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Ausgabe 76 / Mai Dezember 2016 2015<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
RÜCKEN-<br />
SCHMERZEN<br />
Was gegen<br />
das Volksleiden<br />
der Deutschen<br />
hilft<br />
STRAHLEN<br />
IM ALLTAG<br />
Welche<br />
harmlos<br />
sind – und<br />
worauf wir<br />
achten<br />
sollten<br />
PROMIS<br />
ERKLÄREN:<br />
„Wenn ich<br />
Gesundheitsminister<br />
wäre ...”<br />
Susanne Uhlen<br />
Wie die<br />
Schauspielerin<br />
gegen den<br />
Tumor in ihrer<br />
Brust kämpfte<br />
Brustkrebs<br />
Neue Chancen<br />
Heilung<br />
der<br />
Moderne<br />
Methoden helfen,<br />
Tumoren frühzeitig<br />
zu entdecken –<br />
und damit gezielter<br />
zu behandeln
Stark im Kontrast –<br />
facettenreich im Sortiment<br />
Überzeugende Kontrastmittel für CT, MRT<br />
und CEUS<br />
Hochwertige Medizintechnik für eine sichere<br />
Kontrastmittel-Anwendung<br />
Bracco.<br />
Engagement mit Zukunft<br />
Bracco Imaging Deutschland GmbH · Max-Stromeyer-Straße 116 · 78467 Konstanz · Tel. 0800 218-9562 · www.braccoimaging.de
EDITORIAL<br />
Liebe Leser, sehr geehrte Patienten,<br />
unser aktuelles Heft beschäftigt sich wieder mit einer Vielzahl von Themen. Zum einen<br />
nimmt die Redaktion das wichtige Thema der Bildgebung der weiblichen Brust auf.<br />
Deutschland spielte eine wichtige Rolle bei der Einführung eines allgemeinen<br />
Screening-Programms zur Früherkennung von bösartigen Veränderungen der Brustdrüse.<br />
Auch wenn das Thema in der jüngeren Zeit teilweise kontrovers diskutiert<br />
wurde, ist es Ziel der radiologischen Verfahren, möglichst frühzeitig und zielgenau<br />
verdächtige Befunde zu erkennen. Neben der Mammographie, die momentan auch<br />
eine technische Evolu tion mitmacht, zählen hierzu Ultraschall, Kernspintomographie<br />
und – wer weiß – in der Zukunft auch die spezialisierte Computertomographie. Der<br />
gezielte Einsatz und die Kombination dieser Verfahren sind das Geheimnis einer guten<br />
Diagnostik bei der Brust.<br />
Wir berichten über Ultraschall, beschäftigen uns mit den Ursachen von Bluthochdruck<br />
und beleuchten neue Behandlungswege.<br />
Prof. Dierk Vorwerk,<br />
Präsident der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft e. V.<br />
Auch diskutieren wir, wo denn neben den medizinischen Untersuchungen sonst noch<br />
im Leben überall Strahlung benötigt und verwendet wird – vieles davon ist selbstverständlich<br />
und auch unverzichtbar geworden, genauso wie ein sinnvoller Einsatz<br />
von Röntgenstrahlung.<br />
Die Redaktion stellt Ihnen das spannende Leben des Nikola Tesla vor, der ein ausgezeichneter<br />
Physiker, begnadeter Erfinder und schillernder Mensch gewesen ist – und<br />
dem wir auch die Erfindung der Magnetresonanztomographie zu verdanken haben.<br />
Ganz zum Schluss lassen wir Prominente Gesundheitsminister spielen – lassen Sie<br />
sich also überraschen!<br />
Ihr<br />
Prof. Dierk Vorwerk<br />
Präsident der DRG<br />
INHALT<br />
TITELFOTO: DPA<br />
Impressum<br />
Herausgeber:<br />
Deutsche Röntgengesellschaft e. V.<br />
Ernst-Reuter-Platz 10, 10587 Berlin<br />
Präsident: Prof. Dr. Dierk Vorwerk<br />
(Klinikum Ingolstadt)<br />
Geschäftsführung:<br />
Dr. med. Stefan Lohwasser<br />
Redaktionsleitung:<br />
Dr. Margit Pratschko (Text)<br />
Christine Ast (Art Direction)<br />
Schlussredaktion:<br />
Helga Voit<br />
Bildbearbeitung: JournalMedia<br />
Nachdruck ist nur mit schriftlicher<br />
Genehmigung der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft gestattet.<br />
Dies gilt auch für die Aufnahme in<br />
elektronische Datenbanken und<br />
Vervielfältigungen auf CD-ROM.<br />
Druck: Laserline Druckzentrum<br />
Scheringstr. 1, 13355 Berlin<br />
2 4 Themen & Trends Aus Wissenschaft und Forschung<br />
2 6 Brustkrebs Wie Schauspielerin Susanne Uhlen gegen den Krebs kämpfte.<br />
Experten klären über moderne Möglichkeiten der Diagnose auf<br />
12 Rückenleiden Die besten Tipps gegen das Stechen im Kreuz – und was<br />
Kabarettistin Monika Gruber half<br />
16 Die Entschlüsselung des Schmerzes Überraschende Erkenntnisse von<br />
Hirnforschern<br />
18 Bluthochdruck Ultraschallwellen als mögliche neue Therapie gegen das<br />
Volksleiden der Deutschen<br />
20 Fehler in der Praxis Ärzte entwickeln Strategien gegen fatale Fehler im<br />
Umgang mit Patienten<br />
22 Harnsteine Wie moderne Technik eine sichere Diagnose liefert – und wie<br />
Mediziner heute helfen können<br />
26 Exzentriker und Genie Die Erfindungen von Nikola Tesla veränderten die<br />
Welt – einige davon begegnen uns bis heute<br />
28 Strahlen im Alltag Nicht sichtbar, aber immer da: welche Strahlen<br />
unbedenklich sind und welche uns gefährlich werden können<br />
30 Promi-Umfrage Was Schauspieler einführen würden, wenn sie als<br />
Gesundheitsminister das Sagen hätten<br />
3
THEMEN & TRENDS<br />
Lebensmittelforschung<br />
Dem weißen Schokoreif auf der Spur<br />
Jeder kennt sie – die weiße Schicht, die sich manchmal<br />
auf Schokolade bildet. Ein Zeichen für Ungenießbarkeit?<br />
Nein! Nur eine harmlose Fettablagerung. Doch sie<br />
sorgt immer wieder für Reklamationen und Beschwerden.<br />
Im Auftrag eines Schokoladenherstellers hat das<br />
Forschungszentrum Desy in Hamburg untersucht, wie<br />
es zu dieser unerwünschten Veränderung kommt. Man<br />
durchleuchtete die dunklen Süßigkeiten in einem Röntgenspezialgerät<br />
und fand des Rätsels Lösung: flüssiges<br />
Fett, zum Beispiel aus der Kakaobutter. Wandert es durch<br />
die ultrafeinen Poren der Schokolade aus dem Inneren<br />
an die Oberfläche, kristallisiert es dort als weiße Schicht.<br />
Dagegen helfen würde eine noch größere Dichtestruktur<br />
der Naschereien oder auch eine kühle Lagerung bei etwa<br />
18 Grad. Das würde den Flüssigkeitsanteil minimieren.<br />
HÖCHSTE<br />
KONZENTRATION<br />
US-Präsident Barack<br />
Obama, 54, und<br />
Gattin Michelle, 52,<br />
üben schon einmal.<br />
Hier beim Staatsbesuch<br />
in Argentinien<br />
im März<br />
dieses Jahres<br />
„Ich hatte von meiner Arbeit niemand etwas gesagt; meiner Frau teilte ich nur mit, dass ich etwas mache, von dem die<br />
Wilhelm Conrad Röntgen (27. März 1845 bis 10. Februar 1923) in einem Brief an seinen Schweizer Freund und Physikerkollegen Ludwig Zender<br />
Kurz erklärt<br />
Angiographie<br />
Dieses Diagnoseverfahren ermöglicht<br />
die Darstellung von Arterien, Venen und<br />
Lymphbahnen mittels Röntgen, CT und<br />
MRT in allen Körperregionen. Das dabei<br />
entstehende radiologische Bild, meist<br />
unter Zugabe eines Kontrastmittels, heißt<br />
Angiogramm. So können mögliche<br />
Verengun gen und Verschlüsse der Gefäße<br />
dargestellt werden. Zu den wichtigsten<br />
Anwendungsgebieten gehört<br />
das Aufspüren von lebensbedrohlichen<br />
Gefäß veränderungen im Herzen und im<br />
Gehirn. Auch schmerzhafte Durchblutungsstörungen<br />
der Beine können dargestellt<br />
werden, so dass eine optimale<br />
Therapieplanung ermöglicht wird.<br />
Mehr als11 Jahre<br />
dauert die Ausbildung<br />
zum Radiologen<br />
Wer Spezialist in Sachen Röntgen, CT,<br />
MRT und Ultraschall werden will, braucht<br />
einen langen Atem – denn das Gesamtstudium<br />
ist eines der längsten in der<br />
Medizin. Zwischen dem ersten Unitag und<br />
der Facharzt-Abschlussprüfung liegen<br />
zwölf Semester Medizin-Grundstudium mit<br />
drei Staatsexamina sowie eine fünf Jahre<br />
dauernde Radiologie-Weiterbildung. Die<br />
meisten Ärzte schreiben währenddessen<br />
noch eine Doktorarbeit und erhalten damit<br />
den Titel „Dr. med” – diese Promotion ist<br />
aber keine Voraussetzung für eine erfolgreich<br />
abgeschlossene ärztliche Ausbildung.<br />
4
Mentale Fitness<br />
Tanzen trainiert<br />
den Kopf<br />
Swingende Schrittfolgen<br />
machen nicht nur Spaß – sie<br />
stärken den Geist auch besonders<br />
gegen Demenz. Das<br />
ist das Ergebnis einer Studie<br />
der Universität Magdeburg mit<br />
zwei Gruppen von 68-jährigen<br />
Teilnehmern. Die eine Hälfte<br />
ging sechs Monate zweimal die<br />
Woche zu einem 90-minütigen<br />
vielseitigen Tanztraining, die andere<br />
absolvierte in der gleichen<br />
Zeit unter Anleitung ein Fitnessund<br />
Kraftprogramm. Abschließende<br />
Untersuchungen mittels<br />
Gehirn-Scans, kognitiven Tests<br />
und Blut-Checks zeigten, dass<br />
abwechslungsreiches Tanzen<br />
das Wachstum neuer Nervenzellen<br />
stärker fördert als monotone<br />
Fitness-Übungen.<br />
FOTOS: DPA, MAURITIUS (2), KLAWITTER<br />
Archäologie in Schwerin<br />
Holzbohlen in der Röhre<br />
Medizintechnik kann helfen, Geschichtsbücher umzuschreiben.<br />
Um festzustellen, aus welchem Jahr die ausgegrabenen<br />
verwitterten Eichenbohlen aus dem Burgwall des Schweriner<br />
Schlosses stammen,<br />
hat der<br />
dortige Landesarchäologe<br />
Detlef Jantzen die<br />
pechschwarzen<br />
Stücke durch den<br />
Computertomograph<br />
einer Klinik<br />
schieben lassen.<br />
Mittels der Aufnahmen<br />
können jetzt<br />
die Jahresringe der Hölzer ausgewertet und so das Alter<br />
festgestellt werden – ohne die antiken Teile durch eine Probe<br />
zu beschädigen. So will der Wissenschaftler beweisen, dass<br />
die Gründung von Schwerin mit dem Bau des vormaligen<br />
Herrschersitzes bereits 941/42 stattfand – und nicht, wie<br />
bisher angenommen, erst 1018.<br />
Leute, wenn sie es erfahren, sagen würden: „Der Röntgen ist wohl verrückt geworden“<br />
über die Zeit seiner Erforschung der nach ihm benannten Strahlen<br />
Jetzt sind Sie<br />
der Radiologe!<br />
Was hat es mit dem entenförmigen Gebilde rechts im Bild<br />
auf sich? Tipp: Das weiße Areal unten in der Mitte ist die Wirbelsäule,<br />
der Patient liegt mit den Füßen zum Betrachter im CT.<br />
Was im Bild rechts ist, befindet sich also im Patienten links.<br />
a) Auf dem Bild sieht man eine ballonartige Aussackung<br />
der Schlagader, die den halben Brustkorb<br />
ausfüllt. Etwa ein bis zwei von hundert Menschen<br />
haben so ein Aorten aneurysma – oft ohne davon<br />
zu wissen.<br />
b) Das entenförmige Gebilde ist die Leber. Das Besondere<br />
daran: Der Patient leidet unter dem seltenen<br />
Karthagener-Syndrom, bei dem die inneren Organe<br />
seitenverkehrt angelegt sind. Eigentlich müsste die<br />
Leber also links im Bild (rechts im Körper) sein.<br />
c) Das Bild zeigt einen sogenannten Magenballon,<br />
eine nicht operative Maßnahme zur Behandlung<br />
von starkem Übergewicht. Ein Magenballon besteht<br />
aus Silikon oder Kunststoff. In den meisten Fällen<br />
wird er per Magenspiegelung in den Magen<br />
eingesetzt. Dort erzeugt er durch sein Volumen<br />
ein früheres Sättigungsgefühl.<br />
Die Auflösung finden Sie auf Seite 19<br />
FOTO: ISTOCKPHOTO
BRUSTKREBS<br />
nach dem<br />
Knoten<br />
Kisuaheli<br />
neumix<br />
Varios<br />
Neukifa<br />
Die<br />
Fahndung<br />
Die Diagnose Brustkrebs versetzt<br />
jede Frau in Schrecken. Doch die<br />
Zeit der Hilflosigkeit geht zu Ende: Die<br />
Chancen auf Heilung standen nie<br />
besser als heute. Diese erfreuliche<br />
Entwicklung ist auch den Radiologen<br />
zu verdanken: Ihre Präzisionsmedizin<br />
hilft, Susanne Tumoren Uhlen früher zu erkennen<br />
und gezielter zu behandeln<br />
Eine Radiologiepraxis in Nordrhein-Westfalen. Im<br />
Untersuchungszimmer steht Marion F., 54, etwas<br />
unsicher vor einem Röntgenapparat, dessen weißes<br />
Gehäuse beinahe bis zur Zimmerdecke ragt. Neben<br />
ihr hantiert eine Röntgenassistentin. Sie legt Marion<br />
F. die flache Hand auf den Rücken, schiebt sie sanft<br />
etwas näher an das Instrument. „Den Oberkörper<br />
bitte ganz locker lassen. Prima. Ich lege ihre Brust<br />
jetzt auf diese Plexiglasscheibe und drücke sie mit<br />
dem oberen Glas etwas flach …“<br />
Dann huscht die Mitarbeiterin aus der Kabine,<br />
setzt hinter einer Glaswand das Röntgengerät in<br />
Gang und eilt Sekunden später zurück zu ihrer Patientin.<br />
„Der Druck war nicht schmerzhaft für Sie?<br />
Wir haben eine schöne Aufnahme hingekriegt … Jetzt<br />
noch ein zweites Bild, und dann kommt die andere<br />
Brust dran.“<br />
Vielen Frauen kommt diese Szene vertraut vor. Aus<br />
eigener Erfahrung: Denn rund 2,7 Millionen Bundes-<br />
6
SELBSTTEST<br />
Jede Frau sollte<br />
aufmerksam<br />
Veränderungen<br />
beobachten<br />
und bei einem<br />
Verdacht einen<br />
Arzt aufsuchen<br />
bürgerinnen nutzen jährlich die kostenlose Mammadiagnostik<br />
(„mamma“ ist lateinisch für Brust), die<br />
in spezialisierten Zentren angeboten wird. Dabei<br />
unterziehen sich die per Anschreiben eingeladenen<br />
Teilnehmerinnen einem professionellen Gesundheits-<br />
Check, dessen Durchführung mit strengen Qualitätsauflagen<br />
verbunden ist (siehe Kasten S. 10). „Diese<br />
Reihenuntersuchung mit Röntgenstrahlung gilt als<br />
derzeit wichtigste Methode zur Früherkennung von<br />
Brustkrebs“, sagt Prof. Andrea Rieber-Brambs,<br />
Chefärztin des Instituts für Diagnostische und Interventionelle<br />
Radiologie und Nuklearmedizin am<br />
Münchner Klinikum Neuperlach. Natürlich wird<br />
die Mammographie nicht nur zur Früherkennung<br />
genutzt, sondern auch, wenn Frauen Beschwerden<br />
im Bereich der Brustdrüse verspüren oder gar einen<br />
Knoten tasten. Was wohl nur wenige dieser Patientinnen<br />
wissen: Ihr Röntgen-Check basiert auf einer<br />
Zufallsentdeckung, die vor gut 120 Jahren in Bayern<br />
gemacht wurde …<br />
✦<br />
Universität Würzburg, der 8. November 1895. Es<br />
ist später Freitagabend, die meisten Studenten und<br />
Professoren der Hochschule wärmen sich zu Hause<br />
am Ofen. Lediglich im abgedunkelten Labor des<br />
Physikalischen Instituts tüftelt ein fleißiger Forscher<br />
namens Wilhelm Conrad Röntgen. Der Physiker experimentiert<br />
mit elektrischen Entladungen in einer<br />
gläsernen Vakuumröhre, um die – bereits bekannten<br />
– Lichterscheinungen zu bewundern. Dabei bemerkt<br />
er, dass einige Kristalle in der Nähe des Versuchsaufbaus<br />
plötzlich fluoreszieren, das heißt aufflackern.<br />
Weil die Röhre mit schwarzer Pappe ummantelt ist,<br />
die keinen Lichtstrahl passieren lässt, bleibt dafür<br />
nur eine Erklärung: Die Elektronen produzieren eine<br />
energiereiche und unsichtbare Strahlung, von deren<br />
Existenz noch niemand weiß.<br />
In den folgenden sechs Wochen vergräbt sich<br />
Röntgen tief im Labor. Der als introvertiert geltende<br />
Wissenschaftler schläft und isst in seinem Institut,<br />
wenn er nicht gerade an Experimenten tüftelt, die<br />
das Naturgeheimnis aufhellen sollen. Er findet heraus,<br />
dass die Strahlen durch Materie gehen und das<br />
Innere dieser Stoffe auf einem fotografischen Film<br />
abbilden. Zum Beweis bittet er Ende Dezember seine<br />
Frau Anna Bertha, ihre Hand in den Strahlengang<br />
zu halten. Eine Fotoplatte soll das Ergebnis festhalten.<br />
Tatsächlich zeigt die entwickelte Fotoplatte,<br />
die wahrscheinlich mehr als eine halbe Stunde lang<br />
belichtet wurde, das knöcherne Handskelett seiner<br />
Angetrauten – inklusive Ring am Ringfinger! Das<br />
Bild macht Schlagzeilen rund um die Welt: Zum ersten<br />
Mal gelingt es, einen Blick tief ins Körperinnere<br />
zu werfen, ohne ein Skalpell zu bemühen.<br />
✦<br />
Dank der Entdeckung von Wilhelm Conrad Röntgen<br />
gelingt der Medizin im 20. Jahrhundert ein enormer<br />
Sprung nach vorn. Radiologin Rieber-Brambs:<br />
„Die neue Technik machte plötzlich Knochenbrüche,<br />
Lungenentzündungen, Gelenkrheuma oder Arthrose<br />
ebenso sichtbar wie Karies oder Kieferzysten.“ Die<br />
Krebsmedizin profitierte sogar in doppelter Weise.<br />
Ärzte entdeckten, dass die Röntgenstrahlung in höherer<br />
Dosis Tumorzellen zerstört – die Geburtsstunde<br />
der Strahlentherapie. Setzt man die elektromagnetischen<br />
Wellen dagegen in niedriger Dosis für Diagnosezwecke<br />
ein, können sie bösartige Geschwulste<br />
sichtbar machen, bevor sie Schmerzen verursachen<br />
oder Absiedlungen – also Metastasen – in anderen<br />
Körperregionen bilden. „Derart früh erkannt,<br />
➞<br />
Auffallend: Ab 2005 steigen die Entdeckungsraten zunächst<br />
sprunghaft an. Seit 2009 sind sie allerdings wieder leicht<br />
rückläufig. Die Ursache für das zwischenzeitliche Anschwellen<br />
liegt in dem Mammographie-Screening, das 2005 eingeführt<br />
wurde. Dank der Reihenuntersuchung wurden viele –<br />
vor allem kleinere – Tumoren deutlich früher diagnostiziert als<br />
ohne Screening. Darunter allerdings auch einige Tumoren,<br />
die sonst lebenslang unerkannt geblieben wären und keine<br />
Beschwerden verursacht hätten.<br />
80.000<br />
70.000<br />
60.000<br />
50.000<br />
40.000<br />
30.000<br />
20.000<br />
10.000<br />
Neuerkrankungen<br />
1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012<br />
Absolute Zahl der Neuerkrankungs- und Sterbefälle,<br />
ICD-10 C50, Deutschland 1999–2012<br />
Sterbefälle<br />
97<br />
FOTOS: ALL MEDIACAL – YOUR PHOTO, ISTOCKPHOTO
BRUSTKREBS<br />
SUSANNE UHLEN<br />
Optimistisch<br />
und tapfer: Die<br />
Schauspielerin<br />
verlor während<br />
ihrer Brustkrebstherapie<br />
nie den<br />
Lebensmut<br />
„Die Psyche<br />
spielt eine<br />
große Rolle“<br />
Susanne Uhlen<br />
FOTOS: DPA, ISTOCKPHOTO<br />
Als mir im letzten Sommer der Arzt<br />
sagte: ,Frau Uhlen, die Therapien<br />
sind abgeschlossen, es gibt keinen<br />
Anlass zur Sorge‘, setzte ich mich in<br />
meinen neuen Porsche Targa, machte das Verdeck<br />
auf, drückte aufs Gaspedal und fuhr mit<br />
ohrenbetäubendem, aufheulendem Motor nach<br />
Hause zu meinem Mann und war glücklich.“<br />
Vor zwei Jahren erhielt die zierliche Schauspielerin<br />
die Diagnose: Brustkrebs. Ein Schock.<br />
„Aber komisch, wenn ich heute an diese Zeit<br />
denke, hatte ich keine Panik, eigentlich auch<br />
keine Angst. Ich wusste genau, da ist etwas in<br />
meinem Körper, was da nicht hingehört, und<br />
8
Nicht jeder Befund muss<br />
gleich Krebs sein<br />
das muss wieder weg“, sagt Susanne Uhlen.<br />
„Es mag auch eigenartig klingen“, fährt sie<br />
fort, „aber als ich dann die Chemo machen<br />
musste, fand ich es gar nicht so schlimm. Ich<br />
war medizinisch in guten Händen. Ich habe<br />
Medikamente gegen die Übelkeit bekommen,<br />
mein Mann war immer bei mir, ja, wir hatten<br />
auf einmal sogar viel mehr Zeit für uns.“<br />
Susanne Uhlen will die Krankheit auf keinen<br />
Fall beschönigen. „Aber ich habe mich voll<br />
und ganz in die Therapie fallen lassen, habe<br />
dieses starke Gift der Chemo, das in meinen<br />
Körper gepumpt wurde, als meine Bodyguards<br />
betrachtet, die in meinen Körper geschickt werden,<br />
um da einen Großputz zu veranstalten.<br />
Die Chemo bekämpft die Krebszellen und tötet<br />
sie. Davon war ich völlig überzeugt.“<br />
Selbst als der Schauspielerin büschelweise die<br />
Haare ausfielen, sie sich eine Glatze rasierte,<br />
verlor sie nicht den Optimismus. „Ich glaube,<br />
dass die Psyche bei dieser Krankheit eine<br />
große Rolle spielt. Positiv zu bleiben funktionierte<br />
sehr gut dank der Liebe meines Mannes,<br />
meiner Söhne und, nicht zu vergessen, meiner<br />
Liebe zu meinen beiden Hunden.“<br />
Im vergangenen Sommer war Susanne Uhlen<br />
frei von Metastasen. Aber sie fühlte sich<br />
„hundeelend, schwach, hatte Muskel- und<br />
Gliederschmerzen. Ich habe mich viel schlechter<br />
gefühlt als in der ganzen Zeit während der<br />
Chemo“, erinnert sie sich. Die Schauspielerin<br />
war verzweifelt. Bis eine Ärztin ein großes Blutbild<br />
machte und ihr mitteilte, dass sie unter<br />
einem Vitamin-D-Mangel litt. „Mein Körper<br />
war durch die Krankheit völlig durcheinandergewirbelt,<br />
jetzt nehme ich Mineralstoffe und<br />
Vitamin C. Ich gehe zum Sport, esse, auf was<br />
ich Lust habe, auch mal wieder eine Grapefruit,<br />
die während der Chemo streng verboten<br />
war.“<br />
Jetzt fühlt sich Susanne Uhlen körperlich<br />
wieder „angekommen“, aber sie weiß, dass es<br />
noch einige Zeit dauern wird, bis sie wieder<br />
richtig fit ist. Darum lässt sie sich Zeit, bevor<br />
sie wieder vor der Kamera steht oder Theater<br />
spielt. „Ich bin dankbar und weiß, dass ich zu<br />
den privilegierten Menschen gehöre, die sich<br />
diese Auszeit nehmen können. Das tut meiner<br />
Seele gut.“<br />
Celia Tremper<br />
ANALYSE<br />
Hochspezialisierte<br />
Experten<br />
erkennen, ob<br />
ein Krebsverdacht<br />
besteht<br />
➞<br />
stehen die Chancen deutlich besser, den Krebs<br />
zu heilen“, weiß Rieber-Brambs.<br />
✦<br />
Allerdings lässt sich nicht jedes Organ beim Röntgen<br />
gleichermaßen gut abbilden. Um Nieren oder<br />
Harnblase darzustellen, muss der Arzt zuvor ein Kontrastmittel<br />
spritzen. Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln<br />
und Bänder werden von Röntgenbildern nicht oder<br />
nur schattenhaft erfasst. Doch wenn es darum geht,<br />
bei Frauen wie Marion F. nach Frühformen von Brustkrebs<br />
zu fahnden, kann die Röntgenaufnahme den<br />
entscheidenden Treffer liefern. Das hat mit einer Eigenschaft<br />
zu tun, die Marion F. mit den meisten ihrer<br />
Altersgenossinnen teilt. Prof. Rieber-Brambs: „In den<br />
Wechseljahren wird festes Milchdrüsengewebe zunehmend<br />
durch lockeres Fettgewebe ersetzt. Die Brüste<br />
werden weicher und lassen sich per Mammographie<br />
zumeist besser beurteilen als bei jüngeren Frauen.“<br />
Während die Röntgenstrahlen das lockere Gewebe<br />
nahezu ungehindert passieren, werden dieselben<br />
elektromagnetischen Wellen von härteren<br />
Strukturen geschluckt. Auf diese Weise bringt die<br />
Mammo graphie bösartige Tumoren ebenso ans Licht<br />
wie harmlose Hautverdickungen. Insbesondere die<br />
so genannten Mikroverkalkungen werden ausschließlich<br />
bei dieser Untersuchung offenkundig. Solche<br />
kleinen Kalkherde sind ein Signal für Umbauvorgänge<br />
im Gewebe – zumeist harmloser Art, können<br />
sie auch ein Warnzeichen für Ernsteres sein, etwa für<br />
Oberflächenkarzinome in den Milchgängen. „Rund<br />
ein Drittel aller bösartigen Tumoren zeigt Verkalkun-gen“,<br />
erläutert der Radiologe Prof. Uwe Fischer<br />
vom Diagnostischen Brustzentrum Göttingen.<br />
➞<br />
9
BRUSTKREBS<br />
FOTO: ISTOCKPHOTO<br />
Spezialisten liefern<br />
eine sichere Diagnose<br />
➞<br />
Die Unterscheidung ist eine Angelegenheit<br />
für Profis. Mit der Lupe analysiert der erfahrene<br />
Radiologe die Formen der Kalkpartikel auf dem<br />
Mammographiebild. So fischt er die verdächtigen<br />
Ablagerungen heraus. Ob es sich wirklich um Krebs<br />
handelt, verrät im Zweifel eine minimalinvasive<br />
Mammabiopsie. Dabei entnimmt der Arzt mithilfe<br />
einer feinen Nadel unter örtlicher Betäubung etwas<br />
Gewebe. Wichtig zu wissen: Die meisten Verkalkungen<br />
in der Brust sind als harmlos einzustufen!<br />
✦<br />
Leider stößt die Mammographie in etlichen Fällen<br />
an Grenzen. Tumoren, die nicht mit Kalk einhergehen<br />
– das sind rund zwei Drittel aller Karzinome –,<br />
können in der Aufnahme verborgen bleiben, wenn<br />
die Brust ein sehr dichtes Gewebe aufweist. Der<br />
Knoten wird dann von dem drüsenreichen Areal<br />
überdeckt, als ob er hinter einem Vorhang hinge.<br />
Je kompakter also die Brust, je weniger Fettgewebe,<br />
desto größer die Gefahr, dass der Radiologe auffällige<br />
Veränderungen übersieht. „Bei jüngeren Frauen<br />
mit dichter Brust sinkt die Trefferquote auf rund<br />
35 Prozent. Das ist zu wenig. Deshalb braucht man<br />
zur Ergänzung einen zusätzlichen Brust-Ultraschall<br />
oder idealerweise eine ergänzende Mamma-MRT“,<br />
sagt Radiologe Fischer. Ein Problem, das vor allem<br />
jüngere Frauen betrifft – aber nicht nur: Auch jede<br />
dritte Frau über 50 weist dichtes Brustgewebe auf.<br />
Als alleiniges Verfahren wiederum ist der Ultraschall<br />
nicht geeignet, weil er invasive Brusttumoren<br />
FRÜHE<br />
DIAGNOSE<br />
Die Untersuchung<br />
der<br />
Brust per Mammographie<br />
kann Tumoren<br />
aufspüren<br />
Was ist das Mammographie-Screening?<br />
Wer als Radiologe in einer Praxis („Screening-Einheit”) arbeitet, in der<br />
die kostenlose Mammographie-Reihenuntersuchung angeboten<br />
wird, der nimmt ausschließlich weibliche Brüste ins Visier. Und das<br />
soll auch so sein: Denn wer viele Röntgenbilder der Brust befundet,<br />
übersieht weniger Veränderungen – und wertet möglichst keinen<br />
harmlosen Schatten als verdächtigen Krebsherd.<br />
Aus diesem Grund ist das 2005 eingeführte Mammographie-Screening-Programm,<br />
zu dem Frauen zwischen 50 und 69 Jahren eingeladen<br />
werden, mit strengen Richtlinien verbunden. Alle Ärzte, die<br />
Bilder befunden, müssen unter anderem Jahr für Jahr Aufnahmen<br />
von mindestens 5.000 Frauen beurteilen. Auch die Röntgenapparate<br />
unterliegen einer permanenten Gütekontrolle. Die Bilder sind gestochen<br />
scharf, werden digital erstellt und unabhängig voneinander<br />
von zwei geschulten Ärzten begutachtet. Allerdings: Etwa jeder dritte<br />
Brustkrebs bleibt im Screening unentdeckt, da die Mammographie<br />
bei Frauen mit dichten Brüsten an Grenzen stößt.<br />
erst ab einer Größe von knapp einem Zentimeter<br />
zuverlässig nachweist. „Noch im Milchgang befindliche<br />
Krebsvorstufen – sogenannte Duktale Carcinoma<br />
in situ oder DCIS – lassen sich mit dem<br />
Schall üblicherweise ohnehin nicht nachweisen“,<br />
erläutert Uwe Fischer.<br />
✦<br />
Zunehmend tritt deshalb eine Alternative zum<br />
Röntgen-Check in den Vordergrund: das Mamma-<br />
MRT, also eine spezielle Kernspinaufnahme der<br />
weiblichen Brust. „Dieses Verfahren bildet die Brust<br />
dreidimensional ab, ohne Röntgenstrahlen und<br />
,Quetschen‘ der Brust“, so Uwe Fischer. Vor allem<br />
aber verspricht die Untersuchung mithilfe starker<br />
Magnetfelder die höchste Genauigkeit in puncto<br />
Tumorfahndung. Während die Mammographie bei<br />
allen Frauen etwa 70 Prozent aller Krebsherde offenbart<br />
(bei denjenigen mit dichten Brüsten nur circa 35<br />
Prozent), so bringt die Magnetresonanztomographie<br />
etwa 95 Prozent aller Tumoren ans Licht. (In der<br />
Medizin gibt es kaum ein Diagnoseverfahren mit<br />
100-Prozent-Trefferquote.) Prof. Fischer: „Wenn es<br />
gut gemacht wird, ist das Mamma-MRT unschlagbar.“<br />
Die Einschränkung im Nebensatz hat ihren Grund.<br />
Denn während für das gesetzliche Röntgen-Screening,<br />
dem sich Marion F. unterzieht, strenge Qualitätsauflagen<br />
existieren – beispielsweise im Hinblick<br />
auf die Routine der beteiligten Ärzte –, fehlen solche<br />
Auflagen für die Mamma-MRT. Allerdings bezahlen<br />
die gesetzlichen Kassen die etwa 500 Euro teure Untersuchung<br />
leider nicht.<br />
10
Marion F.s Termin in der Röntgenpraxis ist zu<br />
Ende, erleichtert steigt sie ins Auto. In den nächsten<br />
Tagen werden ihre Aufnahmen von zwei Radiologen<br />
geprüft. Finden die Experten unabhängig voneinander<br />
keine Auffälligkeiten, erhält sie einen Brief, dass<br />
das Ergebnis in Ordnung ist. Von 100 untersuchten<br />
Frauen bekommen 94 diese Nachricht. Die übrigen<br />
sechs werden zu einer zusätzlichen Untersuchung<br />
gebeten. In den allermeisten Fällen heißt es anschließend<br />
auch hier: Entwarnung.<br />
Besteht jedoch ein Krebsverdacht, wird der Arzt<br />
zu einem kleinen Eingriff raten. Radiologin Prof.<br />
Rieber-Brambs: „Per Biopsienadel entnimmt er eine<br />
Gewebeprobe aus dem auffälligen Areal.“ Lautet<br />
das Ergebnis Brustkrebs oder eine Vorstufe davon,<br />
lässt sich eine – zumeist brusterhaltende – Operation<br />
leider nicht vermeiden. Auch Bestrahlung, Medikamente<br />
und Chemotherapie können nötig werden.<br />
Damit stehen den Frauen Therapien bevor, die ihnen<br />
über viele Wochen hinweg Kraft rauben werden.<br />
Bis sie wieder im ruhigen Fahrwasser des Lebens<br />
ankommen, vergehen nicht selten ein oder zwei Jah-<br />
OP: der Brustaufbau<br />
➊ ➋ ➌<br />
re. Die Angst begleitet viele Patientinnen ihr Leben<br />
lang. Und dennoch gilt: Glück im Unglück. Wird der<br />
Krebs früh erkannt – solange er sich entweder noch<br />
im Milchgang befindet (DCIS) oder kleiner als zehn<br />
Millimeter groß ist –, sind die Überlebenschancen<br />
exzellent: Mehr als 95 Prozent der Frauen werden<br />
auf lange Sicht geheilt.<br />
<br />
Bernhard Hobelsberger<br />
➊ Die weibliche Brust mit<br />
Brustdrüsen und Fettgewebe.<br />
➋ Brustwarze und Haut können<br />
bei der vorsorglichen<br />
Mastektomie erhalten bleiben.<br />
Das Gewebe dahinter<br />
wurde ausgeschält.<br />
➌ Ein Silikonimplantat,<br />
abgedeckt mit Brustmuskel<br />
(rot) und einem gewebestützenden<br />
Netz (blau),<br />
ersetzt das Drüsengewebe.<br />
Ablauf des Mammographie-Screenings<br />
Einladung<br />
Jede Frau zwischen 50 und 69 erhält<br />
alle zwei Jahre einen Einladungsbrief.<br />
Mammographie<br />
Die Frau wird geröntgt. Mindestens zwei<br />
Ärzte begutachten die Aufnahmen.<br />
Befund auffällig<br />
Abklärung<br />
Ein Arzt klärt den Verdacht ab, z. B. durch<br />
erneute Mammographie oder Ultraschall.<br />
Befund auffällig<br />
Biopsie<br />
Ein Arzt entnimmt eine Gewebeprobe.<br />
Sie wird unter dem Mikroskop untersucht.<br />
Probe auffällig<br />
Behandlung<br />
In einem Brustkrebszentrum wird<br />
die Patientin behandelt.<br />
kein<br />
Befund<br />
Befund<br />
unauffällig<br />
Probe<br />
unauffällig<br />
DAS SCREENING<br />
kann helfen,<br />
Brustkrebs im<br />
frühesten Stadium<br />
zu entdecken<br />
Zahlen und Fakten<br />
zum Brustkrebs<br />
Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste<br />
Krebskrankheit bei Frauen. Über<br />
70.000-mal im Jahr stellen Ärzte aktuell<br />
die Diagnose Mammakarzinom. Etwa<br />
zehn Prozent aller Frauen erkranken irgendwann<br />
in ihrem Leben daran. Dabei<br />
steigt das Risiko mit zunehmendem Alter.<br />
Jüngere Frauen sind selten betroffen,<br />
erst ab dem 40. und besonders ab dem<br />
50. Lebensjahr nimmt die Wahrscheinlichkeit<br />
für Brustkrebs zu. Jenseits der<br />
70 werden vor allem langsam wachsende<br />
Tumoren entdeckt, die zu Lebzeiten<br />
keine Beschwerden mehr verursachen.<br />
Wenn auch die häufigste, so ist Brustkrebs<br />
in der Regel nicht die gefährlichste<br />
Krebsart bei Frauen. Rechtzeitig erkannt<br />
und behandelt, sind die meisten Erkrankungen<br />
heilbar.<br />
11
RÜCKEN<br />
Kreuzschmerz –<br />
KISUAHELI<br />
Neukifa helim<br />
Arum, imolore<br />
stibusa ipsam,<br />
das<br />
occum fuga.<br />
Volksleiden der Deutschen<br />
Ditati cuptatem<br />
que versp<br />
Es zieht, zwickt und sticht im Rücken: Fast jeder kennt das. Experten<br />
erklären, wie wichtig eine gute Diagnose ist und was wirklich hilft<br />
„Action- und<br />
Stuntszenen sind<br />
mit meinem geschädigten<br />
Rücken<br />
endgültig tabu“<br />
George Clooney<br />
Die Zahlen sind beeindruckend – und mehr oder<br />
weniger seit Jahren die gleichen: Über 80 Prozent<br />
der Deutschen haben Studien zufolge mit<br />
dem Rücken zu tun, mal mehr, mal weniger.<br />
Das heißt, sie sind in der Bewegung eingeschränkt, müssen<br />
Schmerzen aushalten, Tabletten nehmen, zum Arzt gehen,<br />
sogar von der Arbeit zu Hause bleiben. Damit steckt hinter<br />
dem Thema Rücken nicht nur eine riesige gesundheitliche,<br />
sondern auch eine volkswirtschaftliche Dimension,<br />
die bis zu acht Milliarden Euro jährlich verschlingt.<br />
Aber warum macht uns gerade der Rücken immer wieder<br />
Probleme? Auf jeden Fall herrscht unter Experten<br />
in einem Punkt Einigkeit: Für Rückenschmerzen gibt es<br />
nicht nur eine einzige Ursache, sondern ein ganzes Paket.<br />
Dass wir uns im Laufe der Evolution vom Vier- zum<br />
Zweibeiner entwickelt haben, gehört sicher dazu. Denn<br />
seitdem ruht die Last des Rumpfes auf dem Kreuz. Unsere<br />
überwiegend sitzende Lebensweise spielt eine Rolle. Zu<br />
wenig oder falsche Bewegung. Übergewicht. Die Psyche,<br />
die auch im übertragenen Sinn auf den Rücken drücken<br />
kann. Und nicht zuletzt die genetische Veranlagung.<br />
➞<br />
Warnhinweise auf einen Blick<br />
RED FLAGS Das sind Symptome, die auf spezifische oder komplizierte<br />
Kreuzschmerzen hinweisen können. Hier wäre Bildgebung sinnvoll:<br />
● unklares Fieber, starker Gewichtsverlust<br />
● Lähmungserscheinungen an Blase, Mastdarm oder Beinen<br />
● sich stark verschlimmernde Rückenschmerzen<br />
● Erkrankungen wie Osteoporose und Krebs<br />
● entzündliche rheumatische Erkrankung<br />
YELLOW FLAGS Das sind Symptome von chronischen Verläufen bei<br />
unspezifischem Kreuzschmerz. Hier wäre Bildgebung kontraproduktiv:<br />
● anhaltende und wiederkehrende Beschwerden<br />
● starke radikuläre Schmerzen (eingeklemmte Nerven)<br />
● Arbeitsunfähigkeit für mehr als 4 bis 6 Wochen<br />
● psychosoziale Faktoren wie berufliche Unzufriedenheit,<br />
anhaltende Belastungen im Alltag, starkes Schmerzerleben<br />
12
Endlich schmerzfrei<br />
Von der Kabarettistin und ehemaligen<br />
Rückenpatientin Monika Gruber<br />
Erst mal eines vorweg: Nach meiner<br />
Bandscheiben-OP vor ziemlich genau fünf<br />
Monaten wurde ich von einigen Leuten<br />
fast vorwurfsvoll mit Aussagen bombardiert<br />
wie: „Eine OP? So schnell!?“ Oder:<br />
„So was lässt man sich doch heutzutage<br />
nicht mehr einfach so machen!“<br />
Oder auch: „Mein Bruder/Kumpel/<br />
Friseur/Bofrost-Fahrer, der hatte<br />
auch einen Bandscheibenvorfall,<br />
aber seitdem er täglich seine<br />
Übungen macht, ist er topfit,<br />
und der würde sich niiiiemals<br />
operieren lassen!“ „Niemals“<br />
mit vier „i“, wohlgemerkt.<br />
Und ungefähr jeder Zweite<br />
sah mich bei dem Wort<br />
„OP“ mitleidig an, wie man<br />
jemanden anschaut, der seinen<br />
Benziner aus Versehen mit Diesel<br />
vollgetankt hat: „WARUM<br />
hast du mich nicht angerufen?“<br />
Denn natürlich kennt er/sie einen<br />
Wunderheiler/Heilpraktiker/Physio<br />
mit heilenden Händen/Heiler<br />
mit Zusatzausbildung zum<br />
Medium, der mit an Sicherheit<br />
grenzender Wahrscheinlichkeit<br />
meine Beschwerden innerhalb<br />
eines Tages mit einem Spezialgriff,<br />
den er sich bei einem<br />
verstorbenen Veterinär aus<br />
dem bayrischen Oberland<br />
(wahlweise während seiner<br />
Zeit bei der französischen<br />
Fremdenlegion) abgeschaut<br />
hat, kuriert hätte.<br />
Obwohl diese Menschen<br />
es sicherlich allesamt gut<br />
gemeint haben, hätte ich<br />
ihnen am liebsten entgegengeschleudert:<br />
„Habt ihr<br />
schon jemals über Wochen<br />
und Monate ununterbrochen<br />
Schmerzen gehabt?<br />
Habt ihr schon jemals wochenlang<br />
statt Schokolade<br />
zum Frühstück drei Diclofenac<br />
600 über den Tag verteilt vertilgt,<br />
um überhaupt halbwegs klar denken zu<br />
können? Nein? Dann wisst ihr auch nicht,<br />
dass man so eine OP nicht ,einfach so‘<br />
machen lässt, und deshalb behaltet bitte<br />
eure Klugscheißer-Ratschläge für euch!“<br />
Heute ist diese wenig angenehme Zeit<br />
zwar nicht vergessen, aber gedanklich weiter<br />
hinten abgespeichert. Und das verdanke<br />
ich Prof. Tonn vom Klinikum Großhadern,<br />
der mir im September letzten Jahres<br />
zur OP geraten hatte. Durch ihn und sein<br />
Team habe ich heute meine Lebensqualität<br />
und -freude wiedererlangt. Ein kleines<br />
bisschen verdanke ich es auch mir selber,<br />
denn ich habe mich – braves, folgsames<br />
Kind, das ich nun mal bin – konsequent<br />
und vertrauensvoll an die Ratschläge<br />
zum postoperativen Verhalten gehalten:<br />
stundenlanges Sitzen, etwa bei Autofahrten,<br />
vermeiden, bei der Arbeit am PC<br />
zwischendurch immer wieder aufstehen,<br />
Vorsicht bei Drehbewegungen, schweres<br />
Heben vermeiden, Physiotherapie und erst<br />
nach sechs Wochen sanfte Sporteinheiten<br />
wie Walken und Dehnen. Heute mache ich<br />
zweimal die Woche unter Anleitung Sport<br />
und absolviere an trainingsfreien Tagen<br />
meine Hausaufgaben, genannt „HSB“<br />
(= Heimisches Senioren-Bodenturnen).<br />
Manchmal ertappe ich mich dabei, dass<br />
der Kopf dem Körper den erhobenen<br />
Zeigefinger präsentiert nach dem Motto:<br />
„Obacht, wenn du das jetzt machst, dann<br />
gibt’s bestimmt gleich wieder Aua!“ Aber<br />
das wird sukzessive weniger, und selbst<br />
ein passionierter Bewegungslegastheniker<br />
wie ich muss zwischendurch feststellen,<br />
dass der menschliche Körper ein wahrhaftiges<br />
Wunderwerk ist, denn selbst durch<br />
unspektakuläre, aber effektive Übungen<br />
lassen sich Erfolge erzielen, die das Körpergefühl<br />
spürbar verbessern. Okay, aus<br />
mir wird zwar keine Christine Theiss mehr,<br />
aber das Level von Jane Fonda würde mir<br />
schon reichen: nicht mehr ganz taufrisch,<br />
aber fit und – was noch viel wichtiger ist<br />
– hoffentlich schmerzfrei.<br />
FOTOS: CORBIS, DPA<br />
13
RÜCKEN<br />
➞<br />
ILLUSTRATIONEN: ISABELLA ROTH/AGENTUR FRICKE; FOTOS: ISTOCKPHOTO<br />
Röntgen oder nicht:<br />
Die Diskussion geht weiter<br />
Die wichtigste Frage lautet aber: Wie bekommt man den<br />
Rücken schmerzfrei, sodass man sich wohl und entspannt<br />
fühlt? Dazu Prof. Dr. Karl-Friedrich Kreitner, Oberarzt<br />
der Radiologischen Universitätsklinik Mainz: „Man<br />
unterscheidet zwischen unspezifischen und spezifischen<br />
Kreuzschmerzen. Bei der Unterscheidung können die sogenannten<br />
Red Flags und Yellow Flags helfen.“ Hinter<br />
diesen Roten und Gelben Flaggen stecken Warnhinweise,<br />
die bei der Diagnose helfen (siehe Kasten S. 12). „Über<br />
Red und Yellow Flags wird gerade heiß diskutiert“, erklärt<br />
Prof. Kreitner. „Denn von dieser Diagnose hängt auch ab,<br />
wie weiter vorgegangen wird.“ Zum Beispiel auch, ob<br />
Röntgen bei Rückenschmerzen sinnvoll ist. Hier ist die<br />
Expertenmeinung inzwischen ziemlich eindeutig, nämlich,<br />
dass das bei Rückenschmerzen oft nicht weiterführt. „Das<br />
Röntgen der Lendenwirbelsäule ist so gut<br />
wie nie zielführend, wie auch eine Studie<br />
des Fachjournals ,New England Journal of<br />
Medicine‘ bestätigt hat. Schließlich wird<br />
dabei die knöcherne Struktur sichtbar, die<br />
bei Rückenschmerzen nur selten eine Rolle<br />
spielt“, berichtet Prof. Michael Forsting<br />
vom Universitätsklinikum Essen. Stattdessen<br />
sei es in den meisten Fällen sinnvoller,<br />
den Patienten zu sehen, intensiv mit ihm<br />
zu sprechen und dann entsprechend die<br />
Behandlung einzuleiten.<br />
Sein Kollege Prof. Kreitner stimmt dem<br />
zu – auch wenn die Realität in Praxen meist<br />
anders aussieht. „Man hat vor fünf Jahren<br />
die Nationale Versorgungsleitlinie aufgestellt<br />
und gehofft, die Ausgaben für Bildgebung<br />
gerade beim unspezifischen Kreuzschmerz<br />
einzudämmen. Stattdessen sind sie gestiegen.“ Die im letzten<br />
Jahr gegründete „Arbeitsgemeinschaft bildgebende<br />
Maßnahmen des Bewegungsapparates“, der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft, deren Vorsitzender Kreitner ist, will<br />
nun verstärkt daran arbeiten, anhand strenger gefasster<br />
Red Flags die Rückenprobleme festzulegen, bei denen Bildgebung<br />
tatsächlich weiterführt. „Vor allem in der Frage,<br />
welche Art der Bildgebung beim Rücken greift, stehen wir<br />
vermutlich vor einem Paradigmenwechsel“, prophezeit<br />
Kreitner, „aller Voraussicht nach führt der Weg von den<br />
Röntgenröhren hin zu CT und MRT. Mit ihnen lässt sich bei<br />
einer ähnlichen hohen Strahlendosis wie bei konventionellen<br />
Geräten wesentlich mehr erkennen.“ In der Abklärung von<br />
Tumoren, Osteo porose, entzündlichen Erkrankungen sowie<br />
schweren Bandscheibenvorfällen sei das sinnvoll. Und wenn<br />
es klare Leitlinien gebe, werde nicht mehr so viel sinnlos<br />
am Rücken geröntgt, sondern wirklich nur in den Fällen,<br />
in denen geholfen werden kann. Kreitner: „Das würde die<br />
Bedeutung der Radiologie stärken.“ Cornelia Menner<br />
80 %<br />
der<br />
Deutschen<br />
kennen den<br />
Schmerz im<br />
Kreuz<br />
Guter Sport, schlechter Sport<br />
Bewegung ist gut für den Rücken, jede beliebige<br />
Sportart allerdings nicht. Wichtig ist immer ein Training,<br />
das die Muskeln stärkt.<br />
Gut für den Rücken:<br />
• Wandern, Gehen, Nordic Walking: beansprucht die<br />
Rückenmuskeln nur wenig, entspannt. Wichtig: Rucksack<br />
statt Tasche nehmen, nicht zu sehr beladen.<br />
• Radfahren, aber nur in möglichst aufrechter Haltung.<br />
• Skilanglauf: kräftigt Rumpfmuskeln und Wirbelsäule.<br />
• Krafttraining: stärkt, egal ob an Geräten oder mit<br />
Hanteln. Wichtig ist die richtige Ausführung.<br />
Nicht so gut für den Rücken:<br />
• Tennis/Squash: streckt Lenden- und Halswirbelsäule<br />
zu stark.<br />
• Golf: Die Lendenwirbelsäule wird beim Abschlag<br />
gedreht, das belastet die Bandscheiben.<br />
• Mountainbiken/Rennradfahren: verspannt Wirbelsäule<br />
und Nacken.<br />
• Brustschwimmen: verspannt den Nacken, wenn man<br />
nicht den Kopf ins Wasser steckt.<br />
Im Alltag: Bloß kein Katzenbuckel!<br />
Kochen, putzen, staubsaugen, heben, im Garten arbeiten: Das kann zur bösen<br />
Rückenbelastung werden. Am wichtigsten ist es, den Rücken nicht zu rund zu<br />
machen, also sich nicht zu sehr zu bücken und<br />
den Katzenbuckel zu vermeiden. Die Höhe der<br />
Arbeitsfläche zum Beispiel sollte der Körpergröße<br />
angepasst sein. Liegen zwischen Ellbogen<br />
und Arbeitsfläche etwa 15 Zentimeter, gilt das<br />
als ideal für die Wirbelsäule. Staubsauger und<br />
Gartengeräte lassen sich mit Teleskoprohren<br />
auf Optimalmaß bringen.<br />
• Wichtig außerdem: Die Belastung immer<br />
auf beide Beine verteilen, das Gewicht beim<br />
Vor- und Zurückgehen bewusst verlagern.<br />
• Richtig heben: In die Hocke gehen, den<br />
Rücken gerade strecken, die Last mit beiden<br />
Händen gut fassen und aus den Knien in<br />
die Höhe bringen. Das Gewicht so nah wie<br />
möglich am Körper entlangführen.<br />
14
Rückenfitness<br />
Vier einfache Übungen, die die Wirbelsäule<br />
kräftigen und entspannen. Optimal ist es,<br />
dreimal pro Woche zu trainieren.<br />
1. Vierfüßlerstand<br />
In den Vierfüßlerstand gehen: Die Arme sind gestreckt<br />
und berühren senkrecht unter den Schultern den<br />
Boden, die Knie befinden sich unter der Hüfte. Strecken<br />
Sie nun das linke Bein nach hinten und den rechten<br />
Arm nach vorn aus. Wichtig:<br />
• Arm und Bein bilden eine Linie mit dem Rumpf.<br />
• Der Oberkörper bleibt parallel zum Boden.<br />
• Hohlkreuz vermeiden, Bauchmuskulatur anspannen.<br />
• Den Blick auf den Boden richten.<br />
Die Position 10 Atemzüge lang halten, dann Arm und<br />
Bein wechseln. 5-mal pro Seite.<br />
Autofahren – der größte<br />
Rückenfeind<br />
Lange Zeit in derselben Sitzhaltung bleiben:<br />
Das ist Gift für den Rücken – aber leider<br />
im Auto oft unvermeidbar. Zudem landen<br />
Schwingungen von Unebenheiten und<br />
Motorvibrationen auf der Wirbelsäule. Die<br />
Checkliste, damit der Rücken nicht zu viel<br />
abbekommt:<br />
• Sitzneigung so einstellen, dass die Oberschenkel<br />
locker aufliegen.<br />
• Mit dem Gesäß ganz hinten an die Lehne rutschen – und das auch immer wieder überprüfen.<br />
• Beine sollen auch bei durchgetretenem Pedal noch leicht angewinkelt sein.<br />
• Die Handgelenke sollen ohne große Anstrengung auf dem Lenkrad liegen können.<br />
• Wann immer es möglich ist (z. B. an der Ampel), Schultern durchdrücken und kreisen lassen, Po<br />
anspannen, Kopf drehen.<br />
• Viele Pausen machen und sich dabei bewegen.<br />
Entspannter schlafen<br />
Die Matratze sollte an Schultern und Hüfte<br />
nachgeben und gleichzeitig Beine und Taille<br />
stützen. In der Seitenlage sollte das Rückgrat<br />
immer eine gerade Linie bilden. Thema<br />
Härtegrad: Zu harte Matratzen passen sich der<br />
Körperform nicht an, auf zu weichen hängt die<br />
Wirbelsäule durch. Gut zu wissen: Im Doppelbett<br />
sind zwei Matratzen besser als eine – sie<br />
können auf den einzelnen Schläfer angepasst<br />
werden. Wichtig ist außerdem die Wahl des Kissens. Auch hier gilt: nicht zu hoch, nicht zu flach. In<br />
der Seitenlage sollten die Halswirbel auf einer Linie mit der Wirbelsäule liegen.<br />
2. Rumpfheben<br />
Flach auf den Bauch legen, Bauch, Rücken und Po<br />
anspannen. Die Arme sind nach vorn ausgestreckt,<br />
Fußspitzen aufgestellt. Nun den Oberkörper leicht<br />
anheben, den Blick weiter auf den Boden richten.<br />
Diese Position mindestens 10 bis 15 Atemzüge halten.<br />
Anschließend Oberkörper ablegen, kurze Pause<br />
machen. 6-mal wiederholen.<br />
3. Rückenschaukel<br />
Auf den Rücken legen, die Wirbelsäule liegt flach<br />
auf, kein Hohlkreuz machen. Beine anwinkeln,<br />
sodass zwischen Ober- und Unterschenkel ein<br />
90-Grad-Winkel entsteht. Schienbeine mit den Armen<br />
umfassen und Knie Richtung Brust ziehen. Nun Kopf<br />
und Schultern leicht vom<br />
Boden abheben, langsam<br />
etwa 15-mal vor- und<br />
zurückschaukeln. 3-mal<br />
wiederholen.<br />
<br />
4. Schulterstand<br />
Auf den Rücken legen, beide Beine aufstellen. Die<br />
Arme liegen neben dem Körper, Handflächen zeigen<br />
nach unten. Nun das Becken anheben, darauf achten,<br />
dass Schulter, Becken und Knie eine gerade Linie<br />
bilden. Die Position etwa 10 Atemzüge halten, Becken<br />
langsam wieder senken. 6-mal wiederholen.<br />
15
SCHMERZ<br />
Die<br />
Entschlüsselung<br />
des<br />
SCHMERZES<br />
Was genau ist Schmerz eigentlich, wo wird er verarbeitet, und wie können wir ihn<br />
besser kontrollieren? Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie sind Hirnforscher<br />
in der Lage, wichtige Informationen über die manchmal unerträgliche und doch<br />
lebenswichtige Sinneswahrnehmung zu gewinnen. Dr. Katja Wiech, Neurowissenschaftlerin<br />
an der Universität Oxford, über die Chancen der Schmerzforschung<br />
16
17 %<br />
der Deutschen<br />
leiden unter<br />
chronischen<br />
Schmerzen<br />
Frau Dr. Wiech, was ist Schmerz?<br />
Schmerz ist ein unangenehmes Sinneserlebnis,<br />
das von Rezeptoren im peripheren<br />
Nervensystem ausgelöst und im<br />
Zentralen Nervensystem verarbeitet wird.<br />
Die Definition der Weltorganisation zum<br />
Studium des Schmerzes lautet, dass dieses<br />
Sinneserlebnis mit einer aktuellen oder<br />
drohenden Gewebeschädigung verknüpft<br />
ist oder vom Patienten mit Begriffen einer<br />
solchen Schädigung beschrieben wird. Das<br />
Interessante an dieser Definition ist, dass<br />
gar keine tatsächliche Gewebeschädigung<br />
vorliegen muss, wenn wir Schmerzen empfinden.<br />
Denn der eigentliche Schmerz, den<br />
wir empfinden, entsteht erst im Gehirn.<br />
Wie funktioniert die Darstellung von<br />
Schmerz in der Bildgebung?<br />
Wir verwenden dafür funktionelle Magnetresonanztomographie.<br />
Die Methode<br />
macht Veränderungen der Durchblutung<br />
in verschiedenen Hirnregionen sichtbar, die<br />
durch den erhöhten Energiebedarf von aktiven<br />
Zellen hervorgerufen werden.<br />
Was können Sie aus den Bildern, die Sie<br />
im MRT machen, über den Schmerz herauslesen?<br />
Wir sehen in erster Linie, welche Hirnregionen<br />
bei der Verarbeitung des Schmerzreizes<br />
aktiv sind. Das ist von Patient zu<br />
Patient sehr unterschiedlich und sagt<br />
viel über den individuellen Umgang mit<br />
Schmerz aus.<br />
Gibt es also kein eigentliches „Schmerz -<br />
zentrum“ im Gehirn?<br />
Nein, an der Verarbeitung von Schmerz<br />
ist ein ganzes Netzwerk an Hirnregionen<br />
beteiligt. Und das ist wiederum individuell<br />
sehr verschieden. Bei den Patienten, die<br />
Schmerzreize eher als einen einfachen<br />
Sinneseindruck verarbeiten, sehen wir eine<br />
höhere Aktivität im sogenannten primären<br />
somatosensorischen Cortex. Diese Region<br />
ist dafür verantwortlich, den Schmerz zu<br />
lokalisieren und die Qualität zu bewerten:<br />
Wo genau tut es weh? Ist das ein stechender<br />
Schmerz? Ist es ein Brennen? Wie stark ist<br />
der Schmerz? Patienten, die sich sehr intensiv<br />
mit dem Schmerz auseinandersetzen<br />
und schnell die Befürchtung haben, dass er<br />
nicht mehr verschwindet, zeigen dagegen<br />
eher eine Aktivität in Regionen, die für die<br />
Steuerung von Angstgefühlen oder für das<br />
Lösen von Problemen verantwortlich sind.<br />
Unterscheiden sich diese beiden Typen von<br />
„Schmerzverarbeitern“ auch in der Art,<br />
wie sie Schmerz empfinden?<br />
Ja, so ist es. Grundsätzlich kann man<br />
sagen, dass Patienten, die Schmerz schnell<br />
katastrophisieren, stärker unter Schmerzen<br />
leiden und auch eher das Risiko für einen<br />
chronischen Verlauf haben. Dagegen nehmen<br />
Patienten, die einen eher sachlichen<br />
Umgang mit Schmerz haben, Schmerzreize<br />
häufig weniger intensiv wahr.<br />
Können Sie aufgrund der Hirnbilder eindeutig<br />
erkennen, ob jemand Schmerzen<br />
hat?<br />
Das ist tatsächlich gar nicht so einfach.<br />
Wir haben experimentelle Versuche dazu<br />
gemacht und konnten in ca. 60 Prozent<br />
der Fälle aus den Bildern herauslesen, ob<br />
jemand Schmerzen hatte oder nicht. Die<br />
Aussagekraft ist also begrenzt. Das liegt<br />
daran, dass sich die Schmerzverarbeitung<br />
individuell so stark unterscheidet und die<br />
Regionen, die Schmerz verarbeiten, immer<br />
auch an anderen Prozessen beteiligt und<br />
damit nicht schmerzspezifisch sind. In den<br />
USA gab es zwar schon Fälle, in denen<br />
Gutachter auf Basis von Hirnbildern vor<br />
Gericht Einschätzungen im Rahmen von<br />
Schmerzensgeldklagen abgegeben haben,<br />
aber das steht derzeit noch auf sehr wackeligen<br />
Füßen. Das eigentliche Ziel unserer<br />
Forschung liegt weniger darin, Simulanten<br />
zu überführen, als vielmehr darin, Patienten<br />
zu helfen, die ihren Schmerz selbst nicht<br />
ausdrücken können, also zum Beispiel<br />
Komapatienten, demente Menschen oder<br />
auch Babys.<br />
Wie könnten Patienten außerdem von<br />
Ihren Forschungsergebnissen profitieren?<br />
Aktuell untersuchen wir zum Beispiel,<br />
inwieweit Patienten selbst auf die Wahrnehmung<br />
von Schmerzen Einfluss nehmen<br />
können. Dafür zeigen wir den Probanden<br />
ihr eigenes Gehirn in Aktion, also während<br />
der Verarbeitung eines Schmerzreizes. Dabei<br />
geht es zunächst einmal nur darum, den<br />
Probanden den Zusammenhang zwischen<br />
dem, was sie auf den Hirnbildern sehen,<br />
und dem, was sie fühlen, aufzuzeigen.<br />
Langfristig könnte man den Patienten dann<br />
bestimmte Strategien zur Schmerzreduktion<br />
an die Hand geben und ihnen live zeigen,<br />
wie das ihr Schmerzempfinden beeinflusst,<br />
ähnlich wie bei einer Biofeedbacktherapie.<br />
Kann man tatsächlich selbst beeinflussen,<br />
wie stark man Schmerzen wahrnimmt?<br />
Davon gehen wir aus. Gerade bei chronischen<br />
Schmerzverläufen kann man mit<br />
psychologischen Strategien viel erreichen.<br />
Denn chronische Schmerzen sind häufig<br />
gar nicht auf eine Gewebeschädigung zurückzuführen,<br />
sondern werden sozusagen<br />
nur noch von unserem Gehirn aufrechterhalten.<br />
Allein diese Erkenntnis kann schon<br />
viel bewirken, denn viele Schmerzpatienten<br />
schonen sich unnötig aus Angst, noch mehr<br />
kaputt zu machen, und bewirken damit<br />
letztendlich, dass sich der Schmerz aufgrund<br />
von Bewegungsmangel noch verstärkt.<br />
Heißt das, dass manche Patienten sich den<br />
Schmerz nur einbilden?<br />
Nein, der Schmerz ist real. Man muss<br />
verstehen, dass Schmerz nicht direkt im<br />
Gewebe entsteht, sondern tatsächlich erst<br />
im Gehirn. Deshalb ist es eigentlich nicht<br />
verwunderlich, dass man durch bestimmte<br />
Strategien die Schmerzempfindung bewusst<br />
steuern kann. Was die eigene Erwartungshaltung<br />
bewirken kann, zeigt auch die<br />
Placebo-Forschung. Auf Hirnbildern<br />
kann man den Effekt, den körpereigene<br />
Antischmerzstoffe haben, die bei der Gabe<br />
eines Placebos ausgeschüttet werden,<br />
kaum vom Effekt eines echten Schmerzmittels<br />
unterscheiden. Entscheidend für die<br />
Schmerzwahrnehmung ist also zu einem<br />
großen Teil die persönliche Bewertung.<br />
Und genau hier müssen wir ansetzen, um<br />
wirklich wirksame Strategien gegen den<br />
Schmerz zu entwickeln. Vanessa Schmidt<br />
ILLUSTRATION: AXEL KOCK; FOTO: ISTOCKPHOTO<br />
17
THERAPIE<br />
Wenn bei<br />
Hypertonie alle<br />
Pillen versagen:<br />
Ultraschall lässt den<br />
DRUCK raus<br />
Herrscht in unseren Gefäßen<br />
auf Dauer zu hoher Blutdruck, kann<br />
das einen Schlaganfall oder<br />
Herzinfarkt auslösen. Leider helfen<br />
bei manchen Patienten weder<br />
gesunder Lebensstil noch Pillen, den<br />
Überdruck in den Adern zu senken.<br />
Womöglich gibt es für solche hartnäckigen<br />
Fälle bald eine Alternative:<br />
den therapeutischen Ultraschall<br />
FOTOS: ISTOCKPHOTO<br />
Es klingt kurios, könnte allerdings funktionieren.<br />
Ultraschallwellen sollen denjenigen<br />
Bluthochdruck-Patienten helfen, bei<br />
denen selbst die Pharmazie versagt. Bei der<br />
„renalen Ultraschall-Denervation“ (Nervenunterbrechung<br />
zwischen Gehirn und Niere) veröden<br />
die Radiologen bestimmte Nerven, die um die Nierenarterie<br />
verlaufen. Die wichtigsten Fragen zum Thema:<br />
VIEL BEWEGUNG<br />
ist wichtig – genügt<br />
aber manchmal<br />
nicht, um Patienten<br />
mit hohem Blutdruck<br />
erfolgreich<br />
zu behandeln<br />
Wieso setzt diese Therapie an den Nieren an?<br />
Die Nieren sind eine treibende Kraft bei der Regulierung<br />
des Blutdrucks. Das hat mit den speziellen<br />
Nerven zu tun, die sich wie ein Geflecht um die<br />
Nierenarterien ranken. Sie gehören zum Sympathikus,<br />
demjenigen Teil unseres Nervensystems, der als<br />
Dampfmacher für das Herz-Kreislauf-System dient.<br />
„Eine Theorie zum Bluthochdruck lautet, dass bei<br />
dieser Erkrankung das sympathische Nervensystem<br />
aus dem Takt geraten ist“, erläutert Prof. Dierk Vorwerk,<br />
Direktor des Instituts für Radiologie am Klinikum<br />
Ingolstadt. „Trennt man die entsprechenden<br />
Nervenbündel, so die Vorstellung, dann sinkt der<br />
Blutdruck.“ Tatsächlich ist diese Idee nicht aus der<br />
Luft gegriffen. Bereits in den 1920er- bis 1940er-<br />
Jahren durchschnitten Chirurgen bei einer offenen<br />
OP einen Teil der sympathischen Nervenfasern im<br />
Bauchraum und senkten so den Blutdruck. Neu aufkommende<br />
Blutdruckmedikamente boten schon bald<br />
eine sanftere Alternative. Doch der Gedanke, Nierennerven<br />
lahmzulegen, um den überaktiven Sympathikus<br />
zu bremsen, geriet nicht in Vergessenheit. Dieses<br />
Prinzip steckt auch hinter einer Hitzetherapie, bei<br />
der Radiologen die Nervenfasern per Hochfrequenzenergie<br />
veröden. Dazu positionieren Ärzte über die<br />
Leiste einen speziellen Katheter in der Nierenarterie,<br />
der zielgenau Energie an die Gefäßwand abgibt (Radiofrequenzablation).<br />
Wie funktioniert die Ultraschalltherapie?<br />
Dabei benutzt der Arzt ein spezielles Ultraschallgerät,<br />
dessen Schallkopf nicht nur Diagnosezwecken<br />
dient, sondern auch der Behandlung. Er positioniert<br />
diesen Schallkopf von außen auf den Körper, sodass<br />
die Ultraschallwellen auf die Nierenarterien treffen,<br />
an denen überaktive Äste des Sympathikus-Nervs<br />
verlaufen. „Indem zwei Bündel von Ultraschallwellen<br />
präzise aufeinandergesteuert werden, entsteht in<br />
ihrem Zielpunkt die höchste Energie“, erklärt Radiologe<br />
Vorwerk. „So werden die feinen Nervenstruk-<br />
18
turen erhitzt und verödet, das umliegende Gewebe<br />
geschont.“ Derart ausgeschaltet, sollen die Nerven<br />
keine Impulse mehr ans Gehirn senden, die zur Blutdruckerhöhung<br />
beitragen. Diese renale Ultraschall-<br />
Denervation wird derzeit an verschiedenen Kliniken<br />
erprobt. In ersten Pilotstudien sank bei 75 Prozent der<br />
behandelten Patienten der Blutdruck deutlich. Bereits<br />
Routine an einigen Kliniken ist die Behandlung mit<br />
fokussiertem Ultraschall, wenn es darum geht, problematische<br />
Myome in der Gebärmutter auszuschalten.<br />
Für welche Patienten kommt der Ultraschall-Eingriff<br />
infrage?<br />
Experten schätzen, dass in Deutschland rund 20<br />
Millionen Menschen mit Hypertonie leben, so das<br />
Fachwort für Bluthochdruck. Vorwerk: „Weil die<br />
Erkrankung nicht wehtut, merken die Betroffenen<br />
meist nicht, dass ihre Blutgefäße geschädigt werden.“<br />
Ist das Leiden erkannt, genügen manchmal<br />
schon Korrekturen im Lebensstil – weniger Körpergewicht,<br />
mehr Bewegung, kein Alkohol –, um den<br />
Überdruck in den Adern erfolgreich zu senken. Wo<br />
das nicht ausreicht, verschreiben Ärzte Blutdrucksenker<br />
(z. B. Diuretika, ACE-Hemmer, Sartane). „Doch<br />
manchen Patienten gelingt es selbst mit bis zu drei<br />
Blutdruckmedikamenten nicht, optimale Zielwerte<br />
von 140 zu 90 mmHg zu erreichen.“ Sind bei diesen<br />
hartnäckigen Fällen andere Ursachen wie etwa<br />
Nierenerkrankungen oder nächtliche Atemstörungen<br />
ausgeschlossen, könnte ihnen eine renale Denervation<br />
helfen. <br />
Bernhard Hobelsberger<br />
Auflösung von Seite 5<br />
Antwort a)<br />
Auf dem Bild sieht man ein sehr großes Aortenaneurysma,<br />
das den halben Brustkorb ausfüllt. Die Aorta<br />
ist die größte Schlagader des Körpers. Normalerweise hat sie<br />
einen Durchmesser von etwa drei Zentimetern. Wenn die Gefäßwand<br />
mit den Jahren an Elastizität verliert, eine Entzündung oder<br />
angeborene Bindegewebsschwäche vorliegt, kann es zu spindel- oder<br />
sackförmigen Erweiterungen kommen – ein Aortenaneurysma entsteht.<br />
Reißt die Gefäßwand wegen der hohen Belastung, kann der Betroffene innerlich<br />
verbluten. Die Therapie eines Aneurysmas hängt davon ab, wie groß es ist<br />
und wo im Körper es sich befindet. Kleinere Aneurysmen müssen regelmäßig<br />
per Ultraschall kontrolliert werden. Ab einer Größe von fünf Zentimetern oder<br />
einer raschen Größenzunahme ist in der Regel ein Eingriff erforderlich. Dabei wird<br />
der aufgeweitete Teil der Hauptschlagader entweder in einer offenen Operation<br />
entfernt und durch eine Kunststoffprothese<br />
ersetzt oder endovaskulär,<br />
also über einen kleinen Schnitt, meist<br />
in der Leiste, durch einen Stent stabilisiert:<br />
ein elastisches Metallgitter,<br />
welches mit einer dünnen, aber<br />
absolut stabilen und dichten Gefäßprothese<br />
umhüllt ist und so zu einer<br />
Abdichtung des Lecks führt.
AUS DEM KLINIKALLTAG<br />
Fatale<br />
FEHLER<br />
Wo Menschen arbeiten, können<br />
Pannen passieren. Für Patienten<br />
kann das fatale Folgen haben. Mit<br />
Standards und Strategien<br />
versuchen Ärzte, das Risiko so<br />
gering wie möglich zu halten<br />
OFFENHEIT HILFT<br />
Teamarbeit und<br />
enge Absprachen<br />
unter Ärzten<br />
helfen, Fehler zu<br />
vermeiden<br />
Es geschieht während eines Eingriffs: Das<br />
falsche Instrument wird gereicht, doch<br />
die Medizinisch-Technische Assistentin<br />
oder der Arzt merkt es noch rechtzeitig<br />
und korrigiert den Irrtum. Eine Mitarbeiterin,<br />
die kurzfristig als Ersatz einspringt, kennt<br />
sich noch nicht so gut aus. Es muss ihr während<br />
der OP gezeigt werden, wo die nötigen Utensilien<br />
liegen.“– Fehler, die im Klinikalltag vorkommen<br />
können, wie Prof. Thomas Vestring vom Agaplesion<br />
Diakonieklinikum in Rotenburg erzählt. „Dass nötiges<br />
Material für den Eingriff fehlt oder nicht zeitgerecht<br />
da ist, passiert häufiger“, sagt der Chefarzt<br />
am Institut für Diagnostische und Interventionelle<br />
Radiologie/Neuroradiologie. Wichtig ist dabei aber<br />
vor allem eines: „In den wenigsten Fällen bedeutet<br />
ein Fehler einen Nachteil für einen Patienten oder hat<br />
negative Folgen für ihn“, betont Vestring.<br />
„Fehler und Komplikationen in der Radiologie“<br />
lautet eines der Schwerpunktthemen des Deutschen<br />
Röntgenkongresses vom 4. bis 7. Mai 2016 in Leipzig,<br />
bei dem auch Prof. Vestring einen Vortrag über<br />
„Klassische Fehler in der Interventionellen Radiologie“<br />
halten wird. Fachleute aus unterschiedlichen<br />
Bereichen wollen sich dort mit Fallanalysen und<br />
Fehlerstrategien beschäftigen.<br />
„In der Diagnostischen Radiologie sind 80 Prozent<br />
der Fehler Wahrnehmungsfehler. Das heißt,<br />
die Radiologen übersehen einen Befund, der da<br />
ist, beispielweise einen Brusttumor bei der Mammographie“,<br />
sagt Prof. Vestring. „20 Prozent sind<br />
sogenannte kognitive Fehler, was bedeutet, die Ärzte<br />
sehen den Befund, aber schätzen ihn falsch ein.“ In<br />
der Interventionellen Radiologie sei es umgekehrt.<br />
„Da überwiegen die kognitiven Fehler, es wird also<br />
der Befund falsch eingeschätzt.“<br />
Hauptgründe dafür sind laut Vestring „beispielsweise<br />
zu wenig Personal, verbunden mit hohem<br />
Kosten- und Zeitdruck“. Häufig spielten aber auch<br />
Kommunikationsprobleme im Klinikalltag eine Rolle,<br />
20
SCHLÜSSELSTELLE<br />
Die meisten Fehler<br />
in der Radiologie<br />
passieren beim<br />
Befunden. Daher<br />
beurteilen oft<br />
zwei Kollegen die<br />
Bilder<br />
So lassen sich Fehler verhindern<br />
Es gibt viele Strategien, um die Fehlerquote in den Kliniken zu senken. Und<br />
sie haben Erfolg, wie Mediziner und die Bundesärztekammer feststellen.<br />
Was die Ärzte für die Sicherheit alles tun: Neben regelmäßigen Teambesprechungen<br />
und Teamübungen haben sich in der Interventionellen<br />
Radiologie beispielsweise eine theoretische Generalprobe eines Eingriffs<br />
oder auch spezielle Checklisten bewährt. So wird vor, während und nach<br />
der OP alles, einschließlich der Basisdaten des Patienten, kontrolliert. Viele<br />
Krankenhäuser verwenden außerdem Patientenarmbänder, die während<br />
des Klinikaufenthalts getragen werden. Mit einem Barcode auf dem Band<br />
lässt sich bei allen Behandlungsschritten leicht die Identität feststellen,<br />
oder man kann wichtige Daten wie Laborwerte abrufen. Verwechslungen<br />
werden so verhindert. Auch Standards beim bundesweiten Mammographie-<br />
Screening helfen, Fehler zu vermeiden: So müssen zwei Ärzte unabhängig<br />
voneinander jede Aufnahme begutachten (Doppelbefundung), damit das<br />
Risiko, etwas zu übersehen, so gering wie möglich ist. Außerdem nehmen<br />
viele Kliniken an einem Kritischen Krankenhausbericht, dem sogenannten<br />
CIRS (critical incident reporting system), teil. Auf dieser Computerplattform<br />
können Pfleger, Sanitäter und Ärzte anonym über Fälle berichten, in denen<br />
beinahe jemand zu Schaden gekommen wäre. Dazu gibt es Ratschläge von<br />
Experten. Durch den offenen Umgang wird die Sicherheit in Kliniken erhöht.<br />
etwa wenn eine Schwester oder ein Pfleger nicht die<br />
Kontrastmittelallergie eines Patienten übermittle.<br />
Doch was geschieht, wenn etwas schiefläuft?<br />
„Gibt es bei einem Eingriff eine schwerwiegende<br />
Komplikation beim Patienten, etwa dass er zwei Tage<br />
länger im Krankenhaus bleiben muss oder eine<br />
OP die Folge ist, stellen wir den Fall im Ärzteteam<br />
vor“, erzählt Prof. Vestring. „Wir besprechen, ob<br />
der Grund dafür eine falsche Einschätzung oder<br />
ein Kommunikationsproblem war und wie man so<br />
etwas künftig verhindern kann.“ Eine erfolgreiche<br />
Methode: „Es hat sich gezeigt, dass Teamübungen<br />
und Teamgespräche, in denen konkrete Fälle besprochen<br />
werden, die Fehlerrate senken.“ Vor allem aber<br />
empfiehlt der Mediziner das ehrliche Gespräch mit<br />
dem Betroffenen: „Bei aktiven Fehlern durch den<br />
Arzt ist es wichtig, offen mit dem Patienten darüber<br />
zu sprechen“, so Prof. Vestring.<br />
Aber auch für Patienten gibt es hilfreiche Tipps:<br />
• Kritische, aufmerksame Patienten sind im Vorteil<br />
und „ideale Partner“ der Ärzte, um<br />
die Wahrscheinlichkeit von Fehlern<br />
zu senken, betont der amerikanische<br />
Pionier der Fehlerforschung,<br />
Prof. Mark L. Graber.<br />
• Der Mediziner rät beispielsweise,<br />
bei Diagnosen nachzuhaken („Was<br />
könnte es sonst sein?“).<br />
• Hat man das Gefühl, dass etwas<br />
nach einem Eingriff nicht stimmt,<br />
kann auch ein schnelles Feedback<br />
an den Arzt helfen.<br />
• Vor größeren Interventionen sollte<br />
man eine zweite Meinung einholen.<br />
• Man kann den Arzt fragen, wie<br />
viele solcher Eingriffe er schon gemacht<br />
habe. Prof. Vestring: „Das<br />
finde ich gut, weil ich dann davon<br />
ausgehen kann, dass der Patient<br />
sich mit der Problematik und den<br />
möglichen Komplikationen des Eingriffs<br />
aktiv auseinandergesetzt hat. “<br />
<br />
Lucia Glahn<br />
Was ist Interventionelle<br />
Radiologie?<br />
Schonend, effektiv, oft nur<br />
mit lokaler Betäubung und in<br />
manchen Fällen ambulant:<br />
Die Interventionelle Radiologie<br />
bietet viele Vorteile. Bei<br />
diesem Zweig der Radiologie<br />
nutzen Ärzte bildgebende<br />
Verfahren für therapeutische<br />
Eingriffe (Interventionen).<br />
Mithilfe von Röntgentechnik,<br />
Computertomographie,<br />
Magnetresonanztomographie<br />
oder Ultraschall steuern sie<br />
ihre Eingriffe für den Patienten<br />
möglichst schonend.<br />
Hauchfeine Katheter werden<br />
in der Leiste in ein Blutgefäß<br />
eingeführt und bis zu der<br />
erkrankten Stelle gelenkt. So<br />
kann beinahe der gesamte<br />
Körper behandelt werden.<br />
Klassisches Beispiel ist die<br />
sogenannte Schaufensterkrankheit:<br />
Bei ihr muss der<br />
Patient wegen verengter oder<br />
verschlossener Arterien immer<br />
wieder stehen bleiben. Mit<br />
einem eingeführten Ballon<br />
oder Stent (ein Metallgitter)<br />
werden die Adern wieder gedehnt.<br />
Vorteil: Bei vielen dieser<br />
Eingriffe genügt eine lokale<br />
Betäubung. Oft erspart man<br />
sich eine belastende Operation:<br />
Zum Beispiel muss der<br />
Kopf bei Interventionen nicht<br />
geöffnet werden. Auch bei<br />
Krebsbehandlungen kommt<br />
die Interventionelle Radiologie<br />
zum Einsatz, indem<br />
Tumoren etwa punktiert und<br />
verkocht, also zerstört werden<br />
(Radiofrequenzablation) oder<br />
die Ärzte per Katheter gezielt<br />
ein Chemotherapeutikum in<br />
einen Tumor einführen.<br />
FOTOS: ISTOCKPHOTO<br />
21
HARNSTEINE<br />
Was hilft bei<br />
HARNSTEINEN?<br />
Millionen Deutsche leiden im Laufe ihres Lebens<br />
an Harnsteinen, meist verbunden mit heftigen Schmerzen.<br />
Aber moderne Therapien schaffen Abhilfe<br />
S<br />
FOTOS: ISTOCKPHOTO<br />
Schätzungen zufolge bilden sich im Laufe des Lebens<br />
bei jedem zehnten Deutschen kleine Steinchen in den<br />
Harnwegen, bei Männern öfter als bei Frauen. Am<br />
häufigsten erkranken Erwachsene im Alter zwischen<br />
30 und 60 Jahren. Diese sogenannten Harn- oder<br />
auch Nierensteine entstehen meist schleichend über<br />
Jahre hinweg. Viele wissen nichts von den Ablagerungen<br />
aus Mineralsalzen, die sich in der Niere<br />
festsetzen können. Ihre Größe kann von einigen<br />
Millimetern, etwa die Größe eines Reiskorns, und<br />
seltener, bis hin zu vielen Zentimetern variieren. „Ein<br />
einfacher, kleiner Nierenstein macht sich meist gar<br />
nicht bemerkbar und verursacht auch keine Probleme,<br />
denn er behindert die Niere nicht weiter in<br />
ihrer Funktion“, erklärt Prof. Thomas Knoll, Chefarzt<br />
an der Urologischen Klinik Sindelfingen und<br />
Vorsitzender des Arbeitskreises Harnsteine der Akademie<br />
der Deutschen Urologen. Er wird meist eher<br />
zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung festgestellt.<br />
In solchen Fällen ist selten eine Behandlung nötig.<br />
Es reicht meist, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen.<br />
Sobald die Steinchen aber wandern und im Nierenbecken<br />
oder im Harnleiter steckenbleiben, gibt<br />
es Probleme. In diesen Fällen kommt es zu einer<br />
Nierenkolik: „Die den Stein umgebende Muskulatur<br />
versucht, das Hindernis durch krampfartige<br />
Bewegungen zu transportieren und zu beseitigen.<br />
Gleichzeitig kann der Urin aus der betroffenen Niere<br />
nicht ablaufen und staut sich. Die Koliken verursachen<br />
schubweise Schmerzen, die in den Unterbauch,<br />
den Rücken und die Leiste ausstrahlen und auf der<br />
Schmerzskala sogar noch über dem, was eine Frau<br />
bei der Geburt erlebt, liegen“, so Knoll. Typisches<br />
Begleitsymptom sind heftige Schweißausbrüche. Viele<br />
Betroffene leiden zudem unter Übelkeit und Erbrechen.<br />
Bei einem Verdacht, also bei entsprechenden<br />
Beschwerden, sollte man zum Urologen. Tritt neben<br />
den Schmerzen auch Fieber auf, handelt es sich<br />
um einen akuten Notfall, und man sollte sofort ins<br />
Krankenhaus.<br />
Moderne Technik erleichtert<br />
heute eine sichere Diagnose<br />
Bis vor einigen Jahren war die Diagnose von Harnsteinen<br />
mühsam. Als Standardmethode galt lange<br />
Zeit das sogenannte Ausscheidungsurogramm. Dabei<br />
wurde zunächst eine Röntgenübersichtsaufnahme<br />
angefertigt, dann dem Patienten ein Kontrastmittel<br />
injiziert, welches innerhalb kurzer Zeit von den<br />
Nieren wieder ausgeschieden wird. In Abständen<br />
von etwa fünf bis zehn Minuten angefertigte Röntgenbilder<br />
gaben Aufschluss über die Nierenfunktion<br />
und die Lage des Steins. „So konnten auch weniger<br />
röntgendichte Steine indirekt durch den Rückstau<br />
des Kontrastmittels unmittelbar vor dem Harnstein<br />
erkannt werden. Allerdings bekam der Patient bei<br />
dieser Methode eine relativ hohe Strahlendosis ab.<br />
Außerdem waren Komplikationen möglich, etwa<br />
wenn der Patient allergisch auf das Kontrastmittel<br />
reagiert hat“, erklärt Privatdozent Dr. Christian<br />
Scheurig-Münkler, Oberarzt der Klinik für Radiologie<br />
an der Charité Berlin. Heute ist die Diagnose<br />
dank moderner Technik deutlich einfacher. „Ob ein<br />
Harnstau als indirekter Hinweis auf einen Harnstein<br />
vorliegt, kann der Arzt leicht durch eine Ultraschalluntersuchung<br />
feststellen. Die Steine selbst lassen sich<br />
gelegentlich sogar direkt im Nierenbecken oder der<br />
Harnblase nachweisen“, so Scheurig-Münkler. Bei<br />
22
SO SCHÖN<br />
sehen Nierensteine<br />
nicht aus.<br />
Aber die kristallinen<br />
Ablagerungen<br />
sind meist<br />
auch nicht größer<br />
als ein Reiskorn<br />
einem Harnstau kann der Urin des Betroffenen nicht<br />
mehr ungehindert abfließen. Das erfordert sofortiges<br />
Handeln. Sonst kann es neben Schmerzen zu<br />
einer schweren Entzündung der Niere bis hin zur<br />
Blutvergiftung und zum Nierenversagen kommen.<br />
„Zur Konkretisierung des ersten Befunds und um<br />
festzustellen, wo sich der Stein genau befindet und<br />
wie groß er ist, kann zudem eine Computertomographie<br />
nötig sein“, erklärt Scheurig-Münkler. „Ein<br />
CT liefert auch ohne Kontrastmittel sehr gute Bilder<br />
und einen hinreichenden Überblick.“<br />
Wird eindeutig ein Stein festgestellt, ist dennoch<br />
nicht zwangsläufig eine OP nötig. Durch die Krämpfe<br />
einer Nierenkolik lösen sich etwa 80 Prozent der<br />
Steinchen von selbst und werden auf natürlichem<br />
Weg aus dem Körper gespült. „Deshalb wartet man<br />
bei Patienten mit einer Kolik zunächst ab, denn Steine<br />
mit einer Größe von bis zu vier Millimetern gehen<br />
häufig von selbst ab. Dann sind auch die Schmerzen<br />
schlagartig vorbei“, so Urologe Knoll. Ausreichendes<br />
Trinken und Bewegung wie Hüpfen oder Treppensteigen<br />
unterstützen den Prozess des Abgangs. Um<br />
Beschwerden zu lindern, soll der Arzt schmerzstillende<br />
und krampflösende Mittel verabreichen. Der<br />
Abgang kann sich zum Teil durch Blut im Urin äußern,<br />
weil abgehende Steinchen die Schleimhäute der<br />
Harnwege verletzen.<br />
Schallwellen zerstören<br />
kleine Nierensteine schonend<br />
In manchen Fällen lassen sich Harnsteine medikamentös<br />
auflösen. Auch hier hilft eine radiologische<br />
Untersuchung. „Das sogenannte Dual-Energy-CT<br />
ermöglicht es, die Zusammensetzung und Dichte der<br />
Steine zu bestimmen. Das kann bei der Überlegung<br />
helfen, ob eine rein medikamentöse Behandlung infrage<br />
kommt“, weiß Radiologe Scheurig-Münkler.<br />
Andernfalls können Steine mit einer Größe von<br />
unter zwei Zentimetern ohne operativen Eingriff<br />
mittels akustischer Stoßwellen entfernt werden. In<br />
der Fachsprache wird diese Methode als extrakorporale<br />
Stoßwellen-Lithotripsie (ESWL) bezeichnet. Die<br />
Wellen sind so beschaffen, dass sie weiches Gewebe<br />
durchdringen. Harte Gegenstände wie Nierensteine<br />
zerbrechen jedoch durch die Stöße und können auf<br />
natürlichem Weg ausgeschieden werden. Die Behandlung<br />
gerät jedoch an ihre Grenzen, wenn die Steine<br />
größer sind. Außerdem können nach der Zertrümmerung<br />
weitere Koliken auftreten, die durch die abgehenden<br />
Steine verursacht werden. Knoll erklärt: „Die<br />
Methode ist zudem zeitintensiv, und die Patienten<br />
sind länger krankgeschrieben. Deshalb wird zunehmend<br />
auf eine minimalinvasive Entfernung gesetzt.“<br />
Bei der Ureterorenoskopie (URS) wird ein endoskopisches<br />
Gerät über die Harnröhre in die Blase ➞<br />
23
HARNSTEINE<br />
ILLUSTRATION: AXEL KOCK; FOTO: ISTOCKPHOTO<br />
Niere<br />
Harnleiter<br />
Harnblase<br />
Ärzte unterscheiden<br />
drei Arten von Steinen<br />
➞<br />
und weiter in den Harnleiter eingeführt und der<br />
Stein per Schall oder Laser zertrümmert und entfernt.<br />
Vorteil des Verfahrens ist, dass kein Schnitt<br />
notwendig ist und der Patient schnell wieder aus<br />
dem Krankenhaus entlassen werden kann.<br />
Bei größeren Steinen ist eine sogenannte Perkutane<br />
Nephrolitholapaxie (PCNL) erforderlich: Unter<br />
Vollnarkose wird dabei über die Haut ein Kanal in<br />
das Nierenbecken gelegt, der Stein per Ultraschall<br />
oder Laser zertrümmert. Mithilfe einer Zange lassen<br />
sich die Teile entfernen. Eine größere Operation ist<br />
nur in <strong>Einzel</strong>fällen nötig.<br />
Wie kommt es überhaupt dazu, dass sich Nierensteine<br />
bilden? Eine der wichtigen Aufgaben der<br />
Nieren ist es, Schadstoffe auszufiltern. Dadurch entstehen<br />
Stoffwechsel-Restprodukte, die sich normalerweise<br />
in der Harnflüssigkeit auflösen. Zu diesen<br />
Stoffen gehören Kalzium, Phosphat, Harnsäure, Zystin<br />
und Oxalat. Wenn sie im Harn sehr reichlich<br />
vorhanden sind und sich nicht mehr lösen können,<br />
kristallisieren sie aus. Bei entsprechender Harnkonzentration<br />
lagern sich im Laufe der Zeit immer neue<br />
Stoffschichten an die entstandenen Kristalle an, sodass<br />
sich ein oder mehrere Steine bilden.<br />
Mediziner unterscheiden primär drei verschiedene<br />
Arten von Steinen: „Kalziumoxalatsteine sind mit<br />
Die Nieren sitzen links und<br />
rechts neben der Wirbelsäule<br />
in Höhe des Rippenbogens.<br />
Optisch erinnern<br />
sie an rote Bohnen, sie sind<br />
etwa elf Zentimeter lang,<br />
sechs Zentimeter breit,<br />
2,5 Zentimeter dick und<br />
je 150 bis 200 Gramm<br />
schwer. Unsere Nieren<br />
leisten eine ganze Menge:<br />
Sie reinigen den Körper von<br />
schädlichen Substanzen<br />
und regulieren Blutdruck,<br />
Wasser- und Salzhaushalt.<br />
Darüber hinaus bilden sie<br />
eine Reihe von lebenswichtigen<br />
Hormonen, die etwa<br />
die Blutbildung und die<br />
Aufnahme von Kalzium<br />
und Phosphat aus dem<br />
Darm steuern. Rund<br />
150 Liter Wasser, sogenannter<br />
Primärharn, fließen<br />
täglich durch die Nieren.<br />
Durch einen komplizierten<br />
Stoffwechselprozess wird<br />
daraus schließlich etwa<br />
ein Prozent als Urin durch<br />
die Harnleiter in die Blase<br />
transportiert und über die<br />
Harnröhre ausgeschieden.<br />
70 bis 80 Prozent besonders häufig. Ursache ist meist<br />
eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr“, so Knoll. Die<br />
nächstgrößere Gruppe bilden Harnsäuresteine, die<br />
dem Urologen zufolge meist durch Übergewicht und<br />
eine fleischlastige Ernährung bedingt sind. Auch hoher<br />
Alkoholkonsum kann bei ihrer Entstehung eine<br />
Rolle spielen. Phosphatsteine treten in rund zwölf<br />
Prozent aller Fälle auf. Verantwortlich sind meist<br />
bakterielle Entzündungen, die den pH-Wert des<br />
Harns auf über 7 ansteigen lassen – dann lösen sich<br />
die Phosphatsalze im Harn nicht mehr auf.<br />
Besonders gefährdet ist, wer schon mehrere Harnwegsinfektionen<br />
hinter sich hat, unter Fehlbildungen<br />
der Harnwege leidet – und zu wenig Flüssigkeit zu<br />
sich nimmt. Auch wer schon einmal einen Nierenstein<br />
hatte, läuft Gefahr, dass sich neuerlich Harnsubstanzen<br />
zusammenballen und ablagern.<br />
Mit bewusster Ernährung lässt<br />
sich effektiv gegensteuern<br />
Die gute Nachricht: „Prävention ist möglich und<br />
auch relativ leicht umzusetzen“, so Knoll. Wichtig<br />
ist es in erster Linie, ausreichend zu trinken und so<br />
die Nieren gut zu spülen. Ideal sind mindestens zwei<br />
Liter am Tag – mit zunehmendem Alter eher mehr.<br />
Das gilt besonders bei sommerlichen Temperaturen<br />
und dem damit verbundenen vermehrten Schwitzen.<br />
Am besten sind Wasser, verdünnte Fruchtsäfte, Schorlen<br />
und Kräutertees. Spezielle Blasen- und Nierentees<br />
sind Knoll zufolge nicht nötig. Die Trinkmenge sollte<br />
man gleichmäßig über den Tag verteilen. Knoll rät:<br />
„Vor allem ehemalige Steinpatienten sollten alle zwei<br />
Stunden trinken. Oder nach Kneipp jede Stunde etwa<br />
100 Milliliter.“ Alkohol sollte man besser nur in<br />
Maßen genießen, weil er den Organismus zusätzlich<br />
entwässert.<br />
Auch eine veränderte Ernährung kann verhindern,<br />
dass sich Nierensteine bilden. Experten raten,<br />
den Verzehr von tierischem Eiweiß einzuschränken,<br />
da dies die Ausscheidung von Kalzium in den Urin<br />
steigert. So sollten Betroffene nicht mehr als 0,8 g<br />
Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu sich<br />
nehmen, das entspricht zum Beispiel 150 Gramm<br />
Fleisch, Fisch oder Wurstwaren.<br />
Positiv wirkt sich die ausreichende Aufnahme von<br />
Magnesium aus, da ein Mangel des Mineralstoffs die<br />
Bildung von Kalziumoxalatsteinen begünstigt. Die<br />
Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für<br />
Erwachsene 300 bis 350 Milligramm pro Tag. Als Tagesration<br />
sind dafür zum Beispiel 200 g Vollkornbrot<br />
plus 50 g Walnüsse plus 200 g Spinat und dazu ein<br />
Glas (250 ml) magnesiumreiches Wasser nötig. Viel<br />
Magnesium steckt in sämtlichen Vollkornprodukten,<br />
Nüssen, Hülsenfrüchten, Avocados, Bananen, Brombeeren<br />
und Himbeeren. Aline Scheuböck<br />
24
Bestens aufgeklärt im Wartezimmer<br />
Das Patientenmagazin der DRG<br />
Ausgabe 1 / Mai 2013<br />
Ausgabe 2 / November 2013<br />
Ausgabe 4 / Dezember 2014<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft e.V.<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Promi-Umfrage<br />
PIONIERE<br />
DER MEDIZIN<br />
Wie war Ihr erster<br />
Arztbesuch?<br />
Tote verraten<br />
ihre letzten<br />
Geheimnisse<br />
Wilhelm Conrad<br />
Röntgen begründet<br />
ein neues Zeitalter<br />
MYOME<br />
Ausgabe 5 / Mai 2015<br />
Forschung<br />
Was im Gehirn<br />
passiert, wenn<br />
wir träumen<br />
ANEURYSMA<br />
Experten<br />
erklären die<br />
wichtigsten<br />
Therapien<br />
Wie Ärzte das<br />
Leben einer<br />
jungen Frau<br />
retten<br />
Früherkennung<br />
Wo Vorsorge<br />
möglich ist<br />
Ist Röntgen<br />
gefährlich?<br />
Ausgabe 3 / Mai 2014<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft e.V.<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Nofretete<br />
Röntgenstrahlen<br />
enthüllen ihr<br />
Geheimnis<br />
Demenz<br />
Wann die<br />
„Krankheit des<br />
Vergessens”<br />
heilbar ist<br />
Das<br />
Ausgabe 4 / Dezember 2014<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Tote verraten<br />
ihre letzten<br />
Geheimnisse<br />
MYOME<br />
Experten<br />
erklären die<br />
wichtigsten<br />
Therapien<br />
Wolfgang Niedecken<br />
Leben<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
PROMI-UMFRAGE<br />
Welche gute Nachricht hat<br />
Ihnen Ihr Arzt<br />
kürzlich überbracht?<br />
KUNST<br />
Mit Röntgenbildern<br />
Geheimnisse lüften<br />
RADIOTHERAPIE<br />
Heilen mit Strahlen<br />
MARIE CURIE<br />
Ein Leben für<br />
die Forschung<br />
Rückenprobleme<br />
Ausgabe 6 / Dezember 2015<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
UMFRAGE<br />
Auf diese<br />
Hausmittel<br />
schwören<br />
Prominente<br />
Ausgabe 7 / Mai 2016<br />
Herausgegeben von der<br />
Deutschen Röntgengesellschaft<br />
Medizin mit Durchblick<br />
Das Radiologie-Magazin für Patienten<br />
Was gegen<br />
das Volksleiden<br />
der Deutschen<br />
hilft<br />
STRAHLEN<br />
IM ALLTAG<br />
Welche<br />
harmlos<br />
sind – und<br />
worauf wir<br />
achten<br />
sollten<br />
Brustkrebs<br />
Norwegens<br />
Kronprinzessin<br />
Mette-Marit<br />
musste sich einer<br />
OP an der<br />
Halswirbelsäule<br />
unterziehen<br />
PROMI-UMFRAGE<br />
ANDREA SIXT<br />
Wie bleiben<br />
Sie in der Röhre<br />
entspannt?<br />
BRUSTKREBS<br />
Wissen gegen<br />
die Angst<br />
Diagnose<br />
Brustkrebs<br />
Knie der Nation<br />
Gehirn in Gefahr<br />
Gehirn in Gefahr<br />
Wie die Drehbuchautorin ihre<br />
Erkrankung überstand und<br />
warum dieser Einschnitt ihr Leben<br />
positiv veränderte<br />
nach der Zugabe<br />
Nicht nur bei Profis wie Sami Khedira<br />
macht das Knie oft Probleme.<br />
Wie moderne Medizin helfen kann<br />
Was der Sänger bei seinem Schlaganfall<br />
empfand und wie Kölner Ärzte ihn retteten<br />
Schlaganfall<br />
Warum<br />
schnelles<br />
Handeln<br />
so wichtig ist<br />
Wer ist Ihr<br />
Lieblingsarzt?<br />
Interview<br />
Ist Radiologie<br />
zu teuer?<br />
Jedes Jahr erleiden 250 000 Deutsche einen Unfall, der eine<br />
Hirnverletzung zur Folge hat. Wie Ärzte helfen können<br />
Jedes Jahr erleiden 250000 Deutsche einen Unfall, der eine<br />
Hirnverletzung zur Folge hat. Wie Ärzte helfen können<br />
WILHELM<br />
CONRAD<br />
RÖNTGEN<br />
Faszinierende<br />
Einblicke in<br />
sein Leben<br />
Endlich<br />
schmerzfrei!<br />
Neue Chancen<br />
Die Lunge<br />
Von Asthma bis Tuberkulose: Mit Hilfe moderner Methoden<br />
erkennen Radiologen Erkrankungen frühzeitig<br />
Mehr als 80 Prozent der Deutschen leiden unter dem<br />
Kreuz mit dem Kreuz: Welche Therapien wirklich helfen<br />
PATIENTENSCHUTZ<br />
Fünf Strategien,<br />
die vor zu viel<br />
Strahlen schützen<br />
WILHELM<br />
CONRAD<br />
RÖNTGEN<br />
Faszinierende<br />
Einblicke in<br />
sein Leben<br />
SCHLAGANFALL<br />
Durchbruch bei der<br />
Akut-Therapie<br />
ÄRZTE-SERIEN<br />
IM CHECK<br />
Schauspieler<br />
Thorsten Nindel, 51<br />
„So besiegte ich<br />
den Lungenkrebs”<br />
Was machen<br />
Dr. House<br />
& Co. falsch?<br />
Motor des Lebens<br />
der Heilung<br />
PROMIS<br />
ERKLÄREN:<br />
NACH-<br />
GEFRAGT<br />
Gelenk-<br />
Verletzungen<br />
Promi-<br />
Umfrage<br />
RECHTS-<br />
MEDIZIN<br />
Schädel-<br />
Hirn-Trauma<br />
RECHTS-<br />
MEDIZIN<br />
Schädel-<br />
Hirn-Trauma<br />
RÜCKEN-<br />
SCHMERZEN<br />
„Wenn ich<br />
Gesundheitsminister<br />
wäre ...”<br />
Susanne Uhlen<br />
Wie die<br />
Schauspielerin<br />
gegen den<br />
Tumor in ihrer<br />
Brust kämpfte<br />
Moderne<br />
Methoden helfen,<br />
Tumoren frühzeitig<br />
zu entdecken –<br />
und damit gezielter<br />
zu behandeln<br />
Das Magazin „Medizin mit Durchblick”,<br />
herausgegeben von der Deutschen<br />
Röntgengesellschaft, ist eine Zeitschrift für<br />
Ihre Praxis oder Klinik: Es bringt Patienten<br />
die Welt der Radiologie näher und verkürzt<br />
gleichzeitig die Zeit im Wartezimmer!<br />
„Medizin mit Durchblick” ist eine<br />
Weiterentwicklung der gleichnamigen<br />
Informationsinitiative aus dem<br />
Jahr 2011, wird von professionellen<br />
Journalisten erstellt und erscheint<br />
zwei Mal jährlich (Frühling/Herbst).<br />
Bestellen Sie das Heft für Ihr Wartezimmer bequem online unter www.drg.de
GESCHICHTE<br />
BLITZ-EXPERIMENT<br />
In seinem Labor<br />
in Colorado Springs<br />
testet Tesla Blitzentladungen.<br />
Im<br />
Oktober 1899 steigert<br />
er die Leistung<br />
so weit, dass der<br />
Generator des<br />
Elektrizitätswerks<br />
durchbrennt und<br />
die Stadt tagelang<br />
keinen Strom hat<br />
IMMER<br />
UNTER<br />
STROM<br />
Obwohl Nikola Teslas Erfindungen die<br />
Welt veränderten, kennen heute nur<br />
wenige seinen Namen. Wer war der Mann,<br />
dessen Ideen die Energie, die Medien und<br />
auch die Medizin revolutionieren sollten?<br />
Der Vorreiter<br />
Grenzen im eigenen Kopf überwinden und denken,<br />
was niemand je für möglich gehalten hätte – das<br />
war die Spezialität von Nikola Tesla. Weltbekannt<br />
wurde er Ende des 19. Jahrhunderts durch seine Erfindung<br />
des Wechselstromgenerators, der wesentlich<br />
effizienter funktionierte als die bis dahin üblichen<br />
26
Die Aufnahme stellt eine Mehrfachbelichtung dar. Während der Blitzentladung befand sich Tesla nicht im Raum.<br />
Gleichstrommodelle und bald die Energie für die<br />
Straßenbeleuchtung in Städten rund um den Globus<br />
lieferte. Doch das war nur die Spitze des Eisbergs:<br />
Insgesamt meldete Tesla rund 800 (!) Patente an,<br />
entwickelte das Radio, erfand einen Vorläufer der<br />
Fernbedienung und soll unabhängig von Wilhelm<br />
Conrad Röntgen mit X-Strahlen experimentiert haben.<br />
Auch seine Forschung zur Wirkung von Magnetfeldern<br />
hinterließ ihre Spuren in der Medizin (s. u.).<br />
Wilhelm Conrad Röntgen jedenfalls – das belegen<br />
Briefe – war Nikola-Tesla-Fan.<br />
Der Abenteurer<br />
Ein Weltstar wurde er in New York, aber geboren<br />
wurde Nikola Tesla als viertes von fünf Kindern<br />
am 10. Juli 1856 in Smiljan, einem kleinen Dorf in<br />
Kroatien. Zu klein für seine großen Ideen, wie sich<br />
schnell herausstellen sollte. Im Geist reiste er schon<br />
in jungen Jahren in ferne Länder. Seine Vorstellungsgabe<br />
war so enorm, dass er manchmal Traum und<br />
Wirklichkeit kaum voneinander unterscheiden konnte.<br />
Als Forscher verzichtete er später oft auf Skizzen<br />
oder Modelle und testete ganze Motorenentwürfe<br />
ausschließlich vor seinem geistigen Auge. „Es ist<br />
völlig ohne Bedeutung für mich, ob ich eine Turbine<br />
in meinem Geist oder in der Werkstatt betreibe“,<br />
schrieb er. Mit diesen Fähigkeiten stürzte sich Tesla<br />
bald in die weite Welt. Mit 19 Jahren begann er<br />
sein Studium der Mathematik und Physik in Graz,<br />
nach einem Disput mit seinem Professor arbeitete<br />
er für die Budapester Telefongesellschaft, bevor er<br />
mit 28 Jahren praktisch ohne finanzielle Mittel die<br />
Überfahrt nach New York wagte.<br />
Der Manische<br />
Seinen späteren Erfolg verdankte Tesla auch seiner<br />
Besessenheit. Wenn andere Köpfe rauchten, lief seiner<br />
erst warm. „Ich besaß eine wahre Manie, alles, was<br />
ich einmal begonnen hatte, auch zu Ende zu führen“,<br />
sagte er. An der Universität lernte Tesla von drei Uhr<br />
morgens bis elf Uhr abends, im ersten Jahr bestand<br />
er gleich neun Examen. Doch die Besessenheit hatte<br />
auch ihre Kehrseite, Tesla kämpfte mit Phobien.<br />
Er ekelte sich vor den Haaren anderer Menschen,<br />
fürchtete sich vor Perlenohrringen, und eine Suppe<br />
konnte er nur verspeisen, nachdem er den exakten<br />
Rauminhalt des Tellers errechnet hatte. Das alles verblasste<br />
jedoch vor seiner Obsession bezüglich der<br />
Zahl 3: Tesla wusch sich stets dreimal die Hände,<br />
umkreiste dreimal den Block, bevor er ein Gebäude<br />
betrat, und benutzte im Restaurant 18 Servietten.<br />
(Ihn faszinierten auch jene Zahlen, die durch 3 teilbar<br />
sind.) Am 7. Januar 1943 starb der Erfinder in<br />
einem New Yorker Hotelzimmer mit der Nummer<br />
3327 (3+3+2+7= 15 = teilbar durch 3) im 33. Stock.<br />
TECHNIK-GENIE …<br />
… und skurriler<br />
Mensch: Nikola<br />
Teslas Erfindungen<br />
begegnen<br />
uns noch<br />
heute in vielen<br />
Bereichen. Der<br />
Kroate selbst<br />
profitierte davon<br />
nicht: Er starb<br />
1943 als 86-Jähriger<br />
einsam und<br />
verarmt in einem<br />
Hotelzimmer.<br />
Der Magier<br />
Nicht nur in Sachen Technik war Tesla seiner Zeit<br />
voraus. Er begriff auch vor den meisten anderen, wie<br />
wichtig es ist, für die eigene Sache zu trommeln. Mit<br />
anderen Worten: Der Physiker war ein Meister der<br />
Vermarktung, um nicht zu sagen ein Show meister.<br />
Um die Harmlosigkeit seines Wechselstroms zu<br />
beweisen, setzte er sich bei Aufführungen vor der<br />
New Yorker High Society selbst unter Strom. Elegant<br />
gekleidet, stieg er zum Beispiel auf eine Plattform<br />
und setzte diese so lange unter Strom, bis aus<br />
der Oberfläche seiner Kleidung und seinen Haaren<br />
Blitze schossen. Unverletzt, wenn auch leicht bläulich<br />
leuchtend, verließ er vor jubelndem Publikum seine<br />
Bühne. Auch dank solcher Einlagen setzte sich Tesla<br />
schließlich gegen seinen Erzrivalen Thomas Alva<br />
Edison durch, der auf Gleichstrom setzte. (Tesla blieb<br />
wegen des sogenannten Skin-Effekts unverletzt, der<br />
besagt, dass hochfrequente Spannungen das Innere<br />
des Körpers bis zu einem bestimmten Punkt nicht<br />
verletzen.)<br />
Der Idealist<br />
So ausgeprägt sein Sinn für den großen Auftritt war,<br />
so wenig Talent besaß Tesla für das Geschäftliche.<br />
Eine Anstellung bei seinem späteren Rivalen Edison<br />
endete damit, dass dieser Tesla um 50.000 Dollar<br />
betrog. Nach der Gründung eines eigenen Unternehmens<br />
drängten ihn seine Investoren aus selbigem und<br />
behielten sämtliche Patente. Und als seine Anlagen<br />
weltweit in Straßenlampen verbaut werden sollten,<br />
verzichtete er für eine Pauschale von 216.000 Dollar<br />
auf Lizenzgebühren in zweistelliger Millionenhöhe.<br />
Doch die Wahrheit ist auch: Tesla interessierte sich<br />
nicht sonderlich für Geld. Viel weniger jedenfalls als<br />
dafür, dass sich seine Erfindungen verbreiteten und<br />
möglichst vielen Menschen nützten. Er wollte die<br />
Kräfte der Natur verstehen und für die Menschen<br />
einsetzen. Leider belohnte ihn das Schicksal nicht mit<br />
einer überraschenden Pointe. Während seine Ideen<br />
ganze Städte erleuchteten, starb Tesla in Armut.<br />
Der Unvergessene<br />
Als Mensch und Erfinder ist Tesla heute erstaunlich<br />
wenigen Menschen ein Begriff. Doch sein Name begegnet<br />
uns noch immer. Radiologen erklären Patienten,<br />
mit wie viel Tesla (die Einheit für die Stärke<br />
von Magnetfeldern) ein MRT arbeitet. Auf der Straße<br />
sehen wir moderne Elektroautos der Marke Tesla,<br />
deren Name eine Reminiszenz an den Erfinder ist.<br />
Diese Pointe würde Nikola Tesla dann vielleicht doch<br />
ganz gut gefallen: dass seine Erfindungen den Weg<br />
für Elektroantriebe bereiteten, die als Zukunftstechnologie<br />
des 21. Jahrhunderts gelten.<br />
<br />
David Mayer<br />
FOTOS: LEEMAGE, CORBIS<br />
27
STRAHLEN<br />
FOTOS: ISTOCKPHOTO<br />
Experten unterscheiden<br />
zwischen zwei Arten<br />
von Strahlen: ionisierenden<br />
und nicht ionisierenden. Zu Letztgenannten<br />
gehören elektrische und<br />
magnetische Felder – sie treten überall<br />
dort auf, wo elektrische Geräte oder<br />
Maschinen in Betrieb sind. Unterhalb<br />
der gesetzlich festgelegten Grenzwerte<br />
gelten diese Strahlen als ungefährlich.<br />
Anders verhält es sich mit ionisierenden<br />
Strahlen: Sie können Zellen schädigen<br />
und sogar abtöten. Bis zu einem<br />
gewissen Grad kann sich unser Organismus wehren und Schäden<br />
reparieren. Im Gegensatz zu solchen somatischen Schäden, die<br />
auftreten, wenn ionisierende Strahlung auf Körperzellen trifft,<br />
können bei Schädigung von Keimzellen genetische Schäden entstehen,<br />
die sich erst in den folgenden Generationen bemerkbar<br />
machen. Aber inwieweit kann man ionisierender Strahlung aus<br />
dem Weg gehen? Und sind Handy und WLAN wirklich unbedenklich?<br />
Wir beantworten die wichtigsten Fragen.<br />
Ionisierende Strahlung<br />
Kann man die Strahlung vermeiden?<br />
Die allgemeine Belastung setzt sich zusammen<br />
aus einer natürlichen und einer zivilisatorischen<br />
Komponente. Die natürliche Strahlung kann man<br />
nicht vermeiden, da sie in der Umwelt allgegenwärtig<br />
ist. Sie beträgt abhängig von der Region<br />
1-5 mSv pro Jahr und setzt sich zusammen aus<br />
einer terrestrischen Strahlenbelastung, die von Radionukliden<br />
im Boden verursacht wird, und einer<br />
kosmischen Strahlung aus dem All. Hinzu kommen<br />
Gase, die wir einatmen, zum Beispiel Radon, das dem Erdboden<br />
entweicht und sich in der Raumluft anreichern kann,<br />
und natürliche Ra dionuklide, die von Pflanzen aufgenommen<br />
werden und die wir über die Nahrung zu uns nehmen. „Wir sind<br />
in Deutschland durchschnittlich einer natürlichen Belastung von<br />
2,1 Millisievert pro Jahr ausgesetzt“, erklärt Christine Willrodt<br />
vom Fachbereich Strahlenschutz und Umwelt am Bundesamt<br />
für Strahlenschutz (BfS). Die Maßeinheit Millisievert (mSv)<br />
gibt die biologische Wirkung der ionisierenden Strahlung<br />
auf Menschen an.<br />
Wo ist die natürliche Strahlung besonders hoch?<br />
Wie hoch sie ist, hängt vom Untergrund ab. Da<br />
dieser sich überall auf der Welt anders zusammensetzt,<br />
unterscheidet sich auch die Belastung.<br />
„In Brasilien, Indien, Südaustralien und China<br />
STRAHLEN<br />
im Alltag<br />
WIR KÖNNEN SIE NICHT SEHEN, nicht riechen und<br />
nicht fühlen. Und trotzdem wissen wir, sie sind da.<br />
Wir sind in unserem Leben den unterschiedlichsten Strahlen<br />
ausgesetzt: natürlichen, die Teil unserer Umwelt sind,<br />
und künstlichen, die der Mensch selbst erzeugt. Einige sind<br />
unbedenklich, andere können uns gefährlich werden.<br />
gibt es Gebiete, die sehr hoch belastet sind, allerdings sind diese<br />
Bereiche meist nicht dicht bevölkert“, erklärt Agrarwissenschaftlerin<br />
Willrodt. Eine Ausnahme bietet die Stadt Ramsar<br />
in Nordiran. Hier wird eine der weltweit höchsten natürlichen<br />
Strahlenbelastungen gemessen. „Die Bodenstrahlung beträgt<br />
dort sechs Millisievert pro Jahr. Hierzulande haben wir einen<br />
Durchschnittswert von 0,3. Trotzdem gibt es keine Belege dafür,<br />
dass die Bevölkerung dort häufiger an Krebs erkrankt oder<br />
weniger alt wird.“<br />
Auch die kosmische Strahlung ist regional unterschiedlich.<br />
Zum einen lenkt das Erdmagnetfeld einen Teil<br />
der kosmischen Strahlen ab: Am Äquator wirkt diese<br />
Abschirmung am stärksten, an den Polen am<br />
schwächsten. Zum anderen wirkt die Atmosphäre<br />
wie ein Filter – mit der Höhe nimmt auch die<br />
kosmische Strahlung zu. „In Deutschland misst<br />
man auf der Zugspitze einen viermal so hohen<br />
Wert wie an der Küste“, sagt Willrodt.<br />
Wie hoch ist die Belastung beim Fliegen?<br />
Hier spielen Höhe, Route und Flugdauer die entscheidende<br />
Rolle. Langstreckenflüge sind, weil sie länger dauern und höher<br />
geflogen werden, strahlungsintensiver als Kurzstreckenflüge.<br />
Und bei Reisen über die Polarroute ist man einer höheren Strahlung<br />
ausgesetzt als bei solchen über den Äquator. Demnach ist<br />
die Strahlenexposition auf einem Flug von Frankfurt nach New<br />
York etwa zweimal so hoch wie auf einem Flug nach Johannesburg.<br />
Sie beträgt ungefähr 0,06 mSv, das entspricht in etwa der<br />
Dosis, die bei einer Röntgenuntersuchung des Brustkorbs<br />
(Röntgenthorax) entsteht. „Für Gelegenheitsflieger<br />
ist diese zusätzliche Strahlung unbedenklich“, sagt<br />
die Strahlenschutzexpertin. „Extreme Vielflieger<br />
sollten ihre Gesamtstrahlendosis aber im Auge<br />
behalten.“ Wie hoch die Dosis für den jeweiligen<br />
Flug ist, kann man beispielsweise mit der App<br />
„Trackyourdose“ errechnen.<br />
28
Gibt es in Nahrungsmitteln noch immer<br />
Spuren der Tschernobyl-Katastrophe?<br />
Während sich in landwirtschaftlichen Produkten<br />
kaum noch etwas nachweisen lässt,<br />
sind in einigen Gegenden Deutschlands, vor<br />
allem in Südbayern und dem Bayerischen Wald,<br />
bestimmte Pilze (z. B. Trompetenpfifferlinge und<br />
Semmelstoppelpilze) und Wildarten noch immer<br />
stark mit Cäsium-137 belastet. Produkte mit einem<br />
Radio cäsiumgehalt von mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm<br />
dürfen aber nicht verkauft werden. Im Fleisch von<br />
Wildschweinen wurden vereinzelt Werte um 10.000 Becquerel<br />
pro Kilogramm gemessen. Gleichzeitig gibt es auch<br />
Wildschweine, die praktisch unbelastet sind. „Die hochbelasteten<br />
Tiere ernähren sich hauptsächlich von Hirschtrüffeln,<br />
die in Tiefen wachsen, in denen das Cäsium erst<br />
etwa zehn Jahre nach dem Tschernobyl-Unfall angekommen<br />
ist“, erklärt die Agrarwissenschaftlerin. Trotzdem gibt<br />
sie Entwarnung: „Wenn man die üblichen Mengen zu<br />
sich nimmt, ist die zusätzliche Strahlenbelastung<br />
gesundheitlich nicht gefährlich.“<br />
Warum sind Raucher besonders gefährdet?<br />
Dass Rauchen gesundheitsschädlich ist, ist kein<br />
Geheimnis. Aber die wenigsten wissen, dass<br />
man sich durch Rauchen auch einer Strahlenbelastung<br />
aussetzt. Die Tabakpflanze nimmt mit<br />
ihren gro ßen, behaarten Blättern besonders viel<br />
Polonium-210 auf, das ein Zerfallsprodukt des kurzlebigen<br />
Radons in der Bodenluft ist. „Polonium ist ein<br />
radioaktives Aerosol, das über den Hauptstromrauch inhaliert<br />
wird und sich in Bronchien und Lunge ablagert“, erklärt<br />
Willrodt. „Diese Strahlenbelastung schädigt die Zellen und<br />
ist ein zusätzlicher Grund dafür, dass Rauchen der größte<br />
Risikofaktor für Lungenkrebs ist.“<br />
Nicht ionisierende Strahlung<br />
Machen Handy-Strahlen wirklich krank?<br />
In regelmäßigen Abständen tauchen Studien über die schädigende<br />
Wirkung des Mobiltelefons auf. Mal soll es unfruchtbar<br />
machen, mal Schlafstörungen hervorrufen und sogar<br />
Hirntumoren fördern. Doch was ist tatsächlich<br />
dran? „Leider gibt es bei den genannten Studien<br />
einzelne, die fachlich kaum belastbar sind und<br />
die zu effekthaschenden Ergebnissen kommen“,<br />
erklärt Dr. Gunde Ziegelberger, die am BfS für<br />
die biologischen Wirkungen von statischen, nieder-<br />
und hochfrequenten Feldern zuständig ist.<br />
„Um zu einer Bewertung zu kommen, muss man<br />
die Gesamtheit der vorliegenden Daten bewerten,<br />
und da gibt es, bezogen auf Fruchtbarkeit und<br />
Schlafstörungen, keine belastbaren Hinweise.“<br />
Ob dauerhafte und intensive Handy-Nutzung<br />
aber möglicherweise Hirntumoren begünstigt,<br />
will die Biologin nicht ausschließen: „Hier gibt es<br />
tatsächlich noch Unsicherheiten. Schließlich haben<br />
Hirntumoren eine Latenzzeit von 20, 30 Jahren – so<br />
weit reicht unsere Erfahrung mit Mobiltelefonen gar nicht<br />
zurück.“ Zwar zeigten weltweite Studien bislang keinen Anstieg<br />
der Neuerkrankungen. Ein Restrisiko könne man aber<br />
noch nicht endgültig bewerten.<br />
Verursacht ein WLAN-Anschluss in der Wohnung<br />
gefährliche Strahlenbelastung?<br />
Grundsätzlich ist die Strahlenbelastung durch ein WLAN-<br />
Netzwerk geringer als beim Handy-Telefonieren. Das Einzugsgebiet<br />
eines WLAN-Routers ist nämlich so klein, dass<br />
er mit niedrigen Sendeleistungen auskommt. „Zudem<br />
nimmt die Strahlenbelastung mit dem Abstand zum<br />
Router kontinuierlich ab“, sagt Ziegelberger.<br />
Zwar gibt es keine Hinweise, dass vom WLAN<br />
eine gesundheitliche Gefährdung ausgeht. Wer<br />
seine Exposition dennoch verringern will, kann<br />
den Router im Flur deponieren, statt im Schlafzimmer<br />
oder direkt neben dem Schreibtisch, wo<br />
man sich dauerhaft aufhält.<br />
Wie verbanne ich Strahlungsquellen aus dem<br />
Schlafzimmer?<br />
Wer den WLAN-Router aus dem Zimmer entfernt<br />
und das Smartphone nicht rund um<br />
die Uhr nutzt, hat im Bereich der hochfrequenten<br />
elektromagnetischen Fel der<br />
das Entscheidende getan. Bleibt die<br />
Niederfrequenz: „Hier entsteht ein<br />
Magnetfeld, wenn Sie Strom nutzen“,<br />
erklärt Gunde Ziegelberger. „Ein Fernseher<br />
im Stand-by-Modus, eine eingeschaltete<br />
Nachttischlampe oder ein<br />
Wecker, der am Netz hängt, nutzt<br />
Strom, sodass man einem leichten<br />
Magnetfeld ausgesetzt ist.“ Zwar ist die<br />
Belastung deutlich unter einem Grenzwert, man<br />
kann sie aber leicht weiter reduzieren, einfach<br />
indem man den Fernseher komplett ausschaltet,<br />
die Lampe löscht, bevor man einschläft, und auf<br />
einen batteriebetriebenen Wecker umstellt.<br />
<br />
Nicole Lauscher<br />
29
INTERVIEWS: CELIA TREMPER; FOTOS: TERENCE TREMPER (2), DPA<br />
PROMI-UMFRAGE<br />
30<br />
Wenn Sie Gesundheitsminister(in)<br />
„<br />
wären – welches Projekt<br />
läge Ihnen besonders am Herzen?<br />
Jetzt reden sie Klartext: Alternative Heilmethoden oder mehr Gehalt<br />
für Pflegekräfte – was Prominente gerne ändern würden<br />
„<br />
„<br />
„<br />
Monika Peitsch, 79,<br />
Schauspielerin<br />
„Die Preise für Medikamente sind in unserem<br />
Land zum Teil schwindelerregend hoch. Oft sogar<br />
viermal höher als in unseren Nachbarländern,<br />
von den USA rede ich erst gar nicht. Dies hätte<br />
schon längt geändert werden müssen, auch zum<br />
Wohl unserer Gesellschaft.“<br />
Sigmar Solbach, 69,<br />
Schauspieler<br />
„Eine schärfere Kontrolle der Pharmaindustrie<br />
und eine größere Akzeptanz inklusive einer Integration<br />
der ganzheitlichen Medizin.“<br />
Katja Epstein, 71, Sängerin und<br />
Schauspielerin<br />
„Ich finde, die alternative Medizin muss mehr<br />
integriert werden. Sie hat ja durch viele Beispiele<br />
gezeigt, dass sie zum Heilungsprozess beitragen<br />
kann. Und somit auch von allen Kassen bezahlt<br />
werden sollte. Außerdem bin ich überzeugt davon,<br />
dass unser Körper der beste Arzt und Heiler ist.<br />
Darum: Auf die innere Stimme hören.“<br />
Andreas Giebel, 57,<br />
Schauspieler und Kabarettist<br />
„Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich Fleisch<br />
kaufe und auf der Verpackung steht – außer dem<br />
Gewicht und was für eine Art Fleisch es ist –<br />
nichts darauf. Ich würde per<br />
Gesetz anordnen lassen, dass<br />
detaillierte Informationen über das<br />
Herkunftsland, wie gefüttert, wann<br />
geschlachtet wurde, Pflicht sind.“<br />
Julia Dahmen, 38,<br />
Schauspielerin<br />
„Wenn ich lese, dass es keine Landärzte<br />
mehr gibt und was Pflegekräfte<br />
auf Intensiv- oder Palliativstationen<br />
verdienen, dann kann ich nur sagen:<br />
Mehr Lohn – aber richtig!“<br />
„Ralf Bauer, 49,<br />
Schauspieler<br />
„Neulich habe ich mir Heilmittel<br />
der tibetischen Medizin schicken<br />
lassen, doch die Annahme wurde<br />
mir verweigert. So etwas darf<br />
einfach nicht passieren. Auf der<br />
einen Seite werden wir zum Teil<br />
mit Gift zugemüllt, und dann wird<br />
leider immer noch in diesem Land<br />
jede Alternativmedizin beinahe<br />
mitleidsvoll belächelt.“
hse 1-1<br />
Fachwerk alt<br />
Fachwerk neu<br />
Gefach ausgemauert<br />
cken-Eckbalken schräg<br />
Wohl<br />
kaum eine<br />
24/12<br />
Entdeckung<br />
13<br />
12/12<br />
der Neuzeit hat derart<br />
*<br />
tiefgreifende<br />
10<br />
14<br />
OK FB<br />
Veränderungen 10/20<br />
U180<br />
in der<br />
11/9<br />
Wissenschaft ausgelöst<br />
wie die Entdeckung der<br />
X-Strahlen<br />
OK FB = OK Schwelle OK FB = OK Schwelle -8,5<br />
durch Wilhelm Conrad Röntgen.<br />
*<br />
Mit dem Erwerb seines Geburtshauses durch die Deutsche Röntgengesellschaft bietet sich nun die<br />
Möglichkeit, dieses Haus zu einem gemeinsamen Erbe der Naturwissenschaften und der Medizin<br />
zu gestalten und somit das Andenken an Wilhelm Conrad Röntgen zu fördern und zu pflegen.<br />
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Medizin mit Durchblick<br />
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UND STRAHLENMEDIZINER