DerivateMagazin_No1_2016

thommyboy

NR.1 APRIL 2016 | 6,80 EURO

THEMEN, TRENDS UND LIFESTYLE FÜR ANLEGER

DAS NEUE

CHINA

Wie China die Weltwirtschaft verändern wird.

! ANLAGEPRODUKTE

Mit Express-Zertifikaten der

Zinsfalle entkommen.

25

! SPARBUCH ADÉ

Onlinebanken - Günstig und

unbürokratisch handeln.

34

! LIFESTYLE

Rotwein - Chancen jenseits

des Genussfaktors.

55


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Erhältlich im ausgesuchten Fachhandel. Weitere Informationen und Bezugsquellen unter www.ingersolluhren.de oder bei:

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Stil ist keine Frage des Terrains.

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Ihr persönlicher Ansprechpartner Herr Christian Putzke (Diplomatic Sales Manager) steht ihnen ebenfalls gerne zur Verfügung:

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Deutsche

Asset Management

! VORWORT

05

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Champions-Defensiv-Index ab, der in zehn

ausgewählte defensive Aktien investiert.

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DT0BAC 1,50 % p.a. 132,50 Euro

Verlust des eingesetzten Kapitals möglich.

Marcus Kapust, Chefredakteur

! DA IST ES NUN,

DAS NEUE DERIVATE MAGAZIN

Neu ist unser unabhängiges Magazin deswegen, weil es seit 2016 unter einer

neuen Führung steht und von einem neuen Redaktionsteam viermal im Jahr für Sie

produziert wird. Neu ist auch die Themenbreite. Neben Analysen handverlesener

Anlagemöglichkeiten und Expertenempfehlungen zu ausgesuchten

Branchenthemen liefern wir Investmentstrategien für Profis und Privatanleger.

Ab sofort berichten wir aber nicht nur über Wirtschaft, Finanzen und Börse, sondern

auch über Trends und Lifestyle, eben alles das, was für Anleger von Interesse

sein könnte.

Aus gutem Grund haben wir uns Deutschlands größte Finanzmesse, die Invest

in Stuttgart, als Datum für den Relaunch ausgesucht. Denn die Invest ist eine Messe

für Anleger. Sie sind es, für die wir unser Magazin schreiben. Doch genug der

Vorrede, lassen Sie uns gemeinsam erkunden, was wir Ihnen zu bieten haben.

Im Mittelpunkt dieser ersten Ausgabe steht China, besser gesagt, das neue China.

Ein roter Riese, dessen Handlungen und Reaktionen es zu verstehen gilt und der

weit mehr zu bieten hat, als lediglich die verlängerte Werkbank der westlichen

Industrienationen zu sein. Was Investoren beachten müssen, in welche Finanzprodukte

sie investieren können, um am künftigen Wachstum Chinas zu partizipieren

und wie seine Exzellenz, der Botschafter der Volksrepublik China in Berlin, Herr

Shi Mingde, die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen sieht, lesen Sie im

Titelthema ab Seite 12.

Daneben liefern wir einen kleinen Überblick über die steigenden M&A-Aktivitäten

chinesischer Unternehmen in Europa und gehen mit Unternehmern, die ihr

Business in China aus- oder aufbauen wollen auf Erkundungstour.

Wie der Deutsche Derivate Verband im Bereich der regulatorischen Standards

und bei Anlegerschutzthemen für Klarheit sorgt, finden Sie ab Seite 24. Und wie

Anleger in Anbetracht der Niedrigzinspolitik der Notenbanken dennoch erfolgreich

investieren können, lesen Sie ab Seite 26.

Darüber hinaus haben wir uns mit erlesenen Tropfen, einem Tesla-Roadtrip,

starken Klängen und dem Alpenpanorama beschäftigt.

Viel Spaß mit dem neuen Derivate Magazin,

Ihr

Kontakt

Deutsche Bank AG

Deutsche Asset Management

www.xmarkets.de

Hotline: +49 69 910-38807

Emittent: Deutsche Bank AG. Emittenten-/Bonitätsrisiko: Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten besteht das Risiko des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals. © Deutsche

Bank AG 2016, Stand: 21.03.2016. Die vollständigen Angaben zu den Wertpapieren, insbesondere zu den Bedingungen, sowie Angaben zur Emittentin sind dem jeweiligen

Verkaufs prospekt zu entnehmen; dieser ist nebst Nachträgen bei der Deutsche Bank AG, Deutsche Asset Management, Große Gallusstraße 10 –14, 60311

Frankfurt am Main, kostenfrei erhältlich oder kann unter www.xmarkets.de heruntergeladen werden.


06

! INHALT

07

12

!DAS NEUE CHINA

12

China befindet sich mitten im Wandel. Und dieser

Wandel ist schnell und strategisch durchdacht.

Was unsere Gesellschaft in vier Generationen erlebte,

erlernt die chinesische Bevölkerung in lediglich

einer. Nie um ein Lächeln verlegen, könnte man den

Eindruck gewinnen, dass China Berge versetzen kann.

Und es könnte, wenn es wollte oder müsste.

30

55 62

25

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38 50

64

08

25

38

! WISSENSWERTES

Deutscher Finanzbuchpreis 2016

Flat Fee von 4,95 Euro

Was ist Börse?

Veranstaltungen für Anleger

Mick Knauff Daily

10

! MARKTDATEN INDIZES

Übersicht zu den wichtigsten Indizes weltweit

12

! ZERTIFIKATE

Mit Express-Zertifikaten der Zinsfalle entkommen

28

! DERIVATE

Der DDV – Institution für Standards und Anlegerschutz

bei strukturierten Wertpapieren

30

! FINANZSERVICE

Sparbuch adé

! MERGERS & ACQUISITIONS

Strategische Beteiligungen aus Fernost

42

! AKTIEN

Was macht der kleine Bruder des DAX?

44

! INSIDE

Chinesisch-deutscher Industriepark in Shenyang

Per deutscher Delegation unterwegs in China

! LIFESTYLE

55 ! ALTERNATIVE INVESTMENTS

Chancen jenseits des Genussfaktors

60 ! AUTO

Tesla im Praxistest

62 ! TECHNIK

Guter Klang zum fairen Preis

64 ! REISE

Alpenpanorama mit Riviera-Feeling

! TITELTHEMA

Das neue China

22

34

! ETFS

Die Dividendenjagd hat begonnen

48

! MARKTDATEN ROHSTOFFE

Übersicht zu den wichtigsten Rohstoffen

! INTERVIEW

Zu Gast beim chinesischen Botschafter Shi Mingde

51

! ROHSTOFFE

Gold ist besser als sein Ruf

67

! IMPRESSUM

!derivate MAGAZIN 01/2016


08

! WISSENSWERTES

09

Dirk Heß (Citigroup Global Markets Deutschland AG), Simone Kahnt-Eckner (Börse Frankfurt

Zertifikate AG), Gerd Kommer (Preisträger), Judith Wilke-Primavesi (Campus Verlag) (v.l.n.r.)

DEUTSCHER FINANZBUCHPREIS 2016 GEHT AN

GERD KOMMER

Rational und effizient vorgehen, Fehler vermeiden und am besten

einen passiven Investmentansatz fahren – dafür plädiert Gerd Kommer

in seinem Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“,

das im März mit dem sechsten Deutschen Finanzbuchpreis ausgezeichnet

wurde. Dirk Heß von der Citigroup begründet die Wahl der

Jury: „Kommer bietet Privatanlegern einen wissenschaftlich fundierten

und verständlichen Wegweiser, der Stellung bezieht und echten

Mehrwert bietet.“

Der Deutsche Finanzbuchpreis prämiert Bücher, die vor allem Privatanlegern

praxisnahes Wissen vermitteln und Unterstützung bei

der Geldanlage und Altersvorsorge bieten. Der Preis ist mit 10.000

Euro dotiert und wird von Citigroup Global Markets Deutschland AG

und der Börse Frankfurt Zertifikate AG gestiftet.

„Die Börsenspekulation ist wie eine Skatpartie.

Man muss mit guten Karten mehr gewinnen

als man mit schlechten Karten verliert.“

FLAT FEE VON 4,95 EURO

Kunden der Consorsbank können ab sofort über das neue StarPartner

Programm die immer beliebter werdenden ETFs und Derivate von

BNP Paribas, Commerzbank, DZ Bank, Vontobel, iShares und Lyxor

zu einer günstigen Pauschalgebühr von 4,95 Euro handeln. Das heißt,

rund 400.000 Zertifikate, Optionsscheine und Aktienanleihen dieser

Partner können ohne Mindestordervolumen zu einer Flat Fee außerbörslich

ge- und verkauft sowie rund 460 ETFs auf Aktien, Renten

oder Rohstoffe ab einer Anlagesumme von 1.000 Euro am Börsenplatz

Tradegate zur Flat Fee gekauft werden. Das StarPartner Programm

gibt es übrigens auch bei der DAB Bank, die wie die Consorsbank zu

BNP Paribas gehört.

André Kostolany

4,95€

Mit dem neuen Partnerprogramm der

Consorsbank ist es möglich, ETFs und

Derivate namhafter Anbieter zu niedrigen

Gebühren zu handeln.


Im April startete der Onlinesender Wirtschaft

TV mit einem neuen Format. In der

Reihe „Was ist Börse?“ werden Fragen des

Börsenlebens wie zum Beispiel „Was ist ein

Veranstaltungen

für Anleger

Derivat?“, „Was ist ein Call?“ oder „Was ist

ein Put?“ beantwortet. Laut den Geschäftsführern

Julien Backhaus und Manuel Koch

reagiert der noch junge Sender damit auf

den Interessenwandel von Schülern und

Studenten. Schließlich verzeichnen derzeit

insbesondere die Demokonten bei den großen

Tradingplattformen einen deutlichen

Anstieg junger Nutzer.

Das TV-Börsenlexikon und weitere interessante

Produktionen fi nden Interessierte

auf www.wirtschaft-tv.com.

15. – 16.04.2016

Invest Stuttgart

17.09.2016

Börsentag Frankfurt

08.10.2016

Börsentag Berlin

03. – 04.11.2016

Internationale Edelmetall- &

Rohstoffmesse München

05.11.2016

Börsentag Hamburg

18. – 19.11.2016

World of Trading Frankfurt

Mick Knauff, Chefredakteur Klartext Depot

www.investor-verlag.de/mick-daily

Aktien sind für Sie der

beste Schutz vor

schleichender Enteignung

Die Aktie kam bisher aus allen Krisen gestärkt

heraus, auch aus der Finanzkrise

2008/09. Die alten Hochs sind inzwischen

trotz Schwankungen längst überschritten.

Trotzdem fristet die Aktie in Deutschland

seit Jahrzehnten nur ein Nischendasein.

Warum? Das beantworten Aktienverweigerer

meist nicht überzeugend oder aus

Unwissenheit.

Zu riskant sei die Aktie heißt es oft pauschal.

Zeitgleich wird jedoch ein Loblied auf „Made

in Germany“ und die Exportstärke der Wirtschaft

gesungen. Wir sind zu Recht stolz auf

den Exportüberschuss und unsere Weltmarktführer.

Aber die Aktien der Unternehmen, die

Produkte herstellen, die wir alle täglich nutzen,

die wollen die meisten dann trotzdem

nicht anfassen.

Die wahren Risiken drohen Ihnen jedoch

bei anhaltender Passivität – die Folge heißt

schleichende Enteignung, durch zum Beispiel



bankchef. Legt man nun Chancen und Risiken

in die Waagschale, dann überwiegen langfristig

immer die Chancen, trotz kurzfristiger




gensaufbau in Zukunft in die eigenen Hände


Aktien.

!derivate MAGAZIN 01/2016


10

! MARKTDATEN INDIZES

11

INDEXDATEN WELTWEIT

13.000

Index 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

12.000

Euro STOXX 50 3.697,38 3.424,30 3.100,67 3.267,52 3.004,93

11.000

10.000

DAX ZUM 31.03.2016

FTSE 100 6.773,04 6.520,98 6.061,61 6.242,32 6.174,90

9.000

9.965,51 Punkte

SMI 9.128,98 8.780,91 8.513,41 8.818,09 7.807,89

8.000

01.04.15

01.05.15

01.06.15

01.07.15

01.08.15

01.09.15

01.10.15

01.11.15

01.12.15

01.01.16

01.02.16

01.03.16

01.04.16

Performance 1 Jahr: –16,72%

CAC 40 5.033,64 4.790,20 4.455,29 4.637,06 4.385,06

RDX 1.104,73 1.129,90 951,83 920,76 1.006,39

Quelle: Ariva.de

Nikkei 225 19.206,99 20.235,73 17.388,15 19.033,71 16.758,67

19.000

Sensex 27.957,49 27.780,83 26.154,83 25.960,03 25.341,00

18.000

S&P/TSX 60 14.902,44 14.553,33 13.306,96 13.142,41 13.494,00

17.000

16.000

15.000

DOW JONES ZUM 31.03.2016

17.685,09 Punkte

Performance 1 Jahr: –1,01%

Bovespa 51.150,16 53.080,88 45.059,34 43.384,08 50.055,00

Quelle: OnVista Media

14.000

01.04.15

01.05.15

01.06.15

01.07.15

01.08.15

01.09.15

01.10.15

01.11.15

01.12.15

01.01.16

01.02.16

01.03.16

01.04.16

Quelle: Ariva.de

6.000

5.000

4.000

3.000

2.000

1.000

SHANGHAI COMPOSITE ZUM 31.03.2016

3003,92 Punkte

Performance 1 Jahr: –19,85%

BÖRSEN DIESER WELT – FRANKFURT AM MAIN

Die Deutsche Börse in Frankfurt hat eine bewegte Geschichte hinter

sich. Als Geburtstunde wird heute der 9. September 1585 angesehen,

als Frankfurter Kaufleute einheitliche Wechselkurse für Münzen festlegten.

1605 fiel dann zum ersten Mal das Wort Börse. 1820 wurde

die erste Aktie in Frankfurt gehandelt: Anteile der Österreichischen

Nationalbank. 1879 bezog die Börse das Gebäude am heutigen Börsenplatz.

Im Jahr 1988 startete der Deutsche Aktienindex DAX und

seit 1997 gibt es das elektronische Handelssystem XETRA. Am 5.

Februar 2001 ging die Deutsche Börse schließlich selbst an die Börse.

01.04.15

01.05.15

01.06.15

01.07.15

01.08.15

01.09.15

01.10.15

01.11.15

01.12.15

01.01.16

01.02.16

01.03.16

01.04.16

Quelle: finanzen.net

!derivate MAGAZIN 01/2016


12

! TITELTHEMA

13

Künftig soll die chinesische Konjunktur

nicht mehr mithilfe von Exporten,

Billiglöhnen und staatlichen Subventionen,

sondern über Konsum, Dienstleistungen

und Innovationen vorangetrieben werden.

DAS NEUE

CHINA

China befindet sich mitten im Wandel. Und dieser Wandel ist

schnell und strategisch durchdacht. Was unsere Gesellschaft in

vier Generationen erlebte, erlernt die chinesische Bevölkerung in

lediglich einer. Nie um ein Lächeln verlegen, könnte man den Eindruck

gewinnen, dass China Berge versetzen kann. Und es könnte, wenn es

wollte oder müsste.

!derivate MAGAZIN 01/2016


14

! TITELTHEMA

In den ersten Wochen dieses Jahres verging kaum

ein Tag, an dem keine Hiobsbotschaft aus beziehungsweise

über China in den Nachrichten zu lesen

oder zu sehen war. Diese handelten von der Stimmung

der Einkaufsmanager, der aktuellen Konjunktur

oder den Kursabstürzen an den Börsen.

Auch wenn die Themen nicht immer neu, häufig

schon lange bekannt, bereits vermutet oder im Gros

zumeist überholt waren, rissen sie die wichtigsten

Börsen weltweit auf eine rasante Talfahrt und schürten

zusätzliche Ängste vor einer Erschütterung der

Weltkonjunktur. Eigentlich kein Wunder, wenn

Anleger doch in aller Regelmäßigkeit mit Begriffen

von zahlreichen Meinungsmachern wie „verzockt“,

„kaputt“, „neue Gefahr“, „Lack ab“, „Herzstillstand“

oder „Bedrohung“ im Zusammenhang mit dem Reich

der Mitte bombardiert werden. Ist nicht hier bereits

ein gewisser Zündstoff zu erkennen, der zu maßloser

Übertreibung neigen könnte?

ZEITLICH ÜBERFÄLLIG

Bereits nach den schweren Kursrückgängen der Börsen

im Sommer 2015, als die chinesische Zentralbank den

Renminbi Yuan massiv abwertete, mahnten zahlreiche

Experten zu einer selbstbeherrschten Gelassenheit,

bei der – insbesondere in der damaligen Situation –

der Verstand die Oberhand behalten solle. Im Zeichen

dieser Besonnenheit wurde erklärt, dass es einfach an

der Zeit gewesen sei, die Luft aus der über Jahre aufgebauten

kreditfinanzierten Aktienblase langsam entweichen

zu lassen. Schließlich wuchs diese nach etwa zwei

Jahrzehnten ungebremster chinesischer Wirtschaftsexpansion

immens an. Auch der deutsche Bundesbankvorstand

Joachim Nagel warnte vor übertriebenen Ängsten,

da es sich nach den rasanten Anstiegen der vergangenen

Jahre um eine Korrektur handelte und China bei einer

Finanzmarktinstabilität wirtschaftlich stark genug

sei, um im Notfall dagegenzuhalten. Und so glaubten

die meisten Beobachter nicht an eine dauerhafte globale

Finanzkrise, sondern eher an eine längst überfällige

Korrektur.

„China in seinen vielschichtigen

Facetten wird auch in Zukunft gute

Voraussetzungen für langfristige

Geschäftsmöglichkeiten bieten.“

Winfried Bostelmann, Chairman BVMW China

Vizekanzler Sigmar Gabriel stieß ins gleiche Horn: Die

Sorgen der Bösen hinsichtlich der Entwicklungen in

China seien sicherlich berechtigt, was dort passiere sei

dennoch nicht geeignet, die Perspektiven Deutschlands

zu beeinträchtigen. Schließlich seien nach Ansicht des

ehemaligen Chefvolkswirtes der Europäischen Zentralbank

Jürgen Stark die Strukturprobleme wie etwa die

Überhitzung der Immobilienmärkte, die Expansion des

Schattenbankensystems und die gigantische Verschuldung

der Banken schon seit Jahren bekannt gewesen.

AKTION UND REAKTION

Trotz aller Beschwichtigungen hat China reagiert: Um

künftig deutlichen Kurs rückgängen einen Riegel vorzuschieben,

führte die Regierung in Peking zu Jahresbeginn

eine neue Börsenregel ein, durch die der Handel

für 15 Minuten unterbrochen werden sollte, wenn der

Kurs des China Securities Index, das Börsenbarometer

welches die wichtigsten 300 Aktien abbildet, um fünf

Prozent verliert. Außerdem sah diese Regel vor, den

Handelstag bei einem Verlust von sieben Prozent ganz

zu beenden. Wuchtige Kursabstürze sollten damit abgemildert

werden – so die Theorie. Doch diese Sicherheitsmaßnahme

habe, so raunten manche Börsenauguren,

bei der Krise zu Jahresanfang eher die Rolle eines

Katalysators als die eines Inhibitors gespielt. Ursächlich

für den neuerlichen Einbruch im Januar waren jedoch

zunächst schlechte Umfragedaten zur chinesischen Industrie,

danach Spekulationen über Stützkäufe des chinesischen

Staatsfonds, Zentralbankgeld, welches in den

Markt gepumpt wurde, die achte Abwertung der Landeswährung

Renminbi Yuan und der starke Rückgang

der Währungsreserven.

Bereits ein paar Tage später wurden die Konsequenzen

gezogen: Ab sofort sollten die Börsen in Shanghai

und Shenzhen wieder ohne Notbremse auskommen.

Laut chinesischer Börsenaufsicht CSRC habe der Mechanismus

nicht den gewünschten Effekt erzielt. Außerdem

wurde von Seiten der Behörde mitgeteilt, dass die automatische

Marktsperre nicht der Hauptgrund für die

jüngsten Kursstürze gewesen sei. Investmentstrategen

allerdings begrüßten diese Kehrtwende, denn mit diesem

Schritt könne sich der Aktienmarkt wieder freier

bewegen und ein Aufstauen von Handelsvorhaben vermieden

werden. Dazu sollte man wissen, dass 90 Prozent

der Investoren an der chinesischen Börse einheimische

Privatanleger sind, die wiederum 80 Prozent

der Transaktionen verantworten. Und diese fokussieren

eher spekulative Gewinne. Das allerdings sorgt für Volatilität.

Entsprechend spielen chinesische Institutionelle

kaum eine Rolle. Auch ausländische Investoren können

lediglich auf weniger als zwei Prozent des dortigen

Marktes zurückgreifen.


Über die Hälfte des chinesischen

Bruttoinlandsprodukts wird mittlerweile

vom Dienstleistungssektor getragen.

!derivate MAGAZIN 01/2016


16

! TITELTHEMA

17

CHANCENREICHE BRANCHEN

Jedoch bieten sich für hiesige Anleger außerhalb des

bevölkerungsreichsten Staates zahlreiche Möglichkeiten,

kurz-, mittel oder auch langfristig am chinesischen

Markt zu partizipieren. Unter dem Dach des Indexanbieters

Solactive AG werden unter anderem einige interessante

Indizes mit chinesischem Branchenbezug

berechnet, in die mit verschiedensten Anlageprodukten

von zahlreichen Emittenten investiert werden kann. So

bildet beispielsweise der Solactive China Solar Performance-Index

(WKN: A0QZE5) die Kursentwicklung der

größten chinesischen Unternehmen ab, die in der Volksrepublik

in der Solarenergieindustrie tätig sind. Weitere

Informationen zu den Indizes der Solactive AG können

unter www.solactive.com nachgeschlagen werden.

AUSWAHL VON INDIZES DER SOLACTIVE AG

MIT CHINABEZUG

Index

Solactive China Automobile Total Return Index

Solactive China Consumer Total Return Index

Solactive China Energy Total Return Index

Solactive China Financials Total Return Index

Solactive China Index

Solactive China Industrials Total Return Index

Solactive China Internet Performance-Index

Solactive China Materials Total Return Index

Solactive China Solar Performance-Index

Quelle: Solactive, Stand: 18.03.16

WKN

SLA0CA

A1CQ63

A1CQ64

A1CQ66

SLA11D

A1CQ65

A1A376

A1CRBL

A0QZE5

Nennenswert ist auch der Solactive China Internet-Index

(WKN: A1A376), der die zehn größten chinesischen Unternehmen

aus dem Internetsektor, unter anderem die

an der New Yorker Börse gelistete E-Commerce-Plattform

Alibaba (WKN: A117ME), beinhaltet. Schließlich

kommen vier der zehn nach Börsenwert weltweit größten

Internetunternehmen aus China. Auch Unternehmen

wie die Tencent Holdings (WKN: A0YAJU), welche

derzeit mit ihrem Mobile Messenger Weixin (WeChat)

den Markt für Mobile Messenger aufrollt, ist Teil des

Index. Enthalten sind auch Chinas führende Suchmaschine

Baidu der Baidu Inc. (WKN: A0F5DE), das den

chinesischen Suchmaschinenmarkt mit einem Marktanteil

von rund 60 Prozent dominiert und Google erfolgreich

in die Schranken verweist, sowie die chinesische

E-Commerce-Plattform Jingdong Mall der JD.com Inc

(WKN: A112ST), die ursprünglich nur für den Verkauf

elektronischer Produkte ausgelegt worden war und sich

mittlerweile stark am Geschäftsmodell von Amazon orientiert.

Diese vier Konzerne vereint die Absicht, unter

anderem im Bereich Digitale Medien zu wachsen. So

betrug der Umsatz in diesem Markt im Jahr 2015 rund

10,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2020 soll dieser bereits auf

17,3 Milliarden Euro anwachsen. Das größte Stück vom

Kuchen wird dann mit rund 80 Prozent voraussichtlich

der Bereich Digitale Games einnehmen. Die stärksten

Wachstumsraten würden dieser Schätzung zufolge jedoch

in den Bereichen Digitale Videos, Digitale Musik

sowie E-Publishing mit Verdopplern bzw. Verdreifacher

zu finden sein.

PROGNOSE DER UMSÄTZE IM MARKT FÜR DIGITALE MEDIEN IN CHINA (IN MIO EURO)

2020e

2019e

2018e

2017e

2016e

2015e

2014

0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 18.000 20.000

Digitale Videos Digitale Musik Digitale Games E-Publishing

Quelle: Solactive, Stand: 18.03.16

INDEXZERTIFIKATE


-


















-

-




-

-



STABILES WACHSTUM

Q4 2015

Q3 2015

Q2 2015

Q1 2015

Q4 2014

Q3 2014

Q2 2014

Q1 2014

Insbesondere mit dem massiven Ausbau von Zukunftstechnologien

will China die eigene Wirtschaft

vorantreiben und plant für die kommenden Jahre bis

2020 mit Wachstumsraten des BIP in Höhe von jährlich

mindestens 6,5 Prozent. Bereits im Jahr 2015 blieb das

Wachstum mit etwa 6,9 Prozent hinter den Erwartungen

der westlichen Industrienationen zurück und schürte

damit die Sorgen über eine weitere Abkühlung. Gerade

Deutschland wäre als eine Exportnation stark von einem

Rückgang der chinesischen Volkswirtschaft betroffen.

Damit das Wachstum der kommenden Jahre stabil

bleibt, soll die chinesische Wirtschaft kontinuierlich

gestützt werden. So werden Teile der chinesischen Industrie,

die Überkapazitäten aufweisen, nach Regierungsplänen

geschrumpft. Erst kürzlich kündigte der

chinesische Arbeitsminister, ohne einen Zeitplan zu

nennen, an, 1,8 Millionen Arbeiter in Kohle- und Stahlunternehmen

zu entlassen. Laut der Nachrichtenagentur

Reuters sollen in den nächsten drei Jahren sogar fünf

bis sechs Millionen Arbeiter aus staatlichen Unternehmen

entlassen werden. Gleichzeitig sollen jedoch zehn

Millionen neue Arbeitsplätze in den Zukunftsbranchen

entstehen und die Arbeitslosenquote in Städten zumindest

in 2016 unter 4,5 Prozent gehalten werden.

WACHSTUM DES BRUTTOINLANDSPRODUKTS (BIP) IN CHINA

1,3%

1,6%

1,5%

1,8%

1,6%

1,9%

1,9%

1,9%

Gegenüber dem Vorquartal (saisonbereinigt)

Gegenüber dem Vorjahresquartal

MILLENNIALS MIT HOHEN AMBITIONEN

China stimmt seine Bevölkerung also auf eine harte

Übergangsphase ein. Denn der Umbau von einer durch

die Schwerindustrie geprägten Volkswirtschaft zu einem

High-Tech-Giganten bedarf auch Opfer und wird

damit zu einer sehr großen Herausforderung. Denn das

alte Wachstumsmodell mit Fokus unter anderem auf die

Bereiche Kohle, Eisen und Stahl sowie Zement ist an seine

Grenzen gekommen und bietet keinen weiteren Entwicklungsraum.

Neben den Überkapazitäten gerät zunehmend

die Verschmutzung der Umwelt in die Kritik.

In den kommenden Jahren soll sich das ändern. In Anbetracht

des steigenden Umweltbewusstseins legte die

Führung aus Peking erstmals eine Obergrenze für den

Energieverbrauch fest und veröffentlichte zugleich Vorgaben,

um den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten.

Zudem soll ineffizientes produzierendes Gewerbe,

also vor allem die in der Vergangenheit teilweise durch

milliardenschwere Geldspritzen gefütterten Staatsbetriebe,

restrukturiert werden und die Konjunktur neue

Säulen in Form von Dienstleistungen und Hochtechnologie

erhalten. Letztlich sei Innovation die treibende

Kraft für die chinesische Entwicklung. Neben dem Ziel,

künftig als Cybermacht wahrgenommen zu werden, will

China auch in der Halbleiterbranche, Robotikindustrie,

Flugzeugausrüstung und Satellitentechnologie weltweit

den Ton angeben.


6,8%

6,9%

7,0%

7,0%

7,3%

7,3%

7,5%

7,4%

Quelle: Statista, National Bureau of Statistics of China, Januar 2016

!derivate MAGAZIN 01/2016


18

! TITELTHEMA

19

Mit 415 Millionen Menschen

zwischen 17 und 37 Jahren gibt

es in China mehr Millennials als

in den Vereinigten Staaten, Kanada

und Westeuropa zusammen.

DEMOGRAFISCHE VERTEILUNG DER BEVÖLKERUNG IN CHINA

HANG SENG CHINA ENTERPRISES INDEX

ALTER 56-65 ALTER 46-55 ALTER 36-45 MILLENNIALS

PUNKTE

16.000

14.000

12.000

10.000

8.000

6.000

01.04.11 01.04.12 01.04.13 01.04.14 01.04.15 01.04.16

Quelle: Ariva.de, Stand 18.03.2016

160 1 213 5 218 8 415 107

MIO MIO MIO MIO MIO MIO MIO MIO

GESAMTBEVÖLKERUNG HOCHSCHULABSOLVENTEN

Quelle: The Realistic Environmentalist, März 2016

!derivate MAGAZIN 01/2016


20

! TITELTHEMA

21

ANTEIL AM KAUFKRAFTBEREINIGTEN GLOBALEN

BRUTTOINLANDSPRODUKT (BIP) 2015

Quelle: Statista, Daten geschätzt

Wer sich nun Sorgen machen sollte, ob Chinas Bevölkerung

diesen Weg überhaupt mitgehen kann, steht

schnell im Abseits. Denn die Anzahl der sogenannten

Millennials, also die Generation, die zwischen 1980 und

1999 geboren wurde, drängt auf den oder ist bereits am

Arbeitsmarkt. Mit 415 Millionen Menschen zwischen 17

und 37 Jahren stehen in China mehr Millennials bereit

als in den Vereinigten Staaten (146 Millionen Millennials),

in Kanada (22 Millionen Millennials) und Westeuropa

(207 Millionen Millennials) zusammen. Und diese

415 Millionen Chinesinnen und Chinesen haben große

Ambitionen, denn fast ein Viertel von ihnen, nämlich

107 Millionen, nennen einen Hochschulabschluss ihr Eigen.

Es versteht sich von selbst, dass diese ihre Zukunft

nicht auf Reisfeldern, am Förderband oder im produzierenden

Gewerbe sehen, sondern nach Arbeitsplätzen

im Wirtschafts- und Dienstleistungssektor trachten.

Entsprechend wird also langfristig vor allem der Mittelstand

und letztlich auch der Konsum in China überaus

profitieren.

DIENSTLEISTUNGEN IM VISIER

China

USA

Indien

Japan

Deutschland

Russland

Brasilien

Indonesien

Großbritannien

Frankreich

Rest

Und so ist der Dienstleistungssektor mittlerweile zur

wichtigsten Wachstumsstütze geworden. Betrug der

Anteil am chinesischen BIP in 2005 knapp unter 42 Prozent,

wuchs er bis 2015 bereits auf über 50 Prozent an.

Dass diese Tendenz anhält, weisen auch die monatlichen

Daten des wichtigsten chinesischen Wirtschaftsmagazins

„Caixin“ deutlich auf. Hier werden vorwiegend

kleine und mittelgroße Firmen befragt. Während der

„Caixin-Einkaufsmanagerindex“ für die chinesische

Industrie seit Dezember 2014 zumeist (bis auf zwei Ausnahmen)

unter 50 Punkten lag, wuchs der Einkaufsmanagerindex

der Dienstleister unaufhaltsam weiter. Werte

unter 50 Punkten deuten übrigens auf schwächere

Geschäfte hin.

AUSWEITUNG DER AUTOMOBILPRODUKTION

Apropos schwächere Geschäfte: Insgesamt gesehen,

scheint die deutsche Autoindustrie derzeit ein China-Problem

zu haben. So soll gemäß einer Auswertung

des Beratungsunternehmens Ernst & Young der Export

der deutschen Autohersteller im vergangen Jahr um 16

Prozent eingebrochen sein. Nachdem diese in den letzten

Jahren hohe Wachstumszahlen in der Volksrepublik

gewohnt waren, hat der Wert der ausgelieferten Fahrzeuge

und Fahrzeugteile nur 18,2 Milliarden betragen

und lag somit etwa 1 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Dies spürte vor allem der VW-Konzern mit einem Absatzrückgang

um 3,4 Prozent. Ein Grund dafür ist unter

anderem, dass immer mehr Autoteile, die zwar in China

verkauft werden, nicht mehr aus der Produktion in

Deutschland stammen, sondern vor Ort gefertigt werden.

BWM zum Beispiel verkaufte immerhin 1,7 Prozent

mehr Fahrzeuge als in 2014.

Wer schon einmal in den Genuss kam, das BMW

Brilliance Werk in Shenyang zu besichtigen, wird der

Redaktion des Derivate Magazins sicherlich recht geben,

dass dort die Zukunft des Automobilbaus geschrieben

wird.

Der massive Aufbau von Produktionskapazitäten

in China führt also tendenziell zu weniger Exporten von

deutschen Fabriken ins Reich der Mitte. Genau das ist jedoch

der Branchentrend: Autos werden dort produziert,

wo sie auch verkauft werden - zum Beispiel auch in Mexiko

für den amerikanischen Kontinent. Das kann sich

sogar so sehr ausweiten, dass die Autobranche mehr aus

China importiert, als sie dorthin exportiert. Schließlich

wird auch die Zulieferindustrie den Herstellern folgen,

weil sich der Transport von Teilen über lange Strecken

nicht rechnet. Vor allem der Trend zur Elektromobilität

wird diese Entwicklung laut Expertenaussage beschleunigen.

Dem stotternden Markt zum Trotz ist China für

den deutschen Autobauer Daimler mittlerweile der

größte Absatzmarkt geworden. Im Januar verkauften

die Stuttgarter dort 52 Prozent mehr Autos als noch vor

einem Jahr – beinahe 43.000 Stück. Im Vergleich dazu

wurden in ganz Europa lediglich 55.000 Fahrzeuge

verkauft – immerhin ein Plus von 15 Prozent gegenüber

dem Vorjahr. Und Daimler traut sich nach einem

Absatzplus von 32,6 Prozent in 2015 künftig weitere

Marktanteilsgewinne in China zu. Laut Matthias Wissmann,

Verbandspräsident der deutschen Autoindustrie,

wurde die Marktprognose für den Fahrzeugabsatz im

Reich der Mitte für das Gesamtjahr 2016 angehoben und

nun ein Plus von 6 Prozent auf 21,3 Millionen Pkws erwartet.

Das passt recht gut zu einer anderen Prognose,

dass der Anteil Chinas am weltweiten Automarkt von

derzeit etwa 20,7 Prozent auf stolze 30 Prozent im Jahr

2025 hochfahren soll.

BREITERE INVESTITIONSMÖGLICHKEIT

Anleger, für die das Investment in einen Einzelwert nicht in

Frage kommt und die das Risiko einzelner Branchen meiden

möchten, können stattdessen auch in das große Ganze investieren.

Eine Möglichkeit hierfür bietet sich unter anderem mit

einem Indexzertifikat auf den Hang Seng China Enterprises

Index (WKN: 372143). Schließlich bildet dieser Index die Wertentwicklung

der in der Regel 40 größten und liquidesten chinesischen

Unternehmen ab, die an der Börse Hongkong als

sogenannte „H-Shares“ gelistet sind. Auch wenn dieser Index

im Fünf-Jahres-Rückblick deutlich Federn lassen musste, so

könnte er durchaus kurz-, mittel- und langfristige Chancen

bieten. Im unteren Kasten auf Seite 21 findet sich eine kleine

Auswahl an Emittenten, die ein Indexzertifikat auf den Hang

Seng China Enterprises Index anbieten. Übrigens, bei einer

Vielzahl von Emittenten gibt es auch Produkte, um gegen einen

steigenden Markt zu wetten.

Letztlich bleibt festzuhalten, dass China sich mitten im

Wandel zum modernen Staat befindet und schon sehr bald an

die glorreichen Zeiten des Altertums anknüpfen wird. Schon

heute präsentiert sich das „neue“ China weltoffen, freundlich,

lernbereit und fleißig. Künftig soll die Konjunktur nicht mehr

mithilfe von Exporten, Billiglöhnen und staatlichen Subventionen,

sondern über Konsum, Dienstleistungen und Innovationen

vorangetrieben werden. Mitunter aus diesem Grund stieg

zuletzt auch die Beteiligungsquote chinesischer Firmen in Europa

an, wo doch der Anteil Chinas am kaufkraftbereinigten

globalen Bruttoinlandsprodukt bereits mehr als 17 Prozent

ausmacht. Trotz der vielerorts negativen Berichterstattung

wird mit dem roten Riesen künftig mehr denn je zu rechnen

sein. Hinzu kommt, dass die chinesische Bevölkerung es mittlerweile

gewohnt ist, den rasanten Weg ihres Landes mitzugehen.

Und so könnte auch am folgenden chinesischen Sprichwort

mehr dran sein, als sich vermuten lässt: „Was eine Raupe

das Lebensende nennt, nennen Weise einen Schmetterling“.

Marcus Kapust

INDEXZERTIFIKATE AUF HANG SENG CHINA ENTERPRISES

FAKTEN ZU CHINA

Bevölkerung

Gesamtbevölkerung (2015e) 1.374,96 Mio. Menschen

Urbanisierungsrate (2015e) 56,10 %

Gesamtfläche (2015)

9.596.960 km²

Lebenserwartung (2015e)

75,35 Jahre

Durchschnittsalter (2015e)

36,2 Jahre

Wirtschaft

Bruttoinlandsprodukt (2015e) 11.384,76 Mrd. Dollar

Pro-Kopf BIP (2015e)

8.280,09 Dollar

Anteil am globalen BIP (2015e) 17,24 %

Importe (2014)

1.959,36 Mrd. Dollar

Exporte

2.342,31 Mrd. Dollar

Staatsfinanzen

Staatsverschuldung in Relation zum BIP (2015e) 43,20 %

Staatsqoute (2015e) 30,77 %

10 größte Städte Chinas Millionen Einwohner

Shanghai 23,42

Beijing 21,01

Guangzhou-Foshan 20,60

Shenzhen 12,08

Tianjin 10,92

Chengdu 10,38

Dongguan 8,44

Wuhan 7,51

Taipei 7,44

Hangzhou 7,28

Quelle: Statista

WKN Emittent Fälligkeit Bezugsverhältnis Währungsgesichert

372143 Deutsche Bank open end 0,1 Nein

685964 BNP Paribas open end 0,23 Nein

815813 Société Générale open end 0,1 Nein

HV1A29 UniCredit Bank open end 0,1 Nein

GL2XZE Goldman Sachs 17.07.18 0,008 Ja

Quelle: Derivate Magazin, Stand: 18.03.16

!derivate MAGAZIN 01/2016


22

! INTERVIEW 23

Interview mit dem

chinesischen Botschafter

Auf der Suche nach weiteren Hintergründen zum aktuellen Umfeld gelang es dem

Redaktionsteam des Derivate Magazins, ein ausführliches Interview mit seiner Exzellenz,

dem chinesischen Botschafter in Berlin, Herrn Shi Mingde zu führen.

Herr Botschafter Mingde, das

zweistellige Wirtschaftswachstum

Chinas, welches die Industrienationen

lange Zeit verwöhnte, gehört

nun der Vergangenheit an. Bitte

erklären Sie uns den derzeitigen

Transformationsprozess Chinas und

seine langfristige Absicht?

Shi Mingde: Betrachtet man Chinas Wirtschaft,

muss man zunächst das Ganze im

Blick haben. Im letzten Jahr übertraf das

Gesamtvolumen von Chinas Wirtschaft

10 Billionen US-Dollar, das BIP stieg um

6,9%. Zwar hat sich das Wachstum im

Vergleich zu früher verlangsamt, aber

es rangiert nach wie vor in der vorderen

Reihe der wichtigsten Volkswirtschaften

der Welt, sein Beitrag zum globalen

Wirtschaftswachstum erreichte 25%. Das

ist nicht nur ein von einer hohen Basis

ausgehendes Wachstum, sondern eines,

das in einer Phase der Transformation

und des Upgradings verwirklicht wurde.

Die Sorge, die Transformation von Chinas

Wirtschaft würde zu einem Rückgang

des globalen BIP führen, entbehrt jeder

Grundlage. In diesem Jahr hat Chinas

Wirtschaft einen im Ganzen stabilen

Start vollzogen, und es gab neue positive

Veränderungen. Wir haben eine Serie

von Maßnahmen zur Wachstumsstabilisierung

und zum Anstoß von Reformen

auf den Weg gebracht, deren politische

Effekte sich jetzt stetig akkumulieren.

Zweitens muss man die Tendenz im Blick

haben. Im letzten Jahr kamen im städtischen

Bereich landesweit mehr als 13

Millionen Arbeitsplätze dazu. Das Einkommen

der Bevölkerung wuchs schneller

als das BIP. Die Lage am Arbeitsmarkt

war im Januar und Februar dieses Jahres

im Wesentlichen stabil, die in 31 Großstädten

ermittelte Arbeitslosenrate verharrte

bei ungefähr 5,1% und war damit

im Großen und Ganzen unverändert zum

letzten Jahr.

Das industrielle Upgrading hat Tempo

aufgenommen, der Dienstleistungs-Sektor,

die High-Tech-Branche und der Anlagenbau

haben alle ein relativ schnelles

Wachstum bewahrt.

Die Inlandsnachfrage vergrößert sich

weiter, der Konsum hat zweistellige

Wachstumsraten erreicht. Der Konsum

und der Dienstleistungssektor sind zu

den Hauptantriebskräften der Wirtschaft

geworden. Der Grad des Energieverbrauchs

und der Ausstoß der wesentlichen

Schadstoffe

sind kontinuierlich nach unten gegangen,

was ein Zeichen für eine Verbesserung

der Wachstumsqualität ist.

Drittens muss man die langfristige Entwicklung

im Blick haben. Obwohl China

bereits zur weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft

geworden ist, befindet sich

Chinas Pro-Kopf-Einkommen global gesehen

noch immer auf mittlerem Niveau,

dies an sich ist ein Defizit und zugleich

Potential. Insbesondere in Zentral- und

Westchina gibt es noch riesige Spiel- und

Manövrierräume.

China treibt derzeit seine Industrialisierung

und Urbanisierung voran,

seine Reformkräfte sind stark, bei der

Inlandsnachfrage gibt es Spielraum, die

Entwicklung besitzt Elastizität, bei der

Innovation kennt man die richtige Vorgehensweise,

und die seit langem positiven

Basisdaten der chinesischen Wirtschaft

haben sich nicht geändert und werden

sich auch nicht ändern.

Natürlich sehen wir auch, dass die chinesische

Wirtschaft bereits tiefgehend

in die globale Wirtschaft integriert ist.

Nehmen die Faktoren der globalen Instabilität

und Unsicherheit zu, dann wird

Chinas Wirtschaft davon zwangsläufig

beeinflusst oder sogar stark getroffen

werden. Gleichzeitig werden tiefgreifende

strukturelle Widersprüche im Inland

sichtbar, der Abwärtsdruck der Wirtschaft

ist groß, der Prozess der Transformation

und des Upgradings verläuft

notwendigerweise unter Schmerzen,

insbesondere haben Unternehmen aus einigen

Branchen Schwierigkeiten bei der

Produktion und beim Betrieb.

Wir weichen den Schwierigkeiten nicht

aus und sind uns über die Kernpunkte

der Schwierigkeiten im Klaren. Wir

werden uns anhand der neuen Entwicklungsphilosophie

von Innovation,

Abgestimmtheit, Ökologie, Öffnung

und gemeinsamer Nutznießung auf das

Vorantreiben struktureller Reformen

konzentrieren, insbesondere solcher auf

Angebotsseite. Die vorrangige Aufgabe

ist das Festhalten an der Entwicklung, es

gilt, ein Entwicklungsmodell zu schaffen,

in der die Wirtschaft stabil ist, ein mittleres

bis hohes Wachstum aufweist und

auf dem Weg hin zu einem mittleren bis

hohen Niveau ist.

Welche Rolle spielte Deutschland

als Handelspartner von China und

welche Rolle könnte Deutschland in

Zukunft einnehmen?

Shi Mingde: Deutschland ist für China

der größte Handelspartner in Europa

und das größte Herkunftsland

für Technologie. Es ist auch eines der

Länder mit den größten Direktinvestitionen

in China. Im letzten Jahr betrug

das deutsch-chinesische Handelsvolumen

156,78 Milliarden US-Dollar und

machte damit fast 30% des gesamten

China-EU-Handels aus, es betrug

das Zwei- bis Dreifache des Handels

zwischen China und Großbritannien

oder zwischen China und Frankreich.

Gleichzeitig ist China für Deutschland

der größte Handelspartner in Asien

und der viertgrößte weltweit. Die

Wirtschaft zwischen Deutschland und

China ist schon lange eng miteinander

verwoben, verbindet man die Stärken

der beiden Länder, dann tun sich unbegrenzte

Möglichkeiten der Kooperation

und des gemeinsamen Gewinnens auf.

China und Deutschland müssen die

Chance ergreifen und schwerpunktmäßig

die Kooperation in folgenden Bereichen

vorantreiben: Im Rahmen des

„Aktionsrahmens für die deutsch-chinesische

Zusammenarbeit“ und der Innovations-

Partnerschaftsbeziehungen

umfassend die konkrete Kooperation

beider Seiten auf allen Gebieten verstärken,

insbesondere die tiefgehende

Koppelung von „Made in China 2025“

und der deutschen Strategie „Industrie

4.0“.

Zweitens sollte Chinas Strategie „Ein

Gürtel, eine Straße“ voll genutzt werden.

China und Deutschland befinden

sich jeweils an den beiden Enden des

Wirtschaftsgürtels Seidenstraße, sie

sind jeweils die größten Volkswirtschaften

in ihrer Region. Beide Seiten

können im Rahmen der Initiative von

„Ein Gürtel, eine Straße“ ihre Kooperation

verstärken, gleichzeitig können sie

in den Regionen Zentralasiens sowie

Zentral- und Osteuropas Kooperationen

mit Dritten anstreben.

Drittens: In vollem Maß die Kooperationschancen

nutzen, die von Chinas

ökologischer Entwicklung ausgehen.

Chinas Bedarf an Umwelttechnologie

wird während des 13. Fünfjahres-Programms

weiter steigen. Deutschland ist

bei Energieeinsparung, Umweltschutz

und ökologischer Entwicklung weltweit

führend. In vielen Bereichen wie

Müll und Abwasser, energiesparendes

Bauen, Elektroautos und ökologische

Landwirtschaft können die Unternehmen

beider Seiten zum beiderseitigen

Nutzen zusammenarbeiten.

Der Entwurf für das 13. Fünf-Jahres-Programm

sieht eine Beschleunigung

der Reformen des Finanzsystems

vor. Welche Erfolge hat die

Zusammenarbeit zwischen China

und Deutschland auf dem Gebiet

der Finanzen bisher aufzuweisen?

Shi Mingde: Im Aktionsrahmen für die

deutsch-chinesische Zusammenarbeit

von 2014 findet sich bereits festgelegt,

dass China und Deutschland einen

hochrangigen Finanzdialog führen. Im

vergangenen Jahr ist der stellvertretende

Ministerpräsident Ma Kai nach

Deutschland gereist, um diesen Dialog

hier aufzunehmen. Beide Seiten verabschiedeten

eine gemeinsame Erklärung

mit 21 getroffenen Vereinbarungen,

von denen viele bereits umgesetzt wurden.

So hat zum Beispiel die von der

Shanghaier Börse, der China Financial

Futures Exchange sowie der Deutschen

Börse gemeinschaftlich gegründete

China Europe International Exchange

(CEINEX) bereits im vergangenen

November in Frankfurt ihre Arbeit

aufgenommen. Die Mechanismen des

RMB-Clearing in Frankfurt funktionieren

vorzüglich, und Deutschland steht

davor, Obligationen in Renminbi auszugeben.

Außerdem unterstützt Deutschland

die Aufnahme des Renminbi in

den Korb der Sonderziehungsrechte

des Internationalen Währungsfonds.

Deutschland bestärkt China beim Aufbau

der Asiatischen Infrastruktur- und

Investitionsbank (AIIB) und ist mit

einem Anteil von 4,7% zu ihrem kapitalkräftigsten

Mitgliedsland von außerhalb

Asiens geworden. Im Bereich

des Finanzwesens gibt es zwischen

China und Deutschland eine ständige

Kommunikation und Abstimmung, und

selbst wenn zur Zeit einige Mechanismen

der Kooperation gerade erst ihre

Arbeit aufgenommen haben und sich

noch in der Aufbauphase befinden, ist

die Lage doch bestens und verspricht

für beide Seiten Gewinn.

An welcher Stelle des wirtschaftlichen

Lebens können Deutschland

und China voneinander lernen?

Shi Mingde: Deutsche Unternehmen

lassen sich in ihrem Handeln von einem

Geist der Gewissenhaftigkeit, der

Glaubwürdigkeit, der Aufmerksamkeit

und des handwerklichen Geschicks leiten.

Zahlreiche mittlere und kleine Unternehmen

schaffen es immer wieder,

allein auf Grundlage eines einzelnen

Produkts zum heimlichen Weltmarktführer

zu werden und eine marktbeherrschende

Position einzunehmen.

Ihre Überlegenheit beruht auf der Betonung

von Innovation sowie Forschung

und Entwicklung in den Betrieben, die

Produkte sind nicht ohne weiteres austauschbar.

Das zweigleisige System der

Berufsausbildung versorgt die Betriebe

mit ausreichend Technikern, die über

die Fähigkeit verfügen, die Ergebnisse

der wissenschaftlichen Forschungen

in Produkte von hohem Mehrwert

umzusetzen. Außerdem verfügen die

deutsche Wirtschaft und Gesellschaft

über ein effektives System zur Beaufsichtigung

und Kontrolle der Qualität

und Reputation. Die Mechanismen der

jeweiligen Industrie- und Handelskammern

sind ausgereift und tatsächlich

in der Lage, ihre Unternehmen zu beraten,

ihnen Dienstleistungen anzubieten

sowie die Rechte und Interessen

der Firmen effektiv zu schützen, was

der internationalen Wettbewerbsfähigkeit

dieser Unternehmen sehr zugutekommt.

Die chinesischen Unternehmen

verfügen über eine ausgeprägte Fähigkeit,

auf die Bedürfnisse des Marktes

und der Kunden einzugehen, sie sind

kurzfristig lieferfähig, der Grad ihrer

Verknüpfung mit den internationalen

Märkten ist hoch, und sie wissen auch

Durst-strecken zu überwinden. In einer

Zeit, in der die Daten immer stärker das

wirtschaftliche Leben bestimmen, zeigen

sich die chinesischen Firmen und

Verbraucher angesichts dieser neuen

Dinge aufgeschlossen, die Akzeptanz

dafür ist relativ hoch, was die Verbrei-

SHI MINGDE







-











-






!derivate MAGAZIN 01/2016


24

! INTERVIEW

! ZERTIFIKATE 25

tung und den Einsatz digitalisierter

Produkte von Vorteil ist. Der unglaubliche

Boom des Online-Handels ist ein

Beleg hierfür. Daher werden die Unternehmen

beider Seiten auf den internationalen

Märkten erfolgreich agieren,

wenn sie ihre Zusammenarbeit zum

wechselseitigen Vorteil verstärken und

ihnen der Brückenschlag zwischen

deutscher Qualität und chinesischem

Tempo gelingt.

Welche Branchen haben in China

die besten Erfolgsaussichten? Was

könnte der nächste chinesische

Exportschlager werden?

Shi Mingde: In den 30 Jahren seit Beginn

der Reform- und Öffnungspolitik

haben sich sämtliche Branchen rasant

entwickelt, doch finden sich darunter

auch einige Sparten und Produkte, denen

es an innerer Dynamik fehlt und

denen eine wirkliche Wettbewerbsfähigkeit

auf dem Markt abgeht. Die

chinesische Regierung setzt sich aktiv

für strukturelle Reformen ein, um neue

Energien freizusetzen und eine neue

Wirtschaft zu entwickeln, in der ausgehend

von der Erhöhung der Qualität des

Angebots die Hochwertigkeit des Angebots

ausgebaut und die Effektivität des

Angebots ausgeweitet wird sowie der

Wettbewerb an sich voll zur Geltung

kommt. Zukünftig werden High-Tec-Industrien

sowie moderne Dienstleistungen

die Sparten mit den günstigsten

Entwicklungsperspektiven sein.

Ähnlich verhält es sich mit dem Export.

Auch wenn China sich auf der Grundlage

des „Made in China“ den Ruf einer

„Werkbank der Welt“ erworben und den

Platz der weltweit größten Handelsnation

errungen hat, gibt der chinesische

Außenhandel doch eher ein Bild ab,

das zwar von Größe, nicht aber von

Stärke zeugt. Wir müssen das „Made

in China“ etablieren und dafür sorgen,

dass die chinesischen Exportprodukte

wettbewerbsfähig bleiben. In den letzten

Jahren sind für China kapital- und

technikintensive Maschinen- und Elektronikteile

zu den größten Exportrennern

geworden, und auch in Zeiten der

weltweiten Flaute im Handel konnte

der Export sein Wachstum beibehalten.

Des weiteren bleibt Chinas Export

nicht allein auf den Warenhandel beschränkt,

denn während es den Handel

mit traditionellen Dienstleistungen wie

Transport und Tourismus festigt, bemüht

es sich um die Ausweitung des

Exports von neuartigen Dienstleistungen

wie Kultur, chinesische Medizin

und Pharmazie sowie Software und Datenverarbeitung.

China wird Produkte

wie den Anlagenbau an den Trend zum

„Go global!“ anpassen und nach Kräften

den Export von Dienstleistungen

für die damit verbundenen Bereiche

wie Finanzen, Versicherungen, Logistik

und Instandhaltung ausbauen, um

so die enge Verknüpfung des Handels

mit Dienstleistungen mit dem Handel

von Waren wie auch den Auslandsinvestitionen

mitsamt den entsprechenden

Synergieeffekten zu erreichen.

Welche Produkte aus Deutschland

sind in China besonders gefragt?

Was würden Sie einem deutschen

Unternehmer raten, der in oder mit

China Geschäfte machen möchte

und wie lautet aus Ihrer Sicht das

Rezept, um im chinesischen Markt

erfolgreich zu sein?

Shi Mingde: Was deutsche Unternehmen

für die Entwicklung der Zusammenarbeit

in Wirtschaft und Handel

mit China am meisten benötigen, sind

immer noch strategisches Urteilsvermögen

und Mut. Diese beiden Dinge

waren auch der Grund für die gewaltigen

Erfolge, die deutsche Firmen in

den vergangenen 30 Jahren in China

erzielt haben. Zur Zeit ist nicht nur das

Konsumpotenzial sehr groß, sondern

die Aufwertung des Konsums ist unter

den gegebenen Umständen geradezu

zwangsläufig, woraus sich für deutsche

Produkte und deutsche Technik ein

ausgesprochen großer Marktspielraum

ergibt. Im Jahre 2015 lebten in China

56,1% der Einwohner beständig in Städten;

in entwickelten Ländern liegt diese

Quote häufig bei über 80%. Der Anteil

an dauerhaften Gütern pro Kopf sowie

das Niveau der Infrastruktur und der

öffentlichen Dienstleistungen fallen in

China noch recht weit hinter den entwickelten

Ländern zurück. Im Jahre 2015

besaßen rund 100 von tausend Chinesen

ein Privatauto, während diese Zahl

in Amerika und Japan im Jahre 2012

bei 781 bzw. 593 lag. Als ein großes

Erzeugerland liegt China bei weltweit

gut 500 Industrieartikeln mit mehr als

220 Produkten mengenmäßig in der

Welt an der Spitze, doch recht gravierend

ist das Phänomen, dass Angebot

und Nachfrage nicht austariert sind,

so dass bei einem Teil der traditionellen

Branchen Überkapazitäten herrschen,

während anderseits in aufstrebenden

Bereichen das Angebot recht

unzureichend ausfällt. Dass 2015 die

Ausgaben chinesischer Touristen im

Ausland 1,2 Billionen Yuan überstiegen

haben, zeigt, dass das inländische

Angebot unmöglich mit den steigenden

Ansprüchen der Verbraucher Schritt

halten kann. Für die Zukunft hat China

bei Service und Konsum einen großen

Nachholbedarf, und zwar in der

Qualität der Produkte, der Einhaltung

und Überwachung von Standards, in

Konsum und Umwelt, besonders aber

in der Kranken- und Altenfürsorge

und im Gesundheitswesen. Die Regierung

wird ausländischen Unternehmen

einen noch besseren Zugang zu den

Märkten sowie ein noch besseres rechtliches

Umfeld bieten in der Hoffnung,

dass deutsche Unternehmen die neu

sich bietenden historischen Chancen

auch ergreifen.

Vielen Dank Herr Botschafter Mingde.

Das Interview führte Marcus Kapust

Mit Express-Zertifikaten der

Zinsfalle entkommen

Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat sich in diesem Jahr noch einmal verschärft.

Magere Zinsen sollen der Weltwirtschaft auf die Beine helfen, erschweren es Investoren


Strategie, um höhere Renditen zu ergattern.

Das vollständige Interview kann

unter www.derivate-magazin.de

nachgelesen werden.

!derivate MAGAZIN 01/2016


26

! ZERTIFIKATE

! ZERTIFIKATE 27

EZB-Chef Mario Draghi drückt aufs


Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone

waren so enttäuschend, dass die

europäische Zentralbank (EZB) mit

drastischen Maßnahmen gegensteuert.

Der europäische Leitzins

wurde auf null gesenkt, eine Aufstockung

des Anleihekaufprogramms

beschlossen und der Strafzins für

Bankeinlagen erhöht. Der Erfolg

dieser expansiven Geldpolitik ist

zwar umstritten, aber Investoren

können ihr nur schwer entkommen,

da weltweit ein Trend zu sinkenden

Zinsen besteht. Selbst langlaufende

zehnjährige Bundesanleihen werfen

derzeit keine 0,20 Prozent Rendite ab.

Gleichzeitig ist die Volatilität deutlich angestiegen.

Sowohl am Aktien- als auch am Anleihemarkt

schwanken die Kurse seit dem

vergangenen Jahr deutlich kräftiger als in den

Vorjahren. In diesem Volatilitätsumfeld wer-

re

Schwankungsbreite den Papieren zugute

kommt. Das kürzlich von der Société Générale


Euro STOXX 50 bietet aktuell eine Verzinsung

von 5,25 Prozent an, wenn der europäische

Leitindex sich stabil entwickelt.

Kein Zins – Anlagealternativen

gesucht

Ansprechende Zinsen und dennoch defensiv

ausgerichtet sein – das ist der Grund für


auch die jüngste Marktvolumenstatistik des

Deutschen Derivateverbandes (DDV) zeigt.

Sie nehmen unter den Anlageprodukten den

perte

der Deutschen Bank sieht den Erfolg in

der Chance auf eine schnelle und ansehnliche


dem Anleger im positiven Fall nach wenigen

Monaten eine attraktive Rückzahlung, selbst

wenn die Märkte stillstehen sollten. In Seit-


durchaus eine clevere Alternative zu einem

Direktinvestment in einer Aktie sein“.

Der Kupon, also die Gewinne der Express-Zer-

markt

ab, weil der zugrundeliegende Basiswert

meist eine Aktie oder ein Index ist. Gleichzeitig

mildern die eingebauten Sicherungsmechanismen

die Aktienmarktrisiken ab, weshalb die


Anleihen liegen. Charakteristisch ist außerdem

die schnelle Renditechance, da Express-Zer-


Anlegers gekündigt werden können.

So funktioniert‘s

Eigentlich ist die Familie der Express-Papiere

ein Anlageinstrument für den langfristigen

Anleger. Die Laufzeiten können nämlich

mehrere Jahre betragen. Entwickeln sich die

Aktie oder der Index aber stabil, kann es zur

vorzeitigen Rückzahlung zu einem vorher

festgelegten Zinskupon und Nennbetrag (oft

100 Euro) kommen. Hierzu muss zu bestimm-


Rückzahlungsschwelle, auch Tilgungsschwelle

genannt, mindestens erreicht werden, andernfalls

läuft das Papier bis zum nächsten

Bewertungstag weiter. Die Schwelle, die über

Rückzahlung oder Weitermachen entscheidet,

entspricht meist dem aktuellen Kurs des


Bewertungstage sind meist im ein- oder halbjährlichen

Rhythmus festgelegt und an jedem

einzelnen Termin besteht wieder die Chance

auf eine vorzeitige Rückzahlung von Nennbetrag

und Kupon, der nun kumuliert wird. Der

Rückzahlungsbetrag wird also in der Grundva-


um den Kupon größer.

Am letzten Bewertungstag zum Laufzeitende

entscheidet nicht die Rückzahlungsschwelle,

sondern eine Barriere über Rückzahlung


wertkurs

festgelegt. Erst wenn die Barriere zu

diesem letzten Stichtag unterschritten wird,

entstehen Verluste in Höhe der negativen Per-


haben also mehrere Nebenbedingungen und

genau hier setzen die Unterschiede an.

Für jeden Geschmack ist

etwas dabei

Ein Ansatzpunkt ist der Kupon, der je nach

Ausgestaltung auch gesichert sein kann, also

unbedingt ausgezahlt wird, unabhängig von

der Rückzahlungsmöglichkeit. Diese Sicherheit

hat aber ihren Preis. Die Kupons dieser

Varianten fallen meist geringer aus als bei

anderen. Außerdem kann bei bestimmten

re

nicht allein zur Fälligkeit aktiviert werden,

sondern für die ganze Laufzeit - so konzipiert

beim Papier der Credit Suisse (siehe Tabelle).

Eine andere Variante besteht in der Veränderung

der Rückzahlungsschwellen während


Bank, Credit Suisse und Commerzbank haben

fallende Schwellen, die von einem Termin auf

den nächsten um 5 bis 10 Prozent sinken. Der

Vorteil liegt auf der Hand: Die Rückzahlungswahrscheinlichkeit

nimmt zu.

Partizipation und Memory

Und manche Expressvarianten bieten sogar

eine moderate Partizipation an der Wertentwicklung

des Basiswerts. Ein Beispiel hierfür


auf den Euro STOXX 50 von HVB Onemarkets,

AUSGEWÄHLTE ANLAGEZERTIFIKATE

Produktbezeichnung

das im vergangenen Jahr den Publikumspreis


Zum Nennbetrag kann entweder der vorgesehene

Zinskupon von 3,4 Prozent p.a. ergattert

werden oder die Indexperformance, wenn sie

höher ausfällt. Klettert der Euro STOXX 50

vom Ausgangsniveau von rund 3.442 Punkten

um 20 Prozent nach oben, erzielen Anleger

120 Euro.

Der Vergleich von Indexperformance und Kuponzahlung

gilt an jedem der vorgesehenen

Bewertungstage. Sollte es nicht zu einer vorzeitigen

Rückzahlung kommen, schützt am

Laufzeitende im Juni 2020 eine Barriere bei

rund 2.237 Punkten wenigstens den Nominalbetrag.

Fällt der Index unter dieses Niveau,

schlagen sich die Verluste allerdings 1:1 im


einer positiven Aktienmarktentwicklung höhere

Erträge als bei herkömmlichen Express-Zer-


der Euro STOXX 50 allerdings schon mehr als

zehn Prozent zulegen, um sein Ausgangsniveau

wieder zu erreichen. Für die Aufholjagd

haben Anleger aber noch eine Menge Zeit.

Eine andere Variante sind die sehr beliebten


Kuponzahlungen zu jedem Bewertungstag

Emittent Basiswert WKN Nächster

Bewertungstag

Finaler

Bewertungstag

nachgeholt werden können, eben erinnert

werden. Wird eine unterhalb der Rückzahlungsschwelle

liegende Memory-Schwelle an

einem Bewertungstag nicht verletzt, bekommen

Anleger direkt den Zinskupon ausgezahlt

und können ausgefallene Zinszahlungen


haben Anleger die Chance, den vorgesehenen

Zinskupon auch dann zu erhalten, wenn

es nicht zu einer vorzeitigen Rückzahlung

kommt“, erklärt Derivateexperte Peter Bösenberg

von der Société Générale die Vorzüge

dieser Papiere. Am Laufzeitende muss der

Schlusskurs des Basiswerts auf oder über der

Memory-Barriere liegen, um den Nennbetrag

plus Kupon und gegebenenfalls ausgefallene

Kupons zu bekommen.


defensive Alternative zu einem Engagement

am Aktien- oder Rentenmarkt. Auch während

der Laufzeit bestätigen sich diese Charaktereigenschaften:

In moderat fallenden Börsen

verlieren sie üblicherweise weniger als der Basiswert

selbst, dafür fällt der Gewinn bei Kurszuwächsen

schwächer aus als im Basiswert

selbst. An den Bewertungstagen kann dann die

Belohnung erfolgen und mehr als die marktüblichen

Tagesgeldzinsen ist allemal drin.

Benjamin Feingold

Kupon

in %

Commerzbank Lufthansa CZ35NJ 10.05.16 08.05.19 6,50

(kumulierend)

Fixed Kupon


Credit Suisse Euro STOXX 50 CS8A92 17.03.17 27.03.21 2,50

(unbedingt)

Deutsche Bank Allianz DB2GZG 16.09.16 18.09.20 6,40

(kumulierend)

Best


Memory


HVB Onemarkets Euro STOXX 50 HVB1XY 30.06.16 07.07.20 3,40

(kumulierend)

Société Générale Euro STOXX 50 SE3W70 06.02.17 04.02.21 5,25

(Memory)

Anmerkungen: 1) kontinuierliche Barriere bei 2.191,032

Nächste

Rückzahlungsschwelle

15,93 Euro

(fallend)

3.043,10 Punkte

(fallend)

142,15 Euro

(fallend)

3.441,76 Punkte

(konstant)

2.870 Punkte

(konstant)

Barriere bei

Fälligkeit

10,62 Euro

2434,48 Punkte 1

85,29 Euro

2.237,144 Punkte

1.865,50 Euro

(Memory)

Quelle: Derivate Magazin

!derivate MAGAZIN 01/2016


28

! DERIVATE

29

DER DDV

Institution für Standards und

Anlegerschutz bei strukturierten Wertpapieren

Mitte Februar wurde der Deutsche Derivate Verband in London bereits zum dritten Mal in Folge mit dem

Preis für den besten Verband für strukturierte Produkte in Europa ausgezeichnet. Entscheidend für die

Vergabe der Awards waren die Ergebnisse einer Umfrage, die ein Finanzportal europaweit bei mehr als 1.200

institutionellen Investoren und Unternehmen der Finanzbranche wie Banken, Börsen, Indexanbietern und

Wirtschaftskanzleien durchgeführt hatte.

Christian Vollmuth

(links), Leiter der

Geschäftsstelle Berlin,

und Lars Brandau,

Leiter der Geschäftsstelle

Frankfurt, auf

der Preisverleihung in

London.

Mit dieser Ehrung wurde grenzübergreifend anerkannt,

dass der DDV mit seinen Themen und seiner Arbeit international

großes Vertrauen genießt. Die zahlreichen

Initiativen und Bestrebungen des Verbands dienen unter

anderem dazu, wegweisende europäische Standards zu

setzen und damit den Weg für eine noch breitere Akzeptanz

strukturierter Wertpapiere bei Privatanlegern zu

ebnen. So zumindest hieß es in der Laudatio.

Das klingt sicher sehr schön und schmeichelhaft. Interessanter

aber ist, hinter die Kulissen zu schauen. Wofür

steht der DDV ein und inwieweit ist er Impulsgeber für die

Branche? Das lässt sich nicht in einem Satz beschreiben,

da es sicher die Bündelung sehr vieler Initiativen und

Maßnahmen ist, die am Ende zusammenkommen und

eine erfolgreiche Interessenvertretung ausmachen.

Der Startschuss hierzu fiel im Februar 2008, also zu einer

Zeit, als es an den Märkten zwar schon brodelte, aber

für den Endanleger im Grunde noch alles intakt schien.

Nur wenige Monate nach Gründung des DDV ging jedoch

Lehman Brothers pleite und eine gesamte Branche geriet

fälschlicherweise in Verruf. In nur wenigen Tagen wurden

die Aufbauarbeit und die Reputation einer jungen

aufstrebenden Branche mehr als nur infrage gestellt – sie

wurde zerstört.

Insofern begann die Aufbauarbeit des DDV quasi in den

Trümmern und zeitgleich mit dem vielbeschworenen

Ende der Zertifikate-Industrie. Auch wenn acht Jahre

später die Welt anders ausschaut, die Finanzkriese hinter

uns liegt, so sind doch nach wie vor viele Menschen mit

den veränderten Rahmenbedingungen beschäftigt. Es

wird mitunter heftig über Sinn und Unsinn von zu viel

und zu wenig Regulierung und Transparenz gestritten.

Übersichtlich, klar und eindeutig

In dieser Gemengelage ist es wichtig, Position zu beziehen.

So tritt der DDV für Klarheit, sowohl im Bereich der

regulatorischen Standards als auch bei Themen, die den

Anlegerschutz betreffen, ein. Wir vermitteln Positionen

und machen uns im Interesse der Anleger für klare, eindeutige

Regeln stark.

Das zeigt sich zum Beispiel bei einer einfach strukturierten

Produktklassifizierung. Die Derivate-Liga ist für

jedermann verständlich aufbereitet und informiert in

übersichtlicher Form über die einzelnen Anlage-Zertifikate

und Hebelprodukte.

Darüber hinaus gibt es den Fairness-Kodex,

den der Verband in Zusammenarbeit mit seinen

Mitgliedern erstellt hat. In ihm sind für

die Emittenten selbstverpflichtend und über

die gesetzlichen Vorgaben hinaus die wichtigsten

Regeln festgelegt. An diesen Kodex

halten sich übrigens nicht nur die Mitglieder

des Deutschen Derivate Verbands, sondern

auch weitere Emittenten.

Ansonsten ist die Arbeit geprägt von zahlreichen

Initiativen, die dem Zertifikate-Anleger

direkt helfen. Dabei handelt es sich vom

Sparplan-Rechner über die Risiko-App, eine

Checkliste für Anleger oder eine dreistufige

Zertifikate-Schulung bis hin zu Publikationen

und DVDs die über die Webseite kostenlos

bestellt werden können.

Insofern ist der DDV sehr aktiv unterwegs

und engagiert, in Deutschland ein Stück weit

Wertpapierkultur zu implementieren. Und

wenn es um die Finanzanlage geht, führt

für Privatanleger im Grunde genommen kein

Weg an strukturierten Wertpapieren vorbei.


Das war nicht immer so. Wer noch in den

80er Jahren als Privatanleger unkompliziert

sein Depot absichern oder von seitwärts laufenden

oder fallenden Märkten profitieren

wollte, der hatte leider das Nachsehen. Teilhaben

an der Wertentwicklung des DAX, ohne

dessen Einzelwerte kaufen zu müssen? Auf

einfachem Weg in Gold, Silber oder Öl investieren?

Kostengünstig von der Entwicklung

ausländischer Märkte profitieren? Fehlanzeige.

Das war nur etwas für Profianleger.

Doch dann wurden im Jahr 1990 die ersten

Zertifikate entwickelt. Sie revolutionierten

die Anlagemöglichkeiten für private Anleger.

In den ersten Monaten des laufenden Jahres

ist den Anlegern bereits einiges abverlangt

worden. In hektischen Marktphasen nicht in

Panik zu geraten, sondern stattdessen Ruhe

zu bewahren, gehört zu den beliebten Börsenregeln.

Der jüngste Abverkauf an den Aktienmärkten

hat viele Anleger zumindest vorübergehend

in Angst und Schrecken versetzt. Viele

Skeptiker der Direktanlage in Aktien sehen

sich in ihren Bedenken bestätigt.

Gerade im aktuellen Umfeld spielen strukturierte

Wertpapiere aus verschiedenen Gründen

ihre Stärken in der Portfolio-Allokation

aus. Gegenwärtig sieht es eben nicht danach

aus, als wenn wir schnell wieder in ruhigeren

Anlagegewässern treiben werden. Das

Angstbarometer Volatilität bleibt den Marktteilnehmern

erhalten.

In der Produktvielfalt des Zertifikate-Universums

liegt der Schlüssel zum Erfolg,

um auch in diesen unsteten Zeiten positive

Erträge zu generieren. Je nach Chance-Risiko-Neigung

und Anlagehorizont lassen sich

im Grunde genommen in jeder Marktphase

Renditen erzielen. Ob ganz traditionell mit

100-prozentigem Kapitalschutz oder als

Teilschutz-Produkt: Der Anleger findet eine

für ihn passende Produktlösung, mit der er

entweder etwas mehr oder weniger Risiko in

seinem Depot unterbringen kann.

Gut ausgebildete selbstentscheidende Anleger

werden zudem im wachsenden Segment

der Hebelprodukte fündig. So lassen sich Hebelprodukte

unter anderem strategisch einsetzen,

um beispielsweise Aktienportfolios

abzusichern und vor möglichen Verlusten

in bestimmten Positionen zu schützen. Für

deren Einsatz sollten Anleger jedoch die speziellen

Eigenschaften beziehungsweise die

Funktionsweise der Finanzinstrumente sehr

genau kennen und verinnerlicht haben.

Strukturierte Wertpapiere sind ein ideales

Anlagevehikel nicht nur im schwankungsintensiven

Umfeld. Sie können sowohl für

kurz-, mittel- und/oder langfristig ausgerichtete

Anleger einen renditestarken Weg aus

dem Anlagedilemma ebnen.

Der DDV steht dabei für klare Regeln in

transparenten Märkten an der Seite der Anleger.

Lars Brandau

LARS BRANDAU (50) ist seit

Gründung des Deutschen Derivate

Verbands (DDV) Geschäftsführer und

vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen

des europäischen Dachverbands

EUSIPA.

Der studierte Germanist und Politologe

gilt als ausgewiesener Kommu-


anderem in verschiedenen leitenden

Funktionen beim Nachrichtensender

n-tv, zuletzt als Chefmoderator. In


aus Kriegs- und Krisengebieten, kommentierte

zahlreiche Landtags- und

Bundestagswahlen und moderierte

drei Jahre lang die Telebörse.

AUFGABEN UND ZIELE

DES DDV

Der Deutsche Derivate Verband

(DDV) ist die Branchenvertretung

der 15 führenden Emittenten

derivativer Wertpapiere in

Deutschland, die mehr als 90

temarkts

repräsentieren. Darüber

hinaus unterstützen weitere 12

Fördermitglieder die Arbeit des

Branchenverbands.

Seit seiner Gründung im Jahr

2008 erarbeitet der DDV verbindliche

Standards für die Industrie.


zählen auch die Bildung und

Aufklärungsarbeit. Strukturierte

Produkte werden einer breiteren


unter anderem auf der Webseite

des Verbands.

www.derivateverband.de

!derivate MAGAZIN 01/2016


30

! FINANZSERVICE

31

Sparbuch

Früher war Sparen mit dem Festgeldkonto oder

mit Bundesanleihen einfach. Heute müssen höhere

Risiken eingegangen und Aktien oder gemanagte

Fonds in Betracht gezogen werden.

adé

Wer spart, zahlt drauf im neuen Zeitalter der Nullzinsen.

Dividendenstarke Aktien bieten eine lukrative

Alternative. Doch hier knabbern Order- und Depotkosten

an der Rendite. Das Derivate Magazin hat

die Konditionen der Online-Banken unter die Lupe

genommen.

Früher war Sparen so einfach: Das Geld kam aufs Festgeldkonto

oder wurde in Bundesanleihen angelegt. Beides

war absolut sicher – und brachte ordentliche Zinsen

von drei, vier oder noch mehr Prozent.

Längst haben sich die Zeiten geändert. Heute gleichen

Zinsen im Promille-Bereich nicht einmal mehr die Geldentwertung

aus. Da auch Bundesanleihen mit zehn Jahren

Laufzeit weniger als 0,2 Prozent abwerfen, bleibt

die bittere Einsicht für jeden Sparer: Wo früher sichere

Renditen lockten, herrscht heute Ebbe. Und ein Ende der

Zinsdiät ist nicht absehbar. Erst Mitte März hat die Europäische

Zentralbank mit der Senkung der Leitzinsen auf

das Rekordtief von null einmal mehr deutlich gemacht,

wohin die Reise geht. Wirklich glücklich damit werden

wohl nur Häuslebauer.

Wer mehr aus seinem Ersparten machen möchte und bereit

ist ein höheres Risiko einzugehen, sollte sich nach

anderen Möglichkeiten wie etwa Aktien oder gemanagten

Fonds umschauen. Zunehmender Beliebtheit erfreuen

sich auch börsengehandelte Indexfonds, die ganze Börsenbarometer

wie den DAX nachbilden und sich genauso

entwickeln. Mit Gebühren von 0,15 Prozent im Jahr sind

sie deutlich günstiger als traditionelle Fonds.

Der Nachholbedarf in Sachen Wertpapiersparen ist immens.

Hierzulande ist der Aktienhandel längst nicht so

stark etabliert wie in anderen Ländern. Viele Bundesbürger

befassen sich nicht gerne mit Finanzthemen, einige

finden es sogar lästig. Nur 14 Prozent der Deutschen investieren

aktuell in Aktienanlagen. „Bundesbürger sind

nach wie vor leider sehr skeptisch“, kommentiert Hauke

Stars, Vorstandsmitglied der Deutsche Börse AG. Doch

sieht sie einen Lichtblick: „Immerhin ist nach einer Studie

des Deutschen Aktieninstituts die Zahl der Aktionäre

und Aktienfondsanleger im letzten Jahr um 560.000 gestiegen.“

DICKE DIVIDENDEN

„Niemand sollte sich in den Zeiten der abgeschafften Guthabenzinsen

enteignet fühlen, sondern beherzt und aktiv

handeln“, ruft denn auch Geldanlage-Buchautorin Beate

Sander zum Umdenken auf. „Weg von der schleichenden

Kapitalvernichtung hin zu fair bewerteten, zukunftsträchtigen

Aktien.“

Deutsche Aktien haben im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte

zwischen sieben und acht Prozent Rendite im Jahr

vor Steuern abgeworfen. Jenseits der Grenzen war mit Dividendentitel

sogar zwischen acht und zehn Prozent zu

verdienen. In diesem Jahr sind die Ausschüttungen der

deutschen Aktiengesellschaften so hoch wie nie zuvor.

Allein die 30 größten Gesellschaften werden ihren Aktionären

ca. 29,2 Milliarden Euro an Dividenden ausschütten,

hat die Commerzbank ausgerechnet. Unterm Strich

wirft der DAX damit etwa drei Prozent ab.

Wer Wertpapiere handeln will, sollte zunächst die Angebote

der Banken prüfen. Neben dem Umfang des Angebots

entscheidet in erster Linie der Preis. Vergleichsweise

günstig präsentieren sich Direktbanken und Onlinebroker,

bei der Anleger allerdings auf die direkte Ansprache

in der Filiale verzichten müssen. Die Kosten setzen sich

aus Provisionen für ihre eigene Dienstleistung und externen

Kosten wie etwa Börsen- oder Maklergebühren

zusammen. Auf letztere haben Finanzdienstleister jedoch

keinen Einfluss.


!derivate MAGAZIN 01/2016


32

! FINANZSERVICE

In manchen Bereichen bieten Direktbanken zwar teils

identische Angebote, doch gibt es auch erhebliche Unterschiede.

Bei einem hohen Handelsvolumen können sich

die Kosten für eine Order teilweise um bis zu 50 Euro

unterscheiden.

„Sicherheitsbedenken sind unbegründet, solange Anleger

achtsam mit ihren Zugangsdaten umgehen“, entwarnt Simeon

Gentscheff, Projektleiter für Geldanlagethemen bei

Finanztest. Doch sollten sie auf der Hut vor so genannten

Phishing-Mails sein. „Damit gehen Gauner im Internet

auf Passwortfang“, weiß der Experte.

Wichtig ist, das Angebot der unterschiedlichen Anbieter

hinsichtlich des individuellen Bedarfs zu hinterfragen. So

punktet etwa die Consorsbank mit einem breiten Angebot

an Wertpapieren, Sparplänen und mobilen Handelsmöglichkeiten

via Smartphone oder Tablet sowie kostenlosem

Depot und Verrechnungskonto, ohne dass dafür bestimmte

Bedingungen erfüllt werden müssen. Wer hingegen

häufig kaufen und verkaufen will, findet indes deutlich

günstigere Angebote bei den Direktbanken Flatex, Benk

und der Onvista Bank, die einen Pauschalpreis unabhängig

von der Höhe des Anlagebetrags für alle Wertpapierkäufe

und -verkäufe anbieten.

GÜNSTIG UND UNBÜROKRATISCH

Das Derivate Magazin hat die größten und beliebtesten

Online-Broker mit Sitz in Deutschland unter die Lupe genommen,

um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern. Für

eine bessere Vergleichbarkeit haben wir nur die Konditionen

der aktuellen Preisverzeichnisse aufgeführt, befristete

Aktionen und Sonderkonditionen für Vieltrader sind

nicht berücksichtigt.

Ein teures Depot zu kündigen und zu einer preiswerten

Bank zu wechseln oder als Wertpapier-Novize erstmals

in die Welt des Börsenhandels einzutauchen, ist kinderleicht.

Um ein Konto im Internet eröffnen zu können, ist

lediglich ein so genanntes Postident-Verfahren erforderlich.

Nachdem die Bank-Unterlagen eingetroffen sind,

müssen Neukunden damit nur noch in eine Post-Filiale

gehen. Den Rest erledigt dort der freundliche Mitarbeiter

– mit geringem bürokratischen Aufwand und kostenlos.

Christian Euler

Tätigkeitsbereiche

• Steuerstraf- und Wirtschaftsstrafrecht

• Insolvenzstrafrecht

• Zollstrafrecht

• Arzt- und Medizinstrafrecht

• Rechtsbehelfsverfahren vor Finanzämtern

und Finanzgerichten

• Selbstanzeigeberatung

• Beratung bei Betriebsprüfungen

• Abgabenrechtliche Konfliktlösungen

nach Steuerfahndungseingriffen

Die Kanzlei

Rechtsanwalt Dr. Andrew Patzschke ist

als Fachanwalt für Strafrecht und Steuerrecht

ausschließlich auf das Wirtschaftsstrafrecht

und Steuerstrafrecht

spezialisiert. Er ist bundesweit als Verteidiger

und Berater tätig und kann auf

einen umfangreichen Erfahrungsschatz

vor den strafrechtlichen Fachgerichten,

Ermittlungs- und Finanzbehörden

zurückgreifen.

Kontakt

Die Fachkanzlei für Steuerstrafrecht und

Wirtschaftsstrafrecht Berlin Mitte:

Friedrichstraße 200

10117 Berlin

Tel.: +49 30 12096046

Fax.: +49 30 7001431299

Notruf: +49 178 2820432

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www.steuerstrafrecht-patzschke.de

Anbieter Name des Depots Orderkosten Transaktionskosten 1 für eine

Order mit einem Kurswet von

Mindestpreis € Höchstpreis € Kostenberechnung

Kosten 1 für ein Depot mit

28.000 € Kurswert und 20 Orders 2

2.000 € 12.000 € Gesamt davon jährliche

Depotgebühren

1822 direkt Aktiv-Depot 9,90 59,90 0,25 % + 4,95 € 9,95 34,95 239 0

Augsburger Aktienbank Augsburger Service Konto 15,00 75,00 0,30% 15,00 36,00 352 39,90

Benk Depot 6,49 6,49 Pauschale 6,49 6,49 130 0

Comdirect Depot 9,90 59,90 0,25 %+ 4,90 € 9,90 34,90 238 0

Consorsbank Depot 9,95 69,00 0,25 % + 4,95 € 9,95 34,95 239 0

DAB Bank Depot 4,95 29,95 0,25 %3 5,00 29,95 140 0

Deutsche Bank Maxblue Depot 8,90 49,90 0,25% 8,9 30,00 202 0

DKB DKB-Broker 10,00 25,00 2 Preisstufen 4 10,00 25,00 200 0

Ethikbank DepotOnline 17,50 - 5 0,45% 17,50 54,00 438 50

Flatex Depot 5,00 5,00 Pauschale 5,00 5,00 100 0

ING-Diba Direkt-Depot 9,90 59,90 0,25% 9,90 30,00 218 0

NIBC Direct Einfach.Invest 9,90 44,90 0,25 % + 4,90 € 9,90 34,90 238 0

Onvista-Bank 5-EUR-Festpreis-Depot 5,00 5,00 Pauschale 5,00 5,00 100 0

Sparkassen Broker Depot 8,99 54,99 0,25 % + 4,99 € 9,99 34,99 240 0

Volkswagen Bank Direct BörseDirect 9,95 59,95 6 Preisstufen 6 9,95 39,95 279 0

medicure ist ein weltweit arbeitender Dienstleister zur medizinischen Versorgung von Patienten in Zusammenarbeit

mit bekannten Kliniken, Airlines, Banken sowie weiteren internationalen Partnern und

einem exzellenten Concierge Service.


3) Basisprovision; 4) ab einem Ordervolumen von 10.000 Euro gilt der höhere Preis; 5) ab einem Ordervolumen steigt der Preis, z.B. 10.001 bis 15.000 Euro = 39,95 Euro

5) keine Angaben vorhanden 6) ab einem Ordervolumen steigt der Preis, z.B. 10.001 bis 15.000 Euro = 39,95 Euro

Quelle: Finanztest, Derivate Magazin

!derivate MAGAZIN 01/2016

Produktstart Juni 2016

www.medicure-services.com


34

! ETFs

35

Alle Jahre wieder fängt im Frühjahr die geliebte Dividendenzeit an.

Aktionäre können sich dann nicht nur über schöneres Wetter freuen, sondern

auch über einen warmen Geldregen in Form von Gewinnausschüttungen.

Auch den langfristigen Vergleich müssen dividendenstarke Aktien nicht

fürchten. Mit ETFs können Anleger an der Wertentwicklung einfach und

transparent partizipieren.

Die Dividendenjagd

hat begonnen

Mehr als 29 Milliarden Euro bekommen die Aktionäre

von DAX-Unternehmen in diesem Jahr an Dividenden

ausgezahlt. Doch nicht alle können sich freuen. Die Ausfälle

bei der Deutschen Bank, RWE und vermutlich VW

trüben eine ansonsten positive Dividendenbilanz des

deutschen Leitindex. 24 der 30 Mitglieder werden ihre Dividende

für das abgelaufene Geschäftsjahr erhöhen, nur

E.ON kürzt sie. Die Dividendenrendite für den DAX liegt

bei ansehnlichen 2,8 Prozent.

Insbesondere in Zeiten von Null- und Strafzinsen sind die

Dividenden der Unternehmen ein gern gesehener Ertrag.

Auf längere Sicht sind Gewinnausschüttungen aber nicht

nur ein kleines Zubrot, sondern bestimmen wesentlich

den Erfolg einer Aktienanlage. „Dividenden stellen einen

Großteil der Aktienerträge dar. Je nach Aktie können Dividenden

langfristig bis zu 50 Prozent der Wertentwicklung

ausmachen“, erläutert Heike Fürpaß-Peter, Leiterin

des öffentlichen Vertriebs beim ETF-Anbieter Lyxor, die

Bedeutung von Ausschüttungen für die Geldanlage.

Daher ist die Strategie, auf dividendenstarke Aktien zu

setzen, nicht nur im aktuellen Zinsumfeld attraktiv. Allerdings

sind Anleger damit am Aktienmarkt engagiert

und gehen meist ein höheres Risiko ein als etwa beim

Anleihenkauf.

Nicht nur die Dividendenrendite beachten

Auch die Auswahl von dividendenstarken Aktien und damit

die Zusammensetzung von „Dividendenindizes“, die

ETFs zugrunde liegen, bestimmen maßgeblich das Chance-Risikoprofil

von Index und ETF. Allein die Dividendenrendite

ist dabei nicht entscheidend. Das liegt an der Berechnung

der Dividendenrendite. Sie wird im Verhältnis

von Dividende zum Aktienkurs berechnet und so sorgt

entweder eine große Dividendenzahlung oder ein niedriger

Aktienkurs für eine hohe Dividendenrendite. Ein Beispiel:

Bei den Energieversorgern E.ON und RWE hat der

Kursverfall der vergangenen Jahre die Dividendenrendite

stets gut aussehen lassen. Nachhaltig ist diese Form der

Dividendenrendite aber nicht, sondern sehr ungewiss.

Tatsächlich musste RWE die Dividende für 2015 komplett

streichen und bietet nun gar keine Dividendenrendite

mehr an. Bei E.ON sieht es wirtschaftlich nicht viel besser

aus. Auch beim Rivalen haben sinkende Strompreise und

eine mangelnde Neuausrichtung in Richtung erneuerbare

Energien ihren Tribut gefordert. Jahrelang wurde die

Dividende gekürzt und heute liegt sie mit 0,50 Euro um

mehr als 50 Prozent niedriger als im Jahr 2012 als noch

1,10 Euro bezahlt wurden. Auch bei E.ON hat der rasante

Kursverfall eine immer noch attraktive Dividendenrendite

hervorgezaubert – mit 6,1 Prozent ist sie derzeit sogar

die höchste aller DAX-Unternehmen. Dividendenrendite

und Kursentwicklung sind also zwei Seiten einer Medaille.

„Sie müssen sich aber nicht immer konträr entwickeln

wie bei den beiden deutschen Versorgern“, erklärt Michael

Proffe, Chefanalyst vom Börsendienst Proffes Trend

Depot. „In den meisten Fällen zahlen substanzstarke Unternehmen

mit verlässlichen Gewinnen ihren Aktionären

attraktive Dividenden. Eine hohe Dividendenrendite ist in

diesen Fällen auf große und konstante Gewinnausschüttungen

zurückzuführen, so Proffe weiter. Das können

sich aber nur Firmen leisten, deren operatives Geschäft

auch gut läuft und die deshalb entsprechend hohe Gewinne

einfahren. Ansonsten wird die Dividende aus der

Substanz bezahlt, was langfristig nur schwer aufrecht zu

erhalten sein dürfte.

Nachhaltigkeit entscheidend für den

langfristigen Erfolg

Bei der Auswahl eines Dividenden-ETFs sollten Anleger

daher nicht nur die Dividendenrendite für eine Bewertung

zugrunde legen. Daher werden bei vielen Dividendenindizes

noch andere Auswahlkriterien in Betracht

gezogen. Beim Euro STOXX Select Dividend 30, der die

Kursentwicklung der 30 dividendenstärksten Aktien

innerhalb der Euro-Zone abbildet, sind es etwa die fol-

!derivate MAGAZIN 01/2016


36

! ETFs

genden: Konstante oder steigende Dividenden über einen

Zeitraum von fünf Jahren, die Dividendenausschüttung

darf nicht mehr als 60 Prozent des Gewinns ausmachen

und die Aufnahme der dividendenstärksten Aktien aus

verschiedenen Euro-Ländern. Damit soll eine konstante

und maßvolle Dividendenpolitik sowie eine Streuung

über verschiedene Länder erreicht werden. Die Gewichtung

erfolgt nach der jeweiligen Dividendenrendite, ist

aber pro Aktie bei 15 Prozent gedeckelt. Frankreich und

Deutschland stellen mit 50 Prozent die meisten Unternehmen

im Index, bei den Branchen sind Finanzwerte und

Versorger stark vertreten.

DIVIDENDENAUSSCHÜTTUNGEN DER

DAX-UNTERNEHMEN IN MILLIARDEN EURO

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015e

10,2

11,6

10,6

15,8

14,8

Quelle: Geschäftsberichte, Commerzbank

18,6

20,0

23,6

23,0

25,9

27,5

27,7

26,9

28,1

29,5

29,2

Outperformance kann sich sehen lassen

Ähnlich ist auch der „große Bruder“, der STOXX Global

Select Dividend 100, aufgebaut. Nur werden hier die 100

dividendenstärksten Unternehmen aus Europa, Asien/

Pazifik und Nordamerika ausgewählt. US-Werte sind

mit rund 21 Prozent am stärksten vertreten. Auch hier

nehmen Finanzwerte und Versorger den größten Branchenanteil

ein. Mit einer Performance von minus 8 beziehungsweise

minus knapp 7 Prozent haben beide Dividendenindizes

in den vergangenen 12 Monaten eine

deutliche Outperformance zum Euro STOXX 50 geschafft,

der rund 18 Prozent eingebüßt hat.

Ein Dividenden-ETF der etwas anderen Art ist der Quality

Income-ETF von Lyxor. Hier sind im Gegensatz zu den anderen

beiden Indizes keine Finanzdienstleister enthalten.

Die infrage kommenden Aktien müssen einen Großteil

ihrer Performance mit Dividendenerträgen erwirtschaftet

haben, gleichzeitig müssen die Unternehmen operativ

effizient und profitabel sein sowie eine starke Bilanz

vorweisen können. Außerdem dürfen sie nicht zu klein

sein, eine Marktkapitalisierung von drei Milliarden USD

ist die Minimumgröße. Die meisten Aktien stammen aus

Australien (21 Prozent), zusammen mit den Aktien aus

den USA und Großbritannien machen sie mehr als die

Hälfte des Index aus. Hier sind die Sektoren Versorger,

Telekom und Konsumgüter am stärksten gewichtet. Mit

einer aktuellen Jahresperformance von minus 2,6 Prozent

weist dieser Dividenden-ETF die beste Performance der

vergangenen 12 Monate auf. Die langfristige Performance

hat aber gezeigt, dass alle drei ETFs eine defensive

Alternative für Aktieninvestoren sein können. Anleger

sollten daher nicht nur die anstehende Dividendensaison

zum Anlass nehmen, dividendenstarke Investments zu

tätigen.

Benjamin Feingold

VON DER NORDSEE BIS ZU DEN ALPEN …

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Name WKN AUM in Mio. € Performance

1 Jahr

Performance

3 Jahre

Gesamtkostenquote

iShares Euro STOXX Select Dividend 30 263528 03.05.05 461 -8,00% 43,30% 0,31% 0,16% 18,41 €

Spread 1

Kurs

db x-trackers Global Select Dividend 100 DBX1DG 14.06.07 532 -6,80% 31,20% 0,50% 0,15% 27,17 €

Lyxor ETF SG Global Quality Income LYX0PP 17.12.12 781 -2,60% 23,00% 0,45% 0,38% 122,48 €

Anmerkungen: 1) Börse Frankfurt, AUM = Assets under Management, 30.03.2016

Quelle: Derivate Magazin

!derivate MAGAZIN 01/2016


38 ! MERGERS & ACQUISITIONS

39

STRATEGISCHE

BETEILIGUNGEN

AUS FERNOST

!derivate MAGAZIN 01/2016

Allein im Jahr 2015 haben Unternehmen aus China insgesamt

179 Akquisitionen oder Beteiligungen in Europa getätigt – ein

Anstieg um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Sprichwort besagt: „Wenn der Fuchs den Hühnern

seine Aufwartung macht, hat er keine guten

Absichten.“ So oder so ähnlich erlebten zahlreiche

Schweizer Firmen die Welle japanischer Übernahmen

in den 1970er- und 1980er-Jahren, denn nur

rund 10 Prozent der damals übernommenen Unternehmen

sind heute noch am Leben.

Auch wenn viele Schweizer

WUSSTEN SIE, ...

Inhaber ausländischen Investoren

seitdem äußerst kritisch

... dass chinesische

Investitionen im Jahr 2015 gegenüberstehen, standen sie

die Rekordmarke von

in den letzten Jahren wieder

67,4 Milliarden Dollar zunehmend für Gespräche zur

erreichten. Immerhin rund Verfügung. In gleicher Weise

40 Prozent mehr als im das schweizerische Traditionsunternehmen

SIGG, das sich

Jahr 2014. Die meisten

Zukäufe wurden in Europa mit Hauptsitz in Frauenfeld und

und den Vereinigten Staaten

getätigt.

das Herstellen von Trinkflaschen

seinen etwa 90 Mitarbeitern auf

spezialisiert hat. Ganz überraschend

war die Offerte der chinesischen

Haers Vacuum Containers Co. Ltd. nicht, produzierte

doch SIGG bereits Flaschen aus Edelstahl und Glas

in China. Das schweizerische Unternehmen, das auf dem

Gebiet der Aluminium-Trinkflaschen als globaler Marktführer

gilt und durch die ikonische Form seiner Produkte

globale Berühmtheit erlangte, gehört auch zur permanenten

Kollektion des New York Museum of Modern Art.

Letztlich wurden die Schweizer für 16,1 Millionen Franken

übernommen und gesellen sich damit in prominente

Gesellschaft.

So wurde beispielsweise der weltgrößte Flugzeugabfertiger

Swissport, der im Besitz der französischen Beteiligungsgesellschaft

Pai Partners war, für 2,73 Milliarden

Franken von der chinesischen HNA Group übernommen.

Das ehemalige Tochterunternehmen der damaligen Swissair

beschäftigt in 48 Ländern rund 60.000 Angestellte

und setzte zuletzt etwa 2,9 Milliarden Euro um. Sie soll

unter dem Dach des HNA-Konzerns als eigenständiges

Unternehmen weitergeführt werden und kann dank der

Übernahme ihre Tätigkeit in Asien, allen voran in China,

weiter ausbauen. Zum HNA-Konzern, welcher international

im Hotel- und Tourismusgeschäft sowie im Flughafenmanagement

aktiv ist, gehören übrigens mehrere regionale

Fluggesellschaften, darunter mit Hainan Airlines

das größte private Luftfahrtunternehmen Chinas.

EIN SERIENINVESTOR

AUS CHINA

Erst kürzlich lancierte ChemChina, mit einem Umsatz

von derzeit rund 45 Milliarden US-Dollar eines der erfolgreichsten

Staatsunternehmen Chinas, ein Kaufangebot

für den Basler Agrarchemieanbieter Syngenta – nachdem

ChemChina im Januar ankündigte, 12 Prozent des Genfer

Rohstoffhändlers Mercuria Energie Group übernehmen

zu wollen. Syngenta ist eines der weltweit größten Unternehmen

aus der Agrarbranche und mit Stammsitz in Basel

mit mehr als 28.000 Mitarbeitern in über 90 Ländern

aktiv. Die Übernahme des Unternehmens, das vor allem

mit kommerziellem Saatgut und Biotechnologie jährlich

rund 13 Milliarden Dollar umsetzt, wäre nach Aussage

der Beteiligten der bisher teuerste Zukauf eines chinesischen

Unternehmens im Ausland. Das nach Schweizer

Recht unterbreitete Angebot wurde von CNAC Saturn

aus Amsterdam, die indirekt von ChemChina kontrolliert

wird, unterbreitet. Pro Syngenta-Namensaktie sollten 465

Dollar in bar sowie eine Dividendenzahlung von maximal

16 Franken pro Anteilsschein für Syngenta-Aktieninhaber

fließen.


M&As CHINESISCHER UNTERNEHMEN

IN EUROPA SEIT 2005

34

40

51

61

85

91

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015

99

119

135

163

179

Quelle: Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft,

Chinesische Unternehmenskäufe in Europa, Februar 2016


40

! MERGERS & ACQUISITIONS

Parallel erfolgte ein vergleichbares Angebot nach US-

Recht für US-Aktionäre. Der Unternehmenserwerb stand

zum Redaktionsschluss des Derivate Magazins unter dem

Vorbehalt einer Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden

– insbesondere des US-Regierungsausschusses

zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen in den USA

(CFIUS). So befindet sich unter den bisherigen Syngenta-Anteilseignern

der US-Vermögensverwalter Blackrock

mit einem Anteil von 4,88 Prozent. Zumindest bestätigte

ein Gutachten der chinesischen Kanzlei Fangda, dass

die Trennung von Regierung und Unternehmensführung

gewährleistet sei. Entsprechend erwartet die Schweizer

Kommission daher keine staatlichen Eingriffe in die strategischen

oder unternehmerischen Entscheidungen von

ChemChina oder ihrer Töchterfirmen. Selbst der Syngenta-Verwaltungsrat

hat bereits empfohlen, das Angebot

aus China anzunehmen. Ihm wurde durch ChemChina

zugesichert, dass nach einer Übernahme von den aktuell

zehn Mitgliedern vier unabhängige Räte weiter amtieren

dürften. Zusätzlich wurde vereinbart, Syngenta binnen

fünf Jahren wieder an die Börse zu bringen.

Mit diesen Offerten bestätigte ChemChina erneut seinen

Ruf als expansionsfreudiges chinesisches Unternehmen.

Erst Anfang Januar war die Übernahme des deutschen

Herstellers von Spezialmaschinen KraussMaffei für 929

Millionen Euro bekanntgegeben worden. Der chinesische

Staatskonzern hat seit Mitte der 1990er Jahre zahlreiche

Übernahmen in den verschiedensten Bereichen und Weltgegenden

getätigt. So auch 2015, als der italienische Reifen-Hersteller

Pirelli aufgekauft wurde.

M&As CHINESISCHER UNTERNEHMEN

IN EUROPA 2015 (2014)

Deutschland

Großbritannien

Frankreich

Italien

Spanien

Niederlande

Russland

Schweden

Schweiz

Portugal

Luxemburg

Belgien

Tschechien

Österreich

Türkei

andere

3 (3)

3 (2)

3 (1)

3 (1)

2 (4)

6 (5)

5 (4)

7 (3)

!derivate MAGAZIN 01/2016

9 (10)

9 (4)

10

12 (10)

17 (11)

20 (13)

Quelle: Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft,

Chinesische Unternehmenskäufe in Europa, Februar 2016

36 (36)

34 (24)

HILFSBEDÜRFTIGE UNTERNEHMEN GESUCHT

Dass es durchaus lohnend sein kann, ein notleidendes

Unternehmen zu akquirieren, zeigte die Übernahme von

Dürkopp Adler durch die ShangGong Gruppe im Jahr

2005. Denn das Bielefelder Unternehmen, das mit seinen

industriellen Nähmaschinen noch vor beinahe unüberwindbaren

Hürden stand, konnte mithilfe der Reorganisation

und Produktionsauslagerung nach Rumänien schon

bald wieder profitabel agieren. Für die Shanghaier Shang-

Gong war dies jedoch nicht weniger als der Start einer

strategischen Einkaufstour in Deutschland. Es folgte die

Übernahme der angeschlagenen Pfaff Industriesysteme

und Maschinen im Jahr 2013, übrigens ein seit 150 Jahren

äußerst ungeliebter Wettbewerber von Dürkopp Adler.

Nach der Integration der Kaiserslauterer in den Konzern

des chinesischen Serieninvestors lernten die beiden deutschen

Unternehmen aus der Welt der Industrie-Näh- und

Schweißmaschinen, wenn auch als eigenständige Marken

mit eigenen Produkten, die Zusammenarbeit unter

einem Dach und das Ausschöpfen sinnvoller Synergien

beim weltweiten Vertrieb, in der Produktentwicklung,

dem Sourcing und der Produktion von Näh- und Schweißtechnik.

Im persönlichen Gespräch mit der Redaktion des

Derivate Magazins bestätigte Min Zhang, Vorstandsvorsitzender

der ShangGong Gruppe, dass vor allem die individuelle

Definition der Marktstrategien sowie die Fokussierung

der Schwerpunkte in der Produktentwicklung

den internen Wettbewerb vermieden haben.

Mit einer weiteren Übernahme in 2013, der von KSL Kellmann,

stärkte ShangGong schließlich seinen Automatisierungsbereich.

Die damit ohnehin bereits starke Präsenz

in Europa unterstrich die Minderheitsbeteiligung von

26 Prozent am Reutlinger Traditionsunternehmen Stoll,

dem führenden deutschen Hersteller von Flachstrickmaschinen.

Letztlich zeigten die Übernahmen durch Shang-

Gong, dass Befürchtung, der deutsche Mittelstand würde

aufgekauft, zerlegt und nach China exportiert werden,

unbegründet sind. Schließlich wurde sogar der Dürkopp

Adler-Standort Bielefeld zum Forschungs- und Entwicklungszentrum

des gesamten Konzerns ausgebaut. Das

chinesische Ziel war es, die eigene Marktposition vor

allem in China wieder aufzubauen, zu festigen und zeitgleich

eine Internationalisierungsstrategie zu verwirklichen,

um weltweit neue Märkte erschließen zu können.

Insgesamt lässt sich anhand der aufgeführten Beispiele

festhalten, dass der wirtschaftliche Wandel Chinas zu einer

innovativen Volkswirtschaft führt, in der chinesische Unternehmen

zunehmend Unternehmen aus den Industrieländern

auf Augenhöhe begegnen. Strategische Beteiligungen,

Übernahmen und Kooperationen werden da auch

in Zukunft nicht ausbleiben.

Marcus Kapust


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SKS ist ein führender Anbieter maßgeschneiderter

High-End-Lösungen für die Software-Planung und Inbetriebnahme

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42

! AKTIEN

43

Was macht der kleine

Bruder des DAX?

Wer Anfang 2011 in den deutschen Aktienindex Dax investierte, kann sich heute, nach gut 5 Jahren,

über einen Gewinn von rund 43 Prozent freuen. Wer nicht auf den DAX sondern auf dessen „Bruder“ den MDAX setzte,

hat sein Kapital sogar verdoppelt, und das trotz der „Delle“ im Jahr 2011.

NYSE-LPI (OBEN) IM VERGLEICH

ZUM NYSE INDEX (UNTEN)

100

80

60

40

20

1

2

3

4

0

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

NYSE Composite Long

5

6

7

8

Überkauft

9

Überverkauft

WINFRIED KRONENBERG ist


-


Privatkunden. Seit 1998 setzt der

studierte Wirtschaftsinformatiker sein


professionell ein.

DAX UND MDAX IM VERGLEICH SEIT 2011

250%

200%

150%

100%

50%

0%

01.01.11

DAX

Quelle: MarketMaker

01.01.12

MDAX

01.01.13

01.01.14

01.01.15

01.01.16

31.03.16

Bekanntlich umfasst der Dax die nach Marktkapitalisierung

und Umsatz 30 größten Unternehmen Deutschlands. Die

nachfolgenden 50 Unternehmen auf den Plätzen 31 bis 80


Erfahrungsgemäß entwickeln sich die Aktien kleinerer

Unternehmen langfristig besser als die der größeren.

Bei kleineren Unternehmen ist das Steigerungspotential

größer. Seit seinem Geburtstag vor rund 20 Jahren, am

19.01.1996, konnte sich der MDAX mehr als versechsfachen

(+650 Prozent). Der DAX hingegen hat sich in diesem

Zeitraum „nur“ verdreifacht (+320 Prozent).

AUSSICHTEN FÜR DEN MDAX

Für beide Indizes gilt: Die Allzeithochs zu Anfang des Jahres


2016 wurden sogar deutlich tiefere Kurse erreicht.

Da die Wechselbeziehung (Korrelation) aller Aktien untereinander

sehr groß ist, lohnt sich ein Blick auf die Aktien

weltweit. Als repräsentativer Aktienindex für alle großen

Börsen hat sich der NYSE Composite Index (New York

Stock Exchange Index) mit seinen weit über 2.000 Aktiengesellschaften

bewährt. Nach wie vor dominieren die USA

alle Aktienbörsen global.


Index analog zum Dax und MDAX vom Frühjahr 2015 bis

zum 31. März 2016 einen fallenden Trend (blaue parallele

Linien) gebildet. Doch eine Trendwende nach oben könnte

kurz bevorstehen.

Aus allen Aktien der NYSE wird der Long-Percent-Index

(LPI) gebildet. Der LPI sagt aus, wieviel Prozent der Aktien

eines Marktes (hier NYSE) ein Kaufsignal haben (vgl. Gra-


früher an als der zu Grunde liegende Index. Der untere


NYSE-Index.


Prozent. Das heißt, 60 Prozent aller Aktien der NYSE haben

ein Kaufsignal. Zu Jahresbeginn waren es noch rund 20



2, Punkt 6). Der NYSE-Index sowie der NYSE-LPI hatten

eine längere Abwärtsbewegung hingelegt. Der NYSE-LPI

notierte weit unter 20 Prozent und kündigte mit einer anschließenden

deutlichen Aufwärtsbewegung über das Niveau

von 50 Prozent eine Trendwende nach oben an. Die

positive Entwicklung der NYSE ließ nicht lange auf sich

warten. Und so stieg der NYSE-Index über 50 Prozent von

rund 7.000 auf rund 11.000 Punkte an. Eine entsprechende

Entwicklung könnte dem MDAX nun auch bevorstehen.

FRÜHINDIKATOR NYSE-LPI

Wie bereits erwähnt, ist der NYSE-LPI ein exzellenter

Frühindikator. Dies lässt sich besonders gut anhand von

sogenannten Divergenzen erkennen. Dabei entwickelt sich


10.000

8.000

6.000

4.000

2.000

Quelle: MarketMaker und eigene Markierungen

MDAX IM VERGLEICH ZU DEN AKTIEN VON KUKA

UND RHEINMETALL SEIT ANFANG 2015

200%

180%

160%

140%

120%

100%

80%

1

0

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016

NYSE Composite

01.01.15

MDAX KUKA Rheinmetall

Quelle: MarketMaker und eigene Markierungen

2

3

4

5

6

7

8

01.01.16

9

31.03.16


-



NYSE-LPI entwickelt sich jedoch bereits waagerecht (1)



3, 4 und 7 war es umgekehrt: Der NYSE-Index befand sich

noch im Abwärtstrend, doch der NYSE-LPI stieg bereits

wieder an (je länger bzw. tiefer sich der NYSE-LPI im über-


Prognosequalität).


bedeutenden Aktienindizes auch, im Abwärtstrend. Eine

Divergenz hat sich bisher nicht gebildet. Jedoch markierte

der NYSE-LPI bereits zweimal ein Tief bei sehr niedrigen

chenden

Niveau von 60 Prozent.


die gegenwärtige Situation des MDAX auch mit der bei

den

Fällen vorausgegangene lange Aufwärtstrend und die

anschließende Schwächephase. Jedoch befand sich bei


im überverkauften Bereich, so dass nur eine kleinere Aufwärtsbewegung

beim NYSE-Index zu erwarten war. Aktuell,

nach den beiden Tiefs des NYSE-LPI in 2015 und Anfang

2016 (grüner Kreis), ist der überverkaufte Zustand deutlich


WELCHE AKTIEN JETZT KAUFEN?

Wer auf den MDAX setzten möchte kann dies mit einem

teressantesten

Einzeltitel des MDAX. Laut der Analysen



703000). KUKA hat ein Gewinnpotential von 86 Prozent für


!derivate MAGAZIN 01/2016


44

! INSIDE

Per deutscher Delegation

unterwegs in China

Als am 10. Oktober 2014 Bundesminister Sigmar Gabriel gemeinsam mit dem chinesischen Minister für Entwicklung

und Reform, Shaoxi Xu, das deutsch-chinesische Forum für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit in

Berlin eröffnete, diskutierten mehr als 500 Unternehmer aus Deutschland und China über Möglichkeiten, die bilaterale

Unternehmens- und Innovationszusammenarbeit weiter zu intensivieren.

So werden unter anderem zwischen dem 25. und 29. April

2016 etwa 80 chinesische Unternehmer unter der Betreuung

der CIIPAG die Hannover Messe besuchen und Gespräche

mit innovativen Unternehmen aus der Industriebranche führen.

Doch auch deutsche Unternehmen, die Investitionen aus

China nicht ausschließen, sich ein Joint Venture vorstellen

können oder an M&A-Transaktionen interessiert sind, werden

von der CIIPA Germany, unter der Leitung von Yaojun

Xu, Direktor der CIIPAG, und Zheng Tang, stellvertretender

Direktor der CIIPAG beraten. Eine gute Möglichkeit, um eine

Vielzahl an Gesprächen zu führen und Eindrücke zu sammeln,

stellen die Delegationsreisen dar, die mindestens einmal

jährlich in verschiedene Provinzen und Städte Chinas

führen.

Delegationsreise

deutscher Industrieunternehmen

nach China

„Industrie 4.0 Germany“ meets „Made in China 2025“

Symbolische Eröffnung des Büros der China International Investment Promotion Agency

(CIIPA) in Frankfurt in Anwesenheit des chinesischen Handelsministers Hucheng Gao und

des deutschen Bundesministers Sigmar Gabriel (v.l.n.r.)

ZHENG TANG,

stellvertretender

Direktor der China

International

Investment Promotion

Agency Germany

„China entwickelt sich längst weiter von der „Werkbank der

Welt“ hin zu einer innovativen und kreativen Volkswirtschaft.

Deshalb werden chinesische Unternehmen für die

deutsche Wirtschaft auch als Innovationspartner zunehmend

interessanter“, so Bundesminister Gabriel zum damaligen

Zeitpunkt.

Bereits im August 2012 und im Mai 2013 besprachen der

damalige Premierminister Jiabao Wen und der amtierende

Premierminister Kequiang Li mit der deutschen Bundeskanzlerin

Angela Merkel, in Deutschland eine Institution

aufzubauen, um Investitionen zwischen Deutschland und

China zu fördern. In der Folge gründete die Investitionsförderungsagentur

des chinesischen Handelsministeriums

im Juli 2014 die China International Investment Promotion

Agency Germany (CIIPAG) in Frankfurt am Main. Primär

sieht sich die CIIPAG als Unterstützungs- und Serviceplattform

für die wachsenden Herausforderungen in der Investitionszusammenarbeit

chinesischer Provinzen und Städte

nach Deutschland und Europa. Hierbei vermittelt die CIIPAG

weiterführende Kontakte und unterstützt den direkten Austausch

zwischen mittelständischen Unternehmen aus beiden

Ländern.

„Mit unseren Delegationsreisen nach China beabsichtigen

wir insbesondere deutsche Unternehmer anzusprechen,

die entweder den chinesischen Markt mit seinen 1,4

Milliarden Einwohnern erschließen möchten, Kooperationspartner

suchen, finanzielle Unterstützung für ihre

Innovationen aus Asien in Betracht ziehen oder einen

Eindruck der Gegebenheiten vor Ort erhalten möchten“,

erklärt Zheng Tang, stellvertretender Direktor der CIIPAG.

Die nächste Möglichkeit China kennenzulernen, könnte beispielsweise

die Delegationsreise 2016 nach Nordchina sein,

welche zwischen dem 11. und 18. Juni 2016 vorgesehen ist.

Diese Delegation wird in den Provinzen Hebei und Liaoning

drei wichtige Standorte besuchen, nämlich Shenyang,

Panjin und Shijiazhuang. Das Hauptaugenmerk wird dabei

auf den Branchen Maschinenbau, Automotive, Ersatzteile,

Petrochemie und Biomedizin liegen. Teilnehmer der deutschen

Delegation werden zum Beispiel die Investitionspolitik

der ansässigen Industrieparks kennenlernen und unter

anderem deutsche Betriebe wie das BMW Brilliance Werk

sowie zahlreiche mittelständische Unternehmen besuchen.

Neben Themenforen und Unternehmenspräsentationen der

Teilnehmer wird es auch die Möglichkeit für einen intensiveren

Austausch in Form von persönlichen Gesprächen geben.

Weitere Informationen zur deutschen Delegationsreise nach

Nordchina können im Internet unter www.vpc-china.de

angefragt bzw. eingesehen werden.

• Reisezeitraum vom 11. bis 18. Juni 2016

• Besichtigung der Industrieparks in

Shenyang, Panjin und Shijiazhuang

• Themenforen, Unternehmenspräsentationen

und Meetings

• Branchenfokus: Maschinenbau,

Automotive, Ersatzteile, Petrochemie

und Biomedizin

Anmeldeschluss: 6. Mai 2016

Teilnehmeranzahl ist limitiert

Die Delegationsreise wird von der Investitionsförderungsagentur

des chinesischen

Handelsministeriums (China International

Investment Promotion Agency Germany)

gefördert, organisiert und durchgeführt.

Sämtliche Transfers, Hotelunterbringungen,

Verpflegung, Programmplanung sowie

persönliche Gespräche mit Vertretern der

Industrieparks und zahlreichen mittelständischen

Unternehmen vor Ort sind im

Komplettpreis von 3.900 Euro inbegriffen.

Weitere Informationen können angefordert

werden unter www.vpc-china.de.

!derivate MAGAZIN 01/2016


46

! INSIDE

ADVERTORIAL

47

Chinesisch-deutscher

Industriepark in Shenyang

Shenyang, die Millionen-Metropole aus dem Nord-

Osten der Volksrepublik China ist die chinesische

Heimat von BMW. Als Hauptstadt der Provinz

Liaoning verfügt sie über das fortschrittlichste

Autobahn-Netz in ganz China, den größten Rangierbahnhof

im Nordosten des Landes sowie den größten

zivilen Flughafen. Täglich finden 3 Direktflüge

von und nach Frankfurt am Main statt, was die

mehr als 1.000 ansässigen Deutschen sicherlich zu

schätzen wissen. Per Zugverbindung werden Güter

binnen zwölf Tagen nach Europa transportiert.


der bayerische Autobauer BMW seit 2004 gemeinsam







Tiexi-Werk im 48 km 2










General Electric, Michelin, Alcatel, Bridgestone und

www.vpc-china.de.

!derivate MAGAZIN 01/2016

S

eit 2012 produziert das BMW Brilliance Werk auf einer Fläche von

über 2 Mio. m 2 im chinesisch-deutschen Industriepark in Shenyang

rund 400.000 Fahrzeuge jährlich. Das Investitionsvolumen betrug

1,5 Milliarden Euro. Noch in 2016 wird BMW ein Motorenwerk mit einer

jährlichen Kapazität von 800.000 Einheiten auf 900.000 m² eröffnen.


48

! MARKTDATEN ROHSTOFFE

49

ROHSTOFFDATEN

EDELMETALLE

ROHÖL

WEIZEN

in USD 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

DATUM 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

Gold 1.183,80 1.172,40 1.114,88 1.061,40 1.232,63

Silber 16,65 15,74 14,51 13,86 15,40

Palladium 737,00 676,55 652,85 563,40 571,75

KURS IN USD 0,5118 0,6148 0,5128 0,4700 0,4643

KAFFEE

DATUM 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

70

60

50

40

30

20

55,08

47,53

63,30

59,01

48,54

45,41

37,60

37,11

40,21

38,04

Platin 1.142,75 1.079,75 909,25 892,25 979,25

KURS IN USD 0,1329 0,1307 0,1214 0,1267 0,1270

10

Quelle: OnVista Media

0

31.03.15 31.06.15 31.09.15 31.12.15 31.03.16

KAKAO

Brent Crude Rohöl

WTI Rohöl

Quelle: OnVista Media

DATUM 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

INDUSTRIEMETALLE

KURS IN USD 2.699,00 3.275,00 3.114,00 3.211,00 2.965,00

ERDGAS

in USD 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

BAUMWOLLE

Aluminum 1.785,50 1.691,50 1.572,00 1.507,00 1.505,01

DATUM 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

Blei 1.808,00 1.754,00 1.655,50 1.802,00 1.704,50

Kupfer 6.023,00 5.764,00 5.153,50 4.691,50 4.842,85

KURS IN USD 0,6310 0,6751 0,5949 0,6328 0,5767

ZUCKER

3,00

2,50

2,00

1,50

2,64

2,82

2,53

2,26

1,96

Nickel 12.375,00 12.015,00 10.340,00 8.830,00 8.368,39

Zink 2.080,50 2.001,00 1.690,00 1.609,00 1.787,29

Quelle: OnVista Media

DATUM 31.03.15 30.06.15 30.09.15 31.12.15 31.03.16

KURS IN USD 0,1193 0,1247 0,1288 0,1524 0,1587

Quelle: OnVista Media

1,00

0,50

0

31.03.15 31.06.15 31.09.15 31.12.15 31.03.16

Erdgas

Quelle: OnVista Media

!derivate MAGAZIN 01/2016


! ROHSTOFFE

51

DER BUGATTI VEYRON 16.4 GRAND SPORT VITESSE *)

Gold ist besser

als sein Ruf

Seit geraumer Zeit wird das edelste aller Metalle als ertraglos und zu teuer in der Verwahrung beschrieben.

Das passt natürlich haargenau zur nun seit fast 5 Jahren andauernden Kursschwäche. Allen Unkenrufen zum Trotz hat aber

Gold nicht nur eine fast 5000-jährige erfolgreiche Geschichte als Wertmaßstab hinter sich,

sondern zählt nach wie vor zu den wertbeständigsten Anlageformen.




*) Getriebe: 7-Gang-DSG, Verbrauch innerorts: 37,2 l / 100km, Verbrauch außerorts: 14,9 l / 100km,

Verbrauch kombiniert: 23,1l/100km, CO 2

Wer über ein Goldinvestment nachdenkt, dem stehen viele

verschiedene Formen zum Einstieg zur Verfügung. Anleger


auch Schmuck direkt am Goldpreis und seiner Entwicklung

partizipieren. Interessant dabei ist, dass die größte

Nachfrage nach dem Edelmetall noch immer aus der


TIEFER ABSTURZ DER GOLDPRODUZENTEN


goldproduzierenden Unternehmen sind eine weitere interessante

Anlageform. Diese hat im Vergleich gegenüber

der direkten Partizipation auch Vor- und Nachteile. Die

Vorteile bestehen in den aus der Goldproduktion erlösten

Gewinnen der Unternehmen, die gerade in der heutigen

Zeit mit gedrückten Goldpreisen und niedrigen Unternehmensbewertungen

hohe Zusatzgewinne an den notieren-


Managemententscheidungen, zu hoher Produktionskosten

und Überschuldungen sind Goldbetriebe seit 2011 generell

kursmäßig unter die Räder gekommen.


mit unter die Räder kommen lassen. Gesunde und auch

gesund wachsende Unternehmen sind daher auf aktuellem

Niveau interessant bewertet und bieten auf mittlere

Sicht bei besser werdenden Marktverhältnissen hohe

Gewinnchancen. Die aber gleichzeitig auch Risiken in sich

bergen, denn wo immer hohe Gewinne erwartet werden,

sollten bei Anlegern die Alarmglocken läuten, denn dort

sind meist auch hohe Risiken in Kauf zu nehmen.

EXTERNE FAKTOREN BEACHTEN


Präsident Rafael Correa 2007 an die Macht kam, war kein


Steuern und Abbaubedingungen verschlechterten sich so

gewaltig, dass viele Explorer und sogar Produzenten die

WELTWEITE GOLDNACHFRAGE NACH

VERWENDUNGSZWECK IM 4. QUARTAL 2015

17,4%

7,6%

15,0%

60,1%

AUSGEWÄHLTE ANLAGEPRODUKTE

AUF GOLD UND GOLDPRODUZENTEN

Schmuck

Technologie

Investment

Notenbanken

Quelle: World Gold Council, GFMS

Produktbezeichnung Emittent WKN Hebel Quanto Kurs

Gold Open End BNP Paribas 859341 - Nein 108,25

Gold Open End Goldman Sachs GS72X2 - Ja 92,92

Gold Future HSBC TD3FGL 2,5 Nein 97,54

Gold & Precious

Metals Equities DWS DWS0B1 - Nein 65,38

Quelle: Derivate Magazin, Stand: 31.03.16


50

! ROHSTOFFE

51

GOLDPREIS JE UNZE IN US-DOLLAR

DOLLAR

2.000

1.800

1.600

1.400

1.200

1.000

800

600

400

200

0

01.04.06 01.04.07 01.04.08 01.04.09 01.04.10 01.04.11 01.04.12 01.04.13 01.04.14 01.04.15 01.04.16

GOLDRESERVEN DER LÄNDER

IM MÄRZ 2016 IN TONNEN

USA 8133,5

Deutschland 3.381,0

Italien 2.451,8

Frankreich 2435,6

China 1778,5

Russland 1.435,9

Schweiz 1.040,0

Japan 765,2

Niederlande 612,5

Indien 557,7

Türkei 516,7

Taiwan 423,3

Portugal 382,5

Venezuela 361,0

Saudi-Arabien 322,9

Vereinigtes Königreich 310,3

Libanon 286,8

Spanien 281,6

Österreich 280,0

Belgien 227,4

Kasachstan 223,0

Quelle: Statista

Arbeit einstellten. Nach fast zehn Jahren scheint nun der

Punkt gekommen zu sein, wo die Regierung den Rohstoffsektor

wieder unterstützen und aufbauen möchte.

Anleger sollten daher Länderrisiken, Kostenerhöhungen

bei Produktion, Steuern und Abgaben im Rohstoffbereich

immer bei ihren Investments berücksichtigen. All diese Punkte

können Unternehmen leicht an deren Existenzschwelle

geraten lassen, wie auch immer sie im Moment bewertet

sind. Das betrifft nicht nur Produzenten, sondern ganz besonders

die kleineren Unternehmen - die sogenannten Junior

Explorers, welche ihre Förderprojekte erst durch Bohrrungen

und nachprüfbaren Studien entwickeln müssen.

Dadurch sind bei den Entwicklungsgesellschaften sowohl

die Chancen als auch die Risiken noch größer. Denn

es bedarf durchschnittlich bis zu 8 Jahre bis aus einem

Goldfund eine Produktion entsteht. Zeit, in der sich sehr

Vieles, auch zum Nachteil verändern kann. Daher eignen

sich vor allem Unternehmen für eine Investition, welche in

relativ schneller Zeit in die Produktion übergehen können.

US-DOLLAR ALS WÄHRUNGSBASIS

Alle Goldkurse, die weltweit gültig sind, werden auf der

Basis des US-Dollars erstellt. Für alle Unternehmen, die

nicht in den USA ansässig sind, zählen aber deren Heimatwährung

als Verkaufspreise. Produzieren oder entwickeln

sie z.B. in Kanada oder Australien, so werden die Verkäufe

in kanadischen oder australischen Dollars verrechnet.

Hieraus entsteht derzeit ein nicht zu unterschätzender

Wechselkurs-Vorteil. Der US-Dollar wird derzeit

mit aller politischen Macht stark gehalten, wodurch die

Währungen der anderen Länder im Verhältnis abwerten.

So zahlt man für eine Feinunze Gold auf US-Dollar-Basis

rund 1.200 US-Dollar. In Australien und Kanada

ist die Feinunze damit circa 30 Prozent teurer. Was

umgekehrt den produzierenden Betrieben 30 Prozent

Mehrerlös einbringt und auch bei den Entwicklungsgesellschaften

eine bessere Wirtschaftlichkeit erkennen lässt.

Quelle: Ariva.de

DAHINSCHMELZENDE WÄHRUNGSVORTEILE

Die Gewinnspannen zwischen Kosten und Erlösen sind in

Ländern mit schwächerer Währung höher, was auf Sicht

auch bessere Kurschancen für die Unternehmen an den

Börsen erkennen lässt. Doch auch hier sei mahnend ein

Finger erhoben, denn weder sind die Börsen Einbahnstraßen,

noch ist zu erwarten, dass die Politik den starken

US-Dollar ewig stützen und schützen kann. Dann trifft

ein sich abschwächender amerikanischer Dollar auf sich

dadurch relativ verstärkende andere Währungen und die

Währungsvorteile schmelzen wieder dahin.

Aber noch ist es nicht soweit, auch wenn sich aus

Sicht vieler Experten der amerikanische Dollar im letzten

Drittel seines statistischen Stärketrends befindet.

ERST DIE ARBEIT, DANN DAS VERGNÜGEN

Es ist bequem, Gold einfach im Laden zu kaufen und das

Edelmetall, in welcher Form auch immer, zu besitzen und

sich um nichts mehr kümmern zu müssen. Noch einfacher

ist der Erwerb diverser Anlagepapiere (siehe Tabelle

unten) wie Goldfonds, -Zertifikate und -ETFs.

Wer sich jedoch die Mühe macht, aus der Vielfalt

an Goldfirmen diejenigen herauszufiltern, die auf einem

gutem Weg sind, der könnte für seine Mühe überproportional

belohnt werden. Natürlich ist es nie einfach,

sich ein exaktes Bild über die Geologie, die Qualität der

Liegenschaft und des Managements zu machen. Vor

allem die finanzielle Entwicklung, das politische Risiko

und die zukünftigen Förderergebnisse vorauszusagen,

sind ein bisschen wie der Blick in die Glaskugel. Aber es

lohnt sich allemal und Übung macht den Meister. Immer

mehr Rohstoffunternehmen nehmen sich Zeit, um ihre

Unternehmen und ihre Projekte auf Anlagemessen wie die

Stuttgarter Invest, die Münchner Edelmetallmesse oder

die World of Trading in Frankfurt (siehe Termine Seite 9) zu

präsentieren.

GUT VERTEILT, IST DIE HALBE MIETE

Wie bei allen Investments sollten Privatanleger auch bei

Rohstoffen auf eine gesunde Diversifikation achten. Denn

die Vielfalt im Depot reduziert das Risiko deutlich. Ein

paar Münzen, einen Teil in Zertifikate, ETFs oder Fonds

sowie ein paar Aktien größerer Goldproduzenten und

einen kleinen aber feinen Teil, in die zwar riskanten aber

spannenden Junior Explorer. Hier sind momentan vor

allem die interessant, welche in relativ kurzer Zeit, von der

Entwicklung in die Produktion wechseln könnten.

Wer das Risiko, wie oben erläutert, gestreut hat, ist

gut vorbereitet und kann in Ruhe den nächsten Goldanstieg

abwarten. Und dann, ist er ganz vorne mit dabei.

Erwin Matula

NEWS VON DER PDAC 2016, TORONTO

Experten unter sich. Alljährlich im Frühjahr trifft sich die

internationale Rohstoff-Community im kanadischen Toronto.

Auch wenn in diesem Jahr mit 25.000 Besuchern deutlich

weniger als im Vorjahr anwesend waren, war die Stimmung

deutlich besser. Natürlich gehörte auch das Derivate Magazin

Team zu den Teilnehmern. Folgende Unternehmen fielen der

Redaktion ins Auge:

GOLDEN DAWN MINERALS

Der Deutschkanadier Wolf Wiese und seine Golden Dawn Minerals

(Frankfurt: A1XBWD) sind derzeit in aller Munde. Im

rohstoffreichen Greenwood-Gebiet in British Columbia nahe

der amerikanischen Grenze hat er sich drei sehr interessante

historische Minen sichern können. Dadurch kann Wiese

nicht nur auf einen funktionierenden Fuhrpark, Mühle und

Absetzteich zugreifen, sondern besitzt auch sämtliche Zulassungen,

um in Bälde in Produktion gehen zu können.

www.goldendawnminerals.com

ENDEAVOUR SILVER

Endeavour Silver (Frankfurt: A0DJ0N) ist seit 12 Jahren in der

Silber- und Goldproduktion in Mexiko erfolgreich tätig. Betrieben

werden momentan drei Minen und die vierte Mine steht

kurz vor der Produktionsentscheidung. Das Unternehmen hat

keine Netto-Verschuldung und senkt konsequent die Kosten,

was dem zukünftigen Gewinn zugute kommt. Mit über 11

Mio. Unzen Silber äquivalenter Produktion in 2015, die in

2017 auf ca. 15 Mio. Unzen Silber äquivalent steigen soll, ist

man sehr gut aufgestellt.

www.edrsilver.com

PILBARA MINERALS

Im Zuge des Lithiumbooms rund um den Elekrofahrzeugbauer

Tesla sorgt der australische Rohstoffproduzent

Pilbara Minerals (Frankfurt: A0YGCV) mit einem rasanten

Kursanstieg für Aufsehen. Das Unternehmen verfügt mit

dem Lithiumprojekt Pilgangoora über das zweitgrößte

Spodumenvorkommen weltweit und entwickelt dieses zur

Produktionsreife. Erst kürzlich wurde eine positive Vormachbarkeitsstudie

veröffentlicht, welche robuste Zahlen

ausweist. www.pilbaraminerals.com.au

!derivate MAGAZIN 01/2016


! ALTERNATIVE INVESTMENTS

55

VIVA ITALIA!

3 Top-Weine aus Italien

Exklusiv für die Leser des !derivate Magazins

Charakterstark, authentisch, sinnlich – so beschreiben

unsere Kunden die kultivierten Weine von Villa Caviciana

immer wieder. Exklusiv für die Leser des !derivate Magazins

haben wir drei unserer prämierten Rotweine zu einem Paket

zusammengestellt.

CHANCEN JENSEITS

DES GENUSSFAKTORS

Unsere Weine beweisen, dass sich traditionelle italienische

Weinbaukultur, höchste Qualität und biologischer Anbau

nicht ausschließen müssen. Optimales Klima, sonnenverwöhnte

vulkanische Böden und virtuoses Können bei der

Vinifizierung sorgen dafür, dass sie Gaumen und Nase immer

wieder aufs Neue bezaubern.

Lang lagerbare Weine werden mit den Jahren nicht nur besser, sondern können ihre

Besitzer auch mit einem satten Wertzuwachs beglücken. Im Wein liegt also nicht nur die

Wahrheit, sondern auch die Chance auf bares Geld.

LETIZIA: Rasse, Kraft und italienische Eleganz

FAUSTINA: Vielschichtig, geschmeidig und opulent

ELEONORA: Fruchtig, frisch, jugendlich, mit Tiefe

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„Die Kultur des Weines ist diejenige,

wo die Menschen sich kennenlernen

wollen, statt sich zu bekämpfen.“

Inschrift im Haus des Weines, Bordeaux

* Dieses Angebot ist gültig, solange der Vorrat reicht. Preise jeweils inkl. MwSt. und zuzüglich Versandkosten.

Villa Caviciana GmbH • Rheingauer Straße 32 • 65343 Eltville


56

! ALTERNATIVE INVESTMENTS

57

Das genannte Beispiel eignet sich zwar nicht unbedingt

für Einsteiger, genug bezahlbare Einstiegsweine, die bei

guter Lagerung Wertsteigerungen von 200 Prozent erzielen,

sind aber vorhanden. Hierfür sind Vertreter aus dem

Hause Mouton- und Lafite-Rothschild, Pétrus, Ausone,

Cheval Blanc oder auch Haut-Brion prädestiniert. Alljährlich

machen sich arrivierte Facheinkäufer auf den Weg in

die Weingüter, um diese en primeur zu verkosten. Das

Urteil dieser verschworenen Gemeinschaft ist dann die

Grundlage für den Preis, zu dem der gute Tropfen zum

frühesten möglichen Zeitpunkt nach der Flaschenfüllung

in den Läden verkauft werden darf. Weitere ein bis drei

Jahre wird der Wein noch in Fässern gelagert, bis er ausgeliefert

wird. Subskription heißt dieses für die Spitzenweingüter

so lukrative wie bedeutungsvolle Prozedere.

DOCH WAS SIND DIE ENTSCHEIDUNGSGRUND-

LAGEN FÜR EINEN ANLEGER BEIM KAUF EINES

WEINES UND BEI DER PREISBEMESSUNG?

JÄGER UND SAMMLER MÜSSEN HIER

IMMER REALISTISCH UND AUF DEM BODEN

DER TATSACHEN BLEIBEN.

Auch mit der besten Auswahl ist es nicht immer bestens

bestellt: Da sich die Qualität eines Weines aus dem Bordelais

letztendlich erst nach etwa zehn Jahren erweist,

bleibt immer auch ein Risiko bestehen. Ein Faktor ist zum

Beispiel der Winzer, bei dem abgefüllt wird.

Einige Sicherheit darf man sich aber von den Tropfen der

Champions League dennoch erhoffen. Wem das aber zu

ungewiss ist, der greift bei bereits trinkbaren Weinen zu

und bildet sich seine eigene Meinung über das Wunschprodukt.

Während junge Weine erst noch halten müssen,

was sie ihren Käufern versprechen, gibt es aber immer

noch die alten, edlen Tropfen, für deren Besitzer exklusiver

Wein ein Statussymbol ist.


WEINHÄNDLER MIT

ROTWEIN-SUBSKRIPTION

Villa Caviciana

www.villacaviciana.com

Hanseatisches

Wein & Sekt Kontor

www.hawesko.de

Kölner Weinkeller

www.koelner-weinkeller.de

Mövenpick Wein

www.moevenpick-wein.de

C&D

Weinhandelsgesellschaft

www.c-und-d.de

Rund 290.000 Dollar erzielte eine spektakuläre

Auktion vor ungefähr zehn Jahren bei

Christie‘s für eine Kiste mit zwölf Flaschen

Rotwein. Doch der anonyme Bieter, der für die Raritäten

aus dem Hause „Mouton Rothschild 1945“ bot, wollte

sich damit nicht zufriedengeben. Er ersteigerte noch

weitere sechs Magnumflaschen desselben Jahrgangs

zu 57.500 Dollar die Flasche für insgesamt 250.000

Euro. Laut Hersteller Château Mouton-Rothschild war

der Rekordwein noch von hervorragender Qualität.

Die Geschichte zeigt, wie sich große Jahrgänge zu

herausragenden Wertanlagen entwickeln können.

Ob es nun die Besonderheit des Jahrgangs ist oder wie

in diesem Fall ein historisches Bezugsdatum wie das

Ende des Zweiten Weltkriegs oder aber auch wie in

vielen Fällen ein Geburtstag – Zugänge für die Begründung

astronomischer Preise sind beim Wein auf Käufer,

wie auf Verkäuferseite reichlich vorhanden.

Einer der besten und wichtigsten Anhaltspunkte vor jeder

Kaufentscheidung ist die berühmte Bewertungsliste

des Amerikaners Robert Parker. Der weltweit anerkannteste,

aber auch gefürchtetste Weinkritiker vergibt bis zu

100 Punkte für einen Top Wein. Die Parker-Punkte kann

man also getrost als die wichtigste Währung in diesem

Geschäft bezeichnen. Je näher ein Top-Wein eines global

bekannten Gutes der 100-Punkte-Marke kommt, desto

größer die Wahrscheinlichkeit, dass man einen potentiellen

Schatz in seinem Weinkeller hat. Jahrgänge unter

90 Punkten bieten dagegen kaum monetäre Chancen jenseits

des Genussfaktors.

Der beste Weg zu einem Weinkeller mit Potenzial führt

daher über die alljährliche Subskriptionsliste arrivierter

Weinhändler. Aber auch hier sollte man sich die Zeit zum

Vergleichen nehmen, denn oft kalkulieren die Anbieter

ganz unterschiedlich. Daher sollte man auf einen oder

mehrere Weinhändler seines Vertrauens zurückgreifen.

Natürlich gibt es auch hier gesetzte Marken, bei denen

man eigentlich nichts falsch machen kann: Wer zum Beispiel

an Cheval Blanc oder Pétrus herankommt, der liegt

auf lange Sicht richtig.

Information ist aber auch hier alles. Und das eigene

Urteilsvermögen sollte daher nie außer Acht gelassen

werden. Sind also riesige Tranchen aus ertragreichen

Jahrgängen im Umlauf, mindert dies auf jeden Fall die

Exklusivität – wenn auch nicht den Genuss.

David Ritter, FreeImages.com

!derivate MAGAZIN 01/2016


...

58

! ALTERNATIVE INVESTMENTS

59

Die erfolgreichen Auktionen bei Sotheby’s und Christie’s,

wie die eingangs genannten, stellen dies immer wieder

unter Beweis. Längst sind es nicht mehr ausschließlich

Europäer und Amerikaner, die für die hohe Nachfrage

auf dem Markt sorgen. Vermögende Russen und Chinesen

kaufen in großem Stil Weine aus dem obersten Qualitätssegment.

Dabei spielt der Preis vielfach keine Rolle

mehr, eher der Name und die Marke. Alles was über 95

Parker-Punkten liegt, wird beispielsweise in China fast

blind gekauft, egal was die Flasche kostet. Die Chinesen

scheinen dabei französische Weine zu bevorzugen

NEBEN WEINFLASCHEN BEKOMMEN AUCH DIE

WEINBERGE SELBST FÜR ANLEGER EINE IMMER

GRÖSSERE BEDEUTUNG.

Spezialisierte Immobilienhändler haben sich inzwischen

auf Käufer festgelegt, die mit den Weinbergen noch Immobilien

und Lagerbestände erwerben. Die Quadratmeterpreise

haben sich in den letzten 15 Jahren sehr dynamisch

entwickelt und diese Phase scheint noch lange

anzudauern. Doch sind Weinflaschen natürlich erheblich

schneller wieder zu Geld zu machen, als eine landwirtschaftliche

Fläche. Und ein hochwertiger Bordeaux kann

nur bei Diebstahl, falscher Lagerung oder aber bei einem

unstillbaren Verköstigungsverlangen als Totalverlust enden.

Und selbst wenn er sich nicht ganz als die erwartete

Goldgrube herausstellen sollte – eine schöne Gelegenheit

zum Genießen sollte sich allemal finden.

„SEIT MOND UND ...

... Venus ihre Bahnen

gehen, hat man was

Bessres nicht als Wein

gesehen. Mich wundert‘s

nur, dass einer Wein verkauft.

Was kann er

Bessres denn dafür

erstehen?“

Omar Chayyam (1048 – 1131)

WELCHER WEIN EIGNET SICH ZUM

INVESTIEREN AM BESTEN?

Rotweine mit Wertsteigerungspotenzial müssen

natürlich lager- und alterungsfähig sein,

wobei Fachgeschäfte auch die Versiegelung

alter Flaschen anbieten. Diese Eigenschaften

garantieren aber in der Regel Abfüllungen von

international bekannten und angesehenen

Gütern aus dem Bordelais, die einen hohen Tanningehalt

haben. Einige Spanier (z.B. Ribera del

Duero) oder italienische Weine aus der Toskana

können sich ebenfalls preislich höchst erfreulich

entwickeln.

Der Wein sollte möglichst in Kisten gekauft

werden, die dann komplett in den Weiterverkauf

gehen. Die Nagelprobe in Form der Weinbibel

von Robert Parker ist daher unverzichtbar: Im

„Wine Advocate“ sollten daher mindestens

90 Punkte, besser noch mehr, angegeben

werden. Jenseits der internationalen Top-Weine

haben aber gerade in den letzten Jahren auch

deutsche Weine stark aufgeholt! Der Berliner

Großgastronom und Weinhändler Josef Laggner

(Lutter und Wegner): „Es gibt Weine erstklassiger

deutscher Winzer, die man schon mal zehn

Jahre in den Keller legen kann.“

DIE RICHTIGE LAGERUNG IST DAHER

NATÜRLICH BESONDERS WICHTIG

Die ideale Lagertemperatur für Weine liegt bei

rund elf Grad. Drei Grad darüber sind noch nicht

bedenklich, acht ebenfalls nicht. Bedeutender

für die schonende Lagerung ist dagegen, dass

die Temperatur nicht ständig schwankt, sondern

konstant gehalten wird. Auch der Luftfeuchtigkeit

kommt eine tragende Rolle zu. Sie sollte

etwa 65 Prozent betragen.

Mehr schadet dem Flascheninhalt zwar nicht,

fördert jedoch die Schimmelbildung am Etikett.

Für Liebhaber von Raritäten kann das ein Kaufhindernis

sein. Bei einer Luftfeuchtigkeit unter

50 Prozent können aufgestellte Schalen mit

Wasser helfen. Durch den natürlichen Korken

atmet der Flascheninhalt und kann auch das

Aroma der Umgebung aufnehmen.

Deshalb sollte der Keller möglichst geruchsneutral

sein und über einen Frischluftzugang

verfügen. Wein mag es dunkel, eine fast schon

allgemein bekannte Weisheit, die aber trotzdem

in der Praxis oft vernachlässigt wird. Wein sollte

zudem liegend gelagert werden, der beste Ort

eigentlich in seinem angestammten Platz in der

Originalkiste.

Jürgen Wenzel

MEHR ÜBER WEIN IM WEB

Die Handelsplattform für hochwertige

Weine hat ihren Sitz in

England. Die London International

Vintage Exchange (Liv-ex) steht

zwar nur professionellen Weinhandelshäusern

zur Verfügung. Aber

auch dem privaten Weinsammler

bieten sich zahlreiche

Informationen. www.liv-ex.com

Die weltweit größte Datenbank

zum Thema stammt dagegen aus

Deutschland. www.Wein-Plus.eu

LIV-EX FINE WINE INVESTABLES:

CLOSE: 266,45 PUNKTE

PUNKTE

400

300

200

100

01/07

12/07

11/08

10/09

09/10

08/11

07/12

06/13

05/14

04/15

Quelle: Liv-ex, Stand: 29.02.2016

!derivate MAGAZIN 01/2016


60

! AUTO

61

TESLA IM

PRAXISTEST

Einen Roman zu schreiben, in welchem Elektroautos eine große Rolle spielen, ist das eine.



E.

Auf die Frage, warum sein Buch „Mein Elektriker fährt einen

Porsche?“ heißt und nicht „...fährt einen Tesla?“, antwortete

Gianni Kovačević im Gespräch mit dem Derivate Magazin am

Rande der weltweit größten Rohstoffmesse in Toronto in einwandfreiem

Deutsch frei raus: „Damit verkauft es sich besser.“

Diese erfrischende Lebenseinstellung zeichnet den Kanadier

mit kroatischen Wurzeln aus. Sein Scharfsinn machte

ihn als Investor reich und ist nun auch dafür verantwortlich,

dass er all seine Kraft in sein neues Projekt, die CopperBank,

ein börsennotiertes Unternehmen, welches in interessante

Kupfervorkommen investiert, einbringt. Nebenbei schrieb er

noch einen unterhaltsamen Roman, welchen er derzeit in den

größten Städten der USA präsentiert. Sein Ziel ist es, mit dem

Buch der Bevölkerung auf wohlartikulierte Weise Börsenverständnis

näherzubringen. Gleichzeitig will er auf die gewaltigen

Veränderungen im Energiebereich zu umweltfreundlicheren

Alternativen hinweisen und vor allem die aus seiner

Sicht deutliche Unterbewertung von Kupfer hervorheben.

Gestartet am 10. März in Toronto, ist es Kovačević ein

weiteres Bedürfnis, mit seiner Tour quer durch Nordamerika

der Welt zu beweisen, dass es heutzutage kein Problem mehr

darstellt, mit einem Elektroauto große Strecken zu bewältigen.

Nach Boston, New York und diversen anderen Städten

sowie rund 2.000 zurückgelegten Kilometern erreichte er

bei Druckschluss wohlbehalten Washington DC. Bisher ohne

jegliches Problem. Selbst der ihn ein paar Tage begleitende

kritische Journalist einer bekannten deutschen Tageszeitung,

welcher an dieser Stelle ungenannt bleiben möchte, ist positiv

überrascht und zwischenzeitlich ein großer Anhänger

des Tesla geworden. Am Ende der Tour und rund 10.000

zurückgelegten Kilometern wird Kovačević an dieser

Stelle über die Ergebnisse seiner Reise berichten.

Wer zwischenzeitlich informiert bleiben möchte,

findet mehr dazu auf Facebook unter dem Namen

„The Realistic Environmentalist“.




intensiv mit Inves-




Markets, China

sowie realistischem


ein gefragter Redner


lich in Vancouver/

Kanada, verbringt

aber auch viel Zeit in

Europa.

„Mein Elektriker




Menschheitsge-



17,99 Euro





!derivate MAGAZIN 01/2016


62

! TECHNIK

GUTER

KLANG

ZUM FAIREN PREIS

Audiophile Lautsprecher können teurer sein als manche

Eigentumswohnung. Anspruchsvolle Sound-Systeme gibt es

aber auch für Normalverdiener.

Gemeinsam mit der „Playbar“ bietet der

„Sub“ von Sonos einen anständigen Klang.

Der Definion 3 Lautsprecher

misst 1,18 Meter.

Zweieinhalb Jahre intensive Forschung stecken in der

Lautsprecherbox Definion 3 des Berliner Audio-Direktvertriebs

Teufel. Ein kluges technisches Detail: Hochund

Mitteltöner sind bei der Definion 3 zu einem Bauteil

verschmolzen. Damit erreichen fast alle abgestrahlten

Frequenzen gleichzeitig das Ohr der Hörer, was eine

authentische und natürliche Wiedergabe gewährleistet

und die genaue Ortung von Stimmen und Instrumenten

erleichtert.

Am Kopfende der 1,18 Meter hohen Lautsprecher sitzen

dieselben Chassis, mit der auch die Schallwände der Definion

5 ausgerüstet sind, der hervorragende Klangqualitäten

nachgesagt werden. Tiefe Töne werden mit drei

Basslautsprechern aus kohlefaserverstärktem Kunststoff

abgebildet. Nach Teufel-Angaben gehört die Definion

3 dank dieser Konstruktion zu den bassstärksten und

schlanksten Lautsprechern ihrer Klasse.

Wer sich selbst davon überzeugen will, kann die in

Schleiflack der Farben Weiß und Schwarz gehaltenen,

knapp 1.800 Euro teuren Teufel-Lautsprecher bis zu acht

Wochen lang zu Hause testen.

DRAHTLOS VERNETZT

Einen anderen Weg geht der Sonos. Der kalifornische Streaming-Spezialist

produziert Produkte für „Musiclovers“,

so Co-Chef Tim Cullen – nicht für Audiophile.

Die „Playbar“ mit ihren neun Lautsprechern etwa wird

über ein einziges optisches Kabel mit dem Fernseher verbunden

und gibt alle Geräte wieder, die dort angeschlossen

sind – einschließlich Kabelboxen und Spielekonsolen.

Über kabelloses Internet ermöglicht die Sonos-App den

Zugriff auf eine firmeneigene digitale Audiobibliothek mit

rund 100.000 Radiosendern und mehr als 60 integrierten

Musikdiensten wie Spotify, Deezer oder Soundcloud.

Wem in der rund 800 Euro teuren „Playbar“ tiefe Bässe

fehlen, sollte sie mit dem schlicht „Sub“ genannten Tiefbasslautsprecher

erweitern, der satte 16 Kilogramm auf

die Waage bringt. Eigenwillig präsentiert sich das Design.

Das Loch in der Mitte ist nicht nur als Blickfang gedacht,

sondern beherbergt die beiden Lautsprecher. Statt

– wie traditionell bei Subwoofern üblich, vorne oder unten

zu schwingen, schwingen sie aufeinander zu.

Das führt zu einem besonders kernigen Bass. Viel einzustellen

gibt es nicht, der „Sub“ (ca. 750 Euro) optimiert

die Audioeinstellungen automatisch. Es gibt genau einen

Schalter, über den sich der Tiefbasslautsprecher mit einem

bestehenden Sonos-System verbinden lässt. Mit der

„Playbar“ und dem passenden Tieftöner „Sub“ zeigt Sonos,

dass auch ein netzwerkfähiges Audiosystem für anständigen

Klang im Wohnzimmer sorgen kann.

Christian Euler

KRAFTVOLLES LEICHTGEWICHT

In ein kabelloses Heimnetzwerk lässt er sich

nicht integrieren, denn der SoundLink Mini

Speaker II von Bose (ca. 170 Euro) wurde speziell

für die Nutzung mit den heute gängigsten

Bluetooth-fähigen Geräten wie Smartphones,

Tablets und Laptops entwickelt. Darüber

hinaus verfügt das robuste und schlichte

Gerät über einen AUX-Eingang, um einen

MP3-Player oder andere tragbare Player anzuschließen.

Dieses Leichtgewicht mit gerade

einmal 0,67 kg bietet einen naturgetreuen

Spitzenklang mit tiefen, kraftvollen Bässen,

wie er sich von einem Lautsprecher dieser

Größe (HxBxT: 5,1x18x5,8 cm) nicht erwarten

läßt. Der eingebaute Lithium-Ionen-Akku

verspricht eine Wiedergabedauer von bis

zu 10 Stunden und kann an den meisten

USB-Anschlüssen aufgeladen werden.

!derivate MAGAZIN 01/2016


64

! REISEN

! REISE 65

ALPENPANORAMA

MIT RIVIERA-FEELING

Mit seiner Postkartenlandschaft

zieht der Vierwaldstättersee fast jeden

in seinen Bann. Das Derivate Magazin

begab sich auf Erkundungstour.

„Als ich in mein Zimmer hinauf kam und das

Fenster öffnete, wurde ich von der Schönheit dieses

Wassers, dieser Berge und dieses Himmels buchstäblich

geblendet und erschüttert.“

Der russische Schriftsteller Leo Tolstoi war nicht um

Worte verlegen, als er Ende des 19. Jahrhunderts das

Fenster seines Hotelzimmers in Luzern öffnete und auf

den Vierwaldstätter See blickte.

Bis heute hat die Region nichts von ihrem Reiz verloren.

Rund eine Milliarde Schweizer Franken setzt allein

Luzern als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum

durch den Tourismus um. Hier paaren sich warmherziger

Charme und großstädtisches Flair zu einer exklusiven

Mischung. Weltklasse-Musik bietet alljährlich das

Lucerne Festival im vom französischen Stararchitekten

Jean Nouvel entworfenen Kultur- und Kongresszentrum

Luzern KKL. 1938 von Arturo Toscanini gegründet, verlieh

ihm Pult-Ikone Claudio Abbado mit seinem 2003 ins

Leben gerufenen Lucerne Festival Orchestra Legendenstatus.

fisch-Filets. Zum Hauptgang entpuppt sich die handgeangelte

Seezunge aus der Bretagne mit von Fleur de Sel

berieselten Dampfkartoffeln und frischem Spinat als

Geheimtipp.

Nur eine Querstraße vom See und der Promenade entfernt

liegt das Hotel-Restaurant Rebstock. Geschichte fühlbar

machen, lautet dort das Motto. Früher Zunftlokal der Rebleute

ist es heute Heimat für Kulturschaffende, darunter

Autoren, Schauspieler, Musiker und Maler. Ferdi Sieber

ist Inhaber und vor allem mit Leib und Seele Gastgeber.

Ein Leckerbissen ist das „Luzerner Weggen“ genannte

Brot aus Ruchmehl, das noch einen Teil der äußeren Schalenschichten

enthält – und Sauerteig aus der nahe gelegenen

Bäckerei „Wey Beck“. Ein kulinarisches Kleinod ist

die Vierwaldstättersee-Fischsuppe mit Safran und Gemüse.

Mit einem Schuss Pastis verfeinert und „Knoblibrot“

wird sie zum Hochgenuss für die Geschmacksnerven.

GUTER GESCHMACK

Auch kulinarisch bietet die Stadt der fünf schönen

Brücken, die an Samstagen von rund 110.000 Passanten

überquert werden, eine breite Auswahl an Möglichkeiten

– von der eidgenössischen Küche bis zu internationalen

Gourmetmenüs.

Das „Bodu“ am Ufer der Reuss etwa hat sich längst als

Institution etabliert. Frische und hochwertige Produkte

prägen die klassische Brasserie-Küche. Ein Gaumenschmeichler

zum Start ist die „Terrine de Maison“ von

Meeresfischen. Wer eine Suppe vorzieht, trifft mit der

„Soupe du Pecheur Cap de Marseille“ eine vorzügliche

Wahl. Der hoch aromatische Fischsud wird aus ganzen

Fischen gekocht, darin Muscheln, Krevetten und Meeres-

Das Bodu am Ufer der Reuss

!derivate MAGAZIN 01/2016


66

! REISE

! IMPRESSUM / DISCLAIMER 67

Raum für Luxus im Hotel Palace Luzern.

STEILSTE ZAHNRADBAHN DER WELT

Wenn sich der bisweilen hartnäckig-dichte Nebel partout

nicht verziehen will, fährt man am besten im Bus nach

Kriens und dort die Seilbahn auf den 2132 Meter hohen

Hausberg Pilatus. Hier finden Sonnenhungrige ihr strahlendes

Rückzugsgebiet – mit eindrucksvollem Rundumblick

auf die Berge rund um den Vierwaldstättersee.

Zurück nimmt man statt der Gondel die Zahnradbahn

nach Alpnachstadt, die mit einer Steigung von 48 Prozent

so steil ist wie keine andere auf der Welt. Für die 1889 eröffnete

Strecke konstruierte der Ingenieur Eduard Locher

ein spezielles System, bei dem die Zahnräder horizontal

greifen. Per Schiff geht es wieder zurück nach Luzern, der

Endstation der „Goldene Rundfahrt“ genannten Reise auf

den Pilatus und zurück. Dort bietet – direkt am Ufer des

Vierwaldstättersees gelegen – das Hotel Palace Luzern

Laissez-faire auf höchstem Niveau. „Raum ist Luxus”, lautet

das Credo von Hoteldirektor Raymond Hunziker, das

sich in Zimmergrößen zwischen 30 und 110 Quadratmetern

widerspiegelt.

Maßgefertigte Möbel aus Tulpenholz, Palisander und

Olivenesche prägten schon zur Zeit der Belle Époque das

Interieur und feiern nun ihre Renaissance im neuen Design.

Das Gebäude mit seiner neoklassizistischen Fassade

stammt aus der Gründerzeit, die 129 Zimmer und Suiten

sind in individuellem, klassischem Chic eingerichtet.

REFUGIUM DER STARS

Das Fünf-Sterne-Hotel Park Weggis am Nordufer

des Vierwaldstättersees.

Eine weltweit einzigartige Behandlung in einer Riesen-Klangschale

aus massiver Bronze wartet in der Wellness-Oase

des Palace Luzern. Schwingungen in 1000

Frequenzen ermöglichen pure Entspannung und reines

Loslassen für Körper, Seele und Geist. Weil der menschliche

Körper aus viel Wasser besteht, wird die Vibration

gut ins Körperinnere geleitet. Satte 1,2 Tonnen Leergewicht

bringt die an eine bronzene Badewanne erinnernde

Klangschale auf die Waage.

Nur eine knappe halbe Autostunde von Luzern entfernt

liegt – leicht erhöht am Nordufer des Vierwaldstättersees

– das Fünf-Sterne-Hotel Park Weggis, in dem bereits Berühmtheiten

wie Sophia Loren, Grace Kelly, Ingrid Bergmann

und Humphrey Bogart logierten. 2006 stiegen dort

Brasiliens Elite-Kicker ab, um sich auf die Fußball-WM in

Deutschland vorzubereiten. Das mondäne Haus, das im

vergangenen Jahr sein 140-jähriges Bestehen feierte, ist

nicht nur an lauen Sommerabenden eine luxuriöse Oase

der Entspannung, wenn die Beach Bar Lounge am hauseigenen

Strand Cocktails und leichte Snacks bereithält.

Auch wenn die Sonne nicht scheint, dürfte die einzigartige

Kombination aus dem ebenso charmanten wie kompetenten

Service, dem gemütlich-lockeren Ambiente und

der vorzüglichen Kulinarik in drei Restaurants wohl die

meisten Besucher des „The Sparkling Resort“ genannten

Refugiums zu Wiederholungstätern werden lassen.

Christian Euler




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