Zweizueins Kunstpreis 2015

castringiusstiftung

Zweizueins Kunstpreis 2015

PREISVERLEIHUNG 2015


Karsten Schmitz, Martin Schütz und Frank Enzmann


LIEBE KUNSTFREUNDE,

als Vorstand einer Stiftung, die Bildungs- und Lebenschancen

benachteiligter Kinder und Jugendlicher auch

durch Kulturprojekte verbessern will, als überzeugter

Netzwerker sowie begeisterter Kunstsammler, habe ich

mich lange mit der Idee einen Kunstpreis zu initiieren

beschäftigt.

Ideale Sparringspartner für dieses Vorhaben waren mein

langjähriger Freund Martin Schütz, Vorstand der Stiftung

Otto Eckart und Vorsitzender von whiteBOX e. V. sowie

Karsten Schmitz von der Stiftung Federkiel, der uns kongenial

ergänzte und dem Vohaben mit seiner umfassenden

Expertise den entscheidenen Schub gab.

Wir waren uns sehr schnell einig den Kunstpreis nicht in

„trauter Runde“ zu entwickeln, sondern Repräsentanten

der Münchner Kunstwelt einzuladen, ihn mit uns gemeinsam

zu gestalten. So ist in einem demokratischen Prozess

„zwei:eins – der Münchner Preis für Kunst“ entstanden,

dem auch der Moderator und Kunstredakteur Andreas

Höll anlässlich der Preisverleihung an Judith Egger

deutschlandweite Einmaligkeit bestätigte. Nirgends sei

ein Kunstpreis von so vielen namhaften VertreterInnen

und Vertretern von renommierten Museen, Galerien,

Kunstschaffenden, erfahrenen Kuratoren, Publizisten und

Stiftungen in einem solchen Prozess gemeinsam entwickelt

und von dem Netzwerk aktiv vorangetragen worden.

Ich danke ganz besonders meinen Freunden Martin

Schütz und Karsten Schmitz sowie allen Mitgliedern des

zwei:eins-Netzwerks für ihr einzigartiges Engagement,

ihre Ausdauer, ihre Begeisterung und für unser konstruktives

Miteinander.

Ihr Frank Enzmann


DAS ZWEI:EINS-NETZWERK

zwei:eins wird von einem Netzwerk aus Organisationen und Institutionen der Münchner Kunstwelt sowie Einzelpersonen getragen, vergeben und begleitet:

SoNet – Soziales Netzwerk München e. V.

als Stifter von zwei:eins

Castringius Stiftung, vertreten durch

Frank Enzmann

Stiftung Federkiel, vertreten durch

Karsten Schmitz und Jörg van den Berg

Stiftung Otto Eckart | whiteBOX e. V.,

vertreten durch Martin Schütz

Akademie Verein, vertreten durch

Monika Renner

Akademie der Bildenden Künste,

vertreten durch Prof. Dieter Rehm

Galerie Nusser und Baumgart,

vertreten durch Gregor Nusser

Galerie Thomas Modern,

vertreten durch Silke Thomas

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung,

vertreten durch Oliver Kasparek

Kunstverein München,

vertreten durch Chris Fitzpatrick

little ART, vertreten durch Elena Janker

Museumsstiftung zur Förderung der

Staatlichen Bayerischen Museen,

vertreten durch Maximilian Ring

PIN – Freunde der Pinakothek der

Moderne e. V., vertreten durch

Katharina von Perfall

Richard Stury Stiftung,

vertreten durch Dr. Helmut Hess

Städtische Galerie im Lenbachhaus

und Kunstbau, vertreten durch

Dr. Matthias Mühling

Stiftung Pinakothek der Moderne,

vertreten durch Anette Meister

Gotlind Timmermanns, Künstlerin

ARTMUC Magazin,

vertreten durch Dörthe Bäumer

Museum Villa Stuck, vertreten durch

Michael Buhrs, Roland Wenninger


EIN NEUER KUNSTPREIS AUF INNOVATIVEM WEG

Ausgezeichnet wird eine Projektidee aus dem Bereich der

Bildenden Kunst, die mit einem außerkünstlerischen Feld

oder einer wissenschaftlichen Disziplin kooperiert. Hierfür

steht auch die Namensgebung „zwei:eins“.

Diese Programmatik vertraut auf ein Potenzial künstlerischen

Denkens, das relevante Beiträge zu gesamtgesellschaftlichen

Entwicklungen beitragen kann. Die meisten

Arbeits- und Forschungsfelder sind linear aufgebaut. Nur

was bewiesen und belegt werden kann, ist wahr und nur

was absehbar zu Nutzen oder Profit führt, wird forciert. Die

Kunst verlässt dieses normierte Denken, erprobt den Zweifel,

das Querdenken und eröffnet so ganz neue Möglichkeiten.

Entwickelt wurde der Preis im kontinuierlichen Austausch

mit einem Netzwerk namhafter Akteure der Münchner

Kunst- und Kulturszene, das auch im Weiteren ideell unterstützt.

Während in den ersten Jahren aus dem Kreis der

auslobenden Netzwerkpartner nominiert wird, ist in den

Folgejahren eine öffentliche Ausschreibung des Wettbewerbs

geplant.

Gestiftet wurde er von SoNet – Soziales Netzwerk e. V.,

maßgeblich initiiert von der Castringius Stiftung im engen

Schulterschluss mit dem whiteBOX e. V., der Stiftung Otto

Eckart und der Stiftung Federkiel. Im November 2015 wird

erstmalig das Konzept für ein Kooperationsprojekt von Bildender

Kunst und außerkünstlerischem Feld prämiert. Die

Umsetzung dieser Projektidee erfolgt im Laufe eines Jahres

und wird zur Preisverleihung 2016 vorgestellt.

Damit formiert sich ein neuer innovativer Kunstpreis in

München als Verknüpfung von Stiftungsgeldern, bürgerschaftlichem

Bekenntnis zur gesellschaftlichen Verantwortung

und Vertrauen in die Potenziale für Kunst, der weit

über München hinaus wohl einmalig ist.

Dörthe Bäumer, ARTMUC Magazin


PREISTRÄGERIN 2015: JUDITH EGGER

Im Jahr 2004 gründet Judith Egger das künstlerische „Institut für

Hybristik und empirische Schwellkörperforschung“. Das Institut wird

für die Künstlerin zu einer Art Forschungslabor, in welchem sie das

Thema für ihre weitere Arbeit findet: die künstlerische Gestaltung und

Abbildung der Lebenskraft mit dem Schwerpunkt Natur mittels Zeichnung,

Objektkunst, Installation und Performance.

Ihre Installationen erinnern bisweilen an wissenschaftliche Versuchsaufbauten

– gleichzeitig widersprechen sie in ihrer Gestaltung

überprüfbaren Gesetzen. Judith Egger nähert sich ihrem Thema mit

großer Konzentration und wertfreiem Blick. Dessen ungeachtet wird

der Betrachter über eine sehr sinnliche Ebene angezogen. Die Materialien,

die die Künstlerin verwendet, stammen aus den Bereichen des

Organischen und Pflanzlichen. Auf diese Weise entstehen anarchische

Prozesse des Wachsens, Wucherns und Fließens.

In ihren Performances unternimmt Judith Egger den Versuch einer Vereinigung

von Körper und Natur. Es werden Prozesse der Bewegung und

Transformation thematisiert. Hier geht die Künstlerin bis an die Grenzen

ihrer physischen Belastbarkeit. Judith Egger unternimmt immer wieder

Kooperationen mit Künstlern aus den Bereichen Theater und Musik,

beispielsweise in der Arbeit „Vor der Imago – Die letzte Häutung: anschwellen,

aufbrechen, platzen, durchschlüpfen, aushärten, schrumpfen“,

2006, i-camp neues theater, München.

Für das aktuelle Projekt im Rahmen des Kunstpreises „zwei:eins“ arbeitet

Judith Egger erstmals mit einem Naturwissenschaftler zusammen.

Gemeinsam mit Dieter Braun, Professor für Biophysik an der Ludwig-

Maximilians-Universität München, entwickelt sie eine Arbeit mit dem

Titel „Ursprung – eine Versuchsannäherung über die Selbstorganisation

der Materie des ersten Lebens“. Da Judith Eggers künstlerische Arbeit

nicht auf ein bestimmtes Medium festgelegt ist, bleibt das Medium

der künstlerischen Umsetzung offen. Das Ergebnis wird bei der nächstjährigen

Verleihung des Kunstpreises „zwei:eins“ präsentiert.

Judith Egger lebt und arbeitet in München. Sie studierte am Royal College

of Arts, London und erhielt 2001 den Masters Degree. Sie hatte zahlreiche

Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

Roland Wenninger, Museum Villa Stuck


Die Preisträgerin Judith Egger und ihr Projektpartner Dieter Braun


JUDITH EGGER – KÜNSTLERISCHE ARBEIT

Auszug aus der Bewerbung von Judith Egger:

Im Zentrum meiner Arbeit steht die Auseinandersetzung mit der allem

zugrunde liegenden Lebenskraft, die anarchisches Wachstum, Veränderung

und Verfall bewirkt. Dabei stelle ich das (aus einer Mischung von menschlichem

Wissensdrang, Selbstherrlichkeit und Angst geborene) Diktat der

Kontrollierbarkeit und Nutzbarkeit aller Ressourcen unserer westlichen,

naturwissenschaftlich geprägten Welt infrage – auf physischer wie auf seelischer

Ebene.

Meine Arbeit reicht von Installation und Performance bis hin zu Objekten

und Zeichnungen. Dabei widme ich häufig den Naturerscheinungen, die uns

Menschen oft als unschön, eklig oder bedrohlich erscheinen (Pilze, Insekten,

offene Prozesse und Wucherungen aller Art) besondere Aufmerksamkeit –

denn so sehr die Menschheit sich bemüht, Herr dieser lebendigen Vorgänge

zu werden, wird dies doch nie gelingen. Die Natur gewinnt am Ende immer und

diese Tatsache hat für mich etwas Beruhigendes und Schreckliches zugleich.

Familiär bin ich wissenschaftlich „vorbelastet“, denn schon mein Ururgroßvater

hat als Mikropaläontolge in Niederbayern Gesteinsschichten erforscht,

mein Vater ist Meteorologe und meine Schwester Biophysikerin. Zwar haben

meine Eltern mir eine tiefe Naturverbundenheit vermittelt, dennoch habe

ich mich seit der Pubertät stark an ihrer bzw. meines Vaters Weltsicht gerieben,

die zum großen Teil mit dem gesellschaftlichen Konsens übereinstimmt.

Und doch habe ich mich in meiner „Opposition“ in eine allzu sichere Position

gebracht, denn unsere Welt, Gesellschaft und die Wissenschaft verändern

sich mit großer Geschwindigkeit und die Gefahr des Verharrens auf Vorurteilen

ist groß. Schon lange im Hinterkopf, aber mit der Nominierung für

zweizueins nun ganz konkret: Es ist für mich an der Zeit aus meiner Künstler-Nische

heraus in einen offenen Dialog mit den Naturwissenschaften zu

treten und dies in neue künstlerische Arbeiten zu übersetzen. Aber ohne

meinen kritischen Blick vollkommen über Bord zu werfen!

Ich arbeite gerne mit anderen Menschen zusammen, sei es in künstlerischen

Kollaborationen im Theater-, Musik- und Perfomancebereich oder auch in

größeren Zusammenhängen wie dem 2007 gemeinsam mit dem Kulturreferat

München durchgeführten Vernetzungsprojekt „open here – community,

art and diversity in a common europe“, bei dem ein als Perfomancebühne

umgebauter LKW über Wien, Prag, Liverpool, Arles und Marseille tourte. 2016

bin ich gemeinsam mit der jungen Berliner Komponistin Neele Hülcker mit

dem Performance- und Installationsprojekt „Hundun“ zur Teilnahme bei der

Münchener Biennale für neues Musiktheater eingeladen.


Judith Egger *1973 – lebt und arbeitet seit 2003 in München

2006/2007 Künstlerische Leiterin des einjährigen internationalen

EU Projektes „open here“

1999/2001 Master of Arts, Royal College of Art (RCA), London

1992/93 Lehre zur Holzbildhauerin, Oberammergau

Preise (Auswahl)

2012 Musikstipendium der LH München für die Performance „Bardo“

2010 Arbeitsstipendium der Bundeskulturstiftung Bonn

2006 Theaterförderung LH München

2004 Förderpreis “Musik im öffentlichen Raum” der LH München

2000 Einjähriges Stipendium, DAAD für London

Einzelausstellungen (Auswahl)

2015 Kraftraum für feinstoffliche Wesen, Kunstraum Bogenhausen,

München

2013 Shape & Control, Galerie Esther Donatz, München

2012 chamber of resonance, operation table/qmac, Kitakyushu, Japan

2012 ciment bourbeux, sometimeStudio, Paris

2005 Biotopie, lothringer13/laden, München

2004 Accumulation, Kentler International Drawing Space, New York


DER PROJEKTPARTNER – DIETER BRAUN, SYSTEM-BIOPHYSIKER

Auszug aus der Bewerbung von Judith Egger:

In seinem Labor, in der Ludwigs-Maximilian-Universität in der Amalienstraße

in München, ist er der Frage nach dem Ursprung des Lebens auf der Spur,

dort sucht er nach neuen Erkenntnissen über die Entstehung des Lebens auf

der Erde vor mehr als drei Milliarden Jahren.

Im Rahmen seiner Arbeit gelang es ihm, mehr über die Bedingungen herauszufinden,

unter denen sich in heißen Unterwasserquellen auf dem Grund

der Meere zunächst aus anorganischen Stoffen – etwa Schwefel, Eisen und

Wasserstoff – organische Verbindungen bilden und wie sich diese konzentrierten

und somit Bausteine für Zellen entstehen konnten. Grundannahme

seiner Forschungen ist die These, dass Leben durch die Mechanismen der

Nichtgleichgewichtsphysik entstanden sein muss. Dafür simuliert er im

Labor mögliche Bedingungen, wie das erste Leben auf der jungen Erde in

heißem, von Meerwasser umspültem Vulkangestein entstanden sein könnte.

Gerade zu Beginn dieses Jahres hat er einige Aufmerksamkeit mit seinen

Forschungsergebnissen erzeugt. „Leben bedeutet immer thermodynamisches

Nichtgleichgewicht. Deswegen muss die Entstehung ersten Lebens

durch eine externe Energiequelle angestoßen werden – etwa durch einen

Temperaturunterschied“, meint Dieter Braun. „Dass dies so elegant und einfach

möglich ist, hat uns selbst sehr überrascht.“

Letztes Jahr hat er das Netzwerk OLIM (Origins of Life Initiative Munich) gegründet,

an dem eine Reihe von Münchner WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen

Disziplinen beteiligt sind (Astrochemie, Biophysik, Biochemie,

Vulkanologie, Genforschung etc.). Dieses Netzwerk trifft sich regelmäßig zu

Vorträgen und Diskussionen und strebt eine nationale sowie internationale

Vernetzung an.

Dieter Braun hat der Zusammenarbeit im Rahmen von zwei:eins zugestimmt

– für ihn ist gerade das Gespräch und die Vermittlung seiner komplexen Forschungsergebnisse

an einen Laien ein guter Prozess, wieder neue Ideen zu

generieren. Er hat großes Interesse daran, tieferen Einblick und Zugang zu

seinen Forschungsergebissen zu ermöglichen und ist für alle Formen der

Kommunikation offen.


Süddeutsche Zeitung

18.11.2015

PRESSESCHAU


LMU München

Kunstprojekt zu den „Ursprüngen des Lebens“

Kunst trifft Wissenschaft: Künstlerin Judith Egger und Biophysiker Dieter Braun arbeiten gemeinsam an einem Kunstprojekt

zu den Ursprüngen des Lebens.

Der Beginn des Lebens als Kunstperformance oder Installation:

Für diese Projektidee an der Schnittstelle von Kunst und

Wissenschaft sind die renommierte Münchener Künstlerin

Judith Egger und Dieter Braun, Professor für System-Biophysik

an der LMU mit dem Kunstpreis „zwei:eins“ ausgezeichnet

worden. Dieser mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde im

November erstmals für einen Projektentwurf aus dem Bereich

der Bildenden Kunst vergeben, die mit einem außerkünstlerischen

Feld oder einer wissenschaftlichen Disziplin kooperiert.

Jetzt kann der konzeptionelle Teil der Arbeit beginnen. Für

Judith Egger ist es von Vorteil, dass sie in der Projektskizze

für „zwei:eins“ noch nicht konkret werden musste: „Es ist alles

offen. Ich habe ja noch nie mit einem Wissenschaftler ein

Projekt realisiert. Dieter Braun noch nie mit einem Künstler.

Spannend ist der Experimentcharakter des Projektes.“

Dieter Braun forscht an der LMU zu den Ursprüngen des

Lebens und der Evolution von Biomolekülen. Sein Wissen

wird in die künstlerische Arbeit einfließen. Aus der Zusammenarbeit

mit Egger verspricht er sich neue Impulse für

seine wissenschaftliche Arbeit: „Der Blickwinkel von außen

auf die Forschung ist ein sehr inspirierender, weil ganz unerwartete

Anregungen kommen können.“

Bei der gemeinsamen Diskussion zwischen Künstler und

Forscher fallen schon erste Gemeinsamkeiten auf. So liegen

Braun und Egger in der Terminologie ihrer Arbeit dicht

beisammen: Eggers nennt ihre Arbeiten Experimente und

Versuchsanordnungen, wovon auch Brauns Forschung lebt.

Im Gespräch kommt sie auch immer wieder auf das Thema

Leben: „In meiner künstlerischen Arbeit geht es um Vitalität

und Lebenskraft. Lebenskraft, die Dinge lebendig macht

oder vergehen lässt.“

Egger und Braun haben jetzt ein Jahr Zeit, ihr Kunstprojekt

zum Leben zu erwecken. Bei der nächsten Verleihung des

„zwei:eins“-Kunstpreises wird das Ergebnis vorgestellt.

www.uni-muenchen.de


Kunst und Evolution

Preisverleihung zwei:eins in der Registratur Bar

Was den Beginn des Lebens und der biologischen Evolution vor rund 3 Milliarden Jahren auf

der Erde ausgelöst hat, gibt Natur- und Geisteswissenschaften gleichermaßen Raum für

Theorien. Dabei gehört es zu den Spielregeln der Wissenschaften, dass Theorien auch bewiesen

werden müssen. Das 2004 von der Münchner Künstlerin Judith Egger gegründete »Institut

für Hybristik und empirische Schwellkörperforschung« hat diese Spielregeln im Blick und

stellt ihnen eine Forschung an Lebenskräften und Wachstumsprozessen gegenüber, die

alle Freiheiten ihres Metiers ausschöpft. In assoziativen Denk- und Schaffensprozessen

erarbeitet sie Performances, Installationen, Zeichnungen und Objekte, die Zweifel erproben

und Querdenken provozieren. Für eine gemeinsame Projektidee mit dem Biophysiker Dieter

Braun wurde sie mit dem erstmals vergebenen Münchner Kunstpreis »zwei:eins« ausgezeichnet.

Der Wissenschaftler forscht in seinem Labor der LMU an möglichen Szenarien wie

das Leben an unterseeischen Vulkanen entstanden sein könnte. »Ursprung – Selbstorganisation

von Materie und Entstehung des ersten Lebens« ist Thema ihres Projekts. Ziel ist eine

Installation mit Performance und einem Begleitprogramm. Maßgeblich initiiert wurde

der mit 10.000 Euro dotierte Preis von Frank Enzmann (Castringius Stiftung/SoNet e.V.) im

Schulterschluss mit Martin Schütz (Stiftung Otto Eckart/whiteBOX e. V.) und Karsten Schmitz

(Stiftung Federkiel). Vergeben wird er für einen Projektentwurf der Bildenden Kunst, der mit

einem anderen gesellschaftlichen Feld oder einer wissenschaftlichen Disziplin kooperiert.

Hierfür steht auch der Name »zwei:eins«. Wie Roland Wenninger, Museum Villa Stuck, bei seiner

Laudatio zur Preisverleihung betonte, ist dieses Ergebnis eines eingeladenen Wettbewerbs

ein vielversprechender Auftakt für den neuen Kunstpreis, der Stiftungsgelder und das

Vertrauen auf gesamtgesellschaftliche Potentiale von Kunst zukunftsweisend vereint. Eine

Arbeit von Judith Egger ist ab 11. Dezember im KloHäuschen in der Thalkirchner Straße zu sehen.

ARTMUC Magazin, 11/2015

Am 19. November wurde in einem Nebenraum der Registratur Bar in der Müllerstraße mit

dem Preis des neu gegründeten Netzwerkes zwei:eins ein neuer Kunstförderpreis verliehen.

Nicht als Trophäe oder als überdimensionaler Scheck, sondern in Form eines Blumenstraußes:

Überreicht wurde die Auszeichnung an die Künstlerin Judith Egger nebst ihrem naturwissenschaftlichen

Partner, dem Biophysiker Dieter Braun, von Jurymitglied Jo van den Berg.

Die Auszeichnung des Netzwerkes, das von Karsten Schmitz (Stiftung Federkiel), Frank

Enzmann (Castringius Kinder & Jugend Stiftung) und Martin Schütz (Stiftung Otto Eckart) ins

Leben gerufen wurde, fördert interdisziplinäre Kunstideen: Bei den Preisträgern tritt Naturwissenschaft

in Verbindung mit installativer, performativer Kunst. Judith Egger, die für ihre

künstlerischen Arbeiten das „Institut für Hybristik und empirische Schwellkörperforschung“

ins Leben rief und Dieter Braun, der den Lebensurknall im Nanobereich erforscht. In der Freiheit

der Kunst, nicht unter Beweispflicht stehen zu müssen, wollen die beiden im „offenen

Konzept“, wie Judith Egger sagte, dem schwellenden Prinzip des Lebens beikommen. Eigentlich

ein romantischer Ansatz. Der Moderator und Kunstredakteur Andreas Höll brachte ein

schönes Beispiel: 1825 schrieb der Psychologe und Physiker eine „Vergleichende Anatomie

der Engel“.

Ein Preis, der Bewegungen zwischen Grenzen wiederherzustellen vermag.

K-Magazin, 12/2015


IMPRESSUM

zwei:eins – Der Münchner Preis für Kunst

Vertreten durch Frank Enzmann und Martin Schulz

c/o SoNet – Soziales Netzwerk München e. V.

Ruffiniallee 4, 82152 Planegg

Tel. +49 160 972 252 66

Arbeiten von Judith Egger

Umschlagseiten: Foto der Installation „How the unseen world works“, Lizières/Frankreich 2014

Seiten 7, 15: Foto von Intervention 1 und 2, im Rahmen der Preisverleihung zwei:eins 2015,

Registratur Basement, München

Seite 15: Foto (Mitte) Konzert der Gruppe „Responge“ im Rahmen der Installation „Biotopie“

von Judith Egger, lothringer13/laden, München, 2005

Konzept und Redaktion: Sofie Langmeier; www.langmeiers.de

Grafik: Debüser & Bee; www.debueser-bee.de

Logo: Ulrike von Dewitz; www.ulrikevondewitz.com

Fotos (außer Umschlagseite): Michael McKee; www.michaelmckee.de

Presseschau

Wir danken den Redaktionen sehr herzlich, dass wird diese Texte übernehmen durften.


www.zweizueins-kunstpreis.de

Detailansicht der Installation von Judith Egger "how the unseen world works", 2014, lizières, Epaux-Bézu, Frankreich

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