ 5 ]<br />
[ 6 ]<br />
Fotos: Peter Schneider, JWTC<br />
weil es bei der Umschulung der Piloten<br />
von propellergetriebenen Flugzeugen<br />
wie der Mustang oder der<br />
Corsair infolge der schwieriger zu<br />
fliegenden Turbojettriebwerke der<br />
neuen Jets zu zahlreichen Unfällen<br />
kam. Ein zweisitziger Trainer für die<br />
Umschulung musste her. Dies lösten<br />
die Konstrukteure, indem sie den<br />
Rumpf um einen Meter verlängerten<br />
und einen zweiten Sitz einbauten.<br />
Fast 5700 T-Bird-Trainer wurden zwischen<br />
1948 und 1951 gebaut, in<br />
Deutschland waren mehr als 150<br />
davon stationiert. Die Version in Santa<br />
Fe ist eine CT133 Mk 3 Silver Star,<br />
ein kanadischer Lizenzbau von Canadair<br />
aus dem Jahr 1954, und sehr<br />
schön in den Farben der Kunstflugstaffel<br />
Thunderbirds bemalt. Ich bin beeindruckt<br />
von diesem Flugzeug und<br />
freue mich auf den Flug.<br />
Aber es gibt ein Problem: Ohne<br />
Jet-Rating darf ich laut Regeln der<br />
FAA und der TSA kein Flugzeug über<br />
12 000 englischen Pfund vom vorderen<br />
Sitz aus fliegen, und mit seiner<br />
maximalen Abflugmasse von mehr<br />
als 15 000 Pfund ist die Silver Star mehr<br />
als nur ein bisschen zu schwer. Allerdings<br />
befinden sich im vorderen<br />
1000 FUSS GND. DIE WARNLICHTER DER TIP-TANKS<br />
GEHEN AN. 250 LITER KEROSIN SIND VERBRANNT<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 21
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
Die T-33 entstand aus der<br />
Lockheed P-80 Shooting<br />
Star. Ihr Rumpf wurde um<br />
einen Meter verlängert,<br />
um einen zweiten Sitz<br />
unterzubringen.<br />
Die Parameter im Blick:<br />
Kabinendruck- und<br />
g-Kräfte-Anzeigen im<br />
klassischen Uhrendesign.<br />
22 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong><br />
Cockpit wichtige Bedienelemente,<br />
die es hinten nicht gibt. Sei´s drum,<br />
es macht Spaß genug, als Backseater<br />
fliegen zu dürfen.<br />
Zunächst steht Theorie an. Den<br />
Ground-School-Unterricht teile ich<br />
mir mit Todd, einem Verkehrspiloten<br />
und Kunstfluglehrer aus Scottsdale,<br />
Arizona, der mit seiner wunderschönen<br />
T-34 Mentor nach Santa Fe angereist<br />
ist, um einen fünfstündigen<br />
Check-out auf der T-Bird zu machen.<br />
Alles an und in diesem Vogel funktioniert<br />
hydraulisch oder elektrisch,<br />
Elektronik gibt es außer den alten<br />
Funkgeräten nicht. Um einzusteigen,<br />
braucht es gar eine Leiter. Beim Anlassen<br />
des Triebwerks ist Vorsicht<br />
geboten: Die Auslasstemperatur darf<br />
die rote Linie in der Anzeige nicht<br />
übersteigen, während man die<br />
Spritzufuhr von Hand regelt. Das<br />
könnte schon bei 20 Knoten<br />
Rückenwind passieren, wenn der ins<br />
Auslassrohr bläst. Zum Anlassen selbst<br />
ist ein externes Aggregat vonnöten,<br />
das 2000 Ampere bei 24 Volt liefert,<br />
um die Bordbatterien zu schonen.<br />
Das Kraftstoffsystem erfordert<br />
besondere Beachtung. Nach dem<br />
Befüllen von sieben Tanks einschließlich<br />
der beiden Flügelspitzentanks,<br />
die allein je 890 Liter fassen, stellt<br />
man den mechanischen Fuel Totalizer<br />
in beiden Cockpits auf die Menge<br />
Sprit an Bord ein, in unserem Fall gut<br />
1400 Liter. Er tickt nach imperial gallons,<br />
während die Abgabe des Tanklasters<br />
in den etwas größeren US-<br />
Gallonen zählt. Dieser kleine Unterschied<br />
ist dann ein Sicherheitspolster.<br />
Für unsere „Mission“ tanken wir nur<br />
120 Liter in jeden Tip-Tank und füllen<br />
alle anderen Tanks mit weiteren 1200<br />
Litern Kerosin auf. Die letzten 150<br />
Liter rauschen in den Centertank, sie<br />
sind die eiserne Reserve.<br />
Die Checks sind durch, wir rollen<br />
zur Startbahn. Das fühlt sich an wie<br />
Froschhüpfen: Das Bugrad ist ungesteuert<br />
frei drehbar um einen sehr<br />
kurzen Hebelarm. Man muss sehr<br />
kurze differenzierte Bremsimpulse<br />
auf die Hauptfahrwerksräder geben,<br />
um ein Übersteuern des Bugrades zu<br />
vermeiden. Das verursacht das typische<br />
Nicken des Rumpfes während<br />
des Rollens. Wenn man es falsch macht<br />
und einen zu engen Radius einbremst,<br />
muss jemand von außen das Bugrad<br />
wieder geraderichten, weil es sich<br />
nicht mehr von selbst geradestellt.<br />
Wir sind abflugbereit. Am Start<br />
muss der Schubhebel sehr langsam<br />
unter Beobachtung der Abgastemperatur<br />
nach vorne geschoben werden,<br />
um eine Überhitzung und Zerstörung<br />
der Brennkammern zu vermeiden. So<br />
produziert die Düse ohne Fahrtwind<br />
viel weniger als 5200 lbs Schub, und<br />
man braucht ungewohnt lange, um<br />
Speed aufzuholen. Bei 50 Knoten wird<br />
das Ruder effektiv, die Rotationsgeschwindigkeit,<br />
also das Tempo, bei<br />
dem das Bugrad abhebt, ist bei 100<br />
Knoten erreicht. Die zähe Beschleunigung<br />
verbraucht beträchtliche zwei<br />
Drittel der 8400 Fuß langen Startbahn.<br />
Mit 220 Knoten steigen wir auf<br />
16 000 Fuß, und ich nehme Kurs auf<br />
die Training Area über dem Cochiti-<br />
Stausee des Rio Grande etwa zehn<br />
Meilen entfernt. Die Steigrate beträgt<br />
etwa 3500 ft/min. Bei 340 Knoten<br />
versuche ich dort ein paar gesteuerte<br />
Rollen nach rechts und nach links,<br />
für die der Bug zuvor etwa 15 Grad<br />
anzuheben ist. In dieser Höhe verbrennt<br />
der Jet rund 320 Gallonen pro<br />
Stunde bei 87 Prozent Schub. Larry<br />
kümmert sich mit den Tankwahlschal-<br />
BEI SCHUB UNTER 40 PROZENT SIND<br />
SCHWEISSAUSBRÜCHE GARANTIERT
Daten Lockheed T-33<br />
Spannweite<br />
11,85 m<br />
Länge<br />
11,61 m<br />
Höhe<br />
3,56 m<br />
Flügelfläche 21,81 m 2<br />
Leermasse<br />
3667 kg<br />
MTOM<br />
6561 kg<br />
Triebwerk Rolls-Royce Nene Mk 10<br />
Schub<br />
22 kN<br />
V NE <br />
880 km/h<br />
Dienstgipfelhöhe<br />
14 600 m<br />
[ 1 ] [ 2 ]<br />
Fotos: Peter Schneider, JWTC<br />
tern, die nur im vorderen Cockpit<br />
installiert sind, um das Spritmanagement.<br />
Nun habe ich einen Looping<br />
vor. Dazu brauchen wir eine Mindestgeschwindigkeit<br />
von 350 Knoten, die<br />
ich durch Anstechen in etwa 11 000<br />
Fuß erreiche. Mit 4 g geht es bei<br />
gleichzeitiger Muskelpumpe und<br />
Pressatmung aufwärts und über den<br />
Top in 17 500 Fuß, dann nach unten<br />
mit ziemlich lang gezogenen Backen.<br />
Als Nächstes frage ich Larry, ob<br />
er übernimmt und ein paar Rollen mit<br />
anschließendem Looping ausführt,<br />
damit ich die Hände zum Filmen frei<br />
habe. Er schlägt statt der Rolle einen<br />
Immelmann vor – auch gut. Nach<br />
diesem Spaß übernehme ich wieder<br />
und mache high speed und low speed<br />
stalls, die mit kräftigem Schütteln<br />
eintreten und mit Nachlassen am<br />
Höhenruder umgehend ausgeleitet<br />
sind. Zurück auf Platzrundenhöhe,<br />
muss ich den Jet bei 40 Prozent Schub<br />
und mit Speedbrakes auf unter 200<br />
Knoten bringen. Ich versuche ein paar<br />
Touch-and-Go-Landungen unter Beachtung<br />
von Schub und Speed in<br />
Abhängigkeit von Klappenstellung<br />
und Fahrwerk. Der Schub sollte nie<br />
unter 40 Prozent fallen, man riskiert<br />
sonst Schweißausbrüche wegen der<br />
Verzögerung, bis das Triebwerk wieder<br />
genügend Schub liefert. Ein Softstop<br />
am Hebel markiert diesen Wert.<br />
Es gelingt mir gut, und ich erreiche<br />
den Aufsetzpunkt mit 110 Knoten.<br />
Langsam vollen Schub geben und die<br />
Klappen auf zehn Grad einfahren, und<br />
der Jet hebt wieder ab.<br />
Für die Landung übernimmt Larry<br />
die Controls. Es gilt, sanft zu verzögern<br />
und die ganze Pistenlänge zu<br />
nutzen, um eine Überhitzung der<br />
Bremsen zu vermeiden. Wenn dies<br />
geschieht, ist der Weg nahezu vorgezeichnet:<br />
rechts oder links ab von<br />
der Piste … In diesem Fall muss man<br />
sofort die Haube hochfahren. Die hilft<br />
ein bisschen als air brake, aber – und<br />
das ist viel wichtiger – man hat dann<br />
eine Chance, aus dem Cockpit zu<br />
kommen, meint Larry. Heiße Schleudersitze<br />
gibt es nämlich nicht. ae<br />
[ 1 ] Spritmanagement:<br />
Wenn die Lampen<br />
leuchten, sind die<br />
jeweiligen Treibstofftanks<br />
leer. [ 2 ] Charaktervogel:<br />
Das Flugbild der T-33 ist<br />
unverwechselbar.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 23
WÄHLEN UND<br />
Auch in diesem Jahr verleiht<br />
der <strong>aerokurier</strong> seinen<br />
Innovation Award. Welche<br />
Firma diese prestigeträchtige<br />
Auszeichnung erhalten<br />
soll, bestimmen Sie!<br />
Und Sie können dabei<br />
attraktive Preise gewinnen.<br />
Sie, liebe Leser, bestimmen, welches Produkt<br />
mit dem <strong>aerokurier</strong> Innovation<br />
Award ausgezeichnet wird. Wir stellen<br />
auf den folgenden Seiten und auf www.<br />
leserumfragen.de/<strong>aerokurier</strong> in den Kategorien<br />
Motorflugzeug, Avionik, Business Jet, Antrieb,<br />
UL/LSA und Tragschrauber Produkte zur<br />
Wahl. Zusätzlich verleihen wir in vier weiteren<br />
Kategorien den Preis „Beste Marken“. Füllen<br />
Sie die beigeheftete Postkarte vollständig aus<br />
und schicken Sie sie an uns. Oder rufen Sie im<br />
Internet die Seite www.leserumfragen.de/<strong>aerokurier</strong><br />
auf, geben Sie den Teilnehmer-Code<br />
von der beigehefteten Postkarte ein und<br />
stimmen Sie ab, wer in diesem Jahr ausgezeichnet<br />
werden soll. Die Preisträger werden am ersten<br />
Tag der Luftfahrtmesse AERO in Friedrichshafen<br />
bekanntgegeben. Als Dankeschön für<br />
Ihre Teilnahme an der Abstimmung verlosen<br />
wir unter allen Teilnehmern acht attraktive<br />
Preise im Wert von mehr als 4300 Euro, darunter<br />
als ersten Preis einen Fortis B-42 Stratoliner<br />
Black Chronograph im Wert von 2980 Euro.<br />
Fotos: Hersteller<br />
1. Preis<br />
Fortis B-42 Black<br />
Chronograph<br />
mit Lederband schwarz, Automatik,<br />
Titan PVD schwarz Ø 42 mm, Saphirglas<br />
beidseitig entspiegelt, Bodenprägung<br />
mit den Hoheitszeichen der<br />
russischen Raumfahrtinstitutionen,<br />
wasserdicht 200 m / 20 bar<br />
Wert: 2.980 €<br />
www.fortis-watches.com<br />
2. Preis<br />
Doppelfenster<br />
Bar „Rühmann“<br />
Die Bar aus originalen Kabinenfenstern<br />
eines Airbus 320. Auf Wunsch mit<br />
individueller Airlinelackierung. Ein<br />
Datenblatt des Ursprungsflugzeuges<br />
erhalten Sie ebenfalls auf Wunsch.<br />
Maße: zirka 75 x 100 x 15 cm.<br />
Hochglanzpoliert<br />
Wert: 545,38 €<br />
www.flugzeugmoebel.de<br />
Die Abstimmung zum <strong>aerokurier</strong> Innovation Award endet<br />
am 30. März um 23.59 Uhr. Die Gewinner werden durch<br />
das Los ermittelt und ihre Namen veröffentlicht.<br />
Mitarbeiter der Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG<br />
sowie deren Angehörige sind von der Teilnahme ausgeschlossen.<br />
Es werden ausschließlich Sachpreise verlost,<br />
eine Barauszahlung ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist<br />
ausgeschlossen.<br />
24 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
GEWINNEN<br />
5. Preis: Flugzeugmodell<br />
Thai Airways Airbus A380-800<br />
von Herpa im Maßstab 1:200, Wert: 79 €<br />
6. Preis: Flugzeugmodell<br />
Swiss International Air Lines<br />
Airbus A340-300<br />
von Herpa im Maßstab 1:200, Wert: 69,50 €<br />
3. Preis<br />
Winglet Replika<br />
Couchtisch „Bobby“<br />
Alu, Maße: 45 x 50 x 160 cm<br />
Wert: 377,31 €<br />
www.flugzeugmoebel.de<br />
7. Preis: Flugzeugmodell<br />
British Airways Boeing 787-8<br />
Dreamliner<br />
von Herpa im Maßstab 1: 200, Wert: 69,50 €<br />
4. Preis<br />
TOTAL-Tankgutschein<br />
für 100 Liter Avgas, einlösbar an allen deutschen<br />
Flugplätzen mit TOTAL-Agenturen. Wert: ca. 200 €<br />
www.total.de<br />
8. Preis: Flugzeugmodell<br />
Emirates Airbus A340-500<br />
von Herpa im Maßstab 1:200, Wert: 59 €<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 25
KATEGORIE A/MOTORFLUGZEUG<br />
Aquila Aviation A211<br />
Cirrus SR22T Accelero<br />
So wird gewählt:<br />
Wählen Sie für jede der sechs Kategorien<br />
Ihren Favoriten – nur einen pro Kategorie<br />
– unter der Angabe des Kennbuchstabens<br />
und der folgenden Zahl. In allen<br />
Kategorien wird der Innovation Award<br />
verliehen. Teilnahmekarten finden Sie hier<br />
im Heft oder Sie nehmen online teil:<br />
www.leserumfragen.de/<strong>aerokurier</strong><br />
Aquila baut den Zweisitzer A211 in<br />
Schönhagen südlich von Berlin.<br />
Diamond Aircraft DA62<br />
A-01<br />
Die SR22T Accelero ist das<br />
Topmodell der SR-Familie.<br />
Flight Design C4<br />
A-02<br />
Bei der online-Teilnahme bitte den<br />
Teilnehmer-Code von der beigehefteten<br />
Postkarte verwenden.<br />
Jeder Teilnehmer mit richtig frankierter<br />
Postkarte und einem vollständigen<br />
Absender hat die Chance, einen Preis zu<br />
gewinnen. Die Gewinner werden durch<br />
das Los ermittelt. Teilnahmeschluss<br />
ist der 30. März <strong>2016</strong>. Eine Barauszahlung<br />
der Preise ist nicht möglich.<br />
Mitarbeiter der Motor Presse Stuttgart<br />
sowie deren Angehörige dürfen nicht<br />
teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.<br />
Die DA62 setzt Maßstäbe bei den<br />
Kolbenmotor-Zweimots.<br />
Mooney M10T<br />
A-<strong>03</strong><br />
Flight Design hat die C4 im vergangenen<br />
Jahr in die Luft gebracht.<br />
Piper Archer DX<br />
A-04<br />
Veranstalter:<br />
Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG,<br />
Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart<br />
Fotos: Hersteller, Boric, Ganzmann, Herzog, Holland-Moritz,<br />
Koch, Thomalla, Zembold<br />
Der Prototyp der Mooney M10T<br />
flog im Dezember zum ersten Mal.<br />
A-05<br />
Die Piper Archer DX wird serienmäßig<br />
mit Dieselmotor verkauft.<br />
A-06<br />
Pipistrel Panthera<br />
Robin DR401 ecoflyer<br />
Tecnam P2010<br />
Der schlanke Viersitzer wird jetzt<br />
von einem IO-540-V angetrieben.<br />
A-07<br />
Der Antrieb der DR401 ecoflyer ist<br />
ein CD-155-Dieselmotor.<br />
A-08<br />
Tecnams P2010 verfügt über einen<br />
Kohlefaserrumpf und Metallflügel.<br />
A-09<br />
26 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong><br />
WÄHLEN UND GEWINNEN SIE!
KATEGORIE B/JET<br />
Cessna Citation M2<br />
Cirrus SF50 Vision<br />
Dassault Falcon 8X<br />
Cessna hat in zwei Jahren über 100<br />
Citation M2 ausgeliefert.<br />
B-10<br />
In diesem Jahr soll der Einstrahler<br />
endlich seine Zulassung erhalten.<br />
B-11<br />
Die dreistrahlige Falcon 8X soll<br />
Mitte <strong>2016</strong> zertifiziert werden.<br />
B-12<br />
Eclipse 550<br />
Embraer Legacy 450<br />
Gulfstream G500<br />
Die Eclipse 550 ist die aktuellste<br />
Version des ersten Very Light Jets.<br />
HondaJet<br />
B-13<br />
Die Legacy 450 verfügt über ein<br />
komplettes Fly-by-Wire-System.<br />
Pilatus PC-24<br />
B-14<br />
Die Gulfstream G500 flog im Mai<br />
2015 zum ersten Mal.<br />
KATEGORIE C/AVIONIK<br />
Avidyne Entegra<br />
B-15<br />
Der HondaJet wurde im Dezember<br />
vergangenen Jahres zugelassen.<br />
B-16<br />
Die ersten drei Produktionsjahre<br />
der PC-24 sind schon ausverkauft.<br />
B-17<br />
Das Entegra Release 9 gibt‘s für<br />
Cirrus-, Piper- und Extra-Flugzeuge.<br />
C-18<br />
Dynon Avionics SkyView<br />
FLARM PowerFLARM<br />
Garmin G3000<br />
Das Avionikpaket aus den USA<br />
findet immer mehr Anhänger.<br />
C-19<br />
PowerFLARM hat in Europa schon<br />
eine weite Verbreitung gefunden.<br />
C-20<br />
Das G3000 ist unter anderem im<br />
HondaJet im Einsatz.<br />
C-21<br />
Stimmen Sie bis zum 30. März <strong>2016</strong> unter www.leserumfragen.de/<strong>aerokurier</strong> online ab<br />
und geben Sie den Teilnehmer-Code von der beigehefteten Postkarte ein.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 27
KATEGORIE C/AVIONIK<br />
Honeywell Apex<br />
Moving Terrain<br />
Rockwell Collins Pro Line Fusion<br />
Das Honeywell Apex ist auch in<br />
der Pilatus PC-12 im Einsatz.<br />
C-22<br />
Die Avionik von Moving Terrain<br />
besticht durch ihre Kompaktheit.<br />
C-23<br />
Unter anderem nutzt die Embraer<br />
Legacy 500 das Pro Line Fusion.<br />
C-24<br />
KATEGORIE D/ANTRIEB<br />
Stauff Systec Flymap<br />
Austro Engine AE300<br />
BRP-Powertrain Rotax 912 iS Sport<br />
Flymap ist ein Vorreiter unter den<br />
VFR-Avioniksystemen.<br />
C-25<br />
Austro Engine bietet mit dem<br />
AE300 einen starken Flugdiesel an.<br />
D-26<br />
Den Standardmotor bei den ULs/<br />
LSAs gibt‘s auch als Einspritzer.<br />
D-27<br />
Continental Motors CD-155<br />
SMA SR305-230<br />
Textron Lycoming iE2<br />
Der CD-155 ist auch auf dem<br />
Nachrüstmarkt erfolgreich.<br />
D-28<br />
Der sma-Motor ist unter anderem<br />
in der Cessna 182 JT-A zu finden.<br />
D-29<br />
Der iE2 für Tecnams P2012 verfügt<br />
über eine elektronische Zündung.<br />
D-30<br />
KATEGORIE E/TRAGSCHRAUBER<br />
AutoGyro Free<br />
Brako Gyro GT<br />
Celier Aviation Xenon Executive<br />
Der Free ist ein Spaßgerät für<br />
Puristen mit Nehmerqualitäten.<br />
E-31<br />
Solide Leistungen und klassisches<br />
Design zeichnen den GT aus.<br />
E-32<br />
Der Executive ist das Flaggschiff<br />
von Celier Aviation.<br />
E-33<br />
28 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong><br />
WÄHLEN UND GEWINNEN SIE!
KATEGORIE E/TRAGSCHRAUBER<br />
Magni Gyro M24<br />
Niki Rotor Aviation Lightning<br />
Trixy TrixFormer<br />
Mit dem M24 bietet auch Magni<br />
Gyro ein Side-by-side-Cockpit.<br />
E-34<br />
Der Prop im Ausleger hebt den<br />
Lightning von der Konkurrenz ab.<br />
E-35<br />
Tragschrauber und E-Motorrad?<br />
Der Trixformer ist beides.<br />
E-36<br />
KATEGORIE F/UL/LSA<br />
Alpi Aviation Pioneer 300 Kite<br />
Blackwing<br />
Breezer 400 UL<br />
Die Pioneer 300 Kite ist der jüngste<br />
UL-Spross von Alpi Aviation.<br />
F-37<br />
Der Schweden-Renner mit top<br />
Performance und Verarbeitung.<br />
F-38<br />
Mit 80 oder 100 PS kann die<br />
Breezer 400 UL geordert werden.<br />
F-39<br />
Flywhale Aircraft Flywhale 2<br />
ScaleWings AeroTec SW51 Mustang<br />
Shark Aero Shark<br />
Das Gerät für jene, die zu Wasser<br />
und in der Luft zuhause sind.<br />
F-40<br />
Warbird-Feeling zum UL-Preis<br />
verspricht die SW51 Mustang.<br />
F-41<br />
Schnell, scharf, Shark: Das UL im<br />
Jetformat setzt Maßstäbe.<br />
F-42<br />
Swiss Excellence Risen<br />
Tomark Aero Skyper<br />
VH2 Streamline<br />
Tempo und Eleganz zeichnen die<br />
Risen von Swiss Excellence aus.<br />
F-43<br />
Der Ganzmetall-Hochdecker für<br />
Schulung und Reise.<br />
F-44<br />
Mit dem schnittigen UL in CFK-<br />
Bauweise greifen die Franzosen an.<br />
F-45<br />
Stimmen Sie bis zum 30. März <strong>2016</strong> unter www.leserumfragen.de/<strong>aerokurier</strong> online ab<br />
und geben Sie den Teilnehmer-Code von der beigehefteten Postkarte ein.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 29
Illustration: Harald Hornig<br />
[ MAGAZIN ]<br />
Kontrollen<br />
Wenn der Grenzer<br />
den Pass sehen will<br />
Im Zuge des Flüchtlingszustroms nach<br />
Europa haben einige Schengen-Staaten<br />
wieder Grenzkontrollen eingeführt.<br />
Für Privatpiloten, die mit ihrer Maschine ins Ausland<br />
fliegen, ändert sich dadurch aber fast nichts.<br />
In dem Bewusstsein, dass die immer engere<br />
Union zwischen den Völkern der Mitgliedstaaten<br />
der Europäischen Gemeinschaften ihren<br />
Ausdruck im freien Überschreiten der Binnengrenzen<br />
durch alle Angehörigen der Mitgliedstaaten<br />
und im freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs<br />
finden muss […]<br />
Mit dieser pathetisch anmutenden Einleitung<br />
verabschiedeten Frankreich,<br />
Deutschland und die Benelux-Staaten<br />
am 14. Juni 1985 im luxemburgischen Dorf<br />
Schengen einen völkerrechtlichen Vertrag unter<br />
der sperrigen Überschrift „Übereinkommen<br />
zwischen den Regierungen der Benelux-Wirtschaftsunion,<br />
der Bundesrepublik Deutschland<br />
und der Französischen Republik betreffend<br />
den schrittweisen Abbau der Kontrollen an<br />
den gemeinsamen Grenzen“. Vierzehn Jahre<br />
später wurde dieser Vertrag, modifiziert und<br />
flankiert von einer Reihe weiterer Rechtsakte,<br />
als tragender Baustein in das rechtliche Fundament<br />
der Europäischen Union eingegossen.<br />
Spätestens seit diesem Zeitpunkt dient der<br />
Name des knapp 4500 Einwohner zählenden<br />
Dorfes als Synonym für ein Europa ohne Grenzen.<br />
Für die Bürger der derzeit 26 Vollanwenderstaaten<br />
der Schengen-Regeln, darunter<br />
auch Staaten, die der Europäischen Union gar<br />
nicht angehören wie beispielsweise Norwegen,<br />
Island und die Schweiz, ist „Schengen“<br />
gleichbedeutend mit dem Wegfall der<br />
Kontrollen an den Binnengrenzen und einer<br />
zur Selbstverständlichkeit gewordenen Reisefreiheit.<br />
Seit einiger Zeit jedoch bröckelt die Fassade<br />
des auf freiheitlichen Gedanken erbauten<br />
Hauses Schengen: Im Zuge der omnipräsenten<br />
Flüchtlingskrise mehren sich die Stimmen, die<br />
eine Wiedereinführung der Kontrollen auch<br />
an den Binnengrenzen des Schengen-Raumes<br />
fordern.<br />
Derzeit sechs Staaten – Österreich, Schweden,<br />
Frankreich, Norwegen, Dänemark und<br />
die Bundesrepublik Deutschland – kamen<br />
diesen Forderungen bereits nach und führen<br />
seit Herbst vergangenen Jahres wieder Grenzkontrollen<br />
durch. Für interessierte Bürger im<br />
Allgemeinen und Piloten, deren liebstes<br />
Fortbewegungsmittel zum Überschreiten von<br />
Ländergrenzen geradezu prädestiniert ist, im<br />
Speziellen dürften sich aus diesem Grund ganz<br />
praktische Fragen stellen: Ist die Wiedereinführung<br />
derartiger Grenzkontrollen einzelner<br />
Mitgliedstaaten überhaupt erlaubt? Ist auch<br />
die General Aviation davon betroffen? Was ist<br />
bei Auslandsflügen künftig zu beachten?<br />
Grenzkontrollen: Erlaubt unter<br />
bestimmten Voraussetzungen<br />
Die Antwort auf Frage eins ist recht schnell<br />
gegeben und lautet: grundsätzlich ja. Zwar<br />
schreiben die Schengen-Regeln zunächst einmal<br />
rechtsverbindlich für alle Teilnehmerstaaten<br />
vor, dass Personenkontrollen an den<br />
Binnengrenzen unzulässig sind und der<br />
Übertritt an den Binnengrenzen an<br />
jeder Stelle zulässig sein muss (Art.<br />
20 des Schengener Grenzkodexes<br />
vom 15. März 2006).<br />
Wie so oft in der juristischen<br />
Welt bleibt jedoch<br />
auch diese<br />
Regel nicht ohne<br />
Ausnahme. So<br />
gab es schon vor der Flüchtlingskrise rechtliche<br />
Möglichkeiten zur zeitlich befristeten<br />
Wiedereinführung von Grenzkontrollen, die<br />
im Artikel 23 und folgenden des Schengener<br />
Grenzkodexes definiert sind. Im Jahr 2013<br />
wurden diese Befugnisse noch erweitert. Seitdem<br />
können Grenzkontrollen an den Binnengrenzen<br />
– freilich unter Einhaltung speziell<br />
geregelter Formalien – für einen Zeitraum von<br />
bis zu zwei Jahren wieder eingeführt werden,<br />
soweit die öffentliche Ordnung oder die innere<br />
Sicherheit ernsthaft bedroht sind, kein milderes<br />
Mittel greift und darüber hinaus außergewöhnliche<br />
Umstände in Form schwerwiegender<br />
Mängel bei den Kontrollen der Außengrenzen<br />
des Schengen-Raumes vorliegen.<br />
Letzteres dürfte angesichts der Menschenmassen,<br />
die seit Monaten über die Mittelmeerstaaten<br />
in den Schengen-Raum kommen, in<br />
jedem Fall erfüllt sein.<br />
Auch auf Frage zwei lautet die knappe<br />
Antwort: grundsätzlich ja. Nach Auskunft des<br />
Bundesinnenministeriums und der für die<br />
Grenzüberwachung zuständigen Bundespolizei<br />
konzentrieren sich die übergangsweise<br />
wieder eingeführten Grenzkontrollen derzeit<br />
zwar vorwiegend auf die Landgrenzen entlang<br />
der sogenannten „Balkanroute“. Systematische<br />
Kontrollen im grenzüberschreitenden Privatflugverkehr<br />
sind aktuell nicht zu erwarten.<br />
Zu gering erscheint offenbar das Risiko<br />
unkontrollierter Einreise mit üblicherweise<br />
vier- bis sechssitzigen Flugzeugen<br />
der Allgemeinen Luftfahrt. Das<br />
heißt allerdings nicht, dass es nicht<br />
auch hier zu stichprobenartigen Kontrollen<br />
kommen kann.<br />
Auch wenn einige Staaten an den<br />
Grenzen wieder kontrollieren, ändert<br />
sich für Privatflieger fast nichts.<br />
30 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Bleibt die Antwort auf die wichtige Frage<br />
drei. Hier kann Entwarnung gegeben werden,<br />
denn bei grenzüberschreitenden Privatflügen<br />
innerhalb des Schengen-Raumes ändert sich<br />
bis auf Weiteres nichts. Es bleibt bei den<br />
schon vor der Wiedereinführung vorübergehender<br />
Grenzkontrollen geltenden Erfordernissen<br />
für die Vorbereitung<br />
und Durchführung von Auslandsflügen,<br />
die hier nur verkürzt wiedergegeben<br />
werden können:<br />
• Sowohl der verantwortliche Pilot<br />
als auch mitreisende Passagiere müssen<br />
gültige Reisedokumente (Pass oder Personalausweis)<br />
mit sich führen.<br />
• Aus deutscher Sicht besteht für<br />
VFR-Flüge in Schengen-Staaten grundsätzlich<br />
keine Flugplanpflicht mehr.<br />
Einige andere Mitgliedstaaten,<br />
beispielsweise Frankreich, halten<br />
an diesem Erfordernis aber fest.<br />
Vor dem Abflug ist daher abzuklären,<br />
ob die Aufgabe eines Flugplans aus Sicht<br />
des Zielstaates erforderlich ist. Informationen<br />
hierzu stellt die AIP des entsprechenden<br />
Landes im Teil ENR bereit. Eine Liste der<br />
online verfügbaren AIPs vieler Länder<br />
findet sich beispielsweise auf der Homepage<br />
von Siegfried Kottysch (www.eddh.<br />
de/equipment/ais.html).<br />
Ausflug frei, Einflug über<br />
festgelegte Plätze<br />
Seit dem Inkrafttreten der SERA-Verordnung<br />
kann ein Flugplan für grenzüberschreitende<br />
Flüge grundsätzlich auch während des Fluges<br />
über Funk mit zehn Minuten Vorlauf vor dem<br />
Erreichen der zuständigen Flugverkehrsdienststelle<br />
abgegeben werden. Ob diese Vereinfachung<br />
von dem betreffenden Zielstaat akzeptiert<br />
wird, ist ebenfalls durch Konsultation<br />
der jeweiligen AIP abzuklären. Gegebenenfalls<br />
hilft hier auch das AIS-Centre der Deutschen<br />
Flugsicherung weiter.<br />
Während der Ausflug aus der Bundesrepublik<br />
zumindest in EU-Schengen-Staaten von<br />
jedem Flugplatz aus zulässig ist und bis auf<br />
gegenteilige Anordnung auch bleibt, verlangen<br />
einige Nachbarstaaten den Einflug über<br />
spezielle Plätze, sogenannte Airports of Entry.<br />
Hintergrund sind zollrechtliche Bestimmungen,<br />
die mit den wiedereingeführten<br />
Grenzkontrollen per se aber nichts zu tun<br />
haben. Auch hierzu stellt das AIP des betreffenden<br />
Staates im Teil GEN Informationen ae<br />
bereit.<br />
[ Autor Dr. Maximilian Hüttel<br />
... ist Rechtsanwalt in<br />
Nürnberg und Mitglied<br />
des Arbeitskreises der<br />
fliegenden Juristen und<br />
Steuerberater der AOPA-<br />
Germany. Er ist Inhaber<br />
einer EU-FCL und fliegt<br />
regelmäßig Motormaschinen<br />
ab Herzogenaurach<br />
und Nürnberg.
[ UL/LSA Reise ]<br />
Mit der CT Short Wing auf große Reise<br />
AB IN DEN<br />
ORIENT<br />
32 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Wohin fliegen, wenn man schon fast<br />
überall in Europa war? Richard Prell<br />
und Bernd Hilpert lockte der Orient als<br />
attraktives Ziel. Auf nach Istanbul, hieß<br />
es deshalb für die beiden UL-Piloten.<br />
TEXT UND FOTOS:<br />
Bernd Hilpert<br />
Für die CT Short Wing mit einer<br />
Endurance von über 1000<br />
Kilometern und einer Reisegeschwindigkeit<br />
von rund<br />
200 km/h lag das Ziel Morgenland<br />
gar nicht mal so weit weg. 1907 Kilometer<br />
ermittelten wir für die Strecke<br />
von Tröstau aus, was nur neuneinhalb<br />
Flugstunden bedeutete. Theoretisch<br />
war mit dem 120-Liter-Tank<br />
für die Strecke auch nur eine Zwischenlandung<br />
notwendig. Doch so<br />
einfach gestaltete sich die Reise dann<br />
doch nicht. Das begann schon bei der<br />
Vorbereitung.<br />
Navigationskarten für Serbien und<br />
Montenegro aufzutreiben, wurde<br />
schon schwierig. Für die Kartenhersteller<br />
hört Europa anscheinend vor<br />
deren Grenzen auf. Karten für Mazedonien,<br />
Bulgarien und besonders die<br />
Türkei stellten große Probleme dar.<br />
Wegen Zoll und Personenkontrolle<br />
mussten wir außerhalb der Schengen-Staaten<br />
und der EU die internationalen<br />
Flughäfen anfliegen. Um<br />
preiswert Superbenzin tanken zu<br />
können, bezogen wir aber auch kleine<br />
Flugplätze in die Planung mit ein.<br />
Das Ziel hieß Hezarfen, noch im europäischen<br />
Teil der Türkei an der<br />
Küste des Marmarameeres gelegen,<br />
rund 45 km westlich von Istanbul.<br />
Die erste Etappe geriet zum Spaziergang.<br />
Tolles Flugwetter begleitete<br />
uns von Tröstau nach Tschechien,<br />
Österreich und bis zum Balaton.<br />
Nach 2:58 Stunden und 660 Kilometern<br />
hatten wir unser erstes Etappenziel,<br />
den kleinen Privatplatz in<br />
Siófok-Kiliti, erreicht. Innerhalb der<br />
EU und von Schengenstaat zu Schengenstaat<br />
war Ungarn ganz unbürokratisch<br />
anzufliegen. Es blieb genügend<br />
Zeit für eine Fahrt auf dem See<br />
und die Erkundung der Flaniermeile<br />
von Siófok mit Leihrädern.<br />
Am nächsten Morgen mussten wir<br />
erst einmal 85 Kilometer weiter nach<br />
Sarmellek am Westende des Balaton.<br />
Hier am Heviz International Airport<br />
galt es, die Formalitäten für den Weiterflug<br />
nach Niš in Serbien zu regeln.<br />
Bei super Flugwetter schnurrte die<br />
CT in rund 3000 Fuß über meist flaches<br />
Agrarland hinweg. Unter uns breiteten<br />
sich, so weit das Auge reichte,<br />
große Felder aus. Richtung Kroatien<br />
wurde es bergig. Und wir hatten zu<br />
rechnen. Um die Kontrollzonen von<br />
Osijek und Vukovar herum wollte der<br />
FIS-Lotse immer die Estimates für die<br />
nächsten Meldepunkte wissen. Über<br />
den Grenzmeldepunkt TADAM ging’s<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 33
[ UL/LSA Reise ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 1 ] Servus Türkei und<br />
Mittelmeer: Abflug aus<br />
Hezarfen. [ 2 ] Gut, wenn<br />
ein GPS die Lufträume<br />
anzeigt: Unterwegs von<br />
Sofia nach Çorlu mit<br />
Flymap-Wegpunkten.<br />
[ 3 ] Blick in die Cisterna<br />
Basilica. Istanbul bietet zu<br />
viele Sehenswürdigkeiten<br />
für nur zwei Besuchstage.<br />
[ 4 ] Sightseeing über dem<br />
Donaudelta. [ 5 ] Auch die<br />
Short Wing spendet etwas<br />
Schatten. Die CT in der<br />
Betonwüste von Çorlu.<br />
dann nach Serbien. Eigentlich hätten<br />
wir hier vorgegebenen VFR-Strecken<br />
folgen müssen, aber vom Lotsen erhielten<br />
wir immer wieder andere<br />
Kurs- und Höhenangaben nach Niš.<br />
Nach 2:39 Stunden und 650 Kilometern<br />
Strecke erreichten wir den Airport<br />
Niš – Konstantin Veliki.<br />
Niš ist die drittgrößte Stadt in Serbien.<br />
2011 zählte sie gut 260 000 Einwohner.<br />
Ihre Altstadt sahen wir uns<br />
am Abend bei einer ausgiebigen Tour<br />
an und stiegen auch auf die berühmte<br />
Festung. Am nächsten Morgen<br />
fuhren wir früh zum Flugplatz. Das<br />
Tanken hatten wir am Vorabend erledigt,<br />
wir brauchten also nur noch<br />
den Flugplan aufzugeben.<br />
Richard kümmerte sich um die<br />
Bezahlung und den Flugplan, ich um<br />
die Vorbereitung der CT. Damit war<br />
ich bald fertig, nur Richard erschien<br />
nicht. Nach längerem Warten in der<br />
heißen Sonne trabte ich zurück zum<br />
Briefing Office. Kein Richard weit und<br />
breit. Dabei sollten wir doch wegen<br />
einer angekündigten Passagiermaschine<br />
spätestens um 9.45 Uhr starten.<br />
Ich griff schließlich zum Handy<br />
und erreichte einen ziemlich schockierten<br />
Richard. „Ich bin interniert“,<br />
lautete seine Auskunft. Der Dispatcher<br />
hattee von ihm für den Weiterflug<br />
statt des geplanten Direct nach Çor-<br />
lu/Türkei eine Route verlangt, die er<br />
mit unseren Möglichkeiten nicht planen<br />
und auf unseren Karten nicht<br />
darstellen konnte. Ratlosigkeit machte<br />
sich breit. Nach langem Hin und<br />
Her konnten wir dann aushandeln,<br />
von Niš nach Sofia zu fliegen, um von<br />
dort Kurs auf die Türkei nehmen zu<br />
können. Die Pflichtmeldepunkte, die<br />
wir im Flugplan nach Sofia anzugeben<br />
und abzufliegen hatten, waren glücklicherweise<br />
in der uns zur Verfügung<br />
stehenden Karte verzeichnet. Die<br />
Internierung wurde aufgehoben, Richard<br />
wieder beruhigt, und wir konnten<br />
uns auf den Weg machen.<br />
An bis zu fast 2000 Meter hohen<br />
Gipfeln vorbei ging es in 54 Minuten<br />
über die 167 Kilometer bis Sofia. Und<br />
hier erlebten wir den krassen Gegensatz<br />
zu Niš. Zwei bezaubernde AIS-<br />
Mitarbeiterinnen halfen uns dort<br />
weiter. Sie gruben aus ihren Unterlagen<br />
die Koordinaten der verlangten<br />
Wegpunkte und VFR-Strecken. Die<br />
konnten wir in unsere digitale Flugkarte<br />
einarbeiten. Dann endlich lag<br />
der vorletzte Leg unserer Reise bis<br />
Çorlu-Tekirdag an der Marmaraküste<br />
vor uns. Und der wurde noch spannend!<br />
Auf der 472 Kilometer langen<br />
Strecke bauten sich rechts und links<br />
große Gewitter auf. Blitze zuckten,<br />
und es schüttete. Da wollten wir mit<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
34 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
[ 5 ]<br />
unserem kleinen Flieger auf keinen<br />
Fall reinkommen.<br />
Das Ausweichen gelang, und in<br />
Nähe der Küste klarte es auch wieder<br />
auf. Den internationalen Flughafen<br />
Çorlu-Tekirdag erreichten wir nach<br />
gut zwei Stunden Flug in schönstem<br />
Wetter. Dort staunte man nicht<br />
schlecht: von Almanya, von so weit<br />
mit einem so kleinen Flieger?! Die<br />
Landung und Einreise in die Türkei<br />
kosteten trotzdem 50 Euro.<br />
Von der Industriestadt war es nur<br />
noch ein kleiner Hüpfer zu unserem<br />
Ziel Hezarfen. Wir brauchten dafür<br />
eine knappe halbe Stunde, dann rollte<br />
die CT auf der Piste 04 aus. Sogleich<br />
umringten uns türkische Fliegerkollegen<br />
und luden uns ein. Bei Kaffee<br />
und Brot konnten wir erst einmal<br />
entspannt zurückblicken: 2100 Kilometer<br />
hatten wir in den vergangenen<br />
drei Tagen in zehn Flugstunden quer<br />
durch Europa hinter uns gebracht.<br />
Erdinç Erarslan, der in Hezarfen<br />
eine Flugschule betreibt, kümmerte<br />
sich rührend um uns. Er nahm uns<br />
mit nach Istanbul City zum Frazer<br />
Grand Hotel, wo er uns gleich einen<br />
dicken Rabatt vermittelte. Der nächste<br />
Tag weckte uns mit einem wolkenlosen<br />
Himmel und einer fantastischen<br />
Aussicht auf die riesige Stadt.<br />
In der Ferne erkannten wir Hagia<br />
Sophia, Sultan-Ahmet-Moschee, Topkapi<br />
und das Goldene Horn: Märchen<br />
aus tausend und einer Nacht, wir<br />
kommen! Byzanz, Konstantinopel,<br />
Istanbul – 2600 Jahre Geschichte<br />
lagen uns zu Füßen und wollten zu<br />
Fuß erobert werden.<br />
Eigentlich müsste man sich für<br />
Istanbul eine Woche Zeit nehmen.<br />
Wir hatten nur zwei Tage, dann ging<br />
es zurück. Erdinç nahm uns wieder<br />
mit raus zum Flugplatz Hezarfen, er<br />
hatte uns auch gleich fünf 20-Liter-<br />
Kanister mit Autobenzin besorgt. Doch<br />
der Rückflug verzögerte sich dann<br />
doch um einen ganzen Tag. Wir mussten<br />
feststellen, dass Çorlu sonntags<br />
geschlossen ist. Also mussten wir<br />
den Montag abwarten. Zeit, um die<br />
türkischen Luftfahrtkarten zu studieren<br />
und den Weiterflug von Çorlu nach<br />
Constanta in Rumänien zu planen.<br />
Am nächsten Morgen waren wir<br />
schon um 8:30 Uhr am Flugplatz Hezarfen,<br />
den wir noch verwaist vorfanden.<br />
Wir kletterten notgedrungen<br />
über den Zaun. Das war noch alles<br />
okay, aber dass wir später nach den<br />
Startvorbereitungen keine Startup<br />
Clearance einholten, brachte uns<br />
leise Schelte von der Flugleiterin ein.<br />
Am Flughafen Çorlu waren 50<br />
Euro zu zahlen. Leider hatten wir es<br />
nicht passend, nur einen 100-Euro-<br />
Schein. Den zu wechseln erwies sich<br />
als riesiges Problem und brachte uns<br />
IN NIŠ, SERBIEN, HÄNGT DAS<br />
GANZ GROSSE STOPPSCHILD<br />
kilometerweite Fahrten mit dem<br />
Follow-me ein. Die Überprüfung der<br />
Papiere und des Gepäcks war dagegen<br />
mit einer großzügigen Handbewegung<br />
abgetan.<br />
Start-up approved, line up – und<br />
los ging‘s Richtung Schwarzmeerküste,<br />
wieder streng nach Flugplan auf<br />
einer VFR-Streckenführung. Die leitete<br />
uns an Burgas und Varna vorbei,<br />
teils entlang der Küste. Abschnittsweise<br />
mussten wird aber bis zu 50<br />
Kilometer weit aufs Meer raus. In 2000<br />
bis 3000 Fuß Höhe ohne Schwimmwesten<br />
echt prickelnd. Mit einem Flug<br />
über Wasser hatten wir nicht gerechnet<br />
und uns deshalb auch nicht mit<br />
Rettungswesten versorgt. Die Strecken<br />
überbrückten wir am Ende ziemlich<br />
einsilbig, jeder Kolbenschlag des<br />
Motors klang anders.<br />
Die Einreise in Rumänien – EU-<br />
Staat, aber nicht Schengen-Mitglied<br />
– nötigte uns, den internationalen<br />
Flughafen Constanta anzufliegen.<br />
Nach zwei Stunden und 426 Kilometern<br />
hatte die CT hier wieder europäischen<br />
Boden unter den Rädern.<br />
Die Formalitäten wurden schnell und<br />
professionell von freundlichen Flughafen-Mitarbeiterinnen<br />
abgearbeitet.<br />
Wir waren fast schon geneigt zu bleiben.<br />
Nach höchstens einer Stunde<br />
Aufenthalt waren wir aber wieder für<br />
den kurzen Leg nach Tuzla in der Luft.<br />
In Tuzla fanden wir auch gleich<br />
Unterstützung. Gabriel Niculescu, ein<br />
737-Kapitän, der sich gerade mit einer<br />
Katana vertraut machte, nahm uns<br />
mit in die nahe Hotelstadt Mangalia.<br />
Er verschaffte uns die erste preiswer-<br />
Catalin Cireasa vom AIS<br />
in Tuzla berät Richard Prell<br />
bei der Flugplanaufgabe<br />
zum Flug über das Donaudelta.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 35
[ UL/LSA Reise ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 1 ] Im Queranflug auf den<br />
internationalen Flughafen<br />
Sármellék am Balaton.<br />
[ 2 ] Im Topkapi-Palast in<br />
Istanbul, einst Sitz der<br />
Sultane. [ 3 ] Schwarzmeerstrand<br />
und Ufervillen.<br />
[ 4 ] Wieder zu Hause:<br />
Bernd Hilpert und Richard<br />
Prell im Hangar der<br />
Luftsportvereinigung<br />
Schönbrunn-Wunsiedel<br />
auf dem heimatlichen<br />
Segelflugplatz Tröstau.<br />
te Unterkunft unserer Reise. Schnell<br />
hatten wir ein freundschaftliches<br />
Verhältnis. Ein entspannter Nachmittag<br />
am Strand des Schwarzen Meeres<br />
wurde nach einer Kutschfahrt durch<br />
Mangalia mit einem Abendessen in<br />
einer Taverne abgeschlossen.<br />
Am nächsten Tag führte uns unser<br />
neuer Freund über den Flugplatz. Per<br />
Hubschrauber werden hier Bohrinseln<br />
im Schwarzen Meer versorgt. Ständig<br />
fliegen Mannschaften ab oder kommen<br />
an. Für die Flüge gibt es in Tuzla auch<br />
ein Ausbildungszentrum für Seenotfälle.<br />
Bei der weiteren Flugplanung half<br />
uns Catalin Cireasa. Er stellte uns<br />
eine Ausflugsroute über das Donaudelta<br />
zusammen. So konnten wir auch<br />
SICHERHEITSLANDUNG<br />
IM VERLASSENEN SIÓFOK<br />
ein klein wenig weiter über das<br />
Schutzgebiet fliegen. Nach dem rund<br />
zweistündigen Rundflug mit unvergesslichen<br />
Eindrücken machten wir<br />
noch einen Abstecher über eine der<br />
Villen des früheren rumänischen Diktators<br />
Nicolae Ceausescu, direkt am<br />
Strand von Mangalia. Zur Abrundung<br />
war dann noch ein Bad im Schwarzen<br />
Meer vorgesehen. Und der Abend sah<br />
uns wieder bei Musik, gutem Essen<br />
und Wein.<br />
Dann lag schon der längste Flug<br />
unserer Reise vor uns: die Donau<br />
entlang westwärts, südlich an Bukarest<br />
vorbei und an der Grenze zu<br />
Bulgarien entlang. Zwei Stunden<br />
hatten wir zu schauen und zu genießen<br />
und erreichten bei Drobeta Turnu<br />
Severin an der Grenze zu Serbien<br />
das eiserne Tor, den Donaudurchbruch<br />
zu Serbien. Von dort ging es nordwärts<br />
weiter das Tal von Caransebes entlang.<br />
Nach dreieinhalb Stunden und<br />
rund 740 Kilometern hatten wir die<br />
rumänische Grenzstadt Arad erreicht.<br />
Nachtanken und neuen Flugplan aufgeben,<br />
hieß es hier.<br />
Der Plan war, von Arad aus über<br />
Ungarn ohne Zwischenlandung bis<br />
Bratislava zu fliegen. Die Alpen wollten<br />
wir meiden, dort war nicht so<br />
gutes Wetter vorhergesagt. Von Bratislava<br />
sollten wir dagegen gleich<br />
weiter bis Tröstau fliegen können.<br />
Schönster blauer Himmel wölbte<br />
sich beim Start über uns. Nur hielt<br />
der nicht lange an. Westlich des Balaton<br />
stellten sich die ersten Gewitter<br />
in den Weg. „Heavy thunderstorms<br />
ahead“, meldete Budapest Information<br />
und empfahl, nach Szeged auszuweichen.<br />
Dafür hätten wir aber<br />
zurückfliegen müssen. Wir entschie-<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
36 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
den uns deshalb für Sarmellek am<br />
Westende des Balaton als Ausweichplatz,<br />
auch ein Point of Entry. Aber<br />
dann mussten wir erfahren, dass über<br />
Sármellék ebenfalls ein Gewitter tobte.<br />
Also nächste Alternative: Siófok.<br />
Eine Sicherheitslandung sollte dort<br />
möglich sein, schließlich rückten die<br />
Gewitter schnell näher. Nur stellte<br />
sich Siofók als „out of service“ heraus.<br />
Der private Platz war geschlossen.<br />
Budapest Information gab uns aber<br />
die beste Unterstützung, meldete die<br />
Windrichtung, begleitete uns bis zum<br />
Aufsetzen. Bei der Landung blies der<br />
Wind schon mit 50 km/h. Eine schwarze,<br />
bedrohliche Wolkenwand stand<br />
im Norden. Wir konnten unsere CT<br />
gerade noch mit Seilen verankern,<br />
bevor der Starkregen losprasselte.<br />
Jetzt waren wir in Siofók auf einem<br />
nicht für die Einreise zugelassenen<br />
Flugplatz gestrandet. Aber ganz verlassen<br />
war der Platz nicht, eine Polizeihubschrauberstaffel<br />
war vor Ort.<br />
Und die Polizisten erwiesen sich als<br />
sehr hilfsbereit. Mit ihrer Unterstützung<br />
waren die Zoll- und Einreiseformalitäten<br />
kein Problem mehr. Auch<br />
das Gewitter verschonte uns. Hagelschäden<br />
gab es keine.<br />
Nur die Flugleiterin wollte am<br />
nächsten Morgen nicht einsehen, dass<br />
es sich bei unserer Landung um einen<br />
Notfall gehandelt hatte. Sie forderte<br />
sogar 200 Euro zusätzlich für die ungenehmigte<br />
Landung. Wir wehrten<br />
uns und drohten unsererseits. Nach<br />
längerem Streit hieß es dann überraschend,<br />
wir bräuchten gar nichts<br />
zu bezahlen! Nur sehen wollte uns<br />
die Flugleiterin nie wieder. Sie verbot<br />
uns, je wieder auf „ihrem“ Platz zu<br />
landen.<br />
Nach diesem höchst unerfreulichen<br />
Zwischenfall machten wir uns auf<br />
nach Vilshofen. Es ging über Wiener<br />
Neustadt hinweg, vorbei an einem<br />
tollen Alpenpanorama, in das sich<br />
bereits Gewitter eingelagert hatten,<br />
der Donau zu. Westlich an der Reisalp<br />
verstärkten sich die schwarzen Wolken<br />
wieder. Als wir Linz erreichten,<br />
sah es auf unserem Kurs wieder<br />
mächtig gewittrig aus. Viel weiter<br />
kamen wir auch nicht. Wir kehrten<br />
zurück und wurden im Anflug auf<br />
den Verkehrsflughafen noch ordentlich<br />
durchgeschüttelt. Zwei Betonblöcke<br />
mussten dort die CT am Boden<br />
halten.<br />
Nach dem Durchzug von gleich<br />
zwei Gewittern konnten wir endlich<br />
zum Weiterflug starten. Mit 40 bis 50<br />
Die Reiseroute nach Istanbul<br />
Tröstau, Siofók (am Balaton), Sármellék (am Balaton), Niš (Serbien), Sofia, Çorlu (Türkei, Marmaraküste),<br />
Hezarfen (rund 40 km nördlich von Istanbul), Çorlu, Constanţa (Rumänien), Tuzla<br />
(Stadt Mangalia), (Rundflug über das Donaudelta), Tuzla, Siofók, Linz (Österreich), Tröstau<br />
km/h Wind auf der Nase fanden wir<br />
schließlich über den Bayerischen Wald<br />
zurück nach Tröstau. Kurz nach acht<br />
Uhr waren wir wieder zu Hause.<br />
24 Flugstunden waren wir bei dem<br />
Abenteuerflug in den Orient unterwegs<br />
und haben dabei über 4650<br />
Kilometer zurückgelegt. Nachher<br />
konnten auch wir darüber staunen,<br />
was alles mit einem so kleinen Flieger<br />
wie der CT Short Wing möglich<br />
ist!<br />
ae<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 37
[ BUSINESS AVIATION Reportage ]<br />
Weltwirtschaftsforum Davos<br />
JETSET<br />
AM BODENSEE<br />
Wer Ende Januar auf<br />
den kleinen Schweizer<br />
Airport Altenrhein am<br />
Bodensee blickte, staunte<br />
nicht schlecht: Jede<br />
Menge geparkte Business-Flugzeuge<br />
und<br />
unablässiger Jetverkehr<br />
war zu beobachten.<br />
Grund dafür war das<br />
Weltwirtschaftsforum im<br />
nahe gelegenen Davos.<br />
AUTOR: Jürgen Schelling<br />
FOTOS: Uwe Stohrer<br />
Den winterlich trüben Himmel<br />
durchschneiden plötzlich<br />
Landescheinwerfer. Es<br />
muss etwas Größeres sein,<br />
was da den Flughafen St. Gallen/<br />
Altenrhein auf der schweizerischen<br />
Seite des Bodensees anfliegt. Als der<br />
Jet näherkommt, lassen sich drei<br />
Triebwerkseinlässe erkennen – es ist<br />
eine Falcon 900EX. Die Maschine setzt<br />
kurz hinter der Schwelle der Piste<br />
10 auf, denn nur für diese Landerichtung<br />
gibt es ein ILS. Die Schubumkehr<br />
des mittleren Triebwerks einzusetzen<br />
wäre nicht einmal nötig,<br />
denn der Dreistrahler kommt mit den<br />
1500 Metern Runway gut klar. Dann<br />
wird die aus Moskau kommende Maschine<br />
auf eine Parkposition neben<br />
einer Gulfstream G550 und einer Cessna<br />
Citation CJ4 eingewiesen.<br />
Etwa 150 Meter weiter stehen<br />
zwischen den Hangars bereits mehrere<br />
Jets, die bis zum Ende des internationalen<br />
Wirtschaftstreffens,<br />
dem World Economic Forum (WEF),<br />
in Davos, etwa fünf Tage in Altenrhein<br />
Schweiz und die Welt:<br />
Eidgenössische Gastlichkeit<br />
trifft auf ein internationales<br />
Publikum im Restaurant am<br />
Flughafen Altenrhein<br />
38 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Bunte Vielfalt: eine<br />
Embraer Legacy 600 im<br />
Anflug, unten warten<br />
schon Gulfstream,<br />
Falcon und Co.<br />
Ihr Spezialist für Verkauf,<br />
Instandhaltung & Reparatur !<br />
bleiben werden. Hier sind Learjet,<br />
Challenger, Global, Citation, Legacy<br />
und Hawker hintereinander geparkt.<br />
Eine knallrote de Havilland Twin Otter<br />
bringt bunte Abwechslung in die<br />
bei den Geschäftsreisejets vorherrschenden<br />
Farben Weiß und Silber.<br />
Der Buschflieger aus Kanada hat aber<br />
nichts mit den WEF-Gästen zu tun,<br />
sondern ist zur Wartung in der ansässigen<br />
Werft.<br />
Zu den gut 400 Flugbewegungen,<br />
die während der WEF-Tagung in Altenhein<br />
gezählt werden, zählen aber<br />
nicht nur die von Jets. King Air oder<br />
Pilatus PC-12 sind ebenfalls zu entdecken.<br />
Generell sei aber, so betont<br />
Daniel Steffen, CEO des Business-<br />
Airports St. Gallen/Altenrhein, ein<br />
Trend zu größeren Maschinen zu<br />
beobachten. Deshalb sind hier die<br />
Zweistrahler von Gulfstream, die<br />
Global-Jets von Bombardier und die<br />
Falcon-Modelle des französischen<br />
Herstellers Dassault die Flugzeuge<br />
mit der imposantesten „ramp presence“.<br />
Dabei wäre Altenrhein sogar<br />
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• 1992 Beech King Air C90B XP - TT 3.450 hrs<br />
• 2005 Beech King Air C90B - TT 1.450 hrs<br />
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<br />
Ein Unternehmen der Atlas Air Service AG
[ BUSINESS AVIATION Reportage ]<br />
Schneeschutz: Der<br />
Triebwerkseinlass der<br />
Legacy bekommt<br />
eine Hülle.<br />
Schnell geht es durch<br />
die Abfertigung und<br />
dann mit der Limousine<br />
nach Davos.<br />
für noch größere Muster anfliegbar.<br />
Airbus A318 und A319 dürfen ebenso<br />
starten und landen wie Varianten<br />
der Boeing 737. Diese Maschinen –<br />
meist mit Regierungsvertretern an<br />
Bord – fliegen aber vorwiegend nach<br />
Zürich und parken dort, weil mehr<br />
Platz, längere Runways und für jede<br />
Piste ein ILS vorhanden sind. Bis zu<br />
30 weitere Business Jets sind ebenfalls<br />
temporär auf dem Militärflugplatz<br />
Dübendorf bei Zürich abgestellt. Dort<br />
ist für die Zeit des WEF sogar eine<br />
vorübergehende Passagierabfertigung<br />
eingerichtet. Die zum WEF eingerichtete<br />
Flugverbotszone liegt weiträumig<br />
über Davos und wird von F/A-18-Jets<br />
der schweizerischen Luftwaffe überwacht.<br />
Viele der Jets in Altenrhein fliegen,<br />
nachdem die Passagiere ausgestiegen<br />
sind, gleich wieder weiter, weil die<br />
Parkflächen nicht ausreichen. Sie<br />
werden dann etwa im benachbarten<br />
Friedrichshafen oder in Stuttgart geparkt.<br />
Sogar im französischen Lyon<br />
werden Jets stationiert, um ihre WEF-<br />
Passagiere einige Tage später wieder<br />
in Altenrhein abzuholen. Die Cockpits<br />
der größeren sind alle mit zwei Piloten<br />
besetzt, kleinere Muster wie<br />
Citation CJ, Premier 1 oder Phenom<br />
40 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Wild geparkt: Egal ob Falcon<br />
10, Hawker oder Citation –<br />
die Jets werden bunt gemixt<br />
abgestellt.<br />
werden aber auch Single Hand geflogen.<br />
Da die nicht allzu lange Piste von<br />
Altenrhein am ersten WEF-Tag vom<br />
Schneeregen nass ist, sei im METAR<br />
auch der Bremskoeffizient der Runway<br />
zu beachten, betont Daniel Steffen.<br />
Je nach Wert müsse der Kapitän entscheiden,<br />
ob die Bedingungen für<br />
seine Maschine noch akzeptabel sind.<br />
Der Linienverkehr in Altenrhein wird<br />
durch den Ansturm der Business Jets<br />
allerdings nicht gestört, da es in den<br />
Wintermonaten lediglich dreimal<br />
täglich eine Verbindung mit einer<br />
Embraer nach Wien gibt. Während<br />
der WEF-Tage gelten zudem verlängerte<br />
Öffnungszeiten, um den IFR-<br />
Verkehr zu entzerren: werktags von<br />
6 bis 22 Uhr, am Samstag von 7 bis<br />
22 Uhr und am Sonntag von 7.30 bis<br />
21 Uhr local. Wie das Jahr über sind<br />
auch an den WEF-Tagen keine Slots<br />
notwendig, außerdem gibt es eine<br />
Zollabfertigung für alle internationalen<br />
Flüge.<br />
Verzögerungen entstehen allerdings<br />
wegen des anfangs vorherrschenden<br />
Winterwetters. Die Flugzeuge müssen<br />
vor dem Start enteist werden, zudem<br />
Dezenter Hinweis: Das World<br />
Economic Forum präsentiert<br />
sich am Flughafen Altenrhein<br />
angenehm zurückhaltend.
[ BUSINESS AVIATION Reportage ]<br />
Vorfeld-Ballett: Ein<br />
Einweiser dirigiert<br />
die Flieger zu ihren<br />
Parkpositionen.<br />
Abstellflächen sind<br />
in Altenrhein knapp.<br />
Tankwart-Service:<br />
Während die<br />
Passagiere tagen,<br />
werden ihre Flieger<br />
gut umsorgt.<br />
Davos liegt rund<br />
80 Kilometer<br />
südsüdöstlich von<br />
Altenrhein. Da der kleine Flughafen am Bodensee zu wenig<br />
Abstellflächen hat, werden die Jets der Teilnehmer des<br />
Weltwirtschaftsforums unter anderem in Friedrichshafen,<br />
Zürich und Stuttgart geparkt. Sogar im französischen Lyon<br />
kommen Geschäftsreiseflugzeuge unter.<br />
ist der Abrollweg am Ende der „10“<br />
als zusätzliche Abstellfläche vorgesehen.<br />
Die Jets machen daher einen<br />
Backtrack auf der Piste, was Zeit<br />
kostet, und rollen dann aufs Vorfeld.<br />
Dafür klappt die Abfertigung auf dem<br />
kleinen Airport rasch und unkompliziert.<br />
Ein großer Anbieter von Fractional-Ownership-Programmen<br />
für<br />
Business Jets hat ein temporäres<br />
Büro und einen Aufenthaltsraum im<br />
Terminal eingerichtet. Mit einem Limousinenservice<br />
von Altenrhein aus<br />
sind die WEF-Teilnehmer rasch am<br />
Ziel: Knapp eineinhalb Stunden Autofahrt<br />
dauert es bis zum Tagungsort<br />
Davos. Schneller ginge es mit dem<br />
Heli-Shuttle. Zumindest zum WEF-<br />
Auftakt war das Wetter aber nicht<br />
VFR fliegbar und deshalb kein Hubschrauber<br />
in der Luft.<br />
Nach dem Ende des viertägigen<br />
Weltwirtschaftsforums leeren sich<br />
die Abstellplätze auf dem Vorfeld und<br />
zwischen den Hangars wieder in<br />
kürzester Zeit. „Alle wollen gleichzeitig<br />
los“, sagt eine Flughafenangestellte<br />
angesichts dieses Szenarios.<br />
Jetzt heißt es für alle Mitarbeiter des<br />
Airports St. Gallen/Altenrhein erst<br />
einmal durchatmen – bis zum nächsten<br />
WEF-Ansturm.<br />
ae<br />
42 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
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erläutern und Risikobedenken mit Verweis auf die hohen<br />
Sicherheitsstandards zu entkräften wissen. Geht es dann tatsächlich<br />
in die Luft und hat man als Fußgänger zum ersten Mal die<br />
Gewalt über Knüppel und Pedale, wird nicht selten ein Feuer<br />
entfacht, das kaum mehr zu löschen ist. <strong>aerokurier</strong>-Autorin Lisa<br />
Kleinpeter nimmt die Nichtflieger unter unseren Lesern mit auf<br />
einen Schnupperflug – feuchte Hände inklusive.<br />
Um realitätsnah mit dem Flugzeug unterwegs zu sein, muss man<br />
heute aber nicht einmal mehr abheben. Das zeigt die Reportage<br />
von Toni Ganzmann über den Einsatz von Simulatoren in der Ausbildung. In der professionellen<br />
Fliegerei längst Standard, erkennen auch Flugschulen, die überwiegend Privatpiloten<br />
ausbilden, zunehmend die Vorteile von Simulatoren: risikofreies Training von Standardverfahren<br />
und Notsituationen und eine ordentliche Kostenersparnis.<br />
Dass trotz teurer Ausbildung längst nicht jeder seinen ersehnten Platz im Cockpit bekommt,<br />
hat Jens Lang aufgearbeitet. In Interviews mit jungen Piloten und Pilotengewerkschaften<br />
bekam er einen Eindruck von einer schwierigen Branche, in der der Weg zum<br />
Traumberuf mitunter in einem Albtraum endet.<br />
Den Abschluss unseres Flight Training Specials bildet wie immer der Flugschul-Guide. Hier<br />
haben wir Ausbildungseinrichtungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengetragen<br />
und bieten Interessenten, die sich aus- oder fortbilden wollen, die Basisinformationen<br />
für Kontaktaufnahme und Angebot.<br />
Gelernt wird nicht nur in der Luft,<br />
sondern auch am Boden.<br />
4 Einmal Höhenluft<br />
schnuppern<br />
Ein Schnupperflug ist für<br />
manchen Fußgänger der<br />
erste Schritt zur Lizenz<br />
8 Karrierechancen<br />
für Piloten<br />
Mit einer frozen ATPL<br />
hängen viele fertige Piloten<br />
in der Warteschleife<br />
10 Fliegen lernen im Urlaub<br />
Viel Zeit und gutes Wetter<br />
– ein Urlaub bietet beste<br />
Chancen für die Ausbildung<br />
14 Ausbildung im Simulator<br />
Virtuelles Fliegen wird immer<br />
mehr zur kosten- und umweltfreundlichen<br />
Alternative<br />
19 Flugschul-Guide <strong>2016</strong><br />
Die <strong>aerokurier</strong>-Übersicht über<br />
Ausbildungseinrichtungen<br />
Titelfoto: Toni Ganzmann, Michael Reimers<br />
Fotos: Renate Strecker, mps<br />
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[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Schnupperfliegen<br />
ABHEBEN FÜR<br />
28 Knoten Wind, heftige Böen und<br />
schlechte Sicht. Lisa Kleinpeter wagt<br />
dennoch den Schritt ins Cockpit<br />
und stellt sich dabei eine ganz<br />
pragmatische Frage: Warum gibt es<br />
im Flugzeug keinen Angstgriff?<br />
Autorin:<br />
Lisa Kleinpeter<br />
Erst als wir den Boden berühren,<br />
lasse ich das Steuer<br />
los. Meine Hände zittern.<br />
Das Adrenalin pumpt durch<br />
meine Adern, die Knie sind ganz weich.<br />
„Krass, das hatte ich auch noch nie!“,<br />
sagt die Stimme in meinen Kopfhörern.<br />
Sie kommt von meinem Fluglehrer<br />
Stefan Hinners auf dem Sitz neben<br />
mir. Dann steige ich aus und denke<br />
nur: Ich will noch mal!<br />
Aber von vorne. Er ist so alt wie<br />
die Menschheit selbst: der Traum<br />
vom Fliegen. Abheben, durch die Luft<br />
gleiten. Die Welt von oben sehen. Auf<br />
dem Weg zur Flugschule Canair in<br />
Uetersen bei Hamburg läuft das neue<br />
4 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Fotos: Lisa Kleinpeter, Stefan Hinners, Michael Reimers<br />
Lied von Sido und Andreas Bourani<br />
im Autoradio. „Ich heb ab, nichts hält<br />
mich am Boden ...“ Ich bin schon<br />
häufig abgehoben. In großen Passagierflugzeugen.<br />
Doch nie saß ich in<br />
einem kleinen Flugzeug, und erst<br />
recht habe ich noch nie ein Flugzeug<br />
selbst gesteuert. Das soll sich heute<br />
ändern. Eigentlich.<br />
Doch eine graue, nichts Gutes<br />
verheißende Suppe hat sich am Himmel<br />
zusammengebraut, als ich Stefan<br />
Hinners begrüße. Kein optimales<br />
Flugwetter. Das weiß selbst ich als<br />
Laie. Stefan, angezogen mit einem<br />
weißen Hemd und weißer Hose – wie<br />
ein Pilot eben – schaut auf seine<br />
Wetter-App: 28 Knoten, Böen. „Bei<br />
so einem Wind fliege ich normalerweise<br />
nicht mit Anfängern“, sagt er.<br />
„Die denken sonst, sie können das<br />
nicht und kommen nie wieder.“ Für<br />
mich macht er eine Ausnahme. Schon<br />
mehrmals mussten wir den Termin<br />
wegen des Wetters verschieben. „Wirst<br />
du schnell seekrank?“, fragt er mich.<br />
Das wird sich noch herausstellen.<br />
Los geht es mit Theorie. „Wenn<br />
wir in der Luft sind, werde erst mal<br />
ich das Flugzeug steuern und nach<br />
zehn Minuten kannst du dann übernehmen“,<br />
meint Stefan. 1990 hat er<br />
das Luftfahrtunternehmen Canair<br />
gegründet. Ich sei in guten Händen,<br />
versichert er mir. Mehr als 5000-mal<br />
ist er bereits gestartet und gelandet.<br />
Die Äste an den Bäumen draußen vor<br />
dem Fenster biegen sich hin und her.<br />
So schlimm wäre es nicht, beruhigt<br />
er mich. Er sei schon bei stärkerem<br />
Sturm geflogen. „Nur wenn ich ein<br />
komisches Gefühl habe, dann fliege<br />
ich nicht.“ Sicherheit gehe vor. Seine<br />
Schüler müssten sogar während der<br />
Ausbildung jede Wetterlage einmal<br />
mitmachen, „um auf alles vorbereitet<br />
zu sein“. Weht kein Wind, wird das<br />
im Flugsimulator trainiert.<br />
„Was sind das für Menschen, die<br />
einen Flugschein machen?“, frage<br />
ich. „Jungs, die Geld zur Konfirmation<br />
bekommen haben, Studentinnen,<br />
deren Eltern die Flugstunden finanzieren,<br />
oder 50-jährige Männer, die<br />
die Wahl zwischen einem Flugschein<br />
und einer Geliebten haben“, sagt<br />
Stefan und lacht. „Da ist ein Flugschein<br />
doch die bessere Alternative.“<br />
Es geht los. Auf dem Weg zur<br />
Startbahn zerrt der Wind an meiner<br />
Am Boden und noch<br />
ganz optimistisch: Pilot<br />
Stefan Hinners und<br />
Fluganfängerin Lisa kurz<br />
vor dem Start.<br />
ANFÄNGER<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 5
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Bei der Kontrolle<br />
des Flugzeugs erklärt<br />
Stefan Hinners seiner<br />
Flugschülerin die<br />
Technik der Cessna.<br />
Kleidung. Dann sehe ich zum ersten<br />
Mal das Flugzeug, mit dem ich gleich<br />
abheben soll, die Cessna 172. „Das<br />
ist das beste Flugzeug“, meint Stefan.<br />
Kein anderes wurde so häufig produziert.<br />
Seit 1956 wird es gebaut,<br />
erklärt mir der Pilot, während wir um<br />
die Maschine laufen. Leitwerk, Seitenruder,<br />
Landeklappen – alles okay.<br />
Das rechte Querruder hat etwas Spiel.<br />
„Das werden wir bei der nächsten<br />
Wartung genauer untersuchen.“ Die<br />
Kontrolle des Flugzeugs sei das A<br />
und O, macht Stefan klar.<br />
Das Cockpit sieht genau so aus,<br />
wie ich es befürchtet habe. Lauter<br />
AUS DEN AUGENWINKELN SEHE<br />
ICH, DASS STEFAN GAR NICHT<br />
STEUERT. ICH FLIEGE! NUR ICH!<br />
Anzeigen blinken mir entgegen. Fahrtmesser,<br />
Druckmesser, Höhenanzeige,<br />
Kraftstoffverbrauchszähler, ... Ich<br />
verstehe nicht einmal die Hälfte. Schon<br />
jetzt habe ich vergessen, was mir<br />
mein Fluglehrer am Anfang erklärt<br />
hat. Wie soll man das alles in nur 45<br />
Stunden kapieren?, frage ich mich<br />
insgeheim, während ich verständnisvoll<br />
nicke. „Das ist bei der ersten<br />
Flugstunde nicht so wichtig. Das lernst<br />
du alles in der Theorie“, höre ich über<br />
die Kopfhörer. Ich schnalle mich an.<br />
Im Flugzeug ist es laut – lauter als<br />
ich gedacht hatte. Ich versuche mich<br />
zu konzentrieren.<br />
„Dann bring das Flugzeug mal in<br />
die Luft“, höre ich Stefan sagen. Was<br />
soll ich machen? Ich bin davon ausgegangen,<br />
dass er startet. „Du musst<br />
einfach nur Gas geben und das Steuer<br />
gerade halten.“ Meine Knie werden<br />
weich. Die Startbahn sieht aus wie<br />
eine Sackgasse. Stefan schaut zu mir<br />
herüber. „Starten kann jeder, landen<br />
ist das Schwierige.“ Ich kann das<br />
nicht, denke ich. Dennoch drücke ich<br />
auf den Gashebel. Immerhin wollte<br />
ich ja unbedingt fliegen. War das<br />
wirklich so eine gute Idee? „Bitte<br />
schnallen Sie sich an und bringen Sie<br />
Ihren Sitz in eine aufrechte Position!“,<br />
schießt es mir durch den Kopf. Das<br />
Flugzeug wird lauter, doch es rührt<br />
sich noch immer nicht von der Stelle.<br />
„Verstauen Sie Ihr Gepäck in den<br />
Ablagefächern!“ – „Du musst schon<br />
mehr Gas geben“, tönt es aus dem<br />
Kopfhörer. Also drücke ich noch fester<br />
auf den Hebel. Jetzt wackelt das<br />
Flugzeug langsam vorwärts. „Die<br />
Notausgänge befinden sich auf beiden<br />
Seiten über den Tragflächen.“<br />
Die Cessna wird immer schneller.<br />
Zu schnell, denke ich, will schon alles<br />
abbrechen. Doch bevor ich zurück<br />
kann, heben wir ab. Ich schreie auf.<br />
Sofort packt uns eine Windböe und<br />
schüttelt uns ordentlich durch.<br />
Jetzt gibt es kein Zurück mehr.<br />
„Die Schwimmwesten befinden sich<br />
unter Ihrem Sitz.“ Noch eine Windböe.<br />
Wir schleudern nach rechts. Dann<br />
wieder links. Hoch. Runter. „Du machst<br />
das sensationell“, höre ich plötzlich<br />
über die Kopfhörer. Aus den Augenwinkeln<br />
sehe ich, dass Stefan das<br />
Steuer gar nicht bedient. Das mache<br />
ich selber. Ich versuche den Sturm<br />
auszugleichen. Das mache wirklich<br />
ich? Meine Knie werden wieder weich.<br />
Diesmal aber ist es ein gutes Gefühl.<br />
Dann erreichen wir die Wolkendecke.<br />
Die Sicht wird schlecht. Gleich<br />
wird es noch windiger. „Wir bleiben<br />
unter den Wolken. Versuch, 1700 Fuß<br />
Höhe zu halten“, tönt es. Dann wird<br />
mir klar, dass ich fliege. Ich fliege<br />
wirklich, ich allein. Ein Fluss schlängelt<br />
sich durch das Schachbrettmuster<br />
aus Feldern. „Siehst du, wie klein<br />
der Frachter dort ist“, fragt mich mein<br />
Fluglehrer und deutet nach unten.<br />
Alles ist winzig. Und es kommt mir<br />
so vor, als sei ich noch nie zuvor in<br />
einem Flugzeug gewesen. „Wir haben<br />
die Reiseflughöhe erreicht.“<br />
Ich merke kaum noch den Wind,<br />
die Böen. Ich genieße einfach nur den<br />
6 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Fotos: Lisa Kleinpeter<br />
Ausblick. Bis zum nächsten Luftloch.<br />
Wieder schreie ich auf – daran werde<br />
ich mich wohl nicht so schnell gewöhnen.<br />
„Jetzt versuch mal, Kurven<br />
zu fliegen“, lenkt mich Stefan ab. Ich<br />
steuere zaghaft nach links. Das Flugzeug<br />
kippt in dieselbe Richtung. Dann<br />
nach rechts. Es macht Spaß. „Das<br />
machst du echt super!“, tönt es wieder<br />
im Kopfhörer. „Bei dem Wind<br />
würde das nicht jeder so hinbekommen.“<br />
Ich folge den Kurven der Elbe.<br />
Eine Weile fliegen wir einfach dahin.<br />
„Okay, dann lass uns mal zurückfliegen.“<br />
Ich steuere eine Kurve und dann<br />
in die Richtung, aus der wir gekommen<br />
sind. „Was ist eigentlich, wenn<br />
uns ein Flugzeug entgegenkommt?“,<br />
frage ich. „Woran sehe ich das rechtzeitig?“<br />
Stefan lacht. „Doch nicht bei<br />
dem Wetter!“ Dann wird mir wieder<br />
bewusst, wie sehr das Flugzeug wackelt.<br />
Wie sollen wir da landen?<br />
„Jetzt übernehme ich“, meint Stefan.<br />
Je tiefer wir fliegen, desto unermüdlicher<br />
zerrt der Wind an der<br />
Cessna. Ich kralle mich am Steuer<br />
fest. Mein Magen hüpft bei jeder Bewegung.<br />
Verdammt, warum gibt es<br />
hier keinen Angstgriff? In der Ferne<br />
sehe ich schon den Flugplatz. Die<br />
Piste kommt näher. 1000 Meter, 750<br />
Meter. 300 Meter. Wir kommen von<br />
links. Würden wir gerade landen,<br />
würde der Wind uns wegdrücken.<br />
Vorhalten heißt es, die Nase in den<br />
Wind drehen. Dann passiert es: Kurz<br />
vor der Landung, über einem Waldstück,<br />
sacken wir einfach 50 Meter<br />
in die Tiefe. Ich schreie. Alles wackelt.<br />
Ich kann nichts mehr sehen. Stefan<br />
reagiert blitzschnell, steuert dagegen.<br />
Zieht an Hebeln und drückt Knöpfe,<br />
deren Bedeutung ich schon längst<br />
vergessen habe. Dann setzen wir auf<br />
– ganz weich. Als ob nichts gewesen<br />
wäre. „Krass, das hatte ich auch noch<br />
nie“, höre ich Stefans Stimme.<br />
Dann lasse ich das Steuer los. Meine<br />
Hände zittern. Das Adrenalin pumpt<br />
noch immer durch meine Adern. Meine<br />
Knie sind wieder ganz weich. Ich<br />
steige aus und denke nur: Ich will<br />
noch einmal!<br />
ae<br />
Gefühlte 100 Knöpfe<br />
und Anzeigen: Wie soll<br />
man da durchsehen?,<br />
fragt sich der Anfänger.<br />
Drei Fragen an Stefan Hinners<br />
Stefan Hinners betreibt in Hamburg<br />
die Flugschule Canair und praktiziert<br />
zudem als Fachanwalt für Luftrecht.<br />
Wie sind Ihre Erfahrungen bei Schnupperfügen mit<br />
Fußgängern? Weckt ein Flug die Lust auf mehr?<br />
Einst für interessierte Flugschüler gedacht, ist der Schnupperflug<br />
heute auch ein umsatzstarkes Produkt für Eventveranstalter. Es<br />
gibt aber immer wieder Teilnehmer, die danach so fasziniert sind,<br />
dass sie den Entschluss fassen, eine Pilotenlizenz zu erwerben.<br />
Ein Schnupperflieger ist ja kein Flugschüler. Wie ist<br />
hier die Rechtslage, wenn es zu einem Unfall kommt?<br />
Im Schadensfall haftet der Veranstalter neben dem verantwortlichen<br />
Luftfahrzeugführer für etwaige Schäden. Eine Haftung des<br />
Gastes käme nur in Betracht, wenn dieser weisungswidrig handelt,<br />
beispielsweise ohne Aufforderung ins Ruder greift.<br />
Was raten Sie Fluggästen, die zum ersten Mal ins<br />
Cockpit steigen?<br />
Man sollte eine renommierte Flugschule auswählen und dort mit<br />
einem erfahrenen Lehrer fliegen. Lehrer sind nun mal genau dafür<br />
ausgebildet, einen Anwärter an das Fliegen heranzuführen.<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 7
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Ausbildung zum Verkehrspiloten<br />
Karriere auf<br />
Eis gelegt<br />
Der Weg zur begehrten Verkehrspilotenlizenz<br />
ist lang und teuer. Hat<br />
man sie in der Tasche, ist das aber<br />
noch lange keine Garantie für einen<br />
fixen Job im Cockpit. Tausende<br />
junge Piloten stehen auf der Straße.<br />
Philipp Sandberger stellt eins<br />
klar: „Eigentlich ist der Opa<br />
schuld. Als ich drei war, hat<br />
er mir ein Flugzeugmodell geschenkt.<br />
Da wusste ich, was ich mal werden<br />
will!“ Philipp trommelt mit den<br />
Fingern auf den Tisch und verzieht<br />
das Gesicht. Vor zwei Jahren hat<br />
er die ATPL-integrated-Ausbildung<br />
bei einer Flugschule in Wien abgeschlossen.<br />
Seitdem sucht er<br />
eine Anstellung. Bisher erfolglos.<br />
„Ich habe gewusst, dass es schwer<br />
wird, aber nicht, dass es so mühsam<br />
ist. Ich habe fast 200 Bewerbungen<br />
rausgeschickt, an große<br />
Airlines wie Cathay Pacific, an<br />
kleine wie Air Panama. Die meisten<br />
haben nicht mal geantwortet.“<br />
Die europäische Luftfahrtbranche<br />
ist in einer schweren Krise –<br />
viele sagen: der schwersten Krise<br />
aller Zeiten. Als 2010 der Markt<br />
infolge der Finanzkrise zusammenbrach<br />
und die Passagierzahlen<br />
einknickten, mussten die meisten<br />
Airlines sparen – und setzten den<br />
Rotstift unter anderem bei der<br />
Flotte an. Auch sechs Jahre später<br />
hat sich der Arbeitsmarkt für Piloten<br />
davon noch nicht erholt. Und<br />
das, obwohl die großen Flugzeughersteller<br />
wie Airbus und Boeing<br />
volle Auftragsbücher haben und<br />
kaum mit dem Bau neuer Flugzeuge<br />
nachkommen. Die gehen aller-<br />
dings vor allem nach Asien. In<br />
Europa hingegen ist die Lage trist.<br />
„Bei uns ist der Markt für Piloten<br />
derzeit gesättigt“, sagt Markus<br />
Wahl, Sprecher der deutschen<br />
Pilotenvereinigung Cockpit. „Ich<br />
würde im Moment niemandem<br />
empfehlen, die Ausbildung zum<br />
Verkehrspiloten zu beginnen.“<br />
Arbeitsplätze sind rar. Selbst wer<br />
einen der wenigen Ausbildungsplätze<br />
bei den großen Airlines<br />
ergattern konnte, ist vor Arbeitslosigkeit<br />
nicht gefeit. Alleine bei<br />
Deutschlands größter Airline, der<br />
Lufthansa, hängen im Moment rund<br />
850 Piloten in der Warteschleife.<br />
Mancher Copilot<br />
bezahlt fürs Fliegen<br />
Zumindest die Fluggesellschaften<br />
haben reagiert und bilden im<br />
Moment wenige oder gar keine<br />
Piloten aus. Aber in den Flugschulen<br />
wird weiter geschult. „Das kann<br />
man ihnen nicht vorwerfen“, meint<br />
„Cockpit“-Sprecher Wahl, „aber<br />
sie sollten auch über die Risiken<br />
sprechen, die auf die Schüler anschließend<br />
warten.“ Etwa über<br />
das Risiko, auf den Ausbildungskosten<br />
in der Größenordnung von<br />
100 000 Euro sitzenzubleiben. „Wir<br />
wissen etwa aus Schweden, dass<br />
dort rund die Hälfte der neu ausgestellten<br />
Verkehrspilotenlizenzen<br />
nicht verlängert wird“, sagt Peter<br />
Beer, Präsident des österreichischen<br />
Berufspilotenverbandes Austrian<br />
Cockpit Association. „Viele finden<br />
nach ihrer Ausbildung keinen Job<br />
und geben es dann wieder auf.“<br />
Wer dennoch unbedingt fliegen<br />
will, beugt sich den Gesetzen des<br />
Marktes. „Wenn die jungen Leute<br />
nichts finden, dann unterschreiben<br />
sie in ihrer Verzweiflung die<br />
schlimmsten Knebelverträge“,<br />
beklagt Beer. Besonders die sogenannten<br />
Pay-to-fly-Verträge sind<br />
den Pilotenvertretern ein Dorn im<br />
Auge. Der Nachwuchs darf zwar<br />
als Copilot fliegen, erhält dafür<br />
aber kein Geld, sondern muss im<br />
Gegenteil sogar dafür bezahlen.<br />
„Das ist Teil des Geschäftsmodells<br />
dieser Airlines“, sagt Beer,<br />
„die haben praktisch keine Copiloten<br />
mehr. Viele Berufsanfänger<br />
machen das, weil sie hoffen, anschließend<br />
übernommen zu werden.<br />
Aber die Erfahrung zeigt: Wenn<br />
ein Vertrag ausläuft, kommt einfach<br />
der nächste Bewerber.“ Die Gewerkschaften<br />
haben mit dem<br />
Modell also keine Freude, aber<br />
rechtlich sind ihnen die Hände<br />
gebunden.<br />
„Das Problem mit Pay-to-fly ist,<br />
dass es durch spezielle Vertragskonstrukte<br />
einen legalen Anstrich<br />
bekommt, es also offiziell nicht<br />
illegal ist. Man kann also nicht so<br />
einfach dagegen klagen. Aber es<br />
kann nicht sein, dass der Passagier<br />
an Bord, der am meisten bezahlt,<br />
der Pilot ist“, meint Markus Wahl.<br />
Die prekären Arbeitsverhältnisse<br />
werden nach Meinung von Experten<br />
zunehmend eine Gefahr für<br />
den Flugbetrieb. „Die Flugsicherheit<br />
kann leiden“, glaubt Wahl.<br />
„Wenn jemand mit Schulden in<br />
einem Ausbildungsverhältnis steht,<br />
dann will er dem Arbeitgeber sicher<br />
nicht negativ auffallen. Dann akzeptiert<br />
er vielleicht, dass er weniger<br />
tankt, als er für sicher hält.<br />
Oder er steigt in ein mangelhaftes<br />
Flugzeug, mit dem er sonst nicht<br />
fliegen würde.“<br />
Wie schwierig der Weg ist,<br />
musste auch Philipp Sandberger<br />
erfahren: „Ich war ja von Anfang<br />
an realistisch, was die Suche nach<br />
8 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Fotos: Tom - Fotolia.de, Katrin Sdun; Composing: Harald Hornig<br />
einem Job angeht. Aber als ich<br />
dann auf meine Bewerbungen nicht<br />
einmal eine Absage bekommen<br />
habe, war das ziemlich bitter.“ Ein<br />
halbes Jahr nach dem Ende seiner<br />
Ausbildung hatte er noch nicht<br />
einmal eine ernsthafte Aussicht<br />
auf einen Job. „Dann hat mich<br />
eine große Airline zum Assessment<br />
Center eingeladen, das war ein<br />
unglaublicher Erfolg.“ Sechs Mal<br />
flog er in die Schweiz, absolvierte<br />
alle Stufen des mehrtägigen Auswahlverfahrens<br />
positiv. Einen Job<br />
hat er trotzdem nicht bekommen:<br />
„Die haben mir gesagt: Wir melden<br />
uns in einem Jahr noch mal.“<br />
Die Erfahrung, dass auch eine<br />
abgeschlossene Ausbildung kein<br />
Garant für einen Job ist, musste<br />
auch der deutsche Gregor Mahler<br />
machen. „Als ich einen Ausbildungsplatz<br />
bei einer großen Airline<br />
bekommen habe, war das wie die<br />
Erfüllung eines Traums. Aber man<br />
sagte uns: Das Risiko liegt jetzt<br />
bei euch.“ Nach drei Jahren Ausbildung<br />
ist nun Schluss für ihn, er<br />
saß vorerst das letzte Mal im Cockpit.<br />
„Jetzt bin ich auf der Warteliste.<br />
Es wird wohl noch Jahre<br />
dauern, bis ich einen Vertrag bekomme“,<br />
sagt er.<br />
Formell steht er damit besser<br />
da als viele andere junge Piloten:<br />
Er hat bereits das Type Rating und<br />
ist im Linienbetrieb unter Supervision<br />
geflogen. „Das macht es<br />
aber eigentlich schlimmer“, sagt<br />
Mahler, „ich habe schon Cockpitluft<br />
geschnuppert und muss jetzt<br />
zwangspausieren.“ Mit einer zweiten<br />
Ausbildung außerhalb der<br />
Branche will er sich nun besser<br />
aufstellen und die Zeit überbrücken.<br />
„Wir raten jedem dazu, sich ein<br />
weiteres Standbein neben der Pilotenausbildung<br />
zu schaffen“, meint<br />
Pilotenvertreter Peter Beer. „Es<br />
kann sonst höchst unangenehm<br />
werden, das in die Ausbildung<br />
investierte Geld wieder zurückzuzahlen.“<br />
Einige Flugschulen verlangen<br />
zu Beginn der Ausbildung einen<br />
größeren Vorschuss von den Schülern.<br />
Beer winkt ab: „Es ist keine<br />
gute Idee, einen großen Kredit<br />
aufzunehmen und gleich alles auf<br />
einmal zu bezahlen. Wenn man die<br />
Ausbildung dann finanziell nicht<br />
stemmen kann, hilft es niemandem.“<br />
Besser sei es, immer nur Teile zu<br />
absolvieren und diese zu bezahlen.<br />
Damit könne man sich auch schützen,<br />
sollte die Flugschule in Konkurs<br />
gehen, weil nur ein Teil und<br />
nicht das ganze investierte Geld<br />
futsch sei.<br />
Kleine Gewinne sorgen<br />
für neue Perspektiven<br />
Viele Jungpiloten haben sich<br />
mittlerweile zusammengeschlossen<br />
und tauschen sich übers Internet<br />
regelmäßig aus. „Wir wollen<br />
jede Chance nutzen, einfach jede.<br />
Wenn irgendwo eine Stelle ausgeschrieben<br />
wird, informieren wir<br />
uns gegenseitig“, erzählt Philipp<br />
Sandberger. Im November besuchte<br />
er mit seinen Ausbildungskollegen<br />
eine Veranstaltung des österreichischen<br />
Pilotenverbandes,<br />
um neue Kontakte zu knüpfen. „Das<br />
war die beste Entscheidung der<br />
letzten Jahre. Ein paar von uns<br />
sind jetzt zum Vorstellungsgespräch<br />
bei einer großen Fluglinie einge-<br />
Schattenseiten eines Traumberufes<br />
Teure Ausbildung<br />
Zwei bis drei Jahre dauert der<br />
erste Teil der Ausbildung zum<br />
Verkehrspiloten. Sie kostet rund<br />
120 000 Euro. Wird sie bei einer<br />
der großen Fluglinien absolviert,<br />
übernimmt diese üblicherweise<br />
die Hälfte der Kosten. Der Rest<br />
muss vom Schüler nach Arbeitsbeginn<br />
abgestottert werden.<br />
Auf der Straße<br />
In Deutschland sind zurzeit 174<br />
Piloten arbeitslos gemeldet, in<br />
Österreich 67. Dazu kommen aber<br />
noch hunderte junger Piloten, die<br />
ihre Ausbildung beendet haben<br />
und nicht in der Statistik auftauchen.<br />
Alleine bei Deutschlands<br />
größter Airline, der Lufthansa,<br />
* Name der Jungpiloten von der Redaktion geändert<br />
warten im Moment 850 fertige<br />
Piloten auf ihre erste Anstellung.<br />
Der Weg ins Cockpit<br />
Die Ausbildung beginnt klassisch<br />
mit dem PPL, anschließend folgen<br />
Instrument-Rating, CPL und die<br />
theoretische Ausbildung zum<br />
Linienpiloten (Frozen ATPL). Erst<br />
nach 1500 Flugstunden kann man<br />
die vollwertige Verkehrspilotenlizenz<br />
(ATPL) beantragen. Bei<br />
Airlines wird aber oft statt der<br />
ATPL-Ausbildung eine Multi-Crew-<br />
Pilot-Licence-Schulung durchgeführt<br />
– damit können dann nur<br />
Verkehrsflugzeuge mit mehreren<br />
Piloten geflogen werden. Der Weg<br />
etwa in die Business Aviation<br />
bleibt so versperrt.<br />
laden worden.“ Auch wenn die<br />
Lage derzeit alles andere als rosig<br />
ist, sehen Experten die Zukunft<br />
durchaus optimistisch. Nach mehreren<br />
Jahren tiefroter Zahlen schreiben<br />
die krisengeschüttelten<br />
Fluglinien erstmals wieder kleine<br />
Gewinne. „Es gibt tatsächlich Anzeichen,<br />
dass sich der Arbeitsmarkt<br />
für Piloten wieder entspannt“,<br />
prophezeit Markus Wahl von der<br />
Vereinigung Cockpit. „In den USA<br />
geht es schon wieder aufwärts,<br />
und auch bei uns sehe ich einen<br />
Silberstreif am Horizont.“ ae<br />
Jens Lang<br />
VON FLIEGERN FÜR FLIEGER:<br />
IHR KOMPETENTER PARTNER<br />
FÜR LUFTFAHRTVERSICHERUNGEN<br />
SEIT ÜBER 50 JAHREN.<br />
Anfangs ist die Multi-Crew-<br />
Pilotenlizenz an eine<br />
bestimmte Airline gebunden.<br />
SIEGFRIED PESCHKE KG<br />
VERSICHERUNGSVERMITTLUNG<br />
7HO<br />
ZZZSHVFKNHPXFGH
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
FLUGAUSBILDUNG IM URLAUB<br />
IN DEN FERIEN ZUR<br />
PILOTENLIZENZ<br />
Fotos: Gerhard Marzinzik, Heiko Link, Georg Rüschendorf<br />
Wenn das Wetter und die Umgebung stimmen, lernt es sich gleich viel besser. Eine Ausbildung während der<br />
Ferien, noch dazu in einem sonnenverwöhnten Urlaubsland, hat viele Vorteile.<br />
10 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Autor:<br />
Gerhard Marzinzik<br />
In drei, vier Wochen<br />
zur Flug lizenz?<br />
Die Aussicht ist nur<br />
zu verlockend.<br />
Flugschulen, die<br />
sich in großem<br />
Maße als Ferienflugschule<br />
verstehen,<br />
werben damit.<br />
EIN TRAUM? DREI WOCHEN<br />
FERIEN UND MIT EINER FRISCHEN<br />
PILOTENLIZENZ ZURÜCKKEHREN<br />
Die Idee, im Urlaub das Fliegen<br />
zu erlernen, hat viel<br />
für sich. Ganz ohne Berufsstress<br />
kann man sich da auf<br />
die Sache konzentrieren. Geflogen<br />
wird Tag für Tag ohne Pausen, die<br />
im Lernfortschritt zurückwerfen. Wenn<br />
die Flugschule dann auch noch in<br />
einer reizvollen Urlaubsgegend liegt,<br />
lässt sich nach den Lektionen vielleicht<br />
am Strand, beim Radfahren oder Wandern<br />
abschalten und neue Energie<br />
für die kommenden Aufgaben tanken.<br />
Die Familie muss bei solch einer Unternehmung<br />
nicht einmal außen vor<br />
bleiben. Sie kann sich, während der<br />
angehende Pilot sein Rüstzeug erwirbt,<br />
touristischen Zielen widmen. Am<br />
späteren Nachmittag kommt man zu<br />
gemeinsamen Unternehmungen wieder<br />
zusammen.<br />
Allerdings ist der Lizenzerwerb in<br />
nur drei bis vier Wochen schon eine<br />
Herausforderung. Für das hohe Lernpensum<br />
steht nur ein sehr enger<br />
Zeitrahmen zur Verfügung. Die Realisierbarkeit<br />
steigt, wenn nicht alles<br />
in dieser kurzen Zeit gepaukt und<br />
trainiert werden muss. Praxis und<br />
Theorie lassen sich durchaus splitten.<br />
So können Theoriekenntnisse oder<br />
zumindest ein Teil davon schon vorab<br />
in einem Fernkurs erworben werden.<br />
Computer Based Trainings erleichtern<br />
das Selbststudium sehr. Sie<br />
erlauben, das Lernen ganz der eigenen<br />
Zeitplanung anzupassen. Gepaukt<br />
wird, wenn man die Zeit dazu hat,<br />
Druck und Stress durch Prüfungstermine<br />
gibt es nicht. Nachteil des Selbststudiums<br />
ist die erforderliche hohe<br />
Selbstdisziplin, die nicht unbedingt<br />
jedermanns Sache ist.<br />
Am ehesten dürfte innerhalb eines<br />
Drei-Wochen-Urlaubs der Pilotenschein<br />
für Ultraleichtflugzeuge machbar sein.<br />
Hier ist der Aufwand geringer im<br />
Vergleich zum Erwerb einer Light<br />
Aircraft Pilot Licence (LAPL) für Motorsegler<br />
beziehungsweise Motorflugzeuge<br />
oder einer Privatpilotenlizenz<br />
für Flugzeuge (PPL(A)). Innerhalb<br />
Deutschlands kommt jede UL-Schule<br />
für eine Ausbildung während eines<br />
Urlaubs in Frage. Soll es eine UL-<br />
Schule in einem eher sonnenverwöhnten<br />
Land in Europa sein, ist es notwendig,<br />
dass diese Ausbildungseinrichtung<br />
von den deutschen Organisationen<br />
DAeC oder DULV anerkannt<br />
ist. Für eine deutsche UL-Lizenz muss<br />
die Ausbildung im Ausland nach<br />
deutschen Richtlinien erfolgen.<br />
Bis zum ersten Alleinflug unterliegt<br />
die UL-Schulung im Ausland keinen<br />
Besonderheiten. Um zwei Überlandflüge<br />
und die praktische Prüfung im<br />
deutschen Luftraum kommt der UL-<br />
Schüler aber nicht herum. Es ist deshalb<br />
ratsam, vorab zu klären, ob die<br />
ins Auge gefasste internationale<br />
Schule mit einer deutschen kooperiert.<br />
Das Fliegenlernen in<br />
den Alpen fordert den<br />
Schüler ungleich mehr.<br />
Hier hat er einen<br />
schnell wechselnden<br />
Horizont.<br />
Ganz nah dran am Geschehen. Auf der Wasserkuppe ist es für den Zuschauer nur ein kleiner Schritt von der<br />
Aussichtsterrasse auf das Vorfeld der Flugschule.<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 11
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Das ist auch für die Theorieausbildung<br />
förderlich. Dann kann zum Beispiel<br />
ein einwöchiger Theoriekompaktkurs<br />
in Deutschland mit abschließender<br />
Prüfung mit einer praktischen Ausbildung<br />
an der Partnerschule im Ausland<br />
kombiniert werden. In drei Wochen<br />
geht es bis zu den ersten Überlandflügen.<br />
Der letzte Ausbildungsabschnitt<br />
erfolgt dann wieder in<br />
Deutschland mit Überlandflügen und<br />
der Einweisung in prüfungsrelevante<br />
Strecken sowie der praktischen<br />
Prüfung.<br />
Auf dem Weg zur Segelfluglizenz<br />
kann im Vergleich zum Lernpensum<br />
für eine UL-Lizenz oder den PPL(A)<br />
das Wetter eine größere Bremserrolle<br />
spielen. Segelfliegen ist sehr viel<br />
mehr auf Schönwetter angewiesen,<br />
insbesondere wenn es nach dem Alleinflug<br />
darum geht, Praxis zu gewinnen<br />
und in Aufwinden auch längere<br />
Flüge zu absolvieren. Ein Flugschulurlaub<br />
zur Ergänzung des Trainings<br />
zu Hause im Verein kann aber sehr<br />
hilfreich sein und die Ausbildung<br />
deutlich verkürzen. Der Anfängerkurs,<br />
der in zwei Wochen zum Alleinflug<br />
führen kann, hält die Motivation hoch<br />
und bringt später bei der Schulung<br />
im Verein schneller voran. Für solche<br />
Beschleunigerkurse kommen in<br />
MIT COMPUTER BASED<br />
TRAINING VERLIERT DIE THEORIE<br />
SCHNELL IHREN SCHRECKEN<br />
Deutschland alle professionell geführten<br />
Segelflugschulen in Betracht:<br />
Oerlinghausen am Teutoburger Wald,<br />
die Fränkische Fliegerschule Feuerstein<br />
oder die Deutsche Alpensegelflugschule<br />
in Unterwössen, am Rand<br />
der Alpen. Gänzlich in den Alpen<br />
lassen sich auch beim Langstreckenspezialisten<br />
und x-fachen Weltrekordpiloten<br />
Klaus Ohlmann in dessen<br />
Segelflugzentrum Quo Vadis auf dem<br />
Flugplatz Serres in Südfrankreich die<br />
ersten Schritte im Segelflug unternehmen<br />
beziehungsweise die hohe<br />
Kunst des Alpensegelflugs erlernen.<br />
Vom Frühjahr bis in den Herbst fast<br />
jeden Tag bei Sonnenschein fliegen<br />
zu können, dafür gibt es in dieser<br />
Schönwetterecke Frankreichs fast<br />
schon eine Garantie.<br />
Für die Ausbildung zum Segelflieger<br />
wie zum Privatpiloten kann man<br />
heute in Europa jede beliebige Authorized<br />
Trainings Organisation (ATO)<br />
wählen. Das mag gleich den Blick auf<br />
sonnenreiche Länder lenken. Am<br />
einfachsten ist es aber, im deutschen<br />
Sprachraum zu bleiben, und wenn<br />
schon nicht in Deutschland, dann in<br />
Österreich oder der Schweiz. Im Falle,<br />
dass ein Urlaub für die Ausbildung<br />
nicht ausreicht und ein weiterer angeschlossen<br />
werden muss, sind natürlich<br />
auch die notwendigen Reisen<br />
mit in die Planung einzubeziehen.<br />
Allzu viele Umstände können den<br />
Urlaub schnell vermiesen.<br />
Wer lieber im Süden weilt und<br />
seine Urlaubsflugschule zum Beispiel<br />
in Spanien wählt, bucht zugleich eine<br />
Sonnenscheingarantie mit. Er muss<br />
allerdings umfangreiche Sprachkenntnisse<br />
mitbringen. Es gibt dort Flugschulen,<br />
die auf Englisch unterrichten.<br />
Der Sprechfunkverkehr kann dabei<br />
auch gleich in Englisch geübt werden.<br />
Günstig ist es in solchen Fällen,<br />
mindestens das Sprechfunkzeugnis<br />
schon vorab zu Hause erworben zu<br />
haben. Es entlastet darüber hinaus<br />
auch die knappe Urlaubszeit, selbst<br />
bei einer Ausbildung im deutschen<br />
Sprachraum. Aber gleich, welchen<br />
Urlaubsort man für die mehrwöchige<br />
Vollzeitausbildung wählt, das wichtigste<br />
Argument für solche Lehrgänge<br />
ist der hohe Lerneffekt unmittelbar<br />
aufeinanderfolgender Unterrichtseinheiten.<br />
Das gilt ganz besonders für<br />
die Praxis. Es kommt sehr viel schneller<br />
zu Erfolgen, die wiederum die<br />
Motivation stärken.<br />
Ein optimistischer Zeitplan für<br />
den Weg zum PPL(A) bei einer deutschen<br />
Schule könnte etwa so aussehen:<br />
Funksprechzeugnis deutsch<br />
oder englisch: vier Tage, Theorie-<br />
Kompaktkurs inklusive Prüfung:<br />
14 Tage, für eine komplette Ausbildung<br />
mit Theorie und Praxis sowie<br />
Funksprechzeugnis sind realistisch<br />
eher rund sechs Wochen zu veranschlagen.<br />
Wer sich zu viel vornimmt, läuft<br />
Gefahr, sich am Ende des Urlaubs erst<br />
einmal erholen zu müssen. Da hilft<br />
dann auch der schönste Schein nicht<br />
unbedingt drüberweg.<br />
ae<br />
Eine große Flugschule bringt<br />
Sicherheit gegen Ausfälle.<br />
Ein Teil der Ausbildung<br />
zum PPL(A)<br />
lässt sich auch am<br />
Simulator absolvieren.<br />
Pauken lässt sich auch zu Hause.<br />
Das spart Zeit für die Praxis.<br />
Ein Theorieseminar hilft, Lücken des<br />
Selbststudiums zu schließen.<br />
Fotos: Gerhard Marzinzik, Heiko Link (2), Aero Beta<br />
12 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Piloten landen hier<br />
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Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anfor derungen von Art. 246a § 1 Abs. 2 Nr. 1 EGBGB. Zur<br />
Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses,<br />
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EGBGB nutzen. Der Widerruf ist zu richten an: FLUG REVUE Aboservice, Postfach, 70138 Stuttgart,<br />
Telefon: + 49 (0)711 3206-8899, Telefax: +49 (0)711 182-2550, E-Mail: flugrevue@dpv.de<br />
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[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Training im Simulator<br />
Das erdgebundene Fliegen<br />
Was als Spielerei auf Apple, Atari & Co begann, ist heute aus der Pilotenaus- und<br />
Fortbildung nicht mehr wegzudenken. Flugsimulatoren sorgen für Training zu einem<br />
Bruchteil der Kosten – für Profis und Privatflieger gleichermaßen.<br />
Vor gut 30 Jahren, als die Heimcomputerwelle<br />
nach Deutschland schwappte,<br />
ermöglichten Hersteller wie<br />
Apple, Atari und Commodore erstmals das<br />
realitätsnahe Fliegen im heimischen Wohnzimmer.<br />
Mit Arbeitsspeichern von weniger<br />
als 100 kB und Prozessoren, die mit 1 MHz<br />
getaktet waren, durfte man natürlich nicht<br />
viel erwarten – aber man war ja noch nicht<br />
verwöhnt. So war der Microsoft-Flugsimulator<br />
auf MS-DOS-Basis auf Anhieb ein Renner.<br />
Er konnte das Cockpit einer Cessna mit acht<br />
Zeigerinstrumenten und einer Nav/Com-<br />
Einheit darstellen. Es standen rudimentäre<br />
Szenarien einiger amerikanischer Großstädte<br />
inklusive deren Flugplätzen zur Auswahl,<br />
und sogar das Auftreten von Wolken und<br />
Turbulenzen konnte aktiviert werden. Die<br />
heutigen Flugsimulatoren, die mittlerweile<br />
mehr als 2 GB RAM benötigen, können nicht<br />
nur alle gängigen Flugplätze detailgetreu<br />
darstellen, sondern auch fast alle Flugzeugtypen<br />
bis hin zum militärischen Hightech-<br />
Muster. So kann der PC-Pilot heute spielerisch<br />
Starts und Landungen, Navigation, ja sogar<br />
das Verhalten in besonderen Fällen trainieren.<br />
Virtuelles Lernen mit Niveau<br />
Diese Möglichkeiten werden mittlerweile<br />
natürlich auch gerne in die Ausbildung von<br />
Piloten integriert. Schließt man Steuerhorn<br />
und Pedaleinheit am Rechner an, so können<br />
selbst an handelsüblichen PCs, sinnvollerweise<br />
in Verbindung mit einem Fluglehrer,<br />
fliegerische Grundfunktionen verdeutlicht<br />
und geübt werden. Insbesondere wegen des<br />
geringen Kostenaufwands nutzen vermehrt<br />
Vereine dieses Ausbildungsmittel.<br />
Einen wesentlich aufwendigeren Weg hat<br />
die UL-Flugschule Ruwe Aero in Strausberg<br />
gewählt: Sie setzt zwei hochmoderne Rechner<br />
mit Intel-I7-Prozessoren und GTX 980-Grafikkarten<br />
ein, um mittels der X-Plane-10-Software<br />
das UL-Muster Eurostar Viper zu simulieren.<br />
Das Besondere hierbei ist, dass der<br />
Pilot nicht an einer PC-Konsole sitzt, sondern<br />
im Vorderteil einer beweglich gelagerten<br />
Flugzeugzelle mit voll funktionsfähigem Cockpit<br />
einschließlich aktivierbarem Rettungssystem.<br />
Neben navigatorischen Übungen können<br />
auch Systemausfälle, Seitenwindlandungen,<br />
Wolkenflüge, ja sogar Vogelschlag und Tiere<br />
auf der Landebahn simuliert werden. Der<br />
Rechner steuert Elektromotoren an, wodurch<br />
fast jede Flugbewegung und -lage nachge-<br />
14 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
ildet werden kann. Zur Visualisierung<br />
erzeugen drei Großbildschirme ein ruckelfreies,<br />
sehr realistisches 180-Grad-Rundumbild.<br />
An einem Bedienpult außerhalb der<br />
Zelle überwacht ein Operator den gesamten<br />
Flug, zeichnet für das Debriefing sekundengenau<br />
alle Parameter auf und kann gewünschte<br />
Flugabschnitte ohne zeitlichen Aufwand<br />
beliebig wiederholen. Die Einbindung eines<br />
solchen Full-Flight-Simulators in die Ausbildung<br />
oder auch später zur Inübunghaltung<br />
ist zweifellos sinnvoll, zumal man im Vergleich<br />
zur realen Flugstunde mindestens<br />
50 Euro spart. Rechtlich sind diese Flugzeiten<br />
allerdings nicht anrechenbar.<br />
Anders sieht es da schon im PPL-<br />
Bereich aus. Von den gesetzlich erforderlichen<br />
45 Flugstunden für die<br />
SEP-Motorfluglizenz können<br />
Die virtuelle Fliegerei<br />
des 21. Jahrhunderts hat<br />
mit ihren Urahnen auf<br />
Atari und Commodore<br />
kaum noch etwas gemein.<br />
Foto: Toni Ganzmann<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 15
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
In der ATPL-Ausbildung<br />
ist der Simulator längst<br />
etablierter Standard.<br />
Leistungsstarke Projektoren<br />
bringen die virtuelle<br />
Realität auf die Leinwand.<br />
fünf Stunden auf einem Flugsimulationsübungsgerät<br />
FSTD (Flight Simulation Training Device)<br />
absolviert werden. Natürlich muss dieses Gerät<br />
zertifiziert sein, und die zuständige Behörde<br />
ist gemäß ORA.GEN General.105 für die<br />
Qualifikation und Aufsichtsführung verantwortlich.<br />
Für die Flugschule ist demnach festgelegt,<br />
welche Ausbildungsteile am Simulator<br />
anerkannt werden. Im Wesentlichen geht es<br />
um Funknavigationsmissionen wie Umkehrkurven,<br />
VOR-Nutzung und Übungen, die real<br />
unter der Haube geflogen werden.<br />
Bei der Flugschule FSM in Marl werden<br />
beispielsweise 20 der 40 Pflichtstunden für<br />
die kompetenzbasierte Ausbildung zur In‐<br />
strumentenflugberechtigung am zertifizierten<br />
FNPT II (Flight Navigation Procedures Trainer<br />
mit Sichtsystem) durchgeführt. Hier handelt<br />
es sich um einen Verfahrenstrainer des Herstellers<br />
Elite, der eine Piper Arrow IV als komplexes<br />
einmotoriges Flugzeug simuliert. In der<br />
Nachbildung des originalen Cockpits können<br />
Standard- und Notverfahren anhand des Flughandbuchs<br />
umgesetzt sowie der Einsatz von<br />
Autopilot und Garmin GNS 430 geübt werden.<br />
Außerhalb der Zelle, direkt hinter dem Piloten,<br />
sitzt der Fluglehrer, der den Simulator bedient<br />
und gleichzeitig die Gegenstelle am Funk<br />
übernimmt. Für eine Stunde erdgebundenes<br />
VFR-Fliegen muss man 129 Euro bezahlen und<br />
spart mindestens 100 Euro je realer Stunde.<br />
Wer das Fliegen gerne zu seinem Beruf machen<br />
möchte, der wird nach der abgeschlossenen<br />
CPL-IR/ATPL-Ausbildung (Commercial Pilot<br />
Licence mit Instrumentenflugberechtigung/<br />
Airline Transport Pilot Licence) eine Musterberechtigung<br />
anstreben (Type Rating). Dazu<br />
braucht man einen zugelassenen Ausbildungsbetrieb,<br />
TRTO (Type Rating Training Organisation),<br />
der einen zertifizierten Simulator mit<br />
voller Beweglichkeit einsetzt, um nicht alle<br />
vorgeschriebenen Flugstunden real fliegen<br />
und teuer bezahlen zu müssen. Je nach Muster<br />
liegen die Stundenpreise zwischen 200 und<br />
400 Euro.<br />
Der Fluglehrer ist<br />
Simulator-Operator und<br />
Fluglotse in Einem.<br />
16 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Detailgetreue Topografie,<br />
realitätsnahe Wolkenformationen?<br />
Heute kein Problem.<br />
Fotos: Toni Ganzmann<br />
Die Luftfahrerschule für den Polizeidienst<br />
am Flugplatz Bonn/Hangelar ist das Hubschrauberausbildungszentrum<br />
der Polizei des<br />
Bundes und der Länder. Dort werden drei<br />
stationäre Simulatoren, die als FNPT III zertifiziert<br />
sind, für die Muster Eurocopter EC135,<br />
EC155 und Aerospatiale AS332L1 Super Puma<br />
betrieben. Nach der Grundschulung der<br />
Pilotenanwärter auf der einmotorigen EC120<br />
setzt sich die weitere Ausbildung auf dem<br />
Einsatzmuster EC135 fort. Bis zum Abschluss<br />
der gesamten Pilotenausbildung werden ungefähr<br />
30 Stunden für Instrumentenflug und<br />
Notverfahren im Simulator geflogen. Zur Erlangung<br />
der Einsatzreife und auch später<br />
während des regulären Flugdienstes werden<br />
regelmäßig musterbezogene Notverfahren<br />
und einsatzspezifische Manöver trainiert. Die<br />
hochaufgelöste Videodarstellung der jeweiligen<br />
Umgebung auf der 220 mal 68 Grad<br />
großen Projektionsfläche lässt die Crew ganz<br />
schnell vergessen, dass es sich nur um eine<br />
Simulation handelt. Da alle Einsätze immer<br />
mit mindestens zwei Besatzungsmitgliedern<br />
wahrgenommen werden, ist ein weiteres<br />
Ausbildungsziel die Optimierung der Zusammenarbeit<br />
und Kooperation innerhalb der<br />
Crew (Multi-Crew Cooperation, MCC). Insbesondere<br />
bei großen Hubschraubern wie der<br />
Super Puma, deren Stundenpreis bei 7000<br />
Euro liegt, ist die 400 Euro teure Simulatorstunde<br />
ein Gewinn.<br />
Auf bereits ausgebildete Hubschrauberpiloten<br />
hat sich der ADAC mit seiner HEMS<br />
Academy (Helicopter Emergency Medical Services)<br />
am Flugplatz Bonn/Hangelar spezialisiert.<br />
Zwei voll bewegliche Simulatoren für die Hubschraubermuster<br />
EC135 und EC145 stehen<br />
nicht nur den 150 firmenangehörigen Piloten<br />
zur Verfügung, sondern auch allgemeinen<br />
Bedarfsträgern. Die nach FSTD Level A zertifizierten<br />
Full-Flight-Simulatoren (FFS) sind<br />
kugelförmige Dome, die auf sechs elektrisch<br />
ein- und ausfahrbaren Stelzen lagern, wodurch<br />
die Kuppel um alle Achsen beweglich wird.<br />
Im Inneren sind die voll funktionsfähigen Cockpiteinrichtungen<br />
sowie die 210 Grad horizontal<br />
und 60 Grad vertikal große Projektionsflä-<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 17
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Full-Motion-Simulatoren<br />
sind komplexe und entsprechend<br />
teure Geräte.<br />
Realistischer Starkregen<br />
über grünem Tal? Heute<br />
technisch kein Problem.<br />
che installiert. Durch die Beweglichkeit des<br />
Simulators in Verbindung mit der perfekten<br />
Visualisierung der Flugumgebung entsteht<br />
bei Checkflügen, Notverfahren und dem Training<br />
von Spezialaufgaben wie Bergrettung,<br />
Bohrinsel- und Schiffsanflügen bei verschiedensten<br />
Wetterbedingungen sofort ein überaus<br />
realer Flugeindruck.<br />
Natürlich wird der gesamte Flug inklusive<br />
aller Betriebsdaten aufgezeichnet und im Debriefing<br />
eingehend besprochen. Etwa 800<br />
Euro kostet die Stunde im Simulator, also ungefähr<br />
ein Drittel der Flugkosten. 3500 Stunden<br />
im Jahr sind die beiden Geräte im Einsatz. Da<br />
in Kürze ein neuer Einsatzhubschrauber, der<br />
Eurocopter H145, eingeführt wird, installiert<br />
die Akademie demnächst einen dritten FFS<br />
speziell für dieses Muster.<br />
Eine völlig neue Art der Simulation bietet<br />
der Systemtrainer HeliSys 135. Drei Touchscreen-<br />
Monitore zeigen das Cockpit des Eurocopter<br />
EC135 mit allen schaltbaren Elementen. Bei<br />
Betätigung eines Schalters wird auf einem<br />
weiteren Monitor links die damit ausgelöste<br />
Funktion dargestellt, und zwei andere Bildschirme<br />
auf der rechten Seite erklären anschaulich<br />
die Arbeitsweise dieses Systems. Dieser<br />
Systemtrainier wird zur Vorbereitung der<br />
Piloten auf die Simulatorarbeit und für das<br />
Type Rating eingesetzt.<br />
FAZIT<br />
Simulatoren jeglicher Ausführung<br />
bieten die Gelegenheit, ausgewählte Szenarien<br />
mehrfach hintereinander ablaufen zu<br />
lassen. Dadurch werden unter anderem Zeit<br />
und Treibstoff in erheblichem Umfang eingespart<br />
– von der Umweltfreundlichkeit durch<br />
fehlende Lärm- und Abgasemissionen ganz<br />
zu schweigen. Insbesondere Notverfahren<br />
können völlig entspannt trainiert werden, denn<br />
Mensch und Maschine bleiben in jedem Fall<br />
heil. Die hohe Effizienz bei Ausbildung und<br />
Inübunghaltung sowie die Einsparung immenser<br />
Kosten haben den Simulator zu einem<br />
unverzichtbaren Teil in der Fliegerei werden<br />
lassen.<br />
ae<br />
Toni Ganzmann<br />
Die Cockpits moderner<br />
Simulatoren sind identisch<br />
mit denen realer Muster.<br />
Fotos: Toni Ganzmann<br />
18 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Der Traum vom Fliegen<br />
muss kein Traum bleiben,<br />
jeder kann es lernen.<br />
Foto: Frank Herzog<br />
Hier können Sie fliegen lernen!<br />
Flugschulen <strong>2016</strong><br />
Vom Segelflieger über den Privatpiloten bis hin zum Verkehrsflugzeugführer – das<br />
Angebot für eine Flugausausbildung ist groß. Auf den folgenden Seiten haben<br />
wir Flugschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgeführt. Zusätzlich<br />
bieten auch viele Luftsportvereine eine Ausbildung an.<br />
Deutschland<br />
Motorflug<br />
Helikopter<br />
Segelflug<br />
ergänzende<br />
Ausbildung<br />
Firma, PLZ Ort, Kontakt<br />
Postleitzahlenbereich 0<br />
The Flight Academy, 01558 Großenhain, www.the-flight-academy.de X X X X<br />
Flugservice Bautzen, 02625 Bautzen, www.flugservice-bautzen.de X X X<br />
Aeroheli International, <strong>03</strong>058 Neuhausen, www.aeroheli.de X X X X X<br />
Spree Neiße Flug, <strong>03</strong>119 Welzow, www.spree-neisse-flug.de X X X<br />
ASS Air Service Sachsen, 04013 Leipzig, www.air-service-sachsen.de X X<br />
Lips Flugdienst, 041<strong>03</strong> Leipzig, www.lips-flugdienst.de X X X<br />
Flugschule Altenburg Air Service, 046<strong>03</strong> Nobitz, www.fs-a.de X X<br />
FSH Flugschule Heigel, 04827 Machern, www.flugschule-sachsen.de X X<br />
Flugschule Löffler, 06188 Landsberg OT Zöberitz, www.flugschule-loeffler.de X X X<br />
Air Lloyd Deutsche Helicopter Flugservice GmbH, 06188 Landsberg OT Oppin, www.<br />
X X X X<br />
airlloyd.de<br />
Flugdienst Guenther, 07546 Gera, www.flugdienst-guenther.de X X X<br />
Take Wings Charter-Flug-Schule, 07646 Schöngleina, www.takewings.de X X<br />
Flugschule Gregor Stahnke, 09385 Erlbach-Kirchberg, www.flugschule-stahnke.de X X X X X X<br />
Postleitzahlenbereich 1<br />
Flugakademie Leonardo da Vinci, 10585 Berlin, www.flugschule-berlin.com<br />
X<br />
PPL(A)<br />
LAPL(A)<br />
IR (A)<br />
CPL(A)<br />
ATPL(A)<br />
PPL(H)<br />
LAPL(H)<br />
IR(H)<br />
CPL(H)<br />
ATPL(H)<br />
Segelfluglizenz<br />
CR TMG<br />
Kunstflugberechtigung<br />
TR/CR<br />
FI<br />
Theorie<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 19
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Motorflug<br />
Helikopter<br />
Segelflug<br />
ergänzende<br />
Ausbildung<br />
Firma, PLZ Ort, Kontakt<br />
Cockpit4u Aviation Service, 12529 Berlin-Schönefeld, www.cockpit4u.com<br />
X<br />
VPS Verkehrspilotenschule Berlin, 12529 Berlin-Schönefeld, www.verkehrspilotenschule.com X X X X X X<br />
Flugsport-Berlin Ultraleichtflug, 13158 Berlin, www.flugsport-berlin.de<br />
Flugplatz Bienenfarm, 14641 Paulinenaue OT Selbelang, www.bienenfarmfliegen.com X X X<br />
Flugschule und Lufttaxi, 14798 Havelsee, www.flugschule-berlin-brandenburg.com X X X<br />
Fläming Air, 14913 Zellendorf, www.flaemingair.de X X X X<br />
APS Aviation Project Service, 14959 Schönhagen, www.apsflight.com X X X X X X X<br />
CD Aircraft, 14959 Trebbin OT Schönhagen, www.cdaircraft.de<br />
X<br />
Flugschule Hans Grade, 14959 Schönhagen, www.flugschule-grade.de X X X X X X<br />
HFD Hubschrauber & Flugzeugdienst, 14959 Schönhagen,<br />
X X X X<br />
www.flugschule-brandenburg-berlin.de<br />
Albatros-Flug, 14979 Großbeeren, www.albatros-flug.de X X X<br />
Aerotours Verkehrspilotenschule, 15344 Strausberg, www.aerotours.de X X X X X X X X<br />
Ardex Flugschule- und Luftfahrtunternehmen, 16866 Kyritz, www.flugschule-ardex.de X X X X X X X X<br />
Abenteuer Segelflug, 16866 Kyritz, www.abenteuer-segelflug.com X X X<br />
Tollenseflug GmbH, 17<strong>03</strong>9 Trollenhagen, www.flugschule-nuf.de X X X<br />
HG-Airservice Hubert Goller, 17<strong>03</strong>9 Trollenhagen X X X X X<br />
Flugschule Rostock, 18119 Rostock, www.flugschule-rostock.de X X X X X X X<br />
OAS Ostseeflug Air Service, 18299 Laage OT Weitendorf, www.ostseeflug.com X X X X<br />
Ostsee-Flug Rügen GmbH, 18573 Güttin, www.flugplatz-ruegen.de X X<br />
Postleitzahlenbereich 2<br />
HHS Hanseatic Helicopter Service, 22335 Hamburg, www.hanseatic-helicopter.de X X X<br />
OneTwo Aviation, 22453 Hamburg, www.onetwo-aviation.de X X X X X X X X X X X<br />
Flugschule Hohensee, 22962 Siek, www.flugschule-hohensee.de X X<br />
Regionalflug GmbH in Mecklenburg, 23970 Wismar, www.flugplatz-wismar.de X X X<br />
FLM Aviation Maintenance, 24159 Kiel, www.kielaviation.de X X<br />
Flensburg Aviators, 24855 Bollingstedt, www.flensburg-aviators.de X X<br />
Baltic Seaplane, 24941 Flensburg, www.baltic-seaplane.de<br />
X<br />
Hanseair, 25492 Heist, www.hanseair.com X X X X<br />
Flugschule Husum, 25813 Schwesing/Husum, www.flugschule-husum.de X X X<br />
Flugschule Sylt, 25980 Westerland, www.syltair.de X X<br />
AAG Flight Academy, 27777 Ganderkesee, www.atlas-airfield.de X X X X<br />
Albatros Flugdienst, 26209 Hatten, www.flugplatz-hatten.de X X<br />
Aerobatic Center, 26316 Varel, www.aerobatic-center.de X X X<br />
Flugschule Borkum, 26209 Hatten, www.flugschule-borkum.de X X X X<br />
DL Helicopter, 27639 Wurster Nordseeküste, www.dlhelicopter.com X X<br />
Postleitzahlenbereich 3<br />
Flight Center Hannover, 30855 Hannover, www.flightcenter-hannover.de X X X X X X<br />
Helijet Helikopter Flugschule, 30855 Hannover, www.hubschrauber-schule.de X X X X<br />
UL-Flugschule Hildesheim, 31137 Hildesheim, www.flugschule-hildesheim.de X X X<br />
FMG-FlightTraining, 33142 Büren, www.flugschule.de X X X X X X X<br />
Flugschule Bielefeld, 33659 Bielefeld, www.flugschule-bielefeld.de X X X<br />
Guido Blissenbach, 33813 Oerlinghausen X X<br />
Segelflugschule Oerlinghausen, 33813 Oerlinghausen, www.segelflugschule-oerlinghausen.de X X X X X X X<br />
Fly Now Flight Academy, 37127 Niemetal, www.charterflug-beissner.de X X X<br />
Simtec Simulation Technology, 38108 Braunschweig, www.simtec.de<br />
X<br />
Aerowest Flugcenter, 38108 Braunschweig, www.flugschule-aerowest.de X X X<br />
FMD Magdeburg, 39120 Magdeburg, www.fmd-magdeburg.de<br />
X<br />
Postleitzahlenbereich 4<br />
RWL German Flight Academy, 41066 Mönchengladbach, www.rwl-flight.de X X X X X X X<br />
MG Flyers, 41066 Mönchengladbach, www.mgflyers.de X X X<br />
Heli NRW, 41066 Mönchengladbach, www.heli-nrw.de X X X X<br />
H. D. Schulz Luftfahrt, 41812 Erkelenz-Keyenberg, www.hdschulz.de X<br />
PPL(A)<br />
LAPL(A)<br />
IR (A)<br />
CPL(A)<br />
ATPL(A)<br />
PPL(H)<br />
LAPL(H)<br />
IR(H)<br />
CPL(H)<br />
ATPL(H)<br />
Segelfluglizenz<br />
CR TMG<br />
Kunstflugberechtigung<br />
TR/CR<br />
FI<br />
Theorie<br />
20 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Motorflug<br />
Helikopter<br />
Segelflug<br />
ergänzende<br />
Ausbildung<br />
Firma, PLZ Ort, Kontakt<br />
PPL(A)<br />
LAPL(A)<br />
IR (A)<br />
CPL(A)<br />
ATPL(A)<br />
PPL(H)<br />
LAPL(H)<br />
IR(H)<br />
CPL(H)<br />
ATPL(H)<br />
Segelfluglizenz<br />
CR TMG<br />
Kunstflugberechtigung<br />
TR/CR<br />
FI<br />
Theorie<br />
Cranfield Aviation Training School, 44227 Dortmund, www.theorieschule.aero X X X X X X X X X X<br />
Star Wings Dortmund, 44319 Dortmund, www.star-wings.com X X<br />
Flugausbildungszentrum Dortmund, 44319 Dortmund, www.flugschule-dortmund.de X X X<br />
FFL Fachschule für Luftfahrzeugführer, 45470 Mülheim/Ruhr, www.ffl-flighttraining.de X X X X X X X<br />
Aveo Air Service, 45470 Mülheim/Ruhr, www.aveoair.com X X X X<br />
Aveo Flight Academy, 45470 Mülheim/Ruhr, www.aveoair.com X X X X X<br />
YourPlane, 45663 Recklinghausen, www.yourplane.de<br />
X<br />
Flugschule Dr. Peter Luthaus, 45770 Marl, www.flugschule-marl.de X X X X<br />
Flugschule Followme, 47929 Grefrath, www.flugschule-followme.de X X X<br />
Aerotreff Flugschule am FMO, 48268 Greven, www.aerotreff.de X X X X<br />
Motorflugschule Jochen Petermann, 48653 Coesfeld, www.jp-motorflugschule.de X X X X<br />
Flugschule Air Stadtlohn, 487<strong>03</strong> Stadtlohn, www.air-stadtlohn.de X X<br />
Technische Fachschule für Flugzeugführer, 49434 Neuenkirchen-Vörden, www.tff.aero X X<br />
Postleitzahlenbereich 5<br />
Fallschirmsport Sky-Fun, 50825 Köln, www.sky-fun.de<br />
X<br />
Westflug Aachen, 52146 Würselen, www.westflug.de X X X X X X<br />
ADAC Luftrettung/HEMS Academy, 53757 Sankt Augustin, www.hems-academy.adac.de<br />
X<br />
Air Lloyd Deutsche Helicopter Flugservice GmbH, 53757 Sankt Augustin, www.airlloyd.de X X X X<br />
LifeFlight, 53757 Sankt Augustin, www.lifeflight.de X X X X X X<br />
ATC Aviation Training & Transport Center, 53757 Sankt Augustin, www.atc-flugschule.de X X X<br />
Aviator X, 54669 Bollendorf, www.aviatorx.com X X X X<br />
Drive & Fly, 55343 Föhren, www.drive-and-fly.de X X X X X X<br />
Schule für Privatpiloten, 55126 Mainz, www.schulefuerprivatpiloten.de X X X<br />
DHD Heliservice, 56299 Ochtendung, www.dhd-heliservice.de X X X<br />
Rhein Mosel Flug, 56333 Winningen, www.flyrmf.de X X X X<br />
AirAlliance Flight Center, 56479 Liebenscheid, www.air-alliance.de X X X X X X X X X X X X X<br />
Air Alliance Flight Center, 57299 Burbach, www.air-alliance.de X X X X X X X<br />
KayFly, 57299 Burbach, www.kayfly.de X X X<br />
Agrarflug Helilift, 59227 Ahlen, www.agrarflug-helilift.com X X X X<br />
Flugschule Milan Meschede, 59872 Meschede X X<br />
Postleitzahlenbereich 6<br />
Rotorflug, 61381 Friedrichsdorf, www.rotorflug.de X X<br />
Die Ausbildung zum<br />
Privathubschrauberpiloten<br />
umfasst mindestens<br />
45 Flugstunden.<br />
Foto: Fuchs Helikopter<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 21
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Motorflug<br />
Helikopter<br />
Segelflug<br />
ergänzende<br />
Ausbildung<br />
Firma, PLZ Ort, Kontakt<br />
Motorflugschule Egelsbach, 63329 Egelsbach, www.motorflugschule-egelsbach.de X X<br />
Rhein-Main-Flightcenter, 63329 Egelsbach, www.rm-flightcenter.de X X X X X<br />
FTA Flugtraining Aschaffenburg, 63762 Großostheim, www.ifr-flugtraining.de X X X X X<br />
Wiesbadener Flugdienst, 65195 Wiesbaden, www.wiesbadener-flugdienst.de X X<br />
Flightcenter Saar, 66131 Saarbrücken, www.flightcenter-saar.de X X X<br />
Aviation Support & Training, 66482 Zweibrücken, www.flugschule-ast.aero X X X X X X<br />
Civil Aviation Training Europe, CAT Europe, 67547 Worms, www.cat-europe.com X X X X X X X X X X X<br />
ASW Aero-Service-Worms, 67547 Worms, www.flugschule-worms.de X X X<br />
Postleitzahlenbereich 7<br />
Eurocity Flight Schools, 70597 Stuttgart, www.eurocityflightschools.de X X X<br />
Aero-Beta, 70794 Filderstadt-Sielmingen, www.aero-beta.de X X X X<br />
Princessair, 70806 Kornwestheim, www.princessair.de X X X<br />
Helix Fluggesellschaft, 74632 Neuenstein, www.helixcopter.de X X X<br />
Reibel Air Service, 77836 Rheinmünster, www.reibelair.de X X X X X<br />
Flugschule Cosmo, 77933 Lahr, www.fllugschule-hezel.de X X<br />
HTC Helicopter Training + Charter, 78166 Donaueschingen, www.htc-helicopter.de X X X X X<br />
Flugschule Nikolaus, 78166 Donaueschingen, www.flugschule-nikolaus.de X X<br />
Konair, 78467 Konstanz, www.konair.aero X X X<br />
FFH Flugdienst Freiburg Harter, 79108 Freiburg, www.flyffh.com X X X X X X X X<br />
Heli AG, 79211 Denzlingen, www.heli-ag.com X X X<br />
Air Profis, 79427 Eschbach, www.air-profis.de X X<br />
Postleitzahlenbereich 8<br />
Eurofly Aviation, 81671 München, www.eurofly-aviation.de X X X<br />
Flugschule München-Jesenwang, 82287 Jesenwang, www.flugschule-jesenwang.de<br />
Deutsche Alpensegelflugschule Unterwössen, 83246 Unterwössen;, www.dassu.de X X X X X X<br />
Flying Emotions, 83708 Kreuth, www.flyingemotions.de<br />
X<br />
PTL Luftfahrt, 84<strong>03</strong>4 Landshut, www.ptl-luftfahrt.de X X<br />
Engl Flightteam e.K., 84307 Eggenfelden, www.flightteam.de X X X X X X X X<br />
Munich Aviation Company, 85232 Feldgeding/Bergkirchen, www.munich-aviation-company.de X X X X X X<br />
Flugschule Alfred Robisch, 85560 Ebersberg, www.flugschule-robisch.de X X X<br />
Heli Aviation, 86169 Augsburg, www.heli-aviation.de X X X X X X<br />
Flugschule Martin Geisenfelder, 86169 Augsburg, www.flugschule-geisenfelder.de X X X X<br />
Hubschrauber-Akademie Augsburg, 86169 Augsburg, www.hubschrauber-akademie.de X X X X X X X<br />
Flugschule Eirenschmalz, 86987 Schwabsoien X X<br />
Air Allgäu, 87766 Memmingerberg, www.airallgaeu.de X X X X<br />
TACS Flugschule Bavaria Aviation, 87770 Trunkelsberg, www.bavaria-aviation.com X X<br />
Bodensee-Helicopter, 88046 Friedrichshafen, www.bodensee-helicopter.de X X X<br />
Tannheimer Flieger- und Freizeitzentrum, 88459 Tannheim, www.edmt.de X X X X X<br />
Flugschule Michael Bergmann, 87471 Durach, www.lu-bergmann.de X X X<br />
Postleitzahlenbereich 9<br />
Theorieschule Uwe Dittmar, 91047 Herzogenaurach, www.pplschulung.de X X X X X X X<br />
ISE Information Systems Engineering, 91322 Gräfenberg, www.ise-informatik.de X X X X X<br />
Frankenflugschule Kurt Malter, 91074 Herzogenaurach, www.frankenflugschule.de X X X<br />
Fränkische Fliegerschule Feuerstein, 91320 Ebermannstadt, www.edqe.de X X X X X X X<br />
Aerodynamic, 92342 Freystadt, www.aero-dynamic.de X X X X<br />
Flugschule Your Sky Inh. Tom Schiemann, 95182 Döhlau, www.your-sky.de X X X X<br />
Flugschule Reichel, 96237 Ebersdorf, www.flugschulecoburg.de X X X X X X X X<br />
Flugschule Kost, 97531 Theres, www.flugschule-kost.de X X X<br />
Flugschule Bad Neustadt, Peter Gehret, 97616 Bad Neustadt/Saale,<br />
X X X<br />
www.flugschule-bad-neustadt.de<br />
Helicopter Service Thüringen GmbH, 99610 Großbrembach, www.heli-thueringen.de X X X X<br />
Flugservice Sömmerda, 99625 Dermsdorf, www.flugservice-soemmerda.de X X X X X X X<br />
PPL(A)<br />
LAPL(A)<br />
IR (A)<br />
CPL(A)<br />
ATPL(A)<br />
PPL(H)<br />
LAPL(H)<br />
IR(H)<br />
CPL(H)<br />
ATPL(H)<br />
Segelfluglizenz<br />
CR TMG<br />
Kunstflugberechtigung<br />
TR/CR<br />
FI<br />
Theorie<br />
22 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Flüge im Gebirge setzen<br />
eine fundierte Einweisung<br />
und Erfahrung voraus.<br />
Foto: Yves Klett<br />
Österreich<br />
Motorflug<br />
Helikopter<br />
Segelflug<br />
ergänzende<br />
Ausbildung<br />
Firma, PLZ Ort, Kontakt<br />
Thüringer Helicopter Charter (Inhaber: Wolfgang Friedt), 99625 Großmonra,<br />
X X X X X X X<br />
www.thueringerhelicharter.de<br />
Postleitzahlenbereich 1<br />
Hubi-Fly Helikopter, 1010 Wien, www.hubifly.at X X X X<br />
flighttime, 1060 Wien, www.flighttime.at X X X X X X X X<br />
Businessair Flugschule, 1090 Wien, www.businessair.at<br />
X<br />
B.A.C.H. Flugbetriebs Ges.mbH, 1160 Wien, www.bachflug.at<br />
X<br />
Pink Aviation Services, 1230 Wien, www.pink.at<br />
X<br />
Niki Luftfahrt GmbH, 1300 Wien-Flughafen, www.flyniki.com<br />
X<br />
Postleitzahlenbereich 2<br />
FTO 2000 Flight Training, 2000 Stockerau, www.fto2000.at X X X X X X X<br />
Flugsportzentrum Spitzerberg, 2405 Hundsheim, www.spitzerberg.at X X X<br />
MFU Flugbetrieb, 2540 Vöslau, www.3fly.at X X X X X X<br />
ATO Watschinger, 2540 Bad Vöslau, www.watschinger.at X X X X X X<br />
Starflight, 2540 Bad Vöslau, www.starflight.at X X X X X<br />
Diamond Airborne Sensing, 2700 Wiener Neustadt, www.diamond-air.at X X<br />
Flugschule ASKÖ Wien, 2700 Wiener Neustadt, www.flugschule-wien.at X X X X X<br />
Postleitzahlenbereich 3<br />
blue danube flying, 3300 Amstetten, www.bluedanubeflying.com X X<br />
Sky Flight Academy, 3500 Krems, www.sfa.aero X X X X X X X X<br />
Fly 2 Sky GmbH, 3644 Emmersdorf a. d. Donau, www.fly2sky.eu<br />
X<br />
PPL(A)<br />
LAPL(A)<br />
IR (A)<br />
CPL(A)<br />
ATPL(A)<br />
PPL(H)<br />
LAPL(H)<br />
IR(H)<br />
CPL(H)<br />
ATPL(H)<br />
Segelfluglizenz<br />
CR TMG<br />
Kunstflugberechtigung<br />
TR/CR<br />
FI<br />
Theorie<br />
Flight Training Special 3/<strong>2016</strong> 23
[ FLIGHT TRAINING SPECIAL ]<br />
Motorflug<br />
Helikopter<br />
Segelflug<br />
ergänzende<br />
Ausbildung<br />
Firma, PLZ Ort, Kontakt<br />
Postleitzahlenbereich 4<br />
PPL(A)<br />
LAPL(A)<br />
IR (A)<br />
CPL(A)<br />
ATPL(A)<br />
PPL(H)<br />
LAPL(H)<br />
IR(H)<br />
CPL(H)<br />
ATPL(H)<br />
Segelfluglizenz<br />
CR TMG<br />
Kunstflugberechtigung<br />
TR/CR<br />
FI<br />
Theorie<br />
AeronautX Luftfahrtschule, 4063 Hörsching, www.aeronautx.at X X X X X X X<br />
Flylinz, 4063 Hörsching, www.flylinz.at X X X<br />
Postleitzahlenbereich 5<br />
The Flying Bulls, 5020 Salzburg, www.flyingbulls.at X X<br />
Checkflug.eu, 5020 Salzburg, www.checkflug.eu X X X X X X X X X X<br />
EAA Aviation Academy, 5020 Salzburg, www.eaa.aero<br />
X<br />
Spins & More, 5020 Salzburg, www.spinsandmore.at X X X X X X<br />
Prosperia Aviation Academy, 5071 Wals, www.prosperiaaviation.com X X X X X X<br />
Never Get Lost, 5071 Wals, www.motorflugschule-zellamsee.at<br />
X<br />
Austrian Pilots Academy, 5161 Elixhausen, www.austrian-pilots-academy.at X X X X X X X X X X<br />
RotorSky, 5675 Weibern, www.rotorsky.at X X X X X<br />
Postleitzahlenbereich 6<br />
Tyrolean Airways, 6026 Innsbruck, www.tyrolean.at<br />
Fly-West, 6063 Innsbruck-Rum, www.fly-west.aero X X X X X X X X<br />
fLY.UP Motorflugschule, 6073 Sistrans, www.krappinger.at X X X X<br />
Postleitzahlenbereich 7<br />
Aviation Academy Austria, 7130 Neusiedl am See, www.aviationacademy.at X X X X X X<br />
Farnair Training Centre, 7100 Neusiedl am See, www.farnair.com<br />
X<br />
Punitzflug, 7536 Güttenbach, www.punitzflug.at X X X X X X X X X<br />
Postleitzahlenbereich 8<br />
Steirische Motorflug-Union, 8073 Feldkirchen bei Graz, www.motorflugunion.com X X X X X X X<br />
Austrian Aircraft Corporation, 8073 Feldkirchen, www.aac.at X X<br />
Aerobatics Academy, 8342 Gnas, www.aerobatics-academy.at X X<br />
Union Alpenflugschule Niederöblarn, 8960 Niederöblarn, www.alpenflugschule.at X X X X X<br />
Schweiz<br />
Postleitzahlenbereich 1<br />
Aéro Formation B. Hanhart, 1018 Lausanne, www.aeroformation.ch X X<br />
Fly 7 Executive Aviation, 1018 Lausanne, www.fly7.ch X X X X X<br />
Swift Copters, 1215 Genf 15 Aéroport, www.swiftcopters.ch X X X<br />
Air Fribourg Services, 1730 Ecuvillens, www.aerodrome-ecuvillens.ch X X X X X<br />
Héli-Alpes, 1950 Sion, www.helialps.ch X X X X X X X X<br />
Postleitzahlenbereich 2<br />
Air-Espace Sàrl, 2013 Colombier NE, www.air-espace.net X X X X X X X X X<br />
Flugschule Seeland, 2501 Biel/Bienne, www.fg-seeland.ch X X X<br />
Heli-West, 2540 Grenchen, www.heli-west.ch X X X<br />
Maxim Air, 2540 Grenchen, www.maximair.ch X X<br />
Flugschule Grenchen, 2540 Grenchen, www.fliegen.ch X X X X X X X X X X<br />
Postleitzahlenbereich 3<br />
Flugschule Gribair, 3123 Belp, www.gribair.ch X X X X<br />
Malbuwit, 3123 Belp, www.malbuwit.ch X X X X X X X X<br />
Mountain Flyers 80, 3123 Beie, www.mountainflyers.ch X X X X<br />
Flugschule Reichenbach, 3713 Reichenbach, www.fluggruppe-reichenbach.ch X X X X X X<br />
Air Sarina, 3792 Saanen, www.air-sarina.ch X X<br />
Postleitzahlenbereich 4<br />
Flugschule Basel, 4<strong>03</strong>0 Basel, www.fsb.aero X X X X X X X<br />
Flugschule Fricktal, 4325 Schupfart, www.mfgf.ch X X<br />
Postleitzahlenbereich 5<br />
Fliegerschule Birrfeld, 5242 Lupfig, www.birrfeld.ch X X X X X X X X<br />
Silver Goose Aviation, 5330 Bad Zurzach, www.silvergoose.ch X X X<br />
Swiss Pilot School Association, 5616 Meisterschwanden, www.swisspsa.ch X X X X X<br />
24 Flight Training Special 3/<strong>2016</strong>
Motorflug<br />
Helikopter<br />
Segelflug<br />
ergänzende<br />
Ausbildung<br />
Firma, PLZ Ort, Kontakt<br />
Postleitzahlenbereich 6<br />
PPL(A)<br />
LAPL(A)<br />
IR(A)<br />
CPL(A)<br />
ATPL(A)<br />
PPL(H)<br />
LAPL(H)<br />
IR(H)<br />
CPL(H)<br />
ATPL(H)<br />
Segelfluglizenz<br />
CR TMG<br />
Kunstflugberechtigung<br />
TR/CR<br />
FI<br />
Theorie<br />
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Postleitzahlenbereich 8<br />
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Swiss Air-Ambulance, 8058 Zürich, www.rega.ch X X<br />
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Twinair, 8152 Glattbrugg, www.twinair.ch X X X X X X<br />
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Valair, 8589 Sitterdorf, www.valair.ch X X X X X<br />
Flugbetriebs-AG, 8589 Sitterdorf, www.erlebnisflugplatz.ch X X X X X X X<br />
Heli Partner, 8589 Sitterdorf, www.helipartner.ch X X X X X X X X X<br />
Alpine Segelflugschule Schänis, 8718 Schänis, www.schaenissoaring.ch X X X X<br />
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Heli-Linth, 8753 Mollis, www.heli-linth.ch X X<br />
Fliegerschule Hausen am Albis, 8915 Hausen am Albis, www.fliegerschule.ch X X<br />
Albis Wings, 8915 Hausen am Albis, www.albiswings.ch X X X X<br />
Swiss Flying Club, 8915 Hausen am Albis, www.swissflyingclub.ch X X<br />
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Das Flight Training Special ist eine Sonderpublikation der Motor Presse Stuttgart. Es liegt<br />
der Gesamtaufage des <strong>aerokurier</strong> 3/16 und der Abo-Aufage der FLUG REVUE 4/16 bei.<br />
REDAKTION: Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart, Telefon: +49 711 182-2800,<br />
Fax: +49 711 182-1781, E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de, Internet: www.<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Herausgeber: Michael Pfeiffer Redaktionsleitung: Lars Reinhold (verant. i. S. d. Presserechts)<br />
Stellv. Chefredakteur: Gerhard Marzinzik Produktionsleitung: Marion Hyna<br />
Schlussredaktion: Jutta Clever Grafk und Layout: MOTORRAD-Grafk, Ralf Athen,<br />
Harald Hornig, Katrin Sdun Repro: MOTORRAD-Medienproduktion, Stefan Widmann (Ltg.),<br />
Catherine Pröschild (i.V.), Iris Heer, Sabine Heilig-Schweikert Sekretariat: Iris Schaber<br />
VERLAG: Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG Leitung Geschäftsbereich Motorrad/<br />
Luft- und Raumfahrt: Peter-Paul Pietsch Stellv. Verlagsleitung und Leitung Digitale Medien:<br />
Eva-Maria Gerst Brandmanagement: Natalie Lehn<br />
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E-Mail: rwittstamm@motorpresse.de Verantwortlich für den Anzeigenteil: Julia Ruprecht,<br />
Tel.: +49 711 182-1548, Fax: -1027, E-Mail: jruprecht@motorpresse.de<br />
DRUCK: Neef + Stumme GmbH & Co. KG, 29378 Wittingen. Printed in Germany.<br />
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Flight Training Special 3/<strong>2016</strong><br />
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März <strong>2016</strong><br />
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Einsteiger und<br />
Fortgeschrittene<br />
Wenn alle gemeinsam<br />
anpacken, ist der Frühjahrsputz<br />
schnell erledigt.<br />
Ausmotten nach der Winterpause<br />
Frühlingserwachen<br />
Foto: Mark Juhrig<br />
Viele Flugzeuge bleiben in der kalten Jahreszeit am Boden<br />
oder werden nur sehr selten geflogen. Daher ist es ratsam, sie<br />
vor dem ersten Flug in der neuen Saison gründlich unter die<br />
Lupe zu nehmen, damit nichts Unerwartetes passiert.<br />
A<br />
uch wenn ein Flugzeug vermeintlich<br />
geschützt in einer Halle abgestellt ist,<br />
ist es kaum vor Nagetieren oder Vögeln<br />
sicher. Die Nist- und Brutzeit einiger heimischer<br />
Vogelarten beginnt bereits im März, und so<br />
kann es leicht passieren, dass unbemerkt ein<br />
Vogelnest im Motorraum gebaut wird. Nicht<br />
zu unterschätzen ist auch die Gefahr durch<br />
Marder, die sich gern an Schläuche und Kabel<br />
heranmachen. So musste Ende März 2010 ein<br />
Taifun-Motorsegler mit einem Motorbrand<br />
notlanden, der durch unentdeckte Bissschäden<br />
an Schläuchen im Motorraum entstanden war.<br />
Die besonders gründliche Kontrolle aller für<br />
Tiere zugänglichen Öffnungen am Flugzeug<br />
ist daher vor dem ersten Flug in der neuen<br />
Saison unabdingbar. Aber auch an anderen<br />
Stellen lauern Gefahren, vor allem, wenn das<br />
Flugzeug im Freien abgestellt und somit dem<br />
Wetter ausgesetzt war. In diesem Fall sollte<br />
man besonders gründlich überprüfen, dass<br />
sich kein Wasser im Treibstoff angesammelt<br />
hat.<br />
Wasser gelangt übrigens in den seltensten<br />
Fällen durch die Kondensation feuchter Luft<br />
in den Tank. Hundert Liter Luft können bei<br />
20 Grad nur etwas mehr als einen Milliliter<br />
Wasser enthalten. Ein Tank müsste somit<br />
viele Male mit feuchter Luft gefüllt werden<br />
und deren Wassergehalt dann auch vollständig<br />
im Tank kondensieren, um eine gefährliche<br />
Menge an Wasser zu produzieren. Zumeist<br />
ist der Tankstutzen der Ort des Wassereinbruchs.<br />
Auch der Motorölstand sollte am Anfang<br />
der Saison geprüft werden. Eventuell ist<br />
ein Wechsel notwendig, weil vor dem Winter<br />
ein spezielles Einbereichsöl für die geringeren<br />
Temperaturen eingefüllt wurde. Es kann auch<br />
sein, dass das Öl inzwischen schlicht zu alt<br />
ist und daher ausgetauscht gehört. So empfiehlt<br />
zum Beispiel die Firma Lycoming in<br />
einem Service-Bulletin, das Öl nach spätestens<br />
vier Monaten zu wechseln.<br />
Auch die Papiere<br />
sind Teil der Kontrolle<br />
Bevor man sich am Flugzeug an die Arbeit<br />
macht, ist ein Blick in die Papiere obligatorisch.<br />
Sind noch alle notwendigen Dokumente im<br />
Bordbuch enthalten? Muss unter Umständen<br />
die Versicherungspolice aktualisiert werden?<br />
Ist das Flugbetriebshandbuch noch vorhanden<br />
und komplett? Dabei sollte man die Gele-<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 75
[ PRAXIS März <strong>2016</strong> ]<br />
<br />
Fotos: Mark Juhrig, Daniele Esposito<br />
Der Motorraum bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Wird ein Vogelnest wie dieses übersehen,<br />
kann es im Flugbetrieb zu einem Triebwerksschaden oder gar zum Triebwerksbrand kommen.<br />
Checkliste zum Ausmotten<br />
Die Grundlage für das Durchchecken des Flugzeugs nach der Winterpause ist<br />
immer die Checkliste für die Vorflugkontrolle. Zusätzlich sollte auf die folgenden<br />
Punkte besonderes Augenmerk gelegt werden:<br />
Kontrolle der Kabine auf heruntergefallene<br />
Gegenstände und Fremdkörper (Kugelschreiber,<br />
Werkzeuge etc.)<br />
Gründliche Inspektion aller von außen zugänglichen<br />
Öffnungen (Motorraum, Fahrwerksschächte<br />
bei Luftfahrzeugen mit<br />
Einziehfahrwerk, Wartungsöffnungen etc.)<br />
Kontrolle aller Schlauch- und Kabelverbindungen<br />
im Motorraum auf Beschädigungen<br />
durch Nagetiere o. Ä.<br />
Kontrolle der Öffnungen von statischer<br />
Druckabnahme und Pitotrohr<br />
Wenn möglich: Entwässern des Pitotund<br />
Statiksystems<br />
Kontrolle der Ruderanlenkungen<br />
(Frei- und Leichtgängigkeit)<br />
Überprüfung des Tankinhaltes auf Wasser<br />
und Verunreinigungen<br />
Luftdruck der Bereifung kontrollieren und<br />
gegebenenfalls Luft nachfüllen<br />
Kontrolle des Batterieladezustandes.<br />
Gegebenenfalls die Batterie aufladen.<br />
Dabei auf die richtige Spannung achten!<br />
Kontrolle des Motoröls. Wurde vor<br />
dem Winter auf ein entsprechendes<br />
Einbereichsöl umgestellt, muss das<br />
Öl gewechselt werden.<br />
Kontrolle der Bespannung bzw. Beplankung<br />
auf Schäden und Risse<br />
Kontrolle der primären Fluginstrumente<br />
(Fahrtmesser, Höhenmesser, Kompass)<br />
Sind die Papiere im Bordbuch aktuell<br />
(Versicherungspolice, Lufttüchtigkeitszeugnis,<br />
Checklisten etc.)?<br />
Ist das Flugbetriebshandbuch im Luftfahrzeug<br />
vorhanden und komplett?<br />
Bei Schläuchen und Kabeln sollte die Kontrolle auf<br />
Scheuerstellen und Marderbisse obligatorisch sein.<br />
genheit nutzen, unwichtige Papiere und Zettel,<br />
die sich gerne in der Mappe ansammeln,<br />
auszusortieren.<br />
Wenn es dann zum Check am Flugzeug geht,<br />
muss man sich Zeit nehmen. Eine gründliche<br />
Kontrolle braucht mindestens einen halben<br />
Tag. Sinnvollerweise kombiniert man sie mit<br />
dem Frühjahrsputz. Das Durchchecken erfolgt<br />
entsprechend der üblichen Checkliste für die<br />
Vorflugkontrolle. Möglicherweise schreibt das<br />
Flugbetriebshandbuch noch zusätzliche Checks<br />
nach längerer Standzeit vor. Ergänzend gibt<br />
es weitere Punkte, auf die ein besonderes<br />
Augenmerk gelegt werden sollte (siehe Kasten).<br />
Gefahr durch Verstopfungen<br />
im Statik- und Pitotsystem<br />
Ist es erforderlich, die Batterie aufzuladen –<br />
was nach längerer Standzeit sehr wahrscheinlich<br />
ist –, so verzichtet man besser auf die<br />
Verwendung von ungeregelten Kfz-Batterieladegeräten.<br />
Mittlerweile gibt es mikroprozessorgesteuerte<br />
Ladegeräte zu erschwinglichen<br />
Preisen, die auch den Ladezustand des<br />
Akkus anzeigen und eine Überladung verhindern.<br />
Einige dieser Geräte können sowohl<br />
14-Volt- als auch 28-Volt-Batterien laden. Meist<br />
erkennt das Ladegerät automatisch, welche<br />
Spannung die Batterie benötigt. Auch das<br />
76 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
[ Autor Mark Juhrig<br />
... fand mit dem Modellflug<br />
den Einstieg in die<br />
Fliegerei. Heute ist er in<br />
Cockpits von Motorflugzeugen<br />
ebenso zuhause<br />
wie in denen von Motorseglern<br />
und ULs. Das Interesse<br />
des Elektroingenieurs<br />
gilt insbesondere<br />
der Technik.<br />
diesem Fall wird der Höhenmesser auf Platzhöhe<br />
stehenbleiben auch das Variometer nicht<br />
ansprechen. Um einen Ausfall der Instrumente<br />
zu vermeiden, müssen alle Checks möglichst<br />
vor dem ersten Flug in der neuen Saison<br />
gründlich und bewusst durchgeführt werden,<br />
damit kein Fehler unentdeckt bleibt und Unfallrisiken<br />
vermindert werden.<br />
Wenn viele anpacken, muss<br />
einer den Überblick behalten<br />
Beim Laden der Batterie ist auf korrekte Polung und Spannung zu achten und möglichst ein prozessorgesteuertes<br />
Ladegerät zu verwenden. Der Sprit im Tank sollte auf seinen Wassergehalt geprüft werden.<br />
Statik- und Pitotsystem verdient einen kritischen<br />
Blick, denn auch hier könnte sich Feuchtigkeit<br />
in den Leitungen angesammelt haben<br />
oder die Messöffnungen verstopft oder verschmutzt<br />
sein. Manche Flugzeuge verfügen<br />
über leicht zugängliche Drainageventile zur<br />
Entwässerung der entsprechenden Leitungen.<br />
In jedem Fall sollte beim ersten Flug nach der<br />
Winterpause auf die korrekte Funktion der<br />
barometrischen Instrumente geachtet werden.<br />
Der Fahrtmesser muss während des Startlaufes<br />
beginnen, die Fahrt anzuzeigen. Tut er<br />
dies nicht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit<br />
das Pitotrohr oder die Leitung zum Fahrtmesser<br />
verstopft. Wird die angezeigte Fahrt im<br />
Steigflug stetig kleiner, obwohl die Geschwindigkeit<br />
des Flugzeuges in Wirklichkeit nicht<br />
abnimmt, ist das Statiksystem verstopft. In<br />
Auch wenn einiges an Zeit zu investieren ist,<br />
um ein Flugzeug sorgfältig auf die neue Saison<br />
vorzubereiten, lohnt sich der Aufwand.<br />
Im Verein oder in der Haltergemeinschaft lässt<br />
sich der Aufwand zudem auf mehrere Schultern<br />
verteilen. Allerdings sollte immer eine<br />
einzelne Person den Überblick behalten, damit<br />
alles erfasst und nichts Wichtiges vergessen<br />
wird. Schlussendlich wird jeder mit einem<br />
besseren Gefühl die ersten Flüge der neuen<br />
Saison machen, wenn das Flugzeug eingehend<br />
gecheckt ist und wie eine Speckschwarte<br />
glänzt, da zum Ausmotten natürlich auch eine<br />
gründliche Reinigung gehört.<br />
Praxis-Quiz Testen Sie Ihr Wissen<br />
1. 2. 3.<br />
Warum bedarf das Pitotsystem zu<br />
Saisonbeginn einer Kontrolle?<br />
a) Die Sonde könnte verstopft sein.<br />
b) Es könnte sich Wasser in den Leitungen<br />
gesammelt haben.<br />
c) Sowohl verstopfte Sonden als auch<br />
Wasser in den Leitungen könnten Probleme<br />
bereiten.<br />
d) Auf eine Kontrolle kann verzichtet werden,<br />
wenn das Pitotrohr entsprechend<br />
abgedeckt war.<br />
Die Lösungen finden Sie auf Seite 106.<br />
Warum werden beim Ausmotten<br />
auch die Flugzeugpapiere überprüft?<br />
a) Weil es laut Flugzeughersteller vorgeschrieben<br />
ist.<br />
b) Weil die Versicherungspolice abgelaufen<br />
sein kann.<br />
c) Weil unnötige Zettel auszusortieren sind,<br />
bevor die Dokumentenmappe zu schwer<br />
wird (insbesondere bei ULs wichtig!).<br />
d) Eine Kontrolle ist nicht notwendig, da<br />
die Dokumente heute digital auf dem<br />
Tablet des Piloten vorliegen.<br />
Muss beim Ausmotten grundsätzlich<br />
das Motorenöl gewechselt werden?<br />
a) Nein, eine Kontrolle des Öls ist aufgrund<br />
der Lebensdauerfüllung nicht notwendig.<br />
b) Ja, da es durch die lange Standzeit im<br />
Winter seine Schmierfähigkeit verliert.<br />
c) Nein, es muss aber sichergestellt sein,<br />
dass das Öl nicht zu alt ist und den entsprechenden<br />
Temperaturbereich für die<br />
Saison abdeckt.<br />
d) Nein, weil es im Rahmen von Herstellerinspektionen<br />
gewechselt wird.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 77
[ PRAXIS März <strong>2016</strong> ]<br />
Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung<br />
Strafmaß mit Augenmaß<br />
Es kann jeden Piloten treffen, egal ob Segelflieger oder Langstreckenkapitän: Wer gegen die<br />
Vorschriften im Luftverkehr verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und bekommt Post<br />
vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF). Die entsprechenden Bußgelder sind jedoch<br />
in der Regel vom Höchstsatz weit entfernt.<br />
Wie im Straßenverkehr ist auch in der<br />
Luftfahrt das Einhalten der einschlägigen<br />
Vorschriften und Gesetze<br />
essenziell für den geordneten Luftverkehr.<br />
Doch anders als auf der Straße gibt es für<br />
Verstöße in der Luft keine Verkehrspolizei und<br />
auch keinen Bußgeldkatalog. Für die Verfolgung<br />
von Ordnungswidrigkeiten und letztendlich<br />
auch die Festlegung der Bußgeldhöhe<br />
ist in Deutschland das BAF mit Sitz im<br />
hessischen Langen zuständig.<br />
Bis zu 50 000 Euro Bußgeld sieht § 58 des<br />
Luftverkehrsgesetzes (LuftVG) für vorsätzliche,<br />
bis zu 25 000 Euro für fahrlässige Verstöße<br />
gegen LuftVG und Luftverkehrs-Ordnung<br />
(LuftVO) vor; für Einflüge in aktive Beschränkungs-<br />
und Sperrgebiete kann sogar eine bis<br />
zu zweijährige Gefängnisstrafe verhängt<br />
werden. „Diese Beträge werden von uns aber<br />
nicht annähernd ausgeschöpft. Die durchschnittliche<br />
Bußgeldhöhe für einen Verstoß<br />
ohne Gefährdung anderer liegt bei 500 Euro“,<br />
sagt Wolfgang Ruths, Leiter des BAF-Referats<br />
für Luftraum, Flugverfahren und Recht und<br />
selbst PPL-IFR-Pilot.<br />
Bei derzeitigen Flugstundenpreisen mag das<br />
für eingefleischte Luftraumrowdies wie ein<br />
Schnäppchen klingen – da jedoch jeder Verstoß<br />
individuell bewertet wird, ist nicht auszuschließen,<br />
dass auch höhere Strafen ausgesprochen<br />
werden. Verursacht ein Pilot durch<br />
Missachtung eines Luftraumes ein TCAS-<br />
Ausweichmanöver eines Airliners, wird dafür<br />
bereits ein vierstelliger Betrag fällig; der Einflug<br />
in ein aktives Sperrgebiet wird sogar an<br />
die Staatsanwaltschaft weitergeleitet und von<br />
dieser häufig ähnlich eingestuft.<br />
Steht ein Pilot auf seinem Überlandflug in<br />
Kontakt mit FIS und wird auf einen Luftraumverstoß<br />
hingewiesen, bekommt der Fall einen<br />
anderen, geringeren Stellenwert, als wenn<br />
das Luftfahrzeug minutenlang unerreichbar<br />
ohne Freigabe im Luftraum eines Verkehrsflughafens<br />
herumfliegt. Auch die finanzielle<br />
Situation des verantwortlichen Luftfahrzeugführers<br />
spielt letztendlich eine Rolle bei der<br />
Festlegung des Bußgeldes. Oftmals werden<br />
Fälle von der Behörde gar nicht weiter verfolgt<br />
– aus jährlich rund 700 eröffneten Verfahren<br />
resultieren lediglich etwa 200 Bußgeldbescheide,<br />
der Rest wird wegen Geringfügigkeit oder<br />
mangelnder Beweise eingestellt. „Oft wählen<br />
Beweismaterial: Der Plot<br />
eines Luftraumverstoßes am<br />
Flughafen Münster/Osnabrück.<br />
wir den Mittelweg und sprechen nur eine<br />
Verwarnung aus, zum Teil sogar ohne Verwarnungsgeld“,<br />
sagt Ruths, „bei uns ist das<br />
kein Massengeschäft wie im Straßenverkehr.“<br />
Für einen Lizenzentzug ist seine Einrichtung<br />
übrigens nicht zuständig; jeder rechtskräftige<br />
Bußgeldbescheid des BAF wird jedoch in<br />
Individuelle Prüfung<br />
Vom BAF verfolgte<br />
Ordnungswidrigkeiten<br />
2009 – 2014<br />
Flug ohne Freigabe/<br />
mit Abweichung<br />
von Freigabe<br />
1595<br />
78 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong><br />
Foto: BAF<br />
Flüge ohne entsprechende Freigabe<br />
machen knapp 40 Prozent der vom<br />
BAF verfolgten Verstöße aus.
Kopie an das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig<br />
gesandt, damit dort der Eintrag in<br />
die nach § 66 LuftVG zu führende Luftfahrer-<br />
Eignungsdatei erfolgt. Die lizenzführenden<br />
Behörden können zur Erfüllung ihrer Aufgaben,<br />
zum Beispiel bei der Lizenzverlängerung,<br />
Einblick in diese Datei nehmen.<br />
Aufsicht über die Flugsicherung<br />
Das BAF gibt es erst seit 2009 als Ergebnis<br />
einer EU-Auflage, die eine Trennung der staatlichen<br />
Flugsicherung in einen operativen und<br />
einen rechtlichen Teil fordert. Zuvor standen<br />
alle Bestandteile der Flugsicherung unter<br />
ministerialer Aufsicht. Allerdings ist das BAF<br />
nicht, wie oft behauptet wird, ausschließlich<br />
dazu da, Flugzeugführer zu überwachen: „Die<br />
Verfolgung von Verstößen gegen LuftVO und<br />
LuftVG ist nur ein kleiner Bestandteil des<br />
Aufgabenbereichs. Unsere Hauptaufgabe ist<br />
die Beaufsichtigung der Flugsicherungsorganisationen,<br />
die in Deutschland tätig sind, also<br />
überwiegend der DFS, aber auch anderer<br />
Anbieter, zum Beispiel an Regionalflugplätzen“,<br />
erklärt Wolfgang Ruths.<br />
Dazu gehört beispielsweise die Festlegung<br />
neuer Flugverfahren wie etwa für die Nordpiste<br />
in Frankfurt oder den neuen Berliner<br />
Flughafen. So sind von den 14 Mitarbeitern<br />
des Referats „Luftraum, Flugverfahren und<br />
Recht“ auch nur dreieinhalb Stellen für die<br />
Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten vorgesehen.<br />
Das Team besteht aus Verwaltungssachbearbeitern<br />
mit entsprechender Fortbildung,<br />
ehemaligen Flugdienstberatern und<br />
Juristen.<br />
Bei so wenig Manpower lässt sich auch das<br />
Gerücht nicht halten, dass sich die Sachbearbeiter<br />
jeden Montag vor den PC setzen und<br />
etwa den Online Contest (OLC) als Meldeportal<br />
für Streckensegelflüge nach Luftraumverstößen<br />
des vergangenen Wochenendes durchforsten.<br />
Das geschieht derzeit nur anhand<br />
konkreter Hinweise. „Der Großteil der Verstoßmeldungen,<br />
die später Bußgeldbescheide<br />
zur Folge haben, kommt von der Flugsicherung<br />
– der jeweils aktive Lotse ist dazu verpflichtet“,<br />
so Ruths. Und natürlich stehe es auch jedem<br />
anderen Bürger frei, eine entsprechende Meldung<br />
an das BAF zu machen.<br />
So vermeiden Sie<br />
Luftraumverletzungen<br />
A. Bei der Flugvorbereitung<br />
• Flugroute mit deutlichem Abstand zu<br />
einschränkenden Lufträumen planen<br />
• Lufträume/Beschränkungsgebiete<br />
entlang der Flugstrecke hervorheben<br />
• Flugplanung anhand von Sichtmerkmalen<br />
und nicht nur von GPS-Waypoints<br />
• Frequenzen heraussuchen<br />
• NOTAMs überprüfen<br />
• Flugplan aufgeben<br />
• Ausreichend Kraftstoff und Zeit einplanen,<br />
um Lufträume umfliegen zu können<br />
B. Im Flug<br />
• Gültiges Kartenmaterial verwenden<br />
• Kurskreisel nachführen<br />
• Frühzeitig Kontakt mit FIS oder der<br />
nächsten Flugplatzkontrollstelle aufnehmen<br />
• Navigationsunterstützung durch Moving-<br />
Map-Systeme und/oder Funkfeuer<br />
• Luftraumgrenzen vertikal und horizontal<br />
nicht ausreizen<br />
• Transponder dauerhaft einschalten<br />
• Sich von zeitlichen oder persönlichen<br />
Zwängen nicht beeinflussen lassen<br />
Abweichung von<br />
Standard-Ab- und<br />
-Anflugstrecken<br />
863<br />
Gesamt:<br />
4<strong>03</strong>1<br />
Vorfälle<br />
Verlust dauernder<br />
Hörbereitschaft<br />
891<br />
Sonstiges<br />
220<br />
221<br />
Verstöße am<br />
Boden<br />
241<br />
Einflug in Flugbeschränkungsgebiete<br />
Quelle: BAF<br />
Spurensuche in Dokumenten<br />
Wird ein Verstoß registriert, wird zunächst<br />
der Halter des Flugzeugs anhand der Luftfahrzeugrolle<br />
ausfindig gemacht. Dann wird<br />
der verantwortliche Luftfahrzeugführer festgestellt<br />
und anhand der Radar- und Sprechfunkaufzeichnungen<br />
geprüft, ob tatsächlich<br />
ein Fehlverhalten vorlag. Daraufhin bekommt<br />
der Pilot ein Anhörungsschreiben. Bei Luftraumverstößen<br />
ohne Funkkontakt werden die<br />
Radarziele vom Start- bis zum Zielflugplatz<br />
verfolgt, durch Einsicht in die jeweiligen<br />
Hauptflugbücher wird dann der verantwortliche<br />
Luftfahrzeugführer ermittelt.<br />
647 Ordnungswidrigkeiten hat das BAF 2014<br />
verfolgt – fast die Hälfte der Verstöße waren<br />
Abweichungen von Freigaben oder Flüge<br />
ohne Freigaben, dazu zählen auch Luftraumverstöße.<br />
Bei 101 Flügen wurden Abweichungen<br />
von veröffentlichten Standard-An- und<br />
-Abflugrouten festgestellt, in 132 Fällen wurde<br />
die Hörbereitschaft nicht eingehalten. 29<br />
Einflüge in Flugbeschränkungsgebiete wurden<br />
an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Das<br />
Amt ist auch zuständig für Verstöße gegen<br />
Vorschriften im Ausland. „Gemessen am Verkehrsaufkommen<br />
der Verkehrsluftfahrt ist der<br />
Anteil an Verstößen aus der Allgemeinen<br />
Luftfahrt nicht exorbitant hoch“, so Ruths.<br />
Auch die Einspruchsquote ist ziemlich gering,<br />
nur etwa fünf Prozent der Piloten akzeptieren<br />
die Bescheide nicht.<br />
„Die Beschäftigung mit Ordnungswidrigkeiten<br />
ist nicht unsere Hauptaufgabe“, betont Wolfgang<br />
Ruths. „Wir wollen keine Piloten verfolgen<br />
oder Hürden zum Fliegen aufbauen, aber<br />
der Staat erhebt nun mal den Anspruch, dass<br />
auf Regelverstöße Sanktionen folgen.“ Auf<br />
der Internetseite www.baf.bund.de im Downloadbereich<br />
hat das Referat für Luftraum,<br />
Flugverfahren und Recht in einer Publikation<br />
beispielhaft einige Fälle von Luftraumverstößen<br />
aufgearbeitet und gibt Tipps, wie diese<br />
Fehler künftig vermieden werden können.<br />
[ Autor Helge Zembold<br />
... fliegt als Copilot im Airbus<br />
A320 durch Europa.<br />
In seiner Freizeit ist er<br />
meist als Segelflieger<br />
oder im Schleppflugzeug<br />
unterwegs. Zudem ist<br />
er Autor des Buches<br />
„IFR-Sprechfunk“ und als<br />
Dozent für Sprechfunkkurse<br />
aktiv.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 79
[ PRAXIS März <strong>2016</strong> ]<br />
Mir sind Lackierunfälle bekannt, infolge derer<br />
nur die Verschrottung des Flugzeugs blieb!<br />
DER<br />
EXPERTEN-<br />
TIPP<br />
Lackmacken<br />
02<br />
Torsten Matz<br />
Typischer Lackverschleiß an einem Fenster.<br />
Professionelle Lackiervorbereitung in der Werft.<br />
Der feine Unterschied zwischen unbehandelter<br />
(links) und gereinigter und polierter Oberfläche.<br />
Viele Flugzeuge in der General Aviation,<br />
die Pipers, Cessnas und Beechs, sind<br />
heute 20 bis 30 Jahre alt. Das haben<br />
Hersteller und Luftfahrtbehörden erkannt und<br />
entsprechende Richtlinien zur Wartung erlassen.<br />
Damit ist die lufttüchtigkeitsrelevante<br />
– soll heißen technische – Seite der Alterung<br />
weitgehend berücksichtigt. Anders sieht es<br />
bei der „optischen“ Alterung aus.<br />
Als Flugzeughalter kann man in Eigenregie<br />
einiges unternehmen, um den Lack möglichst<br />
lange in gutem Zustand zu erhalten. Dabei<br />
sind die zwei unterschiedlichen Lackarten zu<br />
berücksichtigen, die in der Luftfahrt hauptsächlich<br />
verwendet werden. Die Oberfläche<br />
älterer Maschinen wird meist von Einkomponentenlacken<br />
geschützt, die auch als thermoplastische<br />
Lacke bezeichnet werden. Zeitgemäß<br />
ist der modernere Zweikomponentenlack.<br />
Beide Arten erfordern speziell bei der Ausbesserung<br />
spezifische Verfahren.<br />
Der thermoplastische Lack ist empfindlicher<br />
gegenüber Umwelteinflüssen und löst sich<br />
bei Kontakt mit Lösungsmittel an. Mit dem<br />
Alter zeigt sich eine verwitterte und stumpfe<br />
Oberfläche. Um die Alterung zu bremsen,<br />
sollte das Flugzeug immer sauber gehalten<br />
werden. Heißt: im Sommer schnell tote Mücken<br />
entfernen, Betriebsflüssigkeiten wie Öl und<br />
Sprit gründlich abwischen. Das geschieht am<br />
besten mit einer milden Seifenlösung und<br />
klarem Wasser zum Nachspülen.<br />
Zur Konservierung wird oft ein Wachs empfohlen.<br />
Diese Mittel sind in Deutschland<br />
manchmal nicht ohne Weiteres verfügbar. Bei<br />
Alternativen aus der Fahrzeugpflege muss<br />
man aber vorsichtig sein. Problematisch ist<br />
beispielsweise die Empfindlichkeit der Fenster<br />
gegenüber manchen Stoffen, die in Poliermitteln<br />
und Wachsen enthalten sein können.<br />
Zudem können manche Polier- oder Konservierungsmittel<br />
starke statische Aufladungen<br />
erzeugen. So ist ein Fall bekannt, in dem es<br />
bei einer Turbopropmaschine während des<br />
Fluges zu massiven Störungen im Funk kam.<br />
Nach langer Suche konnten Defekte an der<br />
Funkanlage ausgeschlossen werden. Es stellte<br />
sich aber heraus, dass das Polieren und<br />
Reinigen der Maschine zu einer statischen<br />
Aufladung geführt hatte. Zwar erfolgten die<br />
Arbeiten mit zugelassenen Materialien, das<br />
Problem schien aber darin bestanden zu haben,<br />
dass die Mittel gemischt wurden.<br />
2K-Lack ist haltbarer gegenüber physikalischen<br />
und chemischen Belastungen als der „alte“<br />
1K-Lack, da er vollständig aushärtet. Trotzdem<br />
empfiehlt sich auch hier das möglichst schnelle<br />
Entfernen aggressiver Verschmutzungen<br />
wie Mücken an der Nasenkante, Vogelkot oder<br />
Abgasspuren. Für die Konservierung gilt sinngemäß<br />
das Obengenannte.<br />
Ist der Lack nach Jahrzehnten dann doch<br />
verschlissen, bleibt nur die teilweise Ausbesserung<br />
oder die Neulackierung. Diese Arbeiten<br />
sollten möglichst nur von fachkundigem<br />
Personal ausgeführt werden. Abgesehen von<br />
möglichen Haftungsproblemen auf dem Originallack<br />
gibt es nämlich grundsätzliche Unterschiede<br />
gegenüber dem Lackieren in anderen<br />
Branchen, beispielsweise im Kfz-Bereich.<br />
An Flugzeugen gibt es oft Rundkopfnieten,<br />
die tunlichst ihre Form behalten sollten; weiterhin<br />
dürfen manche Kunststoffteile nur in<br />
bestimmten Farben lackiert werden, und auch<br />
empfindlicher Bespannstoff braucht besondere<br />
Aufmerksamkeit. Mir sind Lackierunfälle<br />
bekannt, infolge derer nur die Verschrottung<br />
des Flugzeugs blieb.<br />
Das Foto oben zeigt eine stark verschlissene<br />
Oberfläche am Fensterrahmen. Die vollständige<br />
und dauerhafte Behebung umfasst folgende<br />
Schritte: 1) Erden des Flugzeugs, 2)<br />
Abkleben der Reparaturstelle, 3) Einpacken<br />
des gesamten Flugzeugs oder Ausbau des<br />
Fensters, 4) Entfernen des alten Lackes und<br />
der Korrosion durch Schleifen oder Eisstrahlen,<br />
5) Reinigung und Entfetten, 6) Aufbringen<br />
von Epoxidharz-Primer, 7) nach Aushärtung<br />
des Primers Anschleifen, Reinigen, Entfetten,<br />
8) Lackieren mit 2K-Lack in entsprechendem<br />
Farbton, 9) Entfernen von Klebeband und<br />
Folie, gegebenenfalls Einbau und Funktionsprobe,<br />
10) Anpolieren des angrenzenden Bereiches.<br />
Wenn man genau nach Gesetz arbeitet,<br />
müsste sogar eine Material-Dickenprüfung<br />
nach Entfernung der Korrosion stattfinden.<br />
Im Hinblick auf den bevorstehenden Frühling<br />
ist es sicher eine gute Idee, an einem milden<br />
Tag das Flugzeug aus dem Hangar zu holen<br />
und einen prüfenden Rundgang um die Maschine<br />
zu machen. Verschmutzungen wie<br />
Staub oder die Reste des letzten Fluges vor<br />
der Winterpause sollten abgewaschen werden.<br />
Der saubere Zustand kann durch eine Konservierung<br />
weit in das neue Fliegerjahr hinein<br />
gerettet werden. Neue Verschmutzungen<br />
lassen sich dann auch leicht nach dem Flug<br />
mit klarem Wasser und einem Schwamm entfernen.<br />
Als Alternative zum Selbermachen<br />
gibt es natürlich die Profis, die sicher ihre<br />
Arbeit bezahlt haben wollen, aber ein Ergebnis<br />
abliefern können, welches vielleicht sogar<br />
eine Aufwertung des Flugzeugs darstellt.<br />
[ Autor Torsten Matz<br />
... ist Technischer Leiter<br />
beim Porta Air Service in<br />
Porta Westfalica. Er hat<br />
jahrelange Erfahrung in der<br />
Wartung von Flugzeugen<br />
der Allgemeinen Luftfahrt<br />
und ist lizenziert von der<br />
EASA (B1) und der amerikanischen<br />
Luftfahrtbehörde FAA als A&P.<br />
80 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong><br />
Fotos: Porta Air Service
Risiko Randsaison<br />
Fliegen am Limit<br />
In der Luftfahrt hat die Überschreitung von Grenzen meist fatale Folgen. Gerade beim Fliegen in<br />
der Nebensaison gerät man schnell in Situationen, die ihr Finale in einer Unfallakte finden können.<br />
Technikgläubigkeit, mangelnde Erfahrung und Selbstüberschätzung können zur Katstrophe führen.<br />
Das Fliegen in der Randsaison – also in<br />
Herbst, Winter und Frühjahr – hat<br />
durchaus seinen Reiz. Allerdings ist<br />
man als Pilot in dieser Zeit fliegerisch eher<br />
weniger aktiv und dementsprechend untrainiert,<br />
und die Umgebungsbedingungen sind<br />
meist anspruchsvoll. Wenn die Tage kürzer<br />
werden, lässt sich mancher Flug schon aufgrund<br />
der Tageslichtdauer nicht realisieren.<br />
Sonnenauf- und Sonnenuntergang setzen dem<br />
Tag-VFRler Grenzen. Im Zuge der Europäisierung<br />
des Luftrechts (SERA) wurde dieses<br />
Limit neu definiert. Galt vorher pauschal die<br />
halbe Stunde vor Sonnenaufgang und nach<br />
Sonnenuntergang, sind es jetzt oft noch ein<br />
paar Minuten mehr. Dabei waren die 30 Minuten<br />
schon fragwürdig, und man musste sich<br />
genau überlegen was man tut.<br />
puffer zu gönnen, selbst wenn man dadurch<br />
das nutzbare Zeitfenster weiter einschränkt.<br />
Ein weiterer bestimmender Faktor der Herbstund<br />
Frühjahrsfliegerei ist das Wetter. Selbst<br />
Linienmaschinen sind davon abhängig und<br />
können an so manchem Platz auch schon mal<br />
nicht landen. Ob das Wetter fliegbar ist oder<br />
nicht, ist von zwei Hauptfaktoren abhängig:<br />
Sicht und Wolkenuntergrenzen. Diese beiden<br />
Werte müssen zunächst innerhalb der gesetzlichen,<br />
vor allem aber auch innerhalb persönlicher<br />
Grenzen liegen. Gerade in der Randsaison<br />
hat man es häufig mit Wetterlagen zu<br />
tun, die auf den ersten Blick nicht eindeutig<br />
als gut oder schlecht einzuordnen sind. Gerade<br />
in derartigen Situationen reicht es nicht,<br />
nur vor dem Start die Vorhersage zu prüfen.<br />
Vielmehr sollten auch im Flug Updates gemacht<br />
werden, ob die tatsächliche Wetterentwicklung<br />
mit der Prognose übereinstimmt.<br />
Der Gesetzgeber erlaubt Flüge im unkontrollierten<br />
Luftraum bei Sichten ab 1,5 Kilometer.<br />
Jeder, der einmal bei fünf Kilometer Sicht oder<br />
weniger geflogen ist, dürfte zustimmen, dass<br />
dies ohne zusätzliche Fluglageinstrumente<br />
und die nötige Übung, sie richtig einzusetzen,<br />
eine große Herausforderung ist. Auch sollte<br />
man sich stets bewusst sein, dass man<br />
Was kann ich, was der Flieger?<br />
Habe ich Erfahrung mit Nachtlandungen und<br />
fliege in einem innen und außen entsprechend<br />
beleuchteten Flugzeug eine beleuchtete Piste<br />
an, steht diesem Vorhaben nichts entgegen.<br />
Will ich aber auf einer Graspiste landen, habe<br />
keine Instrumentenbeleuchtung und ist es<br />
vielleicht noch stark bewölkt, dann kann dieser<br />
Umstand schnell zur Überforderung führen.<br />
Man ist also gut beraten, sich genügend Zeit-<br />
Moderne EFIS geben dem Piloten zahlreiche Informationen und Warnungen. Damit sicher und<br />
pflichtbewusst umzugehen, erfordert Training.<br />
Fotos: Christian Böhm, Pipistrel – Dynon<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 81
[ PRAXIS März <strong>2016</strong> ]<br />
EFIS: Geländestrukturen und Flugparameter bis hin zum Angle-of-Attack-<br />
Indikator, der links im Bild neben der Geschwindigkeitsskala zu sehen ist.<br />
In IMC stieg die Virus bis auf 10 000 Fuß und wurde stetig langsamer. Es<br />
kam dann zu einem Strömungsabriss, dem ein Spiralsturz folgte.<br />
bei schlechter Sicht andere Luftfahrzeuge viel<br />
später als bei gutem Wetter erkennt. Flüge<br />
in Wolken verbieten sich daher von selbst,<br />
aber auch wenn man beispielsweise bei Dunst<br />
in die Sonne fliegt, schwindet die Flugsicht<br />
schnell gegen Null.<br />
Risiko Technikgläubigkeit<br />
Viele Hochleistungs-ULs sind heute mit Glascockpits<br />
ausgestattet, die dem Piloten ein<br />
künstliches Abbild der Umgebung zur Verfügung<br />
stellen. Diese Avionik ist unter dem<br />
Fachbegriff Synthetic Vision bekannt. Auch<br />
wenn man sich damit in der Lage sieht, die<br />
Maschine sicher durch Instrumentenflug-<br />
Wetterbedingungen (IMC) zu führen, dies<br />
vielleicht auch schon einmal mit Lehrer trainiert<br />
hat, sollte man bedenken, dass ein anderer<br />
Pilot vielleicht dieselbe Idee hat und einem<br />
genau auf genau derselben Höhe entgegenkommt.<br />
Instrumentenflüge finden daher nur<br />
unter Koordination eines Fluglotsen statt!<br />
Zweitens ist zu beachten, dass Fortschritt in<br />
Form moderner Avionik schön ist, die Technik<br />
aber auch ausfallen kann. Nur selten sind in<br />
für den reinen VFR-Betrieb ausgestatteten<br />
Flugzeugen die Fluglageinstrumente redundant<br />
vorhanden. Redundanz benötigt man<br />
auch bei der Verwendung eines Autopiloten,<br />
der keinen Ersatz für das Unvermögen eines<br />
Piloten ist, das Flugzeug jederzeit zu übernehmen<br />
und selbst von Hand zu fliegen.<br />
Flüge in Gebirge und Küstenregionen können<br />
durch spezifische Phänomene in der Randsaison<br />
recht anspruchsvoll werden. Hat man bei<br />
Sommerwetter ohne Probleme in großen Hö-<br />
hen die Bergkämme überquert, wird man bei<br />
schlechten Wetterbedingungen gezwungen<br />
sein, in niedriger Höhe durch Täler zu fliegen.<br />
Die Geländehöhen und die der VFR-Routen<br />
nebst Streckenführung sollte man dann unbedingt<br />
parat haben. Auch viel Sommerflugpraxis<br />
auf die Inseln in Nord- und Ostsee nützt<br />
wenig, wenn man es im Frühjahr oder Herbst<br />
plötzlich mit Küstennebel zu tun bekommt.<br />
Ein Platz kann hier weit schneller zugehen<br />
als im Landesinneren. Aber selbst bei ausreichender<br />
Sicht um die acht Kilometer kann bei<br />
einem Flug zur Hochseeinsel Helgoland die<br />
Referenz für die Fluglage verloren gehen, wenn<br />
der graue Himmel eins wird mit dem Meer<br />
und die Übergänge fließend sind. Ein künstlicher<br />
Horizont als Hilfsmittel, auch wenn nicht<br />
gefordert, ist hier viel wert.<br />
Herbst- und Frühjahrsstürme dürften den<br />
meisten Piloten ein Begriff sein. Steht der Wind<br />
quer zur Bahn, sollte man wissen, wie viel<br />
Seitenwind das Flugzeug verkraftet. Bei den<br />
meisten Kleinflugzeugen und ULs ist die Grenze<br />
bei 15 Knoten erreicht. Als Pilot muss man<br />
nicht nur die verschiedenen Landetechniken<br />
bei Seitenwind sicher beherrschen, sondern<br />
auch sofort wissen, wie viel Seitenwind man<br />
denn hat, wenn dieser nicht genau von links<br />
oder rechts kommt. Faustformeln sind hier<br />
das Mittel der Wahl. Es gilt: Für Crosswind,<br />
der mit einem Winkel von 30 Grad auf das<br />
Flugzeug einwirkt, setzt man die Hälfte, bei<br />
45 Grad drei Viertel der Windgeschwindigkeit<br />
an. Bei 60 Grad und mehr wird mit der vollen<br />
Seitenwindgeschwindigkeit gerechnet.<br />
Vereisung ist ein weiteres Risiko, das dem<br />
reinen Sommerpiloten eher fremd ist. Selbst<br />
In rund 500 Metern über Grund gelang es den<br />
Piloten, das Rettungssystem auszulösen.<br />
Passanten filmten die Landung mit dem Handy.<br />
82 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Die linke Tragfläche der Virus wurde im Sturzflug vollständig abgerissen, von der rechten blieb rund ein Drittel übrig. Der Schirm des Gesamtrettungssystems<br />
öffnete sich bei einer Geschwindigkeit von rund 500 km/h, obwohl er nur bis 310 km/h geprüft ist. Er rettete beiden Insassen das Leben.<br />
Fotos: Aircraft Accident and Incident Investigation Service, C. Böhm, G. Hopfgartner<br />
bei warmen Temperaturen zieht man zur Landung<br />
die Vergaservorwärmung, da durch den<br />
Venturi-Effekt im Ansaugtrakt die durchströmende<br />
Luft unter den Gefrierpunkt abkühlen<br />
kann. Fliegt man aber bei Außentemperaturen<br />
um oder unter null Grad und hoher Luftfeuchtigkeit<br />
oder gar unerlaubt durch Wolken, kann<br />
es auch zur Vereisung der Flugzeugzelle, der<br />
Frontscheibe und des Tragflügels kommen<br />
– mit Folgen wie Auftriebs- und Sichtverlust<br />
und Vereisung der Steuerflächen.<br />
Auf Turnübungen verzichten<br />
Andere Grenzen, die weniger mit den Umgebungsbedingungen<br />
und der Jahreszeit zu tun<br />
haben, sind die Belastungsgrenzen des Flugzeugs,<br />
die g-Limits. Auch gestandene Piloten<br />
haben diesen Wert weniger im Gefühl, können<br />
ihn bei einem normalen Flieger auch meist<br />
nirgendwo ablesen und daher nur schwer<br />
abschätzen, wann die Zelle bei Turnübungen<br />
überstrapaziert wird. Viele Kunstflugmanöver<br />
spielen sich – sauber geflogen – zwar innerhalb<br />
der normalen Belastungsgrenzen von<br />
Echos oder ULs ab. Dennoch verbieten sie<br />
sich, denn fällt man aus einer Figur, kann das<br />
schnell zur Überlastung führen. Sicherheit<br />
bieten hier ein ausreichender Puffer an Lastvielfachen<br />
und vor allem die entsprechende<br />
Ausbildung und regelmäßige Übung.<br />
Aber auch jenseits des Kunstfluges kann man<br />
sein Flugzeug überlasten. Ist man außer Übung,<br />
ist die Feinmotorik bei der Steuerung der Maschine<br />
vielleicht etwas eingerostet. Auch sind<br />
einem vielleicht die Manövergeschwindigkeit<br />
(VA), bis zu der volle Steuerausschläge erlaubt<br />
sind, und die Höchstgeschwindigkeit bei Turbulenz<br />
(VB) nicht mehr so ganz geläufig.<br />
Einige der genannten Faktoren dürften bei<br />
einem Flugunfall am 3. Oktober 2015 eine<br />
Rolle gespielt haben, der zwei Österreichern<br />
beinahe zum Verhängnis wurde. Mit einer<br />
Pipistrel Virus SW waren sie von Caorle nahe<br />
Venedig in Richtung Österreich gestartet. Das<br />
Wetter an diesem Tag war mit GAFOR-X und<br />
aufliegender Bewölkung mehr als schlecht.<br />
Was die Piloten veranlasst hat, es trotzdem<br />
zu versuchen, hat wohl weniger mit Erfahrung<br />
als mit maßlosem Vertrauen in die eigenen<br />
Fähigkeiten und die zur Verfügung stehende<br />
Technik zu tun. Laut Behördenangaben hatte<br />
der Pilot seine UL-Lizenz erst seit fünf Monaten.<br />
Weiterführende Lizenzen sowie Einweisungen<br />
in die Virus SW und die komplexe<br />
Avionik bleiben ungewiss.<br />
Die ersten 20 Minuten des Fluges wurde laut<br />
Bericht der slowenischen Flugunfalluntersuchungsstelle<br />
noch in Höhen von 500 bis 1000<br />
Fuß unterhalb der Wolken geflogen. Danach<br />
hatte die Crew wohl die Absicht, die Karawanken<br />
mit ihren Geländehöhen an die 9000<br />
Fuß zu überfliegen. Das bordseitige Dynon<br />
SkyView zeichnete dabei zahlreiche Flugdaten<br />
auf. Die bis zum Schluss nahezu konstant<br />
gehaltene Steigrate lässt vermuten, dass der<br />
Autopilot verwendet wurde. Nach zehn Minuten<br />
Steigflug wurde die Maximalhöhe von<br />
knapp 10 000 Fuß erreicht. Dabei hat die IAS<br />
stetig abgenommen. Infolgedessen kam es<br />
wohl zu einem Strömungsabriss, dem ein Spiralsturz<br />
folgte.<br />
Laut Herstellerangaben sollte das Hochleistungs-UL<br />
in diesen Höhen keine Probleme<br />
haben, weiter zu steigen. Ob es bei Temperaturen<br />
um die null Grad zur Flugzeugvereisung<br />
kam oder die Maschine schlicht wegen<br />
Fehlbedienung des Autopiloten – oder gar<br />
beidem – abkippte, ist unklar. Sicher ist aber,<br />
dass in der Abwärtsspirale die Sinkrate mehr<br />
als 12 000 Fuß pro Minute betrug und die<br />
Geschwindigkeit auf knapp 500 km/h anstieg.<br />
Bei Belastungen von bis zu 10 g brachen<br />
schließlich die Tragflächen vom Rumpf ab.<br />
In letzter Sekunde konnte die Besatzung das<br />
Gesamtrettungssystem aktivieren. Trotz der<br />
hohen Geschwindigkeit entfaltete sich der<br />
Schirm – getestet ist das System bis 310 km/h<br />
– und brachte die Reste des Flugzeugs samt<br />
der Piloten sicher zu Boden.<br />
Allein die Wetterfalle als Ursache für diesen<br />
Crash zu bemühen, scheint zu kurz zu greifen.<br />
Hier dürften die Gründe vielfältiger und vor<br />
allem noch vor dem Start zu suchen sein.<br />
Entweder war es Unerfahrenheit oder Respektlosigkeit,<br />
die den Piloten dazu veranlasst<br />
hat, ein hochkomplexes Luftsportgerät in<br />
widrigsten Wetterbedingungen in die Berge<br />
zu steuern.<br />
[ Autor Christian Böhm<br />
...ist hauptberuflich Linienpilot<br />
und in seiner Freizeit<br />
mit seiner Virus SW in<br />
ganz Europa unterwegs.<br />
Er bietet Alpen- und EFIS-<br />
Einweisungen an und<br />
betreibt zusammen mit<br />
Tomas Jakobs die Website<br />
www.UL-Fortbildung.de. Hier wird auf die steigenden<br />
Ansprüche der UL-Szene eingegangen.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 83
[ SEGELFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
Ventus in der dritten Generation<br />
Bei Schempp-Hirth ist man hellauf begeistert: Ende Januar<br />
war das neue Flugzeug der 18-m-Klasse reif für den Erstflug.<br />
Konstrukteur Christoph Wannenmacher checkte nach einem<br />
Schlepp auf 2600 Meter als Erster alles durch.<br />
ALLES RAUSG<br />
84 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
AUTOR: Gerhard Marzinzik<br />
FOTOS: Bernd Weber<br />
EHOLT<br />
Wenn Eleganz zugleich<br />
Leistung bedeutet, hat<br />
der neue Ventus schon<br />
gewonnen.<br />
Zufrieden und erleichtert öffnete<br />
der Konstrukteur nach<br />
der Landung auf der Hahnweide<br />
die Haube. Schempp-<br />
Hirth-Geschäftsführer Tilo Holighaus<br />
gratulierte gleich mit einem großen<br />
Blumenstrauß. Wannenmacher hatte<br />
bei diesem Erstflug schon das Testprogramm<br />
mit den wichtigsten Punkten<br />
durchgeflogen, darunter Stall mit<br />
Klappen, Stall im Kreisflug mit Klappen,<br />
Fahrwerk, Betätigen der Bremsklappen<br />
bei hoher Geschwindigkeit.<br />
Ingenieursmäßig nüchtern stellte er<br />
fest, dass alles so funktionierte wie<br />
geplant. Das Konstruktionsteam hatte<br />
seine Ziele erreicht. Nirgends hatte<br />
sich ein Fehler versteckt.<br />
Gleich danach saß Tilo Holighaus<br />
im neuen Ventus und ließ sich begeistern,<br />
vom Handling und dem<br />
Ausblick über den schlanken, extrem<br />
zurückgefeilten, zur Spitze hin aufgebogenen<br />
und in hohe Winglets<br />
mündenden Flügel. Holighaus, noch<br />
während des F-Schlepps mit dem<br />
neuen Flugzeug: „Der Blick über den<br />
Flügel treibt mir richtig Gänsehaut<br />
über den Rücken!“ Auch der Blick<br />
von außen, die Luftaufnahme, verführt<br />
zum Label: einfach rassig.<br />
Drei Tage später gönnte sich Tilo<br />
Holighaus einen Geburtstagsflug und<br />
erprobte den neuen Ventus in heftigsten<br />
Hangwindbedingungen an<br />
der Alb.<br />
„In 500 Metern blies der Wind an<br />
der Teck schon mit 45 km/h, darüber<br />
mit 60 bis 70 km/h. Es war ein richtiger<br />
Rodeoritt in äußerst turbulenten<br />
Bedingungen. Die starke Südkomponente<br />
des Windes führte dazu, dass<br />
es an der Teck mal mit 4 m/s aufwärts<br />
ging, dann wieder gar nicht. Für das<br />
Austesten“, so Tilo Holighaus, „waren<br />
das ideale Bedingungen.“<br />
In den Böen, in denen die Fahrt<br />
mal um 20 km/h nach oben, mal nach<br />
unten springt, kam beim Schempp-<br />
Hirth-Geschäftsführer kein Moment<br />
Unsicherheit auf: „Der neue Ventus<br />
vermittelt das Gefühl, alles unter<br />
Kontrolle zu haben. Auch bei sehr<br />
langsamem Kurbeln braucht nicht<br />
abgestützt zu werden. Den Außenflügel<br />
haben wir sehr scharf ausgelegt,<br />
und er funktioniert besser als<br />
erwartet. Er vermittelt das Gefühl,<br />
immer noch Reserven zu haben. Es<br />
ist beim Kurbeln auch kein Spielen<br />
mit den Klappen nötig. Wird enger<br />
in den Kreis gezogen, ist kein Nachkorrigieren<br />
der Wölbklappen hin zu<br />
‚L‘ notwendig.“<br />
Sein erster Eindruck zum Handling<br />
bei Wölbklappenstellung 2: „Ein tolles<br />
16-m-Flugzeug!“ Weiter attestiert<br />
der Firmenchef dem neuen Ventus<br />
im Vergleich zum Ventus 2cx eine<br />
gesteigerte Wendigkeit. „Er zeigt ein<br />
runderes, weicheres und insgesamt<br />
harmonischeres Verhalten.“<br />
Fast schon euphorisch äußerte sich<br />
Bernd Weber von Schempp-Hirth nach<br />
seinem Probeflug zum Handling des<br />
Neuen. Er verglich den Unterschied<br />
zwischen 2cx und dem neuem Ventus<br />
mit dem zwischen Duo Discus und<br />
Arcus. Der Ventus 3 lasse sich äußerst<br />
feinfühlig zum Zentrum des Aufwindes<br />
führen. Er liefere überzeugend<br />
viel Feedback.<br />
Begeistern kann auch der Blick ins<br />
Cockpit. Es ist edel und bis hin zu<br />
den Abdeckungen der Batteriekästen<br />
mit Sichtcarbon ausgekleidet. Alles<br />
ist farblich abgestimmt. Das Flugzeug<br />
erweist sich in allem optimiert: im<br />
Handling, den Flugeigenschaften, der<br />
Leistung, im Design und was die<br />
Ausgestaltung angeht, in der Wertigkeit.<br />
Viel Arbeit wurde in Details gesteckt,<br />
nicht zuletzt, um schädlichen<br />
Widerstand zu sparen. So wurde die<br />
Unterbringung des Heckrads verbessert,<br />
es ist jetzt aerodynamisch sauber<br />
ins Seitenleitwerk integriert.<br />
Damit entspricht der erste Ventus<br />
3 schon fast komplett dem Serienmodell.<br />
Tilo Holighaus: „Es ist der<br />
fertigste Prototyp, den wir jemals<br />
gebaut haben.“<br />
Man hat sich nach der ersten Vorstellung<br />
des neuen Flugzeugs auch<br />
richtig Zeit genommen. Im April vergangenen<br />
Jahres war der noch unfertige<br />
Prototyp – beim Rumpf handelte<br />
es sich nur um ein Mock-up – auf<br />
der AERO gezeigt worden, allerdings<br />
hoch aufgehängt als „Überflieger“<br />
über dem Schempp-Hirth-Stand und<br />
damit allzu neugierigen Blicken entzogen.<br />
Die Messebesucher blickten<br />
hoch zu einem auf Hochglanz polierten<br />
18-m-Flugzeug mit imposant<br />
gestrecktem Flügel.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 85
[ SEGELFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
Es war eine klare Botschaft: Hier<br />
kommt der neue Leistungsträger der<br />
18-m-Klasse. Tilo Holighaus erklärte:<br />
„Wir erwarten eine spürbare Steigerung<br />
der Überlandfluggeschwindigkeit<br />
bei unterschiedlichsten Wetterlagen<br />
und eine nochmals verbesserte<br />
Steigleistung auch bei schwacher<br />
Thermik.“<br />
Basis dieser Erwartungen sind<br />
Untersuchungen zu Thermikmodellen<br />
und realen Wettbewerbsflügen. Tilo<br />
Holighaus: „Wir haben festgestellt,<br />
dass die herkömmlichen Rechenmodelle<br />
die Strecken- und Wettbewerbsflüge<br />
nur unzureichend abbilden.<br />
Unser Ziel war es, bei der Entwicklung<br />
die komplette Polare, also alle Geschwindigkeitsbereiche,<br />
zu berücksichtigen.<br />
In Zusammenarbeit mit Dr.<br />
Werner Würz vom Laminarwindkanal<br />
der Universität Stuttgart, der schon<br />
das Arcus-Profil entwickelt hat, konnten<br />
wir neue Rechenmodelle verwenden,<br />
die auf einer umfassenden Analyse<br />
realer Flüge durch die Auswertung<br />
von Loggerdateien beruhen. Auf<br />
Basis sehr vieler Fluganalysen in<br />
„ICH HÄTTE<br />
JUBELN<br />
KÖNNEN!<br />
ICH WAR<br />
GLEICH EINS<br />
MIT DEM<br />
FLUGZEUG.“<br />
Auf zum „zweiten“ Erstflug:<br />
Geschäftsführer Tilo<br />
Holighaus auf dem Weg<br />
zum Start.<br />
verschiedenen Fluggebieten konnte<br />
dabei ein erweitertes Wettermodell<br />
entwickelt werden, das auch die Geradeausfluganteile<br />
berücksichtigt.“<br />
Dem im Streckensegelflug und im<br />
Wettbewerb immer wichtiger werdenden<br />
Geradeausfluganteil wurde<br />
mit einem nicht zu schlanken Flügel,<br />
darauf abgestimmten Profilen und<br />
der Flügelgeometrie Rechnung getragen.<br />
Die extreme Flügelgeometrie<br />
soll zugleich den Kurbeleigenschaften<br />
zugute kommen.<br />
Schon für den Entwurf des Arcus<br />
wurde in Kirchheim/Teck genau hingesehen,<br />
wie heute geflogen wird.<br />
Die Erkenntnisse aus der Analyse<br />
zahlreicher Flugaufzeichnungen haben<br />
die Auslegung des heute überaus<br />
erfolgreichen 20-m-Doppelsitzers<br />
bestimmt.<br />
Auch die Aerodynamik des neuen<br />
Ventus hat Dr. Werner Würz maßgeblich<br />
mitgestaltet. Bei der Optimierung<br />
der Flügelgeometrie war Jan Himmisch<br />
vom DLR in Braunschweig mit seinen<br />
Programmen beteiligt. Die Auslegung<br />
der Winglets hat Mark Maughmer von<br />
der Pennsylvania State University<br />
verantwortet. Der mehrteilige Tragflügel<br />
mit nur 10,8 m 2 Fläche erhält<br />
nach dem Vorbild des Quintus mehrere<br />
separat befüll- und entleerbare<br />
Wassertanks. Allerdings werden beim<br />
neuen Ventus die Ventile nicht elektromagnetisch,<br />
sondern mechanisch<br />
betätigt. Die Flächenbelastung soll<br />
zwischen 34 und 55,5 kg/m 2 bei einem<br />
Maximalgewicht von 600 kg variiert<br />
werden können. Für gute Langsamflugleistungen<br />
und damit gutes Steigen<br />
steht die hohe Streckung von 30.<br />
Bei der Flügelteilung wurde das<br />
Handling nicht vernachlässigt. Tilo<br />
Holighaus: „‚Wir haben großen Wert<br />
auf eine einfache, kraftsparende Montage<br />
gelegt.“<br />
Der Rumpf wurde ebenfalls neu<br />
konstruiert. Cockpit und Fahrwerk<br />
mussten nach den neuen, verschärften<br />
Zulassungsbestimmungen CS 22<br />
ausgelegt werden. Tilo Holighaus:<br />
„Durch die neue Bauvorschrift waren<br />
wir gezwungen, den Rumpf strukturell<br />
ganz neu zu konzipieren. Wir<br />
haben die Gelegenheit genutzt, den<br />
86 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Daten Ventus Neue Generation<br />
Muster: Ventus Hersteller: Schempp-Hirth Einsatz: 18-m-Klasse<br />
Bauweise: Faserverbund<br />
Abmessungen<br />
Länge<br />
6,63 m<br />
Spannweite<br />
18 m<br />
Flügelfläche 10,84 m²<br />
Streckung 30<br />
Massen und Mengen<br />
Leermasse 300 S /300 T kg<br />
Segelflugversion<br />
Zuladung im Cockpit 115 kg<br />
Maximalmasse 600 kg<br />
min Flächenbel. 34 S /38,3 T kg/m²<br />
max. Flächenbel. 55,4 kg/m²<br />
Antrieb T-Version<br />
Motor Solo 2350 Zweitaktmotor<br />
Hubraum<br />
430 ccm<br />
Leistung 24 PS/ 18 kW<br />
Propeller<br />
Fünfblatt<br />
System<br />
Oehler<br />
Flugleistungen<br />
noch nicht vermessen<br />
Innenraum neu zu gestalten, und<br />
dabei viele an uns herangetragene<br />
Erfahrungen und Wünsche der Piloten<br />
berücksichtigt.“ In das Mock-up<br />
sind deshalb schon sehr viele Veränderungen<br />
eingeflossen. Auch wenn<br />
der Ventus einen sehr schlanken<br />
Eindruck macht, nimmt das Cockpit<br />
auch sehr große Piloten auf.<br />
Den Rumpf beziehungsweise das<br />
Flugzeug soll es zudem in zwei unterschiedlichen<br />
Editionen geben. Die<br />
Ausführung „Performance“ wird, mit<br />
der Option zum Eigenstart, gehobenen<br />
Komfort bieten. Hier soll auch<br />
mehr Startleistung als bisher zur<br />
Verfügung stehen. Die Edition „Sport“<br />
wird es mit der Möglichkeit verschiedener<br />
Heimkehrhilfen geben, dem<br />
herkömmlichen Schempp-Hirth-Turbo<br />
oder dem Flight Electric Sustainer<br />
(FES), wie er jetzt schon für Ventus<br />
2cx und Discus 2 angeboten wird.<br />
Die Sport-Version ist auf das Wesentliche<br />
reduziert und richtet sich an<br />
Wettbewerbspiloten. Für Mückenputzer<br />
gibt es in den Rumpf-Flügel-<br />
Übergang integrierte Garagen, auch<br />
die Lüftung wurde mit optimierten<br />
Ein- und Auslässen gestaltet, was<br />
der Aerodynamik zugute kommt.<br />
Während der erste Prototyp diesmal<br />
ein reines Segelflugzeug ist, steckt<br />
der zweite bereits als Turbo in der<br />
Schlanker Flügel,<br />
schlanker Rumpf: der<br />
neue Ventus im<br />
Hangflug an der Teck.<br />
Form. Vor dem Frühjahr wird er wohl<br />
noch nicht fliegen. Bei Schempp-Hirth<br />
investiert man die Zeit jetzt in den<br />
Vorrichtungsbau, um später in einen<br />
möglichst reibungslosen Serienbau<br />
einsteigen zu können.<br />
Für die Zulassung erwartet Tilo<br />
Holighaus trotz verschärfter Zertifizierungsvorschrift<br />
CS 22 keine Show-<br />
Stopper: „Der Flügel funktioniert<br />
wahrscheinlich sogar ohne Ausgleichsmassen.“<br />
Für die Segelflug-Weltmeisterschaften<br />
Anfang 2017 in Australien – den<br />
ersten richtigen internationalen Vergleich<br />
– will man jedenfalls möglichst<br />
viele neue Ventus bauen.<br />
ae<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 87
[ SEGELFLIEGEN Wellenfliegen ]<br />
Aus dem Werratal in den Thüringer Wald<br />
REITEN AUF DER<br />
WEIHNACHTSWELLE<br />
TEXT + FOTOS:<br />
Thomas Meder<br />
Der Zeitraum passte: Vom<br />
20. bis 28. Dezember<br />
herrschte eine ausgeprägte<br />
Südwest-Wetterlage, ideal<br />
für Wellenflüge über dem Werratal.<br />
An den Spitzentagen, die wohl für<br />
die meisten Segelflieger mit Weihnachtsvorbereitungen<br />
und Familienfeierlichkeiten<br />
blockiert waren, starteten<br />
in Witzenhausen Piloten und<br />
Teams mit bis zu zwölf Segelflugzeugen.<br />
Es ging nicht um rasend schnelle<br />
oder sehr weite Flüge, vielmehr<br />
stand die Erkundung der regionalen<br />
Wellenflugmöglichkeiten auf dem<br />
Plan. Und der ging diesmal auf.<br />
Am 20. Dezember startete Christof<br />
Maul von der Akaflieg Frankfurt den<br />
ersten Versuch Richtung Thüringer<br />
Wald. Der Wind kam aus 250° mit rund<br />
65 km/h. Einsteigen konnte der Akaflieger<br />
in die Werrawelle bereits in<br />
unmittelbarer Nähe des Flugplatzes.<br />
Mit einem Steigen von 0,5 bis 1 m/s<br />
stieg er im Lee des Kaufunger Waldes<br />
im Geradeausflug bis auf 1700 m. „Der<br />
Himmel war bedeckt mit Altostratus,<br />
darunter war die Sicht zwar gut, aber<br />
die Luft so trocken, dass sich nur ganz<br />
vereinzelt lockere Rotor- und Staubewölkung<br />
bildete. Sonst war es blau,<br />
und ich musste mich ausschließlich<br />
an der Topografie orientieren“, so<br />
Maul.<br />
Er flog weiter ins Lee des Reinhardswaldes.<br />
Bei Reinhardshagen,<br />
nördlich von Hannoversch Münden,<br />
stieg er auf 2200 m und folgte einer<br />
tragenden Linie über den Weserlauf<br />
bis querab Uslar. Da hier keine Rotorbewölkung<br />
mehr zu sehen war und<br />
das Steigen nachließ, drehte Christof<br />
Maul um. Er kam auf dem gleichen<br />
Weg zurück.<br />
„Ohne Höhenverlust legte ich die<br />
50 km bis zur Meißnerwelle im Höhenband<br />
zwischen 1500 und 1600 m<br />
zurück. Dort zeigte Rotorbewölkung<br />
das Steiggebiet zuverlässig an, und<br />
mit über 1 m/s stieg ich wieder auf<br />
2200 m.“ Am Horizont im Südosten<br />
lockte der Thüringer Wald, allerdings<br />
gab es auch in dieser Richtung keine<br />
Bewölkung, die Steiggebiete anzeigte.<br />
„Ich tastete mich an Eschwege<br />
vorbei und fand ein mir unbekanntes,<br />
sehr schwaches Steiggebiet im Lee<br />
der Graburg bei Großburschla. Zwei<br />
Versuche, weiter nach Südosten voranzukommen,<br />
resultierten in mehr<br />
Höhenverlust, als mir lieb war. Reumütig<br />
kehrte ich jedes Mal wieder<br />
zurück. So warf ich nur einen wehmütigen<br />
Blick hinüber nach Eisenach,<br />
88 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Ende Dezember hatten wieder einmal die<br />
Wellenflieger den Flugplatz Witzenhausen-Burgberg in<br />
Beschlag genommen. Das große Ziel ihres Lagers: mindestens ein Flug von<br />
der Werratalwelle in die Welle des Thüringer Waldes und wieder zurück.<br />
das ich 20 km vor mir gut erkennen<br />
konnte.“<br />
Die anderen Piloten vergnügten<br />
sich an dem Tag ausschließlich in der<br />
Werratalwelle und erreichten dort<br />
Höhen bis zu 3000 m.<br />
Am 21. und 22. Dezember herrschte<br />
sehr starker Wind, und keiner<br />
wollte wegen des Außenlanderisikos<br />
weiter weg fliegen. Stattdessen wurde<br />
ein bisschen am Haushang, dem<br />
Sandwald, gesurft. Es wurden Höhen<br />
bis zu 1500 m erreicht.<br />
Philipp Illerhaus von der Akaflieg<br />
Frankfurt erstieg einen Tag später<br />
mit 4000 m die größte Höhe in der<br />
Werratalwelle, er erreichte sie über<br />
Witzenhausen. Bremen Radar spielte<br />
mit und erteilte ganz unkompliziert<br />
die notwendige Freigabe.<br />
Die Welle an Heiligabend wurde<br />
dann nicht so richtig genutzt. Natürlich<br />
wollte an dem Tag keiner der<br />
Piloten eine weite Strecke fliegen und<br />
mit einer Außenlandung eine lang<br />
dauernde Rückholtour riskieren, aber<br />
in die Luft wollte man schon. Der<br />
Einstieg gelang wieder direkt am<br />
Flugplatz Witzenhausen, sodass nur<br />
kurze Schlepps erforderlich waren.<br />
Hochbetrieb am Flugplatz<br />
Witzenhausen, und das zu<br />
Weihnachten! Die Wellenlage<br />
hielt eine Woche an.<br />
Entlang der langen Woge.<br />
So macht Segelfliegen<br />
auch im Winter Spaß.<br />
Links: Vom Hohen Meißner<br />
zum Thüringer Wald.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 89
[ SEGELFLIEGEN Wellenfliegen ]<br />
WEIHNACHTSGESCHENK:<br />
DAS BESTE WELLENFLUGLAGER<br />
Weihnachten 2015<br />
gelang zum ersten Mal<br />
der Anschluss von der<br />
Werra- an die Thüringer-<br />
Wald-Welle.<br />
Mit 1,5 m/s ging es an einer markanten<br />
Rotorwolkenbank aufwärts. Maximal<br />
wurden aber nur rund 2500 m<br />
MSL erreicht. Entlang des westlichen<br />
Werratals ließ sich dann zuverlässig<br />
wieder Steigen finden. „Mein erster<br />
Weihnachtsflug – und dann gleich<br />
über 2000 m in der Welle! Da hat sich<br />
der Start doch gelohnt“, freute sich<br />
Sebastian Siebert.<br />
Am ersten Weihnachtstag wurde<br />
nicht geflogen, der 25. wäre wegen<br />
eines Frontdurchzugs auch gar nicht<br />
nutzbar gewesen. Am 26. war für die<br />
meisten die Weihnachtspause schon<br />
vorbei. Christof Maul und Philipp<br />
Illerhaus starteten mit dem Duo-<br />
Discus den zweiten Versuch, zum<br />
Thüringer Wald zu fliegen. Der Wind<br />
kam wieder aus 250 Grad, diesmal<br />
schon am Boden mit rund 65 km/h.<br />
Der Einstig in die Werratalwelle erfolgte<br />
in 800 m über dem Flugplatz<br />
Witzenhausen. „Wir flogen einige<br />
Kilometer im Steigen flussabwärts,<br />
um Höhe zu machen, und surften an<br />
der Vorderkante der Lenticularis bis<br />
in 2000 m Höhe.“ Hinter Bad Sooden-<br />
Allendorf bog die Lenti nach Norden<br />
ab. Letztlich flog das Duo-Team zu<br />
der spärlichen Rotorbewölkung zurück<br />
ins Werratal.<br />
Fast an derselben Stelle, an der<br />
Christof Maul am 20. eine schwache<br />
Welle vorgefunden hatte, wurden<br />
auch die zwei fündig und stiegen mit<br />
rund 1 m/s bis auf 2500 m. „In 2400<br />
m Höhe flogen wir an Eisenach vorbei.<br />
Die dann noch einzige erkennbare<br />
Bewölkung stand luvwärts über<br />
dem Relief des Thüringer Walds.“<br />
Diese vermeintliche Rotorlinie entpuppte<br />
sich bei Annäherung jedoch<br />
als Staubewölkung. Immerhin trug<br />
die Kante, und das Duo flog weiter<br />
südostwärts.<br />
Über den Suhler Talkessel tasteten<br />
sich die beiden an den Hauptkamm<br />
des Thüringer Waldes vor. Dort stiegen<br />
sie im Hangaufwind, noch vor<br />
der Staubewölkung, wieder auf 1400<br />
m, konnten aber die Wolken nicht<br />
übersteigen. Mit Kurs Crawinkel<br />
wagten Christof Maul und Philipp<br />
Illerhaus dann den Sprung ins Lee.<br />
„Wir hatten die leise Hoffnung, dort<br />
die Welle zu finden. Sie sollte uns<br />
wieder nach Witzenhausen zurückbringen.<br />
Die Alternative wäre der<br />
Rückweg entlang der Staubewölkung<br />
nach Nordwesten gewesen mit anschließendem<br />
Rücksprung ins Lee<br />
bei Eisenach, aber das Außenlanderisiko<br />
dieser Variante erschien uns<br />
zu hoch“, berichtete Philipp.<br />
Landen mussten sie trotzdem vorzeitig.<br />
Crawinkel erreichten sie zwar<br />
in 300 m über Grund, aber die vermutete<br />
Welle blieb aus.<br />
Laut Wetterbericht sollte der 27.12.<br />
der vorerst letzte Tag mit geeignetem<br />
Wind werden. Auch die RASP-Niedersachsen-Wellenvorhersage<br />
sah<br />
vielversprechend aus. Mit 270 Grad<br />
und 70 km/h war der Wind fast so<br />
stark wie am Vortag, kam aber noch<br />
etwas mehr aus Westen.<br />
Gegen zehn Uhr starteten zehn<br />
Flugzeuge, zwei davon mit Ziel Thüringer<br />
Wald: Robert Fromm und Christof<br />
Maul im Duo-Discus und Philipp<br />
Illerhaus in der LS4. Die Luftfeuchte<br />
war deutlich höher als am Vortag,<br />
sodass es ausgeprägte Rotorwolkenbänder<br />
gab. „Über Hedemünden stand<br />
eine beeindruckende Rotorwolke,<br />
unterhalb der wir ausklinkten“, berichtete<br />
Christof Maul. „Wir stiegen<br />
auf 1800 m und folgten der Werra<br />
flussaufwärts Richtung Meißner. Dort<br />
gewannen wir rasch 800 Höhenmeter<br />
mit einem Steigen zwischen 1 und<br />
1,5 m/s.“ An diesem Tag war der<br />
weitere Weg nach Südosten durch<br />
ausgedehnte Rotorbewölkung gut<br />
gekennzeichnet.<br />
Philipp stieg zunächst auf beruhigende<br />
3000 m über Witzenhausen,<br />
bevor er sich auf das Abenteuer Thüringer<br />
Wald einließ. Auf der Südroute<br />
kam der Duo-Discus derweil ohne<br />
Höhenverlust bis kurz vor Eisenach<br />
voran. Dort endete die tragende Linie.<br />
Christof und Robert hangelten sich<br />
dann von Eisenach weiter in Richtung<br />
des Großen Inselsberges. Sein Lee<br />
enttäuschte mit nur schwachem Steigen.<br />
Also flogen sie aus 2000 m Höhe<br />
weiter Richtung Crawinkel.<br />
Philipp war zu der Zeit mit der<br />
gleichen Höhe auf der Werratalroute<br />
südöstlich von Eschwege in Treffurt<br />
angekommen, fand dort aber auch<br />
nur eine schwarze Null vor. Es war<br />
gerade erst elf Uhr, es blieben also<br />
noch fünf Stunden bis zum Einbruch<br />
der Dunkelheit.<br />
Christof und Robert stolperten<br />
dann östlich des Flugplatzes Crawinkel<br />
in gutes laminares Steigen, das<br />
sie bis auf 3000 m brachte. Philipp<br />
fand kurz vor Eisenach gleichermaßen<br />
gute Bedingungen und konnte auch<br />
auf 3000 m Höhe klettern.<br />
Das Duo-Team folgte anschließend<br />
einer tragenden Linie fast bis zum<br />
Flugplatz Pennewitz. Dort drehten<br />
die beiden um, zurück zum Crawinkler<br />
Steiggebiet. Hier begegneten sie<br />
Philipp in 2800 m. Den Rückweg traten<br />
sie gemeinsam an. Gegen rund<br />
90 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
40 km/h Wind geriet der zum schwierigeren<br />
und spannenderen Teil des<br />
Unterfangens.<br />
„Wir legten den Kurs weiter hinaus<br />
ins Flache, da wir auf dem Hinweg<br />
zwischen Großem Inselsberg und<br />
Crawinkel keine tragende Linie gefunden<br />
hatten“, schrieb Christof in<br />
seinem Flugbericht. „Leider war<br />
diese alternative Route auch nicht<br />
besser. So kehrten wir reumütig auf<br />
die alte Linie zurück und nahmen den<br />
Nullschieber am Großen Inselsberg<br />
in jetzt nur noch 2100 m Höhe noch<br />
einmal mit. Philipp, 15 km hintendran,<br />
traf es am Inselsberg besser an, er<br />
stieg dort wieder auf 3000 m und<br />
konnte die Durststrecke zum Werratal<br />
gelassen angehen.“<br />
Die Wolken als sichere Zeichen für<br />
Steigzonen waren mittlerweile abgetrocknet.<br />
Stattdessen gab es nur noch<br />
ein paar vereinzelte Rotorwolken<br />
weiter leewärts über dem Werratal.<br />
Christof und Robert quälten sich gegen<br />
den Wind bis kurz vor Eschwege<br />
zurück, immer im Höhenband zwischen<br />
1200 und 1500 m.<br />
„Dann war es auch mit den Rotorwölkchen<br />
vorbei, und wir versuchten<br />
als letzte Option den Hang am Höheberg“,<br />
so Christof. „In 300 m Höhe<br />
über Grund querten wir das Werratal.<br />
Der Höheberg ging, und wir asteten<br />
uns aufwärts. In Höhe der Teufelskanzel<br />
konnten wir dann den Ausflüglern<br />
zuwinken.“ Gut 200 m Höhe<br />
brachte der Höheberg. Das reichte<br />
aus, um die letzten 9 km mit Hangwindunterstützung<br />
zurück nach Witzenhausen<br />
zu fliegen.<br />
Philipp in der LS4 stieg derweil<br />
auf seiner alten Linie bei Creuzburg<br />
wieder auf 2600 m und landete eine<br />
Stunde nach dem Duo-Discus in Witzenhausen.<br />
„Durch den wesentlich<br />
entspannteren Rückflug motiviert,<br />
habe ich noch einen Ausflug bis zur<br />
Werratal-Autobahnbrücke bei Hedemünden<br />
unternommen und es mir<br />
dabei gut gehen lassen“, erzählte er<br />
nach der Landung.<br />
Im Werratal kamen an diesem Tag<br />
gleich mehrere Strecken über 250 km<br />
zusammen. Michael Seischab meinte<br />
später: „Es wäre vielleicht noch etwas<br />
mehr gegangen, man lernt immer<br />
dazu. Die Nummer mit Thüringen<br />
haben wir uns mangels Rückholer<br />
verkniffen. Aber super, dass das noch<br />
geklappt hat!“<br />
An sieben Tagen wurden auf diese<br />
Weise insgesamt 3500 km in Welle<br />
und Hangflug erflogen. Mehrfach<br />
konnte dabei FL 100 überschritten<br />
werden. Für alle Piloten stand auf<br />
alle Fälle fest: Sie hatten eines der<br />
besten Wellenfluglager erlebt. An<br />
jedem Tag konnte geflogen werden,<br />
und immer stand die Welle genau<br />
über dem Platz!<br />
Stoff für das jährliche Wellenflugtreffen<br />
der Mittelgebirgswellenflieger<br />
beim DLR Göttingen, das diesmal am<br />
5. März stattfindet, gibt es jetzt jedenfalls<br />
reichlich.<br />
ae<br />
Rotorwolken über dem<br />
Werratal zeigen an,<br />
wo’s im Wellenaufwind<br />
hochgeht.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 91
[ SEGELFLIEGEN Technik ]<br />
Mit 800 kg Maximalmasse erweist<br />
sich der Arcus M gut ausbalanciert<br />
fürs Steigen und Gleiten.<br />
Wettbewerbspiloten gieren<br />
nach höheren Flächenbelastungen,<br />
da vor<br />
allem sie ein deutliches Leistungsplus<br />
bringen können. Aber ist<br />
eine kurzfristige Anhebung der<br />
maximalen Abflugmasse auf 850<br />
kg fair, wenn derzeit auchviele<br />
motorisierte Segelflugzeuge dafür<br />
nicht zugelassen sind? Reine Segelflugzeugmuster<br />
sind ohnehin<br />
auf 750 kg beschränkt. Beeinträchtigen<br />
höhere Abflugmassen eventuell<br />
die Sicherheit, weil die Flugzeuge<br />
dann träger und unhandlicher<br />
werden? Zu einer Chancenverschiebung<br />
wird eine Anhebung<br />
des Gewichtslimits auf jeden Fall<br />
führen.<br />
Eine Klasse – mit Motor<br />
aber zwei Welten<br />
In Wettbewerben ist die Maximalmasse<br />
von 20-m-Doppelsitzern<br />
auf 750 kg beschränkt. Für reine<br />
Segelflugzeuge ist dies das gesetzliche<br />
Limit – jedenfalls wenn die<br />
europäische Zulassungsvorschrift<br />
CS 22 als feste Vorgabe interpretiert<br />
wird. Motorisierte Segelflugzeuge<br />
dürfen nach CS 22 höchstens 850<br />
kg auf die Waage bringen. Derzeit<br />
sind dafür bei den 20-m-Doppel-<br />
sitzern nur die neue ASG 32 Mi<br />
von Schleicher und das Schwestermodell<br />
mit der elektrischen<br />
Heimkehrhilfe, die ASG 32 El,<br />
ausgelegt. Ihre Piloten dürften sich<br />
über ein höheres Limit freuen, sie<br />
müssten sich dann nicht mit besonders<br />
leichten Copiloten oder<br />
sogar einem Triebwerksausbau<br />
unter den 750-kg-Grenzwert zwängen.<br />
Schlecht wäre die Anhebung<br />
ganz besonders für DG-1001-Teams.<br />
Hier dürfen selbst die Eigenstarter<br />
nur mit maximal 790, die Turbos<br />
mit maximal 750 kg fliegen.<br />
Bei der ausschlaggebenden<br />
Flächenbelastung fallen die Unterschiede<br />
aufgrund der unterschiedlichen<br />
Flügelflächen noch krasser<br />
aus. Wenn die derzeit von der<br />
Musterzulassung her maximal<br />
möglichen Werte für die einzelnen<br />
Flugzeuge betrachtet werden, fällt<br />
die Flächenbelastung der Segelflugversion<br />
der DG-1001 mit 42,8<br />
kg/m 2 am ungünstigsten aus. Die<br />
eigenstartfähige Version kommt<br />
auf 45 kg/m 2 . Spitzenreiter ist die<br />
ASG 32 Mi mit 54,1 kg/m 2 . Dazwischen<br />
sind der Duo Discus mit 45,7,<br />
der Arcus als Segler mit 48,1 und<br />
als Motorsegler mit 51,3 kg/m 2<br />
angesiedelt. Mit großen Differen-<br />
20-m-Doppelsitzer<br />
Kritische Massee<br />
Sollten die Doppelsitzer der 20-m-Klasse in<br />
Wettbewerben mit 850 kg Maximalmasse<br />
fliegen dürfen? In der Internationalen Segelflugkommission<br />
wird die Frage gerade diskutiert.<br />
Fotos: Gerhard Marzinzik, Holger Weitzel<br />
Die DG-1001 profitiert im Steigen<br />
von ihrer großen Flügelfläche,<br />
fürs Gleiten ist das weniger gut.<br />
92 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Maximalmassen aktueller 20-m-Doppelsitzer<br />
Arcus E<br />
Arcus M<br />
Arcus T<br />
Arcus<br />
810 kg<br />
800 kg<br />
800 kg<br />
750 kg<br />
ASG 32 Mi<br />
ASG 32 El<br />
ASG 32<br />
Die ASG 32Mi von Schleicher kann<br />
mit 850 kg fliegen. Im Wettbewerb<br />
dürfen es nur maximal 750 kg sein.<br />
zen bei der Flächenbelastung<br />
stehen die Flugzeuge heute auch<br />
schon mit dem 750er-Limit im<br />
Wettbewerb. Die Einführung der<br />
Indexwertung bei internationalen<br />
Meisterschaften und nun auch bei<br />
Deutschen Meisterschaften ergibt<br />
Der Duo Discus ist in unterschiedlichen<br />
Versionen in vielen Vereinen vertreten. Er<br />
darf mit maximal 750 kg geflogen werden.<br />
850 kg<br />
850 kg<br />
750 kg<br />
Duo Discus XL 750 kg<br />
Duo Discus XLT 750 kg<br />
da durchaus Sinn. Mit ihr treten<br />
Piloten von DG-1001 und Duo Discus<br />
nicht von vornherein chancenlos<br />
an. Die Indexwertung könnte<br />
natürlich auch die großen Leistungsunterschiede<br />
der Flugzeuge<br />
mindern, die aus einer Anhebung<br />
DG-1001<br />
DG-1001T<br />
DG-1001TE<br />
DG-1001M<br />
750 kg<br />
750 kg<br />
750 kg<br />
790 kg<br />
des Gewichtslimits um 100 kg resultieren<br />
würden.<br />
Hersteller haben allerdings ihre<br />
ganz eigene Sicht auf diese<br />
Problematik. Tilo Holighaus, Geschäftsführer<br />
von Schempp-Hirth,<br />
bittet um Planungssicherheit. Auch<br />
der Verband der deutschen Segelflugzeughersteller<br />
sagt, dass mindestens<br />
zehn Jahre Zeit von der<br />
Einführung solch einer entscheidenden<br />
Regeländerung bis zu<br />
ihrem Wirksamwerden gegeben<br />
werden soll. In der Designphase<br />
werden die Flugzeuge auf die<br />
wettbewerbs- und zulassungsrechtlichen<br />
Grenzen hin ausgelegt,<br />
was es schwierig macht, später<br />
zum Beispiel Auflastungen vorzunehmen.<br />
Jüngste Beispiele zeigen,<br />
dass dann die Leermassen exorbitant<br />
steigen.<br />
Tilo Holighaus würde überhaupt<br />
gerne den Trend zu immer höheren<br />
Flächenbelastungen stoppen, da<br />
diese die Flugzeuge zunehmend<br />
verteuern, ohne dass sie im sportlichen<br />
Vergleich einen Vorteil<br />
brächten. Nicht-Wettbewerbspiloten<br />
würden bei Festlegung niedrigerer<br />
Massen beziehungsweise<br />
Flächenbelastungen erheblich<br />
profitieren.<br />
Dass durchaus sportlich herausfordernde<br />
Wettbewerbe auch<br />
mit niedrigeren Abfluggewichten<br />
fair ausgetragen werden können,<br />
haben erst die Deutschen Meisterschaften<br />
in Erbach gezeigt. Dort<br />
wurde nach ergiebigem Regen und<br />
aufgeweichter Piste die Flächenbelastung<br />
limitiert, um sichere<br />
Starts zu ermöglichen. Die Schnittgeschwindigkeiten<br />
mögen deshalb<br />
um rund 2 km/h niedriger ausgefallen<br />
sein, aber jeder hat das einfachere<br />
Handling am Boden wie<br />
im Flug geschätzt. Tilo Holighaus:<br />
„Wir haben uns sicherer gefühlt,<br />
insbesondere in Pulks in geringeren<br />
Höhen.“<br />
In Pulks mit manchmal 20 Flugzeugen<br />
ist die Agilität ein wesentlicher<br />
Sicherheitsfaktor. Tilo Holighaus:<br />
„Höhere Massen bedeuten<br />
mehr Energie, und das hat<br />
negative Effekte auf den Start, die<br />
Manövrierbarkeit, Überziehgeschwindigkeit<br />
und Landung.“<br />
Um den Druck aus der Diskussion<br />
über ein höheres Limit zu<br />
nehmen, dafür hat Tilo Holighaus<br />
einen Vorschlag: Warum nicht bei<br />
der Wägung eine Toleranz bis zu<br />
20 kg zulassen? Das würde gerade<br />
einmal drei Prozent der Flugzeugmasse<br />
ausmachen und nicht<br />
wirklich ins Gewicht fallen. ae<br />
Gerhard Marzinzik<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 93
[ SEGELFLIEGEN Sicherheit ]<br />
Unfallanalyse<br />
Verschraubt<br />
Endlage des Hauptwracks<br />
am nördlichen<br />
Ufer der Sarner Aa.<br />
Was tun beim Landeanflug, wenn sich plötzlich die ausgefahrenen<br />
Bremsklappen nicht mehr bedienen lassen? Mit viel Glück trug die<br />
Besatzung der DG-1000 nach mehrfacher Kollision mit Hindernissen<br />
nur leichte Verletzungen davon.<br />
Die Funktion der Bremsklappen<br />
hatten Lehrer und<br />
Schüler vor ihrem Kunstflugtraining<br />
am 3. August in Kägiswil<br />
gecheckt, und bis zum<br />
Endanflug hatten sich die Klappen<br />
auch einwandfrei bedienen lassen.<br />
Dass dann mit einem Mal keine<br />
Kontrolle mehr möglich war, und<br />
das dazu in einer überaus kritischen<br />
Situation, ist auf das plötzliche<br />
Versagen einer falsch hergestellten<br />
Verbindung zurückzuführen, die<br />
sich im üblichen Check nicht überprüfen<br />
ließ.<br />
Der Start im F-Schlepp bis auf<br />
rund 2000 Meter erfolgte ohne<br />
besondere Vorkommnisse. Nach<br />
dem Training flogen die Acropiloten<br />
auf einer Höhe von rund 500<br />
Metern über Grund in den Abkreisraum<br />
südlich des Flugplatzes ein.<br />
Hier wurden, um Höhe zu vernichten,<br />
die Bremsklappen halb aus- und<br />
kurz darauf wieder eingefahren<br />
und verriegelt. Die Landung sollte<br />
nach rechtem Gegen- und Queranflug<br />
auf der Piste <strong>03</strong> erfolgen, zu<br />
der der Endanflug über dicht bebautes<br />
Gelände führt.<br />
Nach dem Verlassen des Abkreisraums<br />
fuhr der Kunstflugschü-<br />
ler die Bremsklappen im Queranflug<br />
auf einer Höhe von 220 Metern<br />
erneut aus. Etwas später, inzwischen<br />
im Endanflug, wollte er den<br />
Gleitwinkel nochmals anpassen<br />
und dazu die Bremsklappen wieder<br />
einfahren. Die Geschwindigkeit<br />
über Grund lag in dieser Flugphase<br />
bei 100 km/h, die Gleitzahl über<br />
Grund bei 7 (nach FLARM-Auswertung).<br />
Die Betätigung des<br />
Bremsklappenhebels blieb aber<br />
wirkungslos – bis auf ein Scheppern,<br />
das der Fluglehrer hinter seinem<br />
Rücken wahrnahm. Der Bremsklappenhebel<br />
ließ sich nunmehr frei<br />
bewegen.<br />
Die Bremsklappen waren zu<br />
dem Zeitpunkt zu zwei Dritteln<br />
ausgefahren. Die Flughöhe betrug<br />
noch rund 50 Meter über dem<br />
Flugplatz und die Gleitzahl ab<br />
diesem Zeitpunkt ungefähr 13.<br />
Sturz in die Sarner Aa<br />
Der Fluglehrer übernahm umgehend<br />
die Kontrolle. Die Möglichkeit,<br />
querab auf einem Feld vor<br />
dem Gebäudekomplex der Sarnafil<br />
AG zu landen, verwarf er aufgrund<br />
der im Weg stehenden Bäume und<br />
versuchte stattdessen, das Flugplatzgelände<br />
zu erreichen.<br />
Fast hätte die Höhe trotz des<br />
leichten Gegenwinds von vier Knoten<br />
sogar für den Überflug der<br />
Häuser gereicht. Aber nur fast: Die<br />
erste Kollision erfolgte mit dem<br />
linken Flügel am Dachfirst eines<br />
Hauses. In der Folge prallte die<br />
DG-1000 auf ein Haus rechts davon<br />
und den davor stehenden Baum,<br />
überschlug sich und kam in Rückenlage<br />
in der Sarner Aa zum<br />
Stillstand.<br />
Aufgrund der ersten Kollision<br />
wurde der linke Flügel vom Rumpf<br />
getrennt und blieb am südlichen<br />
Ufer des Flusses halb im Wasser<br />
liegen. Das Hauptwrack wurde<br />
von der Strömung noch etwas<br />
mitgeschwemmt und blieb am<br />
nördlichen Ufer unter den Bäumen<br />
hängen.<br />
Beide Insassen hatten riesiges<br />
Glück, sie konnten das Wrack leicht<br />
verletzt aus eigener Kraft verlassen<br />
und ans Ufer waten.<br />
Nach der Bergung des Wracks<br />
konnte schnell der Grund festgestellt<br />
werden, weshalb sich die<br />
Bremsklappen nicht mehr hatten<br />
bedienen lassen: Die M6-Schraubverbindung<br />
im Steuergestänge war<br />
am Gelenkstangenkopf der Lenkstange<br />
ausgerissen.<br />
Sie wurde auf ihren Schaden<br />
hin geprüft und materialkundlich<br />
untersucht. Festgehalten wurde,<br />
dass es sich hier um eine für die<br />
Bremsklappensteuerung unübliche<br />
Schraubverbindung mit Doppelfunktion<br />
handelte. Die Vorgaben<br />
für die Zertifizierung erfüllte sie<br />
allerdings.<br />
Zur Doppelfunktion des Befestigungsgewindes<br />
als Drehlager<br />
und Schubverbindung gab Hersteller<br />
DG-Flugzeugbau an, dass dies<br />
wohl untypisch sein möge, aber<br />
diese Bauweise als „bewiesen<br />
sicher einzustufen“ sei, da sie seit<br />
38 Jahren in über 2000 Segelflugzeuge<br />
eingebaut worden ist. Allerdings<br />
war der Gelenkstangenkopf<br />
falsch verbaut worden! Ein<br />
Links- und ein Rechtsgewinde<br />
waren zusammengewürgt worden,<br />
was letztlich das Versagen der<br />
Verbindung zur Folge hatte.<br />
Auf der Innenoberfläche der<br />
Mutter wurden zwei Gewinderichtungen<br />
festgestellt. Die Mutter<br />
wies starke Verformungen im<br />
Zahnkopfbereich auf. Das makroskopische<br />
Schadensbild zeigte das<br />
Eindrehen einer Schraube mit<br />
Rechtsgewinde in eine Mutter mit<br />
Linksgewinde (Abbildung). Die<br />
Gewindespitzen an der Schraube<br />
waren flach abgetragen.<br />
Bei der Untersuchung wurde<br />
diese Verbindung nachgestellt.<br />
94 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Dabei zeigte sich, dass eine Schraube<br />
(Festigkeitsklasse 10.9 wie beim<br />
Unfallflugzeug) mit Rechtsgewinde<br />
ohne großen Kraftaufwand in<br />
eine Mutter mit Linksgewinde<br />
einer geringeren Festigkeitsklasse<br />
(4.8 wie beim Unfallflugzeug)<br />
eingeschraubt werden kann, wenn<br />
die Gewindespitzen flachgeschliffen<br />
sind. Im Originalzustand, das<br />
heißt, ohne vorheriges Flachschleifen<br />
des Gewindes, ist es nur mit<br />
erheblichem Kraftaufwand möglich,<br />
die Schraube einzudrehen. Die<br />
metallografischen Befunde an der<br />
Gelenkkopfschraube des Unfallflugzeugs<br />
deuteten darauf hin, dass<br />
die Gewindespitzen vor dem Eindrehen<br />
flachgeschliffen wurden.<br />
Da stellt sich natürlich sofort<br />
die Frage: Wie konnte das überhaupt<br />
passieren?<br />
Nach Angaben des Herstellers<br />
hätten die archivierten Lagerbewegungen<br />
in der Abteilung Rohbau<br />
gezeigt, dass die richtige Anzahl<br />
und Sorte der Gelenkstangenköpfe<br />
bei der Herstellung des Unfallflugzeugs<br />
ausgebucht worden<br />
waren. Ob ein Gelenkstangenkopf<br />
mit Links- oder Rechtsgewinde<br />
eingebaut wurde, war im Baujahr<br />
2007 allerdings kein Punkt auf der<br />
Prüfliste bei der Abnahme des<br />
Rohbaus.<br />
Abschließend hielt der Hersteller<br />
seinerseits fest, dass nur ein<br />
Gelenkstangenkopf mit falschem<br />
Gewinde zu dem Versagen geführt<br />
haben könne. Der Instandhaltungsbetrieb<br />
des Unfallflugzeugs konnte<br />
ebenfalls nicht erklären, wie die<br />
Verwechslung der Gewinderichtungen<br />
im Gelenkstangenkopf<br />
zustande gekommen war.<br />
Unbefriedigenderweise ließ sich<br />
so nicht klären, wann und von wem<br />
der Gelenkstangenkopf mit Rechts-<br />
gewinde in die Lenkstange mit<br />
Linksgewinde eingedreht worden<br />
war.<br />
Aber hätte sich diese falsche<br />
Verbindung an wachsendem und<br />
letztlich zu großem Spiel in der<br />
Bremsklappensteuerung nicht erkennen<br />
lassen können?<br />
Mysteriöser Einzelfall<br />
Im Wartungshandbuch der DG-<br />
1000 heißt es: Spiel in der Bremsklappensteuerung<br />
ist unbedenklich.<br />
Die Bremsklappen selber dürfen<br />
nicht so viel Spiel aufweisen, dass<br />
die Schraubenköpfe der Bremsklappenbleche<br />
beim Einfahren<br />
unter Luftlasten auf dem Flügel<br />
aufsitzen können, statt in den<br />
Klappenkasten einzufahren.<br />
Im Rahmen der jährlichen Kontrolle<br />
werden die Bremsklappen<br />
auf ihre Einfahrstellung inspiziert,<br />
Darstellung der ersten Aufschlagstelle<br />
sowie der Endlage des linken Flügels und<br />
des Hauptwracks.<br />
Endanflug gemäß FLARM-Aufzeichnung<br />
(rot) mit dem weiß umrandeten Feld vor<br />
dem Industriegebäude der Sika Sarnafil AG<br />
und hypothetischer, direkter Endanflug auf<br />
die Piste <strong>03</strong> (gelb).<br />
dabei werden das Verkniemoment<br />
und der Verkniewinkel geprüft und<br />
bei Bedarf am Flügel eingestellt.<br />
Nach Aussage von DG-Flugzeugbau<br />
gäbe es im Normalfall bei der<br />
Wartung keinen Grund, die Bremsklappensteuerung<br />
rumpfseitig<br />
auseinanderzunehmen.<br />
Um weiteren ähnlichen Fällen<br />
vorzubeugen, reagierten die Schweizer<br />
nach dem Unfall beispielhaft<br />
schnell: Wenige Tage nach dem<br />
Ereignis veröffentlichten sie, basierend<br />
auf den ersten Erkenntnissen<br />
der Untersuchung, eine<br />
Information für die restlichen Betreiber<br />
von DG-1000 in der Schweiz.<br />
In ähnlicher Weise erließ der Hersteller<br />
die Service-Info Nr. 83-13<br />
mit dem Ziel, ähnliche Zwischenfälle<br />
zu vermeiden. Darin wurden<br />
die DG-1000-Betreiber angehalten,<br />
dem Hersteller mitzuteilen, falls<br />
ein Gelenkstangenkopf mit Rechtsgewinde<br />
vorgefunden wurde. Es<br />
gab aber keine entsprechenden<br />
Mitteilungen. Bemerkt wurde dagegen<br />
ein Spiel der Schraubverbindung<br />
von 1,2 bis 2,05 Millimeter.<br />
In einem Einzelfall hielt die<br />
Verbindung stand bei einem Gewindespiel<br />
von 2,5 Millimetern,<br />
das deutlich über dem maximal<br />
empfohlenen Wert von 2 Millimetern<br />
lag, also sogar dem 14-Fachen<br />
der zulässigen Belastung.<br />
Ganz ohne Kritik am Hersteller<br />
schloss der Unfallbericht aber nicht.<br />
Die Unfalluntersuchungsstelle<br />
bemängelte, dass die sicherheitsrelevanten<br />
Informationen oder<br />
Anleitungen, wie sie in der Service-<br />
Info zu finden beziehungsweise<br />
vor dem nächsten Flug auszuführen<br />
waren, vom Hersteller nur nach<br />
dem Holprinzip kommuniziert<br />
wurden.<br />
ae<br />
SUST/Marzinzik<br />
Bremsklappen-Steuergestänge der DG-1000.<br />
Fotos: SUST<br />
Aufnahme der Mutter nach dem<br />
Reinigen mit sekundär beschädigtem<br />
Innengewinde (roter Pfeil).<br />
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Bj. 1969, TT 3775 Std. S/N:<br />
28-26026, Max. TOW: 976 kg,<br />
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Bj. 1997, TT 1243 Std., 2 Sitzpl.<br />
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Bölkow Bo.209 Monsun, Standort<br />
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97
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Eng. Lycoming O-360 A2A, Ldg.:<br />
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SL40 VHF, Mode-S XPDR TT 31,<br />
ACK Tech A30, ELT ME 406, wg.<br />
Wechsel. Tel. 0177-8782355, Fax<br />
0571-8709-1, mhubig@yahoo.com<br />
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Luftfahrzeug E-Klasse, Bj. 1992,<br />
TT 2140 Std., 118.000,– €. Socata<br />
TB 20 Trinidad, Bj. 1992, 2140 Std.<br />
total, Major Insp. 2000 Std. in 2013,<br />
Lufttüchtigkeitsprüfung neu 06/2015,<br />
Triebwerk: Lycoming IO-540-C4D5D,<br />
250hp Engine overhauled 06/2015<br />
15 Std., 3 Blatt Prop MTV-9-<br />
B/198-52, 198 cm Durchm., Com6<br />
posite Spinner P-666-2, beides<br />
neu 06/2015, Avionik: IFR 2x VHF-<br />
S/E 1 King 155/VHF-NAV, King KX<br />
155/Marker/ADF KR 87, Encoder/<br />
Alt 5<strong>03</strong>2P2-P37, TXP Trig TT 31<br />
Transponder Mod S FLID, DME<br />
King KN 62 A-01, GPS Stauff Sy6<br />
stec Flymap L VFR, Autopilot 4AP<br />
Kap 150, PowerFlarm aufgeschal6<br />
tet auf GPS Flymap, ELT Kannad<br />
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104 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
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Lösungen von Seite 77<br />
1.<br />
2.<br />
3.<br />
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Frage 1: a) Das Pitotsystem bedarf einer Kontrolle,<br />
weil Sonden durch Fremdkörper wie Staub und Dreck<br />
verstopft sein können und sich in den Leitungen<br />
Wasser gesammelt haben kann. Beides kann zu<br />
Fehlfunktionen bei den barometrischen Instrumenten<br />
führen.<br />
Frage 2: b) Die Kontrolle der Papiere ist notwendig,<br />
weil die Versicherungspolice üblicher Weise für ein<br />
Jahr ausgestellt wird und demzufolge abgelaufen sein<br />
kann.<br />
Frage 3: c) Das Öl muss nicht zwingend gewechselt<br />
werden, sofern es nicht zu alt ist und für den höheren<br />
Temperaturbereich der Saison geeignet ist.<br />
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E-Mail: pseelinger@t-online.de,<br />
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AERO, Friedrichshafen<br />
Messe Friedrichshafen, Neue<br />
Messe 1, 88046 Friedrichshafen,<br />
Tel.: +49 7541 708404,<br />
E-Mail: info@messe-fn.de,<br />
www.aero-expo.com<br />
OO<br />
29. April bis 1. Mai<br />
Präzisionsfliegertraining,<br />
Donaueschingen<br />
Precision Flying Association of<br />
Switzerland, E-Mail: ester.rimensberger@pfa.ch,<br />
www.pfa.ch<br />
OO<br />
1. Mai<br />
Oldtimer- und Dampfmaschinenfest,<br />
Münsingen-Eisberg<br />
LSV Münsingen-Eisberg, Segelfluggelände<br />
bei Dottingen, 72525<br />
Münsingen, Tel.: +49 7381 8466,<br />
E-Mail: info@flugplatz-eisberg.de,<br />
www.oldtimerfest-muensingen.net<br />
OO<br />
1. Mai<br />
Tag der offenen Tür,<br />
Flugplatz Erbach<br />
LSV Erbach, Tel.: +49 160 5355300,<br />
E-Mail: sayler@autohaus-sayler.de,<br />
www.lsv-erbach.de<br />
OO<br />
1. Mai<br />
Tag der offenen Tür, Flugplatz<br />
Bohmte-Bad Essen<br />
LSV Wittlage, Friedrich Lüke,<br />
Tel.: +49 5472 1300,<br />
E-Mail: info@friedrich-lueke.de,<br />
www.lsv-wittlage.de<br />
OO<br />
5. – 8. Mai<br />
Fascination-Treffen,<br />
Görlitz<br />
Verkehrslandeplatz Görlitz,<br />
Girbigsdorfer Str. 85, 02828 Görlitz<br />
Tel.: +49 152 2278783<br />
OO<br />
7./8. Mai<br />
Fortbildungslehrgang<br />
für Fluglehrer, Tannheim<br />
Tannheimer Flieger- und Freizeitzentrum,<br />
Flugplatz, 88459 Tannheim,<br />
Tel.: +49 8395 93137, E-Mail:<br />
info@edmt.de, www.edmt.de<br />
OO<br />
24. – 26. Mai<br />
44. Meeting Aérien, Cerny /<br />
La Ferté-Alais, Frankreich<br />
Amicale Jean-Baptiste Salis,<br />
Aérodrome de Cerny/La Ferté-Alais,<br />
91590 Cerny , Frankreich,<br />
Tel.: +33 1 64575585,<br />
E-Mail: info@ajbs.eu, www.ajbs.eu<br />
✘✘<br />
24. – 26. Mai<br />
16. EBACE, Genf, Schweiz<br />
European Business Aviation Association,<br />
Avenue de Tervuren 13 a-b/<br />
Box 5, 1040 Brüssel, Belgien,<br />
Tel.: +32 2 7660070, E-Mail: infoeu@ebace.aero,<br />
www.ebace.aero<br />
OO<br />
26. – 29. Mai<br />
Kehler Flugtage,<br />
Flugplatz Kehl-Sundheim<br />
Aero-Club Kehl, Sonderlandeplatz<br />
Kehl-Sundheim, Postfach 1131,<br />
77671 Kehl, Tel.: +49 7851 899568,<br />
www.kehler-flugtage.de<br />
✘✘1. – 4. Juni<br />
ILA – Internationale Luft- und<br />
Raumfahrtausstellung, Berlin<br />
Messe Berlin, Messedamm 22,<br />
14055 Berlin, Tel.: +49 30 3<strong>03</strong>80,<br />
E-Mail: ila@messe-berlin.de,<br />
www.ila-berlin.de<br />
OO<br />
2. – 4. Juni<br />
France Air Expo, Pontoise-<br />
Cormeilles, Frankreich<br />
Sarl Adone Events, Aéroport<br />
Cannes-Mandelieu, 277 Avenue<br />
Françis Tonner, 06150 Cannes<br />
La Bocca, Frankreich, Tel.: +33 4<br />
92975247, E-Mail: info@airexpo.aero<br />
OO<br />
10. – 12. Juni<br />
Piper-PA-28-Treffen,<br />
Ganderkesee<br />
E-Mail: j.westedt@t-online.de,<br />
www.pa28.de<br />
OO<br />
12. Juni<br />
Flugplatzfest, Lüneburg<br />
Luftsportverein Lüneburg,<br />
Zeppelinstraße, 21337 Lüneburg,<br />
Tel.: +49 4131 8549214,<br />
E-Mail: info@edhg.de, www.edhg.de<br />
OO<br />
16. – 19. Juni<br />
AOPA-Flugsicherheitstraining,<br />
Bautzen<br />
AOPA-Germany, Verband der<br />
Allgemeinen Luftfahrt e.V., Flugplatz<br />
Außerhalb 27, 63329 Egelsbach,<br />
Tel.: +49 61<strong>03</strong> 42081,<br />
E-Mail: info@aopa.de, www.aopa.de<br />
Der Stubai-Cup steht in diesem Jahr unter dem Motto „Retro“.<br />
✘✘<br />
Terminankündigungen<br />
Weitere Termine finden Sie bei uns auf der Website www.<strong>aerokurier</strong>.de.<br />
Bitte schicken Sie Ihre Ankündigungen für den Termin-Service an<br />
redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Veranstaltungen mit <strong>aerokurier</strong>-Stand<br />
OO<br />
17. – 18. Juni<br />
75 Jahre Militärflugplatz<br />
Meiringen, Schweiz<br />
Schweizer Luftwaffe, Flugplatzkommando<br />
Meiringen,<br />
3857 Unterbach, Schweiz,<br />
Tel.: +41 58461 6464,<br />
E-Mail: info.flplkdomei@vtg.admin.ch<br />
OO<br />
18./19. Juni<br />
Oldtimer-Fly-in,<br />
Flugplatz Ithwiesen<br />
Luftsportvereinigung Ithwiesen,<br />
Markus Rheinländer, 376<strong>03</strong> Holzminden,<br />
Tel.: +49 151 15376695,<br />
E-Mail: mrhein27@web.de,<br />
www.ithwiesen.de<br />
OO<br />
25./26. Juni<br />
OUV-Sommertreffen mit Fly-in,<br />
Hodenhagen<br />
OUV-Geschäftsstelle, Schützenstraße<br />
2, 72511 Bingen-Hitzkofen,<br />
Tel.: +49 7571 62309,<br />
E-Mail: gs@ouv.de, www.ouv.de<br />
OO<br />
25./26. Juni<br />
Flugplatzfest 80 Jahre Flugplatz<br />
Falkenberg/Lönnewitz<br />
Fliegerclub Falkenberg, Doberluger<br />
Straße 52, 04938 Uebigau,<br />
E-Mail: thomas.prophet@gmx.de,<br />
www.eduf.de<br />
OO<br />
1. – 3. Juli<br />
3. Stearman-Treffen<br />
Bienenfarm<br />
Alexander Stendel, Tel.: +49 172 650<br />
8000, E-Mail: alex@quax-flieger.de,<br />
www.stearmanflyin.de<br />
OO<br />
2. /3. Juli<br />
Open Airport, Rock im Hangar<br />
und Fly-in, Quirnheim<br />
Luftfahrtverein Grünstadt u. Umgebung<br />
e.V., Postfach 1329,<br />
67263 Grünstadt, Tel.: +49 6359<br />
3100, E-Mail: kontakt@luftfahrtverein-gruenstadt.de,<br />
www.luftfahrtverein-gruenstadt.de<br />
OO<br />
8. – 10. Juli<br />
3. Internationales Cessna-<br />
Treffen, Jena-Schöngleina<br />
Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina,<br />
Flugplatz 1, 07646 Schöngleina,<br />
Tel.: +49 36428 40669,<br />
E-Mail: info@flugplatz-jena.com,<br />
www.edbj.de<br />
OO<br />
8. – 10. Juli<br />
69. RSA Eurofly’in,<br />
Vichy-Charmeil, Frankreich<br />
Fédération RSA, 46, rue Sauffroy,<br />
75017 Paris, Frankreich,<br />
Tel.: +33 1 4228 2554, E-Mail:<br />
communication@rsafrance.com,<br />
http://euroflyin.rsafrance.com/<br />
OO<br />
8. – 10. Juli<br />
Royal International Air Tattoo<br />
(RIAT), Fairford, Großbritannien<br />
Tel.: +44 1285 713300 ext. 5000,<br />
www.airtattoo.com<br />
108 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Segelfluggruppe Wershofen e.V.,<br />
Bergstraße 7, 53520 Wershofen,<br />
Tel.: +49 2694 277,<br />
E-Mail: info@sfg-wershofen.de,<br />
www.flugtag-wershofen.de<br />
OO<br />
9. – 11. September<br />
18. Oldtimer-Fliegertreffen auf<br />
der Hahnweide<br />
Fliegergruppe Wolf Hirth e.V., Klaus-<br />
Holighaus-Straße 59, 73230 Kirchheim/Teck,<br />
Tel.: +49 7021 81602,<br />
E-Mail: oldtimer@wolf-hirth.de,<br />
www.oldtimer-hahnweide.de<br />
Fotos: Felix Kästle, Armin Kuprian<br />
Die Do-Days in Friedrichshafen locken jedes Jahr tausende Besucher an.<br />
OO<br />
11. – 17. Juli<br />
Farnborough International<br />
Airshow, Farnborough,<br />
Großbritannien<br />
Farnborough International Limited,<br />
Show Centre, ETPS Road, Farnborough,<br />
GB, Tel.: +44 1252 532800,<br />
E-Mail: enquiries@farnborough.com,<br />
www.farnborough.com<br />
OO<br />
16. / 17. Juli<br />
46. Flugplatzfest, Altötting-<br />
Osterwies<br />
Fluggruppe Alt-Neuötting, 84505<br />
Altötting,Tel.: +49 163 6673200,<br />
E-Mail: info@fgaoe.de, www.fgaoe.de<br />
OO<br />
24. Juli<br />
Flugplatzfest LSV Günzburg,<br />
60 Jahre Flugplatz Günzburg<br />
Luftsportverein Günzburg e.V.,<br />
Otto-Lilienthal-Weg 7, 89312 Günzburg,<br />
Tel.: +49 8221 4336,<br />
E-Mail: info@lsvgz.de, www.lsvgz.de<br />
OO<br />
25. – 31. Juli<br />
EAA AirVenture, Oshkosh,<br />
Wisconsin, USA<br />
EAA Aviation Center,<br />
Tel.: +1 920 4264800,<br />
E-Mail: convention@eaa.org,<br />
www.airventure.org<br />
OO<br />
13. –/14. August<br />
Do-Days <strong>2016</strong>,<br />
Friedrichshafen<br />
Dornier Museum, Claude-Dornier-<br />
Platz 1, 88406 Friedrichshafen,<br />
Tel.: +49 7541 4873640,<br />
E-Mail: info@dorniermuseum.de,<br />
www.dorniermuseum.de<br />
OO<br />
19. – 21. August<br />
Flugtage und Fly-in,<br />
Flugplatz Soest/Bad Sassendorf<br />
Flugsportgemeinschaft Soest,<br />
Am Flugplatz 5, 59505 Soest,<br />
Tel.: +49 2927-340<br />
E-Mail: info@flugplatz-soest.de,<br />
www.flugtage-soest.de<br />
OO<br />
27. August<br />
Hunterfest <strong>2016</strong>,<br />
St. Stephan, Schweiz<br />
Hunterverein Obersimmental,<br />
Postfach 23, 3772 St. Stephan,<br />
Schweiz, E-Mail: info@hunterverein.ch,<br />
www.hunterverein.ch<br />
OO<br />
27./28. August<br />
Flugplatzfest<br />
Albstadt-Degerfeld<br />
Luftsportverein Degerfeld e.V., Volker<br />
Rath, Postfach 562, 72426 Albstadt,<br />
Tel.: +49 7422 9493-17,<br />
E-Mail: volker.rath@schwarzwaelderbote.de,<br />
www.lsv-degerfeld.de<br />
OO<br />
28. August<br />
Flugplatzfest, Flugplatz Erbach<br />
LSV Erbach e.V., Burren 7, 89155<br />
Erbach, Tel.: +49 160 5355300,<br />
E-Mail: sayler@autohaus-sayler.de,<br />
www.lsv-erbach.de<br />
OO<br />
3. /4. September<br />
Flugtag des Aero-Clubs<br />
Pirmasens<br />
Aero-Club Pirmasens , Ostring 18,<br />
66509 Rieschweiler-Mühlbach,<br />
Tel.: +49 6336 6266,<br />
E-Mail: info@aero-club-pirmasens.de,<br />
www.flugtag-pirmasens.de<br />
OO<br />
3. /4. September<br />
Nostalgisches Flieger-Picknick<br />
und Classic-Cessnas-Meeting,<br />
Wershofen/Eifel<br />
OO<br />
10./11. September<br />
Flugtag Sinsheim<br />
Flugsportring Kraichgau e.V. Sinsheim,<br />
Lilienthalstr. 15, 74889 Sinsheim,<br />
Tel.: +49 7261 3005, E-Mail:<br />
flugsportring-kraichgau@gmx.de,<br />
www.flugtag-sinsheim.de<br />
OO<br />
10./11. September<br />
Fliegerfest Ammerbuch,<br />
Flugplatz Poltringen<br />
Flugsportverein Herrenberg e.V.,<br />
Postfach 1102, 71070 Herrenberg,<br />
Tel.: +49 7<strong>03</strong>2 28602,<br />
E-Mail: info@fsv-herrenberg.de,<br />
www.fsv-herrenberg.de<br />
OO<br />
17. / 18. September<br />
Fly-in zum Jubiläum<br />
10 Jahre Quax-Flieger,<br />
Paderborn/Lippstadt<br />
Quax-Flieger, Heessener Dorfstraße<br />
46, 59073 Hamm, Tel.: +49 2381<br />
488842, E-Mail: info@Quax-flieger.de,<br />
www.quax-flieger.de<br />
OO<br />
14./15. Oktober<br />
AOPA Sea Survival Training,<br />
Elsfleth<br />
AOPA-Germany, Verband der<br />
Allgemeinen Luftfahrt e.V., Flugplatz<br />
Außerhalb 27, 63329 Egelsbach,<br />
Tel.: +49 61<strong>03</strong> 42081, E-Mail: info@<br />
aopa.de, www.aopa.de<br />
IMPRESSUM<br />
REDAKTION: Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart, Telefon: +49 711<br />
182-2800, Fax: +49 711 182-1781, E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de,<br />
Internet: www.<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Herausgeber: Michael Pfeiffer Redaktionsleitung: Lars Reinhold<br />
(verant. i. S. d. Presserechts) Stellv. Chefredakteur: Gerhard<br />
Marzinzik Produktionsleitung: Marion Hyna Schlussredaktion:<br />
Jutta Clever Grafische Konzeption: Harald Hornig Grafik und<br />
Layout: MOTORRAD-Grafik, Ralf Athen, Harald Hornig, Katrin<br />
Sdun Repro: MOTORRAD-Medienproduktion, Stefan Widmann<br />
(Ltg.), Catherine Pröschild (i.V.), Iris Heer, Sabine Heilig-Schweikert<br />
Sekretariat: Iris Schaber Ständige freie Mitarbeiter: Bernd<br />
Fischer, Toni Ganzmann, Frank Herzog, Mark Juhrig, Frank Martini,<br />
Egon-Manfred Paech, Holger Weitzel<br />
VERLAG: Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG Leitung Geschäftsbereich<br />
Motorrad/Luft- und Raumfahrt: Peter-Paul<br />
Pietsch Stellv. Verlagsleitung und Leitung Digitale Medien: Eva-<br />
Maria Gerst Brandmanagement: Natalie Lehn<br />
Anzeigenleitung: Reinhard Wittstamm, Tel.: +49 711 182-2814,<br />
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Anzeigenteil: Julia Ruprecht, Tel.: +49 711 182-1548, Fax: -1027,<br />
E-Mail: jruprecht@motorpresse.de Vertrieb/Einzelverkauf: DPV<br />
Deutscher Pressevertrieb Vertriebsleitung: Dirk Geschke Herstellung:<br />
Rainer Jüttner<br />
DRUCK: Neef + Stumme GmbH & Co. KG, 29378 Wittingen.<br />
Printed in Germany.<br />
Fotoservice/Syndication/Lizenzen:<br />
Motor-Presse International, Tel.: +49 711 182-01<br />
ABO-SERVICE, 70138 Stuttgart<br />
Telefon +49 711 320 688 99, Telefax +49 711 182-25 50<br />
E-Mail: <strong>aerokurier</strong>@dpv.de<br />
ANSCHRIFTEN: Verlag: Motor Presse Stuttg art GmbH & Co. KG,<br />
Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart, Postfach, 70162 Stuttgart, Telefon:<br />
+49 711 182-01, Fax: +49 711 182-1349 Ideeller Herausgeber:<br />
Deutscher Aero Club e.V., Hermann-Blenk-Str. 28, 38108<br />
Braunschweig, www.daec.de Offizielles Organ: DAeC, AOPA<br />
Germany, Club der Luftfahrt e.V.<br />
ANZEIGENVERTRETUNGEN IM AUSLAND: USA: International<br />
Aviation Magazine Group, Ed Hirsch, 12901 S.W. 64th Court, Miami,<br />
FL 33156, Tel.: 001 305-666-2055, E-Mail: ed.hirsch@iamgrp.<br />
com Advertising Office USA: Lorrie Balding, Advertising Sales Manager,<br />
Tel.: 001 786-223-1852, E-Mail: lorrie.balding@iamgrp.com<br />
Frankreich: Defense & Communication, Fabio Lancellotti, 48 Boulevard<br />
Jean-Jaurès, F-92110 Clichy, Tel.: +33 1 47307180, E-Mail:<br />
earchambeaud@defcommunication.com Italien: Rosy Pommerschein,<br />
Via Reno 2c, I-00198 Rom, Tel.: +39 06 8554126, E-Mail:<br />
pommerschein@tin.it Polen: Wojciech Luczak, Agencja Lotnicza<br />
Altair, ul. Fabry czna 16-22/23, PL-00-446 Warschau, Tel.: +48 22<br />
6283073, E-Mail: wojciechluczak@wp.pl Tschechien: Ing. Zdenek<br />
Burian, Ke kurtum 379/11, CZ-14200 Prag 4, Tel.: +420 261<br />
911187, E-Mail: motorpresse@email.cz<br />
BEZUGSPREISE: Einzelpreis: € 5,50 Jahresabonnement:<br />
€ 66,– frei Haus, A: € 72,90, CH: sfr 115,–. Übriges Ausland auf Anfrage.<br />
Studenten erhalten gegen Vorlage einer Immatrikulationsbescheinigung<br />
das Abo mit einem Preisvorteil von 40 % gegenüber<br />
dem Kioskkauf zum Preis von € 39,60 (A: € 45,36; CH: sfr<br />
72,– ; weitere Auslandspreise auf Anfrage). Persönliche Mitglieder<br />
der Bundeskommission Motorflug des Deutschen Aero Club e.V.<br />
(DAeC) erhalten den Titel aero kurier im Rahmen eines gesonderten<br />
Mitgliederbezugspreises.<br />
Der <strong>aerokurier</strong> erscheint monatlich (mit den DAeC-Nachrichten<br />
in der Abonnement-Auflage). Es gilt die Anzeigenpreisliste <strong>2016</strong>.<br />
Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der<br />
fotomechanischen, elektronischen oder digitalen Wiedergabe<br />
von Teilen der Zeitschrift oder im Ganzen sind<br />
vorbehalten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte,<br />
Fotos, Zeichnun gen und Datenträger wird keine Haftung<br />
übernommen. (ISSN <strong>03</strong>41-1281)<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 109
Leserforum<br />
<strong>aerokurier</strong> 02/<strong>2016</strong><br />
Reportage World Air Games<br />
Spitzenpiloten<br />
müssen Vorbild sein<br />
Vielen Dank für den ausführlichen und<br />
interessanten Bericht über die World Air<br />
Games in Dubai. Sie schreiben im Editorial,<br />
dass „für die Flugsicherheit bei dieser<br />
Veranstaltung eine Lanze gebrochen“<br />
wurde. Diese Ansicht kann ich so nicht<br />
teilen. Grund dafür ist der Segelflug-Wettbewerb<br />
des Abgleitens mit höchstmöglicher<br />
Effizienz. Bei Youtube sind dazu<br />
Videos zu sehen („camels on final“ und<br />
„camels on final 2“), in denen Kurven in<br />
geringster Höhe gezeigt werden. So etwas<br />
bei einer solchen Veranstaltung zu<br />
fliegen und das dann der ganzen Welt als<br />
unseren Sport zu präsentieren, ist ein<br />
klares no-go, davon distanziere ich mich.<br />
Egal, wie gut die Piloten diese Manöver<br />
vielleicht beherrschen. Es ist ja nett, dass<br />
Sebastian Kawa zu den Videos schreibt,<br />
dass man dies nicht zu Hause nachfliegen<br />
soll, diese Art des Fliegens ist trotzdem<br />
keine Werbung für unseren Sport. Man<br />
möge mir vorwerfen, dass ich eine schöne<br />
und interessante Veranstaltung schlechtrede.<br />
Aber wie erkläre ich meinen Flugschülern,<br />
dass eine Landekurve in 100<br />
Meter beendet sein soll, wenn Spitzenpiloten,<br />
die sich beispielgebend verhalten<br />
sollen, so etwas zusammenfliegen? Ich<br />
halte eine Regeländerung bei diesem<br />
Wettbewerb und ein Umdenken an dieser<br />
Stelle für dringend angeraten.<br />
Norman Stirbu, Schifferstadt<br />
Aufwändig inszenierte<br />
Selbstdarstellung<br />
Dem Bericht über die World Air Games<br />
in Dubai ist nichts hinzu zu fügen. Für die<br />
Teilnehmer und den Luftsport insgesamt<br />
war das ein einmaliges, grandioses Ereignis.<br />
Das Resümee von Volker K. Thomalla<br />
im Editorial und die Erwartungen an zukünftige<br />
Veranstaltungen halte ich aber<br />
für zu euphorisch. Bei aller Begeisterung<br />
sollte man den Blick für die Realität nicht<br />
verlieren. Die Air Games in Dubai waren<br />
vor allem eine mit unglaublichem Aufwand<br />
inszenierte Selbstdarstellung eines<br />
feudalen Herrschers, der selbst gern Fallschirm<br />
springt. Ein Glück für den Luftsport,<br />
der davon profitieren konnte. Die<br />
praktizierte wirtschaftliche Unvernunft<br />
würde man aber wohl nicht nur in<br />
Deutschland als grenzenlose Verschwendung<br />
verurteilen. So dürften sich die Spiele<br />
nur schwer von einem künftigen Bewerber<br />
in auch nur annähernd ähnlichem<br />
Ausmaß wiederholen lassen. Darüber hinaus<br />
ist zweifelhaft, ob man mit der Durchführung<br />
in einem solchen Land „ethische<br />
Werte wie gegenseitige Anerkennung<br />
und Respekt fördern“ kann. Wenn man<br />
nicht nur auf all die gigantischen Prunkbauten<br />
sieht, sondern auch mal über einen<br />
Bauzaun auf die Menschen guckt, die<br />
das alles bauen, zeigt sich deutlich: Anerkennung<br />
und Respekt sind dort mit dem<br />
Wort „gegenseitig“ nicht zu vereinbaren,<br />
sondern ganz offensichtlich nur in einer<br />
Richtung vorgesehen.<br />
Thomas Kirchner, Cottbus<br />
<strong>aerokurier</strong> 02/<strong>2016</strong><br />
Expertentipp Batterie<br />
Selbstentladung und<br />
Innenwiderstand<br />
Da ich beruflich mit Elektronik und Akkus<br />
zu tun habe, habe ich zum sonst sehr<br />
guten Artikel zwei kleine Anmerkungen:<br />
Erstens: Die Selbstentladung steigt mit<br />
steigender Temperatur und sinkt nicht,<br />
wie fälschlicherweise behauptet. Dieser<br />
Umstand ist für fast alle gängigen Akkutypen<br />
zutreffend. Zweitens: Die Selbstentladung<br />
hängt zusätzlich stark von Alter,<br />
Zustand und auch vom Ladezustand<br />
des Blei-Akkus ab und kann ohne weiteres<br />
im Bereich 10 bis 50 Prozent pro Monat<br />
und mehr liegen. Die Ladung an sich,<br />
selbst wenn diese nur noch einige wenige<br />
Prozent der Nennladung betragen sollte,<br />
reicht rechnerisch aus, um den Motor<br />
zu starten. Allerdings steigt der Innenwiderstand<br />
der Batterie mit sinkender<br />
Ladung. Damit sinkt zwangsläufig die maximal<br />
abrufbare Startleistung und die erforderliche<br />
Drehzahl zum Start wird nicht<br />
erreicht. Schlimmstenfalls reicht die Startleistung<br />
nicht mehr aus, um die innere<br />
Reibung des Motors zu überwinden und<br />
nichts dreht sich.<br />
Thomas Onsiek, Wien<br />
<strong>aerokurier</strong> 02/<strong>2016</strong><br />
F-Schlepp-Vergleich<br />
Zu wenig Power<br />
in der Höhe<br />
Mit Interesse habe ich den Bericht<br />
über die Vergleichsschlepps mit Remo<br />
und WT9 gelesen und kann das nicht unkommentiert<br />
stehen lassen. Als Betreiber<br />
einer DR400-235, die zur Bad Breisiger Segelflugwoche<br />
im letzten Jahr dorthin verchartert<br />
war, steht der Bericht im krassen<br />
Widerspruch zu den Ergebnissen anlässlich<br />
des Wettbewerbs. Zur Segelflugwoche<br />
im Mai dürften die Bedingungen ähnlich<br />
gewesen sein wie beim beschriebenen<br />
Vergleichstest. Zwar haben in dieser<br />
Woche auch ULs geschleppt, jedoch nur<br />
die leichten Einsitzer. Als weitere Schleppflugzeuge<br />
standen eine Remo und eine<br />
Morane mit jeweils 180 PS zur Verfügung,<br />
wobei letztere auch nur Einsitzer geschleppt<br />
hat. Mir ist bekannt, dass die<br />
Steigleistung der schleppenden Motorsegler<br />
und ULs geringfügig schlechter ist<br />
gegenüber Flugzeugen mit 180 PS. Für<br />
die Mönchsheide mögen die Werte realistisch<br />
sein, sie lassen sich aber kaum auf<br />
andere, deutlich höher gelegene Plätze<br />
wie das Klippeneck mit fast 1000 Meter<br />
MSL übertragen. Auf solchen Flugplätzen<br />
sind der Standschub und die Startbeschleunigung<br />
alles entscheidend, und da<br />
hilft nur ein optimales Verhältnis aus<br />
Motorleistung und Gewicht des Motorflugzeuges.<br />
Eine äußerst günstige Kombination<br />
steht zur Zeit mit der DR400RP umgebaut<br />
auf den O-540 mit 235 PS zur Verfügung<br />
und ist auf Flugplätzen mit<br />
schwierigen Verhältnissen unschlagbar.<br />
Selbstverständlich ist mir die große<br />
Kostenschere Echo- und Mike-Klasse<br />
bestens bekannt, dies kann sich jedoch<br />
mit den neuen ELA1-Regeln wieder etwas<br />
schließen.<br />
Hans-Peter Gomolzig, Wuppertal<br />
110 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Gerne veröffentlichen wir Ihre Meinung.<br />
Schicken Sie uns Ihren Leserbrief<br />
(für Rückfragen bitte unbedingt mit Adresse<br />
und Telefonnummer) an<br />
redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
<strong>aerokurier</strong> 02/<strong>2016</strong><br />
LuftVO und SERA<br />
Das Sonnenstand-<br />
Messgerät fehlt<br />
Den, der die Definition der<br />
Nacht für die Fliegerei definiert<br />
hat, den würde ich im<br />
Fliegerjargon als einen „geistigen<br />
Tiefflieger“ bezeichnen.<br />
War doch die bisherige Regelung<br />
SS+30 und SR-30 klar und<br />
eindeutig. Es gab Tabellen, in<br />
denen die Zeiten standen,<br />
manche GPS-Geräte kann man<br />
auch danach fragen. Auch in<br />
Kalendern stehen hin und<br />
wieder die Zeiten.<br />
Schon der Text „bürgerliche<br />
Abenddämmerung“ finde<br />
ich ganz toll und kreativ. Die<br />
Definition, dass die Mitte der<br />
Sonnenscheibe sechs Grad unter<br />
dem Horizont stehen soll,<br />
setzt dem Ganzen die Krone<br />
auf. Kann mir mal jemand erklären,<br />
wie ich das messen<br />
kann und welche Geräte ich<br />
dazu benötige und in die Sonne<br />
soll man ja auch nicht<br />
schauen, ist nicht gut für die<br />
Augen.<br />
Die Segelflieger auf der<br />
Wasserkuppe können dann ja<br />
viel länger fliegen als die Segelflieger<br />
in Wetzlar, bei denen<br />
der Flugplatz im Tal an<br />
der Lahn liegt, da verschwindet<br />
die Sonne schon deutlich<br />
früher hinter dem Horizont.<br />
Ich finde die alte Regelung<br />
gut und werde mich auch in<br />
Zukunft daran halten. Ich habe<br />
dann abends rund zehn Minuten<br />
weniger Flugzeit, aber<br />
da kann ich gut mit leben. Übrigens:<br />
30 Minuten nach SS ist<br />
es an einem bewölkten Tag<br />
ohnehin schon ziemlich düster.<br />
Armin Becker, Wetzlar<br />
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(Vorsitz), Heino Dührkop, Dr. Michael Rathje, Düsternstraße 1, 2<strong>03</strong>55 Hamburg, als leistender Unternehmer. AG Hamburg, HRB 95752.<br />
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Unter allen Leserbrief-<br />
Autoren des vergangenen<br />
Monats hat die Redaktion<br />
das Sachbuch „Fly Safe<br />
– Crew Resource Management<br />
für Privatpiloten“ von<br />
Christian Rode verlost.<br />
Der Autor hat in seinen<br />
22 Dienstjahren bei der<br />
Luftwaffe mehrere tausend<br />
Flugstunden absolviert und<br />
arbeitet professionelle Standards so auf, dass auch<br />
Privatflieger davon profitieren. Als Gewinner des Buches<br />
wurde Norman Stirbu aus Schifferstadt gezogen.<br />
Die in Leserbriefen geäußerte Meinung muss nicht mit der Redaktionsmeinung<br />
übereinstimmen. Wir behalten uns die Kürzung von Leserbriefen aus redaktionellen<br />
Gründen vor.<br />
Straße, Nr.<br />
PLZ Wohnort<br />
E-Mail<br />
Telefon<br />
Ja, ich möchte auch von weiteren Inhalten, Vorabnachrichten, Themen und Vorteilen profitieren. Deshalb bin ich damit einverstanden, dass<br />
mich Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG und ihr zur Verlagsgruppe gehörendes Unternehmen, Rodale-Motor-Presse GmbH & Co. KG Verlagsgesellschaft<br />
mit ihren Titeln künftig auch per Telefon und E-Mail über weitere interessante Medienangebote informieren. Dieses Einverständnis<br />
kann ich jederzeit per E-Mail an widerruf@dpv.de widerrufen.<br />
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SEPA-Lastschriftmandat: Ich ermächtige die DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH, Düsternstr. 1-3, 2<strong>03</strong>55 Hamburg, Gläubiger-Identifikationsnummer<br />
DE77ZZZ00000004985, wiederkehrende Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut<br />
an, die von der DPV Deutscher Pressevertrieb GmbH auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Die Mandatsreferenz wird mir<br />
separat mitgeteilt. – Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten<br />
Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen.<br />
Ich bezahle per Rechnung.<br />
Verlagsgarantie: Sie können die Bestellung binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen formlos widerrufen. Die Frist beginnt an dem Tag, an dem<br />
Sie die erste bestellte Aus gabe erhalten, nicht jedoch vor Erhalt einer Widerrufsbelehrung gemäß den Anfor derungen von Art. 246a § 1 Abs. 2<br />
Nr. 1 EGBGB. Zur Wahrung der Frist genügt bereits das rechtzeitige Absenden Ihres eindeutig erklärten Entschlusses, die Bestellung zu widerrufen.<br />
Sie können hierzu das Widerrufs-Muster aus Anlage 2 zu Art. 246a EGBGB nutzen. Der Widerruf ist zu richten an: <strong>aerokurier</strong> Aboservice, Postfach,<br />
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[ MOTORFLIEGEN Porträt ]<br />
Nach mehr als 14 000 Sprüngen<br />
von Skischanzen hat Thomas<br />
Morgenstern den Sport aufgegeben.<br />
Die Angst vor Stürzen wurde<br />
ihm zu groß. Heute hat er im Hubschrauberwettkampf<br />
eine neue<br />
Herausforderung gefunden.<br />
Überflieger<br />
in zwei Welten<br />
Das Interview führte Lars Reinhold<br />
Fotos: Philip Platzer | Red Bull Contentpool<br />
Thomas, was geht dir durch den<br />
Kopf, wenn die Rotoren zu drehen<br />
beginnen?<br />
Es ist die pure Vorfreude! Ich<br />
bekomme ja schon große Augen, wenn ich<br />
einen Hubschrauber sehe, weil das Fliegen<br />
einfach meine Leidenschaft ist. Sobald ich<br />
keinen Boden mehr unter den Kufen habe,<br />
ist es die totale Freiheit, ein Kick, ein Wow-<br />
Gefühl.<br />
Hast du keine Angst, dass etwas schiefgehen<br />
könnte?<br />
Natürlich gibt es Risiken, beispielsweise das<br />
Wetter. Wind, Nebel, Niederschlag, das sind<br />
wichtige Faktoren. Auch die technische Seite<br />
muss stimmen, die ordentliche Wartung meines<br />
Hubschraubers, die Vorflugkontrolle usw.<br />
Der Umgang mit den Risiken ist das Entscheidende.<br />
Gute Flugvorbereitung, Erfahrung und<br />
die Bereitschaft, mit jedem Flug dazuzulernen<br />
– insbesondere von erfahrenen Piloten. Letztendlich<br />
bin ich Privatpilot; ich entscheide, wann<br />
ich in die Luft gehe. Ich muss niemandem<br />
etwas beweisen.<br />
Bei dem schweren Sturz beim Skifliegen<br />
am Kulm 2014 hast du nach eigener Aussage<br />
in der Luft die Kontrolle verloren.<br />
Weitere Stürze ließen die Angst schließlich<br />
so groß werden, dass du deine Karriere<br />
beendet hast. Nun fliegst du Helikopter,<br />
das birgt ähnliche Risiken. Wo<br />
ist der Unterschied?<br />
Zunächst sollte man das Risiko nicht überbewerten.<br />
Skispringen ist eine sehr sichere Sportart,<br />
Fliegen die sicherste Art der Fortbewegung<br />
– zumindest, wenn man sich die Statistiken<br />
ansieht. Wenn allerdings etwas passiert, sind<br />
die Folgen zumeist fatal. Ein Unterschied liegt<br />
vielleicht darin, dass ich beim Skispringen im<br />
Flug nahezu keinen Raum habe, um bei Problemen<br />
einzugreifen und zu korrigieren. Das<br />
ist beim Helifliegen anders. Da gibt es Notverfahren,<br />
die in der Ausbildung gelernt und<br />
geübt werden. Eine sichere Landung ist meist<br />
möglich. Geht man aber über das Limit, sieht<br />
es auch hier schlecht aus.<br />
Macht dich die Erfahrung aus zehn Jahren<br />
Profisport zu einem besseren Piloten?<br />
112 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
Das würde ich nicht unbedingt sagen.<br />
Allerdings ist es sicher so, dass ich<br />
gelernt habe, intensiv an mir zu arbeiten<br />
und mich zu verbessern bei<br />
dem, was ich tue. Sich ein Ziel zu<br />
setzen und darauf hinzuarbeiten, ist<br />
eine Stärke von mir. Im Wettkampf<br />
allerdings, wie beispielsweise bei den<br />
World Air Games in Dubai, kann meine<br />
Erfahrung aus mehr als 400 Weltcupspringen<br />
vielleicht ein Vorteil sein,<br />
einfach weil ich das Wettkampfgeschehen<br />
gewohnt bin.<br />
Konntest du von deiner sportlichen<br />
Trainingsroutine bei deiner<br />
Flugausbildung profitieren?<br />
Absolut! Ich bin mein ganzes Leben<br />
lang von Trainern gecoacht worden.<br />
Dabei lernt man, Kritik nicht als etwas<br />
Negatives aufzufassen, sondern als<br />
etwas, das einen voranbringt. Vielleicht<br />
fällt es einem Leistungssportler leichter,<br />
Hinweise von anderen, von Profis,<br />
anzunehmen. Das war auch in meiner<br />
Flugausbildung so. Wenn mir mein<br />
Fluglehrer sagte, ich müsse das so<br />
und so machen, dann habe ich versucht,<br />
das bestmöglich umzusetzen.<br />
Klingt nach dem perfekten Flugschüler<br />
...<br />
Tatsächlich bekam ich solch ein Feedback<br />
mehrfach. Meine Lehrer haben<br />
mir oft gesagt, dass ich sehr schnell<br />
lerne und Anweisungen umsetze.<br />
2008 die Lizenz für Flugzeuge,<br />
2012 der Helischein. Wie kommt<br />
man vom Skifliegen zum „richtigen“<br />
Fliegen?<br />
Es gibt ja so einige Skispringer, die<br />
die Pilotenlizenz gemacht haben, beispielsweise<br />
meine Mannschaftskollegen<br />
Michi Hayböck oder Martin Koch.<br />
Skispringer sind vielleicht einfach<br />
gerne in der Luft, wir besitzen das<br />
Flieger-Gen. Für mich war es ein<br />
logischer Schritt, es auszuprobieren.<br />
was für mich. Ein berufliches Standbein<br />
in der Fliegerei wäre schön.<br />
Erwächst daraus nicht wieder<br />
der Druck, aufgrund dessen du<br />
den Sport aufgegeben hast?<br />
Um das zu vermeiden, möchte ich<br />
gerne mein eigener Chef sein. Ich will<br />
die Entscheidung treffen, wann ich<br />
fliege und wann nicht. Ich will als<br />
Pilot alt werden und keine unnötigen<br />
Risiken eingehen.<br />
Mit dem Heli hast du auch eine<br />
neue sportliche Herausforderung<br />
gefunden. Soll es hier ebenfalls<br />
bis an die Weltspitze gehen?<br />
Zunächst ist mir wichtig, dass ich mit<br />
dem Hubschraubersport weiter Wettkämpfe<br />
machen kann – wie ich es mein<br />
ganzes Leben lang getan habe – und<br />
dabei noch sehr viel lerne. Außerdem<br />
reizt mich die Teamarbeit zwischen<br />
Pilot und Copilot. Die Präzision, die<br />
Dynamik des Sports, das ist faszinierend.<br />
Allerdings braucht es noch viel<br />
Entwicklung, dazu würde ich gerne<br />
beitragen und meine eigene Popularität<br />
nutzen, um mehr Menschen für<br />
den Hubschrauberwettkampf zu begeistern.<br />
Wenn ich dann noch vorne<br />
mitfliegen kann, umso besser.<br />
Abgesehen von Sport und Beruf:<br />
Wenn du einfach nur Spaß haben<br />
willst, wo fliegst du mit deiner<br />
R44 Raven hin?<br />
Ganz ehrlich: Am liebsten in meine<br />
Heimat Kärnten. Die Region um den<br />
Millstätter See ist für mich einfach<br />
ein wunderschönes Fleckchen Erde.<br />
Da kenne ich eigentlich alles, aber<br />
aus der Luft entdeckt man immer<br />
wieder was Neues. Da fühle ich mich<br />
frei und schalte ab. Am liebsten zu<br />
Musik von den Toten Hosen. ae<br />
So kennt man Thomas<br />
Morgenstern: als erfolgreichen<br />
Skispringer.<br />
Bronzemedaille<br />
in Dubai<br />
Mit dem dritten Platz bei<br />
den World Air Games in<br />
Dubai hat Thomas Morgenstern<br />
nach Gold und<br />
Silber im Skispringen<br />
seinen olympischen Medaillensatz<br />
komplett gemacht.<br />
Mit Copilot Stefan<br />
Seer stellte er sich<br />
den Herausforderungen<br />
im Fender Rigging und<br />
im Slalom. Im Rigging<br />
gilt es, einen Bootsfender<br />
an einem Seil durch<br />
einen Parcours aus Toren<br />
zu manövrieren und<br />
in Fässer zu versenken.<br />
Beim Slalom muss ein<br />
Eimer Wasser durch den<br />
Parcours gebracht und<br />
am Ende in der Mitte<br />
eines kleinen Tischs<br />
platziert werden. Für Berührung<br />
der Tore gibt es<br />
Strafpunkte, beim Fender<br />
Rigging auch für das<br />
Berühren der Tonnen<br />
und beim Slalom für das<br />
Verschütten des Wassers<br />
im Eimer.<br />
Ist die Fliegerei für dich beruflich<br />
eine Option? Ein Spitzensportler<br />
im Ruhestand muss ja auch seine<br />
Brötchen verdienen ...<br />
Das ist durchaus eine Option. Ich bin<br />
gerade dabei, den Berufspilotenschein<br />
zu machen. Was ich mir nicht vorstellen<br />
kann ist die klassische Linienfliegerei<br />
mit 300 Leuten von A nach B.<br />
Deswegen bin ich auch auf den Hubschrauber<br />
umgestiegen. Hier sind die<br />
Einsatzmöglichkeiten vielfältiger,<br />
beispielsweise Rettungsfliegerei, Lastenflug<br />
und so weiter. Das ist eher<br />
Konzentration: Thomas Morgenstern in seiner R44 Raven.<br />
<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong> 113
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114 <strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong>
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