Katalog LET'S CEE Film Festival 2015

LETSCEE

1. BIS 11. OKTOBER 2015 IN WIEN

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19 MAL IN ÖSTERREICH.


EDITORIAL

Das LET’S CEE Film Festival hat es sich zum Ziel gesetzt, einen positiven Beitrag zum

interkulturellen Dialog auf inner- und zwischenstaatlicher Ebene zu leisten. Schon

bei der Gründung unseres Festivals im Herbst 2011 haben wir das in unsere Statuten

geschrieben und daran hat sich bis heute nichts geändert. Natürlich geht es uns

um die Verbreitung und Förderung von Filmkultur, in unserem Fall eben um die aus

Zentral- und Osteuropa, sowie um die Initiierung von länderübergreifenden Kooperationen

und um einiges mehr, was mit dem Medium Film und der CEE-Region zu tun

hat – aber eben ganz sicher nicht nur darum. Wir haben uns immer auch gesellschaftspolitischen

Aufgaben verpflichtet gesehen und stehen nachdrücklich für einen glas klaren

Wertekanon. Toleranz und Respekt rangieren bei uns ganz oben – und um nichts

weniger wichtig ist uns daher, als logische Folge, die Forderung nach einem interkulturellen

Dialog. Praktisch jeder zweite Wiener hat mittlerweile Migrationshintergrund, und der

Anteil derer, die selber oder von denen zumindest ein Elternteil nicht in Öster reich geboren

ist, wird weiter steigen. Die weitaus meisten Zuwanderer werden dabei auch in absehbarer

Zukunft aus jenen Ländern stammen, die wir mit unserem Festival geografisch

abdecken. Die Welt, das steht für uns ebenfalls fest, wird sich trotz heftiger Turbulenzen

munter weiter drehen. Und sie wird auch in Zukunft den Mutigen ge hören. Denen, die

dem unumkehrbaren demografischen Wandel positiv gegenüberstehen und pro-aktiv

begegnen, jenen, die Zuwanderung als Chance begreifen. Bestehende Ängste gilt es in

diesem Zusammenhang natürlich ernst zu nehmen, erliegen darf man ihnen aber nicht.

Was könnte da also wichtiger sein, als hier zu einer wechselseitigen Verständigung und

mehr noch, zum wechselseitigen Verständnis zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen

beizutragen? Denn nur so können die völlig unzweifelhaft vorhandenen Potenziale

dieser Entwicklung hin zu einer zu nehmend pluralistischen und hoffentlich auch vorurteilsfreieren

und welt offeneren Gesellschaft gehoben sowie unnötige Reibungsverluste

vermieden werden. Zum Wohle aller. Und was wäre besser dazu geeignet Brücken zu

bauen als Kultur, in unserem konkreten Fall eben Filmkultur? Mit den Brücken, die es

zu den Staaten Zentral- und Osteuropas zu errichten bzw. zu verfestigen gilt, verhält es

sich übrigens nicht anders. Österreich war und ist mit dieser Region in vielfacher Hinsicht

verbunden, wirtschaftlich etwa genauso wie historisch und kulturell. Gerade die

unterschiedlichen Positionen unseres Staats- und Gemeinwesens sowie vieler CEE-Länder

in der aktuellen Flüchtlingsfrage zeigen, wie wichtig hier der permanente Austausch ist.

Vom 1. bis zum 11. Oktober 2015 findet das vierte LET‘S CEE Film Festival statt. Wir würden

uns freuen, wenn wir auch Sie bei uns zum interkulturellen Dialog begrüßen dürfen.

Dr. Magdalena Żelasko &

Mag. Wolfgang P. Schwelle

Festivaldirektoren

Festival Directors

The goal of the LET’S CEE Film Festival is not only to create a positive contribution to intercultural

dialogue at state level, but also between states themselves. When establishing

our festival in autumn 2011, we wrote this into our statutes – and until today that hasn’t

changed. Our primary objective is to spread and promote film culture, mainly from

Central and Eastern Europe, and to initiate transnational cooperations connected to

film as a media form and to the CEE region. We have always committed ourselves to a

socio-political viewpoint and stand for a clear set of values. Tolerance and respect are

very important to us, and that is why we strive towards intercultural dialogue. Almost

every second person living in Vienna has a migrant background, and the number of these

people and those whose parents were not born in Austria is increasing. The world we

know, despite turbulences, will continue turning. Moreover, in the future, it will belong

to those who are brave enough to see demographic changes as something positive.

Existing fears cannot be ignored but we should not allow them to consume us. What

could be more important than contributing to mutual understanding and further to the

understanding between different ethnic populations? This is the only way to use the

undoubted potential of the on going development for creating an increasingly pluralistic

cosmopolitan society free of prejudice, and to avoid unnecessary friction – for the sake of

everyone. And what is more suitable to build bridges than culture, and - more specifically

- film culture? In building and strengthening bridges with the countries of Central and

Eastern Europe, it is no different. Austria was and still is connected in many ways with this

region, not only economically, but also historically and culturally. Looking particularly at

the different positions of our state and our community in terms of the refugee situation,

and in relation to the positions of the CEE countries, underlines how important constant

exchange is. The fourth edition of the LET’S CEE Film Festival will be held from 1st to 11th

October 2015. We look forward to welcoming you to our intercultural dialogue.

FOTOS: AB PHOTOGRAPHY

Editorial Dr. Magdalena Żelasko & Mag. Wolfgang P. Schwelle 3


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GRUSSWORTE

Best Wishes

Mag. Christof Papousek

Geschäftsführender Gesellschafter der CINEPLEXX International GmbH

Managing Partner of the CINEPLEXX International GmbH

FOTO: CONSTANTIN FILM

Das LETS´S CEE Filmfestival geht heuer bereits zum vierten Mal über die Bühne und ist aus

dem kulturellen Angebot der Stadt Wien nicht mehr wegzudenken. Elf Tage lang bietet das

einzigartige Festival Kinoliebhabern und Cineasten die Möglichkeit, hochwertige Filmproduktionen

aus unseren südlichen und östlichen Nachbarstaaten kennenzulernen. Die sorgsam

ausgewählten Meisterwerke aus der CEE-Region werden im traditionsreichen Kinosaal

der Wiener Urania, im Actor‘s Studio sowie im Village Cinema Wien Mitte zu sehen sein.

Von aktuellen Produktionen bis hin zu Klassikern, Arthouse und Autorenfilmen bietet das

Festival ein vielfältiges An gebot für jeden Geschmack. Wien als pulsierende Metropole im

Herzen Europas bietet zweifellos den idealen Rahmen für ein derartiges Festival. Die enge

historische, kulturelle und wirtschaftliche Verbundenheit der Stadt mit den CEE-Ländern ist

der beste Beweis dafür. Für Cineplexx International als einer der führenden Kinobetreiber

in der Region sowie für die ganze Constantin Film Unternehmensgruppe ist es uns ein besonderes

An liegen als Presenting Partner das Festival auch heuer wieder zu unterstützen.

Die Filmkunst unserer Nachbarn ist ein kultureller Schatz, den wir den Österreicherinnen

und Österreichern sowie den Migrantinnen und Migranten aus der Region näher bringen

wollen. Genießen Sie die wunderbaren Produktionen! Wir wünschen allen Gästen ein spannendes

LETS`S CEE Film Festival 2015!

This year’s LET’S CEE Film Festival is the fourth staging of a festival that has already

become an integral part of Vienna’s wide range of cultural events. During the eleven

days of this unique festival, film lovers and cineastes have the opportunity to get to know

high quality productions from our neighbouring countries, both to the south and east.

These carefully chosen masterpieces from the CEE region will be shown, not only in the

long-standing cinema hall of the Wiener Urania and the Actor’s Studio, but also in Village

Cinema Wien Mitte. From the latest productions to art house and auteur films as well as

to the classics, the festival offers a wide range of films that cater for all tastes. As a vibrant

city, Vienna is the perfect place for such a festival. The best proof is the city’s close historic,

cultural and economic bond with the CEE region. As Cineplexx International is one of the

leading cinema operators in the region, along with the Constantin Film group, it is important

for us to support once more also this year’s festival as a presenting partner. Our

neighbours’ cinematic art is a cultural treasure, which we want to bring closer to both

Austrians and migrants from the CEE region. So enjoy the fantastic productions! We wish

all our guests an exciting LET’S CEE Film Festival 2015!

Grußwort Mag. Christof Papousek 5


Bernadette und

Gassan sind dabei!

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Sebastian Kurz

Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres

Federal Minister for Europe, Integration and Foreign Affairs

FOTO: FELICITAS MATERN

Ich freue mich, dass auch heuer wieder im Rahmen des LET’S CEE Film Festivals eine

Auswahl der besten Filme aus Zentral-, Ost- und Südosteuropa gezeigt wird. Das Festival

hat sich zum Ziel gesetzt, nicht nur qualitativ hochwertiges Filmschaffen zu präsentieren.

Die Filme sowie frei zugängliche Workshops und Diskussionen sollen auch dabei

helfen, Vorurteile abzubauen, die europäische Identität zu stärken und gesellschaftliche

Problemfelder, die auf länderübergreifender Ebene zur Zeit eine große Herausforderung

darstellen, zu thematisieren. Das sind Ziele, die auch vom österreichischen Außenministerium,

der Sektion für Auslandkultur und unseren Kulturforen und Vertretungsbehörden

in diesen Ländern komplementär verfolgt und unterstützt werden. Als für Integration

zuständiger Minister begrüße ich, dass das Festival mit seiner programmatischen

und inhaltlichen Ausrichtung unsere Anliegen in diesem Bereich unterstützt: Es möchte

Integration als wechselseitigen, von gegenseitiger Wertschätzung und gegenseitigem

Respekt geprägten Prozess vermitteln. Nicht nur die mit kultureller und gesellschaftlicher

Vielfalt verbundenen Chancen, sondern auch die damit verbundenen Herausforderungen

sollen offen und konstruktiv thematisiert werden. Der Österreichische

Integrationsfonds und das BMEIA sind auch heuer wieder Kooperationspartner und

Sponsor des Festivals. Ich bedanke mich bei der Initiatorin und Direktorin Dr. Magdalena

Żelasko und Direktor Mag. Wolfgang P. Schwelle für ihr Engagement und wünsche Ihnen

spannende und bereichernde Vorführungen und Diskussionen.

I’m pleased that once again within the scope of the LET’S CEE Film Festival, a varied

selection of the best Central, Eastern and Southern European films will be shown. The

festival not only aims at presenting high quality cinema. The films, the publicly accessible

workshops and discussions also attempt to overcome cultural bias and strengthen the

European identity, while addressing social issues that currently pose major transnational

challenges. These objectives are not only pursued and supported by the Austrian Ministry

of Foreign Affairs and the Department for Cultural Policy, but also by our Cultural

Forums and representative authorities in the respective countries. As Minister of Integration,

I appreciate the festival’s programming and conceptual alignment supporting our

concerns on the subject, in a bid to convey integration as a reciprocal process shaped

by mutual appreciation and respect. Not only the opportunities but also the challenges

associated with cultural and social diversity are addressed openly and constructively. The

Austrian Fund for Integration and the Austrian Federal Ministry for Europe, Integration

and Foreign Affairs are both acting as festival cooperation partners and sponsors again

this year. I would like to thank the initiator and Director Dr. Magdalena Żelasko and

Director Mag. Wolfgang P. Schwelle for their commitment, and I wish you exciting and

rewarding screenings and discussions.

Grußwort BM Sebastian Kurz 7


Dr. Michael Häupl

Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien

Mayor and Governor of Vienna

FOTO: IAN EHM

In Zeiten, in denen die Themen Migration und Integration immer

mehr im Fokus der Gesellschaft stehen, kommt dem internationalen

Film immer größere Bedeutung zu. Inhalte ermöglichen hier

einen Blick auf andere Länder und Kulturen. Unterhaltung bietet

auch Lerninhalte. Und wer „wissend“ ist, kann sich auch eine eigene

Meinung bilden. Wien hat in Zentral- und West europa noch immer

eine Brückenfunktion, die Ereignisse der letzten Wochen zeigen dies

mehr als deutlich. Das LET´S CEE Film Festival zeigt eine Auswahl

der besten Filme aus diesen Ländern. Alle Veranstaltungen haben

den interkulturellen Dialog als Mittelpunkt. Als unverzichtbaren Teil

einer Gesellschaft, die denken und verstehen soll. Das bewegte Bild

bewegt hier Herz und Verstand. Ich wünsche den Veranstalterinnen

und Veranstaltern viel Erfolg sowie dass möglichst viele Besucherinnen

und Besucher dem Ruf „Let´s see CEE“ folgen.

In times during which the issues of migration and integration

are increasingly important topics in society, the significance of

international films is also growing, as the stories allow a glimpse

into other countries and cultures. Entertainment also provides

learning content. Whoever is “knowing” is also able to form a

personal opinion. Vienna has established itself as a gateway-bridge

between Western and Central Europe, which is shown clearly

by the last weeks' events. The LET'S CEE Film Festival presents

a selection of the best movies from these Central and Eastern

European countries, and intercultural dialogue takes center stage

in all the events. As an indispensable part of a society that should

be able to think and understand. The moving image connects

with both heart and mind. I wish the organizing team every success

and hope that as many visitors as possible will follow the call

to “Let’s see CEE”.

Grußwort Bürgermeister Dr. Michael Häupl 9


Verwertungsgesellschaft

der

Filmschaffenden

Collecting

Society

of Audiovisual

Authors

Wir vertreten die

Rechte von Regie,

Kamera, Filmschnitt,

Szenenbild, Kostümbild

& Schauspiel.

vdfs.at


Dr. Andreas Mailath-Pokorny

Amtsführender Stadtrat für Kultur und Wissenschaft in Wien

Executive City Councillor for Cultural Affairs and Science

FOTO: SABINE HAUSWIRTH

Die Filmstadt Wien ist seit einigen Jahren auch eine Stadt der Filmfestivals, die das vielfältige

Publikum dieser Stadt widerspiegeln. LET‘S CEE mit seinem Schwerpunkt auf zentralund

osteuropäischem Film ergänzt das vorhandene breite Spektrum um eine wichtige

Facette. In einer Stadt, die sich so rasant verändert wie Wien, kann täglich erlebt werden,

wie verunsichernd große gesellschaftliche Umbrüche im Alltag wirken. Wenn längst

überwunden geglaubte Nationalismen wieder aufleben, ist der Blick über die Grenzen

unverzichtbar, um eine unübersichtlich gewordene Welt verstehen zu können. Dabei

wird auch klar, dass es für die Probleme unserer Zeit keine einfachen Patent lösungen gibt

und dass die Versprechungen der starken Männer und Frauen trügerisch sind, weil sie

den komplexen Realitäten letztlich nicht standhalten. Kunst und Kultur können bei der

Bewältigung dieser Veränderungen eine Stütze sein, indem sie andere Perspektiven und

ungewöhnliche Auswege aufzeigen, indem sie Gemeinschaft stiften und einen Ort der

Reflexion schaffen. Das Festival LET‘S CEE mit seinem umfangreichen Rahmenprogramm

leistet dazu einen wesentlichen Beitrag und die alljährlich steigenden Besucherzahlen

sind ein klares Indiz für das Interesse der ZuseherInnen. In diesem Sinne wünsche ich

dem Publikum spannende Kinoerlebnisse und viele anregende Diskussionen danach.

For some years now, the film city of Vienna has also been a place of film festivals reflecting

the diverse audiences of this city. LET’S CEE with its focus on Central and Eastern

European cinematography complements the existing broad spectrum with an important

extra facet. In a city that is changing as rapidly as Vienna, one can feel on a daily

basis how unsettling big social upheavals can be in everyday life. It’s vital to look across

borders to understand a world that has turned ever more confusing, even more so in

a time of resurgent nationalism which had seemed to be overcome. This also makes it

clear that there are no easy shortcuts, and that promises of strong men and women are

deceptive, since they can’t withstand complex realities. Art and culture can help cope

with and support these changes by showing different perspectives and unique means

of escape, through bringing about communities and creating a place of contemplation.

The LET’S CEE Film Festival with its extensive supporting programme makes an essential

contribution to this, and the rising numbers of visitors every year are a clear sign of the

audience’s interest. In this sense, I wish the audience a thrilling cinema experience and

lots of inspiring discussions afterwards.

Grußwort Stadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny 11


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Weekender

Kulinarik

Abenteuer

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INHALTSVERZEICHNIS

Table of Contents

Editorial

Editorial

Seite 03

Rahmenprogramm

Fringe Events

Seite 40

Polnische Highlights

Polish Highlights

Seite 152

Grußwort Christof Papousek

Best Wishes Christof Papousek

Seite 05

Eröffnungsfilm

Opening Film

Seite 42

Tschechische Highlights

Czech Highlights

Seite 156

Grußwort Sebastian Kurz

Best Wishes Sebastian Kurz

Seite 07

Abschlussfilme

Closing Films

Seite 44

Museum "Revolution"

Museum "Revolution"

Seite 158

Grußwort Michael Häupl

Best Wishes Michael Häupl

Seite 09

Želimir Žilnik

Želimir Žilnik

Seite 48

Young Generation

Young Generation

Seite 160

Grußwort Andreas Mailath-Pokorny

Best Wishes Andreas Mailath-Pokorny

Seite 11

Spielfilm-Wettbewerb

Feature Film Competition

Seite 51

Schulkino

School Cinema

Seite 162

Inhaltsverzeichnis

Table of Contents

Seite 13

Dokumentarfilm-Wettbewerb

Documentary Competition

Seite 73

Kurzfilme außer Konkurrenz

Shorts Out of Competition

Seite 164

Und wieder Danke. Danke sehr.

Thank you. Thank you very much. Seite 15

Wettbewerb Promising Debuts

Competition Promising Debuts

Seite 96

Master Classes

Master Classes

Seite 173

Sponsoren, Förderer & Partner

Sponsors, Supporters & Partners

Kurzfilm-Wettbewerb

Short Film Competition

Seite 18 Seite 107

Industry Events

Industry Events

Seite 180

Kuratoren

Curators

Antikriegsfilm-Retrospektive

Anti War Movie-Retrospective

Seite 21 Seite 112

Films & Books

Films & Books

Seite 182

Juroren

Jury

25-The Retrospective

25-The Retrospective

Seite 23 Seite 119

Films & Music

Films & Music

Seite 184

Zu Gast bei LET'S CEE

Guests of LET'S CEE

Seite 26

Highlights: Forever Friends

Highlights: Forever Friends

Seite 127

Location -Partner, Partyline

Location-Partner, Partyline

Seite 190

Festivalkinos

Festival Cinemas

Seite 33

Highlights: Familienbande

Highlights: Family Ties

Seite 136

Team

Team

Seite 194

Preise

Awards

Seite 36

Yury Bykov im Fokus

Focus on Yury Bykov

Seite 144

Impressum

Imprint

Seite 196

Das Programm im Überblick

Programme Overview

Seite 38

Oscar Nights

Oscar Nights

Seite 148

Index

Index

Seite 198

Inhaltsverzeichnis 13


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UND WIEDER

DANKE. DANKE SEHR.

Thank you. Thank you very much.

Als Direktoren des LET‘S CEE Film Festivals bedanken wir uns bei all jenen Personen (und

damit auch bei jenen Organisationen, für die eben diese im Falle des Falles stehen), ohne

die wir dieses Festival nicht veranstalten hätten können. Wir danken allen und jedem ganz

explizit und ganz besonders. Wer nicht dabei war, kann sich wohl nur schwer vorstellen,

was einige von den Genannten auch heuer wieder für das Festival geleistet haben. Allen

in der Folge angeführten Namen gebührt daher unser großer und respektive sogar

unser größter Dank. Und zwar ohne jegliche Reihung abseits einer alphabetischen. Und

im Wissen, dass die Liste nicht ganz gerecht ist, denn: Manche haben nur sehr wenig,

aber doch etwas zum Gelingen des LET‘S CEE Film Festivals beigetragen, und manche

sehr, sehr viel. Hier exakt abzuwägen, ist freilich ein Ding der Unmöglichkeit. Bei unseren

Sponsoren und Partnerunternehmen haben wir versucht, alles, was wir an Unterstützung

gekriegt haben, so gut es ging oder sogar darüber hinaus mit Gegenleistungen

abzugelten. Bei unseren MitarbeiterInnen ging das natürlich nicht. Einfach weil uns dazu

nach wie vor die Mittel fehlen. Was wir ihnen geben konnten, war die Gelegenheit, Teil

eines fantastischen Projekts zu werden und das Wissen, dass es ohne sie dieses Festival

nie gegeben hätte. Und da fast alle von denen, die wir hier erwähnen, dazu beigetragen

haben, dass die Arbeit rund um das Festival keine Qual, sondern in allererster Linie eine

große, oft anstrengende, aber sehr sinnvolle Herausforderung geworden ist, bedanken

wir uns gleich doppelt. Danke, und nochmals danke. Sollten wir jemanden, trotz größter

Sorgfalt, vergessen haben zu erwäh nen, gilt dem- oder derjenigen nicht nur ebenfalls

unser Dank, sondern natürlich auch jetzt und hier gleich eine Entschuldigung: Sorry, das

tut uns leid. Und wir versprechen jetzt schon: Wir werden das nachholen und jeden der

vergessenen Namen im nächsten Katalog erwähnen.

As the directors of the LET’S CEE Film Festival, we wish to thank all those people (and

also the organisations they represent) without whose help this festival would never have

been possible. We thank each and every one individually. People who were not involved

cannot possibly imagine just what some of these people did for this festival again

this year. To all those mentioned below we owe our gratitude and greatest thanks, in

no other order but the alphabetical. And we know that the list still does not do full

justice to all: Some made small but important contributions to the success of the LET’S

CEE Film Festival, while others did so very, very much. All the work was immeasurably

valuable and thus it is absolutely impossible to weigh the individual contributions.

We did our best to return all the support of our sponsors and partners adequately or

even more than that by providing services in return. That is of course something that

we could not do for our personnel, simply because we still lack the financial means

to do so. What we could provide them with was the experience of having worked on

a fantastic project and the certainty that this festival would never have been possible

without them. And because almost all of those listed here have contributed a lot

to making the work on this festival a great, often tiring, but very rewarding challenge

rather than an ordeal, we want to thank them again. Thank you, thank you so very much.

If, despite our greatest care, we forgot to mention somebody, we not only want to thank

you, but also to apologise right here and now: We are really very sorry. And we promise

right now: We will make up for that and mention each name we forgot this time around

in next year’s catalogue.

Magdalena Żelasko & Wolfgang P. Schwelle

Festivaldirektoren

Festival Directors

Danksagung 15


Film ab für pünktlichen Versand!

Sie freuen sich auf großes Kino aus Zentral- und Osteuropa. GLS sorgt dafür, dass die Filme

beim LET‘S CEE Film Festival in Wien ankommen. Pünktlich und sicher.

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Achleitner Carl, Adamczyk Ilona, Adelsberger Martina, Akyol Yasemin, Albiez Nicole,

Altinyildiz Sanem, Alvarez Pablo, Amtmann Lili, Angerer Matthias, Antic Aleksandra,

Ardelean Sergiu, Arsovska Katherina, A.Y., Baftiaj Anita, Baich Alena, Bakula Sandra,

Barfuss Clemens, Beck Alfred Michael, Beck Amrei, Beker Boris, Berlinski Maga Natalia,

Berndl Ruslana, Bernhard Gily, Bernhard Julia, Bielecka Magdalena, Bilek Olga, Biringer

Katharina, Bischof Anna-Lisa, Blahut Stephan, Blauensteiner Stefanie, Bodenseher Pia,

Böhm David, Braun Kathrin, Briede Liene, Brytan Agnieszka, Bukowiecka Agnes, Cakir

Erkan, Choueiri Anne-Lise, Cieślik Marzena, Cockburn Harlan, Cornisteanu Irina, Danzinger

Andreas, Dechant Ursula, Dedic Amra, Dedic Tajda, Deimbacher-Sand Maya, Diaz

Helena, Dillinger Anna, Dimmel Gloria, Disoski Meri, DJ Lippe, Djurovic Lora, Dominik

Brunner, Dyagileva Irina, Dybaś Bogusław, Eder Fritz, Engler Sandra, Eppensteiner Barbara,

Erdösi Livia, Ernst Gabriele, Ernst Zuzana, Euringer Isabelle, Feest Thomas, Fink

Tone, Fischnaller Lukas, Floigl Eva, Flores Perez Isidro, Florian Feik, Fohringer Barbara,

Franklin Anna, Freiheit Sophia, Freundorfer Heidemaria, Fronius Isabella, Fürstenberg

Stephanie, Gabl Valerie, Gasimova Leyla, Gatternig Paul, Gerersdorfer Michael, Glowacki

Izabella, GLS-Kuriere, Grill Daniela, Gruber Sigrid, Haderer Chris, Hadžić Muhamed,

Halada Alex, Halilbasic Senad, Hamad Linda, Hauser Constanze, Heidelinde Pfaffenbichler-Oberhauser,

Herbig Laura, Hestmann Jan, Höch Kristina, Hodzic Medina, Hofferer

Robert, Holder Lisa, Hollenthoner Alina, Holt Robert L. mit Familie, Holzapfel Florian,

Hribar Lena, Illers Marlene, Ince Rüya, Ipsmiller Eva, Ivasivka Luba, Jacobs Melanie, Jäger

Christian, Jakubec Christian,, Jasenko Alexandra, Jociute Marija, Jodkowski Agnes, Kaiser

Alexander, Kaltenecker Christoph, Kantner Wolfgang, Kapl Christina, Karas Volha, Karner

Johannes, Kastelic Michael, Kavin Jakub, Kienböck Rainer, Klatev Stefan, Klausriegler

Melanie, Klein Cristina-Estera, Klepacka Joanna, Knollmayr Jacqueline, Kocjančič Nerina,

Kogler Claudia, Kollwig Alexandra, Konar Rudi, Kopeć Teresa, Kostić Miša, Kottal Claudia,

Krafl Martin, Krammer Martin, Krappel Michael (fii), Krappinger Michael, Kreuzer Julia,

Kukla Łukasz, Kukla Marcin, Kunovac Goran, Kunovac Njegoslav, Kurt Ockermüller, Lai

CJ, Lang Ilona, Langhammer Christian, Laub Gerhard, Lerch Leonarda, Lewandowska

Paulina, Lichtkoppler Elisabeth, Lischka Anna, Lorkowski Artur, Löschenbrand Andrea,

Löwer Raffaela, Lukassen Wolfgang, Lux Katja, Mahrer Klaus, Makazaria Alexandrowitsch

Georgij, Malenšek Anja, Mally Romana, Mandl Elisabeth, Marszałkowska Magdalena,

Martinek Michael, Matic Uschi, Matthies Maria, Mauser Carolina, Melzer Karin, Memić

Nedad, Mendrina Franziska, Mijatovic Tamara, Milanovic Slavisa, Milica Markovic, Mitterlehner

Daniela, Möslinger Anna, Mujović Denis, Müllner Monika, Muñoz Víctor M., Nadjafkhani

Katayun, Nemetz Daniela, Neu Elisabeth, Neu Sofie, Neumeier Lisa, Neureiter

Marissa, Neuzil Patrick, Neves Márcia, Niesielska Liliana, Niftaliyev Elgün, Nigitz Andreas,

Nirschl Matthias, Novak Ana, Novak Eva, Novak Katharina, Novakovic Goran, Oberhofer

Lena, Ockermüller Kurt, Odorowicz Agnieszka, Oidekivi Rein, Olar Alina, Orságová

Barbora, Ortiz Tamara, Osipova Anastasia, Ossberger Philipp, Ovtcharov Todor, Pachler

Gabi, Palada Mina, Palasser Sebastian, Palzer Michael, Paneva Teodorova Milena, Pantelić

Tatjana, Papousek Christof, Pejic Patrick, Perschon Tobias, Peter Georg, Petkovic Jennifer,

Pfeiffer Matthias, Pilić Ivana, Piotrowski Wanda, Pitscheider Lukas, Platzer Hannah,

Pöder-Innerhofer Walter, Polzer Julia, Präg Anna, Pritzl Florian, Prock Maria, Prost Sebastian,

Puktalović Siniša, Rabl Alice, Raczek Tomasz, Radić Miron, Raffner-Sirakov Viola,

Ranacher Ruth, Rapf Sheela, Reichmuth Lena, Reis Leonhard, Reisinger Theresa, Renner

Wolfgang, Renzhofer Anna-Maria, Resch Carina, Riahi T. Arash, Riahi T. Arman, Riedler

Christoph, Roehsler Peter, Rosetti-Dobslaw Alexandra, Sagmeister Aurelia, Salehi Barbara,

Samandarova Alexandra, Sanosian Sevak, Sattlecker Hannah, Scherrer Christina,

Schlögl Stefanie, Schmid Carola, Schmitt Valerie, Schöber Peter, Schödl Gernot, Schreiber

Uschi, Schubert Lilly, Schühler Gerhard, Schwarz Daniela, Schwarz Florian, Schwarz

Sandra, Schweiger Tabea, Sdvizhkova Iuliia, Sechter Jan, Seebacher Dominik, Shapran

Vadym, Sidl Günther, Siegl Lea, Silent Mind, Siwy Richard, Sluganovic Anto, Smolean

Patricia, Solomon Madalina, Sommerer Susanne, Šešić Rada, Soso & Ella, Šoše Dino,

Spöri Tobias, Spöri Tobias, Spörl Axel, Stajić Gordana, Stanuch Rafael, Starodub Linda,

Steiner Sandra, Steven Meyer, Stoilova Rumina, Stolbova Ekaterina, Suritsch Markus, Susanne

Rose, Svetic Anita, Tacho Stephanie, Talik Malwina, Teichmann Roland, Teutsch

Susanne, Theresa Reisinger, Thiele Christina, Tobias Perschon, Tobisch Miriam Laura, Todorovic

Milena, Tröstler Dagmar, Tsoneva Andriana, Uchman Katarzyna, Unger Mirjam,

Ungerböck Andreas, Varadin Dejana, Vidic Mitra, vlad.is.a.dj, Vladusic Jana, Voglsam

Elisabeth, Waba Victoria, Wabnitz Sandra, Walder Verena, Weeger Maren, Weiner Katharina,

Weninger Julia, Wesely Peter, Wesołowska Weronika, Wiebe Katja, Więckowski

Wojciech, Wieser Rudolf, Wieser-Enk Alexandra, Wiesinger Johanna, Wiesinger Nikola,

Wilfer Marie-Christine, Familie Wograndl, Wohlschlager Ursula, Wojciechowska Katarzyna,

Wolf Franz, Wolfram Caroline, Woller Ernst, Wolzt Andrea, Wöppermann Katharina,

Wrzochalski Bogdan, Yilmaz Göksen, Zenz Geraldine, Zieliński Filip, Zottmann Helena,

Zwerger Patrick, Zwettler Ursina, Żelasko Bogusława, Żelasko Stanisław, Żylicz Izabela

Danksagung 17


Cinemas

Presenting Partner

Location Partners

Main Sponsors and Funders

ÖSTERREICHISCHER GEWERBEVEREIN

Plattform für Unternehmer

seit 1839

Main Partners

18 Sponsoren, Förderer, Partner


Main Supporters & Main Programme Supporters

Supporters & Programme Supporters

MBE 0011

Main Media & Marketing Partners

FILMNEWEUROPE.COM

Ebenfalls HERZLICHEN DANK an unsere Programm-Partner: Aktionsradius Wien, Azerbaijanfilm Film Studio, KunstSozialRaum Brunnenpassage, Büchereien Wien, European Film Festival, Verein Goodball,

ORF-Lange Nacht der Museen, Raindance Film Festival, Universität Wien – Institut für Politikwissenschaft, Vienna Business Week, Wiener Integrationswoche, Verein XYZ; an weitere Unterstützer: All Languages

Alice Rabl GmbH (Übersetzungen), Brauerei Velkopopovický Kozel/Brunner & Danzinger KG (Bier-Partner), Restaurant Pescaria Konoba, Patrick Pejic & das Team der ORANGE LOUNGE, Piotrowski Brötchenstube

(allesamt Catering-Partner), UNION CAR (Autovermietung); an folgende Organisationen und Institutionen: Botschaft der Tschechischen Republik in Wien, Botschaft der Republik Estland in Wien, Collegium

Hungaricum Wien, HAVC – Croatian Audiovisual Centre, Forum Polonii w Austrii, Österreichisch-Rumänische Gesellschaft, Slowakisches Institut, Stadt Wien Marketing, Stadtschulrat für Wien, Tschechisches Zentrum Wien,

Wissenschaftliches Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften sowie an weitere Medien- und Marketing-Partner: CK Medienverlag, Ekran, elipsa.at, Gewista, Jugendkarte GmbH/ European Youth Card

Austria, Favourite, Festhome, fresh – Black Austrian Lifestyle, goodnight.at, Magazyn Kulturalno-Informacyjny Jupiter, KOSMO, kroativ.at, Lichtspiele, Link to Poland, M-Media Diversity Mediawatch Austria, Polonika.

Sponsoren, Förderer, Partner 19


www.Liliac.com

Official Film Festival Wine


KURATOREN

Curators

Tomasz Raczek

Kurator für den Spielfilm-Wettbewerb

Curator of the Feature Film Competition

Tomasz Raczek, geboren 1957 in Warschau, ist Filmkritiker, Journalist und Verleger. Nach

seinem Studium der Theaterwissenschaften an der Theater-Akademie in Warschau

hat er einige Fernseh- und Radiosendungen initiiert und moderiert sowie Beiträge

für mehrere Fachzeitschriften geschrieben. Tomasz Raczek war weiters der Herausgeber

und erste Redakteur der Polnischen Ausgabe des Playboy. Als Programmdirektor

des Verlagshauses Gruner+Jahr Polska hat er unter anderem die Wochenzeitschrift

Gala auf dem polnischen Pressemarkt etabliert. Er war literarischer Leiter von mehreren

polnischen Theatern und stellvertretender Direktor des zweiten Programms des

polnischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Im Jahr 2009 gründete er zwei TV-Kanäle

sowie einen digitalen Radiosender mit Filmmusik, welche er bis 2011 leitete. Darüber

hinaus gründete er 2002 seinen eigenen Verlag Latarnik, den er bis heute führt. Raczek

war auch Chefredakteur von FILM, dem bekanntesten Filmjournal Polens. Er ist weiters

Autor des Buches KINOPASSANA, in dem er praktische Anwendungen der Kinotherapie

erläutert. Zudem betreibt er einen Videoblog auf dem Internetportal onet.pl und zeichnet

für zahlreiche Fernseh- und Radioprogramme mit Filmschwerpunkt verantwortlich.

Tomasz Raczek, born in Warsaw in 1957, is a film critic, journalist and publisher.

After completing his drama studies at the Theatre Academy in Warsaw, he has initiated

and presented several television and radio broadcasts and has written articles for

various professional journals. Tomasz Raczek was also the publisher and first editor of

the Polish edition of Playboy. As programme director of the publishing house Gruner

+Jahr Polska, he introduced, among others, the weekly magazine Gala to the Polish

press market. He used to be the literary director of several Polish theatres and deputy

director of Poland’s second public-service television channel. In 2009, he founded two

TV channels and a digital radio channel featuring film music, which he headed until

2011. He is also the director of his own publishing house, Latarnik, which he established

in 2002. Tomasz Raczek has been also the editor-in-chief of Poland's best-known

film journal FILM. In his book KINOPASSANA he explains the practical application of

cinema therapy. Further, he runs a video blog on the internet platform onet.pl and is

responsible for numerous TV and radio programmes with an emphasis on movies.

FOTO: ADAM HARRY CHARUK

Rada Šešić

Kuratorin für den Dokumentarfilm-Wettbewerb

Curator of the Documentary Competition

Rada Šešić, geboren 1957 in Bjelovar/Kroatien, studierte und arbeitete in Sarajevo bevor

sie 1993 nach Utrecht übersiedelte. Sie ist Filmemacherin, Kritikerin, Journalistin und

Filmdozentin und hat bereits bei mehreren internationalen Filmfestivals (International

Documentary Film Festival Amsterdam, International Film Festival Rotterdam, Sarajevo

Film Festival, Dok Leipzig und International Film Festival of Kerala) als Kuratorin oder

Jurymitglied mitgewirkt. Šešić lehrt seit vielen Jahren an der Universität von Amsterdam,

ist Gastdozentin an der Filmhochschule in Genf sowie an der Anadolu Universität

in der Türkei und hat mehrere Workshops in Europa und Indien konzipiert und geleitet.

Ihre Kurz- und Dokumentarfilme gewannen mehrere Auszeichnungen, wurden auf

über 40 internationalen Filmfestivals präsentiert und im MoMA in New York archiviert.

Rada Šešić, born 1957 in Bjelovar in Croatia, studied and worked in Sarajevo before

moving to Utrecht in 1993. She is a filmmaker, a critic and film professor and has worked

at several international film festivals (International Documentary Film Festival

Amsterdam, International Film Festival Rotterdam, Sarajevo Film Festival, DOK Leipzig

and International Film Festival of Kerala in India) both as a curator and a jury member.

Rada Šešić has been teaching at the University of Amsterdam for many years

and is a visiting lecturer at the Film School in Geneva and at the Anadolu University

in Turkey. She has also planned and held several workshops in Europe and India. Her

short films and documentaries have won several awards and were presented at over

40 international film festivals. Her films have been archived at the MoMA in New York.

FOTO: PRIVAT

Kuratoren 21


Arman T. Riahi

Kurator für den Kurzfilm-Wettbewerb

Curator of the Short Film Competition

Arash T. Riahi

FOTO: JÖRG BURGER

Kurator für den Kurzfilm-Wettbewerb

Curator of the Short Film Competition

Arash T. Riahi, 1972 im Iran geboren, lebt seit 1982 in Österreich. Nach seiner Zeit als Student

der Film- und Geisteswissenschaften an der Universität Wien war er freier Mitarbeiter des

ORF, unter anderem bei den Sendungen nitebox und kunst-stücke. 1997 gründete er

gemeinsam mit Kollegen die Film- und Medienproduktions firma Golden Girls Film produktion.

Riahis Filmschaffen umfasst eine Reihe von Dokumentarfilmen, Werbespots, Musik-Videos,

Kurz- und Experimentalfilmen, darunter auch die mehrfach international prämierte Familiengeschichte

Exile Family Movie oder das Cross-Mediaprojekt Everyday Rebellion, das er

mit seinem Bruder Arman realisierte. Sein erster Spielfilm Ein Augenblick Freiheit aus dem

Jahr 2008 erhielt 31 internationale Auszeichnungen und war der österreichische Kandidat

für den Auslands-Oscar 2010. Seit 2010 arbeitet er auch als Dramaturg unter anderem

beim MEDIA Programm SOURCES 2 und seit 2014 lehrt er auf der Filmakademie Wien.

Arash T. Riahi, born 1972 in Iran, has been living in Austria since 1982. After graduating

in film studies and humanities at the University of Vienna, he worked as a freelancer

for the Austrian TV Channel ORF on television programmes such as nitebox and

kunst-stücke. In 1997 he founded the film and media production company Golden Girls

Film produktion. His body of work comprises various award-winning documentaries,

commercials, music videos, short and experimental films, including the award-winning

documentary Exile Family Movie, or the cross-media project Everyday Rebellion, which he

realised with his brother Arman. His first feature film For a Moment Freedom from the year

2008 received thirty-one international awards and was Austria’s candidate for the Best

Foreign Language Film at the Academy Awards in 2010. He is also working as a dramatic

advisor and has been a group leader at the MEDIA scriptwriting programme SOURCES

2 since 2010. For one year now he has been teaching at the Filmacademy of Vienna.

FOTO: PRIVAT

Arman T. Riahi wurde 1981 im Iran geboren und ist in Wien aufgewachsen. Er studierte

Medientechnik und arbeitete als Grafik- und Screendesigner in London. Seit 2005

ist er als Regisseur und Autor für verschiedene Film- und Fernsehproduktionen tätig,

unter anderem gestaltete er Sendungen für die Donnerstag Nacht im ORF. Zu seinen

wichtigsten Arbeiten zählen die Dokumentarfilmreihe Momentum – What drives you

(2008-2012), die fünfteilige TV-Dokumentation Africa Race (2013) und der Kinodokumentarfilm

Schwarzkopf (2011), der als Eröffnungsfilm bei der 17. Ausgabe des Sarajevo

Filmfestivals gezeigt wurde und den Publikumspreis bei der Diagonale gewann. 2013

wurde Arman T. Riahi das Start-Stipendium für Filmkunst des BKA zugesprochen und

seit zwei Jahren ist er auch als FH-Dozent im Masterstudiengang „Medientechnik“ tätig.

Arman T. Riahis erster Film mit seinem Bruder Arash, das Cross-Media-Projekt Everyday

Rebellion (2014), wurde bisher auf über 40 internationalen Festivals gezeigt und gewann

mehrere Preise, wie beispielsweise den Publikumspreis beim CPH:DOX Copenhagen

International Documentary Film Festival, den Cinema for Peace Award 2014 oder den

CIVIS Media Online Preis. Momentan arbeitet Arman T. Riahi an seinem ersten Spielfilm.

Arman T. Riahi was born in Iran in 1981 and grew up in Vienna. He studied media technology

in Vienna and worked as a graphic and screen designer in London. He has

been working as a director and author for several film and TV productions, such as the

Donnerstag Nacht format on Austrian state television ORF, since 2005. His most important

works include the film series Momentum – What drives you (2008-2012), the five-part TV

documentary Africa Race (2013), as well as the feature documentary Schwarzkopf (2011),

which premiered as the opening film of the 17th Sarajevo Film Festival and won the

Audience Award at the Diagonale film festival. In 2013 Arman T. Riahi was granted the

Start-Scholarship for Film Arts of the Federal Chancellery of Arts. Since 2013 he has also

been working as a lecturer at the University of Applied Sciences for Media Technology.

Arman T. Riahi’s first film with his brother Arash, the feature documentary and cross- media

project Everyday Rebellion (2014), was screened at over 40 international film festivals and

won several awards like the CPH:DOX Politiken Audience Award at the Copenhagen

International Documentary Film Festival 2013, the 2014 Cinema for Peace Award, or the

CIVIS Online Media Prize. Currently, Arman T. Riahi is working on his first feature film.

22 Kuratoren


Jan Cvitkovič

Spielfilm-Wettbewerb

Feature Film Competition

Ursula Wolschlager

Spielfilm-Wettbewerb

Feature Film Competition

Katharina Wöppermann

Spielfilm-Wettbewerb

Feature Film Competition

Barbara Eppensteiner

Jury Dokumentarfilm-Wettbewerb

Jury Documentary Competition

Der slowenische Regisseur Jan Cvitkovič wurde 1966

geboren. Sein Physikstudium an der Universität Ljubljana

brach er nach einem Jahr ab und begab sich auf

eine lange Reise durch Israel, Ägypten und Ostafrika.

Nach seiner Rückkehr studierte er Archäologie in

Ljubljana. Erst danach begann er, Filme zu machen.

Jan Cvitkovič feierte schnell Erfolge. So wurde er

bereits für seinen Debütfilm Bread and Milk bei den

Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet

und die Komödie Gravehopping wurde in

San Sebastián prämiert. Šiška Deluxe, Cvitkovič‘ neuester

Film, ist dieses Jahr in der Reihe „Highlights:

Forever Friends“ am LET’S CEE Film Festival zu sehen.

Ursula Wolschlager arbeitet seit 1994 als Produzentin,

Produktionsleiterin und Dramaturgin, unter

anderem mit Michael Glawogger, Nathalie Borgers,

Christian Frosch, Bakhtiar Khodoynazarov und

Barbara Albert in Österreich, Russland, Griechenland,

USA, Tadschikistan und Ägypten. 2008 hat sie die

Filmproduktion und Entwicklungsschmiede Witcraft

Szenario OG gegründet. Dort entstanden unter

anderem Die Vaterlosen, Ma Folie und Gangster

Girls. Filme, die sie mitverantwortete, erhielten

zahlreiche internationale Auszeichnungen. Für

ihr Schreiben wurde Ursula Wolschlager mit dem

Carl Mayer Drehbuchförderpreis ausgezeichnet.

Die in Wien geborene Katharina Wöppermann hat

Bühnenbild an der Akademie der bildenden Künste

in Wien studiert. Schon während des Studiums arbeitete

sie als Filmausstatterin. Wöppermann zeichnete

bislang für das Production Design und manchmal

auch für das Kostümbild von über 50 Spielfilmen verantwortlich,

vorwiegend von Autorenfilmen fürs Kino

im In- und Ausland. Zu ihren Arbeiten zählen Amour

Fou (2014), Finsterworld (2013), Lourdes (2009) und

Klimt (2006). Für Stillleben (2011) wurde sie bei der

Diagonale für das beste Kostümbild ausgezeichnet

und für Women Without Men (2009) erhielt sie den

Österreichischen Filmpreis für die beste Ausstattung.

Barbara Eppensteiner ist seit 2005 Programmintendantin

von OKTO, dem ersten nichtkommerziellen,

partizipativen TV-Sender in Österreich. Die

Medienpädagogin und Medienwissenschaftlerin war

nach ihrem Studium in Klagenfurt, Wien und London

von 1987 bis 2010 Leiterin des Medienzentrums in Wien

und hat dort unter anderem die wienervideo&filmtage

und das Internationale Filmfestival für junge Leute

mitentwickelt. Eppensteiner hat unter anderem auch

als Kuratorin wiederholt die Nachwuchsprogramme

der Diagonale verantwortet, war schon bei diversen

Filmfestivals Jurymitglied und ist Mitglied

der Jugendmedienkommission des BMBWK.

The Slovenian director Jan Cvitkovič was born in

1966. He dropped out from his physics studies at

the University of Ljubljana after one year and took

to travelling across Israel, Egypt and East Africa. After

his return he studied archeology in Ljubljana. Upon

graduating, he started to make films. Jan Cvitkovič

enjoyed large successes really soon. Thus, he was

awarded at the Venice International Film Festival for

his debut film Bread and Milk and in San Sebastián

for his comedy Gravehopping. His new film Šiška

Deluxe can be seen within the series “Highlights: Forever

Friends” at the LET’S CEE Film Festival this year.

Since 1994, Ursula Wolschlager has worked as producer,

production manager and dramatic adviser in

cooperation with filmmakers such as Michael Glawogger,

Nathalie Borgers, Christian Frosch, Bakhtiar

Khodoynazarov and Barbara Albert in countries including

Austria, Russia, Greece, the US, Tajikistan and

Egypt. She founded the film production and development

centre Witcraft Szenario OG in 2008, where films

such as Die Vaterlosen, Ma Folie and Gangster Girls

came into being. Besides having won many international

awards for films that she was involved in, she also

received the Carl Mayer Script Prize for her writing.

Born in Vienna, Katharina Wöppermann studied

stage design at the Academy of Fine Arts Vienna.

Already during her studies she worked as a film set

designer. Wöppermann was so far responsible for the

production design and sometimes even costu me

design of more than 50 feature films, primarily author

films for cinemas at home and abroad, such as

Amour Fou (2014), Finsterworld (2013), Lourdes (2009)

and Klimt (2006). Katharina Wöppermann received

an award for Best Costume Design at Diagonale for

Stillleben (2011) and the Austrian Film Prize for Best

Production Design for Women Without Men (2009).

Since 2005 Barbara Eppensteiner has been the programme

coordinator for OKTO, Austria’s first non-commercial,

participatory TV-station. After her studies in

Klagenfurt, Vienna and London, the media edu cator

and media scholar has been the directress of the

Viennese Media Centre from 1987 to 2010. There she

co-developed “wienervideo&filmtage” and “Internationales

Filmfestival für junge Leute”. Besides being

repeatedly responsible for the newcomer programme

at Diagonale and juror at various film festivals, she is also

member of the Youth Media Commission of the Austrian

Federal Ministry of Education, Science and Culture.

Juroren 23


Peter Roehsler

Jury Dokumentarfilm-Wettbewerb

Jury Documentary Competition

Marcin Szczygielski

Jury Dokumentarfilm-Wettbewerb

Jury Documentary Competition

Dragan Bjelogrlić

Jury Wettbewerb Promising Debuts

Jury Competition Promising Debuts

Kurt Ockermüller

Jury Wettbewerb Promising Debuts

Jury Competition Promising Debuts

Peter Roehsler ist einer der renommiertesten

Kameramänner und Produzenten Österreichs. Nach

seinem Studium an der Hochschule für Musik und

darstellende Kunst in Wien war er als Projektleiter

und Organisator der Kinowochenschau Kenya Newsreel

in Nairobi, Kenia, tätig. 1980 gründete er die Peter

Roehsler Filmproduktion, die im Jahr 1988 zur Nanookfilm

GmbH umgewandelt wurde und die er bis heute

führt. Roehsler arbeitete sowohl als Kameramann als

auch als Produzent mit zahlreichen namhaften Regisseuren,

wie etwa Houchang Allahyari (u.a. Der letzte

Tanz, Villa) oder Peter Kern (u.a. Haider lebt – 1. April

2021, Mörderschwestern, Der letzte Sommer der Reichen).

Marcin Szczygielski wurde 1972 in Warschau

geboren. Er schreibt Romane sowie Theaterstücke

und war zuvor bereits als Grafiker und als Journalist

erfolgreich tätig. 2003 veröffentlichte er seinen

Debütroman PL-BOY, in dem er eigene Erfahrungen

aus der polnischen Playboy-Redaktion satirisch aufarbeitet.

Seine darauffolgenden Werke machten

ihn zu einem der meistgelesenen Autoren in Polen.

Besonders Berek (2007), das er anschließend als Theaterstück

adaptierte, sorgte für Aufregung. 2009 begann

er Kinder- und Jugendbücher zu schreiben. Für

Behind the Blue Door (2010), The Black Mill (2011) und

Ark of Time (2013) wurde er vielfach ausgezeichnet.

Der Regisseur, Produzent und Schauspieler Dragan

Bjelogrlić wurde 1963 in Opovo, Serbien, geboren.

Mit fünfzehn Jahren stand er erstmals vor der

Kamera. In den 1980er Jahren avancierte er zu einem

anerkannten Schauspieler der jugoslawischen

Kino- und Fernsehlandschaft. Montevideo: Taste of

a Dream war sein Regiedebüt und ebenso wie die

Fortsetzung See You in Montevideo ein Riesen erfolg.

Zuletzt war Dragan Bjelogrlić, der zusammen mit

seinem älteren Bruder Goran die Produktionsfirma

Cobra Films führt, als Schauspieler in Monument

to Michael Jackson zu sehen, der 2014 im LET’S

CEE Spielfilm-Wettbewerb präsentiert wurde.

Der in Wien geborene Regisseur Kurt Ockermüller

(Jahrgang 1948) hat in seiner Geburtsstadt an

der Hochschule für Musik und darstellende Kunst

Film und Fernsehen sowie an der Universität

Theaterwissenschaft und Philosophie studiert. Seit

1978 ist er Regisseur fürs Fernsehen, das Theater

und das Kino. Seit 1980 produziert er zudem Fernseh-

und Kino-Werbespots. Kurt Ockermüller war

unter anderem Regisseur von Folgen der TV-Serien

Schlosshotel Orth und Ein echter Wiener geht

nicht unter. Sein Spielfilm Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga

(2008) liegt bei den Zuschauerzahlen

im Kino seit 1981 auf dem vierten Platz.

Peter Roeshler is a well-known cameraman and

producer in Austria. After studying at the University

of Music and Performing Arts in Vienna he worked

as project manager and organized Kenya

Newsreel in Nairobi, Kenya. In the year 1980 he

founded Peter Roehsler Filmproduktion, which was

transformed into Nanookfilm GmbH in 1988. While

working both as a cameraman and a producer,

Roehsler collaborated with numerous renowned

directors like Houchang Allahyari (Der letzte Tanz,

Villa) and Peter Kern (Haider lebt – 1. April 2021,

Mörderschwestern, Der letzte Sommer der Reichen).

Marcin Szczygielski was born in 1972 in Warsaw.

He writes novels and theatre plays; and previously

he has been a successful graphic designer and

journalist. In 2003, he published his debut novel

PL-BOY, in which he used his own experiences from

the Polish Playboy editorial department in a satirical

way. His subsequent works have made him one of

the most widely read authors in Poland. Especially

Berek (2007), which he then adapted as a play, has

caused a lot of commotion. In 2009, he began writing

books for children. For his titles The Black Mill (2011)

and Ark of Time (2013), he has received many awards.

The director, producer and actor Dragan Bjelogrlić

was born in Opovo, Serbia in 1963. At the age of

fifteen he stood in front of the camera for the first

time. During the 1980s, he became an established

actor of the Yugoslavian cinematic and TV landscape.

Montevideo: Taste of a Dream was his directing debut

and – similar to the sequel See You in Montevideo – a

tremendous success. Dragan Bjelogrlić, who runs the

production company Cobra Films together with his

older brother Goran, was lastly seen in 2014 as an actor

in Monument to Michael Jackson which was presented

at last year’s LET’S CEE Feature Film Competition.

Kurt Ockermüller was born in Vienna in 1948 and

studied Film and Television at the University for

Music and Performing Arts as well as Philosophy

and Theatre Studies at the University of Vienna.

He has been directing for TV, theatre and cinema

productions since 1978 and producing TV and

cinema commercials since 1980. Kurt Ockermüller

has directed several episodes of the very successful

austrian cult TV shows Schlosshotel Orth and Ein echter

Wiener geht nicht unter. Ockermüllers feature film

Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga (2008) is ranking

fourth in attendance figures since 1981 in Austria.

24 Juroren


Heidelinde Pfaffenbichler

Jury Wettbewerb Promising Debuts

Jury Competition Promising Debuts

Suzanne Ballantyne

Jury Kurzfilm-Wettbewerb

Jury Short Film Competition

Vadym Shapran

Jury Kurzfilm-Wettbewerb

Jury Short Film Competition

Andreas Ungerböck

Jury Kurzfilm-Wettbewerb

Jury Short Film Competition

Heidelinde Pfaffenbichler ist eine österreichische

Schauspielerin, die bereits in vielen österreichischen

und deutschen Film- und Fernsehproduktionen

sowie an zahlreichen Theatern zu sehen war.

Geboren wurde sie in Wien. Dort studierte sie auch

an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst.

Pfaffenbichler hat außerdem eine klassische Gesangsausbildung

absolviert. Im Kino spielte sie in Die Spur

im Schnee sowie Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga

und Echte Wiener – Die Deppat’n und die Gspritzt’n.

Zudem stand sie unter anderem im Theater in der

Josefstadt sowie im Schauspielhaus, im Volkstheater

sowie im Schillertheater Berlin auf der Bühne.

Suzanne Ballantyne ist die Programmdirektorin des

Raindance Film Festivals in London, dem größten

Independent Film Festival in Großbritannien. Sie ist

ausgebildete Schauspielerin und hat als Performerin in

Großbritannien und Kanada gearbeitet. Ihre Filmkarriere

begann sie mit der kritischen Auseinandersetzung

mit Drehbüchern und Filmen für unabhängige Produzenten

und Festivals. Seit 1995 ist sie beim Raindance

Film Festival als Senior Programmer tätig. 1998 hat

sie die British Independent Film Awards mitbegründet.

Sie hat außerdem 2013 den Film Deadly Virtues:

Love.Honour.Obey. produziert und arbeitet als unabhängige

Drehbuch- und Programmierungs-Beraterin.

Vadym Shapran ist ein ukrainischer Drehbuchautor,

Regisseur, Produzent und Cutter. Er wurde

1991 in Kiew geboren, wo er an der Wirtschaftsuniversität

studierte. Er hat bereits an über hundert

Film projekten mitgewirkt. 2012 gründete er

die Produktionsstudios Fatal Frame Studio bzw.

Avision Media. Für von ihm inszenierte Musikvideos,

Trailer und Animationsfilme hat er bereits mehrere

internationale Auszeichnungen erhalten. Zuletzt

konnte er mit Movies Unite People Through [E]

motions den in Kooperation mit dem TV-Sender

OKTO sowie Cineplexx International durchgeführten

LET’S CEE Trailer-Wettbewerb für sich entscheiden.

Andreas Ungerböck wurde 1960 geboren. Er ist

ein österreichischer Autor und Ko-Herausgeber

von ray, einem der wichtigsten österreichischen

Film magazine. Er studierte Publizistik und

Theaterwissenschaft in Wien, wo er 1988 seine

Dissertation über Rainer Werner Fassbinder verfasste.

Er hat zahlreiche Retrospektiven zum asiatischen

Kino kuratiert und ist unter anderem als Autor von

Büchern wie Spike Lee (2006), Revanche - Ein Film

von Götz Spielmann (2009), Ang Lee und seine Filme

(2009), Peter Patzak (2009) und Real America (2012) in

Erscheinung getreten. In den Jahren 1994 bis 2002 war

Andreas Ungerböck Katalogredakteur der Viennale.

Heidelinde Pfaffenbichler is an Austrian actress that

has already appeared not only in many Austrian and

German Film- and TV-productions but she also performed

on many theatre stages. Born in Vienna, she

studied at the University of Music and Performing

Arts Vienna and also completed a classical singing

education. She played in films which were showed

in theaters; Die Spur im Schnee, Echte Wiener – Die

Sackbauer-Saga and Echte Wiener – Die Deppat’n

und Gspritzt’n. Furthermore she trod the boards of

theaters such as Theater in der Josefstadt, Schauspielhaus,

Volkstheater and Schillertheater Berlin.

Suzanne Ballantyne is the Head of Programming of

the Raindance Film Festival in London, the largest

Independent Film Festival in the UK. She is a trained

actress and has worked as a performer in the UK

and Canada. Her film career began with her critical

approach to screenplays and films for independent

producers and film festivals. She has worked for

the Raindance Film Festival as Senior Programmer

since 1995. She co-founded the British Independent

Film Awards in 1998 and produced the film

Deadly Virtues: Love.Honour.Obey. She now acts as

independent script and programming consultant.

Vadym Shapran is an Ukranian screenwriter, director,

producer and cutter. He was born in Kiev in 1991,

where he studied at the university of economics.

He already countributed to over hundred film projects.

In 2012 he founded the production studio

Fatal Frame Studio, respectively Avision Media. He

earned several international awards for directing

music clips, trailers and animated films. Lately his

production Movies Unite People Through [E]motions

has won the competition for the LET’S CEE

Trailer, which was organized in cooperation with

the TV station OKTO and Cineplexx International.

Andreas Ungerböck was born in 1960 and is an

Austrian author and co-editor of ray, one of the

most important film magazines in Austria. He studied

journalism and theatre studies at the University

of Vienna, and wrote his dissertation on Rainer

Werner Fassbinder in 1988. He curated numerous

retrospectives for Asian cinema and is also the

author of books such as Spike Lee (2006), Revanche

- Ein Film von Götz Spielmann (2009), Ang Lee und

seine Filme (2009), Peter Patzak (2009) and Real

America (2012). Andreas Ungerböck was the editor

of the Viennale festival catalogue from 1994 to 2002.

Juroren 25


ZU GAST BEI

LET’S CEE

Guests of LET’S CEE

Mehmet Binay

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent Drawers

Director, Writer, Producer Drawers

06.–08.10.

Konstantin Akinsha

Kurator Museum Revolution

Curator Museum Revolution

Bujar Alimani

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent Amnesty

Director, Writer, Producer Amnesty

M. Caner Alper

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent Drawers

Director, Writer, Producer Drawers

Štěpán Altrichter

Regisseur, Drehbuchautor Schmitke

Director, Writer Schmitke

Samaya Asgarova

Expertin für Internationale Angelegenheiten/

Azerbaijanfilm Film Studio

International Affairs Specialist/

Azerbaijanfilm Film Studio

Robert Baliński

Experte für Internationale Zusammenarbeit/

Polnisches Filminstitut

International Relations Specialist/

Department Polish Film Institute

01.–04.10

05.–07.10.

06.–08.10.

07.–09.10.

05.–11.10

08.–10.10.

Dragan Bjelogrlić

Regisseur, Drehbuchautor Montevideo:

Taste of a Dream, See You in Montevideo

Director, Writer Montevideo:

Taste of a Dream, See You in Montevideo

Sanya Borisova

Darstellerin, Drechbuchautorin Living Legends

Actress, Writer Living Legends

Johannes Bosters

Komponist

Composer

Constantin Buruiana

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Yury Bykov

Regisseur, Drehbuchautor, Darsteller, Komponist,

Cutter The Fool, The Major, To Live!

Director, Writer, Actor, Composer,

Editor The Fool, The Major, To Live!

Ilinca Călugăreanu

Regisseurin, Drehbuchautorin,

Cutterin Chuck Norris vs. Communism

Director, Writer, Editor Chuck Norris vs. Communism

09.–11.10.

01.–04.10.

30.9.–04.10.

11.–12.10

01.–07.10.

06.–08.10.

Suzanne Ballantyne

Programmdirektorin Raindance Film Festival

Senior Programmer Raindance Film Festival

09.–11.10.

Andrei Cohn

Regisseur Back Home

Director Back Home

09.–12.10.

Deyan Bararev

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent Mom's Calling

Director, Writer, Producer Mom's Calling

08.–11.10.

Roman Cristinel

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

11.–12.10.

Karolina Bielawska

Regisseurin, Drehbuchautorin Call Me Marianna

Director, Writer Call Me Marianna

09.–12.10.

Andrea Culková

Regisseurin, Kamerafrau, Cutterin Sugar Blues

Director, Cinematographer, Editor Sugar Blues

09.–11.10.

26 Zu Gast bei LET’S CEE


vielfalt

WIENER

ÖSTERREICHS ERSTES WELTSTADTMAGAZIN MAI 2015 > AUSGABE 8 > GRATIS

KLISCHEEFREI

POLITALK:

BEATE MEINL-

REISINGER

Wiener BloggerInnen:

Mehr als nur

Cupcakes

DARUM

LIEBESERKLÄRUNGEN (TEIL 4):

WIEN!

INTERVIEW:

JULIAN

Musiker Julian Le Play

über sexy Künstlernamen

und seinen

Amadeus Award

09Z038101 M

ÖSTERREICHS ERSTES

WELTSTADTMAGAZIN

WWW.WIENERVIELFALT.AT

> 5. WIENER INTEGRATIONSWOCHE: DAS PROGRAMM > SMARTPHONE TAGEBUCH

> STORY: FLÜCHTLINGE WILLKOMMEN > BEZIRKSSHOPPING > MADE IN VIENNA


Toma Cuzin

Darsteller Aferim!

Actor Aferim!

Jan Cvitkovič

Regisseur, Drehbuchautor Šiška Deluxe

Director, Writer Šiška Deluxe

Renat Davletyarov

Regisseur und Produzent Once

Director and Producer Once

Taisia Deeva

Regisseurin, Drehbuchautorin Sasha

Director, Writer Sasha

Marius Dragomir

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Elk Eber

Gründungsmitglied Laibach

Founder and Forming Member Laibach

Štěpán Etrych

Regisseur, Produzent Bubbles Don’t Lie

Director, Producer Bubbles Don’t Lie

Gyöngyi Fazekas

Regisseurin, Drehbuchautorin Saudade

Director, Writer Saudade

Sándor Fegyverneky

Sound Designer, Komponist Passionpanther

Sound Designer, Composer Passionpanther

Karolina Ford

Regisseurin, Drehbuchautorin,

Produzentin Spaces Between

Director, Writer, Producer Spaces Between

Mira Fornay

Regisseurin, Drehbuchautorin My Dog Killer

Director, Writer My Dog Killer

08.–11.10.

08.–11.10.

01.–04.10.

08.–12.10.

11.–12.10.

04.–07.10.

06.–07.10.

08.–11.10.

06.–11.10.

02.–04.10.

03.–05.10.

Anna Franklin

Chefredakteurin Film New Europe

Chief Editor Film New Europe

Constantin Galan

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Mihai-Rusali Galan

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Nicolae Galan

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Vera Glagoleva

Regisseurin und Produzentin Two Women

Director, Producer Two Women

Anatoly Golubovsky

Produzent Museum Revolution

Producer Museum Revolution

Marianna Golubovskaya

Drehbuchautorin und Cutterin Museum Revolution

Writer, Editor Museum Revolution

Elliot Grove

Gründer und Direktor Raindance Film Festival

Founder and Director Raindance Film Festival

Tiha Gudac

Regisseurin, Drechbuchautorin Naked Island

Director, Writer Naked Island

Matěj Hádek

Darsteller The Snake Brothers

Actor The Snake Brothers

Emir Hadžihafizbegović

Darsteller These Are The Rules, The Kids

From The Marx And Engels Street, Chefurs Raus!

Actor These Are The Rules, The Kids

From The Marx And Engels Street,Chefurs Raus!

08.–11.10.

11.–12.10.

11.–12.10.

11.–12.10.

10.–12.10.

01.–06.10.

01.–06.10.

09.–12.10.

02.–04.10.

09.–11.10.

09.–11.10.

Mushfig Hatamov

Generaldirektor Azerbaijanfilm Film Studio,

Produzent Nabat, Down the River

CEO Azerbaijanfilm Film Studio,

Producer Nabat, Down the River

Niki Iliev

Produzent, Regisseur, Drehbuchautor,

Darsteller Living Legends

Producer, Director, Writer, Actor Living Legends

Anita Juka

Produzentin You Carry Me

Producer You Carry Me

Ivona Juka

Regisseurin You Carry Me

Director You Carry Me

Robert Jukič

Musiker Time to Improvise

Musician Time to Improvise

Kordian Kądziela

Regisseur, Drehbuchautor LARP

Director, Writer LARP

Viestur Kairish

Regisseur, Drehbuchautor Invisible City

Director, Writer Invisible City

Moamer Kasumović

Darsteller Thousand

Actor Thousand

Emre Kayiş

Regisseur, Drehbuchautor The Translator

Director, Writer The Translator

Tina Lešničar

Regisseurin, Drehbuchautorin Time to Improvise

Director, Writer Time to Improvise

Vladimir Loginov

Regisseur Anthill

Director Anthill

05.–11.10.

01.–04.10.

04.–06.10.

04.–06.10.

01.–03.10.

08.–11.10.

03.–08.10.

06.–08.10.

08.–11.10.

01.–03.10.

01.–03.10.

28 Zu Gast bei LET’S CEE


Tihana Lazović

Darstellerin The High Sun

Actress The High Sun

02.–05.10.

Evgeniya Mandzhieva

Darstellerin The Gulls

Actress The Gulls

06.–08.10.

Verica Nedeska

Darstellerin Honey Night

Actress Honey Night

06.–08.10.

Nerina Kocjančič

Marketingleiterin Slovenian Film Centre

Head of Promotion Slovenian Film Centre

08.–10.10.

Marcin Maryniak

Animator Se-ma-for

Animator Se-ma-for

02.–04.10.

Elmo Nüganen

Regisseur 1944, Darsteller Tangerines

Director 1944, Actor Tangerines

01.–04.10.

Rudolf Péter Kiss

Kameramann Cain's Children

Cinematographer Cain's Children

Petr Koblovský

Kameramann The Snake Brothers

Cinematographer The Snake Brothers

Anna Katalin Lovrity

Regisseurin, Animatorin Passionpanther

Director, Animator Passionpanther

Alisa Lozhkina

Kuratorin Museum Revolution

Curator Museum Revolution

Chintis Lundgren

Regisseurin, Drehbuchautorin, Produzentin,

Animatorin Life with Herman H. Rott

Director, Writer, Producer,

Animator Life with Herman H. Rott

Cornel Lupu

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Jacek Lusiński

Regisseur, Drehbuchautor Carte Blanche

Director, Writer Carte Blanche

Vladut Magureanu

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Zhenya Malakhova

Schauspielerin, Sängerin

Actress, Singer

07.–09.10.

09.–11.10.

02.–05.10.

01.–05.10.

08.–11.10.

11.–12.10.

02.–04.10.

11.–12.10.

01.–04.10.

Dalibor Matanić

Regisseur, Drehbuchautor

Fine Dead Girls, The High Sun

Director, Writer Fine Dead Girls, The High Sun

Sarita Matijević

Produzentin Logbook Serbistan

Producer Logbook Serbistan

Igor Matković

Musiker Time to Improvise

Musician Time to Improvise

Károly Ujj Mészáros

Regisseur, Drehbuchautor Liza, The Fox-Fairy

Director, Writer Liza, The Fox-Fairy

Jani Moder

Musiker Time to Improvise

Musician Time to Improvise

Vinko Möderndorfer

Regisseur, Drehbuchautor Inferno

Director, Writer Inferno

Fatemeh Motamed-Arya

Darstellerin Nabat

Actress Nabat

Tessa Moult-Milewska

Regisseurin, Drehbuchautorin Creatures

Director, Writer Creatures

Kaan Müjdeci

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent Sivas

Director, Writer, Producer Sivas

01.–03.10.

01.–04.10.

01.–3.10.

04.–06.10.

01.–03.10.

09.–12.10.

08.–11.10.

05.–11.10.

02.–04.10.

Lukáš Opatrný

Cutter The Snake Brothers

Editor The Snake Brothers

Irena Pavlásková

Regisseurin, Drehbuchautorin Photographer

Director, Writer Photographer

Aleš Pavlin

Produzent Time to Improvise, Šiška Deluxe,

We Will Be The World Champions

Producer Time to Improvise, Šiška Deluxe,

We Will Be The World Champions

Sally Perel

Buchautor Ich war Hitlerjunge Salomon

Book Author I Was Hitler Youth Salomon

Silvije Petranović

Regisseur, Drehbuchautor

The Brave Adventures Of A Little Shoemaker

Director, Writer The Brave

Adventures Of A Little Shoemaker

Marieta Petchanska

Regisseurin, Drehbuchautorin,

Produzentin Forgive

Directress, Writer, Producer Forgive

Elwira Pluta

Szenenbildnerin Body

Production Designer Body

Jan Prušinovský

Regisseur, Produzent The Snake Brothers

Director, Producer The Snake Brothers

09.–11.10.

09.–11.10.

08.–10.10.

01.–11.10.

03.–11.10.

01.–05.10.

06.–09.10.

09.–11.10.

Zu Gast bei LET’S CEE 29


Jerzy Przeczewski

Darsteller Spaces Between

Actor Spaces Between

01.–04.10.

Almir Šahinović

Produzent Thousand

Producer Thousand

06.–09.10.

Ivo Trajkov

Regisseur, Drehbuchautor Honey Night

Director, Writer Honey Night

06.–08.10.

Adam Ptak

Animator Se-ma-for

Agnieszka Ptak

Animatorin Se-ma-for

Tomasz Raczek

Kurator des Spielfilm-Wettbewerbs

Curator of the Feature Film Competition

Gábor Reisz

Regisseur, Drehbuchautor

For Some Inexplicable Reason

Director, Writer For Some

Inexplicable Reason

Eva Rohrman

Produzentin Inferno

Producer Inferno

Vuk Ršumović

Regisseur, Drehbuchautor,

Produzent No One's Child

Director, Writer, Producer No One's Child

Gerd Rüdiger

Manager von Sally Perel

Sally Perel’s Manager

Asif Rustamov

Regisseur, Drehbuchautor Down The River

Director, Writer Down The River

Constantin Sabau

Musiker Fanfara Transilvania

Musician Fanfara Transilvania

Annegret Sachse

Kamerafrau, Editorin In The Sidecar

Cinematographer, Editor In The Sidecar

02.–04.10.

02.–04.10.

01.–11.10.

06.–08.10.

08.–12.10.

07.–09.10.

01.–11.10.

08.–11.10.

11.–12.10.

04.–06.10.

Ivo Saliger

Gründungsmitglied Laibach

Founder and Forming Member Laibach

Jan Saudek

Fotograf, Drechbuchautor Photographer

Art Photographer, Writer Photographer

Dmitriy Semenov

Regisseur, Drehbuchautor,

Produzent The Same Blood

Director, Writer, Producer The Same Blood

Vadym Shapran

Regisseur, Produzent LET’S CEE Trailer 2015

Director, Producer LET’S CEE Trailer 2015

Katarzyna Słaboszewska

Animatorin Se-ma-for

Ada Solomon

Produzentin Aferim! und Trading Germans

Producer Aferim! and Trading Germans

Ayhan Sonyürek

Regisseur, Drehbuchautor A Good Fellow

Director, Writer A Good Fellow

Andrej Stritof

Produzent Time to Improvise,

Šiška Deluxe, We Will Be The World Champions

Producer Time to Improvise,

Šiška Deluxe, We Will Be The World Champions

Marcin Szczygielski

Buchautor Flügel aus Papier

Book Author Ark of Time

Rada Šešič

Kuratorin des Dokumentarfilm-Wettbewerbs

Curator of the Documentary Competition

04.–07.10.

09.–12.10.

07.–12.10.

08.–11.10.

02.–04.10.

08.–11.10.

04.–06.10.

08.–10.10.

01.–11.10.

01.–04.10.

Reyan Tuvi

Regisseurin, Drehbuchautorin,

Produzentin Love Will Change the Earth…

Directress, Writer, Producer Love Will Change the Earth…

Mihkel Ulk

Regisseur Zero Point

Director Zero Point

Goran Vojnović

Regisseur, Drehbuchautor,

Buchautor Chefurs Raus!

Director, Writer, Book Author Chefurs Raus!

Nikola Vukčevic

Regisseur, Drehbuchautor, Produzent The Kids From

The Marx And Engels Street, Produzent You Carry Me

Director, Writer, Producer The Kids From The Marx

And Engels Street, Producer You Carry Me

Szymon Piotr Warszawski

Darsteller Gods

Actor Gods

Agnieszka Zwiefka

Regisseurin, Drehbuchautorin,

Produzentin The Queen Of Silence

Directress, Writer, Producer The Queen Of Silence

Želimir Žilnik

Regisseur, Drehbuchautor Logbook Serbistan

Director, Writer Logbook Serbistan

Marko Žunić

Regisseur, Drehbuchautor,

Darsteller Bright Future My Love

Director, Writer, Actor Bright Future My Love

07.–12.10.

05.–07.10.

08.–09.10.

08.–12.10.

08.–09.10.

08.–11.10.

01.–04.10.

08.–11.10.

30 Zu Gast bei LET’S CEE


ICH HAB’ DEN DREH RAUS

DAS HAB’ ICH VOM KURIER

Kinoliebhaber wissen, was sie am KURIER haben. Tägliches Kinoprogramm in der Tageszeitung, Filmkritiken und jede Menge Berichte über die

Stars von Film und Fernsehen. Darüber hinaus finden Sie auf FILM.at, ein Service aus dem KURIER Medienhaus, die umfangreichste Filmdatenbank

Österreichs, das aktuelle Kinoprogramm und alle Trailer. Mit Ihrem Smartphone haben Sie unterwegs immer und überall einen schnelleren Zugriff.

Zu Gast bei LET’S CEE 31


© Photo by John Russo Courtesy of Twentieth Century Fox

„ Wir wünschen LET´S CEE ein

erfolgreiches Festivaljahr 2015 mit

vollen Kinosälen und sind stolz als

Partner unseren Teil dazu beitragen

zu dürfen.“

monatlich neu und gratis bei

Life on

Mars


FESTIVALKINOS

Festival Cinemas

FOTO: CINEPLEXX

Dr. Günther Sidl

Direktor der VHS Wiener Urania

Managing Director, VHS Wiener Urania

FOTO: VHS URANIA

Urania Kino

Actor’s Studio

Die VHS Wiener Urania liegt als Bildungs- und Veranstaltungszentrum

im Herzen Wiens. Wir sind ein offenes Haus mit einem

breiten Angebot. An unserer Volkshochschule wird Sprachenvielfalt

gelebt. Über 25 Sprachen, darunter u. a. Bulgarisch,

Kroatisch, Polnisch, Russisch, Tschechisch und Türkisch, können

in über 600 Kursen erlernt werden. Wir freuen uns besonders, das

LET’S CEE Film Festival mit der überaus großen Filmauswahl aus

Zentral- und Osteuropa bei uns willkommen heißen zu dürfen.

The Centre for National Education in the Viennese Urania lies

in the heart of Vienna. Our institution is open to all and offers

a wide range of courses. Linguistic diversity is an integral part

of life at our school. We offer more than six hundred courses

for learning over twenty-five languages, including Bulgarian,

Croatian, Czech, Polish, Russian and Turkish. We are especially

glad to welcome the LET’S CEE Film Festival with its wide

range of films from Central and Eastern Europe in our house.

In der Urania befindet sich eines der historisch bedeutendsten

Kinos Wiens. Das am Donaukanal liegende Jugendstilgebäude

ist ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt

und dient schon seit seinen Anfangstagen als Kino, Sternwarte

und Bildungseinrichtung zugleich. Neben 269 Sitzplätzen,

verteilt auf Balkon und Parterre, locken Filmfreunde

ein extrabreiter Reihenabstand von 1,3 Metern, eine neue

Leinwand und digitale Film- und Tontechnik in Dolby SRD.

The Urania is home to one of Vienna‘s historically most important

cinemas. The Art Nouveau building situated on the

Danube canal is a landmark of the city and has been used as

a cinema, observatory and educational institution since the

day it was built. Apart from its 269 seats distributed across

balcony and ground floor, the cinema‘s most attractive

features include extra wide aisles between the rows measuring

1,3 metres, a brand-new screen as well as state of the

art digital equipment and sound technology in Dolby SRD.

Dieses Kino liegt mitten in der historischen Altstadt,

nur wenige Gehminuten vom Stephansdom entfernt.

Benannt nach der berühmten Schauspielerwerkstatt

in New York, gilt dieses kleine, aber feine Kino als

beliebter Treffpunkt für Filmfreunde und richtet sich

auch außerhalb des Festivals an ein Publikum, das anspruchsvollere

Produktionen bevorzugt. Die insgesamt

221 Plätze sind auf drei geräumige und kürzlich renovierte

Kinosäle mit jeweils 88, 71 und 62 Sitzen verteilt.

This cinema lies in the heart of Vienna’s historic city

centre, only a short walk from St. Stephen’s Cathedral.

Named after the famous Actors Studio of New

York, this small but fine cinema is a favourite meeting

point for film enthusiasts. It addresses an audience that

prefers high-quality productions. Its total of 221 seats is

distributed over three spacious cinemas with 88, 71 and

62 seats each, all three of which were renovated recently.

Festivalkinos 33


Noch zum gemütlichen Italiener.

Gemütlich italienisch kochen.

Village Cinema Wien Mitte

Das im Jahr 2000 gegründete, beliebte Premierenkino kann

nicht nur mit seinen zehn Sälen und der neuesten technischen

Ausstattung punkten, sondern auch mit seiner

zentralen Lage. Das vielseitige Programm bietet großes Kino

für jeden Geschmack. Europäische Independent-Produktionen

finden hier nämlich ebenso Platz wie große Hollywoodblockbuster,

Synchronfassungen ebenso wie Filme in

Originalsprache. 2015 wird das Village Cinema Wien Mitte zum

zweiten Mal Austragungsort des LET‘S CEE Film Festivals sein.

This popular premiere cinema, founded in 2000, not

only boasts ten theatres and the newest in technological

equipment, but is also located in the centre of Vienna.

The diverse programme offers great cinema for all tastes.

European independent productions are represented as

well as huge Hollywood blockbusters, either in their original

or dubbed versions. The Village Cinema Wien Mitte will

host the LET’S CEE Film Festival for the second time in 2015.

Die beste Adresse für längere Aufenthalte.

100 x

Aparthotels Adagio ® . Freiheit inklusive.

Service wie im Hotel. Kostenloses WLAN.

Ab der 4. Nacht besonders günstig.

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In komfortabler Citylage.

Über

in Europa

34 Festivalkinos

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36 Preise

PREISE

Awards

Tone Fink

Künstler und Filmemacher

Artist and filmmaker

Tone Fink, 1944 in Vorarlberg geboren, hat sich

nach seinem Studium an der Akademie der

Bildenden Künste in Wien in verschiedensten

künstlerischen Bereichen einen hervorragenden

Namen machen können. Als Zeichner und Maler

kann er ebenso auf ein umfangreiches und anerkanntes

Werk zurückblicken wie als Objekt- und

Performancekünstler sowie als Filmemacher. Mit

seiner Vielseitigkeit, die sich ständig neu orientiert,

gehört Fink seit langem zu den beständigsten

Vertretern moderner österreichischer Kunst.

Tone Fink was born in Vorarlberg in 1944. After

his studies at the Academy of Fine Arts in

Vienna, he was able to make a great name

for himself in various artistic fields. His oeuvre

as an illustrator and painter is as abundant

and critically recognised as that of Tone Fink

the object and performance artist and filmmaker.

His versatility and ability to readjust

constantly makes Fink one of the most enduring

representatives of modern Austrian art.

Die vom Ausnahmekünstler Tone Fink geschaffene Urania ist eine aus Aluminium gegossene und 36 cm hohe Statuette

mit sehr weiblichen Formen, die jeweils gemeinsam mit einem Geldpreis in Höhe von 1.500 Euro an die von einer

Jury bestimmten Gewinner des Spielfilm-, des Dokumentarfilm- und des Kurzfilm-Wettbewerbs des LET’S CEE Film

Festivals übergeben wird. Die Idee zu diesem Preis wie auch zum Stern der Urania, einem sehr aufwändig gestalteten,

schweren und wertvollem Unikat aus Kristall, das als Lifetime Achievement Award einmal jährlich von der Festivalleitung

an eine herausragende Persönlichkeit aus der Filmbranche für deren Lebenswerk verliehen wird, hatte der

in Wien lebende Filmproduzent und Kulturmanager Robert Hofferer. Aber nicht nur das: Hofferer und seine Firma Artdeluxe

treten heuer bereits zum vierten Mal als Stifter der drei Hauptpreise auf – die drei Uranias für die Sieger der drei

Wettbewerbe, die damit verbundenen Geldpreise und der Stern der Urania werden allein von ihm finanziert. Erstmals

gibt es heuer auch einen vierten Wettbewerb, nämlich einen, in dem ausschließlich Debütfilme laufen werden. Neben

einer Urkunde erhält der Sieger dieser neuen Sektion namens Promising Debuts auch noch einen Geldpreis in Höhe von

1.000 Euro, der vom bestens bewährten LET’S CEE Logistikpartner GLS gesponsert wird. Noch eine Änderung gibt es:

Der bisherige Publikumspreis des Kurzfilm-Wettbewerbs wird zu einem klassischen Audience Award, bei dem prinzipiell

alle im Rahmen des Festivals gezeigten Produktionen gewinnen können; gestiftet wird dieser mit der Ausfolgung einer

Urkunde und einem Geldpreis von 1.500 Euro verbundene Award von der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden

VdFS. Lobende Erwähnungen wird es in allen Kategorien, sollte das die Jury so beschließen, auch dieses Jahr wieder

geben. Allerdings gibt es dafür, anders als 2014, keine Sachpreise mehr. In diesem Sinne: Mögen die Besten gewinnen!

The ‘Urania’ is a 36 centimetres high cast aluminium statuette with very female forms designed by exceptional artist

Tone Fink. Together with a financial reward of 1.500 Euro, the Urania is awarded to the winners of the LET’S CEE Film

Festival’s Feature Film Competition, Documentary Competition and the Short Film Competition, who are determined

by the jury. Viennese film producer and culture manager Robert Hofferer had the idea for this prize, as well as for the

'Star of the Urania Award, a very elaborate, heavy and valuable unique piece made of crystal, which is awarded to

an extraordinary personality from the film industry for their lifetime achievement by the festival organisation once a

year. But that is not all: Hofferer and his company Artdeluxe will be sponsoring the three main awards for the fourth

consecutive year. The three Urania Awards for the winners of the respective competitions plus the financial rewards,

and the Star of the Urania Award are, thus, provided exclusively by Mr. Hofferer. This year, for the first time there is a

fourth competition, exclusively for debut films. In addition to a certificate, the winner of this new section, "Promising

Debuts" will receive 1,000 euro, sponsored by the well-proven LET'S CEE logistics partner GLS. There is another

change: The previous Audience Award for the winner of the Short Film Competition is now the Classic Audience

Award. All productions shown at the festival have the chance to win this award, initiated by the society of filmmakers

VdFS. The prize is 1,500 euro and a certificate. There will still be Honorable Mentions in all categories, as decided by

the jury, with the difference between 2014 and this year being that there won´t be a prize. May the best team win!


FILMPROGRAMM

Film Programme

DO 01.10.

22.15

The High Sun

00.30 Q&A

Village Cinema

FR 02.10.

09.00

Logbook Serbistan

10.45 Q&A

Village Cinema

11.00

Logbook Serbistan

12.45 Q&A

Village Cinema

14.00

Kurzfilmblock: Out

Of Competition 1

Village Cinema

15.30

Kurzfilmblock:

(T)raumwelten

16.30 Q&A

Village Cinema

15.30

Sátántangó

inkl. Einführungsgespräch

Actor’s Studio

17.00

The Owners

Actor’s Studio

17.00

Love Island

Actor’s Studio

17.30

Living Legends

19.20 Q&A

Village Cinema

17.30

Once

19.20 Q&A

Village Cinema

17.45

The High Sun

20.00 Q&A

Urania Kino

19.00

Logbook Serbistan

20.45 Q&A

Actor’s Studio

19.00

Carte Blanche

20.55 Q&A

Actor’s Studio

20.00

To Live!

21.20 Q&A

Village Cinema

20.45

Tangerines

22.25 Q&A

Urania Kino

21.30

Naked Island

22.55 Q&A

Actor’s Studio

21.45

1944

23.35 Q&A

Actor’s Studio

22.00

The Major

23.50 Q&A

Village Cinema

23.00

Fine Dead Girls

00.25 Q&A

Urania Kino

SA 03.10.

11.00

Peter und der Wolf

Der phantastische

Blumenladen

Urania Kino

12.00

Flapper und Freunde

Urania Kino

13.00

Peter und der Wolf

Der phantastische

Blumenladen

Urania Kino

14.00

Flapper und Freunde

Urania Kino

15.00

The Brave Adventures

Of A Little Shoemaker

16.50 Q&A

Urania Kino

17.00

1944

18.50 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Naked Island

18.25 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Time To Improvise

18.30 Q&A

Actor’s Studio

17.30

Once

19.20 Q&A

Urania Kino

19.00

Museum

Revolution”

Sondervorstellung

VHS Urania

19.15

Living Legends

21.05 Q&A

Actor’s Studio

19.15

Carte Blanche

21.10 Q&A

Actor’s Studio

19.30

Invisible City

20.50 Q&A

Actor’s Studio

20.00

Logbook Serbistan

Sondervorstellung

Urania Kino

20.30

Museum

“Revolution“

Sondervorstellung

VHS Urania

21.30

Anthill

23.05 Q&A

Actor’s Studio

21.45

Tangerines

23.25 Q&A

Actor’s Studio

21.45

Nude Area

23.15 Q&A

Actor’s Studio

22.00

Museum

“Revolution”

Sondervorstellung

VHS Urania

22.45

The Return

Urania Kino

23.30

Museum

„Revolution”

Sondervorstellung

VHS Urania

SO 04.10.

11.00

Europa, Europa

13.00 Q&A

Urania Kino

14.00

Kurzfilmblock:

(T)raumwelten

16.30 Q&A

Village Cinema

15.00

You Carry Me

17.45 Q&A

Urania Kino

15.30

Kurzfilmblock: Out

Of Competition 1

Village Cinema

17.00

Anthill

18.35 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Invisible City

18.20 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Love Island

Actor’s Studio

17.00

A Good Fellow

19.00 Q&A

Village Cinema

18.30

Liza, The Fox-Fairy

20.20 Q&A

Urania Kino

19.00

Once

Actor’s Studio

19.00

The Major

20.50 Q&A

Actor’s Studio

19.15

The Owners

Actor’s Studio

19.45

Modris

Village Cinema

21.00

Leviathan

Urania Kino

21.15

My Dog Killer

22.55 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Museum

„Revolution”

22.55 Q&A

Actor’s Studio

21.30

To Live!

22.50 Q&A

Actor’s Studio

22.15

Nude Area

23.45 Q&A

Village Cinema

MO 05.10.

09.00

Europa, Europa

11.00 Q&A

Village Cinema

11.00

The Brave Adventures

Of A Little

Shoemaker

12.50 Q&A

Village Cinema

14.00

Kurzfilmblock:

Liebe kennt keine

Grenzen 1

Village Cinema

15.30

Kurzfilmblock:

Liebe kennt keine

Grenzen 2

Village Cinema

16.30

My Dog Killer

18.10 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Invisible City

18.20 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Zero Point

19.05 Q&A

Village Cinema

18.00

Box

19.45 Q&A

Urania Kino

18.00

Modris

19.50 Q&A

Actor’s Studio

19.00

Liza, The Fox-Fairy

20.50 Q&A

Actor’s Studio

19.00

A Good Fellow

21.00 Q&A

Actor’s Studio

19.45

Divided States

Of America

21.10 Q&A

Village Cinema

20.30

The Fool

22.35 Q&A

Urania Kino

20.30

You Carry Me

23.15 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Leviathan

Actor’s Studio

21.45

Amnesty

23.20 Q&A

Actor’s Studio

21.45

Corn Island

Village Cinema

22.15

Predictions Of Fire

23.55 Q&A

Village Cinema

DI 06.10.

09.00

The Brave Adventures

Of A Little Shoemaker

10.50 Q&A

Village Cinema

11.00

Europa, Europa

13.00 Q&A

Village Cinema

14.00

Kurzfilmblock: Im

Rausch der Sinne

14.50 Q&A

Village Cinema

15.30

Kurzfilmblock:

Zwiegespalten

16.30 Q&A

Village Cinema

16.45

The Major

18.35 Q&A

Actor’s Studio

17.00

The Gulls

18.40 Q&A

Village Cinema

17.00

The Owners

Actor’s Studio

17.00

The Fool

19.05 Q&A

Actor’s Studio

18.00

Body

19.40 Q&A

Urania Kino

19.00

Zero Point

22.05 Q&A

Actor’s Studio

19.15

Corn Island

Village Cinema

38 FIlmprogramm


19.15

Honey Night

20.55 Q&A

Actor’s Studio

19.45

Chuck Norris

Vs. Communism

21.15 Q&A

Actor’s Studio

20.30

Drawers

22.40 Q&A

Urania Kino

21.30

Amnesty

23.15 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Thousand

23.15 Q&A

Village Cinema

21.45

For Some Inexplicable

Reason

23.30 Q&A

Village Cinema

21.45

Box

23.30 Q&A

Actor’s Studio

22.00

Predictions Of Fire

23.40 Q&A

Actor’s Studio

MI 07.10.

09.00

Chuck Norris

Vs. Communism

10.30 Q&A

Village Cinema

11.00

Europa, Europa

13.00 Q&A

Village Cinema

14.00

Kurzfilmblock:

Zwiegespalten

15.00 Q&A

Village Cinema

15.30

Kurzfilmblock: Im

Rausch der Sinne

16.25 Q&A

Village Cinema

16.30

Thousand

18.15 Q&A

Actor’s Studio

16.45

Body

18.25 Q&A

Actor’s Studio

16.45

Chuck Norris

Vs. Communism

18.15 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Honey Night

18.40 Q&A

Village Cinema

19.00

The Gulls

20.35 Q&A

Actor’s Studio

19.00

For Some Inexplicable

Reason

20.45 Q&A

Actor’s Studio

19.00

Love Will Change

The Earth...

20.40 Q&A

Actor’s Studio

19.15

Sivas

21.05 Q&A

Village Cinema

20.15

No One’s Child

22.00 Q&A

Urania Kino

21.15

Come And See

inkl. Einführungsgespräch

Actor’s Studio

21.30

Drawers

23.40 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Cain’s Children

23.20 Q&A

Actor’s Studio

21.45

Schmitke

23.30 Q&A

Village Cinema

DO 08.10.

11.00

Chuck Norris

Vs. Communism

12.30 Q&A

Village Cinema

14.00

Kurzfilmblock: Out

Of Competition 2

15.00 Q&A

Village Cinema

16.00

We Will Be The

World Champions

18.15 Q&A

Village Cinema

16.00

Kurzfilmwettbewerb:

Block 1

17.50 Q&A

Urania Kino

16.30

Cain’s Children

18.20 Q&A

Actor’s Studio

16.30

For Some Inexplicable

Reason

18.15 Q&A

Actor’s Studio

16.45

Schmitke

18.30 Q&A

Actor’s Studio

19.00

Aferim!

21.00 Q&A

Urania Kino

19.00

Chefurs Raus!

20.50 Q&A

Actor’s Studio

19.00

Šiška Deluxe

21.00 Q&A

Village Cinema

19.00

Body

20.40 Q&A

Actor’s Studio

19.15

The Queen Of

Silence

20.45 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Trading Germans

23.10 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Sivas

23.20 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Gods

23.40 Q&A

Village Cinema

21.30

No One’s Child

23.20 Q&A

Actor’s Studio

21.45

Kurzfilmwettbewerb:

Block 2

23.45 Q&A

Urania Kino

21.45

Down The River

23.25 Q&A

Village Cinema

FR 09.10.

14.00

Chefurs Raus!

15.50 Q&A

Actor’s Studio

14.00

Kurzfilmwettbewerb:

Block 2

16.00 Q&A

Village Cinema

16.30

Aferim!

18.30 Q&A

Village Cinema

16.45

Love Will Change

The Earth...

18.25 Q&A

Actor’s Studio

16.45

Vaclav Havel –

A Life in Freedom

Actor’s Studio

17.00

Trading Germans

18.40 Q&A

Actor’s Studio

17.15

Montevideo: Taste

Of A Dream

19.45 Q&A

Village Cinema

18.00

Nabat

19.55 Q&A

Urania Kino

18.30

The Queen Of

Silence

20.30 Q&A

Brunnenpassage

18.45

Šiška Deluxe

20.45 Q&A

Actor’s Studio

19.00

Down The River

20.40 Q&A

Actor’s Studio

19.15

Back Home

20.55 Q&A

Village Cinema

19.15

Sugar Blues

20.45 Q&A

Actor’s Studio

20.30

These Are The Rules

22.30 Q&A

Brunnenpassage

20.45

The Snake Brothers

22.45 Q&A

Urania Kino

21.15

We Will Be The World

Champions

23.30 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Inferno

23.35 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Call Me Marianna

22.55 Q&A

Actor’s Studio

21.45

The Kids From

The Marx And

Engels Street

23.30 Q&A

Village Cinema

SA 10.10.

14.00

Kurzfilmwettbewerb:

Block 2

16.50 Q&A

Village Cinema

16.30

Nabat

18.25 Q&A

Village Cinema

17.00

Sugar Blues

18.30 Q&A

Actor’s Studio

17.00

The Kids From

The Marx And

Engels Street

18.45 Q&A

Actor’s Studio

17.00

The Queen Of

Silence

18.30 Q&A

Actor’s Studio

17.15

See You In

Montevideo

19.45 Q&A

Village Cinema

17.45

Ida

19.15 Q&A

Urania Kino

19.00

Two Women

20.50 Q&A

Village Cinema

19.15

Love Island

Actor’s Studio

19.15

Vaclav Havel –

A Life In Freedom

20.20 Q&A

Actor’s Studio

19.30

Inferno

21.35 Q&A

Actor’s Studio

21.15

Photographer

23.40 Q&A

Actor’s Studio

21.15

Aferim!

23.15 Q&A

Actor’s Studio

21.30

The Snake Brothers

23.30 Q&A

Village Cinema

21.45

These Are The Rules

23.10 Q&A

Actor’s Studio

SO 11.10.

14.00

These Are The Rules

15.25 Q&A

Village Cinema

16.00

Nabat

Village Cinema

17.00

Kurzfilmblock: Out

Of Competition 2

18.00 Q&A

Actor’s Studio

17.00

Chefurs Raus!

Actor’s Studio

17.00

Call Me Marianna

18.25 Q&A

Actor’s Studio

18.00

Photographer

20.25 Q&A

Urania Kino

18.15

Liza, The Fox-Fairy

Village Cinema

18.30

Kurzfilmblock:

Liebe kennt keine

Grenzen 1

Actor’s Studio

19.00

The Fool

Actor’s Studio

19.00

Back Home

20.40 Q&A

Actor’s Studio

19.45

Kurzfilmblock:

Liebe kennt keine

Grenzen 2

Actor’s Studio

20.30

Two Women

21.20 Q&A

Village Cinema

21.00

Love Will Change

The Earth...

22.40 Q&A

Urania Kino

21.00

The Kids From The

Marx And Engels

Street

22.45 Q&A

Actor’s Studio

21.15

Inferno

23.20 Q&A

Actor’s Studio

21.30

Ida

Actor’s Studio

23.00

Drawers

Village Cinema

Filmprogramm 39


RAHMENPROGRAMM

Fringe Events

DO 01.10.

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

20.00-22.30

LET’S CEE

Eröffnung

Invitation Only

Urania Kino

22.00-02.00

LET’S CEE Party

Strandbar Herrmann

FR 02.10.

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

15.00-18.00

Master Class

Želimir Žilnik

Strandbar Herrmann

16.00-17.30

Diskussion Museum

“Revolution”

NIG

19.00-20.30

Lesung Sally Perel

Hauptbücherei

20.15-23.30

Film & Konzert

Time To Improvise

Schwarzberg

SA 03.10.

09.00-11.30

Film & Workshop

Der phantastische

Blumenladen

Adagio Vienna City

10.00-13.00

Master Class

Tomasz Raczek

Polnisches Institut

11.00-13.30

Let’s Talk About

Film Business

Strandbar Herrmann

12.30-14.30

Film & Workshop

Peter und der Wolf

Adagio Vienna City

14.30-17.00

Film & Workshop

Flapper und Freunde

Adagio Vienna City

22.00-02.00

LET’S CEE Partyline

Strandbar Herrmann

SO 04.10.

11.00-13.30

Let’s Talk About

Film Business!

Strandbar Herrmann

18.00-19.30

Lesung Marcin

Szczygielski

Strandbar Herrmann

22.00-02.00

LET’S CEE Partyline

Strandbar Herrmann

MO 05.10.

10.00-13.00

Master Class Ivo

Saliger & Elk Eber

Village Cinema

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

22.00-02.00

LET’S CEE Partyline

Strandbar Herrmann

DI 06.10.

10.00-11.00

Lesung Marcin

Szczygielski

Hauptbücherei

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

19.30-21.00

Sally Perel im

Gespräch mit Peter

Huemer

Aktionsradius Wien

20.00-22.00

Premierenfeier Body

Invitation Only

Urania Café

MI 07.10.

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

18.00-20.00

Exklusiver Kinoabend

“Integration trifft Kultur”

Invitation Only

Urania Kino

22.00-02.00

LET’S CEE Partyline

Strandbar Herrmann

DO 08.10.

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar

Herrmann

18.00-19.00

Lesung Goran

Vojnović

Strandbar Herrmann

18.00-19.30

Diskussion Gods

Polnische Akademie

der Wissenschaften

19.00-22.00

VDFS Netzwerkabend

Invitation Only

Urania Café

FR 09.10.

09.45-13.30

FNE Industry Event

Österreichisches

Filminstitut

11.00-12.00

Lesung Goran

Vojnović

Bücherei

Philadelphiabrücke

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

15.00-18.00

Master Class

Ada Solomon

Raiffeisen Hall

Ab 22.00

Premierenfeier

Nabat & Down

The River

Invitation Only

Palffy Club

Ab 23.00

LET’S CEE After

Show Party

Palffy Club

SA 10.10.

10.00-12.30

Master Class

Fatemeh

Motamed-Arya

Raiffeisen Hall

14.00-16.30

Master Class

Elliot Grove 1

Raiffeisen Hall

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

16.00-17.00

Lesung Marcin

Szczygielski

Strandbar Herrmann

17.00-19.30

Master Class

Elliot Grove 2

Raiffeisen Hall

18.00-19.00

Präsentation

Europäisches

Film Festival

in Rumänien

Strandbar Herrmann

20.30-22.00

Award Ceremony

Invitation Only

Urania Kino

23.00

LET’S CEE After

Show Party

Palffy Club

SO 11.10.

10.00-12.30

Master Class

Elliot Grove 3

Raiffeisen Hall

12.00-14.00

Meet & Greet Lunch

Strandbar Herrmann

14.00-17.00

Master Class

Jan Saudek

Raiffeisen Hall

21.00-23.00

Konzert Fanfara

Transilvania

Schwarzberg

40 Rahmenprogramm


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Österreich € 32,– Schweiz CHF 70,– Europa € 50,– Einzelheft € 5,–


Tomasz Raczek

Drei verschiedene Geschichten, die gleichen

Schauspieler. Drei Mal geht es um Liebe und drei

Mal ist diese unmöglich. Jede Szene dieser serbokroatischen

Version von Romeo und Julia ist genau

10 Jahre von der nächsten getrennt. Dazwischen

liegt Krieg – zunächst wird er erwartet, dann

geführt und schließlich wird an ihn erinnert. In

jedem Fall aber bleibt der Krieg nicht nur verletzend

und zerstörerisch, sondern er blockiert auch Gefühle.

Regisseur Dalibor Matanić moralisiert nicht und

versucht auch nicht zu belehren. Er ist kein Publizist.

Er verhält sich wie ein Psychoanalytiker, der tief

ins Innere seiner zu therapierenden Filmhelden

eindringt und mit aller Kraft versucht, den Rest der

verbliebenen Hoffnung, die für das Überwinden

des Traumas nötig ist, nicht zu zerstören.

Three different stories – same actors. All three stories

talk about love and each time it is unachievable.

Each scene of the Serbo-Croatian version

of Romeo and Juliet is separated from the next

by 10 years. In between there is war – at first, war

is expected, then the characters find themselves

in war, and finally, it is a distant memory. In

any case, the war not only remains detrimental

and destructive, but it also blocks out emotions.

Dalibor Matanić, the director, does not moralise

nor does he try to lecture anyone. Rather than a

publicist, he is a psychoanalyst, who, while penetrating

his heroes’ emotions, tries not to destroy

their remaining hope, which they desperately

need for being able to overcome their traumas.


Eröffnungsfilm 43

Spielfilm. Kroatien | Slowenien | Serbien 2015

Sprache Kroatisch mit engl. UT

Länge 123 min.

Format DCP

Farbe

ERÖFFNUNGSFILM

Opening Film

THE HIGH SUN

Zvizdan

In The High Sun werden die Schicksale dreier Liebespaare aus zwei, nicht nur durch einen See getrennten

Dörfern in Dalmatien und aus drei aufeinanderfolgenden Jahrzehnten erzählt. In der Gegend herrscht

wechselseitig gewaltiges Misstrauen und romantische Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher

ethnischer Herkunft werden gar nicht gern gesehen. Und doch gibt es sie. 1991 wird ein junges Pärchen vom

Wahnsinn einer mittlerweile höchst feindseligen und von Angst und Chaos geprägten Vorkriegs stimmung

eingeholt. Zehn Jahre später steht die Begegnung einer jungen Frau mit einem Mann von der anderen

Seite wiederum von Anfang an unter keinem guten Stern, weil die Wunden des Krieges noch zu frisch sind.

Die dritte Geschichte schließlich führt fast in die Gegenwart, nämlich ins Jahr 2011. Ein Mann trifft seine Ex

wieder, die er vor langer Zeit sitzen gelassen hat. Gibt es Hoffnung, dass am Ende doch noch Selbstlosigkeit

und Liebe über die Schrecken des Nationalismus triumphieren können? Dass in allen drei Geschichten

die gleichen Schauspieler das Liebespaar spielen, ist ein ungewöhnliches Stilmittel, vermag aber die Handlungsstränge

gelungen miteinander zu verbinden. Das packende und bildgewaltig inszenierte Drama wurde

heuer bereits unter anderem in Cannes mit dem Preis der Jury der Reihe Un Certain Regard ausgezeichnet.

Over three consecutive decades, The High Sun tells the story of three love couples from two villages in Dalmatia

that are separated by more than just a lake. A high level of mutual mistrust prevails in the region, and romantic

relationships between people of different ethnic origins are not tolerated. And yet, they exist. In 1991, a young

couple is affected by the madness of a pre-war sentiment involving extreme hostility, fear and chaos. Ten years

later, the encounter between a young woman and a man from the enemy side is again ill-fated from the beginning,

as the wounds of war have not yet healed. The third story is set almost in the present, that is, in 2011. A man

meets his former girlfriend, whom he abandoned long ago. Is there any hope that unselfishness and love will

eventually prevail over the horrors of nationalism? The fact that the couple in all three stories is portrayed by the

same pair of actors may appear to be quite an unusual stylistic device. Yet it allows the plot lines to be linked up

effectively. This year, the jury in Cannes, gave this thrilling and visually stunning drama the Un Certain Regard award.

Regie und Drehbuch Dalibor Matanić

Kamera Marko Brdar

Schnitt Tomislav Pavlic

Ton Julij Zornik

Musik Alen Sikauz, Nenad Sinkauz

Produzentin Ankica Jurić Tilić

Koproduzenten Petra Vidmar, Frenk Celarc,

Nenad Dukić, Miroslav Mogorović

Darsteller

Jelena/Nataša/Marija Tihana Lazović

Ivan/Ante/Luka Goran Marković

Jelenina Nives Ivanković

Saša Dado Ćosić

Božo/Ivno Stipe Radoja

Ivanov Trpimir Jurkić

Produktion Kinorama

Vertrieb/Kontakt Cercamon

Biografie Dalibor Matanić

Dalibor Matanić wurde 1975 in Zagreb geboren, wo

er auch Film- und Fernsehregie studierte. The Cashier

Wants to Go to the Seaside wurde im Jahr 2000 beim

Filmfestival in Cottbus als bester Debütfilm ausgezeichnet.

Fine Dead Girls verhalf Matanić zwei Jahre

später zum Durchbruch und wurde bei den Filmfestspielen

in Genf, Pula und Sotschi mehrfach prämiert.

Matanić‘ Kurzfilm The Party hatte seine Premiere bei

den Internationalen Filmfestspielen von Cannes,

wurde bei rund 80 Festivals gezeigt und hat 19 Preise

gewonnen. Auch sein neuestes Werk The High Sun

war in Cannes zu sehen und gewann den Jurypreis

der Sektion Un Certain Regard.

Filmografie Dalibor Matanić (Auswahl)

2015 The High Sun

2011 Daddy

2010 Mother of Asphalt

2009 The Lika Cinema

2002 Fine Dead Girls


Abschlussfilme 45

Spielfilm. Serbien 2010

Sprache Serbisch, Bulgarisch,

Französisch mit engl. UT

Länge 140 min.

Format DCP

Farbe

ABSCHLUSSFILME

Closing Films

MONTEVIDEO:

TASTE OF A DREAM

Montevideo: Bog te video

Der Kinohit handelt von elf leidenschaftlichen Kickern und ihrem Weg von den Straßen der Belgrader Vorstadt

bis zur Teilnahme als jugoslawisches Team an der Fußballweltmeisterschaft 1930 in Urugu ay. Im Mittelpunkt

der Handlung steht die Beziehung zwischen zwei Top-Spielern, dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden

Naturtalent Tirke sowie Moša, Superstar und Playboy aus bestem Haus. Die beiden werden Freunde, als

sie zusammen für ihren Verein Belgrad Sports Club BSC (heute Parti zan Belgrad) stürmen. Und auch im neu

gegründeten Nationalteam ziehen sie vorerst an einem Strang. Als sich Tirke und Moša aber wegen zwei

schönen Frauen ins Gehege kommen, ist es mit der Einheit bald vorbei. Rosa, eine sinnliche Unschuld aus einer

Kleinstadt, himmelt Tirke an, aber ihr fußballverrückter Onkel setzt alles daran, sie mit Moša zusammenzubringen.

Valeria wiederum, eine Bo hemienne, verführt Moša und findet Gefallen daran, ihn gegen Tirke aufzuhetzen.

Montevideo, ein auf Vladimir Stanković’ gleichnamigem Bestseller basierendes Fußballmärchen über

Teamgeist, Freundschaft, Ausdauer und Liebe, vor allem auch der zum Spiel, war in Serbien einer der ganz großen

Publikumsrenner – und zwar bei Frauen und Männern. Bei LET’S CEE ist der Film erstmals in Österreich zu sehen.

This box office hit tells the story of eleven passionate football players and their journey from the streets of

Belgrade suburbs to playing for Yugoslavia in the 1930 FIFA World Cup in Uruguay. The plot centres on the

relationship between two top players: naturally gifted Tirke from a poor background, and Moša, superstar and

playboy, who comes from a wealthy family. The men become friends when they play as strikers for the Belgrade

Sports Club BSC (nowadays Partizan Belgrade). They also pull together in the newly-founded national

team – at first. When they get in each other's way because of two beautiful women, their unity, of course, soon

crumbles. Rosa, all small-town, sensual innocent, adores Tirke, but her uncle, who is nuts about football, does

everything to set her up with Moša. Meanwhile, Valeria, a bohemian free spirit, seduces Moša and enjoys stirring

him up against Tirke. Based on Vladimir Stanković's eponymous bestseller, Montevideo, a football fairy tale

about team spirit, friendship, endurance and love, especially love for the game, was a great success with the

Serbian audience – both female and male. At the LET'S CEE Film Festival, the feature has its Austrian premiere.

Regie Dragan Bjelogrlić

Drehbuch Srđan Dragojević, Ranko Božić

Kamera Goran Volarević

Schnitt Marko Glušac

Musik Magnifico, Milan Stojanović

Produzent Dejan Petrović

Darsteller

Tirke Miloš Biković

Moša Petar Strugar

Valerija Nina Janković

Rosa Danina Jeftić

Mihajlo Andrejevic Predrag Vasić

Produktion Intermedia Network

Vertrieb/Kontakt Intermedia Network

Biografie Dragan Bjelogrlić

Der Regisseur, Produzent und Schauspieler Dragan

Bjelogrlić wurde 1963 in Opovo, Serbien, geboren.

Mit fünfzehn Jahren stand er erstmals vor der Kamera.

In den 1980er Jahren avancierte er zu einem

anerkannten Schauspieler der jugoslawischen Kinound

Fernsehlandschaft. Montevideo: Taste of a Dream

war sein Regiedebüt und ebenso wie die Fortsetzung

See You in Montevideo ein Riesenerfolg. Zuletzt war

Dragan Bjelogrlić, der zusammen mit seinem älteren

Bruder Goran die Produktionsfirma Cobra Films führt,

als Schauspieler in Monument to Michael Jackson zu

sehen, der 2014 im LET’S CEE Spielfilm-Wettbewerb

präsentiert wurde.

Filmografie Dragan Bjelogrlić (Auswahl)

2014 See you in Montevideo

2010 Montevideo: Taste of a Dream


Abschlussfilme 47

Spielfilm. Serbien 2014

Sprache Serbisch, Spanisch,

Englisch mit engl. UT

Länge 141 min.

Format DCP

Farbe

SEE YOU IN

MONTEVIDEO

Montevideo, vidimo se!

Im zweiten Teil der erfolgreichen Fußball-Saga aus Serbien geht es in die Hauptstadt Uruguays. Nach einer

langen Zugfahrt und einer anstrengenden mehrwöchigen Reise über den Atlantik, kommt die neu gegründete

Nationalmannschaft des damaligen Königreichs Jugoslawien am Austragungsort der Fußball-WM 1930

an. Das Team vom Balkan ist hier völlig unbekannt und klarer Außenseiter. Niemand gibt ihm eine Chance.

Die Spieler müssen in einem billigen Hotel einchecken und gleich einmal gegen die Stars der schon damals

berühmten Nationalmannschaft aus Brasilien antreten. Die ungewohnte Umgebung, allerhand romantische

Versuchungen, listige Fußballagenten, Rivalitäten untereinander – an Ablenkungen mangelt es nicht.

Tirke, Moša und ihre Kollegen lassen sich dadurch letztlich aber trotzdem nicht von ihrem Weg abbringen.

Sie sind voller Zuversicht, haben eine Vision, vertrauen auf ihr Talent, beweisen Durchhaltevermögen und

gehen erhobenen Hauptes in das Stadion – wo sie dann tatsächlich Brasilien zum Auftakt besiegen und sehr

viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Als nächster Gegner warten die Kolumbianer. Und dann... Schaffen sie

die ganz große Sensation? Auch die Fortsetzung des Kinohits über einen der wichtigsten sporthistorischen

Meilensteine Jugoslawiens kam beim Publikum sehr gut an und wurde sogar für den Auslands-Oscar nominiert.

Part two of the successful football tale from Serbia brings us to the capital of Uruguay. After a long train

ride and and exhausting weeks of travelling across the Atlantic Ocean, the newly-formed national team

of what was then the Kingdom of Yugoslavia arrives at the venue of the 1930 FIFA World Cup. Here, the

Balkan team is completely unknown and clearly the underdog. Nobody believes the team has any chance.

The players have to check into a cheap hotel, and in their very first match, they are to face the stars of the

Brazilian national team that was already famous at the time. The unfamiliar surroundings, an abundance of

romantic temptations, sly football agents, rivalries between the team members themselves – there is no

shortage of distractions. In the end, however, Tirke, Moša and their colleagues do not let any of that get

them off track. They are confident, have a vision, trust in their talents, display stamina and enter the stadium

with their heads held high – where they actually beat Brazil in the opening match, attracting a lot of attention.

Their next opponents are the Colombians. And then... Will they achieve the impossible? The sequel

of the box office hit about one of the most important landmarks in the sports history of Yugoslavia was

very well received by the audience. It was even nominated for the Oscar for Best Foreign Language Film.

Regie Dragan Bjelogrlić

Drehbuch Dragan Bjelogrlić, Ranko Božić,

Dimitrije Vojnov

Kamera Goran Volarević

Schnitt Petar Marković, Svetolik Zajc,

Dejan Urošević

Musik Magnifico, Luz Kasal

Produzent Dejan Petrović

Darsteller

Tirke Miloš Biković

Moša Petar Strugar

Hotchkins Armand Assante

Milutinac Viktor Savić

Dolores Elena Martínez

Paco Branko Ɖurić

Produktion Intermedia Network

Vertrieb/Kontakt Intermedia Network

Biografie Dragan Bjelogrlić

Der Regisseur, Produzent und Schauspieler Dragan

Bjelogrlić wurde 1963 in Opovo, Serbien, geboren.

Mit fünfzehn Jahren stand er erstmals vor der

Kamera. In den 1980er Jahren avancierte er zu einem

anerkannten Schauspieler der jugoslawischen Kinound

Fernsehlandschaft. Montevideo: Taste of a Dream

war sein Regiedebüt und ebenso wie die Fortsetzung

See You in Montevideo ein Riesenerfolg. Zuletzt war

Dragan Bjelogrlić, der zusammen mit seinem älteren

Bruder Goran die Produktionsfirma Cobra Films führt,

als Schauspieler in Monument to Michael Jackson zu

sehen, der 2014 im LET’S CEE Spielfilm-Wettbewerb

präsentiert wurde.

Filmografie Dragan Bjelogrlić (Auswahl)

2014 See you in Montevideo

2010 Montevideo: Taste of a Dream


ŽELIMIR ŽILNIK

„Wenn es so etwas wie ein europäisches Kino gibt, das mehr ist als der Querschnitt aller

zwischen Ural und Atlantik gedrehten Filme, dann ist Želimir Žilnik einer der wichtigsten

Vertreter dieses Kinos”, urteilte die FAZ vor wenigen Monaten. Der Serbe macht seit über 45

Jahren Filme, kurze wie lange, Spielfilme wie Dokumentationen und natürlich auch Dokudramen,

ein Genre, als dessen Mitbegründer er sogar gilt. Er hat sich als Sozialkritiker, als

Intellektueller und natürlich auch als Filmemacher über die Jahre einen herausragenden

Namen zu machen vermocht. Dabei hat es das Schicksal anfänglich gar nicht gut mit ihm

gemeint: Geboren wurde er 1942 in einem Konzentrationslager bei Niš. Und aufgewachsen

ist er, weil seine Eltern von den Nazis bzw. den Chetniks als Partisanen getötet worden

waren, bei seinen Großeltern. Želimir Žilnik hat als Rechtsanwalt gearbeitet, ehe er sich endgültig

dem Filmemachen zuwandte. Mit Early Works gewann er 1969 in Berlin bereits in sehr

jungen Jahren einen Goldenen Bären. Er gilt als bedeutender Protagonist des Novi Film, einer

Bewegung, die in Jugoslawien für eine künstlerische und politische Erneuerung stand und

vom Regime als Schwarze Welle bald verfolgt wurde. Der de facto mit einem Arbeitsverbot

bedachte provokante Freigeist ging daraufhin nach Deutschland, wo er in den 1970er Jahren

unter anderem die Filme Öffentliche Hinrichtung und Paradies. Eine imperialistische Tragikomödie

produzierte. Seine Auseinandersetzung mit dem Thema Terrorismus stieß aber auch

dort auf immer heftigeres Missfallen durch die Staatsmacht. Žilnik sah sich gezwungen, nach

Jugoslawien zurückzugehen. Dort widmete er sich erneut dem Dokudrama. Soziale Konflikte

aus der Sicht einfacher Menschen darzustellen, wurde bald zu seinem Markenzeichen. Stets

radikal unabhängig hat Žilnik ein Werk geschaffen, das die jeweilige Gesellschaft und ihre politischen,

kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen kritisch unter die Lupe nimmt. Zuerst

das sozialistische Jugoslawien und später die BRD der 1970er Jahre. Dann Jugoslawiens Zerfall,

die Balkankriege der 1990er Jahre und die ständig wandelnden Staatlichkeiten und zuletzt

eben die neuen Grenzen sowie Migration und Abschottungstendenzen in Europa. Die dieser

Thematik entsprechenden Arbeiten Fortress Europe, die Kenedi-Trilogie und auch sein brandaktueller

Film Logbook Serbistan wurden vielfach ausgezeichnet. „Ich bin nicht gläubig”, hat Žilnik

vor ein paar Jahren erklärt, „aber ich habe die ganze Zeit versucht, die Dinge so zu machen und

mein Leben so zu leben, dass es mich nicht stören würde, wenn ich am Ende vor Gott stehe.”

Želimir Žilnik

Regisseur und Drehbuchautor

Director and Screenwriter

“If there is such a thing as a European cinema that goes beyond the cross section of all

films made between the Urals and the Atlantic, then Želimir Žilnik is one of the most

important representatives of that cinema,” the Frankfurter Allgemeine Zeitung newspaper

stated a few months ago. The Serbian director and producer has been making movies

for 45 years, both full-length and shorts, feature films as well as documentaries, and of

course docu-dramas, a genre he co-founded. Over the years he has built an enviable

reputation as a social critic, intellectual, and of course as a film maker. However in the

beginning he was less favoured by fortune: He was born in 1942 in a concentration

camp near Niš and brought up by his grandparents, because his parents were killed

as partisans by the Nazis, or by the Chetniks. Želimir Žilnik worked as a lawyer until he

finally turned to film making. As a young man in 1969, he won a Golden Bear in Berlin for

Early Works. He is considered an important protagonist of Novi Film, a movement that

represented artistic and political development in Yugoslavia, and which was soon to

be persecuted by the regime. His free spirit was prohibited from working, so he moved

to Germany, where in the 1970s he produced Öffentliche Hinrichtung and Paradise. An

Imperialist Tragi-Comedy amongst other films. However, his examination of terrorism

also encountered more and more disapproval by the German government and Žilnik

felt forced back to Yugoslavia. Having returned to his home, he again dedicated himself

to the docu-drama. Telling and showing social conflict from the viewpoint of simple

people soon became his trademark. Radically independent, Žilnik created an oeuvre

that keeps a close and critical eye on the political, cultural and economic conditions of

respective societies. Firstly socialist Yugoslavia, later West Germany of the 1970s. Then he

turned his attention to the dissolution of Yugoslavia after the death of Tito, followed by

the Balkan wars of the 1990s and continually changing statehoods. Finally, the recent

tendencies in Europe regarding migration and compartmentalisation have come under

his scrutiny. The works corresponding to these subject matters, Fortress Europe, the

Kenedi-Trilogy and the most recent film Logbook Serbistan have received many awards.

“I’m not a believer,” Žilnik declared a few years ago. “But the whole time I’ve tried to make

things and live my life in a way that I would not mind standing in front of God in the end.”

FOTO: PRIVAT

48 Želimir Žilnik


Eastern European PR Consultancy of the Year, 2014, SABRE Awards 4

Vienna HQ: www.chapter4.eu


SPIELFILM-

WETTBEWERB

Feature Film Competition

Tomasz Raczek

Kurator für den Spielfilm-Wettbewerb

Curator of the Feature Film Competition

FOTO: ADAM HARRY CHARUK

Europa stöhnt unter der Last der aus dem Nahen Osten kommenden Flüchtlingswelle. Wie

werden sich die Neuankömmlinge auf den alten Kontinent auswirken? In welchem Ausmaß

werden sie seine Politik, Wirtschaft oder Mentalität beeinflussen? Werden sie ihn stärken

oder schwächen? Was werden sie in uns wecken? Engel? Oder doch Dämonen? Eine eindeutige

Antwort gibt es wohl auf keine dieser Fragen, schon aus dem Grund nicht, da die

Stimmung generell schwankt und Meinungen sich über Nacht (ins Gegenteil) verkehren

können. Schon ein belangloses Ereignis kann eine Welle von Wut oder Mitgefühl in der

Gesellschaft auslösen. Wir verlieren uns in unseren Emotionen. Wie sollen wir die bei uns

ankommenden Menschen richtig einschätzen können? Sie brauchen dringend Hilfe, und

wir brauchen die auch, nämlich um zu erkennen, was in uns schlecht und was gut ist, was

es wert ist, darauf zu beharren und was wir bei sich nächst bietender Gelegenheit verändern

sollten. Die diesjährigen Filme des LET’S CEE Spielfilm-Wettbewerbs vermögen es uns

bei diesem mühsamen Prozess zu helfen. Der kroatische Film The High Sun oder die aserbaidschanische

Produktion Nabat erinnern nicht nur daran, wie tödlich der Krieg sein kann,

sondern auch daran, wie er die menschliche Psyche zerstört. Die rumänischen Produktionen

Aferim! und Box zeigen, dass selbst in friedlichen Zeiten Rassismus sowie ungünstige

Schicksalsfügungen jemandes Erfolgschancen endgültig vernichten können. Im Kampf um

uns selbst müssen wir manchmal Hindernisse überwinden, wozu uns oft die Kraft zu fehlen

scheint. Dann kommt uns die Aufgabe unlösbar vor, und doch macht dies unsere Bestrebungen

nicht zwecklos. Auch wenn sich die ganze Welt vor unseren Augen kompromittier -

te, so sollten wir dabei bleiben, was wir als Regung des Anstands und manchmal sogar des

Instinkts bezeichnen würden. Daran erinnern uns besonders folgende Filme: The Fool aus

Russland, Drawers aus der Türkei, You Carry Me aus Kroatien und No One’s Child aus Serbien.

Zum Schluss eine wichtige Mahnung: Was auch immer mit uns geschehen mag, vergessen

wir nicht zu lächeln und Dinge aus der Distanz zu betrachten; und dass wir letztendlich

nicht imstande sind, sämtliche Lebenskrisen alleine zu bewältigen. Manchmal muss man

sich nun mal einfach mit dem Unabwendbaren oder Unmöglichen abfinden. Es zahlt sich

aber aus, dies mit Würde zu tun, um aus gewissen Situationen Kraft zu schöpfen und nicht

an ihnen zu verzweifeln. Wie das geht, zeigen der polnische Film Body, der ungarische Liza,

The Fox-Fairy und der tschechische The Snake Brothers. Unterschiedliche Weltanschauungen

– die gleiche Sorge ums menschliche Dasein. Filme aus Mittel- und Osteuropa können

einfach nicht enttäuschen!

Europe groans under the weight of the wave of refugees coming from the Middle East.

What kind of changes will the newcomers bring to the old continent? How much will

they influence politics, the economy and European mentality? Will they weaken our

continent or strengthen it? What will they awaken in us – angels, or demons? There is

probably no clear answer to any of these questions, if only because already unsteady

moods and opinions can swing abruptly overnight. Even the most trivial occurrences

have the power to provoke feelings of anger, or of compassion within society. We lose

ourselves in our emotions. How do we properly prepare to assess the masses of people

arriving? They need help, and we need help too, namely with our self-awareness,

someone to tell us what is bad and what is good about ourselves. What is worth insisting

on and what must we alter at the earliest opportunity? The films running in the Feature

Film Competition of this year’s LET’S CEE Film Festival might help us through this difficult

process. The Croatian film The High Sun and the Azerbaijani documentary Nabat not

only remind us of war’s deadly work, but especially of the mental destruction inflicted

on human beings. On the other hand Aferim! and Box from Romania, demonstrate how

racial discrimination combined with bad luck can completely ruin someone’s chances

of success, even in peaceful times. In our personal struggles we must sometimes overcome

obstacles, which seemed beyond our abilities. A task or a problem might seem

unsolvable at first, but that does not make our efforts useless, or leave us without any

possibilities. If the entire world compromised itself before our eyes, we should still maintain

a sense of decency, or human instinct. The Fool from Russia, Drawers from Turkey,

You Carry Me from Croatia and No One’s Child from Serbia are films that remind us of

exactly this. Finally, an important point: Whatever happens to us, we should not forget

to smile, to distance ourselves, and recognise that we cannot in fact cope with all of life’s

crises on our own. Sometimes we have to accept what is irreparable or inevitable. Hence

we should act honorably, draw strength from some situations, and not despair. How to

do that is demonstrated in the Polish film Body, the Hungarian Liza, The Fox-Fairy and

the Czech The Snake Brothers. Different worldviews, with the same concerns about the

human condition. Films from Central and Eastern Europe rarely disappoint.

Spielfilm-Wettbewerb 51


Tomasz Raczek

Auch Europa hatte einen Wilden Westen und

seine Western. Der europäischen Wilde Westen lag

freilich im Osten des Kontinents. Der rumänische

Regisseur Radu Jude, der im Rahmen des LET’S CEE

Film Festivals schon für seinen Film Everybody in

Our Family ausgezeichnet worden ist, hat sich einer

be wegenden und ästhetisch raffinierten Geschichte

angenommen. Ähnlich wie im Oscar-gekrönten

12 Years a Slave begleiten wir einen jungen Leibeigenen,

der entlaufen ist und zu seinem Herrn

zurückgebracht werden soll. Ihm droht aufgrund

seiner sittenwidrigen Vergehen eine strenge

Bestrafung. Diese europäische Version der Versklavung

von Menschen ist wie ein Gleichnis aus

einem bösen Märchen. Es fällt einem schwer zu glauben,

dass dennoch so viel Wahrheit in ihm steckt.

Europe has had its Wild West and its Westerns, but

they took place in the east of the continent. The

Romanian director, Radu Jude, who has already

been distinguished for Everybody in our family at the

LET’S CEE Film Festival, has taken it upon himself

to tell an equally moving and aesthetically refined

story. Similar to the Oscar-winning movie 12 years a

slave, we follow the life of a young boy who is being

abducted, only to be handed over to his owner for

his indecent behaviour. This European version of a

slave in distress seems like a metaphor taken out of

a dark fairy tale. Although it is difficult to believe at

first, there is so much truth in it.

52 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 53

Spielfilm. Rumänien | Bulgarien | Tschechien 2015

Sprache Rumänisch, Türkisch, Romani mit dt. UT

(08. und 09.10.) und engl. UT (10.10.)

Länge 108 min.

Format DCP

Schwarz-Weiß

AFERIM!

Carfin ist auf der Flucht. Er ist Roma und Leibeigener. Und wird beschuldigt, die Frau seines Bojaren verführt

zu haben. Gejagt wird er vom Gendarmen Constandin sowie dessen Sohn, die auf ihrem bizarren Ritt durch

eine verkommene Welt unter anderem mit Menschen verschiedener Nationalitäten und unterschiedlichen

Glaubens sowie dem derben Humor der Landbevölkerung konfrontiert werden. Ob Christen oder Juden,

Ungarn, Türken, Russen oder Rumänen – einzige Gemeinsamkeit scheinen in der Walachei um 1835

wechselseitige, mit Feindseligkeit beladene Vorurteile zu sein. Während Constandin Ausflüchte in alten

Weisheiten sucht, versinkt sein Sohn angesichts des multiethnischen Wirrwarrs in Sprachlosigkeit. Radu

Jude schafft es mit seiner auf Liedern und historischen Dokumenten beruhenden, in vielen Szenen durchaus

amüsanten, aber zugleich auch erschreckend brutalen Parabel, die dunkle Vergangenheit seiner

Heimat sowie die Abgründe menschlichen Handelns in schaurig-schönen Schwarz-Weiß-Aaufnahmen

zu vergegenwärtigen. Ein politischer Balkanwestern über gesellschaftliche Schranken, den Umgang mit

Minderheiten und Nationalismus, der von The Hollywood Reporter als rumänische Antwort auf 12 Years A Slave

gefeiert und unter anderem mit dem Silbernen Bären für die beste Regie in Berlin ausgezeichnet wurde.

Carfin is on the run. He is a Roma slave, accused of having seduced his boyar’s wife. Gendarme

Constandin and his son chase after him. On their bizarre ride through a depraved world, they are

confronted with people of different nationalities and religions as well as the vulgar humour of the

rural population. Be it Christians or Jews, Hungarians, Turks, Russians or Romanians – the only common

ground in Wallachia around 1835 seems to have been prejudice laden with hostility. While Constandin

tries to find excuses in ancient wisdoms, his son is struck speechless in the light of the multi-ethnic

confusion. With his at times shockingly brutal, and at times quite amusing parable based on old songs

and historical documents, Radu Jude portrays the dark past of his home country as well as the chasms

of human behaviour in eerily beautiful black-and-white footage. This political Balkan Western about

social barriers, the treatment of minorities and nationalism, is celebrated as the Romanian answer to

12 Years a Slave by The Hollywood Reporter, and was awarded the Silver Bear for Best Director in Berlin.

Regie Radu Jude

Drehbuch Radu Jude, Florin Lăzărescu

Kamera Marius Panduru

Schnitt Cătălin Cristuțiu

Musik Trei Parale

Ton Momchil Bozhkov, Dana Lucreția Bunescu,

Cristinel Șirli

Produzentin Ada Solomon

Koproduzenten Rossitsa Valkanova, Jiří Konečný,

Ovidiu Șandor

Darsteller

Costandin Teodor Corban

Ioniță Mihai Comănoiu

Carfin Toma Cuzin

Frau des Bojaren Michaela Sirbu

Iordache Cîndescu Alexandru Dabija

Produktion Hi Film Productions

Vertrieb/Kontakt Beta Cinema

Biografie Radu Jude

Radu Jude wurde 1977 in Bukarest geboren und

studierte am Filminstitut der dort ansässigen Medienuniversität.

Schon mit seinen ersten Kurzfilmen

feierte er große Erfolge. The Tube with a Hat wurde

international mit mehr als 50 Preisen überhäuft und

avancierte zum weltweit erfolgreichsten Kurzfilm

des Jahres 2007. Für sein Spielfilmdebüt The Happiest

Girl in the World wurde Radu Jude sowohl am

Sundance Film Festival als auch auf der Berlinale

ausgezeichnet. In Berlin wurde er zuletzt auch für

seine Regietätigkeit bei Aferim! mit einem Silbernen

Bären geehrt.

Filmografie Radu Jude (Auswahl)

2015 Aferim!

2012 Everybody in Our Family

2011 A Film for Friends

2009 The Happiest Girl in the World

2006 The Tube with a Hat


Tomasz Raczek

Einen Körper zu haben bedeutet, auch Schmerzen

zu empfinden. Er ist ein Instrument, auf dem man

sowohl ein trauriges als auch etwa ein ironisches

Lied spielen kann. Bei Szumowska wird der Körper

hier zu einer G-Saite, auf der die Regisseurin eine

groteske Arie zum Besten gibt, die häufig zu einem

Totenlied wird. Zugleich handelt es sich aber auch

um ein Gleichnis über das Altern. Und weil hier

zudem eine New Age-Atmosphäre mitschwingt,

fällt dieses manchmal ironisch aus. Physik und

Metaphysik umarmen hier einander im Tanz. Nach

dem Tod der Frau und Mutter, kämpfen ein alternder

Staatsanwalt und seine magersüchtige Tochter

jeweils mit ihren Körpern. Auf ihrem Weg begegnen

sie einem Schutzengel: einer Therapeutin, die

mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen kann. Aber

auch sie hat ein Geheimnis...

The body - means pain. The body becomes an instrument

of pain, on which one can play both – a

sad song or an ironic canzone. Szumowska, the

director, turns the body into a G-string and plays

her aria on it. At first, the string, being full of earnestness,

plays a song about the dead. Then again

it sounds grotesque, as it becomes a parable

about aging and at last satirical, as the atmosphere

of the New Age resonates with it. Physics and

metaphysics embrace each other in a dance. After

the death of their wife and mother, an aging

attorney and his anorexic daughter struggle with

their bodies. On their path, they run into their guardian

angel – a therapist, who can contact the

netherworld. But, she also keeps a secret…

54 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 55

Spielfilm. Polen 2015

Sprache Polnisch, Englisch mit

dt. UT (06.10 und 07.10.) und engl. UT (08.10.)

Länge 90 min.

Format DCP

Farbe

BODY

Ciało

Die Mutter tot und der Vater als Ermittler bei der Warschauer Polizei schwer beschäftigt. Vermutlich waren

es diese Umstände, die Olga in die Magersucht trieben. Aus Angst, sie könnte sich etwas antun, wird sie

von ihrem Vater eines Tages ins Krankenhaus gebracht. Dort treffen die beiden auf die Therapeutin Anna,

die in Gesundheitsschuhen und Strickpullovern gekleidet selbst therapiebedürftig wirkt. Anna verbreitet

Hoffnung und Wahnsinn zugleich: Sie behauptet, Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen zu können.

Freilich steht ihr der durch seine Arbeit verstörte Polizist zunächst recht skeptisch gegenüber. Das Elend, mit

dem er sich täglich auf den Straßen konfrontiert sieht, ließ seine Gefühlswelt eben offenbar ab stumpfen.

Doch auch er bittet Anna letztendlich um eine Séance. In Body versuchen die zwar schrägen, aber dafür

umso sympathischeren Charaktere den Verlust eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Körperliche

Selbstbestrafung sowie Flucht in die Esoterik scheinen für sie probate Mittel zu sein, um der tristen

Wirklichkeit zu entkommen. Der polnischen Regisseurin Małgorzata Szumowska gelingt es, die ernsten

Themen Tod, Krankheit und Einsamkeit mit viel schwarzem Humor und Situationskomik umzusetzen.

Nicht zuletzt darum wurde ihre Regieleistung auf der Berlinale 2015 mit einem Silbernen Bären gewürdigt.

Her mother is dead, her father extremely busy as a Warsaw police investigator: these may well be the reasons

Olga has become anorexic. One day, for fear that the girl might attempt suicide, her father takes her to

hospital, where they meet therapist Anna who, dressed in orthopaedic shoes and knitted jumpers, looks as

if she is in need of therapeutic help herself. Anna spreads both hope and madness: she claims to be able to

communicate with the dead. Of course, the police officer, who is distraught by his work, is sceptical about her

at first. The misery he has to face on the streets every day has apparently made him indifferent. But eventually,

he asks Anna for a séance as well. Body’s characters, who are weird in a most likeable way, struggle to get over

the loss of a beloved person. To them, physical self-punishment and taking recourse in the occult seems to

be an effective way to escape a dreary reality. Polish Director Małgorzata Szumowska successfully handles the

serious topics of death, illness and loneliness with a good deal of black humour and slapstick: probably not

the least of reasons why her performance as a director was honoured with a Silver Bear at the 2015 Berlinale.

Regie Małgorzata Szumowska

Drehbuch Małgorzata Szumowska, Michał Englert

Kamera Michał Englert

Schnitt Jacek Drosio

Ton Marcin Jachyra, Kacper Habisiak, Marcin Kasiński

Produzenten Jacek Drosio, MałgorzataSzumowska,

Michał Engler

Koproduzenten Marcin Kryjom, Marcin Piasecki,

Aleksandra Kielan

Darsteller

Untersuchungsrichter Janusz Gajos

Anna Maja Ostaszewska

Olga Justyna Suwała

Freundin des Untersuchungsrichters Ewa Dałkowska

Arzt Adam Woronowicz

Assistent des Untersuchungsrichters Tomasz Ziętek

Produktion Nowhere

Vertrieb/Kontakt Memento Films International

Biografie Małgorzata Szumowska

Die 1973 in Krakau geborene Regisseurin, Drehbuchautorin

und Produzentin Małgorzata Szumowska

gehört zu den erfolgreichsten polnischen Filmemacherinnen.

Ihre Dokumentar- und Spielfilme wurden

international mehrfach ausgezeichnet. So erhielt 33

Scenes From Life einen Silbernen Leoparden in Locarno

und In the Name Of… war im offiziellen Wettbewerb der

Berlinale zu sehen, wo die Produktion mit einem Teddy

Award gewürdigt wurde. Für Happy Man und Stranger

war Szumowska bei den European Film Awards nominiert.

Ihr Film Elles mit Juliette Binoche wurde in mehr

als 40 Ländern gezeigt. Für ihre Regietätigkeit bei Body

wurde Małgorzata Szumowska auf der Berlinale mit

einem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Filmografie Małgorzata Szumowska (Auswahl)

2015 Body

2013 In The Name Of ...

2011 Elles

2008 33 Scenes From Life

2004 Stranger

2000 Happy Man


Tomasz Raczek

Box erzählt davon, was sich in der Seele von Menschen

abspielt, die nie gewinnen. Oft sind sie

dem Erfolg nah und können ihn fast fassen. Wie

im Theater. Wie beim Boxen. Vom Leben, von der

Natur und durch sich selbst dazu verurteilt, ewig

eine Nebenrolle zu spielen, müssen sie sich jedoch

schließlich mit dieser abfinden und ihr Glück anderswo

suchen. Wer könnte einen Verlierer besser

verstehen als ein anderer Verlierer? Der 19-jährige

Rafael hat Talent fürs Boxen. Darüber, ob er Karriere

machen wird, entscheiden aber nicht nur seine

Kämpfe im Ring. Cristina arbeitet im Theater und ihr

Mann spielt Hamlet. Die Rolle der Ophelia wird ihr

aber dennoch verwehrt. Obwohl sie in verschiedenen

Welten leben, befinden sich der Boxer und die

Schauspielerin in einer ähnlichen Lebenssituation.

Sind sie füreinander bestimmt?

Box talks about what happens in people’s souls if

they constantly lose. They seem so close to success

– it is almost tangible, at one blow. Like in

theatre. Like in boxing. Condemned by life, by

nature and by themselves to eternally play the

supporting role, they have to come to terms with

it and try their luck somewhere else. Who else

could understand a loser better than another

loser? 19-year old Rafael has a talent for boxing,

but whether he will have a boxing career will not

be decided only in the ring. Cristina works at the

theatre, in which her husband plays Hamlet. However,

the role of Ophelia has never been offered

to her. Both, Rafael and Cristina live in different

worlds, but their path is the same. Could they be

meant for each other?

56 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 57

Spielfilm. Rumänien | Deutschland |

Frankreich 2015

Sprache Rumänisch, Ungarisch mit dt. UT (05.10.)

und engl. UT (06.10.)

Länge 93 min.

Format DCP

Farbe

BOX

Der 19-jährige Roma Rafael lebt perspektivlos bei seinem Großvater in ärmlichen Verhältnissen. Bis er von

einem Boxclub-Besitzer unter die Fittiche genommen wird. Cristina ist eine 34-jährige Theaterschau spielerin,

Ehefrau und Mutter. Der große Ruhm auf der Bühne ist ihr aber verwehrt geblieben. Auf den ersten Blick

scheinen Rafael und Cristina nicht viel gemeinsam zu haben. Dennoch fühlt sich Rafael wie magisch zu

der reiferen Frau hingezogen. Tag für Tag folgt er ihr auf dem Heimweg von der Theaterprobe. Nach und

nach finden die unterschiedlichen Charaktere zueinander und es zeigt sich, dass die beiden mehr verbindet

als zunächst gedacht. Das raffinierte Spiel mit den Erzählperspektiven zeichnet Florin Șerbans zweiten

Spielfilm ebenso aus wie sein großartiges Sounddesign und die visuell eindrucksvolle Gegenüberstellung

von Rafaels Trainingseinheiten und Cristinas Theaterproben. So wird deutlich, dass Körperbeherrschung

für beide von zentraler Bedeutung ist, um in ihren Disziplinen erfolgreich zu sein. Der durchwegs mit Laien

besetzte, aber dennoch durch die Schauspielleistungen bestechende, ruhige, romantische und durchaus

auch witzige Film wurde in Karlovy Vary ausgezeichnet und schwankt gekonnt „zwischen klassenbewusstem

sozialen Realismus, bulligem Boxer-Drama und außerordentlich trockener romantischer Komödie“ (Variety).

19-year-old Rafael is a Roma living with his grandfather in poor circumstances who has no ambitions

for the future. One day he is spotted by the owner of a boxing club who becomes his coach. Cristina

is a 34-year-old stage actress, wife and mother. Unfortunately, her performance on stage has not yet

earned her the critical acclaim she hopes for. At first sight, Rafael and Cristina seem not to have much

in common. Nevertheless, Rafael feels magically attracted to the older woman. Day after day he follows

her on her way home from rehearsal. Little by little, the two who are so different in character get to know

each other and it turns out that they have more in common than one would have thought at the beginning.

Florin Șerban's second feature film is characterised by a subtle play with narrative perspectives as

well as by its brilliant sound design and visually impressive contrast between Rafael's training sessions

and Cristina's rehearsals, highlighting the importance of body control for both protagonists to be successful

in their disciplines. The calm, romantic and also witty film mostly cast with amateur actors, yet

acclaimed for the actors' performances, won an award in Karlovy Vary and skilfully vacillates “between

class-conscious social realism, brawny boxing drama and exceedingly dry romantic comedy” (Variety).

Regie und Drehbuch Florin Șerban

Kamera Marius Panduru

Schnitt Eugen Kelemen

Ton André Rigaut

Kostüm Augustina Stanciu

Produzent Florin Șerban

Koproduzenten Jonas Katzenstein, Maximilian

Leo, Juliette Lepoutre, Marie-Pierre Macia

Darsteller

Rafael Rafael Florea

Cristina Hilda Péter

George Sorin Leoveanu

Großvater Nicolae Motrogan

Buzatu Narcis Romulus Dobrin

Produktion Fantascope

Vertrieb/Kontakt The Match Factory Gmbh

Biografie Florin Șerban

Florin Șerban wurde 1975 in Rumänien geboren.

Zunächst studierte er Philosophie, Hermeneutik

und Kulturtheorie in Siebenbürgen, ehe es ihn nach

Bukarest verschlug, wo er das Studium der Film regie

begann. 2001 entstand Șerbans erster Kurzfilm

Mecano, der auf mehreren Kurzfilmfestivals ausgezeichnet

wurde. Sein Spielfilmdebüt If I Want to

Whistle, I Whistle wurde im Wettbewerbsprogramm

der Berlinale 2010 präsentiert und mit dem Großen

Preis der Jury sowie dem Alfred-Bauer-Preis ausgezeichnet.

Box, Șerbans zweiter Film, feierte seine

Weltpremiere in Karlovy Vary, wo er „für das brillant

gezeichnete Porträt der rumänischen Gesellschaft“

den FIPRESCI-Preis verliehen bekam.

Filmografie Florin Șerban

2015 Box

2010 If I want to Whistle, I Whistle

2009 Emigrant

2001 Mecano


Tomasz Raczek

Deniz‘ Leben ist vom Bosporus und den Dardanellen

geprägt, dort wo Europa auf den asiatischen

Islam, die Freiheit auf das Patriarchat und die freie

Liebe auf die Aufopferung trifft. Die Bilder aus ihrem

Leben vermischen sich und öffnen uns die Augen

auf ein Dasein in ewiger Zerrissenheit zwischen

Kulturen, Traditionen und Leidenschaft. Als Deniz

im Krankenhaus liegt, muss sie sich ihren Dämonen

stellen: Ihr Kopf ist voller Erinnerungen an ein

lasterhaftes Leben in einem vom Islam geprägten

Land sowie an Fügsamkeit und familiäre Gewalt.

Das klingt nach einem gefährlichen Tanz auf Messers

Schneide. Und genau das ist es auch! Je mehr

Deniz versucht, des Messers Klinge auszuweichen,

desto tiefer schneidet diese in ihr Fleisch.

In Deniz’ life, which is influenced by the Bosphorus

and the Dardanelles, the contrasting worlds

of not only Europe and Asian Islam, freedom and

patriarchy, but also free love and devotion clash

with each other. Images of her life intertwine

and open the viewer’s eyes to an existence torn

between cultures, traditions and love. While in

the hospital, Deniz has to confront her demons:

memories of an immoral life in a country shaped

by Islam, the family’s conformity and domestic violence.

Sounds like Deniz is playing with fire. And

she does! The more she tries to escape the flames,

the more she gets burnt.

58 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 59

Spielfilm. Türkei 2015

Sprache Türkisch mit dt. UT (06. und 11.10.)

und engl. UT (07.10.)

Länge 120 min.

Format DCP

Farbe

DRAWERS

Çekmeceler

Deniz, eine Teenagerin, findet sich nach wochenlangen Exzessen – Partys, Sex und Drogen inklusive – im

Krankenhaus wieder. Mit ihrem aufreizenden, selbstzerstörerischen Verhalten rebelliert die Türkin gegen

ihren kontrollsüchtigen Vater und damit gleichzeitig auch gegen die Gesellschaft ihrer Heimat, die hinter

einer modernen Fassade immer noch stark patriarchalisch strukturiert ist. Auf dem Weg der Besserung

schießen ihr viele Erinnerungen in den Kopf, die mit märchenhaft schönen Bildern veranschaulicht

werden und von denen einige wohl besser in Vergessenheit geblieben wären. Das Regie-Duo M. Caner

Alper und Mehmet Binay war bereits 2012 mit Zenne Dancer bei LET'S CEE zu Gast und ging mit seinem

Debütfilm über die Rechte türkischer Homosexueller als Gewinner des Spielfilm-Wettbewerbs hervor.

Mit Drawers gelang den beiden ein nicht weniger kontroverses Spektakel. Wieder von einer wahren

Geschichte inspiriert, steht diesmal die weibliche Sexualität im Mittelpunkt, die im muslimisch geprägten

Land freilich ein Tabuthema ist. Tragische und zugleich universelle Schicksale, wie das der Protagonistin,

sind ein Aufruf, soziales Bewusstsein zu zeigen und eine Ermutigung zur Selbstbestimmung an alle

Frauen. Eine Ermutigung, sich selbst und die eigene Sexualität zu entdecken, zu lieben und zu leben.

After several weeks of binging – including parties, sex and drugs – teenage Deniz wakes up in hospital.

With her provocative, self-destructive behaviour the young Turkish woman rebels against her obsessively

controlling father as well as against her home country’s society that, while appearing modern on the

outside, still has a patriarchal structure. During her recovery, Deniz begins to open drawers to memories

that are illustrated in beautiful, fantastic images. Some of these memories, however, would have better

remained forgotten. Directors M. Caner Alper and Mehmet Binay have already participated in LET’S CEE

in 2012 with Zenne Dancer. With their debut feature on the rights of Turkish homosexuals, the duo won

the feature film competition. Drawers is a spectacle no less controversial. Again inspired by a true story,

the film centres on female sexuality, which, of course, is taboo in the Muslim country. Tragic and at the

same time universal tales such as the protagonist’s are meant heighten social awareness and also inspire

women to self-determination, the discovery of themselves and their own sexuality, and to love and to live.

Regie M. Caner Alper, Mehmet Binay

Drehbuch M. Caner Alper, Tilbe Saran,

Mehmet Binay, İsmail Onur Coşkun

Kamera Norayr Kasper

Schnitt Mesut Ulutaş

Ton Umut Şenyol

Musik Hasan Özsüt

Produzenten Mehmet Binay, M. Caner Alper, Nurhan

Özenen, Bulut Reyhanoğlu, Güldenay Sonumut

Darsteller

Deniz Ece Dizdar

Ayhan Taner Birsel

Saadet Tilbe Saran

Ayse Nilüfer Açıkalın

Ceylan Pınar Töre

Sati Tuğrul Tülek

Produktion Cam Films

Vertrieb/Kontakt Cam Films

Biografie M. Caner Alper, Mehmet Binay

M. Caner Alper begann seine Karriere während des

Colleges am Theater und blieb diesem auch während

seines Studiums treu. Mehmet Binay hat in Deutschland

Politikwissenschaft studiert und arbeitet zudem

als professioneller Fotograf. Seit 2006 produzieren

und drehen die beiden gemeinsam Dokumentarfilme,

für die sie bereits mit mehreren Preisen

bedacht wurden. Ihr gemeinsames Spielfilmdebüt

Zenne Dancer wurde 2012 sowohl auf nationaler

als auch auf internationaler Ebene mehrfach ausgezeichnet

– nicht zuletzt als bester Spielfilm beim

LET’S CEE Film Festival 2012. Drawers, ihr zweiter gemeinsamer

Film, brachte ihnen 2015 beim Filmfestival

Deutschland/Türkei in Nürnberg den Preis für den

besten Spielfilm ein.

Filmografie M. Caner Alper, Mehmet Binay (Auswahl)

2015 Drawers

2012 Zenne Dancer


Tomasz Raczek

Alleine gegen alle und auch noch siegen? Das ist

der Traum jedes Idealisten. Da es neben Idealen

auch einen starken Charakter braucht, geht dieser

Traum nur selten in Erfüllung. Dima Nikitin entdeckt

zufällig, dass ein Hochhaus, in dem es zu einem

kleinen Störungsfall gekommen ist, einzustürzen

droht. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass

sich die korrupten Beamten genug für die gefährdeten

Menschen interessieren, um etwas dagegen

zu unternehmen. The Fool ist ein erschütterndes

Abbild des zeitgenössischen Russlands, mit dem

der 34-jährige Regisseur Yury Bykov nicht nur die

Regierung, sondern auch die ganze Gesellschaft

anprangert.

Standing alone against everyone else? That’s

every idealist’s dream which however, comes true

rarely. To achieve something like that, one has not

only to have ideals, but also be of strong character.

Only by chance does Dima Nikitin discover that

an apartment tower, with a minor defect, is

impending to collapse. This, however, doesn’t

mean that the corrupt officials are about to do something

in order to help the people concerned.

We find ourselves in contemporary Russia – with

its distressing portrayal, the 34 years old director

Yury Bykov pillories not only Russia’s government,

but also the whole Russian society.

60 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 61

Spielfilm. Russland 2014

Sprache Russisch mit engl. UT

Länge 116 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Yury Bykov

Kamera Kirill Klepalov

Schnitt Yury Bykov

Musik Yury Bykov

Produzenten Alexey Uchitel, Kira Saksaganskaya

THE FOOL

Durak

Der gutherzige Installateur Dima Nikitin soll einen Wasserrohrbruch in einem neunstöckigen Gebäude beheben,

bemerkt jedoch bald, dass der gesamte Komplex akut einsturzgefährdet ist. Um die Evakuierung der rund

800 Bewohner veranlassen zu können, sucht er die Bürgermeisterin auf ihrer Geburtstagsparty auf. Doch die

reagiert alles andere als erfreut über die schlechten Nachrichten und Nikitin stößt auf fortwährenden Widerstand

einer absurden Bürokratie. Der Regisseur und Drehbuchautor Yury Bykov setzt Armut, Arbeitslosigkeit

und Alkoholismus in Kontrast zur Dekadenz einer verkommenen Oberschicht, wodurch ein nicht nur farblich

düsteres Sittenbild entsteht. Korruption ist hier tief in der Gesellschaft verankert und jeder darauf bedacht,

zuerst die eigene Haut zu retten. Die auf dem Spiel stehenden Menschenleben scheinen nebensächlich zu sein.

Bykovs ebenso spannende wie geschickte Erzählweise lässt die Mechanismen eines Systems ans Tageslicht

treten, in dem ehrliche und selbstlose Menschen wie Nikitin zur Seltenheit geworden sind. The Fool feierte 2014

in Locarno seine Premiere und wurde dort auch ausgezeichnet. „Ein ergreifendes moralisches Drama, ein packeder

Thriller und ein bitterböses gesellschaftspolitisches Porträt Russlands in einem“ (The Hollywood Reporter).

When the kind-hearted plumber Dima Nikitin is sent to repair the burst water pipes in a nine-storey building,

he soon discovers that the whole housing complex is in acute danger of collapsing. In order to arrange

for evacuation of the 800 residents, he visits the mayor at her birthday party. However, she does not

take the bad news well, and Nikitin soon finds himself up against a thick wall of absurd bureaucracy. Writer-director

Yury Bykov contrasts poverty, unemployment and alcoholism with the decadence of a rotten

upper class, creating a genre picture that is dismal in more than just its colours. In this feature, corruption

is deeply embedded in the society and everybody's primary interest is to save her or his own hide. The

human lives at stake appear to be only secondary. Bykov's narrative style is both thrilling and clever and

uncovers the mechanisms of a system in which honest and unselfish people like Nikitin have become a

rarity. The Fool had its premiere in 2014 in Locarno where it also received an award. “A distressing moral

drama, gripping thriller and scathing sociopolitical portrait of Russia rolled into one” (The Hollywood Reporter).

Darsteller

Dima Nikitin Artem Bystrov

Bürgermeisterin Nataliya Surkova

Zhena Dimy Darya Moroz

Tulskiy Sergey Artsibashev

Emelyanov Pyotr Barancheev

Niny Galaganovoy Nikolay Bendera

Produktion Rock Film Studio

Vertrieb/Kontakt m-appeal world sales

Biografie Yury Bykov

Yury Bykov wurde 1981 geboren. Der russische

Filmemacher ist ein echter Allrounder: Er schreibt

Drehbücher, führt Regie, komponiert seine Filmmusik

selbst, steht als Schauspieler vor der Kamera

und arbeitet auch am Schneidetisch. Bykov blickt

in die Seelen der Menschen und entblößt ihre

innersten Abgründe. Er zeigt die Menschen, die die

Mühlen der Bürokratie und der Korruption bedienen

oder mit ihnen zu kämpfen haben. In Russland

ist er sehr bekannt, aber auch international konnte

er sich bereits profilieren: Seine ersten drei Filme

wurden auf den Filmfestivals in Cannes, Locarno

bzw. Shanghai gezeigt, mehrfach preisgekrönt

und von der Kritik hoch gelobt. In Österreich wurde

bislang keiner seiner Filme gezeigt. LET’S CEE

widmet ihm dieses Jahr eine Retrospektive.

Filmografie Yury Bykov

2014 The Fool

2013 The Major

2010 To Live!


Tomasz Raczek

Schon in Woody Allens Purple Rose of Cairo gab

es ein Mädchen, das einen Leinwandhelden anhimmelte,

der sein sicheres, fiktives Leben für sie

aufgegeben hatte. Dieses Mal heißt der Leinwandheld

Tomy Tani und ist ein ehemaliger japanischer

Sänger, der sich aus der illusionistischen Luxuswelt

der Stars und Sternchen zurückgezogen hat. Bloß

für wen? Für eine ungarische Haushaltshilfe! Die

Liebe des Japaners aus Celluloid ist so groß und

stark, dass sie jegliche Konkurrenz um die Hand

seiner Auserwählten hinstreckt. Im wahrsten Sinne

des Wortes! Diese ungarische Groteske, welcher

sich auch Jean-Pierre Jeunet nicht schämen

bräuchte, verbindet die Atmosphäre eines süßen

Musicals mit einem gleichermaßen makabren wie

mörderisch-grotesken Krimi.

In Woody Allen’s The Purple Rose of Cairo, there

has already been a girl who becomes inflamed

in love for the hero on the screen. The hero, on

his part, gives up his safe but fictive life on screen

to be with her. However, this time it is Tomi Tani,

a Japanese star, who withdraws from the illusionistic

world of stardom. Only, for whom? For an

Hungarian household help! Tomi Tani’s love is

so great and strong, that it literally eliminates all

competition for his love’s hand! This Hungarian

grotesque, which even Jean- Pierre Jeunet doesn’t

need to be ashamed of, combines the atmosphere

of a sweet musical with an absurd crime film.

62 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 63

Spielfilm. Ungarn 2015

Sprache Ungarisch, Japanisch mit engl. UT

Länge 98 min.

Format DCP

Farbe

LIZA, THE FOX-FAIRY

Liza, a rókatündér

Liza ist naiv, unschuldig und zuvorkommend. Seit zwölf Jahren kümmert sich die Krankenschwester gewissenhaft

um Márta, die Witwe des ehemaligen japanischen Botschafters in Budapest. Ihr einziger Freund ist Tomy Tani,

der Geist eines japanischen Popsängers. Doch da nur Liza ihn sehen kann, fühlt sie sich sehr einsam. Deshalb

macht sie sich an ihrem 30. Geburtstag auf, um ihre große Liebe zu finden. Tomy Tani, der offenbar doch realer

ist, als es zunächst den Anschein hat, passt das allerdings gar nicht. Er tötet erst Marta und anschließend alle

Männer, mit denen sich Liza verabredet. Und während die Polizei gegen Liza ermittelt, wächst in ihr der Verdacht,

dass sie selbst eine Fuchsfee sein könnte, eine todbringende Dämonin aus der japanischen Mythologie. Liza,

the Fox-Fairy ist ein ebenso schrilles wie fantasievoll gestaltetes Märchen für Erwachsene, das in einem kapitalistisch

regierten und somit fiktionalisierten Budapest der 1970er Jahre spielt. Károly Ujj-Mészáros schafft es mit

seinem faszinierenden Spielfilmdebüt, die ungarische mit der japanischen Kultur zu verbinden, dabei Romantik

und Spannung nicht zu kurz kommen zu lassen und zudem mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor

zu unterhalten. Herausragend ist auch das opulente Set Design, das an Die fabelhafte Welt der Amélie erinnert.

Liza is naive, innocent and considerate. For twelve years, the nurse has faithfully been taking care of

Márta, widow of the former Japanese ambassador in Budapest. Her only friend is Tomy Tani, the ghost of

a Japanese pop singer. But since Liza is the only one who can see him, she feels very lonely. So on her

thirtieth birthday, she sets out to find love with a capital L. Tomy Tani, however, who appears to be more

real than initially thought, is not happy about that at all. He kills first Marta, and then all men Liza is dating.

With the police investigating her, Liza begins to fear that she might be a fox-fairy, a demon from Japanese

mythology that brings death to all men who fall in love with her. Liza, the Fox-Fairy is both a flamboyant

and imaginative fairy-tale for adults that takes place in a capitalist and therefore fictional Budapest in the

1970s. With his fascinating feature film debut, Károly Ujj-Mészáros manages to combine Hungarian and

Japanese culture without forgetting romance and suspense, all the while entertaining the audience with a

good portion of black humour. The opulent set design that is reminiscent of Amélie is outstanding as well.

Regie Károly Ujj-Mészáros

Drehbuch Bálint Hegedűs, Károly Ujj-Mészáros

Kamera Péter Szatmári

Schnitt Judit Czakó

Ton Róbert Juhász, László Kovács, Nándor Szirtes,

Tamás Székely

Musik Dániel Csengery, Ambrus Tövisházi

Produzent István Major

Koproduzent Norbert Korom

Darsteller

Liza Mónika Balsai

Zoltán Zászlós Szabolcs Bede-Fazekas

Tomy Tani David Sakurai

Márta Tanaka Piroska Molnár

Henrik Zoltán Schmied

Produktion Filmteam

Vertrieb/Kontakt HNFF World Sales

Biografie Károly Ujj-Mészáros

Károly Ujj-Mészáros wurde 1968 in Ungarn geboren.

Er studierte Wirtschaft in Budapest, ehe er seine

wahre Leidenschaft, den Film, entdeckte. Bevor er

selbständiger Regisseur wurde, hat Ujj-Mészáros

als Produktionsassistent gearbeitet. Er drehte über

150 Werbespots, sowie zehn Kurzfilme, mit denen

er einige nationale wie auch internationale Preise

gewinnen konnte. 2015 inszenierte er mit Liza,

the Fox-Fairy seinen Debütfilm, der unter anderem

beim Fantasporto, einem der weltweit größten

Filmfestivals für Fantasyfilme in Portugal, als bester

Film ausgezeichnet wurde.

Filmografie Károly Ujj-Mészáros

2015 Liza, the Fox-Fairy

2008 Alena’s Journey

2003 The Rubberman

1994 Attila Clown


Tomasz Raczek

Eine erschütternde Darstellung makelloser Schauspielkunst.

Die iranische Schauspielerin Fatemeh

Motamed-Arya hat vom aserbaidschanischen

Regisseur Elçin Musaoğlu die Möglichkeit erhalten,

ihr Können unter Beweis zu stellen – und zwar in

einer biederen Kriegsgeschichte über eine Bäuerin,

welche in einer patriarchalen Welt verharrt, um

Männer zu begraben und zu beweinen. Vor dem

Hintergrund der atemberaubenden Natur des

Hochlands von Karabach führen Menschen ihren

Totentanz auf und berauben sich so jeglicher

Chancen auf Freude, Lachen und ein Leben. Die

Titelheldin Nabat erfüllt ihre Rolle würdevoll, ohne

zu widersprechen und nimmt ihr Schicksal an, als

wäre sie die Heldin einer griechischen Tragödie.

A striking performance of immaculate acting.

Director Elçin Musaoğlu provided Iranian actress

Fatemeh Motamed-Arya with the opportunity

to prove her stagecraft in a war story, playing a

woman, who in a world dominated by men, has to

first bury and then mourn them. Against the backdrop

of the breath-taking nature of the Karabakh

Plateau, the people perform their “danse macabre”

and deprive themselves of happiness and a life.

Nabat, the eponymous heroine, fulfils her role

with dignity, without objection and accepts her

fate, as if she were a heroine from a Greek tragedy.

64 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 65

Spielfilm. Aserbaidschan 2014

Sprache Aserbaidschanisch mit engl. UT

Länge 105 min.

Format DCP

Farbe

Regie Elçin Musaoğlu

Drehbuch Elkhan Nabiyev, Elçin Musaoğlu

Kamera Abdulrahim Besharat

Schnitt Babak Shirinsefat

Musik Hamed Sabet

Ton Sasan Nakhaei, Bahman Ardalan

Produzent Mushfig Hatamov

NABAT

Tag für Tag trägt Nabat die Milch ihrer Kuh ins Dorf hinunter. Das Tier, ihr bettlägeriger Mann und eine einfache Hütte

sind alles, was der Frau geblieben ist. Ihr Sohn ist im Krieg gefallen. Nun lässt zunehmender nächtlicher Artilleriedonner

erahnen, dass die Kämpfe näher rücken. Von einem Tag auf den anderen ist das Dorf wie ausgestorben, sind

die Bewohner geflüchtet. Nur Nabat bleibt, zusammen mit ihrem sterbenden Mann… Der Film erzählt das Schicksal

einer ärmlichen Bäuerin vor dem Hintergrund des Krieges zwischen Armenien und Aserbaidschan Anfang der

1990er Jahre. Gleichermaßen ist er aber auch eine universelle Parabel auf alle Mütter in Zeiten des Krieges. Auf

Frauen, die um ihre gefallenen Söhne trauern, die sich liebevoll um ihre hilfsbedürftigen Männer kümmern und

die zugleich selbst gegen die Einsamkeit kämpfen müssen. Was Regisseur Elçin Musaoğlu wie eine nüchterne

Dorfchronik beginnen lässt, wird bald von poetischen Traumbildern und Natursymbolik durchdrungen, die eindrucksvoll

Nabats Innen- und Außenwelt veranschaulichen. Es ist bedrückend-schöne Schwermut, die den Film

auszeichnet. Diese speist sich nicht zuletzt auch aus dem Ausnahmespiel der Iranerin Fatemeh Motamed-Arya,

sowie aus der schroffen Region Bergkarabach, die übersetzt „gebirgiger schwarzer Garten“ bedeutet.

Day after day Nabat carries her cow’s milk down to the village. The animal, her bedridden husband and a

simple hut are all the woman has left since her son died in the war. Increasing nocturnal thunder of artilleries

announces the war moving closer to the settlement. From one day to the next, the village is completely

deserted; everybody has fled. Only Nabat is left, together with her dying husband… The film tells the fate

of a poor peasant woman against the background of the war between Armenia and Azerbaijan in the

beginning of the 1990s. But at the same time it is a universal parable on all mothers during times of war. On

women who mourn their sons’ deaths, women who lovingly care for their husbands in need, and women

who struggle with their loneliness. What seems to be set as a rational village chronicle by director Elçin Musaoğlu,

soon turns out to be interfused with poetical dream images and nature symbolism, impressively visualising

Nabat’s inner and outer world. It is the depressingly beautiful melancholia that distinguishes this film.

This melancholia derives not only from the exceptional play of Iranian actress Fatemah Motamed-Arya, but

also from the harsh region of Nagorno-Karabakh, which fittingly translates as “mountainous black garden“.

Darsteller

Nabat Fatemeh Motamed-Arya

Iskender Vidadi Aliyev

Major Sabir Mammadov

Davud Farhad İsrafilov

Produktion Azerbaijan Film

Vertrieb/Kontakt DreamLab Films

Biografie Elçin Musaoğlu

Elçin Musaoğlu ist ein Regisseur und Drehbuchautor

aus Baku, Aserbaidschan. Mit 17 Jahren

begann er Regie an Aserbaidschans Universität für

Kunst und Kultur zu studieren. Nach seinem zweijährigen

Wehrdienst setzte er seine Ausbildung

zunächst in Aserbaidschan fort, ehe er nach Moskau

ans renommierte Institut für Theaterkunst (GITIS)

wechselte. Von seinen mehr als 50 Dokumentarfilmen

fanden vor allem A Grain of Sand, The Sun and

the Cloud und Glass Toys internationale Beachtung.

Nach The 40th Door realisierte Musaoğlu mit Nabat

seinen zweiten Spielfilm, der in Venedig Premiere

feierte und bereits bei zahlreichen internationalen

Festivals ausgezeichnet wurde.

Filmografie Elçin Musaoğlu

2014 Nabat

2009 The 40th Door

2003 Glass Toys

2001 The Sun and the Cloud

1997 A Grain of Sand


Tomasz Raczek

Eine weitere Version der universalen Geschichte

eines Buben, der von Wölfen aufgezogen und im

Wald gefunden wurde. Dies ist jedoch keine aufgefrischte

Version von Tarzan oder gar ein Hollywoodschinken.

Denn ein Kind namens Haris, wie es von

seinen neuen Erziehern genannt wird, wurde 1988

tatsächlich von serbischen Soldaten in den Wäldern

nahe der bosnischen Stadt Travnik gefunden. Seine

Rückkehr in die Zivilisation bringt jedoch zugleich

die Narben des Krieges ans Tageslicht. Ganz

besonders zu beeindrucken vermag an diesem

berührenden Debütfilm übrigens die hervorragende

Leistung des Kinderschauspielers Denis Murić!

Another version of the story of a boy raised by

wolves, later found in the woods. This, however,

is not a refreshed version of Tarzan nor is it a Hollywood

blockbuster. In 1988, Haris (this is how the

youth care workers called him), was discovered

by Serbian soldiers near Travnik, a city in Bosnia

and Herzegovina. The boy’s return to civilisation

bears the scars of war. Particulary impressing

in this touching debut film is the outstanding

performance by child actor Denis Murić!

66 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 67

Spielfilm. Serbien | Kroatien 2014

Sprache Serbisch mit engl. UT

Länge 97 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Vuk Ršumović

Kamera Damjan Radovanović

Schnitt Mirko Bojović

Musik Jura Ferina, Pavao Miholjević

Kostüm Maja Mirković

Produzent Miroslav Mogorović

Koproduzenten Vuk Ršumović, Mirko Bojović,

Ankica Jurić Tilić, Nikola Mirkov

NO ONE’S CHILD

Nicije dete

Ende der 1980er Jahre finden Jäger tief in den Wäldern Bosniens einen Buben, der dort offenbar ohne Kontakt

zur menschlichen Zivilisation und unter Wölfen aufgewachsen ist. Man gibt ihm den Namen Haris und steckt ihn

in Belgrad in ein Waisenhaus. Von den meisten anderen Kindern wird er dort verspottet und gemobbt. Allein mit

einem Buben namens Žika freundet er sich ein wenig an. Und auch die Betreuer und Betreuerinnen sind ihm keine

Stütze. Nur einer von ihnen gibt das verstörte Kind nicht gleich auf. Während sich Pućke, wie er im Heim gerufen

wird, über die Jahre trotzdem langsam zu einem sozialisierten Menschen entwickelt, marschiert die Zivilisation

rings um ihn Richtung Abgrund. Jugoslawien zerfällt, ethnische Konflikte brechen aus und 1992 holt die Katastrophe

auch den ehemaligen Wolfsjungen ein: Er muss zurück nach Bosnien, wo mittlerweile ein grausamer Krieg

tobt. Der hochgelobte Debütfilm des serbischen Regisseurs Vuk Ršumović erzählt überaus kraftvoll und realistisch

sowie zugleich sehr einfühlsam eine auf Tatsachen beruhende und sehr berührende Geschichte. Besonders hervorgehoben

wurde von der internationalen Kritik vor allem die ergreifende Darstellung der Titelfigur. Was macht das

Menschsein eigentlich aus? No One‘s Child stellt nicht nur wichtige Fragen, sondern gibt auch wichtige Antworten.

In the late 1980s, hunters discover a boy in Bosnia’s deep woods who seems to have been brought up by wolves

without any human contact whatsoever. He is given the name of Haris and put into an orphanage in Belgrade.

There, most of the orphans make fun of him and mob him. Except one boy named Žika, who Haris is able to befriend

at least a little. The adults in the orphanage are no help either. Though there is one guardian who does not

give up on the disturbed child right away. While Pućke, which is what Haris is called in his new home, gradually

develops into a somewhat socialised human being over the years, the civilisation around him starts to break

down. Yugoslavia breaks apart, ethnical conflicts arise, and in 1992 the catastrophe reaches the former wolf

boy: he has to return to Bosnia, where a cruel war is raging. The highly praised debut film of Serbian director Vuk

Ršumović powerfully and realistically outlines the fact-based and touching story of Haris with great empathy.

International critics especially praised the poignant depiction of the title character. What does being human

actually mean? No One’s Child does not only ask important questions but gives important answers as well.

Darsteller

Haris Denis Murić

Ilke Miloš Timotijević

Žika Pavle Čemerikić

Alisa Isidora Janković

Produktion Art&Popcorn

Vertrieb/Kontakt Soul Food Distribution

Biografie Vuk Ršumović

Vuk Ršumović wurde 1975 in Belgrad geboren,

wo er Drehbuch für Film, Theater, TV und Radio

studierte. Aus seiner Feder stammen die Bücher für

zahlreiche Dokumentationen, Fernsehserien sowie

Animations- und Kurzfilme. Zusätzlich arbeitete er

als Dramaturg für verschiedene serbische Theater.

2007 gründete Vuk Ršumović die Produktionsfirma

BaBoon Production, die bereits einige Kurz- sowie

Dokumentarfilme produzierte. No One’s Child ist

sein vielfach ausgezeichnetes Regiedebüt.

Filmografie Vuk Ršumović

2014 No One’s Child


Tomasz Raczek

Am Beispiel von Brüdern lässt sich sehr gut zeigen,

wie unterschiedliche Charaktereigenschaften

Menschen auf verschiedene Lebenswege führen

können – auch, wenn sie oft unter ähnlichen

Umständen erzogen wurden. In The Snake Brothers

übernahmen die Schauspieler Matěj und Kryštof

Hádek, die auch im wahren Leben Brüder sind, die

Rollen von Kobra und Viper. Der eine (Kobra) ist

schwach und dumm. Der andere (Viper) ist zwar

klüger, aber ebenfalls schwach. Im Hintergrund

dieser bittersüßen Geschichte über den Versuch

der beiden, sich ein Leben aufzubauen, wird uns

ein wunderschön realistisch dargestelltes, modernes

Tschechien gezeigt.

Brothers illustrate better than anyone else how

people, even though often brought up under

similar conditions, can diverge due to varying

personality traits and end up on different paths

of life. In The Snake Brothers, Cobra and Viper are

played by Matěj and Kryštof Hádek, real brothers.

Real life, real cinema! Against the backdrop of a

wonderfully realistic, modern Czech Republic, this

bittersweet story follows two brothers (one is weak

and dense and the other a bit brighter, but equally

weak) who try to make a life for themselves.

68 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 69

Spielfilm. Tschechien 2015

Sprache Tschechisch mit engl. UT

Länge 111 min.

Format DCP

Farbe

Regie Jan Prušinovský

Drehbuch Jaroslav Žváček

Kamera Petr Koblovský

Schnitt Lukáš Opatrný

Ton Matěj Matuška, Michal Čech

Produzenten Ondřej Zima, Jan Prušinovský

THE SNAKE BROTHERS

Kobry a užovky

Mit seinen bald 40 Jahren ist Viper wieder einmal arbeitslos. Und auch in der Liebe lief es für den leidenschaftlichen

Trinker bisher alles andere als gut. Eine vielversprechende Geschäftsidee sowie die Beziehung

zu einer attraktiven Kellnerin scheinen seinem Leben eine positive Wendung geben zu können – wäre

da nicht sein drogenabhängiger Bruder. Immer wieder versucht er Kobra, so dessen Name, aus einer von

Kleinkriminalität und Einsamkeit geprägten Abwärtsspirale zu befreien. Und immer wieder bleibt er ohne

Erfolg. Schlimmer noch: Kobra scheint seinen Bruder sogar mit in den Abgrund zu ziehen. Also versucht

der ihm ein für alle Mal eine Lektion zu erteilen. Eine Lektion, die jedoch dramatische Folgen nach sich

zieht… Jan Prušinovskýs Tragikomödie fesselt und besticht mit bissigem Humor, hütet sich aber davor,

für die angesprochenen vielschichtigen Probleme allzu simple Lösungen zu liefern. Die ungewöhnliche

Geschichte zweier Verlierertypen, deren Darsteller auch im echten Leben Brüder sind, ist komplex

und tiefgründig. Kryštof Hádek, der Kobra spielt, wurde beim Karlovy Vary Film Festival 2015 als bester

Hauptdarsteller ausgezeichnet. „Eine beißende, chaotische Komödie über den schmalen Grat zwischen

bedingungsloser Liebe und Abscheu“ (Variety) sowie ein hervorragend verfilmtes Stück echtes Leben.

Almost 40 years old, Viper is unemployed again. And so far, love has not worked well either for the passionate

drinker. A promising business idea and the relationship with an attractive waitress seem to be able to bring

a positive turnaround to his life – if it were not for his drug-addicted brother. Again and again, he tries to

extricate Kobra, his brother, from a dwindling spiral characterised by petty crime and loneliness. Again and

again, he fails. Even worse: Kobra even appears to get his brother down with himself. So, the latter attempts

to teach him a lesson, once and for all. But the lesson has dramatic consequences… Jan Prušinovský's tragicomedy

captivates and fascinates its audience through a caustic sense of humour and knows better than to

offer all too simple solutions for the complex issues it deals with. The unusual story of two losers – actually

played by two brothers in life – is sophisticated and profound. Krystof Hádek, who plays the part of Kobra,

was distinguished as best leading actor at the Karlovy Vary Film Festival 2015. “A biting, chaotic comedy about

the fine line separating unconditional love and loathing” (Variety), as well as an excellently filmed piece of life.

Darsteller

Viper Matěj Hádek

Kobra Kryštof Hádek

Tomáš Jan Hájek

Kača Lucie Polišenská

Zůza Lucie Žáčková

Produktion OFFSIDE MEN

Vertrieb/Kontakt Media Luna New Films UG

Biografie Jan Prušinovský

Jan Prušinovský wurde 1979 im tschechischen

Hořovice geboren. Er hat bereits 2005 mit seinem

Kurzfilm Bubble Bath Is the Best für Furore gesorgt

und gilt seitdem als vielversprechender Regisseur.

Er schloss sein Studium an der Prager Filmakademie

(FAMU) mit dem Drehbuch zu Frankie Is a

Womanizer ab, das er im Jahr 2008 als seinen ersten

Spielfilm inszenierte. Danach folgte ein Ausflug

ins Fernsehmilieu, wo er an mehreren tschechischen

Serien beteiligt war. Für eine dieser Serien

drehte er 2012 das Prequel Sunday League – Pepik

Hnátek’s Final Match, kehrte jedoch danach für die

Serie Fourth Star wieder zum Fernsehen zurück.

Sein dritter Spielfilm The Snake Brothers lief 2015 im

Wettbewerb beim Filmfestival in Karlovy Vary.

Filmografie Jan Prušinovský (Auswahl)

2015 The Snake Brothers

2012 Sunday League – Pepik Hnátek´s Final Match

2008 Frankie is a Womanizer

2005 Bubble Bath Is the Best


Tomasz Raczek

Wie sehr sind wir von anderen abhängig? Können

wir mit Problemen fertig werden, wenn uns diese

unerwartet und mit doppelter Wucht treffen

und wir obendrein ganz auf uns alleine gestellt

sind? Spätestens dann warten wir darauf, dass uns

jemand seine helfende Hand reicht. Manchmal

geschieht das nur widerwillig, ablehnend, schmerzerfüllt...

und hilft dennoch. Im Leben dreier durch

das Schicksal verbundener Frauen ist es nicht anders:

Da ist die junge Dora, die eine schwierige

Beziehung zu ihrem in den kriminellen Abgrund

schlitternden Vater hat; Ives, eine überarbeitete

Fernsehregisseurin, die mit der Alzheimer-Krankheit

ihres Vaters zu kämpfen hat sowie die in ihrer

Ehe vereinsamte Nataša, die dem Verursacher ihres

Unglücks helfen muss. Alle drei müssen sich opfern,

um schließlich Erlösung zu finden.

To which degree do we depend on other people?

Can we cope, on our own, with problems that hit

us unexpectedly, with double the impact? At the

latest when this happens, we wait for a helping

hand of someone close to us. Sometimes, however,

this helping hand is only given to us unwillingly.

This is the story of three women, whose

destinies are intertwined: young Dora, who has a

difficult relationship with her father, drifting into

criminal abyss; Ives, an overworked TV director,

who struggles with her father’s Alzheimer’s disease;

and Nataša, who has grown lonely in her

marriage, but has to help the originator of her

misfortune. The three women have to sacrifice

themselves in order to find salvation.

70 Spielfilm-Wettbewerb


Spielfilm-Wettbewerb 71

Spielfilm. Kroatien 2015

Sprache Kroatisch mit engl. UT

Länge 155 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Ivona Juka

Kamera Mario Oljaca

Schnitt Vladimir Gojun

Musik Teho Teardo

Produzentin Anita Juka

YOU CARRY ME

Ti mene nosiš

Der Film erzählt von drei Tochter-Vater-Beziehungen, die vor dem Hintergrund der Produktion einer Seifenoper

abgehandelt werden. Die schwangere Produzentin Nataša versucht, Kontakt zu dem ihr fremd gewordenen

Vater aufzunehmen. Dass sie in einer unglücklichen Beziehung lebt, belastet ihre Psyche zusätzlich.

Ives, die Regisseurin der Sendung, pflegt hingegen ihren an Alzheimer erkrankten Papa. Und schließlich

ist da noch die 10-jährige Dora, deren Mutter als Maskenbildnerin beim Fernsehen arbeitet. Vernachlässigt

und auf sich allein gestellt, legt sie eine fast schon erschreckende Frühreife an den Tag – bis ihr lang vermisster

Vater plötzlich wieder auftaucht. Bei allen dreien scheint der Alltag dem persönlichen Glück im Wege zu

stehen. Die Geschichten sind geschickt miteinander verwoben. Traumähnliche Sequenzen veranschaulichen

die Gefühlswelt der Protagonistinnen, was jedoch nicht über die Grausamkeit so mancher Szene hinwegtäuschen

kann. Trotz ihrer außergewöhnlichen Komplexität ist die Geschichte so gut strukturiert, dass die 155

Minuten wie im Flug vergehen. Von der kroatischen Filmkritik wird You Carry Me aufgrund dieser bestechenden

Kombination aus tiefgründigem Drehbuch, ideenreicher Regie und großartiger Kameraarbeit flächendeckend

als Meilenstein in der kroatischen Filmgeschichte gefeiert.

The film describes three father-daughter relationships evolving against the background of a soap opera

production. Producer Nataša who is pregnant tries once again to get in touch with her estranged father. The

fact that she is living in an unhappy relationship is an additional burden on her mind. Ives, the director of the

show, looks after her dad who is suffering from Alzheimer's. Finally, there is 10-year-old Dora, whose mother

works as a make-up artist for the TV station. Unattended and on her own most of the time, her precocity is

truly disconcerting – until her long-gone father suddenly shows up again. All three of them seem to be unable

to find happiness because they are wrapped up in their daily routines. Their stories are skilfully intertwined.

Although the protagonists' emotional states are illustrated by dream-like scenes, a lot of cruelty is revealed in

some of them. Despite its extraordinary complexity, the story is structured so well that 155 minutes seem to fly

by in a flash. Due to this impressive combination of profound screenplay, inventive direction and marvellous

camera work, You Carry Me was praised by Croatian film critics as a milestone in Croatian cinematic history.

Darsteller

Ives Lana Barić

Nataša Nataša Dorčić

Dora Helena Beljan

Ivan Vojislav Brajović

Lidija Nataša Janjić

Vedran Goran Hajduković

Produktion 4 Film Ltd.

Vertrieb/Kontakt 4 Film Ltd.

Biografie Ivona Juka

Ivona Juka studierte an der Universität in Zagreb

und ist eine erfolgreiche kroatische Drehbuchautorin

sowie Regisseurin. Bereits ihr erster Kurzfilm

Garbage (2003) fand internationale Beachtung.

Ihren ersten großen Erfolg feierte sie allerdings mit

Facing the Day, der 2006 sowohl in Sarajevo als auch

bei goEast in Wiesbaden als bester Dokumentarfilm

ausgezeichnet wurde. You Carry Me ist Ivona Jukas

Spielfilmdebüt.

Filmografie Ivona Juka

2015 You Carry Me

2006 Facing the Day

2003 Garbage


DOKUMENTARFILM-

WETTBEWERB

Documentary Competition

„Wir nehmen die dokumentarische Kamera als objektiv und körperlos wahr. Wir identifizieren

uns mit ihr und lassen sie für uns sehen... Wenn wir allerdings dazu gebracht werden,

zu vergegenwärtigen, dass jener Blick, den wir für den unsrigen halten, zugleich auch

der des Filmemachers ist, der tatsächlich Teil der gefilmten Ereignisse ist, dann verstehen

wir, dass der Blick der dokumentarischen Kamera nicht körperlos und objektiv sein kann.

Dieses Wissen über die realen Hintergründe des Gefilmten ermöglicht uns schließlich

auch, Fragen zur Moral zu stellen.“ Dieses Zitat aus dem Buch Recording Reality, desiring

the Real von Elizabeth Cowie verdeutlicht, wie einige Filmemacher im diesjährigen Dokumentarfilm-Wettbewerb

vorgegangen sind. Es ist interessant zu beobachten, wie sich

Filmschaffende positionieren, wenn sie sich aus der Ich-Perspektive auf die Suche nach

Antworten für uns alle machen. Sugar Blues aus Tschechien erforscht, inwieweit der Zuckergenuss

unsere Körper beeinflusst und in Naked Island aus Kroatien wirft die Filmemacherin

einen bestechenden Blick auf ein Familiengeheimnis. Die Regisseurinnen der

Filme nehmen eine ebenso faszinierende Erzählperspektive ein, wie Viestur Kairish in The

Invisible City, der gleichermaßen meditativ und politisch ist. Anthill aus Estland reflektiert

das Leben in einem riesigen Parkhaus in Tallinn, stellt das Gesehene aber in einen breiteren

zeitlichen und örtlichen Rahmen. Im ungarischen Cain's Children begleitet der Regisseur

Männer 30 Jahre nachdem sie einen Mord begingen. Die Regisseure begrenzen sich nicht

auf die einfache Übung, Realität zu beschreiben. Vielmehr nützen sie die Stärke der filmischen

Sprache, um sich auf die Suche zu machen, zu enthüllen und relevante Themen

und Aspekte öffentlich zur Diskussion zu stellen. Der serbische Dokumentarfilm Logbook

Serbistan nimmt sich ein heißes Thema vor: Migration, Grenzen und die (un)menschliche

Haltung des Menschen gegenüber seinen Mitmenschen. Der türkische Love Will Change

the Earth… reflektiert einen der größten bürgerlichen Aufstände in der Geschichte

der modernen Türkei und der rumänische Dokumentarfilm Trading Germans nimmt sich

einem der größten Menschenhandel in der Geschichte an. Bemerkens werte Geschichten,

die bereits erfolgreich auf Festivals in den USA und in Europa gelaufen sind, wie die

rumänische Dokumentation Chuck Norris vs Communism, und die polnischen Filme Call

Me Marianna sowie The Queen of Silence zeigen mit Bewunderung den Mut ihrer Hauptcharaktere,

indem sie auf bestechende, filmisch spannende Weise und ohne aufdringlich

zu sein die Gesellschaft rund um sie kommentieren. Wir präsentieren Ihnen elf starke, bewegende

Dokumentarfilme, die mit Leidenschaft und großem Enthusiasmus gemacht

wurden – was sich in jeder einzelnen Einstellung widerspiegelt; elf persönliche und künstlerisch

anspruchsvolle Reflexionen der Welt, die uns mit ernsten Themen konfrontieren

und an unsere Wachsamkeit appellieren, die uns über uns selbst grübeln lassen und

uns auf unserer immerwährenden Suche nach einer tieferen Wahrheit voranbringen.

Rada Šešić

Kuratorin für den Dokumentarfilm-Wettbewerb

Curator of the Documentary Competition

“The documentary camera’s gaze allows us to ‘see for ourselves’ in an identification with

the camera as objective and disembodied.... But if we are brought to remember that this

is also the filming subject’s look and he or she is a participant in real events unfolding

in historical time, then it becomes understood as embodied and can no longer be an

“objective” gaze when our knowledge of the context of filming gives rise to moral questioning.”

This quote from the book Recording Reality, desiring the Real by Elizabeth Cowie,

clearly emphasises some important filmmaker approaches in this year’s selection of East

and Central European documentaries for our Festival. It is interesting to observe how

filmmakers position themselves when they seek in form of Cinema of I or Cinema of Myself

answers for all of us. The Czech film Sugar Blues explores to what extent daily sugar

consumption affects our bodies; and the Croatian Naked Island takes a captivating look at

the filmmaker’s family secret; and in the meditative, yet political Latvian Invisible City – the

filmmakers found intriguing angles as storytellers. The Estonian film Anthill reflects on life

in the largest Soviet blockhouse area of Tallinn, in a broader temporal and spatial context;

while in the Hungarian Cain’s Children, the filmmaker revisits young delinquents thirty years

later, showing how society has failed to help support and reintegrate these ruined adults,

living at the margins of society. The makers of the selected documentaries do not limit

themselves to the simple task of representing and describing reality, but use the strengths

of cinematic language to investigate, reveal and offer relevant issues for public debate. The

Serbian documentary Logbook Serbistan tackles a hot topic of Europe today: migration,

borders and the (in)humane attitude of man towards his fellow man. The Turkish Love Will

Change the Earth... reflects on a turbulent political reality, witnessing one of the largest civic

uprisings in the history of modern Turkey. The Romanian documentary Trading Germans is

based on a true story of one of the largest human trafficking schemes in history, that happened

silently and secretly during the Cold War. Remarkable stories that successfully swept

several festivals in America and Europe: like the second documentary from Romania, Chuck

Norris vs Communism; and the two Polish films Call Me Marianna and The Queen of Silence

that admirably depict the clarity and courage of the main characters, commenting in a

charming, cinematically-exciting and non-intrusive manner on the society around them.

We present you with eleven strong, moving documentaries, with passion and great enthusiasm

emanating from each image – eleven personal and highly artistic reflections on

the world we live in, confronting us with serious issues, calling for our alertness, making

us ponder ourselves and push forward in our everlasting search for the deepest truths.

FOTO: PRIVAT

Dokumentarfilm-Wettbewerb 73


Rada Šešić

Es gibt nicht viele Dokumentationen, die eine so

außergewöhnliche, charmante und humorvolle

Herangehensweise an einen so ernst haften

gesellschaftspolitischen Rahmen zeigen, wie

die ser estnische Film. Hin- und herschwankend

zwischen Nostalgie und Absurdität transportiert

der Regisseur Vladimir Loginov klar und deutlich

den Geist eines einzigartigen Ortes, an dem sich

700 Garagenbesitzer zu einer Art Männerklub

zusammengetan haben. Alle haben ihre Wurzeln

in Russland und nutzen die Intimität zwischen den

Mitgliedern, um während der Arbeit, in der Sauna

und im Restaurant ihre Gedanken über das Leben

zu teilen oder einfach nur die kleinen Dinge des

Lebens zu betrachten, während sie dasitzen und

auf Arbeit warten. Anthill ist ein Dokumentarfilm,

der unterhält und uns über relevante soziale und

politische Fragen nachdenken lässt.

There are not many documentaries that have

such an extraordinary, charming and humorous

take on the serious socio-political context of a

society, as does this Estonian film. Balancing between

nostalgia and absurdity, the director lucidly

brings forth the spirit of a unique place, where 700

garage owners create some kind of men’s club. All

have their roots in Russia, and take advantage of

the intimacy among members to share reflections

on life -- while working, in the sauna, in the restaurant,

but most often just sitting there, waiting

for work to come and looking at small everyday

things. A documentary that entertains, yet makes

us ponder very relevant social and political issues.

74 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 75

Dokumentarfilm. Estland 2015

Sprache Estnisch, Russisch mit engl. UT

Länge 83 min.

Format DCP

Farbe

Regie Vladimir Loginov

Drehbuch Vladimir Loginov, Max Golomidov

Kamera Max Golomidov

Schnitt Rufat Hasanov

Ton Juri Wagner, Evgeni Berezovski

Produzentin Elina Litvinova

ANTHILL

Sipelgapesa

Lasnamäe wirkt auf den ersten Blick trist und belanglos. Dieses Schicksal teilt die riesige Plattenbausiedlung im

Nordosten Tallinns mit vielen Stadtrandsiedlungen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Im Mittelpunkt

von Anthill steht ein anfangs nicht weniger trostlos wirkendes Parkhaus. Doch der Schein trügt. Denn der

fünfstöckige Betonklotz dient nicht nur zum Abstellen von Fahrzeugen. Bewohner des Viertels haben einige

der rund 700 Garagenboxen in ihr persönliches kleines Reich verwandelt. Der Komplex strotzt regelrecht vor

Leben, der Vergleich mit einem Ameisenhaufen ist also durchaus berechtigt. Einige Boxen werden als Geschäfte

genutzt, andere als Werkstätten. Sogar eine Tierambulanz, ein Tanzcafé und eine private Sauna gibt es hier. Überall

verstecken sich kleine und große Geschichten. Mit einer raffinierten Mischung aus humorvoller Bildsprache

und großem Feingefühl lädt Regisseur Vladimir Loginov dazu ein, in diese faszinierende Welt ein zutauchen,

in der mancherorts sogar noch ein Hauch Sowjetunion zu spüren ist. Der Dokumentarfilm versinkt da bei

weder in nostalgischer Verklärung noch in sensationsgierigem Voyeurismus, sondern ist vielmehr ein ebenso

behutsamer wie liebevoller Blick über die Schultern der Menschen und auf ihre vielfältigen Leidenschaften.

Produktion Allfilm

Vertrieb/Kontakt Taskovski Films

Biografie Vladimir Loginov

Vladimir Loginov wurde 1976 in Tallinn geboren.

Dort studierte er später auch Soziologie an der

Internationalen Universität für Sozialwissenschaften.

Er arbeitete beim Film, in der Werbung und im

Nachrichtenjournalismus, letzteres unter anderem

bei der BBC. Loginov trat bisher sowohl mit Kurzals

auch mit Featurefilmen in Erscheinung. Wedding

for Dummies wurde 2008 beim Festival Kinoshok

ausgezeichnet. Sein aktuelles Werk Anthill wurde

beim Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary

präsentiert.

Filmografie Vladimir Loginov

2015 Anthill

2011 Remembering Tomorrow

2009 Identity

2008 Wedding for Dummies

At first sight, Lasnamäe looks dull, petty and insignificant. The enormous prefab housing estate in the

northeast of Tallinn shares the fate of many suburban settlements in the territories of the former Soviet Union.

Anthill focuses on a multi-storey car park that looks equally drab at first glance. But appearances can be

deceptive, for the massive five-storey concrete complex is not only used for parking cars. Some of the people

living in this quarter have transformed several of the about 700 garage boxes into their private little spaces. As

the complex is literally brimming with life, the comparison with an anthill is not too far-fetched. Some boxes

are used as retail shops, others as workshops. Even an animal clinic, a dance café and a private sauna can be

found there. These boxes can tell many a story, great and small. With a sophisticated combination of humorous

visual imagery and great sensitivity, director Vladimir Loginov invites the audience to enter this fascinating

world, where a hint of Soviet Union can still be detected now and then. To be sure, the documentary neither

indulges in nostalgic glorification nor in sensation-seeking voyeurism, but rather provides a surreptitious

yet tender look over people's shoulders revealing their manifold passions.


Rada Šešić

Filme, die zurück in die Vergangenheit der Protagonisten

reisen, als diese noch jung, voller Pläne,

Hoffnung und Enthusiasmus waren, etwas Sinnvolles

mit ihrem Leben anzufangen, sind immer

bewegend und wirkungsvoll. Dieser Film ist besonders

fesselnd, weil der talentierte, junge ungarische

Regisseur Marcell Gerö in seinem Langfilmdebüt einen

überzeugenden Stil gefunden hat, sich klar auf

die Gefühlslage seiner Helden zu fokussieren. Die

Geschichte geht 30 Jahre zurück. Wir sehen nicht

nur die Wurzeln dessen, was das heutige Leben

dieser Personen ruiniert hat und wie sie krank und

unglücklich geworden sind, sondern wir werden

auch mit den Konsequenzen der Gesellschaft konfrontiert,

die daran gescheitert ist, diesen Personen

die nötige Hilfe zukommen zu lassen. Diese bemerkenswerte,

minimalistische Dokumentation bleibt

nach dem Sehen noch lange im Gedächtnis.

Films that travel back into the past of the main

characters – when they were young, full of plans,

hope and enthusiasm to do something satisfactory

with their lives – are always moving and

effective. This one is extraordinarily compelling: in

his feature-length debut film the talented Hungarian

director found a convincing cinematic

style to boldly focus on the emotional state of

his protagonists. The story goes back 30 years.

We see not only the roots of what ruined the lives

these people now lead, and how they became ill

or unhappy, but we are also confronted with the

consequences in a society that failed to extend

them needed help. This remarkable documentary,

that is quite minimalist in style, remains carved in

our memories long after watching it.

76 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 77

Dokumentarfilm. Ungarn | Frankreich 2014

Sprache Ungarisch mit engl. UT

Länge 104 min.

Format DCP

Farbe

Regie Marcell Gerö

Drehbuch Marcell Gerö, Sára László

Kamera Rudolf Péter Kiss, Zoltán Lovasi

Schnitt Sylvie Gadmer, Péter Sass

Musik Tamás Dévényi, Dominique Gadmer

Produzenten Sára László, Jacques Bidou,

Marianne Dumoulin

CAIN’S CHILDREN

Káin gyermekei

Drei Jugendliche, drei schwere Gewaltverbrechen, drei Schicksale. 1984 begingen Pali, Jószef und Zsolt im Alter

von 14 bis 15 Jahren jeweils einen Mord, der ihr Leben für immer verändern sollte. Bereits 1985 wurden die Drei

für die Dokumentation The Fallen im Gefängnis interviewt. Rund 30 Jahre später greift der ungarische Regisseur

Marcell Gerö die Lebensgeschichte der Jugendlichen wieder auf. Er spricht mit den mittlerweile erwachsenen

Männern und begibt sich auf die Suche nach Antworten. Wie denken sie heute über ihre Taten im Teenageralter?

Wie hat sie das lange Leben im Gefängnis verändert? Und was bedeutete der Einschnitt für ihre Familien

und Angehörigen? Gekonnt stellt Gerö den alten Archivmaterialien Aufnahmen der Gegenwart gegenüber.

Sowohl die damaligen Gespräche als auch die Interviews von heute zeigen die Drei in sehr intimen Gesprächen.

In den Erzählungen der Männer und in ihren Gesichtern zeichnen sich deutlich die Spuren der Vergangenheit

ab. Durch die nach wie vor ruhige Sprache von Pali, Jószef und Zsolt entsteht eine bedrückende, aber

dadurch umso fesselndere Atmosphäre. Eine dokumentarische Aufarbeitung, in der das Trio eventuell eine

Form der Erlösung finden kann und in der zugleich auch 30 Jahre ungarische Geschichte aufgearbeitet werden.

Produktion Campfilm, JBA Production

Vertrieb/Kontakt Deckert Distribution

Biografie Marcell Gerö

Marcell Gerö wurde 1978 in Budapest geboren. Er

studierte Regie an der Universität für Theater und

Film in Budapest. Sein Abschlussfilm Shock wurde

auf mehreren internationalen Festivals präsentiert

und gewann zahlreiche Filmpreise. Gerö gründete

zusammen mit Kooperationspartnerin Sára László

die Produktionsfirma Campfilm. Nach mehreren

Kurzfilmprojekten handelt es sich bei seinem Film

Cain’s Children um sein Langfilmdebüt.

Filmografie Marcell Gerő

2014 Cain’s Children

2007 Shock

Three teenagers, three violent crimes, three destinies. In 1984 Pali, Jószef and Zsolt, all aged 14 to 15, each

committed a murder that inevitably changed their lives forever. In 1985, the three boys had already been interviewed

in prison for a documentary titled The Fallen. Nearly thirty years later, Hungarian Director Marcell Gerö

looks into their life stories once again. He engages in conversations with the now grown men, looking for answers.

What do they think of their deeds back then? How did the long imprisonment change them? And what

impact did the events have on their friends and relatives? Gerö masterfully contrasts the new material with stock

footage. Both the new and old interviews capture intimate conversations with the men. Distinct traces of the

past can be witnessed in the stories the prisoners tell as well as in their facial expressions. The calm ways in which

Pali, Jószef and Zsolt still speak create a depressing and yet captivating atmosphere. This documentary, in which

the trio may be able to reach a kind of atonement, is also a means of processing thirty years of Hungarian history.


Rada Šešić

Bevor sie offiziell zu Marianna wurde, lebte sie viele

Jahre als Mann. Nachdem sie mit ernsthaften Konflikten

innerhalb ihrer Familie und in der Gemeinde

konfrontiert wird, findet sie die Stärke, auf sich

allein gestellt, genug Mut (und Geld) zu sammeln,

um den radikalen Schritt zu wagen. Mit tiefem Verständnis

und Respekt für ihre Hauptperson, folgt

die Regisseurin Marianna auf ihrem Weg für das

Recht zu kämpfen, sie selbst sein zu dürfen. Sie

unterstützt Marianna in ihrem Bemühen, indem

sie ihr tägliches Leben dokumentiert, Nähe zu ihr

aufbaut und schließlich auch zu einem Teil davon

wird. Die Intimität zwischen Regisseurin und Porträtierten

zeigt sich in jeder der präzise und mit großer

Sorgfalt gedrehten Szenen. Das Endprodukt ist

eine bewegende Dokumentation voller Mitgefühl

und Zärtlichkeit für ihre Protagonistin und deren

Lebensentscheidungen.

Before she officially became Marianna, she had

lived for many years as a man. Confronted with

problems in her family and the broader community,

she found strength to be on her own, and to

gather enough courage (and money) to undertake

a radical step. With deep understanding and respect

for her main character, the director follows

Marianna on her path to fight for the right to be

herself. Not only registering the daily activities and

events in her life, but also gaining close access

and becoming an important part of it, the director

supports Marianna in her struggle. The intimacy

and closeness between the two emanates from

every scene, with precision and deep care. A moving

documentary, full of compassion and tenderness

for the protagonist and her life choices.

78 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 79

Dokumentarfilm. Polen 2015

Sprache Polnisch mit engl. UT

Länge 75 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Karolina Bielawska

Kamera Kacper Czubak

Schnitt Daniel Gąsiorowski

Ton Jacek Pająk

Musik Antony and The Johnsons,

Natalia Fiedorczuk

Produzent Zbigniew Domagalski

CALL ME MARIANNA

Mów mi Marianna

Marianna wurde als Mann geboren. Als solcher führte sie ein scheinbar normales Leben. Erst mit 43 Jahren

fasste sie den Mut, ihr wahres Selbst nicht mehr zu verstecken. Call Me Marianna zeigt ihren turbulenten

Transformationsprozess und erzählt über die radikalen Auswirkungen von Geschlechtsumwandlungen,

über Ausgrenzung und Diskriminierung. Der Preis für ihre Selbstbestimmung scheint hoch zu sein, denn

gesellschaftliche und familiäre Akzeptanz bleiben Marianna verwehrt. Ein von ihr geschriebenes Theaterstück

sowie eine Liebesbeziehung zu einem älteren Mann sind Hoffnungsschimmer, ihrer Isolation zu entkommen.

Filmemacherin Karolina Bielawska begleitete die sympathische Transsexuelle ziemlich lang auf ihrem Weg.

Die enge Beziehung zwischen der Regisseurin und der von ihr porträtierten Frau ist allseits zu spüren. Die

daraus resultierende feinsinnige Erzählweise brachte dem Dokumentarfilm unter anderem vier Auszeichnungen

am 55. Krakau Film Festival ein. „Call Me Marianna wirft ein analytisch-inspiriertes Licht auf unsere Gesellschaft

und lässt zugleich die außergewöhnliche innere Stärke der Protagonistin ans Tageslicht treten“, urteilte

die Jury. Ein außergewöhnliches Einzelschicksal und ein ergreifendes Plädoyer für Toleranz und Mitgefühl.

Produktion Kalejdoskop

Vertrieb/Kontakt Film Republic

Biografie Karolina Bielawska

Karolina Bielawska wurde 1978 in Zakopane

geboren. Sie absolvierte die Andrzej Wajda Master

School of Film Directing in Warschau und die

Schlesische Universität in Katowice, wo sie den

Studiengang Regie abschloss. Ihre Kurzfilme und

Dokumentationen wurden auf wichtigen internationalen

und polnischen Filmfestivals gezeigt

und ausgezeichnet. So gewann sie etwa 2010

mit Warsaw Available das Goldene Steckenpferd

für den besten polnischen Film beim Krakau Film

Festival, wo 2015 auch ihr aktuellster Film Call

Me Marianna als bester Film und mit dem Publikumspreis

ausgezeichnet wurde.

Filmografie Karolina Bielawska

2015 Call Me Marianna

2009 Warsaw Available

Marianna was born a man. And as such she had led a seemingly normal life. It was only at the age of 43

that she had gathered sufficient courage not to hide her true self any longer. Call Me Marianna shows her

turbulent process of transformation and tells about the radical impact of gender reassignment, about social

exclusion and discrimination. The price for self-determination seems to be high, for Marianna is unable to

obtain acceptance by the society and by her family. A play written by her and a romantic relationship with

an older man provide glimmers of hope to escape from her isolation. Filmmaker Karolina Bielawska accompanied

the congenial transsexual for quite a long time on her journey. The close relationship between the

director and the woman portrayed by her is noticeable in every respect. The documentary's subtle narration

resulted in as much as four awards at the 55th Krakow Film Festival among others. "Call Me Marianna throws

an analytically inspired light on our society and unlocks the protagonist's extraordinary inner strength", was

the jury's opinion. The exceptional fate of an individual and a gripping plea for tolerance and compassion.


Rada Šešić

Die meisten von uns denken nie darüber nach,

welche Auswirkung das Kino auf Menschen haben

kann, die in einem Land mit strenger politischer

Zensur leben. Vor allem dann, wenn es um vollkommen

unpolitisches, seichtes Unterhaltungskino

geht, wie Filme mit Chuck Norris in der Titelrolle.

Welche Rolle Norris in Ceauşescus Rumänien

spielte, zeigt diese verblüffend humorvolle und

dennoch ernste Dokumentation. Die Hauptrolle

spielt eine Frau, die in den 80ern, als der Schwarzmarkt

für Videokassetten gerade aufblühte, mehr

als 3000 Filme synchronisierte. Jeder sah sich zu

dieser Zeit illegal Hollywoodproduktionen an, inklusive

der hochrangigen Genossen. Die Atmosphäre

einer Ära wird in Gesprächen und nachgestellten

Szenen wiederbelebt, sodass die Dokumentation

unterhält und dennoch zum Nachdenken anregt.

Most of us never think about the kinds of impact

cinema can have on people in countries

with strong political censorship. Especially, when

it comes to totally apolitical, shallow but entertaining

action films, such as those starring Chuck

Norris. We discover Norris’ role in Ceauşescu’s

Romania through this amazingly intriguing, fresh,

humorous, yet serious documentary. The main

character is a woman who had dubbed more than

3,000 films back in the 1980s when black market

VHS was in high demand. At that time, Hollywood

films were screened illegally by everyone, including

high-ranking comrades. This compelling

documentary, done with re-enacted scenes that

brilliantly convey the spirit of the times, is fun to

watch and food for thought.

80 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 81

Dokumentarfilm. Rumänien | Großbritannien |

Deutschland 2015

Sprache Rumänisch mit engl. UT (06.10. und

07.10.) und dt. Voice Over im Schulkino

Länge 80 min.

Format DCP

Farbe

CHUCK NORRIS

VS COMMUNISM

Im kommunistischen Rumänien der 1980er Jahre gab es eine kleine Gruppe, die auf eine ganz eigene

Art Protest und zivilen Ungehorsam gegen das repressive Regime leistete – nämlich mit Videokassetten.

Chuck Norris vs Communism erzählt ihre unglaubliche Geschichte. Die mutigen Filmliebhaber bauten

ein gut organisiertes Netzwerk auf, schmuggelten hunderte Hollywood-Filme ins Land und organisierten

illegale Vorführungen. Besonders begehrt waren Produktionen mit unerschrockenen Actionhelden

wie Sylvester Stallone oder eben Chuck Norris. Der propagierte westliche Lebensstil übte dabei alleine

schon aufgrund diverser Verbote eine große Faszination aus. Supermärkte voller Lebensmittel, westliche

Mode, schnelle Autos und vor allem ein unbekanntes Ausmaß von Freiheit brachten die Menschen zum

Träumen. Regisseurin Ilinca Călugăreanu lässt Leute von der Straße ebenso zu Wort kommen wie Irina

Margareta Nistor, die als Synchronsprecherin der geschmuggelten Filme bald zur bekanntesten Stimme

Rumäniens wurde. Die Dokumentation zeigt auf eindrucksvolle und humorvolle Weise, wie Filme letztlich

über das ihnen innewohnende Potential auch die Realität beeinflussen können. Und weist gleichzeitig

darauf hin, wie wichtig die Menschenrechte – in diesem Fall vor allem Medien- und Pressefreiheit – sind.

There was once a small group of people in Romania who perpetrated civil disobedience against the

repressive regime of the 1980s’ communist era in their own special way – namely, with video cassettes.

Chuck Norris vs Communism tells their unbelievable story. The bold film enthusiasts built up a wellorganised

network, smuggled hundreds of Hollywood productions into the locked-down country and

arranged illegal screenings. Particularly popular were films with fearless action heroes such as Sylvester

Stallone and Chuck Norris. The publicised Western lifestyle inspired great fascination among the viewers,

not least because it was forbidden. Supermarkets full of groceries, Western fashion, fast cars and, above

all, an unprecedented degree of freedom made the audience dream. Director Ilinca Călugăreanu gives

people from the streets the same chance to speak in front of the camera as Irina Margareta Nistor, dubbing

actress of the smuggled films, who soon became Romania’s best-known voice. In an impressive and

humorous manner, the documentary illustrates the power of films, to influence and form reality. At the

same time, it underlines the importance of human rights – in this case freedom of the media and the press.

Regie und Drehbuch Ilinca Călugăreanu

Kamera Jose Ruiz

Schnitt Per K. Kirkegaard

Ton Jay Price

Musik Anne Nikitin, Rob Manning

Produzenten Mara Adina, Brett Ratner

Produktion Vernon Films

Vertrieb/Kontakt Vernon Films

Biografie Ilinca Călugăreanu

Ilinca Călugăreanu wurde 1981 im rumänischen

Klausenburg geboren. Sie studierte Soziologie

und Anthropologie an der dortigen Babes-Bolyai

Universität, bevor sie nach Großbritannien übersiedelte,

um sich am Granada Center für visuelle

Anthropologie in Manchester dem Dokumentarfilm

zu widmen. Neben ihrer Regietätigkeit

fungierte sie in den letzten fünf Jahren auch als

Cutterin für Dokumentar- und Spielfilme. Ihre

Kurzfilme wurden weltweit auf Festivals gezeigt

und ihr erster Langfilm Chuck Norris vs Communism

war unter anderem bereits in Sundance, Seattle,

Edinburgh und Los Angeles zu sehen.

Filmografie Ilinca Călugăreanu

2015 Chuck Norris vs Communism

2014 VHS vs Communism

2008 Endgames

2006 The Writing on the Wall


Rada Šešić

Nachdem er im Wettbewerb des letzten Jahres

seinen einprägsamen Film Pelican in the Desert präsentiert

hat, erscheint der lettische Künstler, Opernund

Filmregisseur Viestur Kairish heuer mit einem

komplett anderen, aber genauso aufregenden und

inspirierenden Dokumentarfilm. Er erforscht das

Leben in der Zone rund um Tschernobyl, an deren

verseuchten Orten manche Menschen trotzdem

ihren Frieden und ihr persönliches Paradies gefunden

zu haben scheinen. Seine meditative Reise, auf

der wir charismatischen Charakteren begegnen,

lässt uns über unseren eigenen eingeschlagenen

Weg im Bestreben nach Harmonie und Glück nachdenken.

Die ausgewogene Dramaturgie und ein

langsamer Rhythmus schaffen eine angemessene

Stimmung, die eine unerwartete Perspektive auf

die aufgewühlte ukrainische Region offenbart und

dadurch Fragen aufwirft, die uns alle betreffen.

Having presented his memorable film Pelican

in the desert at last year’s competition, the Latvian

artist, opera and film director, now offers a

very different, but equally exciting and inspiring

documentary. He explores life in the Chernobyl

area, a zone of hell where some people seem to

have found peace and a personal paradise. This

meditative journey, during which we encounter

charismatic characters, makes us reconsider

the path we take to find our own harmony and

happiness. The film, with its well-balanced dramaturgy

and slower rhythm, creates a proper mood

to reveal a very different and unexpected angle

of the troubled Ukrainian region – raising many

relevant questions for us all.

82 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 83

Dokumentarfilm. Lettland 2014

Sprache Russisch, Ukrainisch mit engl. UT

Länge 68 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Viestur Kairish

Kamera Gints Bērziņš, Andrejs Rudzāts

Schnitt Andra Doršs

Ton Aleksandrs Vaicahovskis

Musik Rimskis Korsakovs

Produzent Guntis Trekteris

THE INVISIBLE CITY

Neredzamā pilsēta

Leben in Tschernobyl. Was sich wie ein Albtraum anhört, ist für Igor das reinste Paradies. Auf der Flucht vor der

modernen Zivilisation fand der 30-Jährige hier schon vor langer Zeit ein stilles Fleckchen Erde, aufgegeben

und verlassen sowie abgeschnitten vom Rest der Welt. Trotz der harmonischen Idylle kam er aber nie wirklich

zur Ruhe, weil ihn seelische Probleme belasten. Igor denkt zu viel nach über sich und die Welt. Und noch dazu

gehört ihm sein Himmel auf Erden nicht allein: Ringsum lebt immer noch eine Reihe älterer Menschen, deren

Häuser mittlerweile hinter wild wuchernden Pflanzen fast verschwunden sind. Viestur Kairishs Dokumentarfilm

präsentiert lange nach der historischen Katastrophe einen vergessenen Ort und seine Bewohner wie eine

unsichtbare Geisterstadt, wie ein gut behütetes und zugleich existenzielles Geheimnis vom Sein, von der Art zu

leben. In fantastischen Bildern von verlassenen Orten und Landschaften, untermalt mit eindrucksvoller klassischer

Musik, zeigt er das Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie die Vergänglichkeit der Zivilisation. Und

gewährt gleichzeitig Einblick in das simple Leben in einer uns völlig fremden Wildnis abseits von Raum und Zeit.

Sogar so weit abseits, dass für deren Bewohner selbst der Krieg im eigenen Land unendlich fern zu sein scheint.

Live in Chernobyl. What sounds like a nightmare, is pure paradise for Igor. Trying to escape modern civilisation,

the 30-year old found a peaceful home here a long time ago, abandoned, deserted and cut off from

the rest of the world. But despite the peaceful idyll, his psychological issues never really let him come to

rest. Igor ponders too much – about himself and the world. Moreover, he has to share his piece of heaven

on earth: a number of elderly people, whose houses have almost disappeared behind sprawling vegetation

by now, still live in the area. Long after the historical catastrophe, Viestur Kairish’s documentary presents a

forgotten place and its inhabitants as an invisible ghost town, as a carefully guarded, and at the same time,

existential secret of life. Fantastic shots of abandoned places and landscapes, accompanied by impressive

classical music, show the relationship between people and nature as well as the transience of civilisation. At

the same time, the feature provides insights into the simple life in a completely alien wilderness far from time

and space. So far, that even the war raging in their own country appears infinitely distant to its inhabitants.

Produktion Ego Media

Vertrieb/Kontakt Ego Media

Biografie Viestur Kairish

1971 in Riga geboren, widmete sich Viestur Kairish

nach seinem Studium der Theater- und Filmregie an

der lettischen Kulturakademie sowohl der Bühne

als auch dem Film. Sein Debüt als Opernregisseur

feierte er 1999 mit Tschaikowskys Eugen Onegin,

wofür er auch den Großen Musikpreis von Lettland

erhielt. Es folgten zahlreiche prämierte und von der

Kritik positiv aufgenommene Operninszenierungen,

wie etwa Wagners Ring der Nibelungen im Jahr

2007. Für sein Spielfilmdebüt Leaving by the Way

erhielt Kairish eine Auszeichnung für den besten

lettischen Film 2001. Zudem wurde Leaving by the

Way 2002 in Riga mit dem FIPRESCI-Preis und beim

Raindance Film Festival mit dem Großen Preis der

Jury ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm Pelican in

the Desert wurde 2014 im Rahmen des Dokumentarfilm-Wettbewerbs

beim LET’S CEE Film Festival

präsentiert.

Filmografie Viestur Kairish

2014 The Invisible City

2014 Pelican in the Desert

2009 Olympic Man

2006 The Dark Deer

2004 Romeo and Juliet

2001 Leaving by the Way


Rada Šešić

Der serbische Regisseur Želimir Žilnik ist einer der

mutigsten und schärfsten Kommentatoren des

sozialpolitischen Zustandes seines Landes. Er ist

sehr produktiv, dreht sowohl Spielfilme als auch

Dokumentationen, und macht fast jedes Jahr einen

neuen Film, in dem er sich unvoreingenommen der

conditio humana besonders derjenigen widmet,

die am Rande der Gesellschaft stehen. In mehreren

Dokumentationen fing Žilnik die Schicksale von

Migranten aus Ex-Jugoslawien auf ihren Reisen ein

und, in seinem letzten Film, auch von Menschen,

die auf ihrem Weg nach Westeuropa seine Heimat

durchquerten. Das besonders Wertvolle an Žilniks

Filmen ist sein aufrichtiges Interesse an gewöhnlichen

Menschen, genauso wie sein künstlerisches

Talent, eine spannende filmische Textur zu finden,

um von deren Schicksalen zu erzählen.

The Serbian director Želimir Žilnik is one of the

most courageous and sharp commentators on

the socio-political state of his country. Extremely

productive in making both fiction and documentaries,

he comes out almost every year with

a new film in which he lucidly and boldly observes

the human condition, especially of those on

the fringes of society. In several documentaries,

Žilnik captured the destinies of migrants, of ex-Yugoslavs

who travel abroad and in his latest film

– of people from abroad who pass through his

country in order to reach Western Europe. What

is especially valuable in Žilnik’s film is his genuine

interest in the common man, as well as his artistic

ability to find an exciting cinematic texture to narrate

their destinies.

84 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 85

Dokumentarfilm. Serbien 2015

Sprache Serbisch, Englisch, Arabisch, Somali,

Französisch mit engl. UT (02.10.) und dt. UT (03.10.

und im Schulkino)

Länge 94 min.

Format DCP

Farbe

LOGBOOK SERBISTAN

Destinacija Serbistan

Im Niemandsland kurz vor der ungarisch-serbischen Grenze sitzt ein Mann am Lagerfeuer. Er ist einer

von vielen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben aus Syrien über die Türkei, Griechenland und Mazedonien

hierhergekommen sind. Er hat seine Heimat verlassen, um in Europa eine neue zu finden. Seine

Geschichte und eine Reihe anderer Schicksale bringt der Regie-Altmeister Želimir Žilnik in diesem Dokumentarfilm

scheinbar nüchtern und neutral auf die Leinwand. Unabhängig davon, ob die Menschen aus

Syrien, Afghanistan oder Eritrea kommen, sie alle haben einen langen, mühsamen und gefährlichen Weg

hinter und vielleicht noch vor sich. Sie sprechen weder die Sprache der Länder, die sie auf ihrem Weg ins

Ungewisse durchqueren, noch kennen sie die Schlepper, denen sie sich anvertrauen müssen. Freilich haben

sie allerlei zu erzählen. In Logbook Serbistan stellen die Flüchtlinge selbst Szenen aus ihrem Leben

und von ihrer Odyssee nach, was tiefe Einblicke in das Innere dieser vom Leben gebeutelten Menschen

erlaubt und somit eines der brennendsten Themen der Gegenwart künstlerisch außergewöhnlich behandelt.

Zwischen den Polen einer „Festung Europa“ und einem Europa der Menschenrechte gelingt es

Žilnik dabei, den meist abstrakten Flüchtlingszahlen aus den Medien ein menschliches Gesicht zu geben.

No man’s land just before the Hungarian-Serbian border: a man sits at a campfire. He is one of many

refugees who – hoping for a better life – embarked on a journey by foot from Syria via Turkey, Greece

and Macedonia to Serbia. He left his homeland to find a new one in Europe. With his docu mentary,

established director Želimir Žilnik brings to the screen not only the story of just one man, but many

similar fates of refugees in a seemingly neutral and sober way. Irrespective of whether they started out

from Syria, Afghanistan or Eritrea, they all have undergone a long, hard and dangerous journey that may

not have come to an end yet. Neither do they speak the languages of the countries they have to cross

on their way into the unknown, nor do they know the names of the smugglers they have to rely on. It is

nothing but natural that these people have all kinds of stories to tell. In Logbook Serbistan, refugees themselves

reconstruct scenes from their lives and odysseys, allowing a deeper insight into the inner worlds

of those people who have been beaten by life. Thus, the film focuses on one of the hottest issues of our

time in an extraordinary artistic way. Between the extremes of the “fortress Europe” and a Europe of human

rights, Žilnik manages to give a human face to the abstract number of refugees reported by the media.

Regie und Drehbuch Želimir Žilnik

Kamera Miodrag Milošević, Orfeas Skutelis

Schnitt Vuk Vukmirović

Ton Filip Vlatković

Musik Meho Puzić, Gabriella Benak, Milan Nenin

Produzent Sarita Matijević

Produktion Playground produkcija

Vertrieb/Kontakt Playground produkcija

Biografie Želimir Žilnik

Želimir Žilnik wurde 1942 in Nis geboren. Er gilt als

einer der wichtigsten Vertreter des europäischen

Kinos. Der serbische Regisseur und kritische Intellektuelle

hat sich seit den späten 1960er Jahren

mit sozialkritischen Spiel- und Dokumentarfilmen

einen Namen gemacht. Bereits in jungen Jahren

hat er mit seinem ersten Langfilm Early Works einen

Goldenen Bären gewonnen. Er gilt als einer der

Protagonisten des jugoslawischen Novi Films und

als einer der Begründer des Genres Doku drama.

Žilnik hat ein Werk geschaffen, das die jeweilige

Gesellschaft und ihre politischen, kulturellen und

wirtschaftlichen Bedingungen genau und kritisch

reflektiert, zuletzt eben die neuen Grenzziehungen

sowie die Migrationsbewegungen und Abschottungstendenzen

der Europäischen Union, unter

anderem mit seinem brandaktuellen Film Logbook

Serbistan.

Filmografie Želimir Žilnik (Auswahl)

2015 Logbook Serbistan

2014 Our Man in Gabon

2013 Pirika on Film

1995 Marble Ass

1969 Early Works


Rada Šešić

Mit dem Instinkt einer passionierten Filme macherin

hat Reyan Tuvi mit ihrer Kamera das Treiben

eingefangen, das rund um ihr Haus herrschte: Den

Bürgeraufstand im Zentrum von Istanbul, der zu

Beginn von den offiziellen Medien ignoriert wurde.

Millionen Menschen gingen als geeinte Bewegung

auf die Straße, ausgelöst von dem Versuch der

lokalen Behörden den Gezi Park mit Bulldozern

niederzureißen. In den außergewöhnlichen Bildern

zeigen sich eine erstaunliche Solidarität und

Friedlichkeit während der Proteste und die Kameradschaft

unter den Bürgern von Istanbul. Der Film

dokumentiert, wie sich Menschen aller sozialen

Schichten, mit den verschiedensten politischen

Ansichten und unterschiedlichsten Lebensstilen für

eine gemeinsame Sache zusammenfinden. Und er

zeigt auch, wie wichtig es ist, Dokumentationen zu

machen, die relevante Themen für eine öffentliche

Diskussion an die Oberfläche bringen.

With the instinct of a passionate documentary

filmmaker Reyan Tuvi used her camera to capture

what was going on close to her house: an

enormous civil uprising in the centre of Istanbul,

that was in the beginning ignored by official

media. Millions took to the streets in a movement

triggered by the local authorities’ attempt to

demolish Gezi Park with bulldozers. The amazing

solidarity and peacefulness in the protests and

the camaraderie among the citizens of Istanbul is

evident from this remarkable footage. The documentary

witnesses how people of all social strata,

of different political attitudes and various life styles

are united for a common cause. At the same time,

the film also shows the tremendous importance

of documentary filmmaking in bringing relevant

issues into the public discussion.

86 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 87

Dokumentarfilm. Türkei 2014

Sprache Türkisch mit engl. UT (07. und 09.10.)

und dt. UT (11.10.)

Länge 107 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Reyan Tuvi

Kamera Özcan Tekdemir

Schnitt Thomas Balkenhol

Produzentin Reyan Tuvi

LOVE WILL CHANGE

THE EARTH…

Yeryüzü Așkin Yüzü Oluncaya Dek…

Im Jahr 2013 soll der Istanbuler Gezi-Park einem Einkaufszentrum weichen. Schnell versammelt sich dort eine

Gruppe von Menschen, denen das gar nicht recht ist. Sie wollen im Park bleiben, bis der Erhalt der Grünfläche

gesichert ist. Die Filmemacherin Reyan Tuvi war von Beginn an mit ihrer Kamera dabei, um die von den staatlich

kontrollierten Medien marginalisierten Ereignisse festzuhalten. Freilich konnte auch sie damals noch nicht

erahnen, dass daraus bald die größte Protestbewegung in der Geschichte der Türkei entstehen sollte. Egal ob

allein erziehende Mütter, Fußballfans, Obdachlose, Homosexuelle, Kurden, strenggläubige Muslime, Liberale oder

Nationalisten – die Menschen im Gezi-Park und am angrenzenden Taksim-Platz standen für verschiedenste Schicksale

und hatten jeweils ihre eigene Geschichte zu erzählen, verfolgten aber alle ein gemeinsames Ziel. Allianzen

und Freundschaften entstanden hier als Nebenprodukt des Protests und ließen die Menschen näher zusammenrücken.

Der Film dokumentiert den Zusammenhalt dieser mutigen Männer und Frauen. Damit ist Love Will Change

The Earth… viel mehr als ein filmisches Dokument über zivilen Widerstand und Polizeigewalt. Es ist ein perspektivenerweiternder

Film, der die vielen einzelnen Gesichter hinter den protestierenden Massen sichtbar macht.

Produktion Reyan Tuvi

Vertrieb/Kontakt Reyan Tuvi

Biografie Reyan Tuvi

Reyan Tuvi, geboren 1967, studierte Anglistik und

Literaturwissenschaften in Istanbul. Später machte

sie den Master im Bereich Filmproduktion an der

Northern Media School in Sheffield, Großbritannien.

Tuvi arbeitete als Produzentin, Drehbuchautorin und

Rechercheurin für verschiedene Dokumentarfilmproduktionen.

2010 feierte sie mit Offside ihr Regiedebüt.

Für ihren aktuellen Film Love Will Change the

Earth… wurde sie in Istanbul mit dem Johan van

der Keuken New Talent Award ausgezeichnet. Der

Dokumentarfilm löste zudem Diskussionen über

Zensur in der Türkei aus, als er vorübergehend aus

politischen Gründen vom International Antalya Film

Festival ausgeschlossen wurde.

Filmografie Reyan Tuvi

2014 Love Will Change the Earth…

2010 Offside

In 2013, the Gezi Park in Istanbul is to give way to a shopping mall. However, the plan attracts a group

of people who declare that they will stay in the park until its preservation is guaranteed. Director Reyan

Tuvi and her camera were there from the start in order to film the events that were marginalised by the

state-controlled media. But not even she could have anticipated that this would become the largest

protest movement in Turkey to date. Be they single mothers, football fans, homeless people, homosexuals,

Kurds, orthodox Muslims, liberals or nationalists, the Gezi Park and the neighbouring Taksim Square

attracted people with extremely different fates and life stories. Nevertheless, they stood united by one

common goal. New alliances and friendships were a by-product of the protest, as people grew closer.

The film records the solidarity of these brave men and women. That is why Love Will Change The Earth…

is much more than a mere visual document of civil resistance and police violence. It is a picture that

broadens its audience’s perspectives and renders the individual faces in the revolting masses visible.


Rada Šešić

Das Debüt der jungen und talentierten kroatischen

Filmemacherin Tiha K. Gudac ist eine dieser fesselnden

Dokumentationen, bei der wir uns sofort in die

Hauptfigur hineinversetzen können. In diesem Fall

ist es die Regisseurin selbst und ihre ganze Familie.

Die Geschichte von einem lange verschwiegenen

Familiengeheimnis handelt von einer Gefangenschaft

unter dem kommunistischen Regime im

ehemaligen Jugoslawien. Wie in einem Puzzle

enthüllt die Regisseurin vorsichtig Teil für Teil des

politischen Verbrechens, das so lange gut versteckt

war. Nach diesem Film wissen wir zwei Dinge, nämlich,

dass in der Region des ehemaligen Jugoslawiens

immer noch viele familiäre (und politische)

Geheimnisse ruhen und dass Tiha K. Gudac eine

große Entdeckung ist – eine Regisseurin mit großer

Sensibilität, auf deren zukünftige Filme man sich

freuen kann.

This debut of the Croatian talented young filmmaker

Tiha K. Gudac is one of those compelling

documentaries that make us empathise with

the main characters: in this case, the director

herself and her whole family. The story of the

family’s long-buried secret deals with imprisonment

during the communist regime in former

Yugoslavia. Like in a puzzle, the director gently

and carefully unveils, piece by piece, this political

crime that was kept deeply hidden for so many

decades. After this film we know two things: that

the region of former Yugoslavia is still full of family

(political) secrets, and that Tiha K. Gudac is a huge

discovery, a director with great sensibility, whose

future films we look forward to seeing.

88 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 89

Dokumentarfilm. Kroatien 2014

Sprache Kroatisch mit engl. UT

Länge 75 min.

Format DCP

Farbe

NAKED ISLAND

Goli

Vor rund 60 Jahren verschwindet ein Mann. Über Nacht und einfach so. Vier Jahre später taucht er wieder auf. Als

ein anderer Mensch. Schwer krank und traumatisiert. Ein dunkles und schmerzhaftes Geheimnis wird ihn sein

restliches Leben lang begleiten. Niemand aus seiner Familie darf ihn fragen, was während seiner Abwesenheit

mit ihm passiert ist. Es ist seine Enkelin Tiha K. Gudac, die Regisseurin dieses Films, die sehr viel später beginnt,

die Wahrheit zu erkunden. Sie will herausfinden, was ihr von vielen Narben verunstalteter Großvater nicht und

nicht erzählen möchte. Erst nach dessen Tod gelingt es ihr, zahlreiche Puzzlesteine – von alten Familienfotos bis

hin zu intimen Zeugnissen von Zeitgenossen – so zusammenzufügen, dass letztlich ein Gesamtbild erscheint.

Ein Mosaik, das zeigt, wie sehr das erlebte Grauen selbst nach drei Generationen noch das Leben der Familie

zu beeinflussen vermag. Dass auch Tihas Großmutter in Titos Straflager auf Goli (Naked Island) zu einer gebrochenen

Seele wurde, verleiht dem Film zusätzliche Dramatik. Das Lob von Cineuropa für die vom Sarajevo Film

Festival als bester Dokumentarfilm ausgezeichnete Arbeit fiel jedenfalls fast schon hymnisch aus: „Eine sehr

persönliche und berührende, aber auch eine informative, politisch bedeutsame und universelle Geschichte“.

Regie und Drehbuch Tiha K. Gudac

Kamera Eva Kraljević, Tamara Cesarec,

Srđan Kovačević, Tiha K. Gudac

Schnitt Dragan von Petrović

Musik Dubravko Robić

Ton Ivan Zelić, Hrvoje Petek, Milan Čekić

Produzent Nenad Puhovski

Produktion Factum

Vertrieb/Kontakt Factum

Biografie Tiha K. Gudac

Tiha K. Gudac wurde 1982 in Zagreb geboren. Sie

studierte Filmproduktion und Betriebswirtschaft.

Nach mehreren Jahren als Schauspielerin und

Theaterproduzentin sowie im Marketing und bei

verschiedenen NGOs begann sie mit der Produktion

von audiovisuellen Medien. Gudac arbeitete

fortan bei Filmfestivals und produzierte kurze Spielund

Dokumentarfilme. 2014 erschien mit Naked

Island ihre erste Regiearbeit.

Filmografie Tiha K. Gudac

2014 Naked Island

About 60 years ago, a man disappears. Overnight, just like that. Four years later, he reappears. As a different

person. Seriously ill and traumatised. A dark and painful secret will accompany him for the rest

of his life. Nobody in his family is allowed to ask him about what has happened during his absence.

It is his granddaughter Tiha K. Gudac, director of this film, who starts looking for the truth much

later. She wants to find out what her grandfather, blemished by a variety of scars, is not telling her. It

is only after his death that she succeeds in putting all the puzzle pieces together – from old family

pictures to intimate testimonies of contemporary witnesses – for an overall image to appear. A

mosaic that shows how much all this horror experienced still influences the life of the family even

after three generations. The fact that also the soul of Tiha’s grandmother was broken in Tito’s punishment

camp on Goli (Naked Island) provides the film with additional drama. Cineuropa’s praise of the

work, which won an award as Best Documentary Film at the Sarajevo Film Festival, was almost hymnal:

“A very personal and touching, but also an informative, politically significant and universal, story.”


Rada Šešić

Im Stile eines Bollywood-Films, erzählt The Queen

of Silence die Geschichte von Denisa, einem zehn

Jahre alten, tauben Roma-Mädchen. Während sie

mit ihrer Familie gegen die Zwangsräumung ihrer

illegalen Siedlung in Polen kämpft und sich mit der

Rückkehr nach Rumänien konfrontiert sieht, hält

Denisa ihren Traum aufrecht, indem sie tanzt und

sich eigene Choreographien ausdenkt. Die Regisseurin

des Films, die einen wunderbaren Zugang zu

ihrer Heldin findet, hat einen verblüffenden visuellen

Stil gefunden, um Denisas Weg aus ihrer rauen

Realität auszudrücken. In unglaublich schönen

Bildern, fantasievoll choreographiert und bestens in

der Dramaturgie des Films platziert, hat die Regisseurin,

die ebenfalls Tänzerin und Choreo graphin

ist, einen bemerkenswerten, charmanten Film gemacht,

der sich der Geschichte einer Roma-Familie

auf sehr erfrischende Art und Weise annähert.

Made in Bollywood-film style, this documentary

recounts the story of Denisa, a 10-year old

deaf Roma girl. While struggling with her family

against their eviction from illegal settlement in

Poland, and facing their return to Romania, Denisa

keeps her dreams alive by dancing and inventing

her own choreography. The director of the film,

who achieved amazing access to her heroine,

found an intriguing visual style to express Denisa’s

way out of her harsh reality. Amazingly well

shot, imagin atively choreographed and well placed

in the film’s dramaturgy, the director, who is

also a dancer and choreographer, has created an

un usual, charming film that approaches the story

of a Roma family in a very refreshing manner.

90 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 91

Dokumentarfilm. Deutschland | Polen 2014

Sprache Polnisch, Romani mit engl. UT

Länge 80 min.

Format DCP

Farbe

THE QUEEN OF SILENCE

Królowa ciszy

Große Armut, eine hohe Polizeipräsenz sowie Ausgrenzung und Missgunst prägen den Alltag in einer

illegal errichteten Roma-Siedlung in Polen. Hier wohnt auch die 10-jährige Denisa mit ihrer Familie. Doch

nicht nur die außergewöhnlich tristen äußeren Lebensverhältnisse machen dem Mädchen zu schaffen.

Als Kleinkind hat sie ihr Gehör verloren und daher auch nie gelernt zu sprechen. Zwar kann sie sich mittels

Lauten und Gestik einigermaßen verständlich machen, doch ihr Innerstes kann sie erst offenbaren,

als sie eines Tages im Müll eine Bollywood-DVD findet und sich fortan von deren rhythmischen Klängen

zu eigenen Choreographien inspirieren lässt. Als letztendlich ihr größter Traum in Erfüllung geht und

sie durch die Hilfe eines Arztes plötzlich wieder hören kann, hat das freilich nicht nur positive Auswirkungen.

Die Regisseurin Agnieszka Zwiefka hat mit The Queen of Silence einen gleichermaßen ergreifenden,

unter haltsamen wie poetischen Dokumentarfilm geschaffen, der Denkanstöße gibt und eindrucksvoll

vermittelt, dass die Diskriminierung von Roma in Europa noch nicht der Vergangenheit angehört.

Das Nebeneinander von gekonnt inszenierten Tanzszenen im Bollywood-Stil, die für Denisas Flucht aus

dem harten Alltag stehen, und Aufnahmen ebendieser düsteren Realität machen den Film einzigartig.

Regie und Drehbuch Agnieszka Zwiefka

Kamera Aleksander Duraj, Armand Urbaniak

Schnitt Thomas Ernst, Hansjörg Weißbrich

Musik Jessica de Rooij, CocoRosie,

Dani Printul Banatului

Ton Artur Kuczkowski

Produzenten Heino Deckert, Iris Pakulla,

Agnieszka Zwiefka

Produktion Ma.ja.de. Filmproduktion

Vertrieb/Kontakt Deckert Distribution

Biografie Agnieszka Zwiefka

Agnieszka Zwiefka wurde 1978 in Polen geboren

und arbeitet als Regisseurin und Produzentin. 2007

promovierte sie an der Universität von Wrocław,

wo sie mittlerweile TV-Journalismus und Film unterrichtet.

Seit über zwölf Jahren kooperiert sie mit

TV Polen und ist Autorin verschiedener, mit Preisen

ausgezeichneter TV-Programme und Kurzdokumentationen.

Im Jahr 2010 begann sie auch eine

Laufbahn als Produzentin und gründet die Filmproduktionsfirma

Chilli Productions. The Queen of

Silence ist Agnieszka Zwiefkas Langfilmdebüt.

Filmografie Agnieszka Zwiefka

2015 The Queen of Silence

2013 Albert Cinema

Extreme poverty, isolation, resentment and the constant presence of the police, are characteristic of

everyday life in an illegally-established settlement of the Roma people in Poland. This is where 10-year-old

Denisa lives with her family. Yet the sordid living conditions are not the only trouble the girl faces. As a

little child, she lost her sense of hearing and therefore never learned to speak. Although she can to some

degree express herself by means of sounds and gestures, it is only when she one day finds a Bollywood

DVD in the rubbish that she, taken by the rhythmic beats, learns to develop a choreography to show her

innermost feelings. When eventually her biggest dream comes true and she suddenly recovers her sense

of hearing with the aid of a doctor, this does not have only positive consequences. With The Queen of

Silence, director Agnieszka Zwiefka has created a documentary that is equally poignant, entertaining and

poetic, provokes thoughts and impressively shows that the discrimination of the Roma people in Europe

is still not a thing of the past. Masterfully performed Bollywood dance scenes, which represent Denisa’s

escape from tough, everyday life, and shots that show precisely this grim reality make the film unique.


Rada Šešić

Diese ernsthafte und doch humorvoll-charmante,

persönliche Dokumentation zeigt die Anstrengungen

der Filmemacherin, ihr Diabetes loszuwerden.

Während sie sich bemüht, sich gesund

und einfach zu ernähren, entdeckt sie mehr und

mehr eine weltweite Zucker-Verschwörung,

die es ihr praktisch unmöglich macht, etwas im

Geschäft zu finden, das keinen raffinierten Zucker

oder Zucker derivate enthält. Der Film kombiniert

gekonnt wissenschaftliche Befunde mit den

persönlichen Beo bachtungen der Regisseurin,

die für ihre Recherche in eine Welt voller sozial

relevanter Faktoren eintaucht und interessante

Zahlen und Fakten präsentiert. Diese lebendige

und erfrisch ende Doku mentation ist lehrreich und

unterhaltsam. Die Offenheit und klare Direktheit

der Regisseurin, die Hauptperson, Forscherin und

Kommentatorin zugleich ist, machen diesen Film

unvergesslich.

This serious, yet charming and humorous personal

documentary follows the film maker’s struggle

to get rid of her diabetes. While trying to cook

and eat only healthy and pure food, she unveils

bit by bit a huge worldwide sugar conspiracy

that makes it virtually impossible for us to find

anything in shops that does not contain refined

sugar or sugar derivatives. Intelligently mixing

scientific findings and explanations with her own

private observations of life situations, she enters

the world of socially-relevant research, sharing

amazing facts and figures. This vibrant, refreshing

documentary teaches and entertains. The openness,

and bold clarity of the director, who is also

the main character, researcher and commentator,

makes for a memorable film.

92 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 93

Dokumentarfilm. Tschechien 2014

Sprache Tschechisch, Englisch mit engl. UT

Länge 79 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Andrea Culková

Kamera Lukáš Milota, Martin Štěpánek

Schnitt Darina Moravčíková

Musik Tereza Bulisova

Ton Petr Kapeller

Produzenten Daniel Tuček, Alena Müllerová

SUGAR BLUES

Cukr Blog

Als die Filmemacherin Andrea Culková mit ihrem dritten Kind schwanger wird, diagnostiziert man bei ihr

plötzlich Diabetes. Man erklärt ihr, sie müsse Zucker meiden, denn er mache sie und ihr Baby krank. Aus

Angst um ihr Kind ändert sie ihre Essgewohnheiten. Und begibt sich auf eine Reise, die sie rund um die

Welt führt. Fragen über das „weiße Gold“ sollen geklärt und die gesamte Zuckerindustrie unter die Lupe

genommen werden. Hat das Diabetes auslösende Süßungsmittel noch andere Auswirkungen auf unseren

Körper? Wie kocht und ernährt man sich ohne Zucker? Warum ist es so schwer, auf ihn zu verzichten?

Und gibt es so etwas wie eine Zuckermafia? Culková spricht mit Gynäkologen, Ärzten, Wissenschaftlern

und ganz normalen, aber zuckerfrei lebenden Familien. In der Tradition erfolgreicher Dokumentarfilmer

wie Michael Moo re führt sie dem Publikum mit der Verbissenheit einer Privatermittlerin vor

Augen, welchen Einfluss das kristalline Lebensmittel mittlerweile auf unser aller Leben hat und wie tief es

in unserer Gesellschaft verankert ist. Obwohl das mit einer gehörigen Portion Humor geschieht, sind die

Ergeb nisse dennoch schockierend. Andrea Culkovás ebenso emotionaler wie hochpersönlicher Dokumentarfilm

regt zum Nachdenken sowie zu einem kritischen Blick in den eigenen Einkaufswagen an.

Produktion Golden dawn

Vertrieb/Kontakt Taskovski Films

Biografie Andrea Culková

Andrea Culková wurde 1977 in Tschechien geboren.

Bevor sie an der Film- und Fernsehfakultät der Akademie

der Musischen Künste (FAMU) in Prag Dokumentarfilm

studierte, hatte sie an der Karls Universität ein

pädagogisches Fach belegt. Sie ist Mutter von drei

Kindern. Während der letzten Schwangerschaft wurde

bei ihr Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Genau

das brachte sie auf die Idee zu Sugar Blues, ihre erste

längere Dokumentation, die 2014 in Kopenhagen für

den F:Act Award nominiert wurde.

Filmografie Andrea Culková (Auswahl)

2015 Art Detective Story

2014 Sugar Blues

2013 Let’s Heal Czech Republic!

2008 Story of the House No. 100

Filmmaker Andrea Culková is pregnant with her third child when she is diagnosed with diabetes. She is

told to avoid consuming sugar, as it will damage her and her baby's health. To keep the baby safe, Andrea

changes her eating habits. And goes on a journey across the world. She is searching for answers to questions

about to the “white gold” and takes a close look at the whole sugar industry. What effects does the

sweetener have on our bodies other than diabetes? How do we eat, drink and cook without sugar? Why

is it so difficult to live without it? Is there something like a sugar mafia? Culková engages in conversations

with gynaecologists and other physicians, scientists, and ordinary families who live without sugar. In the

tradition of successful documentary filmmakers like Michael Moore, she adopts the tenacity and persistence

of a private detective in order to explain to the audience the influence the crystalline food has on our

lives and outline how important sugar is in our society. Even though the results are presented with a humorous

touch, they are shocking. Andrea Culková made a very personal and emotional documentary that

causes the audience to reflect and encourages critical thinking, not least about our own shopping carts.


Rada Šešić

Diese unglaubliche Story scheint für den Film

geradezu erfunden worden zu sein, beruht

allerdings auf der wahren Geschichte über den

größten Menschenhandel der Geschichte, der still

und heimlich während des Kalten Krieges über die

Bühne ging. 246.000 Volksdeutsche aus Rumänien

wurden nach Westdeutschland verkauft. Der Produzent

von Trading Germans Alexandru Solomon

erklärt, wie das Geheimnis aufgedeckt wurde: „Vor

ein paar Jahren wurde eine umfangreiche Arbeit

von Historikern veröffentlicht, die Archive der

Securitate untersucht hatten. Sie gaben ein Buch

heraus, das sich auf die rumänischen Akten über

diese Verhandlungen stützte.“ Der ehemalige

deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher

fasste kurz und bündig zusammen, warum die

Menschen alles aufgaben und ihre Heimat verließen:

„Der Wunsch nach Freiheit war stark.“

This incredible story almost seems to have been

invented for a fiction film. However, it is a documentary

based on the true story of one of the

largest human trafficking schemes in history. It all

happened silently and secretly during the Cold

War. 246,000 ethnic Germans from Romania were

sold to Western Germany. The producer of Trading

Germans, Alexandru Solomon, explained how

the secret was uncovered: “A couple of years ago

there was a comprehensive volume published

by historians – researchers who had studied the

Securitate archives. They published a book from

the Romanian files on these negotiations.” Former

German Foreign Minister Hans-Dietrich Genscher

succinctly summed up why people were prepared

to give up everything to leave their homeland. He

said simply: “The desire for freedom was strong.”

94 Dokumentarfilm-Wettbewerb


Dokumentarfilm-Wettbewerb 95

Dokumentarfilm. Rumänien | Deutschland 2014

Sprache Rumänisch, Englisch, Deutsch mit engl. UT

Länge 90 min.

Format DCP

Farbe

TRADING GERMANS

Pașaport de Germania

In den 1960ern lebten noch rund 350.000 Deutsche in Rumänien, die meisten davon in Siebenbürgen. Unter

dem kommunistischen Regime von Nicolae Ceaușescu hatten viele von ihnen mit Diskriminierung und

drohender Armut zu kämpfen. Wenig verwunderlich, dass diese von einem Leben in der Bundes republik

Deutschland träumten. Die Regierungen der beiden Länder schlossen daraufhin ein Auswanderungsabkommen

ab, von dem die Öffentlichkeit freilich nichts erfahren sollte. Denn in Wirklichkeit tat der Diktator

nichts anderes, als im Verlauf von über 20 Jahren eine Viertelmillion Menschen gegen Milliardenbeträge

an die BRD zu verkaufen. Es handelte sich um einen modernen, im größten Stil aufgezogenen Menschenhandel.

Trading Germans erzählt, wie der Deal zustande kam, wie er umgesetzt wurde und mit welchen

Auswirk ungen und Schikanen die Betroffenen zu kämpfen hatten. Aufwändig recherchierte Archivbilder

werden Interviews mit Auswanderern, Politikern und Beamten gegenüber gestellt. Der Anwalt Heinz Günther

Hüsch ist einer dieser befragten Zeitzeugen. Er leitete die Verhandlungen auf deutscher Seite und gewährt

hier erstmals Einblick in seine Akten. Die deutsch-rumänische Koproduktion ist ein Beitrag zur Aufarbeitung

dieses Teils der Geschichte und zugleich ein Appell, sich weiterhin mit dem Thema auseinanderzusetzen.

In the 1960s, about 350,000 Germans were still living in Romania, most of them in Transylvania. Under the

communist regime of Nicolae Ceaușescu, many of them were faced with discrimination and imminent

poverty. It does not come as a surprise that they were dreaming of a life in the Federal Republic of Germany.

Consequently, the governments of both countries concluded an emigration treaty – obviously, however, the

public was not meant to be informed about it. For in reality, all the dictator did was to sell 250,000 people to

the FRG for amounts of several billions over a period of 20 years. It was a modern case of human trafficking on

a grand scale. Trading Germans tells the story of the deal, how it was implemented and which consequences

and harassments the people concerned had to face. Extensively researched archive material is contrasted

with interviews with emigrants as well as with politicians and civil servants. Attorney-at-law Heinz Günther

Hüsch is one of the contemporary witnesses questioned. He managed the negotiations on the German side

and provides some insight into his files for the first time ever. The German-Romanian coproduction is a contribution

to a reappraisal of this part of history and at the same time a plea to continue to face up to this topic.

Regie und Drehbuch Răzvan Georgescu

Kamera Alexandru Solomon

Schnitt Wolfgang Lehmann, Cătălin Cristuțiu

Musik Anatol Ştefăneţ, Richard Oschanitzky,

Remus Georgescu

Ton Marius Obretin, Alexandru Dumitru, Marius

Leftarache, Florin Tăbăcaru, Marin Cazacu

Produzenten Alexandru Solomon, Ada Solomon,

Răzvan Georgescu, Florian Hartung

Produktion Februar Film, HBO Europe Original

Programming, HI Film Productions

Vertrieb/Kontakt Februar Film, HI Productions

Biografie Răzvan Georgescu

Răzvan Georgescu wurde 1965 in Rumänien, geboren

und besuchte ein deutsches Gymnasium. Nach dem

Studium der Philologie, mit einem Diplom in Filmsemiotik,

an der Universität Bukarest übersiedelte Georgescu

1990 nach Deutschland, wo er einige Jahre als

Cutter und Regisseur für das Fernsehen tätig war. Seit

1996 arbeitet Georgescu als selbständiger Dokumentarfilmautor

und Kulturjournalist für ARTE, ZDF, BBC und

TVR, das öffentlich-rechtliche Fernsehen Rumäniens.

Nachdem bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert wurde,

widmete er sich 2008 in Testimony dem Umgang mit

Krankheit und Tod und gewann den Prix Europa 2008

für den besten TV-Dokumentarfilm.

Filmografie Răzvan Georgescu (Auswahl)

2014 Trading Germans

2008 Testimony

2005 Children of the Decree


96 Wettbewerb Promising Debuts

Spielfilm. Rumänien 2015

Sprache Rumänisch mit engl. UT

Länge 91 min.

Format DCP

Farbe

Regie Andrei Cohn

Drehbuch Mimi Brănescu

Kamera Andrei Butică

Schnitt Andrei Iancu

Ton Sorin Neagu

Produzenten Csaba László Eröss, Magdolna

Cecília Eröss

Darsteller

Robert Alexandru Papadopol

Paula Ioana Flora

Petrica Andi Vasluianu

Sotia Petrica Mirela Oprisor

Roberts Vater Florin Zamfirescu

Produktion Family Film

Vertrieb/Kontakt Mandragora

Biografie Andrei Cohn

Der rumänische Regisseur und Drehbuchautor

Andrei Cohn hat seine künstlerische Laufbahn am

Institut für bildende Künste Nicolae Grigorescu in

Bukarest begonnen. Nach dem Studium arbeitete er

zuerst als Artdirector bei verschiedenen Projekten.

2002 öffnete er gemeinsam mit Christina Jansen das

Kreativbüro Cohn and Jansen und produzierte viele

erfolgreiche Werbevideos. Seinen erster Kurzfilm Before

and after drehte er 2009. Back Home, sein Debütfilm,

eröffnete das European Film Festival 2015 und

war unter anderem im Wettbewerbsprogramm des

Sarajevo Film Festivals zu sehen.

Filmografie Andrei Cohn

2015 Back Home

2012 Family Pictures

2009 Before and after

* Der neue Wettbewerb Promising Debuts, bei dem ausschließlich

Spielfilmdebüts präsentiert werden, wird von Magdalena Żelasko

und Wolfgang P. Schwelle kuratiert.

* The new Competition Promising Debuts which solely presents feature

film debuts is curated by Magdalena Żelasko and Wolfgang P. Schwelle.

WETTBEWERB PROMISING DEBUTS*

Competition Promising Debuts*

BACK HOME

Acasă la tata

Der junge Schriftsteller Robert kehrt nach

zehnjähriger Abwesenheit in sein rumänisches

Heimatdorf zurück. Im Gepäck hat

er allerdings nicht nur sein bisher einziges

literarisches Werk, einen Gedichtband,

sondern auch jede Menge Sorgen,

Bedenken und Ängste. Zudem muss er

bald eine Entscheidung treffen, die sein

Leben für immer verändern könnte. All

das verbirgt er jedoch vor seinem Vater,

zu dem sich sein Verhältnis seit dem Tod

der Mutter verschlechtert hat. Seinem

besten Freund aus Jugendtagen Petrica

und seiner ehemaligen Flamme Paula

vertraut er sich ebenfalls nicht an. Während

Roberts Vater kein Verständnis für

dessen neuen Lebensstil und seine Begeisterung

für Poesie aufbringt, begegnen

ihm seine einstigen Weggefährten

zunächst aber noch mit Neugierde und

Anerkennung. Alkohol und Anekdoten

aus alten Zeiten lassen die Stimmung

jedoch bald kippen, denn im Grunde

ist keine der drei Personen damit zufrieden,

wie sich ihr Leben entwickelt hat.

Andrei Cohns erster Spielfilm erzählt in

ruhigen Tönen und auf zurückhaltende

Art von der Schwierigkeit, lebensverändernde

Entscheidungen zu treffen. Das

aufwühlende Drama, das heuer beim

Europäischen Filmfestival in Bukarest als

Eröffnungsfilm zu sehen war, handelt

von Existenzängsten, Entfremdung und

letztlich auch von Familie und Heimat.

After having been away for ten years,

Robert, a young writer, returns to the Romanian

village he grew up in. He brings

with him not only his masterpiece – a

small volume of poems and the only

book he has published so far – but also

plenty of sorrows, concerns and fears. In

addition, he is on the verge of taking a

decision that might change his life forever.

How ever, he tries to hide all this from his

father, with whom he has an increasingly

strained relationship since the death of

his mother. Neither does he confide in

his best friend Petrica nor in his former

flame Paula. While Robert's father refuses to

accept his son's new way of life and his passion

for poetry, his old companions initially

approach him with interest and appreciation.

But soon, after much alcohol and lots

of anecdotes from days gone by, the mood

suddenly changes for the worse, for basically,

none of the three is entirely satisfied

with the way their lives have turned out.

Andrei Cohn's first feature film shows the

challenges of taking life-changing decisions

in calm and quiet scenes. The moving

drama which opened this year's European

Film Festival in Bucharest deals with

existential fears, alienation and ultimately

also with the topic of family and home.


Wettbewerb Promising Debuts 97

DOWN THE RIVER

Axinla Aşağı

Ali, der Trainer einer Rudermannschaft,

steckt in einer waschechten Lebenskrise.

Seine Ehefrau Leyla kann er kaum

noch ertragen, und wäre da nicht sein

Sohn Ruslan, wäre er schon längst mit

Sasha, seiner Geliebten, durchgebrannt.

Seinen Frust reagiert Ali entweder an

seiner Frau ab oder eben an Ruslan, der

auch Teil seines Ruderteams ist und die

hohen Erwartungen des Vaters nicht erfüllen

kann. Der Konflikt eskaliert, als Ali

seinen Sohn vor einem Rennen aus dem

Team wirft. Es folgt ein großer Schock,

denn kurz darauf ereilt Ali die Nachricht,

dass Ruslan beim Schwimmen im Fluss

ertrunken sei. Getrieben von schlechtem

Gewissen, macht sich Ali auf den Weg,

um den vom Fluss weggespülten Leichnam

zu finden. Die Suche gerät zum

Selbstfindungstrip. Down the River ist ein

lebensnah erzähltes Drama über eine

kaputte Familie. Wechselseitige Erwartungen

und Abhängigkeiten scheinen

die allesamt voneinander enttäuschten

Hauptfiguren zu erdrücken. Regisseur

Asif Rustamov gibt der tiefgründigen Geschichte

mit imposanter Bildsprache und

aufwühlender Filmmusik einen grandiosen

Rahmen. Besonders be eindruckend

sind dabei die atemberaubenden idyllischen

Landschaftsaufnahmen, die einen

starken Kontrast zur düsteren Story

bilden, gleichzeitig aber die emotionalen

Momente des Films unterstreichen.

Ali, the coach of a rowing team, is in the

thralls of a true mid-life crisis. He can

hardly stand his wife Leyla anymore, and

if it were not for his son Ruslan he would

have eloped with his mistress Sasha a

long time ago. Ali takes out his frustration

either on his wife or on Ruslan, who

is also a member of the rowing team

but unable to fulfil his father's high expectations.

The conflict escalates when

Ali kicks his son out of the team right

before a race. This incident is followed by

a huge shock when Ali is informed that

Ruslan has drowned while swimming

in the river. Driven by remorse, Ali goes

off looking for his son's dead body that

was washed away by the river. The search

turns into a quest for self-discovery. Down

the River is a true-to-life drama about a

dysfunctional family. Mutual expectations

and interdependencies seem to crush the

protagonists who are deeply disappointed

with each other. Director Asif Rustamov

provides a marvellous frame including impressive

pictures and a disturbing soundtrack

to the deeply moving story. Especially

fascinating are the stunningly idyllic

landscape views that contrast with the

gloomy story, but at the same time also

enhance the film's emotional moments.

Spielfilm. Aserbaidschan 2014

Sprache Aserbaidschanisch, Russisch, Polnisch mit

engl. UT

Länge 90 min.

Format DCP

Farbe

Regie Asif Rustamov

Drehbuch Asif Rustamov, Otar Pertakhia

Kamera Ayhan Salar

Schnitt Asif Rustamov

Musik Khayyam Mirzazade

Ton Tariel Gasanzade, Andreas Ruft

Kostüm Elfira Huseynova

Produzent Mushfig Hatamov

Darsteller

Ali Namiq Aghayev

Leyla Mekhriban Zeki

Sasha Aleksandra Andrejewska

Ruslan Teymur Mammadov

Produktion Azerbaijanfilm

Vertrieb/Kontakt Azerbaijanfilm Film Studio

Biografie Asif Rustamov

Asif Rustamov wurde 1975 in Baku geboren und

studierte an einer privaten Wirtschaftsuniversität,

ehe er im Jahr 2000 ein Regiestudium an Aserbaidschans

Universität für Kunst und Kultur begann.

Neben zahlreichen Kurzfilmen drehte Rustamov

auch mehrere Dokumentarfilme. Den größten Erfolg

hatte er mit The House, der bei Filmfestivals in

Italien, auf Kuba und in Houston prämiert wurde.

Rustamov ist Mitbegründer des Verbands junger

Filmemacher in Aserbaidschan und als Autor für

das Filmmagazin Fokus tätig. Down the River ist sein

Spielfilmdebüt und feierte 2014 seine Weltpremiere

beim Internationalen Filmfestival in Karlovy Vary.

Filmografie Asif Rustamov

2014 Down the River

2009 With the Back to Kiblah

2007 The House


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Wettbewerb Promising Debuts 99

FOR SOME

INEXPLICABLE REASON

VAN valami furcsa es megmagyarazhatatlan

Im Leben läuft nicht immer alles glatt. Das

muss auch Aron erkennen, nachdem er

von der wunderschönen Eszter verlassen

wurde, er trotz Bemühens keinen passenden

Job findet und auch die Erwartungen

seiner Eltern nicht erfüllen kann. Vor allem

die lebhaften Erinnerungen und Gedanken

an seine Ex-Freundin machen ihm

zu schaffen. Als sein 30. Geburtstag bevorsteht,

schlägt er sich – wie so oft – die

Nacht mit seinen Freunden in Budapest

auf einer Zechtour um die Ohren – und

wacht am nächsten Tag mit einem Flugticket

nach Lissabon auf. Anfangs noch

selbst geschockt von seiner Rausch-Aktion,

beschließt er dann doch, die Reise

anzutreten, um sich auf die Suche zu

machen – obwohl er eigentlich gar nicht

so recht weiß, wonach. Von da an ändert

sich sein Leben schlagartig, er scheint

sein Glück langsam wiederzufinden. Gábor

Reisz erzählt mit seinem Regiedebüt

die Geschichte eines schrägen Typen,

der mit dem Leben und der Liebe, aber

auch gesellschaftlichen Konventionen

seine Probleme hat und der sich diesen

und anderen mit dem Erwachsensein

verbundenen Herausforderungen

schließlich auf eine ganz eigene Art und

Weise stellt. Eine ebenso ehrliche wie

unkonventionelle, ja sogar skurrile Tragikomödie

aus Ungarn, die phasenweise

ein wenig an Woody Allens Filme erinnert.

You can't always get what you want.

Aron learns this when his beautiful girlfriend

Eszter leaves him, all his attempts

at finding a job lead to nothing, and he

does not succeed in living up to his parents’

expectations. The vivid memories

of his ex-girlfriend are especially hard to

bear. Just before his thirtieth birthday, he

spends the night going on a pub crawl

with his friends in Budapest, as he often

does – only to wake up the next day

holding a ticket to Lisbon in his hands.

While he is shocked at first by what his

boozy self has done, he eventually decides

to go on the journey, to look for

… well, he does not really know what.

From that moment, Aron’s life changes

dramatically as he slowly begins to find

happiness again. The directorial debut of

Gábor Reisz tells the story of an eccentric

guy who has problems with life and

love but also with social conventions,

and eventually finds a peculiar way of

dealing with these and other issues of

adulthood. Honest and unconventional,

occasionally even whimsical, this tragicomedy

from Hungary at times bears some

resemblance to Woody Allen’s movies.

Spielfilm. Ungarn 2014

Sprache Ungarisch mit engl. UT

Länge 96 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Gábor Reisz

Kamera Gábor Reisz

Schnitt Zsófia Tálas

Ton Péter Benjámin Lukács

Musik Lóránt Csorba, Gábor Reisz

Produzenten Júlia Berkes, Miklós Bosnyák

Koproduzentin Viktória Petrány

Darsteller

Áron Szentesi Áron Ferenczik

Miklós Hamza Miklós Horváth

Bálint Győrvári Bálint Győriványi

Tamás Juhász Tamás Owczarek

Roland Roland Lukács

Eszter Juli Jakab

Produktion Proton Cinema

Vertrieb/Kontakt Alpha Violet

Biografie Gábor Reisz

Gábor Reisz wurde 1980 in Budapest geboren. Nach

seinem Studium der Filmtheorie und Filmgeschichte

begann er TV- und Filmregie zu studieren. Bereits

während seiner Studienzeit inszenierte Reisz

zahlreiche Kurzfilme. 2014 schloss er sein Studium

mit For Some Inexplicable Reason ab, der zugleich

seinen Debütfilm darstellt und dessen Premiere im

Rahmen des Wettbewerbsprogrammes East of the

West des Karlovy Vary Film Festivals stattfand. Seitdem

wurde der Film auf mehreren internationalen

Filmfestivals gezeigt und ausgezeichnet.

Filmografie Gábor Reisz

2014 For Some Inexplicable Reason

2011 On a lower level

2009 Somebody’s Something


100 Wettbewerb Promising Debuts

Spielfilm. Russland 2015

Sprache Russisch, Kalmückisch mit engl. UT

Länge 87 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Ella Manzheeva

Kamera Alexander Kuznetsov

Schnitt Sergey Ivanov

Ton Philipp Lamshin

Musik Anton Silayev

Production Design Denis Bauer

Produzenten Elena Glikman, Yaroslav Zhivov

Darsteller

Elza Evgeniya Mandzhieva

Dzhiga Sergey Adianov

Ulan Evgeny Sangadzhiev

Mutter Lyubov Ubushieva

Ledzhin Dmitry Mukeyev

Produktion Telesto Film Company

Vertrieb/Kontakt ANT!PODE Sales & Distribution

Biografie Ella Manzheeva

Ella Manzheeva wurde 1981 in Elista, Kalmückien,

in Russland, geboren. Sie studierte Violine an

einer Musikhochschule und machte 2005 ihren

Abschluss in Tontechnik an der Universität für Film

und Fernsehen in St. Petersburg. Zwei Jahre später

begann sie ein Regiestudium in Moskau. Ihr experimenteller

Kurzfilm Within Her, There's a Steppe aus

dem Jahr 2009 wurde mit zahlreichen Preisen bei

internationalen Festivals ausgezeichnet. 2013 war

Manzheeva Teilnehmerin des Talent Campus der

Berlinale und ihr erster Spielfilm The Gulls war 2015

im Forum der Berlinale zu sehen.

Filmografie Ella Manzheeva

2015 The Gulls

2009 Within Her, There's a Steppe

THE GULLS

Chaiki

Elza lebt in Kalmückien, tief im Süden

Russlands. Die junge Frau würde gerne

ihren gefühlskalten Ehemann, einen

Fischer, verlassen und ihrer patriarchalischen

Welt entfliehen. Zweifel und

Angst vor einer ungewissen Zukunft

lassen die verschlossene Protagonistin

freilich immer wieder zögern. Nach dem

Verschwinden ihres Mannes auf dem

Kaspischen Meer hat sie von einem Tag

auf den anderen die Möglichkeit, ihr ganzes

Leben sowie ihre Wünsche und Sehnsüchte

gründlich zu überdenken. The

Gulls rückt die ebenso faszinierende wie

düstere Seelenlandschaft einer Frau auf

der Suche nach Selbstbestimmung in den

Mittelpunkt. Die selbst aus dieser Region

stammende Regisseurin Ella Manzheeva

arbeitet dabei mit starker Symbolik. So

werden etwa eindrucksvolle Aufnahmen

der trüben eisigen Landschaft, von weiten

Straßen und kargen Innenräumen

zur Visualisierung von Elzas Gefühlswelt

eingesetzt. Die titelgebenden Möwen

stehen demgegenüber wiederum für

Grenzenlosigkeit und Hoffnung. In volkstümlichen

Legenden repräsentieren die

Vögel gar die Seelen toter Fischer. Der

einzige in den letzten 25 Jahren in Kalmückien

gedrehte Film gewährt überdies

auch selten zuvor gesehene Einblicke in

die buddhistisch geprägte und zwischen

Tradition und Moderne pendelnde Lebensweise

der dort lebenden Menschen.

Elza lives in Kalmykia, in the far south of

Russia. The young woman would like to

leave her cold husband, a fisherman, and

escape from her patriarchal world, but

doubts and fear of an unknown future

keep chilling the withdrawn protagonist's

feet. When her husband disappears in the

Caspian Sea, she suddenly has the chance

to reconsider her whole life, all her wishes

and desires thoroughly. The Gulls brings

to fore the fascinating and yet sombre

landscape of a woman who tries to find

herself. Director Ella Manzheeva, who comes

from the region herself, uses strong

symbolism: impressive shots of the gloomy,

icy landscape, open roads and meagre interiors

visualise Elza's feelings, while the gulls

that provide the title represent infinity and

hope. Popular legends even see the birds

as the souls of dead fishermen. The first

film to be shot in Kalmykia for 25 years also

provides rare insights into the Buddhist-influenced

way of life of Kalmykia's people

– between tradition and modernism.


Wettbewerb Promising Debuts 101

Spielfilm. Lettland | Griechenland |

Deutschland 2014

Sprache Lettisch, Russisch mit engl. UT

Länge 98 min.

Format DCP

Farbe

MODRIS

Modris ist gerade mal 17 Jahre alt und

bereits schwer spielsüchtig. Er lebt bei

seiner Mutter, mit der er im Dauerclinch

liegt. Immer wieder stiehlt er ihr Kleingeld.

Die Mutter wirkt zunehmend überfordert.

Als Modris letztendlich mitten

im lettischen Winter den elektrischen

Heizofen versetzt, platzt ihr der Kragen.

Sie meldet ihren Sohn bei der Polizei, weil

sie ihm endlich eine Lektion erteilen will,

die er nicht vergisst. Es folgt eine Bewährungsstrafe,

die tatsächlich positive Auswirkungen

auf Modris‘ Wesen zu haben

scheint. Denn plötzlich verfolgt der bisher

planlos durchs Leben irrende Jugendliche

ein klares Ziel: Er will seinen verschollenen

Vater finden, der angeblich im Gefängnis

sitzt. Juris Kursietis‘ düsteres Drama überzeugt

laut The Hollywood Reporter mit

seinem sozialrealistischen Stil, der ganz in

der Tradition von Ken Loach oder den Dardenne-Brüdern

steht. Hochgelobt wird

auch der Laienschauspieler Kristers Pikša,

der „authentisch die hagere Unbeholfenheit

eines waschechten Jugend lichen mit

dem hartherzigen Augen funkeln eines

jungen De Niro oder Depardieu kombiniert.“

Als Zuseher fühlt man unweigerlich

mit dem scheinbar verlorenen Antihelden,

der sich stets selbst im Weg steht.

Der von einer wahren Geschichte inspirierte

Film wurde in San Sebastián als

bestes Spielfilmdebüt ausgezeichnet.

Modris is just about 17 years old and already

addicted to gambling. He lives with his

mother, with whom he fights all the time.

Again and again he steals cash from her

purse. His mother is almost unable to cope

with him anymore. When Modris pawns the

electric heater in the middle of the Latvian

winter, she has had enough. She reports

her son to the police to finally teach him a

lesson he won't forget. He is sentenced to

probation, which seems to have a positive

impact on Modris' character. For all of a

sudden, the boy lacking in direction until

then starts to pursue a clear goal: he wants

to find his missing father, who allegedly is

doing time in prison. According to the The

Hollywood Reporter, Juris Kursietis' somber

drama is rooted in the social realist tradition

of Ken Loach or the Dardenne brothers.

Amateuer actor Kristers Pikša is highly praised

as well, “combining the authentically

angular awkwardness of a genuine adolescent

with flinty glints of a young De Niro

or Depardieu.” The audience cannot help

feeling empathy with this seemingly lost

anti-hero, who is his own worst enemy.

The film based on a true story won the

best feature debut award in San Sebastián.

Regie und Drehbuch Juris Kursietis

Kamera Bogumil Godfrejów

Schnitt Yorgos Mavropsaridis

Ton Leandros Ntounis

Musik Liga Celma-Kursiete

Produzenten Vicky Miha, Juris Kursietis, Ingmar

Trost

Darsteller

Modris Kristers Pikša

Mutter Rēzija Kalniņa

Baiba Broka

Inese Pudza

Sabine Trumsina

Produktion Red Dot Media, Sutor Kolonko, Boo

Productions

Vertrieb/Kontakt Pluto Film Distribution Network

GmbH

Biografie Juris Kursietis

Juris Kursietis wurde 1983 in Riga geboren. Mit

20 Jahren begann er für das lettische Fernsehen

als Auslandskorrespondent zu arbeiten, wo seine

Beiträge und Kurzdokumentationen zur Hauptsendezeit

gesendet wurden. Nach sechs Jahren

zog es ihn jedoch zum Kino, weshalb er nach Großbritannien

ging, um seinen Master in Filmregie an

der Northern Media School in Sheffield zu machen.

Seit 2008 dreht er für die Produktionsfirma Red

Dot Media Werbespots und Dokumentationen. Im

Jahr 2014 konnte er dort auch sein Spielfilmdebüt

Modris realisieren, das bereits auf internationalen

Festivals wie Toronto und San Sebastián präsentiert

wurde.

Filmografie Juris Kursietis

2014 Modris

2010 Hackers

2009 January 13th

2008 The Escape From Cuba


102 Wettbewerb Promising Debuts

Spielfilm. Deutschland | Tschechien 2014

Sprache Deutsch mit engl. UT

Länge 94 min.

Format DCP

Farbe

Regie Štěpán Altrichter

Drehbuch Jan Fusek, Tomáš Končinský, Štěpán

Altrichter

Kamera Cristian Pîrjol

Schnitt Phillipp Wenning, Andrea Schumacher

Musik Johannes Repka

Ton Christoph de la Chevallerie, Philipp Schneider

Kostüm Ivana Kanhäuser, Elisabeth Weiss

Produzenten Jörg Trentmann, Tomáš Vach, Radim

Procházka, Claudia Schebesta

Darsteller

Julius Schmitke Peter Kurth

Thomas Gruber Johann Jürgens

Julie Helena Dvořáková

Major Potužák Jakub Žáček

Kryšpín Petr Vršek

Anne Schmitke Lana Cooper

Produktion Produkce Radim Prochazka

Vertrieb/Kontakt Produkce Radim Prochazka

Biografie Štěpán Altrichter

Štěpán Altrichter wurde 1981 in Brno geboren

und wuchs in Prag sowie Süddeutschland auf. Von

2002 bis 2005 studierte Altrichter Psychologie und

Philosophie in Berlin und im Anschluss Regie an

der filmArche Berlin, der FAMU Prag sowie an der

HFF in Potsdam-Babelsberg. Dies führte zur Mitarbeit

an Filmprojekten in Deutschland, Tschechien,

Peru, Türkei, China und dem Iran. Schmitke, sein

Abschlussfilm an der HFF, wurde beim Filmfestival

Cottbus mit dem Preis für den besten Debütfilm

ausgezeichnet.

Filmografie Štěpán Altrichter

2014 Schmitke

SCHMITKE

Mit seinen 57 Jahren befindet sich der

Deutsche Julius Schmitke, Ingenieur für

Windkraftanlagen und ein Mann weniger

Worte, gerade mitten in einer Lebenskrise:

Er fühlt sich alt und körperlich war

er auch schon einmal besser beieinander.

Eines Tages werden er und sein Kollege

Thomas ins tschechische Erzgebirge

geschickt. Dort sollen die beiden eine

mysteriös knarzende Turbine reparieren,

die genauso heruntergekommen zu sein

scheint wie Schmitke selbst. Kaum angekommen

werden sie von den Anwohnern

gewarnt – im Wald soll ein Geist namens

„Marzebilla“ wohnen. Und tatsächlich

häufen sich seltsame Geschehnisse, die in

Thomas' plötzlichem Verschwinden ihren

Höhepunkt erreichen. Natürlich versucht

Schmitke der Sache auf den Grund zu

gehen und je länger er sich in den rauen,

nebeligen Wäldern befindet, umso mehr

wird die rätselhafte Expedition auch zu

einer (Rück-)Reise zu sich selbst. Der heiter-ernste

Film ist zwischen Komödie,

Charakterstudie und Mystery angesiedelt

und zeichnet sich nebst anderem durch

seine beeindruckende Bildsprache und

ein grandioses Sounddesign aus. Nicht

weniger lobenswert ist die Darstellung

des Julius Schmitke durch den deutschen

Schauspieler Peter Kurth. Die Produktion

wurde beim Cottbus Film Festival

2014 als bester Debütfilm ausgezeichnet.

At the age of 57, Julius Schmitke, a German

engineer for wind power plants and

a man of few words, finds himself in the

middle of a midlife crisis: he feels old, and

his health has seen better days as well.

One day, he and his colleague Thomas

are sent to the Czech Ore Mountains in

order to repair a mysteriously creaking turbine,

which seems to be as run-down as

Schmitke himself. Hardly arrived, the two

are warned by local residents – rumour

has it that the dark woods are haunted

by a ghost that goes by the name of

“Marzebilla”. And, oddly enough, strange

things occur more and more frequently,

culminating in the sudden disappearance

of Thomas. Needless to say, Schmitke tries

to get to the bottom of the story, starting

his own investigations, but the more time

he spends in the rough and foggy forest,

the more the enigmatic expedition evolves

into a journey of self-discovery. The

cheerful but serious film lies somewhere

between comedy, character study and

mystery, excelling through its impressive

visual imagery and splendid sound design.

No less laudable is the portrayal of Julius

Schmitke by German actor Peter Kurth. The

production won the Best Feature Film Debut

award at the Cottbus Film Festival 2014.


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104 Wettbewerb Promising Debuts

Spielfilm. Türkei | Deutschland 2014

Sprache Türkisch mit engl. UT

Länge 97 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Kaan Müjdeci

Kamera Armin Dierolf, Martin Hogsnes Solvang

Schnitt Yorgos Mavropsaridis

Ton Cevdet Erek, Leandros Ntounis, Samet Yılmaz

Musik Cevdet Erek

Produzent Nazlı Kilerci, Yasin Müjdeci, Kaan

Müjdeci

SIVAS

Darsteller

Aslan Doğan İzci

Hasan Hasan Özdemir

Ayşe Ezgi Ergin

Osman Furkan Uyar

Şahin Ozan Çelik

Produktion Coloured Giraffes

Vertrieb/Kontakt Coloured Giraffes

Biografie Kaan Müjdeci

Der in Ankara geborene Kaan Müjdeci zog 2003

nach Berlin, um dort Filmregie zu studieren. Er wurde

jedoch von der Deutschen Film- und Fernsehakademie

Berlin nicht aufgenommen. Daraufhin

eröffnete er ein illegales Open Air-Kino, eine Bar

und schließlich eine Modegeschäft in Berlin-Kreuzberg.

Das Filmemachen hat er aber nicht aufgegeben.

Sein Kurzfilm Tag der Deutschen Einheit wurde

2010 von einigen TV-Sendern gekauft. Jerry, sein

Abschlussfilm eines Workshops der New York Film

Academy, ermöglichte ihm 2011 die Teilnahme am

Berlinale Talent Campus. Danach folgte die Dokumentation

Fathers and Sons, die als Basis seines

ersten langen Spielfilms Sivas diente. Mit Sivas gewann

er neben zahlreichen anderen Preisen 2014

auch im Wettbewerb von Venedig den Spezialpreis

der Jury.

Filmografie Kaan Müjdeci

2014 Sivas

2012 Fathers and Sons

2011 Jerry

2010 Tag der Deutschen Einheit

Der elfjährige Aslan findet den zum Sterben

zurückgelassenen Hirtenhund Sivas

und rettet ihn. Was zunächst als rührende

Freundschaft beginnt, entfernt sich aber

bald von einer typischen Lassie-Geschichte.

Aslan wird nämlich von seinem Bruder

und Nachbarn dazu gedrängt, Sivas bei

brutalen und illegalen Hundekämpfen in

den Ring zu schicken. Was sein Ansehen

im Dorf zwar steigert, aber den Buben

zugleich auch immer härter und egoistischer

werden lässt. Und dann ist da

noch sein Schwarm Ayşe, auf die Osman,

der Sohn des Dorfoberhaupts, ebenfalls

ein Auge geworfen hat. Der Wettkampf

zwischen den präpubertären Buben um

die Rolle des Prinzen im Theaterstück

Schneewittchen sorgt zusätzlich für Zündstoff

und bald schaffen es die beiden Widersacher,

das ohnehin schon ungewöhnlich

lebhafte Dorfleben völlig auf den

Kopf zu stellen. Sivas ist eine packende

Coming-of-Age-Geschichte, aber zugleich

auch eine intensive Auseinandersetzung

mit dem rauen, ostanatolischen Landleben

und der dortigen Männerwelt. Das

Drama, das aufgrund der aus gedehn ten,

un ge schönten Landschafts aufnahmen

zu dem auf visueller Ebene vollends überzeugen

kann und durch die Schauspielleistung

des Hauptdarstellers besticht,

wurde nicht umsonst 2014 in Venedig mit

dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Eleven-year-old Aslan finds – and saves –

Sivas, an Anatolian shepherd dog left to

die. Starting off as a moving tale of friendship,

the feature soon evolves into anything

but a typical Lassie story: his brother and

neighbours pressure Aslan into making

Sivas participate in brutal and illegal

dogfights. While increasing his prestige

among villagers, the dogfights also toughen

the boy and render him more and

more selfish. And then there is Ayşe, his

crush, but Osman, the village chief's son,

likes her as well. When the pre-pubescent

boys compete for the role of the Prince

in a theatrical production of Snow White,

this adds further fuel to the fight, and soon

the enemies turn upside down the village’s

already unusually vivid life. Sivas is not

only a captivating coming-of-age story but

also an intensive portrait of Eastern Anatolia's

harsh rural life and its "men's world".

It is thus not surprising that the drama

is convincing in visual terms – with long,

unadorned shots of the landscape. The lead

actor's performance in particular impresses

audiences as well. The 2014 Special Jury

Price in Venice was therefore well deserved.

ple – between tradition and modernism.


Wettbewerb Promising Debuts 105

ZERO POINT

Nullpunkt

In der Hoffnung auf eine positive Zukunft

wechselt Johannes auf eine Eliteschule

in der Stadt. Doch entgegen seines

Traums von sozialem Aufstieg kommt

der ebenso sensible wie rastlose Jugendliche

auch dort schnell unter die Räder.

Seine Mitschüler üben immer stärker

psychische Gewalt auf ihn aus und lassen

ihn von Anfang an wissen, wo ihrer

Überzeugung nach sein Platz in der Hierarchie

ist, nämlich ganz unten. Niedergeschlagen

und entmutigt wendet sich

der Jugendliche wieder seinem alten

Freundeskreis zu, der aus partywütigen

und drogenabhängigen Kleinkriminellen

besteht. Besserung ist keine in Sicht:

Der ohnehin schon große Druck auf den

Schultern des Burschen wird durch die

wachsende Schizophrenie der Mutter, die

der ganzen Familie allmählich den Schlaf

raubt, beinahe unerträglich. Johannes’

Leben geht weiter und weiter bergab

und plötzlich findet er sich blutüberströmt

auf einem Balkon und auf dem

absoluten Nullpunkt wieder. Basierend

auf dem halb-autobiographischen estnischen

Bestseller von Margus Karu bringt

der Regisseur Mihkel Ulk ein fesselndes

Drama auf die Leinwand. Er zeigt eine

grausame Welt, in der massives Mobbing

unter Jugendlichen zum Alltag gehört

und zu Anpassungsstörungen, geringem

Selbstwertgefühl und der verzweifelten

Suche nach Anerkennung führt.

Hoping for a positive future, Johannes

transfers to an elite school in the city.

However, the sensitive and restless boy's

dream of social advancement soon gets

crushed there. The other kids at his new

school become more and more violent

towards him and make sure he knows

from his very first day where they think his

place in the hierarchy is – at the bottom.

Depressed and discouraged, the teenager

turns back to his old friends, a bunch of

partying, drug-addicted, petty criminals.

There are no pro spects of improvement.

His mother's wor sen ing schizophrenia,

which gives the whole family sleepless

nights, r enders the already immense pressure

on the boy almost unbearable. Johannes'

life continues steadily downhill until

he suddenly finds himself covered in blood

on a balcony and at the absolute zero

point. Based on Margus Karu's semi-autobiographical

and bestselling Estonian

novel, director Mihkel Ulk has created a

compelling drama. He shows a cruel world

where extreme mobbing among adolescents

is part of everyday life and leads

to adjustment disorders, low self- esteem

and a desperate search for approval..

Spielfilm. Estland 2014

Sprache Estnisch mit engl. UT

Länge 114 min.

Format DCP

Farbe

Regie Mihkel Ulk

Drehbuch Margit Keerdo-Dawson

Kamera Mihkel Soe

Schnitt Margo Siimon, Hendrik Mägar

Ton Ranno Tislar, Valter Jakovlev

Musik Janek Murd

Produzent Evelin Soosaar-Penttilä

Darsteller

Johannes Märt Pius

Ema Epp Eespäev

Bianka Saara Kadak

Liisa Linda Kolde

Esko Hendrik Kalmet

Produktion Allfilm

Vertrieb/Kontakt Allfilm

Biografie Mihkel Ulk

Mihkel Ulk wurde 1983 in der estnischen Stadt

Viljandi geboren. Im Jahr 2006 schloss er das Bachelorstudium

Filmwissenschaft an der Universität

in Tallinn mit Auszeichnung ab und absolvierte

im Anschluss daran den Masterstudiengang Filmregie

an der Baltischen Film- und Medienschule.

Danach inszenierte Ulk vor allem Werbespots sowie

Kurz- und Dokumentarfilme und war für das estnische

Fernsehen tätig. Seine Kurzfilme Heart Affairs

(2007) und Piggy (2009) wurden bei Filmfestivals in

Estland, Lettland, Russland und Tschechien präsentiert.

Zero Point ist Mihkel Ulks Spielfilmdebüt.

Filmografie Mihkel Ulk (Auswahl)

2014 Zero Point

2009 Piggy

2007 Heart Affairs


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KURZFILM-

WETTBEWERB

Short Film Competition

Arash und Arman T. Riahi

Kuratoren für den Kurzfilm-Wettbewerb

Curators of the Short Film Competition

FOTO: JÖRG BURGER

FOTO: PRIVAT

All you need is wirklich love. Love will conquer all, ich schwöre. Love is in the air, glaub’

ma! Du siehst es am Bahnhof. Du spürst es am Grenzübergang. Du siehst es in deinem

Facebook-Stream und der Twitter-Vogel zwitschert es alle dreißig Sekunden von deinem

Tweetdeck herunter. Liebesbekundungen wohin das Auge sieht, alle liegen sich

in den Armen: Wiener, Flüchtlinge, HC Strache und Ursula Stenzel, Obama und Rohani!

Make love, not war. Doch von Beatles und Hippies und Flower Power und Jeder-liebt-Jeden-Mentalität

ist keine Spur. Im Gegenteil. Die Stimmung ist angespannt. Und die Blicke

verdunkeln sich. Denn du spürst die Liebe nur, weil du sie suchst. Du suchst nach ihr, weil

du sie brauchst in Zeiten wie diesen. Sie ist alles was du brauchst – vor allem in Zeiten wie

diesen. Wir suchen nach ihr und greifen blind überall dorthin, wo wir denken, sie ertasten

zu können, vor allem dann, wenn wir das Gefühl haben, dass um uns herum die Liebe

verschwindet. Wie in den ghost circles bei Jeff Smith verschwindet die Liebe und alles um

uns herum wird vom Nichts verschluckt. Doch wir haben uns an die Filmauswahl dieses

Jahres herangetastet und die Liebe gefunden. Die Liebe, die in den Charakteren der

Geschichten steckt, mit denen wir mitfiebern. Die Liebe, die in der behutsamen Arbeit

an den Drehbüchern der Kurzfilme zum Vorschein kommt. Und schließlich die Liebe, die

man als Publikum dann spürt, wenn man plötzlich seine eigenen Probleme, seine eigenen

Zweifel und Ängste dort auf der Leinwand vorgeführt bekommt. Eines ist nämlich sicher.

Love is zwar all you need – aber manchmal braucht man halt doch noch einen guten

Film. Und solche gibt’s beim diesjährigen LET’S CEE Film Festival an Hülle und Fülle – die

Auswahl ist uns wieder sehr schwer gefallen. Beinahe 500 Produktionen wurden eingereicht,

die elf besten werden im Wettbewerb gezeigt. Eine ganze Reihe weiterer hervorragender

Arbeiten wird – wie schon letztes Jahr – Out of Competition und in anderen

Sektionen gezeigt werden. Durch alle diesjährigen Wettbewerbsbeiträge zieht sich der

gemeinsame Drang nach einem menschlichen, einem gerechten und glücklichen Dasein,

in dem vor allem diese eine Sache im Überfluss vorhanden ist... (all you need is) love.

All you really need is love. Love will conquer all, I swear. Love is in the air, trust me! You see it

at the train station. You feel it at the border. You notice it in your Facebook stream and

with the Twitter bird tweeting it every 30 seconds from your TweetDeck. Declarations

of love are around every corner, with everyone in one another’s arms: the Viennese,

refugees, HC Strache and Ursula Stenzel, Obama and Rohani! Make love, not war. But

there is no sign of the Beatles, hippies, flower power or the mindset of universal love.

Quite the contrary. The mood is tense. Looks darken. For you only feel love when you

are looking for it. You search for it because you need it in times like these. Love is all you

ask for – especially in times like these. We look for love, grasping blindly everywhere

we think it might be hiding. Particularly, when we feel love disappearing everywhere

around us. As in Ghost Circles by Jeff Smith, love vanishes and everything around us is

sucked into a void. However, in approaching this year’s film selections, we did find love.

The love that lies in the characters of the stories we watch, with which we resonate.

Love emerging from the meticulous work on the screenplays of short films. And lastly,

the love you feel, sitting in the cinema, when all of a sudden your problems, your

doubts and your fears are portrayed on screen. Because one thing is sure: Love might

be all you need, but sometimes you still just simply crave a great film. And a huge abundance

of good films is what the LET’S CEE Film Festival offers this autumn. Believe it

or not, selection was not easy. Of almost 500 submissions, the 11 best will be shown in

competition. A whole range of other outstanding works will also be screened – outside

the competition and within different thematic sections – as was done in previous

years of the Festival. What all the shorts have in common is the desire for a human, fair

and happy existence not at all lacking in that one special thing... (All you need is) love.

Kurzfilm-Wettbewerb 107


Block 1 Block 1 Block 1 Block 1

Sasha Not Today (Davay ne syogodni) Saudade Creatures (Kreatury)

RUS/GER 2015 | 23 min. Sprache: Russisch mit engl.

UT. Regie: Taisia Deeva

UKR 2014 | 19 min. Sprache: Ukrainisch mit engl. UT.

Regie: Christina Sivolap

HUN 2014 | 10 min. Sprache: Ungarisch mit engl. UT.

Regie: Gyöngyi Fazekas

POL 2015 | 10 min. Sprache: Ohne Dialog.

Regie: Tessa Moult-Milewska

Irgendwo in Russland, eine Geschichte, wie sie überall

passieren könnte: Das 10-jährige Mädchen Sasha, das

normalerweise bei der Mutter lebt, wird von ihrem Vater

abgeholt. Die Eltern begrüßen einander nicht und das

Scheidungskind wird wie ein Paket von A nach B gereicht.

Es ist der Geburtstag des Vaters. Schon auf dem

Weg zum idyllischen Picknick mit Freunden und der

neuen Flamme des Vaters ist die Stimmung angespannt.

Im schnellen Motorboot will er der Tochter imponieren.

Die beiden scheinen sich näher zu kommen, ihr fragiles

Verhältnis wird jedoch bald wieder erschüttert und

die Geburtstagsfeier gerät zum Fiasko. Die georgische

Regisseurin Taisia Deeva seziert in Sasha Formen

patriarchaler Maskulinität, unter denen Sasha, deren

Weltbild immer mehr zerstört wird, sehr zu leiden hat.

Ein altes Ehepaar richtet sich schön her. Im Wohnzimmer

der adretten Altbauwohnung legen sich

die beiden in zwei Särge – bereit, gemeinsam aus

dem Leben zu scheiden. Doch das Telefon des Mannes

klingelt. Er überzeugt seine Partnerin, noch ein

letztes Mal mit Freunden Domino zu spielen. Und verspricht

ihr, dass sie schon bald sterben werden. Doch

auch da: Abermals findet der Herr eine Ausrede. Das

Ableben des sympathischen Pärchens wird wieder

und wieder verschoben. Weil es trotz hohen Alters ja

noch viel zu erleben gibt. Die Filmemacherin Christina

Sivolap wählt einen ungewohnt heiteren Tonfall im

Umgang mit dem oftmals in endloser Tragik verarbeiteten

Thema Sterben. Letzten Endes ist es jedenfalls

gut zu wissen, dass der Tod nicht alles im Leben ist.

Kamilla und Cili sind Schwestern und führen jeweils

ihr eigenes Leben. Saudade zeigt ein Skype-Gespräch

zwischen den beiden. Kamilla räumt gerade das

Elternhaus aus. Und während Cili offenbar keinerlei

Bindung zu den Objekten der Kindheit, wie etwa

einer Schaukel, empfindet, hängt Kamilla emotional

immer noch sehr daran. Sie hat wenig Verständnis für

das Desinteresse ihrer Schwester an der gemeinsamen

Vergangenheit. Skype wird so zum digitalen Ort

von Kamillas „Saudade“. Das portugiesische Wort ist

nur schwer zu übersetzen und steht in etwa für ein

Gefühl des melancholischen Weltschmerzes, für eine

unstillbare Wehmut und Sehnsucht. In seiner türkischen

Variante des „Hüzüns“ wurde es übrigens von

Orhan Pamuk literarisch phänomenal beschrieben.

Seine buckelige Physis erinnert an einen archetypischen

Totengräber aus einem Westernfilm, ihre

Haare sind eine Reminiszenz an Medusa. Liebevoll

füttert er ihre gierigen Schlangen mit einer lebenden

Fliege. In diesem skurril-liebevollen Animationsfilm

lernen wir ein glückliches Liebespaar kennen – bei

dem freilich beide an Monster erinnern. Ein gemeinsamer

Spaziergang in der Stadt offenbart, dass sie

das Gespött der Bevölkerung sind. Hunde bellen sie

an, Kinder lachen sie aus und sie werden mit Steinen

beworfen. Für Außenseiter ist hier offenbar absolut

kein Platz, vor allem nicht für ein Außenseiterpärchen.

Ist Anpassung vielleicht die Lösung? Sie verkleiden

sich, um nicht aufzufallen, doch im Kaschieren

ihrer Identitäten finden sie nur weiteres Unglück.

Somewhere in Russia: 10-year-old Sasha, who is

living with her mother, is picked up by her father. Her

divorced parents ignore each other and the child is

handed over from A to B like a parcel. It is her father's

birthday, and they are on their way to a picnic with friends

and the new love interest of her father, but the

atmosphere is tense. He takes his daughter on a speedboat

ride to impress her. Gradually, the two seem to get

closer to each other, but soon their relationship is shaken

again, and the birthday party turns into a disaster.

In Sasha, director Taisia Deeva dissects the manifestations

of patriarchal masculinity that increasingly trouble

Sasha, whose view of the world is finally shattered.

An elderly married couple decides to dress up nicely

and lay down in two coffins in their living room –

ready to leave this world. But suddenly the husband's

mobile rings. He persuades his wife to play domino

with their friends one last time, and he promises her

that they will die soon. But then again, he finds an

excuse for them not to die yet. Over and over again,

the death of the nice couple is delayed. After all

there is still so much left to experience. Ukrainian

filmmaker Christina Sivolap has found an unusually

humorous way to handle the topic of death, which

is often dealt with in endless tragedy. Ultimately, it

is good to know that dying is not everything in life.

Kamilla and Cili are sisters living separate lives. Saudade

shows a Skype conversation between the two

of them. While Cili seems to feel no attachment to

any objects from their childhood, such as a swing set,

Kamilla is emotionally still much attached to them. She

is quite unsympathetic to her sister's lack of interest in

their joint past. Skype thus becomes a digital place for

Kamilla to live out her “Saudade”. The Portuguese term

is difficult to translate and describes a deep emotional

state of nostalgic or profound melancholic longing for

an absent something or someone that one loves. By

the way, Orhan Pamuk described its Turkish version called

“Hüzün” in a marvellous book.

The hunchbacked man looks like an archetypal

gravedigger of a Western movie, the woman’s hair is

reminiscent of Medusa. He feeds her voracious snakes

lovingly with a living fly. In this bizarre yet affectionate

animated film we meet a happy loving couple –

both of whom, however, seem like monsters to us. On

their walk through the town it becomes obvious that

they are the laughing stock of the people, with dogs

barking at them and children laughing at them. There

is no room here for misfits, especially not for a couple

of them. Could adaptation be the solution? They dress

up in order not to attract attention, but in concealing

their identities, more bad things happen to them.

108 Kurzfilm-Wettbewerb


Block 1 Block 1 Block 2

The Translator (Çevirmen) The Same Blood Life with Herman H. Rott (Elu Herman H. Rott'iga)

TUR 2014 | 23 min. Sprache: Kurdisch, Türkisch mit engl. UT.

Regie: Emre Kayiş

Der 13-jährige Syrer Yusuf arbeitet im Steinbruch einer türkischen

Grenzstadt. Weil er zwei Sprachen spricht, bezeichnen ihn die einen

als Araber, die anderen als Türken. Sein Arbeitsalltag ist monoton, für

Kindheit bleibt nur wenig Zeit. Doch dann erwachen jugendliche

Liebesgefühle: Wenige Blicke reichen aus, um zu zeigen, dass er in das

syrische Mädchen Amina verliebt ist. Tatsächlich wird ein Treffen ausgemacht.

Yusuf bereitet sich auf sein Date vor. Doch dort angekommen,

soll er bloß zwischen Amina und einem Verehrer übersetzen. Ohne

zu zeigen, wie sehr es ihn verletzt, folgt er der Bitte Aminas. Doch seine

Sprachkenntnisse nutzt er bald als Machtinstrument. Er manipuliert

die Annäherung zweier Verliebter. Die Einsamkeit ist vorprogrammiert.

Yusuf, a thirteen-year-old Syrian boy, works at a quarry in a Turkish border

town. As he is bilingual, he is considered an Arab by some people, while

others refer to him as a Turk. His everyday work is monotonous; there is

only little time for being a child. But then, all of a sudden, adolescent

feelings of love awaken in him: a few glances are enough for him to know

that he is in love with Amina, a Syrian girl. Indeed, a meeting is arranged.

Yusuf prepares for his date. However, when he arrives at his date, he is just

supposed to translate between Amina and an admirer of hers. Without

showing the extent of his pain, he obliges Amina's request. Yet, soon

he uses his language skills as an instrument of power, manipulating the

two lovers who want to get to know each other. Loneliness is inevitable.

BLR 2015 | 15 min. Sprache: Russisch mit engl. UT.

Regie: Mitry Semenov-Aleinikov

Nach dem gewaltsamen Aufeinanderprallen von Demonstranten und Polizei

rettet sich ein junger Mann in die Wohnung seines Bruders. Er blutet

stark, aber seine Wut und sein Hass sind ungebrochen. Gegen wen er

eigentlich protestieren würde, fragt der ältere, ein wenig spießig wirkende

Bruder. „Gegen das System“ lautet die Antwort. Die Mutter kommt zu

Besuch. Es wird gescherzt und gelacht, bis schließlich die Polizei anklopft

und den Verletzten auf Grund dessen gewaltsamen Vorgehens im Rahmen

illegaler Proteste verhaften möchte. Der Film nimmt niemals (vor)

urteilende Haltungen ein, auch nicht gegenüber den brutal vorgehenden

Polizisten. The Same Blood zeigt, dass auch im politischen Protest

der Einsatz von Gewalt praktisch immer in einem Teufelskreis endet.

After a violent clash between protesters and the police, a young man

escapes to his brother's apartment. Although bleeding profusely, his rage

and hatred remain undaunted. When asked by his older brother, who

seems a bit narrow-minded, whom he was protesting against, he replies,

“Against the system”. Their caring mother comes to see them, and there

is a lot of joking and laughter, until finally the police knocks at the door,

wanting to arrest the injured younger brother for his violent actions committed

during the illegal protests. The film never shows any bias nor does

it judge, not even when it comes to the brutally violent police officers. The

Same Blood by director Mitry Semenov-Aleinikov demonstrates that the

use of violence, also in political protests, always ends up in a vicious circle.

EST/CRO/DEN 2015 | 11 min. Sprache: Ohne Dialog

Regie: Chintis Lundgren

Herman ist eine Ratte. Er sandelt herum, säuft und kotzt sich durchs

Leben. Als er ganz unten angelangt ist, erblickt ihn eine Katze, die spontan

beschließt, bei ihm einzuziehen und sein Leben in Ordnung zu

bringen. In einem ersten Schritt ersetzt sie seine Metal Sounds aus dem

Plattenspieler durch klassische Musik – und wird daraufhin von Herman

hochkant rausgeworfen. Doch sie gibt nicht auf, kommt wieder und

statt Rotwein gibt es am nächsten Morgen frischen Espresso. Auch die

Wohnung wird bis zur Unkenntlichkeit verschönert. Dass all das zu Konflikten

führt, ist gleichsam vorprogrammiert. Chintis Lundgrens mehrfach

preisgekrönter Katz’-und-Ratte-Animationsfilm beweist, dass sich

Gegensätze anziehen. Und dass kein Alkohol auch keine Lösung ist.

Herman is a rat. He prowls the streets, drinks and pukes his way through

life. One day when he has hit rock bottom, he attracts the attention of a

cat that spontaneously decides to move in with him and help him straighten

out his life. In a first step, the cat replaces Herman's metal sounds

from the record player by classical music – only to be kicked out of the

house by Herman H. Rott. But the cat doesn't give up and reappears the

next morning, serving fresh espresso instead of red wine. The apartment,

too, is tidied up beyond recognition. It is inevitable that all this leads to

further conflict. Chintis Lundgren’s animated and very entertaining catand-rat

film from Estonia about opposites attracting each other has

won several awards. It also shows that no alcohol is no solution either.

Kurzfilm-Wettbewerb 109


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Block 2 Block 2 Block 2 Block 2

LARP Ischler Mom's Calling (Maika mi calling) Bright Future My Love

POL 2014 | 28 min. Sprache: Polnisch mit engl. UT.

Regie: Kordian Kądziela

HUN 2014 | 17 min. Sprache: Ungarisch mit engl. UT.

Regie: Attila Hartung

BUL 2015 | 25 min. Sprache: Bulgarisch mit engl. UT.

Regie: Deyan Bararev

SRB 2014 | 30 min. Sprache: Ohne Dialog.

Regie: Marko Žunić

Ritter schleichen durch einen dunklen Wald und

werden von einer feindlichen Truppe angegriffen.

Es kommt zu einem brutalen Kampf. Da donnert ein

Schnellzug vorbei. Schnell wird klar: Wir sind hier in

einem LARP – Live Action Role Playing Game. Der

17-jährige Sergiusz geht in diesem Spiel besonders

auf. Während er sich zu Hause unverstanden fühlt

und von seinem Vater für sein Hobby verachtet wird,

darf er hier den Helden spielen. Erst das Kostüm sorgt

für eine Haut, in der er sich wohlfühlt. Als seine heroischen

Taten in der Fantasiewelt Teil seiner wirklichen

Existenz werden, erwartet man einen Befreiungsschlag.

Doch der Alltag gehorcht anderen Gesetzen.

Kordian Kądziela erzählt von der (Un)Möglichkeit, in

einer patriarchalen Familie der Realität zu entfliehen.

Ungarn im Zweiten Weltkrieg: Drei jüdische Schwestern

leben bei einem Arzt in dessen Wohnung. Sie

essen, lachen, rezitieren Gedichte. Da taucht ein

Parteifunktionär der antisemitischen Pfeilkreuzler auf.

Der Arzt beweist Mut. Er versteckt die drei Frauen,

während er den unangekündigten Besuch untersucht.

In jeder Gestik des Hauptdarstellers Tibor Szervét

offenbart sich Unsicherheit und Angst. Indem

er die Frauen schützt, riskiert er sein eigenes Leben.

Doch Liebe hat in dieser Welt keinen Platz und der

heroische Humanist offenbart sich letztlich als Bestie.

Attila Hartungs nervenaufreibendes und beklemmendes

Kammerspiel erzählt von Dynamiken der

Macht und Ohnmacht innerhalb eines faschistischen

Alltags. Am Ende bleibt doch nur die Vernichtung.

Die Brüder Andrey und Philip sitzen auf einem Dach.

Sie trinken Wodka und scherzen. Die Mutter, zu der

beide schon längere Zeit keinen Kontakt haben, ruft

an, doch Philip, der jüngere Bruder, hebt nicht ab.

Kurz darauf ist er verschwunden. Andrey sucht ihn,

findet aber nur dessen Handy. Auf den Spuren des

Bruders durchquert er eine Stadt, die bei Dunkelheit

noch trostloser erscheint als bei Tag. Ständige Anrufe

der besorgten Mutter begleiten ihn auf seinem aussichtslos

scheinenden Weg. Doch abzuheben, das

bringt Andrey einfach nicht übers Herz. Ein intelligent

erzähltes und spannungsgeladenes Drama,

das vom Verlust geliebter Menschen erzählt, von

aufopferungsvoller Bruderliebe sowie von zwei Söhnen,

die sich gegen die Zuneigung der Mutter sträuben.

Ein Mann sitzt in seiner abgefuckten Wohnung und

schaut sich einen Film an. Nachdem er sich satt gegessen

hat, bricht er auf. Durch einen endlos wirkenden

Gang und vorbei an Häusern, die an Kriegsfotografien

erinnern. Er steigt in einen Zug. Und irrt danach

zu Fuß weiter durch eine düstere, dystopische Welt.

Hat er überhaupt ein Ziel? Schließlich trifft er auf eine

Frau. Die titelgebende strahlende Zukunft ist nirgendwo

zu erkennen, aber vielleicht doch so etwas

wie Liebe? Marko Žunić‘ wortlose Poesie verschreibt

sich strikt der surrealistischen Tradition. Manches

erinnert dabei auch an die Filme von Dziga Vertov,

dazwischen gibt es Referenzen an David Lynch. Der

kinematographische Sog, den die experimentellen

Schwarz-Weiß-Bilder entfalten, ist beeindruckend.

Knights sneaking through a dark forest are attacked

by enemy forces. The fight is brutal. All of a sudden, an

express train thunders past. Quickly it becomes clear

that we are in a LARP – a live-action role-playing game.

17-year-old Sergiusz is completely wrapped up in the

game. Feeling misunderstood at home, with his father

showing nothing but contempt for his hobby, he enjoys

being a hero in the game. His costume provides for

a skin he is comfortable in. When his heroic deeds in the

imaginary world become part of his real life, you would

expect an act of emancipation. But everyday life follows

different rules. Kordian Kądziela tells us about the (im)

possibility to escape from reality in a patriarchal family.

Hungary during World War II: three Jewish sisters are

living with a physician in his apartment. One day a party

official of the anti-Semitic Arrow Cross Party shows up

at the apartment. The doctor displays courage and hides

the three women while examining the unannounced

visitor. Every gesture of the leading actor reveals

insecurity and fear. By protecting the women he puts

his own life at risk. However, there is no room for love in

this world, obviously, and the heroic humanist turns out

to be a beast after all. Attila Hartungs nerve-wracking

chamber drama tells a story of the dynamics of power

and powerlessness in everyday life under a fascist regime.

What remains in the end is nothing but annihilation.

Two brothers sit on a roof, drinking vodka and joking

around. When their mother, who hasn't been in contact

with her sons for some time, calls, Philip, the younger

brother, refuses to pick up the phone. Soon afterwards

he disappears. Andrey goes looking for him, but

only finds his mobile. Trailing his brother, he crosses a

city that seems even more desolate in the night than

by day. While on his seemingly futile search, his mother

calls again and again, but Andrey does not have

the heart to pick up the phone. An intelligently told

drama that tells a story of lost loved ones, of self-sacrificing

love between brothers and of two sons struggling

against their mother's love.

A man sits in his rundown apartment. After he has

eaten his fill, he leaves. Through a seemingly never-ending

corridor, past houses which are reminiscent of

war photography. He boards a train. Keeps on straying

by foot through a dark, dystopian world. Does

he even have a destination? Eventually, he meets a

woman. The eponymous Bright Future is nowhere to

be seen, but maybe something like love? The nonverbal

poetry is strictly committed to a surrealistic

tradition. Some things remind of the films of Dziga

Vertov, in between, there are references to David

Lynch. The cinematographic pull, which these experimental

monochrome pictures develop, is astonishing.

Kurzfilm-Wettbewerb 111


112 Antikriegsfilm-Retrospektive

Sally Perel

Salomon „Sally“ Perel wurde 1925 im niedersächsischen Peine geboren

und emigrierte 1938 mit seiner Familie nach Łódź. Nach dem Einmarsch

der deutschen Truppen in Polen floh er mit seinem Bruder nach Russland,

wo er später in die Hände der Wehrmacht fiel. Den sicheren Tod vor Augen,

erklärte er: „Ich bin Volksdeutscher.“ So wurde Salomon Perel zu Josef

„Jupp“ Perjell. Das Buch Ich war Hitlerjunge Salomon ist Sally Perels Autobiographie.

Aus der Distanz von mehr als vierzig Jahren hat er darin versucht,

die dramatischen Ereignisse seiner frühen Jugendzeit zu reflektieren und

zu bewerten. Er schildert seine aberwitzigen Erlebnisse und legt Gedanken

und Gefühle offen, beschreibt seine Zerrissenheit sowie den inneren Kampf

mit dem Hitlerjungen Jupp, zu dem er wirklich geworden war. Heute sieht

Sally Perel seine Aufgabe vor allem darin, seine Erfahrungen an junge Menschen

weiterzugeben. Lesungen und Veranstaltungen mit dem Zeitzeugen

sind Erlebnisse, die sich nicht in Geschichtsbüchern finden lassen und Jung

wie Alt in ihren Bann ziehen.

Salomon "Sally" Perel was born in 1925 in Peine (Lower Saxony). In 1938, he

emigrated with his family to Łódź. After the invasion of Poland by German

troops, Perel fled to Russia with his brother, where he later fell into the hands

of the German Armed Forces (Wehrmacht). With certain death in front of

his eyes, he explained: "I am an ethnic German." And this way, Solomon Perel

became Josef "Jupp" Perjell. The book I was Hitler Youth Salomon is Sally

Perel’s autobiography. From a distance of more than forty years, he tried to

reflect and evaluate the dramatic events of his early youth. Perel describes

his ludicrous adventures and shows his thoughts and feelings openly, while

describing his inner conflicts and the struggle with the Hitler youngster

Jupp, which he had become. Today, Sally Perel sees as his main task to pass

on his experience to young people. Readings and events with the contemporary

witness Sally Perel are an experience that cannot be found in history

books and that will draw the attention of both young and old generations.

ANTIKRIEGSFILM-

RETROSPEKTIVE

Anti-War Movie Retrospective

2015 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Eine Antikriegsfilm-Retrospektive

soll daran erinnern. Passend zum Schwerpunkt wird Agnieszka Hollands Meisterwerk

Europa, Europa 25 Jahre nach der Weltpremiere nochmals präsentiert. Sally Perel, dessen

bewegende Überlebensgeschichte Ich war Hitlerjunge Salomon die Vorlage zum Film lieferte,

wird dabei im Rahmen des LET’S CEE Schulkinos Rede und Antwort stehen. Am 6. Oktober

um 19.30 Uhr wird der Zeitzeuge zudem mit dem Publizisten und Historiker Peter Huemer

in Kooperation mit und beim Aktionsradius Wien (Gaußplatz 11, 1200 Wien) über sein Leben

sprechen; der Eintritt zu dieser Diskussion ist frei. Ebenfalls in dieser Reihe zu sehen: Der in der

Sowjetunion 1987 gedrehte und nach Meinung vieler Kritiker vielleicht beste Kriegsfilm aller

Zeiten Come And See sowie das packende Drama 1944 aus Estland, das dieser Tage von der baltischen

Republik als Oscar-Kandidat für den besten fremdsprachigen Film nominiert worden ist.

2015, and the 70th anniversary of the end of World War II, will be marked with the screening

of an anti-war film that recalls that end. Agnieszka Holland’s masterpiece Europa, Europa

will be presented again, 25 years after its world premiere. The movie is based on the moving

survival story Ich war Hitlerjunge Salomon (I Was Hitler Youth Salomon) by Sally Perel,

who will be on hand to answer questions as part of the LET'S CEE School Cinema. Additionally,

on 6th October at 7.30 pm, Mr Perel will speak about his life, with the publicist

and historian Peter Huemer, in conjunction with Aktionsradius Wien (Gaußplatz 11, 1200

Vienna). Admission to this discussion is free. The series is complemented by two further

films: Come And See, shot in the Soviet Union in 1987, and according to many critics the

best war film ever made. Then there’s 1944, a thrilling drama, which has been nominated

by Estonia for an ‘Oscar’ Academy Award in the Best Foreign Language Film category.


Antikriegsfilm-Retrospektive 113

EUROPA, EUROPA

Hitlerjunge Salomon

Salomon „Sally“ Perel ist Jude und in

Deutschland aufgewachsen. 1938 muss

der 14-Jährige mit seiner Familie nach

Łódź fliehen. Als die Nazis im Jahr darauf

Polen überfallen, wird es erneut zu

gefährlich für ihn. Seine Eltern schicken

ihn weiter nach Osten, in den russisch

besetzten Teil des Landes, wo er in einem

Waisenhaus landet. Da er dort dennoch

Soldaten der Wehrmacht in die Hände

fällt, gibt er sich geistesgegenwärtig als

von den Bolschewiken verschleppter

Volksdeutscher aus. Jupp, wie Sally jetzt

gerufen wird, arbeitet von nun an als

Hilfsübersetzer für die Armee. Und wird

schnell zum Günstling seiner Vorgesetzten.

Seine lebensgefährliche Odyssee ist

damit aber noch lange nicht zu Ende.

Auf der Film-Website Rotten Tomatoes

hat Europa, Europa seitens der Fachkritiker

die Höchstnote bekommen und auch

die Bewertung der Zuschauer ist mit 91

Prozent Zustimmung sehr positiv. Der

Befund der New York Times war ebenfalls

eindeutig: „Es gibt sehr viele Filme über

die tragischen Erfahrungen der Juden

während des Zweiten Weltkriegs, aber

nur eine Handvoll, die so leidenschaftlich,

so subtil intelligent und so universell sind

wie dieser”. Der Mann, der historisches

Vorbild für die Figur von Hitlerjunge Salomon

war, wird übrigens beim LET’S

CEE Film Festival höchstpersönlich die

Fragen des Publikums beantworten.

In 1938, 14-year-old Salomon “Sally” Perel,

a German Jew, has to flee to Łódź with

his family. When the Nazis invade Poland

a year later, Sally is in danger again. His

parents send him further east into the

Russian occupied territory of the country,

where he winds up in an orphanage.

When he falls into the hands of soldiers

of the Wehrmacht despite his parents’

efforts, quick-witted Sally poses as a Volksdeutscher

[member of the German race],

who was kidnapped by the Bolsheviks.

From then on, Jupp, as the Germans call

him, works as an assistant translator for

the army and quickly becomes his superiors’

protégé. However, his perilous odyssey

does not end there. Film critics rated

the feature with the highest mark on the

Rotten Tomatoes website, with an audience

approval score of 91 percent. The New

York Times’ verdict is clearly positive as well:

“There are a great many movies about the

tragic experiences of the Jews during the

Second World War, but only a handful as

passionate, as subtly intelligent, as universal

as this one.“ The man who inspired

the character of Hitlerjunge [member of

the Hitler Youth] Salomon will be personally

present at the LET’S CEE Film Festival

and answer questions from the audience.

Spielfilm. Deutschland | Polen | Frankreich 1990

Sprache Deutsch, Russisch, Polnisch, Hebräisch

mit dt. UT

Länge 109 min.

Format DCP

Farbe

Regie Agnieszka Holland

Drehbuch Agnieszka Holland, Paul Hengge, Sally Perel

Kamera Jacek Petrycki

Schnitt Isabelle Lorente, Ewa Smal

Musik Zbigniew Preisner

Ton Elisabeth Mondi

Produzenten Artur Brauner, Margaret Ménégoz

Darsteller

Junger Salomon Perel Marco Hofschneider

Leni Julie Delpy

Isaak Perel René Hofschneider

David Perel Piotr Kozłowski

Robert Kellermann André Wilms

Gerd Ashley Wanninger

Produktion Les Films du Losange, CCC-Filmkunst

Vertrieb/Kontakt CCC Filmkunst

Biografie Agnieszka Holland

Agnieszka Holland, geboren 1948 in Warschau,

studierte an der FAMU in Prag, wo sie auch erste

Erfahrungen als Regieassistentin und Drehbuchautorin

machte. 1981 gewann sie mit ihrer Regiearbeit

Fever den Hauptpreis beim Polnischen Filmfestival in

Danzig und wanderte aufgrund des in Polen verhängten

Kriegsrechts nach Paris aus. Der große Durchbruch

gelang ihr mit dem Film Europa, Europa, der bei den

Golden Globe Awards als bester fremdsprachiger Film

ausgezeichnet wurde. 1993 produzierte Francis Ford

Coppola ihren Film The Secret Garden. Seither arbeitet

Agnieszka Holland in den USA, wo sie zuletzt vor allem

als Regisseurin von herausragenden Serien wie House

of Cards von sich reden machte.

Filmografie Agnieszka Holland (Auswahl)

2011 In Darkness

2009 Janosik: A True Story

2001 Golden Dreams

1993 The Secret Garden

1990 Europa, Europa

1985 Angry Harvest

1981 Fever


Humanitäre Soforthilfe. Unabhängig. Unparteiisch. Unbürokratisch.

schulterwurf

Wir lassen die Hilfe

nicht untergehen.

Die Tragödie muss gestoppt werden! An den Grenzen Europas sterben Menschen, die auf der Suche nach Schutz

aus Kriegsgebieten geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen ist mit Schiffen auf dem Mittelmeer unterwegs, um in Seenot

geratene Bootsflüchtlinge zu retten und medizinisch zu versorgen.

Erste Bank IBAN AT43 2011 1289 2684 7600 Telefon 0901 700 800 (Mehrwertnummer: 7 Euro Spende pro Anruf) www.aerzte-ohne-grenzen.at


Antikriegsfilm-Retrospektive 115

Spielfilm. Estland | Finnland 2015

Sprache Estnisch mit engl. UT

Länge 100 min.

Format DCP

Farbe

1944

Elmo Nüganens episches Kriegsdrama

1944 spielt während einer der blutigsten

Schlachten des Zweiten Weltkrieges im

Baltikum. Freiwilligenverbände aus Dänemark,

Ostpreußen, Flandern, Holland, Norwegen

und der wallonischen Region sowie

viele junge Esten kämpften damals an der

Seite Hitler-Deutschlands gegen Stalins

Rote Armee. Vor allem die Balten waren

sehr motiviert, befürchteten sie doch, dass

die Sowjets im Falle einer Niederlage ihr

Territorium wieder besetzen würden. Aber

auch auf Seiten der Russen waren viele ihrer

Landsleute mit dabei, nämlich vorwiegend

jene, die ein paar Jahre zuvor zu Tausenden

nach Sibirien deportiert worden sind.

Der Film, der ein historisch bis heute sehr

heikles Thema aufzuarbeiten versucht, wird

aus der Sicht des 18-jährigen Soldaten Jaan

erzählt, der als Freiwilliger auf der Seite der

Deutschen kämpft und dem Jüri, ein anderer

Este, als Feind gegenübersteht. Wichtige

Entscheidungen müssen getroffen werden,

nicht nur von den beiden, sondern

auch von ihrem Umfeld. Denn das Land

und seine Bewohner drohen zwischen den

Mühlsteinen der Großmächte zermalmt zu

werden. Der packende und actionreiche

Film zeigt die brutale Realität des Krieges,

besticht aber zugleich durch ein hohes

Maß an poetischem Feingefühl und zeigt

glaubwürdig die Hoffnungen, aber auch die

Ängste der Soldaten und ihrer Angehörigen.

The setting of Elmo Nüganen's epic war

drama 1944 is one of the most violent

battles of World War II in the Baltic states.

Voluntary organisations from Denmark,

East Prussia, Flanders, the Netherlands,

Norway and the Walloon region as well as

many young people from Estonia fought

on the side of Hitler's Germany against Stalin's

Red Army. Worrying that the Soviets

would occupy their territories again in

case of a defeat, the Baltic people were

especially highly motivated. But many of

their fellow countrymen joined the battle

on the Russian side as well, as thousands

of them had been deported to Siberia a

few years prior to these events. The film

that illustrates a period in history that is still

very sensitive today, is seen from the point

of view of Jaan, an 18-year-old volunteer

fighting for the Germans, who meets Jüri,

also an Estonian, who fights for the opposite

side. Important decisions have to be

made, not only by these two, but also by

others around them. For the country and

its residents are threatened to be crushed

between the millstones of the major powers.

The captivating and action-packed film

shows the brutal reality of the war, but is

also very touching because of its high level

of poetic sensitivity, depicting the hopes

and fears of the soldiers and their relatives

in an authentic way.

Regie Elmo Nüganen

Drehbuch Leo Kunnas

Kamera Maksim Osadchiy

Schnitt Kimmo Taavila, Tambet Tasuja

Musik Jaak Jürisson

Produzenten Maria Avdjuško, Ilkka Matila,

Kristjan Rahu, Kristian Taska

Darsteller

Karl Tammik Kaspar Velberg

Jüri Jõgi Kristjan Üksküla

Aino Tammik Maiken Schmidt

Ants Saareste Gert Raudsep

Captain Evald Viires Ain Mäeots

Partorg Peeter Tammearu

Produktion Taska Film

Vertrieb/Kontakt Eyewell

Biografie Elmo Nüganen

Der estnische Schauspieler, Theater- und Filmregisseur

Elmo Nüganen wurde 1962 in Jõhvi geboren

und studierte Bühnenregie in Tallinn. Nach seinem

Studium war er zunächst als Schauspieler und

später als Regisseur am Ugala Theater tätig. Seit

1992 ist Nüganen, der seit den 1990er Jahren zu

den angesehensten Theaterregisseuren Estlands

gehört, Direktor des Stadttheaters Tallinn. In den

Jahren 1996 und 1999 wurde er zudem mit dem

Estnischen Kulturpreis ausgezeichnet. 1944 ist

Nüganens dritter Spielfilm.

Filmografie Elmo Nüganen

2015 1944

2006 Meeletu

2002 Nimed marmortahvlil

Antikriegsfilm-Klassiker 115


116 Antikriegsfilm-Retrospektive

Spielfilm. UdSSR 1985

Sprache Russisch, Weißrussisch, Deutsch

mit engl. UT

Länge 146 min.

Format DVD

Farbe

Regie Elem Klimov

Drehbuch Ales Adamovich, Elem Klimov

Kamera Aleksei Rodionov

Schnitt Valeriya Belova

Musik Oleg Yanchenko

Kostüm Eleonora Semyonova

Darsteller

Fljora Gaishun Alexei Krawtschenko

Glasha Olga Mironova

Kosach Liubomiras Laucevičius

Produktion Mosfilm

Vertrieb/Kontakt Mosfilm

Biografie Elem Klimov

Der Regisseur und Drehbuchautor Elem Klimov

wurde 1933 in Stalingrad geboren. Bevor er Filmregie

zu studieren begann, machte er ein Diplom

als Flugingenieur in Moskau. Sein Abschlussfilm

Welcome, or No Trespassing wurde in der Sowjetunion

kurzfristig verboten, dann aber bald zum

Publikumserfolg. Neben Come and See, der 1985

am Internationalen Filmfestival in Moskau mit dem

Hauptpreis und dem FIPRESCI-Preis ausge zeichnet

wurde, sorgte er auch mit Agony für internationales

Aufsehen. Klimov war mit Larisa Shepitko

ver heiratet, die ebenfalls als Filmregisseurin und

Drehbuchautorin Berühmtheit erlangte. Er starb

2003 in Moskau.

Filmografie Elem Klimov (Auswahl)

1985 Come and See

1983 Farewell

1965 Adventures of a Dentist

1964 Welcome, or No Trespassing

COME AND SEE

Idi i smotri

Der Nazi-Terror in Weißrussland erreicht

1943 seinen Höhepunkt. Der junge Fljora

schließt sich den Partisanen an. Aber aus

dem Traum vom großen Abenteuer wird

schnell eine schier nicht endende Odyssee

direkt zu den tiefsten Abgründen der

menschlichen Existenz. Als der Bursche

eines Tages auf den elterlichen Bauernhof

zurückkehrt, erfährt er, dass die SS

seine Mutter und seine Schwestern ermordet

hat. Später muss er miterleben,

wie die Bewohner eines ganzen Dorfes

bei lebendigem Leibe verbrannt werden.

Bilder von Leichenbergen wechseln sich

ab mit ohrenbetäubenden Bombenexplosionen

und stehen für Eindrücke,

die man allesamt auch als Zuschauer im

Kinosessel nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

Als sich eines Tages das Schicksal

wendet, bleibt die Erlösung trotzdem aus.

Selbst Musik von Mozart hilft nicht mehr.

Das auf Tatsachen basierende und trotz

seiner unglaublich realistisch dargestellten

Brutalität auch durchaus surreal-ästhetische

hochgelobte Meisterwerk des Russen

Elem Klimov, ist einer der besten, wenn

nicht der beste Antikriegsfilm aller Zeiten.

Er verstört und bringt einen zum Nachdenken.

Aber er ist mit Sicherheit nichts für

schwache Nerven. Beim amerikanischen

Kritiker Roger Ebert las sich dies folgendermaßen:

„Bei Come and See beneiden am

Ende die Lebenden die Toten. Es ist einer der

erschütterndsten Spielfilme aller Zeiten”.

In 1943, the Nazi terror has reached its

peak in Belarus. A teenage boy called

Fljora joins the partisans. However, his

dreams of great adventure quickly turn

into a never-ending odyssey directly

towards the deepest abyss of human

existence. When the boy returns to his

parents' farm one day, he learns that

his mother and sisters were murdered

by the SS. Later on he has to watch the

inhabitants of an entire village being

burnt to death. Images of piles of corpses

are followed by ear-deafening bomb

explosions – even the audience watching

from their chairs won't be able to get

these impressions out of their heads.

Although finally things change for the

better, redemption fails to materialise. Not

even Mozart’s music can help. Despite the

incredibly realistic brutality it depicts, this

fact-based masterpiece created by Russian

director Elem Klimov is considered

one of the best (if not the best) anti-war

films of all times and was critically acclaimed

also in terms of surrealist aesthetics.

It is disturbing as well as thought-provoking

and definitely not for the faint-hearted.

In the words of highly renowned

American film critic Roger Ebert: “This

1985 film from Russia is one of the most

devastating films ever about anything,

and in it, the survivors must envy the dead.”


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25-THE RETROSPECTIVE

Im Rahmen von „25-The Retrospective“ haben zahlreiche renommierte FilmkritikerInnen

aus aller Welt den ihrer Ansicht nach jeweils besten Spielfilm gewählt, der im Verlauf

der letzten 25 Jahre (also seit dem Fall des Eisernen Vorhangs) in einem jener 25 Länder

produziert worden ist, die von LET’S CEE abgedeckt werden. Nachdem 2014 bereits zehn

dieser Filme präsentiert wurden, sind dieses Jahr die nächsten fünf an der Reihe. Darunter

befinden sich Meisterwerke wie The Return von Andrei Zvyagintsev oder Satantango von

Béla Tarr, welcher gar als einer der besten Filme aller Zeiten gilt. Aber auch hierzulande

noch nicht ganz so bekannte Filme gibt es in dieser Sektion zu entdecken. So etwa das

kroatische Drama Fine Dead Girls von Dalibor Matanić oder My Dog Killer der slowakischen

Regisseurin Mira Fornay. Die tieftraurige Liebesgeschichte Amnesty aus Albanien ergänzt

die vielseitige Retrospektive, die im nächsten Jahr mit Filmen wie Jan Svěráks Kolya

aus Tschechien oder Sergei Loznitsas My Joy aus der Ukraine fortgesetzt werden wird.

An der Umfrage teilgenommen haben unter anderem der Filmkritiker Thomas Abeltshauser

aus Berlin, seine Kollegen Anna Bielak aus Warschau, Gulia Dobre aus Bukarest

und Báron György aus Budapest, Maria Chalkou, Chefredakteurin von Filmicon aus

Griechenland, Matthieu Darras vom San Sebastian Film Festival, Eberhard von Elterlein

von der Berliner Morgenpost, Ernesto Diez-Martinez von der Zeitung Reforma aus

Mexiko, Dana Duma vom Magazin Film aus Rumänien, Nenad Dukic von Radio Belgrad,

Elsa Demo aus Albanien, Jan Pieter Ekker aus den Niederlanden, Juan Carlos González

A. von Kinetoscopio in Kolumbien, Carmen Gray vom Dazed & Confused Magazine aus

England, der Australier Richard Haridy von Quickflix, Christian Jungen von der NZZ,

der Filmhistoriker Lauri Kärk aus Estland, Salome Kikaleishvili aus Georgien, Blagoja

Kunovski aus Mazedonien, Jochen Kürten von der Deutschen Welle, Daniel Lindvall von

Film International aus Schweden, Demetrios Matheou vom englischen Sunday Herald,

der irisch-amerikanische Filmemacher und Kritiker James McDonald, die persische Essayistin

und Filmkritikerin Minou Moshiri, Michael Omasta vom Falter aus Österreich,

Pamela Pianezza, Chefredakteurin des französischen Tess Magazine, Vuk Perović vom

öffentlichen Rundfunk in Montenegro, Rod Quinn vom australischen ABC Radio, Tomasz

Raczek vom polnischen Latarnik, Nick Roddick vom englischen Evening Standard,

Pamela Pianezza vom französischen Tess Magazine, der deutsche Filmhistoriker Hans

Joachim Schlegel, Marcel Štefančič von Mladina aus Slowenien, die Kritikerlegende David

Sterritt aus den USA, Oana Stupariu vom Telegraf aus Rumänien, Gorazd Trušnovec von

Ekran aus Slowenien, Nina Tsyrkun vom Magazin Iskusstvo Kino aus Russland, Andreas

Ungerböck vom Ray Magazin aus Österreich, Denis Valič aus Slowenien, Božidar Zečević

vom Filmograf aus Serbien und viele andere. Ihnen allen gebührt unser großer Dank!

Within the framework of “25-The Retrospective“, numerous renowned film critics

from all over the world chose what each considered to be the best feature film of the

past 25 years (since the fall of the Iron Curtain), produced by one of the 25 countries

covered by LET’S CEE. After the successful presentation of ten of these films in 2014,

five more are to be shown this year. Among these are masterpieces such as The Return

by Andrei Zvyagintsev; and Satantango by Belá Tarr, which is considered one of the

best films ever made. However, some of the selected films are not quite as well known

as these two – especially in our part of the world. Well worth seeing are also the Croatian

drama Fine Dead Girls by Dalibor Matanić and My Dog Killer by the Slovakian director

Mira Fornay. The deeply sad love story Amnesty from Albania completes the versatile

retrospective, which will continue in years to come. Jan Svěrák’s Kolya from the Czech

Republic and Sergei Loznitsa’s My Joy from Ukraine will be included in next year’s program.

The following film critics participated in the survey: Thomas Abeltshauser from Berlin,

his colleagues Anna Bielak from Warsaw, Gulia Dobre from Bucharest and Báron György

from Budapest, Maria Chalkou, editor of Filmicon from Greece, Matthieu Darras of the

San Sebastian Film Festival, Eberhard von Elterlein from the Berliner Morgenpost, Ernesto

Diez-Martinez from the Reforma newspaper in Mexico, Duma Dana of the Romanian

Film magazine, Nenad Dukic from Radio Belgrade, Elsa Demo from Albania, Jan Pieter Ekker

from the Netherlands, Juan Carlos González A. from Kinetoscopio in Colombia, Carmen

Gray from Dazed & Confused Magazine in England, Richard Haridy from Australia’s Quickflix,

Christian Jungen of the NZZ, film historian Lauri Kärk from Estonia, Salome Kikaleishvili

from Georgia, Blagoja Kunovski from Macedonia, Jochen Kürten of the Deutsche Welle,

Daniel Lindvall of Film International in Sewden, Demetrios Matheou of the Sunday Herald

in England, Irish-American filmmaker and critic James McDonald, Persian Essayist and film

critic Minou Moshiri, Michael Omasta of the Falter magazine in Austria, Pamela Pianezza,

editor in chief of French Tess Magazine, Vuk Perović of the public broadcasting service in

Montenegro, Rod Quinn of Australia’s ABC Radio, Tomasz Raczek of Polish Latarnik, Nick

Roddick of the Evening Standard in England, Pamela Pianezza of French Tess Magazine,

German film historian Hans Joachim Schlegel, Marcel Štefančič of Mladina in Slovenia,

legendary critic David Sterritt from the USA, Oana Stupariu of the Telegraf in Romania,

Goran Trušnovec of Ekran in Slovenia, Nina Tsyrkun from the Iskusstvo Kino magazine in

Russia, Andreas Ungerböck of the Austrian Ray Magazine, Denis Valič from Slovenia, Božidar

Zečević of Filmograf in Serbia and many more. We would like to express our gratitude!

25-The Retrospective 119


120 25-The Retrospective

Spielfilm. Albanien | Griechenland | Frankreich 2011

Sprache Albanisch mit engl. UT

Länge 83 min.

Format Blu-Ray

Farbe

Regie und Drehbuch Bujar Alimani

Kamera Elias Adamis

Schnitt Bonita Papastathi

Ton Leandros Dounis, Xenofontas Kontpoulos

Ausstattung Shpetim Baca

Kostüm Emir Turkeshi

Produzenten Bujar Alimani, Thanos

Anastopoulos, Guillaume de Seille

Darsteller

Elsa Luli Bitri

Shpetim Karafil Shena

Remzi Todi Llupi

Maya Mirela Naska

Fredy Alaksander Rrapi

Produktion 90 Productions, Fantasia Ltd,

Arizona Films

Vertrieb/Kontakt m-appeal world sales

Biografie Bujar Alimani

Bujar Alimani wurde 1969 im albanischen Patos

geboren. Er studierte an der Akademie der Künste

in Tirana Malerei und Theaterregie. Im Jahr 1992

wanderte er nach Griechenland aus, wo er als

Regieassistent arbeitete. Seine ersten Kurz filme

drehte er ab 2002. Er war mit seinen Arbeiten auf

vielen Filmfestivals zu Gast und wurde auch mit

einigen Preisen ausgezeichnet. Sein Spielfilmdebüt

Amnesty wurde im Rahmen des Berlinale

Forums präsentiert und ausgezeichnet. Sein neuester

Film Chromium feierte kürzlich beim Karlovy

Vary Film Festival Premiere.

Filmografie Bujar Alimani

2015 Chromium

2011 Amnesty

AMNESTY

Amnistia

Elsa besucht regelmäßig ihren inhaftierten

Mann, um ihre ehelichen Pflichten zu

erfüllen. Ein paar Zellen weiter versucht

Spetim, seiner gefangenen Frau wenige

Momente des Glücks zu verschaffen.

Ein neues Gesetz hat den Strafvollzug

liberalisiert und Besuche dieser Art möglich

gemacht: Es erlaubt verheirateten

Paaren in albanischen Gefängnissen,

einmal im Monat miteinander geschlechtlich

zu verkehren. Für Elsa und Spetim ist

die Hafterleichterung allerdings nur eine

quälende Verpflichtung, die allein ihren

Ehepartnern Befriedigung verschafft.

Eines Tages lernen die beiden in Wahrheit

sehr einsamen Besucher einander zufällig

im Gefängnis kennen, um sich schon

bald darauf vorsichtig auf eine zarte und

befreiende Liaison einzulassen. Als die

Regierung eine Generalamnestie verkündet,

scheint die glückliche Zeit der beiden

abrupt zu Ende zu gehen. Im Mittelpunkt

dieser tieftraurigen Romanze stehen

zwei Liebende, die nicht über ihr eigenes

Schicksal bestimmen können. Regisseur

Bujar Alimani erzählt in seinem mehrfach

preisgekrönten Film schnörkellos und mit

atemberaubenden Bildern aber nicht nur

eine Liebesgeschichte, sondern auch davon,

dass sein Heimatland Albanien heute

zwischen Modernisierung einerseits sowie

dem Festhalten an Traditionen und Werten

andererseits hin- und hergerissen ist.

Elsa regularly visits her husband in

prison to fulfil her marital duties. Some

cells down, Spetim tries to give his incarcerated

wife a few moments of joy. A

new law has liberalised the serving of

prison sentences, making visits like these

possible: the law allows married couples

in Albanian prisons to have sexual

intercourse once a month. But for Elsa

and Spetim, these eased detention conditions

constitute nothing but an agonising

obligation which panders only to

their spouses. One day, the two actually

very lonely visitors happen to meet in

the prison and soon engage cautiously in

a tender and liberating love story. When

the government declares a general amnesty,

the couple’s blissful days threaten

to come to a sudden end. In the centre

of this tremendously sad romance are two

lovers, who cannot determine their own

fates. However, in his multiply awarded

feature, Director Bujar Alimani tells more

than just a love story, without frills and in

stunning pictures. He also shows his homeland

Albania torn between modernization

on one hand and holding onto tradition

and traditional values on the other.


25-The Retrospective 121

FINE DEAD GIRLS

Fine mrtve djevojke

Iva und Marija, ein lesbisches Paar, ziehen

gemeinsam in eine Wohnung in einem

Zagreber Arbeiterviertel. Sie werden

freundlich aufgenommen, das Mehrfamilienhaus

scheint ihnen eine ruhige

und sichere Umgebung zu sein. Aber

schon bald zeigt sich, wie sehr sie sich

mit ihrer Einschätzung geirrt haben. Die

Vermieterin Olga erweist sich als neugierige

Tyrannin, ein Ex-Soldat verprügelt

regelmäßig seine Frau, ein Gynäkologe

nimmt in einer der Wohnungen illegale

Abtreibungen vor. Und dann gibt es da

noch die Prostituierte Lidija, die von Marijas

konservativ-religiösem Vater dafür

bezahlt wird, seine Tochter zu verführen

und so deren Beziehung zu zerstören,

einen Witwer, der sich nicht vom mumifizierten

Leichnam seiner verstorbenen

Frau trennen kann, faschistische und gewalttätige

Skinheads sowie Daniel, Olgas

Sohn, der sich trotz seiner Homophobie

in Iva verschaut. Als die ihn schroff zurückweist

und Olga herausfindet, dass

Iva und Marija ein Paar sind, gerät die

Situation schließlich außer Kontrolle. Vergewaltigung,

Kidnapping und Mord inklusive.

Die rasante und im Stil des Film

Noir gedrehte kroatische Produktion, ein

provokantes Plädoyer gegen kleinbürgerliche

Intoleranz, besticht trotz ihrer brutalen

Schonungslosigkeit strecken weise

durchaus mit tiefschwarzem Humor.

Together, Iva and Marija, a lesbian

couple, move into an apartment in a

working-class neighbourhood in Zagreb.

They receive a warm welcome and are

glad that the apartment building seems

to be a quiet and safe environment.

Very soon, however, it becomes clear

that they have misjudged the situation

completely. Their landlady, Olga, turns

out to be a nosey tyrant, a former soldier

regularly beats up his wife, and a gynaecologist

performs illegal abortions in

one of the apartments. And then there is

Lidija, a prostitute paid by Marija's conservative

and religious father to seduce

his daughter and destroy her relationship

with Iva; there is also a widower unable

to part with the mummified corpse of

his deceased wife, some fascist skinheads

and Daniel, Olga's son who falls in love

with Iva despite his homophobia. When

Iva turns him down harshly and Olga finds

out that Iva and Marija are a couple, the

situation spirals completely out of control,

involving rape, kidnapping and murder.

This fast-paced Croatian production shot

in the film-noir style is a provocative

plea against narrow-minded intolerance,

captivating its audience with a morbid

sense of humour despite its ruthlessness.

Spielfilm. Kroatien 2002

Sprache Kroatisch mit engl. UT

Länge 77 min.

Format 35 mm

Farbe

Regie Dalibor Matanić

Drehbuch Dalibor Matanić, Mate Matišić

Kamera Branko Linta

Schnitt Tomislav Pavlić

Musik Jura Ferina, Pavle Miholjević

Ton Dubravka Premar, Gordan Fučkar

Kostüm Vesna Pleše

Produzent Jozo Patljak

Darsteller

Iva Olga Pakalović

Marija Nina Violić

Daniel Krešimir Mikić

Olga Inge Appelt

Blaž Ivica Vidović

Produktion Alka film

Vertrieb/Kontakt Alka film,

Croatian Audiovisual Centre

Biografie Dalibor Matanić

Dalibor Matanić wurde 1975 in Zagreb geboren,

wo er auch Film- und Fernsehregie studierte. The

Cashier Wants to Go to the Seaside wurde Jahr 2000

beim Filmfestival in Cottbus als bester Debütfilm

ausgezeichnet. Fine Dead Girls verhalf Matanić zwei

Jahre später zum Durchbruch und wurde bei den

Filmfestspielen in Genf, Pula und Sotschi mehrfach

ausgezeichnet. Danach drehte er sechs weitere

Spielfilme und mehrere Kurzfilme. Matanić‘ Kurzfilm

The Party hatte seine Premiere bei den Internationalen

Filmfestspielen von Cannes, wurde bei

rund 80 Festivals gezeigt und hat 19 Preise gewonnen.

Auch sein neuestes Werk The High Sun war in

Cannes zu sehen und gewann den Jurypreis der

Sektion Un Certain Regard.

Filmografie Dalibor Matanić (Auswahl)

2015 The High Sun

2011 Daddy

2010 Mother of Asphalt

2009 The Party

2002 Fine Dead Girls

2000 Cashier Wants to Go to the Seaside


122 25-The Retrospective

Spielfilm. Slowakei | Tschechien 2013

Sprache Slowakisch mit engl. UT

Länge 90 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Mira Fornay

Kamera Tomáš Sysel

Schnitt Hedvika Hansalová

Ton Ján Ravasz

Produzenten Juraj Buzalka, Viktor Schwarcz,

Mira Fornay

Darsteller

Marek Adam Mihál

Marika (Mareks Mutter) Irena Bendová

Palo (Mareks Vater) Marián Kuruc

Lukáš Libor Filo

Mareks Freund Patrik Czanik

Produktion Mirafox

Vertrieb/Kontakt m-appeal world sales

Biografie Mira Fornay

Mira Fornay wurde 1977 in der Slowakei geboren.

Sie besuchte die Filmakademie in Prag und die

National Film and Television School in Beaconsfield,

England. Im Jahr 2009 fand die Premiere ihres

Spielfilmdebüts Foxes im Rahmen der Internationalen

Filmfestspiele Venedig statt. Für den Film

erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. My Dog Killer

ist Fornays zweiter Spielfilm. Er feierte auf dem

Internationalen Film Festival Rotterdam seine Weltpremiere

und wurde auf zahlreichen internationalen

Festivals gezeigt und vielfach prämiert.

Filmografie Mira Fornay

2013 My Dog Killer

2009 Foxes

MY DOG KILLER

Môj pes Killer

Der 18-jährige Marek verbringt seine Tage

damit, im Boxclub zu trainieren, seinem

Vater bei der Arbeit am Weingut zu helfen

oder mit Skinheads um die Häuser zu

ziehen. Noch öfter aber ist der verschlossene

Teenager mit seinem Pitbull Killer

allein, der sein einziger Freund zu sein

scheint. Als der Vater in Geldnöte gerät,

will er Teile seines Besitzes verkaufen.

Dafür ist aber dummerweise die Unterschrift

seiner Ex-Frau Marika nötig, die

vor Jahren schon die Familie verlassen

hat. Über die Gründe für ihr Verschwinden

weiß Marek so gut wie nichts. Nun

aber soll ausgerechnet er diese Unterschrift

besorgen. Beim Treffen mit seiner

Mutter offenbart sich dem Jugendlichen

ein lang gehütetes Familiengeheimnis,

das vor allem seinen Skinhead-Freunden

überhaupt nicht gefällt. Mira Fornays

Sozialdrama erzählt ebenso aufwühlend

wie schockierend davon, wie Schamgefühl

und falscher Stolz zu einer Katastrophe

führen können. Die Darsteller sind

allesamt Laien aus der slowakisch-tschechischen

Grenzregion, darunter eben

auch die Skinheads, und gedreht wurde

ausschließlich an Originalschauplätzen,

was den Film unglaublich authentisch

wirken lässt. My Dog Killer ist ein düsteres

und ohne Klischees erzähltes Drama, das

nicht über intolerante Menschen urteilt,

sondern die Frage aufwirft, wie und

warum Rassismus überhaupt entsteht.

18-year-old Marek spends his days training

at the boxing club, helping his

father work at the vineyard or hanging

out with some right-wing extremist skinheads.

More often, however, the introvert

teenager is alone with his pit bull Killer

that seems to be his only friend. When

Marek's father gets caught up in financial

difficulties, he wants to sell part of his

property. Unfortunately, to do so he needs

the signature of his ex-wife Marika, who

abandoned the family years ago. Marek

knows next to nothing about her reasons

for leaving. Now he of all people is supposed

to get a signature from her. When he

meets his mother, a long-kept family secret

is revealed to him, which his skinhead

friends in particular do not like at all. Mira

Fornay's social drama tells the equally disturbing

and shocking story of how a sense

of shame and false pride may lead to disaster.

All protagonists are amateur actors from

the Slovak-Czech border region, among

them also the skinheads, and the film was

shot exclusively at the actual locations,

which further intensifies its authenticity.

My Dog Killer is a sombre drama, told

without clichés, which does not judge

intolerant people, but raises the question

of what gives rise to racism and why.


25-The Retrospective 123

THE RETURN

Vozvrashcheniye

Zwölf Jahre lang war der Vater weg. Seine

Söhne Andrej und Iwan sind bei ihrer

Mutter und Großmutter aufgewachsen

und kennen ihn nur von einem einzigen

Foto. Plötzlich ist er wieder da, ohne Erklärung,

einfach so. Am nächsten Morgen

nimmt er die Buben im Auto mit zu einem

Angelausflug in die nordrussische Seenlandschaft.

Während Andrej seinem Vater

zu gefallen versucht, bleibt sein jüngerer

Bruder misstrauisch. Die gnadenlose Härte

des ihnen fremden Mannes bekommen

beide freilich schnell zu spüren. The

Return, „ein mysteriöser, fast mystischer

Film“ (Die Zeit) wurde im Rahmen der

LETS CEE Reihe 25-The Retrospective letztes

Jahr von führenden Filmkritikern aus

aller Welt zur besten russischen Kinoproduktion

der vergangenen 25 Jahre gewählt.

Andrei Zvyagintsevs vorwiegend

mit Laienschauspielern und angeblich

mit einem Budget von nur 100.000 Dollar

gedrehtes bildgewaltiges Erstlingswerk

wurde schon vom Start weg vom

Feuilleton mit Lob überschüttet und mit

zahlreichen Auszeichnungen bedacht,

darunter etwa mit dem Goldenen Löwen

in Venedig oder dem Europäischen Filmpreis.

Der Darsteller von Andrej, Vladimir

Garin, konnte den Erfolgsrun übrigens

nicht mehr miterleben. Er ertrank kurz

nach der Fertigstellung des Films in jenem

See, an dem die Dreharbeiten stattfanden.

Andrej's and Ivan's father has been gone

for 12 years. The sons grew up with their

mother and grandmother and knew their

father only from a single photograph. And

suddenly he is back. Without any explanation,

just like that. The morning after his

arrival, the father takes the boys with his

car on a fishing trip to the North Russian lakes.

While Andrej tries to impress his father,

his younger brother stays sceptical. Yet it

does not take them long to experience

the estranged man's ruthless brutality. The

Return, “a mysterious, almost mystical film”

(Die Zeit) was selected as the best Russian

cinema film production of the past 25

years by leading film critics from around

the world during last year's LET’S CEE series

25-The Retrospective. Andrei Zvyagintsev’s

visually-stunning, first major work,

mainly filmed with amateur actors and allegedly

with a budget of only USD 100,000,

was heaped with praise by the press even

from the beginning, and was awarded numerous

prizes including the Golden Lion

in Venice and the European Film Award,

among others. Incidentally, Vladimir Garin,

who played Andrej, did not get a chance

to celebrate his great success; shortly after

completion of the film, he drowned

in the lake where the film was shot.

Spielfilm. Russland 2003

Sprache Deutsche Synchronisation

Länge 105 min.

Format 35 mm

Farbe

Regie Andrei Zvyagintsev

Drehbuch Vladimir Moiseenko, Alexander Nowototzki

Kamera Michail Kritschman

Schnitt Vladimir Mogileski

Musik Andrej Dergatschev

Ton Andrej Chudjakov

Produzent Dimitri Lesnevskiy

Darsteller

Andrej Vladimir Garin

Iwan Ivan Dobronravov

Vater Konstantin Lavronenko

Mutter Natalia Vdovina

Großmutter Galina Popova

Produktion REN FILM

Vertrieb/Kontakt movienet Film/Wilkner Group

Biografie Andrei Zvyagintsev

Andrei Zvyagintsev wurde 1964 in Sibirien geboren.

1984 begann er ein Schauspielstudium in seiner Heimatstadt

Nowosibirsk. Später studierte Zvyagintsev

an der Russischen Akademie für Theaterkunst in Moskau.

Schon bald erhielt er Jobs an kleinen Theatern

und Nebenrollen in Fernseh- und Kinoproduktionen.

Seine Regiekarriere begann er im Jahr 2000, als er drei

Folgen der russischen Fernsehserie Black Room inszenierte.

2003 entstand sein erster Spielfilm The Return,

der ein großer internationaler Publikumserfolg wurde

und in Venedig den Goldenen Löwen erhielt. Auch

die Spielfilme The Banishment und Elena wurden auf

internationalen Festivals gezeigt und ausgezeichnet.

Für Leviathan erhielt Zvyagintsev gemeinsam mit seinem

Koautor Oleg Negin in Cannes den Preis für das

beste Drehbuch.

Filmografie Andrei Zvyagintsev (Auswahl)

2014 Leviathan

2011 Elena

2007 The Banishment

2003 The Return

2000 Black Room


124 25-The Retrospective

Spielfilm. Ungarn | Deutschland | Schweiz 1994

Sprache Ungarisch mit engl. UT

Länge 450 min.

Format DVD

Schwarz-Weiß

Regie Béla Tarr

Drehbuch László Krasznahorkai, Béla Tarr

Kamera Gábor Medvigy

Schnitt Ágnes Hranitzky

Musik Mihály Víg

Ton József Kardos

Produzenten György Fehér, Joachim von Vietinghoff,

Ruth Waldburger

Darsteller

Irimiás Mihály Víg

Petrina Putyi Horváth

Schmidt László feLugossy

Schmidtné Éva Almássy Albert

Produktion MAFILM M.I.T

Vertrieb/Kontakt Mainstream S.A.

Biografie Béla Tarr

Der im Jahr 1955 in Ungarn geborene Filmregisseur

Béla Tarr ist vor allem bekannt für seine außergewöhnlichen

Arthouse-Filme. Im Alter von 16 Jahren

ver suchte er sich als Amateurfilmer, woraufhin die

Béla-Balázs-Filmstudios auf seine Arbeit aufmerksam

wurden und ihm seinen ersten Film The Outsider

finanzierten. Tarr studierte an der Hochschule für

Film und Theater in Budapest. Die meisten seiner

Filme entstanden in enger Zusammenarbeit mit dem

Schriftsteller László Krasznahorkai. So auch der

450-minütige Satantango, an dem er rund sieben Jahre

lang arbeitete.

Filmografie Béla Tarr (Auswahl)

2011 The Turin Horse

2007 The Man from London

2000 Werckmeister Harmonies

1994 Satantango

1981 The Outsider

SATANTANGO

Sátántangó

Das ganz in Schwarz-Weiß gedrehte

Meisterwerk zählt zu den größten cineastischen

Herausforderungen überhaupt.

Die Verfilmung von László Krasznahorkais

gleichnamigem Roman ist daher auch

nur selten auf einer großen Leinwand zu

sehen. Hauptgrund ist die Filmlänge von

450 Minuten, die noch dazu mit bloß 150

Einstellungen bestritten wird, die bis zu

15 Minuten dauern. Was nicht nur den

Zuschauern, sondern auch den Kinobetreibern

einiges abverlangt: Die einen

müssen viel von dem opfern, was heutzutage

oft sehr knapp ist, nämlich Zeit; und

die anderen müssen auf bares Geld verzichten,

zumal sich bei Satantango mehr

als eine Vorführung pro Tag einfach nicht

ausgeht. Zum Inhalt: In einem trostlosen

ungarischen Dorf kämpfen die Menschen

unter ärmsten Verhältnissen tagtäglich

gegen Tristesse, Langeweile und Elend.

Lieber würden sie heute als morgen wegziehen.

Als die Nachricht von der Rückkehr

des totgeglaubten Irimiás die Runde

macht, bricht Euphorie aus. Doch der

vermeintliche Erlöser arbeitet in Wahrheit

als Spitzel für die Polizei. Béla Tarrs minimalistisches

Monument des zeitgenössischen

Kinos entfaltet auf die Zuschauer

eine maximale Wirkung und wird

gern zu den besten Filmen aller Zeiten

gezählt. Dass er trotz seiner deprimierenden

Grundstimmung zugleich sehr

schwarzhumorig ist, trägt dazu sicher bei.

This masterpiece, entirely shot in black

and white, ranks among the greatest cinematic

challenges ever. The screen adaptation

of László Krasznahorkais’ eponymous

novel is seldom shown on a big screen.

This is mainly due to the film’s running

time of 450 minutes, which are filled with

only 150 shots that can last up to 15 minutes.

The feature is very demanding on

both audience and cinema operators, as

the former must sacrifice much of what

has become scarce nowadays – time –

and the latter have to be ready to earn

less money, as it is simply impossible to

show Satantango more than once a day.

The film’s plot is set in a bleak Hungarian

village, where the people, living under

extremely poor conditions, fight a daily

battle against sadness, boredom and misery.

If they could they would move away

sooner rather sooner than later. When rumours

arise that Irimiás, who was presumed

dead, has returned home, the whole

village bursts with euphoria. However, the

alleged saviour is in truth a police informer.

Béla Tarr’s minimalist monument of

contemporary cinema slowly unfolds its

full-blown effect upon the audi ence and

is often counted among the best features

of all times. The film’s black humour,

which contrasts with its depressing undertone,

certainly contributes to its popularity.


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Highlights: Forever Friends 127

HIGLIGHTS: FOREVER FRIENDS

A GOOD FELLOW

Iyi Biri

Spielfilm. Türkei 2014

Sprache Türkisch mit engl. UT

Länge 109 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Ayhan Sonyürek

Kamera Barbaros Engin

Schnitt Onur Uysal

Musik Ali Ekber Kayış, Ahmet Aslan

Ton Sefa Gökhan Huylu, Ibrahim Gök

Produzent Mehmet Gün

Der 40-jährige Mizrap ist noch immer nicht

verheiratet, hat keinen Job und lebt nach

wie vor bei seinen Eltern. Absichten, diese

Umstände zu ändern, hat er jedoch keine.

Für seine Familie ist er eine Enttäuschung,

und das Wichtigste in seinem Leben scheint

sein Hund Karakiz zu sein. Eines Tages reißt

seinem Vater der Geduldsfaden und er

setzt den missratenen Sohn vor die Tür.

Der Rausschmiss wird zum Startschuss für

einen außergewöhnlichen Road Trip durch

die Türkei. Mizrap beschließt, zusammen

mit seinem Hund seinen alten Freund Salim

zu besuchen. Und, noch viel wichtiger,

er will endlich auch die Frau fürs Leben finden

und heiraten. Die Reise wird zu einem

manchmal lustigen, manchmal traurigen,

aber auf jeden Fall berührenden Abenteuer.

Mizrap stolpert von einem Unglück ins

nächste und man leidet als Zuschauer fast

schon mit, weil man dem sympathischen

Kerl, der niemandem etwas Böses will, eigentlich

nur das Beste gönnt. Kann der

Pechvogel seinem Vater am Ende des Tages

doch noch beweisen, dass er vieles ist, aber

bestimmt kein Nichtsnutz? A Good Fellow

überzeugt nicht nur durch seine Geschichte,

die tiefe Einblicke in die Seele des Protagonisten

gibt, sondern auch mit wunderschönen

Bildern türkischer Landschaften,

die Mizrap und sein treuer Begleiter Karakiz

mit seinem alten Motorrad durchqueren.

40-year-old Mizrap has no wife, no job

and still lives with his parents. Also, he has

absolutely no ambitions to change any of

this. His family is very disappointed in him;

apparently, what he considers most important

is his dog named Karakiz. One day

his father runs out of patience and throws

his wayward son out of the house. This incident

marks the beginning of an extraordinary

road trip through Turkey. Mizrap decides

to visit his old friend Salim, together

with his dog. And, what is more important,

he is finally ready to find and marry the woman

of his dreams. His journey turns out

to be an adventure that is sometimes funny,

sometimes tragic, but always touching.

As Mizrap stumbles from one disaster into

the next, the audience cannot help but

feel compassion with this decent guy who

never means any harm. Will this unlucky

fellow be able to prove his father wrong

and show him that he is not a complete

failure after all? A Good Fellow boasts not

only a convincing storyline that allows deep

insights into the protagonist's mind, but

also beautiful images of Turkish landscapes

criss-crossed by Mizrap and his loyal

companion Karakiz on his old motorbike.

Darsteller

Mizrap Cengiz Bozkurt

Mustafa Mustafa Alabora

Muharrem Macit Sonkan

Aliye Aysan Sümercan

Produktion Anatolian Yapimcilik ve Tic Ltd

Vertrieb/Kontakt Anatolian Yapimcilik ve Tic Ltd

Biografie Ayhan Sonyürek

Ayhan Sonyürek wurde 1968 in Adana in der Türkei

geboren. Er studierte in Andalusien Film und

Fernsehen an der Fakultät für Kommunikationswissenschaft,

ehe er 2006 bei seinem Debütfilm Unforgettables

Regie führte. A Good Fellow ist Sonyüreks

zweiter Spielfilm, dessen Weltpremiere beim

International Antalya Golden Orange Film Festival

stattfand. Dort gewann der Film außerdem den nationalen

Publikumspreis.

Filmografie Ayhan Sonyürek

2014 A Good Fellow

2006 Unforgettables


128 Highlights: Forever Friends

Spielfilm. Bulgarien 2014

Sprache Bulgarisch mit engl. UT

Länge 100 min.

Format Blu-Ray

Farbe

Regie Niki Iliev

Drehbuch Sanya Borisova, Niki Iliev,

Nikolay Vasilevsky

Kamera Grigor Kumitski

Schnitt Alexander Etimov

Ton Valentin Kirilov, Svetlana Kirilova,

Valentin Orlov

Musik Borislav-Borche Boyadjiev

Produzenten Ian Ianev, Boiko Iliev, Niki Iliev

Darsteller

Pavel Orlin Pavlov

Boyan Niki Iliev

Chrisi Sanya Borisova

Martin Dimo Alexiev

Doncho Lubomir Kovatchev

Christiano Michele Placido

Produktion Euro Dialog

Vertrieb/Kontakt Euro Dialog

Biografie Niki Iliev

Niki Iliev wurde 1981 in Sofia geboren. Er ist schon

lange als Model und mittlerweile auch als Schauspieler,

TV-Moderator und Regisseur erfolgreich.

Er hat an der Neuen Bulgarischen Universität

Filmregie studiert. Seit 2003 ist er in einer Reihe

von Kurzfilmen, Fernsehauftritten und Filmen

zu sehen gewesen. 2012 hat er beim Publikumserfolg

The Foreigner Regie geführt. 2014 schaffte

er als Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller

des Publikumshits Living Legends endgültig den

Durchbruch. Der Film avancierte zur erfolgreichsten

bulgarischen Produktion der vergangenen

beiden Jahre.

Filmografie Niki Iliev

2014 Living Legends

2012 The Foreigner

2007 Say Hello to Dad

LIVING LEGENDS

Pavel ist Anfang dreißig und als Banker

sehr erfolgreich. Plötzlich reißt ihn ein

Unfall auf dem Golfplatz aus seinem Leben.

Er fällt ins Koma und verliert große

Teile seiner Erinnerung. Mehr noch: Er

hält sich plötzlich wieder für einen Teenager

und das Letzte, woran er sich nach

dem Aufwachen noch erinnern kann,

sind seine alten Freunde und eine längst

vergangene Grillfeier. Und so kehrt er

nach dreizehn Jahren wieder in seinen

alten Heimatort zurück. Das Wiedersehen

mit den einst so lebensfrohen Weggefährten

gestaltet sich freilich schwieriger

als gedacht. Denn während Pavel voll

Energie und Tatendrang ist, stecken seine

Kumpane von früher mittlerweile im Alltagstrott

fest. Trotzdem kann er mit seiner

neu gewonnenen Unbeschwertheit das

Leben der Spießer schnell auf den Kopf

stellen und längst vergessene Träume

Wirklichkeit werden lassen. Living Legends

ist eine abwechslungsreiche Komödie,

die in rasantem Stil von universellen Themen

wie Freundschaft, Liebe und Verantwortung

erzählt. Der Produzent und

Hauptdarsteller Niki Iliev schuf ein ebenso

unterhaltsames wie authentisches

Porträt seiner Generation und traf damit

den Nerv des bulgarischen Publikums:

Der Film wurde nicht zuletzt aufgrund der

Besetzung mit nationalen Stars und eines

mitreißenden Soundtracks in Rumänien

zu einem absoluten Kassenschlager.

Pavel is in his early thirties and a successful

banker, when suddenly an accident on

the golf course changes his life. He falls

into a coma and loses a good deal of his

memory. Moreover, he thinks he is a teenager,

and the last thing he can remember

when he awakes from his coma is a long

ago barbecue with his old friends. So after

an absence of thirteen years, he returns

to his home town. Of course, the reunion

with his once so joyful old companions

turns out to be more difficult than Pavel

had initially thought. While he is full of

energy and drive, his old mates are stuck

in their daily routines. However, with his

newly-found, easygoing attitude, the protagonist

quickly manages to turn his friends'

bourgeois lives upside down and make

long forgotten dreams come true. Living

Legends is a colourful, fast-paced comedy

on universal subjects like friendship, love

and responsibility. Producer and leading

actor Niki Iliev has created an entertaining

and authentic portrait of his generation,

striking a chord with Bulgarian audiences:

the feature has become a great box-office

hit in Bulgaria, not least due to its cast of

national stars and captivating soundtrack.


Highlights: Forever Friends 129

LOVE ISLAND

Ärger im Paradies. Grebo und seine

schwangere Frau Liliane nehmen sich

eine gemeinsame Auszeit vom stressigen

Alltag und machen Badeurlaub in einem

All-Inclusive-Ressort an der kroatischen

Küste. Balsam für die Seele und die Liebe

– sollte man meinen. Eines Abends trifft

das junge Ehepaar aber auf die geheimnisvolle

Tauchlehrerin Flora. Und sowohl

Grebo als auch die heißblütige Französin

Liliane finden Gefallen an der verführerischen

Schönheit, was die Beziehung der

beiden auf eine harte Probe stellt. Ob das

gut geht? Bisher widmete sich die bosnische

Ausnahmeregisseurin Jasmila Žbanić

der brutalen Realität des Bosnienkonflikts,

für Grbavica wurde sie 2006 sogar mit einem

Goldenen Bären ausgezeichnet. Mit

Love Island begibt sie sich auf völlig neues

Terrain. Äußerst unterhaltsam verpackt sie

die Hürden und Reibungspunkte einer

modernen Beziehung sowie typische Urlaubserlebnisse

mit Charme und Originalität.

Dabei vereint sie Humor, Sex und das

Urlaubsgefühl in der in sich geschlossenen

Welt eines Urlaubsressorts, die wohl jedem

Zuseher irgendwie bekannt vorkommen

dürfte. Und wenn bis zum großen Finale

die Hormone verrücktspielen und jeder

mit jedem unter die Bettdecke schlüpft,

wird in rasantem Tempo auch mit den Geschlechterrollen

gespielt. Eine bezaubernd

amüsante und leichte Sommerkomödie.

Trouble in paradise. Grebo and his pregnant

wife Liliane take a break from their

stressful day-to-day life and go on vacation

in an all-inclusive beach resort at the

Croatian coast. Balm for the soul and for

their love – or at least one ought to think

so. One evening, the young couple gets

to know the mysterious diving instructor

Flora. Both Grebo and the passionate

Frenchwoman Liliane soon acquire a

liking for the seductive beauty. This puts

their relationship to a grave test. Is this

going to work out? The exceptional Bosnian

director Jasmila Žbanić used to dedicate

herself to the brutal reality of the

Bosnian War. For Grbavica, she received a

Golden Bear in 2006. With Love Island she

finds herself on completely new grounds.

The director entertainingly manages to

combine the obstacles and points of friction

of a modern relationship with typical

holiday experiences and a great deal of

charm and originality. In doing so, she

brings together humour, sex and a holiday

mood in the self-contained world

of a tourist resort – a feeling that every

spectator will probably know. And when

hormones go crazy until the grand finale

and everybody climbs into bed with

one other, gender roles are being played

with in a rapid pace. A delightfully amusing

and breezy-light summer comedy.

Spielfilm. Kroatien | Deutschland | Schweiz | Bosnien

und Herzegowina 2014

Sprache Kroatisch, Bosnisch, Englisch, Französisch,

Italienisch mit engl. UT

Länge 86 min.

Format DCP

Farbe

Regie Jasmila Žbanić

Drehbuch Aleksandar Hemon, Jasmila Žbanić

Kamera Christine A. Maier

Schnitt Isabel Meier

Ton Igor Čamo

Musik Balz Bachmann, Peter Braeker

Produzenten Damir Ibrahimović, Leon Lučev

Darsteller

Liliane Ariane Labed

Grebo Ermin Bravo

Flora Ada Condeescu

Marquis Polesini Franco Nero

Stipica Leon Lučev

Madame Henzl Branka Petrić Fehmiu

Produktion Produkcija Živa, Komplizen Film,

Okofilm, Deblokada

Vertrieb/Kontakt The Match Factory GmbH

Biografie Jasmila Žbanić

Die bosnische Regisseurin, Drehbuchautorin und

Produzentin studierte Theater- und Filmregie in

Sarajevo und ging danach in die USA. Ihr Spielfilmdebüt

Grbavica wurde 2006 unter anderem in

Berlin mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, wo

2010 auch ihr ebenfalls vielfach prämierter zweiter

Spielfilm On the Path Premiere feierte. Ihre darauffolgenden

Arbeiten For Those Who Can Tell No Tales und

Love Island feierten ihre Premieren auf den renommierten

Festivals in Toronto bzw. Locarno. Durch

die Künstlervereinigung Deblokada, die sie 1997

gegründet hat, hat sie auch Spiel- und Dokumentarfilme

produziert, geschrieben und inszeniert sowie

Videoarbeiten und Kurzfilme realisiert, die bereits

weltweit auf Kunstausstellungen gezeigt wurden.

Filmografie Jasmila Žbanić

2014 Love Island

2013 For Those Who Can Tell No Tales

2009 On the Path

2007 Builder’s Diary

2006 Grbavica


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Highlights: Forever Friends 131

Spielfilm. Russland 2015

Sprache Russisch mit engl. UT (02.10.)

und dt. UT (03.10 und 04.10)

Länge 100 min.

Format DCP

Farbe

ONCE

Odnazhdy

Regie Renat Davletyarov

Drehbuch Yuriy Korotkov

Kamera Semyon Yakovlev

Musik Nicola Piovani

Produzenten Renat Davletyarov,

Alexander Kotelevsky

In den 1970er Jahren hält eines Tages selbst

in der Sowjetunion die westliche Mode

Einzug: Lange Haare, Glocken hosen und

Miniröcke sowie natürlich Disco und Rock

‘n‘ Roll sind plötzlich auch dort bei vielen

Jugendlichen höllisch angesagt. Man hört

die Songs der Beatles und tanzt dazu. Die

Verbote der Partei sowie der Schulleitung

sind für viele eigentlich nur dazu da, umgangen

zu werden. Im russischen Comingof-Age-Drama

Once treiben sich die in einer

Provinzstadt lebenden Teenager Kolyadko,

Dyoma, Kissel und Tanka nach Schulschluss

meist draußen auf den Straßen

herum. Weil es eben genau dort verdammt

gut nach Freiheit riecht. Und weil sich ihrer

Überzeugung nach dort das eigentliche

Leben abspielt, bei ihrer Jugendbande,

bei Motorradrennen, bei Schlägereien,

mit kleinen Diebstählen und bei Feiern

mit billigen Zigaretten und Wein. Wahre

Freundschaft, echter Verrat sowie die erste

große Liebe inklusive. Aber was tut man

eigentlich, wenn man sich in die Freundin

seines älteren Bruders verliebt? Once

ist eine komödiantisch inszenierte und

sehr unterhaltsame Dreiecks geschichte.

Wer einen Ausflug in die eigene Jugend

(made in UdSSR) machen möchte oder

wer wissen will, was damals die Eltern

(in der UdSSR, aber auch anderswo) so

angestellt haben, ist hier genau richtig.

One day in the 1970s, western fashion arrives

even in the Soviet Union: long hair,

bellbottom jeans and mini skirts and, of

course, disco and rock ’n’ roll are totally

hot among many local teenagers. They

listen and dance to the songs of the Beatles.

For many, the bans pronounced by

the communist party and by the head of

the school only exist to be avaded. In the

Russian coming-of-age drama True Blue

Story, teenagers Kolyadko, Dyoma, Kissel

and Tanka mostly hang out in the streets of

their provincial town after school. Because

there they find the damn sweet smell of

freedom. And because they are convinced

that this is real life, their gang, the motorbike

races, the fights, the petty thefts, and the

parties with cheap cigarettes and wine. True

friendship, real treachery, and the first great

love included. But what do you do if you

fall in love with the girlfriend of your elder

brother? Once is a love triangle – directed

like a comedy and very entertaining. If you

are an adult and want to make a journey to

your own youth (made in USSR), or if you

are a teenager who wants to know what

your parents were up to (in the USSR, but

also elsewhere), this is just the film for you.

Darsteller

Kolyadko Yuriy Deinekin

Tanka Dasha Melnikova

Dyoma Nikita Kalinin

Kissel Alexander Melnikov

Onkel Misha Sergey Garmash

Matilda Kristina Babushkina

Produktion REAL-DAKOTA

Vertrieb/Kontakt REAL-DAKOTA

Biografie Renat Davletyarov

Bevor der Regisseur und Produzent Renat

Davletyarov zum Film kam, studierte er Ingenieurswesen.

Zwischen 1999 und 2006 war Davletyarov

Direktor des Internationalen Film Festival ins

Moskau. Auch in weiterer Folge leitete er verschiedene

internationale Filmfestivals, unter anderem

in New York, Paris und Berlin. Zudem ist

Renat Davletyarov Präsident der russischen Filmproduzentenvereinigung

und seit 1997 auch

Geschäftsführer der Produktionsfirma Interfest.

Filmografie Renat Davletyarov

2015 Once

2015 Pure Art

2015 The Dawns Are Quiet Here

2012 Steel Butterfly

2011 We Are Family


132 Highlights: Forever Friends

Spielfilm. Slowenien | Tschechien | Mazedonien |

Italien 2015

Sprache Slowenisch mit engl. UT

Länge 108 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Jan Cvitkovič

Kamera Jure Černec

Schnitt Dafne Jemeršič

Ton Lukáš Moudrý

Musik Aleksander Pešut - Schatzi

Produzenten Aleš Pavlin, Andrej Štritof

ŠIŠKA DELUXE

Darsteller

Fedr Žiga Födransperg

Zekir David Furlan

Mile Marko Miladinović

Goce Petre Arsovski

Jana Jana Prepeluh

Sale Aleksandar Rusić

Produktion Perfo d.o.o.

Vertrieb/Kontakt Perfo d.o.o

Biografie Jan Cvitkovič

Der slowenische Regisseur Jan Cvitkovič wurde

1966 geboren. Sein Physikstudium an der Universität

Ljubljana brach er nach einem Jahr ab und begab

sich auf eine lange Reise durch Israel, Ägypten

und Ostafrika. Nach seiner Rückkehr studierte er

Archäologie in Ljubljana. Erst danach begann er,

Filme zu machen. Jan Cvitkovič feierte schnell

Erfolge. So wurde er bereits für seinen Debütfilm

Bread and Milk in Venedig ausge zeichnet und die

Komödie Gravehopping wurde in San Sebastián

prämiert.

Filmografie Jan Cvitkovič

2015 Šiška Deluxe

2013 Venice 70: Future Reloaded

2011 Archeo

2005 Gravehopping

2001 Bread and Milk

Die Freunde Mile, Fedr und Zekir wohnen

in einem heruntergekommenen Wohnblock

in Ljubljana. Ihre Lebenssituation

ist nicht gerade erfreulich: Der notorische

Besserwisser Mile lebt als 40-Jähriger noch

immer bei seiner Mutter, der alkoholkranke

Ex-Skinhead Fedr hat gerade eine

Trennung hinter sich und der ehemalige

Punk Zekir leidet unter seiner Einsamkeit.

Zudem sind alle drei arbeitslos, mehr als

Gelegenheitsjobs fallen für sie nicht ab.

Als Fedr unverhofft ein kleines Geschäftslokal

erbt, wittern die Freunde die Chance

auf einen Neubeginn. Und eröffnen

kurzerhand eine Pizzeria. Da sie aber keine

Ahnung von der Gastronomie haben,

droht das Projekt schon bald zu scheitern.

Erst als die hilfsbereite Obdachlose Jana

eine schier geniale Idee hat, scheint die

Geschichte doch noch gut auszugehen:

Ab sofort, so der Plan, können die Kunden

zu jeder Pizza auch ein Stück vom großen

Glück mitbestellen. Šiška Deluxe erzählt

von drei schrägen Vögeln und deren

irrwitzigem Versuch, ihrem Leben eine

positive Wendung zu geben. Jan Cvitkovič‘

rasantes Spiel mit alten Klischees sorgt

für Situationskomik, die in Kombination

mit zahlreichen amüsanten Wendungen

eine ebenso spannende wie erfrischende

Sommerkomödie ergibt, in der auch

die Romantik nicht zu kurz kommt.

Mile, Fedr und Zekir live in a run-down

block of houses in Ljubljana. Their lifes are

anything but pleasant: a notorious knowit-all

Mile is 40 years old and still lives with

his mother, alcohol-addicted ex-skinhead

Fedr just split up with his partner, and

former punk Zekir, who suffers from loneliness.

Moreover, they are all unemployed;

odd jobs are the best they can get. When

Fedr unexpectedly inherits a small business

venue, the three friends sense a chance for

a new beginning. Without further ado, they

open a pizza place. But since none of them

has any clue as to how to run a restaurant,

the project soon threatens to fail. It is only

when a helpful homeless woman, Jana, has

a brilliant idea that the story seems to take a

turn for the better: from now on, according

to plan, all customers can – in addition to

their pizza – order a piece of happiness. Šiška

Deluxe presents three eccentric weirdoes

and their mad attempt at giving their lives a

positive outcome. Jan Cvitkovič’ wild game

with old clichés ensures situational humour

that – in combination with numerous amusing

turns and events – is as suspenseful as

it is refreshing. A light-hearted summer comedy

that does not lack in romance either.


Highlights: Forever Friends 133

Spielfilm. Bosnien und Herzegowina 2015

Sprache Bosnisch mit engl. UT

Länge 94 min.

Format DCP

Farbe

THOUSAND

Hiljadarka

Regie Nenad Đurić

Drehbuch Zilhad Ključanin

Kamera Dušan Joksimović

Schnitt Antonio Ilić

Musik Vlado Podany

Produzenten Almir Šahinović

Bosnien, 1955. Atif, Sohn eines Bergmanns,

fährt gerade in die Grube ein, als er erfährt,

dass sein Gesicht künftig die wertvollste

Banknote im ganzen Land zieren wird,

den 1000-Dinar-Schein. Niemand weiß,

wie er eigentlich zu dieser Ehre kommt.

Er wird nach Belgrad eingeladen und trifft

dort sogar den Staatschef, Josip Broz Tito.

Nach der Rückkehr gilt er in seinem Provinzkaff

als berühmter Mann. Er bekommt

einen guten Job, genießt die neu erworbenen

Privilegien und alles scheint bestens.

Bis er sich in eine Prostituierte verliebt,

eine junge Frau, die Probleme regelrecht

anzieht und die von allen nur „Tausend“

genannt wird – so viel, wie ihre meistgebuchte

Dienstleistung kostet. Atif kündigt

und lebt ein echtes Lotterleben. Was ihn

wurmt: Gesellschaftlich anerkannt werden

er und seine Freundin nicht. Da heißt es

plötzlich, dass Tito zu Besuch kommt…

Thousand ist eine wirklich witzige Komödie

über den Kommunismus und die

Arbeiterbewegung, über Menschenrechte

und Klassenunterschiede. All das ist natürlich

nach wie vor aktuell, selbst wenn die

Themen momentan aus der Zeit gefallen

erscheinen. Der Film hat das Zeug zum

Kassenschlager und beeindruckt in erster

Linie durch ein hervorragendes En semble

und ein tolles Skript. Dass einiges ganz

klar unter die Rubrik lokaler Humor fällt,

wird zumindest Bosnier gar nicht stören.

Bosnia, 1955. Atif, a miner's son, is about

to go down into the mine when he is told

that his face is going to adorn the country's

most valuable bank note in future:

the 1000 Dinar note. Nobody knows what

he has done to deserve this honour. He is

invited to Belgrade, where he even meets

head of state Josip Broz Tito in person. After

his return, he is considered a famous

man in his provincial backwater. He gets

a fine job, enjoys the newly acquired privileges,

everything seems perfect. Until

he falls in love with a prostitute, a young

woman who is a proper trouble magnet,

and who is only called “Thousand” by

everyone – referring to the amount she

charges for her most popular service. Atif

resigns and indulges in a dissolute lifestyle.

What irritates him: he and his new

girlfriend do not get any social respect. All

of a sudden, a visit by Tito is announced.

Thousand by the Bosnian director Nenad

Đurić is a very funny comedy about communism

and the labour movement, about

human rights and class distinctions. Obviously,

all of this is still contemporary,

even if the topics seem to have fallen out

of time momentarily. The film has the makings

of a real box office hit and primarily

impresses its audience through an excellent

cast and a terrific script. Especially

Bosnians are definitely not going to mind

the fact that some of the gags clearly fall

into the category of local sense of humour.

Darsteller

Atif Kurtovic Branislav Trifunović

Hiljadarka Aida Bukva

Postar Fadil Moamer Kasumović

Stojan Goran Kostić

Josip Broz Tito Nikola Kojo

Produktion HEFT Production

Vertrieb/Kontakt HEFT / Continental Film

Biographie Nenad Đurić

Der Regisseur und Drehbuchautor Nenad Ɖurić

wurde 1970 in Sarajevo geboren, wo er Vergleichende

Literaturwissenschaft studierte. Seit 1994 ist er

als Regisseur und Produzent für das bosnische Fernsehen

tätig. Seine Dokumentationen wurden mehrfach

prämiert. 2006 feierte Nenad Ɖurić mit Skies

Above The Landscape sein Spielfilmdebüt, wofür er

beim Sofia International Film Festival sowie in Japan

ausgezeichnet wurde. Thousand ist Ɖurićs zweiter

abendfüllender Spielfilm und feierte im Rahmen des

Sarajevo Film Festivals Weltpremiere.

Filmografie Nenad Đurić

2015 Thousand

2006 Skies Above The Landscape


BRUNNER & DANZINGER KG

www.kozel-bier.at

DAS MENSCHLICHE MASS www.aktionsradius.at

Dienstag, 29. September, 19.30 Uhr

VIKTOR FRANKL

SINNLEHRE GEGEN

SINNLEERE

Vortrag Johanna Schechner, Frankl Zentrum.

(Am DO 22. Oktober laden wir auch zur

STADTFLANERIE in die ehem. Wiener Poliklinik

und ins neue Viktor-Frankl-Museum!)

Dienstag, 6. Oktober 2015, 19.30 Uhr

SALLY PEREL

HITLERJUNGE SALOMON

In Kooperation mit

Vortrag Sally Perel & Gespräch mit Peter

Huemer über Lebensgeschichte, innere

Zerrissenheit und doppelte Indentität.

Dienstag, 13. Oktober 2015, 19.30 Uhr

LEOPOLD KOHR

SMALL IS

BEAUTIFUL

Videodokumentation „Rückkehr zum

menschlichen Maß“ (Alfred Ninaus) und

Vortrag (Egon Christian Leitner) über den

österreichischen Philosophen.

Dienstag, 20. Oktober 2015, 19.30 Uhr

ADOLF HOLL

ZUR FROHEN

ZUKUNFT

Werkstattgespräch (Egon Christian Leitner)

mit dem gelassensten, abgeklärtesten,

listigsten, unernstesten und charmantesten

Dissidenten der katholischen Kirche.

Dienstag, 27. Oktober 2015, 19.30 Uhr

PEPE MUJICA

GUERRILLERO &

PRÄSIDENT

Filmdoku der Schweizer Filmemacherin

Heidi Specogna über den charismatischen

Präsidenten Uruguays; danach Gespräch mit

Regieassistentin Isabel Alvarez (Uruguay).

Aktionsradius Wien | 1200 Wien, Gaußplatz 11 | Tel. 332 26 94 | office@aktionsradius.at | www.aktionsradius.at | www.facebook.com/aktionsradius


Highlights: Forever Friends 135

WE WILL BE THE

WORLD CHAMPIONS

Bićemo prvaci sveta

Nebojša, Borisa, Radomir und Aleksandar

haben eine Vision. Sie wollen der Sportart

Basketball in Europa zum Durchbruch

verhelfen. Mit der Gründung der ersten

Basketballschule in Jugoslawien kommen

die Pioniere ihrem Traum ein kleines Stück

näher. Und als sie sich ein paar Jahre später

dann mit dem jugoslawischen Team sogar

für die Weltmeisterschaft 1970 qualifizieren

können, sind sie praktisch im Olymp des

Basketballs angelangt. Dort wartet mit den

USA ein scheinbar übermächtiger Gegner.

Für die vier jungen Männer, ihre Mannschaft,

aber auch für Jugoslawien steht

eine der wohl größten sportlichen Herausforderungen

bevor: Können Sie den Weltmeistertitel

und damit die Goldmedaille

holen? In We Will Be the World Champions

wird die Entwicklung und das Engagement

von Menschen thematisiert, die gemeinsam

für eine große Vision leben und kämpfen.

Der serbische Regisseur Darko Bajić

nimmt sich damit der wahren Geschichte

der vier entscheidenden Begründer des

Basketballsports in Jugoslawien an. Dabei

versucht er sowohl den einzelnen, historisch

wertvollen Charakteren als auch der

Komplexität der Handlung gleichermaßen

gerecht zu werden, um so authentisch wie

möglich zu bleiben. Eine mitreißende Biografie

über Träume, Sport und Teamgeist,

die mit viel Witz und Gefühl begeistert.

Nebojša, Borisa, Radomir and Aleksandar

share a vision. They want to

make basketball a success in Europe. By

establishing Yugoslavia's first basketball

school, the pioneers get a step closer to

their dream. A few years later, the Yugoslav

team even manages to qualify for

the 1970 World Championships – they

have arrived in basketball paradise. However,

they have to play against the US

team – an opponent seemingly superior

by far. Now the four young men, their

team, but also Yugoslavia face one of

the biggest challenges in their lives: will

they be able to land the title and win the

first gold medal at the World Championships?

We Eill Be The World Champions

shows the development and commitment

of people who spare no effort to

make a great dream come true. Serbian

director Darko Bajić tells the true story of

the four founders of Yugoslavian basketball,

trying to do justice to the individual

real-life characters as well as to the extremely

complex plot, while remaining as

authentic as possible. A witty yet emotional

biography about dreams, sports and

team spirit that captivates the audience.

Spielfilm. Serbien | Kroatien | Slowenien |Bosnien

und Herzegowina | Mazedonien 2015

Sprache Serbisch, Mazedonisch, Slowenisch,

Englisch mit engl. UT

Länge 125 min.

Format DCP

Farbe

Regie Darko Bajić

Drehbuch Nebojša Romčević, Goran Svilačić,

Gordan Mihić

Kamera Milan Tvrdišić

Schnitt Andrija Zafranović

Musik Zoran Kiki Lesandrić

Ton Nenad Vukadinović, Velibor Hajduković

Kostüm Dragica Laušević

Produzenten Dejan Petrović, Zvonimir Šimunec

Koproduzenten Tijana Višnjić, Aleš Pavlin, Andrej

Štritof, Ankica Jurić-Tilić

Darsteller

Nebojsa Popović Strahinja Blažić

Bora Stanković Aleksandar Radojićić

Radomir Saper Miloš Biković

Aleksandar Nikolić Marko Janketić

Major Stukalo Leon Lučev

Produktion Intermedia Network

Vertrieb/Kontakt Soul Food Films

Biografie Darko Bajić

Darko Bajić wurde 1955 in Belgrad geboren und

schloss 1982 sein Filmstudium ab. Im selben Jahr

erschien Direktan prenos, der beim Internationalen

Filmfestival von Pula ausgezeichnet wurde. Darko

Bajić drehte nicht nur zahlreiche Spiel- und Dokumentarfilme,

sondern wurde in seiner Heimat auch

als Regisseur von Fernsehserien und Theaterstücken

bekannt. Zudem ist er Professor an der Fakultät für

Dramakünste in Belgrad. Mit We Will Be The World

Champions wurde der Regisseur in Pula mit dem

Publikumspreis ausgezeichnet.

Filmografie Darko Bajić (Auswahl)

2015 We Will Be The World Champions

2008 On the Beautiful Blue Danube

2000 War Life

1992 The Black Bomber

1982 Direktan prenos


136 Highlights: Familienbande

Spielfilm. Mazedonien | Tschechien | Slowenien 2015

Sprache Mazedonisch mit engl. UT

Länge 89 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Ivo Trajkov

Kamera Milorad Glušica

Schnitt Andrija Zafranović

Ton Marek Hart

Musik Toni Kitanovski

Ausstattung Ivan Bartling

Produzent Robert Jazadziski

Koproduzenten Branislav Srdić, Jordi Niubo,

Pavel Rejholec

Darsteller

Nikola Nikola Ristanovski

Ana Verica Nedeska

Andov Igor Angelov

Simo Aleksandar Mikic

Stole Branko Beninov

Bazo Mitko Apostolovski

Produktion Kaval Film

Vertrieb/Kontakt I/O Post

Biografie Ivo Trajkov

Ivo Trajkov wurde 1965 in Skopje geboren. Er

studierte bis 1992 an der Prager Filmakademie

(FAMU), wo er aktuell auch unterrichtet und die

Schnittabteilung leitet. Sein erster Spielfilm Jan wurde

1992 als Fernsehfilm realisiert. 1993 drehte er mit

The Canary Connection seine erste Arbeit fürs Kino.

Danach inszenierte er eine Reihe preisgekrönter

Dokumentationen und Spielfilme. Zudem produzierte

er mehr als 60 Folgen der von Kritikern gelobten

TV-Serie Unexplained Deaths. Sein Film Wingless wurde

als Beitrag Mazedoniens für den Oscar zum besten

fremdsprachigen Film im Jahr 2010 eingereicht.

Filmografie Ivo Trajkov (Auswahl)

2015 Honey Night

2009 Wingless

2004 The Great Water

1993 The Canary Connection

1992 Jan

HIGHLIGHTS: FAMILIENBANDE

Highlights: Family Ties

HONEY NIGHT

Medena Nok

Als Abgeordneter im neu gegründeten

und unabhängigen Mazedonien Anfang

der 1990er Jahre darf Nikola bei einer Festivität

am Nationalfeiertag natürlich nicht

fehlen. Dummerweise fällt dieser jedoch

mit dem zehnten Hochzeitstag von Nikola

und seiner Frau Ana zusammen. Dass Nikola

Ana beim Empfang kaum beachtet,

sorgt für eine angespannte Atmosphäre.

Zu Hause angekommen, eskaliert die

Situation: Übermäßiger Alkoholkonsum,

der angestaute Frust der vergangenen

zehn Jahre und die Tatsache, dass Nikola

das private Jubiläum vergessen hat, führen

zu einem heftigen Streit. Als wäre das

nicht schlimm genug, häufen sich in dieser

Nacht auch noch die Anzeichen dafür, dass

Nikola unter Beobachtung steht. Ist er nur

paranoid oder schwebt er tatsächlich in

Gefahr? Immerhin ist erst vor kurzem ein

Minister verhaftet worden, mit dem Nikola

eng zusammengearbeitet hat. Honey Night

spielt in einer einzigen Nacht, in der das

Ehepaar gezwungen ist, seine Vergangenheit

aufzuarbeiten und die Zukunft neu zu

planen. Regisseur Ivo Trajkov ließ sich von

der Geschichte Das Ohr des tschechischen

Drehbuchautoren Jan Procházka inspirieren.

Macht und Machtmissbrauch, sowohl

auf politischer als auch auf privater Ebene,

spielen in dem ungeheuer spannenden

Politthriller, der mit unerwarteten Wendungen

überrascht, eine zentrale Rolle.

Being a Member of Parliament in the newly

established and independent nation

of Macedonia in the early 90s, Nikola is

expected to attend a celebration on the

occasion of the country's National Day.

Unfortunately, however, this is also the

tenth wedding anni versary of Nikola's

and his wife Ana. The fact that Nikola

mostly ignores Ana at the rece ption

makes for a tense atmosphere. Once

the couple returns home, the situation

escalates: excessive alcohol consumption,

the frustration accumulated over the

past ten years and the fact that Nikola

forgot their anniversary unleash a massive

quarrel. As if that wasn't enough, evidence

is piling up that night that Nikola

is under surveillance. Is he just paranoid

or is he really in danger? After all, a minister

with whom Nikola used to collaborate

closely was arrested only a short while

ago. The story of Honey Night is set in just

one night, in which husband and wife are

forced to review their past and make new

plans for the future. Director Ivo Trajkov

was inspired by a story called The Ear

written by Czech screenplay writer Jan

Procházka. Power and the abuse of power,

both on a political and a private level,

play a central role in the tremendously

suspenseful political thriller, which surprises

the audience with unexpected twists.


Highlights: Familienbande 137

Spielfilm. Slowenien | Serbian | Mazedonien |

Kroatien 2014

Sprache Slowenisch mit engl. UT

Länge 113 min.

Format DCP

Farbe

INFERNO

Marko, Ehemann und Vater zweier Kleinkinder,

hat seinen Job verloren. Und unternimmt

alle möglichen Anstrengungen,

um mit seiner Familie trotzdem über die

Runden zu kommen. Er bemüht sich um

neue Arbeit, spendet regelmäßig Blut und

zerreißt sich förmlich, um seine Frau Sonja

und die Kinder bei Laune zu halten. Doch

es fehlt sogar am nötigsten: Der Strom

wurde abgeschaltet, in der Wohnung ist es

bitterkalt und es ist kaum noch etwas zu

Essen da. Als den Kleinen sogar der Besuch

im Kindergarten verweigert und die Familie

vor die Tür gesetzt wird, eskaliert die

Lage. Nur die Leute von der Arbeiterbewegung

machen Marko ein wenig Hoffnung.

Gibt es ein Entrinnen aus dieser Hölle, die

an Dante Alighieris Inferno der Göttlichen

Komödie angelehnt ist? Vinko Möderndorfers

erschütterndes Sozialdrama zeigt

in düsteren Bildern das harte Ringen einer

Kleinfamilie um Gerechtigkeit. Der tagtägliche

Kampf ums Überleben verstört, regt

zum Nachdenken an und verlangt auch

vom Kinopublikum starke Nerven. Möderndorfer

sieht Marko dabei stellvertretend

für Millionen von Menschen, die jeden

Tag mit dem Gefühl der Machtlosigkeit aufwachen.

Inferno veranschaulicht die Wut

einer ganzen Generation über jene Ungerechtigkeiten,

die die Wirtschaftskrise mit

sich gebracht hat, und erweist sich damit

auch als schonungslose Kapitalismuskritik.

Marko, married to Sonja and the father

of two toddlers, has lost his job. Nevertheless,

he makes every possible effort to

make ends meet and support his family.

He tries to find a new job, donates blood

on a regular basis and nearly bends over

backwards to humour his wife and kids.

But they lack even the bare necessities:

electricity has been cut off, the apartment

is bitterly cold, and there is almost no food

left. When even the kids are thrown out

of kindergarten and the family is evicted

from their home, the situation escalates.

Only the people of the labour movement

are still able to raise some hope in Marko.

Is there an escape from this hell, which

is based on Dante Alighieri's Inferno of

the Divine Comedy? In bleak scenes, Vinko

Möderndorfer's heartbreaking social

drama shows a small family's hard struggle

for justice. Marko's everyday fight for

survival is an unsettling story for reflection

that stretches the audience's nerves.

Möderndorfer sees Marko as representing

millions of people who wake up every

day with a feeling of helplessness. Inferno

illustrates the rage of a whole generation

about the injustices brought on by the

global economic crisis, and thus turns out

to be relentless in its criticism of capitalism.

Regie und Drehbuch Vinko Möderndorfer

Kamera Mirko Pivčević

Schnitt Andrija Zafranović

Ton Julij Zornik

Kostüm Alenka Korla

Produzentin Eva Rohrman

Koproduzenten Ankica Jurić Tilić,

Vladimir Anastasov, Angela Nestorovska,

Biljana Prvanović, Srdjan Dragojević

Darsteller

Marko Marko Bukvič

Mare Marko Mandić

Sonja Medea Novak

Andrejka Lara Volavšek

Vladimir Renato Jenček

Direktor Igor Kirov Jernej Šugman

Produktion Forum Ljubljana

Vertrieb/Kontakt Forum Ljubljana

Biografie Vinko Möderndorfer

Der Regisseur und Schriftsteller Vinko Möderndorfer

wurde 1958 in Slowenien geboren. Er

studierte an der Akademie für Theater, Radio, Film

und Fernsehen in Ljubljana und hat mittler weile

über 40 Bücher veröffentlicht und bei mehr als

100 Theaterstücken, Opern und Fernsehauftritten

Regie geführt. Sein erster Spielfilm Suburbs brachte

Möderndorfer sechs internationale und nationale

Auszeichnungen ein. Der darauf folgende Film

Landscapes No.2 wurde sogar mit acht Preisen ausgezeichnet.

Auch Möderndorfers aktuellstes Werk

Inferno wurde bereits fünf Mal prämiert.

Filmografie Vinko Möderndorfer (Auswahl)

2014 Inferno

2008 Landscape No.2

2004 Suburbs


138 Highlights: Familienbande

Spielfilm. Montenegro 2014

Sprache Montenegrinisch mit engl. UT

Länge 94 min.

Format DCP

Farbe

Regie Nikola Vukčević

Drehbuch Milica Piletić, Nikola Vukčević

Kamera Dimitrije Joković

Schnitt Srđan Dido Stanojević

Musik Vladimir Moritz

Produzent Nikola Vukčević

Koproduzenten Ivan Đurović, Rade Vojvodić,

Nina Redžepagić, Dario Domitrović,

Ratko Jovanović

Darsteller

Stanko Goran Bogdan

Vojo Filip Đuretić

Potpara Emir Hadžihafizbegović

Mutter Ana Sofrenović

Stanko (Teenager) Momčilo Otašević

Produktion Galileo production Montenegro

Vertrieb/Kontakt Galileo production Montenegro

Biografie Nikola Vukčević

Nikola Vukčević wurde 1974 im ehemaligen

Titograd (Podgorica) geboren. Seit 1995 ist er

sowohl als Regisseur als auch als Drehbuchautor

und Produzent tätig. 2010 promovierte er an der

Akademie der Künste in Novi Sad. Vukčević hat

auch viele Werbespots gedreht und am Theater

inszeniert. The Kids from the Marx and Engels Street

ist sein zweiter abendfüllender Spielfilm.

Filmografie Nikola Vukčević

2014 The Kids from the Marx and Engels Street

2005 A View from Eiffel Tower

THE KIDS FROM THE MARX

AND ENGELS STREET

Djecaci iz ulice Marksa i Engelsa

In ein und derselben Nacht stehen Stanko

und Vojo davor, eine Tat zu begehen, die

ihr Leben verändern wird: Der eine Bruder

will zum ersten Mal töten, der andere

zum ersten Mal mit einer Frau schlafen.

Eigentlich kehrte der 30-jährige Stanko

nach Montenegro zurück, um Rache am

Mörder seines Vaters zu nehmen. Dort angekommen

muss er aber feststellen, dass

nichts mehr ist, wie es war. Nicht nur seine

Heimatstadt hat sich verändert, sondern

auch die Menschen um ihn herum. Sein

16-jähriger Bruder Vojo ist einer davon.

Er ist erwachsen geworden und steht vor

einer großen Herausforderung – seinem

ersten Mal. Beide Männer fühlen sich auf

der Suche nach Genugtuung und Selbsterfüllung

unsicher und keiner der beiden

ist für die selbst auferlegte Aufgabe gewappnet,

sei es Mord oder Sex. Vielmehr

machen äußere Umstände ihre Wünsche

und Sehnsüchte sogar unerfüllbar. Heimlicher

Star des zwischen Rachethriller und

Melodram angesiedelten Films ist jedoch

Podgorica. Über mehr als 20 Jahre hinweg

löst sich die Stadt nach und nach von

ihrer Vergangenheit als kommunistische

Provinz und verwandelt sich in eine lebhafte

Metropole. Eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Story,

in deren Mittelpunkt

das zeitgleiche Erwachsenwerden einer

ganzen Generation und einer Stadt steht.

One night, two brothers are on the point

of doing something that will change their

lives forever: Stanko wants to kill a person

for the first time, while Vojo plans to sleep

with a woman for the first time. Actually,

30-year old Stanko had returned to Montenegro

to take revenge on the killer of his

father. Upon arriving, however, he finds

out that nothing is the way it used to be.

Not only has his hometown changed, but

so have the people around him. One of

them is Vojo, his 16-year old brother, who

has grown up and is facing a big challenge

– losing his virginity. Seeking satisfaction

and self-fulfilment, both men feel insecure

and neither of them seems to be ready and

prepared to fulfil their self-imposed task, be

it murder or sexual intercourse. In fact, external

circumstances even make it impossible

for them to satisfy their wishes and desires.

The secret star or this movie, however, which

is part revenge thriller and part melodrama,

is Podgorica. In the course of more than 20

years, the city throws off its chains as a communist

province and turns into a vibrant

metropolis full of urban myths. An unusual

coming-of-age story centres on a whole

generation – and a whole city – growing up.


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140 Highlights: Familienbande

Spielfilm. Kasachstan 2014

Sprache Kasachisch, Russisch mit engl. UT

Länge 93 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Adilkhan Yerzhanov

Kamera Yerkinbek Ptyraliyev

Schnitt Adilkhan Yerzhanov

Musik Andrei Dubodelov, Mikhail Sokolov,

Alexander Sukharev

Ton Alexander Sukharev

Kostüm Gaziza Nakypova

Produzenten Adilkhan Yerzhanov, Olga Khlasheva,

Serik Abishev

Darsteller

Yerbol Yerbolat Yerzhan

John Aidyn Sakhaman

Aliya Aliya Zainalova

Zhuba Bauyrzhan Kaptagai

Polizist Nurbek Mukushev

Produktion Kazakhfilm JSC

Vertrieb/Kontakt UDI

Biografie Adilkhan Yerzhanov

Adilkhan Yerzhanov, geboren 1982 in Djezkazgan,

Kasachstan, studierte Regie an der Nationalen

Kunstakademie in Kasachstan und später in

New York. Bereits mit 17 Jahren gewann er einen

Drehbuchwettbewerb des kasachischen Fernsehens

für eine Zeichentrickserie. Seine beiden

ersten Spielfilme Rieltor und Constructors fanden

bei mehreren internationalen Filmfestivals, unter

anderem in Edinburgh, Busan, Freiburg und Dubai,

viel Beachtung. Yerzhanovs aktueller Film The

Owners wurde 2014 in Cannes gezeigt, gewann in

Warschau den Free Spirit Award, wurde in Chicago

für seine Originalität lobend erwähnt und lief bei

15 weiteren Filmfestivals in zwölf Ländern.

Filmografie Adilkhan Yerzhanov (Auswahl)

2014 The Owners

2013 Constructors

2011 Rieltor

THE OWNERS

Ukkili kamshat

Der 25-jährige John lebt zusammen mit

seinem halbwüchsigen Bruder Erbol und

seiner an Epilepsie leidenden 12-jährigen

Schwester Aliya in Almaty, der größten

Stadt Kasachstans. Als sie ihre Miete nicht

mehr bezahlen können, müssen die drei ihr

Heim verlassen. Glücklicherweise hat ihnen

jedoch ihre verstorbene Mutter ein Haus

vererbt – allerdings mitten im Nirgendwo.

Dennoch wollen die Geschwister dort

einen Neuanfang wagen. Doch dummerweise

hat sich in ebendiesem Haus bereits

vor zehn Jahren Zhuba eingenistet, ein

ortsbekannter Trinker, der eine seltsame

Nostalgie für das Sowjet-Regime hegt. Der

Mann ist noch dazu der Bruder des örtlichen

Polizeioffiziers und weigert sich daher

selbstbewusst auszuziehen. Der Kampf der

Geschwister um ihr neues Zuhause scheint

aussichtslos und nimmt bald absurde Züge

an… „Kafka trifft auf Kaurismäki“ schrieb The

Hollywood Reporter über The Owners. Und

weiter: Das tragikomische Rachedrama des

jungen Regisseurs Adilkhan Yerzhanov übt,

gespickt mit viel schwarzem Humor, Kritik

an der herrschenden sozialen Ungleichheit

des Landes und verpacke diese gekonnt

in ebenso poetische wie surreal anmutende

Bilder. The Owners wurde bei den Internationalen

Filmfestspielen von Cannes

präsentiert und von Publikum und Kritik

gleichermaßen begeistert aufgenommen.

25-year-old John lives in Almaty, the largest

city of Kazakhstan with his adolescent brother

Erbol and his 12-year old sister Aliya,

who suffers from epilepsy. When they can

no longer afford the rent, they are forced

to leave their home. Fortunately, their deceased

mother left them a house, which is

— unfortunately — located in the middle

of nowhere. Nevertheless, the siblings are

willing to start a new life there. What makes

things worse, however, is the fact that

ten years ago a man called Zhuba moved

into this house. A locally-known drunk with

a strange nostalgia for the Soviet regime,

Zhuba is the brother of the local police

officer and therefore self-assuredly refuses

to leave the house. The siblings' fight

for their new home seems hopeless and

soon becomes somewhat absurd… The

Hollywood Reporter described The Owners

as “Kafka meets Kauris mäki”, further observing

that this tragicomic revenge drama

by young Director Adilkhan Yerzhanov is

full of black humour, criticises the social

inequality prevailing in the country, masterfully

presenting it in pictures that are

both poetic and surreal. The Owners was

presented at the International Film Festival

in Cannes where it was received enthusiastically

by both the audience and critics.


Highlights: Familienbande 141

THESE ARE THE RULES

Takva su pravila

Der Busfahrer Ivo und seine Frau Maja

wohnen mit ihrem einzigen Sohn Tomica

in einem tristen Vorort von Zagreb. Dass

der Teenager kaum mit ihnen spricht und

oft erst spätnachts heimkommt, beunruhigt

sie ein wenig. Abgesehen davon verläuft

ihr einfaches Leben jedoch in sehr

geordneten Bahnen. Eines Abends wird

Tomica ohne ersichtlichen Grund auf der

Straße von Jugendlichen angegriffen und

brutal niedergeschlagen. Er tut diesen

Vorfall anfänglich als nebensächlich ab,

aber lässt sich letztlich doch überreden,

ins Krankenhaus zu fahren. Dort diagnostizieren

die Ärzte nur leichte Verletzungen.

Wieder zuhause angekommen, kippt er

jedoch bewusstlos um und schnell wird

klar, dass er bei der Prügelei offenbar wesentlich

mehr als nur ein paar Schrammen

abbekommen hat. Die Eltern durchleben

von nun an einen schrecklichen und

nicht enden wollenden Albtraum. Ihre

als sicher geglaubte Welt erweist sich zunehmend

als Illusion. Die beiden sehen

sich bald gezwungen, die offiziellen und

inoffiziellen Regeln, an die sie bislang

geglaubt haben, zu hinterfragen – und

müssen letztlich gegen das apathische

System um sie herum den Kampf aufnehmen.

Das kraftvolle, sehr naturalistisch

inszenierte, durchaus sozialkritische und

auf einer wahren Begebenheit beruhende

Drama erweist sich als aufrüttelnde

Geschichte einer persönlichen Tragödie.

Bus driver Ivo and his wife Maja live in

a drab suburb of Zagreb with their only

son Tomica. They are a little concerned

about the fact that the teenage boy

hardly ever talks to them and frequently

does not get home before late at night.

Apart from that, their simple life runs

smoothly and quietly. One night, Tomica

is attacked and beaten up by other

youngsters in the street without any obvious

reason. At first, he shrugs off this incident

as insignificant, but finally agrees

to go to the hospital after all, where the

doctors diagnose slight injuries only.

Back home, however, he passes out, and

it turns out quickly that he has suffered

far more serious injuries by the beating

than just a few scratches. From now on,

the parents go through a terrible, endless

nightmare. Gradually, their allegedly safe

world turns out to be nothing but an illusion.

Both of them are soon forced to

question the official and unofficial rules

they had previously believed in – and ultimately,

they even have to fight against

the apathetic system surrounding them.

This powerful, naturalistically directed

drama based on a true story, including a

fair share of social criticism, proves to be

the evocative story of a personal tragedy.

Spielfilm. Kroatien | Serbien | Frankreich 2014

Sprache Kroatisch mit engl. UT

Länge 78 min.

Format DCP

Farbe

Regie und Drehbuch Ognjen Sviličić

Kamera Crystel Fournier

Schnitt Atanas Georgiev, Nicholas d’Halluin

Ton Tomislav Gasparic, Jean-Guy Véran, Daniel Gries

Kostüm Katarina Zaninović

Produzentin Janja Kralj

Darsteller

Maja Jasna Žalica

Ivo Emir Hadžihafizbegović

Tomica Hrvoje Vladisavljević

Tea Veronika Mach

Doktor Goran Bogdan

Produktion KinoElektron

Vertrieb/Kontakt UDI

Biografie Ognjen Sviličić

Geboren wurde Ognjen Sviličić 1971 in Split, Kroatien.

Er führte bereits bei fünf Spielfilmen Regie

und war als Drehbuchautor für mehrere internationale

Produktionen tätig, wie beispielsweise What

Iva recorded von Tomislav Radić und Slovenian Girl

von Damjan Kozole. Sein Film Sorry for Kung Fu

feierte Premiere bei der 55. Berlinale und gewann

zahlreiche internationale Preise. Ognjen Sviličić arbeitet

ebenfalls als Professor für Drehbuch an der

Akademie der Dramatischen Künste in Zagreb.

Filmografie Ognjen Sviličić (Auswahl)

2014 These are the Rules

2010 Two Sunny Days

2007 Armin

2004 Sorry for Kung Fu


142 Highlights: Familienbande

Spielfilm. Russland | Lettland | Frankreich 2014

Sprache Russisch mit engl. UT

Länge 100 min.

Format DCP

Farbe

Regie Vera Glagoleva

Drehbuch Svetlana Grudovich, Olga Pogodina

Kamera Gints Berzins

Schnitt Alexander Amirov

Ton Petr Malafeev

Musik Sergey Banevich

Ausstattung Elena Zhukova, Olga Arkhipova

Kostüm Elena Lukianova

Produzent Natalia Ivanova

Darsteller

Natalia Petrovna Anna Astrakhantseva

Mikhail Rakitin Ralph Fiennes

Arkady Islaev Alexander Baluev

Elizaveta Bogdanovna Sylvie Testud

Vera Anna Levanova

Alexei Belyaev Nikita Volkov

Produktion Horosho Production, Rézo Films,

Soda Pictures

Vertrieb/Kontakt Media Luna New Films UG

Biografie Vera Glagoleva

Vera Glagoleva wurde 1956 in Moskau geboren

und trat zuerst als Schauspielerin in zahlreichen

russischen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen

in Erscheinung. Seit Anfang der 1990er Jahre

widmet sie sich überwiegend der Regie von

Filmen. Ihre bisher bekannteste Regiearbeit ist

One War, die unter anderem auf den Filmfestivals

in Kairo, Monte-Carlo und Sofia ausgezeichnet

wurde. Zudem ist Vera Glagoleva Mitglied der

Europäischen Filmakademie.

Filmografie Vera Glagoleva (Auswahl)

2014 Two Women

2012 Incidental Acquaintance

2009 One War

2005 Order

1991 Broken Light

TWO WOMEN

Mesyats v derevne

Natalia Petrovna ist Ehefrau eines reichen

Gutsbesitzers, Mutter sowie Gesellschaftsdame

und damit eine typische Frau der

russischen Oberschicht des ausklingenden

19. Jahrhunderts. Sie erfüllt die ihr in dieser

patriarchalen Gesellschaft zugeschriebene

Rolle sehr gut und scheint auch nicht

unglücklich mit ihrem Leben zu sein. Als

der junge und äußerst attraktive Lehrer

Alexei in ihr Leben tritt, entfacht eine

unkontrollierbare Leidenschaft zwischen

den beiden. Aber nicht nur Alters- und

Klassenunterschiede stehen den Liebenden

im Weg, sondern auch Natalias älterer

Ehemann, der langsam Verdacht schöpft

sowie der Familienfreund Rakitin, der sich

ebenfalls zu Natalia hingezogen fühlt.

Und Natalias junges Mündel Vera, die

ebenfalls ein Auge auf Alexei geworfen

hat. Sie ist die zweite titelgebende Frau

in diesem klassischen Melodrama, in dem

Herzschmerz, Liebe und Intrigen nicht zu

kurz kommen. Die Verfilmung von Ivan

Turgenevs einst skandalösem Stück Ein

Monat auf dem Lande wirft die stets aktuelle

Frage auf, ob man sein persönliches

Glück vor das der Familie stellen darf. Ein

pompös, vor der Kulisse einer malerischen

Landschaft und mit einem internationalen

Cast – Ralph Fiennes spielt Rakitin, Sylvie

Testud verkörpert eine französische Gouvernante

– inszeniertes Kostümdrama.

Natalia Petrovna is the wife of a rich squire,

a mother and a society lady – and,

accordingly, a typical woman of the Russian

upper class at the end of the 19th

century. She fills the role ascribed to her in

this patriarchal society and does not seem

to be unhappy at all with her life. Nevertheless,

when the young and extremely