aerokurier 05/2016
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5/<strong>2016</strong> Deutschland € 5,50 / Schweiz sfr 10 / Österreich € 6,30 / Benelux € 6,40 / Finnland € 8,30 www.<strong>aerokurier</strong>.de / 60. Jahrgang<br />
<strong>aerokurier</strong><br />
DAS MAGAZIN FÜR PILOTEN<br />
Schwerpunkt<br />
KUNST-<br />
FLUG<br />
•<br />
Ausbildung<br />
Der Weg zur<br />
Berechtigung<br />
•<br />
Basistrainer<br />
Dolderer und<br />
die Decathlon<br />
•<br />
Hersteller<br />
Blick in Extras<br />
Werkhalle<br />
GENUSS-<br />
REISE IM<br />
NORDEN<br />
SPANIENS<br />
• Twister Aerobatics<br />
LEICHTE<br />
KUNST<br />
Mit dem Trike um die Welt<br />
Die fliegenden Nomaden<br />
Akaflieg Stuttgart fs31<br />
Das große<br />
Erfolgsprojekt
[ EDITORIAL Mai ]<br />
TURNÜBUNGEN<br />
Ziehen, bis der Flieger schüttelt, Tritt ins Seitenruderpedal,<br />
und ab geht die Post: Wenn die Erde<br />
unter einem Karussell fährt, dann ist das nicht<br />
notwendigerweise ein Grund zur Panik. Im<br />
Gegenteil – regelmäßig trainiert, erübrigt sich die<br />
Frage, was in einem solchen Fall zu tun ist.<br />
Als ich am Osterwochenende zu meinen ersten vier Flügen in<br />
diesem Jahr abhob und dabei mit einem fremdbestimmten<br />
Vollakro-Programm und rund 30 selbstbestimmten Trudelumdrehungen<br />
– freilich unter Fluglehrer-Aufsicht – gleich in die Vollen<br />
ging, stand bereits fest, dass dieses Heft sehr speziell werden<br />
würde. Den Fokus auf den Kunstflug zu legen bot sich aus mehreren<br />
Gründen an: So haben nicht wenige Piloten die Kunstflugberechtigung<br />
in ihrer Lizenz eingetragen, sind also selbst gerne<br />
in anormalen Fluglagen oder im Grenzbereich ihres Flugzeugs<br />
unterwegs. Weiterhin bieten der Kunstflug und vor allem die<br />
Kunstflugausbildung die Chance, eben jene Grenzbereiche kontrolliert<br />
auszuloten. Was macht mein Flugzeug, wenn ich das und<br />
das tue, und vor allem: Wie bringe ich es wieder in den Normalflug<br />
zurück? Wer weiß, wie sich das Trudeln anfühlt, der wird<br />
nicht sofort in Panik geraten, sondern sein Fluggerät mit beherzten<br />
Steuereingaben wieder unter Kontrolle bringen, wenn es<br />
darauf ankommt. Im Notfall kann einem die Erfahrung aus der<br />
Übung das Leben retten. Und nicht zuletzt sieht akkurater Kunstflug<br />
einfach schön aus und begeistert die Zuschauer – egal, ob<br />
sie noch nie einen Steuerknüppel in der Hand hatten oder auf<br />
hunderte Flugstunden zurückblicken.<br />
Der vorliegende <strong>aerokurier</strong> zeigt das Thema Kunstflug in vielen<br />
Facetten: Angefangen vom erfahrenen Airliner-Kapitän, der in<br />
der Akro-Ausbildung so manches neu entdeckt, über die richtigen<br />
Kunstflugmaschinen wie Decathlon, Extra und sogar das UL<br />
Twister bis hin zu einem Segelflieger, der sich so gar nicht<br />
festlegen will, ob nun der Strecken- oder der Kunstflug das einzig<br />
Wahre ist. Ergänzt werden diese Beiträge um Praxistipps, die<br />
nicht nur für den Kunstflieger relevant sind. Schließlich laden<br />
zwei ungewöhnliche Reisegeschichten dazu ein, noch einmal in<br />
Normalfluglage in die Ferne zu schweifen – entweder, um dem<br />
kulinarischen Genuss zu frönen oder mit einem ganz kleinen<br />
Fluggerät das größtmögliche Abenteuer zu wagen.<br />
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass Ihnen trotz<br />
der vielen Kopfstand-Bilder der Griff zur Tüte erspart bleibt.<br />
Im Zweifelsfall das Heft zur Entspannung einfach mal umdrehen.<br />
Lars Reinhold,<br />
Redaktionsleiter <strong>aerokurier</strong><br />
Diskutieren Sie mit! Wir freuen uns über eine E-Mail (redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de), ein Fax (+49 711 182-1781)<br />
oder einen Brief (Redaktion <strong>aerokurier</strong>, Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart) für unser Leserforum. Bitte vergessen<br />
Sie nicht, Ihre Adresse und Telefonnummer für eventuelle Rückfragen anzugeben.<br />
Foto: Lars Reinhold<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 3
36<br />
Das<br />
fliegende Auge<br />
Q01 – Ein Aufklärer aus<br />
dem Hause Stemme<br />
Motorfliegen<br />
6 Die Trike-Globetrotter<br />
Mit einem „fliegenden Motorrad“<br />
umrunden zwei deutsche<br />
Abenteurer die Welt<br />
18 Motorkunstflug lernen<br />
Was Interessenten rund um<br />
die Ausbildung zur Kunstflugberechtigung<br />
wissen müssen<br />
23 Dr. Spornrad ...<br />
... äußert sich dieses Mal zu den<br />
Macken der Airshow-Heroes<br />
24 Super Decathlon<br />
Gemeinsam mit Matthias<br />
Dolderer unterwegs im<br />
beliebten Akro-Schulflugzeug<br />
40 Genuss-Reise<br />
Wer Fliegerei und Kulinarik<br />
zugleich genießen will, sollte<br />
einen Trip nach Spanien planen<br />
102 Tollkühne Pilotin im Porträt<br />
Kunstfliegerin Yvonne Schönek<br />
geht es gar nicht ums Adrenalin.<br />
Behauptet sie jedenfalls...<br />
Magazin<br />
30 Hinter Extras Toren<br />
Ein Blick in die Produktion der<br />
erstklassigen Kunstflugzeuge<br />
34 OUV auf Zukunftskurs<br />
Neuer Vorstand und neue Ziele<br />
für die Selbstbauer<br />
36 Reiner Stemme Q01<br />
Eine neues Aufklärungsflugzeug<br />
von Stemme UAS für die Welt<br />
38 GA Roadmap der EASA<br />
Was erreicht wurde und was<br />
geplant ist<br />
Inhalt Nr. 5 <br />
Mai <strong>2016</strong> I 60. Jahrgang<br />
6<br />
4 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong><br />
<strong>aerokurier</strong> gibt es auch als E-Paper.<br />
Mehr Infos: www.<strong>aerokurier</strong>.de/epaper
UL/LSA<br />
46 Kunstflug mit ULs<br />
Was die Ultraleichten können,<br />
zeigen Peter Wells und Chris<br />
Burkett mit ihren Twistern<br />
Business Aviation<br />
52 Neues im Geschäftsflug<br />
Einblick in die Projekte der<br />
großen Hersteller<br />
Praxis<br />
55 HPL im Kunstflug<br />
Wie g-Kräfte wirken, und wie<br />
man sich darauf vorbereitet<br />
58 Expertentipp<br />
Pflege für das Gurtzeug<br />
59 Luftrecht<br />
Paragrafen zum Kunstflug<br />
60 Sprit und Öl müssen fließen<br />
Was kunstflugtaugliche Aggregate<br />
von normalen unterscheidet<br />
64 Unfallanalyse<br />
Kunstflug gegen alle Regeln<br />
und im falschen Flugzeug<br />
Segelfliegen<br />
66 Akro und Strecke?<br />
Kunst- und Streckenflug müssen<br />
nicht zwei Welten bilden, sagt<br />
Wolfgang Schieck im Interview<br />
74 Fliegerschule Wasserkuppe<br />
Die Förderschule hat ein großes<br />
Programm für Lizenzinhaber<br />
Titelthemen<br />
im Abo<br />
Coupons auf den Seiten 63 und 77<br />
76 TopMeteo in SeeYou<br />
In SeeYou kann jetzt mit dem<br />
aktuellen Wetter von TopMeteo<br />
geplant werden<br />
78 Erfolgsprojekt fs31<br />
Der Schuldoppelsitzer hat<br />
Schule gemacht<br />
Rubriken<br />
3 Editorial<br />
17 News<br />
83 <strong>aerokurier</strong>-Markt<br />
92 Jobbörse<br />
100 Termine<br />
101 Impressum<br />
1<strong>05</strong> Leserforum<br />
106 Vorschau<br />
30<br />
102<br />
24<br />
66<br />
18<br />
Titelfotos: Akaflieg Stuttgart, Karl Drage / Twister Aerobatics, Trike-Globetrotter<br />
Fotos: Ralf Athen, Frank Herzog, Frank Martini, Gerhard Marzinzik, Erwino Nitz, Stemme, Trike-Globetrotter<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 5
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Die Trike Globetrotter<br />
NOMA<br />
DER LÜ<br />
Wenn Menschen ihr altes Leben für einen<br />
Traum aufgeben, können sie alles verlieren.<br />
Oder das ganz große Los ziehen und ein<br />
neues, intensives Leben beginnen. So<br />
wie Doreen und Andreas, die mit ihrem<br />
Hängegleiter-Trike um die Welt fliegen.<br />
6 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Sonderbares<br />
Panorama: Über<br />
der Andacollo-<br />
Kupfermine in<br />
Chiles Bergen.<br />
DEN<br />
FTE<br />
AUTOR: Lars Reinhold<br />
FOTOS: Trike Globetrotter<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 7
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Kleines Trike über<br />
großer Stadt: im<br />
Anflug auf Rosario<br />
in Argentinien.<br />
8 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
„VIELE SCHNAPSIDEEN VERLIEREN<br />
NÜCHTERN BETRACHTET IHREN REIZ.<br />
UNSER PLAN ABER STAND FEST.“<br />
Ein selbst gekochtes<br />
Süppchen beim<br />
Picknick im<br />
Monument Valley.<br />
Schneebedeckte Berge. Inseln<br />
im türkisen Wasser. Regenwald.<br />
Wüsten. Großstädte und<br />
kleine Dörfer. Flughäfen und<br />
Landebahnen. Das alles aus der Vogelperspektive.<br />
Eigentlich keine ungewöhnlichen<br />
Bilder im <strong>aerokurier</strong>.<br />
Allein das Vehikel im Vordergrund<br />
sorgt für Staunen: ein Hängegleiter-<br />
Trike, beladen mit bescheidener Campingausrüstung<br />
und zwei verwegenen<br />
Abenteurern.<br />
Die Geschichte, die Andreas Zmuda<br />
und Doreen Kröber beim Treffen<br />
mit dem <strong>aerokurier</strong> im Terminal des<br />
Tegeler Flughafens erzählen, ist so<br />
verwegen, dass man den beiden auf<br />
die Schulter klopfen und professionelle<br />
Hilfe empfehlen möchte. Allerdings:<br />
Für jede Episode haben die<br />
beiden Foto- und Videobeweise. So<br />
absurd die Geschichte der Weltumrundung<br />
mit einem „fliegenden Motorrad“<br />
auch klingen mag – die beiden<br />
ziehen ihren Plan durch.<br />
2010 hatten sie sich bei einer<br />
Amazonas-Expedition kennengelernt,<br />
Andreas war Reiseleiter, Doreen Teilnehmerin.<br />
„Ich habe mich Hals über<br />
Kopf in diese Frau verknallt und bin<br />
nach 25 Jahren als Überlebenskünst-<br />
In Guayaquil (Ecuador)<br />
müssen die ,Großen‘<br />
Flieger warten, bis das<br />
Trike auf dem Boden ist.<br />
Jubel am Airport Santo<br />
Domingo. Endlich angekommen<br />
in der Dominikanischen<br />
Republik!<br />
Im Anflug auf<br />
San Ignacio, Belize.<br />
Hier lebte Andreas<br />
einige Jahre.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 9
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
„DAS SCHÖNSTE AUF UNSERER REISE<br />
IST DIE KAMERADSCHAFT DER<br />
FLIEGER, DIE WIR ÜBERALL ERLEBEN.“<br />
Spiel mit den Wolken<br />
nach der Andenüber<br />
querung in<br />
Argentinien.<br />
Schattenspiel bei<br />
der Landung auf dem<br />
Flughafen St. Vincent<br />
in der Karibik.<br />
10 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Logenplatz mit Blick<br />
auf den Zuckerhut:<br />
Allein mit dem Trike<br />
über Rio de Janeiro.<br />
Selfie mit Sonne im<br />
Rücken: Kurz darauf<br />
geht es los Richtung<br />
Las Vegas.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 11
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
„ES WAR BEFREIEND, END-<br />
LICH LOSZUFLIEGEN UND<br />
DEN WIND ZU SPÜREN.“<br />
Wie im Reisekatalog:<br />
Grüne Inseln und türkises<br />
Meer bieten die Tobago<br />
Keys in der Karibik.<br />
ZUM BLOG<br />
der Globetrotter geht<br />
es über den QR-Code<br />
oder www.<strong>aerokurier</strong>.de/<br />
globetrotter. Hier<br />
schreiben Doreen<br />
und Andreas ab sofort<br />
exklusiv für den<br />
<strong>aerokurier</strong> über ihre<br />
Reise. Außerdem gibt es<br />
hier einige spektakuläre<br />
Videos der Trikeflieger.<br />
ler in allen Teilen der Welt nach<br />
Deutschland zurückgekehrt. Es war<br />
mitten im Dezember, und ich besaß<br />
nicht mal ein Paar Socken, weil ich<br />
zuletzt in der Karibik gelebt habe.“<br />
Die Idee zur Weltumrundung mit<br />
dem Trike entstand im Februar 2012<br />
bei einer Flasche guten Weins. „Die<br />
Urlaubsplanung stand an, es sollte<br />
unser erster gemeinsamer Sommerurlaub<br />
werden“, erzählt Doreen. „Bei<br />
der ersten Flasche Wein erfuhr ich,<br />
dass Andreas einen Pilotenschein hat.<br />
So kamen wir auf die Idee, ein Wohnmobil<br />
zu mieten und einige Wochen<br />
durch die USA zu touren und da zu<br />
fliegen. Als die zweite Flasche entkorkt<br />
war, diskutierten wir darüber, ob ich<br />
nicht eine längere Auszeit nehmen<br />
und wir den ganzen amerikanischen<br />
Kontinent aus der Luft erkunden<br />
könnten. Am Ende von Flasche drei<br />
war der Plan, unser altes Leben aufzugeben<br />
und mit dem Trike die Welt<br />
zu umrunden, perfekt.“<br />
Viele Schnapsideen verlieren ja<br />
nüchtern betrachtet ihren Reiz. „Unsere<br />
Entscheidung aber stand auch<br />
am nächsten Morgen noch“, sagt<br />
Andreas. Jetzt galt es, einen Zeitplan<br />
aufzustellen und das alte Leben re-<br />
gelrecht abzuwickeln. „Als Starttermin<br />
wählten wir Mitte Juni, denn<br />
Doreen, die als Ingenieurin am Berliner<br />
Flughafen mitarbeitete, wollte<br />
die Eröffnung noch miterleben. Ein<br />
aus heutiger Sicht utopischer Plan.“<br />
Fünf Monate blieben also.<br />
Welches Fluggerät nehmen wir?<br />
Was muss mit? Klamotten, Campingausrüstung,<br />
Foto- und Videoequipment,<br />
Ersatzteile – für eine Tour<br />
dieser Art gibt es keine Reiseführer.<br />
Wohnung auflösen, das Hab und Gut<br />
zu Geld machen. „300 Designerkleider<br />
und 200 Paar Schuhe habe ich<br />
verkauft“, sagt Doreen ein bisschen<br />
wehmütig. „Nur ein Blümchenkleid<br />
ist geblieben, denn das ist knitterfrei<br />
und leicht.“ Auch ihrer Familie musste<br />
Doreen irgendwie das geplante<br />
Abenteuer verklickern. Nach Schule,<br />
Leistungssport, Studium und gutem<br />
Job ein derartiger Ausstieg – begeistert<br />
waren die Kröbers nicht. Außerdem<br />
brauchte jeder drei Reisepässe.<br />
„Mir war klar, dass es in gewissen<br />
Staaten Probleme geben würde, wenn<br />
im Pass Stempel gewisser anderer<br />
Staaten drin sind“, sagt Andreas.<br />
Was das Fluggerät anging, fiel die<br />
Wahl auf ein DTA Voyageur II mit<br />
Rotax-912S-Motor. Auch die Frage<br />
nach Werkzeug und Ersatzteilen stand<br />
im Raum. „Auf Nachfrage schickte<br />
uns DTA eine Vorderachse für das<br />
Trike“, sagt Andreas. „Damals kam<br />
uns das komplett sinnlos vor, aber<br />
wir packten das schwere Teil ein.<br />
Auch zwei Propellerblätter wanderten<br />
ins Gepäck.“ Für die Routenplanung<br />
holten sich die Globetrotter<br />
Hilfe bei White Rose Aviation, einem<br />
englischen Dienstleister, der sich auf<br />
das Einholen von Überfluggenehmigungen<br />
spezialisiert hat.<br />
Am 8. Juni brechen Andreas und<br />
Doreen auf, reisen von Tegel aus per<br />
Linienflug in die USA. Die Weltreise<br />
soll am 21. Juli 2012 beginnen, Andreas<br />
50. Geburtstag. Bis dahin gilt<br />
es noch eine Hürde zu meistern: Andreas<br />
muss seinen US-PPL machen,<br />
denn das Trike soll als LSA zugelassen<br />
werden. Außerdem muss es in<br />
die USA geliefert und dort zusammengebaut<br />
werden. „Das Trike kam<br />
mit zweiwöchiger Verspätung in<br />
Zephyrhills in Florida an, aber ohne<br />
Papiere“, berichtet Andreas von den<br />
Startschwierigkeiten. „Es war ein<br />
Akt, die ganzen Dokumente zu organisieren<br />
und unseren Flieger zuzu-<br />
12 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
lassen. Und dann, ja dann hab ich auch<br />
noch die Flugprüfung verhauen.“ Trotz<br />
25 Stunden Erfahrung auf Flächenflugzeugen,<br />
15 im Gyrocopter und 150<br />
auf Trikes fällt Andreas zweimal durch<br />
die Theorie. „Erst im dritten Anlauf<br />
hat es geklappt, die Praxis hingegen<br />
ging reibungslos.“ Einen Tag vor dem<br />
geplanten Abflug ist die Lizenz im<br />
Sack. „Ich bin ihm einfach nur um<br />
den Hals gefallen“, erinnert sich Doreen<br />
an den Moment, in dem die<br />
letzte große Hürde genommen war.<br />
Das Trike bekommt das Kennzeichen<br />
N217TG. Die 217 steht für den Starttag,<br />
TG für Trike Globetrotter.<br />
Bis Mitternacht packen die beiden<br />
ihre Ausrüstung zusammen. Eine<br />
wasserdichte Packrolle fasst den gesamten<br />
„Hausrat“, der geblieben ist.<br />
„Pro Nase vier T-Shirts, ein Hemd für<br />
Andreas, mein Blümchenkleid“, erklärt<br />
Doreen, die als Lademeisterin für das<br />
Equipment verantwortlich ist. „Dazu<br />
fünfmal Unterwäsche, Skisocken,<br />
Crocs, Turnschuhe, Toilettenartikel<br />
und Kleinkram wie Dokumente, Bargeld,<br />
Kreditkarten. Und natürlich<br />
Wasser und Notverpflegung – inklusive<br />
einer Flasche Rotwein.“ Die<br />
Rolle wiegt ganze zwölf Kilogramm.<br />
Außerdem verzurren die beiden Abenteurer<br />
ein ultraleichtes Campingzelt,<br />
Isomatten, Schlafsäcke und Kochausrüstung<br />
am Trike, in einer Tasche hat<br />
Doreen außerdem die Foto- und<br />
Videoausrüstung immer griffbereit.<br />
Von Zephyrhills aus starten sie in<br />
Richtung Suwannee am Golf von Mexiko.<br />
„Es war befreiend, endlich loszufliegen,<br />
den Wind im Gesicht zu<br />
spüren“, sagt Andreas. Nach 257<br />
Kilometern sind die beiden wieder<br />
am Boden. 257 Kilometer von rund<br />
160 000 sind geschafft. Und gleich bei<br />
ihrem ersten Stopp erleben sie das,<br />
was sie als herzliche Kameradschaft<br />
unter Fliegern überall auf der Welt<br />
bezeichnen. „Auf dem Flugplatz haben<br />
einige Mechaniker einen Geburtstag<br />
gefeiert. Wir wurden direkt eingeladen,<br />
dazuzukommen, und als wir<br />
von unserer Reise erzählten, bot man<br />
uns an, im Büro zu übernachten. So<br />
lagen wir mit Isomatte, Schlafsack<br />
und zwei Hunden auf dem Boden und<br />
waren die glücklichsten Menschen<br />
der Welt!“<br />
Weiter geht die Reise über Georgia,<br />
Tennessee und Indiana. Pünktlich<br />
zum AirVenture wollen Doreen und<br />
Andreas in Oshkosh einfliegen. Dieser<br />
Plan findet in Kentland nahe Chicago<br />
ein jähes Ende. „Im Landeanflug<br />
erwischte uns hier eine heftige Windböe,<br />
das Trike setzte ziemlich hart<br />
auf und drehte sich dann um die<br />
Hochachse“, berichtet Andreas. „Das<br />
Ergebnis war ein verzogener Rahmen<br />
und eine gebrochene Achse. Aber<br />
genau dafür hatten wir ja Ersatz dabei.“<br />
Die Reise nach Oshkosh treten<br />
die beiden daraufhin im Mietwagen<br />
an. „Das war die Höchststrafe.“ Dass<br />
sie sich von mehreren Oshkosh-Veteranen<br />
anhören müssen, der Plan,<br />
mit dem Trike um die Welt zu fliegen,<br />
sei komplett bescheuert, verkommt<br />
dabei zur Fußnote. „Das war mit Augenzwinkern“,<br />
versichert Andreas.<br />
Allerdings bleibt ein Problem: Das<br />
Trike ist kaputt und die Ersatzteile<br />
kommen nicht. Der Hersteller hat<br />
volle zwei Monate Betriebsferien. Die<br />
Verzögerung nutzen Andreas und<br />
Doreen, um nach Kuba zu düsen und<br />
die Insel mit dem Motorroller zu erkunden.<br />
Als die Reparaturen Ende September<br />
erledigt sind, geht es weiter. Am<br />
Flughafen von Logan in Utah wieder<br />
das Roulette der Gastfreundschaft:<br />
„Ein Mechaniker lud uns ein, bei sich<br />
zu übernachten“, sagt Andreas und<br />
fängt an zu lachen. „Als die Terminalmanagerin<br />
von unserem Plan erfuhr,<br />
kam das erste Upgrade, nämlich die<br />
Einladung in ihre Wohnung. Als auch<br />
noch der Flughafenchef davon Wind<br />
bekam, hieß es, wir könnten in seinem<br />
Haus gleich mehrere Tage bleiben,<br />
wenn wir wollten. Echt unglaublich!“<br />
Auch andernorts hilft man den Abenteurern.<br />
„Es kam mehrfach vor, dass<br />
uns Mechaniker einfach ihren Autoschlüssel<br />
in die Hand gedrückt und<br />
gesagt haben: ,Fahrt ihr in die Stadt,<br />
holt euch, was ihr braucht.‘ In der<br />
Zwischenzeit haben sie sich um den<br />
Check des Trikes gekümmert.“<br />
Über fantastische Landschaften<br />
wie das Monument Valley geht es im<br />
November 2012 nach Mexiko. Hier<br />
müssen die Trike Globetrotter aufgrund<br />
heftiger Turbulenzen unplanmäßig<br />
landen. Dumm nur, dass die<br />
Piste zu einem Dorf gehört, in dem<br />
die lokale Drogenmafia das Sagen hat.<br />
„So richtig geheuer war uns das nicht,<br />
aber die Leute haben dreimal am Tag<br />
für uns gekocht. Als das Wetter wieder<br />
besser wurde, konnten wir einfach<br />
weiterfliegen“, erinnert sich der<br />
Trikepilot.<br />
In 15 000 Fuß Höhe passieren Doreen<br />
und Andreas Mexico City – hier<br />
kommt erstmals die Sauerstoffanlage<br />
zum Einsatz. Für den Abschnitt von<br />
Panama City nach Kolumbien geht<br />
es 350 Kilometer über unlandbaren<br />
Dschungel – bei einer Cruise Speed<br />
von 60 Knoten kommt das Trike insgesamt<br />
rund 500 Kilometer weit.<br />
„Mitte Juli 2013, auf dem Weg zum<br />
Flugplatz Tumaco in Kolumbien, zog<br />
unter uns die Wolkendecke immer<br />
mehr zu – kein Loch, um durchzuschlüpfen.<br />
Als wir die Fluglotsen auf<br />
unsere Lage aufmerksam machten,<br />
schickte das Militär zwei Kampfjets,<br />
die für uns ein Loch in den Wolken<br />
suchten und uns nach unten brachten“,<br />
berichtet Andreas von einer<br />
weiteren denkwürdigen Episode. Am<br />
Boden habe es aber nicht etwa Ärger<br />
gegeben. „Stattdessen kam ein Golfcart<br />
mit heißem Kaffee, und als die<br />
Kampfpiloten von unserer Geschichte<br />
hörten, schnitten sie tatsächlich<br />
ihre Hoheitsabzeichen von den Uniformen<br />
und gaben sie uns als Andenken<br />
mit.“<br />
Und die denkwürdigen Episoden<br />
werden immer mehr. Manche Waldstücke<br />
müssen die Globetrotter hoch<br />
überfliegen, um vor den Waffen der<br />
Guerilla sicher zu sein. In Esmeraldas<br />
ist die Wolkendecke einmal mehr so<br />
dicht, dass ein Guide ein Loch sucht<br />
Die gute Laune fliegt<br />
immer mit. Ready for<br />
take-off in Nicaragua<br />
Richtung Costa Rica.<br />
Ungläubig staunen die<br />
kolumbianischen<br />
Jagdflieger über das<br />
Fluggerät der Globetrotter.<br />
Bei einer Expedition im<br />
Amazonasdschungel<br />
haben sich Andreas und<br />
Doreen kennengelernt.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 13
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
„EISKALTE HÄNDE UND SCHÜTTELFROST<br />
TROTZ HEIZKLAMOTTEN. ABER DIE<br />
GEWISSHEIT, ETWAS EINMALIGES ZU TUN.“<br />
Die fliegenden Nomaden:<br />
Minimalistischer als mit<br />
dem Trike kann man kaum<br />
in der Luft unterwegs sein.<br />
Schaulustige nach der<br />
Notlandung am Strand<br />
in Ecuador (rechts).<br />
Gut sortiertes<br />
Ersatzteillager<br />
am Logan<br />
Airport.<br />
Zu zweit in einem Trike<br />
über die Anden, das gab<br />
es noch nie! Andreas und<br />
Doreen als Pioniere.<br />
Im brasilianischen<br />
Sāo Félix heißt<br />
es einmal mehr<br />
„auftanken bitte“.<br />
14 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Ein buntes Mosaik<br />
bilden die Dächer der<br />
Häuser in Paramaribo,<br />
Surinams Hauptstadt.<br />
– dieses Mal ein Airbus A320 der<br />
Fluglinie TAME. In Ecuador muss<br />
Andreas wegen eines plötzlich aufziehenden<br />
Sturms notlanden. Mangels<br />
alternativer Pisten setzt er das Trike<br />
auf einen Sandstrand. „Da habe ich<br />
nur noch gebetet“, sagt Doreen. In<br />
Chile geht den Globetrottern fast der<br />
Sprit aus, weil sie wegen Bodennebels<br />
nicht landen können. Sie stranden<br />
schließlich auf einer alten Sandlandebahn<br />
in der Wüste. „Dort gab es<br />
freilich keinen Funkempfang, um<br />
unseren Flugplan zu schließen. Ich<br />
kletterte in voller Montur auf einen<br />
Hügel und setzte Blindsendungen ab.<br />
Da meldete sich eine Maschine der<br />
COPA Airlines und bot an, die Landemeldung<br />
an den Tower in Santiago<br />
weiterzugeben. Wieder half ein<br />
Airliner-Kapitän zwei Trikefliegern!“<br />
Während Andreas viele Stunden<br />
braucht, um zur nächsten Straße zu<br />
marschieren, per Anhalter in die Stadt<br />
zu fahren und Wasser, Lebensmittel<br />
und Sprit zu organisieren, bekommt<br />
Doreen in der Wüste Besuch: einmal<br />
von drei Männern, die von dem Abenteuer<br />
so begeistert sind, dass sie<br />
kalte Cola und ihre Sandwiches dalassen,<br />
einmal von zwei mürrischen<br />
Beamten, die bemängeln, dass das<br />
ein Privatflugplatz sei, der zum Paranal-Observatorium<br />
gehöre. Als sie<br />
von der misslichen Lage der Flieger<br />
hören, ziehen sie vondannen.<br />
Dann steht das bislang größte<br />
Abenteuer der Globetrotter an: Doreen<br />
und Andreas starten nach einer<br />
Woche wetterbedingter Bodenpause<br />
am 12. April 2014 um 10.48 Uhr in<br />
Puerto Montt und gehen auf Kurs Ost.<br />
Sie steigen auf 2100 Meter, passieren<br />
den Llanquihue-See und die Vulkane<br />
Osorno, Calbuco und Tronador. „Es<br />
war, als flöge man über eine Toblerone-Landschaft<br />
mit Zuckerglasur,<br />
die von türkisen Bergseen gesäumt<br />
ist“, schwärmt Andreas. „Minus zwei<br />
Grad, eiskalte Hände und Schüttelfrost<br />
trotz Heizklamotten, aber der Ausblick<br />
und das Gefühl, etwas Einmaliges<br />
zu tun, entschädigten für alle Strapazen.“<br />
Zwei Stunden und 11 Minuten<br />
dauert der Ritt, und als sie auf<br />
der Landebahn in Bariloche, Argentinien,<br />
ausrollen, gehen sie in die<br />
Geschichtsbücher ein – als die Ersten,<br />
die zu zweit in einem Hängegleiter-<br />
Trike die Anden überquert haben.<br />
Einige Tagestrips weiter westlich<br />
kommt es fast zur Katastrophe: Im<br />
Endanflug auf den Airport Rosario<br />
hört Andreas im Funk einen Airliner,<br />
der ebenfalls im Endanflug auf dieselbe<br />
Piste ist. Auf Nachfrage bestätigt<br />
der Lotse die Landefreigabe für<br />
das Trike. „Ich habe mich umgeschaut<br />
und kein anderes Flugzeug gesehen“,<br />
sagt Andreas, und Doreen ergänzt:<br />
„Kurz vorm Aufsetzen habe ich nach<br />
vorne gezeigt und gebrüllt ,Daaaaa!!‘“.<br />
Der Airbus hat den Platz ohne Clearance<br />
von der anderen Seite aus angeflogen,<br />
plötzlich sind Trike und<br />
Airliner auf Kollisionskurs. „Im letzten<br />
Moment brüllte der Fluglotse den<br />
Kapitän an, durchzustarten, und der<br />
Riese donnerte in beängstigend geringer<br />
Höhe über uns weg.“ Einige<br />
Interviews, viele Titelseiten und eine<br />
Flugsicherheitsuntersuchung später<br />
können die beiden weiterfliegen.<br />
Im August 2014 erleben die Globetrotter<br />
in Rio de Janeiro einmal<br />
mehr, welche Tore sich öffnen, wenn<br />
andere mitbekommen, dass man mit<br />
einem motorisierten Klappstuhl die<br />
Welt umrundet. „Ein Fluglotse, der<br />
auch in einem kleinen Luftsportclub<br />
aktiv ist, hat für uns den Luftraum<br />
um die Christusstatue gesperrt, damit<br />
wir sie zweimal umfliegen konnten“,<br />
Der Flug nach Guadeloupe<br />
ging eine Stunde<br />
nur übers Wasser. Notlandeplatz?<br />
Fehlanzeige.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 15
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Ab und an startet<br />
Andreas alleine<br />
zu einer kleinen<br />
Erkundungstour.<br />
Wo das Trike auch<br />
landet, alle Medien<br />
wollen die Story.<br />
Über Chile wird es<br />
mitunter richtig kalt.<br />
Ein Vorgeschmack auf<br />
die bald bevorstehende<br />
Andenüberquerung.<br />
Zwei Abenteurer, ein<br />
Trike, eine Idee: Wann<br />
sie wieder zu Hause<br />
sind, wissen die<br />
beiden noch nicht.<br />
sagt Andreas. „Normalerweise ist da<br />
alles voll mit Hubschraubern, die<br />
Bohrinseln versorgen, Touristen um<br />
die Statue fliegen oder Geschäftsleute<br />
von A nach B kutschieren. Aber<br />
für ein kleines Trike grounden die<br />
alle anderen – unfassbar! Allein mit<br />
‚Christus‘, hunderte Meter über der<br />
Stadt – es war Wahnsinn!“<br />
2015 lassen es die beiden etwas<br />
ruhiger angehen, arbeiten sich langsam<br />
bis in die Karibik vor und stellen<br />
das Trike für die Winterpause in Santiago<br />
in der Dominikanischen Republik<br />
ab. Die Frühjahrsmonate <strong>2016</strong><br />
verbringen sie – wie jeden Winter<br />
– in Deutschland; mit Vorträgen über<br />
ihre Tour füllen sie die Reisekasse<br />
wieder auf. „Es reicht eben irgendwie,<br />
ich arbeite ja nebenbei auch noch für<br />
einen Reiseveranstalter. Homeoffice<br />
eben, oder besser: Zeltoffice.“<br />
Seit April sind die Globetrotter<br />
wieder unterwegs, im Sommer steht<br />
mit der Route Kanada–Grönland–Island–Färöer<br />
und Norwegen der Sprung<br />
über den Atlantik an. Das Endziel:<br />
Australien. „Inzwischen ist es für uns<br />
keine Tour mehr“, sagt Andreas. „Es<br />
ist die Art, wie wir leben wollen – als<br />
fliegende Nomaden.“<br />
ae<br />
Die Reiseroute USA und Südamerika<br />
Vom 21. Juli bis zum<br />
29. Oktober 2012<br />
überfliegen Andreas<br />
und Doreen die USA.<br />
Mexiko und Mittelamerika<br />
passieren sie<br />
bis Ende April 2013.<br />
Von Kolumbien aus<br />
fliegen sie nach<br />
Süden und setzen am<br />
12. April 2014 in<br />
Südchile zum Sprung<br />
über die Anden an.<br />
Wieder Richtung<br />
Norden unterwegs,<br />
erreichen sie am 31.<br />
Juli 2014 Rio de<br />
Janeiro. Im September<br />
geht es über den<br />
Amazonas und im<br />
Frühjahr 2015 in<br />
Richtung Karibik. Auf<br />
den British Virgin<br />
Islands verbringen sie<br />
ihr „Dreijähriges“ und<br />
parken das Trike Ende<br />
2015 in der Dominikanischen<br />
Republik.<br />
Im Sommer <strong>2016</strong> soll<br />
es über Kanada,<br />
Grönland, Island und<br />
die Färöer-Inseln nach<br />
Norwegen gehen.<br />
16 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
[ NEWS ]<br />
F-Schlepp<br />
KLARHEIT ZUR KUPPLUNG<br />
Welche Voraussetzungen sind Pflicht für einen F-Schlepp an<br />
der Schwerpunktkupplung? Diese Frage dürften sich zum Saisonstart<br />
viele Segelflieger gestellt haben, nachdem mehrere unterschiedliche<br />
Auffassungen zur Rechtslage durch Fachpublikationen<br />
und Stammtischgespräche geisterten. Der aktuelle Stand bei<br />
Redaktionsschluss ist, dass die in § 30 der 3. DV zur LuftBO aufgeführte<br />
Regelung, laut der Segelflugzeugführer für Flugzeugschleppstarts<br />
an der Schwerpunktkupplung mindestens fünf<br />
F-Schlepps in den letzten sechs Monaten vorweisen müssen, nicht<br />
mehr gilt. Am 8. April positionierte sich der DAeC dahingehend,<br />
dass der § 30 eine lizenzrechtliche Frage regele, die aber inzwischen<br />
in der vorrangigen EU-Verordnung 1178/2011 erfasst sei. Darin<br />
würden bezüglich des F-Schlepps an der Schwerpunktkupplung<br />
keinerlei Einschränkungen formuliert. Im Übrigen bleiben die 3.<br />
DV zur LuftBO wie auch die LuftBO selbst und die anderen Durchführungsverordnungen<br />
vorerst in Kraft, soweit die nationalen<br />
deutschen Verordnungen keine lizenzrechtlichen, sondern flugbetriebliche<br />
Regelungen enthalten, hieß es. Erich Daum vom Referat<br />
Luftfahrt im Bundesverkehrsministerium bestätigte auf DAeC-<br />
Nachfrage diese Einschätzung, wies aber darauf hin, dass es den<br />
Segelflugvereinen freigestellt sei, intern einen Übungsstand analog<br />
§ 30 für entsprechende Starts festzuschreiben.<br />
Volocopter<br />
ERSTER BEMANNTER FLUG<br />
Der elektrisch angetriebene VC200 von e-volo hat in Karlsruhe seinen<br />
ersten bemannten Flug erfolgreich absolviert. Am Steuer des Multicopters<br />
saß e-volo-Geschäftsführer Axel Zosen. Angetrieben wird<br />
das 450 Kilogramm schwere Fluggerät von 18 Rotoren, die von neun<br />
Akkus versorgt werden. Die Power reicht für ein Tempo bis 100 Stundenkilometer.<br />
Als Nächstes stehen die vollständige Erprobung und<br />
die Zulassung des Zweisitzers an. Das Karlsruher Unternehmen rechnet<br />
mit der Serienfertigung innerhalb der nächsten zwei Jahre.<br />
Ready to fly<br />
RANS BAUT DIE S-20 JETZT AUCH SELBST<br />
Der Bausatzhersteller Rans hat für seine S-20LS die Zulassung als Special<br />
Light Sport Aircraft (SLSA) von der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA<br />
erhalten. Damit können Kunden das Modell endmontiert vom Hersteller<br />
beziehen. Bislang war die S-20 nur als Selbstbau in der Experimental-<br />
Kategorie zugelassen. Neben sieben Kits bieten die Amerikaner damit<br />
jetzt vier Ready-to-fly-Modelle an. Für die knapp 600 Kilogramm schwere<br />
Einmot hält Rans diverse Optionen bereit: So sind sechs Motoren mit<br />
einer Leistung von 80 bis 180 PS erhältlich, ebenso wie drei Cockpitausfüh<br />
rungen mit Analog- oder Digitalinstrumenten.<br />
Fotos: Holger Weitzel, Volocopter, Ransdesigns<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 17
[ MOTORFLIEGEN Kunstflug-Ausbildung<br />
Motorkunstflug lernen<br />
IT<br />
AthenINVERTEDDO<br />
AUTOR: Christian Böhm<br />
FOTOS: Christian Böhm; ILLUSTRATIONEN: Ralf<br />
Als Neuling in der Fliegerei gewinnt man schnell den Eindruck, sich ohne<br />
Grenzen im Raum frei bewegen zu können. In der Flugausbildung wird<br />
man aber schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, schränken<br />
doch g-Limits und Gesetze die Freiheit ein. Wagt man den Schritt zum<br />
Kunstflieger, wird die Grenzenlosigkeit wieder ein Stück mehr erfahrbar.<br />
Die Schlösser von Fallschirm<br />
und Sicherheitsgurt klicken.<br />
Ich ziehe die Bänder so<br />
straff es geht und sitze nun<br />
fest angeschnallt auf dem vorderen<br />
Sitz der Super Decathlon. Trotz mehrerer<br />
Tausend Flugstunden – vornehmlich<br />
auf der Boeing 737 – und<br />
mehr als 1000 auf Ultraleichtflugzeugen,<br />
davon viele als Fluglehrer, finde<br />
ich mich nun selbst in der Rolle des<br />
Schülers wieder. Motorkunstflug lernen<br />
lautet mein selbst gewählter Auftrag<br />
für die nächsten Tage.<br />
Schräglagen und Längsneigungen,<br />
auch über das normale Maß hinaus,<br />
konnte ich in meiner Fliegerlaufbahn<br />
schon zur Genüge kennenlernen, auch<br />
laden agile ULs gerne zu Turnübungen<br />
ein. Allerdings ist man hier an<br />
Limits gebunden. Von meiner Segelkunstflug-Ausbildung<br />
vor 15 Jahren<br />
weiß ich noch, dass richtiger Kunstflug<br />
viel mit Disziplin und Training<br />
zu tun hat. Man studiert ein Programm<br />
ähnlich der Choreografie eines Tänzers<br />
ein, um dieses fehlerfrei abzufliegen<br />
– für sich selbst oder aber für<br />
Zuschauer und Wertungsrichter am<br />
Boden. Viele Piloten, die den Kunstflugschein<br />
machen, haben keine<br />
Wettbewerbsambitionen. Sie sehen<br />
die Ausbildung als Sicherheitstraining,<br />
als Erweiterung ihrer Fähigkeiten.<br />
Das Üben von Grenzflugzuständen<br />
oder gar Trudeln kommt bei der normalen<br />
Flugausbildung ja oft zu kurz.<br />
Häufig liegt es am verfügbaren Fluggerät,<br />
nicht weniger häufig am Lehrer,<br />
der gewisse Dinge im Rahmen<br />
seiner eigenen Ausbildung auch noch<br />
nie erlebt hat.<br />
Für mich als Linienpilot gehören<br />
Trainings und Weiterbildung zum<br />
alltäglichen Geschäft. Auch werden<br />
sogenannte Upset-Recoveries und<br />
Stallübungen im Simulator regelmäßig<br />
geübt. Selbst in einer technologisch<br />
so fortgeschrittenen Fliegerei ist eines<br />
wichtiger denn je: das Gefühl für<br />
die Aerodynamik und die Grenzen<br />
des Flugzeugs.<br />
Bevor wir in die Decathlon steigen,<br />
ist einiges an Vorarbeit nötig. Grund-<br />
18 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
sätzlich wird von einem Kunstflugpiloten<br />
in spe viel Eigeninitiative<br />
erwartet. Das beginnt schon bei der<br />
Einweisung auf die neue Maschine<br />
und endet noch nicht bei der Vorstellung,<br />
wie man welche Manöver fliegt<br />
– Frontalunterricht ist hier nicht vorgesehen.<br />
Dennoch, ein ausführliches<br />
Briefing ist unverzichtbar, um sich<br />
kennenzulernen und den geplanten<br />
Flug im Detail abzustimmen. Schließlich<br />
ist in der Luft wenig Zeit zum<br />
Diskutieren.<br />
Nachdem ich mich in der für mich<br />
zunächst fremden Maschine eingerichtet<br />
habe, geht es entsprechend<br />
der Checkliste los. Einspritzer, Constant-Speed-Prop<br />
und Spornrad sind<br />
mir aus meiner fliegerischen Vergangenheit<br />
bereits bekannt. Für einen<br />
Neuling könnten hier bereits die<br />
ersten Hürden liegen, die die Ausbildung<br />
in die Länge ziehen. Denn:<br />
Seine Kunstflugausbildung kann man<br />
bereits mit 40 Flugstunden als PIC<br />
nach Scheinerhalt beginnen.<br />
Bei der Wahl des Kunstflugzeugs<br />
muss man den Spagat schaffen zwischen<br />
dem, was man zu bedienen in<br />
der Lage und dem, was für das Programm<br />
nötig ist. Ein Verstellpropeller<br />
nimmt dem Piloten im Kunstflug die<br />
Arbeit des ständigen Nachregelns ab,<br />
die Tauglichkeit für stationären Rückenflug<br />
ist sinnvoll, um auch Fluglagen<br />
zu üben, die zwar nicht Bestandteil<br />
des Kunstflug-Grundprogramms<br />
sind, aber die Möglichkeit bieten,<br />
bestimmte Flugsituationen zu demonstrieren.<br />
Eine CAP 21 oder die<br />
abgespeckte Version der Decathlon,<br />
die Citabria, sind vielleicht günstiger,<br />
aber hier spart man an der falschen<br />
Stelle. Das andere Ende der Flugstunden-Preisskala<br />
wird von Mustern wie<br />
Jak oder Extra markiert – und hier<br />
ist schon der Normalbetrieb für sich<br />
genommen eine Herausforderung.<br />
Übrigens: Mit einem Kunstflug-Trainer<br />
sind Figuren mitunter schwieriger<br />
zu fliegen als mit einem rollfreudigen<br />
reinrassigen Kunstflugboliden.<br />
Wir rollen zum Start. Run-up, Bahn<br />
frei, und ab geht`s! Die Maschine liegt<br />
Bei der gesteuerten<br />
Rolle müssen alle<br />
Ruder koordiniert<br />
eingesetzt werden.<br />
Der Kunstflugpilot<br />
muss die Orientierung<br />
behalten – auch wenn<br />
die Welt Kopf steht.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 19
[ MOTORFLIEGEN Kunstflug-Ausbildung<br />
Die Kubanische Acht<br />
ist eine komplexe Flugfigur,<br />
die im weiterführenden<br />
Training geübt wird.<br />
Jörg Kuhlmann (hinten)<br />
ist Kunstfluglehrer bei<br />
der Rhein-Mosel-Flug.<br />
Autor Christian Böhm<br />
ist Linienpilot und in<br />
der Freizeit mit seiner<br />
VirusSW in ganz Europa<br />
unterwegs. Zusammen<br />
mit Tomas Jakobs<br />
betreibt er die Website<br />
www.ul-fortbildung.de<br />
und geht auf die<br />
gehobenen Ansprüche<br />
der UL-Szene ein.<br />
gut in der Hand, die Steuerung ist<br />
direkt und bestätigt mich in meiner<br />
Einschätzung, mit der Rhein-Mosel-<br />
Flug eine gute Flugschule gefunden<br />
zu haben. Nicht nur, dass die Ausbildung<br />
auf diesem idealen Acro-Trainer<br />
zum günstigen Preis angeboten wird,<br />
auch geht es hier für erfahrene Flieger<br />
gleich ab der ersten Stunde mit<br />
Kunstflug los und<br />
nicht erst mit einer<br />
langen Einweisung.<br />
Mit meinem Lehrer<br />
Jörg passt es<br />
auch menschlich.<br />
Vielleicht mag es<br />
an der mir vertrauten, klar strukturierten<br />
Arbeitsweise und seiner Art<br />
des Lehrens liegen – Jörg war vorher<br />
bei der Bundeswehr Tornado-Pilot.<br />
Von Anfang an war klar: Wir sprechen<br />
die gleiche Sprache. So sind viele<br />
Begriffe und Phrasen in Flugenglisch<br />
gehalten – analog zur Akro-Literatur<br />
und den Flughandbüchern sowieso.<br />
Als ich 1994 in den USA meine Pilotenausbildung<br />
gemacht habe, ist mir<br />
ein Kunstflugbuch mit dem Titel „Basic<br />
Aerobatics“ von Michael Goulian<br />
– heute Pilot beim Red Bull Air Race<br />
– in die Hände gefallen. Ohne dass<br />
ich`s wusste, ist es das Buch, das Jörg<br />
zur Vorbereitung empfiehlt.<br />
So gehen mir auf dem Weg zur<br />
Kunstflug-Area alle Manöver noch<br />
einmal durch den Kopf. Wieviel g bei<br />
welcher Geschwindigkeit, welches<br />
Ruder wann. Dabei nicht den Faden<br />
verlieren. Und ganz wichtig: was zu<br />
ICH MUSS KRÄFTIG ZIEHEN, DAMIT<br />
IM LOOP 3,5 BIS 4 G ANLIEGEN<br />
UND OBEN NICHT DIE FAHRT FEHLT<br />
tun ist, wenn etwas nicht so läuft<br />
wie geplant. Für diese Fälle hat man<br />
eine Sicherheitsmindesthöhe von<br />
1500 Fuß AGL einzuhalten. Wie in<br />
der Luftfahrt üblich gibt es auch für<br />
die Turnerei eine Obergrenze. Ohne<br />
Flugplan wären das 2500 Fuß – darüber<br />
beginnt der kontrollierte Luftraum.<br />
Dort ist für Kunstflug ein Flugplan<br />
vorgeschrieben.<br />
Das ist auch der erste Punkt der<br />
Kunstflug-Checkliste, die man sich<br />
mit dem Begriff HASELL leicht merken<br />
kann. Das Akronym steht für die<br />
Begriffe Height (die richtige Höhe für<br />
Kunstflug), Airframe (das Flugzeug<br />
in der richtigen Konfiguration), Security<br />
(keine losen Gegenstände im<br />
Cockpit und richtig angeschnallt),<br />
Engine (richtige Triebwerksleistung<br />
gesetzt – in unserem Falle 2500 U/<br />
min), Location (über dem richtigen<br />
Kunstfluggebiet) und Look out (Luftraumbeobachtung).<br />
„Ab dafür“, sind die<br />
letzten Worte von Jörg,<br />
bevor ich am Knüppel<br />
doch kräftiger als erwartet<br />
ziehen muss, bis<br />
die geforderten 3,5 bis<br />
4 g für den Loop, dem Inbegriff des<br />
Kunstflugs, anliegen. Macht man es<br />
zu zaghaft, fehlt oben die Fahrt und<br />
das Manöver wird nicht symmetrisch.<br />
Von unten betrachtet sieht es dann<br />
aus wie ein Ei. Auch sollte man verinnerlicht<br />
haben, wo der Blick zu<br />
welchem Zeitpunkt zu sein hat. So<br />
ist er zu Anfang geradeaus gerichtet;<br />
wenn der Horizont verschwindet, geht<br />
er zur Tragfläche; ab etwa 120 Grad,<br />
also fast in Rückenlage, geht er wieder<br />
nach vorn, um den Horizont zu<br />
suchen und falls nötig die Maschine<br />
20 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Der Looping gilt als Inbegriff<br />
des Kunstfluges. Stimmen<br />
die Steuerkräfte hier<br />
nicht, wird er zum Ei.<br />
Beim Turn geht es darum,<br />
des Flugzeug nach dem<br />
senkrechten Steigflug auf<br />
dem Teller zu drehen.<br />
auszurichten. Solche Abläufe gibt es<br />
für alle Manöver, sie sollten einem<br />
schon vor dem ersten Kunstflug geläufig<br />
sein. Mentales Training, wissen,<br />
was wann wichtig ist. Beobachtet<br />
man Akro-Piloten bei ihren Trockenübungen<br />
am Boden, so machen sie<br />
nichts anderes.<br />
Als Nächstes folgt der Immelmann<br />
oder Aufschwung, eine Kombination<br />
von halbem Loop und Rolle. Hier<br />
kommt das für den „Normalo-Piloten“<br />
ungewöhnliche Kreuzen der Ruder<br />
in der Rückenfluglage zum Tragen.<br />
Denn auf dem Rücken wirken das nun<br />
nach unten zeigende Seitenruder und<br />
auch das negative Wendemoment<br />
umgekehrt. Gut, wenn man eine Maschine<br />
hat, die für stationären Rückenflug<br />
ausgelegt ist. So kann man<br />
das Verhalten des Flugzeugs ausgiebig<br />
studieren – nicht nur während<br />
eines kurzen Manövers.<br />
Noch klarer wird das Ruderverhalten<br />
bei der anschließenden Slow<br />
Roll, der gesteuerten Rolle, bei der<br />
man das Seitenruder während der<br />
ganzen Rolle im ständigen Wechsel<br />
betätigen muss. Diese Flugfigur hat<br />
nur wenig mit der Aileron Roll, der<br />
Fassrolle, zu tun, bei der die Nase<br />
kräftig über den Horizont genommen<br />
und mit voll ausgeschlagenem Querruder<br />
gewartet wird, bis die Flächen<br />
wieder in gerader Position sind. Am<br />
schwierigsten ist so eine gesteuerte<br />
Rolle, wenn man die Maschine ganz<br />
langsam exakt um die Längsachse<br />
rollt.<br />
Der Hammerhead oder Turn, unsere<br />
nächste Figur, war schon im<br />
Segelflug recht anspruchsvoll. Mit<br />
Motor gilt es zudem noch das Drehmoment<br />
des Aggregats zu kompensieren,<br />
alles dem Ziel geschuldet, es<br />
für den unten stehenden Wertungsrichter<br />
perfekt symmetrisch aussehen<br />
zu lassen. Zum Abschluss fliegen wir<br />
eine Reverse Half Cuban Eight, zu<br />
Deutsch: Abschwung.<br />
„Ausheben auf 45 Grad, volles<br />
Querruder, nachdrücken und über<br />
den Top floaten lassen – zum Schluss<br />
langsam die g’s wiederkommen lassen“<br />
– das sind die Worte meines<br />
Instructors, der anscheinend gar nicht<br />
genug davon bekommen kann. Nach<br />
einigen Manövern und 30 Minuten<br />
später reicht es mir aber, denn Kunstflug<br />
hat nicht nur viel mit Training,<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 21
[ MOTORFLIEGEN Kunstflug-Ausbildung<br />
12<br />
5<br />
10<br />
13<br />
Es gibt mehrere<br />
Möglichkeiten,<br />
Kunstflugprogramme<br />
darzustellen. Am<br />
gebräuchlichsten<br />
sind Aresti-Symbole<br />
(rechts).<br />
KUNSTFLUG-<br />
AUSBILDUNG<br />
Ein Video zum Beitrag<br />
finden Sie über den<br />
QR-Code sowie<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de/<br />
praxis_kunstflugausbildung.<br />
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sondern auch mit Kondition und vor<br />
allem Gewöhnung zu tun. Man muss<br />
seinen Körper langsam an die Belastungen<br />
heranführen und wissen, wann<br />
man mit Muskelanspannung und<br />
Atmung dagegenarbeitet. Manch<br />
einer mag gleich zu Anfang die Flinte<br />
ins Korn werfen und denken, er<br />
wäre dem nicht gewachsen. Ich kannte<br />
es aber schon vom Segelkunstflug,<br />
wo zum Einstieg Rückenflug und mit<br />
Belastungen bis zu -1,5 g geschult<br />
wurde. In jedem Fall empfiehlt sich<br />
für Anfänger ein Schnupper-Kunstflug.<br />
Auf dem Rückweg zum Platz tanken<br />
wir noch einmal Höhe, um Spins,<br />
also das Trudeln, zu üben. Ins Trudeln<br />
kann man im Kunstflug recht schnell<br />
gelangen. Vor allem Flugzustände<br />
wie das Rücken- oder Flachtrudeln<br />
oder gar eine Kombination aus beidem<br />
muss der angehende Kunstflieger<br />
erkennen und schnell ausleiten lernen.<br />
Die Grundmanöver sollten mit<br />
jeder simplen Kunstflugmaschine<br />
geflogen werden dürfen. Für welche<br />
Turnübungen das jeweilige Flugzeug<br />
zugelassen ist und wie sie geflogen<br />
werden, steht immer im Flughandbuch.<br />
Bei unserer Super Decathlon ist zum<br />
Beispiel ein Tail Slide, je nach Umschlagrichtung<br />
Männchen oder Weibchen,<br />
verboten. Hintergrund ist, dass<br />
in der Abwärtslinie die Ruder von<br />
hinten angeströmt werden, wofür<br />
deren Anlenkungen nicht ausgelegt<br />
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sind. Andere Maschinen mögen gerissene<br />
Rollen nicht. Hierfür stehen<br />
im Handbuch der Decathlon recht<br />
geringe 90 mph – „sonst fehlt einem<br />
irgendwann mal der Tragflügel“,<br />
prägen sich mir die Worte vom hinteren<br />
Sitz ein. In den technischen<br />
Details wird dann auch die Rückenflugtauglichkeit<br />
unseres Flugzeugs,<br />
die durch die Kapazität des Rückenflugtanks<br />
begrenzt ist, erklärt.<br />
Zum Abschluss des Fluges machen<br />
wir noch eine Ziellandung. Die Decathlon<br />
hat keine Landeklappen, lässt<br />
sich aber gut slippen. Zudem sinkt<br />
sie ohnehin recht stark.<br />
Die erste Flugstunde ist um, und<br />
es fällt mir schwer zu glauben, dass<br />
man nach vier weiteren Stunden bereits<br />
so weit sein soll, das Programm<br />
sauber zu fliegen und den Eintrag in<br />
ES FÄLLT MIR SCHWER ZU GLAUBEN, DASS MAN NACH NUR<br />
FÜNF STUNDEN REIF FÜR DIE BERECHTIGUNG SEIN SOLL<br />
die Lizenz zu bekommen. Zumal sich<br />
die fünf Stunden als Blockzeit inklusive<br />
Rollen und Flug zur Kunstflugbox<br />
verstehen. Bei einem Segelflieger ist<br />
es noch gravierender, kommen auf<br />
20 Minuten Schlepp gerade mal fünf<br />
Minuten Kunstflug. Allerdings: Es ist<br />
eher sekundär, dass man die Figur<br />
bis zur letzten Perfektion vorführen<br />
kann. Vielmehr geht es darum, dass<br />
man das Flugzeug jederzeit sicher<br />
beherrscht und entsprechend richtig<br />
reagiert. Der Klassiker für ein Nichtbestehen<br />
der Ausbildung ist der<br />
Versuch, eine Rückenfluglage durch<br />
Ziehen am Knüppel und einem halben<br />
Loop gen Boden zu beenden.<br />
Selbst nach vielen Stunden wird<br />
man immer wieder auf die Einschätzungen<br />
von erfahrenen Kunstfliegern<br />
und das Training mit Fluglehrern<br />
angewiesen sein, bis Programme und<br />
Figuren ordentlich sitzen – ein Grund<br />
mehr, Flugschule und Acro-Maschine<br />
schnell erreichen zu können, um nicht<br />
irgendwann mal zur Fraktion derer<br />
zu gehören, die das Ganze nur als<br />
einmalige Sicherheitseinweisung<br />
sehen oder sich nur einer Kunstflugausbildung<br />
unterziehen, um den<br />
Lizenzeintrag in der Flugplatzkneipe<br />
präsentieren zu können.<br />
Nach dem Parken der Decathlon<br />
lese ich am Beschleunigungsmesser<br />
die Maximalwerte ab: +4,5 g und -1,5<br />
g – das sind doch fast die Werte, für<br />
die auch mein UL zugelassen ist, und<br />
auch Cessna & Co sind dafür ausgelegt.<br />
Dennoch sollte man damit nicht<br />
turnen, denn ein Kunstflugzeug hat<br />
darüber hinaus reichlich Sicherheitspolster.<br />
Die sind auch nötig, denn<br />
wenn mal etwas nicht so rund läuft<br />
und man aus einer Figur fällt, sind<br />
die Abfanglastvielfache schnell sehr<br />
viel höher.<br />
Eigentlich wäre ein UL mit einem<br />
Gesamtrettungssystem prädestiniert<br />
für Kunstflug. Aber es gibt seitens<br />
der Verbände keinerlei Anstrengungen,<br />
entsprechende Zulassungs- und<br />
Ausbildungsvorschriften zu entwerfen.<br />
Noch nicht einmal verbindliche<br />
Trudelerprobungen sind hier Pflicht,<br />
von den Voraussetzungen eines Rotax<br />
912 mal ganz abgesehen. Im Internet<br />
trifft man dennoch häufig auf<br />
Videos, wo mit D-Mikes ungeniert<br />
harter Kunstflug zum<br />
Besten gegeben wird,<br />
und das nicht selten<br />
in Bodennähe. Solche<br />
Luftakrobaten würden<br />
bei der Kunstflugausbildung<br />
wohl in die Kategorie<br />
„ungeeigneter Selbstdarsteller“<br />
fallen und schnell aussortiert werden<br />
– zeugt solches Verhalten doch eben<br />
nicht von der notwendigen Selbstdisziplin.<br />
Nach drei Ausbildungsstunden ist<br />
mein Lehrer zufrieden und schickt<br />
die notwendigen Unterlagen zum<br />
LBA. Bei Airliner-Piloten werden<br />
Berechtigungen dort in die Lizenz<br />
eingetragen. Fünf Stunden muss ich<br />
nicht fliegen – der bereits absolvierten<br />
Segelkunstflug-Berechtigung sei<br />
Dank.<br />
ae<br />
22 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
[ KOLUMNE ]<br />
Als Dr. Spornrad beleuchtet ein Kenner der Szene exklusiv für den <strong>aerokurier</strong> die großen und kleinen Geheimnisse der GA<br />
Vom Wesen des „Top Gun“-Piloten<br />
Wenn an Flugtagen hunderte Besucher den verwegenen Jungs in ihren fliegenden Kisten zujubeln,<br />
vergisst mancher Akteur, worauf es wirklich ankommt. Dr. Spornrad plädiert dafür, etwas mehr<br />
Demut an den Tag zu legen, die Sicherheit nicht der Show zu opfern und auch mal nein zu sagen.<br />
Illustrationen: Harald Hornig<br />
Wer kennt sie nicht, diese Vorführpiloten<br />
im feinen Zwirn?! Hä? Ja,<br />
ich meine natürlich den Pilotenoverall,<br />
den, der vor lauter bunten Stickern meist<br />
nur noch den Namen des Akteurs klar erkennen<br />
lässt. Oft ist dieser Overall ausgefüllt mit<br />
Lilienthals Fluglehrern, seinen direkten Nachfahren<br />
oder ehemaligen „Top Gun“-Piloten –<br />
diesen Eindruck muss man zumindest bekommen,<br />
wenn man manch bizarrem Gespräch<br />
im Hintergrund lauschen darf. Auffällig sind<br />
sie (fast) alle – egal ob im Overall, mit breit<br />
gespreizten Beinen stolzierend oder mit geschwellter<br />
Brust vor dem lokalen Zeitungsredakteur<br />
stehend – unsere richtigen „Top Gun“-<br />
Piloten.<br />
Meine Güte, was es da alles zu hören gibt!<br />
Ich bin richtig ehrfürchtig ... Nein,<br />
kommentieren oder mit in den<br />
Ring steigen, das habe ich mir<br />
schon lange abgewöhnt.<br />
Zumal es auch<br />
ein undankbarer<br />
Job ist –<br />
egal auf welcher<br />
Seite man steht.<br />
Führt man<br />
etwas im Rahmen<br />
seiner Möglichkeiten<br />
vor,<br />
sind es die<br />
Kameraden,<br />
die hinterher<br />
meinen, sie hätten<br />
alles besser<br />
gemacht – sei es<br />
auch nur bei der<br />
Landung. Geht etwas<br />
richtig schief, sprich<br />
in die Hose, dann sind<br />
es auch wieder diese<br />
Kollegen, denen das<br />
natürlich so nie passiert<br />
wäre. Niemand ist davor<br />
gefeit, auch mal einen<br />
schlechten Tag zu haben<br />
und einen Hubschrauber mal<br />
eben so mit einem Taildragger<br />
über den Haufen zu<br />
rollen. Für die „Szene“ ist<br />
das dann natürlich wieder<br />
ein gefundenes Fressen, um sich über den<br />
Piloten köstlich auszulassen. Ein merkwürdiges<br />
Verhalten der paarungswilligen Pinguine<br />
auf Flugtagen in Deutschland.<br />
Nur in Deutschland? Ich meine,<br />
zumindest hier ist es mir immer<br />
am deutlichsten aufgefallen.<br />
Warum? Ich glaube, weil hier<br />
nichts so richtig notwendig<br />
ist, um Vorführungen zu fliegen.<br />
Der Loop wird rund, wenn<br />
ich auf die Reihe der Verantwortlichen<br />
sehe. Egal ob bei<br />
der Behörde, dem Veranstalter<br />
oder den Akteuren selbst. In den<br />
seltensten Fällen haben alle das gleiche<br />
Know-how.<br />
Zu einer vielerorts bereits erforderlichen<br />
Display-Autorisation oder Lizenz fehlen hierzulande<br />
offensichtlich der Mut,<br />
die Zeit und die Handlungsfähigkeit.<br />
Ein Blick zurück<br />
auf manches Ereignis<br />
lässt eine gewisse<br />
Notwendigkeit<br />
aber doch<br />
erkennen. Da<br />
setzt sich jemand<br />
in ein ehemaliges<br />
Agrarflugzeug,<br />
tankt es mit<br />
Wasser nahezu<br />
voll und<br />
parkt den Vogel<br />
schließlich<br />
in einer Zuckerwattebude<br />
– offenbar<br />
ohne jede<br />
Erfahrung und<br />
gänzlich befreit von<br />
kritischer Selbsteinschätzung.<br />
Was hat<br />
den Piloten bewegt,<br />
dieses Wagnis überhaupt<br />
einzugehen?<br />
Der nächste Kandidat<br />
fliegt hauptberuflich „diszipliniert“<br />
für eine große<br />
Airline und tobt sich halt am<br />
Wochenende gern mal eben<br />
aus – bedauerlich nur,<br />
dass der Himmel unter ihm gefehlt hat,<br />
sich das Fahrwerk und die Zelle später zu<br />
unterschiedlichen Landezeiten im Hauptflugbuch<br />
wiederfanden.<br />
Wiederum andere meinen,<br />
gemeinsam auf einem ohnehin<br />
engen Platz in Formation starten<br />
zu müssen. Eine Maschine<br />
bricht aus und landet in<br />
den Zuschauern.<br />
Was lief schief?<br />
In allen Fällen ist es eine<br />
Mischung aus vielleicht unnötigem<br />
„look at me“, hervorgerufen<br />
durch den Drang, den<br />
Zuschauern etwas vorführen zu<br />
müssen. Das muss nicht mal mit dem eigenen<br />
Ego zu tun haben. Man erliegt nur zu<br />
gerne der Auffassung, dem Zuschauer zuliebe<br />
etwas Tolles zeigen zu müssen. Dabei können<br />
die wenigsten Zuschauer sauberen von unsauberem<br />
Kunstflug unterscheiden, noch weniger<br />
die Schwierigkeit eines Formationsstarts<br />
beurteilen. Und ob eine Pitts in 100 Meter ihr<br />
Kunstflugprogramm beendet hat oder in Höhe<br />
der Grasnarbe, ist allenfalls für die Zuschauer<br />
in der ersten Reihe von Bedeutung. In aller<br />
Regel will das Besuchervolk laut und groß –<br />
und wieder sicher nach Hause kommen.<br />
Mein Appell für die Flugtage der neuen<br />
Saison: Die Starallüren lassen wir zu Hause<br />
und versuchen einfach mal, 50 Meter höher<br />
als im letzten Jahr zu fliegen. Und bitte kein<br />
Herumdoktern an der Veranstaltung selbst!<br />
Gewohnte Abläufe – auch wenn sie auf einen<br />
selbst monoton und langweilig wirken – bringen<br />
erhebliche Sicherheit für alle Beteiligten.<br />
Außerdem: Erst mal zu Hause üben, üben<br />
und nochmals üben. Wenn notwendig, bei der<br />
zuständigen Luftfahrtbehörde auch eine Genehmigung<br />
zum Unterschreiten der Sicherheitsmindesthöhe<br />
beantragen und erst dann,<br />
wenn alles rund und routiniert und bei jeder<br />
Wettersituation gut läuft, vor Publikum fliegen.<br />
Wenn äußere Einflüsse suboptimal sind, der<br />
Schädel brummt oder man generell ein ungutes<br />
Gefühl hat, dann muss man auch nicht<br />
vorfliegen – ein klares Nein braucht nicht begründet<br />
zu werden. Es ist auch keine Schwäche,<br />
sondern eine Form von Stärke – ob mit<br />
oder ohne Pilotenoverall.<br />
ae<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 23
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report<br />
American Champion Super Decathlon<br />
DER ZEHN<br />
AUTOR: Max Kühnl<br />
FOTOGRAF: Frank Herzog<br />
24 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
KÄMPFER<br />
Decathlon ist die olympische Disziplin des<br />
Zehnkampfes. Doch bei zehn Kunstflugfiguren<br />
ist für die Super Decathlon noch lange nicht<br />
Schluss. Sie ist, vor allem in den USA, ein beliebtes<br />
Muster für die Grundausbildung im Kunstflug.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 25
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report<br />
Die Super Decathlon<br />
lässt sich auch<br />
kopfüber nicht aus Wer nur knapp über dem<br />
der Ruhe bringen.<br />
Boden mit 300 Stundenkilometern<br />
durch<br />
einen Pylonenparcours<br />
nach der Bestzeit jagt, der muss viel<br />
Feingefühl in seinen vier Buchstaben<br />
haben. Er muss spüren, was das Flugzeug<br />
macht, ohne auf die Instrumente<br />
zu starren. Und vor allem muss er<br />
extrem präzise fliegen können, denn<br />
die anspruchsvollen Kurse verzeihen<br />
keine Fehler. Matthias Dolderer kann<br />
das. Der Red-Bull-Air-Race-Pilot sitzt<br />
hinter mir in einer Super Decathlon<br />
des Herstellers American Champion.<br />
Oder besser gesagt: er hängt.<br />
Wir befinden uns gerade im Rückenflug<br />
über Westschwaben. Ohne<br />
die Instrumente im Blick zu haben,<br />
tönt Dolderer kühl von der Rückbank:<br />
Fazit<br />
„Ein bisschen mehr<br />
linkes Ruder.“ Tatsächlich<br />
offenbart mein<br />
• gutmütiges Flugverhalten<br />
• komfortable Kabine<br />
Blick auf den Wendezeiger,<br />
dass die Kugel<br />
• gute Steigleistungen<br />
leicht neben der Mitte<br />
liegt und wir etwas<br />
• Höhenruder wird im<br />
schieben. „So was hat<br />
Langsamflug sehr weich<br />
man nach einer Weile<br />
• ungewohntes Cockpitlayout<br />
einfach im Gefühl“,<br />
wird er mir nach unserem<br />
Flug sagen.<br />
„Das Wichtigste beim Kunstflug ist,<br />
präzise zu fliegen. Und da gehören<br />
koordinierte Kurven nun mal dazu.“<br />
Kurz zuvor sind wir in Tannheim<br />
gestartet. Es ist praktisch die Heimatbasis<br />
von Matthias Dolderer. Er<br />
ist am Flugplatz, den seine Eltern bis<br />
vor einigen Jahren betrieben haben,<br />
aufgewachsen. Mit fünf Jahren begann<br />
er, um Mitflüge zu betteln; seit er 14<br />
ist, hat er eine Segelfluglizenz. So<br />
arbeitete er sich kontinuierlich bis<br />
zum ATPL hoch und stieg irgendwann<br />
in die Kunstfliegerei ein. Zwischendurch<br />
war er auch mal Kapitän auf<br />
einer Citation. Seine Schwester Verena<br />
Dolderer betreibt die in Tannheim<br />
ansässige Motorflugschule, der die<br />
Decathlon gehört. Matthias Dolderer<br />
ist gelegentlich noch als Fluglehrer<br />
tätig. Doch seit seinem Debüt beim<br />
Red Bull Air Race im Jahr 2009 ist er<br />
dort fast komplett mit Fliegen und in<br />
die Entwicklung eingebunden.<br />
Es wird ernst für mich: Der Motor<br />
der Decathlon ist vorgewärmt, Dolderer<br />
macht mich mit den Besonderheiten<br />
vertraut: Ich als Akro-Greenhorn<br />
sitze vorne, er hinten. Rechte<br />
Hand am Steuerknüppel, die linke frei<br />
für den Gashebel und die Trimmung<br />
an der linken Cockpitwand. Auch die<br />
Propeller- und Gemischverstellung<br />
werden mit links bedient, ebenso wie<br />
die Haupt- und Magnetschalter, die<br />
links über meinem Kopf sitzen. An<br />
DIE SUPER DECATHLON LIEGT<br />
ANGENEHM STABIL IN DER LUFT<br />
dieses Layout habe ich mich schnell<br />
gewöhnt.<br />
Geflogen wird nach mph, hier ist<br />
also umdenken angesagt. Ich präge<br />
mir die Meilen-Werte ein und versuche<br />
die kleine Knoten-Skala außer<br />
Acht zu lassen. Der 180 PS-Lycoming<br />
startet problemlos, wir rollen zur Bahn.<br />
Wer auf weniger wilden Zweisitzern<br />
großgeworden ist, wundert sich, wie<br />
schnell die Rotationsgeschwindigkeit<br />
erreicht ist. Spornradtypisch vorsichtig<br />
ziehe ich am Steuerknüppel, doch<br />
die Decathlon verlangt nach einem<br />
verhältnismäßig starken Input, um<br />
sich in die Luft zu erheben. Wir stei-<br />
26 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Verena und Matthias<br />
Dolderer haben jeweils<br />
knapp 8000 Flugstunden<br />
im Flugbuch stehen.<br />
Aufgepasst: In dieser Lage<br />
wird das Seiten- zum<br />
Höhenruder und das<br />
Höhen- zum Seitenruder.<br />
gen gen Westen in Dolderers Trainingsgefilde.<br />
Hier kennt er sich aus.<br />
Die Zeit bis auf 5000 Fuß Höhe vergeht<br />
dank Verstellpropeller zügig.<br />
Vorsichtig taste ich mich an die<br />
Flugeigenschaften der Decathlon<br />
heran. Aufgrund ihrer Gutmütigkeit<br />
haben Dolderer und seine Schwester<br />
sich im Jahr 2004 für die Super Decathlon<br />
entschieden – die erste ihrer<br />
Art in Deutschland. „Wir waren auf<br />
der Suche nach einem Flugzeug für<br />
die Basis-Kunstflugausbildung, das<br />
sich nicht so kompromisslos spitz<br />
fliegt wie eine Extra“, erklärt Dolderer.<br />
Diesen Eindruck bekomme ich<br />
beim Ausprobieren der Höhen- und<br />
Querruder. Sie sprechen gleichförmig,<br />
bei mittleren Geschwindigkeiten jedoch<br />
erst auf deutliche Inputs hin an<br />
– sehr angenehm für den Reiseflug.<br />
Auch die optische Erscheinung spricht<br />
eher für eine Cessna-typische Gutmütigkeit.<br />
Die aufzuwendenden Kräfte<br />
entsprechen etwa denen einer<br />
Piper PA-28. Das Seitenruder hinge-
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report<br />
Der Lycoming AEIO-360 zeichnet sich durch seine Einspritzanlage<br />
aus. Er ist vom bewährten O-360 abgeleitet.<br />
Das von Seilen angesteuerte Höhenruder mag nicht von hinten<br />
angeströmt werden – die Figur „Männchen“ verbietet sich.<br />
Daten American Champion Super Decathlon<br />
Hersteller: American Champion Aircraft Corporation Sitzplätze: 2<br />
Bauweise: Gemischtbauweise Verwendung: Kunstflugzeug<br />
Antrieb<br />
HerstellerLycoming<br />
ArtVierzylinder-Boxermotor<br />
TypAEIO-360-H1B<br />
Leistung 180 PS bei 2700 rpm<br />
Propeller<br />
Hersteller<br />
MT Propeller<br />
Typ MTV-15-B-C/C188-34 (Dreiblatt)<br />
Abmessungen<br />
Länge<br />
6,98 m<br />
Höhe<br />
2,35 m<br />
Spannweite<br />
9,76 m<br />
Flügelfläche 18,21 m²<br />
Massen und Mengen<br />
Leermasse<br />
Nutzlast<br />
Maximalmasse<br />
Tankinhalt<br />
Flugleistungen<br />
Startrollstrecke<br />
bestes Steigen<br />
Reisegeschwindigkeit<br />
V NE <br />
Dienstgipfelhöhe<br />
Überziehgeschwindigkeit<br />
Reichweite<br />
Lastvielfache<br />
591 kg<br />
225 kg<br />
816 kg<br />
151 l<br />
177 m<br />
1130 ft/min<br />
121 kts<br />
150 kts<br />
16000 ft<br />
50 kts<br />
416 NM<br />
+6 / -5 g<br />
ser Fluglage ist es erneut schwer<br />
einzuschätzen, wie viel Input das<br />
Höhenruder braucht, um nicht zu<br />
sinken. Ich muss erst einmal gegen<br />
das Gewicht meines Armes arbeiten<br />
und mich dann herantasten, wie weit<br />
ich den Steuerknüppel nach vorne<br />
drücken muss. Richtig, nach vorne<br />
– auf dem Kopf verhalten sich die<br />
Ruder verkehrt herum. Die Rolle ist<br />
vollendet, wir stabilisieren uns erneut<br />
in 5000 Fuß mit 140 Meilen Fahrt.<br />
Jetzt steht mein erster Looping<br />
an. In der Theorie heißt das: die Leistung<br />
etwas rausnehmen, ziehen was<br />
das Zeug hält, kurz vor der Rückenlage<br />
deutlich nachlassen, um kein Ei<br />
zu fliegen, den Boden am oberen<br />
Ende der Frontscheibe suchen und<br />
den Flieger dann mit einem erneuten<br />
Zug am Stick in die Abwärtsbewegung<br />
bekommen und anschließend abfangen.<br />
Für +6 bis -5 g ist die gut 800<br />
Kilogramm schwere Decathlon zugelassen.<br />
Das Einleiten des Loops gelingt<br />
mir noch problemlos. Es drückt mich<br />
ordentlich in den Sitz. „Achte auf die<br />
Schräglage!“, warnt mich Dolderer.<br />
Tatsächlich haben wir etwa fünf Grad<br />
Bank und 75 Grad Pitch up – gar nicht<br />
so leicht, in dieser Lage so fein zu<br />
korrigieren. Denn gleich darauf muss<br />
ich die Flugbahn durch nachlassen<br />
ein wenig glätten.<br />
Eine gefühlte Millisekunde Rückenflug,<br />
schon gibt mir der Air-Race-<br />
Pilot durch einen sachten Zug am<br />
Stick zu verstehen, dass es jetzt kopfüber<br />
hinab gehen soll. In der Sekunde<br />
darauf sehe ich nur noch Boden.<br />
Ich versuche, die gebrieften 4 g einzustellen.<br />
Meine Tränensäcke hängen<br />
gefühlt vor meinem Oberkiefer – und<br />
gen spricht im Verhältnis relativ flott<br />
an, hier sind gewohnte Kräfte nötig.<br />
Das Kunstflugprogramm beginnt<br />
mit einer Rolle: Mit dem Querruder<br />
eingeleitet, bei 90 Grad Schräglage<br />
wird das Seiten- zum Höhenruder.<br />
Doch das Gefühl ist noch nicht ganz<br />
da, ich trete etwas zu stark, und wir<br />
steigen leicht. Kurze Korrektur, und<br />
wir drehen uns auf den Kopf. In diedabei<br />
haben wir erst 3 g – der Looping<br />
droht zum Ei zu werden. „Weiter<br />
ziehen!“, mahnt Dolderer. Ich bin fast<br />
am Vollausschlag des Höhenruders,<br />
als der Flieger wieder in eine gewohnte<br />
Fluglage kommt. Der zweite vertikale<br />
Vollkreis gelingt mir schon<br />
runder.<br />
Nach einer kurzen Stabilisierung<br />
reißen wir die Super Decathlon erneut<br />
senkrecht in den Himmel. Kurz bevor<br />
die Fahrt weg ist, lasse ich sie mit<br />
einem Tritt ins Seitenruder nach links<br />
kippen. Wieder bin ich erstaunt über<br />
das Ansprechen des Ruders. Auf der<br />
anderen Seite gibt die Decathlon ihrem<br />
Piloten das Gefühl, sie aufgrund der<br />
Steuerkräfte nicht übersteuern zu<br />
können. Das bestätigt sich auch in<br />
diversen Trudel- und Spiralmanövern,<br />
die selbst ich als ungeübter Kunstflieger<br />
problemlos ausleiten kann.<br />
Zum Abschluss fliegt mein prominenter<br />
Fluglehrer das Sahnehäubchen<br />
von der Rückbank aus: eine Achtelrolle<br />
wie im Air Race. Also eine Drehung<br />
um die Längsachse, in acht<br />
einzelne Bewegungen geteilt, mit<br />
jeweils einer halben Sekunde in dieser<br />
Position. Die Drehung um 45 Grad<br />
dauert einen Wimpernschlag, ich bin<br />
erstaunt über die Aggressivität und<br />
gleichzeitige Präzision des Manövers.<br />
Das Flugzeug verharrt, ohne ein einziges<br />
Mal nachzuwippen, in der neuen<br />
Schräglage, Dolderer hält die<br />
Decathlon mit der perfekten Quer- und<br />
Seitenruderkombination in dieser<br />
Lage. Dass sich bei der anschließenden<br />
Fassrolle nur der Horizont bewegt<br />
und ich in meinen vier Buchstaben<br />
nicht den Hauch einer Beschleunigung<br />
spüre, ist nicht erwähnenswert. ae<br />
28 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
LUFTFAHRTMESSE SINGAPUR<br />
Wachstumsmarkt Asien<br />
Foto: Sebastian Steinke<br />
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IM HANDEL
[ MAGAZIN<br />
Extra Aircraft<br />
Die Erfolgsmanufaktur<br />
Einblicke in die große Werkshalle. Hier kümmern sich<br />
die Mechaniker um die Endmontage der Flugzeuge.<br />
Weltruhm genießen Extra-Flugzeuge in<br />
der Kunstflugszene schon lange. Deren<br />
Produktionszahlen haben den Hersteller<br />
inzwischen auch zum erfolgreichsten<br />
deutschen Flugzeugproduzenten gemacht.<br />
Mit 627 Exemplaren galt<br />
Dorniers legendäre Do<br />
27 lange Zeit als erfolgreichstes<br />
Modell einmotoriger deutscher<br />
Flugzeuge der Nachkriegszeit.<br />
„Wir sind mit der K-Serie inzwischen<br />
irgendwo deutlich<br />
oberhalb der 700 Exemplare angekommen“,<br />
sagt Christian Hochheim,<br />
Vertriebsleiter bei Extra Aircraft.<br />
Der Löwenanteil der Kunstflugzeuge<br />
gehört zur 300er-Serie,<br />
die das Unternehmen seit 1988 bis<br />
heute am Gründungsstandort am<br />
Verkehrslandeplatz Schwarze Heide<br />
nahe Dinslaken mit 60 Mitarbeitern<br />
fertigt und stets weiterentwickelt<br />
hat. Von der ersten Eigenkonstruktion<br />
des späteren<br />
Deutschen Kunstflugmeisters Walter<br />
Extra, der EA230, die die Basis<br />
für die Unternehmensgründung<br />
1982 bildete, entstand ein gutes<br />
Dutzend. Vom Nachfolgemodell<br />
260, ebenfalls noch mit Holztragflächen,<br />
waren es nicht einmal halb<br />
so viele. Und beide flogen noch<br />
als Experimentals – erst für die<br />
300er erwarb der Firmengründer<br />
die Musterzulassung. Die Serie<br />
markiert auch einen Wendepunkt<br />
in der Konstruktion. Sie war die<br />
erste Extra, deren Flächen in Compositebauweise<br />
gefertigt wurden.<br />
Von da an ging es in Hünxe steil<br />
bergauf. Vier Jahre später folgte<br />
auf den Prototyp des zweisitzigen<br />
Mitteldeckers zunächst die EA300L,<br />
die nur ein Jahr später auch als<br />
einsitzige Variante EA300S herauskam.<br />
Die zweisitzige 300L<br />
wurde allein 326-mal gebaut. Auch<br />
Außer Motoren, Propellern und Instrumenten fertigt Extra fast alles<br />
selbst. Zugeliefert werden Räder, Bremsen und das Glas für die Haube.<br />
das Äußere hatte Extra bei den<br />
neuen 300L und 300S verändert<br />
– bei ihnen rutschte die Tragfläche<br />
erstmals von der Rumpfmitte aus<br />
deutlich nach unten.<br />
Mit dem zunehmenden Interesse<br />
an der Kunstfliegerei und<br />
der Einführung einer auf 200 PS<br />
Vertriebsleiter Christian Hochheim<br />
demonstriert, was Stabilität bedeutet.<br />
limitierten Wettkampfklasse entstand<br />
die EA200, ein kleineres<br />
zweisitziges Flugzeug, in das statt<br />
des AIEO 540 ein vierzylindriger<br />
360er-Lycoming eingebaut wurde.<br />
Mit einem um 20 Prozent unterhalb<br />
der 300er angesiedelten Verkaufspreis<br />
erfreute sich der Advanced-<br />
Aerobatic-Trainer auch eines<br />
zunehmenden Interesses bei<br />
Kunstflugschulen und Clubs. 1996<br />
hob nach vierjähriger Entwicklungszeit<br />
auch der Prototyp der<br />
EA400 erstmals ab. „Diese Entwicklung<br />
war der Sorge geschuldet,<br />
nur mit dem Bau von Kunstflugzeugen<br />
nicht dauerhaft am<br />
Markt bestehen zu können“, sagt<br />
Firmengründer Walter Extra. Rückblickend<br />
wohl unbegründet, denn<br />
seit fast 35 Jahren besteht die<br />
Flugzeugwerft vom Niederrhein<br />
am Markt und ist aus der internationalen<br />
Wettbewerbsszene nicht<br />
mehr wegzudenken.<br />
Erst im vergangenen August<br />
hat Alexandre Orlowski in einer<br />
30 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Präzise Handarbeit ist beim<br />
Schweißen der Rumpfskelette<br />
gefragt, müssen sie<br />
doch im Flug Kräfte bis zu<br />
+/-10 g aufnehmen.<br />
Auch für die Motoren wird<br />
bei Extra gut gesorgt.<br />
eine Staffel EA300LP heute eine<br />
Maschine mit der 540er-Motorisierung<br />
gefragt ist, bauen wir die<br />
natürlich auch noch“, sagt er. Im<br />
Wesentlichen konzentriere man<br />
sich aber auf die aktuellen Entwürfe.<br />
Die sind inzwischen mit<br />
dem 315 PS starken Lycoming AI-<br />
EO 580 ausgestattet.<br />
Aerobatic und Tour?<br />
Extra kann beides!<br />
EA330SC, dem aktuellen Wettkampfmodell,<br />
die Weltmeisterschaft<br />
in Châteauroux für sich entschieden<br />
und Extra damit zum dritten<br />
WM-Sieg in Folge verholfen.<br />
Aktuell bilden die einsitzige<br />
Maschine sowie die beiden Zweisitzer<br />
EA330LX und LT den Kern<br />
der Extra-Produktion und sind die<br />
vorläufigen Höhepunkte kontinuierlicher<br />
Produktentwicklung.<br />
„Überwiegend kleine Änderungen,<br />
die aus der engen Verbindung zu<br />
unseren Kunden resultieren“, so<br />
Vertriebsleiter Hochheim, gingen<br />
dem heutigen Stand voraus. Der<br />
gelernte Flugzeugbauer gehört seit<br />
1997 zum Team und war als Produktionsleiter<br />
schon an der Herstellung<br />
der EA400 und EA500<br />
beteiligt. Die Turboprop-Nachfolgerin<br />
der EA400 soll noch in diesem<br />
Jahr bei dem chinesischen Lizenznehmer<br />
A-Star in größerer Stückzahl<br />
in Produktion gehen. Auch für<br />
deren Konstruktion galt die Maxime<br />
des Kunstflugzeugbaus: Extras<br />
sollen ihren Piloten die Fliegerei<br />
stets so leicht wie möglich machen.<br />
„Zusammenführen der Pilotenperspektive<br />
mit konstruktiven Merkmalen“<br />
nennt Christian Hochheim<br />
das, was den Produktionsausstoß<br />
des kleinen Unternehmens maßgeblich<br />
auf die drei oben genannten<br />
Modelle fokussiert. „Wenn für<br />
Die jüngste Entwicklung ist der<br />
2010 neu erschienene Aerobatic-<br />
Tourer EA330LT. Ohne Abstriche<br />
bei der Kunstflugtauglichkeit eine<br />
für schnelles und entspanntes<br />
Cruisen optimierte Variante zu<br />
bauen, das war die Idee hinter<br />
diesem Flugzeug. Herausgekommen<br />
ist eine maximale Reisegeschwindigkeit<br />
von satten 2<strong>05</strong> KTAS, bei<br />
im Vergleich zu den übrigen Modellen<br />
noch geringfügig höheren<br />
Fotos: Frank Martini<br />
Eine fachgerechte Kalibrierung der Instrumente gehört selbstverständlich<br />
dazu, bevor eine Extra an Kunden übergeben wird.<br />
Die Extra 330LX ist als Zweisitzer vor allem für die<br />
Fortgeschrittenen-Ausbildung im Kunstflug geeignet.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 31
[ MAGAZIN<br />
Manövergeschwindigkeiten. Abgesehen<br />
von passender Avionikausstattung<br />
und der Notwendigkeit<br />
eines Gepäckfachs bei einem Tourer<br />
zeigt die LT auch im direkten<br />
Vergleich mit der ebenfalls zweisitzigen<br />
LX oder der 330SC konstruktive<br />
Unterschiede, die den<br />
Anspruch größtmöglicher Pilotenfreundlichkeit<br />
verdeutlichen.<br />
So ist die LT die erste Extra, die<br />
über ein asymmetrisches Flügelprofil<br />
verfügt. Im Gegensatz zu<br />
deren schnurgeraden Flügelenden<br />
laufen die LT-Tragflächen in<br />
schmale Randbögen aus, deren<br />
Form nach hinten als kleine, hochgeschwungene<br />
Winglets ausgeführt<br />
ist. Auch am Höhen- und Seitenleitwerk<br />
zeigt sie weichere Konturen,<br />
ein ausgeprägtes Horn<br />
findet sich bei ihr nur am Seitenruder<br />
– mit Auswirkungen auf das<br />
Flugverhalten: „Eine LX oder gar<br />
die SC wollen deutlich aggressiver<br />
geflogen werden als die LT“, so<br />
der Sales Manager mit der Kunstflugberechtigung.<br />
In diesem jüngsten<br />
Modell sieht Hochheim deshalb<br />
auch eine gute Basis für die weitere<br />
Geschäftsentwicklung. Für<br />
den April 2018 sieht die EASA für<br />
Verkehrspiloten ein verpflichtendes<br />
„upset prevention and recovery<br />
training“ (UPRT) vor – in regelmäßigen<br />
Abständen müssen die Piloten<br />
dann das sichere Ausleiten<br />
ungewöhnlicher Fluglagen üben.<br />
Ein Training, für das die EA330LT<br />
das optimale Gerät ist, so Hochheim.<br />
Mehrere Exemplare hat er für diese<br />
Zwecke bereits an eine namhafte<br />
Airline verkauft. Bis auf den<br />
amerikanischen Markt werden<br />
alle Extras weltweit ausschließlich<br />
über seinen Factory Sale vertrieben.<br />
Die LX und die SC<br />
sind gewollt aggressiv<br />
Die gefragte deutlich aggressivere<br />
fliegerische Gangart der<br />
eher wettkampforientierten Modelle<br />
LX und insbesondere der<br />
einsitzigen SC findet ebenfalls<br />
ihren sichtbaren Niederschlag. Bei<br />
der SC sind alle drei Steuerflächen<br />
mit mächtigen Hörnern versehen,<br />
bei der zweisitzigen LX neben dem<br />
Seiten- immerhin noch das Querruder.<br />
„Das bringt bei zunehmenden<br />
Ruderausschlägen eine enorme<br />
Kraftentlastung für den Piloten“,<br />
erklärt Christian Hochheim. Je<br />
stärker die Strömung auf die Hörner<br />
einwirkt, desto weniger muss<br />
der Pilot drücken oder ziehen. Und<br />
gerade bei der exakten Ausführung<br />
extremer Figuren sparen sie unschöne<br />
Korrekturen, weil bei einem<br />
Übersteuern durch das erneute<br />
gegensätzliche Ausstellen der<br />
Hörner der Knüppelwiderstand<br />
zunächst wieder ansteigen würde.<br />
„Das macht das Ausleiten selbst<br />
bei Rollraten von 420 Grad pro<br />
Sekunde deutlich einfacher, weil<br />
Sie den Knüppel wie in eine spürbare<br />
Arretierung ziehen.“<br />
Das präzise, weil deutlich spürbare<br />
Finden der Neutralstellungen<br />
unterstützt gerade bei langen, sehr<br />
schnellen Bewegungen am Knüppel,<br />
die extreme Figuren kennzeichnen,<br />
sauberes Fliegen. Anders<br />
gesagt: Die exakte Steuerung des<br />
Flugzeugs kommt den Wünschen<br />
und Fähigkeiten des Piloten entgegen<br />
– Steuertreue nennt Hochheim<br />
das, schlicht der Prämisse<br />
folgend, dass zum Recovern aus<br />
ungewöhnlichen Fluglagen die<br />
Steuerelemente zunächst in die<br />
Neutralstellung gehören.<br />
Kontinuierliche Weiterentwicklungen<br />
wie diese hat nicht wenige<br />
Extra-Kunden auch abseits der<br />
Wettkampfszene zu Wiederholungstätern<br />
werden lassen, sicher<br />
begünstigt durch die hohe Werthaltigkeit<br />
der Maschinen. Schaut<br />
man sich in den einschlägigen<br />
Portalen nach gebrauchten Extras<br />
um, sind selbst bei längerer Haltedauer<br />
allzu große Abschläge<br />
nicht zu befürchten. Die meisten<br />
gebrauchten Extras weisen zudem<br />
geringe Gesamtzeiten auf – bei<br />
etwa 20-minütiger Dauer für eine<br />
Kunstflugsession nicht erstaunlich.<br />
Selbst 300er älteren Datums fallen<br />
da nicht aus der Reihe, mitunter<br />
haben sie eine Motorüberholung<br />
hinter sich. Bei 1400 Stunden liegt<br />
hier die TBO.<br />
An der Werthaltigkeit dürfte<br />
sich auch bei den aktuellen Modellen<br />
nicht viel ändern. Für Wartung<br />
und Instandhaltung bei normalem<br />
Einsatzvolumen eines<br />
Kunstflugzeugs veranschlagt<br />
Hochheim jährlich etwa 5000 Euro<br />
Rücklagen, inklusive Motor.<br />
Etwa 30 Neubauten verlassen das<br />
Werk per annum, gebaut wird<br />
ausschließlich auf Bestellung gegen<br />
eine Anzahlung von zehn Prozent<br />
des Vertragspreises. Nur drei bis<br />
sechs Monate darf es von da an in<br />
der Regel bis zur Auslieferung<br />
dauern. „Der größte Schritt unserer<br />
Kunden ist die Entscheidung,<br />
sich so ein Flugzeug zu gönnen“,<br />
sagt der Vertriebsleiter. Sei die<br />
gefallen und der Auftrag heraus,<br />
mache sich verständliche Ungeduld<br />
breit. Um die Kundschaft nicht<br />
unnötigem Verdruss auszusetzen,<br />
bedarf es eingespielter Abläufe<br />
angesichts der hohen Fertigungstie-<br />
Dass Walter Extra nicht nur schnelle und agile Kunstflugzeuge konstruieren kann,<br />
bewies er mit dem Geschäftsreiseflugzeug EA400, hier zur Wartung in der Werft.<br />
Die geschweißten Stahlrohrrümpfe sind das<br />
Rückgrat aller Extra-Kunstflugzeuge.<br />
32 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
fe. Außer den Motoren, Propellern<br />
und Instrumenten entsteht fast<br />
alles in Eigenproduktion – selbst<br />
die Kabelbäume der Flugzeuge<br />
flechten die Hünxer selbst. Zugeliefert<br />
werden sonst nur die Felgen<br />
und die Bremsanlage sowie das<br />
Glas für die Cockpithaube.<br />
In der Halle, in der die Vorproduktion<br />
abläuft, steht an der Stirnwand<br />
fast ein Dutzend fertiger<br />
Stahlrohrrümpfe. Einen weiteren<br />
hat der Mitarbeiter mit dem WIG-<br />
Schweißgerät gerade waagerecht<br />
auf Arbeitshöhe vor sich. Das Rohmaterial<br />
wird als Stahlrohr mit der<br />
schlichten Materialbezeichnung<br />
1.7734 angeliefert, bereits der<br />
Zuschnitt der einzelnen Stücke<br />
erfolgt hier. Vor dem Durchgang<br />
zur Montagehalle arbeitet jemand<br />
an einem Leitwerk – ein paar Meter<br />
weiter rechts steht noch ein<br />
aufgebockter Stahlrohrrumpf nebst<br />
Rumpfschalenteilen einer Cowling,<br />
deren aufgeklebter Laufzettel die<br />
Teile einer EA300 zuweist.<br />
Auch das Vorhalten von Ersatzteilen<br />
ist wichtig für eine hohe<br />
Kundenzufriedenheit. Die hohe<br />
Spezialisierung, die der kleine Betrieb<br />
von jedem Mitarbeiter fordert,<br />
mag diese mit berechtigtem Stolz<br />
erfüllen – abgehoben indes ist hier,<br />
trotz der Jobs bei einem Flugzeugbauer<br />
von Weltrang, niemand.<br />
Keine hektische Betriebsamkeit<br />
bricht aus, wenn Christian Hochheim<br />
mit einem Journalisten im<br />
Schlepp durch die Abteilungen<br />
geht – nicht mal der Eintritt des<br />
Firmenchefs bringt erkennbare<br />
Beunruhigung. Die Mitarbeiter, so<br />
wirkt es, konzentrieren sich sehr<br />
auf die Aufgabe vor ihnen; wird<br />
man registriert, erntet man einen<br />
kurzen, freundlichen Gruß, schon<br />
vertieft sich jeder wieder in seinen<br />
Job. In der Montagehalle sind drei<br />
Mitarbeiter mit dem Einbau von<br />
Cockpitteilen und dem Anbringen<br />
der Rumpfschalen an einer<br />
EA330SC beschäftigt. Daneben<br />
stecken zwei Kollegen die Köpfe<br />
über den Uhren eines Messkoffers<br />
zusammen, der zum Instrumentencheck<br />
auf der Fläche einer EA300<br />
steht – der Flugzeugentwickler<br />
und Hersteller ist zugleich auch<br />
Wartungsbetrieb, nicht nur für<br />
Kunstflugzeuge, auch für Fremdfabrikate<br />
und die Reisemaschinen<br />
EA400 und EA500. Alles läuft Hand<br />
in Hand.<br />
Trotz himmelstürmender Produkte<br />
ganz geerdet – das charakterisiert<br />
den kleinen Hightech-<br />
Betrieb vielleicht am treffendsten.<br />
Deutscher Unternehmergeist, Innovationsfreude<br />
und solides Handwerk<br />
at it‘s best.<br />
ae<br />
<br />
Frank Martini<br />
Fotos: Frank Martini<br />
Auch in den Cockpits geht es<br />
inzwischen sehr modern zu.<br />
Maßarbeit ist überall gefragt. Die hohe Fertigungstiefe<br />
ist eins der Merkmale von Extra Aircraft.<br />
Diese Rumpfschalen warten noch darauf, zu<br />
einem Flugzeug zusammengesetzt zu werden.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 33
[ MAGAZIN ]<br />
Oskar Ursinus Vereinigung<br />
Staffelwechsel<br />
in Speyer<br />
Mehrere Posten hatte die Gesellschaft<br />
zur Förderung des Flugzeugselbstbaus<br />
bei ihrer Wintertagung Mitte März neu<br />
zu besetzen. Die Personalrochade umgab<br />
ein spannendes Rahmenprogramm.<br />
Fotos: Frank Martini, Verner Motors<br />
Zum Auftakt wurden den rund<br />
250 Teilnehmern Vorträge<br />
zu „überwiegend praktischen<br />
Leckerchen für Eigenbauten“ präsentiert.<br />
Dieter Schmitt vom Projektausschuss<br />
stellte die tschechischen<br />
Sternmotoren der Marke<br />
Verner vor. Nach einem Exkurs<br />
durch die Geschichte und die Vorteile<br />
der Radialbauweise widmete<br />
sich der Ingenieur sämtlichen<br />
Varianten, die vom Drei- bis zum<br />
Siebenzylinder keine Wünsche offenlassen<br />
und mit Preisen von<br />
wenigen bis knapp 20 000 Euro für<br />
das Spitzenmodell, einen Fünfliter-Siebenzylinder<br />
mit fast 140<br />
PS, für jedes Portemonnaie und<br />
jedes Projekt passende Lösungen<br />
bieten.<br />
Die Anschlussvorträge befassten<br />
sich mit technischen Grundlagen<br />
bei Zündsystemen bis zur<br />
praktischen Anleitung für die korrekte<br />
Kalibrierung von Drucksystemen<br />
in der Flugerprobung sowie<br />
mit unterschiedlichen Materialien<br />
für den Rumpf- und Flächenbau.<br />
Der weitere Verlauf fokussierte<br />
zunehmend auf Ausblicke des aktuell<br />
technisch Machbaren im<br />
modernen Flugzeugbau. Ein<br />
Schwerpunkt lag dabei auf den<br />
elektrischen Antrieben, die in eigenstartfähigen<br />
ein- und zweisitzigen<br />
Motorseglern in der Mike- und<br />
Vorstand alt und neu: Jürgen Fecher, Hajo Kellner, Detlef Claren, Frank Gerstenberg, Katrin Grenz,<br />
Andreas Konzelmann und Jens Gralfs.<br />
34 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong><br />
Mit Aggregaten von Verner Motor lassen sich ULs und leichte Echos gut<br />
motorisieren. Deshalb sind sie für Selbstbauer besonders interessant.<br />
Kilo-Klasse mit Akkuantrieben wie<br />
Brennstoffzellen längst realisiert<br />
sind. Die damit seit Mai 2014 gewonnenen<br />
Erfahrungen waren<br />
beachtlich – und lassen erwarten,<br />
dass noch im laufenden Jahr die<br />
erste viersitzige Maschine mit<br />
Wasserstoffantrieb in die Luft gehen<br />
wird.<br />
Eingerahmt von dem Dutzend<br />
hochkarätiger Vorträge verlief auch<br />
die Mitgliederversammlung für die<br />
OUV erfreulich. Der Kassenbericht<br />
wies eine solide finanzielle Basis<br />
des Vereins aus, auch die anstehenden<br />
personellen Veränderungen<br />
wurden von den Anwesenden<br />
einhellig goutiert.<br />
Andreas Konzelmann<br />
übernimmt das Ruder<br />
Jens Gralfs, unter dessen Vorsitz<br />
die Wintertagung von der Uni<br />
Darmstadt ins Technik-Museum<br />
Speyer umgezogen war, legte sein<br />
Amt berufsbedingt nach sechs<br />
Jahren nieder. Nachfolger wurde<br />
Andreas Konzelmann; gemeinsam<br />
mit dem neuen Projektausschussvorsitzenden<br />
Hajo Kellner hat er<br />
bereits mehrere Eigenbauprojekte<br />
verwirklicht. Kellner folgt auf<br />
Jürgen Fecher, der nach 14 Jahren<br />
seinen Posten abgab. Auch für<br />
dessen Gattin Elaine, die sich bisher<br />
um die OUV-Geschäftsstelle<br />
kümmerte, konnte eine würdige<br />
Nachfolgerin gewonnen werden:<br />
In Zukunft wird Katrin Grenz zur<br />
zentralen Berliner Anlaufstelle für<br />
die „Selberbauer“. Bis Ende vergangenen<br />
Jahres war die Ingenieurin<br />
für Marketing und Vertrieb<br />
der Schönhagener Aquila Aviation<br />
verantwortlich.<br />
ae<br />
<br />
Frank Martini
[ MAGAZIN ]<br />
Reiner Stemme UAS<br />
Aufklärer<br />
aus Wildau<br />
Ein völlig neues Flugzeug wurde jetzt in<br />
Wildau von der Reiner Stemme Utility Air<br />
Systems aufs Fahrwerk gestellt. Die Q01 ist<br />
von Grund auf als Aufklärer für mittlere<br />
Höhen und große Reichweite ausgelegt. Die<br />
maximale Flugdauer beträgt 50 Stunden.<br />
Die Q01 vor den Hallen von Reiner Stemme<br />
UAS auf dem Flugplatz Schönhagen.<br />
Stemme stand bislang für die<br />
innovativen Motorsegler und<br />
Forschungsplattformen S10<br />
und S6 mit Mittelmotor und versenkbarem<br />
Propeller in der Bugspitze.<br />
Mit der Q01 hat Dr. Reiner<br />
Stemme eine weitere Dimension<br />
aufgestoßen. Das Aufklärungsflugzeug<br />
kann sich mit einer maximalen<br />
Abflugmasse von 2,7 Tonnen<br />
in die Luft erheben und dort mit<br />
einer Nutzlast von einer Tonne für<br />
über zwei Tage reichende Einsätze<br />
bleiben. Diese Missionen sollen<br />
autonom oder ferngesteuert erfolgen.<br />
Zum Einsatzort wird die Q01<br />
eine Besatzung bringen, bis zu drei<br />
Personen nimmt das Cockpit auf.<br />
Entstanden ist die fliegende<br />
Beobachtungsplattform Q01 als<br />
Gemeinschaftsprojekt des Emirats<br />
Katar und der von Dr. Reiner Stemme<br />
in Wildau bei Berlin neu gegründeten<br />
Utility Air Systems.<br />
Mitte März stellten Projektmanager<br />
General al-Kawari aus Katar und<br />
Dr. Reiner Stemme das Flugzeug<br />
auf dem Flugplatz Schönhagen<br />
erstmals öffentlich vor. Einige<br />
Stunden Flugerprobung hatte die<br />
Q01 da bereits hinter sich. Der<br />
Erstflug erfolgte Ende November<br />
in Cochstedt, die weiteren Testflüge<br />
von der Stemme-Basis in<br />
Schönhagen aus.<br />
Der Rumpf entstand in dem<br />
inzwischen mit 50 Mitarbeitern<br />
stark aufgestellten Unternehmen<br />
Reiner Stemme Utility Air Systems<br />
in Wildau, das dreiteilige Tragwerk<br />
des Schulterdeckers und das T-<br />
Leitwerk wurden in Polen gebaut.<br />
Die Erfahrungen aus der Zeit der<br />
Fertigung der Faserverbundteile<br />
für die Stemme S10 bildeten die<br />
Basis für die Zusammenarbeit.<br />
Stummelflügel am Rumpf nehmen<br />
die Haupträder des Einziehfahrwerks<br />
auf. Den 310 PS starken<br />
Kolbenmotor mit Bi-Turbolader für<br />
Kerosin, der erst die langen Flugzeiten<br />
ermöglicht, steuert Technify<br />
aus Sankt Egidien bei, inzwischen<br />
eine Tochter von Continental. Auch<br />
der große Dreiblattpropeller ist ein<br />
deutsches Produkt. MT-Propeller<br />
baut ihn für die Q01.<br />
Der hochgestreckte Flügel großer<br />
Spannweite ermöglicht der Q01<br />
eine motorseglertypische geringe<br />
Schwebeleistung. Sie sorgt dafür,<br />
dass mit stark gedrosseltem Motor<br />
und damit minimalem Verbrauch<br />
des Selbstzünders eine Endurance<br />
von mehr als 48 Stunden erreicht<br />
wird.<br />
18 Monate vom festgelegten<br />
Konzept zur Q01<br />
Die lange Flugdauer als UAV<br />
und die Nutzlast von einer Tonne<br />
waren die Eckpfeiler für die Auslegung.<br />
Vier Pods unter den Tragflächen<br />
fassen je 90 Kilogramm<br />
Nutzlast. Sie können als Zusatztanks<br />
dienen oder Spezialkameras und<br />
Sensorsysteme aufnehmen. Unter<br />
dem Rumpf kann auch ein Radarsystem<br />
untergebracht werden. Das<br />
Blick ins Cockpit der Q01. Für den Aufklärer hat Katar Ende März eine<br />
Kaufabsicht mit einem Wert von rund 100 Millionen Dollar unterzeichnet.<br />
Daten Stemme Q01<br />
Hersteller des Flugzeugs: Reiner Stemme Utility Air Systems Wildau<br />
Hersteller des Antriebs:: Technify Motors GmbH, 09350 Lichtenstein,<br />
www.centurion.aero<br />
Antriebsdaten<br />
MusterTAE<br />
Art Bi-Turbo (Jet A-1) mit Common-<br />
<br />
Rail-Einspritzung u. FADEC<br />
Zylinderzahl6<br />
Leistung<br />
310 PS<br />
E-Generator<br />
18 kW<br />
Propeller<br />
HerstellerMT-Propeller<br />
Blattzahl3<br />
Durchmesser<br />
2,10 m<br />
Abmessungen<br />
Spannweite<br />
20 m<br />
Innenflügel<br />
Stummelflügel<br />
Länge<br />
Höhe<br />
11 m<br />
2,89 m<br />
10,73 m<br />
3,27 m<br />
Massen und Mengen<br />
Leermasse<br />
1553 kg<br />
max. Startmasse<br />
2750 kg<br />
Zuladung<br />
1000 kg<br />
4 Flügelpods für 360 kg<br />
Flügeltank, max.<br />
Kerosin<br />
512 kg<br />
Flugleistungen<br />
Endurance<br />
50 h<br />
Fotos: Fischer, Marzinzik, Stemme<br />
36 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Die Q01 im Landeanflug auf<br />
Schönhagen. General al-Kuwari,<br />
unten rechts im Gespräch mit<br />
Dr. Reiner Stemme, managte das<br />
Gemeinschaftsprojekt für Katar.<br />
gesamte Nutzlastvolumen lässt<br />
sich sehr flexibel nutzen und für<br />
die unterschiedlichsten Missionen<br />
konfigurieren.<br />
Eine Möglichkeit der Ausrüstung<br />
mit der 3D-Spezialkamera MACS<br />
erläuterte Diplom-Geologe Frank<br />
Lehmann vom Deutschen Zentrum<br />
für Luft- und Raumfahrt, Institut<br />
für optische Sensorsysteme, bei<br />
der Präsentation. Die Kamera kam<br />
bereits bei der Nepal-Expedition<br />
an der S10 der FH Aachen zum<br />
Einsatz und hat wertvolle Erkenntnisse<br />
über die Himalaya-Täler<br />
und die Hauptstadt Kathmandu<br />
geliefert.<br />
Professor Dr. Reinhard Reichelt<br />
vom Institut für Luftfahrtsysteme<br />
an der Universität Stuttgart stellte<br />
für die Zusammenarbeit mit<br />
Aviotech und zu Autoflight-Systemen<br />
die Erfolge mit der Stemme<br />
S6 (LAPAZ) und der DA42 von<br />
Diamond Aircraft Industrie vor.<br />
Die Vermarktung der Q01 startete<br />
mit der Präsentation. ae<br />
Gerhard Marzinzik
[ MAGAZIN ]<br />
Auf dem Weg, es der<br />
General Aviation<br />
leicht zu machen:<br />
die Referenten der<br />
EASA-Roadmap-<br />
Vorstellung in Bonn.<br />
EASA General Aviation Roadmap<br />
Alles wird gut?<br />
Foto: Evelyn Fey<br />
Wir haben verstanden, wir machen was – und wir zeigen, wo es hingeht: Das war die<br />
Botschaft der Inforunde in Bonn, in der die GA-Roadmap der EASA vorgestellt wurde.<br />
Die Informationsveranstaltung<br />
im Bundesministerium<br />
für Verkehr und digitale<br />
Infrastruktur Anfang März war<br />
die erste nationale Vorstellung der<br />
GA-Roadmap nach der generellen<br />
vor zwei Jahren in Rom. Weitere<br />
sollen in den EU-Mitgliedsstaaten<br />
folgen. Mitarbeiter der EASA, des<br />
LBA und Beteiligte des DAeC und<br />
der AOPA gaben einen Einblick,<br />
was bisher an Erleichterungen für<br />
die Allgemeine Luftfahrt erreicht<br />
worden ist, welche auf dem Weg<br />
sind, wo es hakt und was derzeit<br />
geplant ist.<br />
Das Interesse war riesig. Der<br />
Vortragssaal im BMVI bot 150 Sitzplätze,<br />
und die waren nach der<br />
Ankündigung der Inforunde innerhalb<br />
von 14 Tagen reserviert. Vertreter<br />
von Hersteller- und Instandhaltungsbetrieben,<br />
CAMOs, Behörden<br />
und Verbände waren<br />
vertreten, ebenso Privatpiloten,<br />
Segelflieger und Ballonfahrer.<br />
Das geänderte Grundverständnis<br />
der EASA in Sachen General<br />
Aviation erläuterte der Projektmanager<br />
der GA-Roadmap, Boudewijn<br />
Deuss. Man hat erkannt, dass Regelungen<br />
aus der Verkehrsluftfahrt<br />
nicht einfach der Allgemeinen<br />
Luftfahrt übergestülpt werden<br />
dürfen. Der Versuch hat zu einem<br />
deutlichen Rückgang der Allgemeinen<br />
Luftfahrt geführt. Jetzt<br />
stehen die Verordnungen auf dem<br />
Prüfstand und befinden sich in der<br />
Überarbeitung, damit eine dauerhafte<br />
Entwicklung der General<br />
Aviation in Europa weiterhin möglich<br />
ist. Von der EASA wird dabei<br />
anerkannt, dass im Umfeld von<br />
Privatpiloten nicht das Maß an<br />
Sicherheit verlangt werden kann<br />
und muss wie etwa für zahlende<br />
Passagiere von Airlines. In der<br />
EASA-Sicherheitshierarchie erscheinen<br />
die Privatpiloten der<br />
General Aviation nun erst an sechster<br />
Stelle.<br />
So unsicher war die GA<br />
vor der EASA nicht<br />
Hinsichtlich der strategischen<br />
Ausrichtung heißt es jetzt: Die<br />
EASA will sich auf die minimal<br />
notwendigen Regeln beschränken.<br />
Dabei werden die Risikohierarchie<br />
und bestehende Rechte der Piloten<br />
und Flugzeughalter beachtet.<br />
Erfolge dieser GA-Roadmap gibt<br />
es schon: Der Erwerb der Instrumentenflugberechtigung<br />
wurde<br />
erheblich erleichtert, auch die<br />
Wartungsvorschriften (Part M)<br />
wurden vereinfacht, ebenso Verfahren<br />
zur Verlängerung von Berechtigungen<br />
im Lizenzwesen.<br />
Auf dem Plan stehen jetzt: notwendige<br />
Änderungen der gesetzlichen<br />
Grundlagen (Basic Regulation),<br />
mehr Möglichkeiten für die<br />
Pilotenausbildung und das Pilotentraining<br />
auch neben der heute<br />
einzigen Möglichkeit in Form von<br />
Flugschulen, den Approved Training<br />
Organisations (ATOs), weitere<br />
Erleichterungen in der Wartung<br />
mit einer leichten Part M (Part M<br />
Light), Vereinfachungen für Änderungen<br />
und Reparaturen am<br />
Luftfahrzeug (CS-STAN) und<br />
schließlich eine Vereinfachung der<br />
Musterzulassung und Validierung<br />
ausländischer ergänzender Musterzulassungen.<br />
Werner Scholz erläuterte für den<br />
DAeC die erreichten Erleichterungen<br />
im Bereich Instandhaltung.<br />
Ein großes Hemmnis wurde mit<br />
der Möglichkeit von selbst deklarierten<br />
Instandhaltungsprogrammen<br />
(IHP) genommen. Der Halter eines<br />
ELA-1-Luftfahrzeugs kann selbst<br />
ein IHP deklarieren und damit in<br />
Kraft setzen. Der Halter eines ELA-<br />
2-Luftfahrzeugs kann, wenn es<br />
nicht für die gewerbsmäßige Beförderung<br />
genutzt wird, nun auch<br />
einen Instandhaltungsbetrieb mit<br />
dem Entwurf und der Bearbeitung<br />
der Genehmigung eines IHPs beauftragen.<br />
Dabei ist keine Genehmigung<br />
durch eine Behörde mehr<br />
erforderlich.<br />
Weitere Erleichterungen in den<br />
Wartungsvorschriften haben mit<br />
Part M Light als Notice of Proposed<br />
Amendmend (NPA) bereits die<br />
Kommentierungsphase hinter sich<br />
– es gab nahezu 700 Anmerkungen<br />
aus der Allgemeinen Luftfahrt. Die<br />
Gesetzesvorlage (Opinion) zum<br />
Part M Light wird für April <strong>2016</strong><br />
erwartet.<br />
Part M Light bezieht sich auf<br />
Motorflugzeuge bis 2730 Kilogramm<br />
MTOW, ELA-2-Luftfahrzeuge und<br />
Hubschrauber bis vier Insassen<br />
und 1200 Kilogramm MTOW. Die<br />
Verordnung gilt für diese Luftfahrzeuge<br />
im privaten und gewerblichen<br />
Betrieb außer solchen, die für die<br />
Beförderung innerhalb eines Luftfahrtunternehmens<br />
(gemäß VO<br />
EC1008/2008) eingesetzt werden.<br />
Damit regelt Part M Light künftig<br />
auch die Instandhaltung von Segelflugzeugen<br />
(auch motorisierten)<br />
und Ballonen – auch wenn Passagiere<br />
mitgenommen werden –, da<br />
Ballone und Segelflugzeuge von<br />
der genannten VO ausgenommen<br />
sind.<br />
Künftig ohne<br />
IHP-Genehmigung<br />
Part ML sieht keine IHP-Genehmigung<br />
durch die Behörde mehr<br />
vor. Für Luftfahrzeuge, die von<br />
einer CAMO betreut werden, wird<br />
das IHP von der CAMO genehmigt,<br />
wobei eventuelle Abweichungen<br />
von Herstellerempfehlungen begründet<br />
sein müssen. Außerhalb<br />
einer CAMO wird das IHP vom<br />
Halter schriftlich deklariert; Abweichungen<br />
von Herstelleremp-<br />
38 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
fehlungen müssen nicht begründet<br />
werden.<br />
Part ML soll ein Standard-IHP<br />
enthalten, das vom Halter genutzt<br />
werden kann, solange den Herstellerangaben<br />
gefolgt wird und keine<br />
Reparaturen oder Änderungen (mit<br />
zusätzlichen Instandhaltungsanweisungen),<br />
betriebszeitbegrenzte<br />
Komponenten, wiederholende<br />
Luftfahrttechnische Anweisungen<br />
(ADs) oder Ähnliches existieren.<br />
In diesem Fall muss kein IHP erklärt<br />
oder genehmigt werden.<br />
Unabhängiges freigabeberechtigtes<br />
Personal kann die Prüfung<br />
der Lufttüchtigkeit vornehmen und<br />
die Bescheinigung dafür (ARC)<br />
ausstellen, wenn diese Prüfung<br />
zusammen mit der jährlichen beziehungsweise<br />
der 100-Stunden-<br />
Kontrolle durchgeführt wird. Das<br />
Prüfpersonal muss durch die Behörde<br />
autorisiert werden; die<br />
Person muss eine Part-66-Lizenz<br />
oder eine nationale Qualifikation<br />
haben.<br />
Ein neuer Part-CAO (Combined<br />
Airworthiness Organisation) für<br />
die Allgemeine Luftfahrt mit den<br />
folgenden Anforderungen wird<br />
vorgeschlagen: Anwendbar für<br />
alle technisch nicht-komplexen<br />
Luftfahrzeuge, die nicht kommerziell<br />
(CAT) genutzt werden, das<br />
heißt für alle Luftfahrzeuge im Part<br />
ML und einige im Part M. Instandhaltung<br />
und Prüfung der Lufttüchtigkeit<br />
können dann für diese<br />
Luftfahrzeuge von einem Betrieb<br />
vorgenommen werden. Ein SMS<br />
(Safety Management System) wird<br />
nicht mehr erforderlich sein.<br />
Betriebe, die bereits als CAMO,<br />
Part-145 oder Subpart F genehmigt<br />
sind, werden automatisch eine<br />
Genehmigung nach Part-CAO (mit<br />
Einschränkungen gemäß dem derzeitigen<br />
Genehmigungsumfang)<br />
erhalten. Die derzeitige CAMO-<br />
Genehmigung würde aus dem Part<br />
M entfernt und im neu zu schaffenden<br />
Part-CAMO wieder eingeführt.<br />
Technische Lizenzen<br />
werden umgeschrieben<br />
Angehende Prüfer dürfen sich<br />
über diese Erleichterung freuen:<br />
Für die künftige B2L-Instandhaltungslizenz<br />
für Avionik und elektrische<br />
Systeme sowie für die Lizenz<br />
L für Luftfahrzeuge, Zelle, Antriebseinheit,<br />
mechanische und elektrische<br />
Systeme, Funkgerät, ELT,<br />
Transponder und einige Avioniksysteme<br />
für Segelflugzeuge, motorisierte<br />
Segelflugzeuge, Ballone,<br />
Luftschiffe und ELA-1-Motorflugzeuge<br />
wird kein Lehrgang gefordert.<br />
Die notwendige Prüfung kann bei<br />
der Behörde, einer Part-147-Schule<br />
oder bei Verbänden (wenn durch<br />
die Behörde genehmigt) vorgenommen<br />
werden. Die L-Lizenz wird die<br />
nationalen Qualifikationen ablösen.<br />
Die Verordnung dazu soll im<br />
Sommer <strong>2016</strong> in Kraft treten. Die<br />
Erteilung der L-Lizenzen anstelle<br />
nationaler Lizenzen soll ab 1. Oktober<br />
2018 erfolgen. Erforderliche<br />
Bedingungen für die L-Lizenz sollen<br />
sein: die bestandene Prüfung<br />
und ein Jahr Erfahrung.<br />
Christophe Schmutz vom LBA<br />
informierte, dass im Rahmen der<br />
Einführung der L-Lizenzen auch<br />
die technischen Lizenzen des DAeC<br />
auf der Grundlage der Anerkennung<br />
als nationale Qualifikation geändert<br />
werden.<br />
Nicht so erfreulich sieht bisher<br />
der Weg zur Verordnung zum Flugbetrieb<br />
PART OPS aus. Leider gibt<br />
es von der EU-Verordnung zu diesem<br />
Komplex acht Ergänzungen,<br />
aber bisher nur eine unverbindlich<br />
konsolidierte Fassung. Erschwerend<br />
kommt hinzu, dass GM und AMC<br />
nur auf Englisch existieren. Ab 26.<br />
August <strong>2016</strong> werden dann EU- und<br />
deutsches Recht parallel gelten,<br />
berichtete Dr. Michael Erb (AOPA).<br />
Für den Betrieb von nicht-komplexen<br />
Flugzeugen im nicht-gewerblichen<br />
Betrieb (NCO) wird<br />
sich für die Piloten nicht viel ändern.<br />
Es heißt dann aber, dass eine Sauerstoffversorgung<br />
der Besatzung<br />
notwendig ist, wenn 30 Minuten<br />
über 10000 Fuß geflogen wird.<br />
Erleichterungen dazu sind geplant.<br />
Zur Treibstoffplanung wird erst<br />
einmal gelten: 30 Minuten Reserve<br />
bei einem VFR-Flug von A nach<br />
B (45 Minuten nachts), 45 Minuten<br />
Reserve bei einem IFR-Flug. Auch<br />
hier sind Erleichterungen in Aussicht.<br />
Die Verwendung von Personal<br />
Locator Beacons anstelle von<br />
ELTs soll erlaubt werden.<br />
So notwendig viele Änderungen<br />
sind, ganz dringend bleibt: Die<br />
Behörden müssen für die Piloten<br />
einen verständlichen Überblick<br />
über die Rechtslage schaffen. ae<br />
Gerhard Marzinzik
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
Mit der Mooney nach Nordspanien<br />
GENUSS<br />
TEXT + FOTOS: David Kromka<br />
40 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Ein Reisebericht voller fliegerischer Herausforderungen?<br />
Nein. Vielmehr verraten<br />
zwei Mooney-Piloten, dass die wahren<br />
„Leckerbissen“ auf ihrer Tour jenseits der<br />
sehr leeren Flugplätze zu finden waren.<br />
FLIEGEN<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 41
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
[ 1 ]<br />
In der Calle del Laurel tobt<br />
– im Gegensatz zum Rest<br />
der Stadt Logroño – das<br />
genussvolle Leben.<br />
Da kommst du bei strahlendem<br />
Sonnenschein in eine<br />
fremde Stadt, und alles<br />
wirkt wie ausgestorben:<br />
Kaum Menschen zu sehen, wenige<br />
Autos auf den Straßen. Du machst<br />
dich auf den Weg ins Hotel, checkst<br />
ein und beginnst deine Entdeckungstour.<br />
Du biegst um eine Ecke – und<br />
plötzlich passiert es, dass der Film<br />
richtig anfängt: Alles voller Leute,<br />
Dutzende kleiner Kneipen, Gerüche<br />
und Geräusche einer anderen Welt.<br />
So erging es meinem Mooney-Freund<br />
Werner Wohlfahrt und mir auf unserer<br />
Spanienreise.<br />
Doch der Reihe nach. Werner und<br />
ich – wir haben uns im europäischen<br />
Mooneyclub EMPOA kennengelernt<br />
– sind ein Team, das nunmehr auf<br />
120 Lebens- und 40 Fliegerjahre zurückblickt.<br />
Ingenieur und Flugkapitän:<br />
Wir kommen aus ganz unterschiedlichen<br />
Welten. Die Liebe zu unserer<br />
Turbo-Mooney N252CG, dem „Silberschnabel“,<br />
hat uns viele schöne Erlebnisse<br />
beschert. Berufsbedingt ist<br />
Werner ein halber Spanier geworden,<br />
und es zieht ihn immer wieder auf<br />
die Iberische Halbinsel. Ich bin eher<br />
der Franzose, habe noch einiges in<br />
Spanien nachzuholen. Die Idee einer<br />
Tour durch dessen Norden kommt<br />
daher sehr passend, verspricht sie<br />
doch eine weitere Leidenschaft von<br />
uns abzudecken: das leckere Essen.<br />
Bevor es losgeht, machen wir noch<br />
einen kleinen Abstecher nach Bayern,<br />
wo ich in Freising zum 20-jährigen<br />
Abiturtreffen eingeladen bin. Klar,<br />
dass wir uns die Landung auf Deutschlands<br />
erstem Verkehrsflugplatz, in<br />
Oberschleißheim, nicht entgehen<br />
lassen. Nach dem zweitägigen Heimatstopp<br />
hebt unser Silberschnabel<br />
an einem Sonntagmittag bei IFR-<br />
Wetter Richtung Südwesten ab: Etappenziel<br />
ist der Flugplatz Auch, noch<br />
auf der französischen Seite der Pyrenäen.<br />
Der Pick-up durch München<br />
Radar läuft problemlos, wir durchsteigen<br />
eine 2000 Fuß starke Wolkenschicht<br />
und sind bald im Sonnenlicht<br />
mit Kurs auf VOR Trasadingen in die<br />
Schweiz unterwegs. Nach Weitergabe<br />
an Swiss Radar und schließlich<br />
die französischen Lotsen werden<br />
unsere Wünsche nach Directs immer<br />
erfüllt.<br />
Rund dreieinhalb Stunden sind wir<br />
unterwegs, ab Lyon unter einem wolkenlosen<br />
Himmel und über einer<br />
herbstlichen Landschaft. Die Landung<br />
auf der langen Asphaltbahn von Auch<br />
erfolgt im bewährten Unicom-Verfahren:<br />
Wie in den USA wird in Frankreich<br />
von den Piloten angesagt, was jeder<br />
macht. Flugleiterpflicht: non, merci.<br />
Am Platz wartet bereits EMPOA-<br />
Freund Andi Högl. Der in den Südwesten<br />
ausgewanderte Franke freut<br />
sich über unseren Besuch, hätte uns<br />
aber gerne zu seinem Heimatplatz<br />
Castelnau-Magnoac 20 Meilen weiter<br />
südlich gelockt, doch ich traue den<br />
Grasbahnen nicht so sehr. Wir tauschen<br />
alte und neue Geschichten aus<br />
und genießen ein leckeres Essen in<br />
der Altstadt von Auch.<br />
Zapfenstreich ist für uns ungewohnt<br />
früh, denn am Montagmorgen ist<br />
frühes Abheben angesagt. Grund:<br />
Unser Zielflugplatz Logroño im Rioja<br />
schließt bereits um elf Uhr vormittags!<br />
Der Airport ist, was man einen Geisterflugplatz<br />
nennt: ein riesiger, topmoderner<br />
Flugplatz, den keiner braucht<br />
und keiner benutzt. Trotzdem wird<br />
er am Leben gehalten, aber eben nur<br />
bis elf Uhr. Die Lotsin von Pamplona<br />
Control ist deshalb verwundert, als<br />
sich eine Privatmaschine aus Frankreich<br />
ankündigt. Sie weist uns um<br />
10.30 Uhr besorgt auf die bevorstehende<br />
Platzschließung hin. Offensichtlich<br />
hat sie nicht mit der Mooney-<br />
Speed gerechnet: Um 10.50 Uhr<br />
setzen wir als einziger Verkehr des<br />
Tages in Logroño auf. Man weist uns<br />
42 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Autor David Kromka (l.) und sein Copilot Werner Wohlfahrt vor ihrem „Silberschnabel“,<br />
einer Mooney M20K TSE. Dank turboaufgeladenem Continental-Motor ist<br />
der Viersitzer recht flott unterwegs. [ 2 ] Der Flugplatz von León ist groß, topmodern<br />
und nahezu ungenutzt. Ein Linienflug pro Woche landet hier. [ 3 ] Eine leere Abfertigungshalle<br />
für einsame Mooney-Piloten: So was gibt es wohl nur in Nordspanien.<br />
[ 3 ]<br />
einen Platz auf dem GA-Vorfeld zu.<br />
Wir sind das einzige Flugzeug neben<br />
einer spanischen TB10, deren Besitzer<br />
gerade Wartungsarbeiten beenden<br />
und uns in die Stadt mitnehmen.<br />
Man erklärt uns, dass heute „Tag<br />
des Spanischtums“ sei, ein landesweiter<br />
Feiertag. Unser Plan, mit einem<br />
Mietwagen durch die Weinberge zu<br />
fahren, scheitert an geschlossenen<br />
Geschäften und Büros. Überhaupt<br />
haben wir von Logroño den Eindruck<br />
einer ausgestorbenen Provinzstadt,<br />
bis wir in die Calle del Laurel und<br />
ihre Nebenstraßen einbiegen. Dort<br />
tobt das Leben; eine solche Anhäufung<br />
von Tapaskneipen und Bars haben<br />
wir beide noch nicht erlebt. Besonderheit<br />
der Laurel ist, dass jedes<br />
Lokal neben den Tapasklassikern<br />
eine Spezialität des Hauses hat. Mal<br />
sind es Pilze, mal Meeresfrüchte,<br />
Blutwurst oder Eierspeisen. Die kleinen<br />
Leckereien kommen in allen<br />
Farben und Formen daher, als Brötchen<br />
(Bocadillo), aber auch als Spieße, auf<br />
kleinen Tellerchen oder in Terrinen.<br />
Wieder einmal sind wir überrascht,<br />
wie günstig das Essen in Spanien ist.<br />
Das Glas Wein immer unter zwei Euro,<br />
selten kosten die Tapas mehr als<br />
vier. Für kleines Geld findet hier jeder<br />
sein Lieblingsessen und wird satt –
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
Ein Glas Wein für zwei Euro – auch<br />
das gehört zu Spaniens Vorzügen.<br />
In den Tapasbars wird<br />
überall kulinarische<br />
Handwerkskunst vom<br />
Feinsten geboten.<br />
Die Reiseroute Nordspanien<br />
Infos zur Tour: Avgas am besten in Frankreich tanken:<br />
Die Air-Total-Karte ist mittlerweile auch für Deutsche<br />
verfügbar und bietet 24/7-Automaten zu rund 30 Prozent<br />
günstigeren Preisen als in Deutschland. Landegebühren<br />
in Frankreich inklusive einer Übernachtung: rund<br />
10 Euro. In Spanien sind die Landegebühren selbst<br />
ebenfalls günstig, teuer wird dann das Abstellen (in<br />
LERJ 30 Euro, in LELN 70 Euro). In Spanien auf Bürokratie<br />
gefasst sein und Avgas-Verfügbarkeit prüfen.<br />
Auf vielen spanischen Plätzen ist der<br />
Flugverkehr sehr überschaubar.<br />
und kommt zwangsläufig ins Gespräch<br />
mit anderen Gästen in den überfüllten<br />
Lokalen.<br />
Die kulinarische Reise soll aber<br />
weitergehen, und am Dienstagmorgen<br />
machen wir uns auf Richtung Westen,<br />
nach León. Der Start muss wieder vor<br />
elf Uhr erfolgen, darum sind wir bereits<br />
um zehn Uhr am Airport. Nach<br />
umständlichen Formalakten werden<br />
wir mit maximaler Sicherheit konfrontiert:<br />
Zehn Polizisten der Guardia<br />
Civil nehmen sich der zwei deutschen<br />
Piloten bei der Passagierkontrolle an;<br />
sie eskortieren uns zum Flieger. Die<br />
Damen und Herren sind sehr freundlich,<br />
wir hingegen leicht fassungslos<br />
ob dieser Steuergeldverschwendung.<br />
Der gut einstündige Flug nach León<br />
führt uns über die endlosen Weiten<br />
des nordspanischen Hochlands. Wir<br />
halten zuerst Kontakt zu Logroño,<br />
dann werden wir an Madrid und<br />
schließlich León Control weitergereicht.<br />
Nach der Landung ein bekanntes<br />
Bild: Weit und breit kein Flugzeug,<br />
aber jede Menge Bürokratie. Auf dem<br />
gähnend leeren Vorfeld erklärt uns<br />
der Feuerwehrmann, dass wir unsere<br />
Maschine lieber fünf Meter weiter<br />
südlich abstellen sollen. Er packt aber<br />
mit an beim Rangiervorgang.<br />
Diesmal haben wir vorgeplant und<br />
einen Mietwagen reserviert. Wir beziehen<br />
Quartier in La Bañeza, bevor<br />
wir uns abends auf den Weg nach<br />
Jiménez de Jamuz aufmachen: Ziel<br />
ist El Capricho, die Fleischkathedrale<br />
von José Gordón. Der Grillmeister<br />
betreibt mitten in der spanischen<br />
Pampa und vier Autostunden von<br />
Madrid entfernt eines der fünf besten<br />
Steakhäuser der Welt. Ich hatte bereits<br />
vor Jahren über ihn gelesen. Gordóns<br />
Spezialität sind alte Arbeitsochsen,<br />
die er zwei Jahre lang mästet und<br />
massiert, bevor sie geschlachtet werden.<br />
Wir bestellen eine Chuleta, die<br />
locker für beide reicht. Das saftige<br />
Fleisch wird am Tisch vom Chef aufgeschnitten<br />
und kunstvoll mitsamt<br />
dem zarten Fett auf den Tellern<br />
arrangiert. Die Qualität ist unbeschreiblich,<br />
wir genießen und lassen<br />
diesmal keinen Anstandsrest zurück.<br />
Begleitet wird das Ganze von einem<br />
leckeren Bierzo-Wein aus der Gegend<br />
nordwestlich von León.<br />
Diese klimatisch eher kühle Weingegend<br />
besuchen wir am folgenden<br />
Tag. Grüne Hügel bilden die Kulisse<br />
nicht nur für Reben kräftiger Rotweine,<br />
sondern auch für die Stadt<br />
Astorga, einen Hauptort des Jakobswegs.<br />
Dort verabschieden wir uns<br />
von Nordspanien. Zwei Stunden geht<br />
es am nächsten Tag die Küste entlang<br />
bis nach Périgueux. Ich sitze am Steuer<br />
und freue mich, dass der IFR-<br />
Anflug doch nicht so scharf ist wie<br />
zwischenzeitlich erwartet.<br />
Yannick, der AFIS-Agent, bringt<br />
uns in ein nahe gelegenes Hotel. Das<br />
letzte Essen auf dieser Reise wird<br />
klassisch französisch, eine kleine<br />
Brasserie bietet sich an. Glück haben<br />
wir am nächsten Tag mit dem Wetter,<br />
unser Heimatplatz Mainz meldet VFR-<br />
Bedingungen. Der dreistündige Rückweg<br />
gerät somit zu einem sorgenfreien<br />
VFR-on-top-Leg, bis wir im<br />
Rheintal durch die mittlerweile aufgelockerte<br />
Wolkendecke sinken. ae<br />
44 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Fliegende Legenden<br />
Klassiker der Luftfahrt aus der<br />
FLUG REVUE-Edition präsentiert<br />
spannende Dokumentationen<br />
über historische Flugzeuge und<br />
ihre faszinierende Technik.<br />
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[ UL/LSA Twister Aerobatics<br />
AUTOR: Max Kühnl<br />
FOTOS: Karl Drage / Twister Aerobatics, Max Kühnl<br />
LEICHTE KU<br />
46 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Formationsflug über der<br />
Wüste: Die Twister zeigen<br />
sich gern zusammen mit<br />
andern Kunstfliegern.<br />
Feuerspucker: Die beiden<br />
Engländer brachten<br />
Pyrotechnik im Kunstflug<br />
nach Europa.<br />
NST Verschnitt<br />
Aerobatics mit einem UL? In Deutschland<br />
verboten, in England kein Problem – ebenso wie<br />
die Landebahn im eigenen Garten. Das Twister<br />
Aerobatics Team zeigt mit dem kleinen Spitfireaus<br />
Deutschland eine große Show.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 47
[ UL/LSA Twister Aerobatics<br />
Kuschelkurs: Wenn die<br />
Twister Formation fliegen,<br />
bleibt zwischen den<br />
Maschinen nicht viel Luft.<br />
Rauchen erlaubt! Die<br />
weiße Fahne erleichtert<br />
es den Zuschauern, die<br />
Flugshow zu verfolgen.<br />
Schmale Blasenhaube, elliptische<br />
Tragflächen und eine mit<br />
Schwung gezeichnete Silhouette:<br />
Im Gegenlicht sieht es<br />
so aus, als würden zwei Spitfire zum<br />
Tiefflug über die Piste ansetzen. Der<br />
Wingman folgt dem Führungsflugzeug<br />
wie ein Schatten. „Pitching, pitching,<br />
up!“, lautet das Kommando<br />
aus der vorderen Maschine. In der<br />
nächsten Sekunde ziehen die beiden<br />
Einmots steil nach oben, um nach einigen<br />
Wenden ein rauchendes Herz<br />
in den blauen Himmel zu malen. Allein<br />
die Geräuschkulisse verrät, dass<br />
nicht der britische Jäger aus dem<br />
Zweiten Weltkrieg das waghalsige<br />
Flugmanöver vorführt. Vielmehr fliegt<br />
hier ein modernes CFK-UL: die Twister<br />
des norddeutschen Bausatzherstellers<br />
Silence Aircraft. Pilotiert werden<br />
die Kleinflugzeuge von Peter Wells<br />
und Chris Burkett, auf Airshows besser<br />
bekannt als Twister Aerobatics<br />
Team. Mit ihrem etwa elfminütigen<br />
Programm fliegen sie jedes Jahr rund<br />
50-mal vor begeistertem Publikum.<br />
Ultralight und Kunstflugmanöver<br />
– „Das ist doch verboten!“, mag es<br />
da manchem deutschen Piloten durch<br />
den Kopf schießen. In Deutschland<br />
schon, doch in England sehen die<br />
Regularien anders aus. Dort ist die<br />
etwa 290 Kilogramm leichte Twister<br />
als herkömmliches „Fixed Wing Landplane“<br />
registriert. Diese Klasse reicht<br />
von einem bis 750 Kilogramm. Damit<br />
ist es für die beiden Kunstflieger aus<br />
Long Crendon in der Nähe von Oxford<br />
kein Problem, die zugelassenen +6<br />
und -4 g der Twister voll auszunutzen.<br />
Doch wie kommt man darauf, mit<br />
einem UL Kunstflug zu betreiben?<br />
„Mein Traum war es schon immer,<br />
Kunstflug im Team zu zeigen, doch<br />
es brauchte eine abgefahrene Idee,<br />
um sich von anderen zu unterscheiden“,<br />
sagt Team Leader Peter Wells.<br />
Auf der AERO in Friedrichshafen 2004<br />
wurde er schließlich fündig. Dort<br />
zeigte Silence erstmals seine Twister<br />
– und erregte großes Aufsehen. „Man<br />
hat den Stand vor lauter Menschen<br />
nicht gesehen“, erinnert sich Wells.<br />
„Ich wusste, da muss ich hin.“<br />
Der Ultraleicht-Bausatz faszinierte<br />
ihn sofort – nicht zuletzt auch die<br />
an die legendäre Spitfire erinnernde<br />
Optik. Mit diesem Flugzeug sah er<br />
seine Vorstellung von einer alternativen<br />
Kunstflugstaffel in Erfüllung<br />
gehen.<br />
So kaufte sich Wells einen ersten<br />
Bausatz der Twister. Die Montage<br />
war für ihn kein Problem, ist er doch<br />
Gründer von Zulu Glasstek, einem<br />
luftfahrttechnischen Betrieb, der sich<br />
auf die Reparatur von Verbundwerkstoffen<br />
spezialisiert hat. Eben jenem<br />
Material, aus dem auch die Twister<br />
hergestellt ist. Die Maschine, Kennung<br />
G-TWST, hob 2008 zum ersten Mal<br />
ab. Wells war sofort begeistert von<br />
ihren Flugeigenschaften. Einzig der<br />
originale, nicht kunstflugtaugliche<br />
Motor von Jabiru mit 80 PS trübte<br />
das Bild. „Mit ihm konnten wir das<br />
volle Potenzial des Flugzeugs nicht<br />
ausnutzen“, bedauert der 49-Jährige.<br />
Auf der Suche nach einer Alternative<br />
wurde man bei UL Power in<br />
Belgien fündig. Eine mit einem modifizierten<br />
Ölsystem ausgestattete<br />
Version des 2,6-Liter-Motors ist voll<br />
kunstflugtauglich und leistet 108 PS.<br />
Doch schneller wurde die Twister<br />
auch durch das Leistungsplus nicht:<br />
48 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
[ 3 ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] bis [ 3 ] Air-to-air mit<br />
der 757: Im Werbelook für<br />
DHL sieht die Twister aus<br />
wie die Miniaturausgabe<br />
des Frachters.<br />
[ 4 ]<br />
[ 5 ]<br />
[ 6 ]<br />
[ 4 ] Neben der Pyrotechnik<br />
sorgt eine aufwendige<br />
Beleuchtung der Maschinen<br />
im Dunkeln für einen<br />
spektakulären Auftritt.<br />
[ 5 ] Teamchef Peter Wells<br />
(links) mit seinem<br />
Flügelmann Chris Burkett.<br />
[ 6 ] Die Twister im<br />
Winterschlaf: Jetzt stehen<br />
Wartungsarbeiten an.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 49
[ UL/LSA Twister Aerobatics<br />
Im Dunkeln ist der<br />
Abstand größer – das<br />
„flammende Herz“ sieht<br />
trotzdem spektakulär aus.<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
[ 1 ] Einen kleinen<br />
Abstecher in die Berge<br />
lassen sich die beiden<br />
nicht nehmen, ebensowenig<br />
wie tiefe Überflüge<br />
über Industrieanlagen [ 2 ].<br />
[ 3 ] Selbst die Gesichtszüge<br />
sind zu erkennen –<br />
so nah ist der Verfolger.<br />
[ 4 ] Für die Saison <strong>2016</strong><br />
fehlt noch ein Sponsor.<br />
50 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
„Leider ist dieser Motor auch schwerer<br />
als das Originaltriebwerk, das<br />
frisst den Leistungsvorteil wieder<br />
auf“, bedauert Wells.<br />
So fällt dann auch sehr oft das Wort<br />
„underpowered“, wenn er über die<br />
Twister redet. Denn mit einem untermotorisierten<br />
Flugzeug sei ein<br />
Formationsflug gar nicht so einfach.<br />
Sein Verfolger Chris Burkett müsse<br />
sich die Energie schon sehr gut einteilen<br />
und ihm aufmerksam folgen.<br />
So werden fast alle gen Boden gerichteten<br />
Manöver im Leerlauf geflogen,<br />
damit Burkett die Chance hat,<br />
über die Zugabe von Gas zu korrigieren.<br />
„Ich kann Chris nicht sehen, weil<br />
er ja hinter mir fliegt, und könnte,<br />
wenn er zurückfällt, nicht rechtzeitig<br />
das Gas herausziehen.“ Wegen der<br />
Motorisierung liegen auch die Geschwindigkeiten<br />
im für eine Einmot<br />
normalen Bereich: Die meisten Manöver<br />
werden mit einer Geschwindigkeit<br />
um die 120 Knoten geflogen,<br />
die Anfluggeschwindigkeit beträgt<br />
rund 60 Knoten.<br />
Auch jenseits der Kunstflugtauglichkeit<br />
gab es Modifikationen. So hat<br />
Wells einige Stellen verstärkt, um<br />
beispielsweise das Aufbocken für<br />
einen Radwechsel zu erleichtern. „Die<br />
Twister ist schon von Haus aus ein<br />
sehr gutes Kunstflugzeug“, lobt er<br />
sein Gerät.<br />
Mit der ersten Maschine flog Wells<br />
drei Jahre lang Vorführungen alleine<br />
oder in Begleitung einer Segelkunstflugstaffel,<br />
dem Swift Aerobatics<br />
Display Team. 2009 erwarb er eine<br />
weitere Twister, die von Anfang an<br />
mit dem neuen Motor ausgerüstet<br />
war. Im darauffolgenden Jahr gründete<br />
er mit seinem Teamkollegen Guy<br />
Westgate das Duo Twister Aerobatics.<br />
Ihre erste Show führte die beiden<br />
nach Turkmenistan ans Kaspische<br />
Meer, wo sie bei der Einweihung des<br />
Turkmenbashi Airport erstmals ihr<br />
Programm zeigten. Angereist waren<br />
sie auf einem spektakulären Vier-<br />
Tages-Trip quer durch Europa – natürlich<br />
mit ihren Twistern. Die Route<br />
führte über Italien, den Balkan, Griechenland,<br />
die Türkei und Georgien<br />
nach Turkmenistan.<br />
2011 konnten sie die schottische<br />
Vermögensverwaltung Scottish Widows<br />
Investment Partnership als<br />
Sponsor gewinnen, was die beiden<br />
zum SWIP-Team und dem Werbemaskottchen<br />
der Bank machte. Drei Jahre<br />
lang flogen Wells und Westgate in<br />
dieser Konstellation auf den Airshows<br />
Europas. Und auch auf nahezu allen<br />
Werbeplakaten von SWIP war das<br />
Twister-Duo zu sehen. 2013 verlängerten<br />
die Schotten den Vertrag nicht.<br />
Seitdem ist Wells auf der Suche nach<br />
einem neuen Titelsponsor, das Team<br />
flog nur noch einzelne Shows im<br />
Sponsorenauftrag, beispielsweise für<br />
DHL in Bahrain. Im Sommer sind die<br />
Twister Aerobatics nahezu jedes<br />
Wochenende auf einer Airshow in der<br />
Luft. „Manchmal sogar auf mehreren<br />
an einem Tag. Da kommen wir an,<br />
fliegen unser Programm und hüpfen<br />
direkt weiter zur nächsten“, erzählt<br />
der Pilot. Der Rekord liegt bei vier<br />
Airshows an einem Tag.<br />
Seit der vergangenen Saison fliegt<br />
Wells mit seinem neuen Teamkollegen<br />
Chris Burkett, den er auf einer Flugschau<br />
in Bahrain kennenlernte. Der<br />
britische Kunstflieger flog seine Vorführungen<br />
auf einer Extra 300 und<br />
beeindruckte Wells mit seiner Präzision,<br />
was ihn als idealen Verfolger<br />
prädestinierte. Auch persönlich stimmt<br />
es zwischen den beiden. Dreißig<br />
Stunden haben sie vor der letzten<br />
Saison zusammen geübt. Gestartet<br />
sind sie dabei immer von ihrer Homebase,<br />
dem Baileys Field in der Nähe<br />
von Long Crendon nördlich von London.<br />
Das ist Wells private Graspiste<br />
– in keiner Karte zu finden, praktisch<br />
im Garten hinter dem Haus, neben<br />
der Pferdekoppel. Für einen Deutschen<br />
wirkt das surreal, aber von dieser<br />
ländlichen Idylle aus startet das<br />
Twister-Team auch zu den Airshows<br />
dieser Welt. Nur viertägige Anreisen<br />
nimmt Wells nicht mehr auf sich: „Die<br />
beiden Maschinen haben wir in zwei<br />
Stunden in einem Container, und dann<br />
greifen wir auf die Dienste von Luftspeditionen<br />
zurück“, erklärt er.<br />
An neuen Ideen mangelt es Wells<br />
indes nicht: Er war 2010 der erste<br />
europäische Kunstflieger, der während<br />
der Dämmerung anstelle seiner Rauchanlage<br />
Pyrotechnik einsetzte, um so<br />
spektakuläre Funken am Himmel zu<br />
verteilen. Auch künftig soll es immer<br />
wieder Neues geben. „Ich habe noch<br />
einiges im Köcher“, sagt er mit einem<br />
Grinsen. Die Illusion einer Miniatur-<br />
Spitfire auf der Jagd nach der schönsten<br />
Figur wird also immer wieder aufs<br />
Neue in Szene gesetzt.<br />
ae<br />
Im Tiefflug über die<br />
berühmte Londoner<br />
o2-Arena – das ist nicht<br />
jedem Piloten vergönnt.<br />
Twister in the box: Zwei<br />
Stunden dauert das<br />
Verladen pro Flugzeug,<br />
wenn es weit weg geht.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 51
[ BUSINESS AVIATION News ]<br />
Dassault<br />
Falcon 8X<br />
vor Zulassung<br />
Foto: Falcon<br />
Dassaults künftiges Flaggschiff,<br />
die Falcon 8X, hat<br />
den Großteil ihrer Flugerprobung<br />
abgeschlossen. Zur Testflotte<br />
gehören drei Maschinen, die<br />
seit dem Erstflug im Februar 2015<br />
auf 325 Flügen insgesamt 650<br />
Flugstunden absolviert haben.<br />
Zuletzt standen die Erprobung der<br />
Kabinensysteme sowie klimatische<br />
Tests an. Eine Maschine wurde<br />
an die Hudson Bay in Kanada verlegt,<br />
um dort bei bis zu minus 33<br />
Grad Celsius zu operieren. Der<br />
Ultralangstrecken-Jet habe dabei<br />
keinerlei Auffälligkeiten gezeigt<br />
und sei auch bei tiefen Temperaturen<br />
voll einsatzfähig gewesen.<br />
Als Nächstes wird Dassault<br />
eine einmonatige Testkampagne<br />
starten. Diese führt den Trijet durch<br />
Europa, den Mittleren Osten, Asien<br />
sowie Nord- und Südamerika.<br />
Die Franzosen wollen den potenziellen<br />
Kunden dabei die Zuverlässigkeit<br />
sowie das Kabineninfotainment<br />
im täglichen Einsatz<br />
demonstrieren.<br />
Zur Testflotte der G500 ist jüngst<br />
der vierte Prototyp gestoßen.<br />
Gulfstream<br />
Neue Geschwister im Test<br />
Gulfstream Aerospace aus Savannah<br />
im US-Bundesstaat Georgia<br />
treibt das Testprogramm seiner<br />
beiden Topmodelle voran. Die neue<br />
G500, die nicht mit der bisherigen G500<br />
verwechselt werden darf, soll im kommenden<br />
Jahr zugelassen und 2018<br />
erstmals ausgeliefert werden. Der Midsize<br />
Business Jet wurde von Grund auf<br />
neu entwickelt. Er wird von neu entwickelten<br />
Pratt&Whitney-Triebwerken<br />
vom Typ PW814GA angetrieben. Darüber<br />
hinaus verfügt die G500 über<br />
eine Fly-by-Wire-Flugsteuerung via<br />
Sidestick sowie über das neue, symmetrische<br />
Cockpit. Dadurch haben<br />
beide Piloten stets alle Instrumente<br />
im Blick und können die Inputs des<br />
jeweils anderen an ihrem Joystick<br />
spüren. Die Reichweite soll bei 9000<br />
Kilometern liegen.<br />
Aus demselben Entwicklungsprogramm<br />
geht das größere Schwestermodell<br />
G600 hervor. Dieses ist für<br />
Ultralangstrecken konzipiert und kommt<br />
auf eine Reichweite von mehr als 11 000<br />
Kilometern. Das Programm befindet<br />
sich noch in der Phase der Bodenversuche.<br />
Ein Testaufbau für die Systeme<br />
hat im Februar seinen ersten virtuellen<br />
Flug absolviert. Die Indienststellung<br />
des Modells ist für 2019 angepeilt.<br />
Das Cockpitmodell der G600<br />
ist voll funktionsfähig.<br />
Fotos: Gulfstream<br />
52 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Tiefgefroren: Am Polarkreis<br />
wurde die 8X unter Extrembedingungen<br />
getestet.<br />
Seit über 40 Jahren Ihr Spezialist -<br />
treffen Sie uns auf der Messe !<br />
Zur Jahresmitte soll das Flugzeug<br />
die Zulassung durch die<br />
europäischen und amerikanischen<br />
Behörden erhalten. Die ersten<br />
Exemplare werden zum Ende des<br />
Sommers in Kundenhand übergehen.<br />
Bei der Falcon 8X handelt es<br />
sich um eine Weiterentwicklung<br />
der 7X. Sie ist für lange Interkontinentalstrecken<br />
gedacht und<br />
besitzt mit einer Reichweite von<br />
knapp 12 000 Kilometern die größte<br />
in der Falcon-Familie.<br />
Top Flugzeuge:<br />
• 1992 Beech King Air C90B XP - TT 3.450 hrs<br />
• 20<strong>05</strong> Beech King Air C90B - TT 1.450 hrs<br />
• 1985 Beech King Air F90-1 - TT 4.400 hrs<br />
• 2007 Beech King Air B200 - TT 1.150 hrs<br />
• 2010 Beech King Air 350i - TT 1.150 hrs<br />
Foto: Tecnam<br />
Tecnam<br />
P2012 vorgestellt<br />
Tecnam hat Mitte März das Roll-out des ersten Prototyps der<br />
P2012 Traveller gefeiert. Es ist das größte Flugzeug des italienischen<br />
Herstellers, der bisher überwiegend Einmots gefertigt<br />
hat. Das Flugzeug bietet Platz für bis zu elf Passagiere und<br />
wird von zwei Lycoming-Kolbenmotoren angetrieben. Damit entspricht<br />
es den FAR-Part-23-Regularien. Der Erstflug ist für Juni geplant.<br />
Tecnams Geschäftsführer Paolo Pascale sieht in den kommenden<br />
Jahren einen wachsenden Bedarf von kleinen Regionalflugzeugen.<br />
Erstkunde für das neue Modell wird die amerikanische Cape Air<br />
sein, die bislang als Partner von United Strecken von und nach New<br />
York, Florida und in die Karibik hauptsächlich mit Cessna 402 befliegt.<br />
Die Cessnas sollen durch P2012 Traveller ersetzt werden.<br />
Top Service:<br />
• Instandhaltung, Reparatur & Modifikation<br />
für Beechcraft , Hawker 400XP, Cessna Citation<br />
• Spezialleistungen bei Avionik / Instrumenten<br />
• Unfall-Instandsetzung / -Bergung<br />
• CAMO+ Organisation<br />
• Europas größtes Beechcraft-Ersatzteillager<br />
Ihr Kontakt vor Ort: +49 (0)171 - 210 20 37<br />
Augsburg Air Service GmbH<br />
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• EASA Part 21J und 145<br />
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Fax +49 (0)821 - 7003 - 153<br />
info@aas-augsburg.de<br />
<br />
Ein Unternehmen der Atlas Air Service AG
[ BUSINESS AVIATION News ]<br />
Das jüngste Mitglied der Challenger Familie, die Challenger<br />
650, wurde im März durch die europäische Luft- und Raumfahrtbehörde<br />
EASA zugelassen. Bereits im vergangenen<br />
Jahr wurde die Twin von den amerikanischen Behörden zertifiziert<br />
und von Launch Customer NetJets in Dienst gestellt. Die Challenger<br />
650 ist 2012 als Weiterentwicklung der Challenger 6<strong>05</strong> gestartet,<br />
als die Amerikaner 50 Optionen für das Muster zeichneten.<br />
Der Entwurf der<br />
Challenger<br />
stammt noch von<br />
Canadair.<br />
Bombardier<br />
Challenger 650 zugelassen<br />
Jetzt ist der Weg auch für<br />
das Europadebüt des neuen<br />
Business Jets geebnet. Die<br />
ersten EASA-registrierten Kunden<br />
sollen das Flugzeug noch<br />
in diesem Jahr in Empfang<br />
nehmen können.<br />
Es besitzt eine komfortablere<br />
Kabine mit einem neuen<br />
Cabin Management System und<br />
HD-Monitoren. Dieses wurde<br />
von Lufthansa Technik entwickelt.<br />
Angetrieben wird der<br />
Business Jet von zwei CF34-<br />
3-Turbofans mit erhöhtem<br />
Schub, die aus dem Hause GE<br />
Aviation stammen. Dadurch<br />
sollen sich Startstrecke und<br />
Verbrauch verringern und sich<br />
die Nutzlast vergrößern. Auch<br />
im Cockpit des Midsize Jets<br />
kommt neueste Technik zum Einsatz: So sind ein neues Flight<br />
Management System, ein Multi-Scan-Wetterradar sowie Head-up-<br />
Displays mit Enhanced Vision an Bord. Die Reichweite der Challenger<br />
650 beträgt 7408 Kilometer, was Direktflüge von London<br />
nach New York oder Dubai ermöglicht. Die Challenger-600-Familie<br />
hat Bombardier nach der Übernahme von Canadair fortgeführt. Der<br />
Erstflug der ersten Challenger 600 fand 1978 statt.<br />
Foto: Bombardier<br />
Embraer<br />
Deutscher Partner<br />
Rund ein halbes Jahr nach Beginn der Partnerschaft haben Atlas<br />
Air Service und Embraer diese in Bremen gefeiert. Eigens angereist<br />
waren Embraer-Vertreter aus Brasilien sowie die brasilianische<br />
Botschafterin in Deutschland. Ebenfalls zu sehen war die<br />
nahezu komplette Palette an Geschäftsreiseflugzeugen des drittgrößten<br />
Flugzeugherstellers.<br />
Atlas Air Service tritt seit September 2015 als Repräsentant für<br />
Embraer Executive Jets in Deutschland, der Schweiz und Österreich<br />
auf. Bereits im Dezember wurden die ersten Flugzeuge über den deutschen<br />
Dienstleister ausgeliefert. Dr. Nicolas von Mende, CEO bei Atlas<br />
Air Service, zieht ein positives Zwischenfazit nach den ersten Monaten<br />
der Zusammenarbeit: „Unsere Kunden sind begeistert von der Qualität<br />
der Embraer-Produkte, was sich auch durch konkrete Verkaufserfolge<br />
während der Veranstaltung gezeigt hat.“ Zuvor waren die Bremer<br />
als Vertriebspartner von Cessna im deutschsprachigen Raum tätig.<br />
Foto: Atlas Air Service<br />
54 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Praxis<br />
Know-how<br />
Mai <strong>2016</strong><br />
für<br />
Einsteiger und<br />
Fortgeschrittene<br />
Jet-Piloten und Astronauten werden in<br />
Zentrifugen auf ihre g-Toleranz geprüft.<br />
Menschliches Leistungsvermögen<br />
Wenn es an die Grenze geht<br />
Beim Kunstflug kommt nicht nur das Flugzeug an seine Limits, auch der Pilot<br />
muss einiges ertragen. Mit der richtigen Technik macht der Körper vieles mit.<br />
Foto: RAM - Fotolia<br />
Wer sich mit menschlichem Leistungsvermögen<br />
im Kunstflug befasst, der<br />
kommt um Physik nicht herum. Bei<br />
jeder Änderung der Flugbahn, beispielsweise<br />
im Kurvenflug oder Abfangen, wirkt die<br />
Fliehkraft, weil sich die bewegte Masse aufgrund<br />
ihrer Trägheit tangential zur Richtungsänderung<br />
weiterbewegen will. Kraft ist Masse<br />
mal Beschleunigung, und da die Masse<br />
des Piloten konstant bleibt, drückt man der<br />
Einfachheit halber die Fliehkraft durch die<br />
auf den Piloten wirkende Beschleunigung aus.<br />
Auf eine Masse in Ruhe wirkt die Erdbeschleunigung<br />
g = 9,81 m/s². Wird diese Masse auf<br />
einer Kreisbahn bewegt, kommt die zur Fliehkraft<br />
gehörende Querbeschleunigung hinzu,<br />
und die resultierende Gesamtbeschleunigung<br />
wird im Vielfachen der Erdbeschleunigung<br />
ausgedrückt. Wirkt auf die Masse die dreifache<br />
Erdbeschleunigung, so sind das 3 g.<br />
Ein Pilot, der eine Steilkurve mit einer Beschleunigung<br />
von 3 g fliegt, „wiegt“ das<br />
Dreifache seines Gewichts in Ruhe. Gleiches<br />
gilt für sein Blut, und der Kreislauf hat Mühe,<br />
dieses „schwere“ Blut weiterhin zu den Organen<br />
zu befördern. Dies betrifft jene Beschleunigungen,<br />
bei denen die Kraft vom Kopf in<br />
Richtung der Füße wirkt. Weil das der normalen<br />
Position im Flug entspricht, heißt sie<br />
positive g-Belastung, kurz positive g. Wirkt<br />
die Kraft dagegen von den Füßen in Richtung<br />
Kopf, spricht man von negativen g.<br />
Wenn sich das Gehirn des Piloten oben befindet,<br />
ist seine Versorgung mit Blut und somit<br />
mit Sauerstoff bei positiven g erschwert.<br />
Das Denkorgan hat aber nur eine Sauerstoffreserve<br />
für wenige Sekunden. Wenn der Kreislauf<br />
die g-Belastung über eine längere Zeitspanne<br />
nicht voll kompensieren kann, fallen<br />
bestimmte Funktionen des Gehirns wegen<br />
Sauerstoffmangels aus. Als Erstes wird das<br />
Sehen beeinträchtigt. Steigt die g-Belastung,<br />
geht zunächst das Farbensehen verloren (Greyout),<br />
zusätzlich kann es zur Einengung des<br />
Gesichtsfelds kommen, dem Tunnelblick.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 55
[ PRAXIS Mai <strong>2016</strong><br />
10<br />
9<br />
Beschleunigung in g<br />
8<br />
7<br />
6<br />
5<br />
4<br />
3<br />
Zone der<br />
Bewusstlosigkeit<br />
(g-LOC)<br />
Blackout<br />
Tunnelsicht<br />
2<br />
1<br />
0<br />
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10<br />
Zeit in Sekunden<br />
Im Ohr sitzt neben dem Gehör der Gleichgewichtssinn. Da er für ein Leben auf dem Boden<br />
optimiert ist, macht er beim Fliegen manchmal Probleme.<br />
Der Mensch hat Grenzen. Das Diagramm<br />
zeigt, wann der Körper abschaltet.<br />
Fotos: Pavelo Losevsky - Fotolia, Gerhard Marzinzik, Lars Reinhold; Illustration: Ralf Athen<br />
Steigt die Belastung weiter, kommt es zum<br />
Blackout, dem plötzlichen völligen Sehverlust.<br />
Sobald die Belastung wieder reduziert wird,<br />
kommt das Sehvermögen nahezu unverzüglich<br />
zurück.<br />
Die Fähigkeit des Kreislaufs, g-Belastungen<br />
zu kompensieren, ist abhängig von der Tagesform<br />
des Piloten. Müdigkeit und Erkrankungen<br />
können die Toleranz deutlich reduzieren. Unabhängig<br />
von den g-Belastungen besteht bei<br />
einer Erkältung das Risiko einer Blockade des<br />
Mittelohrs infolge der für den Kunstflug typischen<br />
schnellen Höhenänderungen.<br />
Das Absacken des Blutes in die Beine können<br />
Kunstflieger durch Pressatmung kompensieren.<br />
Dazu die Bauchmuskeln anspannen und<br />
stoßweise atmen. Zugleich macht man sich<br />
im Sitz „klein“ und zieht den Kopf ein so weit<br />
es geht, ohne die Sicht nach außen zu verlieren.<br />
Mit etwas Übung kann man damit die<br />
Grenze zum Blackout um bis zu +2 g nach<br />
oben verschieben. In jedem Fall ist eine gute<br />
Der Beschleunigungsmesser gibt Auskunft,<br />
welche Kräfte im Kunstflug wirken.<br />
Allgemeinkondition die beste Vorsorge gegen<br />
vorzeitigen Blackout.<br />
Eine weit größere Gefahr ist der g-LOC. Die<br />
Abkürzung steht für „g-force induced loss of<br />
consciousness“, also durch g-Kräfte ausgelöste<br />
Bewusstlosigkeit. Wenn der Sauerstoffmangel<br />
im Gehirn eine bestimmte Schwelle<br />
erreicht, wird der Pilot ohnmächtig. Bei Zentrifugentests<br />
zeigte sich, dass bei manchen<br />
Personen der g-LOC bereits bei ca. +3 g auftrat,<br />
sobald die Belastung über einen Zeitraum<br />
von mehr als 15 Sekunden anhielt. Aber auch<br />
kurzzeitige hohe g-Belastungen können zum<br />
g-LOC führen. Im Gegensatz zum Blackout,<br />
der bei Nachlassen der Belastung quasi sofort<br />
verschwindet, kann es beim g-LOC bis zu 45<br />
Sekunden dauern, bevor der Pilot das Bewusstsein<br />
wiedererlangt. Deshalb ist der g-LOC für<br />
Kunstflieger eine potenziell tödliche Gefahr.<br />
Um das Risiko zu minimieren, sollten Manöver<br />
mit sehr schnellem Beschleunigungsaufbau<br />
und über einen längeren Zeitraum anhaltenden<br />
positiven g möglichst vermieden werden.<br />
Negative Beschleunigungen<br />
sind schwerer zu ertragen<br />
Bei negativen Beschleunigungen wird das<br />
Blut in den Kopf gedrückt. Der Druck im Kopf<br />
kann für nicht daran gewöhnte Piloten schmerzhaft<br />
sein. Aber auch erfahrene Kunstflieger<br />
brauchen nach einer längeren Flugpause einige<br />
Gewöhnungsflüge, um negative g wieder<br />
einigermaßen ertragen zu können. Gibt es<br />
nach Negativmanövern regelmäßig rote Augen,<br />
so ist das ein ernstes Alarmsignal, denn Blutungen<br />
am Auge nach negativen g deuten<br />
auf eine mögliche Gefäßschwäche hin, die<br />
von einem Arzt abgeklärt werden muss.<br />
Bei Figuren mit Wechselbelastungen ist besondere<br />
Vorsicht geboten. Das Risiko des<br />
Blackouts und des g-LOC ist dabei stark erhöht!<br />
Der Kreislauf muss sich in Sekunden komplett<br />
umstellen. Piloten mit niedrigem Blutdruck<br />
sind besonders gefährdet. Es empfiehlt sich,<br />
in solchen Figuren beim Übergang von negativ<br />
zu positiv bewusst anzuspannen und<br />
Pressatmung anzuwenden. Generell gilt, dass<br />
Figuren mit negativen g den Organismus extrem<br />
beanspruchen und sehr ermüdend sind<br />
– die Konzentrationsfähigkeit lässt mitunter<br />
bereits nach wenigen Starts deutlich nach.<br />
Sehr hohe negative g, wie sie manchmal im<br />
Motorkunstflug vorkommen (bis ca. -10 g),<br />
können im Extremfall zu ernsten Schädigungen<br />
des Gleichgewichtsorgans und als Folge<br />
davon zu Schwindelanfällen führen.<br />
Apropos Schwindel: Das menschliche Gleichgewichtsorgan<br />
ist für ein Leben auf dem Boden<br />
konzipiert und bereitet deshalb beim<br />
Fliegen mitunter Schwierigkeiten. Die Flüssigkeit<br />
in den Bogengängen reagiert auf Lageänderungen<br />
um die drei Achsen des Raums<br />
mit entsprechenden Bewegungen, die Signale<br />
an das Gehirn senden, welche oft nicht mit<br />
den visuellen Eindrücken in Einklang stehen.<br />
Halten die Bewegungen an, kann das bei<br />
empfindlichen Menschen Übelkeit hervorrufen<br />
– die Luftkrankheit.<br />
Bei Kunstflugschülern mit mindestens 40<br />
Flugstunden oder 120 Starts sollte das eigentlich<br />
kein Thema mehr sein. Dennoch werden<br />
vereinzelt Kunstfluganfänger luftkrank, insbesondere<br />
beim Trudeln. Das mag physisch<br />
56 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Bei Flugfiguren mit schneller Drehung wie dem Trudeln kommt der Gleichgewichtssinn mitunter<br />
nicht hinterher. Eine mögliche Folge sind Übelkeit und Schwindel.<br />
bedingt sein, da das Gleichgewichtsorgan auf<br />
die schnelle Rotation überempfindlich reagiert.<br />
Andererseits kann es psychische Ursachen<br />
haben, wenn der Schüler vor dem subjektiv<br />
als gefährlich empfundenen Manöver Angst<br />
hat. Dem ist nur durch bewusste Beschäftigung<br />
damit zu begegnen. Erst wenn der Flugschüler<br />
Vertrauen gewonnen hat, dass diese Übung<br />
voll beherrschbar ist und keine reale Gefahr<br />
besteht, ist es sinnvoll, mit der Praxisausbildung<br />
zu beginnen. Zur Vermeidung der Luftkrankheit<br />
ist auch eine gute Allgemeinkondition<br />
wichtig. Müdigkeit, Kater oder niedriger<br />
Blutzucker erhöhen die Anfälligkeit.<br />
Bei allen Kunstflugmanövern ist es entscheidend,<br />
den richtigen Blickpunkt zu haben. Die<br />
Konzentration auf die Fluglage und der feste<br />
Blick auf Referenzpunkte erleichtern nicht nur<br />
die exakte Kontrolle der Figur, sie beugen auch<br />
der Luftkrankheit vor. Bei Flugmanövern mit<br />
schnellen Rotationen wie beispielsweise Rollen<br />
oder Trudeln wirkt auf die Flüssigkeit in<br />
den Bogengängen zusätzlich die Corioliskraft<br />
und verursacht Reize, mit denen das Gehirn<br />
nichts anfangen kann, da sie nicht in unserer<br />
genetischen Programmierung vorgesehen sind.<br />
Dieser Zustand kann – wie oben beschrieben<br />
– Luftkrankheit auslösen, aber auch zu räumlicher<br />
Desorientierung oder Drehschwindel<br />
(Vertigo) führen. Im Extremfall ist völlige<br />
Handlungsunfähigkeit die Folge. Rasche Kopfbewegungen<br />
während eines Manövers mit<br />
schneller Rotation sind der häufigste Auslöser<br />
von räumlicher Desorientierung. Beste Vorbeugung<br />
dagegen sind die Wahl des richtigen<br />
Blickpunkts, das Vermeiden rascher Kopfbewegungen<br />
und die Konzentration auf das zur<br />
korrekten Ausführung der Figur gehörende<br />
Außenbild.<br />
Nur der Beckengurt hält den<br />
Piloten sicher im Sitz<br />
Schließlich gehört zum Kunstflug auch das<br />
richtige Anschnallen. Ständiger fester und<br />
sicherer Kontakt mit dem Flugzeug ist Grundvoraussetzung<br />
für eine präzise Steuerführung<br />
in allen Fluglagen. Zuerst wird der Beckengurt<br />
bombenfest angezogen, denn nur der hält den<br />
Piloten sicher im Sitz. Die Schultergurte können<br />
relativ locker bleiben. Der fünfte Gurt wird<br />
nur so fest angezogen, dass der Beckengurt<br />
bei negativen g nicht von den Schultergurten<br />
nach oben gezogen wird.<br />
[ Autor Manfred Echter<br />
... ist Segelflieger, Segelfluglehrer<br />
und war Jetpilot<br />
bei der deutschen Luftwaffe.<br />
Heute schult er bei<br />
der Alpinen Segelflugschule<br />
Schänis und der<br />
Swiss Aerobatic Gliding<br />
Association, SAGA. Dort<br />
ist er zudem als Safety Officer aktiv.<br />
Praxis-Quiz Testen Sie Ihr Wissen<br />
1. 2. 3.<br />
Was passiert, wenn die g-Kräfte bei<br />
einem Manöver ansteigen?<br />
a) Es passiert nichts, weil sich der Körper<br />
auf die steigenden Belastungen einstellt.<br />
b) Das Sichtfeld wird enger, das Farbsehen<br />
geht verloren, und schließlich folgt der<br />
Blackout.<br />
c) Es passiert eine gewisse Zeit lang nichts,<br />
dann verliert der Pilot ohne Vorwarnung<br />
das Bewusstsein.<br />
Wie lässt sich die Beschleunigungstoleranz<br />
des Körpers verbessern?<br />
a) durch körperliche Fitness, regelmäßiges<br />
Kunstflugtraining und spezielle Manöver<br />
wie beispielsweise Pressatmung<br />
b) durch medizinische Eingriffe<br />
c) gar nicht, da der Körper nur eine bestimmte<br />
Beschleunigungsbelastung<br />
kompensieren kann<br />
Wie verhindert man Drehschwindel<br />
beim Kunstflug?<br />
a) vor dem Start ein Beruhigungsmittel<br />
einnehmen<br />
b) möglichst permanent den Kopf drehen,<br />
um visuelle Eindrücke mit denen des<br />
Gleichgewichtsorgans abzugleichen<br />
c) feste Blickpunkte suchen und den Kopf<br />
bewusst ruhig und nur zur Kontrolle der<br />
Fluglage bewegen<br />
Die Lösungen finden Sie auf Seite 99.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 57
[ PRAXIS Mai <strong>2016</strong><br />
Fotos: askaja - Fotolia, Erwino Nitz, Michael Zistler; Fotomontage: Ralf Athen<br />
Luftrecht<br />
Was ist erlaubt?<br />
Vor dem Kunstflug steht die Ausbildung. Doch was<br />
fordert das Gesetz vom angehenden Akro-Piloten?<br />
Eine Übersicht über die wichtigsten Regelungen.<br />
Unter der Nummer FCL.800 regelt die<br />
EU-Verordnung 1178/2011 die Bedingungen<br />
zum Erwerb der Kunstflugberechtigung.<br />
Im Vergleich zum „alten“ § 81<br />
LuftPersV gibt es zwei wesentliche Unterschiede:<br />
So ist ein „für die Berechtigung angemessener<br />
Unterricht“ vorgeschrieben, und<br />
es entfällt die praktische Prüfung. Generell<br />
werden 40 Stunden als PIC in der entsprechenden<br />
Luftfahrzeugkategorie gefordert, im<br />
Falle von Segelflugzeugen sind es mindestens<br />
120 Starts. In den Ausführungsbestimmungen<br />
sind unter AMC1 FCL.800 (c) die Themengebiete<br />
definiert, auf die in einem Unterricht<br />
zwingend eingegangen werden muss.<br />
Im Wesentlichen sind dies<br />
• menschliches Leistungsvermögen<br />
• räumliche Desorientierung<br />
• Auswirkungen von g-Belastungen, positiv<br />
und negativ<br />
• Rechtsvorschriften, einschließlich Umweltund<br />
Lärmvorschriften<br />
• Grenzflugzustände und Trudeln, positiv<br />
und negativ<br />
• Betriebsgrenzen der verwendeten<br />
Flugzeuge<br />
• Kunstflugfiguren und Ausleitverfahren<br />
• Eingangsparameter für die einzelnen<br />
Figuren<br />
• Ausleitverfahren, auch für misslungene<br />
Versuche<br />
• Rollen und Loopings samt Variationen<br />
• Ein- und Ausleiten von Trudeln, positiv<br />
und negativ<br />
• Notfallverfahren<br />
• Herstellen der Normalfluglage aus ungewöhnlichen<br />
Positionen<br />
• Verfahren zum Notausstieg und Handhabung<br />
von Rettungsfallschirmen<br />
Mustergerechtes Programm<br />
Der Abschnitt AMC1 FCL.800 führt die in der<br />
Praxisausbildung zu unterrichtenden Manöver<br />
auf, die doppelsitzig mit Fluglehrer oder auf<br />
überwachten Alleinflügen trainiert werden<br />
sollen. Im Gegensatz zur früheren Ausbildung<br />
ist kein fixes Prüfungs- bzw. Ausbildungsprogramm<br />
mehr in Stein gemeißelt. Am Ende<br />
seiner Ausbildung soll der Schüler im Alleinflug<br />
eine Programmfolge von Figuren fliegen<br />
können, die auf die Flugzeugklasse und das<br />
verwendete Muster zugeschnitten ist. Die<br />
Übungen sind unterteilt in einen Abschnitt<br />
zum Vertrautmachen und einen Teil der geforderten<br />
Figuren. In jedem Falle sind in der<br />
praktischen Flugausbildung zu vermitteln:<br />
• Langsam- und Sackflug<br />
• Steilkreise<br />
• Seitengleitflug (Slip)<br />
• Trudeln mit Ausleiten<br />
• Erkennen und Ausleiten des Spiralsturzes<br />
• Wiederherstellen der Normalfluglage<br />
aus ungewöhnlichen Fluglagen sowie<br />
die Kunstflugfiguren<br />
• Chandelle<br />
• Lazy Eight<br />
• Rollen<br />
• Loopings<br />
• Rückenflug<br />
• Turn<br />
• Aufschwung<br />
Die Kunstflugberechtigung wird nach erfolgreicher<br />
Teilnahme am Lehrgang in die Lizenz<br />
eingetragen; sie kann auf weitere Klassen<br />
erweitert werden. Dies erfordert eine zusätzliche<br />
Flugausbildung mit mindestens drei<br />
Schulungsflügen, die den vollen Kunstfluglehrplan<br />
in dieser Luftfahrzeugkategorie umfasst.<br />
In jedem Fall gilt für die Durchführung von<br />
Kunstflügen eine Vielzahl von Rechtsvorschriften,<br />
insbesondere sind die Bestimmungen des<br />
§ 14 LuftVO zu beachten:<br />
• Die Zustimmung aller Insassen ist<br />
erforderlich.<br />
• Kunstflüge auf Luftsportgeräten sind<br />
verboten.<br />
• Die Sicherheitsmindesthöhe für Kunstflüge<br />
beträgt 450 Meter GND (1500 ft).<br />
• Kunstflüge bedürfen der Zustimmung<br />
der Luftaufsichtsstelle.<br />
• Kunstflüge im kontrollierten Luftraum<br />
sind flugplanpflichtig.<br />
• 90-Tage-Regelung mit mindestens<br />
drei Kunstflügen zur Mitnahme von<br />
Passagieren.<br />
Eine eindeutige Definition, wo „normales“<br />
Fliegen aufhört und der Kunstflug anfängt,<br />
ist schwer zu finden. Analog Annex 2 der<br />
ICAO-Konvention könnte man Kunstflug beschreiben<br />
als „absichtlich ausgeführte Flugmanöver,<br />
die durch abrupte Änderungen der<br />
Fluglage, anormale Fluglagen und anormale<br />
Geschwindigkeitsänderungen gekennzeichnet<br />
sind“. Der englische Kunstflugpilot Neil<br />
Williams hat es treffender formuliert: „Kunstflug<br />
ist angewandte Flugsicherheit, die wahnsinnig<br />
viel Spaß macht.“ In diesem Sinne –<br />
positiv denken, negativ fliegen!<br />
[<br />
Autor Michael Zistler<br />
... ist Leiter der Fränkischen<br />
Fliegerschule<br />
Feuerstein. Er ist im Motorflug<br />
ebenso zu Hause<br />
wie im Segelflug und war<br />
Mitglied der deutschen<br />
Segelkunstflug-Nationalmannschaft.<br />
Bis heute<br />
ist er dem Kunstflug verbunden und bildet<br />
regelmäßig Nachwuchspiloten aus.<br />
58 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 58
Gurtbänder haben große Reserven. Bei einem Unfall<br />
geben eher die Befestigungen im Flugzeug nach.<br />
DER<br />
EXPERTEN-<br />
TIPP<br />
Gurtzeug<br />
<strong>05</strong><br />
Dieter Schlemann<br />
Wenn es um Ausrüstungsgegenstände<br />
geht, wird das Gurtzeug oft<br />
stiefmütterlich behandelt. Dabei<br />
halten nur die Gurte den Piloten sicher im Sitz<br />
– egal ob beim entspannten Dahingleiten oder<br />
im Kunstflug. Als Material für Gurte finden<br />
heute nur noch Polyester oder Polyamid Anwendung.<br />
Versagt hat noch kein Gurt, eher<br />
die Befestigung im Flugzeug. Und selbst ein<br />
leicht beschädigter Gurt hält dank Überdimensionierung<br />
immer noch. Neues Gurtband für<br />
Bauchgurte und die meisten Schultergurte hat<br />
eine Bruchfestigkeit von mehr als 24,5 kN,<br />
die dünneren Schultergurte von rund 19,6 kN.<br />
Das entspricht einer Last von rund 2500 bzw.<br />
2000 Kilogramm. Versagen kann eher die Befestigung<br />
im Flugzeug oder am Sitz. Es gab<br />
Fälle, in denen Personen mit der Gurtrolle nach<br />
vorne geflogen sind, weil die Befestigung der<br />
Rolle aus der Struktur gerissen war.<br />
Wie viel muss ein Gurt denn überhaupt aushalten,<br />
und wann kann der Gurt den Benutzer<br />
töten? Untersuchungen haben maximale Kräfte<br />
von 3,4 kN bei Unfällen mit Segelflugzeugen<br />
ergeben. Ältere Gurte sind ausgelegt für eine<br />
Last von 1500 lbs, halten also knapp 6,7 kN.<br />
Neue Gurte nach TSO C-22g, die sogenannten<br />
16-g-Gurte, halten eine Belastung von 13,4<br />
kN aus. Die Werte liegen also weit darüber.<br />
Je nachdem, wie man einen Gurt belastet,<br />
unterscheiden sich die Werte.<br />
Wir haben einst einen 41 Jahre alten Gurt aus<br />
Spanien – völlig ausgeblichen und stockhart<br />
–, der für 6,7 kN ausgelegt war, mit gut 29 kN<br />
belastet. Was passierte? Überhaupt nichts!<br />
Gurt und Nähte haben dem standgehalten.<br />
Gurte für den Kunstflug<br />
Zum Turnen sind Fünfpunkgurte obligatorisch.<br />
Optimal sind jene, bei denen der Beckengurt<br />
mit einer Ratsche versehen ist, wie sie der<br />
Hersteller Hooker Harness anbietet. Da die<br />
Gurte häufig in den Verstellern rutschen, empfiehlt<br />
es sich, die Verstellgurte mittels eines<br />
Gurtstoppers in Form einer Metallklammer zu<br />
sichern. Diese Klammer klemmt von unten und<br />
Ein Fünfpunktgurt bietet genug Halt für den<br />
Kunstflug. Mit Gurtklemmen aus Metall lässt<br />
sich das Band gegen Durchrutschen sichern.<br />
oben den Gurt ein und nicht den Rand. Dadurch<br />
wird der Gurt am Steg vom Versteller eingeklemmt<br />
und am Rutschen gehindert.<br />
Wartung<br />
Die Wartung des Gurtzeugs umfasst die Kontrolle<br />
der Einzelteile auf Schmutz, Feuchtigkeit,<br />
Abrieb, Beschädigung, Korrosion, Vernähung,<br />
Funktionstüchtigkeit und gute Lesbarkeit der<br />
Beschriftung. Die Textilien sind auf Beschädigungen<br />
der Nähte, gewebeschädigende<br />
Flecken wie Öl oder Fett, Gewebefadenbrüche<br />
und Scheuer- und Schmelzstellen zu untersuchen.<br />
Geringe Abriebstellen und Aufrauungen<br />
des Gurtmaterials aufgrund der Klemmwirkung<br />
der Klemmachse oder Durchgänge können<br />
unberücksichtigt bleiben. Schnitte oder Scheuerstellen<br />
an Kanten mit einer Tiefe von mehr<br />
als drei Millimetern machen den Gurt unbrauchbar.<br />
Gurtschlösser mit Chromabsplitterungen<br />
sollten ausgetauscht werden.<br />
Die Wartung der Flugzeuganschnallgurte<br />
erfolgt nach dem On-condition-Prinzip entsprechend<br />
den Betriebsanweisungen der<br />
Hersteller. Der Gurt bleibt dabei so lange im<br />
Einsatz, bis sich bei Kontrollen oder der Benutzung<br />
Mängel zeigen. Gurte deutscher<br />
Hersteller haben gemäß den Betriebsanweisungen<br />
grundsätzlich eine maximale Verwendungsdauer<br />
von zwölf Jahren. Einige Flugzeughersteller<br />
schreiben geringere Zeiten vor.<br />
So sind Gurte von Extra-Flugzeugen nach<br />
sechs Jahren, die von Cessnas nach zehn<br />
Jahren zu ersetzen. Nach Ablauf der Verwendungsdauer<br />
oder Beanstandung muss der Gurt<br />
überholt werden. Es wird dann unter anderem<br />
ein neues Gurtband eingenäht. Die Betriebszeit<br />
der Beschlagteile ist unbegrenzt. Nur das<br />
Glockenschloss der Firma Autoflug/AmSafe<br />
muss nach zwölf Jahren überholt werden.<br />
Die Reinigung der Gurte sollte nur mit einem<br />
weichen Tuch oder Schwamm und mit kaltem<br />
oder lauwarmen Wasser beziehungsweise<br />
milder Seifenlauge erfolgen. Die Beschlagteile<br />
sind nur mit Leichtbenzin und/oder Spiritus<br />
zu reinigen. Feuchte Gurte werden im Freien<br />
oder in gut belüfteten Räumen getrocknet<br />
und sollten dabei vor Sonneneinstrahlung<br />
geschützt sein. Nach der Reinigung und dem<br />
Trocknen sind die Gurte einer Kontrolle zu<br />
unterziehen.<br />
Bei gereinigten Gurten werden die Federn<br />
der Klappschlösser mit einem Pinsel leicht<br />
gefettet. Drehschlösser müssen bei der Reinigung<br />
vor Feuchtigkeit geschützt und sollten<br />
generell auch nicht gefettet werden. Im Falle<br />
von Beanstandungen müssen die Gurte instand<br />
gesetzt werden. Die Wartung der Gurte ist<br />
nach den Betriebsanweisungen der Hersteller<br />
von einem Prüfer durchzuführen.<br />
Grundsätzlich gilt, dass Flugzeuganschnallgurte<br />
vor Feuchtigkeit, Schmutz, Chemikalien<br />
und Sonneneinstrahlung zu schützen sind.<br />
Bevor man sie wieder einbaut, muss gemäß<br />
Hersteller-Betriebsanweisungen immer eine<br />
Funktionskontrolle durchgeführt werden.<br />
[<br />
Autor Dieter Schlemann<br />
... führte mehr als 25<br />
Jahre in seinem LTB Instandsetzungen<br />
von<br />
Flugzeuganschnallgurten<br />
durch. Infolge neuer EU-<br />
Verordnungen, die die<br />
bürokratischen Hürden<br />
für diese Arbeiten deutlich<br />
anhoben, beendete die Firma ihre Geschäftstätigkeit<br />
Anfang 2014.<br />
Fotos: Lars Reinhold, Dieter Schlemann<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 59
[ PRAXIS Mai <strong>2016</strong><br />
Bei reinrassigen Kunstflugzeugen<br />
wie denen von<br />
Extra sind die Aggregate<br />
fürs Turnen optimiert.<br />
Antriebe für den Kunstflug<br />
Motoren im Kopfstand<br />
Beim Kunstflug muss das ganze Flugzeug hohen positiven<br />
und negativen Lastvielfachen standhalten. Diese Belastungen<br />
machen nicht nur dem Piloten zu schaffen, dessen Blutkreislauf<br />
nicht dafür ausgelegt ist. Auch dem Motor geht es beim Kunstflug<br />
ähnlich, da die üblichen Öl- und Kraftstoffsysteme dafür<br />
nicht ausgelegt sind. Spezielle Techniken müssen her.<br />
Es gibt zwei essenzielle Flüssigkeiten,<br />
die für den Betrieb eines luftgekühlten<br />
Kolbentriebwerkes erforderlich sind:<br />
Kraftstoff und Öl. Gelangt kein Kraftstoff mehr<br />
in den Vergaser oder die Einspritzung, kann<br />
der Motor keine Leistung mehr abgeben. Fehlt<br />
das Öl oder bricht der Öldruck ein, wird der<br />
Motor sogar beschädigt. Die häufigsten Schäden<br />
aufgrund mangelnder Ölversorgung sind<br />
Lagerschäden. Genau genommen dürfte in<br />
diesem Artikel nicht der Begriff Kunstflug<br />
verwendet werden, sondern „Fluglagen, bei<br />
denen Öl- und Kraftstoffversorgung nicht mehr<br />
gewährleistet sind“.<br />
Ein normaler Looping ist für einen Flugmotor<br />
eigentlich überhaupt kein Problem, da Öl- und<br />
Kraftstoff durch die Fliehkraft in gleicher Weise<br />
nach unten gezogen werden wie im Normalflug<br />
durch die Schwerkraft. Fliegt das<br />
Flugzeug jedoch in Rückenlage, dann können<br />
weder Öl aus dem Ölsumpf noch Kraftstoff<br />
aus dem Kraftstofftank gefördert werden, da<br />
sich die Flüssigkeiten nicht mehr dort befinden,<br />
wo sie aus dem Tank beziehungsweise<br />
der Ölwanne abgepumpt werden. Im Rückenflug<br />
sind die Entnahmestellen für Öl und<br />
Kraftstoff plötzlich oben, während sich die<br />
Flüssigkeiten auf der gegenüberliegenden<br />
Seite befinden. Um die durchgängige Versorgung<br />
des Motors mit Betriebsstoffen zu gewährleisten,<br />
müssen daher Öl- und Kraftstoffsystem<br />
entsprechend ertüchtigt werden.<br />
Das Öl muss immer fließen<br />
Der Trick bei der Konstruktion des Ölsystems<br />
besteht darin, dass es oben und unten Ölentnahmestellen<br />
am Motor gibt, damit die Ölpumpe<br />
immer Öl und keinesfalls Luft fördert.<br />
Die amerikanische Firma Christen Industries<br />
(heute Teil von Aviat Aircraft) entwickelte ein<br />
Kit für die Umrüstung von Lycoming-Motoren<br />
mit Nasssumpfschmierung. Später übernahm<br />
die Firma Lycoming das Christen Inverted Oil<br />
System für die Produktion ihrer Kunstflugmotoren<br />
(Lycoming-AEIO-Motorserie). Bei dem<br />
Rückenflug-Ölsystem von Christen wird eine<br />
zusätzliche Ölentnahmestelle an der Oberseite<br />
des Motorgehäuses angebracht, damit das<br />
Öl möglichst in jeder Fluglage von der Ölpumpe<br />
angesaugt werden kann. Normalerweise<br />
dient dieser obere Anschluss am Motor als<br />
Kurbelgehäuseentlüftung.<br />
Ein schwerkraftgesteuertes Ventil lässt in<br />
Normalfluglage das Öl von der unteren Ölentnahmestelle<br />
an der Ölwanne zur Ölpumpe<br />
60 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
fließen und verschließt die Leitung zur oberen<br />
Ölentnahmestelle. Im Rückenflug ist das Ventil<br />
dann genau umgekehrt geschaltet. Weiterhin<br />
ist die obere Ölentnahmestelle mit<br />
einem sogenannten Öl/Luft-Separator verbunden.<br />
Dieser sorgt für die Entlüftung des Kurbelgehäuses,<br />
ohne dass Motoröl über die<br />
Entlüftungsleitung verloren geht. Das separierte<br />
Öl wird im Normalflug durch eine weitere<br />
neue Ölleitung in den Ölsumpf des Motors<br />
zurückgeleitet. Einige wenige Flugzustände<br />
kann das System jedoch nicht beherrschen,<br />
zum Beispiel den Messerflug oder den Parabelflug<br />
(null g). Jedoch sind diese Flugzustände<br />
üblicherweise zeitlich nur sehr kurz, sodass<br />
es nicht zum Einbruch des Öldrucks kommt.<br />
Normalfluglage<br />
Kugelventil<br />
geöffnet<br />
Öltrenner<br />
Rückenfluglage<br />
Öltrenner<br />
Kugelventil<br />
geschlossen<br />
Kugelventil<br />
geschlossen<br />
Kugelventil<br />
geöffnet<br />
Neben den Kunstflugmotoren von Lycoming<br />
mit Nasssumpfschmierung gibt es auch Varianten<br />
mit Trockensumpfschmierung. In<br />
diesem Fall wird das Motoröl in einem externen<br />
Öltank gesammelt. Dieser ähnelt einem<br />
liegenden Zylinder, in dem sich ein drehbar<br />
gelagertes Ansaugrohr für das Motoröl befindet.<br />
Dieses Ansaugrohr wird über ein Gewicht<br />
immer nach unten gedreht, wo sich je nach<br />
Fluglage auch das Öl befindet. So ist sichergestellt,<br />
dass die Ölpumpe praktisch in jeder<br />
Lage Schmierstoff ansaugen kann. Am Motor<br />
gibt es ebenfalls mehrere Ölentnahmestellen,<br />
die über Ölschläuche mit Rückschlagventilen<br />
mit dem Öltank verbunden sind. Dadurch ist<br />
gewährleistet, dass in erster Linie Öl in den<br />
Ölgase<br />
Kugelventil geöffnet<br />
Ölpumpe<br />
zu den Schmierpunkten<br />
Motoröl<br />
Kugelventil geschlossen<br />
Ölgase<br />
Ölpumpe<br />
Ölwanne<br />
Ölwanne<br />
zu den Schmierpunkten<br />
Motoröl<br />
Im Rückenflug steht das gesamte Ölsystem auf dem Kopf: Die beiden Kugelventile sorgen dafür,<br />
dass das Öl nun von der eigentlichen Oberseite des Motors gefördert wird.<br />
Tank zurückfließt und keine Luft. Solche kunstflugfähigen<br />
Ölsysteme finden sich häufig auch<br />
an Sternmotoren, da diese grundsätzlich über<br />
eine Trockensumpfschmierung verfügen.<br />
Ähnliche Probleme beim Sprit<br />
Im Prinzip gilt es, bei der Treibstoffversorgung<br />
die gleichen Probleme zu lösen wie bei der<br />
Ölversorgung des Motors. Zusätzlich muss<br />
jedoch noch die Erzeugung des Kraftstoff-Luft-<br />
Gemisches für Kunstflug geeignet sein. Viele<br />
Flugmotoren sind mit sogenannten Schwimmerkammern<br />
ausgerüstet, aus denen der<br />
Kraftstoff mittels des Venturi-Prinzips angesaugt<br />
wird. Diese Vergaser funktionieren<br />
jedoch nicht bei negativen Lastvielfachen, da<br />
das Schwimmersystem dafür nicht ausgelegt<br />
ist. Daher kommen bei Kunstflugmotoren entweder<br />
Einspritzanlagen oder Druckvergaser<br />
zum Einsatz. In beiden Fällen wird der Treibstoff<br />
mit einem definierten Druck in den Ansaugtrakt<br />
eingespritzt. Beim Druckvergaser<br />
erfolgt die Einspritzung kurz hinter der Drosselklappe<br />
und bei der Einspritzanlage direkt<br />
vor dem Einlassventil am Zylinderkopf.<br />
Nun bleibt noch die fluglagenunabhängige<br />
Kraftstoffversorgung von Vergaser und Einspritzanlage<br />
zu bewerkstelligen. Bei reinen<br />
Kunstflugzeugen kommt hierzu ein zentraler<br />
Kraftstofftank zum Einsatz. Dieser ist in möglichst<br />
der gleichen Höhe wie der Vergaser<br />
beziehungsweise die Einspritzanlage montiert,<br />
damit der Förderdruck der Kraftstoffpumpe<br />
auch bei hohen Lastvielfachen ausreicht. Damit<br />
die Kraftstoffpumpe auch bei jeder Fluglage<br />
Kraftstoff aus dem Tank ansaugen kann,<br />
befindet sich darin ein Ansaugpendel. Dieses<br />
Pendel wird durch die Schwerkraft oder die<br />
Zentrifugalkräfte immer in den Teil des Tanks<br />
gerichtet, in dem sich der Treibstoff befindet.<br />
Sind die Tanks in den Tragflächen untergebracht,<br />
wird ein kleinerer Sammelbehälter in<br />
Motornähe montiert (engl. header tank oder<br />
acro tank). Auch dieser Tank hat ein Ansaugpendel,<br />
damit die Kraftstoffzufuhr in jeder<br />
Fluglage gewährleistet ist. Die Rückenflugzeit<br />
wird durch das Fassungsvermögen des Acro-<br />
Tanks begrenzt. Bei der Auslegung des Kraftstoffsystems<br />
muss weiterhin darauf geachtet<br />
werden, dass im Rückenflug kein Benzin über<br />
die Belüftungsleitungen der Kraftstofftanks<br />
auslaufen kann.<br />
Beispiel Extra 300L<br />
Das Kraftstoffsystem der Extra 300L besteht<br />
in Summe aus vier Tanks: zwei Flächentanks<br />
mit je 60 Litern Fassungsvermögen, ein Zentraltank<br />
und ein Acro-Tank mit Kraftstoffpendel.<br />
Zentral- und Acro-Tank haben zusammen<br />
ein Fassungsvermögen von 51 Litern, wovon<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 61
[ PRAXIS Mai <strong>2016</strong><br />
Bei der Rans S-9 mit Zweitaktmotor ist die Schmierung kein Problem.<br />
Das Vergasersystem wurde für den Kunstflug angepasst.<br />
In der Extra 300 wird der Lycoming O-540 durch das Christen-<br />
Rückenflug-Ölsystem kunstflugtauglich und damit zum AEIO-540.<br />
Rückschlagventil<br />
Überlaufleitung<br />
Kraftstofffilter<br />
Kraftstoffpumpe<br />
Rückenflugtank<br />
Haupttank<br />
M e m b r a n-<br />
vergaser oder<br />
Einspritzanlage<br />
Kraftstoffhaupthahn<br />
zum Zylinder<br />
Tankbelüftung<br />
Ein zentraler Tank mit einem schwerkraftabhängigen Ansaugpendel stellt die Benzinversorgung des Motors auch im<br />
Rückenflug sicher. Sein Fassungsvermögen bestimmt die maximale Zeit, die dafür zur Verfügung steht.<br />
45,5 Liter im Kunstflug ausgeflogen werden<br />
können. Das Fassungsvermögen des Acro-<br />
Tanks erlaubt eine maximale Rückenflugzeit<br />
von vier Minuten. Für den Kunstflug müssen<br />
die Flächentanks bei der Extra 300L übrigens<br />
leer bleiben. Da die Extra 300L einen Lycoming<br />
AEIO-540 mit Nasssumpfschmierung hat,<br />
kommt das Christen-Rückenflug-Ölsystem<br />
zum Einsatz. Die Hauptkomponenten dieses<br />
Systems (Öl/Luft-Separator und das schwerkraftgesteuerte<br />
Ölventil) sind am Brandschott<br />
rechts hinter dem Motor montiert.<br />
Simple Lösung beim Zweitakter<br />
Natürlich verursachen die aufwendigeren Ölund<br />
Kraftstoffsysteme auch zusätzlichen<br />
Wartungsaufwand. So muss zum Beispiel das<br />
schwerkraftgesteuerte Ölventil regelmäßig<br />
überprüft und gereinigt werden, damit es sich<br />
nicht verklemmt und die Ölversorgung dadurch<br />
versagt. Will man es einfacher und preiswerter<br />
haben, dann bietet sich ein Zweitaktmotor<br />
an. Zwar sind Zweitaktmotoren eher im Bereich<br />
der leichten Luftsportgeräte und im Modellflug<br />
zu finden, dennoch sollen sie hier erwähnt<br />
werden.<br />
Zweitakter werden meist durch dem Treibstoff<br />
zugemischtes Öl geschmiert (Gemischschmierung)<br />
und verfügen daher nicht über eine<br />
Druckölschmierung. Dies ist möglich, da das<br />
ölhaltige Treibstoff-Luft-Gemisch beim Zweitakter<br />
immer auch durch das Kurbelgehäuse<br />
strömt und somit die Pleuel- und Kurbelwellenlager<br />
schmieren kann. Daher sind Zweitakter<br />
mit Gemischschmierung grundsätzlich<br />
für den Kunstflug geeignet, wenn entsprechend<br />
geeignete Vergaser verwendet werden. Zwar<br />
sind in den üblichen Zweitaktmotoren für<br />
Luftsportgeräte häufig Schwimmervergaser<br />
verbaut, jedoch können diese durch Membranvergaser<br />
ersetzt werden. Der Membranvergaser<br />
wurde ursprünglich für den Einsatz<br />
in Motorsägen entwickelt, da diese in praktisch<br />
jeder Lage funktionieren müssen. Ein Membranvergaser<br />
ist ein Druckvergaser mit integrierter<br />
Membrantreibstoffpumpe und Druckregler.<br />
Daher ist es nicht verwunderlich, dass<br />
beim günstigsten Kunstflugzeug auf dem<br />
Markt, der Rans S-9 Chaos, ein Zweitaktmotor<br />
eingebaut ist.<br />
[ Autor Mark Juhrig<br />
... fand mit dem Modellflug<br />
den Einstieg in die<br />
Fliegerei. Heute ist er in<br />
Cockpits von Motorflugzeugen<br />
ebenso<br />
zu Hause wie in denen<br />
von Motorseglern und<br />
ULs. Das Interesse<br />
des Elektroingenieurs gilt insbesondere der<br />
Flugzeugtechnik.<br />
62 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
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[ PRAXIS Mai <strong>2016</strong> ]<br />
In geringer Höhe und knapp<br />
vor der Tribüne fand der nicht<br />
genehmigte Kunstflug statt.<br />
Unfallanalyse<br />
Zu wenig Sprit in Bodennähe<br />
Nach einem tiefen Überflug in Rückenlage passiert’s: Bei einer halben Rolle zurück in die<br />
Horizontallage streift eine Zlin Z-526 mit der Flächenspitze ein Solarpanel und stürzt ab.<br />
Fotos: Markus Winnighoff<br />
Es war ein milder Frühsommertag in<br />
Eberswalde-Finow (EDAV). Am 29.<br />
Juni 2013 weisen die METAR-Daten<br />
des nur 40 Kilometer entfernten Flughafens<br />
Berlin-Tegel mehr als zehn Kilometer Sicht<br />
aus, die Temperatur liegt bei 19 Grad. Der<br />
Himmel ist von aufgebrochenen Cumuli bedeckt,<br />
sie reichen auf unter 3000 Fuß hinab.<br />
Darüber befindet sich dichte Bewölkung, die<br />
Sonne vermag sich kaum durchzusetzen.<br />
Mit den Wingtip-Tanks gilt die Zlin Z-526<br />
nicht mehr als Kunstflugzeug.<br />
Kurz vor Mittag steigt ein 47-jähriger, erfahrener<br />
Pilot in seine Zlin Z-526 AFS-V, um zu<br />
einem Übungsflug zu starten. Mit dieser Absicht<br />
jedenfalls meldet er sich laut Untersuchungsbericht<br />
der BFU bei der Flugleitung.<br />
Dass er zum Gelände des Luftfahrtmuseums<br />
Finowfurt will, teilt er noch mit, ehe er um<br />
kurz nach zwölf zum Start auf die aktive Bahn<br />
28 rollt. Auf dem Gelände des Luftfahrtmuseums,<br />
es liegt nur wenige hundert Meter<br />
nordwestlich des Bahnendes, findet an diesem<br />
Wochenende eine Motorsportveranstaltung<br />
statt. Einem videoaffinen Zuschauer dort ist<br />
es zu verdanken, dass die Unfallermittler bei<br />
der Rekonstruktion des Unfallgeschehens auf<br />
Filmmaterial zurückgreifen können (siehe QR-<br />
Code).<br />
Erst kurz zuvor, Ende März, hatte der Pilot<br />
die Maschine in Tschechien gekauft, wie die<br />
Braunschweiger später anhand der in tschechischer<br />
Sprache ausgefertigten Unterlagen<br />
herausfanden. Gelandet war das Flugzeug in<br />
Eberswalde-Finow erstmals am 15. April. Zu<br />
diesem Zeitpunkt war die Zlin mit der tschechischen<br />
Zulassung noch für zwei Wochen<br />
versichert. Dem Kaufvertrag nach hätte der<br />
neue Eigentümer das Flugzeug aus der tschechischen<br />
Luftfahrtrolle austragen und umschreiben<br />
lassen sollen. Doch daran hielt er<br />
sich nicht. Ebenso wenig kümmerte ihn offenbar<br />
das Ablaufdatum der Versicherung.<br />
Noch sechs Mal war die Zlin bis zum 21. Mai<br />
in Eberswalde zu Flügen im Inland und nach<br />
Polen gestartet. Nicht einmal die tschechischen<br />
Hinweisaufkleber im Cockpit der Maschine<br />
waren zuvor geändert worden, wie sich bei<br />
der Inspektion des Wracks herausstellte. Das<br />
64 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
DAS VIDEO DES ABSTURZES<br />
finden Sie durch Scannen des QR-Codes<br />
oder über die YouTube-Suche, Stichwort<br />
„Absturz Eberswalde-Finow“.<br />
Die Luftaufnahme der Polizei zeigt die Lage der Absturzstelle. Sie ist nur knapp 300 Meter<br />
von dem Areal entfernt, auf dem die Motorsportveranstaltung stattfand.<br />
Das Wrack in der Endlage. Laut BFU-Bericht<br />
war der Aufprall nicht überlebbar.<br />
Fotos: Polizei Brandenburg, dpa<br />
Flugzeug war neben den Flächentanks und<br />
einem Verbindungstank im Cockpit noch mit<br />
zwei Wingtip-Tanks ausgestattet, die das<br />
Tankvolumen auf insgesamt 140 Liter verdoppelten.<br />
Allerdings wies das Flughandbuch<br />
darauf hin, dass mit der Montage dieser<br />
Zusatztanks die Maschine von der Kunstflugkategorie<br />
in die der Normalflugzeuge wechselte.<br />
Kunstflug nicht abgesprochen<br />
Ob der Pilot davon wusste? Zeugenaussagen<br />
zufolge hatte er seine Zlin nach dem Abheben<br />
jedenfalls in einen steilen Steigflug gezogen,<br />
ehe er über dem benachbarten Museumsgelände<br />
westlich und östlich der Zuschauertribüne<br />
verschiedene Kunstflugfiguren zeigte.<br />
Die verband er jeweils mit tiefen Vorbeiflügen<br />
vor den Zuschauern. Zuletzt flog er im Rückenflug<br />
in etwa 20 bis 50 Metern Höhe und<br />
einem seitlichen Abstand von nur 20 Metern<br />
zum Zuschauerbereich. Bei der anschließenden<br />
halben Rolle zurück in den Horizontalflug<br />
geriet er unter leichtem Höhenverlust etwas<br />
nach Süden aus der Richtung. Mit dem rechten<br />
Flächentank streifte die Maschine die auf<br />
dem Gelände aufgebauten Solarpanels. Der<br />
dabei aus dem Tank versprühte Inhalt ging<br />
sofort in Flammen auf. Der Stoß brachte das<br />
Flugzeug außer Kontrolle, und es schlug, ohne<br />
selbst in Brand zu geraten, in Rückenlage<br />
auf den Boden auf. Erst durch die aufsteigende<br />
Rauchwolke will der Flugleiter auf das<br />
Geschehen aufmerksam geworden sein. Abgesprochen<br />
mit ihm war der Kunstflug in<br />
unmittelbarer Platzumgebung offenbar nicht.<br />
Auch eine Genehmigung der Luftfahrtbehörde<br />
für das Unterschreiten der für den Kunstflug<br />
geforderten Mindesthöhe lag nicht vor.<br />
All das mögen kühne Naturen noch als irrelevante<br />
Formalien ansehen. Für die Erkenntnisse,<br />
die die Unfallermittler aus der Untersuchung<br />
des Wracks gewinnen, dürfte das<br />
indes kaum möglich sein. In den erhaltenen,<br />
aber aufgerissenen Tanks der linken Fläche<br />
fanden die Experten keinen Treibstoff vor, nur<br />
der unbeschädigte rechte Flächentank enthielt<br />
noch eine geringe Menge. Der ebenfalls unbeschädigte<br />
Verbindungstank für den Rückenflug<br />
im Rumpf war allerdings ebenso trocken<br />
wie die Einspritzpumpe und die Leitungen.<br />
Nur die für den ersten Zylinder enthielt Treibstoffreste,<br />
entsprechend „hellbraun bis sehr<br />
hell“ waren die Zündkerzen, laut BFU. Auch<br />
wenn es den Unfallermittlern aufgrund der<br />
Befüllung aus Kanistern nicht möglich war,<br />
den Betankungszustand der Zlin vor dem Start<br />
zu rekonstruieren, kommen sie im Ergebnis<br />
zu Spritmangel als wesentliche Unfallursache.<br />
Denn, darauf weisen sie in ihren Ausführungen<br />
über das Kraftstoffsystem hin: Der trockene,<br />
für den Rückenflug entscheidende<br />
Verbindungstank wird im Horizontalflug nur<br />
aus den Flächentanks gefüllt. Auf dem Zuschauervideo<br />
ist kurz vor dem Absturz im<br />
Rückenflug eine Verfärbung der Abgase deutlich<br />
zu erkennen, außerdem stotterte der Motor.<br />
Zu sehen ist weiterhin, dass die Maschine<br />
bereits unmittelbar vor Einleiten der halben<br />
Rolle leicht durchsackte.<br />
So kommen die Braunschweiger Unfallermittler,<br />
die auch dieses Video ausgewertet haben,<br />
zu einem klaren Ergebnis: Neben dem Spritmangel,<br />
in dessen Folge es „zu einer Beeinträchtigung<br />
der Triebwerksleistung kam“, hält<br />
der Bericht auch einen kleinen Steuerfehler<br />
fest. In der halben Rolle zurück in den Horizontalflug<br />
sei das Höhenruder leicht gezogen<br />
und das Seitenruder neutral bis leicht nach<br />
rechts ausgeschlagen gewesen. Dies habe zu<br />
der Richtungsänderung unter Höhenverlust<br />
geführt. Zu dem Unfall habe „die Entscheidung<br />
des Piloten beigetragen, Kunstflug in Bodennähe<br />
durchzuführen“. „Beigetragen“ – das<br />
deutet auch an, was sich auf dem Video erkennen<br />
lässt: Schon etwas mehr Höhe hätte<br />
dem Piloten vermutlich das Leben gerettet.<br />
Für Motoraussetzer und leichte Steuerfehler<br />
aber fehlte es an Reserve.<br />
Mit mangelnder Erfahrung des Piloten lässt<br />
sich der Unfall dagegen kaum erklären – das<br />
Flugbuch des Mannes wies mehr als 3000<br />
Flugstunden und über 10 000 Starts und Landungen<br />
aus. In seiner PPL war neben einer<br />
Schleppflug-, Nachtflug- und Kunstflugqualifikation<br />
auch eine Lehrberechtigung eingetragen.<br />
Frank Martini/BFU<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 65
[ SEGELFLIEGEN Kunstflug<br />
Interview mit Wolfgang Schieck<br />
STRECKENJÄGER<br />
MIT TURNGERÄT<br />
66 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Wolfgang Schieck (55)<br />
mischt kräftig in der<br />
Akroszenze mit. Im<br />
vergangenen Jahr war<br />
er bei der Segelkunstflug-Weltmeisterschaft<br />
dabei. Mit seinem Flugzeug<br />
fällt er allerdings etwas aus dem<br />
Rahmen. Er turnt mit einer SZD 59,<br />
und damit betätigt er sich auch erfolgreich<br />
im Streckensegelflug. Im<br />
Online Contest 2014 ist Wolfgang<br />
Schieck mit zwei großen Alpendreiecken<br />
über 700 Kilometer verzeichnet.<br />
Sein Kommentar im OLC nach dem<br />
Flug: „Hurra!!!!“ Der Freudenschrei<br />
verrät viel über seine Leidenschaft.<br />
Wolfgang Schieck ist ein tolles Beispiel<br />
dafür, wie zwei anscheinend völlig<br />
fremde Welten zueinander finden<br />
können.<br />
Wolfgang Schieck, Sie turnen<br />
erfolgreich in der Unlimited-<br />
Klasse, haben dort den Aufstieg<br />
ins WM-Team geschafft. Aber bei<br />
gutem Streckenwetter sind Sie<br />
mit ihrem Turngerät auf Kilometerjagd.<br />
Fällt es da nicht schwer,<br />
sich am Morgen für das eine oder<br />
andere entscheiden zu müssen?<br />
Was betreiben Sie lieber?<br />
Kann man gleichermaßen<br />
begeistert dem<br />
Streckensegelflug und<br />
dem Kunstflug frönen?<br />
Auch wenn sich hier die<br />
Geister scheiden: Man<br />
kann! Wolfgang Schieck<br />
jedenfalls kann es!<br />
Lieber? Alles zu seiner Zeit. Wirklich<br />
gute Tage für Streckenflug gibt es<br />
zumindest in den Alpen recht wenige<br />
und noch weniger, wenn man<br />
FAI-Dreiecke größer als 600 Kilometer<br />
fliegen möchte, weil dann auch<br />
die Alpensüdseite gut sein muss.<br />
Wenn dann nicht gerade eine Kunstflugmeisterschaft<br />
direkt ansteht, geht’s<br />
auf Strecke. Bei mittelgutem Wetter<br />
habe ich den ganzen morgendlichen<br />
Überlandflugstress nicht, kann mit<br />
der Familie gemütlich zu Hause frühstücken<br />
und warte auf die beste<br />
Thermikzeit. Die ist im Flachland –<br />
Königsdorf liegt gut zehn Kilometer<br />
vor den Bergen – am Nachmittag.<br />
Fotos: Large, Gerhard Marzinzik, Wolfgang Schieck<br />
Die Welt kopfstehen<br />
lassen, aber auch<br />
Kilometer sammeln –<br />
Wolfgang Schieck betreibt<br />
beides mit einer SZD 59<br />
und hat immer seinen<br />
Spaß dabei.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 67
[ SEGELFLIEGEN Kunstflug<br />
Dann turne ich am liebsten aus der<br />
Winde heraus zweieinhalb bis drei<br />
Stunden mit Sonnenenergie. Dabei<br />
werden gerne mal 40 bis 50 Figuren<br />
geflogen beziehungsweise geübt, am<br />
meisten die schwierigen Figuren<br />
natürlich. Das entspricht fünf bis sechs<br />
kompletten Unlimited-Programmen.<br />
Das ist dann mal genug für einen Tag.<br />
Die körperliche Belastung mit +6 und<br />
bis -5 g ist doch ziemlich spürbar, die<br />
verbratenen 6000 Höhenmeter müssen<br />
zwischendurch ja auch erkurbelt<br />
werden, und die Thermik steht nicht<br />
immer gleich Gewehr bei Fuß. Jedenfalls<br />
hat man abends nicht das Gefühl,<br />
etwas verpasst zu haben, wenn die<br />
Kameraden von ihren Streckenerlebnissen<br />
erzählen.<br />
Aus dem Bundesligabetrieb halte ich<br />
mich aber ziemlich heraus. Die Latte,<br />
es unter die ersten drei zu schaffen,<br />
um überhaupt in die Rundenwertung<br />
zu kommen, hängt in Königsdorf sehr<br />
hoch. Da fehlt es mir an Talent. Am<br />
Flugzeug liegt es nicht.<br />
Die SZD 59 ist nicht das ultimative<br />
Segelkunstflugzeug, auf der<br />
anderen Seite auch keins für den<br />
Streckenflug. Es ist ein Kompromiss<br />
für beide Welten. Kommen<br />
Ihre Ambitionen da nicht zu kurz?<br />
Eigentlich nicht: Um auf Strecke<br />
schnell zu sein, ist die SZD 59 mit<br />
ihrem Clubklasse-Index sogar ziemlich<br />
gut. Sie ist ja nichts anderes als<br />
ein modifizierter Jantar 3 Standard,<br />
und der ist für kontinentale polnische<br />
Thermik gebaut. In schwacher Thermik<br />
tue ich mich schwer und habe<br />
es auch manchmal abends nicht mehr<br />
ganz nach Hause geschafft. Die angegebene<br />
Gleitzahl von 40 ist natürlich<br />
nicht real. SeeYou-mobile rechnet<br />
mit 35. Das kommt schon eher hin.<br />
Aber mit dem 101er-Index sollte ich<br />
mich nicht beschweren. Auch mein<br />
mittelmäßiges Abschneiden auf Landesmeisterschaften<br />
in der Clubklasse<br />
liegt sicher nicht am Flugzeug.<br />
Der Kompromiss besteht eher im<br />
Kunstflug, wenn man in die Unlimited<br />
möchte, weil einem die Advanced<br />
(früher Halb-Akro) zu langweilig wird.<br />
Die SZD ist, wie erwähnt, nur ein<br />
modifizierter Jantar 3, das heißt, sie<br />
hat ein Streckenflugprofil mit zu wenig<br />
Auftrieb im Rückenflug, und auch<br />
die Rollrate könnte besser sein. Bei<br />
vielen Unlimited-Figuren kämpfe ich<br />
schon sehr mit dem Flieger. Wenn<br />
ich im Unlimited-Kunstflug wirklich<br />
Fotos: Johan Gustafsson<br />
68 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
erfolgreich sein wollte, würde am<br />
Swift zurzeit kein Weg vorbeiführen.<br />
Wäre schon mal interessant, was<br />
dabei herauskäme, einen Swift so zur<br />
Verfügung zu haben wie jetzt meine<br />
SZD. Ich hatte mal die Chance, einen<br />
Swift zu bekommen. Mir war und ist<br />
aber die Streckenfliegerei zu wichtig.<br />
Was war früher da, das Interesse<br />
am Streckensegelflug oder die<br />
Leidenschaft für den Kunstflug?<br />
Was hat Sie für den Kunstflug<br />
begeistert?<br />
Angefangen habe ich 1976 mit 15<br />
Jahren in Borkenberge in einem sehr<br />
Streckenflug-orientierten Verein.<br />
Während die anderen kaum vom Platz<br />
weg durften, sind wir auch mit der<br />
Ka 8 immer losgeflogen. Das war schon<br />
sehr sportlich und hat sehr geprägt.<br />
An Kunstflug habe ich als Schüler und<br />
Student allein schon wegen der teuren<br />
F-Schlepps eigentlich gar nicht<br />
gedacht. Man hat mal jemanden gesehen,<br />
der einen Looping oder einen<br />
Turn fliegen konnte. Aber neugierig<br />
war man ja schon.<br />
Und als ich dann mal Kunstflug erleben<br />
durfte, war mir klar, dass es sobald<br />
möglich mehr sein musste:<br />
Dieses dreidimensionale Durch-den-<br />
Raum-Bewegen, senkrecht hoch und<br />
senkrecht runter, dieses Spüren von<br />
Belastungen und neuen Grenzen, die<br />
verschoben werden müssen. Die Welt<br />
kopfstehen zu lassen und auch die<br />
natürliche Angst, nein, eher den natürlichen<br />
Respekt immer wieder neu<br />
zu überwinden. Eher verwunderlich,<br />
dass es Menschen gibt, die ohne das<br />
auskommen. Ich fühle mich aber eigentlich<br />
als Streckenflieger, der einfach<br />
wahnsinnig viel Spaß am Kunstflug<br />
hat und sich selber wundert, dass<br />
es bis in die Nationalmannschaft<br />
gereicht hat. Ein Ziel war das nie<br />
wirklich.<br />
Grundsätzlich hab ich auch bei anderen<br />
Gelegenheiten eher ein Problem<br />
mit Grenzen.<br />
Was treibt Sie, an guten Tagen<br />
dem Immer-Weiter zu frönen?<br />
Beim Streckenflug habe ich schon<br />
klare Ziele. Vielleicht zählt da auch<br />
der Wunsch: Das möchte ich auch<br />
können! Und wenn man ein Ziel erreicht<br />
hat und feststellt, dass da noch<br />
was drin wäre, folgt daraus von selbst<br />
ein neues Ziel. Geduld ist aber genauso<br />
wichtig: Der 700er-Flug hat<br />
sieben Jahre im Logger auf Vollendung<br />
gewartet.<br />
Gibt es einen ganz besonderen<br />
Streckenflugerfolg, ein unvergessliches<br />
Erlebnis?<br />
Natürlich, ewig viele! Ich weiß gar<br />
nicht, wo ich anfangen und aufhören<br />
soll: der erste 50-km-Flug auf der Ka<br />
8 von Borkenberge über den Rhein<br />
nach Kamp-Lintfort mit einem Bart<br />
mitten über dem riesigen Fluss und<br />
dann mit der Generalkarte die Straßen<br />
„abgefahren“, um den Flugplatz zu<br />
finden. Eine ewige Stunde an der<br />
Bergstraße vor Heidelberg, hoffnungslos<br />
in Hanghöhe in Nullschiebern<br />
unter einer Abschirmung geduldig<br />
gekämpft, bis dann die Bewölkung<br />
aufriss und es plötzlich wieder hochging<br />
und ich es fast als einziger nach<br />
Hause geschafft habe.<br />
Das erste 500er mit dem Salto. Das<br />
erste 600er in den Alpen, auch mit<br />
dem Salto, wo auf dem zweiten Schenkel<br />
ein großes Gewitter umflogen<br />
werden musste und dann auf dem<br />
Heimweg in toter Luft zirka 60 Kilometer<br />
vor zu Hause mitten über dem<br />
Inntal ein unerklärlicher Nullschieber<br />
stand – eine Art Umkehrthermik, die<br />
mir zu einem im Nordwind stehenden<br />
Hang am Südufer des Achensee half.<br />
Die letzten 100 Höhenmeter – inzwischen<br />
war es schon Viertel vor neun,<br />
brachte Umkehrthermik an dem See.<br />
Die erste Überquerung des Alpenhauptkammes<br />
zurück Richtung Norden<br />
über das Hochtor am Großglockner<br />
vorbei.<br />
Das erste 700er FAI mit der SZD, ein<br />
Flug der sieben Jahre lang nur als<br />
Plan bestand, der trotz sehr mäßigen<br />
Wetterberichtes nur gestartet wurde,<br />
weil es die letzte Gelegenheit vor<br />
einer Vorbereitungsphase für eine<br />
Kunstflug-WM war. Dann ein Flug auf<br />
der nördlichen Inntalseite: 300 Meter<br />
höher als die Wolken direkt neben<br />
mir. Viele, viele Flüge über faszinierende<br />
Alpenlandschaft aus grünen<br />
Almen, schroffen Felsen und schneebedeckten<br />
Flanken – so schön, dass<br />
nach zwei Stunden Flug mein Hirnspeicher<br />
übervoll ist.<br />
Ich kann nicht verstehen, wie man<br />
ohne solche Erlebnisse auskommt.<br />
Die Eindrücke im Streckenflug sind<br />
so intensiv, weil man sich das alles<br />
AM LIEBSTEN TURNE ICH AUS<br />
DER WINDE HERAUS ÜBER<br />
STUNDEN MIT SONNENENERGIE<br />
ja selber erkämpft hat. Motorfliegen<br />
ist, als würde man mit der Gondel<br />
auf einen Berg fahren, Segelfliegen<br />
hingegen, das ist der Aufstieg zu<br />
Fuß. Jeder weiß, dass das Erlebnis<br />
um ein oder zwei Zehnerpotenzen<br />
intensiver ist.<br />
Gigantisch und als messbarer Erfolg<br />
nicht zu überbieten waren natürlich<br />
die zwei 700er in Folge an Pfingsten<br />
2014 und einem 500er zwei Tage<br />
später. Für einige Wochen stand ich<br />
damit auf Platz eins in der DMSt-<br />
Clubklasse-Wertung. In dem ganzen<br />
Jahr war ich nur vier Mal überhaupt<br />
zu einem Streckenflug gestartet!<br />
Was war Ihr größter Erfolg im<br />
Kunstflug? Gibt es ein Erlebnis,<br />
an das Sie besonders gern zurückdenken?<br />
Da steht ganz klar meine zweite WM<br />
in Dubnica in der Slowakei an erster<br />
Der Schwede Johan<br />
Gustafsson ist ebenfalls<br />
ein Freund der SZD 59<br />
und nutzt sie für Flugschau-Vorführungen.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 69
[ SEGELFLIEGEN Kunstflug<br />
Wolfgang Schieck hat<br />
gezeigt, dass auch mit<br />
einer SZD 59 große<br />
Alpendreiecke möglich<br />
sind. Familienfreundlicher<br />
ist aber der Kunstflug.<br />
70 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Stelle. Es war ein 15. Platz unter 27<br />
Teilnehmern in der Unlimited, also<br />
einigermaßen im Mittelfeld nach seltenen<br />
sechs Wertungstagen. Nach<br />
einem letzten Platz auf meiner ersten<br />
WM in Torun fühlte sich das schon<br />
sehr gut an. Und die Familie war dabei!<br />
Ein Argument für die Kunstflugausbildung<br />
ist, dass man<br />
danach sein Fluggerät souveräner<br />
beherrscht. Ungewöhnliche Fluglagen,<br />
in die man auch bei heftigem<br />
Wetter geraten kann, sind<br />
dann kein Anlass mehr, zu erschrecken<br />
und damit vielleicht<br />
falsch zu reagieren. Wie haben<br />
Sie das erlebt?<br />
DIE KUNSTFLUGAUSBILDUNG<br />
IST EINE ECHTE BEREICHERUNG<br />
DER EIGENEN FÄHIGKEITEN<br />
Ich sehe natürlich eine Kunstflugausbildung<br />
als echte Bereicherung der<br />
Fähigkeiten: Durch gewolltes Überziehen<br />
und auch Trudeln kommt man<br />
aus der „Hilfe, Hilfe, wir sind zu langsam,<br />
wir stürzen ab!“-Ecke heraus<br />
und macht vielleicht nicht jeden Anflug<br />
mit gut gemeinter, aber unbegründeter<br />
Geschwindigkeitsreserve.<br />
Ein anderes Mal wird dann eine Kurve<br />
viel zu eng mit nicht genug Fahrt<br />
geflogen und nicht bemerkt, dass der<br />
Flieger schon anfängt zu autorotieren,<br />
weil man das nicht kennt.<br />
Kunstflug hat viel mit Präzision zu tun.<br />
Das hilft viel, den nächsten Anflug<br />
bis zur Landebahn mit einer bestimmten,<br />
vorher definierten Geschwindigkeit<br />
zu fliegen. Auch lernt man, was<br />
möglich ist, und was man lernen kann,<br />
das bedeutet weniger Überforderung<br />
bei einer ungewollten Fluglage.<br />
Ein fast stärkeres Argument ist für<br />
mich aber – zumindest gilt das für<br />
den Segelflug –, dass nicht ohne Ausbildung<br />
mit ungeeignetem Gerät selber<br />
drauflos probiert wird. Das wird<br />
sehr schnell sehr gefährlich. Keiner<br />
wird nach einer Kunstflugausbildung<br />
so etwas noch machen.<br />
Profitiert vielleicht auch der Kunstflug<br />
vom Streckenflug?<br />
Ja, ich kenne mein Flugzeug in- und<br />
auswendig, sitze gut, und alles ist<br />
vertraut.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 71<br />
Fotos: Johan Gustafsson, Gerhard Marzinzik, Wolfgang Schieck
[ SEGELFLIEGEN Kunstflug<br />
Segelkunstflug erlernen<br />
Erinnerungsstütze: Das<br />
Programm wird mit<br />
Aresti-Figuren skizziert.<br />
Mit der thermikfähigen SZD 59<br />
sind Sie für Ihr Kunstflugtraining<br />
nicht unbedingt auf F-Schlepps<br />
angewiesen. Sie trainieren in<br />
Königsdorf aus der Winde heraus?<br />
Ja, am liebsten aus der Winde heraus.<br />
Es fühlt sich einfach toll an, den Kunstflug<br />
so ökologisch gestalten zu können.<br />
Und billig ist es auch! Unter der<br />
Woche ohne Winde sind es dann in<br />
der Regel F-Schlepps auf 600 Meter.<br />
Mehr als die Hälfte des Trainings ist<br />
so echt bezahlbar.<br />
Fliegen Sie bei Ihrem Akrotraining<br />
nur einzelne Figuren oder auch<br />
ganze Programme?<br />
Beides ist möglich. Das hängt hauptsächlich<br />
von der Basishöhe ab und<br />
ob bestimmte Problemfiguren noch<br />
nicht funktionieren wollen oder ein<br />
Programm für eine Meisterschaft<br />
eingeschliffen werden soll.<br />
KUNSTFLUG: DIESES SPÜREN<br />
VON BELASTUNGEN<br />
UND NEUEN GRENZEN<br />
Wie kompensieren Sie das Manko,<br />
bei Ihrem freien Training<br />
keinen sachkundigen Bodenbeobachter<br />
zu haben, der Sie erst<br />
auf den einen oder anderen Mangel<br />
in der Ausführung aufmerksam<br />
machen kann?<br />
Die Kunst, ein Segelflugzeug in jeder Lage zu beherrschen, lernt man im<br />
Segelkunstflug, wirbt die Fliegerschule Wasserkuppe. Einmal im Jahr bietet<br />
der Ausbildungsbetrieb einen einwöchigen Kunstfluglehrgang mit dem fünffachen<br />
Deutschen Segelkunstflugmeister und Vizeweltmeister Hubert<br />
Jänsch an. Kunstfluglehrgänge bieten alle professionellen Segelflugschulen<br />
an: Oerlinghausen, Unterwössen und Feuerstein. Erlernen lässt sich der Segelkunstflug<br />
aber auch in vielen Kursen, die von Vereinen organisiert werden.<br />
Ganz frische Lizenzinhaber müssen erst einmal Erfahrung im normalen Segelflug<br />
sammeln, bevor sie eine Kunstflugausbildung starten können. Vorausgesetzt<br />
werden 50 Stunden als verantwortlicher Segelflugzeugführer.<br />
Das Ausbildungsprogramm beinhaltet dann das Training von Looping, Turn,<br />
gesteuerter Rolle, hochgezogener Rollenkehre, Aufschwung, Rückenflug<br />
und Trudeln. Die Ausbildung muss mindestens fünf Flugstunden betragen.<br />
Die Berechtigung, selbstständig zu turnen, gibt es nach bestandener praktischer<br />
Prüfung. Auf der Wasserkuppe wird mit der ASK 21 geflogen. Die<br />
Kosten werden nach Minutenpreisen abgerechnet. Rund 1600 Euro kommen<br />
insgesamt zusammen.<br />
Bei den wirklich schwierigen Figuren<br />
geht es um Sein oder Nichtsein. Das<br />
sehe ich selber. Das war für mich<br />
einer der Gründe, der Halb-Akro (Advanced)<br />
davonzulaufen und mir die<br />
Voll-Akro (Unlimited) anzutun. Ich<br />
hatte keine Lust mehr, um einzelne<br />
Grade der Senkrechten zu diskutieren.<br />
Vielleicht brauche ich länger, um eine<br />
Ursache zu erkennen. Weiterhin<br />
bietet Schorsch Dörder in Walldürn<br />
jedes Jahr einige Trainingstage an,<br />
es gibt den Salzmann-Cup als Trainingsmeisterschaft,<br />
und zu Hause<br />
konnte ich Peter Wanschura, einen<br />
guten Schiedsrichter ganz aus der<br />
Nähe, mal bitten, mich zu kritisieren.<br />
Roland „Bobesch“ Bauer ist auch<br />
gelegentlich am Platz. Er hat mit der<br />
Mü 28 selber international geflogen.<br />
Dann sind natürlich schon die teuren<br />
F-Schlepps angesagt.<br />
Sind Sie beruflich auch mit der<br />
Fliegerei verbandelt?<br />
Ja, am Ende meines Studiums ist der<br />
Traum wahr geworden, dass Lufthansa<br />
wieder Piloten brauchte und<br />
ich das Glück hatte, den Test zu bestehen.<br />
Segelflug ist ein zeitraubender<br />
Sport. In der Familie wird das<br />
akzeptiert, oder hat Ihre Begeisterung<br />
auch angesteckt?<br />
Es gibt schon mal Diskussionen.<br />
Eigentlich immer Ende April, wenn<br />
ich bis Mitte August keine Termin<br />
mehr zusagen will. Aber ich sollte<br />
mich wirklich nicht beklagen: Ich<br />
habe genug Freizeit und Einkommen<br />
und auch das Glück, mit einer sehr<br />
selbstständigen Frau zusammenzuleben,<br />
die zu Hause den ‚Laden am<br />
Laufen hält‘. Bevor die Kinder kamen,<br />
hat sie selber mal den Segelflugschein<br />
erworben. Für die Kinder ist beziehungsweise<br />
war der Randbereich des<br />
Flugplatzes ein riesiger Erlebnispark<br />
mit viel Platz und einem kleinen See<br />
und auch der Gelegenheit zum Modellfliegen.<br />
Der älteste der drei (11,<br />
13 und 15 Jahre) fliegt seit einem Jahr<br />
selber und blüht in der Fliegergemeinschaft<br />
merklich auf. Am Flugplatz<br />
steht ein alter Wohnwagen, sodass<br />
wir uns alle auch zum Grillen inklusive<br />
Lagerfeuer und Übernachtung<br />
verabreden können.<br />
Insgesamt ist der Kunstflug deutlich<br />
familientauglicher als der Streckenflug.<br />
Angefangen damit, dass man morgens<br />
nicht so früh am Platz sein muss, bis<br />
dahin, dass man abends sicher wieder<br />
am Platz landen wird. Ich kann<br />
auch mal die Kinder alleine mitnehmen,<br />
denn zwei, drei Stunden halten sie<br />
es auch ohne Aufpasser aus.<br />
Auch auf den Kunstflugmeisterschaften<br />
kann man gut gemeinsam auftreten.<br />
Fast immer sind auch andere<br />
Kinder dabei. Die Schiedsrichter<br />
nehmen sie gerne als Schreiber, und<br />
man selber ist ja nie lange weg. Die<br />
nationalen Meisterschaften sind sehr<br />
gesellig.<br />
Durch den Kunstflug ist meine Streckenflieger-Aktivität<br />
natürlich deutlich<br />
reduziert. Einen großen Teil des<br />
Trainings kann ich aber auch an<br />
freien Tagen unter der Woche machen.<br />
Da fällt mein Fehlen kaum auf, denn<br />
ich bin zum Abendessen oder mal<br />
für eine Mathe-Nachhilfe sicher rechtzeitig<br />
zurück.<br />
ae<br />
Interview: Gerhard Marzinzik<br />
Fotos: Wolfgang Schieck<br />
72 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
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[ SEGELFLIEGEN Ausbildung ]<br />
Fliegerschule Wasserkuppe<br />
Wenn’s weiter gehen soll<br />
Eine Bergflugschule beginnt die Saison natürlich in den<br />
Bergen. Während sich auf der Wasserkuppe noch Snowkiter<br />
vergnügten, startete die Fliegerschule das neue Flugjahr mit<br />
einer Exkursion in die französischen Alpen.<br />
Als das Viererteam der Trainer<br />
um Schulleiter Harald<br />
Jörges mit den zwei Duo<br />
Discus und der ASG 29E der Schule<br />
Ende März von Gap-Tallard<br />
zurückkehrte, herrschte auf der<br />
Wasserkuppe noch Winter. Die<br />
Asphaltbahn musste erst einmal<br />
freigeschoben werden.<br />
Die Exkursionsteilnehmer hatten<br />
in der südfranzösischen Außenstelle<br />
aber schon ausgiebig<br />
fliegen können. In diesem Jahr,<br />
freute sich Harald Jörges, waren<br />
es vor allem junge Piloten, die den<br />
Frühstart in die Saison genutzt<br />
haben. Sie waren nahezu an jedem<br />
Tag fünf bis sechs Stunden in der<br />
Luft und kamen dabei im Mistral<br />
auch hoch hinaus: bis auf 6000<br />
Meter. Bei 80 Starts wurden nach<br />
den zwei Exkursionswochen für<br />
die drei Schulflugzeuge 200 Flugstunden<br />
und 15 000 Streckenkilometer<br />
zusammengerechnet.<br />
Das Gebirgsflugtraining ist nur<br />
ein Angebot, mit dem sich die<br />
Fliegerschule Wasserkuppe an<br />
ausgebildete Piloten wendet. Während<br />
sich die Anfänger auf der<br />
Kuppe mit den Grundlagen des<br />
Fliegens vertraut machen, können<br />
sich Lizenzinhaber dort wichtiges<br />
Rüstzeug für Streckenflüge vermitteln<br />
lassen – da einsteigen, wo der<br />
Segelflug als Sport erst richtig<br />
anfängt. Das Coaching umfasst die<br />
professionelle Vorbereitung und<br />
auf Basis der guten Ortskenntnis<br />
des Trainerteams – in den französischen<br />
Alpen wie in der weiten<br />
Region um die Rhön – eine sichere<br />
Praxis.<br />
Mit zwei Duo Discus und einer ASG 29E startete<br />
die Fliegerschule in Gap-Tallard in die Saison.<br />
74 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Am Rand gelegen, aber<br />
Mittelpunkt der Fliegerei<br />
auf der Kuppe: das neue<br />
Luftsportzentrum.<br />
Segelfliegen schult auch den<br />
Charakter. Die Luftwaffe<br />
schickt dazu ihre Offiziersanwärter<br />
auf die Wasserkuppe.<br />
Vier ASK 21 und zwei<br />
Duo Discus bilden das<br />
Rückgrat der Schulflotte.<br />
Fotos: Fliegerschule Wasserkuppe, Gerhard Marzinzik<br />
Neben dem Segelflug gehört<br />
heute auch die Motorflugausbildung<br />
zum Angebot. Wer auf die Kosten<br />
achtet, hat die Möglichkeit, erst<br />
einmal in die günstige Variante<br />
des Motorfliegens, die Ultraleichtfliegerei,<br />
einzusteigen. Ein UL,<br />
eine Super Dimona und drei DR400<br />
stehen für diesen Schulbereich zur<br />
Verfügung.<br />
Abheben, wo der Segelflug<br />
„erfunden“ wurde<br />
Für die Segelflugsaison in<br />
Deutschland ist die Fliegerschule<br />
bestens gerüstet. In diesem Jahr<br />
verfügt sie über die bisher größte<br />
und modernste Flotte. Von sieben<br />
Doppelsitzern stehen vier Schleicher<br />
ASK 21 und eine eigenstartfähige<br />
ASK 21Mi für die Anfängerausbildung<br />
und zwei Duo<br />
Discus für die Fortbildung zur<br />
Ver fügung. Spitzenflugzeug unter<br />
den Einsitzern ist das 18-m-Klasse-Flugzeug<br />
ASG 29E mit Heimkehrhilfe.<br />
Es wird flankiert von<br />
zwei ASW 28, eine davon ebenfalls<br />
mit Turbo, und einer Ka 6E. Mitte<br />
des Sommers soll ein weiteres<br />
neues Standardklasse-Flugzeug<br />
dazukommen.<br />
Mit der modernen Flotte stellt<br />
die Fliegerschule eine wichtige<br />
Ergänzung zum Ausbildungsangebot<br />
der Luftsportvereine dar. So<br />
kann auf der Kuppe die Eigenstartberechtigung<br />
Segelflug im Kompaktkurs<br />
innerhalb von zwei Tagen<br />
erworben werden. Mit der Klapptriebwerk-Einweisung<br />
wird die<br />
richtige und sichere Benutzung<br />
des Flautenschiebers vermittelt.<br />
Unsicher im Thermikflug? Wenn<br />
das Kreisen mit mehreren Flugzeugen<br />
im Pulk oder eine mögliche<br />
Außenlandung Bauchgrimmen<br />
verursacht, steuert die Schule mit<br />
speziellen Trainingsflügen dagegen.<br />
Praktisches und theoretisches<br />
Streckenflugtraining wird in festen<br />
Kursen geboten, kann aber auch<br />
individuell vereinbart werden. Mit<br />
den Duo Discus kann man gemeinsam<br />
mit Fluglehrern auf Strecke<br />
gehen und sich zeigen lassen, wie<br />
die Termik am besten aufzufinden<br />
und zu nutzen ist.<br />
Wohl nur wenige Anfänger<br />
werden sich bei ihrer Ausbildung<br />
allein auf eine professionelle Segelflugschule<br />
stützen wollen. Eine<br />
Komplettausbildung ist hier im<br />
Vergleich zur Schulung im Verein<br />
deutlich teurer. Das Starterpaket<br />
Segelflug der Fliegerschule Wasserkuppe<br />
kostet für Jugendliche<br />
bis 18 Jahre 1290 Euro, für Erwachsene<br />
1390 Euro. Bezahlt sind damit<br />
9 bis 14 Tage Anfängerschulung,<br />
inklusive aller anfallenden Flugkosten<br />
und Gebühren bis zu den<br />
ersten drei Alleinflügen.<br />
Dieses Angebot lässt sich auch<br />
die Bundeswehr nicht entgehen.<br />
Zusammen mit der Segelflugschule<br />
Oerlinghausen wurde die Fliegerschule<br />
Wasserkuppe für die<br />
Grundlehrgänge der Luftwaffen-<br />
Offiziersanwärter ausgewählt. Für<br />
die angehenden Offiziere ist die<br />
Segelflugausbildung ein Bestandteil<br />
der Berufslaufbahn.<br />
Kurse beschleunigen<br />
die Ausbildung<br />
Das Angebot einer professionellen<br />
Schule wie der Fliegerschule<br />
Wasserkuppe ist eine wichtige<br />
Ergänzung zur Vereinsausbildung.<br />
Sparen lässt sich damit jedenfalls<br />
Zeit, wenn es zum Beispiel möglichst<br />
schnell zum Alleinflug gehen<br />
soll. Mit dem Kompaktkurs lässt<br />
sich da schon einmal eine große<br />
Hürde nehmen. Oder man lernt<br />
weiterführende Ausbildungsabschnitte<br />
oder Theorie im Block. Zur<br />
Kundschaft der Fliegerschule zählen<br />
auch Vereine selbst. Gruppen,<br />
die sich für ein Ferienlager auf der<br />
Kuppe interessieren, sind bei der<br />
Fliegerschule willkommen. Die<br />
Rhön liegt mitten in einer thermisch<br />
günstigen Region – nicht weit von<br />
der Rennstrecke Thüringer Wald<br />
– und ist ein guter Ausgangspunkt<br />
für Streckenflüge. Die Schule betreut<br />
auch immer wieder Einzelpiloten<br />
mit eigenen Flugzeugen. Sie finden<br />
auf der Kuppe eine gute Infrastruktur<br />
vor und erhalten bei der Fliegerschule<br />
ein gemeinsames Briefing<br />
mit Wetter- und Thermikinfos.<br />
Am Wochenende wird keineswegs<br />
pausiert, ausgebildet wird auf der<br />
Wasserkuppe sieben Tage in der<br />
Woche.<br />
Die Fliegerschule Wasserkuppe<br />
ist die älteste Segelflugschule der<br />
Welt, 1924 wurde sie als Martens<br />
Flugschule gegründet. Heute gehört<br />
sie zu den modernsten. Sichtbar<br />
wird das nicht zuletzt am<br />
neuen Luftsportzentrum. Hier<br />
bietet das schuleigene Restaurant<br />
Weltensegler den zentralen Treffpunkt<br />
für alle Flieger auf der Wasserkuppe.<br />
ae<br />
Gerhard Marzinzik<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 75
[ SEGELFLIEGEN Meteo ]<br />
Wo und wann geht<br />
die Thermik am<br />
besten? Das lässt<br />
sich jetzt für die<br />
Streckenplanung in<br />
SeeYou einblenden.<br />
In ihrer neuen Version<br />
integriert die<br />
Flugplanungssoftware<br />
TopMeteo.<br />
TopMeteo/SeeYou<br />
Planen mit dem Wetter<br />
Das Wetter bestimmt in hohem<br />
Maße den Erfolg beim<br />
Streckenfliegen. Je weiter,<br />
je schneller die Flüge werden sollen,<br />
umso mehr gewinnt der Faktor<br />
Wetter an Bedeutung und<br />
umso wichtiger wird er schon in<br />
der Planungsphase. Mit der Integration<br />
der Wettervorhersagen von<br />
TopMeteo in die Desktop-Flugplanungssoftware<br />
SeeYou von Naviter<br />
haben Piloten nun ein Tool an<br />
der Hand, das moderne Planungssoftware<br />
und aktuelle Wettervorhersagen<br />
vereint.<br />
Einen ersten Eindruck über die<br />
innovativen Möglichkeiten konnte<br />
sich die breite fliegende Öffentlichkeit<br />
schon auf dem Segelfliegertag<br />
in Freudenstadt verschaffen.<br />
Parallel zur Convention der Soaring<br />
Society of America Mitte Februar<br />
erfolgte der offizielle Startschuss<br />
für die neue Version 8 von SeeYou.<br />
Die Integration der Vorhersagen<br />
von TopMeteo geht weit über eine<br />
reine Anzeige der Modellergebnisse<br />
als (Hintergrund-)Grafik hinaus:<br />
Die meteorologischen Parameter<br />
werden unmittelbar in die Streckenplanung<br />
einberechnet und<br />
ermöglichen eine direkte Einschätzung,<br />
ob die geplante Strecke bei<br />
den vorhergesagten Wetterbedingungen<br />
durchführbar und wie groß<br />
eine mögliche Zeitreserve am<br />
Ende des (Thermik-)Tages noch<br />
ist. Mit Hilfe von Zeitfahnen, die<br />
entlang des Kurses und an den<br />
Wendepunkten eingeblendet werden,<br />
ist den SeeYou-Entwicklern<br />
dafür eine sehr intuitive Darstellung<br />
gelungen: Man erkennt auf einen<br />
Blick, wann man wo sein sollte,<br />
um die gestellte Aufgabe zu erfüllen.<br />
Durch simples Verschieben<br />
der Wendepunkte kann die Aufgabe<br />
in Länge und Richtung an<br />
die Wetterbedingungen angepasst<br />
werden. Parallel verändern sich<br />
auch die Positionen der Zeitfahnen.<br />
Legt man eine Wende in einen<br />
schlechteren Wetterraum oder<br />
wählt man die Strecke zu lang,<br />
signalisiert eine rote Zeitfahne Ort<br />
und Zeit der Außenlandung – auch<br />
so kann eine Streckenplanung<br />
aussehen.<br />
Die personalisierte PFD<br />
gibt das Maximum vor<br />
Für die Planung werden die<br />
stündlichen Berechnungen der<br />
potenziellen Flugdistanz (PFD) von<br />
TopMeteo herangezogen. Die über<br />
den Tag akkumulierte PFD dürfte<br />
vielen aus dem TopMeteo-System<br />
bereits bekannt sein, ist sie doch<br />
meist der erste und wichtigste<br />
Gradmesser für die Streckentauglichkeit<br />
eines Tages. Aus den vom<br />
Vorhersagemodell prognostizierten<br />
Steigwerten wird für die Polare<br />
eines 18-m- beziehungsweise 15-m-<br />
Flugzeuges eine mittlere Reisegeschwindigkeit<br />
abgeleitet. Weiterhin<br />
werden wetterrelevante Faktoren<br />
mit einbezogen. Schnelles<br />
Vorankommen bei hoher Basis und<br />
leichter Quellbewölkung wird<br />
ebenso berücksichtigt wie bremsende<br />
Abschirmungen oder die<br />
Möglichkeit, dass man durch Schauer<br />
oder Gewitter zu Umwegen<br />
gezwungen werden kann.<br />
Die stündlichen Werte werden<br />
über den Tag summiert und auch<br />
weiter durch TopMeteo zur Verfügung<br />
gestellt. Sie werden gemeinsam<br />
mit den Prognosen für<br />
den Wind in unterschiedlichen<br />
Höhen nun in SeeYou übernommen.<br />
Dazu reicht neben der aktuellen<br />
Version 8 ein gültiger Account bei<br />
TopMeteo aus, der in der SeeYou-<br />
Oberfläche angegeben werden<br />
muss. Den Datenabruf der Wetterinformationen<br />
erledigt SeeYou<br />
dann vollautomatisch. Dabei werden<br />
immer die Daten sowohl für<br />
den aktuellen als auch für die<br />
beiden Folgetage heruntergeladen.<br />
TopMeteo aktualisiert die Daten<br />
alle sechs Stunden, sodass der<br />
Nutzer damit immer auf die aktuellste<br />
Datenbasis zurückgreifen<br />
kann.<br />
Die PFD an sich ist mehr eine<br />
qualitative denn eine quantitative<br />
Einschätzung des Tages. Es gibt<br />
Piloten, die (scheinbar) mühelos<br />
die vorhergesagte PFD überbieten,<br />
während für andere Piloten diese<br />
Werte (noch) eine große Hürde<br />
darstellen. Um dem Rechnung zu<br />
tragen, können einige persönliche<br />
Einstellungen vorgenommen werden.<br />
Auf diese Weise lassen sich<br />
die eigene Leistungsfähigkeit und<br />
das Flugzeugmuster anpassen.<br />
Diesen Parameter findet man in<br />
SeeYou als Pilotenfaktor. Wer lieber<br />
etwas später starten will – oder<br />
aber im Wettbewerb, wo die Zeit<br />
bis zur Öffnung des Abfluges berücksichtigt<br />
werden muss –, kann<br />
die Startzeit ebenfalls individuell<br />
anpassen.<br />
Auch der Wind<br />
spielt mit<br />
Für die Streckenplanung wird<br />
nicht nur die PFD herangezogen.<br />
Da der Startpunkt vorgegeben<br />
werden kann, kann auch der Wind<br />
– als Rücken- oder Gegenwind –<br />
berücksichtigt werden. Dazu berechnet<br />
SeeYou einen mittleren<br />
Wind der prognostizierten Konvektionsschicht,<br />
der sich dann entsprechend<br />
auf die kalkulierte Geschwindigkeit<br />
jedes einzelnen<br />
Schenkels auswirkt.<br />
Um einen Eindruck vom Windeinfluss<br />
zu bekommen, können<br />
Windpfeile in unterschiedlichen<br />
Höhen beziehungsweise Stromlinien<br />
eingeblendet werden. Die<br />
Einschätzung, ob Aufwindstraßen<br />
genutzt werden können, ist weiter<br />
dem Nutzer überlassen, die Darstellung<br />
hilft aber ungemein, die<br />
Kurse mit Berücksichtigung des<br />
Windes anzulegen.<br />
76 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Planungsbeispiel für die<br />
Nutzung von TopMeteo in<br />
SeeYou für ein Tausender<br />
in Namibia.<br />
Piloten landen hier<br />
3 x <strong>aerokurier</strong><br />
plus Flieger-Taschenkalender<br />
supergünstig<br />
Wesentliches Hilfsmittel bei<br />
der Planung sind die als leicht<br />
durchscheinende Fläche unterlegten<br />
Werte der stündlich<br />
berechneten PFD. Bei der Planung<br />
sollte man unbedingt<br />
darauf achten, Zugriff auf die<br />
besten Bereiche zu bekommen<br />
und dann darin zu bleiben. Wie<br />
bereits erwähnt, wird man aber<br />
auch sehr schnell erkennen,<br />
dass eine Wende in einem Gebiet<br />
mit schlechtem Wetter<br />
sofort zu einer drastischen<br />
Verringerung der möglichen<br />
Strecke führt.<br />
Kurze thermische Lücken<br />
werden bei der Berechnung<br />
auch berücksichtigt. Reicht die<br />
gegebene Arbeitshöhe aus, um<br />
diese zu durchgleiten, wird dies<br />
miteinbezogen. Ab dem Punkt,<br />
an dem in nutzbarer Höhe wieder<br />
ein thermischer Anschluss<br />
möglich ist, wird weitergerechnet.<br />
Auch der Endanflug wird<br />
möglichst realistisch mit einbezogen.<br />
Der letzte Flugabschnitt<br />
kann auch ohne Thermik<br />
absolviert werden – spätestens<br />
zu Sunset ist endgültig Schluss.<br />
Zusammenfassend lässt sich<br />
sagen, dass die Ziele, das Maximale<br />
aus einem Tag machen<br />
zu können und die Phasen eines<br />
Fluges möglichst realistisch<br />
abzubilden, gut gelungen sein<br />
dürften. Und da die Strecken<br />
mittlerweile in der SeeYou-Cloud<br />
gespeichert werden können,<br />
kann man mit der Zeit einen<br />
umfangreichen Streckenkatalog<br />
aufbauen. Ein besonderes Feature<br />
bietet dann das Warnsystem<br />
der SeeYou-Cloud. Alle dort<br />
vom Anwender gespeicherten<br />
Daten werden automatisch auf<br />
ihre Machbarkeit hin überprüft.<br />
Die größte der möglichen Strecken<br />
eines jeden Tages wird<br />
dann auf dem SeeYou-Dashboard<br />
angezeigt. Ergänzend zu<br />
meiner Thermikinfo hat man<br />
damit einen weiteren Baustein<br />
für ein personalisiertes Wetterfrühwarnsystem,<br />
um keinen<br />
der guten Tage mehr zu verpassen.<br />
Anbindung an<br />
weitere Systeme<br />
Die Planungsdaten können<br />
direkt in die Navigationssysteme<br />
von Naviter (Oudie) und<br />
LXnav übernommen werden.<br />
Das gilt aktuell für die deklarierte<br />
Strecke, zukünftig wird<br />
mindestens auch die Übernahme<br />
des Zeitplans direkt möglich<br />
sein. Derzeit sind die Wetterdaten<br />
für jeden Dienstag auch<br />
ohne ein gültiges TopMeteo-<br />
Abonnement zu bekommen und<br />
können in SeeYou eingebunden<br />
werden. Bereits am Sonntag<br />
kann mit der Planung für den<br />
Dienstag begonnen werden,<br />
auch die Aktualisierungen bekommt<br />
der Nutzer kostenfrei<br />
bis zum Dienstagmorgen. So<br />
kann sich jeder Interessent<br />
unverbindlich einen guten Eindruck<br />
von den neuen Möglichkeiten<br />
machen.<br />
SeeYou und TopMeteo planen,<br />
auch weiterhin eng zusammenzuarbeiten<br />
und die<br />
Funktionalitäten sukzessive<br />
auszubauen – Ideen sind noch<br />
reichlich vorhanden. ae<br />
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[ SEGELFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
Dass eine Akaflieg-Konstruktion<br />
so praxisorientiert<br />
und zugleich gebrauchstüchtig<br />
gelang,<br />
ist eher eine Seltenheit. 1983 übernahm<br />
die Akaflieg Stuttgart ihre<br />
fs31 in den Ausbildungsbetrieb,<br />
und noch heute unternehmen Segelflug-Einsteiger<br />
mit dem Gleiter<br />
ihre ersten Schritte und sammeln<br />
erste Streckenflugerfahrung.<br />
Martin Heide, Konstrukteur bei<br />
Alexander Schleicher Segelflugzeugbau,<br />
genoss erst im vergangenen<br />
Jahr bei einem Altherren-<br />
Lager der Akaflieg wieder ein paar<br />
Schulstarts mit der fs31. Als Konstrukteur<br />
nutzte Heide das Flugzeug<br />
mit dem stark eingeschnürten<br />
Rumpf als Vorbild für die AS 22-2.<br />
Die fs31 wurde so, wie es Werner<br />
Scholz, Alter Herr der Stuttgarter,<br />
formulierte, zur Großmutter von<br />
AS 22-2, ASH 25, EB 28 und Eta.<br />
Der Dank dafür geht an Mario<br />
Heinen und Rolf Hilgert, die das<br />
Projekt in Entwicklung, Konstruktion<br />
und Bau im Wesentlichen auf<br />
den Weg brachten. Rolf Hilgert<br />
erinnert sich nach einem Berufsleben<br />
bei Airbus an die Überlegungen,<br />
die zum Konzept der fs31<br />
führten, an ihren Bau und die<br />
Flugerprobung:<br />
Nach den Großprojekten fs28<br />
und fs29, dem anstehenden Bau<br />
einer Winde, einer Halle und dem<br />
Akaflieg-Haus auf dem Flugplatz<br />
Bartholomä sollte das nächste Projekt<br />
überschaubar und in möglichst<br />
kurzer Zeit zu realisieren sein.<br />
Schon 1975 wurden die ersten<br />
Ideen zu einem in Kunststoffbauweise<br />
zu fertigenden Schulungsdoppelsitzer<br />
mit Streckenflugpo-<br />
AUTOR: Rolf Hilgert<br />
Seit fast 35 Jahren<br />
ist der Doppelsitzer<br />
fs31 der Akaflieg<br />
Stuttgart im Einsatz.<br />
Für ein Akaflieg-<br />
Projekt eine nahezu<br />
einzigartige Karriere.<br />
ERFOLGS-<br />
Fotos: Akaflieg Stuttgart<br />
PROJEKT<br />
78 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
tenzial diskutiert. Mit dem günstigen<br />
Kauf der Tragflächen des<br />
Twin-Astir-Prototyps 1977 entschied<br />
sich die Gruppe für die Entwicklung<br />
und den Bau eines Schulungsdoppelsitzers.<br />
Nach einem anfänglichen<br />
Einfachkonzept mit Stahlrohrrumpf<br />
wurde im Laufe der darauffolgenden<br />
Wochen doch wieder ein anspruchsvolles<br />
Akaflieg-Projekt mit<br />
folgenden Zielsetzungen definiert:<br />
• gutmütige Flugeigenschaften für<br />
die Schulung<br />
• gute Flugleistungen durch aerodynamisch<br />
optimierten Rumpf<br />
mit starker Einschnürung<br />
• geringes Gewicht durch konsequente<br />
Nutzung der Hybridfasertechnik<br />
Kohle-Kevlar<br />
• hoher Pilotenkomfort durch Innenraumoptimierung<br />
• Sicherheitscockpit durch konstruktive<br />
Maßnahmen und Nutzung<br />
von Kevlarfaser<br />
Der Rumpfstrak basierte auf<br />
Erkenntnissen von Windkanaluntersuchungen,<br />
die schon bei fs25<br />
und fs29 zu der typischen starken<br />
Einschnürung der Akaflieg-Stuttgart-Rumpfröhren<br />
geführt hatten.<br />
Grundlagenuntersuchungen zu<br />
Kohle-Kevlar-Mischgelegen legten<br />
schließlich die Auswahl eines<br />
Strukturkonzepts auf Grundlage<br />
der untersuchten Hybridfasertechnologie<br />
nahe. Damit ließ sich das<br />
Gewicht der Rumpfröhre gegenüber<br />
einer Aluminiumröhre, wie sie bei<br />
der fs29 verwendet wurde, um 22<br />
Prozent reduzieren. Ein statischer<br />
Bruchversuch der Rumpfröhre<br />
diente der Absicherung der Kennwerte<br />
und Bauweise der fs31. Die<br />
im Versuch erzielte Bruchlast<br />
stimmte genau mit der rechneri-<br />
schen Bruchlast überein, sodass<br />
dem Bau der fs31-Rumpfschale im<br />
CFK/AFK/CFK-Mischlaminat und<br />
der anschließenden Zulassung<br />
nichts mehr im Wege stand. Beim<br />
Leitwerk wurde auf das der Kestrel<br />
H604 zurückgegriffen; beim<br />
Bau der Ruder und der Verkleidungsteile<br />
fand die Chemiefaser<br />
Kevlar-49 Verwendung.<br />
Damit wurde auch das Zielgewicht<br />
von 150 Kilogramm für<br />
Rumpf mit Leitwerk inklusive Ausrüstung<br />
erreicht. Auch aerodynamisch<br />
war der Rumpf ein Treffer:<br />
Schön und strömungsgünstig:<br />
Der stark<br />
eingeschnürte Rumpf<br />
macht die fs31<br />
unverwechselbar.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 79
[ SEGELFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
Die Werte der umspülten Oberfläche<br />
des Rumpfes liegen nahe denen<br />
einsitziger Flugzeuge der<br />
damaligen Offenen Klasse. Das<br />
einziehbare, gedämpfte Schwingenfahrwerk<br />
hat sich in jahrzehntelangem<br />
Einsatz bewährt; es<br />
kommt ohne Bugrad aus und hat<br />
so manche harte Landung aufnehmen<br />
müssen. Die Ergonomie des<br />
Cockpits basiert auf Untersuchungen<br />
mit unterschiedlichsten Schablonen<br />
für verschieden proportionierte<br />
Piloten und lässt ein bequemes<br />
Fliegen über mehrere<br />
Stunden zu.<br />
Parallel zur Detailkonstruktion<br />
wurde mit dem Bau der Negativformen<br />
für den Rumpf begonnen.<br />
Im Herbst 1978 wurden dann die<br />
beiden in der Waagerechten geteilten<br />
Negativschalen für das<br />
Rumpfvorderteil in einem großem<br />
Gruppenevent laminiert. Wir wählten<br />
eine horizontale Trennlinie für<br />
den Rumpf, um die offene Unterschale<br />
für alle Einbaumaßnahmen<br />
zur Verfügung zu haben. Ein Konzept,<br />
das sich für unseren Prototypenbau<br />
als sehr vorteilhaft erwies.<br />
Es sah für unser Sicherheitscockpit<br />
auch ein nahtloses Rumpfvorderteil<br />
vor, um ein Aufplatzen einer<br />
Nahtstelle auszuschließen. Das ließ<br />
sich durch geschicktes Zuschneiden<br />
der oberen Negativform realisieren.<br />
In den Negativschalen<br />
wurden als Erstes die Schalen für<br />
das Mock-up laminiert, das zur<br />
Ermittlung der genauen Einbauräume<br />
und als Testmodell zum<br />
Einbau von Cockpit und Steuerung<br />
diente.<br />
Da das Schneiden von Kevlargewebe<br />
schwierig ist, wurden<br />
alle Lagen vorab mithilfe von Schablonen<br />
zugeschnitten. Das dauerte<br />
etwa eine Woche. Zum Einsatz<br />
kam eine übergroße Schneiderschere,<br />
die mehrfach am Tag nachgeschliffen<br />
wurde.<br />
Das Laminieren der Rumpfschalen<br />
geschah wieder in einem großen<br />
Gruppenevent mit Start um<br />
fünf Uhr früh. Zuerst wurde das<br />
Vorgelat gespritzt. Den ganzen Tag<br />
arbeiteten dann ständig fünf bis<br />
acht Laminierer und ein Harzmischmeister.<br />
Als spätabends das Vakuum<br />
anlag und dicht genug war,<br />
wurden die Sektflaschen aufgemacht.<br />
Später wurden die Schalen<br />
getempert.<br />
Nach dem Einbau der Steuerstangen<br />
wurden die Schalen verklebt<br />
und der Haubenrahmen mit<br />
integriertem Luftkanal für den<br />
zweiten Pilotensitz ebenfalls nahtlos<br />
einlaminiert. Auf das Feintunen<br />
der Sitzgeometrie legten wir großen<br />
Wert. Unser Sitzexperte saß<br />
oft nächtelang im Mock-up und hat<br />
den Hartschaum für die Form um<br />
sich herum mit der Raspel bearbeitet.<br />
Eines Morgens berichtete<br />
er beim Kaffee, dass er so gegen<br />
drei Uhr bei der Arbeit im Sitz eingeschlafen<br />
und erst um acht Uhr,<br />
als die anderen gekommen sind,<br />
aufgewacht sei. Dies war dann das<br />
eindeutige Zeichen, dass die Sitze<br />
nun bequem genug waren und die<br />
Negativformen abgenommen werden<br />
konnten.<br />
Im September 1981 begann die<br />
Endmontage mit dem Ziel, den<br />
Erstflug noch im selben Jahr zu<br />
bewerkstelligen. In Tag- und Nachtschichten<br />
zeigte die Gruppe, dass<br />
sie das Projekt termingerecht fer-<br />
tigbringen wollte. Beim täglichen<br />
Ausrichten von Rumpf und Flügel<br />
zur Vorbereitung der Verklebung<br />
der Querkraftbolzen per Theodolit<br />
fiel auf, dass die Ecke der Werkstatt<br />
am Rumpfende immer wieder ein<br />
paar Millimeter absank. Ursache<br />
waren wohl die zu dieser Zeit<br />
stattfindenden Bauarbeiten am<br />
S-Bahn-Tunnel rund 37 Meter unter<br />
dem Werkstattboden. Die Verklebung<br />
aller vier Querkraftbeschläge<br />
erforderte deshalb besondere<br />
Maßnahmen. Mit der Bauleitung<br />
des S-Bahn-Tunnels konnte schließlich<br />
für die Zeit der Verklebung<br />
eine Sprengpause vereinbart werden.<br />
Am 30. Dezember 1981 ging es<br />
bei strahlendem Winterwetter zum<br />
Erstflug nach Karlsruhe/Forchheim,<br />
dem einzigen Flugplatz in der Nähe<br />
mit schneefreier Bahn. Jörg<br />
Schuon führte den 20 Minuten<br />
dauernden Erstflug durch. Nach<br />
der Landung strahlte er mit allen<br />
Akafliegern um die Wette und berichtete<br />
von einem unproblematischen<br />
und überaus gutmütigen<br />
Verhalten der fs31.<br />
Die Bauform für den Rumpf<br />
wurde für ein nahtloses Sicherheitscockpit<br />
horizontal geteilt.<br />
Die fs31 beim Idaflieg-Treffen,<br />
verkabelt für die Flugerprobung<br />
und Leistungsoptimierung des<br />
Flügel-Rumpf-Übergangs.<br />
Fotos: Akaflieg Stuttgart, Rolf Hilgert<br />
80 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Der kleine Instrumentenpilz nimmt<br />
alle wichtigen Instrumente auf und<br />
lässt dem Piloten vorn viel Platz.<br />
Das „Informationszentrum“ für<br />
den Fluglehrer beschränkt sich<br />
auf das Wesentliche.<br />
DER ENG EINGESCHNÜRTE<br />
FS31-RUMPF WURDE VORBILD<br />
FÜR ASH 25, EB 28 UND ETA<br />
Die Flugerprobung begann im<br />
Frühjahr 1982 und zeigte keine<br />
größeren Auffälligkeiten. Zusätzlich<br />
zur Flugerprobung wurden<br />
auch am Rumpfvorderteil Umschlagspunktmessungen<br />
durchgeführt<br />
und verschiedene Rumpf-<br />
Flügel-Übergänge aufgeklebt und<br />
Wollfadenmessungen mit einer<br />
Super-8-Kamera gemacht. Der optimale<br />
Rumpf-Flügel-Übergang<br />
wurde dann im Winter entsprechend<br />
übertragen.<br />
Im Juli 1982 wurde im Rahmen<br />
der Breitenerprobung der Klippeneck-Wettbewerb<br />
gewonnen,<br />
und am Saisonende hatte die fs31<br />
schon über 200 Stunden geflogen.<br />
Das Sommerlager 1983 in Saint-<br />
Auban war dann für eine weitere<br />
Verbesserung gut. Wir stellten dort<br />
fest, dass sich an der Flügelunterseite<br />
über die ganze Spannweite<br />
eine feine Grenze zwischen glänzend<br />
(vorne) und matt (hinten<br />
etwa 60 Prozent Flügeltiefe) ausgebildet<br />
hatte. Der erste Verdacht,<br />
dass jemand nur bis zu einer bestimmten<br />
Stelle mit dem Leder<br />
geputzt hatte, konnte ausgeräumt<br />
werden, da – nach Markierung –<br />
auch der komplett geputzte Flügel<br />
nach ein paar Flügen wieder die<br />
gleiche Staubgrenze zeigte. Tatsächlich<br />
konnten wir so die Position<br />
einer laminaren Ablöseblase<br />
in der Natur beobachten, was sich<br />
durch Messungen im Laminarwindkanal<br />
am Aeroinstitut bestätigen<br />
ließ. Seither ziert ein Zackenband<br />
bei 58 Prozent Tiefe die Flügelunterseite.<br />
Messungen auf mehreren Idafliegtreffen<br />
bestätigten eine Leistungssteigerung<br />
dank des optimierten<br />
Rumpf-Flügel-Übergangs<br />
sowie des Zackenbands bei einer<br />
leicht geöffneten Lüftung im Cock-<br />
pit um knapp einen Gleitzahlpunkt.<br />
Die beste Gleitzahl war nun 38.<br />
Die vorläufige Verkehrszulassung<br />
wurde Anfang 1983 auf<br />
Schulflüge erweitert, die Einzelstückzulassung<br />
erfolgte nach weiteren<br />
Nachweisen.<br />
Im Juli 1983 machte der erste<br />
nur auf fs31 ausgebildete Flugschüler<br />
seinen ersten Alleinflug.<br />
Im Juni 1983 gelang ein Dreieck<br />
über 617 Kilometer. Seitdem steht<br />
die fs31 im Einsatz; im Jahr 1995<br />
wurde während des Altherrenlagers<br />
bereits der 10 000. Start durchgeführt.<br />
Bis heute hat die fs31 mit rund<br />
7100 Flugstunden und 22 000 Starts<br />
viele, viele Akaflieger erfreut. Es<br />
gibt wohl technologisch anspruchsvollere<br />
Projekte der Akaflieg Stuttgart,<br />
die fs31 ist aber das Flugzeug<br />
mit der höchsten Alltagstauglichkeit<br />
und der besten Akzeptanz von<br />
Akafliegern über mehrere Generationen<br />
hinweg.<br />
Im Dezember wird die gutmütige<br />
Dame 35 Jahre jung und fliegt<br />
und fliegt und fliegt … hoffentlich<br />
noch lange.<br />
ae<br />
Daten fs31<br />
Muster fs31 Hersteller: Akademische<br />
Fliegergruppe Stuttgart Erstflug: 1981<br />
Hersteller<br />
Akaflieg Stuttgart<br />
Besatzung 1 + 1<br />
EinsatzSchulung<br />
Werkstoff<br />
GFK, CFK, AFK<br />
Flügelteilungzweifach<br />
Abmessungen<br />
Spannweite<br />
17,50 m<br />
Flügelfläche 17,76 m²<br />
V-Form4°<br />
Tragflügelprofil E 603<br />
Rumpflänge<br />
8,82 m<br />
Rüstgewicht<br />
350 kg<br />
maximales Fluggewicht<br />
560 kg<br />
Flächenbelastung 24,8 – 32,1 kg/m²<br />
Flugleistungen<br />
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h<br />
gerechnete Leistung bei 298 N/m²<br />
Mindestgeschwindigkeit 68 km/h<br />
beste Gleitzahl<br />
bei 100 km/h 38<br />
geringstes Sinken<br />
bei 85 km/h<br />
0,64 m/s<br />
Denkmal: Das<br />
Positivmodell des<br />
fs31-Rumpfs vor<br />
dem Vereinshaus<br />
in Bartholomä.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 81
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<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong><br />
91
JOBBÖRSE<br />
Zuschriften auf Chiffreanzeigen richten Sie bitte an: Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG, <strong>aerokurier</strong>markt, Chiffre-Nr..., 70162 Stuttgart<br />
Beim Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen<br />
ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt<br />
eine Referentenstelle (m/w)<br />
(Besoldungsgruppe A 13 bis A 14 BBesO i.d. Fassung des ÜBesG NRW<br />
bzw. Tarifbeschäftigte – vgl. höherer Dienst – Entgeltgruppe 13 bis 14 TV-L)<br />
im Referat II A 2 „Flugbetrieb und Flughafenaufsicht“ zu besetzen.<br />
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium (Diplom oder Master) der Fachrichtung<br />
Luftfahrttechnik, des Bauwesens, der Elektrotechnik oder eines vergleichbaren technischen Studiums.<br />
Bewerberinnen und Bewerber mit einer zusätzlich abgeschlossenen Berufsausbildung im Bereich<br />
Flughafenmanagement, Flugbetrieb oder Flugverkehrskontrolldienst und/ oder mindestens dreijähriger<br />
Berufserfahrung in den genannten Bereichen oder in der öffentlichen Verwaltung werden bevorzugt.<br />
Erforderlich ist, dass der Bewerber/ die Bewerberin eine Lizenz zum Führen von Motorflugzeugen<br />
innehat, wobei eine berufliche Lizenz wünschenswert ist. Andernfalls ist die Verpflichtung einzugehen,<br />
diese PPL-Lizenz innerhalb der ersten 18 Monate der Beschäftigung ohne Kostenerstattung zu erwerben.<br />
Weitere Angaben zu den Aufgaben und zu den erwarteten Kenntnissen und Fähigkeiten finden Sie<br />
unter www.mbwsv.nrw.de<br />
Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die berufliche Entwicklung von Frauen. Bewerbungen von<br />
Frauen werden daher besonders begrüßt. In den Bereichen, in denen Frauen noch unterrepräsentiert<br />
sind, werden sie bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung nach Maßgabe des Landesgleichstellungsgesetzes<br />
bevorzugt berücksichtigt, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers<br />
liegende Gründe überwiegen. Bewerbungen geeigneter Menschen mit Behinderung und diesen<br />
Gleichgestellten im Sinne von § 2 SGB IX sind erwünscht. Die Ausschreibung wendet sich ausdrücklich<br />
auch an Menschen mit Migrationshintergrund.<br />
Ihre aussagekräftige und vollständige Bewerbung senden Sie bitte – auf dem Postweg – bis zum<br />
18.<strong>05</strong>.<strong>2016</strong> an das<br />
Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen<br />
– Personalreferat I.3 –, Kennziffer: <strong>2016</strong>/110, Jürgensplatz 1, 40219 Düsseldorf.<br />
Beim Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen<br />
ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle<br />
einer Sachbearbeitung (w/m)<br />
(Besoldungsgruppe A 10 bis A 11 BBesO i.d. Fassung des ÜBesG NRW<br />
bzw. Tarifbeschäftigte in Abhängigkeit von der Berufserfahrung bis zur EG 11 TV-L)<br />
im Referat II A 2 „Flugbetrieb und Flughafenaufsicht“ zu besetzen.<br />
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium (Diplom oder Bachelor) der Fachrichtung<br />
Luftfahrttechnik, des Bauwesens, der Elektrotechnik oder eines vergleichbaren technischen Studiums<br />
oder eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bereich Flughafenmanagement, Flugbetrieb oder<br />
Flugverkehrskontrolldienst. Bewerberinnen und Bewerber mit mindestens dreijähriger Berufserfahrung<br />
in den genannten Bereichen oder in der öffentlichen Verwaltung werden bevorzugt.<br />
Erforderlich ist, dass der Bewerber/ die Bewerberin eine Lizenz zum Führen von Motorflugzeugen<br />
innehat, wobei eine berufliche Lizenz wünschenswert ist. Andernfalls ist die Verpflichtung einzugehen,<br />
diese PPL-Lizenz innerhalb der ersten 18 Monate der Beschäftigung ohne Kostenerstattung zu erwerben.<br />
Weitere Angaben zu den Aufgaben und zu den erwarteten Kenntnissen und Fähigkeiten finden Sie<br />
unter www.mbwsv.nrw.de<br />
Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die berufliche Entwicklung von Frauen. Bewerbungen von<br />
Frauen werden daher besonders begrüßt. In den Bereichen, in denen Frauen noch unterrepräsentiert<br />
sind, werden sie bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung nach Maßgabe des Landesgleichstellungsgesetzes<br />
bevorzugt berücksichtigt, sofern nicht in der Person eines Mitbewerbers<br />
liegende Gründe überwiegen. Bewerbungen geeigneter Menschen mit Behinderung und diesen<br />
Gleichgestellten im Sinne von § 2 SGB IX sind erwünscht. Die Ausschreibung wendet sich ausdrücklich<br />
auch an Menschen mit Migrationshintergrund.<br />
Ihre aussagekräftige und vollständige Bewerbung senden Sie bitte – auf dem Postweg – bis zum<br />
18.<strong>05</strong>.<strong>2016</strong> an das<br />
Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen<br />
– Personalreferat I.3 –, Kennziffer: <strong>2016</strong>/109, Jürgensplatz 1, 40219 Düsseldorf.<br />
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) eine<br />
Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums<br />
für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), sucht zum<br />
nächstmöglichen Zeitpunkt eine/einen<br />
Referentin/Referenten für<br />
Flugdatenaufzeichnungen<br />
Der Dienstort ist Braunschweig.<br />
Referenzcode der Ausschreibung <strong>2016</strong>0252_9561<br />
Aufgabengebiet:<br />
• Untersuchung von Unfällen und schweren Störungen durch<br />
Auswertung von Flugschreibern<br />
Anforderungen:<br />
• erfolgreich abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschul-/<br />
Masterstudium im Fachgebiet Luftfahrt oder Elektronik oder<br />
gleichwertige Fähigkeiten und Erfahrungen<br />
Sollte Ihr Interesse geweckt worden sein, bewerben Sie sich bitte<br />
bis zum 23.<strong>05</strong>.<strong>2016</strong> über das Elektronische Bewerbungsverfahren<br />
(EBV) auf der Einstiegsseite http://www.bav.bund.de/Einstieg-EBV<br />
Hier geben Sie bitte den oben genannten Referenzcode ein.<br />
Weitere Auskünfte erteilen Ihnen in der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung<br />
in Fragen zum Aufgabengebiet, Anforderungsprofl<br />
Herr Blau, Tel.: (+49) <strong>05</strong>31 3548-514, in Verwaltungsangelegenheiten<br />
Herr Röpke, Tel.: (+49) <strong>05</strong>31 3548-503.<br />
Den vollständigen Ausschreibungstext mit ausführlichen Informationen<br />
zu dem Aufgabengebiet und den Anforderungen erhalten<br />
Sie über das Internet unter<br />
www.bfu-web.de<br />
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richten Sie bitte an:<br />
Motor Presse Stuttgart<br />
GmbH & Co. KG,<br />
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Chiffre-Nr. ...,<br />
70162 Stuttgart<br />
92 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
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vergibt im Wege des Verhandlungsverfahrens<br />
nach vorherigem<br />
Teilnahmewettbewerb einen<br />
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in den Jahren<br />
2017 – 2021 in der Region Stuttgart.<br />
Alle notwendigen Angaben für<br />
die Bewerber (insbes. Angabe der<br />
mit dem Teilnahmeantrag vorzulegenden<br />
Unterlagen) sind veröffentlicht<br />
im Supplement zum Amtsblatt<br />
der EU (http://ted.europa.eu). Absendedatum<br />
der Bekanntmachung<br />
an das Amtsblatt: 25.4.<strong>2016</strong>; Bewerbungsschluss:<br />
27.5.<strong>2016</strong> F<br />
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Am Flugplatz Haus 2<br />
14959 Schönhagen<br />
Flugplatz Koblenz-Winningen<br />
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56333 Winningen<br />
Friebe Luftfahrt-Bedarf GmbH<br />
Flughafen Neuostheim<br />
68163 Mannheim<br />
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Am Flughafen 20<br />
41066 Mönchengladbach<br />
Rhein-Mosel-Flug<br />
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98 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
Von Piloten 1994 ins Leben gerufen und geleitet, unterstützt die „Stiftung Mayday“ in<br />
Not geratene Luftfahrer und deren Angehörige. So betreut sie Flugbesatzungen aller<br />
Luftfahrtbereiche nach kritischen und belastenden Vorfällen, um stressbedingten<br />
Folgeerkrankungen entgegenzuwirken. Ziel aller Hilfsmaßnahmen ist Anregung und<br />
Unterstützung zur Selbsthilfe.<br />
In ihrem Namen trägt sie bewusst den Notruf der internationalen Luftfahrt: Mayday.<br />
Helfen Sie mit, dass auf diesen Notruf stets rasche Hilfe erfolgen kann.<br />
Schirmherr ist Dr. Thomas Enders, CEO Airbus Group.<br />
Frankfurter Straße 124, 63263 Neu-Isenburg<br />
Telefon: 0700 – 7700 7701<br />
Fax: 0700 – 7700 7702<br />
E-Mail: info@Stiftung-Mayday.de<br />
Internet: www.Stiftung-Mayday.de<br />
Spenden: Frankfurter Sparkasse<br />
IBAN: DE36 50<strong>05</strong> 0201 0000 0044 40<br />
BIC.: HELADEF1822<br />
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ATPL(H)/VFR, CPL(H), PPL(H), FI(H),<br />
TRI(H), NFQ(H)<br />
Eigene Fernlehrgänge mit der „eAcademy“<br />
Wir verwenden „ProPilots“ als Trainingssoftware<br />
Musterberechtigungen und<br />
Befähigungsüberprüfung auf:<br />
R22, R44, R66, B206, BO1<strong>05</strong>,<br />
MD900/902, EC135, BK117, HU369<br />
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Flugplatz Halle-Oppin<br />
53757 St. Augustin/Germany 06188 Oppin/Germany<br />
Tel.: +49(0)2241/2307-0 Tel.: +49(0)34604/309-14<br />
Fax: (0)2241/2307-30 Fax: (0)34604/309-15<br />
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<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong><br />
99
OO<br />
29. April – 1. Mai<br />
Präzisionsfliegertraining,<br />
Donaueschingen<br />
Precision Flying Association of<br />
Switzerland, E-Mail: ester.rimensberger@pfa.ch,<br />
www.pfa.ch<br />
OO<br />
1. Mai<br />
Oldtimer- und Dampfmaschinenfest,<br />
LSV Münsingen-Eisberg<br />
Segelfluggelände bei Dottingen,<br />
72525 Münsingen, Tel.: +49 (7381)<br />
8466, E-Mail: info@flugplatz-eisberg.<br />
de, www.oldtimerfest-muensingen.net<br />
OO<br />
1. Mai<br />
18. Ultraleichtflieger-Fly-in,<br />
Flugplatz Jesenwang<br />
Kirchstraße 8, 82287 Jesenwang,<br />
Tel.: +49 8146 1444, Veranstaltung@<br />
proluftfahrt-jesenwang.de<br />
OO<br />
1. Mai<br />
[ Termine ]<br />
präsentiert<br />
von<br />
Tag der offenen Tür,<br />
Flugplatz Erbach<br />
LSV Erbach, Tel.: +49 160 5355300,<br />
E-Mail: sayler@autohaus-sayler.de,<br />
www.lsv-erbach.de<br />
OO<br />
1. Mai<br />
Tag der offenen Tür,<br />
Flugplatz Bohmte-Bad Essen<br />
LSV Wittlage, Ansprechpartner:<br />
Friedrich Lüke, Tel.: +49 5472 1300,<br />
E-Mail: info@friedrich-lueke.de,<br />
www.lsv-wittlage.de<br />
OO<br />
5. Mai<br />
Open Sky Day – Fliegen zum<br />
Anfassen, Flugplatz Egelsbach<br />
63329 Egelsbach, www.fvl-online.de,<br />
Anmeldung: Tel.: +49 6103 49254<br />
OO<br />
5. Mai<br />
Flugtag Uelzen,<br />
Verkehrslandeplatz Uelzen<br />
Stadtweg 5, 29581 Gerdau/Barnsen,<br />
www.flugplatz-uelzen.de<br />
OO<br />
5. – 8. Mai<br />
Fascination-Treffen,<br />
Verkehrslandeplatz Görlitz<br />
Girbigsdorfer Str. 85, 02828 Görlitz,<br />
Anmeldung: Tel.: +49 152 2278783<br />
OO<br />
7./8. Mai<br />
Fortbildungslehrgang für<br />
Fluglehrer, Tannheim<br />
Tannheimer Flieger- und Freizeitzentrum,<br />
Flugplatz, 88459 Tannheim,<br />
Tel.: +49 8395 93137,<br />
E-Mail: info@edmt.de, www.edmt.de<br />
OO<br />
13. – 16. Mai<br />
European Mountain Pilots<br />
Jahrestreffen, Hörsten<br />
Schachtholm 1, 24797 Hörsten,<br />
Tel.: +49 4337 220,<br />
E-Mail: flugplatz@edxr.info<br />
OO<br />
15./16. Mai<br />
Flugplatzfest,<br />
Rendsburg-Schachtholm<br />
Schachtholm 1, 24797 Hörsten,<br />
Tel.: +49 4337 220,<br />
E-Mail: flugplatz@edxr.info<br />
OO<br />
21./22. Mai<br />
Flugplatzfest Nardt<br />
Aeroklub Hoyerswerda, Flugplatzstraße<br />
100, 02977 Hoyerswerda,<br />
www.flugplatz-nardt.de/flugplatzfest.<br />
html, E-Mail: info@flugplatz-nardt.de<br />
OO<br />
24. – 26. Mai<br />
44. Meeting Aérien, Cerny/La<br />
Ferté-Alais, Frankreich<br />
Amicale Jean-Baptiste Salis,<br />
Aérodrome de Cerny/La Ferté-Alais,<br />
91590 Cerny, Frankreich,<br />
Tel.: +33 1 64575585,<br />
E-Mail: info@ajbs.eu, www.ajbs.eu<br />
✘✘<br />
24. – 26. Mai<br />
16. EBACE , Genf, Schweiz<br />
European Business Aviation Association,<br />
Avenue de Tervuren 13 a-b/<br />
Box 5, 1040 Brüssel, Belgien,<br />
Tel.: +32 2 7660070, E-Mail:<br />
info-eu@ebace.aero, ww.ebace.aero<br />
In Jesenwang trifft sich die Ultraleichtszene zum Fly-in am 1. Mai.<br />
Terminankündigungen<br />
Weitere Termine finden Sie bei uns auf der Website www.<strong>aerokurier</strong>.de.<br />
Bitte schicken Sie Ihre Ankündigungen für den Termin-Service an<br />
redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
✘✘<br />
Veranstaltungen mit <strong>aerokurier</strong>-Stand<br />
OO<br />
26. – 29. Mai<br />
Kehler Flugtage<br />
Aero-Club Kehl, Sonderlandeplatz<br />
Kehl-Sundheim, Postfach 1131,<br />
77671 Kehl, Tel.: +49 7851 899568,<br />
www.kehler-flugtage.de<br />
✘✘1. – 4. Juni<br />
ILA Berlin Air Show<br />
Messe Berlin, Messedamm 22,<br />
14<strong>05</strong>5 Berlin, Tel.: +49 30 30380,<br />
E-Mail: ila@messe-berlin.de,<br />
www.ila-berlin.de<br />
OO<br />
2. – 4. Juni<br />
France Air Expo, Pontoise-<br />
Cormeilles, Frankreich<br />
Sarl Adone Events, Aéroport<br />
Cannes-Mandelieu, 277 Avenue<br />
Francis Tonner, 06150 Cannes-La<br />
Bocca, Frankreich, Tel.: +33 (4)<br />
92975247, E-Mail: info@airexpo.aero<br />
OO<br />
10. – 12. Juni<br />
Piper PA-28-Treffen,<br />
Ganderkesee<br />
E-Mail: j.westedt@t-online.de,<br />
www.pa28.de<br />
OO<br />
11. Juni<br />
11. Historischer Flugtag,<br />
Mladá Boleslav, Tschechien<br />
Regnerova 1306 293 01 Mladá<br />
Boleslav, Tel.: +420 326 734 015,<br />
E-Mail: akmb@akmb.cz,<br />
www.historical-airshow.com<br />
OO<br />
12. Juni<br />
Flugplatzfest Lüneburg<br />
Luftsportverein Lüneburg,<br />
Zeppelinstraße, 21337 Lüneburg,<br />
Tel.: +49 4131 8549214,<br />
E-Mail: info@edhg.de, www.edhg.de<br />
OO<br />
16. – 19. Juni<br />
AOPA-Flugsicherheitstraining,<br />
Bautzen<br />
AOPA-Germany, Verband der<br />
Allgemeinen Luftfahrt , Flugplatz<br />
Außerhalb 27, 63329 Egelsbach,<br />
Tel.: +49 6103 42081, E-Mail:<br />
info@aopa.de, www.aopa.de<br />
OO<br />
17. /18. Juni<br />
75 Jahre Militärflugplatz<br />
Meiringen<br />
Schweizer Luftwaffe, Flugplatzkommando<br />
Meiringen,<br />
3857 Unterbach, Schweiz,<br />
Tel.: +41 58461 6464, E-Mail:<br />
info.flplkdomei@vtg.admin.ch<br />
OO<br />
17. – 19. Juni<br />
Fly-in und Flugplatzkerb,<br />
Aeroclub Gelnhausen<br />
Am Flugplatz 1, 63571 Gelnhausen,<br />
Tel.: +49 6<strong>05</strong>1 9217-12, E-Mail:<br />
buero@aeroclub-gelnhausen.de<br />
OO<br />
18./19. Juni<br />
Oldtimer-Fly-in Ithwiesen<br />
Luftsportvereinigung Ithwiesen,<br />
37603 Holzminden, Markus Rheinländer,<br />
Tel.: +49 151 15376695,<br />
E-Mail: mrhein27@web.de,<br />
www.ithwiesen.de<br />
OO<br />
25./26. Juni<br />
OUV-Sommertreffen mit Fly-in,<br />
Flugplatz Hodenhagen<br />
OUV-Geschäftsstelle, Schützenstraße<br />
2, 72511 Bingen-Hitzkofen,<br />
Tel.: +49 7571 62309,<br />
E-Mail: gs@ouv.de, www.ouv.de<br />
OO<br />
25./26. Juni<br />
80 Jahre Flugplatz<br />
Falkenberg/Lönnewitz<br />
Fliegerclub Falkenberg, Doberluger<br />
Straße 52, 04938 Uebigau,<br />
E-Mail: thomas.prophet@gmx.de,<br />
www.eduf.de<br />
OO<br />
10. Juni – 3. Juli<br />
EBS Pilot Safety Training,<br />
Flugplatz Stendal<br />
Osterburger Str. 250,<br />
39576 Stendal, E-Mail:<br />
Uwe.Lutz@beech-bonanza.org<br />
OO<br />
1. – 3. Juli<br />
3. Stearman-Treffen,<br />
Flugplatz Bienenfarm<br />
Alexander Stendel,<br />
Tel.: +49 172 6508000,<br />
E-Mail: alex@quax-flieger.de,<br />
www.stearmanflyin.de<br />
OO<br />
2. /3. Juli<br />
Open Airport, Rock im Hangar<br />
und Fly-in, Quirnheim<br />
Luftfahrtverein Grünstadt u. Umgebung<br />
, Postfach 1329, 67263<br />
Grünstadt, Tel.: +49 6359 3100,<br />
E-Mail: kontakt@luftfahrt vereingruenstadt.de,<br />
www.luftfahrtverein-gruenstadt.de<br />
100 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Fotos: Aeroclub Gelnhausen, Pro Luftfahrt Jesenwang<br />
Die Gelnhausener Fugplatzkerb zieht jedes Jahr mehr Besucher an.<br />
OO<br />
8. – 10. Juli<br />
3. Internationales Cessna-<br />
Treffen, Verkehrslandeplatz<br />
Jena-Schön gleina<br />
Flugplatz 1, 07646 Schön gleina,<br />
Tel.: +49 36428 40669,<br />
E-Mail: info@flugplatz-jena.com,<br />
www.edbj.de<br />
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8. – 10. Juli<br />
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Vichy-Charmeil, Frankreich<br />
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75017 Paris, Frankreich,<br />
Tel.: +33 1 42282554, E-Mail:<br />
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http://euroflyin.rsafrance.com/<br />
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8. – 10. Juli<br />
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Fairford, Großbritannien<br />
Tel.: +44 1285 713300 ext. 5000,<br />
www.airtattoo.com<br />
OO<br />
11. – 17. Juli<br />
Farnborough International Airshow,<br />
Großbritannien<br />
Farnborough International Limited,<br />
Show Centre, ETPS Road,<br />
Farn borough, Hampshire<br />
GU14 6FD, Großbritannien,<br />
Tel.: +44 1252 532800,<br />
E-Mail: enquiries@farnborough.com,<br />
www.farnborough.com<br />
OO<br />
16./17. Juli <strong>2016</strong><br />
Flugplatzfest Rügen<br />
Tel.: +49 38306 1289,<br />
www.flugplatz-ruegen.de<br />
OO<br />
16./17. Juli<br />
46. Flugplatzfest,<br />
Altötting-Osterwies<br />
Fluggruppe Alt-Neuötting,<br />
845<strong>05</strong> Altötting,Tel.: +49 163<br />
6673200, E-Mail: info@fgaoe.de,<br />
www.fgaoe.de<br />
OO<br />
23./24. Juli<br />
50 Jahre Luftsportgruppe<br />
Kaiserstuhl<br />
Modellflugplatz Wasenweiler,<br />
Wasenweiler Straße, 79241 Ihringen,<br />
www.lsgk.de<br />
OO<br />
24.Juli<br />
Flugplatzfest mit<br />
Oldtimer treffen, Illertissen<br />
Flugplatz Illertissen,<br />
E-Mail: philippvc@freenet.de,<br />
Tel.: +49 171 7975083<br />
OO<br />
25. – 31. Juli<br />
EAA AirVenture, Oshkosh, USA<br />
Oshkosh, Wisconsin, USA, EAA Aviation<br />
Center, Tel.: +1 920 4264800,<br />
E-Mail: convention@eaa.org,<br />
www.airventure.org<br />
OO<br />
31. Juli<br />
60 Jahre Flugplatz Günzburg<br />
Luftsportverein Günzburg, Otto-<br />
Lilienthal-Weg 7, 89312 Günzburg,<br />
Tel.: +49 8221 4336, E-Mail:<br />
info@lsvgz.de, www.lsvgz.de<br />
OO<br />
13. /14. August<br />
Do-Days <strong>2016</strong>, Friedrichshafen<br />
Dornier-Museum, Claude-Dornier-<br />
Platz 1, 88406 Friedrichshafen,<br />
Tel.: +49 7541 4873640,<br />
E-Mail: info@dorniermuseum.de,<br />
www.dorniermuseum.de<br />
OO<br />
19. – 21. August<br />
Flugtage Soest und Fly-in, Flugplatz<br />
Soest/Bad Sassendorf<br />
Am Flugplatz 5, 595<strong>05</strong> Soest,<br />
Tel.: +49 2927 340,<br />
E-Mail: info@flugplatz-soest.de,<br />
www.flugtage-soest.de<br />
OO<br />
27. August<br />
Hunterfest <strong>2016</strong>,<br />
St. Stephan, Schweiz<br />
Hunterverein Obersimmental,<br />
Postfach 23, 3772 St. Stephan,<br />
Schweiz, E-Mail: info@hunterverein.ch,<br />
www.hunterverein.ch<br />
OO<br />
27./28. August<br />
Airliner Classics,<br />
Flugplatz Speyer<br />
Tel.: +49 6232 6872929,<br />
Roland Kern, E-Mail: flugleitung@<br />
flugplatz-speyer.de,<br />
www.airliner-classics.de<br />
OO<br />
27./28. August<br />
Flugplatzfest Albstadt-Degerfeld<br />
Luftsportverein Degerfeld, Volker<br />
Rath, Postfach 562, 72426 Albstadt,<br />
Tel.: +49 7422 9493-17, E-Mail: volker.rath@schwarzwaelder-bote.de,<br />
www.lsv-degerfeld.de<br />
OO<br />
28. August<br />
Flugplatzfest Erbach<br />
LSV Erbach, Burren 7, 89155<br />
Erbach, Tel.: +49 160 5355300,<br />
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Der <strong>aerokurier</strong> erscheint monatlich (mit den DAeC-Nachrichten<br />
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übernommen. (ISSN 0341-1281)<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 101
[ MOTORFLIEGEN Porträt<br />
Highspeed-<br />
Yoga<br />
Y<br />
vonne, die Fangfrage<br />
gleich vorab: Musstest<br />
du beim Kunstflug schon<br />
einmal zur Tüte greifen?<br />
Das ist mir bisher tatsächlich erspart<br />
geblieben. Aber: Beim Kunstflug wird<br />
jedem Menschen irgendwann schlecht,<br />
wer etwas anderes behauptet, der<br />
lügt. Der Gleichgewichtssinn kommt<br />
bei den schnellen Richtungsänderungen<br />
einfach nicht hinterher. Allerdings<br />
kann man sich langsam an hohe g-<br />
Belastungen gewöhnen. Als Einsteiger<br />
hört man mit dem Training auf,<br />
sobald einem schlecht wird. Dann<br />
landet man, isst etwas, entspannt<br />
sich und startet wieder. So verschiebt<br />
man seine körperlichen Grenzen.<br />
Yvonne Schönek entspannt sich am<br />
liebsten bei g-Werten jenseits dessen,<br />
was unter Fliegern als normal gilt.<br />
Dem <strong>aerokurier</strong> erzählt die tollkühne<br />
Pilotin, dass es ihr dabei gar nicht<br />
ums Adrenalin geht. Wer‘s glaubt ...<br />
Das Interview führte Lars Reinhold<br />
102 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Fotos: Erwino Nitz<br />
Du sitzt seit deiner Kindheit im<br />
Cockpit, dein Vater war Pilot,<br />
hatte sogar einen eigenen Flugplatz.<br />
Erinnerst du dich noch an<br />
deinen ersten Flug?<br />
Das ist viel zu lange her. Allerdings<br />
kann ich mich tatsächlich dunkel an<br />
meine ersten Kunstflüge erinnern.<br />
Ich saß hinter meinem Vater, fest<br />
angegurtet, und wenn er einen Looping<br />
flog, dann habe ich nur gerufen<br />
„Nochmal, nochmal!“. Das Avgas im<br />
Blut habe ich ganz sicher von ihm.<br />
Die Kunstflug-Leidenschaft als<br />
frühkindliche Fehlprägung?<br />
Nicht ganz. Der Wunsch, es selbst zu<br />
können, kam erst später, durch eine<br />
Deutsche Kunstflugmeisterschaft bei<br />
uns am Platz. Ich war da, glaube ich,<br />
16 Jahre alt. Allerdings war mir damals<br />
schon klar, dass der Kunstflug nichts<br />
ist, was man nebenbei machen kann,<br />
weil man dafür erstmal Kohle braucht.<br />
Also bin ich einen nahezu klassischen<br />
Weg gegangen, angefangen mit dem<br />
PPL, dann viele Gastflüge, um auf die<br />
300 Stunden für die Lehrberechtigung<br />
zu kommen, Geld gespart für den CPL,<br />
Fallschirmspringer abgesetzt und<br />
viele Abende lang ATPL-Theorie gebüffelt.<br />
Als ich fertig war, hatte ich das Glück,<br />
dass Lufthansa CityLine Piloten gesucht<br />
und mich eingestellt hat, so<br />
konnte ich meine Ausbildungsschulden<br />
abstottern. Als das erledigt war,<br />
habe ich nochmal Geld gespart, bevor<br />
ich mit dem Kunstflug anfing. Mir war<br />
klar: Wenn ich das mache, dann richtig.<br />
20<strong>05</strong> hatte ich genug auf der<br />
Kante, um zu wissen, dass ich mir<br />
dieses Hobby leisten kann.<br />
Du hast Kunstflug mal als grenzenlose<br />
Freiheit beschrieben.<br />
Andererseits hast du mehrere<br />
Motorausfälle, einen Motorbrand<br />
und einen Höhenruderbruch erlebt.<br />
Klingt nach Freiheit mit<br />
hohem Einsatz …<br />
Wenn man den Kunstflug ernsthaft<br />
betreibt, dann geht man an Grenzen<br />
– an eigene und an die des Flugzeugs.<br />
Natürlich ist es für die Belastungen<br />
ausgelegt, aber es bleiben Schwachstellen<br />
wie der Motor und der Prop.<br />
Beispiel Schwingungsdämpfer der<br />
Motoraufhängung: Die wechselst du<br />
bei einer normalen Maschine vielleicht<br />
alle zehn Jahre. Bei meiner Extra sind<br />
die nach einem Jahr platt, einfach<br />
weil der Motor das schwerste Bauteil<br />
ist und durch seine Trägheit die Aufhängung<br />
extrem beansprucht. Dennoch:<br />
Die Extra 330 ist für den Kunstflug<br />
gebaut und hat hohe Reserven,<br />
so kann ich mich sehr sicher fühlen.<br />
Wo ziehst du beim Turnen die<br />
Grenze zwischen dem, was sicher<br />
geht, und dem, wo es gefährlich<br />
wird?<br />
Für mich gilt: Figuren mit abgerissener<br />
Strömung nur oberhalb von 1000<br />
Fuß einleiten. Denn da weiß ich, dass<br />
ich im Fall der Fälle einfach drücken<br />
und die Maschine wieder einfangen<br />
kann. Auch bei einem Motorausfall<br />
reicht diese Höhe, um den Flieger<br />
sicher zu landen.<br />
Hattest du nach einem deiner<br />
„Missgeschicke“ je Zweifel an<br />
dem, was du tust?<br />
Nein, denn ich hatte immer genügend<br />
Reserven. Motorbrand und Ruderbruch<br />
sind mir mit einer Jak 52 passiert,<br />
dennoch habe ich diese Maschine<br />
geliebt. Auch mit der Extra habe ich<br />
schon eine Schrecksekunde gehabt,<br />
als es bei einer Figur mit -4 oder -5<br />
g laut geknallt hat. Ich wusste nicht,<br />
was passiert war, und bin vorsichtig<br />
gelandet. Am Boden war äußerlich<br />
kein Schaden festzustellen. Erst nachdem<br />
ich den halben Flieger auseinandergebaut<br />
hatte, habe ich gesehen,<br />
dass der Sitz aus dem Rahmen gebrochen<br />
war. Glücklicherweise waren<br />
die Gurte am Rahmen befestigt, sonst<br />
wäre ich mitsamt dem Sitz durch die<br />
Haube gegangen.<br />
Auch beruflich sitzt du im Cockpit,<br />
fliegst als Kapitän bei der<br />
Lufthansa CityLine. Ist der Kunstflug<br />
der notwendige Ausgleich<br />
zum durchregulierten Job im<br />
Airliner?<br />
Ausgleich nicht unbedingt, ich mag<br />
beide Facetten der Fliegerei. Von<br />
meinen 15 000 Flugstunden habe ich<br />
rund 10 000 auf Passagiermaschinen<br />
absolviert, und auch das wird mir nie<br />
langweilig. Jeder Sonnenaufgang bei<br />
einem Flug über die Alpen ist so schön,<br />
als würde man es das erste Mal sehen.<br />
Der Kunstflug hingegen ist etwas<br />
zutiefst Eigennütziges. Er dient allein<br />
der Selbsterfüllung. Wenn ich es mal<br />
in Bildern ausdrücken darf: Wenn du<br />
Fliegen lernst, dann ist der Platzrundenbetrieb<br />
wie Schwimmen im Hallenbad.<br />
Ein Cross-Country-Flug, wie<br />
ich ihn beruflich jeden Tag erlebe,<br />
ist das Schwimmen im Meer. Kunstflug<br />
hingegen ist das Tauchen mit<br />
Delfinen am Korallenriff – das ultimative<br />
Erlebnis für mich als Pilotin!<br />
Wer sein Flugzeug liebt,<br />
der schiebt. Yvonne<br />
Schönek hat lange<br />
gespart, um sich den<br />
Traum von der Extra 330<br />
erfüllen zu können.<br />
In dieser Serie stellt<br />
der <strong>aerokurier</strong><br />
außergewöhnliche<br />
Persönlichkeiten<br />
aus der Luftfahrt<br />
im Interview vor.<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 103
[ MOTORFLIEGEN Porträt<br />
Mentales Training: Bevor<br />
Yvonne in ihre Maschine<br />
steigt, geht sie ihr Flugprogramm<br />
mit Trockenübungen<br />
am Boden<br />
Stück für Stück durch.<br />
Für Yvonne ist das Fliegen<br />
mit Fallschirm und Wingsuit<br />
kein Sport, eher eine<br />
Art Lebensphilosophie.<br />
Ist man als gut trainierter Kunstflieger<br />
auf unvorhergesehene<br />
Situationen besser vorbereitet?<br />
Davon bin ich überzeugt. Wer in absichtlich<br />
herbeigeführten Grenzflugzuständen<br />
den Überblick behält, der<br />
kann im Ernstfall davon profitieren.<br />
Das gilt nicht nur für die kommerzielle,<br />
sondern auch für die Privatfliegerei.<br />
Bei Berufsfliegern gehört<br />
das Erkennen und Ausleiten gefährlicher<br />
Flugzustände, das Upset Recovery,<br />
zum Trainingsprogramm.<br />
Du hast vor einigen Jahren auch<br />
noch mit Fallschirmspringen<br />
angefangen…<br />
Ja, weil ich basejumpen wollte.<br />
Kann es überhaupt genug Adrenalin<br />
für Yvonne Schönek sein?<br />
Das Basejumping hat für mich gar<br />
nicht so viel mit Adrenalin zu tun,<br />
denn das bekomme ich auch beim<br />
Kunstflug. Es ist vielmehr eine der<br />
letzten wirklichen Outlaw-Sportarten.<br />
Es gibt keine Lizenz, keine Regeln,<br />
kein Netz und keinen doppelten Boden.<br />
Nur du allein bist verantwortlich<br />
für dein Material und das, was du<br />
damit tust. Das steht in Kontrast zu<br />
unserem immer sicherer werdenden<br />
Alltag, in dem dich ein Auto so lange<br />
mit Piepserei nervt, bis du den Gurt<br />
anlegst. Bitte nicht falsch verstehen<br />
– im Alltag ist diese Sicherheit gut<br />
und richtig. Aber du musst heute<br />
kaum noch Verantwortung für etwas<br />
übernehmen. Das ist beim Basejumping<br />
ganz anders. Es ist geradezu<br />
bewusstseinserweiternd, wenn man<br />
einen Berg hochläuft und weiß, da<br />
springe ich dann runter. Der Moment<br />
kurz vor dem Sprung ist einfach wahnsinnig<br />
schön, Selbstbestimmung in<br />
ihrer reinsten Form.<br />
Und was ist mit dem Wingsuit-<br />
Fliegen?<br />
Momentan mache ich das noch aus<br />
dem Flugzeug, einfach um sicherer<br />
zu werden. Aber perspektivisch möchte<br />
ich das mit dem Basejumping verbinden,<br />
weil es längere Flugzeiten<br />
am Berg ermöglicht und es ein Plus<br />
an Sicherheit bedeutet, weil man vor<br />
der Schirmöffnung bewusst vom Fels<br />
weg fliegen kann.<br />
Keine Lust auf spektakuläres<br />
Fliegen im Relief?<br />
Das reizt mich tatsächlich nicht. Ich<br />
finde es genauso berauschend, wenn<br />
ich 100 oder 200 Meter über dem Berg<br />
fliegen kann. Mit einem Meter Abstand<br />
zum Fels reicht eine Turbulenz,- und<br />
das war‘s. Das muss ich nicht unbedingt<br />
haben.<br />
Du trainierst häufig in Slowenien<br />
oder Tschechien. Welche<br />
Probleme siehst du für den Kunstflug<br />
in Deutschland?<br />
Es gibt hierzulande meiner Meinung<br />
nach ein grundsätzliches Akzeptanzproblem.<br />
Ständig beschweren sich<br />
Leute wegen des Lärms, und was bei<br />
normalem Flugbetrieb noch einigermaßen<br />
toleriert wird, entlädt sich<br />
dann, wenn ein Kunstflieger am Himmel<br />
auftaucht. Die Akroflieger an<br />
meinem Heimatplatz Mühldorf haben<br />
sich selbst die Auflagen gemacht,<br />
nicht in der Mittagszeit und nicht<br />
nach 17 Uhr zu fliegen, obwohl wir<br />
von Sunrise bis Sunset dürften.<br />
Apropos Akroflieger: Als Pilotin<br />
ist man noch immer eine Ausnahme<br />
– auf 95 Männer kommen<br />
ungefähr fünf Frauen. Im Kunstflug<br />
dürfte das Verhältnis noch<br />
extremer sein. Wie lebt es sich<br />
mit diesem Exotenstatus?<br />
Ich habe damit kein Problem, denn<br />
ich mache das ja in erster Linie für<br />
mich und nicht für andere. Männer<br />
finden es allgemein toll, was ich tue,<br />
und auch die männlichen Kameraden<br />
sehen mich nicht vordergründig als<br />
Frau, sondern als Pilotin, die die gleiche<br />
Leidenschaft teilt. Nachfragen<br />
wie „Du bist doch eine Frau, warum<br />
machst Du das?“ kommen eher von<br />
Frauen.<br />
Mit dem Klavierspiel scheint es<br />
in deinem Leben dennoch eine<br />
Passion zu geben, die nichts mit<br />
Adrenalin zu tun hat. Wie passt<br />
das zu Yvonne Schönek?<br />
Für mich ist Musik die Sprache der<br />
Leidenschaft. Ich bin ein sehr leidenschaftlicher<br />
Mensch. Um mich ausdrücken<br />
zu können, muss ich die Welt<br />
mit meinen eigenen Schritten ausmessen.<br />
Nur so kann ich erkennen, wer<br />
ich bin, wohin ich gehöre. Von Bergen<br />
zu springen war ein großer Traum von<br />
mir, und ich bin ihm gefolgt, vielleicht<br />
auch um zu lernen, alt zu werden.<br />
In den Gefahren des Basejumpings<br />
erkennt man all die Selbsttäuschungen,<br />
an die wir unser Leben hängen. Wenn<br />
ich aber oben stehe vor einem Sprung,<br />
dann bin ich mit mir vollkommen ihm<br />
Reinen und spüre einen tiefen inneren<br />
Frieden. Das ist meine Art, Ruhe zu<br />
finden. Mit einem Wort: Das ist Highspeed-Yoga.<br />
ae<br />
Fotos: Erwino Nitz<br />
104 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
Leserforum<br />
<strong>aerokurier</strong> 4/<strong>2016</strong><br />
Risiko der ATPL-Ausbildung<br />
Flugschulen sind<br />
in der Pflicht<br />
Mit Freude habe ich nach langer Zeit<br />
der Lobhudelei endlich einen kritischen<br />
Artikel bezüglich der ATPL-Ausbildung<br />
lesen dürfen. Vielen ist das damit verbundene<br />
Risiko nicht bewusst. Ich hoffe, es<br />
wurden einige junge Leser zum Nachdenken<br />
angeregt. Vor allem die Flugschulen<br />
sind in der Pflicht, jungen Menschen nicht<br />
das Geld mit leeren Versprechen aus der<br />
Tasche zu ziehen!<br />
Leider erlebe ich in der Praxis immer<br />
wieder das Gegenteil. Von Versprechen<br />
(„Wir haben Kontakte zur Airline XY) bis<br />
hin zu unrealistischen Zukunftsprognosen<br />
ist alles dabei. Ich bin selber bei einer Airline<br />
tätig und weiß, wie mies junge Copiloten<br />
mancherorts bezahlt werden. Auch<br />
kenne ich die Verzweiflung derer, die am<br />
besten noch für 30 000 Euro ihr TR selber<br />
finanzieren um dann für 2000 Euro brutto<br />
deutlich über 40 Stunden pro Woche zu<br />
arbeiten. Mich frustriert dies insofern,<br />
dass der Enthusiasmus und die Liebe zur<br />
Luftfahrt junger Menschen gemolken<br />
wird und sie am Ende auf der Straße sitzen.<br />
Vielen Dank für diesen sachlichen<br />
und kritischen Artikel, gerne in Zukunft<br />
mehr davon.<br />
Deniz Weissenborn, Hamburg<br />
<strong>aerokurier</strong> 4/<strong>2016</strong><br />
Expertentipp<br />
Einheiten wurden nicht<br />
umsonst genormt<br />
Den insgesamt guten Expertentip zu<br />
Steuerseilen hab ich mit Interesse gelesen.<br />
Eines ist mir dabei aber aufgefallen:<br />
Der Autor hat wirklich jahrelange Erfahrung,<br />
es aber vermieden, Neues dazuzulernen.<br />
Sonst würde er nicht mehr von Kilopond<br />
reden. Auch der Begriff Bruchfestigkeit<br />
ist nicht gut verwendet. Ich hätte<br />
geschrieben: Bruchlast 1000 daN. Vor<br />
Jahren wurden die SI-Einheiten genormt;<br />
die wichtigsten Basiseinheiten sind für<br />
Länge Meter (m), für Masse Kilogramm<br />
(kg) und für die Zeit Sekunden (s). Daraus<br />
ergibt sich die Kraft in Newton. Damit<br />
man bei der Kraft in Kilopond den vorhandenen<br />
alten Zahlenwert übernehmen<br />
kann, hat man aus praktischen Gründen<br />
Dekanewton (daN) verwendet.<br />
Übrigens habe ich mir die Angebote<br />
von Steuerseilherstellern angesehen und<br />
festgestellt, dass manche auch noch nicht<br />
in der Gegenwart angekommen sind: Da<br />
steht für ein Steuerseil Bruchlast 560 kg!<br />
Andere sind besser. Die schreiben für die<br />
Bruchlast 560 daN. Bezüglich der Zug-<br />
Festigkeit ist noch zu erwähnen, dass<br />
dies eine Materialeigenschaft ist, die<br />
meist per Zugversuch ermittelt wird. Die<br />
korrekte Maßeinheit ist N/mm².<br />
Dipl. Ing. (FH) Volkmar Gessinger,<br />
Schwäbisch Hall<br />
<strong>aerokurier</strong> 03/<strong>2016</strong><br />
Lockheed T-33 T-Bird<br />
Verrechnet?<br />
Bei der Begeisterung für die T-33 ist<br />
Autor und Redaktion offensichtlich ein<br />
Fehler unterlaufen. Die US-Gallone (3,79 l)<br />
ist nicht größer, sondern kleiner als die Imperial-Gallone<br />
(4,55 l). „Dieser kleine Unterschied<br />
(immerhin 20 Prozent) ist“ deshalb<br />
keinesfalls „ein Sicherheitspolster“,<br />
sondern das Gegenteil davon. Ich habe<br />
mich auch gewundert, wie sich ein Verbrauchsmesser,<br />
der in „imp-gal“ rechnet,<br />
in eine T-33 verirrt, denn die US-Amerikaner<br />
haben nie in dieser Einheit gerechnet,<br />
sondern „ihre“ Gallonen und bei Jets fast<br />
Schreiben lohnt sich!<br />
Unter allen Leserbrief-Autoren des vergangenen<br />
Monats hat die Redaktion das Buch „Mentales<br />
Training für Piloten – stressfrei und sicher fliegen“<br />
von Rainer Krumm verlost. Als Gewinner wurde<br />
Volkmar Gessinger gezogen.<br />
Die in Leserbriefen geäußerte Meinung muss nicht mit der<br />
Redaktionsmeinung übereinstimmen. Wir behalten uns die<br />
Kürzung von Leserbriefen aus redaktionellen Gründen vor.<br />
Gerne veröffentlichen<br />
wir Ihre Meinung. Schicken<br />
Sie uns Ihren Leserbrief<br />
(für Rückfragen bitte<br />
unbedingt mit Adresse<br />
und Telefonnummer) an<br />
E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Fax: +49 711 182-1781<br />
von Anfang an Pounds (454 g) verwendet.<br />
Möglicherweise hat das etwas damit zu<br />
tun, dass die „Silver Star“ aus der kanadischen<br />
Lizenz-Produktion stammt.<br />
Hartmut Blinten, Rodgau<br />
Antwort der Redaktion: Der Autor hat in der<br />
Causa noch einmal Kontakt zum Jet Warbird Training<br />
Center aufgenommen und uns darüber informiert, dass<br />
es hier zu einem Missverständnis seinerseits kam. So<br />
seien vor dem Flug die getankten US-Gallonen mit<br />
einem Abschlag von 20 Prozent in die nach Imperial-<br />
Gallonen zählenden Fuelmeter eingegeben worden, um<br />
den Kraftstoffvorrat richtig zu bemessen.<br />
In eigener Sache: Im Quiz der Ausgabe<br />
4/<strong>2016</strong> lautete die erste Frage: „Sie fliegen VFR im<br />
Luftraum E über ein 1000 ft hohes Mittelgebirge<br />
und haben über sich eine geschlossene Wolkendecke<br />
in 2000 ft AGL. Wie hoch dürfen Sie fliegen?“<br />
Die richtige Antwort wäre a) gewesen, maximal<br />
1000 ft GND, um 1000 ft vertikalen Wolkenabstand<br />
einzuhalten. Leider ist es in der Auflösung zu einem<br />
Buchstabendreher gekommen, so dass dort b) stand,<br />
aber kombiniert mit dem richtigen Antworttext.<br />
Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.<br />
Foto: Motorbuch Verlag<br />
<strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong> 1<strong>05</strong>
[ VORSCHAU ]<br />
Das lesen Sie im Juni<br />
... erhältlich auch<br />
als E-Paper<br />
Heft<br />
6<br />
erscheint am<br />
25. Mai<br />
<strong>2016</strong><br />
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Falls Sie nach dem Test keine weiteren Hefte<br />
wünschen, sagen Sie spätestens 14 Tage nach<br />
Erhalt der 2. Ausgabe ab. Ansonsten erhalten<br />
Sie den <strong>aerokurier</strong> weiter hin monatlich zu<br />
den im Impressum angegebenen Preisen<br />
mit jeder zeitigem Kündigungsrecht.<br />
Mit Piper & Co über Alaska<br />
Ein Leben als Buschpilot<br />
Die meisten seiner 17 000 Flugstunden hat Don Lee in den<br />
Weiten Alaskas gesammelt. Ob Versorgungsflug in abgelegene<br />
Orte, Gletscherlandung für Wildnistouristen oder Fluglehrer<br />
angehender Buschpiloten – Lees Abenteuer reichen,<br />
um ganze Bücher zu füllen. Ein außergewöhnliches Porträt.<br />
Wir bitten um Verständnis, wenn angekündigte Beiträge aus aktuellen Gründen in eine andere Ausgabe verschoben werden.<br />
Fotos: Christian Martischius, Messe Friedrichshafen, Pipistrel, Bernd Weber<br />
Pilot Report Discus 2c FES<br />
Nie mehr außenlanden?<br />
Ist der FES-Antrieb wirklich narrensicher?<br />
Wir prüfen den Discus 2c FES auf seine<br />
Vereinstauglichkeit. Ist er das Flugzeug<br />
für Piloten mit Außenlandephobie?<br />
UL-Special<br />
Quo vadis, Ultraleicht?<br />
Wiegen ULs bald 600 Kilogramm? Wie<br />
kommt man vom PPL-A zum SPL? Was<br />
darf man am UL selbst warten? Unser<br />
Special gibt die passenden Antworten.<br />
AERO <strong>2016</strong><br />
Innovationen im Fokus<br />
Vier Tage lang wurde beim Branchentreff<br />
der General Aviation in Friedrichshafen gefachsimpelt.<br />
Wir zeigen, was im Messegetümmel<br />
die meiste Aufmerksamkeit erregte.<br />
106 <strong>aerokurier</strong> 5/<strong>2016</strong>
IN DER KOMFORTZONE<br />
Sie haben anspruchsvolle Ziele auf Ihrem Radar? Der flexible PC-12 NG eignet sich ideal<br />
auch für Destinationen abseits des Alltäglichen. Zudem überzeugt er durch eine ausgezeichnete<br />
Performance und seinen attraktiven Preis. Erleben Sie den Komfort eines eigenen<br />
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Pilatus Flugzeugwerke AG • Schweiz • Tel. +41 41 619 61 11 • www.pilatus-aircraft.com