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Juni 2010

Kiezzeitung seit 1992 I 218. Ausgabe I Juni 2010

4 KIEZE VORGESTELLT

4 KIEZE VORGESTELLT Prenzlberger Ansichten I Juni 2010 1 2 3 KIEZSPAZIERGANG Ur-Berliner seid tapfer: Berliner Weiße stammt aus Bayern Ganz früher oder besser gesagt, mittel-früher, also vor der industriellen Revolution, braute jede Familie ihr eigenes Bier, und das war überwiegend Frauensache. Bier ist ja im Grunde genommen nichts anderes, als das im Wasser vergorene und somit verdorbenes Getreide. Die Getränke der einfachen Leute waren Wasser aus dem Brunnen und halt Bier, das schon, sicher in verdünnter Form, Kleinkindern verabreicht wurde. Gelegentlich auch der Saft von vergorenem Obst (Wein) und, falls man gar eine Kuh sein Eigen nennen konnte, die Milch-Reste, die bei der Her - stellung von Butter und Käse anfielen, also die Molke. Natürlich wurde schon im Mittelalter in den Wirts - häusern und von Mönchen (zur Stärkung während der Fastenzeit) in größeren Mengen Bier hergestellt, aber so richtig los ging es damit wirklich erst mit der industriellen Revolution. Liebe Urberliner, wir müssen jetzt ganz, ganz tapfer sein, denn unsere typische „Berliner Weiße“ ist eigentlich im Original ein bayerisches Weißbier. Die „Berliner Weiße“, sie gibt’s seit 1672, ist ein sogenanntes „obergäriges Bier“, bei dem sich beim Brauprozess die verwendete Hefe oben auf der Flüssigkeit absetzt, während beispielsweise das heute gebräuchlichere Pils als „Untergäriges“ bezeichnet wird, weil sich die Hefe am Boden des Gärbehälters nieder schlägt. Das Weißbier vergor man vier bis fünf Tage in Fässern, dann wurde etwas frisch angesetztes sogenanntes „Jungbier“ hinzu gegeben und es zur weiteren Gärung in offenen Zubern belassen, schließlich alles nochmals in Fässer oder auch schon Flaschen abgefüllt und weitere sechs bis zehn Tage gelagert, bevor es ausgeschenkt wurde. Weil diese Art der Herstellung ohne Kühlung auskam, waren obergärige Biere relativ einfach herzustellen. Erst ab 1828 kamen vermehrt die untergärigen in Mode und die ab 1883 industriell mögliche Kältetechnik tat ihr übriges zum Siegeszug des Pils. Vielleicht gibt’s ja bei den verehrten Lesern unter Ihnen zufällig einen gelernten Brauer, der mir sein Handwerk einmal genau beschreibt. Die um 1850 herum entstehenden Brauereien Die Brauerei Königstadt produzierte zwischen 1851 und 1921 Bier. Ab 1849 wurde sie von einem Herrn Wagner auf Teilen des „Windmühlenberges“ errichtet und fort an fabrizierte die „Wagners Bairisch Bier – Brauerei“. Bereits 1871 ging sie in den Besitz der „Berliner Bierbrauerei Heurense & Busse“ über, wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und erhielt den Namen „Königstadt AG“. Der Name entstand sicher in Anlehnung an die Verwaltungsgliederung vor der Gründung von „Groß-Berlin“ 1920, denn Teile des heutigen Prenz lauer Berg hatten „zu Kaiser Wilhelms Zeiten“ die Bezeichnung „Königsviertel I – IV“. Die Königsstadtbrauerei befindet sich auf einem Gelände entlang Saarbrücker / Straßburger Straße. Im Jahre 1903 wurde an der Schönhauser Allee ein Saalbau mit Brauereiausschank eröffnet. Die AG expandierte weiter und übernahm 1906 die „Brauerei C. Habel“ auf dem Tempelhofer Berg in Kreuzberg. Nur rund fünfzehn Jahre später wurden am 25.April 1921 die Markenrechte der „Königstadt AG“ und ner“ innerhalb der „Radeberger Gruppe KG“ zur „Dr. August Oetker KG“, einem der größten deutschen, international agierenden Lebensmittelkonzerne in Familienbesitz. Ab dem Jahr 1925 wurde im 1. Stock des Aus - schankes der einstigen Brauerei in der Schön - hauser Allee der „UFA-Palast Königstadt“ eingerichtet. Es war eines der ersten Tonfilm-Urauf - Ausschank der Brauerei Königsstadt ca. 1910, Quelle: Hotel-Pension Kastanienhof, Berlin führungs-Lichtspielhäuser in Deutschland überhaupt. Eröffnet wurde das Kino damals mit dem Film „Drei Frauen“ von Drehbuchautor und Regisseur Ernst Lubitsch. In die Gebäude der einstigen Königsstadtbrauerei zogen schließlich andere Gewerke. Heute sind auf dem Gelände viele kreative Firmen, aber auch Clubs und Jugendeinrichtungen ansässig. Die einstigen Lagerkeller der Brauerei werden noch immer genutzt, wie ich mich bei meinem Rundgang mit eigenen Augen überzeugen konnte, und u.a. auch ansässig, quasi an historischer Stelle, eine Filmproduktion. Ein Gewerbegebiet solcher Größe mitten in der Innenstadt Berlins ist sicher für jede Firma verlockend. Ergänzen möchte ich meine Rundgang noch mit dem Hinweis auf den „Berliner-Bier-Konsumenten- Boykott“, der am 1. Mai 1894 begann und erst im Dezember desselben Jahres endete. In dieser Zeit legten etwa dreihundert Berliner Böttcher die Arbeit nieder, um für bessere Arbeitsbedingungen und für den Acht-Stunden-Tag zu kämpfen. Weite Teile der Bevölkerung solidarisierten sich damals mit den Böttchern und boykottierten die Brauereien, die sich gegenüber den Arbeiterinteressen taub stellten. So, ich bin immer wieder erstaunt, welche Details ich noch immer im Prenzlauer Berg-Archiv entdecke. Großer Dank an die dort sehr engagierten Mitarbeiter! Rolf Gänsrich 4 5 Lieferwagen der Brauerei Königsstadt ca. 1910, Quelle: Hotel-Pension Kastanienhof, Berlin benötigten also große, unbebaute Flächen, möglichst an Hängen, um darin Kühlkeller für das zu gärende Bier einzurichten. Ich kenne so etwas selbst noch aus unserem Garten, denn bevor wir dort ende der 70er Jahre ans örtliche Stromnetz angeschlossen wurden, lagerten wir im Sommer über die Woche unsere Lebensmittel in einem winzigen Kellerloch direkt unter der Laube. die Brauerei selbst an die „Berliner Kindl – Braue - rei“ übertragen und der Brauereibetrieb in der Königsstadtbrauerei still gelegt, da Kindl Grundstücke und Gebäude von „Königstadt“ nicht mit übernahm. Heute gehören die Markennamen „Kindl“, „Schultheiß“ und „Bürgerbräu“ ebenso wie die noch aus DDR-Zeiten vom „VEB Getränke kom - binat Berlin“ übernommene Marke „Berliner Pils - 6 P.S. Bei der "Kleinen Lesung" am 27. Mai tauchte eine ältere nette Dame, ich schätze, so um die achtzig Sommer, auf und fragte sich zu mir durch. Sie sei eine Stammleserin, stellte sich heraus und "... bevor ich jetzt noch etwas sage, zeige ich ihnen mal meinen Personalausweis.", sagte sie zu mir. ... eine geborene "Frau Gänsrich", einstmals aus Schlesien vertrieben. Ich war platt! Übrigens, meine Opa stammte aus der Gegend um Hamburg, so dass es da wohl keine direkteren Verwandtschaftsbeziehungen gibt. 7

Prenzlberger Ansichten I Juni 2010 KIEZE VORGESTELLT 5 +++ NEWS & TIPPS +++ NEWS & TIPPS +++ NEWS & TIPPS +++ Literaturwoche „13. LiteraturOrt Prenzlauer Berg“, vom 5. bis 10. Juni. Am Samstag, den 5. Juni, um 16 Uhr lesen beim „Literaturpreis Prenzlauer Berg“ zum 10. Mal zehn nominierte Autoren und Autorinnen aus ihren Texten zum Thema: „Die Stadt in Bewegung: sozial und politisch.“, Ort: Bibliothek am Wasserturm, Prenzlauer Allee 227/228. Am Sonntag, den 6. Juni, von 11 bis 19 Uhr findet das „Literaturfest am Kollwitzplatz“ statt. Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken und Antiquariate stellen sich vor. Den Mittelpunkt des Festes bildet auch in diesem Jahr ein umfangreiches Bühnenprogramm mit Lesungen bekannter Autoren und Autorinnen. www.literaturortprenzlauerberg.de Jubiläums-Hoffest Zu einem Jubiläums-Hoffest anlässlich „15 Jahre Genossenschaft“ laden die Veranstalter des Gewerbehof Saarbrücker Straße e.G. am Samstag, dem 19. Juni, ab 13 Uhr, ein. Trommel- und Feuershows, viele Highlights für Kinder und tolle Führungen stehen auf dem Programm. Musik auf der Bühne: Bando (Percussion), Jangada (Capoeira), Die alten Männer (Rock), Zukunft und die Lichter (Indiepop), Scorbüt (Chansons), WonderSka (Ska). ➲ Saarbrücker Str. 24 Performative Raumforschung Seit 2008 ist die singuhr – hoergalerie mit „Klang - räume/Raumklänge“ Partner im ohren strand.net, dem vom Netzwerk Neue Musik der Kultur stiftung des Bundes geförderten Vermittlungs projekt in Berlin. Im dritten ohrenstrand-Jahr 2010 realisiert der Berliner Forscher Alex Arteaga in Zusammen - arbeit mit der UdK, der Hochschule für Schauspiel - kunst und der Akademie der Künste das künstlerische Forschungsprojekt „sururb“ im Großen Wasser - speicher. Performer werden während der Instal - la tions zeit den Raum im umgebenden Wasser - turmquartier gehend erschließen und dabei entstehende Audioaufnahmen live in die Installation einspeisen. Parallel werden erstmals die Ergebnisse eines Studentenworkshops mit Studenten der HBK Braunschweig unter der Leitung von Prof. Ulrich Eller präsentiert. 3.6. bis 13.6., tägl. 14 bis 20 Uhr. ➲ Großer und Kleiner Wasserspeicher, Eingang Belforter Straße Sommerfest Der Kulturverein Prenzlauer Berg e.V. und seine Partner laden zum Sommerfest 2010 in den schönen Hof des ZENTRUM danziger50. Wie in den vergangenen Jahren findet auch diesmal ein buntes Treiben für die ganze Familie statt: Theater, Musik und Gesang, sportliche Herausforderungen und kreative Angebote. Mit dabei u.a. „Stagecoach“, die Schauspielschule für Kinder und Jugendliche mit einer Darbietung aus ihrem Repertoire. Am 19. Juni, von 14 bis 18 Uhr. ➲ Danziger Str. 50 Infoveranstaltung FAU – Wie funktioniert das? In dieser Einführungsveranstaltung wird kurz erklärt, was Anarchosyndikalismus eigentlich bedeutet, sowie detailliert dargestellt wie die Freie Arbeiterinnenund Arbeiter-Union (FAU) organisiert ist. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierte, die sich die Arbeitsweise der FAU genauer ansehen wollen. Am Freitag, 4. Juni um 19 Uhr. Ort: FAU-Büro. ➲ Straßburger Str. 38 Tarte à Chocolat mit Café au Lait Sie mögen französische Kaffee spezia litäten, ein frisches Croissant, Brioche, Pain au Chocolat oder Pâtisserie-Spezialitäten wie Tarte à Citron, Tarte à Chocolat, Tarte aux Pommes? Maison la Provence hat dass und vieles mehr aus Frankreich. Im Petit Bistro können Sie alles probieren, am Wochenende mit orginal französischer Bedienung .... ➲ Knaackstr. 76 Künstlerstation in der Kulturbrauerei Jeden Sonntag von 11 bis 18 Uhr finden Sie in der Kulturbrauerei die Künstlerstation. Dieser Kunst - markt mit vielen Ständen bietet die ganze Palette künstlerischer Arbeiten, angefangen von Malerei über Kunsthandwerk, Filzarbeiten, Keramik und Holzarbeiten bis zu Modistinnen, die Kollektionen von Schmuck und Hüten präsentieren. Hier geht es nicht um den Verkauf von allem Möglichen, sondern darum, Künstlern aus Berlin und dem Umland ein Forum zu bieten, sich zu präsentieren. Viele von ihnen werden selber an den Ständen sein, man kann also auch über die Arbeiten philosophieren. Kontakt: Hartmut Brandstetter, Tel. 8028779 ➲ Künstlerstation in der Kulturbrauerei 4 Jahre Kollwitzer Back Die Bäckerei Kollwitzer Back feiert in diesem Jahr das 4-jährige Bestehen. In den Tagen vom 11. Juni bis 13. Juni wird es deshalb besondere Kaffee- und Kuchenangebote geben. ➲ Kollwitzstraße 38 Für die süßen Momente im Leben Lassen Sie sich entführen in eine Welt voller Leckereien und erliegen Sie den süßen Versuchungen von Meisterhand in einmaliger Atmosphäre. Die >>werkstatt der süße

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