Mauritiushof Natur Magazin März 2016

mauritiushof

Mauritiushof Natur Magazin März/2016

Mauritiushof

Das online Naturmagazin

Ausgabe 2/2016

Offizielle News der

Österreichischen Gesellschaft für

Tiergestützte Therapie ÖGTT


Inhaltsverzeichnis

in unserer Märzausgabe 2016 finden Sie folgende

Beiträge:

altes Handwerk:

Birkenbesen selber herstellen

Wildpflanzen:

Birke

Interview:

Die Pilzexperten

Pilze:

Austernseitlinge

Stall und Hof:

Frühjahrsputz im Ziegenstall

Österreichische Gesellschaft für Tiergestützte

Therapie ÖGTT:

Sektion Gesundheits- und Krankenpflege

Mitglieder stellen sich vor

Special:

Ayam Serama, das Minihuhn

Junior:

Elche - seltene Einzelgänger

Haustierporträt:

Polski Owczarek Podhalanski

Herdenschutzhunde aus Polen

Garten:

Frühling im Garten

Volksheilkunde:

Bärlauch und Neunkräutersuppe

Impressum -Offenlegung

Herausgeber, Eigentümer und Verleger:

Mauritiushof Kreativteam - Dr.med. Dieter Schaufler , Rappoltschlag 13, 3914 Waldhausen

www.zentrum-mauritiushof.at, Tel 0043287720059

Chefredaktion: Dr.med. Dieter Schaufler

Grundsätze und Ziele: Mauritiushof Naturmagazin dient der Information über Natur, Pflanzen und Tiere, weiters sollen altes

Erfahrungswissen und neue innovative Ideen dem Leser näher gebracht werden. Ein kleiner Teil informiert über die Aktivitäten der

Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie ÖGTT

Kooperationspartner: Österreichische Gesellschaft für Tiergestützte Therapie ÖGTT, www.oegtt.at

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die persönliche und/oder wissenschaftliche Meinung des jeweiligen Autors wieder und fallen

in den persönlichen Verantwortungsbereich des Verfassers. Entgeltliche Einschaltungen fallen in den Verantwortungsbereich des

jeweiligen Auftraggebers und müssen nicht die Meinung von Herausgeber und Redaktion wiedergeben. Angaben über Dosierungen,

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für drucktechnische und inhaltliche Fehler. Alle Rechte, insbesondere das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung sowie der

Übersetzung, beim Eigentümer und Herausgeber.

Bezug: Gratisausgabe


Geschätzte LeserInnen !

Ich freue mich sehr, dass wir so viele LeserInnen schon bei unserer ersten Ausgabe begrüßen

durften !

Wir haben erfreulicherweise und ehrlicherweise unerwartet etliche tausend User und viele positive

Rückmeldungen erhalten und bemühen uns daher doppelt und dreifach, unser Mauritiushof

Naturmagazin weiter aufzubauen. Wir konnten spannende Menschen dazu bewegen, uns ihr Wissen

und ihre Erfahrung weiterzugeben, damit wir hoffentlich interessante und praxisnahe Artikel für Sie

zusammenstellen oder Ihre Aufmerksamkeit wecken können. Auch möchte ich mich an dieser Stelle

einfach dafür bedanken, dass Sie meinem „jungen“ Team und mir so geduldig Zeit geben, damit wir

uns weiterentwickeln können und besser werden dürfen. In unserer heutigen Zeit, wo wir alle einem so

großen Leistungsdruck ausgesetzt sind ist das absolut keine Selbstverständlichkeit. Ich möchte Ihnen

aber auch sagen, dass wir alle mit großer Freude und Begeisterung am Werk sind und immer mehr

Gefallen an unserer neuen schreibenden Tätigkeit gewinnen.

Ich möchte Sie als LeserInnen dazu einladen, uns Ihre Anregungen und Wünsche zu senden, uns

mitzuteilen an welchen Themen Sie interessiert sind und wir werden diese gerne aufgreifen und

recherchieren. Wir möchten für Sie ein Naturmagazin im Laufe der Zeit gestalten, das schlicht sinnvoll

ist, Ideen für den Alltag liefert und sich an den Wünschen und Interessen der LeserInnen orientiert.

Bitte helfen Sie uns, diesen Weg zu gehen.

Ihr,

Dieter Schaufler


Birkenbesen selber binden

„Reisabesen“, „Rialbesen“, Rutenbesen oder Hexenbesen sind nur ein paar Namen für den

urigen Birkenbesen. Unter Landwirten ist der „Rialbesen“ hoch geschätzt. Einige Betriebe in

unserer Gegend stellen diese auch noch selbst für den Einsatz am eigenen Hof her. Der

Reisigbesen eignet sich hervorragend für die Arbeit im Stall! Staubigen Schmutz kehrt er

genauso gut wie nasse Böden. Er passt sich auch gut an Unebenheiten und Ritzen an.

Industriell gefertigte Besen können ihm in der vielseitigen Verwendbarkeit nicht das Wasser

reichen. Wenn man den Reisigbesen häufig benutzt, hat er nach 3 Monaten ausgedient. Die

Zweige nützen sich ab. Selbst dann ist so ein Besen auch noch als Wärmespender in Form

von Brennholz gut.

Das Besenbinden war früher eine Tätigkeit für den Winter. Die Besen wurden meist von den

Knechten hergestellt. Je nach Gegend kann die Gestalt und Herstellung etwas variieren. Es

hat auch jede Familie ihre eigene Technik entwickelt, die von Generation zu Generation

verfeinert wird.

Ich möchte diese praktische Familientradition lernen und treffe mich mit meinem Vater und

meinem Großvater in der gut beheizten Werkstatt meines Elternhauses. Als ich ankomme ist

mein Vater schon fleißig am Werk. Er sitzt auf der „Hoazlgoaß“ und spitzt mit einem

„Roafmesser“ einen Besenstiel zu.


Überfordert? Ich auch. Fangen wir von vorne an:

Etwas Vorarbeit muss man leisten. Reisig und Stiele müssen gesammelt, entrindet und einen

Monat lang gelagert werden.

1. Reisig sammeln

Zu allererst muss Reisig

gesammelt werden. Das kann

von der Birke oder auch von der

Weide stammen. Bei uns ist die

Birke auf jeden Fall häufiger.

Birkenreisig ist also unsere

Grundlage für selbst gemachte

Besenborsten.

Gesammelt werden die

Birkenzweige in der blattfreien

Zeit. Traditionell wurden die

Zweige im Herbst geschnitten.

Es ist aber bis ins Frühjahr

möglich. Beim Sammeln soll

man eher junge Birken suchen.

Ihre Zweige sind biegsam und

robust zugleich. Nicht geeignet

ist das Reisig von alten Birken,

deren Zweige wie die einer

Trauerweide herunterhängen.

Abgefallene, ausgetrocknete

Ästchen taugen ebenfalls

wenig.

Man schneidet mit einer

Baumschere ca. 1m lange

frische Birkenzweige. Sie sollen

nicht zu dick und auch nicht zu

dünn sein. Der Besen soll

biegsam sein, aber beim

Kehren auch genügend

Widerstand leisten. Das

geschnittene Reisig wird in Bündel zusammengelegt, leicht verschnürt und nach Hause

transportiert.

Mein Vater sagt: „Host koa g’scheit’s Reisa, bringst koan g’scheitn Besen zaum.“

Das bekommt man mit der Zeit ins Gefühl.

Nach dem Sammeln werden ca. 20cm des dickeren Endes der Zweige entrindet und etwas

zugespitzt. Mein Opa zeigt mir wie.

Nach dem Zuschneiden wird das Reisig gebündelt. Am besten verschnürt man die Bündel

dann an 3 Stellen. Das Reisig wird dann ca. einen Monat lang an einem luftigen, trockenen

Ort (z.B.: Dachboden) gelagert, damit es sich schön glättet.


2. Besenstiel sammeln

Haselnuss, Fichte oder Weide eignen sich gut als Besenstiel. Man sucht sich ca. 1m lange,

gerade gewachsene Stangen. Am Besten entrindet man die Stiele sofort. Der Bockkäfer mag

Haselnuss besonders gerne! Frische Stämme kann man leicht mit einem scharfen Messer

entrinden. Diesen Arbeitsschritt kann man aber auch später machen.


Ran ans Werk!

Nachdem das Reisig einen Monat gelagert wurde, kann man sich ans Werk machen. Als

Werkzeug sind eine scharfe Klinge (Reifmesser, Stanleymesser oder Hacke), ein

ausgeglühter Bindedraht, eine Beißzange und ein robuster Kreuzschraubenzieher gefragt.

3. Das trockene Reisig vom Dachboden holen und die Bündel öffnen.

4. Den Stiel zuspitzen

Spätestens jetzt sollte man den Besenstiel entrinden. Für eingetrocknete Rinden eignet sich

dafür am Besten ein Reifmesser. Der Stiel sollte hierfür eingeklemmt werden. Eine

Schraubzwinge sollte man mit Karton oder Tüchern auslegen, damit das Holz nicht

beschädigt wird.


Am Bauernhof finden man auch noch oft eine alte Schnitzbank („Hoazlgoaß“). Das Holzstück

wird unter den Klemmkopf gelegt und dieser wird mittels Pedal mit den Füßen

niedergedrückt. Unser gutes Stück ist ein ca. 40 Jahre altes Modell.

Mein Opa erzählt uns bei der Arbeit, dass es auch ein wenig gefährlich ist auf der

„Hoazlgoaß“ mit dem „Roafmesser“ zu arbeiten.

Sein Großvater hatte sich in seiner Jugend das Reifmesser beim Schnitzen ins Knie

gestoßen. Sein Knie war danach sein Leben lang steif. Zum Arzt ist man in dieser Zeit mit so

einer Verletzung nicht gegangen, „es hot jo koan gebm“.


Das dickere Ende wird danach zugespitzt. Dazu eignet sich ein Reifmesser oder eine Axt. Es

geht darum, den Stiel so zu präparieren, dass er leichter in das Birkenreisig hineinrutscht

(siehe später).


In das zugespitzte Ende wird in ca. 10cm Abstand zum Spitz ein Loch gebohrt. Dieses dient

später zum Befestigen des Birkenreisigs.


5. Das Reisig locker an den

Stiel binden

Die Borsten werden nun aus dem

gelagerten Birkenreisig gefertigt. Für

einen Besen reichen zwei bis drei

Hände voll geglättetem Reisig. Das

Reisig gleichmäßig zusammenlegen,

so dass die entrindeten Enden auf

der gleichen Höhe liegen.

Von einem Bindedraht ein ca. 1

Meter langes Stück

abschneiden und einmal

zusammenlegen.

Das Reisig ca. 10cm vom

entrindeten Ende weg mit dem

zusammengelegten Draht 2x

umschlingen. Diese Stelle muss

beim Kehren viel Belastung

aushalten.

Den Draht unter Zug mit einer

Beißzange so festdrehen, dass

das Reisig locker zusammenhält

und noch ein Stiel hineinpasst.

Den überschüssigen Draht mit

der Beißzange wegzwicken.

Dann das angespitzte Ende des

Besenstiels in das Besenreisig

stecken. Mit dem Stiel auf den

Boden klopfen, dabei das Reisig

halten. Der Stiel soll ca. 30cm

tief im Reisig stecken.


6. Den Draht fest ziehen

Als nächstes braucht man 2 Stücke

Draht mit ca. 50cm Länge. Beide legt

man 1x zusammen.

Nun teilt man die Borsten in 2 Teile, ein

Stück Draht fädelt man durch das Loch,

umwickelt einen Teil einmal und dreht

ihn mit der Beißzange unter Zug fest.

Das gleiche macht man mit der

anderen Hälfte.

Achtung: der Draht soll nicht zu fest

gezogen werden. Man soll noch

locker mit einem Schraubenzieher

unter dem Draht hindurch kommen.


So und jetzt kommt ein

praktischer Trick:

An der Vorderseite fährt man mit

dem Schraubenzieher unter dem

Draht durch und dreht eine

Schlinge. So lange drehen bis das

Reisig schön fest zusammenhält.

Diese Schlinge wird bei allen 3

Drahtstellen unseres Besens

gemacht.

Hier ist Fingerspitzengefühl

gefragt. Der Draht kann dabei

leicht reißen.

Wozu dieser Aufwand?

Es kann sein, dass das Reisig

noch etwas nachtrocknet, oder

der Besen bei Gebrauch locker

wird. Mit dieser Schlinge kann

man den Draht nachträglich

straffen. Sehr praktisch!


Statt dem Draht werden mancherorts auch noch heute eingeweichte halbierte Weidenzweige

verwendet. Das Reisig wurde mit nassen Weidenstreifen am Stiel festgebunden. Beim

Trocknen zogen sich diese bombenfest zusammen.

7. Das Finish

Unser Werk sieht schon ganz gut nach Besen aus. Ein paar Kleinigkeiten fehlen noch.

Das Birkenreisig ist

sehr weich und

biegsam. Deswegen

nimmt man noch die

feinen Ästchen weg.

Als optischen Feinschliff

kann man die am Stiel

überständigen

Borstenenden noch

einkürzen.


Zum Schluss werden die

fertigen Besen aufgelegt,

mit einem Pfosten

beschwert und ca. einen

Monat so gelagert. Die

Kehrfläche des Besens

wird dadurch breiter.

Wenn man möchte kann man

auch noch den Stiel mit etwas

Schleifpapier glätten.

Mein Opa erzählt mir, dass

früher, als es so etwas noch

nicht gab, Glasscherben für

den Feinschliff verwendet

wurden. Er verschwindet kurz

und kehrt mit einem

zerbrochenen Marmeladeglas

wieder, um es mir zu

demonstrieren.


Birkenbesen in Kleinformat

Wer die viele Arbeit scheut oder nicht das Werkzeug dazu hat, aber trotzdem auf das

frühjährliche Kehrritual nicht verzichten möchte, der kann sich auch einen kleinen

Birkenbesen ohne Stiel machen.

Dazu, wie vorher beschrieben, einfach eine Hand voll Reisig nehmen, am Ende mit Draht

festbinden. Im ersten Drittel die Borsten in zwei Hälften teilen und jede Hälfte mit Draht

festbinden. Dadurch wird der Besen etwas breiter. Die Schlingen zum Nachziehen sind hier

nicht unbedingt notwendig. Ich verzichte darauf.

Während ich mit dem kleinen Besen beschäftig bin, vergleicht mein Vater zwei von ihm

gefertigte Besen und schmunzelt über ein etwas dicker geratenes Exemplar: „Na da hama

aber einen großen Airbus gemacht.“

Zum Schluss umwickle ich den Griffbereich noch mit Spagat. Das schaut schön aus und fühlt

sich in der Hand gut an.

Fertig!


Magisches hat so ein Birkenbesen auch drauf:

beim rituellen Kehren im Frühjahr vertreibt er die Wintergeister aus Haus und Hof. Tja und

wenn alle Stricke reißen, tut er es auch als Fortbewegungsmittel.

Ab nachhause auf dem Nimbus 2016!

Autorin: Gerda Holzmann BSc,

Dipl. Wildkräuterguide, Zertifizierter Wildkräuterguide der

Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie,

Dipl. Holistische Kinesiologin

Mail: praxis@gerdaholzmann.at,

Web: www.gerdaholzmann.at


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Die Birke

Botin des Frühlings


Die Birke ist ein

von Bräuchen

umringtes

Frühlingssymbol.

Bereits in der

Jungsteinzeit

nützte die Birke

den Menschen.

Belegt wurde das

durch den Fund

eines rund 5000

Jahre alten Stück

Birkenharz mit

Zahnabrücken.

Dabei handelt es

sich vermutlich um

den ältesten

Kaugummi der

Welt. Da

Birkenharz

Karbolsäure

enthält, könnten es

die Menschen

damals

antiseptische

Zahnpflege

verwendet haben.

Pionierbaum

Die Birke ist auf der gesamten Nordhalbkugel weit verbreitet. Weltweit gibt es bis zu 100

Birkenarten. Davon sind in Österreich vier heimisch: die Hänge- oder Warzenbirke (Betula

pendula, B. verrucosa od. Betula alba), die Strauchbirke (B. humilis), die Moorbirke (B.

pubescens) und die Zwergbirke (B. nana).

Die Birke gilt als Pionierbaum. Sie war eine der ersten Bäume, die nach der Eiszeit vor zirka

10.000 Jahren unser Gebiet besiedelte. Sie mag es hell, ist aber sonst sehr bescheiden, was

ihren Standort betrifft.

Als Pionierpflanze fühlt sich die Birke auf noch so kargem Land wohl, wo noch wenige andere

Pflanzen zu wachsen vermögen. Durch den Humus, der von ihrem abgefallenen Blattwerk

entsteht, bereitet sie den Boden für Nachfolger vor.


Die Birke ist der frosthärteste Laubbaum. In Skandinavien gibt es richtige Birkenwälder. Bei

uns ist die Birke eher in Hainen, Böschungen, an Waldrändern oder auf Lichtungen

anzutreffen.

Durch ihre Zuneigung zum Licht, steht die Birke oft exponiert. Sie weiß sich aber zu helfen:

Ihre biegsamen Zweige leisten wenig Widerstand gegen den Wind und ihr schwarz-weiß

gemusterter Stamm schützt sie vor zu starker Sonneneinstrahlung. Besonders im Winter ist

diese Eigenschaft von Vorteil!


Botanik

Birken erkennt man an ihrer schwarz-weißen Borke, ihrer lockeren Krone und ihren

rautenförmigen, am Rand gezackten Blättern. Sie hat eine schlanke Wuchsform und feine

Äste.

Die weiße Borke erhält die Birke durch die Einlagerung von Betulin. Es dient als Schutz vor

Schädlingen und reflektiert Sonnenlicht vollständig.

Die Birke ist einhäusig. Auf einer Birke kann man weibliche und männliche Kätzchen finden.

Die männlichen Kätzchen können bis zu zehn Zentimeter lang werden, sie hängen am

Zweigende. Auch im Winter sitzen die männlichen Kätzchen an den Birkenzweigen, da sie in

der vorangegangenen Vegetationsperiode gebildet werden.

Weibliche Kätzchen wachsen aufrecht aus den Knospen, sobald die Blätter austreiben. Diese

werden in der Blütezeit von Ende März bis Anfang Mai durch Windbestäubung befruchtet. Es

bilden sich geflügelte Nussfrüchte, die sich in der Zeit von September bis Oktober auf die

Suche nach neuem Boden machen.

Namensgebung

Ihr weites Verbreitungsgebiet ist der Grund dafür, warum man in der gotischen als auch in der

altindischen Sprache eine Bezeichnung für die Birke finden kann. Die Namen „bairths“ (got.)

und „bharg“ (altind.) bedeuten so viel wie “glänzen” oder “hell sein”. Dabei bezog man sich

wohlmöglich auf die helle, leuchtende Rinde.

Die Birke gehört zur Familie der Birkengewächse. Im Volksmund nennt man die Birke auch

Frühlingsbaum, Maibaum oder Besenbaum.

Frühlingsbaum

Bei den Kelten, Germanen Slawen wurde die Birke als Baum des Anfangs, Neubeginns oder

als Lebensbaum verehrt. Die Birke ist einer der ersten Bäume, die nach dem Winter

austreiben und das Erwachen der Natur anzeigen.

Die Kelten weihten die Birke der Göttin Brigid, die Germanen der Freyja. Sie waren Göttinnen

des Frühlings, des Lichts, der jugendlichen Liebe und der Fruchtbarkeit.

Bei Mangel an Lebensfrische und Liebeslust wurde deshalb oft die Birke als Hilfsmittel

herangezogen. Um die Vitalität der Birke zu übertragen, berührte man alles, was „Früchte“

tragen sollte mit frisch ausgetriebenen Birkenzweigen. Seien es Felder, Vieh oder junge

Frauen und Ehepaare.


Die Birkenrute

Der Birke sagte man auch nach, dass sie im Stande wäre, schlechte Energien zu vertreiben.

Ihre Zweige wurden zum Schutz gegen Dämonen und böse Geister oder vor Unwetter, die zu

Missernten führen hätten können, angewandt.

Und womit könnte man ungebetene, körperlose Gäste (neben dem Räuchern) besser

vertreiben als mit einer Rute oder mit einem Besen? Ein alter Brauch im Frühling ist bei uns

das „Winter ausfegen“. Traditionell werden mit einem Besen aus Birkenreisig Haus und Hof

von den Ablagerungen des Winters befreit.

Eine Birkenrute war bis ins 19. Jahrhundert, an Schulen sogar bis ins 20. Jahrhundert, ein

offizielles Instrument der Bestrafung. Auch der Nikolaus und der Krampus tragen Birkenruten

mit, um unfolgsame Kinder zurechtzuweisen.

Im Finnischen und Russischen Wellnessbereich hat die Birkenrute beim Saunieren in Form

eines Wenik-Aufgusses bis heute ihren Platz. Mit eingeweichten Birkenzweigen wird Wasser

auf den Saunasteinen verteilt. Zu dieser Zeremonie gehört auch das gegenseitige leichte

Schlagen und Massieren der Saunagäste mit Birkenzweigen, um die Blutzirkulation

anzuregen.

Liebesmaien

Die Birke gilt seit dem Mittelalter als Träger einer Liebeserklärung. Die „Liebesmaien“ ist ein

mit Bändern und Herzen geschmücktes Birkenbäumchen. Junggesellen stellten dieses in der

Nacht zum 1. Mai vor dem Fenster ihrer Maid auf. Dieses blieb einen Monat lang stehen. Am

1. Juni holte der Werber sein Bäumchen wieder ab. Gab es auch Interesse seitens der

Damen, wurde der Jüngling zum Essen eingeladen oder mit einem Kuss belohnt. In manchen

Teilen Deutschlands wird dieser Brauch bis heute praktiziert.

Fronleichnam

In einem christlichen Hochfest spielt die Birke ebenfalls eine große Rolle, Fronleichnam. Der

Name leitet sich vom mittelhochdeutschen „vrône lîcham“ ab, was so viel wie „des Herren

Leib“ bedeutet. Das Fest steht in engem Zusammenhang mit dem Gründonnerstag und wird

deshalb ebenfalls immer an einem Donnerstag abgehalten. Es wird die Lebendigkeit Christi

gefeiert.

Deshalb wundert es nicht, dass in nahezu jeder österreichischen Gemeinde zu Fronleichnam

die Straßen für die an diesem Tag stattfindende Prozession mit Birken geschmückt sind.

Es ist auch üblich, sich nach dieser Prozession Birkenzweige von den Bäuchen abzubrechen

und mit nach Hause zu nehmen. Sie sollen Schutz und Segen ins Haus bringen.


Die Birke als Kraftspender

Eine hübsche Erscheinung ist die Birke und wenn man noch dazu von der Kraft und dem

Nutzungsspektrum der Birke hört, könnte man sich doch glatt gleich in den Baum selbst

verlieben!

Birkenknospen

Birkenknospen enthalten ein

wertvolles ätherisches Öl.

Dieses wird für

Birkenhaarwässer aus der

Knospe destilliert. Tee aus

Birkenknospen ist bei den

Finnen als schweißtreibendes

und hustenlinderndes Getränk

sehr beliebt.

Auch frisch kann man die

Knospen knabbern. Sie

schmecken harzig, süßlich und

im Abgang etwas herb. Die

bereits aufgesprungenen

Knospen können zur

Frühjahrskur hinzugezogen

werden.

Birkenblätter

Birkenblätter haben einen

hohen Gerbstoffgehalt,

Saponine, Bitterstoffe, Vitamin

C, Mineralstoffe wie z.B. Kalium

und Calcium sind ebenfalls

enthalten. Junge Birkenblätter

schmecken frisch säuerlich,

leicht bitter und etwas

zusammenziehend. Als

wertvoller Nährstofflieferant

passen sie gut in Salate oder Aufstriche.

Tee aus Birkenblättern treibt vor allem den Harn, was eine Reinigung des gesamten

Organismus unterstützt. Hermann-Josef Weidinger empfiehlt, 2EL getrocknete Birkenblätter

mit 1/2l kaltem Wasser zu übergießen und kurz aufwallen zu lassen, danach 15min. ziehen

lassen. Der Tee sollte nicht gekocht werden. 3x täglich 1/4l einverleiben.

Als Mittel zur Blutreinigung, bei Wasseransammlungen, bei Hautausschlägen, Rheuma und

Gicht sind die Birkenblätter wohl bekannt. Auch zum Austreiben des „Scharbocks“ (Skorbut),

von Darmschmarotzern, dem bis ins 19. Jahrhundert in Deutschland vorkommenden

Wechselfieber, oder der Krätze bediente man sich der Birkenblätter.


Ein Bad in trockenen Birkenblättern oder frisches Birkenlaub in die Schuhe gelegt, sollte bei

unterdrücktem Schweiß helfen. Fußbäder mit der Birkenrinde hingegen, sollten genau den

gegenteiligen Effekt haben, nämlich Fußschweiß zu mindern.

Obwohl die Birkenblätter als sanftes Durchspülungsmittel gelten, ist bei eingeschränkter

Herz- oder Nierentätigkeit Vorsicht geboten. Keine Durchspülungstherapien durchführen.

Birkensaft

Im Volk wird dem

Birkensaft enorm

kräftigende

Eigenschaften

zugeschrieben.

Bereits die

Germanen zapften

Birkensaft als

Stärkungs- und

Schönheitstrunk.

Wertvolle

Mineralstoffe,

Aminosäuren,

Spurenelemente,

Fruchtsäuren und –

Zucker, sowie

Traubenzucker und

Vitamin C sind im

Birkensaft enthalten.

Genau das, was

man nach einem langen Winter zum Aufpeppeln brauchen kann. Mehrmals täglich ein

Stamperl zu sich genommen, soll der Birkensaft den Vitamin C Bedarf stillen. Wie die

Birkenblätter, wird auch der Birkensaft zur Blutreinigung, bei Hauterkrankungen und als

wassertreibendes Mittel genutzt.

Einreibungen der Kopfhaut mit Birkensaft geben laut Volksanwendung dem Haar Kraft,

fördern den Haarwuchs und beseitigen Schuppen. Gesichtswaschungen wurden zur

Entfernung von Sommersprossen gemacht. Dafür hat sich bis heute keine wissenschaftliche

Erklärung gefunden.

Die beste Zeit, um Birkensaft zu gewinnen, ist nach den letzten Frösten noch vor dem

Austreiben der Blätter. Geeignet sind Birken mit mindestens 20cm Stammdurchmesser. Nach

Absprache mit dem jeweiligen Besitzer, bohrt man ein 2-3cm tiefes Loch in 20-30 cm

Stammhöhe. Mit einem Strohhalm oder Glasröhrchen kann man den Saft in ein Glasgefäß

fließen lassen. Pro Tag können gut 1 Liter Saft aus der Birke fließen. Um die Birke zu

schonen, sollte man nach 5 Litern das Loch mit Harz wieder verschließen und nur alle 2

Jahre Saft von demselben Baum holen. TIPP: Bei jungen Birken kann Saft auch von

angebrochenen Ästen gewonnen werden.


Birkenpech

Durch trockene Destillation der Rinde kann man Birkenpech gewinnen. Dazu werden

Rindenstücke in einem Gefäß erhitzt. Bereits in der Steinzeit wurde Birkenpech sowohl als

Alleskleber für die Herstellung oder Reparatur Gebrauchsgegenstände und Waffen, als auch

als Abdichtmittel für zum Beispiel Kanus verwendet.

Die Pfeilspitzen der Pfeile die Ötzi bei sich trug waren mit Pflanzenfasern und Birkenteer

(Vorstufe von Birkenpech) am Schaft befestigt.

Zur Pflege von schuppigen Hautkrankheiten sowie als Insektenschutz soll Birkenteer für

Mensch und Tier geeignet sein.

Autorin: Gerda Holzmann BSc,

Dipl. Wildkräuterguide, Zertifizierter Wildkräuterguide der

Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie,

Dipl. Holistische Kinesiologin

Mail: praxis@gerdaholzmann.at,

Web: www.gerdaholzmann.at


Die

Pilzexperten

Ein Interview mit

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber

& Thomas Bardorf

Redaktion:

Frau Professor Greilhuber, was sind Ihre

Anliegen als Präsidentin der Österreichischen

Mykologischen Gesellschaft?

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

Es ist mir wichtig, dass die Leute Spaß an den

Pilzen haben, die Erholungsfunktion im Wald

nutzen, weiters sollten die Menschen nicht nur

die Speisepilze kennen, sondern natürlich auch

die Giftpilze, um eventuellen Schaden zu

vermeiden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt liegt für mich auch

darin, Menschen zu begeistern, dass sie nicht

nur die gängigen Speisepilze erkennen, sondern

insgesamt Interesse an den Pilzen gewinnen,

deren Ökologie und Stellenwert in der Natur

erkunden wollen. Dabei helfen natürlich

Pilzkurse, Pilzberatungsstellen und Exkursionen

entsprechend weiter.

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber

Präsidentin der Österr. Mykologischen

Gesellschaft, Wien


Redaktion:

Inwieweit wirken sich die momentanen klimatischen Veränderungen auf die Ökologie unserer

heimischen Pilze aus?

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

Eine wichtige und interessante Frage. Hier gibt es mehrere Aspekte zu beachten. Einerseits

kommen mediterrane Pilze zu uns nach Österreich, andererseits verschieben sich zum Teil die

Vegetationsperioden unserer heimischen Pilzarten. Manche Frühjahrspilze treten nun

wesentlich früher im Jahr auf, Herbstpilze wiederum sehen wir nun länger im Jahr, manche mit

2 Spitzen im Jahr, im Herbst und nun auch im Frühjahr. Einige Herbstpilze treten nun sogar

den ganzen Winter über in Erscheinung, da sich unsere Frostperiode deutlich verkürzt hat.

Einer der Trompetenschnitzlinge wächst beispielsweise das ganze Jahr über und neben den

typischen Winterpilzen wie dem Winterrübling und dem Austernseitling jetzt auch verstärkt den

ganzen Winter über.

Redaktion:

Herr Bardorf, wie steht es tatsächlich um die oft gelobte Heilkraft der Pilze?

Thomas Bardorf

Pilzsachverständiger, Pilzberater

Wien

Thomas Bardorf:

Die Diskussion zu diesem Thema läuft etwas divers. Zum Teil wird die Heilkraft der Pilze

deutlich überschätzt, was meist an der Darstellung nicht ganz seriöser Medien liegt.

Andererseits werden Inhaltsstoffe insbesondere der holzbesiedelnden Pilze bereits in der

Tumortherapie genutzt. In der begleitenden Tumortherapie ist besonders die Schmetterlings-

Tramete hervorzuheben, deren Inhaltsstoffe werden mittlerweile allerdings synthetisch


hergestellt. Man findet regelmäßig neue Substanzen in den Pilzen, die besonders zur

Immunmodulation herangezogen werden können. Es scheint überhaupt das Primum an der

Funktion der Pilze zu sein, dass sie nicht insgesamt unselektiv das Immunsystem pushen,

sondern sehr gezielt ihre Wirkung entfalten können. Das sehen wir zum Beispiel beim

Birkenporling, der ganz selektiv seine antientzündliche Wirkung im Magen-Darmtrakt und

insbesondere eine antibiotische Wirkung auf den Keim Campylobacter entfaltet…

Redaktion

….den Birkenporling fand man ja auch schon als Utensil beim Mann im Eis, unserem Ötzi….

Thomas Bardorf:

….Ja, wahrscheinlich war uns Menschen seine antientzündliche Wirkung schon in der

Jungsteinzeit bekannt.

Später nutzten die römischen Wundärzte der Antike, die im Tross der Heere mitgeführt

wurden die Heilkraft der Pilze. So wurden zum Beispiel Verbände zur Wundheilung aus dem

Zunderschwamm hergestellt und eingesetzt. Die größte diesbezügliche Heilkraft hat der

Lärchenschwarm, der insbesondere bei der Überquerung der Alpen durch die Römer in seiner

Wirkung entdeckt wurde. Aber gerade wegen dieser Heilwirkung wurde er in weiterer Folge

Zunderschwamm

bei uns in den Alpen nahezu ausgerottet. Sein Bestand reduziert sich auf wenige

urwaldähnliche Lärchenbestände in den Schweizer Alpen, in Südtirol und auch bei uns in

Österreich. Sein primäres Vorkommen ist heute vorwiegend in Asien, den Lärchenbeständen

der endlosen Weiten der russischen Taiga.

Der Zunderschwamm wiederum ist neben seiner Heilwirkung auch von großer wirtschaftlicher

Bedeutung, da er DER vorherrschende Schwächeparasit der Buche ist. Es genügen schon

kleine mechanische Verletzungen am Stamm einer Buche, beispielsweise durch einen

Specht, forstwirtschaftliche Fahrzeuge, Blitzschlag oder Risse in der Rinde des Baumes, um

eine Infektion zu setzen. Auch die zunehmende Klimaerwärmung ist dieser Entwicklung leider

zuträglich.


Durch die zunehmende Trockenheit gibt es mehr Risse in der Rinde der Bäume und damit

steigt der Befall durch den Zunderschwamm.

Der Zunderschwamm hat einen weichen Myzelialkern, der herausgeschnitten werden kann.

Dieses Gewölle ist einerseits leicht entflammbar und andererseits entwickelt es eine lange

Glimmdauer. So konnte in früheren Zeiten Feuer leicht entzündet, beziehungsweise auch von

Ort zu Ort transportiert werden. Das Hutfleisch des Zunderschwamms wird gewalkt, wirkt dann

optisch wie Rauhleder und wird zur Herstellung von Hüten, Handtaschen und Zierdeckchen

bis zum heutigen Tag beispielsweise in Rumänien verwendet.

Redaktion:

Frau Prof.Dr. Greilhuber wie beurteilen Sie die Strahlenbelastung unserer heimischen Pilze,

ein leider immer noch aktuelles Thema?

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

Ja gerade bei Ihnen im Waldviertel ist das leider weiterhin ein ernstes Thema. Die Intensität

der Strahlenbelastung ist regional stark schwankend. Wo radioaktive Wolken zu Boden

gegangen sind, beziehungsweise auch von der Vegetation abhängig gibt es große

Unterschiede. Gerade Moos bewachsene

Böden sind stärker betroffen.

Verschiedene Pilzarten sind davon auch

stärker betroffen, leider auch der häufig als

Speisepilz verwendete Maronen-Röhrling.

Aber auch hier gilt: die Dosis macht das

Gift !

Redaktion:

Frau Prof.Dr. Greilhuber eine allgemeine

Frage: Wo positionieren wir uns

ÖsterreicherInnen im internationalen

Vergleich in Sachen Pilze? Sind wir

Pilzesser und Pilzfreunde oder gehören

wir eher zu den Pilzmuffeln in Europa?

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

Wir liegen in Sachen Pilze etwa in der

Mitte. Es gibt ausgesprochen pilzphobe

Nationen wie zum Beispiel die Briten - hier

finden Sie auch kaum Literatur zum

Kochen und Essen von Pilzen. Zum

anderen auch absolut pilzfreundliche

Nationen wie zum Beispiel die Tschechen

oder Slowaken, wo es fast eine Art

Volkssport ist in den Wald zu gehen und

Pilze zu suchen. Hier ziehen oft ganze

Familien zum Wochenende in die Wälder

aus und suchen nach Pilzen. Auch die

Italiener lieben ihre Pilze. In Österreich

werden immerhin etwa 200 Tonnen

Wildpilze pro Jahr in den Wäldern

gesammelt und in den Handel gebracht, dabei ist der private Eigenverbrauch gar nicht

mitgerechnet oder erfasst. Diese privaten Tonnagen sind schwer erfassbar und unterliegen ja

auch bundesländerspezifischen Sammelbeschränkungen, die sehr unterschiedlich sind und

dann auch mehr oder weniger eingehalten werden.


Thomas Bardorf:

Dazu muss man anmerken, dass zur Zeit ein Trend zur Zunahme des Pilzsammelns zu

verzeichnen ist, wahrscheinlich infolge der allgemeinen Stimmung „back to nature“. Auch in

der österreichischen Küche werden zunehmend Pilze eingesetzt, natürlich auch solche aus

entsprechenden Zuchten. Zuchtpilze sind eine gute und willkommene Alternative, sie haben

keine Strahlenbelastung und sind vor allem auch sicher bestimmt.

Redaktion:

Welche Pilze eigenen sich denn besonders für solche Zuchtansätze?

Thomas Bardorf:

Es gibt eine zunehmende Anzahl von Zuchtpilzen, aber der Champignon ist nach wie vor die

Nummer eins unter den Zuchtpilzen. Jetzt tauchen immer mehr exotische Pilze wie das

Japanische Stockschwämmchen, einige Arten der Ackerlinge, natürlich der bekannte

Shiitake und der Austernpilz auf.

Redaktion:

Welcher Pilz ist denn am einfachsten zu kultivieren? Seit Jahren möchte ich meine eigenen

Pilze nicht nur im Wald, sondern auch im Hausgarten ernten. Welchen Pilz können Sie da für

unsere LeserInnen empfehlen?

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

Am einfachsten sind sicher die Austernseitlinge zu kultivieren. Bei Ihnen im Waldviertel gibt

es den Pilzgarten der Familie Wurth (www.pilzgarten.at Anmerkung der Redaktion), die sich

intensiv und regional mit diesem Thema beschäftigt.

Austernseitlinge


Sehr innovativ arbeitet Herr Walter Haidvogl zu diesem Thema schon seit vielen Jahren hier in

Wien (www.pilz-kultur.at Anmerkung der Redaktion), der mit seiner Erfahrung gerne zur Seite

steht. Der größte Produzent in Sachen Pilze hier in Österreich ist die Familie Edlinger im

Marchfeld (http://www.marchfelder-bio-edelpilze.at Anmerkung der Redaktion).

Redaktion:

Welcher Pilz liefert in Österreich die häufigsten und vor allem gravierendsten Pilzvergiftungen?

Grüner Knollenblätterpilz

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

Die gravierendsten Vergiftungen entstehen durch den Grünen Knollenblätterpilz. Leider wird

gerade die Vergiftung mit diesem Pilz erst nach sechs Stunden bis zu zwei Tagen erkannt und

dann ist der Organschaden insbesondere der Leber meist schon so groß, dass Hilfe sehr

schwierig ist. Einzig eine Lebertransplantation könnte noch helfen. Der Grüne Knollenblätterpilz

kann einerseits mit dem Parasol, andererseits mit dem Grünen Speise-Täubling, aber auch

jungen Champignons und Stäublingen verwechselt werden.

Die häufigsten Vergiftungen sind gastrointestinale Vergiftungen, also Brechdurchfälle und die so

genannten unechten Pilzvergiftungen, also eingebildete Vergiftungen.


Redaktion:

Sie meinen also, die Menschen haben gar keine Giftpilze verzehrt, sondern bilden Symptome,

die aus Angst vor einer echten Pilzvergiftung entstehen?

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

Ja, genau. Herzrasen, Magenbeschwerden bis zum Erbrechen, Durchfälle und so weiter nach

dem Genuss von völlig ungiftigen Pilzen. Manche Menschen essen die Pilze zuerst und

schauen erst anschließend in ein Pilzbestimmungsbuch und dann entsteht die Angst, einen

Giftpilz verzehrt zu haben und entsprechende Symptome werden gebildet…..

Redaktion:

…..unglaublich…..

Univ.Prof.Dr. Irmgard Greilhuber:

….aber unter solche unechten Vergiftungen fallen auch jene Erscheinungen, die durch den

Genuss verdorbener oder nicht ausreichend gekochter Pilze entstehen. Dies sind eigentlich

Lebensmittelvergiftungen und sind nicht Symptome einer Pilzvergiftung. Gastrointestinale

Symptome entstehen durch den Genuss zu kurz gebratener Pilze wie zum Beispiel dem Parasol

oder auch durch Genuss roher Röhrlinge, also bekannter Speisepilze wie Maronenröhrlinge,

Birkenpilze oder Rotkappen. Diese Pilze sind roh genossen giftig.

Redaktion:

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Greilhuber, werter Herr Bardorf, vielen Dank für ihre interessanten

Ausführungen und die Zeit für dieses Interview.

Weiterführende Links:

Österreichische Mykologische Gesellschaft http://www.myk.univie.ac.at

Pilzkurs 2016 am Zentrum Mauritiushof mit Thomas Bardorf:

http://www.zentrum-mauritiushof.at/mauritiushof-academy-unsere-lehrgänge/pilzkurs-ammauritiushof/


Der Austernseitling

Pleurotus ostreatus (Jacquin 1775) Kummer 1871

Porträt einer pilzlichen Delikatesse des Winterhalbjahres

Autor (Text und Fotos): Thomas Bardorf

Österreichische Mykologische Gesellschaft

Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien

A-1030 Wien, Rennweg 14

http://www.myk.univie.ac.at

0650 / 6103251

Gesehen hat ihn wohl jeder schon, denn als ebenso schmackhafter wie

ergiebiger Zuchtpilz hat es der Austernseitling längst in die Gemüse-

Abteilungen der Nahversorger-Ketten geschafft, und auf dem

Viktualienmarkt hat er soundso von alters her seinen festen Platz. Im

Handel findet sich heute fast ausschließlich eine sehr helle Kulturform.

Die Wildformen des sehr plastischen Austernseitlings treten in

unterschiedlichen und zumeist dunkleren Farben auf, weswegen der Laie

in solchen Funden nicht unbedingt die vom Supermarkt bekannte Art

wieder erkennt.

Woher und in welchem Farbton auch immer der Austernseitling auf den

Tisch kommt: Einer der wohlschmeckendsten Speisepilze überhaupt,

weiß er in vielen Zubereitungsarten zu überzeugen.

Doch nicht nur gaumenseitig ist der Austernseitling ein Vielkönner.

Als effizienter Zersetzer erfüllt er eine wichtige Rolle im Stoffkreislauf der

Natur durch Recycling von Totholz. Als Wund- und Schwächeparasit ist er

wesentlich an der Selektion kranker und bruchgefährdeter Bäume

beteiligt und kann er solchermaßen als Gesundheitspolizist des Waldes

den parasitischen Porlingen (z. B. Zunderschwamm) allemal das Wasser

reichen.

Einer der wenigen potentiell carnivoren (fleischfressenden) Pilze, macht

sich der Austernseitling bei Bedarf auch als Vertilger von Fadenwürmern

beliebt, deren einige bei Mensch und Tier schwerwiegende Erkrankungen

verursachen können. Damit nicht genug, haben Pharmakologen eine

Vielzahl hochinteressanter Verbindungen aus dem Austernpilz isoliert, die

einerseits in der Umwelttechnik bereits erfolgreich zur Anwendung

kommen, vor allem aber solche, die mit großer Wahrscheinlichkeit in


naher Zukunft neue therapeutische Ansätze in der Behandlung maligner

Tumoren und anderer Erkrankungen ermöglichen werden.

Der Reichtum des Austernseitlings an Vitaminen, essentiellen

Aminosäuren und Spurenelementen machte ihn insbesondere in den

Kriegs- und Nachkriegsjahren zu einem hochwertigen Fleischersatz und

spricht auch unter diesem Aspekt nicht eben wenig dafür, dass man sich

heute wieder vermehrt seiner kulinarischen Qualitäten besinnen möge.

Letztere betreffend sei nicht verschwiegen, dass an natürlichem Substrat

gesammelte Austernpilze ein meist lohnenderes Geschmackserlebnis

bieten als die in Zellophan verpackten und nicht immer wirklich frischen

Zuchtpilze aus dem Regal, zumal diese mehrheitlich importiert werden

und dementsprechende Transport- und Lagerzeiten hinter sich haben.

Im Folgenden gibt der Verfasser dem geneigten Leser eine detailreiche

Beschreibung der makroskopischen Merkmale des Austernseitlings an

die Hand, die ein sicheres Identifizieren von Eigenfunden ermöglichen

sollte. Dieser Anspruch kommt nicht ohne die Erörterung von

Verwechslungsmöglichkeiten aus, weswegen hier einige weitere Pilzarten

mit ähnlichen Fruchtkörpern vorgestellt werden. Darüber hinaus wird am

Beispiel des Austernseitlings das Vorgehen bei der Pilzbestimmung nach

dem Ausschlussprinzip dargelegt, die sogenannte Differentialdiagnose,

indem die bestimmungsrelevanten Merkmale Schritt für Schritt

herausgearbeitet und mit jenen von ähnlichen Arten verglichen werden.

Um die Variationsbreite des Austernseitlings und der Pilze im Allgemeinen

zu verdeutlichen, werden Abbildungen typischer und weniger typischer

Exemplare gezeigt.

Aussehen und Ökologie des Austernseitlings und seine Bestimmung im

Felde

Die Fruchtkörper der meisten Pilzarten weisen eine charakteristische

Form und Anordnung der Fruchtkörperteile auf, einen arttypischen

Habitus. Auch Wuchsweise und Positionierung der Fruchtkörper am

Substrat, der sogenannte Aspekt, liefern entscheidende Hinweise zur

Feststellung einer Art.

Habitus und Aspekt des Austernseitlings stichwortartig umrissen:

Seitlich gestielte und meist spatelförmige Fruchtkörper, weit am Stiel

herablaufende Lamellen und büscheliger Wuchs an meist vertikalen


Substratteilen. Als bestimmungswichtige Merkmale werden diese Attribute

hier eingehender besprochen werden.

Die Farben der Fruchtkörper sehr vieler Pilzarten sind mehr oder minder

variabel, und häufig ändern sie sich zusätzlich mit dem Alter. Der

Austernseitling macht hier keine Ausnahme. Er kann in verschiedensten

Brauntönen und allen Schattierungen von Grau bis Silbrig angetroffen

werden. Als besonders schmackhaft gilt die zugleich dekorativste der

mitteleuropäischen Formen, der vor allem an Weiden zu beobachtende

taubenblaue Pleurotus ostreatus var. columbinus.

Für den Pilzfreund ist wichtig zu wissen, dass die häufig inkonstanten

Farben der Pilze (gemeint sind hier die Farben der Huthaut) in der Regel

kein verlässliches Bestimmungsmerkmal sind.

Abb. 1:

2007-11-22 Rohrau an der Leitha, Auwald, frische Fruchtkörper des Austernseitlings

(var. columbinus) an der Oberseite eines liegenden Stammes von Salix (Weide)

Schon bei Erreichen der Sporenreife verblassen die oft recht dekorativen

Farben junger Austernseitlinge zu schmucklosem Graubraun oder

Hellgrau. Was es mit der Sporenreife auf sich hat und wie man diese

erkennt, wird weiter unten ausgeführt. Dieses Verblassen der Hutfarbe

durch Wasserverlust, die Hygrophanität, ist ein taxonomisch wichtiges

Merkmal und nicht nur beim Austernseitling bestimmungsrelevant. Das


hierbei zu beachtende Kriterium ist die Art und Weise des Ausblassens

(zentrifugal, zentripetal, diffus fleckig oder streifig). Die Fruchtkörper des

Austernseitlings verblassen hauptsächlich vom Rand her, also primär

zentripetal, zugleich aber auch streifig. Besagte Hygrophanität ist einer

der Hauptgründe, weshalb kommerzielle Züchter und mehr noch der

Handel die hellhütige Form des Austernseitlings bevorzugen: gealterte

und lange gelagerte Pilze sind hier für den Laien kaum als solche

kenntlich.

Konstant und insoferne bestimmungsrelevant sind dagegen die

Merkmale, die sich dem Blick auf die Unterseite der Fruchtkörper

erschließen. Für die Bestimmung von Pilzen ganz allgemein gilt: Wie man

eben nur sehr gut bekannte Mitmenschen schon von hinten und auch aus

der Ferne zweifelsfrei erkennt, gelingt auch bei Pilzen das richtige

Ansprechen beim Blick von oben nur dann wirklich sicher, wenn man die

Art schon sehr oft und in sämtlichen Varianten und Reifestadien gesehen

hat, also über entsprechende Felderfahrung verfügt.

Ihr eigentliches Gesicht tragen Pilze also an der Unterseite ihrer

Fruchtkörper, der Fruchtschicht! Den Kenner der Materie, der um die

zahllosen Verwechslungsmöglichkeiten Bescheid weiß, erkennt man

unter anderem daran, dass er sich bei der Benennung von Pilzen aus der

Vogelperspektive sehr zurückhaltend gibt und auch manch vermeintlich

banalen Fund lieber doch aufnimmt, um sich zu vergewissern. Hierfür

wählt er ein möglichst frisches und reifes Exemplar, an welchem

sämtliche bestimmungsrelevanten Merkmale entwickelt und gut erhalten

sind. Sehr viele der über 6000 heimischen Arten von Großpilzen lassen

sich allerdings auch verkehrt herum nicht im Felde bestimmen, bei ihnen

gestattet nur die mikroskopische Begutachtung der Mikromerkmale eine

zweifelsfreie Feststellung der Art. Einige weitere lassen sich nur durch

Untersuchung ihres Genoms (Sequenz-Analyse) exakt bestimmen, bzw.

von nahestehenden Arten unterscheiden.

Nach der Ausbildung der Fruchtschicht werden Pilze in Lamellenpilze,

Röhrlinge, Porlinge und sogenannte Nichtblätterpilze eingeteilt. In älteren

Pilzbüchern werden die Lamellen häufig auch als Blätter bezeichnet, in

Anlehnung an Buchseiten, nicht an die Blätter der Bäume.

Nun, was zeigt sich da so alles, beim Blick auf die Fruchtschicht eines

mutmaßlichen Austernpilzes?

Zuallererst fallen gewiss die Lamellen ins Auge. Die Lamellen sind weiß

und weich; wir haben es also mit einem Lamellenpilz zu tun. Weiters


dürfen wir davon ausgehen, dass es sich um einen Weißsporer handelt,

denn anders gefärbte Sporen würden die Lamellen eines gereiften

Exemplars nicht weiß aussehen lassen. Das ist ein wichtiger Befund,

denn die Kenntnis der Farbe des Sporenpulvers ist für die Bestimmung

von Pilzen sehr oft unerlässlich. Feldführer und andere

Bestimmungsliteratur ordnen die Pilze mehrheitlich nach diesem

klassischen Kriterium der Systematik.

Abb. 2:

2007-11-05 Wien 17, Schwarzenbergpark, frische Fruchtkörper des Austernseitlings

an der Oberseite eines liegenden Stammes von Salix (Weide)

Die Ausbreitungseinheiten der Pilze, die mikroskopisch kleinen Sporen,

werden bei Lamellenpilzen also an den Lamellen gebildet. Sobald die

gereiften Sporen von dort auszufallen beginnen, ist die Fruchtkörperreife

erreicht. Ob Fruchtkörper reif sind oder nicht, lässt sich gerade beim

Austernseitling besonders leicht feststellen: Sind die jeweils unteren

Reihen der in Büscheln wachsenden Pilze weiß bestäubt, haben wir es


mit ausgereiften Exemplaren zu tun, denn hierbei handelt es sich um

Sporenpulver, das von den darüber befindlichen Hüten ausgefallen ist

(und keineswegs um Schimmelbelag, wie fälschlicherweise oft

angenommen), siehe Abb. 3 Diese Beobachtung würde zugleich unsere

ursprüngliche Vermutung bestätigen, dass es sich um einen Weißsporer

handelt. Nämliches lässt sich übrigens auch bei dem gleichfalls in

Büscheln wachsenden Hallimasch sehr schön beobachten; auch hier

verraten die bestäubten Hüte der unteren Etagen auf Anhieb den

Weißsporer. Die Kenntnis der Sporenpulverfarbe ist demnach nicht bloß

von wissenschaftlichem Belang, auch dem versierten Speisepilzfreund ist

sie im Zweifelsfalle eine willkommene Bestimmungshilfe; denn er weiß:

Ein Hallimasch mit braunem Sporenpulver kann kein Hallimasch sein!

Abb. 3:

2010-10-24 Wien 22, Donauinsel, Ufergehölz, reife Fruchtkörper des

Austernseitlings schwächeparasitisch an der Stammbasis einer vitalen Salix

(Weide).

Leider schmeckt er auch den Schnecken ganz vorzüglich.

Neben der Farbe offenbart die Betrachtung der Lamellen weitere wichtige

Merkmale. Sie können gerade oder ausgebuchtet am Stiel angewachsen


sein, oder am Stiel herablaufen, oder auch den Stiel gar nicht erreichen.

Es können alle Lamellen gleich lang sein, oder lange können mit kürzeren

abwechseln. Sie sind engstehend oder entfernt, gegabelt oder ungeteilt,

schmal oder breit und sie können eine anders gefärbte Lamellenschneide

aufweisen. Die Lamellenschneide kann zudem glatt sein oder gekerbt

oder einen Flockensaum tragen. Diese und etliche weitere Kriterien gilt es

bei der Begutachtung der Lamellen zu beachten und im Rahmen der

Pilzbestimmung zu dokumentieren.

Beim Austernseitling laufen die großteils gegabelten Lamellen auffällig

weit am Stiel herab (zumindest ein Stieldrittel weit) und setzen sich häufig

in Form feiner Linien bis zur Stielbasis hin fort. Dieses Merkmal alleine

scheidet bestimmungstechnisch die große Mehrheit möglicher

Verwechslungskandidaten von vornherein aus, denn stark herablaufende

Lamellen haben nur sehr wenige unter den holzbewohnenden Pilzarten

mit weißen Lamellen. Noch markanter herablaufende Lamellen hat

Pleurotus cornucopiae, der Rillstielige Seitling, ein seltener Verwandter

des Austernseitlings und geschmacklich deutlich hinter seinem

prominenten Verwandten zurück bleibend.

Dessen ungeachtet sei nicht verschwiegen, dass beim Austernseitling

auch dieses normalerweise sehr konstante Merkmal einer gewissen

Schwankungsbreite unterliegt und es immer wieder Kollektionen mit

weniger deutlich herablaufenden Lamellen gibt, besonders häufig dann,

wenn die Fruchtkörperbildung in suboptimaler, sozusagen nicht

artgerechter, Lage erfolgt, so etwa an Wurzeln (Abb. 4) oder an der

Oberseite liegender Stämme (Abb. 1, 2).

In solchen Fällen ist zudem der gewöhnlich büschelige Habitus meist

schwächer ausgeprägt und treten zuweilen auch Einzelfruchtkörper auf.

Weiters stellen wir fest, dass die Lamellenschneiden glatt sind und haben

damit eine weitere Gattung mit habituell ähnlichen Holzbewohnern

ausgeschlossen: die Sägeblättlinge (Lentinus), deren Vertreter mehr oder

minder stark gekerbte Lamellenschneiden aufweisen (Name!) und zudem

äußerst hart und zähfleischig sind. Die meisten habituell ähnlichen

Pilzarten an Holz entwickeln deutlich kleinere Fruchtkörper, haben anders

gefärbte Lamellen, sind dünnfleischig und stiellos, und mehrheitlich

wachsen sie gruppiert und nicht büschelig, d. h., deren Fruchtkörper sind

nicht miteinander an der Stielbasis verwachsen.

Mit einigen wenigen Pilzarten kann der Austernseitling allerdings sehr

leicht verwechselt werden: Der Erd-Muscheling (Hohenbuehelia

geogenia) bildet habituell und farblich ähnliche und auch annähernd


gleich große, gestielte Fruchtkörper. Seine Büschel erscheinen allerdings

primär auf nackter Erde (terricol), weit seltener an stark vermorschten

Wurzeln. Sein Fleisch riecht intensiv mehlig, und im Unterschied zur

matten Huthaut des Austernseitlings ist jene des Erd-Muschelings

auffällig glänzend. Ein sehr gutes Feldmerkmal zur Unterscheidung der

beiden Arten bietet die Quetschprobe:

Das saftige Fleisch frischer Austernseitlinge befeuchtet die Finger

deutlich beim Quetschen oder Zerreiben eines Fruchtkörpers. Bei den

vergleichsweise trockenen Fruchtkörpern des Erd-Muschelings bleiben

auch die Finger gänzlich trocken.

Wie der Austernseitling, erschließt sich der Erd-Muscheling eine

zusätzliche Stickstoffquelle durch die Fähigkeit, Fadenwürmer abzutöten.

Von daher nennt man solche Pilze auch Nematodenfänger.

Eine Verwechslung mit dem Erd-Muscheling bliebe ohne unangenehme

Folgen, denn auch er ist prinzipiell essbar, sollte aber wegen Seltenheit

unbedingt geschont werden.

Bei gelegentlichem Erscheinen des Austernseitlings am Boden dient ihm

ein Wurzelast des besiedelten Baumes als Substat (Abb. 4).

Abb. 4:


2013-10-18 Wien 14, Steinhofgründe, frische Fruchtkörper des Austernseitlings,

scheinbar terricoles Wachstum an Wurzelast von Fagus sylvatica (Buche)

Solcherart scheinbar terricol wachsende Austernseitlinge treten bevorzugt

als Kulturfolger in mehr oder minder stark vom Menschen geprägten

Lebensräumen auf, respektive dort, wo regelmäßig gemäht wird. Im

Naturraum konnte der Verfasser dieses Phänomen bisher nicht

beobachten. Scheinbar terricol gewachsene Austernseitlinge können

habituell eine gewisse Ähnlichkeit mit dem ebenfalls sehr plastischen

Büschel-Rasling (Lyophyllum decastes) aufweisen. Dieser hat aber

niemals herablaufende, sondern leicht ausgebuchtete bis gerade

angewachsene Lamellen (Abb. 5). Von einer Verwechslungs"gefahr" kann

auch hier nicht eigentlich gesprochen werden, denn der Büschel-Rasling

ist ein ausgezeichneter Speisepilz und keineswegs selten, wenn auch in

den letzten Jahren deutlich rückläufig.

Seine Erscheinungszeit, die bis in den Spätherbst reicht, überschneidet

sich in manchen Jahren mit der des Austernseitlings.

Abb. 5:


2012-10-12 Wien 14, Steinhofgründe, reife Fruchtkörper des Büschel-Raslings

in Parkrasen (siehe auch weißes Sporenpulver am Pflanzenbewuchs links unten)

Ein naher Verwandter des Büschel-Raslings ist Hypsizygus ulmarius

(ehemals Lyophyllum ulmarium, Pleurotus ulmarius), der Ulmen-

Rasling. (Abb. 6.1,6.2).

Er ist dem Austernseitling nicht nur habituell wesentlich ähnlicher, er teilt

auch dessen parasitische Lebensweise an lebenden Bäumen und gilt als

der klassische Doppelgänger des Austernseitlings. Der Ulmen-Rasling ist

aber nur scheinbar exzentrisch gestielt (durch asymmetrisches

Wachstum der Hüte wirken reife Fruchtkörper bei oberflächlicher

Betrachtung exzentrisch gestielt), und er hat keine herablaufenden,

sondern ausgebuchtet angewachsene Lamellen.

Die bräunlichen Hüte junger Exemplare sind auffallend wasserfleckig und

mit Guttationstropfen besetzt (Abb. 6.2). Später blassen sie stark aus und

erscheinen einheitlich cremefarben bis fahlgelb.

Eine Verwechslung spielte auch in seinem Fall keine Rolle, denn im

Unterschied zu den Angaben in vielen Pilzbüchern, wo er als

ungenießbar bezeichnet wird, handelt es sich sogar um einen weiteren

Zuchtpilz. Einigermaßen gaumenfreundlich sind allerdings nur die noch


wasserfleckigen jungen Pilze, weswegen der kommerzielle Anbau in

größerem Maßstab nicht lohnt.

Abb. 6.1:

2012-10-19 Wien 17, Schwarzenbergpark, reife Fruchtkörper des Ulmen-Raslings

an vitaler Aesculus hippocastanum (Rosskastanie, Alleebaum)

Abb. 6.2


2012-10-03 Wien 17, Schwarzenbergpark, junge Fruchtkörper des Ulmen-Raslings

an vitaler Aesculus hippocastanum (Rosskastanie, Alleebaum)

An der stoffwechselintensiven Fruchtschicht sind die sehr

unterschiedlichen Gerüche von Pilzen am deutlichsten wahrnehmbar. Zur

Feststellung der "persönlichen Note" einer Aufsammlung riecht man

zunächst am unverletzten Fruchtkörper und bei unbefriedigendem

Ergebnis nochmals an gequetschten Lamellen. Der Austernseitling

verströmt unverletzt ein schwach pilziges und damit nicht sonderlich

vielsagendes Aroma, denn irgendwie pilzig riechen sehr viele Pilzarten,

unter anderem auch ein tatsächlich gefährlicher "Doppelgänger" des

Austernseitlings, der gesondert zu besprechen sein wird. Beim

Austernseitling jedoch gesellt sich an verletzten Lamellen dem Pilzaroma

eine säuerlich-mehlige Komponente hinzu. Diese macht den

Geruchseindruck nicht unbedingt sympathischer, uns aber macht sie des

Austernseitlings eine große Spur sicherer; denn mit diesem olfaktorischen

Knick zwischen vor und nach Verletzung setzt sich der Austernseitling

auch geruchlich klar von potentiellen Verwechslungskandidaten ab. An

gealterten Austernpilzen tritt diese säuerliche Komponente ziemlich

aufdringlich und unangenehm in den Vordergrund, wodurch der

Austernseitling uns hinreichend vor gastrointestinalen Beschwerden

durch Genuss alter und möglicherweise bereits verdorbener Pilze

bewahrt. Sogenannte unechte Pilzvergiftungen, hervorgerufen durch

Konsumation verdorbener Pilze, machen den mit Abstand größten Anteil


der gastrointestinalen Beschwerden im Zusammenhang mit

Pilzmahlzeiten aus; ursächlich verantwortlich hierfür sind bakterielle

Enterotoxine.

Der Austernseitling punktet auch in letzterem Zusammenhang:

Antibiotisch wirksame Inhaltstoffe halten die Keimzahlen auch gealterter

Fruchtkörper in Grenzen.

Durch Wenden eines Pilzfruchtkörpers lässt sich außerdem der Stiel in

s e i n e r G e s a m t h e i t b e t r a c h t e n . U n d w e i l d i e s e r w e i t e r e

bestimmungswichtige Merkmale trägt, sind zunächst unbekannte (oder

nicht ganz sicher erkannte) Pilze möglichst vollständig dem Boden, bzw.

dem Substrat zu entnehmen, sodass die jeweiligen Charakteristika

nachträglich mit Text und Abbildungen in der Bestimmungsliteratur

verglichen werden können. Nur wer die gesammelten Arten wirklich gut

kennt, darf sich erlauben, Stiele eventuell abzuschneiden und im Walde

zu belassen.

Im Kontext ein Wort zur Sammeltechnik: Dem Pilz ist einerlei, ob seine

Fruchtkörper abgeschnitten oder zur Gänze dem Boden entnommen

werden (so wie es den Apfelbaum wenig kümmert, mit welchem "Dreh"

man seine Früchte entfernt). Man sollte aber das hinterlassene Loch im

Boden möglichst wieder mit Erde und/oder Streu verschließen, denn

Myzelien sind licht- bzw. UV-empfindlich und noch empfindlicher gegen

Austrocknung.

Ihren deutschen Namen verdanken die Seitlinge dem ihnen

gemeinsamen Merkmal: Ihr Stiel setzt nicht mittig am Hut an, wie das bei

den meisten Gattungen der Lamellenpilze der Fall ist, sondern eben

seitlich, bedingt durch das bevorzugte Wachstum an noch stehenden

Stämmen. Der exzentrisch gestielte Habitus erleichtert die Anordnung der

Fruchtkörper in Etagen. Faszikel von 30 bis 50 Einzelfruchtkörpern sind

keine Seltenheit und weisen dann beträchtliches Gewicht auf; hierdurch

erklärt sich das feste und zähe Stielfleisch des Austernseitlings. Bei

Erscheinen an horizontalen Substratteilen (Wurzeln, liegende Stämme)

entwickeln sich z. T. annähernd zentral gestielte Fruchtkörper.

Die Abbildungen 1, 2 und besonders 4 machen deutlich: Der

Austernseitling kann seine genetische Konditionierung schwerlich

verhehlen; seiner primär parasitischen Lebensweise zufolge sind Form

und Anordnung der Fruchtkörper optimal an die vertikalen Flächen

stehender Bäume angepasst.


Wo er saprotroph an liegendem Substrat auftritt, fruktifiziert er mit

entsprechender Vorliebe an den vertikalen Seitenflächen und entwickelt

in solcher Lage den weitaus häufigeren und arttypischen Aspekt (Abb. 7).

Abb. 7:

2012-11-10 Wien 18, Pötzleinsdorfer Schlosspark, reife Fruchtkörper des

Austernseitlings an liegendem Stamm von Acer pseudoplatanus (Berg-Ahorn)

Pilze verfügen über ausgezeichnete räumliche Orientierung. Das

Erkennen räumlicher Lagebeziehungen erfolgt primär über den

Gravitationssinn, der es ihnen ermöglicht, ihre Fruchtkörper so zu

positionieren, dass deren Fruchtschicht in Richtung des Erdmittelpunktes

zeigt, also stets nach unten.

Diese bemerkenswerte Leistung der Pilze wird als Geotropismus

bezeichnet.

Sinn und Zweck der Übung ist, dass die Ausbreitungseinheiten der Pilze,

deren Sporen, ungehindert aus den Strukturen der Fruchtschicht

ausfallen können. Kommt es zu Lageänderungen des Substrats, etwa

durch Stammbruch oder durch Umdrehen eines liegenden Stammes,

werden Pilzfruchtkörper so weit umgeformt, bis deren Fruchtschicht

wiederum nach unten zeigt. Bei den mehrjährigen und oft riesigen

Fruchtkörpern von Porlingen, wie etwa jenen des Zunderschwammes,


kann dieser Umbauprozess mitunter mehrere Jahre beanspruchen, bei

den kurzlebigen und vergleichsweise kleinen Fruktifikationen des

Austernseitlings jedoch geht das ziemlich rasch, er benötigt hierfür einen

bis maximal zwei Tage; die noch wesentlich zierlicheren und

dünnfleischigen Fruchtkörper von Tintlingen und Faserlingen gar nur

wenige Stunden.

Über nämlichen Orientierungssinn verfügen sämtliche Hyphen (Zellen)

eines Pilzes, auch jene des Pilzgeflechts im Substrat, des sogenannten

Myzels.

Dementsprechend erkennt das Pilzmyzel, in welche Richtung es im

Holzkörper zur Bildung seiner Fruchtkörper zu wachsen hat, sprich: "wo

es hier nach draußen geht". Dieser Sachverhalt ist auch für den Züchter

relevant, der es tunlichst vermeidet, Säcke mit Pilzbrut nach Erreichen

eines bestimmten Reifegrades zu wenden oder gar umzulegen; solches

kann den Zeitpunkt der Ernte unter Umständen beträchtlich verzögern.

Die Bezeichnung Seitlinge nimmt also Bezug auf die Fruchtkörperform.

Nicht unbedingt vorteilhaft erweist sich der Einfall der Altväter der

Mykologie, die nämliche deutsche Bezeichnung auf einige weitere

Gattungen mit exzentrisch gestielten Arten auszudehnen, die

taxonomisch mit den eigentlichen Seitlingen aber auch gar nichts zu tun

haben. Solches erschwert einerseits pilzkundlichen Novizen das

Zurechtfinden in der ohnehin komplizierten Systematik der Pilze, zumal

jenen, die mit Latein und Altgriechisch ein wenig auf Kriegsfuß stehen,

zum anderen bergen derlei nomenklatorische Doppel- und

Dreifachbelegungen ein Gefahrenpotential für Speisepilzfreunde.

Im Supermarkt werden Austernseitlinge häufig unter dem

handelsüblichen Kürzel Seitlinge feil geboten, was den einen oder

anderen Laien zur Fehlannahme verleiten könnte, dass es sich bei

Seitlingen grundsätzlich um Speisepilze handle.

Die Anzahl habituell und auch farblich ähnlicher Pilzarten an Holz ist

überschaubar, und so ist die Gefahr der Verwechslung mit ungenießbaren

und giftigen Arten für den Sammler von Austernseitlingen vergleichsweise

gering. Zumindest gilt dies für die primären Lebensräume des

Austernseitlings, die Laubwälder der planaren, collinen bis maximal

submontanen Stufe, insbesondere Au- und Schluchtwälder. Denn das mit

Abstand bevorzugte Substrat des Austernseitlings sind Laubgehölze. Das

Substratspektrum ist beachtlich, so werden in der Literatur die im


Folgenden genannten Gehölze als beobachtete Substrate erwähnt,

gereiht nach absteigender Häufigkeit:

Buche, Weide, Pappel, Eiche, Erle, Walnuss, Esche, Ahorn, Hainbuche,

Linde, Birke, Holunder, Apfel, Kirsche, Robinie, Rosskastanie, Eberesche,

Maulbeere, Platane, Japanischer Schnurbaum, Tulpenbaum,

Götterbaum, Stechpalme und Goldregen. Funde an Nadelgehölzen sind

sehr selten (Fichte, Tanne, Kiefer, Eibe); in annähernd dreißig Jahren und

vielen hundert pilzkundlichen Exkursionen sah der Verfasser dieser

Zeilen den Austernseitling lediglich zweimal an Nadelholz.

Abb. 8:

2007-11-08 Sulz im Wienerwald, Vorderer Wöglerberg, Buchen-Tannen-Wald,

gealterte Fruchtkörper des Austernseitlings an Abies alba (Weißtanne)

Trotz oder vielleicht gerade wegen der Seltenheit des Aufkommens an

Nadelholz sei hier besonders der weniger erfahrene Sammler gewarnt:

In naturnahen Bergnadelwäldern mittlerer bis höherer Lagen mit

reichlichem Totholzanteil ist Pleurocybella porrigens, der Ohrförmige

Seitling, keine Seltenheit (älteres Synonym: Phyllotus porrigens ), siehe

Abb. 9.

Infolge Verwechslung mit essbaren Seitlingen ereigneten sich durch

Verzehr dieser Art in Asien mehrere zum Teil lebensbedrohliche


Vergiftungen. Im Unterschied zu jenen des Austernseitlings sind die

Fruchtkörper des Ohrförmigen Seitlings in allen Fruchtkörperteilen

nahezu reinweiß, auch im Alter sind sie bestenfalls schmutzigweiß, sie

bleiben deutlich kleiner und sind so gut wie immer ungestielt.

Als reiner Saprobiont (Folgezersetzer) besiedelt er ausschließlich bereits

stärker vermorschte und meist schon bemooste Stümpfe und liegende

Stämme von Nadelgehölzen. Im Gegensatz zur vielfach in der

Fachliteratur vertretenen Meinung, dass es sich um eine azidophile Art

handle (d. h. saure Böden bevorzugend), kommt der Ohrförmige Seitling

sehr wohl auch in Kalkgebieten vor. Seine Erscheinungszeit endet

spätestens mit den ersten herbstlichen Nachtfrösten, also genau da, wo

jene des Austernseitlings beginnt.

Abb. 9:

2013-09-24 St. Aegyd am Neuwalde, Donaudörfl, Urwald Lahnsattel,

reife Fruchtkörper des Ohrförmigen Seitlings an Abies-Stumpf (Tanne)

Womit wir auf ein weiteres bestimmungswichtiges Kriterium zu sprechen

kommen, die Erscheinungszeit:

Die primäre Erscheinungszeit des Austernseitlings sind der Spätherbst

und Frühwinter. Das liegt daran, dass dieser Pilz zur Fruchtkörperbildung

einen Temperaturreiz benötigt; dieser erfolgt in der Regel durch das


Absinken der mittleren Tagestemperatur auf unter 5˚C über mehrere

Tage. Es handelt sich somit nicht, wie oft zu lesen, um einen

ausgesprochenen "Frostkeimer".

Ein weiteres Maximum hat der Austernseitling im Spätwinter (Februar und

März),

sobald die mittleren Tagestemperaturen wieder über die Null-Grad-

Grenze steigen. Fröste mit Temperaturen deutlich unter 0˚C limitieren die

Fruchtkörperbildung. Die Fruchtkörper des Austernseitlings sind jedoch

sehr ausdauernd, weswegen man sie gelegentlich auch im April in noch

passablem Zustand antreffen kann, in höheren Lagen unter Umständen

sogar bis Mitte Mai.

Insbesondere die Erscheinungszeit des Austernseitlings im

Winterhalbjahr ermöglicht dem Sammler die Unterscheidung von den

Doppelgängern aus den eigenen Reihen. Besonders ein Vertreter der

Gattung Pleurotus gibt immer wieder Anlass zu Verwechslungen, nämlich

der habituell sehr ähnliche Lungen-Seitling (Pleurotus pulmonarius). Bei

ihm handelt es sich jedoch um eine Art des Sommerhalbjahres; er

erscheint selten vor Mitte Juni und stellt längstens im Oktober die

Fruchtkörperbildung ein. Im Oktober gibt es somit einen kurzen

Überlappungsbereich, wo Spätlinge des Lungen-Seitlings auch geübtere

Pilzfreunde gelegentlich auf die falsche Fährte locken können. Er

unterscheidet sich vom Austernseitling durch einige gute Feldmerkmale:

Als primärer Saprobiont tritt er nur gelegentlich an subvitalen Gehölzen

auf, die sozusagen schon mehr tot als lebendig sind. Seine weitaus

geringere Enzym-Ausstattung lassen das parasitische Potential in den

Hintergrund treten.

Dementsprechend tritt er mit Abstand am häufigsten an bereits liegenden

Stämmen auf. Seine geringere Enzym-Ausstattung schlägt sich auch in

vergleichsweise kleinem Substratspektrum nieder. Man findet den

Lungen-Seitling fast ausschließlich an Buche und Eiche; Funde an

anderen Substraten sind sehr selten (Birke, Esche, Pappel). Der

Verfasser konnte allerdings auch hier einen Fund an Nadelholz

verbuchen (Waldkiefer, Pinus sylvestris).

Der Habitus der Fruchtkörper ist dem des Austernseitlings sehr ähnlich,

ihre Form erinnert etwas an jene menschlicher Lungen, weswegen hier,

zusätzlich zum Gattungsnamen, auch der Artname den entsprechenden

Bezug herstellt

(Pleura = Lungenfell, Pulmo = Lunge).


Abb. 10:

2011-07-16 Wien 16, Moosgraben, reife Fruchtkörper des Lungen-Seitlings

an liegendem Stamm von Fagus sylvatica (Buche)

An den Standorten wird deutlich, dass die Fruchtkörper weit besser an

liegende Stämme angepasst sind als die des Austernseitlings, seine Hüte

wissen sich an horizontalem Substrat deutlich besser zu arrangieren.

Im Unterschied zum Austernseitling ist der Lungen-Seitling sehr

farbkonstant, sodass sein Hellcreme durchaus bestimmungsrelevant

gesehen werden darf.

Schwierig wird die Unterscheidung lediglich in den seltenen

Ausnahmefällen, wo der Lungen-Seitling ungewöhnlich dunkel gefärbte

Fruchtkörper ausbildet; solche wurden vom Verfasser jedoch erst dreioder

viermal beobachtet (Abb. 11).

Ein taugliches Unterscheidungsmerkmal ist das Gilben gealterter

Fruchtkörper des Lungen-Seitlings, das besonders am Hutrand

augenfällig wird.

Auch der seltene Eichen-Seitling (Pleurotus dryinus) zeigt starkes Gilben,

doch dieser gibt sich durch die äußerst zähe Konsistenz seiner

Fruchtkörper zu erkennen, sowie durch schwächer büscheligen Habitus;


selten findet man mehr als vier oder fünf Fruchtkörper dieser Art

miteinander verwachsen.

Der Lungen-Seitling ist dem Austernseitling kulinarisch nicht ganz

ebenbürtig, doch gilt auch er als durchaus lohnender und

empfehlenswerter Speisepilz.

Ungeachtet seines Erscheinens im Sommerhalbjahr ist er zudem nur

selten madig.

Abb. 11:

2011-07-23 St. Andrä-Wördern, Steinriegl, Heuberg, Naturwaldzelle, atypisch

gefärbte Frk. des Lungen-Seitlings an liegendem Stamm von Fagus sylvatica

(Buche)

Primär verantwortlich für das breite Substratspektrum des

Austernseitlings ist seine besonders reiche Ausstattung an Enzymen, die

es ihm ermöglichen, die natürlichen Barrieren unterschiedlichster

Wirtsbäume erfolgreich zu überwinden.

In seinen Substraten erzeugt er eine intensive Weißfäule, genauer gesagt

eine Simultanfäule; hierbei werden die Hauptbestandteile verholzter

Pflanzen, Cellulose und Lignin, zu gleichen Teilen abgebaut (in der

älteren Literatur auch als Mischfäule bezeichnet). Im Falle des

Austernseitlings schreitet das Fäulebild äußerst rasch voran; unter den


Lamellenpilzen sind lediglich Hallimasch-Arten und Sägeblättlinge als

vergleichbar aggressive Destruenten bekannt.

Als Saprobiont hingegen zeigt er sich von sparsamer und überaus

rationeller Seite, denn er zehrt jahrelang von seinen Substraten und

braucht diese nahezu vollständig auf. Die Effizienz des Austernseitlings

zeigt sich auch im Kulturansatz:

100g Substrat lassen bis zu 70g Fruchtkörper lukrieren. Mit diesem

Stoffumsatz sucht der Austernpilz seinesgleichen unter allen bekannten

Zuchtpilzen.

Sein vielfältiges chemisches Arsenal macht den Austernseitling zu einem

wahren Eldorado für Pharmakologen und Umwelttechniker. Einige seiner

Enzyme sind in der Lage, weitere komplexe organische Verbindungen

und Kohlenwasserstoffe abzubauen. Diese Fähigkeit macht man sich

zunutze, um mit Altöl und anderen schädlichen Substanzen belastete

Böden zu sanieren. Hierzu wird entweder myzeldurchwachsenes Substrat

in die Böden eingearbeitet, oder es kommen die künstlich hergestellten

Enzyme des Austernseitlings zum Einsatz.

Andere Enzyme können Zucker in Alkohol umwandeln, weswegen man

mit ihrer Hilfe alkoholische Getränke ohne Verwendung der üblichen

Hefen herstellen kann. Ein solcherart gewonnener Wein weist

antithrombotische Wirkung auf,

d. h. er wirkt der Bildung von Blutgerinnseln entgegen.

Hier nur ein kleiner Auszug weiterer für die Medizin interessanter

Potenziale:

Extrakte aus dem Austernseitling und anderen Arten seiner Gattung

zeigten in vitro eine starke Hemmwirkung gegenüber diversen

Tumorzelllinien, hemmten also das Wachstum maligne entarteter Zellen.

Dieselben Extrakte stimulierten gleichzeitig in vivo Prozesse, welche die

körpereigene Abwehr gegen Tumorzellen unterstützen, insbesondere in

der Erkennung von "fremd", aber auch durch Anschalten der

sogenannten Apoptose, des Selbstmordprogramms maligne entarteter

Zellen. Ein entscheidender Vorteil gegenüber der konventionellen

Chemotherapie und dem Einsatz von Interferonen ist die praktisch

nebenwirkungsfreie klinische Anwendung.

Immunmodulierend wirken einige saccharidische Verbindungen

(Glukane).


Diese wirken u. a. einem Überschießen der Immunantwort entgegen,

weswegen sie in der Behandlung von Allergien zum Einsatz kommen

könnten.

Vermutlich seinem hohen Gehalt an polyphenolischen Verbindungen ist

die antioxidative Wirkung des Austernseitlings zuzuschreiben; er wirkt

somit einerseits prophylaktisch gegen die Bildung maligner Tumoren und

therapeutisch gegen entzündliche Prozesse.

Höchst bemerkenswert erwies sich die cholesterinsenkende Wirkung von

Extrakten aus dem Austernseitling, die bereits zur Markteinführung eines

Präparats führte. Ein in klinischer Anwendung stehender

Cholesterinsenker, das Lovostatin, leitet sich von Pleurotus-Arten ab.

Ein aus dem Austernseitling isoliertes Antibiotikum erwies sich hoch

wirksam gegen Staphylokokken. Es dient als Reserve-Antibiotikum bei

Vorliegen multiresistenter Staphylokokken-Stämme, die infolge

unsachgemäßer Antibiotika-Therapie und allzu großzügigem Einsatz

(insbesondere in der Futtermittelindustrie und Tierhaltung) leider stark im

Vormarsch sind.

Der Austernseitling ist auch für den nichtkommerziellen Züchter die wohl

unkomplizierteste und lohnendste Wahl. Wunderbar einfach lässt sich mit

ihm handhaben und experimentieren, denn der Pilz stellt keine großen

Ansprüche an das Substrat, und das Beimpfen erfolgt nach der

"Holzhammermethode" nicht minder erfolgreich als im raffiniert

ausgestatteten Labor: einen Buchenklotz mit sporenreifen Austernpilzen

einreiben, etwaige Ritzen mit Lamellen befüllen- und fertig! Nun braucht

es nur noch einen geeigneten Standort und ein bis zwei Jahre Geduld.

Schneller und noch einfacher geht es mit einem käuflich erworbenen

Kulturansatz. Man erhält Säcke mit myzeldurchwachsenem Substrat und

die genauen Angaben des Herstellers zum weiteren Procedere. Hier kann

fast nichts schiefgehen. Neben solchen des Austernseitlings sind Ansätze

w e i t e r e r S e i t l i n g s - A r t e n e r h ä l t l i c h ; a u c h d e n b e s o n d e r s

wohlschmeckenden Kräuter-Seitling (Pleurotus eryngii) kann man

solchermaßen von der eigenen Scholle ernten. Mehr was fürs Auge als

für den Gaumen sind Exoten wie der Zitronengelbe Seitling (Pleurotus

citrinopileatus, Abb. 12) und der Flamingo-Seitling (Pleurotus

salmoneostramineus, Abb. 13). Prinzipiell sind aber auch sie durchaus

essbar.

Abb. 12:


Abb. 13:

2013-08-26 Wien 14, Privatwohnung, Zuchtansatz mit Fruchtkörpern des

Zitronengelben Seitlings. Kulturansatz bezogen von Hrn. Walter Haidvogl


2013-08-29 Wien 14, Privatwohnung, Zuchtansatz mit Fruchtkörpern des Flamingo-

Seitlings, Kulturansatz bezogen von Hrn. Walter Haidvogl

"Schuster, bleib bei deinem Leisten!", heißt es nicht von ungefähr, und

von daher lässt der Verfasser es hier gerne mit einer Empfehlung

bewenden.

Der an Zuchtpilzen und Pilzzucht interessierte Leser sei an eine der

allerersten Adressen des Landes in Sachen Zuchtpilze verwiesen:

Herr Walter Haidvogl (Grünbach am Schneeberg) züchtet alles was sich

an Pilzen überhaupt züchten lässt und tut dies überaus erfolgreich. Von

ihm kann der geneigte Leser Kulturansätze aller gängigen Zuchtpilze

beziehen.

Nähere Informationen unter www.pilz-kultur.at

Mit der Wiederholung des geflügelten Wortes von eben kommt der

Verfasser tunlichst ohne Behandlung des Themas Kochrezepte zum

Schluss.

Den Austernseitling betreffende Fragen, deren Beantwortung der

Verfasser hier schuldig geblieben sein mag, wie selbstverständlich auch

das allgemeine Interesse des Lesers am Thema Pilze, sind der

Österreichischen Mykologischen Gesellschaft und dem Verfasser


jederzeit willkommen. Weitere Kontaktdaten und Informationen zum

Thema finden Sie auf der homepage der ÖMG.


Frühjahrsputz

im Ziegenstall

von Mag. Christine Kluger

Es ist wieder soweit: Unser Nachbar stellt seinen Traktor-Anhänger mitten in unseren Hof,

Schaufeln, Mistgabeln und Schiebetruhen stehen schon bereit, die Rampe zur Auffahrt in den

Anhänger ist montiert. Der Frühjahrsputz im Ziegenstall kann beginnen!

Ein paar Mal im Jahr dieselbe Prozedur: Über Wochen hat sich eine zentimeterdicke Schicht aus

Stroh, Kot und Urin gebildet. Diese Matte brauchen die Ziegen zur Wärmedämmung und als

weiche Unterlage im Stall. Je nach Bedarf streuen wir zwischendurch frisches Stroh im Stall ein,

damit die Ziegen immer eine trockene Oberfläche haben. An ihren Schlafplätzen ist es aber

ohnehin trocken, dafür sorgen schon die Ziegen selbst.

Ansonsten bleibt der Mist ein paar Wochen liegen und bildet mit Stroh und Urin die für die

Ziegenhaltung notwendige Matte.


Täglich kehren wir größere Haufen auf und sammeln den Ziegenkot gemeinsam mit Hühnermist

auf unserem Komposthaufen. Ziegenmist ist gut für Gemüsebeete geeignet, er sollte aber nicht

frisch sein, weil er sonst die Pflanzen schädigt und Einfluss auf den Geschmack der

Gartenfrüchte nehmen kann. Am besten den Mist schon im Herbst unter die Erde mischen und

im Frühjahr die Pflanzen setzen.

Ursprünglich war unser Ziegenstall bis Mitte der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts Unterkunft

für die beiden Norikerstuten Fanny und Gretl, die sich hier nach getaner Arbeit auf den Feldern

ausgeruht hatten. Später waren hier Schweine untergebracht, zwischenzeitlich diente der Raum

auch noch als Werkstatt für meinen Opa. 2011 haben wir den Stall schließlich für den jetzigen

Einsatz adaptiert.

Was aber brauchen die Ziegen für ein frohes Ziegenleben?

Je nach Größe, Geschlecht und Alter der Ziegen sollten laut Tierschutzverordnung pro Tier

mindestens 0,5m² - 1,5m² zur Verfügung stehen. Somit ausgehend von 1,5m² x 4 mindestens

6m². Unser Stall umfasst ca. 25 m², also genügend Platz für unsere vier Steirischen

Scheckenziegen.

Da Ziegen Herdentiere mit sehr ausgeprägtem Sozialverhalten sind, dürfen sie nie allein

gehalten werden. In der Herde fühlen sie sich am wohlsten. Es gibt bei uns im Stall 4 Nischen,

wo sich Lisa, Pünktchen, Peter und Paul zum Schlafen einkuscheln können. Außerdem haben

die schwächeren Herdenmitglieder so die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Eine Trennwand teilt

den Stall in 2 Teile und bietet eine weitere Rückzugsmöglichkeit. Oft aber sieht man Peter und

Paul ganz nahe zusammen gekuschelt Siesta halten und in Ruhe wiederkäuen.


Die Heuraufe ist erhöht, eine alte Kommode haben wir im Stall stehen gelassen – beides dient

dazu, dass unsere Ziegen ihrer Kletterleidenschaft nachkommen können. Sie lieben es, auf

erhöhten Plätzen zu stehen – so haben sie immer einen guten Überblick. Wir haben außerdem

genügend Futterplätze eingerichtet, damit auch der Schwächste von ihnen, unser Paul, immer

genügend Futter bekommt. Ich vermute ja, dass sie sich das auch so ausmachen und alle genug

bekommen, aber trotzdem ist es wichtig, dass jeder von ihnen seine Futterstelle hat. Natürlich wird

permanent Platz gewechselt und geschaut, ob der andere nicht doch das bessere Heu bekommen

hat. Aber schließlich kehrt Ruhe ein, und manchmal kann man beim Fressen ein wohliges Gurren

hören. Frisches Wasser muss natürlich zur Verfügung gestellt werden, bei unseren Ziegen ist der

Durst abends am größten. Abgestandenes Wasser wird verschmäht. Außerdem werden ein Salzund

ein Mineralleckstein immer wieder gerne genommen. Alles, was nicht von Ziegen

angeknabbert werden darf und eine Verletzungsgefahr darstellt, hat im Stall nichts zu suchen.

Tagsüber sind unsere vier in einem eigenen Gehege unter Dach im Hof untergebracht, das bei

Schönwetter auch Auslauf in den Garten bietet. Es macht jedoch keinen Sinn, ihnen die Tür bei

Regen oder Schnee zu öffnen – ein missmutiger Blick nach draußen und schon wird der Rest des

Tages im trockenen Gehege verbracht. Auch ein klagendes Meckern ist keine Seltenheit, als

würden sie sich über Schlechtwetter beschweren. Ziegen sind wasserscheu, aber Ausnahmen

bestätigen die Regel – unser Peter liebt es, wenn beim Befüllen der Kübel Wasser über seinen

Kopf läuft.

Bei Sonnenschein wird dafür umso mehr um die guten Plätze gerangelt. Wenn die Sonne tief steht

und nur noch ein kleiner Fleck vom Schatten verschont geblieben ist, kann man dort meist Lisa,

die Leitziege antreffen, wo sie sich mit geschlossenen Augen die Sonne auf den seidigen Pelz

scheinen lässt. Einem Sonnenbad sind Ziegen generell nicht abgeneigt.


Dieses zweite Gehege ist wichtig für den täglichen Auslauf, der Stall für die Nacht wäre für eine

permanente Unterbringung außerdem zu düster. Zusätzlich macht es die Arbeit für meinen Mann

und mich einfacher – wir beide sind berufstätig und versorgen unsere Tiere „nebenher“. Daher sind

gut eingespielte Arbeitsabläufe umso wichtiger. Schon am Abend wird das Heu im Tagesgehege

vorbereitet, in der Früh werden nur noch die Wasserkübel frisch befüllt und schon können die

Ziegen vom Stall ins Tagesgehege sausen.

Wichtig ist, dass das Ziegengehege bzw. der Ziegenstall vor Zugluft geschützt ist und gut

verschlossen werden kann, denn Ziegen sind sehr kreativ, was das Ausbüchsen betrifft. Lockere

Latten werden bei Seite geschoben, eine angelehnte Stalltür wird mühelos mit der Nase

aufgedrückt und schon kann die Herde ihre Erkundungstour starten. Gefährlich ist es, wenn auf

dem Gelände beispielsweise Plastik liegt oder Futter gelagert wird, das nicht für die Ziegen

bestimmt ist. Auch wenn Ziegen ansonsten sehr robust und anspruchslos sind, so kann es zu

schweren Komplikationen kommen, wenn solche Dinge im Pansen landen.


Nun aber zurück zum Frühjahrsputz…nach Entfernung der Strohmatte durchlüften wir den Stall

einige Stunden, damit die Flächen wieder gut abtrocknen können. Danach werden mehrere Säcke

frisches Stroh eingestreut, sodass der Boden gut abgedeckt ist – ganz zur Freude der Ziegen,

wenn sie am Abend zur Fütterung in den Stall zurückkommen. Auch das frische, raschelnde Stroh

wird gerne angeknabbert!

Mag. Christine Kluger

Dipl. Personal Coach im Tiergestützten

Setting

Dipl. Natur Kinesiologin

Zertifizierte Trainerin der ÖGTT

Zertifizierter Wildkräuterguide der ÖGTT

Sektionsleiterin Tiergestützte Aktivitäten der

ÖGTT


Seminarzentrum

Die Glücksschmiede

Hauptstraße 18

3004 Ried/Riederberg


Tel.: 0699/12 13 6082 (abends)

e-mail: post@die-gluecksschmiede.at

www.die-gluecksschmiede.at


Österreichische Gesellschaft

für Tiergestützte Therapie

ÖGTT

Sitz:

Rappoltschlag 13

3914 Waldhausen

sekretariat@oegtt.at

www.oegtt.at

Tel. 02877 20059

Liebe LeserInnen, Mitglieder und Freunde der Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte

Therapie !

Wir freuen und sehr, dass so viele LeserInnen auch die Aktivitäten der Österreichischen

Gesellschaft für Tiergestützte Therapie ÖGTT über dieses online Magazin mitverfolgen können. Die

Möglichkeiten und Erfahrungen rund um den Einsatz von Natur, Pflanzen und Tieren ganz allgemein

im Dienst für uns Menschen wachsen ständig. Nicht nur die eingesetzten Tierarten und Spezies

nehmen rasant zu, sondern auch das Miteinbeziehen von outdoor Aktivitäten rund um Pflanzen,

Garten und Natur zur Dienstleistung, Förderung und Therapie an Menschen wächst.

Damit wächst aber auch laufend die Breite des Einsatzes im Dienst und zur Freude für uns

Menschen.

Gerade die Tiergestützten Aktivitäten ohne Anspruch auf gezielte Förderung und Therapie boomen.

Kinderferien, Freizeitbetrauung, Tourismusangebote und vieles mehr wachsen aus dem Boden. Es

kann nur gut und sinnvoll sein, wenn Mensch und Natur wieder mehr zusammenwachsen !

Wir werden versuchen, Ihnen unsere Erlebnisse, Erfahrungen und Ideen auf diesen Seiten im Lauf

des Jahres vorzustellen und Ihnen auch die Arbeit unserer diversen Sektionen der Österreichischen

Gesellschaft für Tiergestützte Therapie vorzustellen. Gerade die Größe der Sektion der eben

genannten Tiergestützten Aktivitäten nimmt rasant zu.

Diesmal möchte sich die ÖGTT Sektion Gesundheits- und Krankenpflege bei Ihnen vorstellen und

wir freuen uns immer sehr über das Engagement gerade der Mitglieder dieser Sektion unseres

Verbandes.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen unserer ÖGTT Seiten !

Der Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie


Österreichische Gesellschaft

für Tiergestützte Therapie

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Rappoltschlag 13

3914 Waldhausen

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Sektion Gesundheits- und Krankenpflege

der Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie

Die Ziele der Sektion Gesundheits- und Krankenpflege der Österreichischen Gesellschaft für

Tiergestützte Therapie beinhalten das Grundwissen der tiergestützten Therapie mit den Inhalten der

Gesundheits- und Krankenpflege zusammen zu führen und ein ressourcenorientiertes

Pflegekonzept durch Integration von tiergestützten und pflanzengestützten Pflegeinterventionen

weiter zu entwickeln.

Dies dient der Nutzung im intramuralen und im extramuralen Gesundheits- und

Krankenpflegebereich in der Pflege aller kranken (alten) Menschen zur Sicherung der Lebens- und

Pflegequalität und damit der Wahrung der Klienten Rechte.

Wir, die Diplomierten Pflegekräfte der Sektion, widmen uns im Rahmen von Informationsvorträgen

sowie im Rahmen von Fortbildungsangeboten und den Naturintegrativen Gesundheitspflege

Seminaren bzw. bei einer beratend-begleitenden Implementierung in interessierten

Pflegeinstitutionen einer Ressourcen- und Klienten orientierten Gesundheits- und Krankenpflege

sowie der erforderlichen Selbstpflege zur Gesunderhaltung des Einzelnen und der Teampflege.

• Unser Hauptanliegen ist die Veränderung der sozialen Reife und Beziehungsfähigkeit

von Menschen unter Mithilfe von geeigneten Therapietieren.

• Das interdisziplinäre Arbeiten erfordert ein hohes Maß an emphatischem Empfinden und

Führen. Gemeint ist Menschenführung und ist dem Coaching in der Pflege gleichzusetzen.

Es braucht Ausbildung/Ausformung und berufsbegleitend ein Training für diese besondere

Gabe einer Wahrnehmungs- und Beziehungsfähigkeit um den Pflegeauftrag professionell

gestalten und erfüllen zu können.

• Schwerpunkt unserer Bildungsarbeit ist die Gesundheitsberatung, die

Selbstpflegeplanung unter Einbeziehung der tiergestützten und pflanzengestützten

Interventionen für die Gesundheitsförderung und Gesundheitspflege kranker (alter)

Menschen und den Pflegenden.


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für Tiergestützte Therapie

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Durch das Einbeziehen der tiergestützten und pflanzengestützten Interventionen als

Baustein in der Gesundheits- und Krankenpflege, gewinnen Diplomierte Pflegekräfte einen

weiteren Handlungsrahmen/Handlungsspielraum, um eine ressourcenorientierte ganzheitliche

Beziehungspflege und damit auch Sicherstellung der eigenen Lebensqualität sowie der

Sicherstellung der geforderten humanen wirtschaftlichen Pflegequalität.

Gesundheitsförderung / Gesundheitspflege soll bewusst gestaltet in den Lebens- und

Pflegealltag integriert werden

• Tiere bieten die Möglichkeit, über die Ansprache aller menschlichen Sinne, Kontaktprozesse

zu initiieren, die sich

positiv auf den

gesundheitlichen, auf den

kognitiven, sozialen und

emotionalen Zustand des

Menschen auswirken.

• Tiere fördern die

Beziehungsfähigkeit des

Menschen, zu sich selbst,

zu anderen Menschen/

Lebewesen und

Beziehungsebenen

• Neben anderen

Pflegekonzepten wie z.B.

Basale Stimulation,

können/sollen

Tiergestützte

Interventionen bzw.

Naturintegrative Pflegemaßnahmen in der Gesundheits- und Krankenpflege

persönlichkeitsbildend wirken und den Menschen befähigen, reflektiert mit neuem Wissen in

der eigenen Lebensstilgestaltung (Burn out Prophylaxe) sowie in der Berufsausübung

professionell zu handeln.


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Wir arbeiten in Seminaren der Naturintegrativen Gesundheits- und Krankenpflege an der

Wahrnehmungs- und Beziehungsfähigkeit des einzelnen Menschen.

• Damit werden vorhandene, ungenutzte Potentiale beim kranken (alten) Menschen oder bei

Pflegekräften erkannt, reflektiert, entwickelt und genutzt. Pflegebedürftigkeit beim kranken

(alten) Menschen und die Burnout Entwicklung bei Pflegenden kann gesenkt oder sogar

verhindert werden. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur volkswirtschaftlichen Nutzung

geleistet.

• Wir entwickeln gerne für Sie ein Konzept der Naturintegrativen Gesundheits- und

Krankenpflege für die Gesundheitsförderung, Gesundheitspflege und Krankenpflege sowie

ein Biographie angepasstes Pflegekonzept zur Betreuung dementer alter Menschen.

• Wir planen mit Ihnen ein bedarfsorientiertes Umsetzungskonzept und unterstützen Sie

begleitend bei der Implementierung und Evaluierung der Umsetzungsschritte in den

Pflegealltag.

2016 werden wir vernetzt mit der Sektion für Tiergestützte Aktivitäten „Naturintegrative

Gesundheitspflege Seminare“ als unsere Pflegeverständniserweiterung, im Seminarzentrum

Glücksschmiede in Ried am Riederberg abhalten.

• Wir möchten unseren Beitrag zur Bewusstseinsbildung von Mitmenschen anbieten und diese

durch gezielte Handlungsanleitungen zu ihrer eigenen Gesundheitsvorsorge/Psychohygiene/

Gesundheitspflege befähigen.

• Geplant sind auch gemeinsam gestaltete Workshops für Diplomierte Pflegepersonen im

Seminarzentrum in Ried am Riederberg, im Wald- und im Weinviertel um zu erfahren, wie

tiergestütztes und pflanzengestütztes Arbeiten in die Gesundheits- und Krankenpflege

integrierbar ist.

• Wir widmen uns auch der Betreuung und Beratung pflegender Angehöriger, der Begleitung

von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, der ganzheitlichen Pflege von kranken (alten)

und dementen Menschen. Ein großes Anliegen sind auch Kinder, die durch gezielte

Aktivitäten spielerisch ein Bewusstsein für das Leben mit der Natur / Tieren und Pflanzen

entwickeln können.


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für Tiergestützte Therapie

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Sitz:

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Die Gesundheits- und Krankenpflege wirkt im Rahmen der Gesundheitsmaßnahmen als ein

integrierter Bestandteil des Gesundheitssystems im Krankenhaus und im Geriatrie Zentrum/

Pflegewohnhaus (intramural) als auch in der Hauskrankenpflege (extramural) bei der Förderung der

Gesundheit und der Verhinderung von Krankheiten, bei der Begleitung von Schwerkranken und

Sterbenden, bei körperlichen, geistigen und psychosozialen Beeinträchtigungen sowie in der

Rehabilitation von Personen aller Altersstufen mit.

Eine „Naturintegrative Gesundheits- und Krankenpflege“ kann als Ressource zur Selbstpflege und

zur Optimierung der angewandten Gesundheitspflege im intramuralen und im extramuralen

Pflegebereich genutzt werden.

• Pflanzen, Tiere und die Natur selbst wirken ausgleichend und gesundheitsfördernd. Wie wir

damit aber sorgsam umgehen, wie wir diese gesundheitsfördernden und

gesundheitserhaltenden Komponenten für das Gesundbleiben und für das Gesundwerden

anwenden, ist unzureichend bekannt. Aus diesem Grunde widmen wir uns 2016 in

aufeinander aufbauenden Seminarmodulen der Wissens- und Praxisvermittlung. Gerne

übermitteln wir auf Anfrage schriftliche Informationen.

Wir sind offen für Anfragen und Anregungen, kontaktieren Sie uns einfach und wir geben

gerne Rückantwort.

Sektionsleiterin Elfriede Berger email: berger.elsbach@aon.at


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Tiergestützte Therapie ÖGTT

Mitglieder stellen sich vor

Von der IT Projektleiterin zur Ziegenbäuerin

Ich, 46, bin verheiratet und Mutter von 2 Kindern und arbeite im IT Bereich eines bankeigenen IT

Unternehmens. Trotz juristischem Studium und Ausbildung zum Senior Projektleiter dreht sich bei

mir seit frühester Kindheit aber alles um Tiere.

Nun habe ich, nach der Ausbildung zum Personal Coach im Tiergestützten Setting am Mauritiushof,

gemeinsam mit meinem Mann Michael und meiner Familie meinen Lebenstraum verwirklicht und

einen Bauernhof im Süden von Wien bezogen. Dort kümmere ich mich neben meiner Ziegen und

Wachtelzucht auch noch liebevoll um meine sonstigen Haustiere und natürlich um meine beiden

Kinder und meinen Ehemann.

Aber ganz so einfach war es natürlich nicht.

Ich wusste schon immer, dass ich eine besondere Verbindung zu Tieren habe und mit ihnen

arbeiten möchte. „Ich hätte doch Tierärztin werden sollen“, habe ich sicher unzählige Male gesagt.


Österreichische Gesellschaft für

Tiergestützte Therapie ÖGTT

Mitglieder stellen sich vor

Aber erst durch die Ausbildung am Mauritiushof habe ich meine Verbindung zu den Ziegen entdeckt.

Meine Ankündigung, Ziegen halten zu wollen, rief dann auch bei meiner Familie anfangs nicht

gerade Begeisterungsstürme hervor. Nach einiger Zeit konnte ich sie aber überzeugen und mir ihrer

vollen Unterstützung sicher

sein.

Nach einiger Überlegung

entschieden wir uns für die

Rasse der „Bunten

Edelziege“, einer

hochproduktiven und

widerstandsfähigen

Milchziege, die zwar häufiger

in Deutschland und der

Schweiz vorkommt, in

Österreich allerdings nur in

Tirol und Vorarlberg.

Nach einer langen Zugfahrt

nach Vorarlberg suchte ich im

Februar 2015 bei drei

Züchtern unseren jetzigen

Bestand aus: Ziegen. 4 in

Milch stehende Ziegen und 5 halbwüchsige Kitze. Später kamen noch zwei weitere tragende Kitze

aus Vorarlberg dazu.


Österreichische Gesellschaft für

Tiergestützte Therapie ÖGTT

Mitglieder stellen sich vor

Ab 1.5.2015 war es dann

soweit und ab diesem Tag

änderte sich unser Leben

schlagartig.

Trotz einer fahrbaren

Melkmaschine verliefen die

ersten Melkvorgänge noch

eher chaotisch, 3 Stunden bei

4 Ziegen war so der Schnitt.

Dass die Situation nicht

eskalierte ist alleine dem

gutmütigen Wesen der Bunten

Edelziege zuzuschreiben. Mit

der Zeit wurden wir ein

eingespieltes Team und die

Melkmaschine war nicht mehr

der Feind: ca. 12 Liter Milch

pro Tag war so der

Durchschnitt.

Die gesamte Familie sowie die

Hunde und Katzen mussten

am Anfang Unmengen an

Milch verdrücken. Heute

haben wir einen fixen

Kundenstock und beliefern

umliegende Bioläden. Für uns

bleibt dann manchmal nichts

mehr übrig.


Die bedeutet aber auch, um 5

Uhr morgens aufzustehen um neben dem Ziegenmelken auch noch die Kinder rechtzeitig zur

Schule bringen zu können und rechtzeitig in der Firma zu sein um in den „alten Modus“

umzuschalten.

Im Sinne der gesunden Ernährung haben wir unser Angebot um Wachteleier (wir nennen sie

Kraftpakete im Miniaturformat) erweitert und sind stolze Besitzer von ca. 100 Wachteln, die in einem

beheizten Wachtelparadies leben.


Österreichische Gesellschaft für

Tiergestützte Therapie ÖGTT

Mitglieder stellen sich vor


Österreichische Gesellschaft für

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Mitglieder stellen sich vor

Aber Ziegenmilch zu verkaufen war nicht nur der einzige Grund, weswegen wir uns für die Ziegen

entschieden haben.

Ziegen eignen sich aufgrund ihres starken Herdenverhaltens für die Beziehungsarbeit zwischen

Mensch und Tier. Es ist schon ein besonderes Gefühl, Teil einer Ziegenherde zu werden und in der

Herde eine bestimmte Position einzunehmen.

Je nach innerer Einstellung kann man entweder in der Gruppe mitgehen und ein Gefühl des

Loslassens erleben oder versuchen die Führung der Herde zu übernehmen.

Kinder reagieren auf Grund ihrer Offenheit und ungetrübten Sichtweise in der Arbeit mit den Tieren

sogar noch besser. Aus diesem Grund biete ich mit meiner Geschäftspartnerin Mag. Karin Bareck

neben Tiergestützten Coachings auch Kindergeburtstage, Familienwanderungen mit Ziegen und

Feriencamps an. Vor allem in den mehrtägigen Feriencamps werden die Erfolge besonders deutlich

sichtbar. Mittlerweile greifen auch Schulen im Rahmen einer Exkursion auf die Möglichkeit zurück,

uns zu besuchen.


Österreichische Gesellschaft für

Tiergestützte Therapie ÖGTT

Mitglieder stellen sich vor

Ein dritter Grund für die Auswahl der Bunten Edelziege war, dass wir sie weiterzüchten möchten und

damit mithelfen, diese Rasse in Österreich weiter zu verbreiten. Darum haben wir auch beim Kauf

der Ziegen darauf geachtet, dass jede Ziege einen Abstammungsnachweis besitzt.

Doch die Auswahl eines geeigneten Zuchtbocks erwies sich auf Grund der geringen Population in

Österreich als gar nicht so einfach – Es sollte ja nach Möglichkeit ein Bock sein, der alle unsere

Ziegendamen decken kann..

Nach einiger Suche fanden wir diesen in Form von „Ronaldo“, einem sehr freundlichen und lieben

Bock aus Vorarlberg.

Da wir selbst keine Möglichkeit haben, einen Bock fix zu halten, entschieden wir uns dafür, Ronaldo

einfach auszuborgen, damit er seine „Arbeit“ erledigen kann.

Er war dann auch sehr fleißig und mittlerweile haben wir bereits den ersten Nachwuchs bei uns

begrüßen dürfen. Unser jüngster Zugang ‚Lisa‘ warf 2 Buben ‚Rico und Rocky‘, die bereits einen

wunderschönen Platz gefunden haben.


Österreichische Gesellschaft für

Tiergestützte Therapie ÖGTT

Mitglieder stellen sich vor

Für die restlichen Ziegen ist der geplante Wurftermin Ende März und wir sind schon gespannt auf

den Nachwuchs.

Die Ziegen haben unser aller Leben nicht nur komplett umgekrempelt sondern auch bereichert und

wir freuen uns schon auf weiteren Herausforderungen, die sie für uns parat haben.

Für Interessierte unsere nächsten Termine:

Sommercamp für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren: 8.08.2016 - 12.08.2016

Kindergeburtstage und Ziegenwanderungen: auf Anfrage

Kitzverkauf/Begutachtung: Ab

Anfang April

Für allgemeine Anfragen und

Informationen stehe ich gerne

zur Verfügung!

Mag. Evelyne Kriegner-Gehmair

Projektleiter im IT Bereich

Zertifizierter Trainer der Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie ÖGTT

Organisation und Veranstaltung von Workshops, Kindercamps, Geburtstagspartys, Ziegentrekkings

Direktvermarkter von frischer Ziegenrohmilch und Wachteleier ab Hof

Hauptstr. 29

2751 Hölle

Tel: 0676/372 6934

info@tierzudir.at

www.tierzudir.at

www.ziegen.farm

www.facebook.com/tierzudir


Ayam Serama


das kleinste Hühnchen der Welt

erobert unsere Herzen


Es geht um die kleinsten Zwerghühner

der Welt, die Seramas aus Malaysia,

die auch in Deutschland einen

bedeutenden Züchterstamm gefunden

haben.

Sie wurden vor Jahren von Jerry

Schexnayder in die USA importiert

und haben später in den Niederlanden

und England treue Züchter gefunden.

Auch in Belgien, Österreich,

Frankreich, Spanien, Bulgarien und

anderen Ländern begeistern sie.

Vereinzelte weitere Importe aus dem

Mutterland Malaysia ergänzten das

Zuchtreservoir in Europa. Vor allem

die belgischen Züchter um den

rührigen Vorsitzenden des belgischen

Seramclub, John Benoot, haben durch

weitere Importe aus dem Mutterland

der Rasse wertvolles Zuchtmaterial

importiert und arbeiten intensiv an der

Verbreitung und Förderung des

malaysischen Zuchtgedankens.

Die begnadete Züchterin Jai

Phuwongsa aus Belgien hat durch

gute Kontakte zu ihrem Heimatland Thailand einige weitere Importe vollzogen und im Rahmen ihres

hohen Sachverstandes viele sehr typvolle Ayam Serama gezüchtet und auch weitergegeben.

Nun ist es so, dass die Serama in Malaysia und, nach ihrer Anerkennung als neue Rasse vor

Jahren auch in den Niederlanden, anders bewertet werden, als das bekannt zu sein scheint.

Die zur Schau gestellten Serama werden in den üblichen Zwerghuhnkäfigen untergebracht. Bei der

Bewertung können die Aussteller und anderweitig Interssierte zugegen sein. Das für diese Rasse

typische Bewertungssystem weicht von der Bewertung sonstigen Rassegeflügels ab; beim

Ziergeflügel ist das ja auch so!

Für die Bewertung ist auf einem normalen Tisch ein grüner Belag ausgelegt, der an kurzen

Kunstrasen erinnert. Am Tisch sitzt der Preisrichter und ggf. ein Schreiber. Die Züchter oder ein

Zuträger bringen die zur Bewertung vorgesehenen Tierchen zum Tisch und stellen den jeweiligen

kleinen Hahn oder die kleine Henne darauf. Zuvor haben die Aussteller für die Hühnchen den Kopf

einer Bewertungskarte mit der Ringnummer des Tieres und ggf. mit dessen Namen versehen und

sie dem Bewertenden übergeben. Der Bewertungsrichter oder der Schreiber stellen das Tierchen

auf eine digitale Küchenwaage und übertragen das ermittelte Gewicht auf die Bewertungskarte. Die

Serama werden in drei Gewichtsklassen eingeteilt:

Hahn: A bis 350 g Henne: A bis 325 g

B bis 500 g

B bis 425 g

C bis 600 g

C bis 525 g


Das zu bewertende Tierchen wird wieder auf den Bewertungstisch gesetzt. Der Richter beurteilt den

jeweiligen Kandidaten von allen Seiten und bringt ihn ggf. durch ganz leichte Berührung in die

gewünschte Positur, die sich dadurch auszeichnet, dass sich ein besonders gutes Tier ohne Zutun

freiwillig und gern aufrichtet, die ausgeprägte Brust hochreckt, die Schwingen senkrecht platziert

und den Schwanz etwa 45 Grad

aufgerichtet trägt.

Zunächst wird der Typ beurteilt.

Hierbei sind bis zu 30 Punkte zu

erreichen. Es gilt hierbei einen

möglichst nicht so kräftigen

Rassevertreter vorzufinden, der

eine enorm vorgewölbte und vor

allem hoch getragene Brust zeigt,

einen sehr kurzen Rücken hat und

den Schwanz etwa 45 Grad nach

oben richtet. Gleichzeitig sollen

die Schwingen senkrecht nach

unten zeigen, ohne den Boden zu

berühren. Dies ist dann möglich,

wenn eine ausreichende

Lauflänge gegeben ist. Den Kopf

ziert ein kleiner Einfachkamm mit

möglichst fünf Zacken. Die

Ohrlappen sollen möglichst rot

sein. Etwas Weiß wird toleriert,

bedingt aber einen Punktabzug.

Die Hauptsicheln sollen die

Steuerfedern nur wenig überragen

und nicht gerundet sein. Die fünf

Nebensicheln dagegen schon.

Als nächstes Bewertungskriterium

wird der Charakter beurteilt. Dies

ist nun eine Betrachtungsweise,

die nach dem deutschen Bewertungssystem nicht bekannt ist. Gleichwohl ist es sehr

bemerkenswert, wie sich gute Serama hier präsentieren. Ein wirklich besonderes Tier bleibt ruhig

stehen und bewegt sich kaum. Es präsentiert sich stolz. Deutliche Abzüge von je fünf Punkten von

den maximal zu erreichenden 25 Punkten für das Verhalten gibt es dann, wenn ein Tier nach dem

Richter pickt oder gar den Tisch verlässt. Diese Tierchen haben eigentlich keine Chance mehr, bei

der Präsentation vorn zu landen. Im übrigen ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung,

dass ein Serama um so leichter zu greifen ist, je vorsichtiger und langsamer man mit

gleichbleibenden Bewegungen mit der Hand oder besser beiden Händen dem Tier entgegen geht.

So kann man es mühelos aufnehmen. Sobald man versucht, durch schnelles Zugreifen zum Ziel zu

kommen, wird man überrascht sein, wie schnell die Seramas sein können!

Die Schwanzhaltung ist das nächste Prüfkriterium und wird bestenfalls mit 15 Punkten belohnt. Im

Winkel von etwa 45 Grad nach oben gerichtet sollte der Schwanz präsentiert zu werden.

Abweichungen werden auch hier mit Punktabzügen im Dreierschritt geahndet.

Dann wird über den Kopf geurteilt. Hierbei geht es um Kammgröße und -form, Art und Anzahl

sowie Positionierung der Kammzacken, Schnabelform und -länge, Ausformung und Lage der

Kehllappen. Fünf Kammzacken werden als ideal angesehen. Die Kehllappen sollen klein, faltenfrei

und rund sein. Maximal zehn Punkte sind bei der Bewertung des Kopfes zu erreichen und es wird

ggf. in Zweierschritten abgewertet.


Der Gefiederzustand wird danach bewertet, ob das Gefieder - außer bei Gelockten und

Seidefiedrigen - glatt ist. Auch wird geprüft, ob es vollständig und unbeschädigt präsentiert wird. Im

Idealfall sind zehn Punkte zu erzielen und die etwaige Abwertung erfolgt auch hier in

Zweierschritten.

Alsdann wird die Kondition überprüft und mit bis zu zehn Punkten gelohnt. Eine vielleicht

vorzunehmende Abstufung erfolgt hier ebenfalls in Zweierschritten.

Interessant finde ich die

Vorgehensweise, dass in der

letzten zu prüfenden Rubrik mit

der Bezeichnung

„Ausschlussfehler“

bejahendenfalls das

Gesamtergebnis bei Null liegt.

Wie der Bewertungskarte zu

entnehmen ist, sind die

Punktevergaben weiter gefächert

als bei dem uns bekannten

Bewertungssystem.

Der Leser dieser Zeilen wird

vielleicht denken, da ist ja nichts

über Farbe und/oder Zeichnung

sowie Lauffarbe zu lesen! Genau,

die Gefieder- und Lauffarben

werden bei der Bewertung der

Serama gänzlich

ausgeklammert. Die Lauffarbe

soll zwar möglichst gelb sein,

doch werden andere Färbungen

wie weiß, grünlich und blaugrau

geduldet.

Wenn man erkennt, dass bei

diesen so unglaublich zahmen

und liebenswerten kleinen

Hühnchen in entscheidendem

Maße darauf geachtet wird, dass

Typ und Charakter stimmen und

bei der Wahl der Zuchttiere klar

im Vordergrund stehen, verwundert

es nicht, dass Serama mit farblichen Ausprägungen ausgestattet sind, die mancher

Rassegeflügelzüchter noch nicht gesehen hat und die oft besonders sein können. So ist es

durchaus möglich, aus einem Paar in der Nachkommenschaft eine Vielzahl an Farben zu erzielen.

Dies macht den Schlupf und das Beobachten des ersten Federwechsels der Jungtiere

richtiggehend spannend!

Beispielsweise ist Braun mit schwarzem Saum oder weißen Tupfen ebenso anzutreffen, wie

Cremefarbige (butterscotsh) oder Graue und Gelbe mit weißen Tupfen sowie Rote mit schwarzem

Saum. Auch dunfarbige Serama sowie Beigegraue mit schwarzem Saum sind in unterschiedlichen

Ausprägungen vorhanden. Der Farbschlag Bronze ist hier existent und in vielen unterschiedlichen

Ausprägungen möglich. Diese Aufzählung kann nicht abschließend erstellt werden. Farblich ist

sicher für jeden Geschmack etwas dabei.


Die Hühnchen sind im übrigen gute Winterleger und verzehren eine große Menge an Grünfutter.

Sie können aber auch sehr wählerisch sein, wenn sie reichlich Futter vorgesetzt bekommen.

Darüber hinaus zeichnen sich die Hähne dadurch

aus, dass sie zumeist einen derart leisen Krähruf

von sich geben, dass man mitunter eher von einem

Krächzen oder Quietschen sprechen könnte. Sie

sind also auch und vor allem für die Haltung in

kleineren Gartenbereichen und durchaus auch

in Wohngebieten geeignet!

Die etwaige Frage nach ihrer Verbreitung stellt sich

meines Erachtens nicht, weil sie in Deutschland

und dem übrigen Europa eine große Züchterschar

haben. Für mich stellt sich nur die Frage, wie der

Zucht- und Anerkennungsausschuss in

Deutschland mit der so anderen Art der Bewertung

umgeht? Ist man so flexibel, auch ein

ungewöhnliches Verfahren zu akzeptieren, oder

bleibt man stur bei dem bekannten System, ohne

über den Tellerrand zu schauen. Letzteres wäre

schade, widerspräche dem Europagedanken und

würde in den benachbarten Ländern der Entente

nicht nur belächelt.


Gleichwohl, ich bin begeistert von meinen Kleinen, die mir täglich eine Menge Freude bereiten,

wenn sie auf mich zukommen und mir

das Dargebotene aus der Hand

nehmen.

Sie erfreuen mich durch ihre Art zu sein,

sich zu bewegen und ihr

Sozialverhalten. Wenn ich im Frühjahr

oder Sommer mal ein paar

Zuchtstämme miteinander im Garten

laufen lasse, um ihnen Sonne, Grün und

Scharraum in größerem Ausmaß zu

geben, bleiben die Stämme so

zusammen, wie sie es im Zuchtabteil

gewohnt waren. Sie streifen dann durch

Stauden und Sträucher und man könnte

meinen, ihnen ihr Wohlbefinden

ansehen zu können. Selten kämpfen die

Hähne und sehr bald geht man sich

einfach aus dem Weg, wenn der Platz

es hergibt.

Wenn man den kleinen Hennen ihre gelegten Eier, die übrigens in Relation zu ihrem zarten Körper

eine erstaunliche Größe aufweisen, belässt, versuchen sie oft nach etwa sechs bis acht Eiern das

Brutgeschäft aufzunehmen und sind sehr

fürsorgliche, treue Glucken. Der Zuchthahn

braucht auch nicht entfernt zu werden. Er

versteht sich nach dem Schlupf der Küken

als „Familienvater“.

Klaus Reinermann, Ahaus, Telefon 02561-67309.

Wenn die Kleinen dann heranwachsen,

sollte es nicht verwundern, dass die

Jungtiere unterschiedliche Größen

aufweisen. Die Serama spalten

diesbezüglich auf. Es gibt die kleineren

begehrten Tiere der A-Klasse, die mittleren,

für die Zucht Wichtigen der B-Klasse und

die nicht so gewünschten größeren Tiere

der C-Klasse. Letztere konnte ich bislang

immer an erfreute Hühnerhalter abgeben,

die eben nur ein paar Tierchen für den

Garten suchten.

Ach ja, da ist dann noch die Tatsache zu

nennen, dass sich erstaunlich viele Frauen

unter den Züchtern und Haltern der Serama

finden. Eine erfreuliche und bedeutende

Tatsache.

Wer mehr Informationen über die

besonderen Kleinen erfahren möchte, darf

sich gern beim Verfasser melden.


Maxi´s Juniorseiten

Elche

seltene

Einzelgänger

im Wald

von Maximilian

Schaufler

Elche sind Wiederkäuer wie z.B. unsere Kühe und gehören zur Familie der Hirsche.

Dabei sind sie aber viel größer als unsere Hirsche, sie können bis zu 3m lang und bis

zu 800kg schwer werden und erreichen eine Schulterhöhe von 2,30 Meter.

Elche kommen im Norden von Europa, Asien und Nordamerika vor. Teilweise können

sich einzelne Tiere auch weiter in den Süden verirren (auch nach Deutschland und

Österreich).

Am wohlsten fühlen sich die großen Wiederkäuer aber bei Temperaturen von plus

10°C bis zu minus 20°C. Bei wärmeren Temperaturen leiden sie unter „Hitzestress“.

Ihr Lebensraum ist oft schwergängiges Gelände, was ihnen einen Vorteil gegenüber

ihren Feinden bietet. Sie traben mit ihren langen Beinen so schnell über Buschwerk,

was die Jagd für die Wölfe und Bären sehr erschwert.

Als großer Pflanzenfresser benötigen die Elche sehr energie - und proteinreiche

Nahrung. Sie bevorzugen daher junge Baumtriebe und v.a. Wasserpflanzen. Diese

können sie sogar unter Wasser äsen (fressen).


Im Herbst und Winter müssen sie sich auch mit „minderwertigeren“ Pflanzen zufrieden

geben. Meistens sind die Elche als Einzelgänger unterwegs, nur im Winter kann es sein,

dass sie sich zu kleinen Gruppen zusammenschließen.

Die Fellfarbe von Kopf und Rumpf ist rot bis schwarzbraun, am dunkelsten ist ihr

Sommerfell, am hellsten ihr Winterfell. Einen Spiegel am Hinterende haben diese Hirche

nicht. Die Signalfunktion untereinander übernehmen anstatt dessen die grauweißen,

langen Läufe (Unterschenkel).

Nur die männlichen Tiere tragen ein Schaufelgeweih mit einer Spannweite von bis zu 2

Metern!

Jedes Jahr im Jänner / Februar wird dieses aber wieder abgeworfen und wieder neu

gebildet. Im Herbst (September) ist dieses neue Geweih ausgewachsen und die Bullen

streifen den Bast an Sträuchern ab. Jetzt kann auch die Brunft beginnen.

Männliche Tiere messen ihre Kräfte in Zweikämpfen auf sogenannten Brunftplätzen, auf

denen sich dann auch die Elchkühe einfinden, um sich mit den stärksten Bullen paaren.

Nach ca. 8 Monaten kommt meist nur ein Junges zur Welt, das ungefähr ein Jahr bei

der Mutter bleibt, bis wieder das nächste Kalb geboren wird.

Die maximale Lebensdauer der Elche beträgt bis zu 27 Jahre, meist wird aber in Freiheit

ein Alter von 15 Jahren aufgrund der Gefahren (Beutetier, Jagd, Straßenverkehr) nicht

überschritten.


Rassenportrait

Herdenschutzhund

Polski Owczarek

Podhalanski

von Dr.med.vet Andrea Schaufler


Im November des vorigen Jahres meldeten wir uns bei einem renommierten Züchterehepaar,

Marzena und Lukasz Hartabus, in Polen für einen Rüden der Rasse Polski Owczarek

Podhalanski an.

Vor Weihnachten wurde bei der Hündin mittels Ultraschall festgestellt, dass sie trächtig war.

Die Kleinen sollten Ende Jänner 2016 zur Welt kommen, leider erblickte nur ein Junges das

Licht der Welt.

Die Natur hat entschieden! Nun warten wir gespannt auf den nächsten Wurf im März oder

April.

Eigentlich wollte ich in dieser Ausgabe von unserem ersten Trip nach Polen und vom Besuch

bei den Podhalanern in Wort und Bild berichten. Aber wie heißt es so schön: „Vorfreude ist die

schönste Freude“ !


Allgemeine Entwicklung der Herdenschutzhunde:

Herdenschutzhunde zählen neben Hütehunden und verschiedenen Jagdhunden zu den

ältesten Begleitern und Arbeitsgehilfen der Menschen. Diese imposanten Hunde haben sich

unabhängig voneinander in allen Teilen der Welt entwickelt, wo vor allem Schäfer mit ihren

Vieherden unterwegs waren.

Die großen Hunde begleiteten in ruhigem Tempo ihre Herden und beschützten diese vor

verschiedenen Gefahren. Sie mussten absolut wetterfest, genügsam, gesund und langlebig,

aber auch äußerst leistungsfähig sein. Es wurde Hunden und Schäfern abverlangt 15-30

Kilometer pro Tag mit dem Weidevieh mitzuziehen.

Unter diesen harten Lebensbedingungen war es nicht angesagt seine Energie unnötig zu

vergeuden, auch Verletzungen konnten sich weder Tier noch Mensch leisten. Dies ist auch der

Ursprung der enorm hohen Reizschwelle der Herdenschutzhunde, aber auch des gesunden

Misstrauens gegenüber Fremden.

Die Wintermonate verbrachten die Schäfer mit ihren Tieren in ihren Dörfern, wobei die Hunde

meistens sich selbst überlassen waren und umherstreunten. Ein gegenüber Dorfbewohnern

aggressiver Hund wurde dabei nicht gebraucht und eliminiert.

Auch beim zufälligen Zusammentreffen mit anderen Schäfern, oder beim Marktverkauf,

mussten sich die Hunde „benehmen“ und auf den Schäfer hören. Aufgrund der eigenständigen

Entscheidungsfähigkeit wird man von einem Herdenschutzhund aber nie blinden Gehorsam

abverlangen können!


Durch diese jahrhundertelange Selektion auf die geforderte Aufgabe entstanden in

verschiedenen Ländern unabhängig voneinander Hunde eines ähnlichen Types:

Kräftig, muskulös,groß, trittischer, dichtes, selbstreinigendes Fell (keine Zeit für Fellpflege),

genügsam, robust und langlebig (ein guter Hund war unbezahlbar!).

Äußerlichkeiten, wie Fellfarbe und Nasenlängen, Ohren etc. waren früher belanglos. Der Hund

musste ein gesundes Wesen haben und seine Arbeit verrichten. Leider werden diese Kriterien

in der heutigen Zucht oft vergessen!

Schäfer verpaarten ihre Hunde je nach Bedarf, denn je weniger Hunde man durchfüttern

musste, desto besser. So entstanden auch Allrounder, die man für mehrere Zwecke einsetzen

konnte. Meist gilt die Regel: Je kleiner ein Hund ist umso mehr Hüteanteile besaß er, große

zeigten mehr Schutzinstinkt.

Die moderne FCI teilt die Hirtenhunde aufgrund ihrer unterschiedlichen Verwendungszwecke

auch unterschiedlich zu:

In der FCI Gruppe 1 sind die Hunde zu finden, die zum Wachen und Treiben eingesetzt

werden konnten, wie z.B. der ungarische Komondor, Kuvasz, Puli, Puma und Mudi, der

Slovensky Cuvac, der italienische Bergamasker und Maremmano Abruzzese, der polnische

Polski Owczarek Podhalanski und Südrussischer Owtscharka.

Zur FCI Gruppe 2 , Sektion 2 (Berghunde, schwere Wachhunde)

gehören der Sarplaninac, Bernhardiner, Neufundländer, Kaukasischer und Zentralasiatischer

Owtscharka, Pyrenäenberghund, Leonberger, Hovawart,

Anatolische Hirtenhunde, Do Khyi, etc.


Polski Owczarek Podhalanski (POP)

Diese von der FCI im Jahre 1967 anerkannte polnische Hunderasse ist ebenso unter den

Namen Podhalaner, Tatrahund, Tatra-Schäferhund oder Polnischer Hirtenhund bekannt.

In seinem Ursprungsland wird er als Hirten-Wach-und Begleithund eingesetzt.

Er stammt aus dem nordwestlichen Teil der Karpaten (Hohe Tatra), genauer gesagt aus dem

am nördlichen Rand der Tatra liegenden Karpatenvorland, welches Podhale genannt wird.

Der Name setzt sich daher so zusammen:

Polnischer (Polski) Schafshund (owczar=Schaf) der Podhale.

Das Fell des kräftigen, imposanten Hundes soll einheitlich weiß, ohne cremigen Flecken, sowie

pflegeleicht sein.

Rüden werden bis zu 70cm groß und bis zu 55kg schwer, Hündinnen bis zu 65 cm groß und

bis zu 40 kg schwer. Diese Rasse ist aufgrund ihres Verwendungszweckes absolut wetterfest

und liebt den Aufenthalt im Freien, daher sollten die „großen Weißen“ besser im ländlichen

Bereich gehalten werden. Als typischer großer Herdenschutzhund zeigt er meist mittleres

Temperament und hohe Reizschwelle mit wenig Neigung zur Schärfe. Das Beschützen des

Eigentums ist ihm angeboren, er ist wachsam und verteidigungsbereit, aber nicht angriffslustig

oder aggressiv. Es ist anzuraten, dass der Podhalaner als Welpe in der Sozialisierungsphase

vieles und v.a. auch viele verschiedene Menschen kennenlernen kann. Diesen Umweltdingen

und Personen wird er später neutral und mit gewisser Toleranz begegnen können, Fremden

gegenüber zeigt er sich sonst mißtrauisch , teilweise auch abweisend. Dies wird oft als

Schwäche gedeutet, entspricht aber dem Naturell des Hundes. Herdenschutzhunde gehen,

wie oben beschrieben, möglichen Gefahren aus dem Weg, denn dies kann unter Umständen

lebenserhaltend sein.


Zähne setzen sie nur im äußersten Notfall ein, wenn Drohen und Scheinangriffe den Gegner

nicht vertreiben. Podhalaner sollten daher niemals „scharf“ gemacht werden, da dabei das

angenehme Wesen verloren geht. Die Gewöhnung an vielfältige Routineabläufe in der

Jugendentwicklung mindert auch das meist für einen Wächter typische, massiv aufgezeigte

Bellverhalten.

Eine weitere Besonderheit, wie auch bei vielen anderen Herdenschutzhunden, ist ihre

Anspruchslosigkeit in Bezug auf die Ernährung. Aufgrund der eher kärglichen Verhältnisse

haben sich die Podhalaner an eine proteinarme Ernährung angepasst. Bei einer

Überversorgung an tierischem Eiweiß können sie unter Umständen mit allergischen

Reaktionen, wie Hautproblemen reagieren. Hirten füttern ihre Hunde mit Milchprodukten (wie

Topfen, Kefir…) und Getreideprodukten (Brot, Nudeln, Reis….). Also alles, was auch der

Mensch jahrhundertelang zu sich nahm, wurde den Hunden gefüttert.. Ein Extrafutter für

Hunde wurde und wird nicht mitgenommen!

POP´s sind komplett auf ihr Rudel fixiert, gehen gerne spazieren, brauchen aber keine

Dauerläufe. Viel wichtiger sind gemeinsame Tobe-und Kuschelstunden! Obwohl sie ihren

Menschen meist treu ergeben sind, bleibt eine gewisse Eigenständigkeit erhalten. Welpen und

Junghunde sollten daher mit einer konsequenten, aber liebevollen (!) Führung, auf ihren Platz

im Rudel eingeordnet werden.

Wer einen Hund mit der sofortigen Umsetzung seiner Befehle erwartet, d.h. absoluten

„Kadavergehorsam“ verlangt, liegt beim Podhalaner falsch. Da er selbständig denkt, befolgt er

Anweisungen aus Überzeugung und aus Zuwendung seinen Besitzern gegenüber . Als absolut

arbeitsfreudiger Hund ist er aber total bei der Sache, dies kann unter Umständen auch beim

Hundesport (außer Schutzdienst!) sein.


Ich bin schon sehr gespannt, wenn uns die Züchter über den nächsten geplanten Wurf Ende

März / Anfang April berichten. Hoffentlich geht dieses Mal alles gut und wir können im

Frühsommer einen Polski Owczarek Podhalanski auf unserem Mauritiushof im Waldviertel

willkommen heissen!

Im Anschluss stellen Marzena und Lukasz Hartabus ihren Zwinger „Nutrena“ vor:

Kennel “NUTRENA” with cynological traditions since 1970

In our kennel we attach great attention to the physical and mental health of our

dogs. Therefore, all of our dogs of our breeding have made tests: HD, ED, OCD,

Heart test, eye test, and all are healthy. Puppies in our kennel are under constant

control of the veterinary clinic, where are several times dewormed and vaccinated

against infectious diseases and viral. Our long-term working with dogs, studies

on department of biology and cultivating of animal – agriculture of Uniersity in

Krakow – about reproduction of dogs end master work and title of Assistant of

International Judge help guide us in professional kennel way.

This knowledge and experience help us to learn new owners in put first steps in

breeding and shows. We invite you also to visit our website

www.podhalan.com.pl


Frühling

im

Garten


Gartenarbeit im Frühling

Sobald der letzte Schnee verschwunden ist und die Tage wärmer werden, sehnt man sich

bereits nach den ersten Frühlingsboten, saftig grünen Wiesen, aber vor allem auch nach dem

eigenen Garten.

Schon lange bevor die Gartensaison so richtig beginnt, kann man mit den ersten

Vorbereitungen beginnen.

Mit den folgenden Arbeiten starten sie das Gartenjahr:

Laub entfernen:


Angesammeltes Laub soll auf

Rasenflächen, Pflanz- und Kiesflächen,

sowie auf Wegen und in versteckten

Ecken entfernt werden. Die nicht

entfernte Blätterschicht fördert

Krankheiten und Schädlinge.

Vor allem in Teichen und Wasseranlagen

muss man hier besonders gründlich

sein, da der zusätzliche Eintrag von

Stickstoff das Wasser und den

biologischen Kreislauf stark

beeinträchtigen kann. Das gesammelte

Laub kann kompostiert und somit

natürlich wieder eingebracht werden.

Staudenbeete:


Abgestorbenen Pflanzenteile werden entfernt. Auch Gräser, die im Herbst

zusammengebunden wurden, kann man mit Hilfe einer Heckenschere bodennahe

abschneiden. Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt zum Teilen der Stauden. Funkien, Phlox,

Rittersporn, Gräser, Taglilien und viele andere werden grob ausgestochen und mit einem

scharfen Messer oder Spaten geteilt. Auf jedem Pflanzenteil sollten Jungtriebe und Wurzelteile

vorhanden sein, um das Anwachsen zu gewährleisten.

In bestehenden Beeten die Erde auflockern, mit Naturkompost anreichern und ev. Hornspäne

leicht einarbeiten. Falls kein Kompost zur Verfügung stehen sollte, kann man auch

biologischen Handelsdünger verwenden. Auch etwas Kalk auftragen.

Im Anschluss die Pflanzfläche mulchen, um das Erdreich vor dem Vertrocknen zu schützen.

Aber Achtung mit Rindenmulch: Die darin enthaltene Gerbsäure lässt den Boden mit der Zeit

sauer werden (PH-Wert sinkt) und somit beginnen die Pflanzen die Blühkraft einzustellen bzw.

sie entwickeln einen Kümmerwuchs oder gehen ein.

Beete, die lange mit Rindenmulch abgedeckt wurden, freuen sich über eine Kalkgabe.


Rasenfläche überarbeiten:

Im Winter haben sich die Grashalme oft umgelegt bzw. Schneeflächen haben ihn fast luftdicht

abgeschlossen.

Am Besten mit einem Laubbesen (Federbesen) grob abrechen. Die abgestorbenen Grasteile

werden entfernt und bereits nach dem ersten Schnitt kann sich der Rasen gut erholen.

Falls sie Probleme mit Schneeschimmel haben, kann auf eine bestehende Schneedecke

schon etwas Kalk gegeben werden. Dieser hemmt den Schimmel. Kalk unterbindet auch das

Wachstum von Moos. Achtung! Nicht zu viel auftragen, da der Ph-Wert des Rasens am Besten

bei 6,9 liegt. Das ist ganz leicht sauer.

Die erste Düngung kann auch jetzt Mitte März, Anfang April erfolgen. Bitte bevorzugen sie

biologische Dünger. Mit dem Vertikutieren sollte aber unbedingt noch bis Mitte Mai gewartet

werden.

Um den Rasen noch perfekt in Szene zu setzen stechen sie die Rasenkanten nach und

bessern beschädigte Stellen aus.

Sträucherschnitt:


Immergrüne Sträucher werden erst nach dem Winter zurückgeschnitten. Bei Pflanzen mit

größeren Blättern (Kirschlorbeer) hat es sich bewährt, sich die Zeit zu nehmen und statt der

Heckenschere, die Baumschere zu benutzen. Da die Schnittstellen der angeschnittenen Blätter

dann nicht braun werden.

Beim Strauchschnitt im Allgemeinen: Blütensträucher erst nach der Blüte Mitte Mai schneiden.

Hierbei auch darauf achten, dass man der Pflanze auch von innen Äste herausnimmt bzw.

ältere entfernt.


Obstbaumschnitt:


Vor der Blüte kann man sehr gut erkennen, wo der Baum Blätter bzw. Blüten ansetzt und somit

einen ertragsorientierten Schnitt durchführen.

Für Anfänger empfehle ich am Besten eine eigenen Obstbaumschnittkurs oder sich einen

Fachmann zu holen.

Wenn nicht auf Ertrag gewartet wird, bietet sich auch ein Sommerschnitt sehr gut an.

Gießen im Winter und Frühling:


Die häufigste Ursache für das Sterben immergrüne Pflanzen ist das Vertrocknen. In

schneearmen bzw. regenarmen Wintern gehörten Bux und Co gegossen. Vor allem

Topfpflanzen, die unter einem Dach stehen, darf man nicht vergessen.


Reinigungs- und

Pflegearbeiten:

Um den ganzen Garten im Glanz

erstrahlen zu lassen gehören auch

Wege, Töpfe und Sitzmöglichkeiten

gereinigt.

Das Warten der Gartenwerkzeuge

ist auch besonders wichtig. Spaten,

Harken, Schaufeln und Scheren

schleifen. Nur mit einem

ordentlichen Werkzeug kann man

gut arbeiten.

Pflanzenanzucht:

Anfang März beginnt man mit der Anzucht von Gemüsepflanzen, aber auch einjährigen Blumen.

Die Fensterbank ist hier der ideale Ort. Auch wenn draußen noch etwas Schnee zu sehen ist,

bekommt man schon Vorfreude auf das Frühjahr.

Wichtig! Pflanzen beschriften. Ideal ist es auch die Saatgutsäckchen aufzubewahren, dass man

die Sorten, falls sie sich sehr gut gemacht haben, das nächste Jahr noch kennt.

Gartenplanung und Umgestaltung:

Der Winter und der Frühlingsanfang sind der ideale Zeitpunkt um sich Gedanken über die

Gestaltung des Gartens zu machen. Vor allem können pflanzliche Änderungen optimal im

Frühling umgesetzt werden.

Ich wünsche ihnen einen sonnigen Start in die Gartensaison!

Gartenplanung

Ing. Ingrid Schwödiauer

Gärtnermeisterin aus Steyr

Wunschgartenplanung@gmx.at

www.wunschgartenplanung.jimdo.com


Bärlauch

Gesund in den Frühling

Botanischer Name: Allium ursinum

Volksnamen: Bärenlauch, Hexenzwiebel, Wurmlauch, Ramsen,

Waldknoblauch, Wilder Knofel

Pflanzenfamilie: Liliengewächse (Liliaceae)

Wegen des starken Geruchs nach Knoblauch war der Bärlauch schon seit dem Mittelalter

in seiner Eigenschaft als „vertreibende Kraft“ bekannt. Er trägt den Namen des

Bären, der ihn nach dem Winterschlaf auch zur Stoffwechselsteigerung und Blutreinigung

dem Vernehmen nach fressen soll. Der Bär selbst war ein keltischer Frühlingsbringer, ein

Symbol für den Sonnengott. Mit seinem Erscheinen war die Kraft des Winters gebrochen,

der Beginn des Frühlings war da.

Bärlauch muß vor allem frisch genossen werden. Verwendet wird die Zwiebel (Bulbus

allii ursini) als auch die Blätter. Die getrocknete Pflanze hat keine Heilkraft !

Gefährlich ist die Verwechslung mit dem giftigen Maiglöckchen, der Herbstzeitlose bzw.

dem Aronstab. Alle drei Pflanzen kommen in ähnlichen Regionen vor, allerdings ist der

Bärlauch aufgrund seines deutlichen Knoblauchgeruchs, der nur ihm eigen ist, von

allen anderen Pflanzen zu unterscheiden.

Heilwirkung:

Schon den alten Römern war der Bärlauch als Heilkraut bekannt. Er wurde auch als

„Römischer Knoblauch“ mancherorts bezeichnet. Der Mundartname „Rämschelen“ ist

wohl vom alten Namen „Römischer Salat“ abgeleitet worden.

Kräuterpfarrer Johann Künzle (geboren 3. September 1857 in St. Gallen; †

9. Januar 1945 in Zizers) aus der Schweiz schreibt zum Bärlauch

folgendes:

…...wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von

Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch. Ewig kränkelnde

Leute mit Flechten, Furunkeln und Ausschlägen versehen, sollten den Bärlauch

verehren wie Gold. Die jungen Leute würden aufblühen wie ein Rosenspalier und

aufgehen wie die Tannenzapfen an der Sonne……

Pfarrer Künzle empfahl den Bärlauch wie Schnittlauch zu schneiden und jeweils eine

Hand voll beim Anrichten in die Suppe zu geben.


Der kräuterkundige österreichische Biologe Richard Willfort (1905 - 1978) beschreibt in

seinem bedeutenden Kräuterbuch „Gesundheit durch Heilkräuter“ den Bärlauch als

ausgezeichnetes volksheilkundliches Heilmittel bei Arterienverkalkung (Arteriosklerose),

besonders wenn diese schon weit fortgeschritten wäre. Er erwähnt die blutdrucksenkende

Wirkung, die frühere Verwendung bei Wurmerkrankungen und auch bei Leberleiden. Er

empfiehlt ihn auch als vorzügliches Reinigungsmittel für Magen und Darm.

Die oft umstrittene oberösterreichische Kräuterfrau Maria Treben (1907-1991)

teilt im Wesentlichen die Meinungen der beiden Kräuterkundigen und meint gleichzeitig, der

Bärlauch wäre in seiner Eigenschaft ähnlich dem Knoblauch, nur bedeutend heilkräftiger.

Laut Maria Treben eignet sich der Bärlauch besonders gut für Entschlackungskuren

im Frühjahr beziehungsweise zur Besserung chronischer Hautkrankheiten.

Sie empfiehlt zur Entschlackung die Bärlauchblätter klein geschnitten aufs Butterbrot

zu legen, fein zerhackt in die tägliche Suppe zu geben, auf Kartoffel, in Knödel und

sonstige Speisen zu verarbeiten, deren Geschmack man ansonsten mit Petersilie

verbessert.

Zubereitungen:

Auch als Spinat oder Salat kann man die

Blätter zubereiten. Kräuterkundige

empfehlen aber zur Spinatbereitung auf

Grund des beißenden Geschmacks den

Bärlauch mit Brennesselblättern zu

vermischen.

Bärlauchzwiebel können so verwendet

werden wie Knoblauch.

Besonders magenempfindliche Menschen

sollen Blätter und Zwiebel klein schneiden,

anschließend mit warmer Milch

übergießen, etwas ziehen lassen und dann

diese Flüssigkeit schluckweise trinken. Die

Wurzel pur würde die Magenschleimhaut

zu sehr angreifen.

Maria Treben empfiehlt das Sammeln der

jungen Blätter im April und Mai, also noch

vor der Blüte.

Die Zwiebel erst im Spätsommer und

Herbst.

Besonders bekannt ist bei uns die

Zubereitung von Bärlauchpesto, also

gehacktem Bärlauch mit feinem Olivenöl übergossen, mit gerösteten Nusskernen gespickt

und mit edlem Parmesan vermengt, als wunderbares Pesto auf guten Nudeln oder als

Aufstrich auf getoastetem Brot serviert


Bärlauchgeist

Die Kräuterkundigen empfahlen auch die Zubereitung von Bärlauchgeist, damit man die

Heilkraft des Bärlauchs auch jenseits der üblichen Ernteperiode zur Verfügung hat –

getrocknet verliert er ja wie bereits erwähnt seine Wirkung !

Heute kann man gehackten Barlach auch einfach einfrieren und später wieder verwenden.

Für den Bärlauchgeist werden kleingeschnittene Blätter oder Zwiebel locker bis zum Hals in

eine Flasche gefüllt, mit 40%igem Korn übergossen und 14 Tage in der Sonne am

Fensterbrett zur Reife gestellt. Anschließend kann man 4 x täglich 10-15 Tropfen in etwas

Wasser zu sich nehmen.

In der Volksheilkunde soll Bärlauch bei Arterienverkalkung, hohem Blutdruck, Schwindel,

Druck im Kopf und Beklemmungen, also Symptomen hohen Blutdrucks, Besserung bringen.

In der heutigen Zeit müssen wir hier wohl anmerken, dass moderne blutdrucksenkende

Medikamente wohl bei weitem überlegen und vor allem dauerhaft eingesetzt werden

können. Dennoch bleibt die stoffwechselaktivierende, belebende und vitalisierende Wirkung

auf den winterschlappen Organismus bestehen.

Nicht zu vergessen der wunderbare Genuss dieser Heilpflanze als gehaltvollen Brotaufstrich

mit Topfen, feines Pesto oder als Zugabe zur Frühlingskräutersuppe.

Dr.med. Dieter Schaufler

Arzt für Allgemeinmedizin

Kneipparzt und Kräuterarzt

www.zentrum-mauritiushof.at

Weiterführender Link

http://www.zentrum-mauritiushof.at/mauritiushofacademy-unsere-lehrgänge/wifi-heilkräuterlehrgang/


Die Neunkräuter -

Suppe

alter Krafttrunk


Die Brennessel war seit alters her unabdingbarer Bestandteil der so genannten

Gründonnerstags- oder Neunkräutersuppe

Je nach Landstrich bestand diese Kräutersuppe oft aus den frischen Trieben des

Scharbockskrauts, Trieben verschiedener Kressearten, Vogelmiere, Schafgarbe,

Gänseblümchen, Giersch, Löwenzahn, Labkraut, Gundelrebe oder anderer regionaler

Wildkräuter.

Der Name Scharbockskraut eines dieser oft gelbblühenden Frühjahrsboten zeugt noch

von der Verwendung dieser Neunkräutersuppe oder Gründonnerstagssuppe

gegen den Skorbut (Vitamin C Mangel), den Scharbock.

Dass genau neunerlei Kräuter zur Zubereitung dieser besonderen Suppe Verwendung

fanden, stammt noch aus alten keltischen Traditionen. Den Kelten war die Zahl drei eine

magische Zahl und drei mal drei Kräuter sollten gegen vielerlei Unheil und Krankheit

besonders wirksam sein. So wurden eben genau neun Kräuter zum Kochen verwendet.

Eigentlich brauchen wir nur vor die eigene Haustüre zu treten, um einige schöne

Frühlingskräuter, die wir alle kennen zur Zubereitung dieser Suppe zu finden:

Denken wir nur an die jungen Triebe der Brennessel, die Blätter des Löwenzahns, die

Blätter und Blüten vom Gänseblümchen, die Vogelmiere und vielleicht die ersten Triebe von

Wegerich und Labkraut - es müssen ja nicht gleich alle neun Kräuter in unsere hauseigene

Kraftsuppe wandern ! Auch 4 oder 5 dieser Kräuter werden unseren Stoffwechsel ankurbeln

und in Schwung bringen !

Hier ein Rezept für unsere Kräutersuppe:

Feingehackte Zwiebel in etwas Butter oder Pflanzenöl andünsten, mit Suppenbrühe

oder Suppenwürfel und Wasser ablöschen, vielleicht etwas Mehl zur Eindickung beigeben.

Erst zum Schluß feingehackte junge Pflanzentriebe der genannten Kräuter dazu geben, nur

kurz aufwallen lassen, damit die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zerkochen. Eventuell kann

man etwas Obers, Rahm, ein gequirltes Ei oder ähnliches beifügen. Auch kann die Suppe

mit dem Pürierstab weiter zerkleinert werden.

Alexander von Humboldt (1769-1859) pflegte alljährlich folgende

Suppe täglich über 2-3 Wochen einzunehmen:

Gundelrebe, Schafgarbenblätter, Gänseblümchen, Brunnenkresse,

Kerbelblätter, Brennessel und Spitzwegerichblätter werden mit

kaltem Wasser rasch abgespült, klein geschnitten, mit kaltem

Wasser angesetzt und einmal ganz kurz zum Aufkochen gebracht.

Die Suppe wird mit etwas, in Butter leicht gebräuntem Mehl angerichtet

und mit gerösteten Schwarzbrotschnitten und Schnittlauch serviert.


WIFI. Wir bringen Sie auf Kurs.

Mensch und Natur

Auszug aus dem Kursbuch 2015/16

Lehrgang Heilkräuter

85 TE

€ 1.990

zuzügl. Prüfungsbeitrag € 180

Lehrgang Natur-Kinesiologie

120 TE

€ 2.490

zuzügl. Prüfungsbeitrag: € 180

Gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Entdecken Sie gemeinsam mit Kräuterarzt Dr. Dieter Schaufler

die Grundlagen und Kenntnisse der medizinischen, aber vor

allem auch der überlieferten volksheilkundlichen Anwendung

unserer heimischen Heilkräuter. Etwa 60 verschiedene heimische

Heilpflanzen werden nach Aussehen, Verwendung und

medizinischer Wirksamkeit vorgestellt und gemeinsam im Kräutergarten

am Mauritiushof oder auf den umliegenden Wiesen und Wäldern

aufgesucht und besprochen - in Begleitung mit Tragkörben ausgestatteten

Ponys und Packziegen.

DIPLOM

ZEUGNIS

Im Mittelpunkt stehen die korrekte Dosierung, verschiedene Anwendungsmöglichkeiten

wie Tee, Wickel, Presssäfte, Inhalationen, Auflagen,

Verreibungen, Pulver etc. Auch die gemeinsame Herstellung von

Kräuterschnäpsen, Kräuterlikören, Tinkturen, Kräuterölen, Kräuterweinen,

Kräuteressig oder Kräuterkissen sind wichtige praktische Inhalte.

Natürlich werden Sie auch Kräutersalben und Einreibungen herstellen.

Das reiche praktische Wissen von Kräuterarzt Dr. Dieter Schaufler,

geprägt durch viele Jahre und Erfahrung mit zufriedenen Patienten,

garantiert einen lebendigen, spannenden und abwechslungsreichen

Lehrgang im wunderschönen Waldviertel.

Der Lehrgang Heilkräuter gliedert sich in 5 Module zu je 2 Tagen,

und richtet sich an alle Interessierte, ebenso an Personen aus dem

Gesundheits- und Sozialwesen sowie aus dem pädagogischen Bereich.

Trainer: Dr. med. univ. Dieter Schaufler, Arzt für Allgemeinmedizin

und Kneipparzt.

Waldhausen 23.4. - 2.10.2016

13001015k

Sa, So 10.00 - 18.00

Prüfung: 22.10.2016

Lernen Sie Ihren Energiehaushalt zu harmonisieren!

Dieser Lehrgang versucht, sich mit Hilfe kinesiologischer

Muskeltestung unseren menschlichen energetischen Wurzeln

in der Natur zu nähern. Welche Energien aus der Natur können

wir nutzen, um Menschen wieder ins Gleichgewicht zu

bringen, Harmonie in uns selbst zu finden? Wie setzen wir

das praktisch kinesiologisch um?

DIPLOM

ZEUGNIS

Im reflektierten Umgang mit den Tieren erhalten Sie während des

Kurses ein Spiegelbild Ihrer eigenen energetischen Ausstrahlung und

Wirkung auf andere. Gerade dieses Feedback wird Ihnen später helfen,

bei Ihren Kundinnen und Kunden sinnvolle Dienste zur energetischen

Harmonisierung leisten zu können.

Auch die strikte Abgrenzung der kinesiologischen Energiearbeit zu

heilenden Berufen ist Thema dieses Lehrgangs. Dies wird unter anderem

durch die Wahl des Lehrgangsleiters, ein erfahrener Arzt und

Psychosomatiker, garantiert. Eben gerade dieser eigenständige und

abgegrenzte Raum für Energiearbeit mit Natur und Kinesiologie bietet

ein einzigartiges und wunderbares Arbeitsfeld im Dienst für Menschen,

das Sie nicht ungenutzt lassen sollten.

Trainer: Dr. Dieter Schaufler

Waldhausen 19.3.2016 - 15.1.2017

12281015k

Sa 9.00 - 19.30, So 8.30 - 18.00

Prüfung: 18.2.2017

TE = Trainingseinheit (50 Minuten) / Vorbehaltlich Änderungen und Druckfehler

Anmeldung/Kontakt WIFI Niederösterreich: T 02742 890-2000, F 02742 890-2100, E kundenservice@noe.wifi.at, I www.noe.wifi.at


KURSÜBERSICHT

Online buchen auf www.noe.wifi.at

Lehrgang zum Tiertrainer

310 TE

€ 2.900

zuzügl. Prüfungsbeitrag: € 180

Personal-Coach im tiergestützten Setting

310 TE

€ 4.980

zuzügl. Prüfungsbeitrag € 350

Gemeinsames tierschutzgerechtes Tiertraining

Mit Tieren professionell zu arbeiten und sie entsprechend

auszubilden - für viele von uns ist dies ein beruflicher

Wunschtraum. Dieser Lehrgang richtet sich speziell an all

jene Menschen, die Freude an der Arbeit mit Tieren haben,

selbst schon jahrelang Tiere besitzen und sich ein neues Berufsfeld

erarbeiten möchten. Tiere mit bestimmten Fähigkeiten und

gezielten Ausbildungen werden für spezielle Dienstleistungen zum

Beispiel in der Filmbranche oder am Theater gebraucht, oft aber benötigen

Tierbesitzer Rat und Hilfe bei der Grundausbildung und dem

weiterführenden Training ihrer vierbeinigen oder gefiederten Heimtiere.

DIPLOM

ZEUGNIS

Theoretische Inhalte:

■ Grundlagen und Geschichte des Tiertrainings

■ Lerntheorien, Prägung, Sozialisation, Formen der Konditionierung

■ Diverse Aspekte aus der Verhaltensbiologie

■ Ethologische Grundlagen

■ Nonverbale/Verbale Kommunikation

■ Körpersprachliche Aspekte bei Mensch und Tier

■ Tierschutz und Tierhalteverordnung

■ Veterinärmedizinische Aspekte/Zoonosen

■ Erste Hilfe beim Tier

■ Ethologie des Hundes, calming signals, Körpersprache und Ausdruck

■ Rassenkunde

■ Artgerechtes Hundetraining

Praktische Inhalte: 120 Stunden Pflichtpraktikum an vom Veranstalter

anerkannten und genannten Praktikumsbetrieben. Unentgeltliches

Pflichtpraktikum ist auch am Zentrum Mauritiushof möglich. Während

der Praktikumszeit ist die Arbeit mit mindestens 5 verschiedenen

Tierarten nachzuweisen.

Abschluss: Kommissionelle Diplomprüfung mit Vorstellung der eigenen

Projekthomepage und mündliche Beantwortung vorgetragener

Lehrgangsinhalte. Dieser Lehrgang soll Ihnen praktische und theoretische

Kenntnisse für die Arbeit mit vielen Tierarten, rechtliche Grundlagen

wie Tierhalteverordnung und Tierschutzgesetz, aber auch alle

Erfordernisse und Wissen zur Haltung und dem artspezifischen Verhalten

der meisten Haus- und Nutztiere vermitteln.

Trainer: Dr. Dieter Schaufler

Waldhausen 2.4.2016 - 22.1.2017

12023015k

Sa, So 9.00 - 18.00

Prüfung: 18.3.2017

Schaue in die Augen deines Tieres und du kannst erkennen,

wer du selbst bist!

Der Lehrgang vermittelt Grundlagen und Praxis tiergestützter

Aktivitäten sowie tiergestützter pädagogischer und sozialer

Fördermaßnahmen. Darauf aufbauend erlernen Sie den gezielten

Einsatz von Tieren im Personal-Coaching. Bereitschaft

zur Selbsterfahrung, soziale Kompetenz, Kreativität und Erfahrung im

Umgang mit Tieren sind wichtige Voraussetzungen für die Arbeit mit

dazu geeigneten Therapie-Tieren.

DIPLOM

ZEUGNIS

Teilnehmer/innen: Menschen aus Berufsgruppen mit pädagogischer,

sozialer, medizinischer, psychologischer oder therapeutischer Ausrichtung

sowie Menschen aus Berufsgruppen mit Begleitungs- oder

Unterstützungsarbeit. Aber auch engagierte Menschen aus anderen

Berufen, Mindestalter 21 Jahre, nach einem positiven Evaluierungsgespräch.

Eigene Erfahrung im Umgang mit Tieren wird vorausgesetzt.

Inhalte:

■ Grundlagen: Pädagogik, Psychologie, Psychotherapie, artgerechte

Tierhaltung, tiergestütztes Arbeiten, Tierschutzverordnungen

■ Spezifische Coaching-Werkzeuge

■ Praxis des positiv verstärkenden Tiertrainings

■ Grundlagen der Methodik des ethisch stimmigen Umgangs mit

Mensch und Tier

■ Praxisorientiertes Lernen und eigenes Erleben im Umgang mit

Mensch und Tier

Abschluss: Kommissionelles Abschlussgespräch über Lehrgangsinhalte

sowie Inhalte der Projektarbeit und 30-minütiges Coaching im

tiergestützten Setting. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer/innen

ein WIFI-Diplom.

Trainer: Dr. Dieter Schaufler

Waldhausen 30.4.2016 - 23.4.2017

12128025k

Sa 9.00 - 19.30, So 8.30 - 18.00

Prüfung: 13.5.2017

IMPRESSUM | Medieninhaber, Herausgeber: Wirtschaftskammer NÖ, Landsbergerstraße 1, 3100 St. Pölten | Gestaltung: WIFI NÖ, 3100 St. Pölten

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