Jahresbericht 2015

deutscheskulturforum

Überblick über die Aktivitäten des Deutschen Kulturforums östliches Europa, Potsdam, im Kalenderjahr 2015

JAHRES-

BERICHT

2015


1945 – das östliche Europa nach der »Stunde Null«...............................................................................3

Jahresthema 2015: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und seine Folgen

Georg Dehio-Kulturpreis 2015..........................................................................................................................6

Pilsen/Plzeň – Europas Kulturhauptstadt 2015.........................................................................................8

Projekte für verschiedene Länder, Medien und Generationen

Polnisch-ukrainisch-deutsche Grenzerfahrungen.....................................................................................10

Exkursion für angehende Journalisten nach Breslau und Lemberg •

Bohdan Osadchuk School in Zindel/Wojnowice

Mit Michael Wieck im Kaliningrader art space »Worota«...................................................................12

Das junge Kaliningrad ist auch für die dunklen Seiten der Geschichte Königsbergs offen

Musikalische Schlaglichter.................................................................................................................................14

Swjatoslaw Richter zum 100. Geburtstag – Böhmisches – Schlesisches

Nach Breslau!..........................................................................................................................................................16

Studienreise für Journalisten in die Kulturhauptstadt Europas 2016

Ein oberschlesisches Kaleidoskop...................................................................................................................18

Reportageroman über zwei Bergarbeitersiedlungen, heute Architekturdenkmäler

Tanz der Vampire in Potsdam...........................................................................................................................20

Kooperationen mit Partnern im Land Brandenburg sorgen für regionale Präsenz

Programm und Verlag 2015...............................................................................................................................22


1945 – das östliche Europa nach der »Stunde Null«

Jahresthema 2015: Das Ende des Zweiten Weltkriegs und seine Folgen

2015 war – 70 Jahre nach Ende des Zweiten

Weltkriegs – ein wichtiges Gedenkjahr.

1945 steht für einen der nachhaltigsten

Einschnitte in der neueren

europäischen Geschichte. Die den

Kriegsgräueln und der nationalsozialistischen

Gewaltherrschaft folgende politische

Ordnung baute ihrerseits in der

östlichen Hälfte des Kontinents auf millionenfachem

Unrecht und auf dem Terror

der stalinistischen Diktatur auf – der

Frieden ließ sich bald nur noch durch

die Balance gegenseitiger Abschreckung

wahren.

Nach sieben Jahrzehnten haben wir

dieser schwierigen Zeit gedacht, indem

wir die mittel- und langfristigen Folgen

in den Mittelpunkt unserer Veranstaltungen

stellten. Wir boten mehrere Vortragsreihen

an, darunter erstmals auch

eine Ringvorlesung, Filmpräsentationen

und Lesungen, Stadtführungen

und eine Ausstellung. Die Vorträge in

der Urania Potsdam standen unter dem

Titel »Flucht, Vertreibung, Neubesiedlung

nach 1945«: Dabei ging es um den

Umgang mit dem kulturellen Erbe in

Schlesien nach 1945, um die Neumark

am Beispiel der Frage, wie aus dem ostbrandenburgischen

Landsberg an der

Warthe das polnische Gorzów wurde,

schließlich um ein lange verdrängtes

Thema, nämlich um den schwierigen

Neuanfang der Flüchtlinge und Vertriebenen

in Brandenburg nach 1945. Sehr

großen Zuspruch fand die Ringvorlesung,

die das Kulturforum mit dem Institut

für Slavistik der Universität Potsdam

und dem Netzwerk proWissen Potsdam

an 14 Abenden während des Sommersemesters

im Bildungsforum Potsdam

durchführte. Hier standen neben Themen

wie den Wolfskindern aus Ostpreußen

oder den Deportationen der Deutschen

aus Rumänien auch Reflexionen

über die Vertreibungsgebiete aus polnischer

oder tschechischer Sicht gegenüber,

es wurde über die literarische Verarbeitung

dieser Fragen gesprochen

und über die Aufarbeitung im Film. Die

meisten Veranstaltungen wurden mitgeschnitten

und sind als Audio-Podcast

auf unserer Website oder als Video

auf unserem YouTube-Kanal zugänglich.

Dem häufig geäußerten Wunsch nach

Wiederholung dieses Formats wird wohl

erst zum Reformationsgedenkjahr 2017

entsprochen werden können.

Das Titelblatt des Jahresthemenprogramms für

das 2. Halbjahr 2015 zeigt einen Ausschnitt aus

einer Fotografie von Lukáš Houdek (s. auch S. 4).

3


Eine Ausstellung setzt sich mit der schwierigen, nicht selten

in Widersprüchen verfangenen Geschichte vieler Familien

im heutigen Polen auseinander, wenn einer der Opas in der

deutschen Wehrmacht gedient hatte: Der Großvater aus der

Wehrmacht. Zeitzeugen erinnern sich soll nach mehreren Stationen

in Polen nun auch in Deutschland gezeigt werden. Um

die Nachwirkungen über Generationen hinweg ging es auch

beim Thementag »Die Heimat meiner Vorfahren«, bei der sich

Kinder, vor allem aber Enkel mit den Herkunftsorten und -regionen

ihrer Familien auseinandersetzten – ein Thema, das uns

auch weiterhin beschäftigen wird. Bei all diesen Angeboten

nahmen Filme eine wichtige Rolle ein, Dokumentar- wie auch

Spielfilme. Den Abschluss des Jahresthemas bildete der Film

Wolfskinder von Rick Ostermann, der im vollbesetzten Potsdamer

Filmmuseum gezeigt und anschließend diskutiert wurde.

Die Auseinandersetzung mit dem Gedenkjahr 1945 war

jedoch nicht unser einziger Schwerpunkt. Die Europäische

Kulturhauptstadt 2015 Pilsen in Westböhmen mit der dort wir-

Brünner Todesmarsch, 31. Mai 1945. Aus dem Fotozyklus Umění zabíjet/

The Art of Killing von Lukáš Houdek, 2012

Dr. Wolfgang Schwarz, Kulturreferent für die böhmischen Länder im

Adalbert Stifter Verein, der tschechische Künstler Lukáš Houdek und

Dr. Christina Frankenberg, Programmdirektorin des Tschechischen

Zentrums Berlin, während der Ringvorlesung in Potsdam

4


Detail aus dem polnischen Flyer für die Ausstellung Der Großvater

aus der Wehrmacht/Dziadek z Wehrmachtu. Zeitzeugen erinnern sich/

Doświadczenie zapisane w pamięci

Filmstill aus Theater Straße 6 von Bettina Henkel, 2014. Die Filmemacherin

war Gast der Veranstaltung Die Heimat meiner Vorfahren. Schlesische, böhmische

und baltische Familiengeschichten aus der Sicht der Kinder und Enkel

kenden Stadtschreiberin oder die Veranstaltungen im Zusammenhang

mit dem Georg Dehio-Kulturpreis bestimmten das

Programm ebenfalls nachhaltig. Die intensive Vorbereitungsarbeit

an Büchern und Ausstellungen oder auch an unserem

Das

östliche Europa

jährlich erscheinenden Magazin Blickwechsel nach der ist freilich nicht

unmittelbar wahrnehmbar, sondern erst mit 2015 der Präsentation

1945

STUNDE

NULL

der Früchte in einem der Folgejahre. Da wird jedenfalls manches

zu erwarten sein.

Die über 130 Termine in zehn deutschen Bundesländern

und in acht europäischen Ländern sowie die elf Buch- und

CD-Publikationen wären ohne unsere zahlreichen Kooperationspartner

im In- und Ausland nicht zu verwirklichen gewesen.

Ihnen sei für die gute Zusammenarbeit genauso herzlich

gedankt wie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur

und Medien für die gewährte Förderung. Beides wird uns

auch weiterhin Ansporn bei unserer Arbeit sein.

Harald Roth

Einladungskarte mit Szenenbild aus dem Film Wolfskinder (Deutschland/

Litauen 2014, © Port au Prince Pictures GmbH)

10. November 2015 • 18 Uhr • Filmmuseum Potsdam

Filmvorführung mit anschließender Podiumsdiskussion

WOLFSKINDER – KINDER AUF DER FLUCHT

5


Georg Dehio-Kulturpreis 2015

Die Auszeichnung ist in einen Hauptund

einen Ehrenpreis aufgeteilt. Mit

dem Hauptpreis werden Persönlichkeiten

für ein Lebenswerk oder Institutionen

für besonders verdienstvolle langjährige

Arbeit gewürdigt. Der Ehrenpreis

zeichnet kulturelle und wissenschaftliche

Einrichtungen und Persönlichkeiten

für herausragende und richtungsweisende

Einzelleistungen aus.

Die siebenköpfige Jury unter der Leitung

von Prof. Dr. András Balogh (Eötvös-

Loránd-Universität, Budapest) sprach

am 23. April 2015 dem ukrainischen Literaturwissenschaftler

und Übersetzer

Prof. Dr. Petro Rychlo den Hauptpreis zu.

Petro Rychlo ist seit 1976 am Lehrstuhl

für fremdsprachige Literatur und

Literaturtheorie der Nationalen Jurij-

Fedkowytsch-Universität Czernowitz/

Tscherniwzi tätig, seit 2008 als Professor.

Er arbeitet als Literaturwissenschaftler,

literarischer Übersetzer und Essayist.

Seine Veröffentlichungen haben u. a.

die deutsch-ukrainischen Literaturbeziehungen

und die deutschsprachige

Literatur der Bukowina zum Thema. Er

übersetzte Werke deutscher, österreichischer

und schweizerischer Schriftsteller

sowie deutschsprachiger Autoren

der Bukowina wie Karl Emil Franzos,

Manès Sperber, Rose Ausländer, Paul

Celan oder Selma Meerbaum-Eisinger.

Außerdem ist er Herausgeber der ukrainisch-deutschen

Publikation Die verlorene

Harfe: Eine Anthologie deutsch-

Der Schriftsteller Reiner Kunze hielt die Laudatio

auf den Hauptpreisträger Petro Rychlo.

Das Deutsche Kulturforum östliches

Europa vergibt seit 2003 den von der

Beauftragten der Bundesregierung für

Kultur und Medien dotierten Georg

Dehio-Preis im jährlichen Wechsel als

Kultur- und Buchpreis. Mit dem Georg

Dehio-Kulturpreis werden Persönlichkeiten

und Initiativen geehrt, die sich in

vorbildlicher Weise mit den Traditionen

und Interferenzen deutscher Kultur und

Geschichte im östlichen Europa bewahrend,

zukunftsorientiert und im partnerschaftlichen

Dialog auseinandersetzen.

6


Prof. Dr. Petro Rychlo, Winfried Smaczny, Tomáš Luňák, Jaroslav Rudiš,

Jaromír 99 (Švejdík), Dr. Harald Roth und Dr. Günter Winands (v. l. n. r.).

Fotos: Anke Illing, Berlin

sprachiger Lyrik aus der Bukowina. Zurzeit arbeitet er an der

Übersetzung und Edition einer zweisprachigen (deutsch-ukrainischen)

Gesamtausgabe der Gedichte Paul Celans in zehn

Bänden. Das Internationale Lyrikfestival Meridian Czernowitz

wurde von Petro Rychlo mitbegründet und wird bis heute

von ihm mitgestaltet.

Der Ehrenpreis ging an das tschechische Filmprojekt Alois

Nebel: den Regisseur Tomáš Luňák, den Autor Jaroslav Rudiš

und den Grafiker Jaromír Švejdík alias Jaromír 99. Der Film

erzählt die Geschichte von Alois Nebel, Fahrdienstleiter eines

kleinen Bahnhofs im Altvatergebirge, im Grenzgebiet Tschechiens

zu Polen. Dieser wird immer wieder von Visionen aus

der jüngeren Geschichte des Sudetengebietes heimgesucht.

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der innovativen

und zeitgemäßen filmischen Umsetzung, durch die es

den Autoren gelinge, ein breites, vor allem jüngeres Publikum

anzusprechen. Dabei würden sie nicht nur die Komplexität

von Vertreibung, Vergeltung und Schuld nachvollziehbar

machen, sondern auch den Blick auf die wechselvolle

Geschichte einer abgelegenen Region schärfen. Die gewählten

Stilmittel, aber auch die kontroverse Diskussion um den

Film bewirkten, dass gerade Jugendliche, die ansonsten nur

schwer für eine Reflexion über die Geschichte zu sensibilisieren

seien, sich für das Thema interessieren.

Die feierliche Preisverleihung fand am 24. September 2015

im Atrium der Deutschen Bank in Berlin statt. Der Kulturminister

der Tschechischen Republik, Mgr. Daniel Herman, richtete

ein Grußwort an die Anwesenden. Die Urkunden überreichte

der Stellvertreter der Kulturstaatsministerin, Ministerialdirektor

Dr. Günter Winands. Die Laudatio auf den Hauptpreisträger

hielt der Schriftsteller und Übersetzer Reiner Kunze. Der

Journalist Martin Becker würdigte in seiner Preisrede das Filmprojekt.

Als musikalische Umrahmung spielten Tomoe Imazu

(Viola) und Sefuri Sumi (Klavier) aus den Albumblättern für

Viola und Klavier op. 39 von Hans Sitt (1850–1922).

Begleitend zur Preisverleihung fanden Veranstaltungen

mit den Preisträgern statt. Im Österreichischen Kulturforum

Berlin sprach Prof. Dr. Hans Richard Brittnacher (Freie Universität

Berlin) mit Petro Rychlo über die deutschsprachige Literatur

in der Bukowina und ihre Bedeutung für die heute dort

lebenden Menschen. Im Kino Krokodil in Berlin diskutierte

nach der Vorführung von Alois Nebel die Prager Journalistin

Bára Procházková mit den Autoren über das Filmprojekt und

seine Wirkung in Tschechien.

Claudia Tutsch

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Pilsen/Plzeň – Europas Kulturhauptstadt 2015

Projekte für verschiedene Länder, Medien und Generationen

Der Aufstieg der nur siebzig Kilometer

von der Grenze gelegenen westböhmischen

Metropole hing schon früher mit

ihrer besonderen Lage auf dem Weg

zwischen Deutschland und Prag zusammen.

So wurde sie auch 2015 als grenzüberschreitende

Kulturhauptstadt verstanden.

Wichtige Partner waren für das

Kulturforum deshalb bayerische Institutionen

wie das Centrum Bavaria Bohemia

in Schönsee oder der Adalbert-Stifter-Verein

in München. In der dortigen

František Frýda, Jan Mergl

Pilsen/Plzeň

Ein kunstgeschichtlicher

Rundgang durch die

westböhmische Metropole

Mit zahlr. farb. Abb., 48 S., gebunden.

In Kooperation mit dem Verlag Schnell & Steiner

in der Reihe Große Kunstführer in der Potsdamer

Bibliothek östliches Europa, Band 8.

€ [D] 9,95

ISBN 978-3-7954-2849-5

Auch in tschechischer Sprache erschienen.

Bayerischen Staatsbibliothek begann

auch unser Veranstaltungsreigen, der

Themenabende, Lesungen und Konzerte

umfasste. Die Zusammenarbeit

mit der Kulturhauptstadtorganisation

Pilsen 2015 gestaltete sich erfreulich. Sie

war die erste, die für unser Publikum

ein Quiz mit einem Wochenendtrip als

Gewinn auslobte und die eine Auswahl

der Texte des Stadtschreiberblogs in

einer zweisprachigen Publikation drucken

ließ.

Wolftraud de Concini, seit über fünfzig

Jahren in Norditalien lebende Publizistin

und Fotografin deutschböhmischer

Herkunft, wurde von der Jury

unter 51 Bewerbern für das Stadtschreiberstipendium

ausgewählt. Ihr verdankte

das Kulturforum ebenfalls eine

Besonderheit: Sie bloggte auch auf Italienisch,

wodurch ihre Beiträge einer

noch breiteren europäischen Öffentlichkeit

zugänglich waren.

Das Interesse an Pilsen zeigte sich

auch in einem anderen westeuropäischen

Land: Im niederländischen Den

Haag erzählte Wolftraud de Concini in

der Deutschen Internationalen Schule

Jugendlichen von der Vertreibung ihrer

Familie, woraus sich eine spannende

Diskussion über die Bezüge zu den

Flüchtlingen von heute entwickelte.

Eine weitere schulische Sternstunde

durften das Kulturforum und der Kulturreferent

für die böhmischen Länder

im Adalbert-Stifter-Verein mit dem charismatischen

Geschichtslehrer Antonín

Kolář vom Masaryk-Gymnasium Pilsen

verwirklichen. Es gelang ihm, bezüglich

der Herkunft ihrer Familien bunt zusammengewürfelte

Münchener Oberschüler

für die Pilsener Geschichte und

Gegenwart zu interessieren, indem er

immer wieder den Bogen zu Fragen

ihres eigenen Lebens schlug.

Musik war ein weiteres wichtiges Element

bei der Präsentation der Kultur-

8


Die Filme über das

Stadtschreiberprojekt

können auf unserem

YouTube-Kanal abgerufen

werden.

hauptstadt. Eines ihrer zahlreichen entsprechenden Projekte

war ein Barockfestival in westböhmischen Schlössern, Kirchen

und Klöstern, das mit seinen Konzerten und anderen

kulturellen und kulinarischen Darbietungen im zeittypischen

Gewand auch das deutsche Publikum anlockte. Die international

bekannte Cembalistin Alena Hönigová gab bei den Themenabenden

des Kulturforums musikalische Kostproben, die

sie selbst kenntnisreich und charmant moderierte. Nach Berlin

luden wir auch den jungen Pilsener Opernsänger Miroslav

Bartoš ein. Er beeindruckte nicht nur durch seine Stimme,

sondern auch mit Informationen über sein Engagement für

Roma-Kinder.

Das Stadtschreiberprojekt des Kulturforums erhielt auch in

diesem Jahr eine nachhaltige Ausrichtung: Eine Auswahl der

von einem besonderen Sinn für Formen und Farben geprägten

Fotografien Wolftraud de Concinis, die nach wie vor unter

stadtschreiberin-pilsen.blogspot.de zu bewundern sind, wurde

zur Ausstellung Pilsener Momente. Deren erste Station war

das Centrum Bavaria Bohemia Schönsee, danach wurde sie

im Tschechischen Zentrum München eröffnet und ab Februar

2016 auch in Pilsen gezeigt. Wolftraud de Concini wurde

aber auch zur Protagonistin zweier Dokumentarfilme, eines

kurzen lebendigen Porträts – gedreht von Schülerinnen und

Schülern des Babelsberger Filmgymnasiums – und eines halbstündigen

Streifens mit dem Titel Grenzgänge. Eine sudetendeutsche

Spurensuche, der am 29.1.2016 vom Südtiroler Regionalsender

des italienischen Fernsehens RAI ausgestrahlt wurde

und 2016 bei weiteren Veranstaltungen des Kulturforums u. a.

in Pilsen und Freiburg vorgeführt wird.

Wolftraud de Concini (rechts) vor der St. Bartholomäus-Kathedrale in Pilsen

mit dem Filmteam vom Babelsberger Filmgymnasium, v. l. n. r.: Sofia Baturov

(Ton), Annika Lorse (Redaktion und Regieassistenz), Filmlehrer Thomas

Bühring (2. Kamera). © Uwe Fleischer/Babelsberger Filmgymnasium

Die geschichtsträchtige architektonische Schönheit Pilsens

wird über das Kulturhauptstadtjahr hinaus auch der Große

Kunstführer vermitteln, den das Kulturforum in bewährter

Weise im Verlag Schnell und Steiner auf Deutsch und Tschechisch

herausgegeben hat. Als Autoren konnten der Direktor

des Westböhmischen Museums Pilsen František Frýda und

sein Stellvertreter Jan Mergl gewonnen werden, die auch

die Veranstaltungsaktivitäten des Kulturforums immer wieder

unterstützten.

Tanja Krombach

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Polnisch-ukrainisch-deutsche Grenzerfahrungen

Exkursion für angehende Journalisten nach Breslau und Lemberg •

Bohdan Osadchuk School in Zindel/Wojnowice

Auf mehrmaliges Umsteigen auf der

Strecke Breslau/Wrocław–Lemberg/

Lwiw waren wir vorbereitet – aber dass

es gar keine Züge zum Fortkommen

geben würde, überraschte uns dann

doch. Die Gruppe größtenteils angehender

Journalisten der Axel-Springer-Schule

und der Kölner Macromedia-School

sowie einiger erfahrener

Fachkollegen hatte sich nach knapp

zwei Tagen auf Lemberger Spuren in der

Kulturhauptstadt Europas 2016, Breslau,

auf die Sitzwagenplätze Richtung Ukraine

mit Jogginganzügen, Kissen und

Medyka bei Nacht: Zu Fuß über die polnisch-ukrainische Grenze – nicht ganz freiwillig …

reichhaltiger Verpflegung eingestellt.

Im polnischen Przemysł war dieser Aufzug

angesichts der nächtlichen Stunde

zwar kein Problem, aber wie weiter? Wir

hatten schon am nächsten Morgen Termine

in Lemberg, die wir nicht verpassen

wollten, und waren noch nicht einmal

an der Grenze! Da nahte Hilfe in

Gestalt ukrainischer Mitreisender, die

uns rieten, mit Taxen an die Grenze heranzufahren,

diese zu Fuß zu überqueren,

auf der anderen Seite eine Marschrutka

bis zum nächsten Ort zu nehmen

und dort in den regulären Linienbus

nach Lemberg zu steigen. Die aufblitzende

Entgeisterung in den Gesichtszügen

einiger Teilnehmer ignorierend,

ergatterten einige Aktive tatsächlich

vier Taxen auf dem ausgestorbenen

Przemysłer Bahnhofsvorplatz. Und in

der Grenzstadt Medyka angekommen,

stellte sich die Fortbewegung per pedes

in einem langen Zug von Kofferrollern

als ideal heraus – die Straße war nämlich

vollkommen verstopft, während sich die

Grenzer am Fußgängerübergang langweilten.

Drüben angekommen, fassten

wir Vertrauen zu einem Herumstehenden,

der trotz des völlig chaotischen

10


Straßenverkehrs eine leere Marschrutka erspähte und heranwinkte.

Diese Kleinbus-Sammeltaxen sind für acht Personen

bequem, für zwölf eng, für 16 mit Gepäck unvorstellbar. Inzwischen

hatten wir aber einen gewissen Ehrgeiz entwickelt, und

so stapelten wir uns mit ungeheurer Geschwindigkeit in das

Gefährt, das der hinter einer Art Autoikonostase verborgene

Fahrer sicher und mit Gottes Hilfe nach Mostyska lenkte. Der

Linienbus von dort aus bedeutete dann schon fast Rückkehr

in den Alltag, Schlaf übermannte die Gruppe bis zur pünktlichen

Ankunft in Lemberg.

Schon in Breslau hatten wir erfahren, dass mit sechs Prozent

Anteil an der Bevölkerung die Vorstellung nicht ganz

zutreffend ist, die Polen aus Lwów (so lautet der polnische

Name von Lemberg) seien nach dem Zweiten Weltkrieg einfach

ins zerbombte Breslau gesetzt worden. Aber unter diesen

gar nicht so zahlreichen Menschen waren viele Intellektuelle,

die wesentlich zum Wiederaufbau des kulturellen und

wissenschaftlichen Lebens in der niederschlesischen Hauptstadt

beitrugen. Vielleicht war auch nur der Genius loci des

sechshundert Kilometer entfernten galizischen Pendants hinübergeschwappt.

Die Gespräche mit Sofia Dyak, der Direktorin des innovativen

Center for Urban History, Dmytro Sherengovsky, dem

Direktor der Ukrainischen Katholischen Universität, mit dem

Wissenschaftler und Publizisten Jurko Prochasko, dem Journalisten

Juri Durkot und Taras Wozniak, dem Herausgeber

der unabhängigen Zeitschrift Ji webten jedenfalls – aus ganz

ungewöhnlichen und bereits bekannten Fäden – einen großflächigen

Teppich, der uns auf tausend und eine Weise durch

Der ukrainische Historiker Andrii Portnov bei seiner Lecture über nationale

Geschichtsschreibung in einem der Säle des Wasserschlosses Wojnowice

das schöne Leopolis trug und uns auch ein Stück Lwiw (der

ukrainische Name der Stadt) entdecken ließ.

Mit dem Thema polnisch-ukrainisch-deutscher Beziehungen

beschäftigte sich auch die Bohdan Osadchuk School, die

dieses Jahr in Kooperation mit dem Regional Center for International

Debate und dem Kulturforum in bzw. bei Breslau

stattfand. Zehn polnische, zehn ukrainische und zehn deutsche

Studierende erhielten inspirierende Lectures zur Selbstund

Fremdwahrnehmung der Nationalgeschichte und ließen

sich im Wasserschloss Zindel darauf ein, ihre Auffassung

der »eigenen« Geschichte und wichtiger Ereignisse darin darzustellen

sowie der Sicht und Kritik der anderen auszusetzen.

Die nächste Bohdan Osadchuk School findet Ende des

Jahres 2016 statt, die Ausschreibung wird rechtzeitig unter

www.kulturforum.info bekanntgegeben.

Ariane Afsari

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Mit Michael Wieck im Kaliningrader art space »Worota«

Das junge Kaliningrad ist auch für die dunklen Seiten der Geschichte Königsbergs offen

Als das Deutsche Kulturforum östliches

Europa im Jahr 2004 gemeinsam

mit einem St. Petersburger Partnerverlag

Michael Wiecks erschütterndes

Erinnerungsbuch Zeugnis vom Untergang

Königsbergs. Ein »Geltungsjude«

berichtet in russischer Übersetzung herausbrachte,

war die Reaktion in Kaliningrad

zunächst zurückhaltend. Die

Erlebnisse des jungen »Sternträgers«

Michael Wieck im Königsberg der 1930er

und 1940er Jahre, die Verfolgung und

Ermordung der Königsberger Juden,

die Schrecken des Krieges, vor allem

aber die unverblümte Schilderung der

Brutalität der ersten Nachkriegsjahre

unter sowjetischer Herrschaft waren

eine ungewohnte und für manche dem

sowjetischen Denken verhaftete Menschen

auch eine unerwünschte Lektüre.

Erst die energische Unterstützung durch

den damaligen Gouverneur des Kaliningrader

Gebiets und eine »offizielle« Präsentation

des Buches in der Kaliningrader

Staatlichen Universität, die heute

Immanuel-Kant-Universität heißt, öffneten

sozusagen die Schleusen, Michael

Wieck und sein Buch sind inzwischen in

der Stadt eine bekannte Größe.

Seitdem sind mehr als zehn Jahre

vergangen. Die russische Ausgabe des

Buches ist seit Jahren vergriffen, längst

wäre eine neue Ausgabe fällig gewesen

– es fehlte nur an einem russischen

Verlag. Die ökonomische Krise in Russland

und die Abkühlung der Bezie-

Verleger Maksim Popow mit frischen Exemplaren

seiner russischen Neuausgabe.

Alle Fotos: © Aleksandr Ljubin, Kaliningrad

Unter die zahlreichen, meist jugendlichen Gäste hatten sich auch manche Vertreter der Kaliningrader

Kultureinrichtungen gemischt. Der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Michael Banzhaf,

richtete ein Grußwort an Michael Wieck und das Publikum.


Für das Podium war zwischen der Leinwand und den dichtgedrängten Sitzreihen kaum Platz. V. l. n. r.:

Klaus Harer, Dolmetscherin, Michael Wieck, Verleger Maksim Popow und Boris Bartfeld (Vorsitzender

des Kaliningrader Schriftstellerverbands).

Irritriert reagierten einige Gäste, als Michael Wieck

seinen »Judenstern«, den er im nationalsozialistischen

Königsberg tragen musste, demonstrierte.

hungen zwischen Russland und den

europäischen Nachbarn gaben keinen

Anlass zur Hoffnung auf eine Neuausgabe.

Inzwischen hatte der russische

Text des Königsberg-Buchs von

Michael Wieck auch den vom Urheberrecht

kaum tangierten Weg ins Internet

gefunden, sodass der neugierige

russische Leser nicht mehr eines der rar

gewordenen antiquarischen Exemplare

suchen musste.

Unerwartet kam also die Anfrage an

das Kulturforum im Frühjahr 2015 seitens

des jungen Kaliningrader Verlegers

Maksim Popow, der innerhalb von wenigen

Monaten eine neue, schön gestaltete

russische Ausgabe des Buches in

seinem Verlag Pictorica herausbrachte.

Finanziell unterstützt wurde der Verlag

dabei von dem Kaliningrader Museum

Altes Haus, das durch seine engagierten

Gastgeber, Natalja und Alexander Bytschenko,

eine neue Adresse für alle an

der Stadtgeschichte Königsbergs Interessierten

bildet.

Zur Präsentation des Buches am

25. November 2015 erstellte der Pictorica-Verlag

eine eindrucksvolle Ausstellung

mit historischen Fotos, denen

charakteristische Textfragmente von

Michael Wieck zugeordnet waren. Die

schönen Räume des Sackheimer Tors

– eines der Backsteintore der alten

Königsberger Stadtbefestigung, in dem

sich seit Kurzem der art space »Worota«

etabliert hat – waren brechend voll.

Etwa 200 Menschen waren gekommen,

um Michael Wieck zu hören und sich ein

Exemplar seines Buches in der neuen

Ausgabe zu sichern. Seine frei gehaltene

Rede, in der er von seinen aus den

bitteren Königsberger Lebenserfahrungen

gezogenen Lehren sprach, hinterließ

einen tiefen Eindruck.

Klaus Harer

13


Musikalische Schlaglichter

Swjatoslaw Richter zum 100. Geburtstag – Böhmisches – Schlesisches

Rechtzeitig zum 100. Geburtstag von

Swjatoslaw Richter am 20. März 2015

erschien die vom Kulturforum produzierte

Hommage an den großen russlanddeutschen

Pianisten, die Ersteinspielung

der Streichquartette von

Theophil Richter, dem Vater Swjatoslaw

Richters, und Felix Blumenfeld, durch

die Musiker des Odessa String Quartet.

Erfreulich, dass eben diese Odessaer

Hommage Thema des F.A.Z.-Artikels

zum Richter-Jubiläum von Jan Brachmann

wurde (F.A.Z. vom 10.3.2015). Am

21. März traf sich auf Einladung des Kulturforums

und unter der Schirmherrschaft

des Botschafters der Ukraine eine

internationale Gemeinde von Richter-

Verehrern im Berliner Bundesplatz-Kino

zur Vorführung des faszinierenden Filmporträts

Richter – der Unbeugsame von

Bruno Monsaingeon in Anwesenheit

des Regisseurs. Am 23. und 25. März

folgten zwei Konzerte, mit denen das

Odessa String Quartet seine CD-Neuerscheinung

in Kiew und Odessa vorstellte.

Den Zyklus von Gedenkveranstaltungen

zu Richters 100. Geburtstag,

den das Kulturforum gemeinsam mit

der Kulturmanagerin des Bayerischen

Hauses Odessa, Liana Kryschewska,

durchführte, beschloss in Odessa Ende

Mai eine kleine Werkschau mit Filmen

Bruno Monsaingeons, welche Swjatoslaw

Richter, David Oistrach und der

Musikkultur in Sowjetrussland gewidmet

sind. Das aufgeschlossene Odessaer

Musikpublikum bereitete dem

bekannten Autor von herausragenden

Musik-Filmen einen sehr warmen und

dankbaren Empfang.

Ein gemeinsam mit dem Sudetendeutschen

Musikinstitut Regensburg

am 16. September veranstalteter

Abend in der Botschaft der Tschechischen

Republik war Leben und Werk

des bedeutenden Komponisten Karel

Reiner (1910–1979) gewidmet. Moderiert

von Andreas Wehrmeyer wurde

die jüngst erschienene deutsche Ausgabe

der Reiner-Biografie von Milan

Kuna vorgestellt. Hartmut Schill, Violine,

und Fran-Immo Zichner, Klavier, spielten

Kammermusikwerke des zu Unrecht in

Deutschland wenig bekannten Meisters.

Im Rahmen der internationalen Konferenz

»Kafka und die Musik« im Berliner

Roten Rathaus leistete das Kulturforum

einen besonderen Beitrag mit der Aufführung

der spektakulären Kafka-Fragmente

des bedeutenden zeitgenössischen

Komponisten György Kurtág für

eine Sängerin und Violine. Für die Aufführung

dieses höchst virtuosen Werkes

konnten Salome Kammer, Sopran,

und Carolin Widmann, Violine, gewonnen

werden.

Veranstaltungsplakat zur Monsaingeon-Retrospektive in Odessa

14


Der Louise-Schroeder-Saal im Roten Rathaus war zum Konzert voll besetzt. Foto: © Pascal Victor

Eine Aufführung des Oratoriums Jan Huss von Carl Loewe

durch die Evangelische Brüdergemeine Berlin im Gedenken an

den 600. Todestag des böhmischen Reformators wurde vom

Kulturforum unterstützt. In seinem Einführungsvortrag zu dem

Konzert am 7. November ordnete Klaus Harer die wenig aufgeführte

Komposition in die kirchen- und gesellschaftspolitischen

Kontexte der 1840er Jahre ein.

Eine weitere Neuerscheinung

des Jahres 2015 ist die

vom Kulturforum produzierte

Ersteinspielung mit Streichquartetten

des aus Schlesien

stammenden Komponisten

Franz Gebel (1787–1843) durch

das Hoffmeister-Quartett. Die

neue CD wurde im August mit

Konzerten in Havelberg und im märkischen Schloss Gusow

vorgestellt. Zwei Konzerte des Trio Margaux im September

boten das Programm einer weiteren CD-Produktion des Kulturforums:

die Klaviertrios von Frédéric Chopin und seines

schlesischen Lehrers Josef Elsner (1769–1854), gespielt auf historischen

Instrumenten. Diese Werke wurden im November

aufgenommen und werden im Jahr 2016 auf CD erscheinen.

Lieder und Instrumentalstücke aus dem Glogauer Liederbuch,

einem bedeutenden musikalischen Sammelwerk des

ausgehenden 15. Jahrhunderts, standen im Zentrum eines

Programms, das den musikalischen Akzent zu der Tagung

»Hinrich Brunsberg und die spätgotische Backsteinarchitektur

um 1400« am 7. März in der Potsdamer Nikolaikirche bildete.

Die Darbietung des Berliner Ensembles »The Schoole of

Night« machte auf die zahlreich erschienenen Besucher einen

so starken Eindruck, dass das Kulturforum auch seinen musikalischen

Jahresausklang am 2. Dezember mit diesen Musikern,

die »Alte Weihnachtslieder aus Mitteleuropa« zu Gehör

brachten, gestaltete.

Klaus Harer

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Nach Breslau!

Studienreise für Journalisten in die Kulturhauptstadt Europas 2016

Seit einigen Jahren organisiert das Deutsche Kulturforum östliches

Europa Studienreisen für deutschsprachige Journalisten

in die zukünftigen Kulturhauptstädte Europas. 2015 führte

die Reise nach Breslau/Wrocław. 2016 ist Breslau Kulturhauptstadt

Europas, zugleich auch die UNESCO-Welthauptstadt des

Buches, mit Hunderten von Kunstprojekten, Begegnungen

und Kulturveranstaltungen.

Breslau blüht auf, die Odermetropole ist eine europäische

Boomtown. Das Projekt Kulturhauptstadt Europas 2016 soll

einen offenen, dynamischen und freundlichen Raum schaffen,

der Besuchern die vielseitige europäische Dimension

und Identität dieser Stadt zeigt – und auch ihre Bewohner zu

einer aktiven Teilnahme am Kultur- und Kunstleben animiert.

Das Projekt konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

der Studienreise noch in seiner Entwicklungsphase erleben.

Begrüßt wurde die knapp zwanzig Personen zählende Gruppe

Ansicht von Breslau/Wrocław, Foto: Grzegorz Gołębiowski

durch den Präsidenten der Stadt, Dr. Rafał Dutkiewicz, der ein

sehr persönliches Bild der Geschichte, der Gegenwart und der

besonderen Aspekte seiner Stadt zeichnete. Während des interessanten,

teilweise kontroversen Gesprächs zeigte er auch die

Probleme der Stadt auf, zugleich aber stellte er optimistisch

seine Zukunftsvision für die Odermetropole vor.

Das sehr umfangreiche und vielseitige Kulturhauptstadt-

Programm soll Breslau in die erste Liga der europäischen

Städte katapultieren. Überraschend für einige Teilnehmer

war, dass Dutkiewicz – als Präsident der polnischen Stadt

Wrocław – konsequent Deutsch sprechend den Namen »Breslau«

benutzte, was er als ein Zeichen der Normalität versteht.

Er betonte, dass die Wahl zur Kulturhauptstadt Europas das

wichtigste Ereignis für die Stadt in ihrer Nachkriegsgeschichte

ist, und erklärte, Breslau sei eine wunderbare, offene, tolerante

und – mit etwa 150 000 Studenten – vor allem junge Stadt.

Gleich im Anschluss besuchte die Gruppe das Oppenheim-

Haus, das die Unternehmerin Viola Wojnowski erworben hat

und derzeit in ein Kulturzentrum umwandeln lässt. Später formulierte

der Journalist Uwe Rada: »Nirgendwo lässt sich die

stürmische Geschichte Breslaus, das auf Polnisch Wrocław

heißt, so anschaulich nachempfinden wie am Plac Solny 4,

dem Salzplatz – so heißt der Blücherplatz heute. Hier, wo die

Oppenheims ihr Palais kauften, verneigt sich Viola Wojnowski

vor der Geschichte des Hauses und will sie zum Sprechen

bringen.«

Zu Fuß und per Bus gewann die Gruppe die ersten Eindrücke

von Breslau: der Marktplatz mit dem imposanten Rathaus,

die Altstadt, die Dominsel – und schließlich das Denkmal

16


des Kardinals Kominek, des

Verfassers des bedeutenden

Hirtenbriefes der polnischen

Bischöfe an ihre deutschen

Amtsbrüder vom November

1965, der vor allem durch die

darin enthaltene Formulierung »Wir

vergeben und bitten um Vergebung«

bekannt geworden ist. Dass Versöhnung

nicht nur ein Wort ist, bezeugt

auch das 2008 eingeweihte Denkmal

des gemeinsamen Gedenkens – eine

Mauer mit siebzig wiedergefundenen

deutschen Grabsteinen, die zu gemeinsamer

Erinnerung einlädt.

Beim anschließenden Abendessen

mit Vertretern des Festivalbüros Breslau

2016 wurden die Journalisten mit

der Idee und dem Programm des Kulturhauptstadtjahrs

vertraut gemacht.

Die Vertiefung in die Materie fand am

nächsten Tag, während der ersten offiziellen

Pressekonferenz des Kulturhauptstadtjahres

mit dem Stadtpräsidenten

und Fachkuratoren statt.

Die Gelegenheit, mit weiteren

Akteuren des Kulturjahresprogramms

aus Deutschland und Polen sowie mit

Breslauer Persönlichkeiten zu sprechen,

erhielten die Teilnehmer der Studienreise

während des Empfangs

im Generalkonsulat

der Bundesrepublik

Deutschland.

Highlights der Studienreise

waren das Treffen mit Dr. Maciej

Łagiewski, der seit 1990 Direktor des

Städtischen Museums Breslau ist, eines

der modernsten derartigen Projekte in

Polen, und die Besichtigung der einzigartigen

Ausstellung 1 000 Jahre Breslau,

die das historische Erbe der Odermetropole

lückenlos präsentiert. Die Reise

führte weiter zur Synagoge Zum Weißen

Storch, zur Jahrhunderthalle, zum neuerbauten

Nationalen Musikforum, wo

am 17. Januar 2016 die Eröffnung des

Kulturhauptstadtjahres stattfand, und

anschließend zum Stadion-Konzert des

berühmten Tenors Andrea Bocelli.

Am 20. Juni 2015 wurde das erste

Projekt des Kulturhauptstadtjahres,

das Kunstprojekt Brücken, präsentiert.

26 Oder-Brücken wurden dabei

zu Kunstorten für Film, Tanz, Literatur,

Journalisten in Aktion: Interview mit Viola Wojnowski,

die das Oppenheim-Haus sanieren lässt

Happening, Performance und Installationen

umfunktioniert.

Was die Journalisten besonders interessierte,

waren die Breslauer Zwerge.

In den achtziger Jahren waren diese

das Symbol der »Orangenen Alternative«,

einer kreativ-subversiven, antikommunistischen

Bewegung. Etwa 350

der Zwerge – Minidenkmäler der Breslauer

Opposition und Kinderlieblinge –

bewohnen heute die Stadt, leben zwischen

den Menschen und erzählen alte

und neue Geschichten.

Und die Journalisten? Sie fuhren weiter,

ins Hirschberger Tal …

Thomas Schulz

17


Ein oberschlesisches Kaleidoskop

Reportageroman über zwei Bergarbeitersiedlungen, heute Architekturdenkmäler

Für die polnische Originalausgabe Czarny

Ogród hat die Journalistin und Publizistin

Małgorzata Szejnert den angesehenen

Cogito-Preis völlig zu Recht erhalten.

Davon kann sich jetzt auch das deutsche

Publikum überzeugen. Dank der Empfehlung

von Martin Pollack, der Übersetzungskünste

Benjamin Voelkels und des

Fachlektorats Marcin Wiatrs erschien 2015

im Verlag des Kulturforums ihr Buch Der

schwarze Garten über die beiden Arbeitersiedlungen

Gieschewald/Giszowiec

und Nickischschacht/Nikiszowiec. Und

da diese Orte mit ihren Bewohnern das

20. Jahrhundert in einer besonders spannenden

Region widerspiegeln, ist das

Buch eine Fundgrube für alle an europäischen

Phänomenen Interessierte. Zwischen

Bergbau, Unternehmertum, zwei

Weltkriegen, den Schlesischen Aufständen

und Arbeitsmigration begleiten uns

die Schicksale der Menschen, die in den

Arbeitersiedlungen leben und die man

nach einiger Zeit zu kennen glaubt. Ein

mit Talenten gesegneter Malerzirkel,

die erste Tagesstätte für förderbedürftige

Kinder, Frauen in Sport und Politik,

Männer auf den Barrikaden während der

Aufstände: Dieses oberschlesische Kaleidoskop

wimmelt von Originalen. Manchmal

ist es nur ihr spezieller Humor, der sie

über Wasser hält:

Ich bin weder Pessimist noch Optimist,

ich bin ajn Mensch, der wajß, worauf

alles beruht, dafür halte ich mich. Du

Deutsche Erstausgabe. Aus dem Polnischen

von Benjamin Voelkel. Mit zahlr. S.-W.-Abb.,

ausführl. Registern und einer Karte. 560 S.,

gebunden, m. Lesebändchen.

€ [D] 14,80 • ISBN 978-3-936168-66-2

stürzt vom Fahrrad, Autos prallen aufajnander,

Schiffe gehn unter, Flugzeuge

stürzen ab, das ist das Schicksal

der Menschen. Worauf dieses Leben

beruht? Dass Sie hier hergekommen

sind und Sie hier fortgehn. Der Mensch

kommt und geht, man muss sich anziehen

und muss sich ausziehen, du legst

dich schlafen und stehst auf … Wenn

ajn Loch im Topf ist, lojft es raus, und

wenn ajn Loch im Schuh ist, dann lojft

es rajn. So ist das halt.

Obwohl fast zur selben Zeit entstanden

und von denselben Architekten,

den Brüdern Georg und Emil Zillmann

aus Berlin erdacht, könnten die beiden

Siedlungen unterschiedlicher nicht sein.

Während Nickischschacht eine eigene

Stadt aus dreistöckigen Wohnblocks aus

roten Ziegeln mit Hinterhöfen, einer Kirche

und einer gemeinsamen Waschküche

bildet, ahmt Gieschewald eher eine

Dorfstruktur mit kleinen Reihenhäusern

und schindelgedeckten Dächern nach.

Die folgende Leseprobe schildert Paweł

Kasperczyks Einzug in eines dieser Reihenhäuser

– im Buch wird man ihm

noch häufig begegnen:

18


»Gesuche um Aufnahme in eine herrschaftliche Wohnstätte

oder um einen Wechsel derselben sind von Arbeitern

an den bezeichneten Beamten zu richten, dieser legt

die Angelegenheit dem Vorstand vor.« So heißt es in der

Hausordnung für die Arbeiterfamilienunterkünfte der Bergwerke

und Hütten Georg von Giesche’s Erben, die zwar schon

ein halbes Jahrhundert alt ist, aber die bisher noch niemand

für ungültig erklärt hat. Der Schmied Paweł Kasperczyk,

22 Jahre alt, hatte also sein Gesuch überbracht, und

der Vorstand hatte sein Einverständnis erklärt. Paweł verlässt

Dziedzkowitz Jazd bei Myslowitz, wo seine Eltern einen

Hof haben, und zerrt eine Ziege am Strick hinter sich her.

Er ist geübt im Marschieren und Exerzieren, und wäre nicht

die Ziege, die sich ihm manchmal widersetzt, würde er den

Weg im Nu hinter sich bringen. Er hat gerade den Dienst

in der kaiserlichen Infanterie beendet und eine Arbeit in

der Schmiede des Giesche-Bergwerks angetreten. Man hat

ihm die Hälfte des Häuschens Nr. 15 in der Lehnhoff- Straße

(heute ul. Agaty) zugeteilt. Es hat ein schindelgedecktes

Runddach mit einem kleinen Gaubenfenster und gehört zu

den kleinsten in Gieschewald: zwei Zimmer (eins unten, das

andere oben), Küche und Diele. Aber Paweł zieht auch ohne

Familie ein, er beabsichtigt erst zu heiraten; hätte er dem

Vorstand das nicht versichert, wäre er wahrscheinlich leer

ausgegangen. Das untere Zimmer hat rund zwanzig Quadratmeter,

die Küche 18, die Diele ist groß, wohl etwa acht

Quadratmeter. An das Häuschen grenzt ein kleiner Stall, er

misst etwas weniger als sechs Quadratmeter. Jemandem,

der mit elf Geschwistern aufgewachsen und in den preußischen

Kasernen erwachsen geworden ist, kommt dieses

kleine, von einem Garten umgebene Haus wie das Paradies

vor; so viel eigenen Raum gibt es hier. Paweł treibt seine

koza, seine Ziege, in den Stall. »Wer eine Koza hat, hat ajnfach

alles. Er hat Milch, hat Kafej, hat Hernchen.«

Gieschewald konnte nur dank der Aufnahme ins Denkmalregister

– eine Maßnahme des zuständigen Konservators im Jahr

1978, um die immer näher an die Siedlung rückenden Plattenbauten

aufzuhalten – wenigstens zu einem Drittel bewahrt

werden und ist heute wieder ein äußerst beliebtes Wohnviertel.

Die ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Siedlung

Nickischschacht ist glücklicherweise vollständig erhalten

und erfüllt inzwischen erneut die ihr ursprünglich zugedachte

Funktion: gemeinsam allein sein zu können.

Ariane Afsari

Hinterhof in der Arbeitersiedlung Nickischschacht

19


Tanz der Vampire in Potsdam

Kooperationen mit Partnern im Land Brandenburg sorgen für regionale Präsenz

Wer aus Potsdam über

die Berliner Straße in

Richtung Bundeshauptstadt

fährt,

dem fällt vielleicht

die große Kulturforums-Flagge

auf,

die linker Hand vor

einem stattlichen Backsteingebäude

weht. Unser Domizil

befindet sich allerdings in der kleinen

Remise daneben. Büros und ein Sitzungsraum

bilden den unspektakulären

Rahmen für unsere Arbeit. Um für

unser regionales Publikum sichtbar zu

werden, bedarf es daher guter Partner.

Bewährte Kooperationen verbinden

uns etwa mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen

Geschichte,

der Potsdamer Urania und dem Potsdamer

Filmmuseum. Eine vielversprechende

Zusammenarbeit haben wir

2015 mit dem Babelsberger Filmgymnasium

begonnen. Seit 2014 sind wir

außerdem Mitglied im Verein proWissen,

einem Netzwerk von über sechzig

Institutionen, das Wissenschaft mit

Kultur, Wirtschaft, Tourismus und Bildung

verknüpfen möchte. 2015 trug

diese Zusammenarbeit gleich mehrfach

Früchte: Der Verein war nicht nur

Gastgeber unserer Ringvorlesung im

Bildungsforum, sondern auch Veranstalter

des Potsdamer Tages der Wissenschaften.

Bei dieser inzwischen ins

vierte Jahr gehenden Großveranstaltung

sind Ideen für die ganze Familie

gefragt. 2015 griffen wir das seit Generationen

ungebrochene Interesse an

Vampiren auf: Unter dem Titel Transsylvanien/Siebenbürgen:

Region mit Biss

boten wir Informationen und Aktivitäten

rund um die Gegend im heutigen

Rumänien an, die seit Erscheinen des

Dracula-Romans von Bram Stoker im

Jahr 1897 als Heimat des berühmtesten

Blutsaugers aller Zeiten gilt. Zu Recht?

Das sollten unsere Gäste herausfinden.

Viel Spaß hatten wir bereits bei den

Vorbereitungen. Unser aus Siebenbürgen

stammender Direktor ließ es sich

nicht nehmen, das Dracula-Kostüm persönlich

zu testen. In der 2015er Edition

der Nachgefragt!-Broschüre, in der Wissenschaftler

Fragen von Potsdamer Kindern

beantworten, klärte er über die

historischen Hintergründe des Dracula-

Kults auf. Direkt aus Transsylvanien ließen

wir Kitsch und Kunst zum Thema

einfliegen. Klaus-Peter Krüger, tätig als

Partnerschaftsbeauftragter des Landes

Brandenburg für die Region Centru/Siebenbürgen,

bereitete im Umland

den Boden für das Thema: Zwei Schüler

aus Karlsburg/Alba Iulia tourten unter

seiner Ägide eine Woche lang durch

Brandenburger Schulen und stellten

ihre Heimat Siebenbürgen vor. Dabei

schlüpfte einer von ihnen in die Rolle

des blutrünstigen Grafen. »Echt super

und professionell!« – so das Urteil einer

Strausberger Schülerin über den Auftritt

der beiden, nachzulesen in der Hermannstädter

Zeitung vom

29.5.2015.

Der Potsdamer Tag

der Wissenschaften

am 9. Mai fing denkbar

gruselig an: mit

einem bundesweiten

20


Streik der Bahn und dem Streik aller

öffentlichen Verkehrsmittel in Potsdam.

Das Publikum ließ sich davon nicht

abschrecken und nutzte den flugs eingerichteten

Shuttle-Service, sodass

sich die Veranstalter trotz der widrigen

Umstände über mehrere Tausend

Besucher freuen durften. Viele davon

schlenderten an unserem Zelt auf dem

Forschercamp vorbei und wurden vom

Grafen Dracula – alias Mihai Drîmbărean

aus Karlsburg – persönlich hineingebeten.

Drinnen konnte man sich nicht

nur über die historischen Hintergründe

des Vampirglaubens informieren, sondern

auch über das heutige Siebenbürgen,

seine Geschichte und den Alltag

seiner Bewohner. Gezeigt wurden Teile

der Ausstellung Siebenbürgen und Brandenburg,

animierte Landkarten machten

historische Abläufe transparent,

die Kulturmetropole Hermannstadt/

Sibiu durfte per App erkundet werden,

und ganz spezielle Fachfragen beantwortete

der Regensburger Historiker

Dr. Peter Mario Kreuter, Autor maßgeblicher

Publikationen zum Vampirglauben.

Basteleien mit Gruseleffekt, die Vorführung

des Filmklassikers Nosferatu –

Reges Treiben im Zelt des Kulturforums auf

dem Potsdamer Uni-Campus Am Neuen Palais

Der freundlichste Vampir der Welt:

Mihai Drîmbărean aus Karlsburg/Alba Iulia (Siebenbürgen).

Foto: Klaus-Peter Krüger

Eine Symphonie des Grauens (1922) und

das »Quiz mit Biss« sorgten für einen steten

Besucherstrom. DVDs und Bücher

zum Thema, viele davon aus unserem

Verlag, wurden als Hauptpreise verlost,

außerdem durfte sich jeder Quizteilnehmer

einen Sofortgewinn aus der Werbekollektion

des Kulturforums aussuchen.

Am Ende des Tages hatten mehr als

450 große und kleine Menschen aus der

Region unser Zelt besucht. Viele davon

gingen nicht nur mit einem Souvenir

nach Hause, sondern mit frisch erworbenem

Wissen über einen faszinierenden

Landstrich, der weit mehr bietet als

schaurige Legenden. Und alle, die das

verpasst hatten, bekamen im Oktober

noch eine zweite Chance: beim Potsdamer

Blutspendetag, an dessen Rahmenprogramm

wir mit unserer Ausstellung

Vampire in Transsylvanien – Legende

und Wahrheit mitwirken durften.

Vera Schneider

21


Programm und Verlag 2015

Thementage und Veranstaltungsreihen

Flucht, Vertreibung und Neubesiedlung nach 1945. Vortragsreihe:

Potsdam (Januar, Februar, März)

Pilsen/Plzeň – Europas Kulturhauptstadt 2015: München und Berlin

(Februar), Nürnberg (Mai), Dresden (Juni)

Hinrich Brunsberg und die Backsteinarchitektur im südlichen Ostseeraum

um 1400: Potsdam (März)

Mythos Galizien. Spuren der deutsch-österreichischen Vergangenheit:

Berlin (März)

1945 – das östliche Europa nach der »Stunde Null«. Ringvorlesung:

Potsdam (April–Juli)

Jan Hus, Tschechen und Deutsche. Zum 600. Todesjahr des böhmischen

Kirchenreformators: Berlin (Juni)

Von Danzig nach Gdańsk: Hamburg (Juni)

Prag als »deutsche Stadt« im Protektorat. Die Pläne der Nationalsozialisten

zur Umgestaltung der böhmischen Metropole:

Berlin (August)

Großer Kunstführer und Stadtschreiberin Pilsen: Pilsen (September)

Landpartie zur Gräfin von Reden: Hirschberger Tal

(September, Foto 1)

Die Heimat meiner Vorfahren. Schlesische, böhmische und baltische

Familiengeschichten aus der Sicht der Kinder und Enkel:

Berlin (Oktober)

Podiumsdiskussionen und Vorträge

1945: Kriegsende, Vertreibung und Neubeginn in Mitteleuropa.

Das Zusammenleben der Nachbarn in Mitteleuropa heute:

Leipzig (März)

Guten Tag auf Polnisch/Dzien dobry po polsku: Guttentag/

Dobrodzien (März)

Oberschlesien – Industriegeschichte und Industriekultur:

Potsdam (Mai)

Wohnraum für das Existenzminimum – oberschlesische Arbeitersiedlungen

im 20. Jahrhundert: Potsdam (Mai)

Zwischen Breslau und Wrocław. Zur multikulturellen Geschichte

und Gegenwart in der Kulturhauptstadt Europas 2016: Frankfurt

am Main (Oktober, Foto 2)

Erzählsalon – Zwischen Moskau und Archangelsk: Berlin (November)

Pilsen – Europäische Kulturhauptstadt 2015: Berlin (September),

Wetzlar (Dezember)

Lesungen und Buchvorstellungen

Ute Schmidt, Bessarabien. Deutsche Kolonisten am Schwarzen

Meer: Bonn (Februar), Düsseldorf (März), Berlin (Juni), Bukarest

(Juli)

HinterNational – Johannes Urzidil: Pilsen/Plzeň (Februar)

Nach Übersee. Deutschsprachige Auswanderer aus dem östlichen

Europa um 1900: Hamburg (Februar)

Ulrike Draesner, Sieben Sprünge vom Rand der Welt: Berlin (Februar,

Foto 3), Breslau/Wrocław (Juli)

Innovation und Tradition. Hinrich Brunsberg und die spätmittelalterliche

Backsteinarchitektur in Pommern und der Mark Brandenburg:

Leipzig (März)

František Frýda/Jan Mergl, Pilsen/Plzeň. Ein kunstgeschichtlicher

Rundgang durch die westböhmische Metropole: Leipzig (März)

Carmen Sylva. Königliche PR für Rumänien und für Europa:

Berlin (Mai)

22


1 2 3 4

Städte im südlichen Siebenbürgen – Buchpräsentaion der rumänischen

Übersetzung: Bukarest (Mai)

Wolftraud de Concini, Stadtschreiberin von Pilsen/Plzeň 2015:

Pilsen/Plzeň (Mai), Den Haag (September)

Roswitha Schieb, Jeder zweite Berliner. Schlesische Spuren an der

Spree: Berlin (November)

Wiederentdeckt! Die Messgewänder der Schwarzen Kirche zu

Kronstadt: Berlin (November)

Michael Wieck, Zeugnis vom Untergang Königsbergs – Buchpräsentaion

der russischen Übersetzung: Kaliningrad (November)

Film und Musik

Gotisches Echo. Geistliche und weltliche Lieder des 15. Jahrhunderts.

Konzert mit The Schoole of Night: Potsdam (März, Foto 4)

Richter – Der Unbeugsame. Ein Film von Bruno Monsaingeon zum

100. Geburtstag von Swjatoslaw Richter: Berlin (März), Odessa (Mai)

Streichquartette von Theophil Richter und Felix Blumenfeld. Konzert

und CD-Präsentation anlässlich des 100. Geburtstags von

Swjatoslaw Richter: Kiew und Odessa (März)

Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder. Filmvorführung

und Gespräch mit Regisseurin Claudia Funk: Berlin (April),

Nordhausen (Oktober)

Rückkehr in die windige Stadt. Filmvorführung und Gespräch mit

Kristina Forbat: Wien (Mai), Hamburg (Oktober), Dresden (November)

Jan Hus und Martin Luther. Ein musikalisch-literarischer Abend von

Daniel Dobiáš: München (Juni)

Streichquartette der Wiener Klassik zwischen Warschau und Moskau.

Konzerte mit dem Hoffmeister-Quartett: Gusow und Toppel

bei Havelberg (August)

Der junge Chopin im schlesischen Kontext. Konzerte mit dem Trio

Margaux: Tamsel/Dąbroszyn und Altkünkendorf (September)

Die Leute aus den Eisenhäusern/Ludzie z zelaznych domów. Filmvorführung:

Berlin (September)

Unangepasst und eigensinnig – der Komponist Karel Reiner, ein

Pionier der Musikmoderne. Buchvorstellung mit Konzert:

Berlin (September)

Kafka-Fragmente. Aufführung der Komposition von György Kurtág:

Berlin (Oktober)

Johann Huss. Oratorium von Carl Loewe. Konzert mit Einführungsvortrag:

Berlin (November)

Wolfskinder – Kinder auf der Flucht. Filmvorführung und Podiumsgespräch:

Potsdam (November)

In Natali Domini. Alte Weihnachtslieder aus Mitteleuropa. Konzert

zum Jahresausklang: Potsdam (Dezember)

Exkursionen und Workshops

Studienreise für deutschsprachige Journalisten in die Kulturhauptstadt

Europas 2016: Breslau/Wrocław (Juni, Foto 5)

Werkstattgespräche des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und

Künstler (VUdAK): Budapest-Hidigut (Juli)

Studienreise für deutschsprachige Journalisten und Journalistikstudenten

in die Kulturhauptstadt Europas 2016 und nach Lemberg/Lwiw:

Breslau/Wrocław und Lemberg/Lwiw (September)

Messen und Events

Geschichtsmesse 2015. 25 Jahre Deutsche Einheit: Suhl (Januar)

Leipziger Buchmesse: Präsentation des Kulturforums (März)

23


5

6

Transsylvanien/Siebenbürgen: Region mit Biss. Präsentation des

Kulturforums beim 3. Potsdamer Tag der Wissenschaften:

Potsdam (Mai)

Präsentation des Kulturforums auf dem V. Kulturfestival der deutschen

Minderheit in Polen: Breslau/Wrocław (September)

Frankfurter Buchmesse: Präsentation des Kulturforums (Oktober)

Vampire in Transsylvanien – Legende und Wahrheit: Präsentation

des Kulturforums beim Potsdamer Blutspendetag (Oktober)

Wanderausstellungen

Friederike und Friedrich Wilhelm von Reden – Mutter des Hirschberger

Tales und Vater der oberschlesischen Industrie: Liegnitz/

Legnica (Februar–März), Salzbrunn/Szczawno Zdrój (April–Juni),

Tarnowitz/Tarnowskie Góry (September–Oktober)

Innovation und Tradition. Hinrich Brunsberg und die spätmittelalterliche

Backsteinarchitektur in Pommern und der Mark Brandenburg:

Potsdam (Januar–April), Kolberg/Kołobrzeg (Mai–September)

und Chorin (September–November)

Oskar Manigk: In Paris kann ich nicht malen: Stettin/Szczecin

(März–April)

Zeit-Reisen. Historische Schlesien-Ansichten aus der Graphiksammlung

Haselbach/Podróże w czasie. Dawne widoki Şlaska na

grafikach z kolekcji Haselbacha: Königswinter-Heisterbacherrott

(März–Oktober), Coswig (September–November)

Struktur und Architektur. Das postindustrielle Kulturerbe Oberschlesiens:

Caputh (Mai–August)

Brückenschläge – Daniel Ernst Jablonski und das Europa der Frühaufklärung:

Stuttgart (Juni)

Pilsener Momente. Wolftraud de Concini unterwegs in Westböhmen/Plzeňské

chvíle. Wolftraud de Concini na cestách po západních

Čechách: Schönsee (September–Oktober), München (Dezember

2015–Januar 2016), Foto 6

24

Georg Dehio-Buchpreis

Verleihung des Georg Dehio-Buchpreises 2015 mit den Begleitveranstaltungen

Czernowitz – »Babylon des südöstlichen Europa« und

»das kleine Wien«. Zur deutschsprachigen Literatur in der Bukowina

(Vortrag, Podiumsgespräch, Rezitation) und Nebel über der Spree

(Podiumsdiskussion und Filmvorführung): Berlin (September)

Kulturelle Bildung für Jugendliche

und junge Erwachsene

Pilsen/Plzeň – Europas Kulturhauptstadt 2015 von Schülern und für

Schüler: München (Februar)

Europawoche: Siebenbürgen – Transilvania – Brandenburg (Vorträge

in Schulen und Einrichtungen): Falkenberg, Strausberg, Potsdam,

Luckau (Mai)

Kristina Forbat, Rückkehr in die windige Stadt: Universität Heidelberg

(Juli)

Blog von Schülerinnen des Masaryk-Gymnasiums Pilsen über Themen

der Geschichte und Gegenwart der Kulturhauptstadt Europas

2015 (August, November, Dezember)

Schülervortrag und -gespräch mit der Pilsener Stadtschreiberin

Wolftraud de Concini: Deutsche Internationale Schule, Den Haag

(September)

Werkstatt »Ideensammlung für die Nutzung des Gutes Bziunkau/

Bzionków«: Guttentag/Dobrodzien (September)

Botschafter mit Notizbuch und Kamera: Das Stadtschreiberstipendium

des Deutschen Kulturforums östliches Europa. Aufführung

von Kurzfilmen, u. a. von Schülern prodziert, mit Lesung und Podiumsdiskussion:

Potsdam (Oktober)

Journalismus, Chancen, Osteuropa! Deutschsprachige Medien und

Praktikumsmöglichkeiten im östlichen Europa: Berlin (Oktober)


PILSEN | PLZEŇ

Kulturhauptstadt Europas

Evropské hlavní město kultury

European Capital of Culture

2015

Polnisch-ukrainisch-deutsche Bohdan Osadchuk School: Breslau/

Wrocław (November)

Swjatoslaw Richter in der sowjetischen Musikkultur (Proseminar):

Berlin (November)

Neuerscheinungen und Übersetzungen

Kristina Forbat, Rückkehr in die windige Stadt. Dokumentarfilm (52

Min.) auf DVD (Januar)

František Frýda, Jan Mergl, Pilsen/Plzeň. Ein kunsthistorischer Rundgang

durch die westböhmische Metropole. Mit zahlr. farb. Abb.,

48 S., gebunden, in Kooperation mit dem Verlag Schnell & Steiner

in der Reihe Große Kunstführer in der Potsdamer Bibliothek östliches

Europa, Band 8, € 9,95, ISBN 978-3-7954-2849-5 (Januar)

František Frýda, Jan Mergl, Plzeň. Uměleckohistorická procházka

západočeskou metropolí. Tschechische Ausgabe des Großen Kunstführers

Pilsen. Mit zahlr. farb. Abb., 48 S., gebunden, € 9,95, ISBN

978-3-7954-2850-1 (Januar)

Nach Übersee! Deutschsprachige Auswanderer aus dem östlichen

Europa um 1900. Mit zwölf Beiträgen, Duoton-Abb., ausführl. Registern

und Karten, 303 S., Broschur, € 9,80, ISBN 978-3-936168-70-9

(Januar)

Blickwechsel. Journal für deutsche Kultur und Geschichte im östlichen

Europa. Ausgabe 3: Gewaltsamer Frieden. Das östliche Europa

nach der »Stunde Null« des Jahres 1945. 56 S., Schutzgeb. € 2,50,

ISSN 2195-9439 (März)

Theophil Richter, Felix Blumenfeld, Streichquartette (CD). Erstaufnahmen

mit dem Odessa String Quartet. Deutsch-englisches

Booklet. Kooperation mit Profil-Edition Günter Hänssler, € 13,99,

Best.-Nr. PH 15011. (März)

Franz Xaver Gebel, Streichquartette (CD). Erstaufnahme auf

historischen Instrumenten mit dem Hoffmeister-Quartett.

Deutsch-englisches Booklet. Kooperation mit Profil-Edition Günter

Hänssler, € 13,99, Best.-Nr. PH 15031, (Mai)

Innowacja i tradycja. Henryk Brunsberg i późnogotycka architektura

ceglana Pomorza i Brandenburgii.

Poln. Ausg. des Katalogs zur Brunsberg-Ausstellung. Vorwort u.

Red.: Michał Gierke. In Kooperation mit der Historisch-Kulturellen

Gesellschaft »Terra Incognita« in Königsberg i. d. Neumark/Chojna.

Mit zahlr. farb. Abb., 146 S., ISBN 978-83-940636-4-1 (Mai)

Małgorzata Szejnert, Der Schwarze Garten. Deutsche Erstausgabe.

Aus d. Poln. v. Benjamin Voelkel. Mit zahlr. Schwarz-Weiß-Abb., ausführl.

Registern u. einer Karte. 560 S., gebunden, mit Lesebändchen.

€ 14,80, ISBN 978-3-936168-66-2 (Juni)

Roswitha Schieb, Breslau/Wrocław. Ein kunstgeschichtlicher Rundgang

durch die Stadt der hundert Brücken. Mit zahlr. farb. Abb., 48

S., gebunden, in Kooperation mit dem Verlag Schnell & Steiner in

der Reihe Große Kunstführer in der Potsdamer Bibliothek östliches

Europa, Band 9, € 12,95, ISBN 978-3-7954-2951-5 (Oktober)

Mихаэл Вик, Закат Кенигсберга. Свидетельство немецкого

еврея (Michael Wieck: Zeugnis vom Untergang Königsbergs. Ein

Geltungsjude berichtet). Neuausgabe

d. russ. Übers., mit zahlr. Schwarz-

Weiß-Abb., 301 S., ersch. im Verlag

Pictorica, Kaliningrad, € 14,80 ISBN

978-5-9906819 (November)

25


Team des Kulturforums

(Stand: 1. Januar 2016)

Saskia Aberle, Assistenz Direktion, Veranstaltungsorganisation

Ariane Afsari, Verlag, Fachreferat Kulturelle Bildung

Susanna Becker, Assistenz Verlag, Elektronische Medien

Dr. Klaus Harer, Fachreferat Musik, Länderreferat Osteuropa

Frauke Kraft, Verwaltungsleiterin

Tanja Krombach, Stellvertretende Direktorin, Leitung Verlag,

Länderreferat Tschechien und Slowakei

Dr. Harald Roth, Direktor

Dr. Vera Schneider, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,

Verlag, Elektronische Medien

Thomas Schulz, Fachreferat Literatur, Länderreferat Polen

(bis 31. Mai 2016; ab 1. März 2016: Dr. Magdalena Gebala)

Hana Kathrin Stockhausen, Grafik, Design

Dr. Claudia Tutsch, Fachreferat Kunstgeschichte,

Länderreferat Baltikum

Ilona Wäsch, Sachbearbeiterin Verwaltung/Buchhaltung

André Werner, Redaktionsleitung Website

Das Team des Kulturforums im Oktober 2014.

Foto: Anke Illing, Berlin

Vorstand

(Stand: 1. Januar 2016)

MinDgt. i. R. Winfried Smaczny, Berlin, Vorstandsvorsitzender

Dr. Elisabeth Fendl, Freiburg i. Brsg.

MinDir. Hans-Heinrich v. Knobloch, Berlin

Kuratorium

Dr. Nicole Zeddies, Referatsleiterin bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (Vorsitz)

Dr. Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums zu Görlitz, Vertreter der Mitgliederversammlung im Kuratorium

Magdalena Erdman, Botschaftsrätin der Botschaft der Republik Polen in Berlin

Prof. Oliver Günther, Ph. D., Präsident der Universität Potsdam

Katrin Seitz, Vertreterin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

Zdeněk Kuna, Vertreter der Botschaft der Tschechischen Republik

Prof. Dr. Matthias Weber, Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

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Mitglieder

Deutsche Gesellschaft e. V., Berlin: Dr. Andreas H. Apelt, Bevollmächtigter des Vorstandes der D. G. e. V.

Festival Mitte Europa – Mißlareuth 1990 e. V.: Kammersänger Professor Thomas Thomaschke, Intendant

Institut für deutsche Kultur und Geschichte in Südosteuropa, München:

Dr. Florian Kührer-Wielach, Direktor

Institut für deutsche Musikkultur im östlichen Europa: Prof. Dr. Klaus W. Niemöller, Vorsitzender

Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam: Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor

Nordost-Institut – Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V., Lüneburg:

PD Dr. Joachim Tauber, Direktor

Ostpreußisches Landesmuseum, Lüneburg: Dr. Joachim Mähnert, Direktor

Pommersches Landesmuseum, Greifswald: Dr. Uwe Schröder, Direktor

Schlesisches Museum zu Görlitz: Dr. Markus Bauer, Direktor

Stiftung Martin Opitz Bibliothek, Herne: Dr. Hans-Jakob Tebarth, Direktor

Universität Potsdam: Prof. Oliver Günther, Ph. D., Präsident

Universität Potsdam, Philosophische Fakultät, Institut für Slavistik: Prof. Dr. Norbert Franz,

zur Zeit der Gründung des Kulturforums Dekan

Impressum

Herausgeber: Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V.

Berliner Straße 135, Haus K1

D–14467 Potsdam

www.kulturforum.info

deutsches@kulturforum.info

© 2016. Alle Rechte vorbehalten.

V. i. S. d. P.: Dr. Harald Roth

Abbildungen und Bildrechte: Wenn nicht anders in der Bildunterschrift angegeben,

stammen die Bilder vom Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Gestaltung und Satz: Hana Kathrin Stockhausen und Anna Dejewska

Redaktion: Dr. Vera Schneider

Redaktionsassistenz: Lisa Brauer

Druck und Bindung: WIRmachenDRUCK GmbH, Backnang

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Das Kulturforum wird gefördert von der

Beauftragten der Bundesregierung für

Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses

des Deutschen Bundestages.

Deutsches Kulturforum östliches Europa

Berliner Straße 135, Haus K1 · 14467 Potsdam

Tel. +49(0)331/20098-0

Fax +49(0)331/20098-50

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