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KulturBegegnungen Nr. 15

KulturBegegnungen Nr.

Mit großem Veranstaltungskalender s Kostenlose Kulturzeitung für den Landkreis Miesbach AUSGABE 15 Maxi Riegel S. 04 | Diego Steinhöfel S. 04 Amrei Huser S. 05 | Angelo Tomasi S. 07 Jugend Künstlerporträts Hans Schneider S. 03 | Stefan Scheider S. 19 Moritz Attenberger S. 19 | Lizzie Hladik S. 20 Lisa Mayerhofer S. 21 kultur BEGEGNUNGEN In meiner Heimat, im Osten Deutschlands, gibt es in manchen Familien die Tradition des Christbaumabsingens. Bevor der Baum im Januar abgeschmückt wird, versammelt sich die Familie noch einmal, die Kerzen werden angezündet und man singt Weihnachtslieder. Danach bedankt man sich beim Baum, erweist ihm, der sein Leben für die Familie und ihren Weihnachtsritus opfern musste, Respekt. Eine andere respektvolle Tradition ist das Dankgebet vieler Religionen vor dem Essen, das bei Atheisten zu einem schlichten „Danke“ in Richtung der Gans, des Schweins, der Forelle zielen kann. Hintergrund dieser Riten ist eine Haltung, die Albert Schweitzer so treffend als „Ehrfurcht vor dem Leben“ beschrieb, Ehrfurcht vor jedem Leben, denn „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Respekt vor der Pflanze, Respekt vor dem Tier, das kann man durch solche einfache Riten schon bei ganz kleinen Kindern einpflanzen, die dann nicht mehr achtlos Blumen ausreißen oder Tiere quälen. Und wie sieht es beim Respekt der Menschen untereinander aus? Mai bis November 2011 her Kindheit, wenn nicht Eltern einen anderen Die moderne Hirnforschung zeigt uns, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter plastisch ist, dass Samen ausgestreut haben. Was anders ist, wird beargwöhnt, lächerlich gemacht oder der eifrig wir unsere Prägungen zugunsten neuer Haltungen verändern können, Grundbedingung Lernende als Streber verunglimpft, ausgegrenzt, gemobbt. dafür ist, wir müssen es wollen, und manchmal Solche Behandlungen erzeugen Leid und können, wie aus Amokläufen bekannt, zu ungezü- Ist aber nicht manchmal auch Respektlosig- genügt dafür ein winziger Anlass. geltem Hass führen, wenn nicht wiederum das keit angebracht? Muss der Bürger nicht auch Elternhaus Geborgenheit und Ausgleich zu bieten imstande ist und Respekt vor dem jeweils eine Gesetzgebung? „Empört euch!“ fordert manchmal aufbegehren, gegen ein Regime oder Anderen vermittelt, auch wenn man mit seinen der französische Résistance-Veteran Stéphane Handlungen nicht immer einverstanden ist. Respekt vor dem Menschen, dem etwas Einzigar- des Wie. Beispiele für respektvolle Revolutionen Hessel. Sicher. Aber auch hier ist es eine Frage tiges, der göttliche Funken etwa in der christlichen Tradition oder Atman in der indischen doch einige. Mahatma Gandhi, die friedliche liefert die Geschichte, nicht gerade zuhauf, aber Religion, Atman, der mit dem kosmischen Brahman vereint ist, innewohnt. gegen Atomkraft sind beispielgebend. Revolution in der DDR und die Kundgebungen „Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in MG dir“, ist eine Geste im Yoga, die dem Anderen RESPEKT Musik Chorsingen S. 16 | Neurosenheimer S. 17 | Elisabeth Artmeier / Florian Burgmayr / Veronika von Quast S. 17 Karl Ludwig Schweisfurth S. 06 Ethik Literatur Literatur aus Sachsen S. 20 | Lese.Zeit S. 22 Eckart Roloff S. 23 | Kolumne Evelyn Peters S. 23 Wissenschaft Wissenschaftstage Tegernsee S. 08 Reithamer Gespräche S. 18, Hans Peter Dürr S. 18 „So ein Unsinn“, sagte eine Schülerin, als ich in der Ethikstunde ein ungewöhnliches Argument benutzte, das der Reflexion bedurfte. „Danke für alles, was ich bei Ihnen lernen durfte“, schrieb mir eine andere Schülerin zu Weihnachten. Es gibt beides in unserer Gesellschaft, die unbedachte, manchmal sogar unflätige Bemerkung in einem Gespräch. Da wird das Gegenüber oder noch schlimmer, der Abwesende, mit Worten bedacht, die jeden Respekt vermissen lassen. Lehrbeispiele liefern dafür unsere Politiker in Bundestagsdebatten, aber auch im Gemeinderat oder in Fernsehsendungen. Man hat den parteipolitischen Auftrag, sich zu positionieren, den eigenen Standpunkt durchzupeitschen, ohne Rücksicht darauf, ob vielleicht in der Argumentation des Kontrahenten auch ein Fünkchen Wahrheit stecken könnte. Respekt vor der anderen Meinung, dem anderen Menschen, der anderen Kultur, daran mangelt es noch immer, und das beginnt bereits in frü- in Demut und Respekt durch eine Verneigung dargebracht wird, ganz egal, ob der Andere mir sympathisch ist, ob mir sein Reden draußen vor dem Übungsraum zusagt oder nicht, es ist schlicht eine Grundhaltung. Eine effektive Übung, um diese Grundhaltung einzuprägen in unser Verhaltensmuster, ist die Goldene Regel der Menschlichkeit, bekannt als die volkstümliche Weisung: „Was du nicht willst was man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Bei jeder beleidigten Regung, bei jedem zornigen Aufbegehren übe man einmal vier Wochen lang, nach dieser Regel zu leben. Das heißt nicht Anpassung, Unterwürfigkeit, keineswegs, sondern Respekt, einschließlich der wichtigen Regeln im Umgang mit dem Anderen: Grenzen ziehen und Selbstbehauptung. Die Frage ist nur wie, und da gibt es wiederum eine alte Regel: Nachdenken, ob der Zeitpunkt passt und mit welchen Worten im Geiste des Nichtverletzens ich meine Meinung ausdrücke. Arbeiten von Lisa Mayerhofer (siehe Seite 21), die den Respekt der Künstlerin vor Material und Handwerk ausdrücken.

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Schöne Zeiten, Ausgabe 24, August - Dezember 2012
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Ihr Berg- und Wanderschuh-Profi - Schöne Zeiten
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07.08_Anders_Wachsen_2017
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