Magazin Vorfreude Kilimanjaro 2016

kilimanrudi

Manager am Kilimanjaro

JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

JAMBO BWANA

HAKUNA MATATA

Der Wiener Versicherungsmanager Gerald Enderle

hatte zu seinem 40. Geburtstag nur einen Wunsch:

nämlich den Kilimanjaro, den höchsten Berg Afrikas

und damit einen der Seven Summits,

im Nordosten Tansanias

zu besteigen.

Text: Astrid Steinbrecher-Raitmayr

Foto: iStock.com/MHGALLERY

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JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

Das Kilimanjaro-Massiv befindet

sich rund 350 km südlich des

Äquators, ca. 500 km von der Stadt

Dar es Salaam und etwa 200 km

von der kenianischen Hauptstadt Nairobi

entfernt. Enderles Idee war, sich zum runden

Geburtstag etwas ganz Besonderes zu

gönnen. Freilich ohne vorher zu wissen,

welche Strapazen auf einen zukommen,

wenn man als quasi Hobbytrainierter in

fünf Tagen einen fast Sechstausender bezwingen

will. Von den Freunden und Geschäftspartnern,

denen man in der

geselligen Runde die Idee kundtat, sind

schließlich acht mitgereist. Über Freund

Christoph Hütter, der den Berg zuvor

schon bezwungen hatte, war schnell der

Kontakt zu Rudi Stangl hergestellt, der in

einschlägigen Kreisen längst als „Kiliman-

Rudi“ bekannt ist. 103-mal war er bereits

auf dem Kilimanjaro und 1.300 Menschen

hat er bei ihrem Aufstieg dabei sicher ans

Ziel geführt.

Manager am Kilimanjaro

Aber nicht genug mit einer einfachen

Bergbesteigung, als echte Manager wollten

Enderle und seine Bergkameraden auch

ihren Kili-Trip in ein spannendes Marketingprojekt

verwandeln. Sponsor-Unterstützung

kam neben der Allianz

Versicherung, Almdudler oder der Gesundheitswelt

Sillian vor allem auch vom

Sportartikelhändler Hervis mit seiner Eigenmarke

„KILIMANJARO“, die die

Bergsteiger auf ihrer Expedition optimal

einsetzen konnten. Und immer noch nicht

genug damit, hatten die Golfer der Truppe

auch die Idee, den höchsten Golfball der

Welt vom Uhuru-Peak abzuschlagen.

Nach der Landung in Mombasa fuhren die

Männer 300 km lang über fürchterliche

Straßen, im Ausgangsort Marangu fand

man sich deshalb erst neun Stunden später

ein. Am Vorabend des Aufbruchstages feierte

die Truppe fröhlich und ausgelassen

bei Kilimanjaro-Bier und jeder sollte den

anderen und vor allem sich selbst in den

darauffolgenden Tagen noch besser kennenlernen.

Am 24. Juli 2011 wagten die

acht Manager aus Österreich mit Rudi

Stangl und Christoph Hütter den Aufstieg

auf den wunderschönen Berg, der vor

allem im Morgenrot einen atemberaubenden

Anblick bietet, wenn die Wolkenbänder

den Berg hinaufziehen. Für die

„Lange Zeit geht man anfangs über

relativ flaches Gelände, die Anstiege

sind kaum merklich.“

Blue-Men-Group aus Austria, wie die

Gruppe rasch aufgrund ihrer blauen Kilimanjaro-Outfits

von den anderen Wanderern

genannt wurde, standen 24 Träger

-die Porter-zur Verfügung. Die notwendige

Ausrüstung wurde gewogen und angeblich

auch gerecht verteilt. Es musste

nicht nur das Gepäck hinaufgetragen werden,

sondern auch das Essen und das

Wasser. Insgesamt stehen im Kilimanjaro

Nationalpark, der 1973 gegründet, 1977

eröffnet und 1987 zum UNESCO-Weltkulturerbe

erklärt wurde, ca. 1.200 Guides

zur Verfügung, auf einen Touristen kommen

zwei Porter.

Fotos: Rudi Stangl

Bis man den

Gipfel des

Kilimanjaro

erreicht hat,

durchwandert

man verschiedene

Klimazonen.

Links

im Bild

die Riesen-

Senecien, doch

je näher man

dem Berg

kommt, umso

karger wird die

Landschaft.

Vom Urwald zur Mondkraterlandschaft

Zum Frühstück bereiteten die Köche

meist Toast, Marmelade, Honig und eine

Art Omelette zu. Mittags und abends gab

es immer Suppe, Hühnchen, Nudeln oder

Kartoffeln. „Man hat nicht so einen großen

Appetit, wie man vermuten könnte,

obwohl es anstrengend ist, aber die Verdauung

spielt nicht mehr auf gewohnte

Weise mit und man hat weniger Hungergefühl“,

so Enderle. Die Mandara Hütte

auf 2.720 m war die erste Station auf

ihrem Weg, die zweite dann bei etwas

schlechterem Wetter die Horombo Hütten

auf 3.700 m. Enderle: „Wir haben diese

Route gewählt, damit wir auf den unterschiedlichen

Höhen in Hütten schlafen

konnten, es war nicht luxuriös, sondern

sehr einfach mit einem Bett und einer

dünnen Matratze ausgestattet, es gab keine

Heizung, aber es war trocken und man lag

gerade. Dadurch, dass immer weniger Luft

da ist, hatte man das Gefühl, dass es viel

kälter war, da machte es schon Sinn, in

einer Hütte und nicht im Zelt im Freien

zu schlafen.“ Lange Zeit geht man anfangs

über relativ flaches Gelände, die Anstiege

sind kaum merklich.

Der Berg ist in drei Klimazonen unterteilt.

Bedingt durch das feuchtheiße Klima, hat

sich im unteren Segment, das aus urwald-

Die Porter

sind für das

Tragen der

Ausrüstung,

des Essens und

des Wassers

zuständig.

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JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

artigem Regenwald mit sehr viel Feuchtigkeit

besteht, eine einzigartige Flora entwickelt.

Erika-Sträucher wachsen bis in zehn

Meter Höhe, Kreuzkraut bis zu sechs

Meter, es gibt Olivenbäume, Orchideen,

Palmen, Riesen-Senecien, Wacholder, Zedern,

Farne, Flechten, Lobelien oder Akazien.

Der mittlere Teil zwischen 3.000 und

4.300 m ist wie eine Heidelandschaft, der

Bewuchs wird immer karger und die Temperatur

nimmt spürbar ab. Darüber sieht

man nur mehr Steine und Lava, ähnlich

einer Mondlandschaft, der Gipfelbereich

ist trocken und eisig. Der Kilimanjaro ist

der höchste freistehende Vulkankegel der

Welt. Das Bergmassiv besteht aus drei erloschenen

Vulkanen, ca. zehn Kilometer

östlich des höchsten Gipfels Kibo (der

Helle und bekannt als Uhuru-Peak), ragt

der felsige Mawenzi (der Dunkle) auf

5.148 m empor. Etwa 15 km westlich des

Kibo liegt der Shira auf 3.962 m. Shira

und Mawenzi hat die Erosion stark zugesetzt,

während der Kibo beinahe noch als

perfekter Kegel erhalten geblieben ist.

Der Aufstieg zum Gipfel

Vorbei an den berühmten Zebra Rocksging

es bis zum Mawenzi-Sattel auf ca.

4.300 m, von dem man einen fantastischen

Blick auf den Kibo hat, den man am

nächsten Tag bezwingen wollte. Ein Tag

Pause in der Kibu Hütte auf ca. 4.700 m

und die Möglichkeit zur Akklimatisation

taten gut. Schon am frühen Morgen breitete

sich die Kälte im ganzen Körper aus

und die Ausrüstung musste einiges aushalten,

denn das Wetter hatte in eisigen Graupelschauer

und Nieselregen umgeschlagen

und machte der Gruppe zu schaffen: „Vor

allem die Fingerspitzen schmerzten zusätzlich“,

so Enderle, „deshalb habe ich

meine Hände meist in den Hosentaschen

vergraben.“

Bei Dunkelheit und mit Stirnlampen begann

um Mitternacht der schwerste und

steie, über sechs Stunden dauernde Anstieg

zuerst zum kleinen Gipfel, den Gilman´s

Point auf 5.685 m, und weitere

zwei Stunden zum Gipfel auf den Uhuru

„Den geplanten Golfabschlag vom

Uhuru Peak ließen sich die Golfer

unter den Managern nicht entgehen.“

Fotos: Gerald Enderle

Endlich ist

der Gipfel

erreicht und

die Freude

ist groß.

Peak. Dieser Fußmarsch verlangte allen

alles ab und jeder Teilnehmer musste an

seine Grenzen und darüber hinaus gehen.

„An diesem letzten Tag gingen wir über

tausend Höhenmeter hinauf und mussten

wieder hinunter zur Horombo Hütte auf

3.700 m. Wichtig ist, dass der Puls nie

über 120 ist und der Körper nie ans Limit

gebracht wird“, erzählt Enderle, „wenn

der Puls hoch ist, regeneriert man sich

nicht mehr. Man sollte immer reden können,

wichtig ist, ständig die Bauchatmung

zu trainieren, damit mehr Sauerstoff ins

Gehirn gelangen kann.“ Bei einigen

machte sich dennoch die Höhe bemerkbar.

„Langsam, langsam und Sohlenlänge

vor Sohlenlänge“, unterstützte Rudi Stangl

immer wieder seine Truppe, nur kleine

Pausen gab es während des Aufstiegs.

Viele Bergsteiger haben mit der Höhe zu

kämpfen. Der Luftdruck auf Meeresniveau

beträgt 1.013 Hektopascal, während

es auf 6.000 m nur mehr 471 sind. Auch

der Sauerstoffpartialdruck halbiert sich in

dieser Höhe.

Der höchste Golfabschlag der Welt

Nach einigen Überredungskünsten bei ein

paar Mitgliedern ging es im langsamen

und gleichmäßigen Tempo weiter und

gegen 8 Uhr morgens erreichte die gesamte

Mannschaft den Uhuru Peak. „Welcome

and Congratulations“ ist auf dem

Schild am Gipfel zu lesen, 5.895 m waren

geschafft: „Es kommen einem die Tränen,

die Kraft lässt nach, jede kleine Steigung

spürt man am Ende, aber sobald die

Sonne aufgeht und man spürt, wie warm

und energiereich sie ist, ist alles vergessen“,

so die glücklichen Mitstreiter. Es war

geschafft, die Freude groß, das Ziel war

erreicht. Gemeinsam mit den Trägern

wurde am Gipfel getanzt und gesungen.

Den geplanten Golfabschlag vom Uhuru

Peak ließen sich die Golfer unter den Managern

nicht entgehen. Es war vermutlich

der höchste und weiteste Abschlag der

Welt!

„Bei einer Oscar-Verleihung bedankt man

sich meistens bei seinen Eltern oder Lehrern,

ich danke unserem Bergführer und

Mentor Rudi, der alles perfekt organisiert

und uns, mit seiner Stimme in seiner ruhigen

Art und immer wieder auf das Atmen

hinweisend, den Berg hinaufgetragen und

mich gepusht hat, obwohl ich es selbst

nicht geglaubt habe, es zu schaffen“, so

ein strahlender Manager am Ende der

Reise. Stangl freute sich, dass es die ganze

Mannschaft geschafft hat: „Es ist nicht

unbedingt selbstverständlich, denn viele

geben am Stella Point auf 5.745 m oder

am Gilman´s Point auf. Meine Erfolgsquote

liegt bei 96 Prozent.“

Noch vor ein paar Jahrzehnten gab es am

Kilimanjaro praktisch keinen Tourismus.

Heute zieht es Tausende Menschen jedes

Jahr auf diesen Berg. So standen am

1.1.2000 mehr als 1.000 Bergsteiger auf

dem beeindruckenden Krater, um die

Sonne über dem neuen Millennium aufgehen

zu sehen.

Der vermutlich

höchste und

weiteste

Abschlag der

Welt!

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JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

JAMBO BWANA – HAKUNA MATATA

„DIE BESTEIGUNG DES KILIMANJARO SOLLTE

DIE ENTDECKUNG DER LANGSAMKEIT SEIN!“

Interview mit „Kiliman-Rudi“

Rudi Stangl

alias „Kiliman-

Rudi“ hat

bereits 103 mal

den Kilimanjaro

bestiegen

und 1.300 Menschen

bei

ihrem Aufstieg

sicher ans Ziel

geführt.

Wieso ist der Kilimanjaro Ihr

Lieblingsberg?

Der Kilimanjaro bietet einem Naturliebhaber

alle Klimazonen, er liegt fast am

Äquator und ist noch immer ein wenig eisbedeckt.

Der Berg ist für jeden Wanderer

zu besteigen, man trifft dort die ganze

Welt und Afrika hat noch immer ein wenig

echtes Abenteuer anzubieten.

Wer darf mit?

Mit mir kann jeder mitkommen, wichtig

ist die Gesundheit und die Leute sollten

fit sein, also mindestens sechs bis sieben

Stunden wandern oder eine Stunde durchlaufen

können. Wenn man ein paar Stunden

mit einem leichten Rucksack in

unseren Alpen wandern kann, schafft man

auch den Kilimanjaro. Wichtig ist nur, dass

man im Kopf stabil ist und Durchhaltevermögen

hat, um dann wirklich auf den

Gipfel zu kommen. Von meinen 1.300 Kiligehern

waren mit mir 1.240 am echten

Gipfel, dem Uhuru Peak auf 5.895 m. Offiziell

laut Nationalpark schaffen es nur 48

Prozent bis ganz hinauf. Das Wichtigste

beim Höhenbergsteigen ist das langsame

Gehen – nicht nur in der Höhe, sondern

schon davor damit anfangen, ab 3.000 m

etwa – , das gleichmäßige Atmen, einen

guten Geh- und Atemrhythmus zu finden

und den Geist auf das, was man erreichen

will, vorbereiten.

Wie läuft die Reiseplanung und Vorbereitung

am besten ab?

Die meisten planen eine solche Bergreise

schon ein Jahr davor, man sollte aber mindestens

sechs Monate davor die Reise geplant

und, wenn möglich, auch gebucht

haben. Wichtig ist auch die Überlegung

welche der Aufstiegsrouten man nimmt.

Es gibt fünf Möglichkeiten, den Berg zu

besteigen. Von der Schwierigkeit sind bis

auf die Umbwe-Route (Kili-Westseite) alle

Routen ziemlich ähnlich, nur die Gehzeiten

variieren ein wenig. Nur eine Route

(Marangu-Route) auf den Berg ist mit einfachen

Hütten (für vier bis sechs Personen)

ausgestattet, diese sollte auch von

Leuten gewählt werden, die keine erfahrenen

Bergsteiger oder Berggeher sind, da

mit Sicherheit Energie verloren geht,

wenn man schlaflose Nächte im Zelt verbringt,

die gerade beim Gipfelgang gebraucht

wird.

Wie trainiert man und worauf sollte

man besonders achten?

Viel gehen und wandern, Walking oder

auch ein Lauftraining und Radfahren sind

sicher von Vorteil. Also dreimal pro

Woche Ausdauersport und man ist nach

sechs Monaten fit genug, um den Kili konditionell

zu schaffen.

Welche Ausrüstung sollte man mitbringen?

Die Bergausrüstung sollte so gewählt werden,

als wenn man bei uns im Herbst eine

Hochtour in den Alpen geht, also schon

warme Unterwäsche, Berghose, Fleeceund

Bergjacke, Haube und gute Handschuhe

und auch der Regenschutz sollte

immer dabei sein. Der Schlafsack muss

einen Komfortbereich von mindestens

minus drei Grad aufweisen, damit man die

Bergnächte gut übersteht! Als Bergschuh

reicht ein guter Trekkingschuh, wichtig

sind für den Gipfelgang auch die Trekkingstöcke.

Die Ausrüstung ist im guten

Sport- und Outdoor Fachhandel erhältlich,

es muss nicht immer das Teuerste

sein, gute Mittelklasse tut es auch.“

Wie laufen die einzelnen Aufstiegstage

ab?

Bei einer Kili-Besteigung sollte man sich

auf sehr, sehr lange Nächte einstellen,

18.30 bis 6 Uhr Früh. Der Tagesablauf ist

um 7 Uhr Frühstück, um 8 Uhr Abmarsch,

meist ca. um 12.30 Uhr Mittagspause,

gegen 15 Uhr Ankunft im Camp. 18 Uhr

Abendessen, das ist jeden Tag fast derselbe

Ablauf, nur beim Gipfelgang ist es etwas

anders. 17 Uhr Abendessen, 23.30 Uhr ein

kleines Frühstück, ca. 24 Uhr Abmarsch.

Der Gipfelgang und zurück ist meist ein

zwölf-bis-vierzehn-Stunden-Tag.“ √

Fotos: Rudi Stangl

Infos zum Thema

Reisen

Über www.kilimanjaro.at sind 2016 noch folgende Reisen geplant:

9.7.-24.7. (mit Rudi Stangl), 23.7.-7.8. oder 17.9.-2.10. (mit Rudi Stangl) jeweils sechs

Tage Kilimanjaro-Tour, vier Tage Wildtiersafari mit Lodgenächtigung und drei oder vier

Tage Indischer Ozean.

2.10.-16.10. (mit Rudi Stangl) eine Sieben-Tage-Kilimanjaro Tour mit zwei Akklimatisationstagen

auf 3.700 m und nochmals auf 4.200 m, drei Tage Wildtiersafari und/oder drei

oder vier Tage Indischer Ozean.

Der nächste Kilimanjaro-Vortrag von Rudi Stangl wird ca. Mitte November 2016 in Graz

stattfinden.

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