Wasserstoff: Energie der Zukunft - Mediaradius

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Wasserstoff: Energie der Zukunft - Mediaradius

portrait Aktuell

Im Herzen ein Südtiroler Bauer

Er lebt wie er selbst ironisch sagt,

im „profondo nord“ von Südtirol,

ist Chef eines weltweit agierenden,

erfolgreichen und beispielhaft

innovativen Unternehmens, liebt

klassische Musik und Jazz, Karl

Valentin und Heinrich Heine, jettet

durch die Kontinente und ist

ein durch und durch zufriedener

Mensch. Michael Seeber, Präsident

der Leitner Technologies.

Michael Seeber ist ein Philosoph. Er

setzt seine Worte gewählt, spricht

langsam und seine angenehme warme

Stimme verleiht dem Gesagten noch

zusätzlich Gewicht. Er mag Sprüche,

zumindest einige wenige, die ihm

Lebenskonzepte auf einen Punkt zu

bringen helfen. Seeber ist ein Großindustrieller,

dem man ansieht, dass er

sich auf dem internationalen Parkett

bestens zu bewegen und zu behaupten

weiß. Gleichzeitig aber ist er so geblieben,

wie er immer war. In seinem

Herzen, so sagt er selbst von sich, ist

er ein Sterzinger, ein Südtiroler Bauer

geblieben. „Ich bin in Sterzing geboren

und hier werde ich auch eines Tages

mein Leben beenden.“ Was dazwischen

liegt, schreibt Geschichte.

Gewinn und Gewissen

Als Musikliebhaber ist Michael Seeber

immer wieder in die Organisation von

Konzerten involviert, zuletzt im Rahmen

des Südtiroler Jazzfestivals, das schon

zum 6. Mal hintereinander ein Konzert

in der Betriebshalle der Leitner Technologies

in Sterzing abgehalten hat. Als

Mäzen mag er deshalb nicht bezeichnet

werden. Überhaupt mag Michael Seeber

keine plakativen Bezeichnungen.

„Die Philosophie meines Lebens lässt

sich mit GG beschreiben: Gewinn und

Gewissen. Meine erste Aufgabe ist Gewinn

zu machen, aber mit Gewissen.“

Im Klartext heißt das, wenn er etwas

tut, was gut bzw. umsatzfördernd für

den Betrieb ist, dann legt Seeber Wert

darauf, dass dies entsprechend publik

gemacht wird. „Wenn es darum geht,

der Gemeinschaft, der Bevölkerung, der

Gemeinde etwas zurückzugeben, dann

ist es für mich in Ordnung, wenn das

bekannt wird. Wenn ich Menschen etwas

spende, die meine Hilfe brauchen, dann ist

das eine ganz persönliche Angelegenheit.“

Wenn man im Gespräch ist mit Michael Seeber,

fallen einem viele Begriffe ein, die ihn

charakterisieren: Er ist ein Gentleman, ein

feiner Mensch, kultiviert, sehr bestimmt,

stellt sich auf sein Gegenüber ein. Wenn es

um ihn selbst geht, ist er eine Mischung

aus offen und reserviert. Was er an Persönlichem

herauslässt, zeigt einen Menschen,

der zufrieden ist und dem bewusst ist, dass

das Leben es gut mit ihm meint.

Eine wunderbare Familie

„Ich habe eine wunderbare Frau, die mich

akzeptiert, wunderbare Kinder und Enkelkinder.

„Die vierjährige Karolina“, erzählt

er lachend, „ist die einzige, die mir erklären

kann, was ich zu tun habe.“ Wenn er

Zeit hat liest er gerne. Viel Sachbezogenes,

aber auch Heine, die russischen Klassiker,

Goethe. Wenig zeitgenössische Literatur.

„Dafür fehlt mir die Zeit.“ Apropos Zeit.

Wenn er mehr davon hätte, was würde er

gerne tun? „Mehr Zeit für meine echten

Freunde haben.“

Nahverhältnis zum Tod –

aber ohne Angst

Vor einigen Jahren hatte Michael Seeber

einen spektakulären Skiunfall, der ihn

fast das Leben gekostet hätte und unter

dessen Folgen er immer noch zu leiden

hat. Eine Zäsur? „Ganz klar“, erklärt Michael

Seeber offen, „ich war damals dem

Tode so nahe, dass ich mich – zum Entsetzen

meiner Frau – vor nichts mehr in

irgendeiner Form fürchte.“ Vor dem Unfall,

so Seeber, habe er nie über den Tod

nachgedacht. „So als ob ich ewig lebte.

Heute habe ich eine Nähe zum Tod, aber

er macht mir keine Angst.“

Wünsche für die Zukunft? Viele, aber

sprechen möchte er darüber eigentlich

nicht. Zumindest nicht im privaten Bereich.

„Ich habe sehr viele Wünsche, es

wäre tragisch, wenn dem nicht so wäre.“

Viele in Bezug auf sein Unternehmen.

Dass die erarbeitete Position gehalten und

ausgebaut werden kann, dass die neuen

Sparten wie Windtechnik, sich weltweit

etablieren, mehr Verständnis auf politischer

Ebene für Projekte wie Minimetro

oder Straßenbahn Kaltern–Bozen ...

„Neid ist dumm!“

Was er nicht leiden kann, ist Neid. „Leider

ein Problem von Südtirol. Neid ist

dumm und wenn ich als Unternehmer

neidisch auf den Erfolg des Mitkonkurrenten

bin, bin ich doch einfach kurzsichtig.

Wenn es den anderen gut geht,

geht es mir auch gut und umgekehrt.“

Ein Motto, das seine Lebenseinstellung

auf den Punkt bringt? „Ein wunderbarer

Spruch, der mehr sagt als lange

philosophische Ausführungen: Man

muss Glück haben im Leben, aber man

darf nicht vergessen, dem Glück die Tür

zu öffnen!“ Und Michael Seeber hat die

Hand an der Klinke ...

Flugplatz sichert Arbeitsplätze

Seit Jahren beschäftigt

das Thema Flugplatz die

Öffentlichkeit. Meist geht es dabei

ums liebe Geld, welches die

öffentliche Hand in diese wichtige

Infrastruktur investiert.

Die Lärmbelästigung wegen der

möglichen fünf bis sechs Linienflugzeuge

pro Tag ist, wie sich herausgestellt

hat, nur minimal. Eine klare

Aussage hat Rosa Thaler dazu gemacht.

Sie meint sinngemäß, dass die

öffentliche Hand am Ball bleiben muss,

da sonst das Militär und die Privatflieger

wieder das Sagen haben. Alle jene,

die fürs Zusperren plädieren, fordern

diese entgegen aller Realität. Bozen ist

der nördlichste Militärflugplatz und

somit bleibt er auch bestehen!

Der Wirtschaftsstandort Südtirol ist von

der Erreichbarkeit abhängig. Eine wirtschaftlich

gesunde Region braucht einen

Regionalflugplatz, dafür gibt es viele Beispiele

im Alpenraum. Für Topmanager

und hohe Firmenvertreter, für den Kongresstourismus,

für hochgestellte Persönlichkeiten

aus Politik, Gesellschaft und

Air Alps wieder im Steigflug

Der Ausgleich wurde im August

angenommen und es gibt ein

klares Bekenntnis der Südtiroler

Wirtschaft zur Fluglinie und

zum Flughafen Bozen. Mit einer

Kapitalerhöhung von einer weiteren

Million Euro im Herbst soll

der Steigflug abgesichert werden.

Die Air Alps steht zu rund 76 Prozent

im Besitz der BZS Holding, einem Konsortium

namhafter Südtiroler Unternehmer

rund um Franz Senfter. Die

Eigentümer bekennen sich klar zur Air

Alps Aviation: „Wir investieren auch

in Zukunft in die Air Alps, weil wir an

die neue strategische Ausrichtung der

Fluglinie, den Flughafen Bozen und die

Notwendigkeit einer Anbindung der

Region Südtirol an die nationalen und

internationalen Netze über Rom glauben“,

erläutert Senfter.

Bei der Ausschreibung für die Förderung

der Strecke Bozen–Rom durch das italie-

Kultur ist die Erreichbarkeit eines Zieles

per Flugzeug oft von ihren Aktivitäten in

der Region abhängig. Die immer wieder

angepriesenen Busverbindungen nach

Verona und Innsbruck sind wegen der

teilweisen Überlastung der Brennerautobahn

nur eine unzureichende Lösung!

Nehmen wir einmal einige große Firma im

Unterland und Bozen als Beispiel. Wenn

der Chef bzw. seine Topmanager nicht

mehr Bozen anfliegen können, warum

sollten sie die Firmenzentrale (und damit

den Steuersitz) in Südtirol behalten? Verona

ist dann die bessere Lösung. Damit

nische Ministerium für Infrastruktur und

Transport hat sich Air Alps beteiligt. Diese

sieht einen Zuschuss von jährlich 1,1

Millionen Euro für drei Jahre vor. „Wir

sind zuversichtlich, diese für den Standort

Südtirol und den Flughafen Bozen so

wichtige Verbindung auch in Zukunft bedienen

zu können“, sagt Leitner. Die Entscheidung

über die Förderung erfolgt voraussichtlich

noch im Oktober und wird

mit 1. Dezember 2009 wirksam.

„Durch die rechtzeitig eingeleiteten,

zum Teil drastischen strukturellen und

gingen erhebliche Steuereinnahmen und

auch Arbeitsplätze verloren. Auch Institutionen

wie die Freie Universität Bozen,

die EURAC, das BIC oder das Forschungszentrum

Laimburg sind von internationalen

Verbindungen abhängig!

Und noch ein Wort zu den Urlaubsflügen.

Da sollten sich viel Südtiroler/Innen

selber an der Nase nehmen. Zu Hause

dagegen sein und anderswo (Innsbruck,

Verona, …) den Flugplatz mit all den

Vorteilen nutzen, das ist aus der Sicht

des Umweltschutzes auch nicht die feine

nachbarliche Art …

finanziellen Maßnahmen ist die Air

Alps für die Zukunft gut aufgestellt“,

erklärt Leitner. „Ab dem Winterflugplan

2009/2010 konzentrieren wir uns

verstärkt auf unsere Position als regionaler,

profitabler Nischenanbieter und

fliegen mit drei Maschinen die Strecken

Bozen–Rom und Parma –Rom sowie

saisonale Linien und Charter. Wir wollen

und werden uns in einem kleinen,

wirtschaftlich tragfähigen Segment behaupten.“

2010 soll die Fluglinie wieder

schwarze Zahlen schreiben.

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