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SchlossMagazin Fuenfseenland Maerz 2016

46 | kunst + kultur |

46 | kunst + kultur | Gewebe. Textile Projekte Gewebung – Hubert Brobst Arabesque – Ulrike Dornis full size render – Susanne Thiemann, „Network“, Archivgalerie Friedberg Texturen im Digitalprint auf leicht transparentem Stoff. Zur gleichen Zeit am gleichen Ort zeigt der Friedberger Künstler Petrus die Installation „Gewissens-Gewebe“: Über einen Rahmen aus Stahlrohr wird ein Geflecht aus sieben Meter langen beschriebenen Bändern geflochten, die Enden hängen an den Seiten herunter. Diese Papierbänder werden von verschiedenen Gruppen beschrieben. Jeder schreibt seine Meinung zur Stadtpolitik. So wird das Bändergewebe ein verwobenes Sammelsurium der Gedanken der Friedberger: Angst, Zuspruch, Ablehnung … Von oben wird es in den Farben der Wahrheit – weiß, des Hasses – grün, der Liebe – rot und der Wut – gelb beleuchtet. Die Farben scheinen durch das Geflecht in den begehbaren Kubus. Der Boden des Kubus wird mit weißem Papier ausgelegt; so werden die Spuren der Besucher erhalten. Am Ende der Ausstellung werden die Bänder zerschnitten – die Gedanken befreit. Schließlich treffen in der Ausstellung „Network“ von Susanne Thiemann und Thomas Weil in der Archivgalerie vom 4. Juni bis 4. August Malerei und Skulptur, Punkte und Geflechte, Farbe und Material aufeinander. Susanne Thiemann aus München bringt Gewebe in teils großformatige skulpturale Formen. Der Friedberger Thomas Weil steht für die Malerei. was mich bewegt – D. Reese-Heim segel für aichach – Antje Sträter Auch Bobingen beteiligt sich mit sieben Veranstaltungen am Projekt. Am 17. März stellt der Kulturamtsleiter der Stadt, Reinhold Lenski, im Unteren Schlösschen den Chemiker Prof. Dr. Paul Schlack vor. Der einstige Werksleiter der Kunstseidefabrik Bobingen ist der Erfinder der Perlonfaser. Am 3. April geht es bei einem klassischen Konzert um Gewebe im übertragenen Sinn: mit Musik von Clara Schumann, Robert Schumann, Johannes Brahms und Frederic Chopin, die persönlich und auch musikalisch miteinander verbunden waren. Interessantes über seine Arbeit bei Trevira berichtet am 14. April der ehemalige Produktionsleiter Jürgen Bock in der IWB Werkskantine. Am 15. April kann im Rahmen einer Führung das Trevira-Werk besichtigt werden. Vom 1. Mai bis zum 12. Juni präsentiert der Kunstverein Bobingen aktuelle Arbeiten der renommierten Textilkünstlerin Prof. Dorothea Reese-Heim aus München in der Galerie im Unteren Schlösschen: „… wenn sich Kreise finden“. Am 8. Mai lädt Turid Schuszter im Rahmen dieser Ausstellung zu ihrer Vorführung „Brettchenweben“. Am 5. Juni veranstaltet die Kunstpreisträgerin der Stadt Neusäß Brigitte Steininger den Kinder-Workshop „Kunstobjekt aus Drahtgeflecht“. Vom 8. April bis zum 13. Mai widmet die Stadt Pfaffenhofen an der Ilm die Ausstellung „Am seidenen Faden“ im Rathaus der Geschichte des örtlichen Textilgewerbes. Beim 33. Künstlermarkt „Kunst im Gut“ in Scheyern vom 30. April bis 1. Mai legt die Veranstalterin Margit Grüner diesmal den Schwerpunkt auf Textilkunst und Mode. Im Rahmen einer Sonderschau präsentiert die österreichische Textilkünstlerin Ursula Prammer ihre farbenfrohen fröhlichen Werke. #

| kunst + kultur | Mut, liebe Julie! | 47 „Mut, liebe Julie!" L a Siesta, 1850, Öl auf Leinwand, Bank Itaú Collection, Sao Paolo Foto Joao L. Musa/Itaú Cultural Künstlerfreundschaften sind ein ergiebiges Thema in der Kunstgeschichte. Insbesondere wenn ein Künstler und eine Künstlerin sie eingehen und sich im gegenseitigen Schaffensprozess fördern und beeinflussen – so wie der Augsburger Maler Moritz Rugendas und die Malerin Julie Hagen-Schwarz. Vom 18. März bis 5. Juni verfolgt eine Ausstellung die Spuren dieser bisher unbekannten Freundschaft. Der Augsburger Maler und Südamerikareisende Moritz Rugendas (1802 – 1858) traf 1848 in München die junge, aus dem Baltikum stammende Malerin Julie Hagen (1824 – 1902) und wurde ihr Mentor. Aus den wiederentdeckten Briefen der Künstlerin lässt sich diese Freundschaft nachvollziehen und wirft einen Blick auf das bisher selten gezeigte Spätwerk des Künstlers sowie das Oeuvre der russischen Malerin, die zu den wenigen Künstlerinnen um 1850 gehört, die sich zunächst in der bayerischen Kunstmetropole, später in Rom durchsetzten – Hagen nicht zuletzt mithilfe des Mentors Rugendas. Zugleich beleuchtet die Präsentation mit Namen wie Wilhelm Julie Hagen-Schwarz Selbstporträt vor 1870 von Kaulbach, Carl Rottmann, August Riedel und Ernst Meyer das weitverzweigte Künstlernetzwerk im Umkreis. Dies schließt nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit der Geschichte der in der Region ansässigen Künstlerinnen im 19. Jahrhundert ein. Zahlreiche, bisher nicht ausgestellte Gemälde werden gezeigt, ergänzt durch zeitgenössische Briefe und Fotografien. Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog im Wißner-Verlag. Die Ausstellung findet im Schaezlerpalais und in der Grafischen Sammlung statt. # Informationen www.kunstsammlungen-museen-augsburg.de