VDV Das Magazin Ausgabe Mai 2016

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Das Verbandsmagazin des VDV ist die redaktionelle Plattform für Unternehmen des Öffentlichen Personen- und Schienengüterverkehrs in Deutschland. Konzept und Realisierung: AD HOC PR, Gütersloh.

HINTERGRUND

„Zusammengepuzzelt“: Der VGF koppelt ältere U4-

(rechts) mit neuen U5-Wagen. Sobald sich die Kupplungen

verriegeln, werden die Leittechniken synchronisiert.

Die Lösung

des Puzzles

Es ist eine Innovation, die den Fahrgästen der Verkehrsgesellschaft

Frankfurt am Main (VGF) auf den ersten Blick

wahrscheinlich kaum auffällt, wenn sie in einen Wagen der

Linie U1, U2, U3 oder U8 steigen. Auf dieser stark frequentierten

„Strecke A“ fahren seit einiger Zeit Zugverbände aus

Stadtbahnwagen mit verschiedenen Leitsystemen. Ein System,

das für Verkehrsunternehmen vieles einfacher macht.

Michael Rüffer spricht bisweilen gerne bildlich.

„Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Golf I

mit einem Golf XII verbinden“, beschreibt der VGF-Geschäftsbereichsleiter

Schiene: „Das ist – übertrieben

gesagt – das, was wir gemacht haben.“ Nur dass es der

VGF natürlich nicht um Autos, sondern um zwei verschiedene

Stadtbahntypen ging: um die älteren mit der

Bezeichnung U4 und die neuen U5-Typen. Und dass

die Fahrzeuge vom technischen Stand her vielleicht

nicht ganz so weit auseinander liegen wie die beiden

Golf-Generationen. Dennoch: Das Ergebnis überzeugt.

„Wir sind weltweit die ersten, denen das Kuppeln von

Drehstromfahrzeugen mit verschiedenen Leitsystemen

gelungen ist“, sagt Michael Rüffer stolz. Bisher seien nur

Fahrzeuge mit Gleich- und Drehstromantriebstechnik

desselben Herstellers erfolgreich verbunden worden.

Die Vorteile dieses Systems sind aus Sicht des Geschäftsbereichsleiters

vielfältig: „Wir können unsere

U4- und U5-Fahrzeuge nun komplett zu gemischten

Zugverbänden durchkoppeln“, erklärt er: „Das spart

Reservezüge ein und macht auch betrieblich vieles

einfacher.“ So werde dadurch beispielsweise die Flexibilität

in der Fahrzeugdisposition erhöht. Im dichten

Takt sind außerdem längere Zugverbände bei gleichem

Flottenbestand möglich – die Fahrgäste profitieren also

von einem größeren Sitzplatzangebot.

Seit mittlerweile fast einem Jahr fahren die gemischten

Zugverbände aus älteren U4- und neuen

U5-Fahrzeugen in Frankfurt im Regelbetrieb. Und

so funktioniert es: Werden die beiden unterschiedlichen

Typen zu einer Mischtraktion zusammengefasst,

ahmt der U5- den U4-Zug nach. Um das zu

erreichen, wurden zwei Steuergeräte – sogenannte

VTCU (Vehicle Traction Communication Unit) – in die

neuen U5-Wagen eingebaut. In reinen U5-Zugverbänden

arbeitet eine VTCU dann im vollumfänglichen

„U5-Modus“. Wird ein U4- mit einem U5-Wagen gekuppelt,

wird die andere VTCU in einem „U4-Modus“

gestartet und ahmt so den älteren Wagentyp nach.

Alles auf einen Nenner bringen

Was simpel klingt, war alles andere als einfach.

Schließlich war die neue Fahrzeuggeneration der

alten technisch überlegen. Egal, ob es um die unterschiedliche

Brems- und Fahrdynamik, die eigentlich

inkompatiblen Kommunikationsnetzwerke

DIN-Zugbus und WTB, die verschiedenen Möglichkeiten

bei Betriebs- und Diagnosemeldungen oder die

Fahrgastinformationen ging: Bei allem mussten sich

die U5-Wagen zumindest für Fahrten in der Mischtraktion

an Technik und Leistung ihrer Vorgänger

anpassen („Downsizing“). Ausgelöst wird die Anpassung

schließlich durch das Zusammenschließen der

24 02 | 2016

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