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degemed.news

Newsletter der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation e.V.

Nr. 55 April 2016

news

Die Notwendigkeit zum Handeln

Erfahrung der Reha hilft bei der Integration

Die kriegsbedingte Flucht- und Wanderungsbewegung

zahlreicher Menschen aus

dem Nahen Osten nach Europa bestimmt

seit vielen Monaten unsere Tagesordnung.

Längst ist sie zu einem Thema nicht nur für

Außen- und Europapolitiker geworden. Sie

bestimmt auch in anderen Politikbereichen

die Agenda und beeinflusst sogar den Ausgang

von Wahlen.

Die Situation annehmen

Niemand weiß, wie viele Menschen in diesem

Jahr nach Deutschland kommen. Und

offen ist auch, wie viele dauerhaft bei uns

bleiben werden. Klar ist aber schon jetzt:

Aufnahme, Versorgung und Integration sind

gewaltige Aufgaben für unsere Politik und

unsere Gesellschaft. Die Diskussion über

Möglichkeiten und Chancen, aber auch über

Risiken und Nebenwirkungen ist notwendig,

wenn wir mit der Situation sachgerecht umgehen

wollen.

Zivilgesellschaftliches Engagement

An vielen Orten sind in den vergangenen

Monaten zahlreiche Projekte und Initiativen

entstanden. Viele bemühen sich erfolgreich,

existenzielle Not zu lindern und zu helfen.

Oft beteiligen sich Reha-Kliniken bei der

Unterbringung oder an der medizinischen

Erstversorgung von Flüchtlingen. Sie geben

damit ein Beispiel für zivilgesellschaftliches

Engagement – humanitär und ohne Polemik.

Regelversorgung

Es muss aber in den nächsten Monaten auch

darum gehen, Möglichkeiten und Angebote

zur Integration für diejenigen zu organisieren,

die dauerhaft bei uns bleiben werden.

Dabei geht es nicht um wohlfahrtsstaatliche

Fürsorge oder Umverteilung. Sondern

um intelligente und effiziente Sozialpolitik,

die Chancen bietet. Im Mittelpunkt muss

dabei die Qualifizierung stehen. Damit das

funktioniert, sind wichtige Fragen zu klären:

Wer ist am ehesten geeignet zu überprüfen,

welche Ressourcen und Profile Flüchtlinge

aus ihren Herkunftsländern mitbringen? Wer

kommt mit komplexeren Bedarfssituationen

zurecht? Wie können wir bestehende Strukturen

nutzen, um keine Zeit zu verlieren?

Reha und Teilhabe

Die meisten Fragestellungen kommen uns

bekannt vor. Das ist kein Zufall. Denn Rehabilitation

bietet ein umfassendes Konzept

zur Integration und zur Herstellung von Teilhabe.

Das ist ihre Aufgabe und das macht

ihre Qualität aus. Wir können diese Erfahrungen

nutzen. Und Lösungen entwickeln.

Wir fangen heute mit diesem Heft einfach

mal damit an. Und betrachten in mehreren

Beiträgen das Thema Migration und Reha.

Schwerpunktthema

Migration und Reha

1


Inhalt

Degemed intern

2 Editorial

14 Neue Mitarbeiterin

Schwerpunktthema Migration und Reha

3 Fachkräfte mit weitem Weg

4 Reha-Zugang: Hürden für Migranten

4 BMG-Ratgeber: Gesundheitsinfos für

Asylsuchende

5 Sprachlos nach dem Schlaganfall

6 Forschung: Dank MiMi in die Reha

6 Seminar: Herausforderung

Interkulturalität

Wissenschaft

7 Reha-Branche trifft sich in Aachen

Politik

8 Prävention vor Rehabilitation wird

Programm

8 Flexi-Rente: Gesundheitscheck

soll Reha-Bedarf zeigen

11 Reha-Quote: SPD und CDU/CSU

fordern mehr Rehabilitation

12 Ausschreibung: Verordnung zum

Vergaberecht verabschiedet

Interview

9 Prof. Dr. Stephan Dettmers:

Neuer Kurs bei der DVSG?

Initiativen

10 Entlassmanagement für GKV-

Rehabilitanden: Was ändert sich?

10 Rehabilitation für Kinder – einfach erklärt

11 Beratungsstandards: Tipps für gute

Reha-Beratung

Projekte

12 Reha-Tag: Marlene Mortler übernimmt

Schirmherrschaft

13 BFS-Marktreport: Neue Chancen nutzen

Ein Beitrag von Jens Hayer

Kliniken

14 Neue Mitglieder vorgestellt: MEDIAN

14 Herzrasen in der Kirchberg-Klinik

Recht

15 Neues aus dem Rehabilitations- und

Teilhaberecht

Service

15 Die (Reha-)Welt in Zahlen

16 Termine und Veranstaltungen

16 Impressum

Liebe Kolleginnen

und Kollegen,

Editorial

Norbert

Glahn,

Vorstands–

vorsitzender

der DEGE-

MED

„Der Mensch steht im Mittelpunkt unseres

Handelns“ – diesen Satz liest man oft, wenn

man in Prospekten von Reha-Kliniken blättert.

Was bedeutet er eigentlich für uns? Ist

es nur die Zusage, dass wir uns mit ganzer

Hingabe und unter Berücksichtigung aller

medizinisch-therapeutischer Aspekte um

unsere Patienten kümmern wollen? Ich

denke nicht. Denn der Anspruch der Rehabilitation

ging immer schon weiter. Er

reichte über den Einzelnen hinaus in die

Familie, in die Arbeitswelt und in die Gesellschaft

hinein. Teilhabe ist eben mehr

als die Abwesenheit von Krankheit. Gerade

deshalb hat der Anthropozentrismus

dieses kleinen philosophischen Leitsatzes

heute vor dem Hintergrund nicht enden

Keine erneute

Kandidatur

Der Vorsitzende des Vorstands der DE-

GEMED, Prof. Bernd Petri, wird bei den anstehenden

Neuwahlen des DEGEMED-Vorstands

Mitte April nicht wieder kandidieren.

Petri teilte Mitte März den Mitgliedern der

DEGEMED mit, dass er mit Rücksicht auf

die Arbeitsbelastung in seinem Hauptamt als

Geschäftsführer bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft

(VBG) aus dem Vorstand

ausscheide. Diese Entscheidung sei ihm

außerordentlich schwer gefallen, er habe sie

aber aus Verantwortung gegenüber seiner

hauptberuflichen Aufgabe treffen müssen.

Er stellte zugleich in Aussicht, dass er der

DEGEMED als Mitglied verbunden bleibe

und die Arbeit des Verbandes selbstverständlich

weiter unterstützen werde. Bis

zur Neuwahl des Vorstands am 13.04.2016

nimmt Petri noch alle Aufgaben an der Verbandsspitze

wahr. Er hatte das Amt im Jahr

2013 von Hartmut Stern übernommen.

Weitere Infos

Weitere Informationen zum Wechsel

des Vorstandsvorsitzenden finden Sie

aktuell unter www.degemed.de

wollender Flüchtlingsströme eine ungeheure

Sprengkraft. Denn es geht eben nicht nur

um den Menschen als Patient, sondern auch

um die moralische und ethische Seite unserer

Profession. Wir wollen Menschen in

der Rehabilitation helfen – ganz unabhängig

von Alter, Hautfarbe, Religion und Herkunft.

Darum sind wir geradezu moralisch

verpflichtet, denjenigen, die in Deutschland

Schutz suchen, auch Hilfe und eine gute

medizinische Versorgung zukommen zu

lassen. Mich befremden vor diesem Hintergrund

Diskussionen von Kommunen, Ländern

und Kassen um Kosten und Zuständigkeiten.

Ja, natürlich muss das alles geregelt

und bezahlt werden, aber ist es nicht ein

Armutszeichen für unsere Gesellschaft, wie

kleinkariert mancher denkt? „Tempori aptari

decet“ – man muss sich der Zeit anpassen,

hat der römische Philosoph Lucius Annaeus

Seneca gesagt. Wo bleibt die Flexibilität,

Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit in

unserem Gesundheitssystem? Lassen Sie

uns in der Rehabilitation mit gutem Beispiel

vorangehen!

Ihr Professor Bernd Petri

Vorstandsvorsitzender der DEGEMED

Unter Frauen zu einer

besseren Reha

Im Rahmen eines Forschungsprojektes

zur Geschlechtergerechtigkeit in der

Rehabilitation haben 85 Prozent der befragten

Frauen ausgesagt,

dass sie der Reha unter

Einschluss von reinen

Frauengruppen den

Vorzug geben. Befragt

wurden sie nach einer

kardiologischen Reha-

Maßnahme an der Klinik

Martinusquelle des Medizinischen

Zentrums für

Gesundheit (MZG) Bad

Lippspringe. Die Frauen

nahmen am Reha-Programm ReGe – Rehabilitation

Geschlechtergerecht – teil, das

zum Ziel hatte, ein geschlechtergerechtes

Reha-Therapieprogramm in die Routineversorgung

der kardiologischen Rehabilitation

in Nordrhein-Westfalen einzuführen.

Weitere Infos

Details zum ReGe-Projekt in Bad

Lippspringe finden Sie unter

www.medizinisches-zentrum.de

2

news Nr. 55 • April 2016


Der weite Weg der Fachkräfte

Prognos-Studie: Bedeutung

ausländischer Beschäftigter

steigt

Eine aktuelle Studie von Prognos zeigt,

dass ausländische Beschäftigte im Gesundheitswesen

eine immer bedeutendere

Rolle spielen. Die Zahl der ausländischen

Ärztinnen und Ärzte ist in den letzten Jahren

kontinuierlich angestiegen und hat sich

von 3,6 Prozent im Jahr 1991 auf 8,2 Prozent

im Jahr 2014 erhöht. Der Anteil der

Erwerbstätigen mit Migrationshintergrund

in nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen lag

2014 bei 14 Prozent. Etwa 70 Prozent der

ausländischen Beschäftigten kommen dabei

aus europäischen Ländern.

Schwerpunktthema Migration und Reha

Anerkennung der Abschlüsse

nicht einheitlich

Die Verfahren zur Anerkennung von Abschlüssen

von Ärzten und dem Personal in

den Gesundheitsberufen sind nach wie vor

nicht bundeseinheitlich standardisiert und

für die Antragssteller finanziell und zeitlich

sehr aufwendig. In Einzelfällen kann eine

Anerkennung sogar bis zu zwei Jahren dauern.

Insbesondere die Anerkennung in der

Altenpflege gestaltet sich schwierig, weil es

diese Form der Berufsausbildung kaum im

Ausland gibt. Aus diesem Grund sind derzeit

viele ausländische Pflegekräfte in der

Gesundheits- und Krankenpflege statt in der

Altenpflege tätig.

Fachkräftemangel in Sicht

Nach Prognos zeichnet sich in der Gesundheitsversorgung

ein Fachkräftemangel ab.

Bis zum Jahr 2040 wird im Tätigkeitsfeld

„gesundheitlich/sozial helfen“ das Arbeitskräfteangebot

zwischen 14 Prozent (Personal

mit Hochschulabschluss) und 28 Pro-

Vor 20 Jahren ein ungewohnter Anblick, heute Realität: Ausländische Beschäftigte nehmen

mittlerweile eine bedeutende Rolle im Gesundheitsbereich ein.

zent (Personal mit Berufsschulabschluss)

hinter der Nachfrage zurückliegen. Dabei

berücksichtigen die Berechnungen bereits

ein erhöhtes Maß an Zuwanderung entsprechend

der Bevölkerungsvorausberechnung

des Statistischen Bundesamtes. Vor diesem

Hintergrund wird es laut der Autoren der Studie

neben anderen Maßnahmen, beispielsweise

die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung

und der Beschäftigungschancen, zukünftig

notwendig sein, Zuwanderung gezielt zu

gestalten und Schwierigkeiten bei der Integration

und Anerkennung ausländischer

Abschlüsse abzubauen.

Schwierigkeiten und Hürden

bei der Integration

Drei zentrale Problemfelder stellen sich

ausländischen Beschäftigten im deutschen

Gesundheitswesen in den Weg: Sprache,

Anerkennung der Qualifikation und kulturelle

Unterschiede. Die Sprache ist dabei

das zentrale Problemfeld, da sie stark in die

anderen beiden Felder hineinspielt. Ausreichende

Kenntnisse der deutschen Sprache

sind Voraussetzung für die Ausübung des

Berufs in Deutschland. Die Überwindung

kultureller Unterschiede setzt die persönliche

Kontaktaufnahme mit anderen Menschen

voraus, was ebenfalls nur mit vorhandenen

Sprachkenntnissen möglich ist.

Entwicklung der Zahl ausländischer Ärztinnen und Ärzte in Deutschland absolut (linke

Achse) und relativ zur Gesamtzahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland (in Prozent,

rechte Achse) 1991 bis 2014; Quelle: Bundesärztekammer (2015), Ärztestatistik

Infos im Netz

Die Studie steht als PDF auf den Internetseiten

des Bundesministeriums für

Gesundheit zur Verfügung unter:

www.bmg.bund.de/ministerium/

meldungen/2015/prognos-studie.html

news Nr. 55 • April 2016

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Schwerpunktthema Migration und Reha

REHA-ZUGANG

Hohe Hürden für Migranten

Eine aktuelle Studie des Instituts für Sozialmedizin

und Epidemiologie der Universität

zu Lübeck hat den Rehabilitationszugang

von Migranten untersucht. Trotz eines erhöhten

Rehabilitationsbedarfes (höhere

Arbeitsunfähigkeits- und Frühberentungsquoten

als in der Durchschnittsbevölkerung)

nehmen Menschen mit Migrationshintergrund

seltener eine Rehabilitation in

Anspruch. Stärker chronifizierte Gesundheitsprobleme

bei Reha-Antritt sprechen

zudem für eine häufig verspätete Inanspruchnahme.

Barriere-Effekte beim

Zugang in die Reha

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass

sich unterschiedliche Zugangsbarrieren, die

migrations-, geschlechts- oder schichtbezogen

sind, bei Migranten zu Barriere-Komplexen

verdichten können. Als besonders

starke Hürde wird hierbei von den befragten

Personen das Reha-Antragsverfahren benannt,

das aufgrund seiner Komplexität es

insbesondere Personen aus unteren und

bildungsferneren Schichten erschwert, Zugang

zu einer Reha zu erhalten. Fehlende

Informationen über das deutsche Gesund-

Als starke Hürde gilt u. a. das komplexe Reha-Antragsverfahren.

heitssystem oder Sprachbarrieren können

diesen Barriere-Effekt verstärken.

Empfehlung einer „zugehenden“

Angebotsstruktur

Die Studie empfiehlt die gesellschaftlichen

Ungleichheiten bei Zugangsverfahren stärker

zu berücksichtigen. Das derzeitig von

der Studie als „abwartend“ charakterisierte

System des Zugangs zur medizinischen Rehabilitation

sollte durch eine „zugehende“

Angebotsstruktur ersetzt werden. Neben

der Mehrsprachigkeit von Informationsmaterialien

sollte zudem auf einfache Sprache

geachtet und die interkulturelle Kompetenz

der Reha-Einrichtungen und GRV-Mitarbeiter

ausgebaut werden. Letztlich sollten die

migrationsspezifischen sowie schicht- und

geschlechtsspezifischen Zugangsbarrieren

stärker bei den Strategien zur Unterstützung

eines bedarfsgerechten Reha-Zugangs berücksichtigt

werden.

Literatur

Die Studie ist in der Zeitschrift „Die Rehabilitation“

im Thieme Verlag erschienen,

Rehabilitation 2015; 54(06): 362-368. Sie

kann unter www.thieme-connect.com kostenpflichtig

heruntergeladen werden.

BMG-RATGEBER

Gesundheits-Infos für Asylsuchende

Das Bundesministerium für Gesundheit

hat Mitte Januar den „Ratgeber Gesundheit

für Asylsuchende in Deutschland“ veröffentlicht.

Er wurde in Zusammenarbeit mit

dem Ethno-Medizinischen Zentrum e.V. und

den zuständigen Behörden aus Bund und

Bundesländern erstellt. „Der Ratgeber entlastet

Helferinnen und Helfer ebenso wie die

Behörden vor Ort und hilft Asylsuchenden,

sich in unserem Gesundheitswesen zurechtzufinden“,

so Bundesgesundheitsminister

Hermann Gröhe bei der Vorstellung

des 24-seitigen Heftes, „er enthält wichtige

Informationen in fünf Sprachen von den

notwendigen Erstuntersuchungen bis zum

Impfausweis.“

Hilfe auch für Behörden

Der Ratgeber informiert Asylsuchende über

wichtige Grundzüge der Gesundheitsversorgung

in Deutschland und das Verhalten

im Falle einer Erkrankung. Er gibt darüber

hinaus Hinweise zum Schutz der eigenen

Gesundheit sowie zur notwendigen und

verpflichtenden Erstuntersuchung nach

der Ankunft in Deutschland. Gleichzeitig

dient er Behörden und medizinischem Personal

vor Ort als Hilfestellung und enthält

einen mehrsprachigen, herausnehmbaren

Impfausweis. Der Gesundheitsratgeber

erscheint in Deutsch, Englisch, Arabisch,

Kurdisch (Kurmanci) und Paschto. Damit ist

er in den Sprachen erhältlich, die Asylsuchende

am häufigsten sprechen. Das Heft

wird u. a. an Ministerien in den Ländern,

Migrantenorganisationen und Wohlfahrtsverbände

versandt.

Info

Der „Ratgeber Gesundheit

für Asylsuchende

in Deutschland“

kann per Mail

unter bestellportal@

ethnomed.com und

auf www.ratgebergesundheit-fürasylsuchende.de

bestellt werden. Er ist dort außerdem

als PDF zum Download sowie als

Flipbook verfügbar.

Ratgeber Gesundheit

für Asylsuchende in Deutschland

„Der Bund unterstützt

die Länder, die

für die Umsetzung

des Asylbewerber leistungsgesetzes

vor Ort

zuständig sind, mit

verschiedenen Maßnahmen.

Mit dem Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz,

das im

Oktober 2015 in Kraft

getreten ist, wurde der

Impfschutz von Asylsuchenden

verbessert.

Außerdem wurden Regelungen

zum Einsatz medizinischer

Helfer unter den Flüchtlingen, zum

verbesserten Zugang zur psychotherapeutischen

Versorgung und zur Erleichterung

der Einführung einer elektronischen

Gesundheitskarte für Flüchtlinge

umgesetzt.“

Hermann Gröhe, CDU

Bundesminister für Gesundheit

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news Nr. 55 • April 2016


Schwerpunktthema Migration und Reha

Sprachlos nach dem Schlaganfall

Ein Schicksal, das häufig Migranten nach einem Schlaganfall trifft: Die deutsche

Sprache ist weg. Ein Blick in die neurologische Reha zeigt die Herausforderungen.

Für Dr. Markus Ebke, Chefarzt Neurologie

an der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, ist der

Fall in den vergangenen Jahren fast schon

zur Routine geworden. Eine wachsende

Zahl von Patienten mit Migrationshintergrund,

die in seine Reha-Klinik kommen,

haben nach einem Schlaganfall die Fähigkeit

Deutsch zu sprechen verloren, während

die Muttersprache kaum betroffen ist. „Es

ist immer noch weitgehend unbekannt,

dass eine sogenannte Aphasie sich unterschiedlich

auf gesprochene Sprachen

auswirken kann“, erklärt der Neurologe.

„Der Sprachverlust ist bei Menschen, die

mehrere Sprachen sprechen, ein komplexeres

Phänomen. Offensichtlich ist eine

erlernte Sprache nicht so stark im Gehirn

verankert wie die Muttersprache.“ Insbesondere,

wenn die linke Gehirnhälfte betroffen

ist, ist das Verständnis einer später

erlernten Sprache häufiger beeinträchtigt.

Schlaganfall-Betroffene mit Migrationshintergrund

stellt dies daher vor besondere

Herausforderungen. Droht durch körperliche

und psychische Beeinträchtigungen

ohnehin schon die Isolation, wird die Situation

durch mangelnde Kommunikationsfähigkeit

weiter verschärft.

Sprachtherapie in der neurologischen Rehabilitation: Der Sprachverlust bei Menschen

mit Migrationshintergrund ist ein komplexes Problem.

Herausforderung in der Therapie

Die Therapeuten hoffen in so einem Fall,

dass die Muttersprache noch gut erhalten

ist. Da die Rhein-Sieg-Klinik eine Vielzahl

an Therapeuten, Pflegenden und Ärzten

beschäftigt, die muttersprachlich eine europäische,

arabisch-persische oder auch

chinesische Sprache sprechen, kann die

Therapie kultur- und sprachsensibel auf

die individuellen Bedürfnisse der Patienten

abgestimmt werden. Dabei ist die erste Herausforderung

die Beurteilung der Sprachfähigkeit,

die durch das multidisziplinäre

Team gemeinsam mit den Angehörigen der

Patienten erfasst wird. Im zweiten Schritt

findet dann die Therapie des Patienten unter

Einbezug eines muttersprachlichen Therapeuten

statt. Doch nicht alle Reha-Einrichtungen

weisen ein vielsprachiges Team

mit unterschiedlichen Muttersprachlern auf.

„Im Grunde genommen wird uns hier vorgeführt,

dass wir in den Kliniken Fachkräfte,

Ärzte und Therapeuten mit möglichst vielen

Sprachen brauchen“, so Dr. Ebke, „sonst

können wir Patienten mit Migrationshintergrund

gar nicht erreichen.“ Und dabei geht

es längst nicht nur um die reine Übersetzung

der Sprache, sondern auch um eine

emotionale Ansprache mit dem entsprechenden

soziokulturellen Hintergrund. Erst

wenn diese Kommunikation, die zumeist

nur ein Muttersprachler leisten kann, funktioniert,

ist an eine Integration des Patienten

zu denken. „Wir brauchen jetzt und in Zukunft

eine vielsprachige Belegschaft bei einer

vielsprachigen Patientengruppe“, zieht

Dr. Markus Ebke Bilanz, „und angesichts

der demografischen Entwicklung, in der

mittlerweile auch die erste Generation der

Gastarbeiter in unseren Kliniken ankommt,

ist das keine Kann-Option.“

Dr. Markus Ebke,

Chefarzt Neurologie an der

Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik

Info

Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist

seit über 20 Jahren auf Rehabilitationsmaßnahmen

in den Bereichen

Neurologie, Orthopädie und Osteologie

spezialisiert. Sie verfügt außerdem

über eine interdisziplinäre neuro-orthopädische

Station. Insgesamt behandelt

die Klinik pro Jahr durchschnittlich

4.300 Rehabilitanden und beschäftigt

207 Mitarbeiter. www.dbkg.de/kliniken/

rhein_sieg_klinik

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Schwerpunktthema Migration und Reha

Sprachlos nach dem Schlaganfall

Ein Schicksal, das häufig Migranten nach einem Schlaganfall trifft: Die deutsche

Sprache ist weg. Ein Blick in die neurologische Reha zeigt die Herausforderungen.

Für Dr. Markus Ebke, Chefarzt Neurologie

an der Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik, ist der

Fall in den vergangenen Jahren fast schon

zur Routine geworden. Eine wachsende

Zahl von Patienten mit Migrationshintergrund,

die in seine Reha-Klinik kommen,

haben nach einem Schlaganfall die Fähigkeit

Deutsch zu sprechen verloren, während

die Muttersprache kaum betroffen ist. „Es

ist immer noch weitgehend unbekannt,

dass eine sogenannte Aphasie sich unterschiedlich

auf gesprochene Sprachen

auswirken kann“, erklärt der Neurologe.

„Der Sprachverlust ist bei Menschen, die

mehrere Sprachen sprechen, ein komplexeres

Phänomen. Offensichtlich ist eine

erlernte Sprache nicht so stark im Gehirn

verankert wie die Muttersprache.“ Insbesondere,

wenn die linke Gehirnhälfte betroffen

ist, ist das Verständnis einer später

erlernten Sprache häufiger beeinträchtigt.

Schlaganfall-Betroffene mit Migrationshintergrund

stellt dies daher vor besondere

Herausforderungen. Droht durch körperliche

und psychische Beeinträchtigungen

ohnehin schon die Isolation, wird die Situation

durch mangelnde Kommunikationsfähigkeit

weiter verschärft.

Sprachtherapie in der neurologischen Rehabilitation: Der Sprachverlust bei Menschen

mit Migrationshintergrund ist ein komplexes Problem.

Herausforderung in der Therapie

Die Therapeuten hoffen in so einem Fall,

dass die Muttersprache noch gut erhalten

ist. Da die Rhein-Sieg-Klinik eine Vielzahl

an Therapeuten, Pflegenden und Ärzten

beschäftigt, die muttersprachlich eine europäische,

arabisch-persische oder auch

chinesische Sprache sprechen, kann die

Therapie kultur- und sprachsensibel auf

die individuellen Bedürfnisse der Patienten

abgestimmt werden. Dabei ist die erste Herausforderung

die Beurteilung der Sprachfähigkeit,

die durch das multidisziplinäre

Team gemeinsam mit den Angehörigen der

Patienten erfasst wird. Im zweiten Schritt

findet dann die Therapie des Patienten unter

Einbezug eines muttersprachlichen Therapeuten

statt. Doch nicht alle Reha-Einrichtungen

weisen ein vielsprachiges Team

mit unterschiedlichen Muttersprachlern auf.

„Im Grunde genommen wird uns hier vorgeführt,

dass wir in den Kliniken Fachkräfte,

Ärzte und Therapeuten mit möglichst vielen

Sprachen brauchen“, so Dr. Ebke, „sonst

können wir Patienten mit Migrationshintergrund

gar nicht erreichen.“ Und dabei geht

es längst nicht nur um die reine Übersetzung

der Sprache, sondern auch um eine

emotionale Ansprache mit dem entsprechenden

soziokulturellen Hintergrund. Erst

wenn diese Kommunikation, die zumeist

nur ein Muttersprachler leisten kann, funktioniert,

ist an eine Integration des Patienten

zu denken. „Wir brauchen jetzt und in Zukunft

eine vielsprachige Belegschaft bei einer

vielsprachigen Patientengruppe“, zieht

Dr. Markus Ebke Bilanz, „und angesichts

der demografischen Entwicklung, in der

mittlerweile auch die erste Generation der

Gastarbeiter in unseren Kliniken ankommt,

ist das keine Kann-Option.“

Dr. Markus Ebke,

Chefarzt Neurologie an der

Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik

Info

Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist

seit über 20 Jahren auf Rehabilitationsmaßnahmen

in den Bereichen

Neurologie, Orthopädie und Osteologie

spezialisiert. Sie verfügt außerdem

über eine interdisziplinäre neuro-orthopädische

Station. Insgesamt behandelt

die Klinik pro Jahr durchschnittlich

4.300 Rehabilitanden und beschäftigt

207 Mitarbeiter. www.dbkg.de/kliniken/

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Entlassmanagement für GKV-Rehabilitanden:

Was ändert sich?

Für Patienten der gesetzlichen

Krankenversicherung (GKV) ändert

sich das Entlass-Prozedere nach

der stationären Reha. Denn mit dem

Versorgungsstärkungsgesetz, das im

Sommer 2015 in Kraft getreten ist,

wurde das Entlassmanagement für

Rehabilitanden der GKV verpflichtend

eingeführt. Auf Rehakliniken kommen

dadurch Veränderungen zu.

Durch das Entlassmanagement soll die

medizinische Anschlussversorgung der

Rehabilitanden eingeleitet werden. Kliniken

sollen den Versorgungsbedarf feststellen,

Termine beim weiterbehandelnden Arzt vereinbaren,

Kontakt zur Krankenkasse aufnehmen

oder Leistungen wie Arznei-, Heil- oder

Hilfsmittel verordnen. Zudem soll – ähnlich

wie für die Rentenversicherung – ein ausführlicher

Entlassungsbericht erstellt und bei

der Entlassung ausgehändigt werden.

Ende der Verhandlungen noch offen

Derzeit verhandeln der GKV-Spitzenverband

und die Kassenärztliche Bundesvereinigung

gemeinsam mit den Reha-Verbänden – darunter

die DEGEMED – die Details für eine

Rahmenvereinbarung zum Entlassmanagement

von stationären medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen.

Beim Treffen im

Fachtagung geplant

Die DEGEMED plant noch in diesem

Jahr eine Fachtagung zum GKV-Entlassmanagement.

Der konkrete Termin

hängt von Verlauf und Abschluss der

Verhandlungen ab.

Zukünftig soll nach stationärer Rehabilitation ein ausführlicher Entlassungsbericht erstellt

und bei der Entlassung ausgehändigt werden.

Februar wurden unter anderem die Inhalte

des Entlassmanagements und die Prozesse

zur Einleitung der Anschlussversorgung

diskutiert. Aktuell gibt es noch viele offene

Fragen, sodass ein Ende der Verhandlungen

und der Zeitpunkt für das Inkrafttreten der

Rahmenvereinbarung noch nicht absehbar

sind.

Mehraufwand vergüten

Die DEGEMED unterstützt das Anliegen, die

Anschlussversorgung der Rehabilitanden zu

verbessern. Kritisch betrachtet die DEGE-

MED allerdings die damit einhergehende

Mehrarbeit und den zusätzlichen Verwaltungsaufwand

für die Kliniken und setzt sich

gemeinsam mit den anderen Verbänden für

eine entsprechende Vergütung ein. Von den

Kostenträgern erwartet die DEGEMED dazu

schon in der Rahmenvereinbarung ein entsprechendes

Signal. Das nächste Treffen

der Vertragspartner ist im April geplant.

Offene Fragen

• Wie hoch ist der tatsächliche Arbeitsaufwand

und wie wird er vergütet?

• Über welches System können verordnete

Leistungen abgerechnet werden?

• Wie sehen die Vordrucke aus und wer

stellt sie zur Verfügung?

• Welche Informationen enthält der

Entlassungsbericht und wer bekommt

sie?

• Sind die Patientendaten ausreichend

geschützt?

Infos im Netz

Informationen zum GKV-Versorgungsstärkungsgesetz:

http://www.bmg.bund.

de/themen/krankenversicherung/gkvversorgungsstaerkungsgesetz/gkv-vsg.

html

DRV-INITIATIVE

Rehabilitation für Kinder –

einfach erklärt

Ob Asthma, Allergien oder starkes Übergewicht:

Wenn Kinder oder Jugendliche

schwer erkranken, brauchen sie medizinische

Unterstützung. In Niedersachsen

haben Eltern für ihren Nachwuchs deshalb

im vergangenen Jahr 2.688 Reha-Anträge

bei der Deutschen Rentenversicherung

Braunschweig-Hannover gestellt. Wie einfach

das ist, erfahren Interessierte in einem

Flyer, der nun auch in Englisch, Französisch,

Türkisch, Russisch und Polnisch über Rehabilitationen

für Kinder und Jugendliche

informiert, teilte der niedersächsische Rentenversicherer

mit. Über Kitas, Schulen und

Gesundheitsämter will die DRV jetzt auch Eltern

mit anderen Muttersprachen erreichen

und noch gezielter über die Möglichkeit einer

Kinderreha informieren.

Infos im Netz

Rehabilitation

Den Flyer und weitere

Infos gibt es auch im

Internet unter www.

deutsche-rentenversicherung.de

Bei Fragen helfen

die Experten am

kostenlosen Servicetelefon unter

0800 1000-4800 weiter.

Rehabilitation

für Kinder

> Hilfe für Ihr Kind

> Voraussetzungen für eine

Rehabilitation

> Übernahme der Kosten

10

news Nr. 55 • April 2016


REHA-QUOTE

SPD und CDU/CSU fordern mehr Rehabilitation

Beide Koalitionsparteien setzen sich aktuell

politisch stark für die medizinische Reha

ein. Hilde Mattheis, gesundheitspolitische

Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion,

und ihre Stellvertreterin Heike Baehrens

haben sich in einer gemeinsamen Presseerklärung

für die Prüfung einer Reha-Quote

bei den gesetzlichen Krankenkassen ausgesprochen.

Sie halten langfristig eine Regelung

für prüfenswert, welche die Kassen

veranlasst, einen bestimmten Prozentsatz

ihrer Ausgaben für die Rehabilitation auszugeben.

Dazu Mattheis: „Die bisherigen

Lösungsansätze der kleinen Schritte sind

gut gemeint, doch bringen effektiv wenig.“

Zahl der Rehabilitanden muss steigen

Auch die CDU/CSU will die Reha stärken.

Der Bundesfachausschuss „Gesundheit

und Pflege“ hat beschlossen, dass die Zahl

der Rehabilitanden, die von Pflegebedürftigkeit

betroffen oder bedroht sind, dringend

steigen muss. Um das zu erreichen, sollen

künftig Pflegekassen für die Reha-Leistungen

aufkommen, während die Krankenkassen

im Gegenzug die medizinische Behandlungspflege

erstatten. So sollen Anreize in

beiden Versicherungssystemen geschaffen

werden, die Bereitschaft zu Reha-Leistungen

zu erhöhen. Darüber hinaus sollen die

Zugänge verbessert werden. Dazu heißt es

im Papier: „Der Hausarzt muss befähigt werden,

eine Rehabilitationsverordnung auszulösen.

Eine Prüfung der Voraussetzungen

für die Verordnung kann durch den MDK im

Rahmen einer persönlichen Begutachtung

vorgenommen werden. Grundsätzlich sollte

das Verfahren so bürokratiearm wie möglich

gestaltet werden.“

BERATUNGSSTANDARDS

Tipps für gute Reha-Beratung

Mit ihrem neuen Leitfaden „Trägerübergreifende

Beratungsstandards“ hat die

Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation

(BAR) jetzt erstmals Handlungsempfehlungen

herausgegeben, die eine gute Beratung

in der Rehabilitation sicherstellen sollen.

Das 19 Seiten umfassende Heft bietet

gemeinsame fachliche Grundlagen für alle

Beratungsfachkräfte im Bereich der Rehabilitation

und Teilhabe. Es zeigt, wie wichtig

und anspruchsvoll gute Beratung im Reha-

Prozess ist und welche Anforderungen an

die Reha-Beraterinnen und -Berater vor Ort

gestellt werden. Die Rehabilitationsträger

haben sich verpflichtet, diese Standards

bei ihren trägerspezifischen Beratungsangeboten

zu nutzen. Gleichzeitig gibt das

Heft Impulse für die trägerübergreifende

Zusammenarbeit.

Breiter Schulterschluss

Entwickelt wurde der Leitfaden von der

Projektgruppe „Trägerübergreifende Beratungsstandards“

bei der BAR mit Unterstützung

von Expertinnen und Experten aus

dem betrieblichen Bereich, der Selbstverwaltung,

der Sozialpartner, der Verbände

Infos im Netz

Weitere Informationen und die Beratungsstandards

als Download finden

Sie unter www.bar-frankfurt.de. Das

Heft „Trägerübergreifende Beratungsstandards,

Handlungsempfehlungen

zur Sicherstellung

guter Beratung in

der Rehabilitation

Ausgabe 2015“

kann auch für 1,50

Euro inkl. MwSt.

zzgl. Versand bei

der BAR bestellt

werden.

Trägerübergreifende

Beratungsstandards

Handlungsempfehlungen zur Sicherstellung

guter Beratung in der Rehabilitation

der Leistungserbringer, der Wohlfahrtsverbände

und der Organisationen von Menschen

mit Behinderung. So gelang es,

die verschiedenen Blickwinkel der Reha-

Berater, der Verantwortlichen und der Ratsuchenden

zu berücksichtigen. Mit der

Verständigung auf gemeinsame Standards

ist auch das Bekenntnis der Rehaträger verbunden,

die Beratung weiterzuentwickeln.

Die BAR selbst begleitet den Umsetzungsprozess

mit konkreten Vorhaben und bietet

dazu auch Fort- und Weiterbildungsseminare

an.

Was ist eigentlich …?

Die BAR

Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation

(BAR) ist der freiwillige Zusammenschluss

der Spitzenverbände

der gesetzlichen Krankenversicherung,

Unfallversicherung, Rentenversicherung,

Kriegsopferfürsorge und Sozialhilfe, der

Bundesanstalt für Arbeit, der Bundesländer,

der Spitzenverbände der Sozialpartner

sowie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

zu dem Zweck, die Maßnahmen

der medizinischen, schulischen (pädagogischen),

beruflichen und sozialen Rehabilitation

im Rahmen des geltenden Rechts

zu koordinieren und zu fördern.

Trägerübergreifende

Beratungsstandards

Handlungsempfehlungen zur Sicherstellung

guter Beratung in der Rehabilitation

www.bar-frankfurt.de

news Nr. 55 • April 2016

11


AUSSCHREIBUNG VON REHA-LEISTUNGEN

Verordnung zum Vergaberecht verabschiedet

Die Bundesregierung hat Ende Januar die

Verordnung zur Modernisierung des Vergaberechts

veröffentlicht. In der Verordnung

werden die Einzelheiten der Verfahren zur

Vergabe von öffentlichen Aufträgen geregelt.

Die DEGEMED hat sich gegen Ausschreibungen

von Reha-Leistungen im Rahmen

des Vergaberechts stark gemacht. Diese

Forderung wurde in der Verordnung aufgegriffen.

Dort findet sich folgender Abschnitt:

„Daraus lässt sich schließen, dass die Zulassung

von Dienstleistungserbringern im sozialhilferechtlichen

Dreiecksverhältnis nicht der

Richtlinie 2014/24/EU unterfällt. Gleiches gilt

für die Zulassung von Pflegeeinrichtungen,

die Feststellung der fachlichen Eignung im

Rahmen der Zulassung besonderer Dienste

oder besonderer Einrichtungen sowie Verträge

mit Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen

im Rahmen eines Zulassungssystems.“

Die Vorstellungen der DEGEMED waren auch Gegenstand des Gesprächs mit der Parlamentarischen

Staatssekretärin Iris Gleicke im Bundesministerium für Wirtschaft und

Energie.

Weiteres Gesetzgebungsverfahren

Der federführende Wirtschaftsausschuss des

Deutschen Bundestages hat nach Durchführung

einer öffentlichen Anhörung am 17. Februar

2016 in seiner Sitzung am 24. Februar

2016 den Verordnungsentwurf abschließend

beraten und empfiehlt, zusammen mit den

mitberatenden Ausschüssen, dem Verordnungsentwurf

zuzustimmen. Gleichzeitig

setzt sich die DEGEMED weiterhin für ein

offenes Zulassungssystem ein, das keine

Ausschreibungen braucht.

Infos im Netz

Das Gesetz zur Modernisierung des

Vergaberechts vom 17. Februar 2016

finden Sie unter www.bgbl.de

DEUTSCHER REHA-TAG

Marlene Mortler übernimmt Schirmherrschaft 2016

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der

Bundesregierung, hat die Schirmherrschaft

für den Deutschen Reha-Tag 2016 übernommen.

Ihr sei besonders wichtig, die

Bedeutung der Rehabilitation unterstützen

zu können, so Mortler in ihrem Grußwort,

Rehabilitation sei ein wichtiger Teil des Gesundheits-

und Sozialsystems und habe eine

zentrale Bedeutung für die Behandlung und

nachhaltige Wiedereingliederung von Suchtkranken.

„Rehabilitation gelingt dann, wenn

die Akteure miteinander gut vernetzt arbeiten

und den Menschen in den Mittelpunkt ihres

Handelns stellen. Der intensive Austausch

beim Deutschen Reha-Tag ermöglicht es,

die Leistungen sowohl der medizinischen als

auch der beruflichen Rehabilitation weiter zu

entwickeln und kontinuierlich zu verbessern“,

so die Drogenbeauftragte.

Abhängigkeitserkrankungen

im Mittelpunkt

Am 24. September 2016 findet der Deutsche

Reha-Tag zum zwölften Mal statt. Die Zentrale

Veranstaltung stellt in diesem Jahr den Indikationsbereich

Abhängigkeitserkrankungen in

Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der

Bundesregierung

den Mittelpunkt und findet am 13. September

2016 in der Fachklinik Haus Immanuel in

Hutschdorf statt, in der suchtkranke Frauen

und Mütter mit Kindern behandelt werden.

Infos im Netz

Weitere Informationen finden Sie unter

www.rehatag.de

Was ist eigentlich …?

Der Deutsche Reha-Tag

Der Deutsche Reha-Tag ist ein Zusammenschluss

von Leistungserbringer- und

Leistungsträgerorganisationen der medizinischen,

beruflichen und sozialen Rehabilitation.

Der Initiatorenkreis hat den vierten

Samstag im September zum Deutschen

Reha-Tag erklärt, an dem Kliniken, Einrichtungen

und Organisationen der Rehabilitation

Informationsveranstaltungen zur

Rehabilitation durchführen. Der Initiatorenkreis

wuchs von anfangs fünf auf mittlerweile

18 Organisationen und Verbände,

die den Aktionstag gemeinsam tragen und

unterstützen.

www.rehatag.de

12

news Nr. 55 • April 2016


4

9

Neue Chancen nutzen

Ein Beitrag von Jens Hayer, Bank für Sozialwirtschaft AG

Der BFS-Marktreport Rehabilitation

2016 gibt einen detaillierten

Überblick über die aktuellen

Rahmenbedingungen,

die wirtschaftliche Situation der

Träger sowie die zukünftigen

Chancen und Herausforderungen.

Im Folgenden werden

einige Ergebnisse vorgestellt.

Angespannte wirtschaftliche Lage

Obwohl sich die durchschnittliche Auslastung

der Betten im Zeitraum von 2004 bis

2014 deutlich verbessert hat, ist für die

Einrichtungsträger eine angespannte wirtschaftliche

Situation zu konstatieren. Begründet

ist dies u. a. durch nicht kostendeckende

Vergütungen. Im Jahr 2013 konnten

nur 54 Prozent der Träger einen positiven

Jahresüberschuss von mindestens einem

Prozent des Umsatzes erwirtschaften.

Fusionen und Akquisitionen

Eine Konsequenz dieser Entwicklung ist

eine voranschreitende Konsolidierung des

Marktes. So verringerte sich die Zahl der

stationären Einrichtungsträger von 826 im

Jahr 2004 um rund 27 Prozent auf 607 im

Jahr 2013. Die größte Konsolidierungsdynamik

verzeichneten die privaten Einrichtungsträger.

Deren Zahl hat sich von 462 im

Jahr 2004 auf 314 im Jahr 2013 reduziert.

Reha mit Zukunftspotenzial

Die mittel- bis langfristige Entwicklung des

Rehabilitationsmarktes wird neben der

Demografie maßgeblich von gesellschaftlichen

und strukturellen Veränderungen beeinflusst.

Zu nennen sind die Umsetzung

von „Reha vor Pflege“, der Rückgang der

BFS-Marktreport Rehabilitation 2016

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 3

Abbildungsverzeichnis 6

Tabe lenverzeichnis 8

Management Summary 9

Einleitung 14

1 Entwicklung des Rehabilitationsmarktes 15

1.1 Kapazitäten 15

1.1.1 Stationäre Angebote 16

1.1.2 Ambulante Angebote 20

1.2 Leistungen 22

1.2.1 Stationäre Leistungen 25

1.2.2 Ambulante Leistungen 32

1.2.3 Leistungsbewilligung 37

1.3 Personalstruktur 41

2 Branchenstruktur im Bereich der stationären Rehabilitation 45

3 Wirtschaftliche Situation der Träger von stationären Rehabilitationseinrichtungen

55

3.1 Wesentliche Determinanten der wirtschaftlichen Entwicklung 55

3.1.1 Auslastung 55

3.1.2 Vergütung 60

3.2 Status quo der wirtschaftlichen Situation 65

Management Summary

Management Summary

Der Markt für medizinische Rehabilitationsleistungen befindet sich seit geraumer Zeit

in einem Veränderungsprozess. In den letzten Jahren waren für den stationären Rehabilitationsmarkt

vor a lem folgende Faktoren prägend: die steigende Bedeutung der Anschlussheilbehandlung

und der ambulanten Reha, der Rückgang der Kapazitäten, die

Verschiebung des Versorgungsspektrums, die Zunahme des wirtschaftlichen Drucks

sowie eine voranschreitende Konsolidierung der Einrichtungsträger.

Ende des Jahres 2014 standen in Deutschland insgesamt 1.158 stationäre Vorsorge- oder

Rehabilitationseinrichtungen mit rund 166.000 Betten zur Verfügung. Dies entspricht

gegenüber dem Jahr 2004 einem Abbau von 136 Einrichtungen und 10.000 Betten. Seit

2011 hat sich der Rückgang merklich beschleunigt. Die Fallzah liegt seit 2007 recht konstant

zwischen 1,9 und 2,0 Mio. Entgegen dem Verlauf in der stationären Rehabilitation

konnte die ambulante Leistungserbringung Zuwächse verzeichnen. So stieg bspw. der

Anteil der ambulanten Reha im Verantwortungsbereich der Rentenversicherung von

10,6 % im Jahr 2008 auf 13,9 % im Jahr 2014.

Durch verschiedene Entwicklungen, wie z. B. sich ändernde Bedarfe und die Steuerung

der Rehabilitationsträger in den ambulanten Bereich, hat es eine deutliche Veränderung

de stationären Versorgungsspektrums gegeben. Im Zeitverlauf ist insbesonder eine

Steigerung der Fa lzahl im Bereich der Psychosomatik und ein Rückgang bei der Orthopädie

zu konstatieren.

Die wirtschaftliche Situation der Einrichtungen wird von einer Reihe von Faktoren beeinflusst.

Zwei wesentliche Determinanten dafür sind die Auslastung sowie kostendeckende

Vergütungssätze. Diese beiden Faktoren haben sich in den letzten Jahren gegensätzlich

entwickelt. Während bei der Auslastung der Betten eine Verbesserung zu

verzeichnen ist, zeigt sich im Bereich der Vergütung eine Verschlechterung. Die durchschnittliche

Auslastung der verfügbaren Betten hat sich von 73,5 % im Jahr 2004 auf

82,4 % im Jahr 2014 deutlich verbessert. Über die Entwicklung der Vergütungssätze

liegen keine verlässlichen Statistiken vor. Die wenigen verfügbaren Daten deuten jedoch

darauf hin, dass die Anpassungen der Vergütungen unterhalb der entsprechenden Steigerungen

der Kosten im Personal- und Sachbereich lagen und zudem die erforderlichen

Die nachweisbar hohe Behandlungs- und Betreuungsqualität ist ein wichtiger Faktor

für die zukunftsfähige Positionierung am Markt.

Erwerbstätigenzahl in Verbindung mit dem

Fachkräftemangel und eine erhöhte Zuwanderung.

In welchem Ausmaß sich diese Veränderungen

positiv auf die Kliniken auswirken

werden, hängt insbesondere vom Gesetzgeber

und den finanziellen Ressourcen

der Leistungsträger ab.

Herausforderungen und Chancen

Für eine zukunftsfähige Positionierung im

Markt ist neben der Gewinnung und Bindung

der erforderlichen Fachkräfte eine

nachweisbare hohe Behandlungs- und Betreuungsqualität

sicherzustellen. Zusätzlich

zum bereits bestehenden Preiswettbewerb

werden künftig Qualität und Innovationskraft

im Hinblick auf ganzheitliche, individuelle

und passgenaue Behandlungskonzepte an

Bedeutung gewinnen. Eine Chance ist die

Erschließung zusätzlicher Ertragsquellen in

der Versorgungskette mittels Diversifikation

des Leistungsangebots. Potenzial besteht

vor allem in der Prävention, der Nachsorge

und dem betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Darüber hinaus ist von einer

Intensivierung der sektorübergreifenden

Vernetzung der Leistungserbringer auszugehen.

Bedingt durch die große Bedeutung

der Anschlussheilbehandlungen ist insbesondere

die Vernetzung mit Krankenhäusern

zur Sicherung von Patientenströmen

unabdingbar.

Infos im Netz

Die Management Summary des „BFS-Marktreports

Rehabilitation 2016: Die Konsolidierung

des Marktes schreitet voran“ steht unter www.

sozialbank.de/expertise/publikationen/bfsmarktreports.html

zum kostenlosen Download

zur Verfügung.

Infolge der schwierigen wirtschaftlichen

Situation hat sich ein beträchtlicher Investitionsstau

gebildet. Neben der Anpassung

der Geschäftsmodelle besteht eine große

Herausforderung in der Modernisierung/

Sanierung der Immobilien. Für einen erfolgreichen

Zugang zum Kredit- und Kapitalmarkt

ist neben einer guten Bonität

vor allem eine perspektivisch nachhaltige

Kapitaldienstfähigkeit wichtig. Hierfür ist

ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell Voraussetzung.

Der Autor

Jens Hayer

studierte nach seiner Ausbildung zum

Bankkaufmann Volkswirtschaftslehre an

der Universität Köln. Seit 2005 ist er bei

Info der Bank für Sozialwirtschaft AG im Bereich

Research tätig. Der Schwerpunkt

seiner Arbeit liegt auf der Analyse der

einzelnen Branchen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft.

Unter anderem ist

er Mitautor des BFS-Marktreports Pflege

2012 sowie des BFS-Marktreports Krankenhaus

2014.

news Nr. 55 • April 2016

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Neue Mitglieder vorgestellt

MEDIAN-Rehakliniken wechseln zur DEGEMED

Mit der Fusion der RHM Kliniken und

Pflegeheime und der MEDIAN Kliniken im

Jahr 2015 wurde der Grundstein für ein

einheitliches Qualitätsmanagement und

eine gemeinsame Verbandszugehörigkeit

der beiden Klinikgruppen gelegt. Seit dem

1. Januar sind alle Rehakliniken der ehemaligen

MEDIAN Kliniken neue Mitglieder der

DEGEMED und werden bis 2018 auch nach

dem DIN-ISO-basierten Qualitätsmanagement-System

der DEGEMED und in Sachen

Arbeitsschutz nach MAAS BGW zertifiziert,

so wie schon die Rehakliniken der RHM

Gruppe.

MEDIAN weiter auf Wachstumskurs

Die neu entstandene Klinikgruppe firmiert

unter dem Namen MEDIAN und repräsentiert

damit nun rund 50 Rehabilitationskliniken in

der DEGEMED. MEDIAN ist ein modernes

Gesundheitsunternehmen mit insgesamt 75

Häusern, darunter Rehabilitationskliniken,

Akutkrankenhäuser, Pflege- und Wiedereingliederungseinrichtungen

an 45 Standorten

und Deutschlands größter privater

Betreiber von Rehabilitationskliniken. Zum

umfangreichen Portfolio des Unternehmens

gehören insgesamt 23 Fachbereiche

mit Kernkompetenzen in der Orthopädie,

Psychosomatik, Neurologie und Kardiologie,

die durch einen engen interdisziplinären

Austausch und gemeinsame wissenschaftliche

Projekte miteinander vernetzt sind.

Mit ca. 10.000 Mitarbeitern und ca. 13.000

Betten bzw. Behandlungsplätzen gehört

MEDIAN zu den marktführenden Gesundheitsunternehmen.

Und MEDIAN ist weiter

auf Wachstumskurs.

www.median-kliniken.de

„ Wir müssen in konstruktivem Miteinander

mit den Kostenträgern die

Reha qualitativ, aber auch in ihrer

Bedeutung für das deutsche Gesundheitssystem

weiterentwickeln.

Hier sah ich schon zu RHM-Zeiten

die Stärken der DEGEMED. Da ist

es nur konsequent, dass jetzt meine

gesamte Gruppe Mitglied wird. “

Dr. André M. Schmidt,

CEO von MEDIAN

AUTORENLESUNG

Herzrasen in der Kirchberg-Klinik

Medizin als Kunst – Kunst als Medizin:

Eine außergewöhnliche Veranstaltung bot

die Kirchberg-Klinik Bad Lauterberg im Februar

ihren Patienten. Zwar sind Schulungen

an der Reha-Einrichtung für Herzpatienten

Alltag, doch diesmal war ein Buchautor

gekommen, der mit seinem Erstlingswerk

„Herzrasen kann man nicht mähen“ gleich

in die Bestsellerliste des „Spiegel“ aufgeschossen

ist: der 27-jährige Medizinstudent

Johannes Hinrich von Borstel. Der

angehende Kardiologe ist einer der besten

Science-Slammer Deutschlands. Er kann

Herzerkrankungen tanzen und im Rhythmus

von Highway to Hell die ideale Reanimation

präsentieren. Eine perfekte Kombination

aus Unterhaltung und Wissensvermittlung.

Ganz in seinem Element: Johannes Hinrich

von Borstel in der Kirchberg-Klinik

Humorvoll und selbstironisch berichtete

von Borstel von seinem ersten Einsatz als

Schüler in der Notaufnahme eines Krankenhauses

und beschrieb die Entwicklung eines

Herzens als Drama in fünf Akten, von der

ers ten Zellteilung bis hin zum unabwendbaren

Herzstillstand am Ende eines Lebens.

Für seinen Vortrag erntete der Herzmediziner

begeisterten Applaus. Die Kirchberg-

Klinik hatte ihre Räume für die Lesung zur

Verfügung gestellt, weil es für Chefarzt Dr.

Ernst Knoglinger ein großes Anliegen ist, der

breiten Öffentlichkeit Grundwissen über das

Herz und Herzerkrankungen zu vermitteln.

Der Andrang war zu seiner Freude doppelt

so groß wie erwartet. Und die Familie Gollée

als Eigentümerin der Klinik sorgte dafür,

dass die gesamten Einnahmen des Abends

an die Deutsche Herzstiftung gespendet

wurden.

DEGEMED-GESCHÄFTSSTELLE

Neue Mitarbeiterin

Seit dem 1. März unterstützt Anja Bollhof

die Bereiche Veranstaltungsmanagement

und Administration in der Geschäftsstelle

der DEGEMED. Sie ist gelernte Reiseverkehrskauffrau

und Touristikfachwirtin. Bei

der Deutschen Lufthansa war sie unter anderem

als Stations- und Verkaufsleiterin im

Baltikum tätig. Zuletzt arbeitete Frau Bollhof

im Marketing- und Veranstaltungsbereich

bei Pirelli Tyres Australia. In ihrer Freizeit

widmet sie sich ganz ihrer vierjährigen Tochter,

kocht gern mit Freunden oder geht mit

ihrem Mann ins Kino oder Salsa tanzen.

14

news Nr. 55 • April 2016


DISKUSSIONSFORUM WWW.REHA-RECHT.DE

Neues aus dem Rehabilitations- und Teilhaberecht

Fachbeiträge

Im Beitrag C1-2015 setzt sich Dr. Wolfgang

Hausotter mit den Herausforderungen, den

praktischen Problemen und Kompetenzanforderungen

bei der Begutachtung von

Personen mit Migrationshintergrund auseinander.

Eleni Papadopoulou berichtet im

Beitrag D12-2015 vom Fachforum „Behinderung

und Migration – Diversität in Forschung

und Praxis II“. Der Tagungsbericht

vom 9. Deutschen Reha-Rechtstag findet

sich als Beitrag D40-2015. Prof. Dr. Fabian

Walling befasst sich in seinem Beitrag mit

„Leistungen zur Teilhabe der Gesetzlichen

Rentenversicherung zwischen Ausschreibungspflicht

und Wunsch- und Wahlrecht“

(E12-2015).

Infothek

In der Infothek finden Sie in der Rubrik

„Sonstige Veröffentlichungen“ eine Broschüre

der Bundesvereinigung Lebenshilfe

zum Thema „Migration, Behinderung und

Elternschaft“. In der Rubrik „Rechtsprechung“

stellen wir ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts

Thüringen vor, wonach

die Beförderung von Patienten durch den

Fahrdienst eines Rehabilitationszentrums

der Genehmigungspflicht nach dem Personenbeförderungsgesetz

unterliegt. Die Interessenvertretung

Selbstbestimmt Leben in

Deutschland (ISL) hat im März ein Rechtsgutachten

sowie Handlungsempfehlungen

für Politik und Gesundheitswesen zum Thema

„Assistenz im Krankenhaus“ vorgelegt.

Im Februar hat die Deutsche Vereinigung

für Rehabilitation (DVfR) Vorschläge für eine

teilhabeorientierte Heilmittelversorgung

veröffentlicht. Darin geht es um die Frage,

wie Behandlungsleistungen und Leistungen

zur selbstbestimmten Teilhabe optimal

aufeinander abgestimmt und „wie aus einer

Hand“ erbracht werden können. Das Papier

ist in Kurz- und Langversion in der Infothek

zu finden.

Material zu aktuellen Themen

Unter „Themen“ finden Sie auf Reha-Recht.

de umfangreiches Material zu verschiedenen

aktuellen Themen, u. a. zur Barrierefreiheit

und zum Bundesteilhabegesetz.

Zahlen helfen uns, die Wirklichkeit zu erkennen. Wenn wir etwas wiegen, messen oder

zählen können, entsteht dabei ein Bild im Kopf und wir trauen uns ein Urteil zu. Nicht

immer liegen wir dabei richtig. Das liegt nur zum Teil an den Zahlen selbst.

Unsere Rubrik „Die (Reha-)Welt in Zahlen“ stellt Zahlen ohne Kommentar zusammen,

die uns in den letzten Wochen begegnet sind. Manche Zahlen verblüffen oder ärgern,

andere erregen Widerspruch. Allen ist aber gemeinsam: Sie haben etwas mit Reha zu

tun und wurden bereits veröffentlicht.

Info

Im Februar und März fand im Online-

Forum „Fragen – Meinungen – Antworten

zum Rehabilitations- und Teilhaberecht“

eine Diskussion zur „Barrierefreiheit

in der Arbeitswelt“ statt. Die

gesamte Diskussion ist unter dem Link

fma.reha-recht.de nachzulesen.

Die (Reha-)Welt in Zahlen

Meldepflichtige Arbeitsunfälle im ersten Halbjahr 2015 in Deutschland (2014: 430.939; Quelle: DGUV) 420.447

Beschäftigte im Gesundheitswesen in Deutschland 2014 (Veränderung zum Vorjahr + 120.000; Quelle: Statistisches Bundesamt)

5,2 Mio.

Anträge auf Leistungen nach §§ 23 und 24 SGB V sowie 40 und 41 SGB V 2014 (Quelle: KG5 2014, BMG) 1.340.889

Bewilligte ambulante Reha-Maßnahmen der Krankenkassen ohne AHB im Jahr 2014 weiblich (Quelle: KG5 2014, BMG) 59 %

Bewilligte ambulante Reha-Maßnahmen der Krankenkassen ohne AHB im Jahr 2014 männlich (Quelle: KG5 2014, BMG) 55 %

Bewilligte stationäre Reha-Maßnahmen der Krankenkassen ohne AHB im Jahr 2014 weiblich (Quelle: KG5 2014, BMG) 45 %

Bewilligte stationäre Reha-Maßnahmen der Krankenkassen ohne AHB im Jahr 2014 männlich (Quelle: KG5 2014, BMG) 45 %

news Nr. 55 • April 2016

15


TERMINE UND VERANSTALTUNGEN

Know-how aus der Praxis für die Praxis

DEGEMED-Dialog am

12.04.2016 in Berlin

Deutschland verfügt über ein hoch entwickeltes

und leistungsfähiges Gesundheitssystem.

Doch die Herausforderungen

nehmen zu: Die Zahl der Pflegebedürftigen

und Älteren steigt. Immer mehr Menschen

mit Behinderungen und chronischen Krankheiten

müssen medizinisch versorgt werden

und ein zunehmender Fachkräftemangel

macht sich bereits jetzt besonders in ländlichen

Gebieten bemerkbar. Ist das Gesundheitssystem

in Zukunft noch finanzierbar?

Wer versorgt die vielen Patienten? Und wie

wird die Politik den Herausforderungen begegnen?

Diese und weitere Fragen werden

an diesem Abend in Berlin diskutiert.

DEGEMED-Mitgliederversammlung am

13.04.2016 in Berlin

Fachtagung: Erfolgreiche Reha braucht

gute Kommunikation am 14.04.2016 in

Berlin

Was versteht man eigentlich unter guter

Kommunikation im Rehabilitationsprozess?

Welche Einflussfaktoren gibt es und wie wirken

sich diese auf den Rehabilitationsverlauf

aus? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der

Fachtagung und werden aus wissenschaftlicher

wie praktisch-klinischer Perspektive

beleuchtet. Die eintägige Veranstaltung

bietet Ärzten, aber auch anderen Berufsgruppen

in Reha-Einrichtungen wertvolle

Anregungen, wie gute Kommunikation in

der Reha aussehen kann.

Seminar: Herausforderung Interkulturalität

– Lösungsorientiertes Vorgehen im

Klinikalltag am 21.04.2016 in Berlin

Rehabilitationskliniken, die sich bereits

heute auf die Bedürfnisse von Patienten

!

Jetzt anmelden

DEGEMED-Sommerakademie

vom 28.06.-01.07.2016 in Bernried

(Starnberger See)

In diesem Jahr setzen sich junge Führungskräfte

aus der medizinischen

Rehabilitation unter dem Motto „Unruhe

spüren – Weiter gehen“ mit dem Thema

„Veränderungen“ auseinander. Externe

Dozenten konfrontieren die Teilnehmer

mit unterschiedlichsten Themenwelten.

Auf dem Programm stehen z. B. die Themen

Veränderungsmanagement, Wachstum

von Unternehmen, Wettbewerb und

Soziale Selbstverwaltung. Ein ansprechendes

Rahmenprogramm rundet diese

intensive Fortbildungswoche ab.

Weitere Informationen zu den

Veranstaltungen und zur Anmeldung

erhalten Sie bei der Geschäftsstelle

der DEGEMED:

Tel.: 030 284496-6

E-Mail: degemed@degemed.de

oder unter www.degemed.de

mit Migrationshintergrund eingestellt haben,

können in den nächsten Jahren einen

deutlichen Wettbewerbsvorteil entwickeln.

Die Mehrzahl der Institutionen im stationären

Sektor stellt sich dieser Thematik allerdings

erst, wenn das Verhalten von Patienten und

Patientinnen und Angehörigen aus anderen

Kulturen zur Herausforderung wird und als

Störung im Arbeitsablauf erlebt wird. Im

Seminar werden Erfahrungen von Kliniken

mit Interkulturalität aufgegriffen und ein lösungsorientiertes

Vorgehen entwickelt mit

dem Ziel, die Handlungskompetenz der anwesenden

Leitungskräfte zu stärken.

Fachtagung: MBOR in Orthopädie und

Psychosomatik am 31.05.2016 in Berlin

Über ihre Erfahrungen und den aktuellen

Stand der medizinisch-beruflich orientierten

Rehabilitation (MBOR) in den Fachbereichen

Orthopädie und Psychosomatik berichten

Vertreter von Kliniken und der Deutschen

Rentenversicherung bei der Fachtagung

in Berlin. Weiterhin hält die Veranstaltung

aktuelle Informationen aus der Praxis zur

Fallidentifikation und Fallsteuerung sowie

zum Vertrags- und Fallmanagement bereit.

Basis-Workshop: Grundlagen der Pressearbeit

in Reha-Einrichtungen am

03.06.2016 in Berlin

„Sie schreiben doch gern – dann machen

Sie das mal mit der Klinik-Öffentlichkeitsarbeit

...“ Wer so oder ähnlich mit der Presse-

und Öffentlichkeitsarbeit anfängt, hat es

schwer. Was soll ich schreiben? An wen soll

ich schreiben? Und wie verfasst man eigentlich

eine Pressemitteilung und macht ein

Presse-Foto? Und was, wenn die Presse in

die Klinik kommt? Übungen zum Schreiben

von Pressemitteilungen, Checklisten und

eine Menge Erfahrung des Referenten vermitteln

in diesem Seminar das nötige Handwerkszeug,

auf das Sie aufbauen können.

Vorankündigungen

(Änderungen vorbehalten):

Sozialmedizinisches Symposium: Alternsgerechte

Reha am 14.06.2016 in Berlin

Praxisdialog Pflege in der Reha – Resilienz

stärken am 15.09.2016 in Kassel

Gemeinsamer Qualitätskongress mit FVS

am 26. und 27.09.2016 in Berlin

Reha-Rechtstag am 05.10.2016 in Berlin

Training: Konstruktives Verhandeln am 06.

und 07.10.2016 in Berlin

DEGEMED-Dialog am 08.11.2016

in Berlin

DEGEMED-Mitgliederversammlung am

09.11.2016 in Berlin

Impressum

DEGEMED

Deutsche Gesellschaft für

Medizinische Rehabilitation e.V.

Vorstand:

Prof. Bernd Petri (Vorsitzender)

Dr. Constanze Schaal (1. stellv. Vorsitzende)

Thomas Bold

Horst Gollée

Thomas Heiming

Ricarda Lorenz

Dr. André M. Schmidt

Petra Schraml-Dussle

Geschäftsführer:

Christof Lawall (V.i.S.d.P.)

Fasanenstraße 5, 10623 Berlin

Tel.: 030 284496-6, Fax: 030 284496-70

E-Mail: degemed@degemed.de

Internet: www.degemed.de

Realisation:

müller:kommunikation

Am Bertholdshof 87, 44143 Dortmund

Tel.: 0231 477988-30

www.muellerkom.de

Redaktionsschluss: 17.03.2016

Fotos: S. 1: © Goldengel - Fotolia.com • S. 2: © Robert

Kneschke - Fotolia.com • S. 3: © Antonioguillem

- Fotolia.com • S. 4: © Robert Kneschke - Fotolia.

com ; Hermann Gröhe: Bundesregierung/Steffen

Kugler • S. 5: Dr. Becker Kliniken (3) • S. 6: Reha-

Kolloquium: Stefan Müller • S. 8: © contrastwerkstatt

- Fotolia.com; © Andrey Popov - Fotolia.com •

S. 10: © kozirsky - Fotolia.com • S. 11: © Mellimage

- Fotolia.com • Marlene Mortler, BPA Steinbauer •

S.14: Dr. Schmidt, MEDIAN Kliniken; Buchtitel Herzrasen:

Ullstein Verlag, Kirchberg-Klinik •

S. 16: © Romolo Tavani - Fotolia.com

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die

Meinung der Autoren wieder.

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