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Die Wirtschaft 1-2016

Die Wirtschaft

Macher & Märkte: Interview mit Agenturchef Fahnemann Seite 4/5 Geld & Geschäft: Im Ausland warten Zinsen auf die Mutigen Seite 17 Branchen & Betriebe: Gecko geht wieder an den Start Seite 12/13 DIE WIRTSCHAFT Münster | Münsterland www.agravis.de Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG Soester Straße 13, 48155 Münster ZKZ 88690 PVST Ausgabe 1/2016 www.die-wirtschaft-muensterland.de Preis: 2,00 Euro Schweres Geldgeschäft – das Filialnetz schrumpft Trend zum Online-Banking zwingt Banken und Sparkassen zum Handeln. Auch in Westfalen macht der Kostendruck im Wettbewerb immer mehr Zweigstellen unrentabel Noch gibt es in Deutschland nahezu 35 000 Filialen von Banken, Sparkassen und Volksbanken – doch ein kräftiges Filialsterben hat begonnen, nicht zuletzt wegen des boomenden Online-Bankings. Commerzbank-Chef Martin Blessing malte jüngst das Bild einer massiven Schließungswelle bei Bankfilialen an die Wand. „Bis zu einem Drittel“ der Zweigstellen werde in den kommenden zehn Jahren verschwinden, rechnete der Vorstandsvorsitzende vor. Begonnen hat das Filialsterben bereits. So kündigte etwa die Hypo-Vereinsbank an, 240 ihrer insgesamt 580 Geschäftsstellen schließen zu wollen. Die Deutsche Bank gibt bis zum kommenden Jahr 200 ihrer 700 Filialen auf. Auch in Westfalen, und somit ebenso im Münsterland, hat der Rückzug aus der engmaschigen Filialversorgung längst begonnen. Der Präsident des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, Dr. Rolf Gerlach, kündigte jüngst nicht nur an, dass die Zahl der Sparkassen-Institute in der Region bis zum Jahr 220 wohl von 68 auf 60 schrumpfen werde. Auch den Filialen geht es offenbar weiter an den Kragen. Schon im vergangenen Jahr war dieser Trend spürbar. Nachdem die westfälischen Sparkassen im Jahr 2014 noch 1175 mitarbeiterbesetzte Filialen unterhalten haben, waren es im vergangenen Jahr lediglich noch 1134 – ein Rückgang um 3,5 Prozent. Allerdings wuchs in der Vergangenheit parallel die Nur für das Geldabheben reicht auch eine SB-Filiale. Die Zahl der Bank-Zweigstellen mit Mitarbeitern schrumpft. Zahl der Selbstbedienungseinheiten. Davon habe es im Jahr 1990 drei gegeben, im vergangenen Jahr waren es westfalenweit 281. In der Summe haben die westfälisch-lippischen Sparkassen damit 1415 Geschäftsstellen – zwölf weniger als im Vorjahr. Blickt man ein Vierteljahrhundert zurück, betrug der Rückgang 17 Prozent. 1704 Sparkassen-Geschäftsstellen hatte es noch 1990 in Westfalen-Lippe gegeben. Foto: colourbox.de Konkrete Pläne nannte im Januar die Sparkasse Münsterland Ost. Deren Vorstandsvorsitzender Markus Schabel kündigte an, die Zahl der Sparkassen-Standorte im Geschäftsgebiet von 80 auf 73 zu senken. ► Fortsetzung Seite 2 OFFEN GESAGT Beim Umbau Maß halten Die Privatbanken, Volksbanken und Sparkassen stehen allesamt unter enormem Druck. Das Dauerzinstief nimmt den Finanzhäusern jede Chance, üppige Erträge einzufahren. Gleichzeitig machen reine Internetbanken den klassischen Geldinstituten zunehmend starke Konkurrenz. Zwar hat die Finanzkrise vor allem den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Sparkassen einen massiven Kundenzustrom beschert. Doch auch die Kunden dieser Traditionshäuser nutzen immer stärker die Online-Filialen der jeweiligen Geldhäuser. Für alltägliche Geschäfte werden die Zweigstellen kaum noch gebraucht. Der Beratungsbedarf bei komplizierten Produkten bleibt aber bestehen, zu diesem Zweck ist nach wie vor ein persönliches Gespräch gefragt. Die Filialen der Banken behalten somit eine wichtige Funktion. Die Geldhäuser sollten deshalb beim Umbau Maß halten. Doch wenn die intensive Betreuung statt des simplen Zahlungsverkehrs Arbeitsschwerpunkt ist, muss es nicht gleich um die Ecke eine Niederlassung geben. Besser ist es, Kompetenz an wenigen Standorten zu bündeln. Gepaart mit dem enormen Kostendruck im Finanzsektor ist der Schritt zur Schließung eines Teils der Filialen quasi zwangsläufig. Wichtig ist jedoch den anstehenden Personalabbau sozialverträglich zu gestalten. Jürgen Stilling Weiter auf Wachstumskurs Konjunkturaussichten für 2016 sind überwiegend positiv Die Wirtschaft hat 2015 um 1,7 Prozent zugelegt. Die konjunkturelle Lage sei damit durch ein solides und stetiges Wirtschaftswachstum gekennzeichnet gewesen, erklärte das Statistische Bundesamt. Für 2016 rechnen Volkswirte mit einem ähnlichen Plus. 4 198869 002009 2 0 0 0 8 Vo VnOktober bis Dezember 2015 erhöhte der Staat seine Konsumausgaben deutlich – unter anderem, weil er für die Versorgung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge viel Geld in die Hand nehmen muss. Viele Volkswirte werten die Zuwanderung als eine Art Konjunkturprogramm – auch mit Blick auf 2016. Auch die Konsumfreude der Verbraucher kurbelte das Wachstum an. Die Inflation ist vor allem wegen des Ölpreisverfalls niedrig, das entlastet die Budgets der Verbraucher. Zwar erhöhten sich die Ausgaben der Verbraucher nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zum Jahresende nur leicht. Das sei aber wohl nur eine Pause nach dem kräftigen Zuwachs im dritten Quartal, erläuterte Unicredit-Ökonom Andreas Rees. Schwankungen auf Quartalsbasis seien nicht ungewöhnlich. Die Unternehmen investierten mehr als im dritten Quartal – vor allem in Bauten. Dabei spielte nach Einschätzung von Ökonomen auch der milde Winter eine Rolle. Die Geschäftsaussichten für die Unternehmen in Westfalen-Lippe verbessern sich weiter. Dies lässt sich am aktuellen Sparkassen-Konjunkturindikator ablesen, der im Vergleich zum Herbst um fünf Punkte auf 124,0 Punkte gestiegen ist. Für gute Stimmung sorgt die zunehmende konjunkturelle Dynamik. Die Unternehmen rechnen mit steigenden Ausfuhren, die Rahmenbedingungen für Investitionen bleiben dank niedriger Zinsen freundlich. Basis für diese Bewertung sind unter anderem Umfragen der acht Industrie- und Handelskammern in Westfalen. kh-st-waf.de