Stuttgart-Scouts

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Impressum

Am Puls

Das Kongressmagazin, Ausgabe 9

Inhalt

Herausgeber

Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle

Norbert Hartmann, Leitung (V.i.S.d.P.)

Tanja Bäuerle, Marketing

Berliner Platz 1–3, 70174 Stuttgart

tanja.baeuerle@liederhalle-stuttgart.de

Redaktion, Design und Fotografie

VISUELL Studio für Kommunikation GmbH

Tübinger Straße 97A, 70178 Stuttgart

Bildnachweis

Bild Seite 6| EVVC

Bild Seite 8 |Holger Schneider

Bild Seite 17 | Uli Regenscheit

Bild Seite 24| Bryan Adams

Bilder Seite 26–27 |Fabian Sommer

Bilder Seite 28–29 |Maritim Hotel Stuttgart / vision photos

Umschlag-Innenseite, rechts |© Porsche AG

Gedruckt auf RecyStar Polar, Papier besteht aus

100 % Altpapier.

Es werden Druckfarben auf Pflanzenöl-Basis verwendet.

02 Trend . Future Lab – Die Zukunft des Kongresswesens

08 Kultur . Musikfest – Gershwin Piano Konzert

10 Trend . CIM Stuttgart-Scouts in der Liederhalle

12 Kongress . Ressourceneffizienzkongress

15 Kongress . Steinbeis-Night

18 Liederhalle . Daniel Jung, Küchenchef

22 Kongress . Symposium – Stuttgart Cancer Center

24 Kultur . Diana Krall

25 Architektur . Aluminiumguss,

ein Negativ-Relief von Ubbo Enninga

26 Kultur . Grand Hotel Vega$ – Inklusionsmusical



Copyright Kultur- und Kongresszentrum

Liederhalle, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck und Kopien, auch auszugsweise, ohne schriftliche

Erlaubnis des Herausgebers untersagt. Keine Gewähr bei

eventuellen Fehlern.

Stuttgart Tipp

Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle

Berliner Platz 1–3, 70174 Stuttgart

T +49 711 2027-710, F +49 711 2027-716

info@liederhalle-stuttgart.de

www.liederhalle-stuttgart.de

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Kongressmagazin Liederhalle, Ausgabe 9

Future Lab

Die Zukunft des Kongresswesens

Stuttgart-Scouts

in der Liederhalle

Inklusionsmusical

Grand Hotel Vega$

Musikfest Gershwin Piano Konzert

Im Interview

Daniel Jung, Küchenchef

28 Partner . Maritim – Renovierte Räume

30 Kongress . Tag des Eigentums

32 Liederhalle . Auflösung des Bildrückentitels

Stuttgart Tipp


Im Herzen Stuttgarts


Im Herzen Stuttgarts

Wasen!

Museum

Das Cannstatter Volksfest ist eines der größten und schönsten Volksfeste

der Welt. Rund vier Millionen Besucher lockt das Fest jedes Jahr im

Herbst auf den »Wasen«, das Stuttgarter Festgelände am Neckar. In sieben

Bierzelten, einem historischen Weinzelt, Eventzelten und Biergärten

sowie dem gemütlichen Almhüttendorf wird für das leibliche Wohl der

Gäste gesorgt. Für das funkelnde Lichtermeer und die akustische Kulisse

sorgen 330 Fahrgeschäfte und Schausteller. Immer mit dabei: die zwei

markanten Riesenräder am oberen und unteren Ende des Festgeländes.

Etwas überschaubarer geht es auf dem Stuttgarter Frühlingsfest zu, das

im April 2016 wieder auf dem Wasen gastiert.

Nächste Termine

Frühlingsfest

16. April–8. Mai 2016

Volksfest

23. September–9. Oktober 2016

Eines der spektakulärsten Automobilmuseen der Welt steht in der

Geburtsstadt des Automobils: Das Porsche-Museum in Stuttgart-

Zuffenhausen. Seit seiner Eröffnung 2009 ist es zum bedeutenden

Publikumsmagneten für Auto-, Motorsport- und Architekturbegeisterte

aus dem In- und Ausland geworden – eine Führung durch

das Porsche-Museum darf auf keiner guten Geschäftsreise fehlen!

Rund 80 Fahrzeuge können im Museum bestaunt werden, im

ständigen Wechsel aus dem etwa 500 Fahrzeuge umfassenden

Museumsbestand. Dazu kommen jährlich mehrere Sonderausstellungen

zu speziellen Themen und besonderen Jubiläen. Da sich

das Museum direkt am Firmensitz der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

befindet, bietet es sich an, den Museumsbesuch mit einer

Werksführung zu kombinieren. Hierfür ist eine Voranmeldung

unter werksfuehrungen @porsche.de notwendig.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 9.00–18.00 Uhr

Die Kassen schließen um 17.30 Uhr

www.porsche.de/museum

info.museum@porsche.de

Eintritt

Erwachsene 8 Euro, Ermäßigt 4 Euro

Kinder bis einschließlich 14 Jahre

in Begleitung eines Erwachsenen frei

Werksführungen

Montag bis Freitag 10.00–14.00 Uhr


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

was bringt die Zukunft? Bei den regelmäßig

stattfindenden Fachtagungen des

»Europäischen Verbands der Veranstaltungszentren«

EVVC, dem auch das

Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle

angehört, macht sich unsere Branche

intensive Gedanken über die Zukunft der

Veranstaltungen. Wird es in 15 Jahren

überhaupt noch Kongresse und Tagungen

geben? Trifft man sich noch in unseren

Häusern oder tauscht man sich möglicherweise

nur noch via Tablet und Smartphone

aus? Unsere Gesellschaft ist stetig im

Wandel und wir als Veranstaltungshäuser

müssen die Veränderungen möglichst frühzeitig

erkennen, um darauf vorbereitet zu

sein. Nachhaltigkeit, Globalisierung, demografischer

Wandel, Technologisierung –

das sind nur einige der Themen, um die

sich in Zukunft neue Kongress- und

Tagungsformate entwickeln. Wir müssen

für unsere Branche die Chancen erkennen

und nutzen, um unsere Position und

unseren Standort zu stärken. Das German

Convention Bureau hat zur Zukunft der

Veranstaltungsindustrie eine umfangreiche

Studie in Auftrag gegeben und wir werden

mit Ihnen in den kommenden Ausgaben

unseres Kongressmagazins einen Blick in

diese Zukunft wagen. Zu diesem Thema

haben wir auch den Präsidenten des EVVC,

Joachim König, befragt. Seine interessanten

Antworten finden Sie bereits in dieser

Ausgabe. Bei allen Studien und Zukunftsszenarien

lohnt jedoch auch ein Blick in

die Gegenwart, denn in der Liederhalle

ist richtig was los: Das größte Inklusionsmusical

Deutschlands füllt den Hegel-Saal

mit menschlicher Wärme, die Steinbeis-

Stiftung verleiht ihren Transferpreis für

herausragende Projekte zwischen Wissenschaft

und Wirtschaft, Stars von Weltformat

spielen auf unseren Bühnen. Auf den

folgenden Seiten lesen Sie, wie vielseitig

das Kongress- und Tagungsgeschäft in

der Liederhalle heute schon ist und wie es

sich in Zukunft weiterentwickeln könnte.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der

Lektüre dieses Magazins,

Ihr Norbert Hartmann

Leiter, Kultur- und Kongresszentrum

Liederhalle


die

Wie wird die Welt in der Zukunft aussehen?

Für die Filmemacher von »Zurück in die

Zukunft« stellte sich die Frage im Jahre

1989, als sie ihren zeitreisenden Held Marty

McFly ins ferne 2015 schicken wollten. In

dieser Zukunft gab es Flachbildschirme,

über die man nicht nur fernsehen, sondern

sich mit anderen Personen unterhalten

konnte. Es gab 3D-Kinos, Videobrillen und

man konnte per Fingerabdruck bezahlen –

was Ende der Achtziger noch Science-

Fiction war, ist für uns heute Alltag oder

zumindest sehr gut vorstellbar. Rechtzeitig

vor der Ankunft Marty McFlys (am 21.

Oktober 2015) hat Lexus im August einen

Prototyp eines fliegenden Skateboards

»Hoverboards« präsentiert. Einzig mit der

Idee fliegender Autos und selbsttrocknender

Kleidung lagen die Autoren des Drehbuchs

noch etwas daneben. Wie entwickelt

sich die Kongress- und Tagungsbranche in

den nächsten 15 Jahren? Das hat sich das

German Convention Bureau gefragt und eine

umfangreiche Studie anfertigen lassen.

Zukunft

Neue Umweltstandards

Neue Sozialstandards

Transparenz durch Internet

Modernisierungsbedarf

Interkulturelle

Kompetenz

Die gute Nachricht gleich vorweg: Ja, auch

2030 wird es noch Tagungen und Kongresse

geben. Gesellschaft und Wirtschaft sind

stetig im Wandel, folgen kleinen und langfristigen

Trends. Demografischer Wandel,

Nachhaltigkeit, Technisierung – welche

heute schon bekannten Strömungen beeinflussen

die Kongresslandschaft von morgen?

Die Studie liefert keine Anleitungen oder

Prognosen, sondern zeigt vielfältige Entwicklungen

auf, die miteinander in Wechselwirkung

stehen und die als Anregung für

langfristig angelegte Maßnahmen dienen

können.

Datensicherheit

Feminisierung

Individualisierung des Einzelnen

Aufmerksamkeit und Toleranz

Alternde Gesellschaft

Wertewandel

Mehr Wettbewerbsfähigkeit

Neue Lebens- und

Arbeitsformen

Bedürfnis nach

Flexibilisierung

Steigender

Energiebedarf

Steigende Kosten

Alternde

Gesellschaft

Erschöpfung

natürlicher

Ressourcen

Neue Bildungsanforderungen

Neue Kompetenzanforderungen

Fragen der Ethik

Virtualisierung

Datenschutz

Wissensvermittlung

und neue Kongressformate

Auch 2030 fahren wir noch persönlich zu

Versammlungen, anstatt uns in virtuellen

Räumen zu treffen. Nur im direkten Gespräch

lernen wir Menschen richtig kennen

und knüpfen Kontakte. Die Kontaktaufnahme

kann jedoch technisch unterstützt

werden, indem Kongressbesucher durch

spezielle Kongress-Apps auf ihren Mobilgeräten

besser vernetzt werden. Durch die

globale Vernetzung und geringere Ressourcen

wird die Einbindung entfernter Referenten

und Teilnehmer zunehmen, sei es

über Projektionen oder soziale Netzwerke.

Dabei wird die Integration interaktiver Veranstaltungstechnik

immer wichtiger und

letztlich vielleicht zu einem zentralen

Erfolgsfaktor von Kongressen und Tagungen.

Wie lassen sich die Teilnehmer zusammenbringen

und einbinden, das geballte Wissen

und die Erfahrung der Experten zielgerichtet

nutzen? Neue Formate geben den

Teilnehmern – ob vor Ort oder digital zugeschaltet

– neue Möglichkeiten, sich einzubringen

und durch eigene Beiträge oder

Kommentare die Diskussion zu steuern. Das

gemeinsame, ergebnisorientierte Vor-Ort-

Erlebnis wird wichtiger als die herkömmliche,

reine Vermittlung von Wissen in

Frontalvorträgen, da Informationen mittlerweile

immer und überall zugänglich sind.

Vielmehr dienen Kongresse im beschleunigten

Alltag von 2030 dazu, sich in Ruhe

intensiv auszutauschen und tiefergehende,

systematische Diskussionen zu führen. >>>

2 Trend . Future Lab – Die Zukunft des Kongresswesens


Ansprüche an die Architektur

Beschleunigung des Alltags und Leistungsdruck

sind heute schon spürbar und

nehmen in Zukunft weiter zu. Gleichzeitig

wächst das Bewusstsein für eine gesunde

Work-Life-Balance, die sich in flexiblen

Arbeitszeitmodellen äußert, aber auch in

einem höheren Anspruch an die Lebensqualität.

Kongressbesucher legen zunehmend

Wert auf Tageslicht und frische Luft

in den Räumen. Das Angebot für psychosoziale

Regeneration, Vitalisierungsrituale

und spielerische Unterhaltung in den

Pausen fördert die Konzentrationsfähigkeit.

Heute noch eher selten anzutreffen

hält es zunehmend Einzug in der Branche.

Nachhaltigkeit als Standortvorteil

Mit zunehmender Globalisierung nimmt

auch die Zahl internationaler Kongresse

zu. Finden mehr davon in Deutschland

statt, ist mit höheren Übernachtungszahlen

zu rechnen. Doch auch die Konkurrenz

aus dem Ausland wächst. Kongresse

im internationalen Umfeld könnten

überall auf der Welt, zum Beispiel in den

aufstrebenden BRICS-Staaten stattfinden.

Megacities als boomende Schmelztiegel

von Wissenschaft und Wirtschaft werden

zum Impulsgeber und ziehen große Kongresse

an sich. Für kleinere Unternehmen

ist dies jedoch nicht von Bedeutung: für sie

zählt die regionale Verankerung und die

Identifikation mit lokalen Veranstaltungsstätten.

Mit seiner jahrelangen Erfahrung im Nachhaltigen

Bauen und im Organisieren von

Green Meetings hat Deutschland einen

Vorteil bei großen Firmen, die aufgrund

strenger Nachhaltigkeitsziele Destinationen

mit zertifizierten Umweltstandards

bevorzugen. Effiziente Energienutzung

moderner und sanierter Veranstaltungshäuser

verschafft weitere Wettbewerbsvorteile.

Mehr Technik, mehr Verantwortung

In Zukunft wird es neue Möglichkeiten der

Wissensvermittlung, Technologie und

Architektur geben, die bisherige Formate

und Konzepte ergänzen werden. Dienstleister

und Veranstaltungshäuser müssen

sich daher noch besser mit verfügbaren

Techniken auskennen und den gezielten

und angemessenen Umgang empfehlen

können. Dabei ist es wichtig, technologische

Grundkompetenzen zu erwerben und

das Zusammenspiel, die Vorteile, Grenzen

sowie Risiken der Nutzung diverser technischer

Geräte, Module und Programme zu

kennen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die

sichere Vernetzung der Teilnehmer und

der wirkungsvolle Schutz persönlicher und

vertraulicher Daten. Trotz vielfältiger neuer

Technik gilt es immer wieder, das Verhältnis

zwischen neuer Technik und dem

Bedürfnis nach menschlicher, sozialer Berührung

und Ansprache der menschlichen

Sinne neu auszutarieren. So könnten

neben interaktiv vernetzten Diskussionsforen

auch Kongressformate entstehen, bei

denen bewusst auf den Einsatz digitaler

Technik verzichtet und die Verwendung

mobiler Geräte unterbunden wird.

Demografischer Wandel

Eine deutlich ältere und länger aktive

Bevölkerung stellt auch die Veranstaltungsbranche

vor Herausforderungen. Barrierefreie

Räume und Akustikverstärkungen für

älteres Publikum sind dabei nur ein Aspekt.

Ein anderer wird die eingeschränkte Verfügbarkeit

von Auszubildenden und jungen

Berufstätigen sein. Angemessene Arbeitsplatzgestaltung,

Age-Management sowie

die Steigerung der Attraktivität, z. B. durch

Auslandspraktika, sind einige Maßnahmen,

mit denen Arbeitgeber diesem Wandel

begegnen können.

Was bedeutet das für die deutsche

Veranstaltungsbranche?

Deutsche Veranstaltungshäuser sind gut

aufgestellt, können sich jedoch durch

gezielte Investitionen in den kommenden

Jahren noch besser für die Zukunft rüsten.

Modernisierung und energetische Sanierung

sind wichtige Zukunftsprojekte für

die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Know-how und persönliche Kompetenz

der Mitarbeiter sowie attraktive Arbeitsbedingungen

sind weitere Erfolgsfaktoren,

weshalb Aus- und Weiterbildungen in der

Branche an Bedeutung zunehmen. Um mit

der Technisierung und Digitalisierung

Schritt halten zu können, ist ein Ausbau

der digitalen Infrastruktur und der Sicherheitsmechanismen

nötig; in den Häusern,

aber auch in Deutschland allgemein. Die

hohe Dynamik der Entwicklung stellt die

Branche vor die Herausforderung, Trends

frühzeitig zu erkennen und sich permanent

anzupassen und weiterzuentwickeln.

Eine Initiative, die aktuelle Tendenzen

analysiert und Handlungsempfehlungen

für die Branche entwickelt, könnte dabei

helfen. Als Plattform für globale Klärungsund

Vernetzungsprozesse werden internationale

Veranstaltungen weiter an Bedeutung

gewinnen. Einfachere Visa-Verfahren

für relevante Märkte würden deutsche

Anbieter stärken. Qualifizierungsmaßnahmen

für den Umgang mit internationalen

Gästen müssen stärker in der Branche

verankert werden und auch die deutschen

Mobilitätsanbieter und Beherbergungsbetriebe

profitieren davon, sich zukünftig

noch besser auf ausländische Gäste

einzustellen.

4

Trend . Future Lab – Die Zukunft des Kongresswesens


Mit seiner Studie zeigt das German

Convention Bureau, dass die Zukunft

für alle Bereiche in Wirtschaft, Forschung

und Politik Veränderungen, Herausforderungen

und Chancen bringt. Für die Veranstaltungsbranche

in Deutschland gilt es, diese

Chancen zu nutzen und den Standort auch

an Joachim

König

Woran erkennt ein zeitreisender Kongressbesucher

auf den ersten Blick, dass er im Jahr

2030 und nicht im Jahr 2015 gelandet ist?

Ohne Smartphone und Internetanbindung geht

vor, während und nach dem Kongress fast gar

nichts mehr.

Was unternimmt der EVVC, um die europäische

Veranstaltungsbranche fit für die Zukunft zu

machen?

Gemeinsam mit dem GCB und anderen innovativen

Branchenverbänden Forschungsprojekte

wie Future Meetings Space und Bearbeitung

der Zukunftsthemen auf der Green Meetings

und Events und der MEXCON.

Worin sehen Sie die größte Stärke der

Kongressdestination Deutschland?

Die Infrastruktur, die Kompetenz in der Dienstleistungsqualität,

Organisation und Durchführung,

die Sicherheit in all ihren komplexen

Unterthemen und ein attraktives Land mit

vielen begleitenden touristischen und Incentiveangeboten.

künftig zu stärken, um seine Spitzenposition

zu halten. Aufgrund der besonderen Rolle

von Kongressen, Tagungen und Events als

Impulsgeber für Wirtschaft, Wissenschaft

und Gesellschaft profitiert davon nicht nur

die Veranstaltungsdestination Deutschland,

sondern sämtliche Wirtschaftsbereiche. u

Joachim König, Präsident

des Europäischen Verbands der

Veranstaltungs-Centren e.V. (EVVC)

Über welches Thema wird viel zu wenig

gesprochen? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Die Notwendigkeit, gerade im IT-Bereich viel

schneller und umfangreicher aufzurüsten und

aufrüsten zu müssen und die rasante mit

sehr hohen Investitionsbudgets ausgestattete

internationale Wettbewerbssituation.

Sprechen wir in 15 Jahren noch

von Nachhaltigkeit?

Wahrscheinlich nicht mehr in der Sache, da

sich Nachhaltigkeit als ganz selbstverständliches

System in die Management-Strukturen der

Häuser eingepasst haben wird. Genauso wie

Controlling oder andere standardisierte Prozesse.

i

Videokonferenzen über das Internet, virtuelle

Realität, holografische Projektionen – Science-

Fiction von gestern wird immer mehr zur

Realität. Wird das zu einer Gefahr für traditionelle

Kongresszentren?

Das ist keine Gefahr, sondern die Zukunft. Es

wird darauf ankommen, dass sich Veranstaltungszentren

immer mehr als Dienstleister für

diese virtuelle begleitende Welt vor, während

und nach den Veranstaltungen versteht.

Wie definieren Sie persönlich einen

gelungenen Kongress?

Ein zufriedener Veranstalter, genauso zufriedene

Teilnehmer und im Idealfall Kongressergebnisse

und Verlautbarungen, die mediale

Aufmerksamkeit erzielen.

Ständig werden neue Konzepte der Wissensvermittlung

und des Wissensaustausches

entwickelt. Welches (neue) Tagungsformat hat

Sie zuletzt am meisten beeindruckt?

Hier verweise ich auf die vorhergehende Frage,

denn neue Tagungsformate sind kein Selbstzweck,

sondern sollen genau die vorstehenden

Effekte erzielen. Manchmal erscheint mir hier

das eine oder andere Format eher als leicht

artistischer Selbstzweck im didaktisch akademischen

Raum.

Beruflich müssen Sie sicherlich oft reisen.

Welches Verkehrsmittel bevorzugen Sie und

warum?

Da ich am meisten national unterwegs bin,

die Bahn. Zwar sind die Verspätungen und

andere Dienstleistungslücken oft nervig,

allerdings ist es in der Regel mit dem Auto

auch nicht besser und es bleibt der Vorteil,

dass man im Zug arbeiten kann.

Welche Ziele/Projekte verfolgen Sie mit dem

EVVC aktuell / in den kommenden Jahren?

Unser Ziel ist es, Zukunftsfestigkeit zu fördern

und gute Informationsplattformen für die

Mitglieder aufzubauen. Mit den bereits erwähnten

Projekten sind wir bereits auf einem

guten Weg. Doch auch für zukünftige Herausforderungen

wie den demografischen Wandel

und die Nachwuchsgewinnung entwickeln

wir heute bereits Konzepte.

Gewinnspiel + + + 2 Freikarten für eine Kulturveranstaltung Ihrer Wahl

Uns interessiert Ihre Meinung!

Wie stellen Sie sich Kongresse und Events im Jahre 2030 vor?

Schreiben Sie uns Ihre Idee und gewinnen Sie 2 Tickets für eine Kulturveranstaltung

Ihrer Wahl in der Stuttgarter Liederhalle! Wir freuen uns über Ihre kreativen

Vorschläge bis zum 20. Februar 2016

ariane.hummel@liederhalle-stuttgart.de

6 Trend . Future Lab – Die Zukunft des Kongresswesens


8

Freundschaft

Musik verbindet und schafft Freunde – welches Motto könnte also

passender sein für das Musikfest Stuttgart, das Künstler vieler

Nationen und Musik unterschiedlichster Stile und Epochen miteinander

vereint? Freundschaft war daher das ideale Thema für

eine Musikfestwoche, die sich auf vielschichtige Art und Weise

diesem bedeutungsstarken Begriff näherte.

Kultur . Musikfest – Gershwin Piano Konzert

44 Veranstaltungen an 16 Spielstätten

Das Musikfest der Internationalen Bachakademie Stuttgart fand

vom 4. bis zum 13. September statt und bot auch in diesem Jahr

wieder ein vielfältiges Programm. Gespielt wurde traditionell in der

Liederhalle und der Stiftskirche, aber auch in Räumen wie den

Wagenhallen, dem Theaterhaus oder – im Rahmen der neuen Reihe

»Unternehmen Musik« – bei Unternehmen in und um Stuttgart.

Das Festival unter der Leitung von Hans-

Christoph Rademann eröffnete im Beethoven-Saal

mit einer konzertanten Aufführung

von »Idomeneo«, der ersten der sieben

sogenannten »großen Opern« von Wolfgang

Amadeus Mozart. Das Eröffnungskonzert

wurde von Deutschlandradio live übertragen,

die Aufnahme von SWR2 wird am

25.12. in der Sendung »SWR2 Oper«

gesendet.

Beflügelt durch Raum und Zeit

Ein exzellentes Late-Night-Konzert gab das

Gershwin Piano Quartet am 11. September

ab 22 Uhr im Hegel-Saal. Vier begnadete

Pianisten, vier Flügel und beliebte Hits aus

Klassik und Jazz – die jedoch immer etwas

anders klangen, als man sie im Ohr hatte.

Die von den Musikern selbst für die ungewöhnliche

Besetzung umgearbeiteten

Songs begeisterten durch ihre verspielten

und mutigen Arrangements und die virtuosen

Improvisationen. Damit wurden sie

den Originalfassungen Gershwins – der

sich stets an der Grenze zwischen Klassik

und Jazz bewegte – mehr als gerecht.

Von Rachmaninows »Vocalise« und »Tarantella«

geht es weiter zum ersten der vier

Soli, gespielt von Benjamin Engeli:

»Embraceable You« von George Gerwshin.

Die Soli bieten klanglich eine gelungene

Abwechslung zu den voluminösen Stücken

für vier Klaviere und erlauben es den hervorragenden

Pianisten, sich jeweils mit einem

Song einzeln zu präsentieren. In die Interpretation

von Sergej Prokofjews »Three

Movements of Lieutnant Kishé« schleichen

sich Jazz-Klänge ein und auch sonst ist bei

diesem Konzert vieles anders: Benjamin

Engeli, Mischa Cheung, André Desponds

und Stefan Wirth spielen auswendig

und können dadurch perfekt aufeinander

reagieren. »Das Schwierige ist die unmittelbare

Attacke des Klavierklangs«, erklärt

Ensemblegründer André Desponds. »Wenn

man einen Akkord zusammen spielen

möchte, so muss das absolut akkurat sein,

sonst klappert der eine hinterher und der

Effekt ist weg.« Da sich die Pianisten über

die Flügel hinweg nur schlecht sehen, sind

die Songs so arrangiert, dass die Pianisten,

die Passagen exakt zusammenspielen

müssen, nebeneinander sitzen. Auch aus

diesem Grund wechselt das Quartett nach

beinahe jedem Song die Plätze. »Es reicht

nicht, enorm virtuos auf den Tasten zu

sein und viele Preise gewonnen zu haben«,

sagt André Desponds über die beiden jüngeren

Mitspieler, Cheung und Engeli.

Beide seien gute Kammermusiker, könnten

sich im Ensemble unterordnen, improvisieren

und arrangieren – und auf diese Vielseitigkeit

komme es bei dem Quartett an.

Von Gershwins »Rhapsody in Blue« oder

»I Got Rhythm« bis zu Cole Porters »Night

and Day« und dem Medley aus Leonard

Bernsteins »West Side Story« – alles schillert,

lebt und groovt. Ob alleine oder zu viert,

ob auf den Tasten, auf dem Holzkorpus oder

beim Griff in die Saiten – das Gershwin

Piano Quartet zeigt nicht nur, dass es auf

vier Flügeln allerbeste Musik machen kann,

sondern demonstriert sämtliche Klangfarben

und Spielweisen der mächtigen

Instrumente. Ein unvergessliches Konzert

des international erfolgreichen Ensembles,

das – passend zum Motto des Musikfestes –

unter dem Konzerttitel »Vier Freunde«

im Programm stand. u


Scouts an den Herd

Bloggst Du noch

oder isst Du schon?

Kaffeepause im Hegel-Saal

Aus den Tiefen des Saales kommt aus dem

höhenverstellbaren Boden das Baristamobil

von Café Hibou zum Vorschein.

Im Oktober hatte die Liederhalle Besuch von zwei Stuttgart-Scouts

des Europäischen Fachmagazins CIM – Conference&Incentive

Management. Während ihres 4-tägigen Aufenthalts haben die

Scouts die »Meetingdestination« Stuttgart von vielen Seiten kennengelernt

und in einem Blog live über ihre Erlebnisse berichtet.

Dabei hatte Karina Grützner vom Stuttgart Convention Bureau den

beiden Scouts Elisabeth Axthammer und Lauritz Hofmann ein

volles Programm zusammengestellt, in dem auch ein Vormittag

in der Liederhalle nicht fehlen durfte.

Norbert Hartmann berichtet im

Video-Interview über das Green-

Event Konzept und die Nachhaltigkeitsmaßnahmen

der Liederhalle.

Maultaschen-Crashkurs bei Küchenchef

Daniel Jung: Bei uns müssen die Scouts

ihr Mittagessen selber kochen! »Heute ist

voller Einsatz gefragt: Wir dürfen in der

Beethoven-Küche Maultaschen zubereiten

und natürlich auch verspeisen. Dazu gibt

es Suppe und darunter Kartoffelsalat.

Abenteuerlich, aber wirklich vorzüglich!«

Kongressstadt in der Stadt

Norbert Hartmann und Tanja Bäuerle von

der Liederhalle und Lynette Veihelmann

vom Maritim Hotel Stuttgart zeigen den

Scouts, wie nah Liederhalle, Hotel, Kino

und die umliegenden Bars und Einkaufsmöglichkeiten

des Bosch Areal beieinander

liegen.

»Unterirdisch gehen wir weiter in

die Liederhalle, die durch die innovative

organische Architektur beeindruckt.«

»Die Liederhalle steht unter Denkmalschutz,

besticht aber durch die ausgefeilte

Akustik und technische Ausstattung.«

Besuch im Beethoven-Saal, in dem

gerade der Flügel für das Abendkonzert

gestimmt wird.

Satt und mit vielen neuen Eindrücken ziehen die Scouts weiter,

nächster Programmpunkt: Porsche-Museum in Zuffenhausen. Das

Fazit nach vier Tagen fällt (natürlich) positiv aus: »Stuttgart und

die verschiedenen Ansprechpartner, die wir kennenlernen dürfen,

beeindrucken uns immer wieder. Leider können wir Euch, liebe

Leser, die Leidenschaft und die Begeisterung für die Locations und

Venues nicht so einfach nahebringen. Wir treffen hier nur auf

absolute Gastgeber, die mit Herz und Verstand daran arbeiten, das

Beste zu leisten! Stuttgart hat uns seine vielen Facetten gezeigt

und bleibenden Eindruck hinterlassen!« u

10 Trend . CIM Stuttgart-Scouts in der Liederhalle


Ressourceneffizienz

als Erfolgsmodell

Bereits zum vierten Mal trafen sich Fachleute

aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

auf dem Ressourceneffizienz- und

Kreislaufwirtschaftskongress in Baden-Württemberg,

um miteinander über Ziele und

Wege zu mehr Ressourceneffizienz und

einer besseren Kreislaufwirtschaft zu diskutieren.

Wie bereits 2013 bot die Liederhalle

mit ihren zahlreichen großen und

kleinen Sälen und ihrem eigenen Nachhaltigkeitskonzept

eine optimale Umgebung

für Plenumsveranstaltungen und Expertengespräche.

»Durch mehr Ressourcen- und Materialeffizienz

wollen wir gemeinsam den ungebremsten

Raubbau an den natürlichen

Schätzen der Erde stoppen und den Kollaps

der ökologischen und ökonomischen Systeme

verhindern«, sagte Ministerpräsident

Winfried Kretschmann zur Eröffnung des

Kongresses am 7. Oktober 2015 im Hegel-

Saal der Liederhalle. »Ressourceneffizienz

hat das Zeug, zu einem echten Erfolgsmodell

für Baden-Württemberg zu werden.«

Ergänzt wurde die Eröffnungsrunde des

Kongresses durch Impulsvorträge aus

der Industrie. Heinz Dürr stellte in seiner

Rede eine hocheffiziente Lackieranlage vor,

die kürzlich von der Dürr AG realisiert

wurde und deutlich weniger Wasser, Strom

und Lack verbraucht. Damit Ressourceneffizienz

in einem Unternehmen erfolgreich

betrieben werden könne, müsse dieses Ziel

von »ganz oben« kommen, so Dürr. Dr. Peter

Post, Forschungsleiter der Festo AG, freut

sich, dass in der Wirtschaft Ressourceneffizienz

inzwischen ernster genommen werde

und »en vogue« sei. Unternehmen profitierten

nicht nur durch einen Imagegewinn,

sondern durch größeres Marktpotenzial.

Anke Kleinschmit, Umweltbevollmächtigte

des Daimler-Konzerns, mahnte im Hinblick

auf die aktuelle Abgas-Affäre bei Volkswagen,

die deutsche (Automobil-)Industrie

müsse das Vertrauen schnellstmöglich

wieder herstellen. Die Affäre werfe aus internationaler

Sicht Schatten auf die gesamte

deutsche Wirtschaft, jetzt gelte es, den

guten Ruf zu verteidigen. In ihrem Vortrag

stellte sie das umfangreiche Recycling-

Konzept des Daimler-Konzerns vor, durch

das der Einsatz von recycelten Materialien

und nachwachsenden Rohstoffen in Neuwagen

deutlich gesteigert werden konnte.

Klaus Hieronymi, Umweltmanager bei HP

bezeichnet sich selbst als »Greenpeace im

Unternehmen«, da er seit vielen Jahren

daran arbeitet, die IT-Produkte des Unternehmens

nachhaltiger zu gestalten. Bei

seiner Arbeit helfe ihm am meisten, wenn

er Einflüsse und Kundenwünsche von außen

im Unternehmen anbringen könne. Dass

die IT-Industrie oft mit dem Bedarf an

seltenen Rohstoffen in Verbindung gebracht

werde, sei nicht ganz richtig, betont

Hieronymi. So betrage beispielsweise der

Anteil an Neodyn in einem Notebook

gerade einmal 0,05 %, in Elektromotoren

und Hochleistungsmagneten komme viel

mehr des teuren Metalls zum Einsatz. Er

lenkt das Augenmerk weg von seltenen

Erden hin zu Rohstoffen wie Blei, Zinn und

Eisenerz, deren verwertbare Vorkommen

bereits in wenigen Jahren bis Jahrzehnten

erschöpft sein könnten. Diese Rohstoffe

müssen zukünftig verstärkt durch Recycling

gewonnen werden, dem Fachgebiet des letzten

Redners der Eröffnungsrunde, Oliver

Gross, Geschäftsführer der Sita Deutschland

GmbH. Er plädiert für ökologisch sinnvolle

Recycling-Quoten, die über die bisherigen

Anstrengungen der Industrie hinaus-

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

und Unternehmer Heinz Dürr

bei der Eröffnung des Kongresses.

12 Kongress . Ressourceneffizienzkongress


gehen. »Die Industrie will verkaufen und

nicht die Umwelt schonen, darum macht

sie freiwillig nur das, was ökonomisch

sinnvoll ist«, sagt Gross. Das führe zu der

Wegwerfgesellschaft, die wir heute haben.

»Die Gesellschaft muss darüber hinaus

gehen«, fordert Gross und erklärt, dass

alle – Bürger und Firmen – mehr Geld für

Recycling ausgeben müssten. »Die Marktwirtschaft

ist mit dem Umweltschutz total

überfordert«, stimmt auch Heinz Dürr zu

und bekräftigt damit die Aussage von

Oliver Gross, der meint: »Richtige Bewegung

kommt nicht aus dem Herzen der Unternehmer,

sondern aus guter Zusammenarbeit

aus Wirtschaft und Politik.« Man müsse die

Grenzen gemeinsam mit der Politik noch

weiter verschieben und Begeisterung

schaffen. Das jährlich wachsende Interesse

am Ressourceneffizienz-Kongress gibt

beiden Recht.

Klaus Hieronymi, Umweltmanager bei HP,

spricht über den Rohstoffeinsatz in der IT-Industrie.

Um Baden-Württemberg zu einem Leitmarkt

für Effizienztechnologien und

ressourcenschonende Produktionsverfahren

zu machen, entwickle das Land derzeit

eine Landesstrategie Ressourceneffizienz,

erklärte Umweltminister Franz Untersteller.

Ziele der Strategie seien zum Beispiel die

»Ultraeffizienzfabrik«, ein Leitbild für eine

zukünftige industrielle Produktion in dicht

besiedelten, hochindustrialisierten Regionen,

die Optimierung der Abfallverwertung

für eine bessere Rohstoffgewinnung im

eigenen Land sowie der Aufbau von Ausund

Weiterbildungsstrukturen zum Thema

Ressourceneffizienz, durch den das Bewusstsein

in den Unternehmen gestärkt werden

solle.

Der Umweltminister freut sich über den

großen Zuspruch des Kongresses: »Über

1.000 Anmeldungen beim Kongress belegen,

dass die Stimme Baden-Württembergs auf

dem Gebiet der Ressourceneffizienz und

der Kreislaufwirtschaft bundesweit Gehör

findet.« u

Wissenschaft

Wirtschaft

An Hochschulen wird auf höchstem Niveau

geforscht – sowohl im Dienste der Wissenschaft,

als auch im Dienste der Wirtschaft.

Die 1971 gegründete Steinbeis-Stiftung

hat es sich zur Aufgabe gemacht, der

Wirtschaft aktuelles Wissen und neueste

Forschungsergebnisse zur Verfügung zu

stellen. Für den direkten Draht zwischen

Wirtschaftsunternehmen einerseits und

Hochschulen und Forschungseinrichtungen

andererseits sorgen über 1.000 Steinbeis-

Unternehmen. Rund 6.000 Experten tragen

zum praxisnahen Transfer zwischen Wissenschaft

und Wirtschaft bei. Das Dach des

Verbundes ist die Steinbeis-Stiftung mit Sitz

im Stuttgarter Haus der Wirtschaft, nur

wenige Gehminuten von der Liederhalle

entfernt.

Steinbeis-Stiftung

verleiht

Transferpreis

Ein festlicher Abend in blau

Der Steinbeis-Tag mit seiner Tages- und

Abendveranstaltung hat eine lange Tradition:

Seit mehr als 20 Jahren stellt er eine

Kontaktplattform und einen Treffpunkt für

den Steinbeis-Verbund sowie Partner und

Kunden dar. »Bei allen technischen

Kommunikationsmöglichkeiten, die uns

den Kontakt zu allen Zentren im Verbund

ermöglichen, werden Plattformen, die den

persönlichen Kontakt ermöglichen, umso

wichtiger“, erklärt Anja Reinhardt von der

Steinbeis-Stiftung in Stuttgart.

14 Kongress . Ressourceneffizienzkongress


Die Veranstaltung findet jedes Jahr am

letzten Freitag im September statt – seit

2005 gastiert die Abendveranstaltung

im Beethoven-Saal der Liederhalle. Bei der

Planung und Durchführung des Abends

arbeitet das Projekt-Team der Steinbeis-

Zentrale eng und vertrauensvoll mit dem

Team der Liederhalle und ihren technischen

Partnern zusammen. Wichtigster

Programmpunkt: die Verleihung des

Transferpreises der Steinbeis-Stiftung, der

Löhn-Preis.

Blau ist die dominierende Farbe an diesem

besonderen Abend. Das Beethoven-Foyer

ist stimmungsvoll beleuchtet, feine Häppchen,

am Buffet pyramidenförmig angerichtet,

schwarze Herrenanzüge treffen

auf elegante Damenroben. Man kennt sich,

tauscht sich aus, nascht noch schnell ein

Lachs-Dill-Röllchen, bevor es zur Eröffnung

des Abends in den Saal geht. Auch der

Beethoven-Saal erstrahlt in blau, ebenso

die gewaltige Bühne. Die 600 Gäste nehmen

an großen runden Tischen Platz, auch

die ersten Reihen der Beethoven-Tribüne

wurden in stilvoll dekorierte Bankett-

Reihen verwandelt. Auf einer eigenen Bühne

im vorderen Teil des Saales spielt eine Band

dezenten Jazz. Zu den Gästen des Abends

zählen die Leiter und Geschäftsführer der

Steinbeis-Unternehmen sowie deren eingeladene

Kunden und Partner. Hier treffen

sich heute Transferpartner aus Wissenschaft

und Wirtschaft, um sich in festlichem

Rahmen auszutauschen und die Gewinner

des 12.Transferpreises der Steinbeis-

Stiftung zu ehren. Der Löhn-Preis würdigt

außergewöhnlich erfolgreiche Projekte

des wettbewerblichen Wissens- und Technologietransfers

und wird jährlich an Steinbeis-Unternehmen

und deren Projektpartner

vergeben. Erfolgskriterien sind dabei

die Qualität des Transferprozesses und das

erkennbare Transferpotenzial. Über die

Preisvergabe entscheidet eine Jury, ihr gehören

der Vorstand der Steinbeis-Stiftung,

sowie der Vorsitzende und der Ehrenkurator

des Kuratoriums der Steinbeis-Stiftung

an.

Nach dem mehrgängigen Dinner und

der Ehrung langjährigen Mitarbeiter ist es

soweit: Die Preisverleihung beginnt!

Die erste Trophäe erhält Prof. Dr. habil. Hans

Jobst Pleitner als Sonderpreis für seine langjährigen

herausragenden Leistungen für die

Stiftung, zu denen unter anderem die Mitarbeit

am Aufbau der Steinbeis-Hochschule

Berlin zählen.

Der erste der drei Transferpreise des Abends

geht an eine erfolgreiche Zusammenarbeit

im Bereich der Augenheilkunde. Das neu

entwickelte Beleuchtungssystem LUVIS

ermöglicht die normgerechte Ausleuchtung

von Kontrasttafeln, um gerechte und

gleiche Untersuchungsbedingungen für

alle Patienten – meist Autofahrer – zu

ermöglichen.

Das zweite Projekt befasst sich mit der

Messung und Analyse von elektrischen

Motoren und Stromrichtern. Mit dem entwickelten

Prüfstand können elektrische

und mechanische Messwerte simultan und

in Echtzeit erfasst werden, um Optimierungsmaßnahmen

zur Effizienzsteigerung

beurteilen zu können.

Das dritte Transfer-Projekt widmet sich

seit vielen Jahren der Entwicklung von

virtuellen Testwerkzeugen für Daimler. Mit

Hilfe computergenerierter Testumgebungen

können umgebungserfassende Fahrerassistenzsysteme

in Simulationen erprobt

werden.

Der Steinbeis-Abend wird auch dieses

Jahr seinem Ruf gerecht – ein stimmungsvoller

Abend, der den Veranstaltungsplan

der Liederhalle jedes Jahr aufs Neue

bereichert und aufgrund seiner wirkungsvollen

Inszenierung immer wieder Beethoven-Foyer

und -Saal im schönsten Licht

erstrahlen lässt. u

16 Kongress . Steinbeis-Night


Liederhalle >>>

Daniel Jung

Küchenchef

Seit

eineinhalb Jahren

in der

Liederhalle

Wie sieht Ihr normaler Tagesablauf aus,

was sind Ihre Aufgaben?

Der Tagesablauf ist bei mir immer unterschiedlich.

Mal geht es um 6 Uhr los, wenn wir

zum Beispiel 1.000 Brezeln schmieren müssen.

Haben wir eine Abendveranstaltung, fange

ich manchmal erst um 10 Uhr an. Ich arbeite

im Büro und in der Küche. Zu meinen Aufgaben

gehört es, die Pläne für die nächste Woche

zu erstellen und das Team einzuteilen. Ich gebe

die Bestellungen auf, aber natürlich arbeite ich

auch in der Küche.

Was kochen Sie am häufigsten?

Viele unserer Kunden legen Wert auf regionale

Küche: Maultaschen, Rostbraten, Wurstsalat,

Käs’spätzle. Sehr beliebt ist übrigens das Maultaschen-Rollen,

das wir für kleinere Gruppen

anbieten. Das findet bei Schwaben und Nicht-

Schwaben großen Anklang!

Kochen Sie also immer das gleiche?

Eigentlich ist es bei uns sehr abwechslungsreich.

Die Vorstellung, bei uns würden nur Butterbrezeln

geschmiert, stimmt so nicht. Doch wenn

man in einer Woche 2.000 Paar Saitenwürstle

kocht für unterschiedliche Veranstaltungen, so

wie in den letzten Tagen, dann wird das tatsächlich

etwas eintönig.

Was wird Ihrer Meinung nach viel zu selten verlangt

und seitens der Veranstalter unterschätzt?

Themen-spezifische Buffets werden leider sehr

selten angefragt! Amerikanisch, mediterran,

chinesisch, ungarisch, russisch – solche Länderbuffets

bieten viele Möglichkeiten! Oft können

wir dabei auf Erfahrungen und auf Rezepte

unserer Kollegen zurückgreifen.

Was reizt Sie an Ihrem Beruf ?

Das Spontane, die unvorhersehbaren Situationen.

Die Mischung aus Büro, Küche und dem

Kontakt mit den Gästen.

Wie hat sich das Bankett in den letzten Jahren

verändert? Gibt es Trends?

Die Allergien und Unverträglichkeiten haben

definitiv zugenommen. Da stellt sich für uns

die Frage: Wie können wir ein Buffet gestalten,

an dem sich auch Menschen mit Diabetes,

Lactose- oder Glutenunverträglichkeit zurechtfinden?

Vegetarisches Essen wird immer mehr

gefragt, das zu kochen ist einfach. Ein gesamtes

18 Liederhalle . Daniel Jung, Küchenchef


Liederhalle >>>

Daniel Jung

Buffet vegan zu gestalten, ist jedoch eine Herausforderung,

der wir uns aber gerne stellen.

Die Nachfrage nach Bio ist eher verhalten, was

sicher auch am höheren Preis liegt. Dazu kommt,

dass es schwierig ist, große Mengen an Bioprodukten

zu beziehen. Dort, wo wir Einfluss

darauf haben, legen wir jedoch großen Wert

auf regionale Lieferanten.

Was war Ihre interessanteste Begegnung ?

Als ich noch als Sous-Chef im Maritim Hotel

(nebenan) gearbeitet habe, stand eines Abends

Angela Merkel in der Küche und fragte mich

nach dem Weg zur Rezeption.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis?

Es kam schon vor, dass ein Lieferant eine große

Menge Ware nicht geliefert hat, da mussten

wir improvisieren. Zum Glück gelang es uns,

die Ware kurzfristig über einen anderen

Lieferanten zu bekommen. Es ist auch schon

vorgekommen, dass die Pause einer größeren

Veranstaltung spontan von 13 Uhr auf 12 Uhr

vorverlegt wurde. Da muss man dann ratzfatz

mit allen Kräften anpacken, um rechtzeitig

fertig zu sein.

Was macht die Liederhalle

aus Ihrer Sicht so besonders?

Die große Vielfalt an Veranstaltungen: Bälle,

kleine und große Tagungen, Konzerte, Comedy,

Rock/Pop. Das bedeutet für die Küche eine

Vielzahl an Aufgaben und viel Abwechslung,

vom Barbetrieb über Buffets und Menüs bis

zum Front-Cooking vor den Gästen.

Was ist Ihr Lieblingsort in der Liederhalle?

Natürlich die Beethoven-Küche, hier verbringe

ich die meiste Zeit.

Bei großen Veranstaltungen und

vielen Essen kommt sicher Stress in der Küche

auf, wie gehen Sie damit um?

Buffets sind etwas einfacher als Menüs, bei

denen wirklich alles auf dem Punkt fertig sein

muss. Ich bin eher eine ruhige Person und kann

gut einen kühlen Kopf bewahren. Wenn es ein

Problem gibt, findet man auch eine Lösung

und dann hilft es, klare Anweisungen zu geben.

Welche Länder inspirieren Sie am meisten?

Die USA, das Steak- und Burgerland. Von

hier kommen viele Trends, wie das Streetfood.

Dann natürlich die klassische französische

Küche: Dort wird viel mehr Wert aufs Essen

und die Qualität gelegt. Und mich reizt die

russische Küche: Kaum jemand hat einen Bezug

dazu, doch russisches Essen passt gut zu unserer

regionalen Küche: deftig und bodenständig.

Wo würden Sie gerne einmal Urlaub machen?

Australien und Neuseeland würde ich gerne

kennenlernen. Wobei mich der lange Flug

etwas abschreckt. China reizt mich vor allem

kulinarisch. Und natürlich würde ich immer

wieder in die USA reisen. Diese Mischung

aus so vielen verschiedenen Kulturen an

nur einer einzigen Straße in New York ist

einzigartig! u

20 Liederhalle . Daniel Jung, Küchenchef


Überfordert

Unterfördert?

Versorgung der Krebspatienten in der Fläche

Wie kam es ursprünglich

zu der Idee eines Cancer Symposiums?

Begonnen haben wir 2013 mit einer Kick-Off-

Veranstaltung, mit der wir unser neues Cancer

Center vorstellten. Die Veranstaltung fand

großen Anklang, sodass wir nun jedes Jahr ein

Symposium des Stuttgart Cancer Centers organisieren

– jeweils mit einem anderen Schwerpunkt

rund um das Thema Krebs. Wichtig ist uns

dabei der interdisziplinäre Ansatz mit einem

breiten Angebot an Fachvorträgen.

Im Interview:

Als Abschluss der »Aktionswoche Krebs« des Klinikums

Stuttgart, die im September von den Stuttgarter Nachrichten

begleitet wurde, fand am 18. September das 3. wissenschaftliche

Symposium des Stuttgart Cancer Centers (SCC) statt.

Zentrumsleiter Prof. Dr. Gerald Illerhaus

hat das Symposium organisiert.

Um was ging es auf

dem diesjährigen Symposium?

In diesem Jahr standen politische Themen im

Vordergrund, speziell die Versorgungssituation

von Krebspatienten. Krebsmedizin ist extrem

im Wandel, es gibt interessante Entwicklungen

bei Medikamenten und eine Explosion der

Medikamentenkosten. Was sich aber überhaupt

nicht bewegt, ist die Versorgungssituation.

Unikliniken, Kliniken und Praxen arbeiten nicht

optimal zusammen. Das war für uns der Anlass,

einen Vertreter der Krebshilfe und Ärzte

anderer Kliniken einzuladen, um über die

Situation und die Bedeutung des Nationalen

Krebsplanes zu diskutieren.

Wer nahm alles an Ihrem Symposium teil?

Überwiegend niedergelassene Ärzte aus Praxen

und Kliniken, Ärzte aus dem eigenen Haus und

Vertreter anderer Fachgruppen und Selbsthilfegruppen.

Die Podiumsdiskussion war dazu

gedacht, Fragen zu stellen und gemeinsam zu

diskutieren.

14 % der Männer und 21 % der Frauen

bekommen Krebs. Was bedeutet das?

Die Zahlen zu verstehen ist etwas schwierig,

auch, weil manche Todesfälle nicht eindeutig

auf Krebs zurückzuführen sind. Jeder vierte

Todesfall in Deutschland ist eine dokumentierte

Folge von Krebs. Diese Zahl wird in Zukunft

noch weiter zunehmen, die Krebshäufigkeit

steigt. Das sind aber nur die Todesfälle:

Die Zahl der Patienten ist viel höher, denn viele

Menschen bekommen Krebs, ohne daran zu

sterben. Der Trend geht dahin, dass jeder zweite

Deutsche im Laufe seines Lebens eine Form von

Krebs entwickelt, doch nicht alle sterben daran.

Warum nimmt die Zahl der

Krebserkrankungen seit Jahren zu?

Eine der Ursachen ist die gestiegene Lebenserwartung.

Und das Rauchen! In den 70ern

haben hauptsächlich Männer geraucht, dann

zogen die Frauen nach. Die Auswirkungen

sehen wir heute an den steigenden Lungenkrebs-

Zahlen. Es gibt aber auch Krebsarten die hierzulande

rückläufig sind, Magenkrebs zum Beispiel,

weil wir eine bessere Nahrungsqualität haben.

Haben Ihre Kinder Handys?

Ja, aber ernsthaft Sorgen mache ich mir deshalb

nicht. Wenn Handys Krebs begünstigen

würden, hätten wir eine Zunahme bestimmter

Krebsarten, das ist nicht der Fall. Handys gibt

es schon seit 20 Jahren und wir können noch

keine negativen Entwicklungen feststellen.

Was waren die Ziele Ihres Symposiums?

Ich wollte vermitteln, dass wir rasch neue

Konzepte entwickeln müssen, mit denen wir

die Versorgungssituation der Patienten in

der Fläche verbessern können. Dieses Ziel ist gut

rübergekommen und wurde auch von der Presse

entsprechend aufgenommen. Große Spitzenzentren

sind bevorteilt und bekommen teilweise

für gleiche Leistungen das 10-fache an

finanziellen Mitteln im Vergleich zu kleineren

Kliniken. Kleinere Zentren müssen ganz anders

kalkulieren und haben weniger Möglichkeiten,

obwohl sie keine schlechtere Medizin machen.

Sind Krebsmedikamente zu teuer?

Darauf gibt es zwei Antworten: Nein, weil

Entwicklung und Zulassung – gerade in

Deutschland – mit immensen Kosten verbunden

sind. Zum anderen: Ja, sie sind zu teuer. Speziell

sogenannte »Blockbuster-Medikamente«, die

sich gut verkaufen und sich längst amortisiert

haben.

Was kann jeder Einzelne tun?

Mir fällt das Motto ein: »Was nun, was kann

ich tun«. Ich rate jedem, sich inhaltlich gut zu

informieren und sich in die richtigen Hände

zu begeben. u

22 Kongress . Symposium – Stuttgart Cancer Center


Diana Krall

Architektur-

Eine der erfolgreichsten Jazzsängerinnen

weltweit, sprengte

auch in der Liederhalle wieder

musikalische Grenzen.

Diana Krall überzeugte am 7. Oktober mit

ihrer ruhigen, schwerelosen Sinnlichkeit

und begeisterte ihre Fans im fast ausverkauften

Beethoven-Saal mit einer gewagten

Mischung aus privaten Erinnerungen,vielen

Standards von Nat King Cole und Momenten,

in denen die Rockmusik kraftvoll in diese

Welt einbricht.

Im Beethoven-Saal rührt Diana Krall

eine bunte Mixtur an – von Tom Waits

(»Temptation«) über Nat King Cole (»You Call

It Madness«) und The Mamas & the Papas

(»California«) bis zu Gordon Lightfoot

(»If You Could Read My Mind«) oder dem

bleischweren Blues »Lonely Avenue«, den

selbst Ray Charles nie besser interpretiert

hat. Krall präsentiert stilsicher vergessene

Songjuwelen aus den 20er und 30er Jahren.

Auch das Bühnenbild schwelgt in Erinnerungen:

Große, sanft leuchtende Röhrenradios

und von der Decke hängende

Retro-Mikrofone ergeben ein nostalgisches

Bild. »Ich liebe das Radio«, gesteht Krall.

»Man sitzt davor und weiß nie, was es spielt.«

Scheinbar schüchtern und ein wenig

nuschelnd plauderte sie mit dem Publikum.

Doch was beim Sprechen nachlässig wirkt,

entpuppt sich beim Singen als umwerfend

lässig und macht ihre ungekünstelte,

leicht angeraute Altstimme noch cooler.

Die hervorragende Band zeigt, dass sie

gemeinsam mit Diana Krall weit in jede

Richtung gehen kann: zum Swing, zum

jazzigen Pop, zum Blues, bis hin zu dem

ruhigen, mitternächtlichen Barjazz, mit

dem Diana Krall Ende der 1990er Jahre

bekannt wurde.

Bei manchen Songs ziehen die Musiker alle

Register und glänzen durch ausgedehnte

Soli, treten oft aber auch ganz hinter Diana

Krall zurück. Während eines gut 20-minütigen

Solo-Sets verschwindet die Band

hinter der Bühne und das Publikum lauscht

gebannt der Jazzerin am Steinway-Flügel.

Verrucht und sexy, rau und ungeschliffen,

verschmitzt und humorvoll – so präsentiert

sich die kanadische Sängerin und Pianistin

Diana Krall in Stuttgart und spielt statt 90

ganze 120 Minuten ohne Pause – inklusive

Schlaflied für das weinende Kind aus

den hinteren Reihen, das die Mutter von

Zwillingen mit einem Augenzwinkern aus

dem Ärmel schüttelt. Ein Hochgenuss für

Freunde des guten Jazz. u

Im Eingangsbereich der Liederhalle werden

die Besucher vom Portrait des rumänischen

Dirigenten Sergiu Celibidache empfangen.

Wer das Bild im Vorbeilaufen mit den Augen

fixiert, könnte meinen, dass der Dirigent

den Kopf dreht und einen mit seinem Blick

folgt. »Die Technik des Negativ-Reliefs hält

das Bild lebendig. Auf den ersten Blick

springt es einen an, erst auf den zweiten

Blick sieht man, dass es sich nach innen

wölbt«, erklärt der Künstler Ubbo Enninga.

Er schuf das Kunstwerk nach dem Tod

Celibidaches im Jahre 1996 als freie Arbeit,

i

Kunst in der Liederhalle

»Sergiu Celibidache«

Aluminiumguss als Negativ-Relief

Ubbo Enninga, 1996 / 2006

www.ubbo-enninga.de

der 2006 entstandene Aluminiumguss

wird seither in der Liederhalle als

Dauerleihgabe ausgestellt. Zwischen

1972 und 1977 war Sergiu Celibidache

Leiter des Radio-Sinfonieorchester

Stuttgart und gab zahlreiche Konzerte

in der Liederhalle. In dieser Zeit

lernten sich Enninga und Celibidache

persönlich kennen. Ubbo Enninga kam

1977 zum Studieren nach Stuttgart

und ist seit den 80er Jahren als freischaffender

Künstler und Bildhauer tätig.

Er arbeitet in Stuttgart und Berlin. u

24 Kultur . Diana Krall


Vorhang auf

für Glamour

und Inklusion!

Am 22. September 2015 verwandelt sich die Bühne des Hegel-Saals

in das Grand Hotel Vega$: Die Glitzerstadt in der Wüste ist an diesem

Abend Schauplatz für ein besonderes Musical rund um Liebe

und Intrigen, Mode und Glamour, Gangster und Detektive – initiiert

von der Patsy und Michael Hull Foundation e.V. und verkörpert

von Darstellerinnen und Darstellern mit und ohne Behinderung.

Linda in den Trubel gezogen – als Giacomo

sie erblickt wird sie seine Muse und Zentrum

seiner neuen Kollektion. Gewürzt mit

vielen Tanzeinlagen, Verfolgungsjagden,

Dramen und einer Blitzhochzeit à la Las

Vegas (selbstverständlich mit Elvis-Double

als Priester) nimmt das Musical schnell

an Fahrt auf und lässt einen bis zum grandiosen

Finale nicht mehr los.

Grand Hotel Vega$ ist das größte

Inklusionsmusical Deutschlands.

Über 200 Darsteller mit und ohne Behinderung

rocken im Hegel-Saal gemeinsam

die Bühne. Neben dem Stammensemble

der Patsy und Michael Hull Foundation e.V.

beteiligen sich Tanzschulen und Vereine

der verschiedenen Aufführungsorte. Bei

der Stuttgarter Aufführung ist die Rollstuhltanzabteilung

des 1. Tanzclub Ludwigsburg

dabei, außerdem das Tanzstudio Let’s Dance

von Annette Scheuvens, die beiden Ballettschulen

Rüter und Sylvia Elbs sowie die

zwei ADTV-Tanzschulen von Sascha Wolf

und Brigitte Rühl. »Wir bilden dann zusammen

ein großes Musicalpuzzle«, erklärt

Sascha Wolf. Unter seiner Leitung hat die

Tanzgruppe des Werkhauses Feuerbach

(bhz Stuttgart e.V.) zwei Choreografien

einstudiert. »Als ich von diesem Projekt

erfahren habe, war ich gleich begeistert

und wollte unbedingt mitmachen«,

sagt der Tanzlehrer. Die ehrenamtliche

Arbeit mit den behinderten Menschen

empfindet er als große Bereicherung.

»Ich habe gelernt, dass Unterschiede

vor allem im Kopf der ›Normalos‹ entstehen

und die behinderten Schüler

ganz ungezwungen an die Sache gehen.

Die Hemmschwelle zu mir als Lehrer ist

niedriger und die ganze Zusammenarbeit

dadurch sehr angenehm.« Die im

Alltag so groß erscheinenden Unterschiede

verschwinden auf der Bühne

schnell. Alle sind mit dem gleichen Spaß,

Eifer und Ehrgeiz dabei, betont Sascha

Wolf: »Obwohl der Tag wirklich anstrengend

und alle ganz schön aufgeregt

waren, haben alle ihr Bestes gegeben.«

Die Begeisterung steckt an und der

Einsatz hat sich gelohnt – am Ende der

Show werden die Darsteller im Hegel-

Saal mit Standing Ovations gefeiert. u

Ein Schuss durchschlägt die Stille des Grand Hotel Vega$ und versetzt

alle in helle Aufregung. Seit Wochen treibt ein Dieb im Hotel

sein Unwesen und nun ist das wertvolle Collier der Schauspielerin

Antoinette-Louise Chevallier verschwunden. Ein Skandal! Und

das ausgerechnet, als der italienische Modezar Giacomo Marone

erwartet wird! Dabei wirbeln die exzentrische Diva Char und ihr

so gar nicht entspannter Choreograf, die drei angeheuerten Privatdetektivinnen

und die verärgerten Dauergäste das Hotel ohnehin

schon durcheinander. Nichtsahnend wird auch die Rezeptionistin

26 Kultur . Grand Hotel Vega$ – Inklusionsmusical


Partner:

Stuttgart

Kurz nach dem Bau des neuen Kongresszentrums 1991 öffnete

1993 auch das Maritim Hotel Stuttgart seine Tore. Hotel und Liederhalle

sind seither nicht nur über einen unterirdischen Gang miteinander

verbunden: »Wir haben ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis

und arbeiten auf Augenhöhe«, sagt Alexander Buck, Direktor

des Hotels. Kongressteilnehmer schätzen die zentrale, ruhige Lage

mitten in der Stadt und kurzen Wege zum Hotel,Veranstalter profitieren

von den Möglichkeiten, die sich aus der Kombination von

Tagungshotel und Kongresszentrum bieten.

Und auch personell verschwimmen die

Grenzen, da das Maritim Hotel als Partner

für den Service und die Gastronomie in der

Liederhalle verantwortlich ist und Küchen

und Bars in der Liederhalle betreibt. »Zusätzlich

zur Bewirtung der Tagungen und Kongresse

waren wir in diesem Jahr bei über

400 Konzerten für die Pausenbewirtung zuständig,«

sagt Michael Ciesléwicz, der Regionaldirektor

des Hotels. Er sieht im Maritim

mehr als nur einen gastronomischen Partner:

»Wir betreiben ein gemeinsames Haus«.

Seit 1993 wurden immer wieder Teile des

Maritim Hotel Stuttgart renoviert, 2014 fiel

der Startschuss für eine umfassende Gesamt-

Renovierung. Seither hat sich viel getan:

555 Zimmer wurden neu eingerichtet, haben

neue Betten, Möbeloberflächen, Teppiche

und Vorhänge bekommen und auch die

TV-Geräte sind jetzt auf dem neusten Stand:

»42 Zoll bei den ›kleinen‹ Geräten, 47 Zoll in

den Suiten – mit HD-Bild, 80 (auch ausländische)

Programme und Internet – das ist

genial«, lobt Michael Ciesléwicz. Mit 74

Suiten in drei Kategorien bietet das Hotel

auch für prominente Künstler und Staatsgäste

die adäquaten Räumlichkeiten.

Kofi Annan, Angela Merkel, Frank-Walter

Steinmeier und zahlreiche weitere Politiker

und Stars haben hier schon genächtigt. Bei

voller Auslastung kann das Maritim Hotel

Stuttgart rund 1.100 Gäste beherbergen.

Nötig ist das zum Beispiel beim mehrtägigen

Tanzwettbewerb »German Open Championships«,

der jedes Jahr in der Liederhalle und

der Alten Stuttgarter Reithalle des Maritim

Hotels stattfindet. Bis zur Austragung

der 30. German Open Championships im

August 2016 soll der Umbau komplett

fertiggestellt sein. Aktuell werden in einem

zweiten Bauabschnitt die Bäder der Zimmer

modernisiert. »Wir sind 100 Prozent im

Zeitplan. Der auf 16 Monate angesetzte

Umbau verläuft bislang völlig reibungslos,

trotz laufendem Betrieb«, sagt Direktor

Alexander Buck und freut sich: »Die

Modernisierung wird überwiegend positiv

wahrgenommen und die Besucher loben

die schönen, neuen Zimmer.« Die

renovierten Räume präsentieren sich im

freundlichen Beige und Anthrazit, wirken

frisch und modern. »Wir wollen kein

steriles, kaltes Design-Hotel sein, bei uns

ist es gemütlich«, so Buck. Da passt es auch

ins Bild, dass man die alten, bequemen

Sessel neu überziehen ließ, anstatt neue,

unbequemere anzuschaffen. »Wir setzen

seit jeher auf hohe Qualität, das ist unser

Verständnis von Nachhaltigkeit«, erklärt

Alexander Buck. Und welche Pläne gibt es

für die Zeit nach der Modernisierung?

»Wir träumen von einer Event-Küche in der

Liederhalle. Dann könnten wir Kochkurse

für Firmen und Live-Cooking-Events anbieten«,

erzählt Alexander Buck, will aber

noch nicht zu viel verraten. Wir sind

gespannt! u

28 Partner . Maritim – Renovierte Räume


Häusle baua

Schwäbische Immobilienbesitzer

treffen sich zum »Tag des Eigentums«

Der »Modernisierungspreis Baden-Württemberg«

soll privaten Hausbesitzern Anregungen

geben, wie sie mit intelligenten

Lösungen Bestandsgebäude energetisch

sanieren können. Ausgelobt wird der Preis

von den Zeitschriften der beiden Haus&

Grund-Verbände im Land. Im Rahmen

des Tags des Eigentums in Stuttgart am

Samstag, 24. Oktober, wurden die Auszeichnungen

erstmals verliehen. Die Schirmherrschaft

hatte Umweltminister Frank

Untersteller übernommen.

Der erste mit 5.000 Euro dotierte Preis ging

an ein Gebäude im badischen Achern.

Das frühere Problemgebäude ist durch die

Sanierung zu einem modernen Mehrparteienhaus

mit bunt gemischter Mieterstruktur

in zentrumsnaher Lage geworden. Die

Wohnungen haben offene Wohn- und

Essbereiche, große Balkone oder Terrassen,

Komfortbäder und Fußbodenheizung in

allen Räumen. Prämiert werden energetische

Sanierungen in Bestandsgebäuden

der jeweils vergangenen zehn Jahre.

Beim gut besuchten »Tag des Eigentums«

des Stuttgarter Haus- und Grundbesitzervereins

e.V. kamen mehr als 1.000 Immobilieneigentümer

aus Stuttgart und den Vereinen

in umliegenden Städten in die

Liederhalle, um ein gemeinsames Signal

an die Politik zu senden und sich auf der

Fachausstellung im Hegel-Foyer über neueste

Trends rund um Bauen und Wohnen zu

informieren. Dr. Klaus Lang, Vorsitzender

von Haus & Grund Stuttgart, konnte in

seiner Begrüßung viel Positives von der

Vereinsarbeit und Mitgliederentwicklung

vermelden. Anders schätzt die Hausbesitzerorganisation

allerdings die politische

Situation für private Immobilieneigentümer

ein. Die Regierung und der Bürgermeister

brächten privatem Eigentum keinen Respekt

entgegen und Grundeigentümer

sähen sich wachsendem Ärger und Verdruss

ausgesetzt, so der 76-jährige ehemalige

Erste Bürgermeister Stuttgarts. Kritisch

diskutiert wurden die jüngsten politischen

Entwicklungen wie die Mietpreisbremse,

die ab 2016 geltenden, strengeren Vorschriften

der Energieeinsparverordnung

(EnEV 2016) sowie die Ankündigung des

Stuttgarter Oberbürgermeisters Fritz Kuhn,

er wolle mit Blick auf die Wohnungsnot in

Stuttgart und die aktuelle Flüchtlingskrise

gesetzlich gegen leer stehende Wohnungen

vorgehen. »Der Wind für uns Eigentümer

wird rauer«, sagt Dr. Klaus Lang unter dem

Beifall der Hausbesitzer. u

i

Info

Der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein

e.V. wurde 1902

gegründet und betreut derzeit über

20.000 Mitglieder, die rund 100.000

Immobilien ihr eigen nennen.

30 Kongress . Tag des Eigentums


Bildrückentitel

schon,…

dass die Rücken unserer Kongressmagazine

ein gemeinsames Bild ergeben?

Von Ausgabe zu Ausgabe hat sich das

Motiv verschoben – wenn Sie alle neun bisher

erschienenen Magazine nebeneinander

stellen, ergibt sich das Bild des weißen

Vogels, den Sie vielleicht schon einmal bei

einem Besuch der Liederhalle bemerkt

haben. Das Kleinmosaik ist Teil der künstlerischen

Gestaltung der Außenwand

des Mozart-Saales und vom Berliner Platz

zugänglich. Der Entwurf stammt von

Professor Blasius Spreng, der das Erscheinungsbild

der Liederhalle durch seine Kunst

am Bau maßgeblich beeinflusst hat. Mit

dieser neunten Ausgabe ist das Bild vollständig.

Was kommt als nächstes? Freuen

Sie sich mit uns auf die zehnte Ausgabe! u

32 Liederhalle . Auflösung des Bildrückentitels

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