Treffpunkt.Bau 03/2016

Lulu89

SICHERHEIT . WERKZEUGE . WARTUNG . PFLEGE

PETER GREVEN/ FOTOLIA

Rund drei Millionen Deutsche arbeiten im Freien und sind der Sonnenstrahlung ausgesetzt.

Besonders sensible Stellen sind die Nase, Ohren und Unterlippe, aber auch Nacken und Hände.

Schutz vor weißem Hautkrebs

BERUFSKRANKHEIT

Der Frühling kommt und mit ihm die Sonne. Das dürfte vor allem

Arbeitnehmer auf Baustellen und im Außenbereich freuen. Aber

das schöne Wetter bringt auch Gefahren mit sich. Denn wer

während der Arbeit regelmäßig intensiver Sonneneinstrahlung

ausgesetzt ist, hat ein hohes Risiko, an weißem Hautkrebs zu

erkranken. Seit 2015 steht die Erkrankung deshalb auf der Liste der

Berufskrankheiten. Dabei können sich Arbeitnehmer bereits durch

einfache Maßnahmen erfolgreich schützen.

Ob Bauarbeiter oder Dachdecker, Landwirte oder Beschäftigte in der

Logistikbranche: Etwa drei Millionen Menschen arbeiten in Deutschland

regelmäßig im Freien. Diese sogenannten Outdoor-Worker sind

oft stundenlang der Sonne ausgesetzt. Ohne den richtigen Schutz

kann das zu gefährlichen Veränderungen der Haut führen. Denn die

UV-Strahlen schädigen das Erbgut in den Hautzellen und begünstigen

die Entstehung des weißen Hautkrebses. Etwa 220.000 Fälle

dieser Hautkrankheit erfasst die deutsche Krebshilfe jährlich. Damit

ist der weiße Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung überhaupt.

Vor allem Erwerbstätige, die in Freizeit und Beruf intensiver Sonneneinstrahlung

ausgesetzt sind, weisen ein hohes Erkrankungsrisiko

auf. Seit 2015 werden verschiedene Formen des weißen Hautkrebses

deshalb als Berufskrankheit anerkannt. Das ist besonders für Arbeitnehmer

von Vorteil. Wird ihre Erkrankung von der gesetzlichen

Unfallversicherung als Berufskrankheit eingestuft, können sie in bestimmten

Fällen Therapie- und Rezeptkosten erstattet bekommen

oder haben Anspruch auf eine Zusatzrente. Als Faustregel für eine

Anerkennung gilt dabei, dass die Dosis der Sonneneinstrahlung

während der Arbeitszeit mehr als doppelt so hoch sein muss wie in

der Freizeit. Aber auch wenn die betroffenen Arbeitnehmer durch

die Neuregelung auf mehr Unterstützung hoffen können, gilt: Eine

rechtzeitige Vorsorge ist besser als eine langfristige und komplizierte

Behandlung der Krankheit.

Sonnenschutz ist Sache des Arbeitgebers

Gerade Arbeitgeber müssen hier umdenken, denn das Thema

Sonnenschutz galt lange als Privatangelegenheit. Mit der Anerken-

nung des weißen Hautkrebses als Berufskrankheit hat sich das nun

grundlegend geändert. Fortan ist der Schutz vor UV-Strahlung Teil

der persönlichen Schutzausrüstung, die jedem gefährdeten Arbeitnehmer

zur Verfügung gestellt werden muss. „Ein erster Ansatz kann

es bereits sein, die Arbeitsabläufe so zu legen, dass die Mitarbeiter

zu Zeiten mit starker Sonneneinstrahlung nicht im Freien tätig sind“,

erklärt Martin Küpper vom Euskirchener Unternehmen Peter Greven

Physioderm. Gerade im Baugewerbe ist dieses Ziel im Arbeitsalltag

aber kaum umsetzbar. Dann müssen Alternativen ausgearbeitet

werden. „Noch immer ist es auf vielen Baustellen normal, dass die

Beschäftigten mit freiem Oberkörper arbeiten“, sagt Küpper. „Das erhöht

kurzfristig das Risiko eines Sonnenbrandes und kann langfristig

zu weißem Hautkrebs führen.“ UV-Schutzkleidung, Sonnenbrillen

und eine angemessene Kopfbedeckung sollten deswegen auf

jeder Baustelle zum Standardprogramm gehören. Aber auch diese

Schutzmittel können nicht alle gefährdeten Stellen lückenlos abdecken.

„Gerade die besonders empfindlichen Bereiche wie Nase, Ohren,

Unterlippe, Nacken und Hände – die sogenannten Sonnenterrassen

– müssen in jedem Fall mit Sonnenschutzmitteln geschützt

werden“, empfiehlt PGP-Experte Küpper.

Mindestens Lichtschutzfaktor 30

Sonnenschutzmittel sollten mindestens Lichtschutzfaktor 30 aufweisen

und wasserfest sein, damit sie nach dem Schwitzen nicht

immer wieder neu aufgetragen werden müssen. Bei intensiver Sonnenstrahlung

empfiehlt sich sogar Lichtschutzfaktor 50. Für jemanden,

der weder Zeit noch Lust hat, sich vom Kollegen den Rücken

eincremen zu lassen, stellen Sonnenschutzsprays eine einfache Alternative

dar. Durch die Sprühfunktion lassen sich selbst schwierige

Stellen, wie der Nacken, problemlos erreichen. Außerdem zieht ein

Spray unmittelbar ein und erlaubt es nach der Anwendung sofort

weiterzuarbeiten. „Eine ausgewogene Kombination aus Schutzkleidung

und geeigneten Sonnenschutzpräparaten bietet die beste

Vorsorge gegen weißen Hautkrebs“, sagt Küpper. Genauso wichtig

sei es aber, dass der UV-Schutz von den Mitarbeitern akzeptiert werde.

„Es ist weder unmännlich noch übertrieben, Sonnenschutzpräparate

regelmäßig aufzutragen, sondern einfach nur notwendig“,

sagt Küpper.

[ 78 ] 03.2016 . TREFFPUNKT BAU

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