juden-von-rothenfels

dom878

Winfried Mogge

„Wir hingegen in

gedachten städtlein

gebohren und gezogen seyn ...“

Auf den Spuren der Juden von Rothenfels am Main

Königshausen & Neumann


Winfried Mogge

———

„Wir hingegen in gedachten städtlein

gebohren und gezogen seyn ...“


Beiträge zur Geschichte von Rothenfels am Main

1


Winfried Mogge

„Wir hingegen in gedachten städtlein

gebohren und gezogen seyn ...“

Auf den Spuren der Juden von Rothenfels am Main

Königshausen & Neumann


Umschlagbild:

Blick von der Burgtreppe auf die Stadt Rothenfels

mit Rathaus (1598/99), Juliusspital (1597/99) und Kirche (1610/11, Turm 1750),

an der Treppe Kreuzwegstation (1753) und „Judenbildstock“ (1752)

Innentitel:

Rothenfelser Grabstein vom Jüdischen Friedhof Laudenbach

(5579/1818)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet

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© Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg

2., verbesserte Auflage 2016 (online-Ausgabe)

Gedruckt auf säurefreiem, alterungsbeständigem Papier

Umschlag: skh-softics / coverart

Umschlagabbildung: Günter Giessler, Rothenfels

Layout: Winfried Mogge, Berlin

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ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere

für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung

und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Printed in Germany

ISBN 978-3-8260-5870-7

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Inhalt

Prolog 7

1. Erinnerungen und Quellen 7

2. Anfänge der Siedlung Rothenfels 9

3. Nathan von Rothenfels und seine Zeit 11

4. Spuren der ersten jüdischen Gemeinde 13

5. Sprünge der Würzburger Judenpolitik 17

6. Neubeginn und erste Namen 19

7. Konflikte und Ausweisungen 21

8. Ausgrenzungen und Anpassungen 27

9. Schritte zur Emanzipation 31

10. Leben und Arbeiten in Rothenfels 35

11. Leben und Arbeiten in Bergrothenfels 37

12. Häuser der Juden 42

13. Streit um die Synagoge 48

14. Unterricht und Kultus 50

15. Das Ende der Kehillah Rothenfels 57

16. Verstreut, verschollen, ermordet 59

Epilog 59

Anhang

1 Schutzjuden im Amt Rothenfels (17. bis 18. Jh.) 61

2 Juden im Herrschaftsgericht Rothenfels (19. bis 20. Jh.) 62

3 Juden im Herrschaftsgericht Rothenfels (1833) 63

4 Seelen-Register 1743 64

5 Jüdische Familien in Rothenfels (17. bis 19. Jh.) 66

6 Jüdische Familien in Bergrothenfels (18. und 19. Jh.) 67

7 Stammtafel Männlein / Freudenberger 68

8 Stammtafel Isack / Heil 69

9 Stammtafel Kahn / Völker 70

10 Personenstandsregister 1829-1875 71

11 Jüdische Wohnstätten in Rothenfels und Bergrothenfels 74

Literatur und Quellen 75

Abbildungsnachweis 80

Dank 80

Abkürzungen 81

Personenregister 81

Ortsregister 84

Nachwort und Nachträge 85


Rothenfels

Stahlstich nach einer Zeichnung von Fritz Bamberger (1814-1873), 1847


Juden von Rothenfels 7

Prolog

Im März 1749 schreiben Nathan Hirsch und Moyses

Berl aus Rothenfels am Main der Hochstiftischen Regierung

zu Würzburg einen flehentlichen Brief. Der

kurz zuvor verstorbene Fürstbischof Anselm Franz

von Ingelheim hatte auf Antrag von Bürgermeister und

Rat der Stadt Rothenfels ihre sofortige Ausweisung

aus diesem Ort verfügt. Die beiden würzburgischen

Schutzjuden haben sich nichts zuschulden kommen

lassen; ihr einziges Vergehen besteht darin, dass sie

Juden sind und mit landesherrlicher Genehmigung in

dem Ort wohnen und in dem umliegenden Landamt

ihre Handelsgeschäfte betreiben. Allerdings hat sich

mit ihnen die Zahl der traditionell in der Stadt zugelassenen

jüdischen Familien von zwei auf vier verdoppelt.

Aus Sicht der Ratsherren ist das nun eine

unerträgliche Konkurrenz für die alteingesessenen

Kaufleute, gar die existenzielle Gefährdung von Handel

und Wandel in dem armen Städtlein. Die betroffenen

Juden hingegen kämpfen mit Bittschriften um ihr

verbrieftes Aufenthaltsrecht. Sie beklagen die ihnen

drohende Eliminierung als Vertreibung aus ihrem Lebens-

und Arbeitsbereich, und das meint nicht nur den

wirtschaftlichen Ruin, sondern auch den Verlust der

Heimat: [...] wir hingegen in gedachten städtlein gebohren

und gezogen seyn. 1

1. Erinnerungen und Quellen

Der Vorgang von 1749 ist beispielhaft. Er wiederholt

sich mehrmals in Rothenfels und unzählige Male in

anderen Orten. Das Beispiel steht für die allzeit gefährdete

Existenz einer religiösen Minderheit als ein

schrilles Leitmotiv der deutschen Geschichte.

Für zahlreiche Orte und Regionen sind die Schicksale

der jüdischen Gemeinden inzwischen dokumentiert

und Bestandteil der „Erinnerungskultur“, so auch

in Unterfranken und Bayern. 2 Für die Kleinststadt Rothenfels

am Main und das seit Jahrhunderten zugehörige

Dorf Bergrothenfels wollen die folgenden Seiten

ein erster Versuch sein, dieses fast unbekannte und

erstmals 1992 auf wenigen Seiten thematisierte Kapitel

ihrer Geschichte darzustellen. 3

Es gab hier eine jüdische Gemeinde bereits im

1 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (darin Korrespondenzen und Resolutionen

von 1749, unpaginiert, teils undatiert). Ausführlich dazu

unten S. 24 f. – Zitate aus Quellen werden in der vorliegenden

Arbeit in Kursivschrift ohne Anführungszeichen wiedergegeben.

2 Vgl. D. Rosenstock, Literatur zur jüdischen Geschichte Unterfrankens

(2003); F. Wiesemann, Judaica bavarica (2007). Laufend

aktualisierte Literaturlisten finden sich auf der Homepage

des Johanna-Stahl-Zentrums für jüdische Geschichte und Kultur

in Unterfranken (www.johanna-stahl-zentrum.de) und in der

Datenbank Alemannia Judaica (www.alemannia-judaica.de).

3 Vgl. P. Kolb, Chronik (1992), S. 105-107, 158, 371 f Anm. 381

und 383; ders., Bergrothenfels (1997), S. 35 f.

Mittelalter, die in unbekannter Zeit unterging – vertrieben

oder umgebracht wurde. Seit der Mitte des 17.

Jahrhunderts sind dann Juden in der Stadt und dem

würzburgischen Amt Rothenfels wieder nachweisbar.

Es gab hier wie anderenorts Phasen friedlichen Zusammenlebens

von Christen und Juden, überwiegend

jedoch Zeiten der misstrauischen Beobachtung und

rücksichtslosen Vertreibung der Minderheit durch

Nachbarn und Obrigkeiten; die Ausgrenzung der stets

nur geduldeten Andersgläubigen war auch nach endlich

errungener bürgerlicher Emanzipation im 19.

Jahrhundert nicht überwunden.

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Rothenfels

und Bergrothenfels endet bereits vor 1900

durch Überalterung und Abwanderung. Die letzte katastrophale

Phase im Nationalsozialismus fehlt dank

dieser historischen Zufälle an diesem Ort; es besteht

kein Grund zu der Annahme, sie hätte hier anders verlaufen

können als fast überall. Einige noch in dem

Mainstädtchen geborene Jüdinnen und Juden sind in

Frankfurt am Main nachweisbar; sie wurden 1940 und

1942 deportiert und in Vernichtungslagern umgebracht.

In Rothenfels und Bergrothenfels sind die Spuren

des jahrhundertelangen jüdischen Lebens verweht. Es

gibt unter den heutigen Bewohnern der Stadt und des

Dorfes kaum noch Erinnerungen an diese Minderheit.

Ein schmales Gässchen in der Stadt mit der inoffiziellen

Bezeichnung Judenwinkel ist den Ältesten noch

geläufig. Die Existenz von Synagogen und die Lage

einiger Wohnungen ist nach mühsamer Suche aus urkundlichen

Nachrichten zu erschließen. Ein ehemaliges

Judenbad wurde vor fast 40 Jahren beim Umbau

eines Privathauses in Bergrothenfels für kurze Zeit

sichtbar. Über den versunkenen Judenkirchhof der

mittelalterlichen Gemeinde nördlich der Altstadt von

Rothenfels geben spätere Steuerakten und Katasterkarten

Auskunft; im Gelände ist nichts mehr davon zu sehen.

Einige neuzeitliche Grabsteine für Rothenfelser

Juden stehen auf dem jüdischen Verbandsfriedhof

Laudenbach bei Karlstadt. Kultgegenstände aus den

Betstuben oder aus Wohnhäusern sind derzeit nicht

nachweisbar, familiäre Traditionen nicht gewärtig.

In der veröffentlichten Dokumentation der Rothenfelser

Stadt- und Dorfgeschichte finden sich einige

Textseiten und Quellennachweise über jüdische Familien,

ergeben aber kein zusammenhängendes Bild. 4 In

der inzwischen reichen Literatur zur Geschichte der

Juden in Bayern und Unterfranken und im heutigen

Main-Spessart-Kreis ist Rothenfels kaum bekannt und

wird meist nur der Mangel an schriftlichen Quellen

und realen Zeugnissen festgestellt. 5

4 P. Kolb (wie Anm. 3).

5 Auf eine Anhäufung von Literaturstellen, die sich meist aufeinander

und auf dieselben Quellen beziehen, wird in dieser Arbeit

verzichtet. – Als Hintergrund für die gesamte Arbeit dienten die

Standardwerke von J. F. Battenberg (1990, 2001) zur jüdischen

Geschichte. Als Übersichtsdarstellungen und zur Einführung


8 Winfried Mogge

Leider sind die als Geschichtsquelle so wichtigen

Amtsprotokolle der in der Burg Rothenfels residierenden

fürstbischöflichen Verwaltung bis auf einige Extracte

verloren gegangen. Die alten Ratsprotokolle der

Stadtverwaltung bieten nur vereinzelte Mitteilungen

über die jüdischen Bewohner. Recherchen vor allem in

den Staatsarchiven Würzburg und Wertheim und im

Stadtarchiv Rothenfels förderten jedoch umfangreiches,

bisher nur zum geringen Teil oder überhaupt

nicht beachtetes Material zutage. Es sind viele verstreute

Informationen vor allem aus amtlichen Korrespondenzen

und Protokollen, Gemeinderechnungen

und Grundsteuerakten, die sich schließlich zu einem

Bild fügen. Die jüdische Gemeinde von Rothenfels

und Bergrothenfels bekommt damit Namen und Daten,

bekommt ein Gesicht und eine wenn auch bruchstückhaft

bleibende Geschichte.

Es ist keine große Gemeinde und keine spektakuläre

Geschichte. Während in einigen Dörfern des Landamtes

Rothenfels zahlenmäßig beachtliche Gruppen

von Juden wohnten, waren es in dem stättlein nur wenige:

meist zwei bis vier, selten mehr Familien, ebenso

im zugehörigen Dorf auf dem berg, dazu eine wechselnde

Zahl von Einzelpersonen. Das bisherige Bild

umstürzende neue Aspekte zur Entwicklung der fränkischen

Judenschaft sind von Rothenfels nicht zu erwarten,

wohl aber einige regionale Differenzierungen

und Korrekturen.

So lässt sich beispielhaft zeigen, wie sich die fürstbischöflich-würzburgische,

dann königlich-bayerische

Religions- und Judenpolitik in einer solchen Randlage

in der Provinz umsetzte. Und es tritt die durchaus charakteristische

Existenz einiger jüdischer Generationen

in einer unterfränkischen Kleinststadt hervor, zu betrachten

und zu verstehen vor dem Hintergrund der jeweiligen

Zeit und Politik – eine Geschichte, die es vor

wurden benutzt: Die Ortschafts- und Einleitungsartikel in Germania

Judaica Bde. I-III (1963-2003); L. Scherg / M. Harth,

Marktheidenfeld (1993); R. Flade, Würzburger Juden (²1996);

L. Scherg, Jüdisches Leben (2000); G. Christ, Lohr (2007). Die

Einleitung von K. Müller zu dem monumentalen Werk über die

Grabsteine vom jüdischen Friedhof in Würzburg (2011) wird

hier nicht zitiert, sondern die ausführlichere Darstellung: K.

Müller, Würzburger Judengemeinde (2004). Außerdem die Beiträge

von K. Arnold und L. Scherg in der von P. Kolb und E. G.

Krenig herausgegebenen Unterfränkischen Geschichte (1992,

1999, 2002) und von H. P. Baum, U. Gehring-Münzel und K.

Müller in der von U. Wagner herausgegebenen Geschichte der

Stadt Würzburg (2001, 2004, 2007); dort finden sich jeweils

umfangreiche Literaturhinweise. Als neuere Spezialuntersuchungen

wurden vor allem genutzt: J. F. Harris, The People

Speak! (1994); I. König, Judenverordnungen (1999); D. Rosenstock,

Judenmatrikeln (2008); B. Rösch, Judenweg (2009); R.

Mehler, Matrikelbestimmungen (2011). Kurzfassungen zu einzelnen

Orten mit weiterführenden Hinweisen bietet die Online-

Dokumentation www.alemannia-judaica.de. Im Aufbau befindlich

(und derzeit noch ohne Hinweise zu Rothenfels) ist die

„Biographische Datenbank jüdisches Unterfranken“ bei wwwlandjudentum-unterfranken.de.

Einen kurzen, reich bebilderten

Überblick bietet das Begleitheft zur Wanderausstellung „Mitten

unter uns. Landjuden in Unterfranken vom Mittelalter bis ins

20. Jahrhundert“ (2013).

Ort zu erspüren, aus den Schatzkammern der Archive

zu heben, zu rekonstruieren und zu erinnern gilt.

An der Stelle sei ein Exkurs über die Namensgebungen

der Juden eingebracht. Die jüdischen Namen

machen es oft nicht leicht, familiäre Zusammenhänge

zu erkennen. Üblich ist zunächst die Verwendung nur

eines Namens, wobei die direkten Herleitungen von

biblischen Personen besonders beliebt sind: in Rothenfels

Abraham, David, Isaak, Joseph, Moses, Nathan.

Auch allegorische Tiernamen sind gebräuchlich: Bär

für Isaschar, Hirsch für Naphtali, Wolf für Benjamin,

ebenso Eindeutschungen wie Meier oder Mayer für

Meïr, Hermann für Chaim. Häufig begegnen Verkleinerungen

wie Hirschlein oder Hirschle; sehr fränkisch

klingen Verniedlichungen wie Berla oder Perla für

Berlein oder Perlein. 6 Die Schreibweise ist – wie allgemein

üblich – willkürlich, auch kommen alle denkbaren

Varianten vor, zum Beispiel Moyses, Moises,

Moizes, Mossel, Moschel für Moses. 7

In der Mitte des 18. Jahrhunderts gehen auch in

Rothenfels die Juden zu der hebräischen Tradition

über, den Namen mit dem Vaternamen zu kombinieren.

So schreibt sich ein bisheriger Moyses nun Moyses

Lazarus, sein Sohn Mayer nun Mayer Moyses.

Amts- und Ratsschreiber bereiten den späteren Leserinnen

und Lesern Verwirrung, indem sie gelegentlich

beide Namensteile einzeln verwenden. Bei den ersten

Schritten zur bürgerlichen Emanzipation wird die Annahme

unveränderlicher, vererbbarer Familiennamen

zur Pflicht – im ehemaligen Hochstift Würzburg nach

dem Übergang an Bayern ab 1816. Die Rothenfelser

Juden kommen dazu schon 1811 anlässlich der kurzen

Zugehörigkeit von Teilen des alten Landamtes zum

Großherzogtum Frankfurt. 8 Sie wählen Familiennamen

wie Heil und Freudenberger, die auch bei Glaubensgenossen

in Nachbarorten gängig sind.

Überhaupt begegnet eine Anzahl gleicher Namen –

zum Beispiel Nathan Freudenberger – auch in anderen

Orten. Nur in wenigen, genau zu prüfenden Fällen

darf dabei auf identische Personen oder Verwandtschaften

geschlossen werden.

Auch bei der Zuordnung von Namen zu den Konfessionen

ist genaues Hinsehen geboten. Heil, Herrmann

und Hirschlein können hier christliche und

jüdische Familien heißen. Eine traditionsreiche Rothenfelser

Familie Jud ist christlich; dasselbe gilt für

die „typisch jüdischen“ Familiennamen Bernstein und

Salomon. Ein Vorname wie David lässt ebenfalls noch

keine Rückschlüsse auf die Religionszugehörigkeit

seines Trägers zu.

6 Ausführlich zur Geschichte der jüdischen Namen: E. H. und H.

W. Guggenheimer, Etymologisches Lexikon.

7 In der vorliegenden Arbeit werden die Namen bei Zitaten aus

Quellen buchstabengetreu, ansonsten in der häufigsten Variante

oder der von den Trägern selbst bevorzugten Schreibweise wiedergegeben.

8 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 fol. 258; vgl. D.

Rosenstock, Judenmatrikeln, S. 34, 191.


Juden von Rothenfels 9

2. Anfänge der Siedlung Rothenfels

Der erste namentlich bekannte Einwohner von Rothenfels

am Main ist ein Jude. Er nennt sich Nathan

de Rotenvels und taucht 1222 und 1234 als Zeuge in

zwei Würzburger Urkunden auf. 9

Solche Zufälle der schriftlichen Überlieferung sind

Glücksfälle für die historische Forschung. Es gibt keine

urkundlichen, baulichen oder archäologischen

Zeugnisse für die Anfänge von Rothenfels. Jäger und

Fischer werden die ersten gewesen sein, die hier den

Wald und den Fluss und die Bäche nach Nahrung absuchten.

Zweifellos waren sie im Namen und Auftrag

der nahegelegenen Benediktinerabtei Neustadt unterwegs.

Denn der umliegende Grund vom Main bis weit

in den Spessart hinein gehörte seit karolingischer Zeit

diesem als adelige Familienstiftung entstandenen

Kloster. Für eine Siedlung an der Stelle der späteren

Stadt Rothenfels unten im Tal und des Dorfes Bergrothenfels

oben auf der Anhöhe gibt es jedoch keine

Nachweise und auch keine Wahrscheinlichkeit, bevor

überhaupt auf dem roten Felsen über dem Main die

Burg entstand. 10

Der fränkische Adelige Marquard II. von Grumbach

(um 1113/1125-1171), Vogt des Klosters Neustadt

und enger Mitarbeiter der ersten staufischen

Könige, baute seine Burg ab 1150 als einen von meh-

9 Vgl. Anm. 28 und 29.

10 Ausführlich dazu W. Mogge, Anfänge von Rothenfels; ders.,

Stadt Rothenfels.

reren Familiensitzen und künftiges Herrschaftszentrum

der Region. In einem ausführlichen Vertrag vom

8. Juli 1150 zwischen dem Abt und dem Aristokraten

wurden die Konditionen für das aufwändige Projekt

genau geregelt. Der mächtige Herr von Grumbach

nahm die starcke veste burgk mit zugehörigem Land

vom Kloster zu Lehen. Dabei ist noch keine Rede von

bereits vorhandenen Höfen oder Häusern, geschweige

denn einer Ansiedlung. Die wird erst zeitgleich mit der

Burg aus Versorgungshöfen der neuen Befestigung

entstanden sein. 11

Aus wenigen Mosaiksteinen urkundlicher Überlieferungen

ergibt sich eine ungefähre Vorstellung der

Anfänge von Rothenfels. Die ersten Vorkommen des

Ortsnamens, zum Beispiel von 1159, betreffen stets

nur die Burg, nicht die Siedlung. 12 Im Jahr 1282 – inzwischen

haben die Grafen von Rieneck die Herren

von Grumbach beerbt – ist in einem Friedensvertrag

zwischen dem Grafenhaus und dem Hochstift Würzburg

zum ersten Mal von einem Amt zu Rotenvels die

Rede. 13 Zu der Zeit haben die Fürstbischöfe das ehemals

reichsfreie Kloster Neustadt längst unter ihre

weltliche und geistliche Herrschaft gezwungen und

verfügen auch über dessen Lehen. In einer Beschrei-

11 Ausführlich dazu W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 10-12, 36-42,

107-112; ders., Burg Rothenfels im Hochmittelalter (dort S. 6

farbige Abbildung der Urkunde vom 8. 7. 1150).

12 W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 29, 40, 272 f.

13 StAWü WU 8620 (Urkunde vom 17. 1. 1282). Vgl. Th. Ruf,

Grafen von Rieneck, Teil I, S. 149, 381; W. Mogge, Dies uralt

Haus, S. 46, 51.


10 Winfried Mogge

bung des Rothenfelser Lehens (feodum) aus dem Jahr

1317 werden die Klostervogtei (advocacia) und zugehörige

Güter (bona), die Burg (castrum) und das Gericht

(cent) im Zusammenhang genannt. 14 Somit wird

hier eine bereits ausgebildete Herrschafts- und Verwaltungsstruktur

sichtbar.

Dank einiger weniger Hinweise scheinen nun Beamte

nicht nur in der Burg, sondern auch im Ort auf:

ein Schultheizz als Vertreter des Landesherrn (1319) 15 ,

ein Priester als Rector der Kirche (1341) 16 . Ein sicheres

Datum ist dann das Jahr 1342: Rothenfels wird

zum ersten Mal in Urkunden stat (Stadt) genannt, und

zwar in einem Vertragswerk vom 12. November zwischen

Kaiser Ludwig IV. dem Bayern (1314-1347)

und seinen Söhnen und dem Würzburger Fürstbischof

Otto II. von Wolfskeel (1333-1345) über die Verteilung

des Erbes der Grafen von Rieneck-Rothenfels,

die kurz zuvor ausgestorben waren (1333). 17

In jenem Jahr 1342 bestand hier also schon ein

verfasstes Gemeinwesen im Schutz der Burg, und das

konnte kaum innerhalb kurzer Zeit aus dem Boden gestampft

werden, sondern musste schon länger gewachsen

sein. Ein Gründungsdatum oder eine formelle

Erhebung zur Stadt ist, wie so oft im Mittelalter, für

Rothenfels nicht bekannt. Auch über die Zusammensetzung

und die Tätigkeiten der Bewohner erfährt man

zu der Zeit noch nichts. Indirekt wird jedoch mitgeteilt

und darf man schließen: Es gab an diesem Ort eine arbeitsteilige

Bürgerschaft mit Selbstverwaltung und

Gerichtsbarkeit, mit Befreiung von der Leibeigenschaft,

Steuererleichterungen und der Pflicht, eine

Mauer zu bauen und zu erhalten. Denn das sind einige

Merkmale des Rechtsgebildes Stadt, und die werden

durch die zeitlich folgenden Nachrichten für Rothenfels

bestätigt. 18

Die ersten schriftlichen Unterlagen über Umfang

und Verwaltung, Einnahmen und Ausgaben, Menschen

und Berufsgruppen der hochmittelalterlichen Stadt lassen

noch länger auf sich warten, was wiederum den

Zufällen der Überlieferung geschuldet ist. Sie setzen

ein mit zwei von der Forschung bisher nicht ausge-

14 H. Hoffmann, Ältestes Lehenbuch, Teilband 1, S. 113 (Nr.

1090).

15 C. H. v. Lang / M. v. Freyberg, Regesta, Bd. V, S. 418 (Urkunde

vom 26. 11. 1319). Die Interpretation erfolgt mit Vorbehalt:

Möglicherweise ist der in der gräflichen Urkunde genannte

Gottfrid Schultheizz dicto Rotenvels als ein Beamter vor Ort

und der Name als Amtsbezeichnung zu verstehen. Vgl. P. Kolb,

Chronik, S. 25 und 57.

16 StAWt-R US 1341 Juni 8. In der Privaturkunde über eine Stiftung

handelt Henricus de windauwe (Windau, Windheim) sacerdos

Rector Ecclesie in Rotenfels (Rektor der Kirche in

Rothenfels), die es also schon vorher gegeben haben muss. Vgl.

P. Kolb, Chronik, S. 238.

17 Bayerische Akademie der Wissenschaften, Monumenta Boica,

Bd. 40, S. 429-438 (Nr. 195/1-3); teils nachgedruckt bei P.

Kolb, Chronik, S. 335-337. Weitere Quellen zu dem Vorgang

bei W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 374 Anm. 203-208.

18 Vgl. Th. Ruf, Quellen und Erläuterungen, S. 35 f; P. Kolb,

Chronik, S. 24 ff, 56 ff, 139 f und oft; W. Mogge, Dies uralt

Haus, S. 90 ff.

werteten Zins- und Gültbüchern des Ritters Eitel Voit

von Rieneck aus dem Jahr 1450. 19 Dessen in Mainfranken

verbreitete und erfolgreich wirtschaftende Familie

– nicht zu verwechseln mit den Grafen von

Rieneck – hatte eine Menge Eigen- und Pfandbesitz

auch um Rothenfels gesammelt und in solchen Büchern

ihre Einkünfte daraus verzeichnet. Es folgt eine

erste Bestandsaufnahme der Zinß und gulte zu Rotenfels

(1474), überliefert im ältesten Würzburger Salund

Lagerbuch, das Fürstbischof Rudolf II. von Scherenberg

(1466-1495) gleichermaßen für alle damaligen

Landämter des Hochstifts in Auftrag gegeben hatte. 20

Wiederum einige Jahre später ließ der fürstbischöfliche

Amtmann die Weistümer des Amtes Rothenfels

aufzeichnen, also die bislang nur mündlich überlieferten

Rechte und Pflichten und Abgaben der Bürger verschriftlichen

(1494). 21

Aus all diesen Aufzeichnungen lassen sich Informationen

zu den rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen

der Stadt und der Amtsdörfer ziehen. Doch

erst im folgenden Jahrhundert setzen die wirklich ergiebigen

städtischen Schriftquellen ein: Protokollbücher

(Rats- und Stadtgerichtsprotokolle ab 1531 22 ) und

Steuerlisten (Bede-Register von 1531 23 ). Eine Fülle

von Namen und Daten eröffnet nun Einblicke in die

Verwaltung, die soziale Schichtung und das Alltagsleben

des Ortes, der vom Ackerbürgerstädtchen aufsteigt

zu einem bescheidenen Handels- und Gewerbezentrum

der Region. 24

Dicht verschleiert sind für heutige Betrachter die

Anfänge des Dorfes Bergrothenfels. Es liegt nahe, auf

der weiten Hochfläche hinter der Burg und nicht im

engen Flusstal die ersten Versorgungshöfe der Grumbacher

und Rienecker Burgherren und dann einen

großen Bauhof als Eigenbetrieb des Hochstifts Würzburg

anzulegen. 25 Die Heuser hinter dem Schlos Rottenfels

uff dem Berg oder auff dem Berg tzu Rotenuels

oder einfach nur uff dem berg heißt diese Ansiedlung

in den ersten erhaltenen Schriftquellen aus dem 15.

19 StAWt-G Rep. 102 Nr. 2433 (unpaginiert); Rep. 54 Nr. 101 fol.

2-7. Einige Daten aus letzterem bei P. Kolb, Chronik, S. 57, 366

Anm. 182.

20 StAWü Salbuch Nr. 1 fol. 281-314. Vgl. D. Rödel, Erstes Salbuch,

S. 38-41. Eine „Ortsstatistik“ bietet G. Christ, Lohr, S.

314-328.

21 StadtAR II 1/1 (Stadtbuch B, bezeichnet Anno 1413, tatsächlich

eine Sammlung von Urkundenkopien des 15. bis 17. Jhs.,

nach dem ersten Text fälschlich auf 1413 datiert), S. 1-8; StA-

Wü Salbuch Nr. 136 (zusammengestellt 1540), Nr. 137 (zusammengestellt

etwa 1596), Nr. 138 (Zusammenfassung mehrerer

älterer Salbücher und Konzepte, 1683); StAWt-R S 2 Nr. 474

(1683-1724); S 2 Nr. 522 (1732/33). Ausführliche Beschreibung

der Quellen bei W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 91 ff, 386 Anm.

387-391.

22 StadtAR II 2/1 (Ratsprotokolle 1531-1553), II 2/2 (Ratsprotokolle

1590-1594), II 2/3 (Ratsprotokolle 1592-1616), II 2/4

(Ratsprotokolle 1594-1595).

23 StadtAR II 7/1 (Beth-Register 1531).

24 Ausführlich dazu P. Kolb, Chronik, S. 91-110, 164-183 und oft.

25 Ausführlich dazu W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 36-44, 107-

112.


Juden von Rothenfels 11

Würzburger

Urkunde,

März 1222

In der Zeugenreihe,

vorletzte Zeile:

natan de rotenuelse

Jahrhundert. 26 Seit dem Beginn der Aufzeichnungen

erscheint Bergrothenfels als ein Teil der Stadt, und die

Bewohner des Dorfes genießen die Bürgerrechte; nur

für 150 Jahre, von 1822 bis 1972, gehen die Kommunen

getrennte Wege. 27 Die jüdische Gemeinde, um ein

Ergebnis der Untersuchung vorwegzunehmen, wird im

Lauf der Zeit aus dem ummauerten Bereich der Stadt

in das offene Dorf verdrängt.

Angesichts der relativ späten Nachrichten über die

Anfänge von Rothenfels erscheint es geradezu sensationell,

dass wir über den Juden Nathan bereits aus der

ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Kunde von der

Existenz des Ortes haben und auch den Namen eines

Bewohners kennen. Galten bisher die Grafen von

Rieneck-Rothenfels (1243-1333) zu Recht als planmäßige

Förderer der Siedlung und des Amtes, so rücken

nun schon die Herren von Grumbach (1150-1243) als

mögliche und wahrscheinliche Gründer eines Dorfes

oder Marktes ins Blickfeld. Mehr lässt sich dazu aus

den Dokumenten von 1222 und 1234 aber nicht herauslesen,

ohne in Spekulationen zu verfallen.

26 StAWt-R Rep. 54 Nr. 101 fol. 5‘; StAWü Salbuch Nr. 136 fol.

5‘, 10-18‘, 31‘; Salbuch Nr. 137 fol. 10-16, 228-233.

27 Zum 1. 10. 1822 lösten sich Bergrothenfels und Windheim aus

dem Gemeindeverband Rothenfels; mit dem 1. 1. 1972 wurde

Bergrothenfels in die Stadt Rothenfels wieder eingegliedert.

Ausführlich dazu P. Kolb, Bergrothenfels, passim.

3. Nathan von Rothenfels und seine Zeit

Worum geht es in diesen für die Rothenfelser Geschichte

so willkommenen Würzburger Urkunden? Es

handelt sich um Privatgeschäfte, wie sie in allen Städten

alltäglich abgeschlossen und „mit Brief und Siegel“

rechtskräftig werden. Beim ersten verpfändet der

Ritter (und Würzburger Bürger) Billung der Jüngere

von Pleichfeld dem Juden joseph de wertheim einen

Weinberg in Unterdürrbach, einem heutigen Vorort der

Stadt. Die Urkunde ist ausgestellt vom Schottenkloster

St. Jakob, in der stattlichen Zeugenreihe findet sich

natan de rotenuelse. 28 Beim zweiten Dokument geht

es um Vererbung und Verkauf eines Hauses in Würzburg

und der Einkünfte daraus zwischen jüdischen Familien.

Hier sind Verwandte des Zeugen Joseph de

Wertheim direkt beteiligt. Aussteller ist das Domkapitel,

das Geschäft bezeugen mehrere Kanoniker und

Laien und eine Reihe von Juden, darunter wieder Nathan

de Rotenuels. 29

28 StAWü WU 6507 (Urkunde ohne Tagesangabe, März 1222).

Regest: C. H. v. Lang, Regesta, Bd. II, S. 127. Ohne Quellenangabe

genannt bei F. Hundsnurscher / G. Taddey, Jüdische Gemeinden,

S. 294.

29 StAWü WU 7746 (Urkunde ohne Tagesangabe, März 1234).

Regest: W. Engel, Urkundenregesten zur Geschichte der Stadt

Würzburg, S. 30 f (Nr. 19). Druck: Bayerische Akademie der


12 Winfried Mogge

Bemerkenswert an diesen Vorgängen ist, dass

christiani ac iudei selbstverständlich neben- und miteinander

handeln und hochrangige Kleriker und auch

christliche Adelige und Bürger die Geschäfte der Juden

bezeugen. 30 Die beiden Urkunden, zwölf Jahre

auseinander liegend, dürften zufällig erhaltene Stücke

einer ganzen Serie sein. Joseph und Nathan haben offensichtlich

als angesehene Männer Kontakte zu führenden

Kreisen in Würzburg. Sie bewegen sich frei

und fern von ihren Heimatorten, leben vielleicht schon

länger in der Hauptstadt, wo sie ihren Herkunftsnamen

bekommen haben. 31 Wir erfahren nichts über ihre beruflichen

und wirtschaftlichen Verhältnisse; wahrscheinlich

sind sie vermögende Kaufleute, die sich

Immobilienbesitz leisten können und flüssiges Geld zu

verleihen haben. Einige Juden aus Wertheim, vielleicht

aus der Familie des Joseph, wurden auf dem

Friedhof der mittelalterlichen Würzburger Gemeinde

beerdigt. 32 Möglicherweise hat auch Nathan von Rothenfels

seinen Lebensmittelpunkt und sein Ende in

der Bischofsstadt gefunden; aber das darf nicht mehr

als eine Vermutung sein.

Die Metropole am Main ist zu der Zeit der Mittelpunkt

des fränkischen Judentums. 33 Es ist das „goldene

Zeitalter“ in der Geschichte der Würzburger Juden,

eine Zeit des Friedens für mehrere Generationen zwischen

Wellen von Vertreibung und Vernichtung: „Nie

wieder erleben sie später eine so lange Periode relativer

Sicherheit, wirtschaftlicher und kultureller Blüte

und religiöser Intensität.“ 34 Eine organisierte Gemeinde

von etwa 700 Personen mit differenzierter Berufsstruktur

lebt in einem offenen Stadtviertel um den jetzigen

Marktplatz, baut ihre Hauptsynagoge an der

Stelle der heutigen Marienkapelle, unterhält eigene soziale

und kulturelle Einrichtungen. Ihre Kaufleute und

Unternehmer sind wohlmögende Nachbarn der Christen

und auch am fürstbischöflichen Hof angesehen. In

Würzburg leben und arbeiten in jener Zeit bedeutende

Wissenschaften, Monumenta Boica, Bd. 45, S. 77 f (Nr. 46).

Die Urkunde trägt auf der Rückseite mehrere Signaturen und

eine hebräische Schriftzeile: Schulden bei Raw [Herrn] Joseph.

30 Zitat aus der Urkunde von 1234 (wie Anm. 29).

31 Mehrere Autoren werten die Urkunde von 1234 als Beweis für

den Zuzug von Juden nach Würzburg im 13. Jh. u. a. aus Rothenfels

und Wertheim (K. Müller, Würzburger Judengemeinde,

S. 44; H.-P. Baum, R. Leng und R. Meier, Kehillot Keddoschot,

S. 7). Weitere Spuren des Nathan von Rothenfels außer den Urkunden

von 1222 und 1234 sind in Würzburg nicht nachweisbar

(freundliche Mitteilung des Stadtarchivs Würzburg).

32 K. Müller, S. Schwarzfuchs und A. Reiner, Grabsteine, Bd. 2

Teil 1, S. 319 f (Stein Nr. 192) und 954 f (Stein Nr. 647). Die

Angabe bei K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 44 Anm.

9 (Grabsteine Nr. 519 und 1212) ist zu korrigieren (freundliche

Mitteilung von Prof. Dr. Dr. Karlheinz Müller, Würzburg). –

Der Würzburger Grabstein Nr. 647 (datiert zwischen 1241 und

1260) ist der eines Knaben Schim'on, des Sohnes des Herrn

[…] aus Wertheim. Raw (Herr) wird auch Joseph von Wertheim

auf der Rückseite der Urkunde von 1234 tituliert (vgl. Anm.

29).

33 Vgl. K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 43.

34 R. Flade, Würzburger Juden, S. 6.

Rabbiner und jüdische Gelehrte, deren theologische

und juristische Werke und Entscheidungen im gesamten

Reich gelesen und gefragt werden. 35

Der Sonderstatus der deutschen Juden als religiöse

Minderheit mit eigenem Recht und besonderem

Schutz ist scheinbar gesichert durch reichsweit geltende

Garantien der Könige und die Landfriedensgesetzgebung

seit Beginn des 12. Jahrhunderts. Der

Königsschutz, teuer bezahlt durch regelmäßige und außerordentliche

Abgaben an die Kammer des Herrschers,

wird allerdings im Lauf des 13. Jahrhunderts

an Landesherren, Adelige und Städte verkauft oder

verpfändet. Und so geraten die königlichen Kammerknechte,

wie die Juden seit 1236 allgemein genannt

werden, auch in der Stadt und im Hochstift Würzburg

ab 1247 in die Abhängigkeit von Fürstbischöfen, dann

auch Domkapiteln, Klöstern, Grafen und sogar

Reichsrittern. Der Judenschutz wird zum finanziell

einträglichen und politisch interessanten Regal territorialer

Mächte. 36

Der Rechtsschutz der Minderheit ist brüchig in

Zeiten sozialer Unruhen in den Städten; er versagt

meist dann, wenn hysterische religiöse Massenbewegungen

das Land heimsuchen. Die erste große Katastrophe

dieser Art wirkte sich in Würzburg zunächst

nur indirekt aus. In der Vorbereitungsphase des ersten

Kreuzzuges (1096-1099) zur „Befreiung“ Jerusalems

und des Heiligen Landes von den „Ungläubigen“ waren

ungeordnete, fanatisierte Kolonnen durch das

Rheinland gezogen, hatten tausende nun als „Gottesmörder“

stigmatisierte Juden getötet und ihre alten

Zentren zerstört. Überlebende Flüchtlinge konnten

sich nach Franken retten und um das Jahr 1100 in

Würzburg eine neue Gemeinde gründen.

Zu Beginn des zweiten Kreuzzuges (1147-1149)

gelang es dem judenfreundlichen Würzburger Bischof

Siegfried von Truhendingen (1146-1150) nicht, seine

Schutzbefohlenen vor dem verbrecherischen Tatendrang

der in seiner Stadt lagernden Kreuzfahrer zu bewahren;

unter dem Vorwand, die Juden hätten einen

jungen Christen umgebracht, war es am 24. Februar

1147 zu einem Pogrom gekommen.

Danach aber gab es, trotz zahlreicher Übergriffe an

vielen Orten auch in Franken, in Würzburg die zitierte

Friedens- und Blütezeit für die jüdische Gemeinde.

Die Wende kam schlagartig mit dem Jahr 1298, dem

Beginn der großen Judenverfolgungen des Hochmittelalters.

Die nun einsetzenden Ereignisse betrafen

nicht nur die Residenzstadt, sondern auch die ländlichen

Orte des Hochstifts. 37

35 Ausführlich dazu K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S.

29-62, 85-95.

36 Ausführlich dazu I. König, Judenverordnungen, S. 11-29, 45 f;

K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 63-84.

37 Ausführlich dazu Germania Judaica, Bd. I S. 475-496; Bd. II/1,

S. 928-936; K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 17-29,

96-111. Dort jeweils weiterführende Literaturlisten und Quellennachweise.


Juden von Rothenfels 13

Würzburger Urkunde,

März 1234,

und anhängendes Siegel

des Domkapitels

In der Zeugenreihe,

vierte Zeile von unten:

Nathan de Rotenuels

4. Spuren der ersten jüdischen Gemeinde

Die guten Jahrzehnte der Würzburger Juden dürften

auch die Blütezeit der mittelalterlichen Siedlung in

Rothenfels gewesen sein. Das entspräche jedenfalls

der allgemeinen Entwicklung in der Region. Jüdisches

Leben ist in Orten des heutigen bayerischen Regierungsbezirks

Unterfranken teils schon im 12., dann

vielfach im 13. Jahrhundert nachweisbar, im näheren

Umkreis um unsere künftige Stadt namentlich in Arnstein,

Gemünden, Homburg, Karlstadt, Lohr und

Rieneck. 38 Rothenfels zählt mit seinen Nachrichten

von 1222 und 1234 zu den frühesten Belegen.

Wir wissen nicht, wie es den Rothenfelser Juden

während der Pogrome des Mittelalters erging. Es gibt

für diese Zeit keine urkundlichen Nachrichten oder

zeitgenössischen Berichte aus unserem Ort. In den damaligen

Memorbüchern – Totengedenkbüchern für die

Opfer der Verfolgungen ab 1298 – ist Rothenfels nicht

vertreten. 39 Das kann ein Hinweis auf die Unvollständigkeit

dieser besonderen Art von Quellen sein. Es ist

38 Vgl. L. Scherg, Jüdisches Leben; Germania Judaica, Bd. II/1, S.

23, 275 f, 387 f, 429 f; Bd. II/2, S. 701. Dazu auch A. Haverkamp,

Geschichte der Juden, Teil 2 (Ortsartikel), Teil 3

(Karten). Fortlaufend ergänzte Ortsartikel in der Online-Dokumentation

www.alemannia-judaica.de.

39 Vgl. S. Salfeld, Martyrologium; A. Pomerance, Memorbücher.

unwahrscheinlich, dass der würzburgische Grenzort

von dem „neue(n) Phänomen der sich epidemieartig

ausbreitenden Judenverfolgungen“ 40 verschont blieb.

Das erste in Frage kommende Ereignis dieser Art

wäre die Rintfleisch-Verfolgung von 1298 gewesen.

Die inzwischen in Deutschland und Europa grassierende,

religiös begründete Judenfeindschaft entzündete

sich zu der Zeit meist an dem Vorwurf des

„Hostienfrevels“. Eine solche angebliche Schändung

einer gestohlenen konsekrierten Hostie führte zunächst

in Röttingen im Taubertal zu einem Massenmord an

Juden; von hier aus setzte sich ein König Rintfleisch

genannter Anführer an die Spitze fanatisierter Massen

und zerstörte vor allem in Franken zahlreiche jüdische

Gemeinden. Allein in der Stadt Würzburg, wohin sich

auch Juden aus der Umgebung geflüchtet hatten, wurden

etwa 900 Menschen ermordet. 41

Ähnliche Vorgänge wiederholten sich 1336/37, als

ein Ritter Arnold von Uissigheim genannt Armleder

Bauern und städtisches Proletariat zum Vernichtungsfeldzug

gegen Juden in und um Franken anführte; in

diesem Fall konnten Bürger und Rat von Würzburg

40 K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 96.

41 Zusammenfassende neuere Literatur: R. Flade, Würzburger Juden,

S. 19-36; K. Arnold, Abweichung im Glauben, S. 337-346;

K. Müller, Jüdische Gemeinde, S. 515-534;


14 Winfried Mogge

wenigstens die Einwohner der Stadt schützen. Die

Hauptforderung der Armleder-Erhebung war die

„Schuldentilgung“ durch gewaltsam erzwungene Herausgabe

aller Schuldscheine jüdischer Gläubiger; dies

zeigt überdeutlich die Verquickung religiös verbrämter

und amtskirchlich geförderter antijüdischer Massenbewegungen

mit wirtschaftlichen Interessen. 42

Die ultimative Katastrophe für das mittelalterliche

Judentum in Deutschland kam dann in der Folge der

sprunghaften Ausbreitung des Schwarzen Todes, der

Beulenpest, in den Jahren 1347 bis 1352. Die Schuld

an der damals unerklärlichen und unentrinnbaren Seuche

wurde kollektiv den „Brunnenvergiftungen“ durch

Juden zugeschoben. Wo es in Franken noch jüdische

Gemeinden gab, wurden diese ausgerottet. Die meisten

Würzburger Juden kamen in der Nacht vom 20.

zum 21. April 1349 ums Leben, ermordet von ihren

Nachbarn. 43

Jedes dieser Ereignisse hätte das Ende der jüdischen

Gemeinde auch im Städtchen Rothenfels bedeuten

können, das sich vor den Heimsuchungen der

nahegelegenen Hauptstadt und umliegender Orte nicht

verstecken, geschweige denn gegen einen etwaigen

Ansturm rache- und beutehungriger Massen verteidigen

konnte oder wollte. Die schriftlichen Quellen geben

keine Auskunft, ob und wann hier die Juden

vertrieben oder umgebracht wurden oder vielleicht

fliehen konnten.

Allen Katastrophen zum Trotz hat es im Spätmittelalter

wieder jüdische Bewohner in Rothenfels gegeben.

Dafür finden sich nur wenige verstreute, indirekte

Nachweise – Informationen aus Rechtsgeschäften an

anderen Orten, deren Inhalt hier nicht weiter interessiert,

die jedoch einige Namen und Daten für unseren

Zusammenhang bieten:

– 1329 gewinnt ein Jude Jacob von Rotenfels vor

dem Landgericht Würzburg einen Streit um den Kauf

eines Gutes gegen die Adelsfamilie von Dettelbach. 44

Der Herkunftsname lässt aufhorchen – da ist zu jener

Zeit ein jüdisches Umfeld in Rothenfels zu vermuten.

– In dem bereits zitierten Vertrag von 1342 zwischen

Kaiser Ludwig IV. und Fürstbischof Otto II.

wird das Eigentum an den vormals rieneckischen Burgen

und Städten Rothenfels und Gemünden geteilt,

einschließlich der Rechte an neu hinzukommenden

Bürgern, ez wern kristen oder juden. 45 Das mag eine

42 Wie Anm. 41.

43 Die schriftlichen Quellen dazu sind ediert: H. P. Baum, Quellen

zu Judenverfolgungen. Kritisch zur bisherigen Literatur K.

Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 96-137. Letzterer widerspricht

der Theorie vom kollektiven Freitod der Würzburger

Juden in ihren brennenden Häusern beim Pogrom von 1349, der

in der Literatur, älteren Chronisten und zeitgenössischer Propaganda

folgend, stereotyp behauptet wird.

44 M. Schäfer, Würzburger Landgericht, Teil II Nr. 529 (17. 10.

1329), dazu auch Nr. 474 (14. 9. 1327); B. Kreutz, Quellen,

Bm. Würzburg Nr. 294 (27. 6. 1329).

45 Bayerische Akademie der Wissenschaften, Monumenta Boica,

Bd. 40, S. 431 (vgl. Anm. 17).

formelhafte Bestimmung sein, kann aber auch zeigen,

dass man damals Juden in dem würzburgischen Amtsort

auf der Rechnung hatte.

– Aus dem Jahr 1486, also mit einem großen zeitlichen

Sprung, stammt die nächste (und nach derzeitigem

Wissensstand letzte) Nachricht für Rothenfels aus

dem Spätmittelalter. Die gemeine Judenschaft der

Reichsstadt Frankfurt am Main distanziert sich hier

von einer verurteilten und geächteten Jüdin namens

Bestian. Wir erfahren nicht, worum es in diesem

Rechtsstreit ging, erhalten aber die Information, die

Frau sei „wohnhaft zu Rothenfels unter dem Bischof

von Würzburg“. 46 Das tat sie zweifellos nicht allein,

sondern mindestens mit einer familiären Einbettung.

Selbstverständlich reichen die wenigen Daten und

Namen nicht aus, die Existenz einer kontinuierlichen

jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Rothenfels

am Main zu behaupten. Man kann allenfalls vermuten,

dass jener Nathan von 1222 und 1234 nicht allein in

dem aufstrebenden kleinen Ort am westlichen Rand

des Hochstifts lebte, dass er dort eine Familie und ein

jüdisches Umfeld hatte, bevor er möglicherweise ganz

nach Würzburg ging. Den Sprüngen der landesherrlichen

Politik im Wechsel von Vertreibung und Duldung

unterworfen, haben sich Juden wohl mehrmals neu in

Rothenfels niederlassen können – so eine mögliche

und einleuchtende Interpretation der höchst lückenhaften

Überlieferung.

Über das Ende der älteren Gemeinde schweigen

sich die Archive aus. Wo die Daten fehlen, blühen die

Vermutungen, und so gibt es in der Literatur unterschiedliche

Angebote vom 13. bis 16. Jahrhundert. 47

Beweise dazu werden in keinem Fall genannt. Spätestens

im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, so viel darf

man nach der Aktenlage feststellen, leben in Rothenfels

keine Juden mehr: 1531 setzen die hiesigen

Ratsprotokolle und Grundsteuerregister ein, und die

enthalten noch lange keine Mitteilungen über jüdische

Bewohner. 48 Ein weiteres Indiz: Die Quellen berichten

in jenem Jahr über eine Begräbnisstätte der ehemaligen

Gemeinde nur noch in der Vergangenheitsform.

Es gab im mittelalterlichen Rothenfels einen eigenen

jüdischen Kirchhof – ein gewichtiges Argument

für die Existenz einer Gemeinde. Auch dieser Nachweis

gelingt nur indirekt. Das „Haus der Ewigkeit“,

das jeder jüdische Friedhof sein soll, ist hier schon mit

dem Ausgang des Mittelalters aufgelassen worden und

verschwunden, vielleicht im Rahmen einer Vertreibung.

Aber der eindeutige Flurname Judenkirchhof

lebt in den Akten und im alltäglichen Sprachgebrauch

fort.

46 D. Andernacht, Regesten, Teil 2 Nr. 2303 (18. 10. 1486).

47 B. Z. Ophir, Pinkas Hakehillot, Karte bei S. 376 (mit vagen, unbelegten

Datierungen zu Bergrothenfels und Rothenfels); I.

Schwierz, Steinerne Zeugnisse, S. 118 (Untergang der jüdischen

Gemeinde „am Ende des 13. oder am Anfang des 14.

Jahrhunderts“).

48 Vgl. S. 10.


Juden von Rothenfels 15

Seite aus dem Rothenfelser Bede-Register von 1531

Vorletzte Zeile: … garten genant der Jüden Kirchoff

Die frühesten feststellbaren Hinweise finden sich

im ältesten erhaltenen Grundsteuerregister von Rothenfels

von 1531. Dort sprechen zwei Einträge über

jährliche Zahlungen für sich: III d von eÿnem garten

genant der Jüden Kirchoff und XV d vom rod, und Juden

Kirchoff ober der stadt. 49 Das deckt sich mit der

Notiz in einer späteren Würzburger Zusammenstellung

der Zinsen und Güldt zu Statt- und Berg Rottenfels;

dort heißt es: 3 d Zins von ungefehr 4/4 morgen

Wiesgartten am Juden Kirchhoff genandt. 50 Der Name

hält sich in den Grundsteuerlisten bis ins 19. Jahrhundert.

51 Der Verfasser des 1882 begonnenen Rothenfelser

Pfarrbuches wusste noch Bescheid: Der Garten

genannt Judenkirchhof [...] lag rechts von der Wiebelsteige

am Anfang des Mittelweges. 52

49 StadtAR II 7/1 S. 22 und 44. Die Abkürzung d bedeutet denar

(Pfennig). Rod ist ein durch Rodung gewonnenes Landstück, in

der Quelle von 1531 häufig in verschiedenen Fluren genannt.

Die beiden Steuerzahler des Zitats sind Hanß Weber Schiffman

und Heintz Mynner.

50 StAWü Salbuch Nr. 138 S. 196.

51 StadtAR II 7/2 S. 57, 60, 80, 96 f, 101, 123, 131, 134, 141, 146,

155 f, 165, 181, 187 f. Gelegentlich taucht die Bezeichnung Judenkirchhoff

bei Grundstücksverkäufen und -versteigerungen

auf, z. B. StadtAR II 2/11 S. 598 f (13. 9. 1774). Oft befinden

sich die Parzellen über mehrere Generationen in Familienbesitz.

52 PfarrAR Pfarrbuch (Chronik II, begonnen 1882 von Pfarrer

Franz Anton Bauer), S. 298. Entsprechend die teils auf der

Ausschnitt aus der Uraufnahme von 1843

Oben Mitte: Flurbezeichnung Iudenkirch-Hof

Mit bestmöglicher Eindeutigkeit gibt die „Uraufnahme“

der Rothenfelser Gemarkung Auskunft über

den gesuchten Ort. Auf dieser Karte, im Jahr 1843 vermessen

und gezeichnet als Unterlage zum bayerischen

„Grundsteuerkataster“, ist nördlich der Stadt ein Flurstück

mit der Bezeichnung Iudenkirch-Hof zu entdecken.

Dazu gehörte auch ein Teil der anschließenden

Flur namens Hasengarten. 53 Das Gelände ist heute

noch genau auszumachen und einzugrenzen: ein ebener,

von Süd nach Nord verlaufender keilförmiger

Streifen zwischen der den Main begleitenden Landstraße

und dem in nördliche Richtung zum Landwehrgraben

führenden Mittleren Weg. Auf der Westseite

steigen die Steilhänge zum Halleberg an, gegen Norden

gibt es Erweiterungsmöglichkeiten. Der Wiebel,

auf der Karte Steig und Oberer Steig genannt, die alte,

Pfarrchronik beruhende Stadtchronik: StadtAR IV 3/3, Chronik

der Stadtgemeinde Rothenfels (begonnen 1925 von Oberlehrer

Georg Max Fuß), Bd. I S. 202. – Pfarrchronik und Stadtchronik

sind immer dann brauchbar, wenn die Verfasser (leider meist

ohne Quellenangaben) auf ältere Protokollbücher zurückgreifen

oder selbst als Zeitzeugen berichten. Die dortigen unkritischen

Sammlungen von Abschriften und Regesten aus Würzburger

Urkunden und Salbüchern bzw. Rothenfelser Protokoll- und

Rechnungsbüchern mit zahlreichen Lesefehlern ersetzen keinesfalls

den Zugriff auf die Originale.

53 Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung

(München), NW.085.62b.


16 Winfried Mogge

Rothenfels:

Das Gelände des mittelalterlichen

jüdischen

Friedhofs heute

(Blick nach Norden)

seit jeher gepflasterte Verbindungsstraße vom Tal hoch

zur Burg und zum Dorf Bergrothenfels, liegt mit einer

scharfen Kehre tatsächlich etwas weiter südlich als in

der Pfarrchronik beschrieben; er beginnt bei dem heute

nicht mehr sichtbaren ehemaligen Hafen und Stapelplatz

der Stadt.

Die Karte von 1843 zeigt das Gelände des Judenkirchhofs

auffällig zerstückelt in 18 Parzellen. Die dort

eingetragenen Ziffern sind keine Flurnummern, sondern

verweisen auf die damaligen Grundstücke und

Häuser in der Stadt, denen sie so zugeordnet werden

können. Dank des 1847 angelegten Grundsteuerkatasters

lassen sich 14 Haus- und Grundbesitzer und die

Kommune selbst als Inhaber identifizieren. Auch die

damalige Nutzung des Geländes geht aus den Bezeichnungen

der Steuerlisten hervor: Judenkirchhofgarten

mit Wiese, Acker, Garten oder Gemüsegarten. 54

Als Rothenfelser Bürger hier ihre Gärtchen bewirtschafteten,

den urkundlichen Nachrichten zufolge bereits

im 16. Jahrhundert, war der Friedhof nur noch

eine Erinnerung. 1880/81 entstand dann auf dem Gelände

der Bahndamm für die Eisenbahnlinie, der wiederum

110 Jahre später nicht mehr gebraucht und im

Bereich der Stadt zu einer Hochwasserschutzanlage

mit Umgehungsstraße umgebaut, ansonsten zu einem

Radwanderweg eingeebnet wurde. Heute befindet sich

das Areal des ehemaligen Judenfriedhofs vollständig

im Besitz der Kommune und präsentiert sich als gepflegte

Wiese mit einem kleinen Feuchtbiotop und ei-

54 StAWü GrStKat Rothenfels, Grund- Saal- und Lagerbuch, Bde.

I-IV, fol. 2, 135, 155, 183, 309, 432, 500, 590, 559, 598, 689,

728, 876, 976 (alte Plannummern 451, 457-468, 475). Vgl. B.

Rösch, Judenweg, S. 100-106, 158 f, 404 f. Die Autorin kennt

das Grundsteuerkataster, nicht aber die zugehörige Karte der

„Uraufnahme“.

nem Pavillon als Rastplatz für Wanderer. 55 Überreste

der historischen Anlage, etwa wiederverwendete

Grabsteine, sind bisher nie aufgetaucht.

Es muss eine vermögende Gemeinschaft gewesen

sein, die sich das Grundstück für einen solchen Friedhof

leisten konnte: wie üblich außerhalb des Ortes,

aber nicht versteckt, sondern gut sichtbar in prominenter

Lage. Weitere Einrichtungen dieser älteren jüdischen

Gemeinde von Rothenfels – etwa eine Synagoge

als eigenes Gebäude oder nur ein Versammlungsraum

oder ein Bad – und Wohnhäuser ihrer Mitglieder lassen

sich mit den neuzeitlichen Akten und Karten nicht

orten.

Zwischen der mittelalterlichen und der neuzeitlichen

Judenschaft von Rothenfels liegen fünfzehn oder

mehr Jahrzehnte, da gibt es keine Kontinuitäten. Jedenfalls

bleibt der Ort ein weißer Fleck auf der reformationszeitlichen

Landkarte, was die Nachweise von

jüdischen Bewohnern betrifft. Anderenorts wehren

sich damals Stadträte gegen die Zuweisung von

Schutzjuden und halten Pfarrer Hasspredigten gegen

die Andersgläubigen, so in Lohr am Main 1559 und

1571, was dort die allmähliche Wiederansiedlung dieser

Minderheit bezeugt. 56 Für Rothenfels gibt es solche

Zeugnisse nicht, und auch die Ratsprotokolle und Jahresrechnungen

schweigen sich hier lange aus, bis sie

ab der Mitte des 17. Jahrhunderts sporadisch über Alltagsangelegenheiten

wie Handelsgeschäfte, Geldzah-

55 Die alten Flurstücke sind integriert in die neuen, größeren Flurnummern

618 und 618/35 (freundliche Auskunft der Stadtverwaltung

Rothenfels).

56 G. Christ, Lohr, S. 74 f; Th. Ruf, Quellen und Erläuterungen, S.

165 f. In Lohr, unter der Herrschaft der Grafen von Rieneck

kirchlich reformiert, handelt es sich um den evangelischen Pfarrer

Matthias Tinctorius, der 1571 suspendiert wurde.


Juden von Rothenfels 17

lungen und Bestrafungen von Juden berichten. 57 Erst

in den neuzeitlichen Schriftquellen – obrigkeitlichen

Statistiken ab der Mitte des 17., umfangreichen Aktenbildungen

seit Beginn des 18. Jahrhunderts – zeichnet

sich ein Bild ab.

Irritierend wirken angesichts dieser Feststellungen

gehäufte Mitteilungen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts

über eine Familie mit dem Beinamen Jud oder

Jüde, die um Rothenfels und in den zugehörigen Dörfern

Zimmern und Windheim Gärten, Weingärten,

Wiesen und Äcker besitzt und im Hafenlohrtal eine

Mühle betreibt. 58 In diesem Fall handelt es sich jedoch

nicht um die übliche klarstellende oder diskriminierende

Bezeichnung für jüdische Männer, sondern um

einen alten deutschen, christlichen Beinamen. 59 Der

kommt, abgeleitet von dem mehrfach besetzten biblischen

Namen Judas, in jener Zeit auch in Franken vor

– so im Amt Rothenfels. 60

5. Sprünge der Würzburger Judenpolitik

Dass sich in Rothenfels nur zeitweise jüdische Familien

ansiedeln und halten können, ist zweifellos ein Ergebnis

der Judenpolitik der Würzburger Fürstbischöfe

seit dem späten Mittelalter. Die ist zwar sprunghaft

und für jede Amtszeit sehr differenziert zu betrachten,

aber im Zeitraffer sind doch einige Grundlinien zu erkennen.

61

– Nach dem Pogrom von 1349 lassen sich nur zögerlich

Juden wieder in der Hauptstadt Würzburg nieder,

wo sie zunächst geduldet und mit landesherrlichen

Schutzbriefen (das heißt: Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen)

ausgestattet werden. Zugleich beginnt

ein lang andauernder historischer Prozess, dessen Ur-

57 StadtAR II 2/1 ff (wie Anm. 22).

58 Im Zins- und Gültbuch des Eitel Voit v. Rieneck von 1450

(StAWt-G Rep. 102 Nr. 2433, unpaginiert) ist als Einnahme aus

Windaw verzeichnet: Item die Mülle X. malter korns beeerbt

Hans Jüde. Im ältesten Grundsteuer-Register von Rothenfels

von 1531 (StadtAR II 7/1 fol. 11, 28, 133, 134, 137, 139, 143,

155, 157) versteuert Hans Jüde (Hanns Jud, Hanns Jud Muller)

zahlreiche Besitzungen und die Einnahmen vonn der Muelenn

in Windaw; außer ihm werden Heintz Jud und Paul Jud genannt.

Ein Würzburger Salbuch von 1540 (StAWü Salbuch Nr.

136 fol. 7' und 8) nennt Weingärten in Zimmern benachbart Juden

Hansen. Im Ratsprotokollbuch derselben Zeit (StadtAR II

2/1) wird Hans Jud zwischen 1535 und 1546 laufend genannt

(fol. 9-69), u. a. als Hanns Jud der Muller zu windaw (fol. 28).

– B. Rösch (Judenweg, S. 333) hält Hans Jud irrigerweise für

einen Juden.

59 In der erst ab 1606/07 erhaltenen Rothenfelser Pfarrmatrikel

werden mehrere Mitglieder der Familie Jud aus Zimmern als

verstorben genannt, u. a. 1629 Eva Jüdin, Hans Jüden zu Zimmern

Uxor. PfarrAR ohne Signatur, Pfarrmatrikelkartei (Abschrift

des ältesten Matrikelbuches in Karteiform von Josef

Hepp, 1990).

60 Vgl. E. Nied, Fränkische Familiennamen, S. 80; A. Heintze / P.

Cascorbi, Familiennamen, S. 283 f.

61 Als Hintergrund für das gesamte Kapitel, differenziert nach den

Episkopaten bis zu Julius Echter von Mespelbrunn: K. Müller,

Würzburger Judengemeinde.

sachen in der Forschung noch nicht geklärt sind: die

Ansiedlung von Juden in Kleinstädten und auf dem

Lande. Im Würzburg benachbarten Heidingsfeld und

in den Residenzen und Dörfern der unabhängigen Grafen

und Ritter finden jüdische Migranten geschützte

Lebensmöglichkeiten. 62

– Trotz einer Serie von kollektiven und individuellen

Freibriefen und Verträgen der Fürstbischöfe im 15.

Jahrhundert gibt es noch lange keine Rechtssicherheit

für die Juden. Die Existenz dieser Minderheit ist abhängig

von der religiösen Gesinnung und den wirtschaftlichen

Interessen und vor allem den politischen

Handlungsspielräumen des jeweiligen Landesherrn.

Phasen von Tolerierung und sogar Förderung werden

durch mehr oder weniger konsequent umgesetzte Verweisungen

aus dem Hochstift zunichte gemacht. 63

– Die fürstbischöflichen Regierungen erfinden oder

übernehmen nach Vorbildern aus der Reichsgesetzgebung

stets neue Restriktionen für die Juden, wenn sie

denn im Land geduldet werden: Kleidervorschriften

und das Tragen besonderer Kennzeichen, Berufsverbote

für nahezu alle Erwerbszweige außer Kleinhandel

und Geldleihe, Ausschluss von der Zunftorganisation,

Beschränkungen auf oft ghettoähnliche Wohnverhältnisse,

Verbot von Landerwerb und Erschwerung von

Hausbesitz – und immer neue Sonderbesteuerungen, je

nach Bedarf der Staatskasse auch Enteignungen. 64

– Die Fürstbischöfe des 16. Jahrhunderts erscheinen

als Vollstrecker einer allgemeinen antijüdischen Bewegung.

Die findet ihre Legitimation und Verschärfung

in der Gegenreformation, dem „Ausschluss von

Mehrkonfessionalität im Bistum Würzburg“ 65 , beginnend

in der Amtszeit des Lorenz von Bibra (1495-

1519). Der von religiösem Eifer getriebene Friedrich

von Wirsberg (1558-1573) weist seit dem Jahr 1560

wiederholt die seinen massiven Bekehrungsversuchen

trotzenden Juden aus der Hauptstadt und dem ganzen

Hochstift aus. Sein Versuch, auch die unter adeligem

Schutz stehenden Juden aus dem Land zu vertreiben,

scheitert am Widerstand der fränkischen Ritterschaft

und am Eingreifen des noch immer in letzter Instanz

für den Judenschutz verantwortlichen Kaisers Maximilian

II. (1564-1576). 66

62 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 92-102, 149-154, 157 f; J.

F. Battenberg, Aus der Stadt auf das Land?, bes. S. 14, 32-35.

Letzterer widerspricht der in Literatur vorherrschenden These,

das Landjudentum sei durch Vertreibung aus den Städten entstanden,

und beschreibt die „Verländlichung der Juden“ als vielschichtigen

Vorgang von der Mitte des 14. bis zum Anfang des

17. Jahrhunderts.

63 Vgl. H. P. Baum, Jüdische Geschichte, S. 762-770; K. Müller,

Würzburger Judengemeinde, S. 138-209; I. König, Judenverordnungen,

S. 20-28, 33-37, 96-105; R. Ries, Verfolgung, S. 50

ff.

64 Vgl. R. Flade, Würzburger Juden, S. 36-58; I. König, Judenverordnungen,

S. 61-76, 87-96, 124-140, 154-167, 171-175, 192,

230-235 und oft.

65 K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 210.

66 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 105-117, 143-148; K.

Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 269-277. – B. Rösch


18 Winfried Mogge

– Der Nachfolger auf dem

Fürstbischofsstuhl, der in Würzburg

bis heute als fürsorglicher

Landesvater hagiografisch überhöhte

Julius Echter von Mespelbrunn

(1573-1617), will dem zum

frühabsolutistischen Staat entwickelten

Hochstift endgültig die

konfessionelle Einheit wiedergeben

und verfolgt mit kompromissloser

Härte Lutheraner wie Juden.

Seine radikale Judenpolitik begründet

er allerdings mit wirtschaftlichen

Argumenten. Gleich

zu Beginn seiner Amtszeit erneuert

und verschärft Julius Echter die

Mandate seiner Vorgänger gegen

Aufenthalt und Kontakt, Handel

und Geldleihe der Juden in seinem

Herrschaftsbereich. Das hätte für

lange Zeit das Aus für diese Minderheit

im Würzburger Großraum

bedeutet, hätten nicht Grafen und

Reichsritter ein starkes ökonomisches

Interesse an den steuer- und

schutzgeldzahlenden Juden gehabt

– und zugleich die Gelegenheit

wahrgenommen, dem Landesherrn

durch Aufnahme von Flüchtlingen

ihre Unabhängigkeit zu demonstrieren.

Der wiederum muss gegen

Ende seiner Amtszeit die zunehmende

Ansiedlung von Adelsjuden

akzeptieren und auch das Handels-, Aufenthalts- und

Durchreiseverbot im Fürstbistum lockern. 67

– Julius Echters Nachfolger stehen vor der Aufgabe,

das im Dreißigjährigen Krieg verwüstete Land zu

reorganisieren. Die Fürstbischöfe wie auch die wechselnden

Besatzer brauchen die Juden und deren Handelsbeziehungen

und bedienen sich hemmungslos

ihrer Kredite und Vermögen. Doch nach wie vor geschehen

Ausweisungen von Juden aus der Stadt oder

dem ganzen Hochstift Würzburg, so 1637, 1642 und

ein letztes Mal 1673. In den ländlichen Orten aber

lässt sich die Entwicklung nicht mehr umkehren, sondern

nur noch steuern – mit einer Vielzahl landesherrlicher

Verordnungen über Leben und Arbeit der

nunmehr geduldeten Minderheit. 68 Allen Hindernissen

(Judenweg, S. 86) meint, die Vertreibung aus Würzburg von

1560 könnte auch Juden in Karlstadt und Rothenfels betroffen

haben, und beruft sich für Rothenfels auf P. Kolb (Chronik, S.

105). Dort sowie in den Rothenfelser Quellen findet sich jedoch

kein Hinweis auf dieses Datum und diesen Zeitraum.

67 Vgl. A. Wendehorst, Bistum Würzburg, S. 145, 196-204, 222;

K. Müller, Würzburger Judengemeinde, S. 278-344; I. König,

Judenverordnungen, S. 117-124, 173.

68 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 36 f, 171-235 und das

dortige Quellenverzeichnis.

zum Trotz entfaltet sich das fränkische Landjudentum

mit seinen eigenen Organisationsstrukturen und seiner

in steinernen Zeugnissen noch eindrucksvoll sichtbaren

Kultur. 69

– Im 18. Jahrhundert gibt es keine landesweiten

Vertreibungen von Juden aus dem Hochstift Würzburg

mehr. Mehr oder weniger stillschweigend verschwinden

auch manche Belastungen wie das zwangsweise

Tragen eines gelben Ringes an der Kleidung als diskriminierende

Kennzeichnung. Auch mehren sich die regierungsamtlichen

Bestimmungen zum Schutz der

Juden vor Schmähungen und Übergriffen aus der

christlichen Bevölkerung. Die absolutistischen Landesherren

rücken von der Verfolgungs- und Verbotsideologie

ihrer Vorgänger ab und verlegen sich

stattdessen auf eine restriktive Ansiedlungs- und Bevölkerungspolitik.

Ein 1719 gegründetes, der Regierung

zugeordnetes Judenamt und eine Judenordnung

von 1750 sollen die Angelegenheiten der jüdischen

Menschen in geordneten Bahnen regeln und kontrollieren.

Wenn die Fürstbischöfe nach Julius Echter Ju-

69 Vgl. L. Scherg, Epoche des Landjudentums, S. 227-237; L.

Scherg, Jüdisches Leben; I. Schwierz, Steinerne Zeugnisse; H.

P. Baum, R. Leng und R. Meier, Kehillot Keddoschot.


Juden von Rothenfels 19

den im Hochstift weitgehend dulden, dann ist das freilich

keine Toleranz im modernen Sinne. Der Vorgang

ist vielmehr wirtschaftlich kalkuliert, die Anzahl der

zugelassenen Familien reguliert, ihr Aufenthaltsrecht

nach wie vor von willkürlichen landesherrlichen Entscheidungen

abhängig. 70 Erst nach der Säkularisierung

der geistlichen Staaten Ende 1802 und dem Übergang

Unterfrankens an Bayern beginnt der lange Weg zur

bürgerlichen Gleichberechtigung. Erst die Reichsverfasung

von 1871 verwirklicht die Emanzipation der

Juden. 71

Dank seiner territorialen Zersplitterung zählt der

spätere Regierungsbezirk Unterfranken bis in das 20.

Jahrhundert zu den Regionen mit der dichtesten jüdischen

Besiedlung in Deutschland. 72 Im ehemaligen

Untermainkreis gibt es im Stichjahr 1817 insgesamt

217 jüdische Wohnorte. 73 Oder, um die Region um Rothenfels

enger einzugrenzen: Im alten „Waldsassengau“,

speziell der Mainlandschaft zwischen Würzburg,

Gemünden, Lohr und Marktheidenfeld, scheinen in

unterschiedlichen Perioden in 40 bis 60 Ortschaften

historische Kehillot auf. Allein im heutigen Main-

Spessart-Kreis lassen sich bis 1933 in 24 Städten und

Dörfern jüdische Gemeinden nachweisen, von denen

acht bereits vor 1900 eingehen, alle anderen während

der nationalsozialistischen Herrschaft vernichtet werden.

74 Das historische Amt Rothenfels mit seinen bis

zu 19 Orten kennt jüdische Gemeinden in Karbach,

Greußenheim und Rothenfels/Bergrothenfels und einzelne

Familien zeitweise in Birkenfeld und Zimmern.

6. Neubeginn und erste Namen

Vor diesem Hintergrund ist die Geschichte der Juden

in Rothenfels und Bergrothenfels zu sehen und zu verstehen.

Der Neubeginn der hiesigen kleinen Gemeinde

dürfte während des Dreißigjährigen Krieges anzusetzen

sein, was sich mit der allgemeinen Entwicklung in

der Region decken würde. Die ersten amtlichen Datierungen

für Rothenfels stammen zwar aus der Nachkriegszeit;

eine Nennung im Jahr 1646 und einige

Formulierungen in den Akten lassen aber auf einen

schon früheren Zuzug von Juden schließen.

Leider fehlen für Rothenfels die vom Hochstift

ausgegebenen Schutzbriefe, die genaue Auskunft über

Personen und Daten geben würden. Der erste Name

70 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 83 f, 171-178, 220 f, 223-

226, 300 f.

71 Vgl. H. P. Baum, Jüdische Geschichte, S. 770-772; L. Scherg,

Epoche des Landjudentums, S. 237 f; A. Brämer, Der lange

Weg, S. 80 ff.

72 L. Scherg, Jüdische Gemeinden, S. 156 f, 249.

73 Mitten unter uns, Karte S. 2-3 (mit weiteren Karten S. 6 und

14).

74 B. Rösch, Judenwege, S. 82-93 (mit Karten und Auswertung

der bisherigen Literatur); L. Scherg, Jüdisches Leben, S. 3-11

(mit Karte S. 2).

erscheint so eher zufällig in einem Vorgang des Rothenfelser

Julius-Spitals: 1646 vermietet die fürstbischöfliche

Stiftung dem Juden Jöstlein ein ihr

gehörendes Häuschen für drei Jahre. 75 Wir erfahren

sonst nichts über diesen Mann und sein Umfeld, auch

nicht, woher er kommt und wie lange er in dem Ort

gelebt hat; in den bald folgenden Würzburger Statistiken

ist er jedenfalls nicht vertreten.

Die nächsten – und ersten aussagekräftigen – Namen

verdanken wir zwei Bestandsaufnahmen der landesherrlichen

Administration. Die fordert noch in

Kriegszeiten in unregelmäßigen Abständen bei allen

Amtmännern genaue Informationen über die in ihren

Amtsbezirken wohnhaften schutzverwandten Juden

an. Die ersten Statistiken dieser Art sind für 1621 und

1623 erhalten, in den folgenden von 1655 und 1675 ist

Rothenfels dabei. 76

Gefragt wird nach den familiären und wirtschaftlichen

Verhältnissen, und die Aufstellungen dazu sind

so aufschlussreich, dass sie eine nähere Betrachtung

verdienen. Demnach leben 1655 im Amt (und hier in

der Stadt) Rothenfels nur zwei Juden, Joseph und

Mendlein, jeweils mit großen Familien. 77 Joseph ernährt

seinen Anhang mit einem gemengten Kremlein

von Barchet, Weiß unndt Schwartz wüllen Tuch, Bender

und dergleichen, dessen aktuellen Warenwert er

auf 50 Reichstaler veranschlagt. 78 Auch Mendlein handelt

mit Tuchen, außerdem mit Ertz vor die Heffner

unndt etzlicher gemeiner eÿsenwahr, mit einem Bestand

im Wert von 120 Reichstalern, dazu 84 Gulden

Bargeld. 79

Beide Männer kombinieren ihren Handel mit dem

Kleinkreditgeschäft, und das interessiert die Administration

so sehr, dass sie eine genaue Aufstellung mit

Namen, Orten und Beträgen verlangt. Joseph Judt listet

Außenstände von durchschnittlich 2,8 Gulden bei

124 Schuldnern in zwölf Amtsorten sowie in (Markt-)

75 P. Kolb, Juliusspital-Stiftung, S. 147. Das 1597-99 erbaute und

1601 offiziell gestiftete Rothenfelser Julius-Spital verfügte über

umfangreichen Grund- und Hausbesitz, hatte jedoch, im Unterschied

zu der großen Würzburger Spitalstiftung, keine Schutzjuden

(freundliche Mitteilung von Dr. Peter Kolb, Würzburg).

76 StAWü Administrationsakten 8318 (unpaginiert), hier die Vorgänge

1655 und 1675. Die Erhebungen von 1621 und 1623 listen

insgesamt 56 Familien unter hochstiftischem Schutz im

Fürstbistum Würzburg auf.

77 Wie Anm. 76 (5. 7. 1655). Josephs Ehefrau heißt Ester. Das

Paar hat acht Kinder, von denen fünf noch bei den Eltern wohnen,

und drei Stiefkinder, von denen zwei verheiratet sind und

auswärts wohnen. Mendleins Ehefrau heißt Beeß (auch Besse),

sie haben sieben Kinder, die alle noch unverehelicht bei den Eltern

leben. Gemeinsam bezahlen beide Familien einen Lehrer

Habriel.

78 Reichstaler: Der 1566 als reichsweite Währungsmünze eingeführte

silberne Taler, auch im Fürstbistum Würzburg neben dem

weiterhin gebräuchlichen Gulden gängig. Vgl. W. Mogge, Dies

uralt Haus, S. 119 f.

79 Gemengtes Kremlein: Gemischtwarenhandel, hier als reisender

Händler; Barchet: grober Leinenstoff; Ertz: Erz, metallhaltiges

Mineralgemenge; Heffner: Häfner, Töpfer, auch Kachelofenbauer.


20 Winfried Mogge

Heidenfeld und Wertheim auf, insgesamt knapp über

349 Gulden. Mendlein Judt nennt 94 Schuldner im

selben Umkreis, meist mit ähnlich geringen Beträgen,

seine Forderungen addieren sich auf 506 Gulden. Beider

Kunden und Schuldner sind ein repräsentativer

Teil der Bevölkerung, vor allem Handwerker und Bauern,

aber auch der Rothenfelser Centgraf (das ist der

Vorsitzende der Dorfgerichtsorganisation), der Stadtschreiber,

der Schulmeister, der Wildmeister, mehrere

Schultheißen und das Kloster Neustadt. 80 Bei einer jederzeit

möglichen Ausweisung hätte den so gefragten

wie ungeliebten Kreditgebern wohl der Verlust ihrer

Außenstände gedroht.

Zwanzig Jahre nach dem Stichdatum 1655 haben

sich die Verhältnisse derselben Personen erheblich

verändert. Joseph ist soeben verwitwet. Seine Nahrung

bestehet in einem sehr schlechten Crämlein, von

wenigen gewürtz, Wüllen und Leinen Tuch, alles weniger

als 50 Taler wert. Er hat sich mit aussteuern seiner

Kinder so weith verblutet, dass er sich under die armen

einschreiben lassen, wie er dan auch ist. 81 Mendlein

ist verstorben. Seine Witwe hat die erwachsenen

ledigen Söhne Maÿer und Perlein bei sich. Die Familie

führt das Handelsgeschäft fort mit einem Cram von

Gewürtz, Leinen und wullen Tuch, Eißen, Leder, rohen

Heuten, undt andern den Bauern tauglichen wahren.

Der Warenwert wird auf 400 Taler berechnet, hinzu

kommen etwa 600 Taler Außenstände. Und Nehren

sich zimblich wohl, bekennen auch uber diß 300 fl

[Gulden] Paargeldt [Bargeld] zu haben. 82

Die hier genannten Warengruppen sind ein Ausschnitt

aus dem Sortiment, mit dem Juden zu der Zeit

umherziehen dürfen. Die Beispiele zeigen zugleich die

wichtige Rolle der jüdischen Händler bei der Versorgung

der Landbevölkerung mit Kleidung und Gebrauchsgegenständen.

83

In der Meldung von 1675 werden zwei weitere

80 Wie Anm. 76 (5. 7. 1655). Joseph und Mendlein vergeben fast

ausschließlich Kleinkredite, Ausnahmen sind zwei Einzelbeträge

von 34 und 168 fl (Gulden), letzterer an einen Bürger von

(Markt-)Heidenfeld. – Rothenfelser Bürger nehmen Zinsgelt bei

Juden schon lange auf, bevor das vor Ort möglich ist. Gelegentlich,

in strittigen Fällen, erscheint das in den Rats- bzw. Stadtgerichtsprotokollbüchern;

zum Beispiel: 1593 streiten sich der

Flößer Hans Endres und ein Kollege wegen der Rückzahlung

eines Darlehens von 50 fl bei den Franckforder Juden (StadtAR

II 2/2 S. 64). 1594 wird der Wirt und Bierbrauer Hans Lang genannt

Stockstatter von Johel Juden zu Franckfurth zum Birnbaum

und Aaron Juden zum Frölichen Mann in Franckfurth

beim Stadtgericht Rothenfels wegen mangelnder Tilgung von

Darlehen verklagt; es geht um 223 und 426 fl (StadtAR II 2/4

S. 92 f, 144-147).

81 Wie Anm. 76 (20. 7. 1675). Nach dem Tod der Ehefrau vor vier

Wochen wohnen Josephs Sohn Moÿses und dessen Frau Maria

in der Trauerzeit vorübergehend bei ihm in Rothenfels. Moÿses

ist Schutzjude der Herren von Hutten in Steinbach bei Lohr. Bei

Joseph lebt sein vierzehnjähriges Töchterlein Rachel als Dienst

Mägdtlein.

82 Wie Anm. 76 (20. 7 1675). Zum Haushalt gehört auch eine

Dienst Magdt namens Elle.

83 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 56-58, 192-199.

hochstiftische Juden benannt, die offensichtlich neu

im Amt Rothenfels zugelassen sind:

In Karbach lebt Feÿferl mit seiner großen Familie,

der einen Schulmeister seiner Kinder, sonst aber keine

Ehalten noch andere befreunde oder frembte bei sich

hat. Seine Nahrung ist von allerhandt Handelschafft

und Crämereÿ under der Bawerschafft gebreuchig,

von Leinen und schlechtem Wullen Tuch, Eÿsen, Leder,

Wollen, gemeinen Zeugen, gewürtz, zu Zeiten mit

Viehe, und was dergleichen vorkombt. Seinen aktuellen

Warenwert aestimirt er auf etwa 200 Gulden, und

er hat rund 200 Gulden Außenstände bei seinen Debitoren,

dazu 100 Taler Bargeld. Er nehret sich sonsten

wohl, trotz der Beeinträchtigung des Gewerbes in dießenn

unruhigen Zeiten. Seine Abführungen an die organisierte

hochstiftische Judenschaft werden nach

einem Vermögen von 500 Talern berechnet. 84

Dem Kollegen in Greußen (Greußenheim) hingegen

geht es schlecht. Ambsell mit seiner nur kleinen

Familie hat kein gesindt unnd niemandts frembts beÿ

sich; er handelte vor dießem mit Viehe, ist aber anitzo

dergestalt erarmbt, das er Kaum das Brod vor sich

und seine Kinder hat. 85 Es gibt also erhebliche Unterschiede

im wirtschaftlichen Status der hier ansässigen

Juden, die sich allerdings untereinander stützen,

durchreisende Händler beherbergen und beköstigen

und auch wandernde Betteljuden aufnehmen. Die in

der Literatur üblichen pauschalen Aussagen über die

katastrophale Verarmung der fränkischen Landjuden

sind zu relativieren: In Rothenfels (zum Beispiel) und

den zugehörigen Amtsdörfern gibt es zwar Armut,

aber auch einkömmlichen Verdienst und sogar bescheidenen

Wohlstand jüdischer Familien. 86

Ein weiteres für Rothenfels aufschlussreiches Zahlenwerk

stammt aus dem Jahr 1699; es verdankt sich

einer erneuten Anordnung der fürstbischöflichen Hofkammer,

alle im Hochstift ansässigen Juden zu verzeichnen,

was selbstverständlich der Kontrolle der

Abgaben dienen soll. Im Amt Rothenfels sind es 11

Mann, 11 Weiber, 39 Kinder, 5 Dienstbotten, insgesamt

66 Köpfe, dazu in Karbach ein Räba [Rabbiner] oder

Lehrer mit seiner Familie. Davon leben vier Familien

in der Stadt Rothenfels: Moÿses, Behrlein, Maÿer und

Jöstlein, insgesamt 22 Personen. Sie alle außer dem

Rabbiner sind im Besitz würzburgischer Schutzbriefe;

zwei weitere Familien wohnen in Karbach im Stettenberger

Freihof im Schutz der Herren von Sickingen. 87

84 Wie Anm. 76 (20. 7. 1675). Feÿferl und seine Ehefrau Lea haben

drei Söhne (Aaron, Jacob und Menlein) und zwei Töchter

(Judith und Gutradt). Der Schulmeister Davit ist aus Mahren

gebürtig.

85 Wie Anm. 76 (20. 7. 1675). Ambsell und seine Ehefrau Zinia

haben zwei Buben (Liebman und Abraham) und ein Maÿtlein

(Jentlein).

86 Vgl. Anm. 125. Zu Armut und Betteljuden vgl. E. Schubert,

Arme Leute, S. 151-178.

87 StAWü Gebrechenamtsakten VI W 273 (unpaginiert). In dem

zu Rothenfels gehörenden Zimmern lebt Wölfflein mit Weib,

zwei Kindern und einer Dinstmaydt.


Juden von Rothenfels 21

Diese Angaben werden hier so ausführlich referiert,

weil sie guten Aufschluss geben über Umfang,

Familienstand und Erwerbstätigkeit der Landjuden im

Amt Rothenfels. Über die Herkunft dieser ersten Familien

erfahren wir daraus nichts. Es gibt auch keine

Selbstzeugnisse, die Auskunft geben könnten über ihre

vorherigen Schicksale und Wanderungen. Sicher ist

nur, dass sie oder ihre Vorfahren von der fürstbischöflichen

Regierung im Hochstift zugelassen und zur

Niederlassung auf die Orte verteilt wurden.

Die zitierten Daten aus Würzburger Akten aus der

zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stimmen überein

mit Rothenfelser Schriftquellen aus derselben Zeit. Zu

nennen sind vor allem die Gotteshausrechnungen der

katholischen Kirchengemeinde. Hier werden in der

Rubrik Kirchennotdurft Lieferungen einheimischer

und auswärtiger jüdischer Händler für die Pfarrkirche

verbucht: Wachs und Dochte für Kerzen, Tuche und

Schnüre für Mess- und Ministrantengewänder, Bretter

und Nägel für das Kirchendach, Blei für Sakristeifenster

und zum neuen Orgelwerk. So ergibt sich eine Reihe

von Daten, die freilich lückenhaft bleibt und auch

nicht erklärt, ob es sich jeweils um einen oder mehrere

Träger eines Namens handelt. Oft fehlen namentliche

Angaben und werden Auszahlungen nur dem Jud oder

underschiedlichen Christen und Juden zugeordnet.

Immerhin, die Belege sind für unsere Geschichte

höchst willkommen.

Als hiesiger Lieferant für Wachs wird 1669 zunächst

der Jude Joseph genannt. Nach einer längeren

Überlieferungslücke sind es ab 1682 für rund zwanzig

Jahre Perlein (Behrlein, Perl, Berl), Moyses, Maÿer

und Samuel, dann ab 1720 Hirschlein. 88 Während Judt

Samuel dahier nur kurzzeitig in Rothenfels auftaucht,

werden die anderen Männer noch häufig begegnen. Es

handelt sich wohl um Söhne und Nachfolger der älteren

Joseph und Mendlein.

Aus wiederum anderen Unterlagen geht hervor,

dass die Rothenfelser Juden während der Sommermonate

auch als Viehhändler mit ihren Herden unterwegs

sind. 89 Außer dem bereits bekannten Joseph treten in

diesem Zusammenhang wiederum die Namen Moyses,

Meyerlein und Perlein hervor. 1680 werden genau diese

drei als Beisassen in Rothenfels verzeichnet, das

heißt als Bewohner mit Aufenthaltsrecht, aber ohne

Bürgerrechte, die Bestandgeld an die Stadt zahlen

88 PfarrAR Gotteshausrechnungen 1563 ff (mit Lücken vor allem

für 1570-1589, 1673-1680, 1623-1665; darin ab 1669 Nachrichten

über jüdische Lieferanten, ausgewertet für die vorliegende

Arbeit bis 1749). Ein Doppel der Jahresrechnung für 1687/88

befindet sich im Stadtarchiv Rothenfels (StadtAR III 7/1). Die

Belege zu den Gotteshausrechnungen sind nicht erhalten. –

Zum Zuge kommen in Rothenfels auch auswärtige jüdische

Händler vor allem aus Karbach. Bei den Materiallieferungen

geht es fast alljährlich um größere Mengen Wachs, dann auch

um Reparaturen an der 1612 errichteten Stadtpfarrkirche, die

1686 eine neue Orgel bekommt; vgl. P. Kolb, Chronik, S. 243 f,

248.

89 StAWü Gebrechenamtsakten VI W 273 (unpaginiert).

müssen. 90 Auch später, im 18. Jahrhundert und darüber

hinaus, lassen sich mithilfe des Beisassengeldes – zuletzt

Judengeld genannt – die nächsten Generationen

in der Stadt und im Dorf namentlich verfolgen. 91

7. Konflikte und Ausweisungen

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ändert sich

die Szene durch Generationenwechsel und kommen

neue Namen hinzu. Die schriftliche Überlieferung

wird dichter, bleibt aber in Bezug auf die Juden bruchstückhaft.

Die aus den Akten – Briefen, Protokollen,

Erlassen – zu ziehenden Informationen werden ergänzt

und bestätigt durch Datenmaterial der Bevölkerungsstatistiken,

die anlässlich der Erbhuldigungen entstehen.

Hinter diesem Begriff steckt die Einschwörung

aller Bürger des Hochstifts auf einen neugewählten

Fürstbischof bei dessen Antrittsreise durch das Land.

Die Amtleute vor Ort organisieren jeweils die Zeremonien

und liefern aktuelle Namenslisten der Einwohner.

Dabei werden die Juden mal gesondert aufgeführt, mal

vernachlässigt; ab 1720 sind Rothenfelser mit jeweils

drei bis vier Familien in der Stadt und ein bis zwei

Haushalten im Dorf dabei.

In der Stadt erscheinen die Männer Nathan, Hirsch

und Moÿses, bald kommt ein Perlein (Behrlein) hinzu.

Die folgenden ein bis zwei Generationen tragen die

Namen Maÿer, Berlein oder Perlein, Männlein und

Hirsch, teils schon in Kombination mit dem Vaternamen,

wobei die verwandtschaftlichen Zusammenhänge

nicht immer eindeutig zu erkennen sind. 92

90 StadtAR II 2/6 S. 347 (23. 1. 1680). Jud Moÿses zahlt jährlich 3

fl, Jud Meÿerlein 3½ fl, Jud Perlein 3½ fl Beisassengeld. Zuvor

waren es je 4 fl pro Familie, bald darauf wird nach Regierungsanordnung

wieder auf den alten Betrag erhöht (S. 421, 25. 1.

1687). Als Meyerlein einmal um Ermäßigung bittet, wird ihm

auf Ratsbeschluss mitgeteilt, er solle in Ermangelung seiner Eigen

Mitteln solches gelt mit schnurren samblen, oder seinen ufenthalt

anderstwo ausser der statt suchen (S. 571, 9. 2. 1706).

Später, nachdem die Juden auf Stadt und Dorf neu verteilt und

die Ratsherren mit der Beschränkung ihrer Zahl wohl zufrieden

sind, ist man nicht mehr so streng: 1755 und 1757 wird Jud

Hirsch die Hälfte des Beisassengeldes ex gratia und in Anbetracht

seiner Armut und Wohlverhaltens erlassen; StadtAR IV

3/5 S. 4, 11.

91 StadtAR III 11/3 (Bürgermeisterrechnung 1734/35) bis III

11/77 (Gemeinderechnung 1832/33), jeweils unter Einnahmen

in der Rubrik Beisassengeld, später in der Rubrik Bürgerrechte

als Judengeld. Ab 1833/34 sind Judengelder nicht mehr im

Plan. Bis dahin zahlt eine Familie jährlich 4 fl, zuletzt 5 fl, eine

Witwe 2 fl. Solange Bergrothenfels als Ortsteil zu Rothenfels

gehört, werden die Beisassengelder aus dem Dorf im Haushalt

der Stadt vereinnahmt.

92 StAWü Standbuch Nr. 933 fol. 519 (1720), Nr. 935 fol. 805

(1725), Nr. 937 fol. 1603 (1731), Nr. 942 S. 248 (1748); StAWt-R

J 2 Nr. 8 (Übersicht über die erbhuldigungspflichtigen Personen

im Amt Rothenfels, darin Verzeichnis der Schutzjuden,

unpaginiert, undatiert [um 1731]. Vgl. die Tabelle S. 64. Der

letzte erhaltene Vorgang dieser Art vor 1720 ist Standbuch Nr.

929 (1623) und enthält noch keine Angaben über Juden im Amt

Rothenfels.


22 Winfried Mogge

Erste Konflikte der jüdischen Minderheit mit der

christlichen Bevölkerung (oder, weil so in den Akten

greifbar: mit Bürgermeister und Rat der Stadt) lassen

nicht lange auf sich warten. Jetzt und in der Folgezeit

laufen sie stets darauf hinaus, die Juden als Konkurrenz

im Handel und auf dem Wohnungsmarkt anzuprangern;

die Stadtoberen suchen stereotyp nach einer

formalistischen Lösung der angeblichen oder tatsächlichen

Probleme durch landesherrlich zu verfügende

Ausweisungen. Dabei berufen sie sich auf Zusagen

gleich mehrerer Fürstbischöfe, nicht mehr als jeweils

zwei Schutzjuden in Rothenfels zuzulassen. Diese

willkürlich festgelegte Zahl wird dank ständiger Wiederholungen

auch bei den Würzburger Regierungen

bald nicht mehr hinterfragt. Tatsächlich decken sich

die Rothenfelser Ereignisse mit einem Grundzug der

landesherrlichen Politik seit dem 17. Jahrhundert, die

jüdische Bevölkerung, wenn sie denn geduldet wird,

möglichst gering zu halten. 93

Ein aktenkundig gewordener Vorgang aus Rothenfels

zeigt beispielhaft, welche grundsätzlichen Konfliktstoffe

hinter den eher kleinlichen alltäglichen

Auseinandersetzungen lauern und jederzeit hervortreten

können. Am 18. Dezember 1675 verhandelt ein

fürstbischöflicher Beamter im Rathaus über Klagen

aus der Bürgerschaft gegen die Judenschaft des Städtchens.

Vordergründig geht es darum, dass an Sonnund

Feiertagen etliche Pfarrkindter und speziell das

Bauersvolckh angeblich den Gottesdienst oder die Predigt

versäumen, um die Judten Häußer im Städlein anzulaufen

und dort Handtel undt Wandtel zu treiben. Im

Verhör räumen der Stadtpfarrer und die Ratsherren

ein, dass diese früher zu beobachtende Unsitte längst

durch Verbote abgeschafft wurde, dass im Gegenteil

die Juden peinlich genau darauf achten, sich besonders

zu christlichen Gottesdienstzeiten unauffällig zu verhalten.

94

Dann aber packen die Ratsverwandten die eigentlichen

Beschwerden aus – es ist das Leitmotiv der Konkurrenzangst

und das Stereotyp des Wuchers. Die

jüdischen Händler, so der Vortrag der Beschwerdeführer,

beeinträchtigen die ohnehin notleidenden einheimischen

Gewerbe und Krämer und nehmen dem

gemeinen Bürgersmann die Nahrungsgrundlage. Besonders

in den Dorfschaften handeln die wucherhafften

Juden erfolgreich. Abhilfe sei nötig und möglich,

wannen die hierzu schädlige Judtenschafft zum theil

odter gäntzlichen auß der Statt amovirt und außgesetzt

würdte. 95

Der Zeitpunkt für diesen Vorstoß ist wohl kein Zufall.

1675 ist ein „Jahr ohne Sommer“: Drei Monate

93 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 41, 235.

94 Zu den Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für Juden und

den Verboten von Handel und Wandel an Sonn- und christlichen

Feiertagen, auch allgemein zum „Schutz der christlichen

Religion“ vor nahen Juden vgl. I. König, Judenverordnungen,

S. 175-178, 195 f, 299 f.

95 StAWü Judenschaft Nr. 81.

lang, von Juni bis August, liegt Mitteleuropa unter

kühl-feuchter Atlantikluft, mit schlimmen Folgen in

Form verzögerter oder verdorbener Ernte und anschließender

Teuerung der Lebensmittel. 96 In den Rothenfelser

Schriftquellen werden zwar nicht

ausdrücklich die Juden dafür verantwortlich gemacht,

aber die Schuld an Naturkatastrophen und Missernten

sucht die hilflose Bevölkerung oft bei ungeliebten

Minderheiten. 97

Bald nach der zitierten Grundsatzdiskussion folgt

ein erster Versuch der Stadt Rothenfels, eine jüdische

Familie auszuweisen. Mit Ratsbeschluss vom 10. Juli

1676 wird dem Juden Perlein barsch mitgeteilt, daß

er â dato innerhalb 2 monathen mit seinem weib die

gemeine statd reümen solle, weilen gemeine statd keinen

Juden mehr anzunehmen gedagt ist. 98 Der Vorgang

ist schwer durchschaubar, weil ohne Genehmigung der

Regierung eigentlich nicht denkbar; vielleicht war das

ein versuchter Alleingang der Stadtoberen. Mit seinem

Würzburger Schutzbrief muss Perlein es geschafft haben,

diese Ausweisung zu umgehen; jedenfalls ist er

noch mehr als vier Jahrzehnte lang in Rothenfels ansässig

und aktiv. Wiederholt appelliert der Stadtrat an

den jeweils regierenden Fürstbischof, nach Perleins

künftigem Ableben keinen Nachrücker einzuweisen,

was zwar zugestanden, aber nicht eingehalten wird.

Die Zahl der Schutzjuden für Rothenfels erhöht sich

zeitweise sogar auf fünf, wogegen die Stadt immer

wieder und schließlich mit Erfolg protestiert. 99

Im Lauf des 18. Jahrhunderts bricht der Streit um

die Juden in Rothenfels mehrmals offen aus. Vordergründig

geht es dabei nach wie vor um die Anzahl der

in der Stadt aufzunehmenden jüdischen Menschen.

Die Juden erstreben nicht mehr und nicht weniger als

die Zulassung erwachsen gewordener Söhne und ihrer

Familien; die Stadtoberen wehren sich dagegen mit

ökonomischen Erwägungen. Bei näherem Hinsehen

geht es jedoch prinzipiell um das Existenzrecht der

nach mehreren Generationen noch immer als Bedrohung

für die Christengemeinde betrachteten Andersgläubigen.

In der Rückschau stellt sich der Ablauf dar

wie eine stufenweise Eskalation mit dramatischer Steigerung

der Argumente.

Die erste Stufe wird durch einen Zuzug provoziert.

1702 oder kurz zuvor kommt ein Jude Aaron nach Rothenfels;

seine Herkunft geht aus den Akten nicht hervor,

möglicherweise stammt er aus einer Karbacher

Familie. Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau

gibt einem sofort eingereichten Begehren des Stadtra-

96 Ch. Pfister, Wetternachhersage, S. 156 f.

97 In den Ratsprotokollen der Zeit (StadtAR II 2/6) findet sich

dazu kein Vorgang.

98 StadtAR II 2/6 S. 322 (10. 7. 1676).

99 StAWü Gebrechenamtsakten IV R 153 (unpaginiert; 1719/20,

dazu Kopien von Resolutionen und Dekreten von 1702, 1704,

1719); StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; 1749/51, dazu

Kopien von Resolutionen, Dekreten und Protokollen ab 1702).

Abschriften der Vorgänge auch in: StadtAR II 2/7 S. 161-165.


Juden von Rothenfels 23

Ausschnitt aus dem Rothenfelser Ratsprotokoll 1676

tes mit erstaunlicher Eile nach, erklärt den vorliegenden

Schutzbrief des Aaron für null und nichtig und

verfügt die unverzügliche Emigration des Mannes,

den er doch selbst erst zugelassen hat. Die Stadt bittet

darum, sie künftig und generell nicht mehr mit dergleichen

verderblichen Gesindt, zumahlen Betteljuden,

zubeladen. Weitergehende Beschwerden seiner

treuen Underthanen über die bereits in Rothenfels sitzenden

Schutzjuden verspricht der Landesherr gründlich

untersuchen zu lassen. 100 Das ist der Auftakt einer

ganzen Serie von Vorgängen dieser Art.

Der nächste Akt ist bereits bekannt. 1719, wohl

gleich nach dem ungeduldig erwarteten Tod des Juden

Perlein, beantragen Bürgermeister und Rath zur Statt

Rothenfelß, künftig nicht nur den Kindern ihrer bisherigen

Schutzjuden die Nachfolge zu verweigern, sondern

überhaupt keinen anderen mehr zuzulassen – also

einen nach dem anderen folgents gar außsterben zulassen.

Damit finden sie aber weder bei Johann Philipp

von Greiffenclau (1699-1719) noch bei dessen

Nachfolger Johann Philipp Franz von Schönborn

(1719-1724) gnädiges Gehör. Die Landesherren lassen

sich offensichtlich nicht in ihre Praxis hineinreden,

über das neue, zentrale Judenamt und nach eigener,

letztinstanzlicher Entscheidung Schutzbriefe auszugeben

und deren Inhaber auf die Landorte einzuweisen.

101

100 StAWü Gebrechenamtsakten IV R 153 (unpaginiert; Anlagen

1702/04); StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert, Anlagen

1702/04); dazu auch StadtAR II 2/7 S. 160 (Kopie des Dekrets

vom 7. 12. 1702). Die zitierte weitere Klage gegen Ein- und

andern daselbst in den Schutz sitzenden Juden liegt dem Aktenstück

nicht bei. Zwischen Aaron und dem Amtskeller auf Burg

Rothenfels gibt es noch einen strittigen Vorgang wegen der

Aushändigung des annullierten Schutzbriefes und der Erstattung

des Schutzgeldes.

101 Über das Verfahren vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 39-44,

83 f.

Aufschlussreich ist bei diesem Fall die auch später

stets wiederkehrende ausschweifende Argumentation

der Ratsherren. Das am Fuß des Berges eng eingeschlossene

Städtlein, schreiben sie, verfüge nur über

wenige eigene Feldgüter, so dass die Bürger sich mühsam

mit Gewerben ernähren müssen. Da komme von

den Juden erheblicher Eintrag und Schaden [...] in der

Gewerbschafft sowohl, als mit Ihrer Viehe Handtlung.

Die wenigen Viehweiden würden im Sommer von den

umherziehenden Herden der Juden geschwächt und

beschädigt. Zudem mache sich im Ort ein Mangel an

Wohnraum bemerkbar und wisse man bald nicht mehr,

ob die Kinder hier noch leben und bleiben können –

die Juden helfen, die Wohnungen klemb zu machen.

Nun hoffe man auf endliche Erfüllung der wiederholten

Bitten, von weiteren Schutzjuden verschont zu

bleiben und so der Stadt zu ermöglichen, auch künftig

ihre Schatzung und Steuer an die Landesherrschaft zu

zahlen.

Dieser Supplikation von 1719 ist nur ein Teilerfolg

beschieden: Ein Nachfolger für Perlein, verfügt die

fürstbischöfliche Regierung, soll nicht nach Rothenfels

eingewiesen, das geschwächte arme Städtlein fortan

nur mit zwei jüdischen Haushaltungen beschwert

werden. Die von den Ratsherren erhoffte Ausweisung

aller gegenwärtigen Juden oder die gänzliche Verhinderung

von Zuzügen steht jedoch in Würzburg nicht

zur Diskussion. 102

Die nächsten Betroffenen, nun in der folgenden

Generation, sind die Familien von Nathan und Perlein

(auch Berlein oder Berla, ein weiterer Träger dieses

102 StAWü Gebrechenamtsakten IV R 153 (unpaginiert; 1719/20);

StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; 1749 mit Anlagen

1702/04, 1719). Ein weiterer Beschwerdepunkt in derselben

Bittschrift von 1719 betrifft die Eichelmast im Spessartwald,

die den Bürgern neuerdings vom fürstlichen Hofmetzger streitig

gemacht werde.


24 Winfried Mogge

beliebten Namens). Ersterer wird bereits in den Erbhuldigungsdaten

von 1720 genannt, letzterer ist dessen

Schwager. Im Jahr 1734, in dem die nächste Aktion

spielt, ist Nathan tot und Perlein zum Umzug aus der

Stadt Rothenfels in das zugehörige Dorf Bergrothenfels

gezwungen worden, letzteres ein Erfolg der Ratsherren

und ihrer unablässigen Eingaben an die

Landesherrschaft. Der Ausgewiesene aber kämpft zunächst

weiter für seinen Verbleib in der Stadt und hat

dafür ein neues Argument: Nathans Witwe hat sich

wieder verheiratet und will nach Arnstein ziehen, vier

unmündige Kinder sollen bei Perlein in Rothenfels

aufgezogen werden, der älteste Sohn, ebenfalls Perlein

genannt, das Handelsgeschäft des verstorbenen

Vaters übernehmen. Die Regierung des Fürstbischofs

Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746) bleibt hart

– der Schutzbrief für Nathan ist mit dem Tod des Familienoberhauptes

und dem Wegzug der Witwe erloschen

und wird nicht auf die Kinder übertragen, aus

Gnaden verstattet man ihnen den Aufenthalt auf dem

Berg oder bei anderen Verwandten. 103

Rigoros ist zwei Jahre später der Umgang mit dem

noch minderjährigen jungen Perlein und seinem Erbe

in Rothenfels, einem bürgerlichen Haus, das sein Vater

Nathan laut Darstellung der Ratsherren und des

Amtskellers mit geldt Herschießung (Geldverleih) an

sich gebracht und ohne herrschaftlichen consens zeithero

in Besitz gehabt. Unter Berufung auf das juris retractus

– ein Wiederkaufsrecht der Christen für von

Juden erworbene Häuser – wollen einige Einwohner

die damalige Kaufsumme für das Haus erlegen und

das Anwesen übernehmen. Die Bürgerschaft, so die

Begründung, würde damit von sehr vielen Beschwehrnissen

liberiret, auch dem einen oder anderen ohnbewohnten

Bürger seine harte gewerbschafft mit einem

obdach erleichtert.

Erneut argumentieren die Stadtoberen mit der wirtschaftlichen

Not der Bevölkerung und dem Wohnungsmangel

in der Stadt. Weitere Duldungen von

Juden oder gar Neuaufnahmen, schreiben sie, werden

unausweichlich zum gäntzlichen Verderben dero Bürgerschafft

und notgedrungen zu Auswanderungen von

Einheimischen führen. Amtsverwaltung und Regierung

übernehmen diese Begründung, lassen die Einlösung

des Hauses zu und verweisen den jungen Perlein

zu seinen Verwandten nach Bergrothenfels oder an

einen anderen Schutzort. 104

Ähnlich – und nun wohl erstmals mit physischer

Gewaltanwendung – ergeht es zur selben Zeit Männlein,

Abkömmling einer der alten Judenfamilien und

Hauseigentümer in Rothenfels. Hatte Nathan seinen

Hausbesitz bei einem zweifellos legalen, wohl aber

die Verschuldung seiner Gläubiger nützenden und ent-

103 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; Anlagen 1734-36).

Über den tatsächlichen weiteren Verbleib der Kinder Nathans

geben die Akten keine Auskunft.

104 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; Anlagen 1736).

sprechend verhassten Zinskreditgeschäft erlangt, so

war Männleins Wohnhaus schon in dritter Generation

im Familienbesitz. Aus einem Schriftverkehr von 1736

geht hervor: Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn

hatte seinem unterthänigst gehorsambsten

Männlein Jud von Rothenfels, wie dieser selbst unterschreibt,

den Schutzbrief und damit das Aufenthaltsrecht

in der Stadt entziehen lassen. Die Akten nennen

keine Begründung; dahinter dürfte das bekannte Ausweisungsbegehren

von Bürgermeister und Rat stehen.

Die Stadt hatte die Enteignung des Hauses von Männlein

eingeklagt, der Landesherr zur eussersten Bestürtzung

des bisherigen Bewohners zugestimmt. 105 Auch

dieser Willkürakt wird mit dem im Hochstift geltenden

Auslösungsrecht begründet. 106

Nun beklagt sich Männlein in einem bitteren Brief

an den Fürstbischof über die an mir verübten Verfolgungen

durch die Stadtoberen. Die hatten in seiner

Abwesenheit sein Haus gewalthetig erbrochen und die

darinnen befindliche Mobilien und effecten herauswerffen

lassen, ihm auch keine Frist zur ordentlichen

Räumung gelassen. Männlein und seine Geschwister

befürchten den völligen Verlust ihres Haab und Guth

und klagen auf Satisfaction. Sogar das seinerzeit für

den Schutzbrief bei der Fürstlichen Hofkammer eingezahlte

und nun bei der Amtskellerei deponierte Bargeld,

immerhin 300 Gulden, hat der Stadtrat für

Arbeiten am Haus und für mögliche Prozesskosten

sperren lassen. Wenigstens die volle Auszahlung dieses

Geldes gesteht die fürstbischöfliche Administration

dem Ausgewiesenen zu. 107 Er begegnet dann

wieder als Beisasse, Familienvater und Hausbesitzer

in Bergrothenfels. 108

Der Streit um die für Rothenfels zugelassene Zahl

der Juden ist damit nicht beendet, die Stadtoberen

bleiben bei der Landesregierung vorstellig. 1749 soll

die Ausweisung Nathan Hirsch und Moyses Berl treffen.

109 Die beiden sind in dem städtlein gebohren und

105 Wie Anm. 104. In Männleins Beschwerdebrief (undatierte Abschrift,

1736) wird die juristische Argumentation der Stadt als

erga prostationem [richtig: praestationem] praestandorum zitiert.

106 Zum Auslösungs- oder Einstandsrecht vgl. G. Döllinger, Sammlung,

Anhang S. 27; I. König, Judenverordnungen, S. 231-235.

Diese (an vielen Orten zur schleichenden Vertreibung der Juden

genutzte) Praxis wird mit der Würzburger Judenordnung vom

1. 6. 1750 begründet. Tatsächlich besteht das „ewige Auslösungsrecht“

der Christen an jüdischen Besitzungen schon vorher.

Es wird 1750 modifiziert, indem Häuser ausgenommen

werden, die sich vor dem Stichjahr 1709 in jüdischem Besitz

befanden, und 1765 mit einer dreijährigen Auslösungsfrist eingeschränkt.

Diese Frist gilt jedoch nicht für Häuser, die ohne

fürstbischöfliche Genehmigung von Juden erworben wurden.

Mit diesem zweifelhaften Argument arbeiten die Rothenfelser

Stadtoberen bereits bei den Enteignungen von 1736 und 1749.

107 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; Anlagen 1736).

108 StAWt-R Rep. 82l Nr. 473 (unpaginiert).

109 Eine Neuerung bei der jüdischen Namensgebung: Die beiden

zeichnen mit zweiteiligen Namen, werden aber nach bisheriger

Sitte auch als Hirsch oder Hirschlein und Berl oder Berlein geführt.


Juden von Rothenfels 25

Rothenfels: Gastwirtschaft „Zum Rothen Ochsen“

gezogen 110 , stammen also aus den bereits seit längerem

hier lebenden Familien. Sie können hochstiftische

Schutzbriefe vorweisen, der eine ausgestellt von Fürstbischof

Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746),

der andere von Anselm Franz von Ingelheim (1746-

1749). 111 Die Stadtverordneten zeigen sich verbittert

über diese relativ frisch ausgegebenen Aufenthaltsgenehmigungen

– sie haben seinerzeit gemäßigte als

wohl gegründete beschwerde gegen diese und alle

Neuzugänge eingelegt und sind deshalb sogar für Rebellen

und wiederspänstige unterthanen angesehen

worden, und sie durften bei Strafandrohung und Verlust

der hochfürstlichen Gnade nichts weiter gegen

jene Juden und deren erschlichenen Schutz unternehmen.

Jetzt aber, so der Vortrag aus Rothenfels, sind die

Folgen unübersehbar und muss zur Rettung der Stadt

gehandelt werden, und zwar nicht nur mit der sofortigen

Eliminierung von Hirsch und Berl, sondern auch,

daß ferner hin kein anderer Judt mehr dahin aufgenomen

werden solle. 112

Bürgermeister und Räte wie auch sambtliche bürgerschaft

zu Rottenfels lassen nun jede Zurückhaltung

fahren. Zwei ausführliche Eingaben, hier in Kurzform

zusammengefasst, lassen in unbeschönigter Deutlich-

110 Wie Anm. 1.

111 Die Schutzbriefe sind nicht erhalten. Für 1743 gibt es in den

Akten einen bruchstückhaften Vorgang wegen Zulassung des

Juden Hirsch (StAWt-R Rep. 65g Nr. 47, Anlagen).

112 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (1749 mit Anlagen 1702, 1704, 1719,

1734, 1736, 1743).

keit und gehässiger Diktion den judenfeindlichen Gehalt

jener Kontroversen erkennen. Die Juden, heißt es

dort, sind das Verderben jeder christlichen Gemeinde,

wo immer sie sich einschleichen und einnisten. Mit ihrer

Handelschaft und ihrem Wucher verdrängen und

ruinieren sie die bürgerlichen Kaufleute und die einheimischen

Gewerbe. Die schadhaffte Vermehrung eines

so wucherischen Volkes kann nicht im Sinne der

hochfürstlichen Regierung sein, weil deren christliche

Untertanen sich gegen die finanzstarken Geschäftspraktiken

der Juden nicht behaupten können

und an den Bettelstab gebracht werden.

Als die haupt- und wahre ursach der Beschwerden

schildern die Rothenfelser einmal mehr die Wohnungsnot

in ihrer Stadt. Hier, so schreiben sie, gibt es

inzwischen so wenig Wohnraum, dass nicht einmal

alle Bürger eigene Häuser erlangen können, sondern

viele sich mit kümmerlichen bestandt quartiren (Mietwohnungen)

behelfen und in Einzelfällen schon nach

Bergrothenfels ausweichen müssen. Umso schädlicher,

so die anders nicht zu erwartende Schlussfolgerung,

ist die Aufnahme mehrerer Juden, die überall,

wo sie zugelassen werden, bekantlich also baldt nach

Häusern streben und andere Interessenten durch Ausnützen

der Notlage verschuldeter Bürger und Bezahlen

überhöhter Preise ausstechen. Auf diese Weise habe

vor wenigen Jahren der Judt Mossel das Haus eines

Bürgers an sich gebracht, so eines von denen besten

und gelegensten Häusern im orth, und zwar ein

schildtberechtigtes wirthshaus gewesen – nämlich das

alte Ochsenwirthshaus gleich gegenüber der Stadtpfarrkirche.

Diese Transaktion erregt die Stadtoberen noch immer

in höchstem Maße. Da sei der bürgerlichen Gewerbschaft

eines der besten Objekte verloren

gegangen, und die Bürgerschaft müsse das täglich mit

wehmüthigsten augen ansehen. Auch bekomme die

Hochfürstliche Hofkammer statt der bisherigen jährlichen

mehr als 50 Gulden aus den Erträgen des Wirtsund

Gasthauses nur noch wenige Gulden Schutzgeld –

mit diesem finanziellen Argument soll wohl die Landesregierung

empört werden. Und als ein besonderer

Scandal der Christenheith wird beklagt, dass die beiden

dort nun wohnenden Judenfamilien von ihren

Fenstern aus den christlichen Gottesdienst mithören

und bei geöffneten Kirchentüren auch mitten in die

Kirch hinein sehen können. Fazit: Der Fürstbischof

kann und darf nicht hinnehmen, seine unterthänigst

treu devotigsten Burgerschaft [...] von diesen denen

Christen ohnehin so gehässig als schädlichen Juden

gesinndel aus ihren besten Häuseren sich verdrengt zu

sehen. 113

Auf geradezu atemberaubende Weise werden mit

dieser Argumentation nicht nur allgemein die antisemitischen

Klischees bedient, sondern konkret auch die

tatsächlichen Abläufe dieses Hauskaufes verdreht –

113 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; undatiert, 1749).


26 Winfried Mogge

fünf Jahre zuvor hatte sich bei einer Versteigerung unter

den Augen der landesherrlichen Amtsleitung kein

anderer Interessent gefunden. 114

Die von der Abschaffung betroffenen Hirsch und

Berl geben trotz des wohl kaum erträglichen öffentlichen

Zornes nicht so schnell auf. Ihre Klage über den

drohenden Verlust der Heimat und der wirtschaftlichen

Existenz wurde einleitend zitiert. Sie berufen

sich auf ihre legale Anwesenheit in Rothenfels – und

sind damit zunächst erfolgreich. Die Beschlusslage ist

verwirrend. Die Ausweisung hatte noch der am 9. Februar

1749 verstorbene Fürstbischof Anselm Franz

von Ingelheim verfügt. In der Vakanzzeit verhandeln

die ungleichen Rothenfelser Streitparteien mit dem regierenden

Domkapitel; das Gremium akzeptiert die

Argumente von Hirsch und Berl und kippt den vorherigen

Befehl. 115 Doch der am 14. April 1749 gewählte

Karl Philipp von Greiffenclau, von den Stadtverordneten

mit neuer Petition und fuesfälligsten Bitten traktiert,

stellt die alte Ordnung wieder her und dekretiert:

Rothenfels muss generell nicht mehr als zwei Judenhaushalte

aufnehmen; die beiden überzähligen Juden

sollen abgeschafft werden, Hirsch soll seine Wohnung

nach Bergrothenfels verlegen, Berl in das nahegelegene

Amtsdorf Karbach. 116

Über den weiteren Verlauf des Verfahrens enthalten

diese Akten nichts außer mehreren Anfragen der

Würzburger Administration bei der Rothenfelser

Amtsleitung nach dem Vollzug der Anordnungen. Tatsächlich

verlassen die beiden Familien im Jahr 1750

die Stadt und gehen nach Bergrothenfels, Berl erst

später nach Karbach. 117

Die von allen Beteiligten als dramatisch erlebte

114 Vgl. unten S. 42.

115 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; undatiert und 6. 3., 7.

3., 5. 4. 1749). Der Amtskeller zu Rothenfels wird umgehend

angewiesen, den Beschluss des Domkapitels umzusetzen.

Hirsch und Berl wiederum beantragen, das Dekret des Domkapitels

und nicht nur den zuvor von der Bürgerschaft erschlichenen

Ausweisungsbeschluss in das Amtsprotokoll einzutragen

und auf dem Rathaus ordentlich zu publizieren. Denn sie befürchten,

es mögten nach einiger zeit die rottenfelser inwohnere

die sach anwiederumb hervorsuchen und unß auf das neue allerhand

tricas verursachen. – Der zitierte Beschluss des (ansonsten

traditionell judenfeindlichen) Domkapitels hat wahrscheinlich

sehr handfeste finanzielle Gründe: Beim Tod eines

Fürstbischofs werden alle Schutzbriefe der hochstiftischen Juden

ungültig und routinemäßig von dem regierenden Gremium

erneuert, das dafür ein besonderes Interregnumsgeld kassiert.

Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 70 f.

116 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; undatiert und 13. 6.

1749); dazu StadtAR II 2/7 S. 371, 384. Die Ausweisung von

Hirsch und Berl wird in einer Bürgerversammlung am 9. 4.

1749 diskutiert und befürwortet. Im Ratsprotokoll vom 24. 6.

1749 ist notiert, dass der fürstbischöfliche Ausweisungsbeschluss

der gesamten Bürgerschaft vorgelesen wurde und eine

Kopie beim Amtsprotokoll verwahrt wird.

117 StAWt-R Rep. 82l Nr. 473 (unpaginiert; Akten 1772/73); Stadt-

AR III 11/3 (Bürgermeisterrechnung 1734/35) S. 8 und III 11/4

(Bürgermeisterrechnung 1753) S. 46. Aus den von der Stadtkasse

vereinnahmten Beisassengeldzahlungen für Bergrothenfels

geht hervor, dass die Ausweisungen vollzogen wurden.

Kontroverse von 1749 hat ein Nachspiel. Zwei Jahre

später sehen sich Bürgermeister und Rat genötigt, ihren

Protest gegen jede Aufstockung der ihnen zugewiesenen

jüdischen Haushalte erneut vorzutragen. Der

Anlass: Der in der Stadt verbliebene Moschel möchte

seinen neunzehnjährigen Sohn Nathan in Rothenfels

ansässig machen. Der junge Mann, bisher schon ausgestattet

mit einem gültigen Schutzbrief, will die Witwe

des in Karbach gesessenen und verstorbenen Jud

Samuel heiraten und dem über 50 Jahre alten gehbehinderten

Vater in Rothenfels beim Handelsgeschäft

helfen. Der Fall wird vor dem Oberamtmann Joseph

Christian Lochner von Hüttenbach (1749-1789) verhandelt

und beschieden: Lässt man nun den Nathan in

Rothenfels zu, dann werden bald weitere Judensöhne

folgen und sich in dem armen Städtlein einnisten. Die

vorgebliche Hülffleistung für den Vater kann Nathan

ebenso gut von Karbach aus erbringen, zumal Moschel

ein Mann beÿ seinen noch geruhsamen Jahren,

wohlbemittelt und ohnehin mit einen Knecht versehen

ist. So wird also Nathan in das benachbarte Amtsdorf

eingewiesen, aus dem seine künftige Frau stammt. Das

Verfahren entspricht, so der Oberamtmann, der bekannten

Intention des Regenten, daß der dem gemeinen

weesen jederzeit mehr schädlich als nützliche

Juden Anwachsen vielmehr vergringeret alß vermehret

werden solle. 118

Nach diesen Aktionen in der Mitte des 18. Jahrhunderts

spielt das Thema Ausweisungen in Rothenfels

keine Rolle mehr. Innerhalb der Stadtmauern

wohnen in eigenen Häusern jetzt nur noch der alt gewordene

Moschel (Moyses Lazarus) und sein Sohn

Mayer (Mayer Moyses), später der aus dem Dorf in

die Stadt umgezogene Nathan Isack (Nathan Heil) und

seine Erben. 119 Mit diesen Familien hat man sich offensichtlich

abgefunden, auch wenn die alte Konkurrenzangst

immer wieder geschürt wird.

118 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; undatiert und 28. 1., 30.

1. und 8. 2. 1751). – Der Vorgang zeigt die Möglichkeit des Erwerbs

eines Schutzbriefes durch Verzicht eines bereits etablierten

Schutzbriefinhabers. In diesem Fall tritt 1749 der relegirte

Jud Löwelein (Löblein) aus Veitshöchheim sein auf Rothenfels

umgeschriebenes Patent an Moschels Sohn Nathan ab. Auf dieselbe

Weise macht 1825 Nathan Heil seinen Sohn Joseph in Rothenfels

ansässig; vgl. S. 38.

119 StadtAR II 7/2 S. 58; dazu auch StAWt-R Rep. 82l Nr. 473 (unpaginiert;

Akten 1772/73). – Moschel wird 1751 als über 50

Jahre alt bezeichnet. 1773 ist er 78 Jahre alt, also 1694/95 geboren.

Von 1753 bis 1795 zahlt er bzw. sein Sohn Bede (Grundsteuer)

für sein Haus (vgl. Anm. 242), von 1753 bis 1781

Beisassengeld (StadtAR III 11/4 bis 11/26). Offensichtlich ist

sein Sohn Mayer als Hausbesitzer, Geschäftsinhaber und Steuerzahler

nachgefolgt, ohne dies im Grundsteuerbuch korrigieren

zu lassen. Mayer wird als Zahler von Beisassengeld von 1769

bis 1793 genannt (StadtAR III 11/18 bis 11/35), 1798 seine Witwe

(StadtAR III 11/37, S. 23). 1799 tritt ein Isack Mayer –

wahrscheinlich ein Sohn – bei einem Rechtsstreit auf (Stadt AR

II 2/14, S. 21-29). Zur Familie Heil vgl. S. 35 f, 43, 45, 58 f. –

Die Angaben in der Stadtchronik über die letzten Juden in Rothenfels

sind unvollständig (StadtAR IV 3/3 S. 202; IV 3/5 S.

18; IV 3/7 Bl. 10).


Juden von Rothenfels 27

Rothenfels um 1800

Anonyme Zeichnung (Bleistift und Feder) aus der Pfarrchronik

Die von den Stadtoberen so oft dramatisierte Wohnungsnot

in Rothenfels muss bei Betrachtung der für

jene Zeit vorliegenden demografischen Daten relativiert

werden. Es trifft zu, dass die Kleinststadt in der

ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, nach quälend langsamer

Erholung von den wirtschaftlichen Folgen des

Dreißigjährigen Krieges, einen bescheidenen Aufschwung

nimmt. Die Bevölkerung wächst zwischen

etwa 1700 und 1750 allerdings stark von 66 auf 98

Haushalte (Bürger, Mann, Mannschaften oder Hofstätten

genannt). 120 Der Amtskeller zählt für das Jahr 1743

in der Stadt 82 Hofstätten und 472 Einwohner. 121 1748

sind es 98 Haushalte 122 , 1754 als vorläufiger Höhepunkt

125 123 . Der älteste Stadtplan von Rothenfels von

1843 zeigt eine drangvolle Enge mit rund 130 Wohnhäusern,

Ställen und Scheunen innerhalb der Mauern

und etlichen Anwesen darüber hinaus. 124 Hundert Jahre

zuvor war die Bebauung noch nicht so dicht, da gab

120 Vgl. P. Kolb, Chronik, S. 107 f, 183; G. Christ, Lohr, S. 338-

341; W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 96 f, 314 f.

121 StAWt-R R 76, Amtsrechnung Jg. 1743/44, S. 280 f; vgl. die

Abbildungen im Anhang S. 62 f. Dazu W. Mogge, Dies uralt

Haus, S. 97, 315.

122 StAWü Standbuch Nr. 942 S. 231-243. Vgl. W. Mogge, Dies uralt

Haus, S. 314.

123 StadtAR II 4/1 (Bürger-Matric 1754). Dort sind die Haushalte

und Witwen für Rothenfels, Bergrothenfels, Windheim und

Zimmern aufgelistet, mit einem Zählfehler 276 (statt richtig

277).

124 Vgl. die Abbildung S. 39.

es sogar Platz für landwirtschaftliche Betriebe in der

Stadt; auch sorgten familiär und beruflich bedingte

Wegzüge sowie Todesfälle stets für Wechsel und neu

verfügbaren Wohnraum.

Angesichts dieser Zahlen und Fakten kann die immer

wieder vorgetragene Bedrohung der Existenz der

Stadtbevölkerung durch einige wenige jüdische Familien

nur als maßlose Übertreibung und Zweckpropaganda

verstanden werden. Jedenfalls gehört sie zum

bewährten Programm der Dämonisierung und Ausgrenzung

dieser Minderheit.

8. Ausgrenzungen und Anpassungen

Am 4. Januar 1750 tagt im Rothenfelser Rathaus der

Stadtrat in großer Besetzung: Bürgermeister und zwölf

Ratsherren in Anwesenheit des fürstbischöflichen

Oberamtmanns, des Amtskellers und eines Vertreters

des Stadtpfarrers. Ein Tagesordnungspunkt mit hoher

Priorität: Es gibt Beobachtungen und Beschwerden,

dass durch die Schloder- oder Bettel Juden gefährliche

und ansteckende Krankheiten in die Bürgerschaft gebracht

worden sind. Also ist solches denen dahiesigen

Juden sowohl als auch der Maynfährung bey unnachlessiger

straff eines guldtens verbotten worden, das

weder gedachte Juden derley bettel gesindel beherbergen,

noch auch ermelte Maynfehrer undter obiger

straff solche uber den Mayn hieher führen [...]. Einzi-


28 Winfried Mogge

ge Ausnahme ist die Überfahrt von Juden, die ein

Cammer Zeichen – einen Passierschein für zugelassene

Händler und Reisende – vorweisen können. 125

Mit diesem Ratsbeschluss wird ein bitterernstes soziales

Problem der Zeit angesprochen. Noch Jahrzehnte

nach dem Dreißigjährigen Krieg, nach Pogromen

vor allem in osteuropäischen und habsburgischen Ländern

leben im 18. Jahrhundert auch in Franken ungezählte

heimatlose und verarmte Juden buchstäblich auf

der Straße, ohne Chance, einen Schutzbrief zu erwerben

oder Arbeit und Obdach zu bekommen. Sie vermehren

das ungeordnete Heer des rechtlosen

fahrenden Volkes. Ihre Stigmatisierung als Überträger

ansteckender Krankheiten – vor allem der gefürchteten

Pest – lässt auch im Hochstift Würzburg die Obrigkeiten

nicht ruhen, alle möglichen Grenz- und

Flusspassagen zu schließen. Nun wird in Rothenfels

wie allerorts den ansässigen Juden sogar die von ihrem

Glauben vorgeschriebene Beherbergung durchziehender

Religionsgenossen verboten. 126

Der Vorgang von 1750 ist kein Rothenfelser Einzelfall.

Mit Grenzüberwachungen und Verboten, verkündet

in einer kaum überschaubaren Menge von

Mandaten, versuchen die fränkischen Landesherrschaften

und Städte mehr oder weniger erfolgreich,

die Betteljuden von ihren Territorien fernzuhalten. Dabei

wissen sie sich übrigens einig mit den Organisationen

der ansässigen Juden, die einerseits mit der

finanziellen Belastung durch die Versorgung der Armen

überfordert sind, andererseits unter der diskriminierenden

Gleichsetzung mit Schloderern und

Schnorrern zu leiden haben. In jener Zeit bleibt es bei

restriktiven Abwehrmaßnahmen; die Ursachen der

massenhaften Verelendung von Juden werden erst von

Autoren und Obrigkeiten der späten Aufklärungszeit

erkannt und thematisiert. 127

Für die Rothenfelser Schutzjuden wird die panische

Angst der christlichen Bevölkerung vor den entwurzelten

Fremden eine weitere Belastung des

Verhältnisses zu den Nachbarn und verschärfte Ausgrenzung

bedeutet haben. Ohnehin ist es schwer nachvollziehbar,

wie sich das alltägliche Zusammenleben

auf so engem Raum einer Kleinststadt erträglich gestalten

ließ – bei so aggressiver Feindseligkeit, wie sie

namentlich von den Bürgermeistern und Ratsherren

als Repräsentanten der Bürgerinnen und Bürger vorgetragen

wurde. Die wenigen jüdischen Familien, so

scheint es, haben dies mit Anpassung und Unauffälligkeit

versucht und mit unerschöpflicher Leidensfähigkeit

geschafft.

125 StadtAR II 2/7 S. 428 f. Mit der von der Würzburger Hofkammer

organisierten Ausgabe von Kammerzeichen wird versucht,

die zugelassenen Händler und Reisenden von den Massen der

Bettler zu trennen. Vgl. dazu Anm. 150.

126 Vgl. E. Schubert, Arme Leute, S. 156-158, 168-173; B. Rösch,

Judenweg, S. 253-261.

127 Vgl. E. Schubert, Arme Leute, S. 171-173; I. König, Judenverordnungen,

S. 45 f, 181-184, 298 f.

Ein Spiegelbild für Ausschnitte aus dem Alltagsleben

sind die (ab 1531 erhaltenen) Ratsprotokolle. Da

die Ratsherrenversammlung zugleich das für ortsinterne

Vergehen und Streitfälle zuständige Stadtgericht

bildet, lässt sich aus diesen Dokumenten auch ablesen,

wie die Menschen miteinander umgehen. Das Bild ist

freilich einseitig, weil diese Quellen nicht über das

friedliche Zusammenleben berichten, sondern über die

justiziablen Zwischenfälle. Und so stellt sich die

kleinstädtische katholische Gesellschaft hier dar als

eine höchst streit- und rauflustige Gruppe untereinander

missgünstiger Nachbarn. An der Tagesordnung

sind vor allem Beleidigungen und Verleumdungen,

Schlägereien und Körperverletzungen, Diebstähle,

Verkaufs- und Erbschaftsstreitigkeiten, Streit um Wasser-

und Weidenutzungen. 128 Von der exzessiven Denunziationslust

zur Zeit der Hexenprozesse unter den

Fürstbischöfen Julius Echter von Mespelbrunn und

Philipp Adolph von Ehrenberg soll hier ganz geschwiegen

werden. 129 Im Vergleich zu ihren christlichen

Nachbarn sind die Juden vor Gericht geradezu

auffallend unauffällig, und das nicht nur wegen ihrer

geringen Zahl.

Man muss lange suchen, bis man ihnen in den Protokollbüchern

als Frevlern begegnet. 1679 werden

Perlein und Meierlein mit Geldstrafen wegen Verwendung

falscher Gewichte belegt. 130 Das ist keine jüdische

Spezialität, sondern eine häufige Übung auch

christlicher Händler und Gegenstand permanenter obrigkeitlicher

Überwachung und Ahndung. 131 Ansonsten

kommen eher kuriose Straftaten vor. 1699 muss Jöstlein

zwei Gulden zahlen, weil er einen Bürger als verlogenen

gesellen gescholten hat, und er geht für zwei

Stunden ins Gefängnis, weil er mit dem Hut auf dem

Kopf die Ratsstube betrat. 132 1764 zahlt Jud Männleins

Sohn vom Berg zwei Gulden Strafe, weil er aus

einem Garten Birnen aufgelesen und die erboste Eigentümerin

auch noch beleidigt hat. 133 Dieses Vergehen

ist zeitlos: 1849 wird Benjamin Freudenberger

angezeigt, nachdem er einen verbotenen Weg begangen

und Äpfel aufgesammelt hat. 134 Männlein und Nathan

machen sich 1771 strafbar, indem sie über einen

Zaun des Pfarrers steigen oder durch die Centwiese

laufen. 135

Eine Ausnahme von der gepflegten Unauffälligkeit

passiert in einer Winternacht des Jahres 1732, als Teil-

128 Ausgewertet wurden die Ratsprotokolle StadtAR II 2/1 (1531-

1553), II 2/6 (1642-1725), II 2/10 (1763-1770). Vgl. P. Kolb,

Chronik, S. 75-79.

129 Vgl. W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 73-75.

130 StadtAR IV 3/3 S. 202. Der Autor der Stadtchronik nennt keine

Quellen; im Ratsprotokollbuch der Zeit (StadtAR II 2/6) findet

sich dazu kein Vorgang.

131 StadtAR II 1/1 S. 3-6, 9 f; IV 3/3 S. 173-178), IV 3/4 S. 74 f

(Vorschriften für Maße, Gewichte und Preise).

132 StadtAR II 2/6 S. 539; vgl. IV 3/3 S. 298.

133 StadtAR II 2/10 S. 238-243; vgl. IV 3/5 S. 23.

134 StadtAR II 1/4 (unpaginiert), 3. 9. 1849.

135 StadtAR II 2/11 S. 128, 131.


Juden von Rothenfels 29

nehmer einer wohl allzu temperamentvollen Beschneidungsfeier

vor dem Haus eines Glaubensgenossen im

Städtchen randalieren, Tür und Fenster beschädigen

und die christlichen Nachbarn aus dem Schlaf reißen;

derlei insolenz wird mit Geldbußen geahndet. 136 Andererseits

kann es geschehen, dass das Stadtgericht den

tätlichen Übergriff von Christen auf ein jüdisches

Kind mit einer empfindlichen Geldstrafe ahndet. 137

Untereinander verhalten sich die Glaubensgenossen

nur selten unfriedlich. 1680 werden Moÿses aus

Rothenfels und Feiferlein aus Karbach angeklagt, weil

sie wegen einer Vormundschaft mit schlägen über einander

kommen und der Jud Feiferlein am maul gebluet.

Sie bekommen beide eine Rugstrafe – der eine,

weil er provoziert und in des Gegners Haus tumultuirt,

der andere, weil er allzu heftig zugeschlagen hat. 138

1773 und 1775 stehen zwei streitbare Bergrothenfelser

Juden vor dem Stadtgericht: Männlein gegen Löblein

von Urspringen 139 , dann Nathan gegen Löb von Greußenheim

140 ; in beiden Fällen waren schon länger

schwelende Streitigkeiten und Beleidigungen in blutige

Schlägereien übergegangen, was allen Beteiligten

nun Geldstrafen und Abmahnungen einbringt.

Relativ häufig holen Juden sich Geldbußen ab,

weil sie ihre Kühe und Ochsen auf gemeindeeigenen

Wiesen oder in fremden Baumgärten grasen ließen.

Auch damit stehen sie nicht allein. Wohl jeder christliche

Haushalt in der Stadt, vom Dorf ganz zu schweigen,

hält eine Kuh oder Ziegen und Schweine und

Federvieh, und wohl jede Familie riskiert Grenzüberschreitungen

bei der Freilandfütterung. Einmal im Jahr

tagt ein Ausschuss des Stadtrates als Ruggericht und

verteilt dutzendweise an zahlreiche Einwohner die

Geldstrafen vor allem für die im Lauf der Monate von

Feldhütern, Revierjägern oder Mitbürgern angezeigten

illegalen Viehweiden. 141

Wenn die Juden das Stadtgericht in eigener Sache

in Anspruch nehmen, dann geht es fast ausschließlich

um säumige Schuldner bei Kreditvergaben oder um

ungetreue Handelspartner beim An- und Verkauf von

Vieh. In allen in den Quellen aufgefundenen Fällen

endet das Verfahren zugunsten der klagenden Juden

oder mit einem Vergleich, dem sie zustimmen – ein

Hinweis übrigens auf das allgegenwärtige Risiko bei

136 StadtAR II 2/7 S. 3. Die Feier findet im Haus von Moschel

statt, der tumult vor dem Haus von Perl; Festteilnehmer sind außerdem

die hießigen Hirschle und Schlummell sowie frembde

Juden.

137 StadtAR II 2/7 S. 230-234. Hier ein Urteil vom 25. 8. 1743,

nachdem christliche Geschäftsleute die Tochter des Juden

Hirsch des Diebstahls bezichtigt und geschlagen hatten.

138 StadtAR II 2/6 S. 351 f.

139 StadtAR II 2/11 S. 516-519, 534-540, 544.

140 StadtAR II 2/11 S. 631-636. Es handelt sich wohl um Nathan,

den Sohn Männleins.

141 Ausgewertet wurden StadtAR II 2/6 (Ratsprotokolle 1642-

1725), II 2/8 (Ratsprotokolle 1751-1755), II 2/10 (Ratsprotokolle

1763-1770), II 2/11 (Ratsprotokolle 1770-1776), III 11/10

(Bürgermeisterrechnung 1760), III 11/19 (Bürgermeisterrechnung

1770).

Geld- und Handelsgeschäften. 142 Der Stadtrat, auch

wenn selbst als Kreditnehmer betroffen, achtet auf

korrekte Abwicklung. Sogar auf Kompromisse lässt

man sich ein: Als 1761 der hiesige Schutzjude Moÿßel

der Stadt einen durch sein Versehen verjährten Schuldschein

präsentiert, wird beschlossen, ihm aus Kulanz

noch die Hälfte des Geldbetrages anzuerkennen und

auszuzahlen. 143

Hin und wieder ist auch der in der Burg Rothenfels

residierende Amtmann mit Rechtsangelegenheiten der

Juden befasst. Dabei geht es zum Beispiel um den

Viehtrieb in hochstiftischen Wäldern, einen Dauerkonflikt

nicht nur mit den jüdischen Viehhändlern. 144 Da

die Amtsprotokolle verloren gegangen und nur wenige

Auszüge daraus in anderen Aktenüberlieferungen erhalten

sind, lässt sich nichts über die Häufigkeit solcher

Vorgänge sagen. Gelegentlich werden auch die

Gremien der fürstbischöflichen Regierung in Würzburg

bemüht, wenn es zum Beispiel darum geht, einem

Rothenfelser Juden zu seinem Recht gegen

säumige Schuldner zu verhelfen. 145

Im Hintergrund zahlreicher Stadtgerichtsverfahren

schwelt, ausgesprochen oder unausgesprochen, stets

die auf Konkurrenzangst gegründete pauschale Verdächtigung,

„die Bürger“ würden durch „die Juden“ in

Geld- und Handelsgeschäften beschwehret, betrogen

und dardurch gar verderbt werden. Der Stadtrat lässt

deshalb die Waren der jüdischen Händler nach Herkunft

und Wert streng kontrollieren. 146 Umgekehrt fällt

auf, dass Juden vermehrt als Kläger vor das Stadtgericht

ziehen, was wohl ein Indiz für wachsendes

Selbstbewusstsein und zunehmende Rechtssicherheit

der Minderheit ist. –

Den Aufenthalt im Hochstift Würzburg und in

Rothenfels müssen die Juden mehrfach und teuer bezahlen.

Der Schutzbrief des Fürstbistums, die lebensnotwendige

Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung,

kostet beim Erwerb eine große einmalige Summe und

bringt der Hofkammer zudem Gebühren für die alljährliche

Verlängerung ein. Beim Tod eines Fürstbi-

142 Ausgewertet wurden StadtAR II 2/6 (Ratsprotokolle 1642-

1725) S. 417, 441, 511; II 2/8 (Ratsprotokolle 1751-1755) S.

179 f, 237, 256-258, 270-272, 281, 331, 621 f, 729-731; II 2/10

(Ratsprotokolle 1763-1770) passim; II 2/11 (Ratsprotokolle

1770-1776) S. 38-41, 172-174, 271 f, 611-616; II 2/14

(Ratsprotokolle 1799-1802) S. 21-29, 36 f.

143 StadtAR IV 3/5 S. 20. Es geht um ein Darlehen von 23 Stück

Karolin (eine süddeutsche Goldmünze) für die Gemeinde. Mit

eindeutigem Tonfall kommentiert der Autor der Stadtchronik,

Oberlehrer Georg Max Fuß (1867-1939), später den Vorgang:

den Juden hätte ich mögen die dicken Hände reiben sehen!

(StadtAR IV 3/7 Bl. 10).

144 StAWt-R Rep. 26h Nr. 21 (1752).

145 StAWt-F Rep. 229 Nr. 31 (Inhalt: Klage des Moyses Jud zu

Rottenfels gegen den Schmiedemeister Melchior Albert zu

Trennfeld wegen säumiger Zahlungen für Darlehen, Vieh- und

Weinkauf, 1745/46); StAWt-R Rep. 82l Nr. 473 (Inhalt: Jud

Männlein von Berg, Amts Rothenfels verklagt Andreas Beck aus

Kredenbach auf Ausgleich von Forderungen für Darlehen und

Viehverkäufe, 1764).

146 StadtAR II 2/7 S. 66.


30 Winfried Mogge

schofs muss die zusätzliche Erneuerung mit einem Interregnumsgeld

bezahlt werden. Beim Ableben eines

Schutzbriefinhabers gelten die erworbenen Rechte nur

für die Witwe, nicht aber für die Kinder fort, und müssen

von den Söhnen neu beantragt und gekauft werden.

147 Nach der Säkularisation besteht übrigens die

nunmehr löwensteinische Herrschaft auf der Fortzahlung

der Schutzgelder als eine Domainen Revenue. 148

An die Kommune geht ein jährliches Beisassengeld

von in der Regel vier Gulden pro jüdischer Familie.

Obschon sie keine Bürgerrechte besitzen, müssen

die Juden die ortsüblichen Frohnden leisten. Alle im

Amt wohnenden oder handelnden Glaubensgenossen

zahlen dem Amtmann und dem Keller ein Neujahrsgeld

und etliche Gerichts- und Verwaltungsgebühren –

die Judengulden oder Judenabgaben gehören zu den

zahlreichen Akzidenzien der würzburgischen, dann löwensteinischen

Beamten. Auch der katholische Geistliche

– in Rothenfels der Stadtpfarrer – bekommt

paradoxerweise ein Neujahrsgeld von den Juden, begründet

als Ersatz für entgangene Stolgebühren bei

nicht ausgeübten Amtshandlungen. 149

Besonders erfindungsreich ist die Würzburger Hofkammer

bei der Erhebung von Zöllen. Rothenfels ist

eine von vielen Zollstationen, der hiesige Zollverwalter

arbeitet sich durch einen ständig wachsenden Wust

von Vorschriften und Tarifen. Unterschiedliche Gebühren

zahlt man für alle möglichen über die kleinräumigen

Grenzen hinweg geführten Waren und für Vieh.

Die meisten Juden, für ihren Lebensunterhalt auf Handelsgeschäfte

verwiesen, müssen viel reisen; sie schulden

den Leibzoll, mit dem sie selbst bei der

Überschreitung von Landesgrenzen wie eine Ware

verzollt werden. Auch auswärtige oder ritterschaftli-

147 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 39-44, 62 f, 160 f, 207-

209. Im Hochstift Würzburg kostet das jährliche Schutzgeld für

Familien lange Zeit im Schnitt zehn Gulden in den Dörfern,

zwölf Gulden in den Landstädten, letzteres auch in Bergrothenfels

und Rothenfels (StAWü Judenschaft Nr. 1; StAWt-R Rep.

79h Nr. 19). 1792/93 bis 1800/01 werden in Rothenfels und

Bergrothenfels jährlich zwischen zwei und drei Gulden rheinischer

Währung für Schutz- und Extra Gelder berechnet (StAWü

Rechnung 39.022).

148 StAWt-R Rep. 79h Nr. 19. Die Fürstliche Regierung zu Wertheim

beauftragt am 27. 3. 1803 die Amtskellerei Rothenfels mit

einem Bericht, wie die zahlreichen ordinären und extraordinären

Contributionen der wenigen Schutzjuden im Amt Rothenfels

durch einen einheitlichen mäßigen Schatzungsfuß zu

ersetzen seien. Zu dieser kleinen Reform kommt es nicht, sondern

zur allmählichen und langwierigen Verweigerung und Abschaffung

der zahlreichen Abgaben.

149 StAWü Standbuch Nr. 799, Bestallungen und Accidentia der

Rothenfelser Oberamtmänner, Keller usw. (vgl. W. Mogge,

Dies uralt Haus, S. 103, 310, 312); Statistische Sammlung Nr.

280 fol. 232 f. 1804 werden in Rothenfels die Neujahrsgelder

für den Oberamtmann abgeschafft, weil diese Stelle nicht mehr

besetzt wird (StAWt-R Rep. 12i Nr. 35, Rep. 41e Nr. 2). Die

Neujahrsgelder an den Stadtpfarrer gehören 1833 zu den Beschwerdepunkten

der jüdischen Gemeinde (vgl. unten S. 34).

Sie werden in Bayern generell erst 1881 im Rahmen der entschädigungslosen

Abschaffung aller persönlichen Sonderabgaben

der Juden aufgehoben (vgl. unten S. 35).

che Juden müssen Freizeichen kaufen, wenn sie hochstiftisches

Land passieren oder hier handeln wollen. 150

Bei Verheiratungen wird ein Brautzoll für die Durchreise

der Verlobten kassiert, bei der Überführung Verstorbener

zum Friedhof Totenzoll. Wenn ein Jude

einen Sohn oder eine Tochter außer Land verheiratet,

muss er für das mitgegebene Heiratsgut (die Heimsteuer)

eine Nachsteuer zahlen. 151

Neben solchen individuellen Abgaben wird auch

die sambtliche judenschafft des Hochstifts, die sich

um die Mitte des 17. Jahrhunderts in einer Interessenvertretung

namens Altwürzburger Landjudenschaft organisiert

hat, kollektiv zu besonderen Zahlungen

herangezogen – die wiederum auf die Kultusgemeinden

und deren Mitglieder umzulegen sind. Einen Eindruck

dieser Belastungen vermittelt eine Bittschrift

der Abgeordneten der Judenschaft von 1749 an den

Fürstbischof. Etliche vorangegangene gravamina und

die Ergebnisse einer Audienz beim neu gewählten Regenten

Karl Philipp von Greiffenclau sind in dieses

Papier eingeflossen. Demnach muss zu jener Zeit ein

jährliches korporatives Schutzgeld von 800 Gulden

und zu jedem Jahreswechsel ein Neujahrsgeld von

1.000 Talern an die Hofkammer gezahlt werden. Diese

und andere Forderungen, so die Delegierten, können

viele Juden schon jetzt nicht mehr aufbringen, weshalb

ihnen Verarmung und völliges Verderben droht. 152

Die Kosten für das 1719 von der Regierung als

Mittler- und Kontrollinstanz gegründete Judenamt

werden ebenfalls auf die Kultusgemeinden umgelegt.

Selbstverständlich müssen diese ihre eigenen Einrichtungen

wie Synagoge und Schule, Friedhof und Armenfürsorge,

ihre Ortsrabbiner und Lehrer und

sonstigen Angestellten selbst finanzieren, ebenso das

Gehalt und die Auslagen für den Oberrabbiner, der

nicht nur das gelehrte Oberhaupt der Judenschaft, sondern

auch für die Aufsicht und Rechtsprechung in innerjüdischen

Angelegenheiten zuständig ist. 153

Zur Einordnung solcher Informationen muss man

wissen, dass im Fürstbistum Würzburg – und das

heißt: in den Landämtern – zu jener Zeit nur zwischen

422 und 466 Schutzjuden des Hochstifts, der Stifte

und Klöster leben. 154 (Mit solchen Zahlen sind nicht

150 StAWt-R Rep. 99b Nr. 55 (1803), Nr. 70 (1805-16), Nr. 83

(1808/09). Darin u. a. Verordnungen zum Leibzoll, Muster der

verschiedenen Zollzeichen, Abrechnungen des Rothenfelser

Zollverwalters, Namenslisten der im Amt Rothenfels handelnden

Juden (z. B. 1803: 62 Personen allein aus dem hochstiftischen

Umland). Der 24 Stunden gültige, täglich neu

einzulösende Leibzoll kann durch einen Jahrzoll ersetzt werden.

151 StAWt-R Rep. 41e Nr. 1. Vgl. I. König, Judenverordnungen, S.

63-68, 210-219. Die Nachsteuer sind Juden und Christen generell

bei Vermögenstransfer in andere Staaten schuldig. Die Juden

werden jedoch in der Regel mit höheren Prozentsätzen

abkassiert und bekommen keine Befreiungen.

152 StAWü Gebrechenamtsakten VI W 256. Zu diesen und weiteren

korporativen Abgaben I. König, Judenverordnungen, S. 68-73.

153 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 68-72, 76-78, 82-84, 227-

229.

154 StAWü G 16.727 fol. 5 und 5'. Die Zahlen der dortigen kleinen


Juden von Rothenfels 31

die Personen, sondern die Haushalte gemeint.) Die

von Adeligen und anderen Korporationen Abhängigen

werden von ihren Schutzherren auf ähnliche Weise abgeschöpft.

Die Rothenfelser und Bergrothenfelser Juden haben

ihren Teil der Belastungen wohl stets auf sich genommen

und aufgebracht, um unbehelligt in ihrer

Heimat bleiben zu können. In der zweiten Hälfte des

18. Jahrhunderts macht sich ihr Zuwachs an Rechtssicherheit

in einer zunehmenden Anzahl von Klagen

beim Stadtgericht bemerkbar. Nun kommen in Rothenfels

auch keine Vertreibungen oder Ausweisungsanträge

mehr vor. Während aus manchen Orten des

Hochstifts Würzburg pogromähnliche Stimmungen

der Bevölkerung und Ausschreitungen gegen Juden zu

verzeichnen sind 155 , gibt es hier keine Berichte dieser

Art. Schlussendlich scheint es in Rothenfels eine Zeit

friedlicher Koexistenz zwischen Christen und Juden

gegeben zu haben.

9. Schritte zur Emanzipation

Der Beginn des 19. Jahrhunderts bringt für das würzburgische

Unterfranken umwälzende Neuerungen des

politischen und gesellschaftlichen Systems. Auch für

die Juden ergeben sich daraus veränderte Lebensbedingungen.

Zum Verständnis der staatlichen und administrativen

Zuständigkeiten, die in den historischen

Akten begegnen, muss ein Blick auf die Neuordnung

der politischen Landkarte geworfen werden. 156

Am Anfang steht die vom napoleonischen Frankreich

diktierte Säkularisation der deutschen geistlichen

Staaten Ende 1802. Das bisherige Hochstift Würzburg

fällt dem Kurfürstentum Bayern zu. Für wenige Jahre

wird es an die neuen Fürstentümer Würzburg und

Aschaffenburg aufgeteilt – ein Zwischenspiel während

der Verschiebung von Ländermassen unter den großen

deutschen Staaten. Auch die Fürsten von Löwenstein-

Wertheim-Rochefort (später Rosenberg genannt) holen

bei der Säkularisation für sich als Entschädigung für

Verluste auf dem linken Rheinufer einige würzburgische

und mainzische Ämter und Klöster heraus, darunter

das bisherige Amt Rothenfels.

Statistiken sind aus den Judenschutzgeldrechnungen gezogen.

Addiert werden Schutzjuden des Hochstifts: 358 (1719), 351

(1745), 377 (1749), 355 (1754), 388 (1763), der Stifte und

Klöster: 72 (1719), 65 (1745), 72 (1749), 75 (1754), 78 (1763),

insgesamt: 430 (1719), 422 (1745), 449 (1749), 430 (1754),

466 (1763). Die Schutzjuden der Adeligen und anderer Korporationen

sind in der Quelle nicht enthalten. – Weitere statistische

Daten bei L. Scherg, Landjudentum, S. 229-231.

155 Beispiele aus Franken bei E. Schubert, Arme Leute, S. 158-160

und zugehörige Anmerkungen.

156 Zu den Entwicklungen in Deutschland: E. R. Huber, Verfassungsgeschichte,

Bd. I S. 25-85, 314-322. Die verwaltungsrechtlichen

Strukturen u. a. des Amtes Rothenfels und ihre

Veränderungen im 19. Jh. detailliert bei: G. Christ, Lohr, S.

348-394, 396-400, 409-418.

Die löwensteinischen Fürsten werden bald darauf

von der fortschreitenden politischen Flurbereinigung

selbst getroffen – 1806 werden sie mediatisiert, verlieren

die Souveränität über ihre weit verstreuten Länder,

kommen unter die Hoheit der umliegenden, neu konstruierten

Territorien. Für die Region um Rothenfels

heißt das: Die auf der rechten Mainseite gelegenen

Besitzungen der Löwensteiner gehören nun zum Staat

des Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg (1802-

1813), der 1803 sein altes Erzstift Mainz in das Fürstentum

Aschaffenburg, ab 1810 Großherzogtum

Frankfurt retten konnte. Die linksmainischen Teile gehen

an das Großherzogtum Baden, das hier ein kurzlebiges

Amt Steinbach einrichtet.

Dieser Zustand währt nur bis 1814, bis zur Auflösung

und Neuverteilung der Würzburger und Frankfurter

Großherzogtümer. Das ehemalige Hochstift

Würzburg fällt zum zweiten Mal und nun endgültig an

das 1806 zum Königreich erhobene Bayern. Das betrifft

auch Rothenfels: Seit dem 3. Juni 1814 sind die

Burg, die Stadt und die rechtsmainischen Teile des

Amtes staatsrechtlich bayerisch. 1819 kommen nach

einem Gebietstausch auch die alten Amtsteile auf der

linken Mainseite wieder hinzu.

In der Folgezeit sind die Gewinner der Mediatisierung

bestrebt, ihre alten und neuen Herrschaften zu

modernen Flächenstaaten zusammenzufügen. Das

heißt, sie müssen ein Gemenge verschiedenster Territorien,

Rechtssysteme und Verwaltungsformen entwirren

und vereinheitlichen. Der Vorgang wird erschwert

durch die Tatsache, dass die mediatisierten Fürsten

keinesfalls von der politischen Bildfläche verschwinden.

Sie behaupten weiterhin eine Reihe von Herrschaftsrechten,

Einkünften und Privilegien. Die

souveränen Staaten behalten sich die Gesetzgebung,

die oberste Gerichtsbarkeit, die obere Polizeigewalt,

die militärische Konskription und die Besteuerung

vor; den Fürsten hingegen stehen weiterhin alle Besitzungen,

Zehnten und Feudaleinkünfte als Patrimonialoder

Privateigentum zu, außerdem etliche Herrschaftsrechte,

vor allem die Zivil- und Kriminalgerichtsbarkeit

in niederer Instanz.

Mit dieser komplizierten Art einer Unterherrschaft

haben, wie alle Untertanen, auch die Juden ihre Not –

die Gesetzgebung kommt aus Bayern, vertreten durch

die königliche Kreisregierung in Würzburg, die Ausführung

und Überwachung obliegt den fürstlichen Behörden

in Wertheim und Rothenfels, dann Neustadt,

die nach wie vor auch eine Vielzahl von Abgaben beanspruchen;

da sind Zuständigkeitsprobleme vorprogrammiert.

Nach dem staatlichen Übergang an Bayern wird

die löwensteinische Verwaltungs- und Justizbehörde

Rothenfels, die frühere würzburgische Amtskellerei,

zum Herrschaftsgericht. Eine tiefgreifende Veränderung

der rechtlichen Verhältnisse kommt jedoch erst

mit dem Jahr 1848. Als ein Ergebnis der bürgerlichen

Revolution und mit der Politik des reformorientierten


32 Winfried Mogge

Königs Maximilian II. (1848-1864) fällt endlich und

endgültig auch die alte Grundherrschaft in Bayern.

Das bedeutet die Trennung von Justiz und Verwaltung,

die Übertragung der grundherrlichen Gerichtsbarkeit

und Polizei auf den Staat. Die Folgen für Rothenfels

sind die Umwandlung des fürstlichen Herrschaftsgerichts

in ein königliches Landgericht (1853), das heißt

die völlige Lösung des Justizwesens von der Standesherrschaft,

und die Ablösung des mittelalterlichen Systems

der Grundlasten durch eine einheitliche

Besteuerung. 157

Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund vollzieht

sich die bayerische Judenpolitik auch in Unterfranken.

Sie führt, um das Ergebnis eines langen

Prozesses vorwegzunehmen, im 19. Jahrhundert zur

bürgerlichen Emanzipation und rechtlichen Gleichstellung

der religiösen Minderheit.

Der in der gesamten Bevölkerung zunehmende Widerstand

gegen das im Zeitalter der Aufklärung diskreditierte

Feudalsystem macht sich im Amt Rothenfels

zunächst bei den Abgaben und Dienstleistungen bemerkbar.

Schon in den letzten Jahren der fürstbischöflichen

Herrschaft mehren sich Verweigerungen von

Bürgern und Bauern. In der Region wird, wie überall,

auch die Judenschaft mutig. Ihr Protest setzt zuerst bei

den Neujahrsgeldern an, die nicht nur die im Amt Rothenfels

lebenden, sondern auch alle dort handelnden

Juden dem würzburgischen Oberamtmann und seinen

Beamten zahlen müssen. 158

Bald werden auch Leibzoll und Viehzoll nicht mehr

widerstandslos entrichtet. Die jüdischen Händler aus

Urspringen und Laudenbach, aus den ritterschaftlichen

Enklaven Steinbach und Wiesenfeld und aus der Grafschaft

Wertheim beschäftigen die nunmehr löwensteinischen

Behörden jahrelang mit Eingaben und

Zahlungsverweigerungen; sie erreichen zunächst Zugeständnisse

von der Ablösung des Leibzolls durch ein

pauschales jährliches Taschengeleit bis zur völligen

Befreiung von diesen Kosten. Die Verhandlungen gestalten

sich schwierig, weil man es jeweils mit Bittstellern

und Gegnern zu tun hat, die unterschiedlichen

und wechselnden souveränen Staaten unterstehen –

Königreich Bayern, Großherzogtum Baden, Großherzogtum

Würzburg und Fürstprimatiat. 159 Fast gleichzeitig

fällt 1807 und 1808 in den genannten Ländern

dieses von den Betroffenen und nun auch von den Regierungen

als menschenunwürdig empfundene System

der Personalbesteuerung. 160 Die schrittweise Abschaffung

weiterer Rezeptions- und Schutzgelder braucht in

Bayern noch einige Jahrzehnte. 161

157 Vgl. W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 82-90.

158 StAWt-R Rep. 12i Nr. 35 (1800), Rep. 41e Nr. 2 (1804); vgl.

Anm. 149.

159 StAWt-R Rep. 99b Nr. 37 (1806-09), Nr. 49 (1803), Nr. 55

(1803), Nr. 56 (1803), Nr. 65 (1804), Nr. 83 und 84 (1807-09).

160 G. Döllinger, Sammlung, S. 229-232; I. König, Judenverordnungen,

S. 63-66.

161 G. Döllinger, Sammlung, S. 238-245.

Ein Meilenstein auf dem Weg zur Judenemanzipation

ist das Edikt über die Verhältnisse der jüdischen

Glaubensgenossen im Königreiche Baiern vom 10.

Juni 1813. 162 Es gibt den Juden ansatzweise Bürgerrechte,

erlaubt ihnen die freie Wahl fast aller Berufe

und Gewerbe, ermöglicht den freien Erwerb von Häusern

und Grundstücken zur eigenen Bewohnung und

Bewirtschaftung. Unverkennbar ist in den Hauptbestimmungen

des Judenedikts eine erzieherische Absicht:

Es gilt, die Juden von ihren bisherigen ebenso

unzureichenden als gemeinschädlichen Erwerbsarten

abzuleiten und sie zu allen bürgerlichen Nahrungszweigen,

als Feldbau, Handwerken, Treibung von Fabriken

und Manufakturen und des ordentlichen

Handels zuzulassen. Erlaubt wird bei entsprechender

Qualifikation und Konzession und bei ausreichendem

Vermögen auch die Betätigung im ordentlichen Wechsel-,

Groß- und Detailhandel, gänzlich verboten soll

künftig aller Hausier-, Noth- und Schächerhandel

sein. 163

Weitere in das bisherige Leben eingreifende Bestimmungen

des Gesetzeswerkes sind vor allem: Die

bisherigen eigenen jüdischen Korporationen und Sonderrechtsgemeinden

werden aufgelöst; die Juden sollen

an ihren Wohnorten künftig zur politischen

Kommune zählen und dort dieselben Rechte haben

wie die Christen. Und: Den jüdischen Glaubensgenossen

im Königreiche wird vollkommene Gewissensfreiheit

gesichert; ihre Kultusgemeinden gelten künftig

als Privat-Kirchengesellschaften. Organisation und

Arbeit der Kirchengemeinden und die Ausbildung der

Rabbiner und Lehrer unterliegen nun der staatlichen

Aufsicht und Qualitätskontrolle. 164

So progressiv diese und weitere Bestimmungen

auch sind, so erfreulich für die Juden der relativ gesicherte

rechtliche Status auch ist – die freie Wahl des

Aufenthaltsortes bleibt ihr Wunschtraum. Die neuen

bürgerlichen Rechte und Vorzüge werden nur denjenigen

gewährt, die als Staatsbürger an ihren bisherigen

Wohnorten ausdrücklich zugelassen, das heißt bei den

Polizeibehörden in besondere Matrikeln eingetragen

werden. Dazu muss man frühere Schutzbriefe, Konzessionen

und Aufenthaltsgenehmigungen vorlegen,

die Familienverhältnisse offenlegen und ein Mindestvermögen

nachweisen. Damit verbunden ist die verpflichtende

Annahme gleichbleibender, vererblicher

Familiennamen. Und es gilt die alles entscheidende

Einschränkung: Die Zahl der Juden-Familien an den

162 Benutzte Veröffentlichung des Judenediktes: K. Weber, Neue

Gesetz- und Verordnungen-Sammlung, Bd. 1 (1880), S. 417-

423. Mit zahlreichen anderen die Juden betreffenden bayerischen

Verordnungen auch bei G. Döllinger, Sammlung, Bd. 6

(1838), S. 1-7.

163 Judenedikt (wie Anm. 162), §§ 14 bis 20, Zitate §§ 15, 19, 20.

Zahlreiche weitere Verordnungen zu Gewerbsbetrieb und Handelsbetrieb

bei G. Döllinger, Sammlung, S. 79-140.

164 Judenedikt (wie Anm. 162), §§ 21 bis 31, Zitat § 23. Zahlreiche

weitere Verordnungen zu Religions- und Kirchen-Verhältnisse

bei G. Döllinger, Sammlung, S. 141-198.


Juden von Rothenfels 33

Burg Rothenfels,

Amtskellerei:

Sitz des fürstlichen

Herrschaftsgerichts,

dann königlichen

Landgerichts

Orten, wo sie dermal bestehen, darf in der Regel nicht

vermehrt werden, sie soll vielmehr nach und nach vermindert

werden, wenn sie zu groß ist. 165

Erst 1861, nach vielen vergeblichen publizistischen

und politischen Vorstößen, fallen diese von

Juden und Bürgerrechtlern als diskriminierend empfundenen

Matrikelparagraphen. Auch weitere rechtliche

Beschränkungen und drückende Sonderabgaben

hat der Erlass von 1813 noch nicht beseitigt: Stoff für

die Kämpfe der nächsten Jahrzehnte. 166

Im ehemaligen Hochstift Würzburg, im nachmaligen

Untermainkreis, und so auch im früheren Amt Rothenfels

gilt das Judenedikt erst seit dem staatlichen

Übergang an Bayern. Eine entsprechende Verordnung

vom 5. Dezember 1816 wird im folgenden Jahr zügig

umgesetzt. 167 Vorher schon gibt es ähnliche Gesetzgebungen

über die Bürgerrechte der Israeliten in den

beiden Großherzogtümern Frankfurt und Würzburg,

und so gehen die kurzzeitig zu diesen Staaten gehörenden

neuen bayerischen Untertanen einige formale

Schritte zur Emanzipation gleich doppelt. 168

Für die Juden in Rothenfels und Bergrothenfels bedeutet

die Einführung der Matrikeln nicht nur keinen

Fortschritt in Richtung Freizügigkeit, sondern im Gegenteil

eine Verengung der früheren Zulassungen an

ihren Wohnorten. Die Stadt bekommt nur eine Matri-

kelstelle zugeteilt, das Dorf zwei. Familiengründungen

und Zuzug neuer Familien scheinen so ausgeschlossen

zu sein. Allerdings wird die Schärfe des Judenedikts in

der Praxis der Ansässigmachung unterlaufen: Es gibt

zahlreiche Ausnahmeregelungen für einzelne Personen

und Orte und etliche Immatrikulationen über die

Normzahl hinaus, und es besteht die (auch in unserem

Ort wahrgenommene) Möglichkeit, als Beisasse oder

mit einer außerordentlichen Judenschutzerteilung in

der politischen Gemeinde zum temporären Aufenthalt

zugelassen zu werden, was immerhin eine Wohn- und

Arbeitsgenehmigung bedeutet, wenn auch ohne Bürgerrecht.

169

Bayern ist seit dem Religionsedikt von 1803 der

Vorreiter unter den deutschen Ländern, was die volle

Gleichberechtigung der christlichen Konfessionen betrifft.

170 Die Gleichstellung der Juden hingegen geht

nur langsam voran. Die vom Geist der Aufklärung geprägten

Regierungen hemmen sich dabei selbst durch

den im Judenedikt sichtbaren Generalplan, die Emanzipation

der Israeliten nur schrittweise unter Abarbeitung

eines Erziehungsprogramms zur Assimilation und

Integration in die bürgerliche Gesellschaft zu gewähren.

Sie scheitern aber auch und immer wieder im

bayerischen Landtag mit ihren Regierungsvorlagen,

den umstrittenen Erlass von 1813 ganz oder teilweise

165 Judenedikt (wie Anm. 162), §§ 1 bis 13, Zitat § 12.

166 Vgl. S. 35. – Die restriktive bayerische Ansiedlungs- und Familienpolitik

gilt nicht nur für Juden: Freizügige Ansässigkeit in

Bayern gibt es auch für Christen noch nicht, wenn es ihnen an

Vermögen mangelt. Als Alternative bleibt für Juden und Christen

oft nur Abwanderung und Auswanderung.

167 G. Döllinger, Sammlung, S. 7-13.

168 G. Döllinger, Sammlung, S. 233-238. Die vergleichsweise progressive

Verordnung des Großherzogtums Frankfurt über die

rechtliche Gleichstellung der Juden und die Ablösung aller Lasten

datiert vom 7. 2. 1811.

169 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8511; Statistische

Sammlung Nr. 617 (Ansässigmachungen im Untermainkreis

1817-1834/35, dabei solche über die Normalzahl in Bergrothenfels,

Rothenfels, Greußenheim und Karbach). Allgemein dazu

G. Döllinger, Sammlung, S. 31-76; R. Mehler, Matrikelbestimmungen,

S. 149-155. Letzterer widerspricht der in der Literatur

vorherrschenden Meinung, die Matrikelbestimmungen seien generell

restriktiv gewesen, und verweist auf die oft liberale Praxis

der Vergabe von Matrikelstellen und Ausnahmeregelungen

(S. 163-178).

170 M. Spindler, Handbuch, Bd. IV/1 S. 51.


34 Winfried Mogge

zu revidieren. 171 Diese Versuche werden vorbereitet

und begleitet durch einen zunehmenden politischen

und publizistischen Kampf jüdischer und christlicher

Intellektueller, die von der Gleichheit aller Menschen

träumen und die Ausgrenzungen einer jahrhundertelang

verfolgten Minderheit als Skandal empfinden.

Nach der Julirevolution 1830 in Frankreich und im

„Vormärz“, den Jahren vor der Märzrevolution von

1848, werden die Rufe nach völliger Gleichberechtigung

auch der Juden unüberhörbar. 172

Immerhin räumen die bayerische Verfassung von

1818 und das Gemeindeedikt aus demselben Jahr den

Juden in den Kommunen volle Rechte als Gemeindebürger

ein. 173 Und immerhin starten in Bayern flächendeckende

Aktionen, die Verhältnisse der jüdischen

Glaubensgenossen zu erfassen und zu begutachten

und so die Revision des Judenedikts vorzubereiten.

Für unsere Region heißt das: Die Königliche Regierung

des Untermainkreises in Würzburg fordert zunächst

den unteren Behörden jährliche Berichte über

die demografischen Zahlen und die wirtschaftlichen

und kulturellen Verhältnisse der Juden ab. Die israelitischen

Gemeinden, wie sie jetzt heißen, beantworten

selbst umfangreiche Fragebögen, die 1833 zu einem

Zahlenwerk zusammengefügt werden. Ausdrücklich

vorgesehen und nachgefragt sind dabei auch Beschwerden

und Verbesserungsvorschläge der Betroffenen

zu ihren bürgerlichen Verhältnissen. 174 Diese

Rückmeldungen werden, wenn auch in jahrelanger zäher

Arbeit, sorgfältig registriert und in Reformvorschläge

umgesetzt. 175

Aus Bergrothenfels kommt ein bemerkenswerter

Katalog von konkreten Beschwerdepunkten, der zugleich

ins Grundsätzliche geht. In den Orten, die ehe-

171 Vgl. R. Mehler, Matrikelbestimmungen, S. 7-15. Der Autor,

neuerer Forschungsliteratur folgend, unterscheidet zwei historische

Wege bei der Judenemanzipation: den liberal-revolutionären,

der die rechtliche Gleichstellung vollständig gewährt

und die weitere Integration dem freien Spiel der gesellschaftlichen

und ökonomischen Kräfte überlässt (z. B. Frankreich), und

den aufgeklärt-etatistischen mit schrittweisem Vorgehen und

Erziehungsanspruch der Regierung (z. B. Bayern).

172 Vgl. U. Gehring-Münzel, Emanzipation, S. 61-142.

173 Vgl. G. Döllinger, Sammlung, S. 77 f.

174 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 (Berichte des

Herrschaftsgerichts Rothenfels 1816 ff); Statistische Sammlung

Nr. 279 (Fragebogen mit Beschränkung auf die Familien mit

Matrikeleintrag), Nr. 280 (fol. 221-227: Fragepunkte über die

allgemeinen und bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten; fol.

228-237: Erklärungen von Nathan Freudenberger zum Fragebogen

für die israelitische Gemeinde Bergrothenfels und Rothenfels,

7. 1. 1833). Ein hier nicht zu referierender Teil der

Ausführungen Freudenbergers ist eine mehrseitige Darstellung

der Grundsätze des jüdischen Glaubens. Die ebenfalls vorgegebene

Frage nach der Errichtung einer obersten kirchlichen Behörde

der israelitischen Glaubens Angelegenheiten beantwortet

er nicht, während die Karbacher Gemeinde die Einführung einer

solchen Behörde fordert.

175 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8540, 8541 (Anordnungen,

Korrespondenzen, Berichte und Zusammenfassungen

der Verhältnisse und Beschwerden der israelitischen Glaubensgenossen,

1833-36).

mals zum Hochstift Würzburg gehörten, so heißt es in

dem von Nathan Freudenberger unterzeichneten Papier

vom 7. Januar 1833, bestehen noch immer Verordnungen

aus dem Zeitalter der religions Intoleranz

und der Knechtschaft, deren Anwendung im Widerspruch

zur Reichsverfassung steht, indem die Verfassung

des Reichs einem jeden Staatsbürger ohne

Rücksicht auf Religion gleichartige Behandlung in der

Rechtspflege zusichert. Dabei geht es vor allem um die

noch immer bestehende Ungleichbehandlung von Israeliten

und Nicht-Israeliten bei Geld- und Handelsgeschäften.

176

Auch andere Belastungen und Widersinnigkeiten

werden genannt und zur Abschaffung vorgeschlagen:

die Neujahrsgeldzahlungen an den katholischen Stadtpfarrer,

die Fronleistungen und Beisassengelder an die

Kommune und die Schutzgeldforderungen des fürstlich-löwensteinischen

Rentamtes. Das alles, betont der

Verfasser, läuft noch immer weiter, obwohl die Juden

längst ordentliche Gewerbe ausüben und normale

Steuerzahler sind. Die Pflichten lasse man sie erfüllen,

doch von den staatsbürgerlichen Rechten schließe man

sie aus. Besonders unerträglich sind dem Schreiber die

Hindernisse bei der Niederlassung und Familiengründung,

also die Einschränkungen durch die Matrikelbestimmungen:

Wenn schon der Israelit allen Gesetzen vollen Genüge

geleistet, hat er seinen gesetzlichen Militär-

Dienste überstanden, und hat er alle Mitteln und

Fähigkeiten, sich bürgerlich zu ernähren, so kann er

seine Ansäßigmachung doch nicht erlangen, so die

Normal-Zahl überschritten werden soll. Außerdem

wird mit Recht als Beschwerde angeführt, daß alle

Israeliten von Staatsämtern ausgeschlossen sind.

Fazit: Wir tragen gehorsamst darauf an, uns den uebrigen

Staatsbürger[n] des Königreichs so wohl in der

Rechtspflege als wie in der Ansäßigmachung und

zwar in allen Orten wo auch bisher keine Israeliten in

denselben wohnten gleich zustellen und uns die Pforte

zur Zulassung der Staatsämter zu öffnen, und uns gnädigst

ein zulassen. 177

176 Konkret geht es um die 1623 und erneut 1699 verordnete Beurkundungspflicht

von Darlehensgeschäften und Handelsverträgen.

Demnach müssen Verträge von Juden mit Christen

gerichtlich angezeigt und protokolliert werden. Anderenfalls

können Geldforderungen von den Schuldnern bestritten und

vom Gericht abgewiesen werden. Einige Lockerungen wie die

Ausnahme von Beträgen unter 12 bzw. 25 Gulden ändern nichts

an der Belastung durch diese Vorschriften. – Ein anderer Punkt

der Rothenfelser Beschwerden ist das Verbot der (jahrhundertelang

zu beiderseitigem Nutzen praktizierten) Haltung von

Halbvieh. Das heißt: Tiere jüdischer Händler wurden gegen

Preisnachlass oder Nutzungsrecht und abschließende Teilung

des Ertrages zur Fütterung und Aufzucht bei christlichen Bauern

eingestellt. – Beide Verordnungen gelten als Civilrechtliche

Ausnahmegesetze der israelitischen Glaubensgenossen im Königreich

Bayern im Gebiet des ehemaligen Hochstifts Würzburg

zunächst fort. Vgl. G. Döllinger, Sammlung, Anhang S.

11-16, 21-23; I. König, Judenverordnungen, S. 56, 185-191,

199-201.

177 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 223, 230'-233.


Juden von Rothenfels 35

So fällt aus dem kleinen Rothenfels am Main, verkörpert

in der Person des jüdischen Gemeindesprechers

Nathan Freudenberger in Bergrothenfels, eine

vom Geist des „Vormärz“ geprägte Stimme in den

Chor der Emanzipationsforderungen ein. Dass der so

mühsam erkämpfte Prozess der Integration in die bürgerliche

Gesellschaft auch einschneidende Strukturveränderungen

des Landjudentums bis hin zur

Auflösung zahlreicher Gemeinden mit sich bringen

wird, ist zu dieser Zeit und an diesem Ort kein Thema.

178

1833 also werden in Bayern Daten erhoben und

Reformvorschläge gesammelt. Die aus dem ganzen

Land gebündelten Anträge werden nur langsam umgesetzt:

1849 mit der erstmaligen Wahl von Juden in die

bayerische Abgeordnetenkammer, 1850 mit einer zunächst

zurückgenommenen, im folgenden Jahr erfolgreichen

zivilrechtlichen Gleichstellung, endlich (durch

Landtagsabschied vom 10. November 1861) mit der

Aufhebung der Matrikelbestimmungen über Ansässigmachung

und Gewerbebetrieb. Es bedarf noch einer

ganzen Serie von Landes- und übergeordneten Bundesgesetzen

zur Freizügigkeit der Juden und zur

Gleichberechtigung der Konfessionen, bis mit dem

Beitritt Bayerns zur Verfassung des Deutschen Reiches

am 13. Mai 1871 die Israeliten tatsächlich

Staatsbürger mit vollen Rechten sind. 179

Alle diese Schritte zur Emanzipation gehen nicht

reibungslos vonstatten, sondern werden von heftigen

politischen, publizistischen und populistischen Protestbewegungen

konservativer Gruppierungen und zunehmend

antisemitisch begründeten Ausschreitungen

begleitet. In Bayern treten bürgerliche und kirchliche

Kreise 1849 einen Adressensturm los – organisierte

Proteste gegen die Judenemanzipation. Das Innenministerium

sammelt die Petitionen und wertet sie statistisch

aus, verlangt auch von den örtlichen Obrigkeiten

Berichte über die öffentliche Stimmung betr. Gleichstellung

der Israeliten. So sind wir über den Umfang,

die Urheber und die Motivationen der Bevölkerung in

den meisten Orten informiert. 180

Aus dem ehemaligen Amt Rothenfels berichtet

Joseph Georg Häcker als Leiter der Königlichen Gerichts-

und Polizeibehörde. Demnach wurden aus seinem

(19 Orte umfassenden) Bezirk nur zwei Adressen

gegen die Judenemanzipation abgesandt: aus Karbach,

organisiert vom Vorsteher der Nachbargemeinde

Marktheidenfeld, und aus Pflochsbach, ausgehend

178 Zum Emanzipationsprozess und seinen Folgen für das fränkische

Landjudentum vgl. L. Scherg, Jüdische Gemeinden, S.

149-154.

179 Vgl. U. Gehring-Münzel, Würzburger Juden, S. 499-523. Dazu

Judenedikt (wie Anm. 162), hier die Anmerkungen des Herausgebers

S. 418. Erst durch Gesetz vom 26. 3. 1881 werden in

Bayern die letzten für Juden noch bestehenden persönlichen

Sonderabgaben aufgehoben.

180 Vgl. J. F. Harris, The People Speak!, bes. S. 159-187 (Regierungsbezirk

Unterfranken).

vom dortigen Pfarrer. Man verhält sich in dieser Frage

überwiegend passiv: In keiner Gemeinde giebt sich

eine günstige Stimmung für die Judenemanzipation

kund. […] Doch wird aus diesem Anlaß weder eine

Feindseligkeit gegen die Juden verübt, noch sonst die

Ordnung in irgend einer Art gestört. 181

Die Vorbehalte, soweit sie überhaupt artikuliert

werden: Man befürchtet den Aufstieg von Juden in öffentliche

Ämter. Scharfe antisemitische Töne leistet

sich hier nur der katholische Pflochsbacher Pfarrer Johann

Adolph Kraus: So lange die Kinder Israels noch

auf ihr mosaisches Gesetz, oder ihren Talmud beharren,

kann keine bürgerliche und politische Gleichstellung

derselben von den hiesigen Einwohnern

gewünscht werden; lieber eine gänzliche Entfernung

derselben aus Deutschland nach Palästina, ihrer Herkunft.

182

Es gibt keine Selbstzeugnisse, wie die Juden von

Bergrothenfels und Rothenfels diese Kämpfe empfinden

und kommentieren. Sicher ist jedoch: Sie nehmen

die endlich erlangte Gleichstellung mit allen Rechten

für sich in Anspruch, in der Kommune wie im Staat.

Bei den Gemeindeversammlungen wie bei den Landtagswahlen

sind sie – jedenfalls die volljährigen steuerzahlenden

Männer – dabei. 183

10. Leben und Arbeiten in Rothenfels

Am 10. Oktober 1817 legt Nathan Isack vor dem

Herrschaftsgericht im Amtshaus der Burg Rothenfels

den Unterthans Eid auf den König und das Königreich

Bayern ab und bekommt die begehrte erste und einzige

Matrikelstelle für die Stadt. 184 Seinen neuen Familiennamen

Heil hat er bereits 1811 angenommen, als ein

Teil des alten würzburgischen Amtes Rothenfels für

wenige Jahre zum Großherzogtum Frankfurt gehörte.

Nathan Heil ist nun 64 Jahre alt und kann einen Würzburger

Schutzbrief von 1796 vorweisen. Er ist verheiratet,

hat vier Söhne und vier Töchter, die Großfamilie

181 StAWü Regierung von Unterfranken, Präsidialakten 325 (unpaginiert).

182 Wie Anm. 181 (Rothenfelser Bericht vom 21. 1. 1850, Anlagen

vom 18. und 19. 1. 1850). Die Adresse aus Pflochsbach, heißt es

in dem Bericht, wurde allerdings vom Pfarrer ohne jeden Auftrag

selbst gefertigt und nur von wenigen Einwohnern unterzeichnet.

Johann Adolph Kraus, 1847-1886 Pfarrer in

Pflochsbach am Main, trat auch als Kirchenhistoriker hervor,

u. a. mit einer Darstellung der Benediktinerabtei Neustadt am

Main (1856).

183 StadtAR 41-3, 41-4 (undatiert). Die vorliegenden Bergrothenfelser

Urwahllisten verzeichnen als Nachweis für die Wahlberechtigung

Steuerveranlagungen bis 1865/66, es handelt sich

also um die bayerische Landtagswahl 1866. Wahlberechtigt

sind hier die Bürger israelitischen Glaubens Nathan Freudenberger,

Hille Hamburger, Abraham Heil, David Heil und Benjamin

Herrmann.

184 Den Staatsbürgereid legen Israeliten im Beisein eines Rabbiners

zunächst auf die Bibel ab. Seit 1823 werden sie generell

nach jüdischem Ritus auf die Thora vereidigt. Vgl. G. Döllinger,

Sammlung, S. 24, 286 f.


36 Winfried Mogge

ernährt sich mit Vieh- und Warenhandel. 185 Vier Jahre

zuvor ist Nathan vom Berg ins Tal umgezogen und hat

dort ein Haus erworben. Während seine Söhne David

und Abraham später wieder in das Dorf gehen und als

Landwirte und Viehhändler arbeiten, bleibt Joseph als

Handelsmann in der Stadt. 186

1825 zieht Nathan sich aus dem aktiven Geschäft

zurück; er tritt dem Sohn Joseph zur Ansässigmachung

in Rothenfels seinen Schutzbrief, die mit 600

Gulden bewertete Hälfte seines Wohnhauses und

1.200 Gulden als Heimsteuer ab und stellt weitere 600

Gulden Bargeld in Aussicht. Josephs Einbürgerung

und die Geschäftsübernahme gelingen allerdings erst

im dritten Anlauf – der Stadtrat setzt der Konkurrenz

für die christlichen Krämer hartnäckigen Widerstand

mit immer neuen Verzögerungen entgegen. 187 1831

müssen dann Nathans Erben den umfangreichen

Nachlass des Patriarchen unter sich aufteilen. 188

Die Familie Heil gewinnt dank neuer Gruppen von

Schriftquellen Profil. Das sind zum einen zahlreiche

Einträge in den Grundsteuerkatastern, die die bayerische

Regierung zur Vereinheitlichung des Steuerwesens

landesweit anlegen lässt. 189 Zum anderen ist eine

sehr spezielle Quelle zur Rothenfelser Handelsgeschichte

erhalten – das von der Stadtverwaltung geführte

Vieh-Protokollbuch, zwar nur ein Stück aus

einer ehemals längeren Reihe, aber doch fast 50 Jahre

des 19. Jahrhunderts abdeckend. 190 In solchen Viehkontraktenbüchern

werden die Verkäufe von Nutzund

Schlachttieren genau protokolliert und treten anschauliche

Details zur Wirtschafts- und Bevölkerungsstruktur

eines Ortes oder einer Region hervor. 191

Im Fall Rothenfels sind die in unregelmäßigen Abständen,

oft an zwei Terminen im Monat, abgeschlossenen

Geschäfte verzeichnet, stets mit Ort und Datum,

185 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 fol. 255 ff; vgl.

D. Rosenstock, Judenmatrikeln, S. 191.

186 Vgl. S. 43.

187 StadtAR II 9/2 (Kontraktenbuch 1818-1833, unpaginiert), 20.

10. 1825; II 2/16 (Ratsprotokolle 1818-1823), 13. 6. und 1. 8.

1819; II 2/17 (Ratsprotokolle 1823-1828), 23. 10. und 30. 11.

1823. – Seit 1819 beantragt Nathan Heil die Ansässigmachung,

Schutzerteilung und Verehelichung seines Sohnes Joseph in Rothenfels.

Der Stadtrat häuft die Bedenken: Das Haus der Familie

Heil sei als offener Laden nicht geeignet, die Höhe der

Heimsteuer nicht gewiss, Joseph habe nur bei der Landwehr

und nicht beim Militär gedient, die Zahl der Judenfamilien in

der Stadt dürfe nicht vermehrt werden, es bestehe kein Bedarf

für ein weiteres Handelsunternehmen in der Stadt. Die Genehmigung

wird schließlich auf den Handel mit Ellenwaren (Stoffen,

Tuchen) beschränkt; Joseph Heil hatte auch die Erlaubnis

für rauhe Viehhäute und andere Landesprodukte beantragt. Erst

Jahre später zahlt er in Rothenfels 15 fl Bürgereinzugsgeld;

StadtAR III 11/77 (Gemeinderechnung 1832/33) S. 143.

188 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 (unpaginiert; 19.

4. 1831); StadtAR II 9/2 (25. 10. 1831). Von 1813 bis 1829/30

zahlt Nathan Heil in Rothenfels Beisassengeld bzw. Judengeld,

1830/31 und 1832/33 stehen Nathan Heils Erben dafür ein

(StadtAR III 11/50 bis 11/77).

189 Vgl. S. 40.

190 StadtAR II 9/1 (Vieh-Protokollbuch 1814-1861).

191 Vgl. B. Weinhold, Viehkontraktenbücher, passim.

Ausschnitt aus dem Rothenfelser Kontraktenbuch:

Vertrag der Erben Nathans Heils, 25. 10. 1831.

Unterschriften: Hajum Heß (in hebräischen Schriftzeichen),

Michael Kahn, David Heil für sich und

Joseph Heil, Abraham Heil, Giedel (hebräisch)), Giedel

Heil; zur Beglaubigung: Schleicher, Vorsteher.

Angabe der anwesenden Zeugen (in der Regel des

Stadtvorstehers), Namen des Käufers und des Verkäufers,

Beschreibung des Tieres, Preis, Barkauf oder

Zahlungsziel, Nachlass nach Landes Brauch und sonstigen

Konditionen. Gekauft und verkauft werden hier

keine Herden, sondern jeweils nur einzelne Tiere:

Kühe, Kälber und Ochsen; Pferde spielen in dieser armen

Gegend als Arbeitstiere fast keine Rolle. Käufer

sind Handwerker und Bauern aus Rothenfels und den

umliegenden Orten, Verkäufer meist jüdische, aber

auch christliche Händler aus der Stadt, aus Bergrothenfels,

Karbach, Ansbach, Erlenbach, Greußenheim,

Urspringen und Laudenbach, also dem Bereich des alten

Landamtes und darüber hinaus. In der Zeit von

1815 bis 1830 ist Nathan Heil (auch mit Verwendung

seines alten Namens Nathan Isack Heil) im örtlichen

Viehgeschäft dominant. Seine Söhne David und Abraham

treten die Nachfolge an. 192

Der Viehhandel ist jahrhundertelang eine der Existenzgrundlagen

der fränkischen Landjuden, bedingt

durch ihre Ausschließung von fast allen Berufen und

192 StadtAR II 9/1 (nur teilweise paginiert).


Juden von Rothenfels 37

begünstigt durch ihre landesweiten Vernetzungen. 193

Für Rothenfels gibt es einige wenige Hinweise, die etwas

aussagen über frühere Dimensionen des Handels

und auch über Probleme bei der Ausübung dieser Arbeit.

1752 werden Hirschlein von Bergrothenfels,

Moyses von Rothenfels und Pfeuffer von Karbach

vom fürstbischöflichen Revierjäger zu Greußenheim

angezeigt, weil sie ihr Vieh zur Mast in hochfürstliche

Waldungen getrieben haben. Es handelt sich um Herden

von jeweils 60 und 30 Stück. 194 Männlein von

Bergrothenfels und seine Söhne holen sich mehrmals

Rugstrafen ab, weil sie nicht nur einzelne Tiere, sondern

auch mal 14, 15 oder 28 Stück Vieh in der Flur

weiden ließen. 195

Konkurrenzkämpfe mit den Einwohnern um Viehweiden

und Viehwege, anderenorts an der Tagesordnung,

deuten sich in Rothenfels bei den geschilderten

Bemühungen der Stadtoberen zur Ausweisung der Juden

an. Der Viehhandel, der ein besonderes Vertrauensverhältnis

der Vertragspartner erfordert und zudem

obrigkeitlich scharf kontrolliert wird, verläuft hier

weitgehend konfliktfrei; nur selten kommt es zum

Streit etwa wegen eines kranken Tieres. 196 Für den Fall

einer gerichtlichen Auseinandersetzung gibt es besondere

Eidesformeln: Der christliche Vertragspartner

schwört zu gott und seinen lieben Heiligen, der jüdische

auf Adonaÿ Ewiger allmächtiger gott ein Herr

über alle Melachim ein eintziger gott meiner Vätter,

der du uns die heilige Thora gegeben hast. 197

In anderen für Juden bislang zugänglichen Handelssparten

wird es zunehmend eng und sorgen die

christlichen Kleinunternehmer für die Ausschaltung

der Konkurrenz. Das wird deutlich bei einem Vorgang

von 1804/08, als sich zunächst Jüdlein Salomon aus

Karbach und dann sämtliche Krämer und Juden dieses

Ortes bei der nunmehr fürstlich-löwensteinischen Regierung

beschweren, weil ihnen der bisherige Seifen-,

Lichter- und Ölhandel in der Stadt Rothenfels verboten

wurde. Salomon beklagt gar den völligen Verlust

seines Einkommens. Ihm wird kühl mitgeteilt, dass die

Seifensiederei in Rothenfels als zünftiges Gewerbe

193 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 201 f; B. Rösch, Judenwege,

S. 204-221.

194 StAWt-R Rep. 26h Nr. 71.

195 StadtAR II 2/11 S. 226, 496 f, 650, 658, 662.

196 StadtAR II 2/11 S. 23.

197 StadtAR II 2/10 S. 24-26. Es handelt sich im konkreten Fall um

eine Klage des Juden Oscher aus Karbach gegen Joseph Roth

aus Rothenfels wegen eines Ochsenkaufes, verhandelt vor dem

Stadtgericht am 12. 4. 1763. Der Streit wird zugunsten von

Oscher entschieden. Wortlaut des Judeneides bei P. Kolb, Chronik,

S. 371 f Anm. 381. – Der mit drastischen Formulierungen

nicht eben sparsame Judeneid gipfelt in dem Satz über Strafen

im Falle eines unrechten oder betrügerischen Schwures: […] so

seÿe ich beraubt aller gnadten des ewigen gottes und mir werden

aufferlegt alle straffen die und fluch die gott denen Verfluchten

Judten aufferlegt hat [...].Dieser Satz hält sich noch in

der Eidesformel für Juden im Königreich Bayern: Mir sollen

auferlegt werden alle Strafen und Flüche, die Gott den verfluchten

Juden auferlegt hat. Vgl. G. Döllinger, Sammlung, Anhang

S. 9.

verfasst wurde, zu dem er als Jude nicht zugelassen

sei. 198

Der Ausschluss von der Zunftorganisation ist also

nach wie vor das erprobte Mittel, Juden von Handwerksberufen

fernzuhalten. Auch das herkömmliche

Kreditgeschäft, das ihnen so lange den Ruf und Hass

als Wucherer eingetragen hat, mussten die Juden

längst an christliche Unternehmer abgeben. In den Rothenfelser

Unterlagen ist im 19. Jahrhundert jedenfalls

keine Rede mehr von jüdischen Geldverleihgeschäften,

ausgenommen die Gewährung von Kleinkrediten

bei Viehverkäufen. Das Judenedikt von 1813 schneidet

diese und andere traditionelle Erwerbszweige ab –

und eröffnet zugleich ein weites Feld neuer Betätigungen,

das für die aussterbenden Rothenfelser Juden

aber kaum noch in Frage kommt.

Zur Erfassung der allgemeinen und bürgerlichen

Verhältnisse der Juden in Bayern lässt die Regierung,

wie bereits berichtet, 1833 umfangreiche statistische

Daten sammeln. Für die Stadt Rothenfels wird in diesem

Stichjahr nur noch eine Familie und ein einziges

jüdisches Kleinunternehmen – ein Kramhandel im offnen

Laden – gemeldet. 199 Das Bild ändert sich gegen

Ende des 19. Jahrhunderts noch einmal kurz und eher

kläglich. Ganze drei für wenige Jahre gemeldete kleine

Gewerbe haben sich hier auf Schnittwaren (Textilien)

verlegt. Die Handlung von Joseph Heil wird 1874

geschlossen, die eines Abraham Heil (nicht identisch

mit Josephs gleichnamigem Bruder) 1879, beide wegen

Todes der Inhaber und von den Witwen nicht fortgeführt.

Das Geschäft von David Grünewald endet

1887 wegen Wegzugs der Familie nach Karbach. 200

Die Lage ist eindeutig: Für jüdische Bewohner ist

dieser Ort nicht mehr attraktiv, auch eine israelitische

Kultusgemeinde hat hier keine Existenzgrundlage

mehr. 201

11. Leben und Arbeiten in Bergrothenfels

Wann die erste jüdische Familie im Dorf Bergrothenfels

ankommt, lässt sich nicht feststellen. Die für die

Stadt Rothenfels so nutzbringend herangezogenen

Zahlenwerke des 17. Jahrhunderts schweigen sich hier

aus, ebenso die Ratsprotokollbücher. Die erste bekannte

und sozusagen amtliche Nachricht stammt aus

dem Jahr 1720, aus der Auflistung aller Einwohner des

Hochstifts Würzburg anlässlich der Erbhuldigung des

Fürstbischofs Johann Philipp Franz von Schönborn.

Da wird für Bergrothenfels ein Jud Wolff genannt,

198 StAWt-R Rep. 100e Nr. 38, Nr. 47.

199 StAWü Statistische Sammlung Nr. 279. In einem zeitgleichen

Formular im selben Vorgang (Nr. 280) wird in Rothenfels überhaupt

kein jüdischer Betrieb registriert. Zutreffend ist ein Betrieb:

Joseph Heil wird für seine Handelschaft zur Steuer

veranlagt.

200 StadtAR IV 8/5, IV 8/6, II 10/3; vgl. unten S. 58.

201 Vgl. unten S. 57 f.


38 Winfried Mogge

über den sonst nichts zu erfahren ist. 202 Zehn Jahre

später werden die Namen Schlomm und Behrlein aufgeführt,

bald darauf noch Itzig. 203 Die Szene ändert

sich rasch durch Wegzug und Tod.

Die Zahl der Bergrothenfelser Juden vermehrt sich

schlagartig durch die Ausweisungen von Perlein

(1734), Männlein (1736), Moyses Berl und Nathan

Hirsch (1749/50) aus Rothenfels. 204 Als sie nicht gänzlich

fortgejagt, sondern zu gnadten noch auf den berg

transmittiret werden, behalten sie ihren Status als

Schutzjuden. 205 Im Dorf ziehen sie nicht nur ihre eigenen

Nachkommen groß, sondern auch minderjährige

Kinder verstorbener Verwandter. 206 Für kurze Zeit

(1763) tritt hier außerdem ein Schutzjude Sender oder

Sendter auf, der mit Streitigkeiten um Geld- und Holzgeschäfte

aktenkundig wird. 207

Als eine Folge des Einschnittes von 1750 bilden

die Berger ihre eigene, von den Glaubensgenossen in

der Stadt abgelöste Kultusgemeinde. 208 Diese neue

Konstellation erhellt aus einem Vorgang von 1772/73,

als es strittig um die Judenschulen in der Stadt und im

Dorf geht. 209 Zu diesem Zeitpunkt leben in Bergrothenfels

vier Familien mit Würzburger Schutzbriefen:

Schlommel (oder Schlummel), Männlein (jetzt in zweiter

Generation, auch Moises Männlein genannt) und

des letzteren Söhne Nathan und Abraham. 210 Sie alle

ernähren sich vom Waren- und Viehhandel; Schlommel

gilt als verarmt und wird von Männlein unterstützt,

alle anderen sind vermögend. Von Konflikten

mit der christlichen Bevölkerung wissen die schriftlichen

Quellen der Zeit nichts zu berichten.

Der politische Umsturz von 1802/03 und der

schrittweise Übergang der unterfränkischen Region an

Bayern macht sich selbstverständlich auch für die Juden

in Bergrothenfels bemerkbar. Das Judenedikt von

1813 gilt in den neuerworbenen bayerischen Landes-

202 StAWü Standbuch Nr. 933 fol. 519. – Die handschriftliche

Ortsgeschichte von Bergrothenfels (1913 begonnen von Volksschullehrer

Anton Göpfert), kennt nur vereinzelte Hinweise auf

Juden ohne Quellenangaben (StadtAR 43-2, S. 21). Vgl. die allgemeinen

Bemerkungen zur Stadt- und Pfarrchronik in Anm.

52.

203 StAWü Standbuch Nr. 937 fol. 1603 (1731); StAWt-R J 2 Nr. 8

(um 1731); StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (1750).

204 Vgl. S. 24-26, 67.

205 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (19. 1. 1736); StAWü Gebrechenamtsakten

VI W 292 (1751).

206 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; Anlagen 1734-36).

207 StadtAR II 2/10 S. 17-19, 28-32, 48 f, 104.

208 Vgl. S. 48.

209 Vgl. S. 48 f.

210 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2. Dazu StAWü Gebrechenamtsakten VI

W 292 (unpaginiert, 1751): Die Namen werden bestätigt durch

eine Verhandlung vor dem Oberamtmann Joseph Christian

Lochner von Hüttenbach. Der verlobte Jud Nathan hiesiger

Schutz Jud (es handelt sich wohl um den Sohn Männleins) hatte

den Stadtschultheißen zu Wertheim und einige dortige junge Juden

verklagt, die ihm bei einem Verwandtenbesuch in Wertheim

gewaltsam einen ungerechtfertigten Brautzoll abgenommen hatten.

Zu den religionsgeschichtlichen Hintergründen werden gehört:

Israël Kohn hiesiger Reba und Judten Schulmeister und

Judt Schlumel und Männlein beede Schutz Judten von Berg.

teilen erst ab 1816. Die mögliche Freude über diesen

ersten Schritt hin zur bürgerlichen Gleichstellung wird

stark getrübt durch die Einführung der Matrikeln im

folgenden Jahr, erlebt als restriktive Maßnahme zur

Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Juden. 211

Bergrothenfels bekommt nur zwei Matrikelstellen

zugeteilt. Am 10. Oktober 1817 werden deren Inhaber

auf König und Vaterland vereidigt und ihre familiären

und finanziellen Verhältnisse abgefragt und protokolliert.

Eine Kuriosität der Bürokratie: In die Liste werden

die beiden bereits verstorbenen Familienväter

eingetragen. Ihre neuen Familiennamen hatten sie

schon 1811 bei der Vereidigung auf das Großherzogtum

Frankfurt angenommen. Nathan Hirsch hieß seitdem

Nathan Herrmann und Moises Männlein wurde

zu Moises Freudenberger. Vor dem Herrschaftsgericht

erscheinen nun als Vertreter der Familien deren älteste

Söhne zur Zeremonie. 212

Isaak Nathan (Herrmann) teilt den Tod seiner Eltern

mit. Er ist 26 Jahre alt und der älteste von zwei

Brüdern und vier Schwestern. Die Familie besitzt

einen fürstbischöflichen Schutzbrief von 1773 und betreibt

Warenhandel.

Nathan Moises (Freudenberger), 30 (?) Jahre alt,

hat eine 64jährige Mutter und zwei (wahrscheinlich

unverheiratete) Schwestern im Hause. 213 Mit einem

Schacherhandel (Hausier- und Tauschhandel) ernährt

er die Familie, die einen Würzburger Schutzbrief von

1782 vorweist. Nathan Freudenberger fällt in den

nächsten Jahrzehnten auf als gewandter Sprecher der

kleinen jüdischen Gemeinde von Bergrothenfels und

Rothenfels und unerschrockener Vorkämpfer für die

Bürgerrechte seiner Glaubensgenossen.

Falls die Familien Herrmann und Freudenberger

ihre Eintragung in die Matrikeln gefeiert haben sollten,

wäre dies verfrüht gewesen. Einige Tage nach der

Zeremonie gibt es eine Korrektur durch die Königliche

Kreisregierung in Würzburg. Die alten fürstbischöflichen

Schutzbriefe, so der Befund, nun

Voraussetzung für die neue Qualität als Staatsbürger,

galten und gelten üblicherweise auch für die Witwen

der Verstorbenen, nicht aber für die Kinder. Fazit: Die

Matrikeleinträge für Nathan Hirsch (Herrmann) und

Moises Männlein (Freudenberger) werden für ungültig

erklärt, stattdessen wird allein die Witwe Giedel

Männlein (Freudenberger) eingetragen und vereidigt.

Alle anderen Angehörigen bleiben immerhin als Beisassen

im Dorf akzeptiert. 214

Die Behörden beobachten und reglementieren die

211 Vgl. R. Flade, Würzburger Juden, S. 71 f; D. Rosenstock, Judenmatrikeln,

S. 13-23.

212 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 fol. 255 ff; vgl.

D. Rosenstock, Judenmatrikeln, S. 192.

213 Demnach wäre Nathan 1787 geboren. Laut Personenstandsregister

ist er 1868 mit 84 Jahren gestorben, also 1784 geboren

(StAWü Jüdische Standesregister 114).

214 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 fol. 263 f; Stadt-

AR 311-6 ff (Jahresrechnungen 1823/24 ff).


Juden von Rothenfels 39

weitere Entwicklung der Verhältnisse der

Juden selbstverständlich auch in Bergrothenfels.

Die bereits zitierte Statistik für

das Herrschaftsgericht (das frühere Amt)

Rothenfels ergibt: Im Stichjahr 1833 leben

hier in vier Orten 38 israelitische Familien

(oder 182 Seelen), davon nur eine

in Rothenfels (drei Seelen) und drei in

Bergrothenfels (15 Seelen). In der Stadt

wird in der Zeit nur noch ein jüdischer

Handelsbetrieb registriert, im Dorf gibt

es einen selbstständigen landwirtschaftlichen

Betrieb, einen Groß- und Detailhandel

und einen Hausierhandel. 215 Die

Zahlen sind insofern irritierend, als in

Bergrothenfels weitere Familien und

Einzelpersonen zugezogen sind und geduldet werden.

Die Namen der Familienvorstände oder Beisassengeld

zahlenden jüdischen Männer im Dorf lauten zu

der genannten Zeit: Nathan Freudenberger; David

Heil; Amsel (Anschel), Benjamin, Löb (Löw, Leb) und

Oschel Hamburger sowie Benjamin, Isaak, Jakob und

Nathan Herrmann. 216 Außerdem wohnen hier einige

Waisen, Witwen und ledige Verwandte, die weder zur

politischen noch zur jüdischen Gemeinde zählen. Die

Verwandtschaftsverhältnisse gehen aus den wenigen

überlieferten Daten nicht immer hervor. 217 Zu den erklärten

Zielen der bayerischen Judenpolitik zählt es,

die Israeliten zu bürgerlichen Nahrungszweigen zu erziehen

und von dem ihnen bislang aufgezwungenen

Noth- und Hausirhandel abzubringen. 218 Die Obrigkeiten

führen auch im Amt Rothenfels genaue Aufzeichnungen

über die jährlich vergebenen Konzessionen für

215 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280; vgl. die Tabellen S. 60

und 61.

216 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 228'; Regierung von

Unterfranken Nr. 8663 (19. 4. 1831). Das volle Gemeindebürgerrecht

hat zu der Zeit in Bergrothenfels und Rothenfels nur

David Heil, der Betreiber der selbstständigen Ökonomie (das

heißt: eines landwirtschaftlichen Betriebes). Die Familien Freudenberger,

Heil, Hamburger und Herrmann sind in den Bergrothenfelser

Jahresrechnungen als Steuerzahler vielfach genannt:

StadtAR 311-5 (1822/23) bis 311-33 (1850/51), dazu auch die

Urkunden zu den Jahresrechnungen: StadtAR 312-1 (1819/20)

bis 312-13 (1833/34). – Nathan Freudenberger wird mehrmals

noch mit seinem Vaternamen Moses bezeichnet. Die jüdische

Familie Herrmann ist nicht zu verwechseln mit gleichzeitigen

gleichnamigen christlichen Familien in Bergrothenfels.

217 StAWü Jüdische Standesregister 114; dazu die Jahresrechnungen

StadtAR 311-5 bis 311-33 und die Heberegister StadtAR

IV 9/10 bis IV 9/18. Nachweisbar sind mit Hilfe der Beisassengelder

außerdem Löb Hamburgers Witwe Giedel (1835/36 bis

1848/49) und Löb Hamburgers Kinder (1849/50). – In Bergrothenfels

zahlt jeder jüdische Haushalt jährlich 4 Gulden, ab

1824/25 nach rheinischer Währung 1 Gulden 40 Kreuzer. Die

für fast drei Jahrzehnte verzeichneten Beisassen- oder Judengelder

hören generell 1851 auf. Danach ist nur noch ein jüdischer

Neuzugang (Nathan Kahn 1870) mithilfe der

Bürgeraufnahmegelder bzw. Heimathgebühren nachweisbar;

vgl. Anm. 343.

218 Zur wechselvollen Geschichte des jüdischen Hausierhandels im

Hochstift Würzburg zwischen Verbot und Zwang vgl. I. König,

Judenverordnungen, S. 53-58, 196-199.

Verhältnisse im Herrschaftsgericht Rothenfels (1822-1825)

1822/23 1823/24 1824/25

Judenfamilien im Bezirk ansässig 36 37 36

Seelen 171 178 184

Hausierpatente erteilt 21 18 14

Schulpflichtige Kinder 25 22 34

Jünglinge in Handwerkslehre 4 6 7

Jünglinge in Gesellenausbildung - - 4

Quelle: StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663

Hausierer – und erste Erfolgsmeldungen über jüdische

Lehrlinge und Gesellen in Handwerksberufen. 219 Bis

zur Umsetzung der berufsbezogenen Bestimmungen

des Edikts von 1813 soll noch viel Zeit vergehen, und

auch die Bergrothenfelser Familien werden mehrmals

ausdrücklich auf die Verbote des Hausierhandels und

der Mäckelei und Unterkäuferei verwiesen und verpflichtet.

220

Die Einschränkung traditioneller Erwerbszweige

betrifft hier freilich bald niemanden mehr – die hiesigen

Juden haben sich auf Landwirtschaft und im Sinne

der Gesetzgebung erlaubten Handel verlegt. 221 Nur die

Familien Hamburger und Herrmann handeln noch als

Reisende mit Ellenwaren (Stoffen). 222 Aus dem Rahmen

fällt Hänlein (Hille, Hila) Hamburger, der letzte

seiner Familie in Bergrothenfels, der als gelernter

219 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663; dazu auch Stadt-

AR II 8/3 S. 153. Dazu passt zeitlich und inhaltlich ein Bericht

des Pflegschaftsausschusses der Gemeindeverwaltung von

Bergrothenfels an das Fürstliche Herrschaftsgericht vom 15. 9.

1830 über die beruflichen Verhältnisse der Israelitten; gemeldet

wird ein Ackerbauer, nebenher Viehhändler [David Heil] und

ein schulentlassener Handwerker, der in Kleinwallstadt zum

Buchbinder ausgebildet wird [Hänlein Hamburger] (StadtAR

21-1 S. 686 f). – Die Hausierpatente werden jährlich gegen

Vorlage von Leumunds- und Vermögenszeugnissen überprüft

und erneuert. Bei der Konzessionserteilung gibt es zunächst

Übergangsregelungen für Familienväter, die nichts anderes gelernt

haben als den Hausierhandel. Eine kleine Statistik von

1824/25 (StAWü Statistische Sammlung Nr. 617 fol. 74) zeigt,

dass der Klein- und Kramhandel als Broterwerb der Landjuden

noch länger dominiert. Die im Berichtsjahr zur Ansässigmachung

im bayerischen Untermainkreis zugelassenen 77 Juden

sind: Händler und Krämer (22), Feldbauern (16), Metzger (11),

Seifensieder und Lichterzieher (8), Schneider (4), Tuchmacher

(3), Rotgerber (3), Schuster (2), Weber (2), Kürschner (1),

Weißgerber (1), Sattler (1), Privatlehrer (2), Vorsänger (1).

220 StadtAR 21-3 (19. 10. 1845), 24-5 (14. 11. 1855); vgl. P. Kolb,

Bergrothenfels, S. 35 f. Die Verordnungen des Landgerichts

werden jeweils der gesamten Gemeindeversammlung vorgelesen,

dann gesondert den Israeliten und von diesen im Protokollbuch

der Gemeindeverwaltung unterschrieben.

221 Vgl. S. 40.

222 StAWü Statistische Sammlung Nr. 618 (Verzeichnis der hausierenden

Juden). Die letzten Konzessionen (für Benjamin Herrmann

und Löb Hamburgers Witwe Giedel) für den

Hausierbezirk Rothenfels stammen von 1831 und 1833.


40 Winfried Mogge

Buchbinder arbeitet. 223 Mit angemeldetem Gewerbe

kommt regelmäßig der koschere Metzger Maier Freudenreich

aus Urspringen ins Dorf. 224 Erhebliche Probleme

jedoch bereiten den Behörden ortsfremde

Hausierer namentlich aus Karbach und Urspringen,

die ohne Konzession mit Schnitt- und Ellenwaaren

und überhaupt mit Waaren angeblich gegen Bestellung

auch im Rothenfelser Bezirk umherziehen; das Königliche

Landgericht droht mit Polizeiarrest und Beschlagnahme

und verpflichtet die Gemeindevorsteher

zur scharfen Aufsicht. 225

Das bayerische Edikt hat den Juden unter anderem

die (fast) freie Berufswahl und den Erwerb von Grund

und Boden eröffnet. Die Familien Freudenberger und

Heil nutzen diese neuen Möglichkeiten alsbald und

kaufen Häuser und Land vor allem in Bergrothenfels.

226

Die ersten Juden, die hier als Oeconomen – das

heißt selbstständige Landwirte – arbeiten, sind David

und Abraham Heil. David zieht 1826 von der Stadt

hinauf ins Dorf, erwirbt hier die zu der Zeit einzige

vergebene Matrikelstelle, Abraham folgt 1846.

Bergrothenfels hat sich 1822 aus dem Gemeindeverband

mit Rothenfels und Windheim gelöst und eine eigene

Kommune gebildet; der junge David Heil muss

also als erster den neuen Gemeinderat überzeugen,

dass er bereits über Haus- und Grundbesitz im Dorf

und ein beträchtliches Geldvermögen verfügt und so

alle Voraussetzungen für das Bürgerrecht nach dem

Judenedikt erfüllt. Er hat Feldgüter nicht nur angekauft,

sondern auch selbst bewirtschaftet und durch

seinen Fleiß bewiesen, daß er sich als Bauersmann

ernähren kann. 227 Der jüngere Bruder, zum Start eben-

223 StadtAR 48-5 (unpaginiert), 24. 3. 1887. Am 23. 3. 1887 stirbt

der ledige Buchbinder Hila Hamburger, geboren am 18. 10.

1814, Sohn von Löb und Giedel Hamburger (VG Marktheidenfeld,

Standesamt Bergrothenfels, Sterberegister Bd. II). Im selben

Monat werden Hänlein Hamburgers Mobilien versteigert

(StadtAR 41-45, Versteigerungs-Anzeige für den 31. 3. 1887).

224 StadtAR 48-5 (unpaginiert), 19. 9. 1889 und 26. 3. 1890 mit

Abmeldung des Gewerbes in Bergrothenfels.

225 StadtAR II 8/3. In dem Erlass vom 16. 9. 1860 heißt es: Dieser

Unfug beeinträchtigt die ordentlichen Gewerbsberechtigten

und belästigt die Einwohner, sowie auch in der Regel Uebervortheilungen

mit unterlaufen.

226 Vgl. S. 43, 45 f.

227 StadtAR 21-1, S. 547-550 (18. und 20. 10. 1826). Der Gemeinderat

hat zunächst Bedenken gegen die Aufnahme nach Bergrothenfels,

weil dadurch die Anzahl der jüdischen Familien im

Ort vermehrt wird, stellt jedoch fest, dass die Vermögensausstattung

des Antragstellers und seine Absicht, als Bauersmann

zu arbeiten, dem Sinne des Judenedikts entspricht. David Heils

Grundvermögen wird auf 1.485 fl 30 kr beziffert; es wurde ihm

vom Vater Nathan Heil als Heimsteuer übertragen. Der Pflegschaftsausschuss

von Rothenfels bestätigt, Davids Aufführung

sei undatelhaft. Vom Militärdienst wurde er 1823 dispenciert.

Ab 20. 11. 1826 ist er Bürger und Ortsnachbar von Bergrothenfels

(StadtAR 21-1 S. 163, 254 f, 548-550). 1829 plant er die

Verehelichung mit Lea Stern aus Rottenbauer (heute Ortsteil

von Würzburg), die aus ungenannten Gründen nicht zustande

kommt. Am 17. 8. 1831 heiratet er die Handelsmanntochter Rosetta

(Rosel) Stern aus Miltenberg, die 800 fl als Mitgift in die

Ehe einbringt (StadtAR 21-1 S. 163, 254 f; StAWü Jüdische

falls von der Familie mit Grundstücken und Kapital

ausgestattet, hat dann keine Mühe, die Ansässigmachung

zu erreichen. Der Gemeinderat stellt lobend

fest: Abraham Heil hat in diesem Frühjahre [1846]

mit besonderem Fleiße seinen Grundbesitz bestellt,

sich selbst thätig bewiesen, geackert gesäet etc. und

blos dabei einen Knecht beigezogen. Sein Viehstand

besteht in zwei tüchtigen Arbeitsochsen und einer

Kuh. 228

Die Brüder Heil bewirtschaften zwei benachbarte

Höfe. Systematisch erkaufen und ersteigern sie von

alteingesessenen Familien und von der Kommune

Gärten, Wiesen, Äcker und Waldstücke. Ihr umfangreicher

Besitz lässt sich dank der inzwischen eingeführten

Grundsteuerkataster genau rekonstruieren;

zum Schluss sind es insgesamt fast 160 Positionen in

der Bergrothenfelser Flur, teils in besten Lagen und

mit großen Parzellen auch aus ehemaligem Land der

Burg. 229 Im Grundsteuerkataster und im Standesregister

steht als Berufsbezeichnung der Brüder Bauer. Solche

Zeilen sollte man nicht überinterpretieren, aber

vielleicht schwingt dort die Genugtuung mit, ein Ziel

erreicht zu haben, das den Glaubensgenossen jahrhundertelang

verwehrt war.

Neben der Landwirtschaft bleibt der traditionelle

Viehhandel ein wichtiger Erwerbszweig der Bergrothenfelser

Juden. Auch für das Dorf hat sich ein Viehkontraktenbuch

erhalten, das 34 Arbeitsjahre um die

Mitte des 19. Jahrhunderts mit Namen und Daten dokumentiert.

Bis 1854 ist David Heil in diesem Geschäft

dominant, gefolgt von seinem Bruder Abraham,

doch auch andere jüdische und christliche Viehhändler

sind hier häufig aktiv. 230

Handelsmann nennt sich der mit der Familie Heil

verwandte Viehhändler Nathan Kahn, der letzte jüdische

Neuzugang im Dorf, selbst aufgewachsen in einer

geschützten adeligen Enklave in Steinbach bei

Lohr. Als er 1896 nach Lohr geht und dort das Bürgerrecht

erwirbt, endet die Geschichte des jüdischen Lebens

und Arbeitens in Bergrothenfels. 231

Standesregister 114). Der Gemeinderat protokolliert bei der (für

Juden und Christen obligatorischen) Erlaubnisprozedur: […] so

ist es gar nicht zu bezweifeln, daß Supplikant [sich] als ein

rechtschaffener Bürger ernähren würde.

228 StadtAR 21-3 (unpaginiert, 1. 5. 1846). Am 20. 10. 1847 heiratet

Abraham Heil die Weinhändlerstochter Hanna Lindheim aus

Marktsteft (StAWü Jüdische Standesregister 114).

229 StAWü GrStKat Rothenfels: Grund-, Saal- und Lagerbuch Bd.

V fol. 1091, 1094; GrStKat Bergrothenfels: Grund-, Saal- und

Lagerbuch Bd. IV fol. 1062-1105, 1171-1206; Renoviertes

GrStKat Bd. I S. 7 f, 137-145, 149-158. Die Erwerbungen der

Brüder Heil datieren laut Grundsteuerkataster von 1826 bis

1856. Ergänzende Bestätigungen für den Hausbesitz bietet das

Grundbuch der Brandversicherung, begonnen 1830 (StadtAR

40-1). Ein genaues Verzeichnis der Grundstücke lassen sich David

und Abraham Heil anlässlich einer Aufteilung des zunächst

gemeinsamen Besitzes 1845 protokollieren (StadtAR 25-4, unpaginiert).

230 StadtAR 25-3 (Protokoll über die Vieh-Contracte zu Bergrothenfels,

1840-1874). Vgl. S. 36.

231 Vgl. S. 55 f und die Stammtafel S. 70.


Juden von Rothenfels 41


42 Winfried Mogge

12. Häuser der Juden

Der Grundriss der Kernstadt Rothenfels kündet noch

von der mittelalterlichen Burgsiedlung, die heutige

Bausubstanz stammt jedoch aus nachmittelalterlicher

Zeit. Sie wird geprägt von Bürgerhäusern und Gemeinschaftsbauten

des 16. bis 18. Jahrhunderts, von

Renaissance und Barock. 232 Da ist es müßig, nach baulichen

Spuren der ersten Judengemeinde zu suchen.

Auch schriftliche Zeugnisse oder archäologische Befunde

liegen dazu nicht vor.

Einige Wohnstätten der neuzeitlichen jüdischen

Gemeinde lassen sich mit urkundlichen Nachrichten

einkreisen, aber nicht genau lokalisieren, andere in

heute noch bestehenden Anwesen wiederfinden. Aus

dem Neubeginn während des Dreißigjährigen Krieges

gibt es nach heutigem Wissensstand nur eine dürre

Mitteilung von 1646: Die Vermietung eines reparaturbedürftigen

Hauses aus dem Besitz des Rothenfelser

Julius-Spitals an einen Juden Jöstlein. 233

Eine weitere, indirekte Information – nun schon

aus der Nachkriegszeit – verdanken wir einer Urkunde

vom 14. Juli 1677. Es geht um einen Besitz der Familie

Voit von Rieneck noch aus mittelalterlicher Zeit:

ein Haus innerhalb der Rothenfelser Stadtmauern samt

Hof und Garten, dazu einige Felder und Wiesen und

Krautgärten im Umland. Anna Maria Fuchs von Dornheim,

eine geborene Voit von Rieneck, erbt diesen

Komplex – und verkauft ihn im folgenden Jahr an das

Hochstift Würzburg. Das Gebäude, und darauf kommt

es in unserem Zusammenhang an, ist an einen Juden

vermietet: Aus der Voitischen Behausung gibt der Judt

Moÿses zue Haus Zins Jehrlich 5 fl [Gulden]. 234 Zweifellos

handelt es sich um den Moÿses, der in dieser

Zeit in und um Rothenfels als Händler agiert und auch

der Jud am Mainthor genannt wird. 235

Dieses ehemalige Adelshaus lag demnach in der

Nähe des (1841 abgebrochenen) Maintores (oder

Fahrtores), durch das man zur Fähre nach Zimmern

gelangte, also unterhalb des Platzes der Kirche und

des Spitals. Von hier bis zum südlichen Stadtausgang

befand sich im Mittelalter in einem eigenen Quartier

eine Gruppe adeliger Häuser, von denen keine Reste

mehr erhalten sind. Die neuzeitliche Bebauung an die-

232 Der Stadtplan (Abbildung S. 41) ist ein Ausschnitt aus der „Uraufnahme“

von 1843 (Landesamt für Digitalisierung, Breitband

und Vermessung, München, NW.085.61c). Eine farbige Abbildung

und ausführliche Erläuterungen finden sich bei W. Mogge,

Stadt Rothenfels, S. 13 f. Die Identifikation der alten Hausnummern

erleichtert ein Häuserverzeichnis mit Konkordanz bei der

Stadtverwaltung Rothenfels. – Zur Baugeschichte von Rothenfels

vgl. A. Feulner, Kunstdenkmäler, S. 97-109; M. Petzet,

Denkmäler in Bayern, Bd. VI S. 200.

233 P. Kolb, Juliusspital-Stiftung, S. 147 (aus der Spitaljahresrechnung

1646). Vgl. oben S. 19.

234 StAWt-R US 1677 Juli 14 (Specification), US 1678 März 9

(Kaufbrief); StAWü Libri diversarum formarum Nr. 50 fol.

1273-1281. Vgl. P. Kolb, Chronik, S. 157 f.

235 StadtAR IV 3/4 S. 70, 76; vgl. Anm. 88.

ser Stelle stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert, da

sind keine Rückschlüsse auf frühere Anwesen möglich.

236

Für die jüdischen Wohn- und Geschäftshäuser der

nächsten Generationen finden sich keine direkten

Nachweise vor Ort. Der 1736 ausgewiesene Männlein

verliert bei der von den Stadtoberen betriebenen Enteignung

sein von meinen gros und Elteren etlich und

20 Jahr ruhig besessenes wohnhaus. 237 Leider nennt er

bei seiner Klage keine Namen, so dass wir nicht wissen,

wer seine Vorfahren sind, und auch die Lage des

ererbten Hauses bleibt uns verborgen. Auch das zur

selben Zeit von der Stadt eingezogene bürgerliche

Haus, das Nathan seinem Sohn Perlein vererbt hat,

lässt sich nicht lokalisieren. 238 Da die Ratsherren so intensiv

die Rückgewinnung für die angeblich oder tatsächlich

unter Wohnungsnot leidende christliche

Bürgerschaft erstreben, müssen es zwei stattliche Objekte

in zentraler Lage gewesen sein.

Über den Scandal, den ein Hauskauf der Judt Mossel

et Consorti im Stättlein verursachte, wurde bereits

berichtet. 239 Das 1585 erbaute Ochsenwirthshaus, die

heutige Gastwirtschaft „Zum Rothen Ochsen“ (Hauptstraße

67), war und ist eines der herausragenden Fachwerkhäuser

von Rothenfels. Beim Erwerb bei einer

Versteigerung im Jahr 1744 hatten die neuen Besitzer

angeblich alle christlichen Interessenten ausgestochen.

Tatsächlich wurde damals auch bei einer öffentlichen

Bürgerversammlung kein anderer Käufer gefunden. 240

Die verwandten Familien Moyses Berl und Nathan

Hirsch bewohnen es seither gemeinsam – mit regierungsamtlicher

Zustimmung. Sie können sich nicht

lange an diesem Besitz erfreuen – 1749 verlieren sie

ihn, bei ihrem erzwungenen Auszug aus Rothenfels,

nach einem Rechtsstreit um das Auslösungsrecht. 241

236 Vgl. W. Mogge, Stadt Rothenfels, S. 12-15. – Im Beth-Buch für

1752-1803 wird ein Wohnhaus die Rienecker behausung genannt

aufgeführt, Inhaber ist 1752-76 der Krämer Joseph

Schwindt, Vorbesitzer der Bäcker Michael Dauch (StadtAR II

7/2 S. 56). Wahrscheinlich ist dies eine letzte schriftliche Erinnerung

an den früheren Besitz der Voit von Rieneck.

237 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; Anlagen 1736).

238 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert; Anlagen 1736); vgl. S.

24.

239 Vgl. S. 25 f.

240 StAWt-R Rep. 65g Nr. 47 (unpaginiert, undatiert), 1749; Stadt-

AR II 2/7 S. 252 f. Vorbesitzer des Hauses ist der ehemalige

Bürger und Metzger Sebastian (Baast) Ulrich, bei dessen Ausschatzung

das Objekt verkauft wird, laut Stadtrat 600 Gulden

über dem Wert, so dass kein Bürger habe mithalten können. Bei

einer Bürgerschaftsversammlung am 16. 3. 1744 in Anwesenheit

des Oberamtmannes Philipp Emmerich Philibert von Hettersdorf

und des Amtskeller Franz Joseph Stern wird

protokolliert, dass die jüdischen Erwerber der Hochfürstlichen

Regierung für das Haus 1.800 Reichstaler bar oder 2.000

Reichstaler bei Zahlung innerhalb vier Jahren geboten hatten,

falls sich kein christlicher Liebhaber fände. Auch für ihr Angebot,

gegen 1.700 Reichstaler vom Kauf zurückzutreten, wenn

ein Bürger das Haus einlösen wolle, fand sich kein Interessent.

241 StadtAR II 2/7 S. 372-375. Neuer Besitzer des Hauses wird der

Bürger und Bäckermeister Michel Dauch. Zum Lösungsrecht

vgl. oben S. 24.


Juden von Rothenfels 43

Offensichtlich unumstritten und jahrzehntelang

wohnen Moschel (Moyses Lazarus) und sein Sohn

Mayer (Mayer Moyses) unter eigenem Dach. Im Rothenfelser

Stadtarchiv ist für die zweite Hälfte des 18.

Jahrhunderts ein Haus- und Grundsteuerbuch erhalten;

darin findet sich Judt Moÿses dahir als Hausbesitzer.

Die Eintragungen zeigen: Von 1753 bis 1795 zahlt die

Familie alljährlich die Bede. Diese Quelle nennt jeweils

die Eigentümer und die Vor- und Nachbesitzer

der Häuser oder Parzellen, kennt jedoch noch keine

Adressen. 242 Der Name des Nachfolgers, Sebastian

Uhl, führt über spätere Grundsteuerverzeichnisse zu

dem gesuchten Haus: Es ist die alte Nummer 4 (heute

Hauptstraße 14), jetzt ein Neubau, der keine Spuren

der historischen Nutzung mehr aufweist. Der Vorgängerbau,

ein schmales Fachwerkhaus mit steinernem

Untergeschoss und ausgebautem Dach, wird im

Grundsteuerkataster als Wohnhaus mit Stallung bezeichnet.

243 Hier also, am nördlichen Rand der Stadt,

lebte die Familie Moyses und befand sich das langjährige

Zentrum der jüdischen Gemeinde. 244

Eindeutig identifizierbar ist auch der uns zeitlich

schon nähergerückte Besitz der Familie Heil. Mehrere

Steuerunterlagen und Privatverträge aus dem 19. Jahrhundert

ergänzen einander und lassen einen Abschnitt

in der Hausgeschichte des Ortes hervortreten. Der Vater

Nathan Isack (alias Nathan Heil), vorher in Bergrothenfels,

hat 1813 ein Haus in Rothenfels ganz in der

Nähe des Rathauses erworben. Der Sohn Abraham

zahlt 1831 die Erbengemeinschaft aus und verkauft

das Wohnhaus zwei Jahre darauf seinem Bruder

Joseph. 245 In den Listen zur Feststellung der Steuereinnahmen

von 1810 bis 1859 erscheint Nathan, dann

Joseph mit Veranlagungen für Wohnhaus, Handelschaft

und Bürgerrecht. 246 Es handelt sich um das vormalige

Haus Nr. 15, heute Mainstraße 10: ein

mehrgeschossiges Wohnhaus mit Stall und Keller, allerdings

nicht mit einer Schaufassade zur Hauptstraße,

242 StadtAR II 7/2 S. 58. Vorbesitzer des Hauses (Name dort durchgestrichen)

ist Sebastian Alberth, der wiederum hatte das Wohnhauß

neben Hanns Jörg Völcker von Conrad Bessinger

erkaufft. 1772 wird Moschels Sohn Mayer als Eigentümer des

Hauses genannt (StAWt-R Rep. 5g Nr. 2).

243 Erster Nachbesitzer des Hauses ist Sebastian (Bast) Uhl. Er

zahlt Steuern von seinem Wohnhaus von Meier Moses Bekommen;

das Beth-Buch nennt hier ausnahmsweise keine Daten

(StadtAR II 7/2 S. 58, 348). Auf Sebastian Uhl folgen ab 1834

mehrere Mitglieder der Büttnerfamilie Uhl, ab 1852 wechselnde

Besitzer (StadtAR II 7/4 S. 260 ff, II 7/5 S. 41, II 7/6 unpaginiert;

StAWü GrStKat Rothenfels: Grund- Sal- und Lagerbuch

Bd. I). – Die Familie Uhl besaß in Rothenfels mehrere Häuser,

darunter das mit Philipp Uhl Küferei bezeichnete Haus Nr. 84,

jetzt Hauptstraße 39 (freundliche Mitteilung von Hellmuth

Harth, Rothenfels).

244 Vgl. S. 48, 53.

245 StadtAR II 7/5 S. 33; II 9/2, 20. 10. 1825, 25. 10. 1831, 3. 12.

1833.

246 StadtAR II 7/4 S. 453; II 7/5 S. 33; II 7/6 Haus Nr. 15; II 7/7 S.

178; StAWü GrStKat Rothenfels: Grund- Saal- und Lagerbuch

Bd. I fol. 98; Renoviertes GrStKat S. 30. Dazu gehört ein

Grundstück Rain ober der Ziegelhütte. In den Quellen für 1810

wird das Haus als Nr. 12½ bezeichnet und die Nr. 15 nachgetragen.

Im Schatzungs-Lagerbuch ist Michel Scheiner als Vorbesitzer

genannt, im Renovierten Grundsteuerkataster eine

Umschreibung auf Andreas Schüppert nachgetragen. – Vgl.

dazu den Stadtplan in der „Uraufnahme“ von 1843 (Abbildung

S. 41), der noch Hofraum und Stallgebäude zeigt. Der Zugang

vom Gässchen aus zum Keller des Wohnhauses hat ein rundbogiges

Sandsteingewände, zeigt aber keine Spuren der früheren

jüdischen Bewohner des Hauses.


44 Winfried Mogge

Oben: Rothenfels, Blick von der Mainseite auf das

Julius-Spital. In der Lücke vorn standen Häuser auf

dem Stumpf der Stadtmauer und das Maintor.

Mitte: Hauptstraße Richtung Norden, Aufnahme

von 1942 bei beginnendem Hochwasser. Auf der rechten

Seite das letzte Haus mit hohem, ausgebautem

Giebel ist Hauptstraße Nr. 14 (ehemals Haus Nr. 4).

Unten: Dieselbe Ansicht in neuer Aufnahme. Der

Neubau mit schmuckloser Fassade und glattem Dach

ersetzte das alte Haus Nr. 4.

Oben: Rothenfels, mainseitige Häuserzeile. In der

Mitte Mainstraße Nr. 10 (ehemals Haus Nr. 15), rechts

davon der Eingang zum „Judenwinkel“.

Mitte: Der „Judenwinkel“, Durchschlupf zwischen

den Häusern Hauptstraße Nr. 26 und 28.

Unten: Nördlicher Stadtausgang, im Hintergrund

auf dem Berg die Burg und das Amtshaus. Das mittige

Haus Hauptstraße Nr. 25 (ehemals Haus Nr. 95) steht

linksseitig auf dem Stumpf der Wehrmauer zur Burg,

also bereits außerhalb der Kernstadt.


Juden von Rothenfels 45

sondern mit einem Giebel zur Mainseite und dem Eingang

im schmalen Durchschlupf zwischen den alten

Hausnummern 12 (heute Hauptstraße 26) und 14

(Hauptstraße 28). Just dieser Durchgang trug ehemals

den Namen Judenwinkel oder, in der heutigen Erinnerung

alter Einwohner, Jüdewinkel oder Judengasse. 247

Zur aktuellen Situation: Während die beiden Vorderhäuser

schön verzierte Fassaden mit Handwerkerzeichen

und der Jahreszahl 1753 über den Türen zeigen,

sind die auf den Stümpfen der Stadtmauer aufsitzenden

Hinterhäuser völlig schmucklos. Miteinander

zwar verbunden, bilden Vorder- und Rückgebäude derzeit

wie ehedem getrennte Wohneinheiten.

Der Familie Heil gehört in Rothenfels ein zweites

Haus: die alte Nr. 95 (heute Hauptstraße 25), ein äußerlich

unscheinbares Gebäude, auf der bergseitigen

Stadtmauer aufsitzend, neben dem damals schon verschwundenen

Obertor außerhalb der Altstadt gelegen.

Der Immobilienbesitz der Familie in der Stadt kommt

bei Hanna Heil zusammen, der Witwe des jüngsten der

Brüder Josef, David und Abraham. Die verkauft die

Häuser schließlich an christliche Bürger. 248 Zuvor hat

der jüdische Kaufmann David Grünewald, verheiratet

mit Fanny Heil, einer Tochter von Abraham und Hanna

Heil, das Haus Nr. 95 einige Jahre lang besessen

und bewohnt. 249

In Bergrothenfels lassen sich sechs jüdische Wohnstätten

identifizieren. 250 Aus den schriftlichen Quellen

geht nicht hervor, wo die ersten Generationen lebten.

Mittelpunkt der kleinen, 1750 gebildeten Kultusgemeinde

ist das Anwesen der Familie Männlein. Im

Grundsteuerkataster wird es als Haus Nr. 56 ausgewiesen,

als Wohnhaus mit Keller, Stallung und Hofraum,

und so ist es auch in der „Uraufnahme“ von 1843

sichtbar. Dazu gehören einige in der Dorfflur verstreute

Gärten und Äcker. 251 Heute steht an der Stelle

(Bergrothenfelser Straße 30) ein zur Unkenntlichkeit

der historischen Substanz modernisiertes, mit dem früheren

Nachbarhaus zusammengelegtes Gebäude, die

ehemalige Bäckerei und Gaststätte „Berger Stuben“.

247 StadtAR IV 3/4 S. 101. Nach einem späteren Besitzer des Hauses

Mainstraße 10, Oswald Scheeb, heißt der Durchgang auch

Scheebsgasse (freundliche Hinweise von Hans Walter, Rothenfels).

248 StAWü GrStKat Rothenfels: Renoviertes GrStKat S. 21 (1876:

Nr. 15 verkauft an Andreas Schüppert), S. 182 (1887: Nr. 95

verkauft an Georg Gerhard).

249 StadtAR II 10/3 (unpaginiert, 15. 8. 1887; dort heißt es Nr. 85,

wohl ein Schreibfehler); II 10/4 (unpaginiert, 4. 8. 1885; dort

heißt es Nr. 95). Im Heberegister für 1883 wird David Grünewald

mit Grundsteuer für Haus Nr. 95 aufgeführt (StadtAR IV

9/8). In den Standesamtsregistern wird wechselweise Nr. 91

und 93 genannt (VG Marktheidenfeld, Standesamt Karbach,

Heiratsbuch Bd. I, Sterbebuch Bd. I).

250 Vgl. die Einzelnachweise Anm. 251-261; dazu StadtAR 40-16

(Brandversicherung). Die alten Hausnummern finden sich in

der „Uraufnahme“ von 1843 (Landesamt für Digitalisierung,

Breitband und Vermessung, München, NW.085.62d).

251 StAWü GrStKat Bergrothenfels: Grund-, Saal- und Lagerbuch

Bd. V fol. 1427-1432; Renoviertes GrStKat Bd. I S. 10 sowie S.

205 f.

Oben: Bergrothenfels, Bergrothenfelser Straße 30

und 32. Das mehrfach modernisierte ehemalige Haus

Nr. 56 (links) war Wohngebäude und Mittelpunkt der

jüdischen Gemeinde.

Mitte: Bergrothenfelser Straße 45 und 43. Links

das ehemalige Haus Nr. 14, rechts die Alte Schule.

Unten: Zum Alten Herrgott 14 (ehemals Haus Nr.

40). Hier und zwei Häuser weiter am nordwestlichen

Ortsausgang befanden sich die Bauernhöfe der Familie

Heil.


46 Winfried Mogge

Beispiel für die

Rothenfelser Haus- und

Grundsteuerbücher:

Ausschnitt aus dem Bede-

Buch 1752 bis 1803,

Eintragungen für Familie

Moyses 1753 bis 1795.

Rechte Seite:

Bergrothenfels,

Ausschnitt aus der

„Uraufnahme“ von 1843.

Die Dorfstraße endet rechts

vor dem Eingang zur Burg.

Die Häuser der Juden

liegen verstreut in der

Ortsmitte und am

westlichen Rand.

Der 1736 aus der Stadt Rothenfels ausgewiesene

Männlein hat dieses Anwesen wohl gleich bei seinem

erzwungenen Übergang in das Dorf bezogen. Zunächst

bewohnt er das Bürgerhaus gemeinsam mit seinem

Glaubensgenossen Schlommel und Wand an

Wand mit der christlichen Familie Johann Aulenbach.

Hier richten die Berger alsbald ihren Betraum ein, was

noch ein strittiges Thema sein wird. 252 1772 zerstört

ein Brand das Haus, die Familie Männlein baut es

wieder auf. 253 1820 kommt es – nun in der dritten Generation

– an Nathan mit dem neuen Namen Freudenberger.

254

1763 wird ein weiterer Hauskauf aktenkundig: Der

christliche Bürger Johann Germann übereignet sein

Wohnhaus dem Juden Nathan Hirsch. 255 Drei Generationen

lang wohnt hier die Familie Hirsch, ab 1811 mit

dem neuen Namen Herrmann; es handelt sich um die

alte Nr. 59 (an der Stelle der heutigen Bergrothenfelser

Straße 32). 256 Hier hat zuvor der Schutzjude Sender

zur Miete gelebt, der sich beim Besitzerwechsel eine

neue Bleibe suchen muss. 257

252 Vgl. S. 48 f.

253 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (unpaginiert). Auch die Nachbarhäuser

von Johann Aulenbach und Michel Abt werden ergriffen und

beschädigt; die Brandversicherung (Feuer- und Brandgewehrungsanstalt

des Hochstifts) erstattet wegen fahrlässiger Brandstiftung

nur einen Teil des Schadens.

254 StAWü GrStKat Bergrothenfels: Renoviertes GrStKat Bd. I S.

205 f.

255 StadtAR II 2/10 S. 17-19.

256 StAWü GrStKat Bergrothenfels: Renoviertes GrStKat Bd. I S.

212; StadtAR 23-11, 40-1.

257 StadtAR II 2/10 S. 17-19.

Anfangs und Mitte des 19. Jahrhunderts wird die

Familie Hamburger in Bergrothenfels als Hausbesitzer

aktenkundig. Ihr gehört das kleine Anwesen Nr. 23

(Bergrothenfelser Straße 21), erworben 1825. 258

Die wirtschaftlich erfolgreichsten jüdischen Einwohner

des Dorfes stammen aus der Familie Isack,

seit 1811 mit neuem Namen Heil. Dem Vater Nathan

gehört seit ungenannter Zeit in Bergrothenfels, wo er

bis 1813 wohnt, das Häuschen Nr. 14 (Bergrothenfelser

Straße 45), gleich neben dem ersten Schulgebäude.

259 Seine Erben veräußern es an einen christlichen

Bürger. 260 Nathans Söhne, die tüchtigen Brüder David

und Abraham, erwerben zwei nebeneinander liegende

Höfe am nordwestlichen Ortsausgang: die damaligen

Häuser Nr. 40 (Wohnhaus mit Keller, Stallung, Scheuer

mit Stallung und Holzhalle, Hofraum) und Nr. 42

(Wohnhaus, Backofen mit Keller, zwei Stallungen,

Scheuer mit Keller und Hofraum), alles umgeben von

Baum- und Gemüsegärten. 261 Heute befinden sich hier

258 StAWü GrStKat Bergrothenfels: Renoviertes GrStKat Bd. I S.

61; StadtAR 40-1.

259 StadtAR II 9/2 (unpaginiert), 25. 10. 1831. Die Lagebeschreibung

in dieser Quelle lautet: neben dem Schulgebäude und Georg

Weyrich, im Grundbuch der Brandversicherung (StadtAR

40-1): Haus Nr. 14, alte Plannummer 43.

260 StAWü GrStKat Bergrothenfels: Renoviertes GrStKat Bd. I S.

41 f; StadtAR 40-1. Im Grundbuch der Brandversicherung, begonnen

1830, werden als Besitzer genannt: Nathan Heils Erben

und Johannes Klopf, zur Zeit Johann Roth.

261 StAWü GrStKatRothenfels: Grund-, Saal- und Lagerbuch Bd. V

fol. 1091, 1094; Renoviertes GrStKat S. 30, 38, 41; GrStKat

Bergrothenfels: Grund-, Saal- und Lagerbuch Bd. IV fol. 1062-

1105, 1171-1206; Renoviertes GrStKat Bd. I S. 137-158.


Juden von Rothenfels 47

(Zum Alten Herrgott 14 und 18) neuere oder stark renovierte

Wohnhäuser, im Hintergrund noch alte

Scheunen oder Ställe.

Der letzte Bergrothenfelser Jude Nathan Kahn

zieht – wahrscheinlich im Zusammenhang mit seiner

Hochzeit im Jahr 1871 – in das Anwesen seines

Schwiegervaters David Heil (Haus Nr. 40). Er kauft

einen Garten und einen Acker dazu, betreibt aber keine

Landwirtschaft mehr. 262

Es gibt auch andere, auswärtige Juden, die Häuser

und Grundstücke in Bergrothenfels erwerben, vor allem

Joseph Adler I (1852) und Löb Adler (1855) aus

Urspringen, Benjamin Bernay (1855) aus dem nahegelegenen

Amtsdorf Karbach. Doch keiner von ihnen

siedelt sich hier an, die Objekte werden jeweils bald

wieder verkauft. 263

Bei den An- und Verkäufen von Immobilien wird

mehrmals die (katholische) Witwe Margaretha Hirschlein

genannt, die trotz dieses Namens keine verwandtschaftlichen

Beziehungen zu den jüdischen Familien

hat. Sie erbt von ihrem Mann, dem Steinhauer Johann

Hirschlein, Grundbesitz (1839) und kauft von Löb Adler

ein bäuerliches Haus mit Ställen und Gemüsegarten

(1855); ein anderes ihrer Grundstücke wird später

auf Nathan Kahn umgeschrieben. 264

Mit dem Tod von Hänlein Hamburger in Bergrothenfels

(1887) und dem Verkauf des letzten Hauses

der Familie Heil in Rothenfels (1887) endet hier die

Geschichte jüdischer Hauseigentümer. Gegen Ende

des 19. Jahrhunderts befinden sich sämtliche Wohnstätten

jüdischer Familien im Besitz christlicher Einwohner.

265 Keiner der Erben ist hier geblieben.

262 StAWü GrStKat Bergrothenfels: Renoviertes GrStKat Bd. I S.

61, 137 ff, 149 ff; StadtAR 48-5 (unpaginiert), 4. 4. 1884, 30. 3.

1888, 31. 12. 1893, 27. 12. 1896; StadtAR 21-6, S. 157 (21. 6.

1896). In den Gewerbeunterlagen wird Nathan Kahn als Viehhändler

und Makler geführt. Das Land in Bergrothenfels hat er

aus dem Besitz der Witwe Margaretha Hirschlein übernommen.

263 StAWü GrStKat Rothenfels: Grund-, Saal- und Lagerbuch Bd.

V fol. 1475, 1480, 1490; GrStKat Bergrothenfels: Grund-, Saalund

Lagerbuch Bd. I S. 199-202, Bd. II S. 346 f, Bd. III S. 774,

Bd. IV S. 935 f, 977. – Das Judenedikt von 1813 (§ 16) untersagt

Juden den Kauf von Häusern und liegenden Gütern, wenn

sie nicht zur eigenen Bewohnung und Bebauung, sondern zum

Wiederverkauf erworben werden. Ausnahme: Erwerb bei öffentlichen

Versteigerungen und in Konkursfällen. Davon haben die

auswärtigen jüdischen Käufer in Bergrothenfels offensichtlich

Gebrauch gemacht.

264 StAWü GrStKat Rothenfels: Grund-, Saal- und Lagerbuch Bd.

XIII fol. 3690; GrStKat Bergrothenfels: Grund-, Saal- und

Lagerbuch Bd. III S. 668, Bd. V S. 1475; Renoviertes GrStKat

Bergrothenfels Bd. I S. 27, 213, 935 f. Es handelt sich um das

damalige Haus Nr. 60, ein Hinterhaus zur Dorfstraße, nahe dem

heutigen Neubau Bergrothenfelser Straße 32. – Im Grundsteuerkataster

heißt es mehrmals fälschlich Anna Maria Hirschlein,

sie selbst unterschreibt Margreta Hierschlein.

265 In einem undatierten Verzeichnis der Brandversicherung (nach

1875) für Bergrothenfels wird nur noch Hinlein Hamburger

(Haus Nr. 23) als Hauseigentümer genannt. Haus Nr. 14 gehört

Johann Roth, Nr. 40 Anna Greß, Nr. 42 Anton Emmerich, Nr.

56 Friedel Tannenwald, Nr. 59 Karl Ambros Roth (StadtAR 40-

16). Haus Nr. 40 wurde zunächst noch von David Heil (+ 1877)

auf die Witwe Rosetta Heil (+ 1889) umgeschrieben (StAWü

Renoviertes GrStKat Bergrothenfels Bd. I S. 7, 137).


48 Winfried Mogge

13. Streit um die Synagoge

Einen gemeinschaftlich genutzten Raum wird es in

Rothenfels seit Beginn der neuzeitlichen Judengemeinde

gegeben haben. Aktenkundig wird er zum ersten

Mal im Jahr 1750. Es ist die Zeit der erzwungenen

Abwanderung einiger Familien aus der Stadt in das

Dorf. Bei der Gelegenheit spaltet sich die Gemeinde

nicht nur organisatorisch: Sie zerstreitet sich fast zweieinhalb

Jahrzehnte lang an der Frage, in welchem

Ortsteil die legitime Synagoge liegt und künftig sein

soll.

Zunächst einmal können beide Parteien ihre eigene

Judenschule behaupten. So nämlich nennt man in Rothenfels

wie überhaupt in Deutschland seit dem Mittelalter

den Raum, in dem nicht nur Gottesdienst

gefeiert und gemeinsam gebetet, sondern auch Versammlung

und religiöse Unterrichtung gehalten

wird. 266 In der Stadt wie im Dorf handelt es sich nicht

um eine förmliche oder offene Synagoge, das heißt

einen eigenen Bau nach dem Vorbild der großen jüdischen

Gemeinden, sondern jeweils um eine zu diesem

Zweck hergerichtete Stube in einem privaten Wohnhaus.

267

Die Stadt-Schuhl, so heißt es in den Schriftquellen,

besteht schon von denen Zeiten her, wo der erstere

Jud die Stadt Rottenfels betretten. 268 Ein genauer

Standort wird nirgends benannt. Zum Zeitpunkt des

zitierten Streites zwischen den Stadtjuden und den

Bergjuden befindet sich der Bet- und Versammlungsraum

im Anwesen des Moschel (Moyses Lazarus) und

seines Sohnes Mayer (Mayer Moyses), das sich als

Haus Nr. 4 (heute Hauptstraße 14) identifizieren

lässt. 269 Die Berg-Schuhl wird 1750 in dem bereits genannten

Wohnhaus der Familie Männlein in einer kleinen

Stube oder Ercker oben untern Dachstuhl

eingerichtet, mit einem Almemor, dem Podest in der

Raummitte, das einen Stuhl (Gestell) zum Auflegen

der Schriftrollen trägt, und einem Hakodesch, dem

Thoraschrein zur Aufbewahrung der heiligen Schriften.

270 In derart bescheidenen Verhältnissen also halten

die Rothenfelser und Bergrothenfelser Juden ihre Ceremonien

ab. Beide Häuser sind durch Um- und Neubauten

ersetzt und zeigen keine Spuren ihrer

damaligen Verwendung mehr.

Als die Berger ihre Schul einrichten, protestiert der

266 Jüdisches Lexikon, Bd. III Sp. 444 f.

267 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (unpaginiert; Auseinandersetzungen um

die Synagogen 1772-74 mit Kopien aus 1750 und 1762).

268 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Bericht 6. 10. 1773).

269 Vgl. S. 43.

270 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Bericht 31. 5. 1772). Der katholische

Amtskeller Papius missversteht die hebräischen Begriffe Almemor

zu Allmemmer und Hakodesch zu Onagotesch. Er erläutert

seinen Bericht an die fürstbischöfliche Regierung über die Einrichtung

der Schuhl in Bergrothenfels: Verständtiglich den stuhl

in der Mitte worauf die Geschriebenen 10 Gebott Geleget und

abgeleßen, dann Eine Aufbehaltnus sothaner 10 Gebotten in

Form eines Tabernackels.

Städter Moschel heftig gegen diese Transferirung. Der

Oberamtmann in Rothenfels, der Judenamtmann der

Würzburger Regierung und der für innerjüdische Konflikte

als Richter zuständige Rabbiner von Heidingsfeld

werden mit dem Streit befasst und bringen knapp

vor der gerichtlichen Auseinandersetzung einen Kompromiss

zustande: Die Mitglieder der bisher einen Gemeinde

sollen abwechselnd die Beträume in der Stadt

und im Dorf zur gemeinsamen Zeremonie aufsuchen.

Der Vergleich wird von beiden Seiten nicht eingehalten.

271

Am 24. April 1772 wird die Judenschule auf dem

Berg durch einen nächtlichen Brand zerstört. Nach einer

Osterfeier, so das Untersuchungsergebnis, wurde

vergessen, eine Kerze zu löschen. 272 Als die Familie

Männlein das Haus wieder aufbauen möchte, türmen

sich zunächst gleich mehrere Hindernisse auf. Zum

einen wollen die Bergrothenfelser Mitglieder des

Stadtrates die Baugenehmigung durch das fürstbischöfliche

Landamt verhindern. Zum anderen meldet

sich der Rothenfelser Glaubensgenosse Moschel mit

neuerlichem Einspruch gegen das nach seiner Darstellung

von Anbeginn illegale Projekt der abtrünnigen

Bergjuden. Offensichtlich verzichtet er nur schwer auf

seine bisherige Rolle als Mittelpunkt und wohl auch

Sprecher der kleinen Gemeinde.

Nun gerät der Vorgang in die Hände der Bürokratie.

Brandversicherung, Rothenfelser Amt und Würzburger

Regierung stellen zunächst und generell die

rechtliche Grundlage beider Beträume in Frage. Hat es

dafür jemals eine regierungsamtliche Konzession gegeben,

und haben die Juden dafür jemals eine Abgabe

gezahlt? Die Betroffenen verteidigen geschickt ihre

Ansicht, mit der Zuteilung der Schutzbriefe hätten sie

auch das Recht erworben, private Betstuben zur Ausübung

ihrer religiösen Zeremonien auszustatten, so

wie das in allen kleinen Gemeinden im Hochstift üblich

sei. Der juristisch versierte Amtskeller Johann

Wilhelm Cyriacus Papius (1759-1783) rät der fürstbischöflichen

Regierung, den Rothenfelser Juden gegen

Zahlung einer jährlichen Recognition den Betrieb einer

Schule zu gestatten, angesichts der geringen Zahl

der Gemeindeglieder aber nur einer einzigen für beide

Ortsteile, und den Betroffenen die Wahl des Standortes

zu überlassen.

Der sich über fast zwei Jahre und zahlreiche Sitzungstage

in der Rothenfelser Amtskellerei hinziehende

Konkurrenzkampf soll hier nicht weiter referiert

werden; er wird mit erstaunlicher Schärfe zwischen

271 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Protokolle und Briefe 1750, 1762 und

1772). Der Vergleich vom 31. 5. 1750 besagt, dass die Bergrothenfelser

jeweils ein halbes Jahr in die Stadt, die Rothenfelser

ein dreiviertel Jahr in das Dorf gehen sollen. Der gemeinsame

Schulmeister soll abwechselnd zwei Jahre im Dorf und ein Jahr

in der Stadt wohnen. Am 20. 8. 1762 mahnt Judenamtmann Georg

Friedrich Zehner unter Strafandrohung die Einhaltung des

außergerichtlichen Vergleichs an.

272 Vgl. Anm. 253.


Juden von Rothenfels 49

Rothenfels, Blick über

die Hauptstraße von

Norden nach Süden auf

die Kirche, in der Bildmitte

links der Giebel

des Rathauses.

Die 1928 oder kurz

darauf entstandene

Aufnahme zeigt fast unverändert

die Situation

zur Zeit der jüdischen

Gemeinde.

den beiden Familien in der Stadt und den vier Familien

im Dorf ausgetragen. Dabei ist allen Beteiligten bewusst,

dass keiner der beiden Orte allein für sich die

von den Religionsgesetzen vorgeschriebenen zehn

Männer für einen Gottesdienst zusammen bekommt.

Während man im allgemeinen keine Mühe scheut, diese

Zahl zu erreichen, werden nun die Unzumutbarkeit

des Weges zwischen Stadt und Dorf und das hohe Alter

je eines Gemeindemitglieds als Hindernis für die

Einigung vorgetragen. Das Zerwürfnis scheint jedoch

tiefer zu sitzen und ist von den direkt Beteiligten nicht

zu heilen. Die Regierung des Fürstbischofs Adam

Friedrich von Seinsheim (1755-1779), von den Streitparteien

mit Darstellungen und Gegendarstellungen

traktiert, entscheidet als letzte Instanz per Dekret für

die Wiederherstellung der Schule in Bergrothenfels

und die Schließung der Einrichtung in Rothenfels. 273

Eine versöhnliche Geste folgt zum Schluss: Solange

der alte Moschel (Moyses Lazarus) noch lebt, darf

er den Betraum in seinem Haus behalten und sollen

die beiden Gemeindeteile ihre Einrichtungen wechselweise

und gemeinsam aufsuchen. Da kein weiterer

Streit in dieser Sache mehr aktenkundig ist, dürfte dieser

Kompromiss von allen akzeptiert worden – und

Moyses Lazarus bald darauf verstorben sein.

Der Moderator des Verfahrens, der Amtskeller Papius,

von der Hartnäckigkeit der Streitparteien spürbar

entnervt, bringt übrigens den entscheidenden Aspekt

in die Diskussion ein: Er fragt, an welchem Standort

die Synagoge das geringere Übel sei. In Rothenfels,

schreibt er, liegt die Schuhl […] im Städtlein, wo das

Juden Ceremonieweeßen verdrüßlich anzuhören, und

je zuweilen das Sacratissimum vorbeÿ und in die

273 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Protokolle, Briefe und Dekrete 1772-

74).

neben Haüßer getragen wird. Auf dem Berg hingegen

befindet sich das Anwesen so zu sagen am Endte des

Orths. 274 Die Fürstliche Hofkanzlei übernimmt das Argument

und verfügt zugunsten von Bergrothenfels,

weilen die Jüdische Feÿer in der stadt dem alldasigen

Christlichen gottes dienst mehr zur stöhrung und ärgerniß,

alß in dem sogenannten Rotenfelß auf dem

berg, welches nur ein Dorf, und ohne Kirche seÿe, gereichen

könne. 275

Der Vorgang dokumentiert zugleich die geradezu

paranoide Furcht der katholischen Obrigkeiten vor Berührungen

ihrer Untertanen mit der anderen Religion,

die sich im Hochstift Würzburg auch in Geboten zur

Fernhaltung der Juden von Kirchen und Prozessionen

und zu Kontaktverboten an Sonn- und Feiertagen ausdrückt.

276

Die Entscheidung über den Standort der Schule

bleibt künftig unangefochten. 1817, in einem Bericht

des Königlichen Herrschaftsgerichts Rothenfels an die

Kreisregierung über Die Verhältniße der Jüdischen

Glaubens Genoßen heißt es: Hiemit wird zugleich die

unterthänigste Anzeige verbunden, daß zu Bergrothenfels

ein jüdisches Bethaus bestehe, zu deßen Errichtung

die Concession von der vormals Fürst-

Bischöflich Würzburgischen Regierung unterm 5 ten

Oct. [richtig: 8. Oktober] 1773 ertheilt worden ist. 277

Und die bayerische Kreisregierung bestätigt: Was das

274 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Bericht 22. 9. 1773).

275 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Protokoll 8. 10. 1773). Das Argument

der Störung des christlichen Gottesdienstes ist weit hergeholt:

Das Anwesen der Familie Moyses (Haus Nr. 4 = Hauptstraße

14) liegt an der Nordspitze der Stadt, die jüdische Feier kann

von hier die Kirche akustisch nicht erreichen.

276 Vgl. I. König, Judenverordnungen, S. 175-178, 221-223, 299 f.

277 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 (Bericht 11. 10.

1817).


50 Winfried Mogge

jüdische Bethaus zu Bergrothenfels betrifft, so wird

die fernere Benutzung desselben den Juden gestattet,

jedoch dörfen sie ohne Höchste Erlaubniß kein neües

errichten. 278

Knapp vier Jahrzehnte später steht die Synagoge

erneut im Mittelpunkt einer juristischen Auseinandersetzung.

Nun wehrt sich die Judenschaft zu Stadt- und

Bergrothenfels einmütig gegen die Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Rosenbergische

Standes-Herrschaft,

die zwar die Souveränität über ihre Länder verloren

hat, aber ihre alten Einkünfte aus der Grundherrschaft

zäh verteidigt. Hintergrund sind die politischen Veränderungen

im Königreich Bayern in der Revolutionszeit

um 1848, in unserem Zusammenhang die

Ablösung des mittelalterlichen Systems der Grundlasten

durch eine einheitliche Besteuerung. 279

Das löwensteinische Rentamt in Neustadt behauptet

nun, die Rothenfelser Juden müssten seit unvordenklichen

Zeiten einen jährlichen Recognitionszins

von zwei Gulden für die Errichtung ihrer Schule in einem

eigenen Gebäude in Bergrothenfels zahlen. Die

Betroffenen weigern sich bereits seit 1847, die durch

die Zeitläufte überholte und rechtlich nicht mehr begründete

Abgabe zu entrichten. Das Rentamt reicht

1853 eine Besitzklage ein – und verliert in drei Instanzen,

weil die Beweismittel nicht ausreichen, einen

Rechtsanspruch auf das eingeforderte Gefälle zu begründen.

280

Dem Prozess verdanken wir eine knappe Beschreibung

der Bergrothenfelser Judenschule. Der Aschaffenburger

Bauinspektions-Ingenieur Konrad Götz gibt

nach einer Ortsbesichtigung als Zeuge zu Protokoll:

Das fragliche Lokale der Judenschule, welches nur

zum Zwecke der Abhaltung des Gottesdienstes dient,

befindet sich in einem auf dem Satteldache des fragli-

278 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 (Brief 7. 11.

1817).

279 Vgl. W. Mogge, Dies uralt Haus, S. 90, 385 Anm. 374 und 375.

280 StAWt-R Lit. B Nr. 2913 und 2914. Der Rechtsstreit zieht sich

von der ersten Klage vom 13. 3. 1853 bis zum Schlussurteil

vom 27. 6. 1859 hin. Die Urteilsbegründungen des Königlichen

Landgerichts Rothenfels (16. 4. 1855), des Königlichen Bezirksgerichts

Aschaffenburg (4. 1. 1859) und des Königlichen

Appellationsgericht von Unterfranken und Aschaffenburg (27.

6. 1859) in Kurzform: Das vom Kläger als einziges Beweismittel

vorgelegte Dekret der damaligen fürstbischöflichen Regierung

vom 8. 10. 1773 beinhaltet das Recht zur Haltung einer

Judenschule. Als Anerkennung für diese Erlaubnis wurde der

Judenschaft eine jährliche Abgabe auferlegt. Die Standesherrschaft

begründet ihre Forderung als Gefälle auf ein bestimmtes

Gebäude oder Grundstück und liegt damit falsch. Die Forderung

ist auch nicht im Grundsteuerkataster eingetragen und

schon deshalb nicht weiter geltend zu machen. Die bisherigen

Zahlungen erfolgten wegen der Judenschule, nicht auf diese.

Die alte Bezeichnung Rekognition beinhaltet kein dingliches

oder persönliches Recht. Ein vielleicht zu behauptender Rechtsanspruch

der Grundherrschaft aus den von 1774 bis 1846 gezahlten

Abgaben ist durch das bayerische Ablösungsgesetz vom

4. 6. 1848 erledigt. – Das Appellationsgericht weist schließlich

die erneute Revision zurück, weil der Anwalt der Fürstlichen

Verwaltung weitere Begründungen oder Beweismittel zu spät

einreicht (27. 6. 1859).

chen Gebäudes vor etwa 30-40 Jahren erbauten Erkervorsprunge,

zu welchem eine sehr steile und unbequeme

hölzerne Stiege führt. Weder die Bauart dieses

Erkervorsprunges, welch letzterer aus Riegelfachwerk

besteht, noch die in sehr schlechtem Zustande befindliche,

mit schmalen Trittbrettern versehene Stiege lassen

erkennen, daß dieser Theil des Gebäudes, sowie

der übrige größere Theil des Hauses deßhalb erbaut

worden ist, um in demselben Gottesdienst abzuhalten.

281

Die sonst bei Synagogen üblichen baulichen Merkmale,

Wandeinrichtungen, Fenster, Symbole oder Beschriftungen,

so der Gutachter weiter, fehlen hier

gänzlich. Mit keinem Wort erwähnt er die in früheren

Berichten bezeugte Möblierung der Betstube mit Almemor

und Thoralade – die erscheint für seine Feststellung

der ursprünglichen Zweckbestimmung des

gesamten Hauses wohl unerheblich. Die Standesherrschaft

steht trotz teurer Rechtsanwälte mit ihrer Argumentation

für einen steuerpflichtigen Synagogenbau

auf verlorenem Posten.

Die Akten zu diesem Prozess, der wie der biblische

Kampf zwischen David und Goliath anmutet, bekunden

nebenher, dass die jüdische Gemeinde von Rothenfels

und Bergrothenfels nach wie vor im Dorf im

Hause Freudenberger zusammenkommt. Die in der

Stadt verbliebenen Juden haben nun offensichtlich keine

Probleme, den durch eine alte gepflasterte Fahrstraße

und eine neue barocke Steintreppe erschlossenen

Berg zu ersteigen und gemeinsam mit den Verwandten

und Freunden den Sabbat und die Festtage zu feiern.

14. Unterricht und Kultus

Über das alltägliche Leben der Rothenfelser Juden,

ihre Sitten und Gebräuche, ihre Kleidung und Speisen

geben die bisher aufgefundenen schriftlichen Quellen

keine Auskunft. 282 Wohl aber finden sich einige Hinweise

zur religiösen und sprachlichen Kultur.

Die Rothenfelser und Bergrothenfelser Juden sind

– wie die Mehrzahl der unterfränkischen Landjuden

und ihr geistiges Zentrum in Heidingsfeld oder Würzburg

– gesetzestreue Traditionalisten, also, mit einer

verallgemeinernden Bezeichnung, Orthodoxe. 283 Ihre

Gottesdienste richten sich nach der Ordnung und

Schrift des alt jüdischen Ritus. 284 Gemeinsame Gebete

und Vorlesungen werden selbstverständlich in der hebräischen

Sprache gehalten. 285 Auch private Gebetbücher

sind, wie aus einer Fundstelle in den Rothenfelser

281 StAWt-R Lit. B Nr. 2914 (unpaginiert; Ortstermin und Zeugenaussagen

vom 10. 7. 1857).

282 Als Einführung in die Alltagskultur der fränkischen Juden neuerdings

St. M. Lowenstein, Alltag und Tradition.

283 Vgl. L. Scherg, Landjudentum, S. 235; ders., Jüdische Gemeinden,

S. 175; St. M. Lowenstein, Alltag und Tradition, S. 17 f.

284 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 234'.

285 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 237.


Juden von Rothenfels 51

Ratsprotokollen indirekt hervorgeht, auf Hebräisch

verfasst. 286 Im Alltag verständigt man sich untereinander

auf Jiddisch, mit der Umwelt auf Deutsch mit unterfränkischen

Einfärbungen. 287 Schreiben kann man

in der Regel in deutschen und hebräischen Schriftzeichen;

nur sehr selten leistet eine Jüdin oder ein Jude in

den Rothenfelser Akten die Unterschrift in Hebräisch.

288

Etliche Nachrichten zeugen von der jederzeitigen

Sorge der Familien um die Einhaltung der religiösen

Vorschriften und die Erziehung der Kinder. Auch eine

so kleine Gemeinde scheint stets einen ausgebildeten

Fachmann für Kultus und Unterricht bei sich gehabt

und finanziert zu haben. Die wechselnden Bezeichnungen

Reba, Rabbiner, Schulmeister, Lehrer und Vorsinger

erlauben meist noch keine Aussagen über

dessen Qualifikationen und Tätigkeiten. Während in

großen Landgemeinden wie Karbach ein Orts-Rabi

amtieren kann und zuständig ist für alle kirchlichen

Angelegenheiten wie Gottesdienste, Religionsunterricht,

Trauungen, die Überwachung der Speisevorschriften

und das Schächten 289 , ist für Rothenfels kein

derart umfassender Aufgabenkatalog bekannt, sondern

allenfalls ein Lehrer und Vorsänger anzunehmen.

Die früheste Nennung stammt hier aus dem Jahr

1655: Die ersten aktenkundigen Rothenfelser Judenfamilien

bezahlen gemeinsam einen ledigen Kerl Habriel

als Hausgenossen und Lehrer ihrer zahlreichen

Kinder. 290 Die weiteren Nachrichten in chronologischer

Aufreihung:

1736 gibt es Ärger mit den Stadtoberen – ein jüdischer

Lehrer wohnt in Rothenfels und weigert sich,

das ortsübliche Beisassengeld zu zahlen. 291 1750 tritt

286 Der Hinweis findet sich 1771 anlässlich eines Stadtgerichtsverfahrens

gegen den Juden Leser, Knecht beim Juden Moÿsel dahier.

Leser wird verklagt, er habe Vieh im Garten eines Bürgers

weiden lassen; als Beweis wird ein dort aufgefundenes hebarisch

büchlein vorgelegt und dem Knecht zugeordnet. Leser bestreitet,

den Garten betreten zu haben; er habe morgens

zwischen sieben und acht Uhr in der Nähe gebetet und auf einem

Stein am Weg sein gebettbüchlein liegen lassen. StadtAR

II 2/11 S. 142-144.

287 Vgl. St. M. Lowenstein, Alltag und Tradition, S. 8 f; Mitten unter

uns, S. 40. In den für die vorliegende Arbeit herangezogenen

Akten fanden sich keine Dokumente privater Art und in jiddischer

Sprache bzw. in hebräischen Schriftzeichen. Die amtlichen

Korrespondenzen und Protokolle wurden in der Regel von

professionellen Schreibern auf Deutsch geschrieben und von

den Absendern nur unterzeichnet.

288 StadtAR II 9/2 (Vertrag der Erben des Nathan Heil, 1831; vgl.

oben S. 36); StAWt-R Rep. 100e Nr. 38 (Beschwerde des Jüdlein

Salomon aus Karbach, 1804; vgl. oben S. 37).

289 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8498 (1819). – Die

Bezeichnung kirchliche Angelegenheiten gehört zur Wortwahl

der christlichen Behörden. Nach dem bayerischen Judenedikt

von 1813 (§ 30) ist der Wirkungskreis der Rabbiner [...] ausschließend

auf die kirchlichen Verrichtungen beschränkt; sie

dürfen keine Gerichtsbarkeit mehr ausüben und sich nicht mehr

in bürgerliche oder Gemeindeangelegenheiten einmischen.

290 StAWü Administrationsakten 8318 (5. 7. 1655).

291 StadtAR II 2/7 S. 62. Der Rat beruft sich auf alte Privilegien

der Stadt, das keiner dahier freӱ gedultet werdten solle; vgl.

StadtAR II 1/1 S. 2. Dagegen steht das geltende Recht, dass

hier ein Schulmeister auf 292 , der 1751 einen Namen

und eine Geschichte bekommt: Israël Kohn hiesiger

Reba und Judten Schulmeister welcher aus Böhmen

gebürthig, sich aber verschiedene Jahren hindurch in

Franckhen Landt aufgehalten 293 .

Auch 1762 und 1772/73, also offensichtlich durchgängig,

gibt es einen Schulmeister, der bei der Teilung

der Gemeinde weiter gemeinsam bezahlt wird und jeweils

zwei Jahre auf dem berg und ein Jahr in dem

stättlein leben soll. Derselbe Mann wird auch als Vorsinger

bezeichnet, was seine Hauptaufgabe als Leiter

der kultischen Handlungen beweist. 294 Es handelt sich

offensichtlich um den Lehrer, der einmal während des

Streites um den Standort der Synagoge genannt wird:

Isac Judenschulmeister alto übersetzt 1772 ein Dokument

des Oberrabbiners zu Heidingsfeld aus dem Hebräischen

ins Deutsche. 295

Die jüdischen Kinder in den Rothenfelser Amtsorten

werden also von eigenen Lehrern oder von den

Rabbinern unterrichtet. Während man sich in den

großen Kultusgemeinden Greußenheim und Karbach

eigene Schulhäuser leistet, kommen die Schulkinder in

Rothenfels und Bergrothenfels in Privathäusern oder

in der Betstube zusammen. Ihr Unterricht, für den die

Familien keine finanziellen Opfer scheuen, umfasst

die Fächer und Lehrpläne einer Elementarschule, Religion

und hebräische Sprache. 296 So bald und wo immer

es möglich ist, besuchen sie die öffentlichen

(christlichen) Volksschulen. Das geschieht allgemein

seit Beginn des 19. Jahrhunderts, mit der Einführung

der Volksschulpflicht in den deutschen Staaten – im

Amt Rothenfels greifen nun die entsprechenden bayerischen

Gesetze von 1802, die ab 1813 generell auch

für die Juden gelten. 297

In der Stadt Rothenfels, die bereits seit dem 16.

Jahrhundert eine freiwillig zu besuchende Schule mit

einem hauptamtlichen Lehrer unterhält 298 , wachsen

zwar so gut wie keine jüdischen Kinder mehr nach. Im

Rabbiner, Schulmeister und andere Angestellte der jüdischen

Gemeinden im Hochstift Würzburg einen Sonderstatus haben:

Sie brauchen keinen Schutzbrief und zahlen keine Steuern; vgl.

I. König, Judenverordnungen, S. 45, 180 f.

292 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Protokoll 4. 6. 1750).

293 StAWü Gebrechenamtsakten VI W 292 (11. 8. 1751).

294 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Berichte und Protokolle 18. 8. 1762,

22. 5. 1772, 6. 10. 1773).

295 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (27. 5. 1772). alto heißt allda, nämlich

in Rothenfels.

296 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 (Berichte des

Herrschaftsgerichts Rothenfels 1817 ff); Statistische Sammlung

Nr. 279, 280 (Übersicht über die allgemeinen und bürgerlichen

Verhältnisse der Israeliten im Untermainkreis 1833/34). – Einer

der seltenen Hinweise auf die Ausbildung der Landjudenmädchen:

Bei der Ausstellung der Heiratszeugnisse der Gemeindeverwaltung

von Bergrothenfels für Jede (Jethe) Herrmann (geb.

1798) heißt es 1830, sie sei eine gute Haushälterin und habe

den Schulunterricht beÿ ihren Glaubensgenossen erhalten

(StadtAR 21-1 S. 664).

297 Vgl. M. Spindler, Handbuch, Bd. IV/2 S. 952-955; G. Döllinger,

Sammlung, S. 200-219.

298 Vgl. P. Kolb, Chronik, S. 228 ff.


52 Winfried Mogge

Dorf Bergrothenfels aber gehen sie als Werktags-

Schüler in die 1804 dort gegründete Volksschule. 299

Als Folge der Ausdünnung ihrer Gemeinde durch

Abwanderung und Überalterung verzichten die hiesigen

Juden nun auf einen eigenen angestellten Schulmeister.

In den 1820er Jahren stellen fünf Familien im

Dorf nur noch fünf, kurzzeitig sechs Schulkinder. 300

Bei der regierungsamtlichen Erfassung der kirchlichen

und rechtlichen Verhältnisse der Israeliten in den neuen

bayerischen Landesteilen wird es aktenkundig: In

Bergrothenfels und Rothenfels gibt es nur noch wenige

schulpflichtige jüdische Kinder und somit auch

kein eigenes Personal für den Religions- und Sprachunterricht.

301

In der Schlussphase der Gemeinde sorgen die Familien

Heil und Kahn noch einmal für Nachwuchs, so

dass sich die Notwendigkeit ergibt, die israelitische

Religionsschule neu zu organisieren. Man verpflichtet

dazu den in der nach wie vor großen jüdischen Kultusgemeinschaft

Karbach fest angestellten Lehrer und

Vorsänger: 1859 Jonas Löwenthal, 1865 dessen Nachfolger

Hirsch Eschwege. Im Sommer an fünf Tagen,

im Winter an zwei Tagen in der Woche kommt nun der

Lehrer nach Rothenfels oder wandern bei guter Witterung

die Schulkinder nach einer Mainüberfahrt ins

sechs Kilometer entfernte Nachbardorf. Bei der nächsten

Neubesetzung der Karbacher Stelle im Jahr 1896

spielt die Rothenfelser Gemeinde keine Rolle mehr. 302

Die Gebete und Gottesdienste der für Stadt und

Dorf vereinigten Kultusgemeinde leitet seit etwa 1821

der Gemeindevorsteher Nathan Freudenberger als

Vorsinger. Um diese Position gibt es eine Auseinandersetzung

zwischen den Israeliten zu Bergrothenfels

und der löwensteinischen Verwaltung, die sogar den

König in München erreicht. Der Hintergrund: Mit Verordnung

vom 28. November 1828 hatte die bayerische

Regierung die kirchlichen Verhältnisse der Judengemeinden

neu reglementiert und bestimmt, für die Ausübung

des Religionscultus müsse überall ein geprüfter

Vorsänger angestellt werden. Der zu der Zeit für Rothenfels

verantwortliche Distriktsrabbiner in Aschaffenburg

hatte den unentgeltlich in dieser Funktion

tätigen Nathan Freudenberger geprüft und für geeignet

befunden, die als staatliche Behörde damals noch zuständige

Fürstliche Regierungs- und Justizkanzlei in

Kreuzwertheim dieses Zeugnis jedoch nicht anerkannt.

Die Folge war ein vom Herrschaftsgericht Rothenfels

ausgesprochenes strafbewehrtes Verbot jeder

Andachtsversammlung.

299 StadtAR 312-4 ff; vgl. P. Kolb, Bergrothenfels, S. 92 ff.

300 StadtAR 312-4 (1822/23) bis 312-9 (1828/29). Die Schulkinder

kommen aus den Familien Benjamin, Löb und Oschel Hamburger,

Isaak und Jacob Herrmann.

301 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 221-227, 235'-236.

302 StAWü Landratsamt Marktheidenfeld 2327 (Korrespondenzen

und Verträge 1858/59, 1865, 1896). Die Verträge unterzeichnen

für die Israelitische Cultusgemeinde Rothenfels und Bergrothenfels

die Brüder Abraham, Joseph und David Heil.

Die Bergrothenfelser beschwören in ihrem Appell

an König Ludwig I. einen unlösbaren Gehorsamskonflikt:

Das Verbot sei unvereinbar mit den jüdischen

Vorschriften für gemeinschaftliche Gebete und mit der

verfassungsgemäß garantierten freien Religionsausübung.

Einen bezahlten Vorsänger wiederum könne

die auf wenige Familien beschränkte Judengemeinde

sich finanziell nicht leisten, zumal an diesem Ort auch

kein Religionsunterricht mehr zu erteilen sei. Die Aktion

ist erfolgreich: Auf Seiner Königlichen Majestät

allerhöchsten Befehl erteilt das Staatsministerium des

Innern die Ausnahmegenehmigung für Nathan Freudenberger

als ehrenamtlicher Vorsänger. 303

Unverzichtbar ist für jede Judengemeinde ein Betund

Versammlungsraum mit der Mindestausstattung

einer Synagoge. Als im Konflikt von 1772/73 um den

Standort der Synagoge die Rothenfelser Amtsleitung

kurzerhand beide Schulen bis zu einer Einigung

schließen lässt, geraten die Streitparteien angesichts

der bevorstehenden jüdischen Feiertage in höchste

Not. Sie erreichen die befristete Freigabe ihrer beiden

Stuben für die Gebete und Zeremonien; der damalige

Bergrothenfelser Sprecher Männlein erwirkt auch die

Herausgabe einiger Schriftrollen aus den Rothenfelser

Beständen an die Berger. 304

Die Kleinstgemeinde im ländlichen Raum hat gelegentlich

Schwierigkeiten bei der Einhaltung der religiösen

Vorschriften. Als die Schließung beider

Rothenfelser Schulen droht und der Amtskeller die Zusammenlegung

mit dem benachbarten Amtsort Karbach

in die Diskussion einbringt, lehnen die

betroffenen jüdischen Familien dies vehement ab: Die

nach den Religionsgesetzen am Sabbat stark eingeschränkte

Entfernung von ihren Wohnungen würde

überschritten, und sie dürften an diesem Tag auch keinen

Fluss überqueren. 305 Später, als die Gemeinde aus

eigener Kraft keinen Minjan (vollständigen Gottesdienst)

mehr zustande bringt, nimmt man die Regelungen

zur Überbrückung der Sabbatweggrenzen in

Anspruch. In der Erhebung von 1833 über die Verhältnisse

der israelitischen Glaubensgenossen teilt der

nunmehr gemeinsame Gemeindesprecher von Rothenfels

und Bergrothenfels mit, da man die nötige Anzahl

303 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 (1831). Unterzeichner

der Petition vom 19. 4. 1831 sind Nathan Freudenberger,

David Heil und Benjamin Herrmann. In der Statistik von

1833 über die Religionsverhältnisse wird Nathan Freudenberger

als ehrenamtlicher Vorsänger für die gemeinsame Gemeinde

Bergrothenfels und Rothenfels genannt. Auch in den Amtsorten

gibt es keine Rabbiner mehr; die Gottesdienste leitet hier der

Vorsänger, der zugleich Religionslehrer ist: in Greußenheim

Moses Weitzenfelder, in Karbach Benjamin Lämmlein (StAWü

Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 226', 227).

304 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Protokoll 9. 9. 1773, Bericht 22. 9.

1772). Die Thorarollen der Bergrothenfelser Gemeinde sind offensichtlich

beim Brand von 1772 vernichtet worden. In der

Rothenfelser Judenschule werden drei Gebotte verwahrt, Amtskeller

Papius verfügt die Herausgabe von einem oder zwei Exemplaren

an die Berger.

305 StAWt-R Rep. 5g Nr. 2 (Bericht 10. 12. 1772).


Juden von Rothenfels 53

von zehn volljährigen männlichen Individuen selbst

nicht mehr erreiche, müsse man an einem jeden Sabbat

und Festtagen solche auf unsere Kosten kommen

lassen, um den Gottesdienste abhalten zu können. 306

Das heißt, man lädt gegen Bezahlung Glaubensgenossen

aus größeren Nachbargemeinden ein, um die Vorschriften

zu erfüllen.

Die Aufsicht über die jüdischen Gemeinden im

Amt Rothenfels führt während der Zugehörigkeit zum

Hochstift der Würzburger Oberrabbiner, der von 1792

bis 1813 seinen Sitz in Heidingsfeld hat, zuletzt also

der berühmte Gelehrte Abraham Bing (1752-1841).

Als eine Folge der Säkularisation wechselt die Zuständigkeit

für Rothenfels und Bergrothenfels an das Distriktsrabbinat

Aschaffenburg in die Hände des dortigen

Rabbiners Hillel Wolf Sondheimer (1749-1832). Nach

der Neuverteilung der Rabbinatsbezirke im Jahr 1839

ist es wieder Würzburg, konkret: der seit 1840 dort

amtierende Seligmann Bär Bamberger (1807-1878). 307

Die Arbeit der Rabbiner hat sich seit dem bayerischen

Judenedikt freilich einschneidend gewandelt,

hat ihre traditionelle Unabhängigkeit verloren: Mit einer

zunehmenden Fülle von Anordnungen und Gesetzen

reglementiert nun der Staat die Verhältnisse der

israelitischen Cultusgemeinden von den Gottesdiensthandlungen

bis zum Unterricht, von den Beschneidungen

und Vereidigungen bis zu den Beerdigungen. 308

Die räumliche Ferne des geistlichen Leiters wird in

den Landgemeinden als Nachteil erlebt, sobald es vor

Ort keinen eigenen Rabbiner oder Schulmeister mehr

gibt. Aufenthalte des Oberrabbiners sind in den Rothenfelser

Unterlagen nicht nachweisbar. In kirchlichen

Angelegenheiten springt hier zunächst noch der

Orts-Rabi Lazarus Rosenbusch von Karbach ein, bis

auch diese Position nicht mehr besetzt wird. 309 Am 10.

Oktober 1817, bei der Vereidigung der immatrikulierten

Juden im Amtshaus der Burg, ist ein Rabbiner namens

Jacob Erlanger dabei, aber der kommt von

außerhalb zu der Zeremonie und wird sonst in Rothen-

306 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 234'. Vgl. dazu: Jüdisches

Lexikon, Bd. IV/2 Sp. 896 (Techum schabbat, Sabbatgrenze)

und Bd. II Sp. 486-489 (Eruw techumin, Vereinigung

der Sabbatweggrenzen).

307 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 226, 233 (Datenerhebung

1833/34). – Nach der Säkularisation und dem Übergang

der Region an das Fürstliche Haus Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

gibt es zunächst Irritationen wegen der Zuständigkeiten:

1808 beklagt sich der Wertheimer Rabbiner [Samuel]

Hirsch [Adler] bei der Domänenkanzlei, er bekomme seit einigen

Jahren keine Amtsgebühren und Akzidenzien mehr von der

Judenschaft des Amtes Rothenfels. StAWt-R Rep. 41e Nr. 2.

308 StAWü Landratsamt Lohr Nr. 1585; vgl. Anm. 289.

309 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8498 fol. 61 (29. 12.

1819). Der Vorgang wird erwähnt im Zusammenhang mit dem

Kampf der Karbacher jüdischen Gemeinde gegen ihre Unterstellung

unter den Würzburger Oberrabbiner Abraham Bing.

Der Karbacher privilegirte und verpflichtete Orts-Rabiner Lazarus

Rosenbusch betreut demnach auch die Amtsorte Greußenheim

und Rothenfels. In der Statistik von 1833 über die

Religionsverhältnisse (wie Anm. 307) wird auch für Karbach

kein eigener Rabbiner mehr genannt.

fels nicht mehr genannt. 310 Aus dem Jüdischen Standesregister

für Rothenfels und Bergrothenfels, beginnend

mit dem Jahr 1829, geht hervor: Beschneidungen

werden von den Rabbinern aus Urspringen ausgeführt,

Beisetzungen von den Amtskollegen oder Religionslehrern

in Laudenbach, dem Ort des Verbandsfriedhofs.

Die wenigen Trauungen dieser Zeit feiert man an

verschiedenen Orten: mit Rabbiner Nathan Heinemann

aus Urspringen, mit Lehrer Benjamin Lämmlein

aus Karbach, mit Oberrabbiner Seligmann Bär Bamberger

in Würzburg, mit Distriktsrabbiner Abraham

Adler aus Aschaffenburg. 311

Sämtliche Kosten für ihren Kultus, ihre Einrichtungen

und ihr Personal tragen die Israeliten selbst. Auch

die kleine Gemeinde Rothenfels erhebt dafür stets eine

Umlage, gestaffelt nach Einkommen und Vermögen

der Familien. Das gilt auch für die Armenpflege – bis

zu ihrer bürgerlichen Gleichberechtigung haben die

Juden keinen Anteil an der kommunalen Versorgung,

sondern finanzieren die soziale Fürsorge für ihre bedürftigen

Mitglieder aus eigenen Mitteln. Im Jahr der

statistischen Erhebungen 1833 heißt es allerdings für

Bergrothenfels und Rothenfels, dass sich hier keine israelitischen

Arme befinden. 312

Zum jüdischen Kultus gehört eine Mikwe, ein Bad

mit fließendem Wasser für die rituellen Waschungen

vor den gemeinsamen Gebeten und die symbolische

Reinigung der Frauen nach der Menstruation und der

Geburt. Die kleinen Gemeinden hatten dafür in der

Regel keine eigene Einrichtung in Form eines Badehäuschens,

sondern einen Raum im Untergeschoss des

Hauses ihrer Betstube.

In der Stadt Rothenfels lässt sich eine solche Kellermikwe

nicht lokalisieren. Das ehemalige Anwesen

der Familie Moyses Lazarus, also das Haus Nr. 4 (heute

Hauptstraße 14), wo sich die Betstube befand, hat

keinen Keller, und beim Abbruch des baufälligen Hauses

und Neubau 1972/77 wurden hier keine Spuren einer

mit Wasser versehenen Badestube bemerkt. 313 Im

Dorf Bergrothenfels befand sie sich im früheren Haus

Nr. 56, also unter einem Dach mit dem Betraum. Bei

einem Umbau des jetzt dort stehenden Wohnhauses in

den Jahren 1977/78 war das Ritualbad im alten Keller

für kurze Zeit sichtbar, bevor es – leider ohne zeichnerische

oder fotografische Dokumentation des Bestandes

– zugeschüttet wurde. 314 Das Dorf verfügte

ehemals über mehrere Wasseradern und Quellwasser-

310 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663. Herkunft oder

Amtsort und biografische Daten zu Jacob Erlanger ließen sich

nicht ermitteln.

311 StAWü Jüdische Standesregister 114.

312 StAWü Statistische Sammlung Nr. 280 fol. 230, 234', 235.

313 Freundliche Mitteilung von Werner Zürn (Rothenfels). Zur

Hausgeschichte vgl. S. 43.

314 Die Mikwe befand sich in der linken Ecke des Hauses in einem

in den Hang gebauten, gefliesten Keller. Die nach starken Regenfällen

noch spürbare Wasserader ist verrohrt und in die Kanalisation

abgeleitet. (Freundliche Mitteilungen von Elisabeth

Ehring und Walter Rausch, Rothenfels.)


54 Winfried Mogge

Grabsteine für Juden aus Rothenfels und Bergrothenfels

auf dem Verbandsfriedhof Laudenbach am Main.

Die Inschriften, soweit noch zu entziffern, in Kurzform:

Oben links: Frau Malez, Tochter des Herrn Hirsch

von Rothenfels, Frau des Herrn Mosche Leib von hier,

gestorben […] 5535 [1774 oder 1775].

Oben rechts: Nathan Jziak [Isaak], Sohn von David

Chaim [Herrmann] [Datum nicht lesbar].

Unten links: Nathan, Sohn des Naphtali [Hirsch],

gestorben 6. Cheschwan 5577 [28. Oktober 1816].

Unten rechts: Tochter von Izrak, Sohn von Natan,

gestorben 25. Tischri 5579 [25. Oktober 1818].

Abbildung Seite 53: Rosel Heil, geborene Stern, Frau

des David Heil, gestorben 26. Nisan 5649 [27. April

1889]. – Im Sterberegister des Standesamtes Bergrothenfels

wird der 26. April 1889 als Todestag genannt,

die Differenz entsteht bei der Kalenderumrechnung.


Juden von Rothenfels 55

leitungen auch im Bereich der Straße, aus denen sich

öffentliche und private Brunnen speisten 315 , so dass die

Mikwe an dieser Stelle mit dem nötigen frischen Wasser

versorgt werden konnte.

Die bayerische Kreisregierung lässt nach der Vereinnahmung

Unterfrankens die zunächst als sehr ungesund

und schädlich befundenen Judentauchen

amtsärztlich visitieren und kontrollieren. Der Rothenfelser

Districts-Physicus kann alsbald einen hygienisch

einwandfreien Zustand der Monatsbäder in

seinem Bereich vermelden. 316

Die neuzeitliche Judengemeinde von Rothenfels

und Bergrothenfels besitzt keinen eigenen Friedhof.

Ihre Toten bringt sie auf den um 1600 gegründeten

großen Verbandsfriedhof nach Laudenbach bei Karlstadt

am Main, den sich bis zu 14 Kultusgemeinden

der Region teilen – also nicht auf den nahegelegenen,

jüngeren Friedhof bei Karbach. 317 In Laudenbach sind

nach aktuellem Kenntnisstand fünf Grabsteine von

Rothenfelser Jüdinnen und Juden aus dem 18. und 19.

Jahrhundert zu identifizieren. 318 Während die meisten,

teils schon abgewitterten Grabsteine aus rotem Sandstein

die typischen schlichten Formen mit einem

schmucklosen Halbbogen zeigen, ist die älteste Stele

(von 1775) aus der Familie Hirsch mit barocken Voluten

verziert. Der jüngste Grabstein (von 1889) führt

mit seiner Größe und einem neugotischen Blendmaßwerk

das Selbstbewusstsein der Familie Heil vor. 319

Das Thema Konversion ist in Rothenfels nicht unbekannt.

Bereits während der Gegenreformation gibt

es im Fürstbistum missionarische Bemühungen um

Protestanten, Juden und Muslime. Nicht wenige Angehörige

der verfolgten Minderheiten erhoffen sich vom

Übertritt zum katholischen Glauben verbesserte Daseinsbedingungen.

Das Würzburger Julius-Spital ist

der landesweit zentrale Ort für ihren Religionsunterricht

und die Taufen. 320 Doch auch der Stadtpfarrer

315 Vgl. P. Kolb, Bergrothenfels, S. 87 f und Abb. 6 im Anhang; W.

Mogge, Dies uralt Haus, S. 241-245.

316 StAWü Regierung von Unterfranken Nr. 8663 (Berichte 1825,

1829). Die Verordnung zur Kontrolle der Kellerquellenbäder

der Israelitinnen vom 15. 10. 1828 bei G. Döllinger, Sammlung,

S. 151.

317 Vgl. L. Scherg, Jüdisches Leben, S. 26 f; L. Mayer, Jüdische

Friedhöfe, S. 106-111. – Ein Gräberverzeichnis der von 1850

bis 1886 in Laudenbach beigesetzten Juden enthält auch Rothenfelser

und Bergrothenfelser Namen, u. a. Nathan Freudenberger

(1868) und seine Frau Regina Freudenberger [geb.

Schlesinger] (1868), das Kind Nathan Heil (1850), Abraham

Heil (1875), David Heil (1877), Joseph Heil (1874), Benjamin

Herrmann (1868), Dolz Heß [geb. Heil] (1864) und ihren Mann

Hajm Heß aus Würzburg(1866), Michael Kahn aus Steinbach

(1865), das Kind Riela Kahn (1875), Minna Weinstock [geb.

Herrmann] (1864) (HStA Stuttgart J 386 Bü 340).

318 Freundliche Mitteilungen und Vermittlung der Inschriften von

Georg Schnabel, Karlstadt.

319 Der Grabstein für Rosel Heil trägt auf dem Sockel den Namen

des Steinmetzen: Joh. Straub von Bergrothenfelz [!].

320 A. W[endehorst], Juden, S. 52. Eine entsprechende regionale

Rolle des Julius-Spitals in Rothenfels ist auszuschließen

(freundlicher Hinweis von Dr. Peter Kolb, Würzburg).

Friedhof Laudenbach: Grabstein Rosel Heil (1889)

von Rothenfels begleitet solche Konversionen. In der

Pfarrmatrikel sind etliche zuvor protestantische und

jüdische Personen verzeichnet, die hier bekehrt wurden

und in hiesiger Pfarrkirche das Glaubensbekenntnis

ablegten. 321 Aus der örtlichen Judengemeinde ist

jedoch niemand dabei.

Zwei spektakuläre Fälle finden in Rothenfels hohe

Beachtung. Am 10. März 1771 werden in der Stadtpfarrkirche

zwei junge Juden, 22 und 20 Jahre alt,

Brüder aus Homburg am Main, nach vorangegangenem

Religionsunterricht getauft. Sie bekommen neue

Vornamen, nämlich die ihrer Paten, des Centgrafen

Franz Ludwig Lippert und des Stadtschreibers Franz

Nikolaus Fleischmann, und den Zunamen Christenfels,

hergeleitet von der Stadt Rothenfels. Bald darauf

gehen sie nach Frankfurt unter die kaiserlichen

Kriegsvölker. 322

321 Nachrichten über jüdische Konvertiten in Rothenfels, die aber

nicht aus der dortigen jüdischen Gemeinde stammen: Am 2. 1.

1733 stirbt Michael Joseph, ein getaufter Jude. Am 8. 2. 1740

lässt sich Peter Philipp Glück, vor seiner Hochzeit Jude, mit

seiner Frau Margaretha nach vierzigjähriger christlicher Ehe ein

zweites Mal trauen. Außerdem die im Folgenden genannten

Konversionen von 1719 und 1771. DAW Amtsbücher aus Pfarreien

4281 (Matrikeldatei); PfarrAR Pfarrchronik (Chronik I) S.

114-116.

322 PfarrAR Pfarrchronik (Chronik I) S. 116. Der Stadt Rothenfels

erbringen solche Konversionen offensichtlich einen hohen Prestigegewinn

und beachtliche Kosten. Auf Anordnung des Amtskellers

werden die beiden jungen Männer während des


56 Winfried Mogge

Eine andere Bekehrung hat ihre bildlichen Spuren

bis heute sichtbar hinterlassen. Am unteren Teil der

barocken Treppe von der Stadt zur Burg Rothenfels

steht neben einer zeitgleichen Kreuzwegstation der sagenumwobene

Judenbildstock. In qualitätvoller Steinmetzarbeit

ist die biblische Ölbergszene dargestellt:

Christus kniet betend auf einem Felsen; ihm gegenüber

erkennt man eine kleine weibliche Gestalt, die

von einem Lichtstrahl aus einer mit einem Putto besetzten

Wolke getroffen wird. Den Anlass für die Stiftung

dieses Steines verkündet die Inschrift auf der

Rückseite, in buchstabengetreuer Wiedergabe 323 :

DIESE BILTNUS

IST VON MARIA

PHILIPPINA SCHARLOTA

NIDERHÖFERIN ZUR

DANCKSAGUNG WEGEN

IHRES BERUFS VON DEM

JUDENTHM ZUM WAREN

CATHOLISHEH GLAUBEN

AUF DEN SCHLOSSBERG

ZU STATT ROTHENFELS

GESEZT WORDEN

den 3 october

ANNO 1752

Religionsunterrichts und der Zeit der Taufe von der Stadt untergebracht

und verpflegt und anschließend noch nach Würzburg

gefahren. StadtAR III 11/19 S. 112, III 11/20 S. 111 (Ausgaben

Geld ad pias causas, insgesamt rund 33 fl für Quartier, Zehrung,

Fahrtkosten, brodt undt weck).

323 Buchstabengetreue Wiedergabe mit originalen Schreibfehlern;

alle bisherigen Veröffentlichungen enthalten darüber hinausgehende

Lesefehler.

Der Vorgang hat allerlei fantasievolle Erklärungen

zur Person und Herkunft der Stifterin und zu den Hintergründen

ihrer Konversion hervorgebracht. Nüchterne

Auskunft gibt die Rothenfelser Pfarrchronik, die

wiederum die alten Pfarrmatrikeln und somit auch Namen

und Lebenslauf des jüdischen Mädchens aus dem

Wolfskelischen Orte Reichenberg 324 kennt: am 7. September

1719 unter großem Zulaufe des Volkes in der

Stadtpfarrkirche von Rothenfels getauft, damals 24

Jahre alt, am 8. Januar 1720 mit dem Büttnermeister

Johann Michael Weitzel verheiratet, am 11. September

1781 hochbetagt als Pfründnerin im hiesigen Julius-

Spital verstorben. Prominente Taufpaten sind der

fürstbischöfliche Oberamtmann Philipp Emmerich

Philibert von Hettersdorf (1711-1749) und seine Frau

Charlotta Katharina Brigitta, geborene von Guttenberg;

von ihnen bekommt die junge Frau ihre neuen

Vornamen. 325 Die in literarische und volkstümliche

Sammlungen eingegangenen Legenden vom armen,

schönen, verfolgten Judenmädchen sind freie Erfindungen.

326

324 Reichenberg (Unterfranken) bei Würzburg, Sitz der Freiherren

Wolffskeel von Reichenberg.

325 PfarrAR Pfarrchronik S. 116; DAW Amtsbücher aus Pfarreien

4281 (Matrikeldatei).

326 Vgl. B. Rösch, Judenweg, S. 340 f, 345 (mit Nachweis und Zusammenfassung

bisheriger Literatur, was hier nicht wiederholt

werden soll). Dort (S. 332-350) auch Ausführungen über weitere

fränkische Judensteine und die Instrumentalisierung der Juden

in regionalen Sagen. So ein Judenbildstock von 1612 an der

Friedhofsmauer des nahegelegenen Dorfes Roden, der laut lokaler

Überlieferung an die Ermordung eines jüdischen Händlers


Juden von Rothenfels 57

Auch die Mitglieder der jüdischen Kultusgemeinde

hatten auf ihren Wegen zwischen der Stadt Rothenfels

und dem Dorf Bergrothenfels diesen Gedenkstein vor

Augen. Die Zeitgenossen verstanden zweifellos seine

Botschaft: Über den individuellen Anlass hinaus fand

hier eine missionarische Demonstration für die Überlegenheit

des Katholizismus statt. 327

Von einer Konversion aus den eigenen Reihen ist

erst nach dem Ende der Rothenfelser Kehillah die

Rede: Die Tochter Frieda des letzten hiesigen Juden

Nathan Kahn tritt, sehr zum Leidwesen des orthodox

jüdischen Vaters, 1901 zum katholischen Glauben

über und heiratet im selben Jahr den Steinhauer Andreas

Benno Völker aus Bergrothenfels; im Lohrer

Bürgerakt heißt es lakonisch, sie werde seitens ihres

verwitweten Vaters als verstoßen betrachtet. 328

15. Das Ende der Kehillah Rothenfels

Das Ende der jüdischen Gemeinde von Rothenfels und

Bergrothenfels kommt bereits vor 1900 in einem

schleichenden Prozess. Von einer Kehillah im Sinne

einer lebendigen Kultusgemeinschaft kann wohl schon

länger keine Rede mehr sein. Die Schriftquellen geben

keinen Aufschluss über eine formelle Abmeldung als

Korporation oder eine Auflösung der Synagoge und

den Verbleib des Interieurs. Der Tod des Gemeindesprechers

Nathan Freudenberger (1868) und seiner

Nachfolger Joseph, David und Abraham Heil innerhalb

weniger Jahre (1874-1877) dürfte der Anfang

vom Ende gewesen sein. Die im 19. Jahrhundert hier

ansässigen Familien sterben aus – und ihre Kinder ziehen

fort. Insofern ist dieser Ort ein charakteristisches

Beispiel für den Untergang zahlreicher mainfränkischer

Landjudengemeinden. 329

Aufschlüsse über die eine Zeit lang expansive Entaus

Rothenfels erinnern soll – wogegen einzuwenden ist, dass

zu jener Zeit in unserem Ort keine Juden nachweisbar sind.

327 Vgl. B. Rösch, Judenweg, S. 345. – Der Judenbildstock wurde

1949 mutwillig zerstört, der Aufsatz fand sich 1951 in Hafenlohr

in einer Gartenmauer, wurde renoviert und am alten Platz

wieder aufgestellt. Anmerkung in PfarrAR Pfarrchronik S. 327.

328 PfarrAR Familienbuch Bergrothenfels S. 458 f; DAW Amtsbücher

aus Pfarreien 4294. Zitat aus: StadtA Lohr 150.2/K (Bürgerakt

Nathan Kahn). Vgl. S. 58 und die Stammtafel S. 70. –

Frieda (Friederike Maria) Kahn konvertiert am 9. 4 1901 und

heiratet am 12. 5 1901 (laut Standesamt Lohr: 3. 9. 1900) den

Vater ihrer Kinder. In den amtlichen Schriftquellen finden sich

Hinweise auf die Aufenthaltsorte Philadelphia (USA) und Lohr

am Main, schließlich wieder Bergrothenfels. In der Familie

Völker gibt es mündlich überlieferte Erinnerung an die schöne,

dunkelhaarige Judefride, die als Witwe bei der Familie in

Bergrothenfels lebte (freundliche Mitteilung von Barbara Endres,

Marktheidenfeld). Der Werdegang der Kinder wurde im

Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht recherchiert: David, jetzt

Joseph (1894-?, vermisst im Ersten Weltkrieg), Erna, jetzt Barbara

(1896-1966), Rupert Alfred (1906-?) (PfarrAR Familienbuch

Bergrothenfels S. 459, und freundliche Auskunft des

Standesamts Lohr).

329 Vgl. L. Scherg, Jüdische Gemeinden, S. 154-157.

wicklung und das fast gleichzeitige Ende der jüdischen

Familien von Rothenfels und Bergrothenfels

gibt ein nur wenige Seiten umfassendes Standesregister.

Die Geschichte dieses Dokumentes ist so bizarr,

dass sie erzählt zu werden verdient. Seit 1820 müssen

in dem neuen bayerischen Untermainkreis die christlichen

Ortspfarrer Personenstandsregister auch für die

jüdischen Gemeinden führen. Die enden meist mit der

landesweiten Einrichtung der kommunalen Standesämter

am 1. Januar 1876. In den 1940er Jahren geraten

die Listen in das Blickfeld nationalsozialistischer Behörden,

werden beschlagnahmt und als Forschungsmaterial

für die Überprüfung von „Ariernachweisen“

verfilmt und genutzt. Diesen Weg geht auch die Rothenfelser

„Judenmatrikel“; nach ihrer Beschlagnahme

am 3. Februar 1942 gilt sie als verschollen, auch eine

zuvor im Pfarramt noch angefertigte Abschrift ist verloren

gegangen. 330 Eine Kopie des am 14. März 1945

(!) im Außenlager Schloss Rathsfeld des „Reichssippenamtes“

aufgenommenen Filmes jedoch hat sich im

Staatsarchiv Würzburg erhalten. 331

Das nach dem Muster der Pfarrmatrikeln angelegte

Verzeichnis enthält vier Trauungen, zwölf Geburten

und 19 (eigentlich 20) Sterbefälle 332 der Familien

Freudenberger, Hamburger, Heil, Herrmann und Kahn

aus den Jahren 1829 bis 1875 mit detaillierten Angaben

zu den Personen. 333 Eine Interpretation der Daten

und ihre Verknüpfung mit Informationen aus anderen

Schriftquellen ergibt gleich mehrere Erklärungen für

das Ende dieser Kehillah.

Die Stadt Rothenfels taucht bezeichnenderweise in

dem jüdischen Standesregister fast nicht mehr auf.

Notiert ist hier allein die Hochzeit von Joseph Heil

(1795-1874) mit Jethe Stiefel (1810-?) aus dem badischen

Hochhausen im Jahr 1836; Kinder aus dieser

Ehe werden nicht vermeldet. 334 Aus anderen schriftlichen

Quellen erfahren wir von einem Händler namens

Abraham Heil in Rothenfels nur das Jahr des Todes

und der Geschäftsaufgabe (1879); wie er mit den ansässigen

Heils verwandt ist, bleibt offen. 335

Außerdem halten sich in der Stadt noch vereinzelte

Mitglieder der alten Familie Mayer Moyses (Mayer)

330 B. Polster, Quellen zur jüdischen Familienforschung, S. 167-

169, 172, 202 Anm. 9.

331 StAWü Jüdische Standesregister 114.

332 Ein Todesfall, ein nach der Geburt verstorbenes Kind, ist nicht

im Sterberegister, sondern im Geburtenregister notiert.

333 Vgl. unten S. 71-73. Die folgenden biografischen Daten sind ergänzt

aus: PfarrAR Familienbücher für Bergrothenfels und Rothenfels;

VG Marktheidenfeld, Standesämter Bergrothenfels

und Rothenfels: Geburts-, Heirats- und Sterberegister.

334 StAWü Jüdische Standesregister 114. Eine erste Verlobung von

Joseph Heil mit Esther Selig aus Kirchschönbach (Prichsenstadt),

bezeugt in einem Vorgang von 1819 (StadtAR II 2/16,

13. 6. 1819), führte nicht zur Hochzeit.

335 StadtAR II 10/3, II 10/4. Mehrere Mitglieder der Familie Heil,

1877-1883 in den Heberegistern für die Kapitalrenten- und Einkommensteuer

genannt, lassen sich nicht eindeutig zuordnen

(StadtAR IV 9/9 bis IV 9/18).


58 Winfried Mogge

auf. 336 Ein kurzes Gastspiel gibt Joseph Bernay (1769-

1848), wohl identisch mit einem Viehhändler aus einer

großen Karbacher Familie. 337 Schließlich kommt,

wenn auch nur für ein Jahrzehnt, der Schnittwarenhändler

David Grünewald (1850-?) aus Karbach hinzu,

der 1879 Fanny Heil (1852-?) aus Bergrothenfels

eine Tochter von Abraham und Hanna Heil – heiratet

und 1887 in seinen Heimatort zurückkehrt. 338

Im Dorf Bergrothenfels zeichnet sich zunächst

reichliches Leben in die Zukunft ab. Dort, bei den Familien

Heil und Kahn, häufen sich in der „Judenmatrikel“

die Trauungen und Geburten. David Heil (1800-

1877) hat mit seiner Frau Rosetta (Rosel) Stern (1807-

1889) drei, Abraham Heil (1802-1875) mit seiner Frau

Hanna Lindheim (1820-?) sechs Kinder. Insgesamt

fünf überleben die Geburt oder das Kleinkindalter.

Niemand aus dieser Generation bleibt in dem Dorf, die

Landwirtschaften der Väter werden nach deren Absterben

auf neue Besitzer verteilt. 339 Die weiteren Lebenswege

der Nachkommen Heil ließen sich mit nur

einer Ausnahme bisher nicht ermitteln. 340

Die beiden Bergrothenfelser Großfamilien Hamburger

und Herrmann haben in der im Standesregister

genannten Zeit überhaupt keine Geburten zu verzeichnen.

Verheiratet sind der alt gewordene Amsel Hamburger

(1755-1833) und der jung verstorbene

Benjamin Hamburger (1792-1832). Weitere Männer

und Frauen ziehen Kinder im Dorf groß, die aber keine

bleibenden Spuren hinterlassen. Auffallend viele

Mitglieder beider Familien, Männer wie Frauen, bleiben

ledig.

Schließlich endet mit der dritten Generation auch

die Familie Freudenberger. Der für damalige Verhältnisse

steinalt gewordene Nathan Freudenberger (1784-

1868) und seine Frau Regina Schlesinger (1791-

1868), beide im Dorf verstorben, erscheinen im Personenstandsregister

nicht mit Kindern. Die dürften vor

dem Einsetzen dieses Dokumentes geboren worden

und bald weggezogen sein. 341 Auch von einem Bruder

Abraham Freudenberger fehlt jegliche weitere Nachricht.

342

336 StadtAR IV 3/4 S. 101 (1876 eine Witwe Mayer genannt).

337 StadtAR IV 3/7 Bl. 10 (1812); StadtAR II 9/1 (1817).

338 StadtAR II 10/4 (unpaginiert; 4. 8. 1885), II 10/3 (unpaginiert;

15. 8. 1887), 41-2 (unpaginiert; 14. 11. 1879); vgl. Anm. 200

und 249.

339 StAWü GrStKat Bergrothenfels: Renoviertes GrStKat Bd. I S. 7

f; vgl. Anm. 265.

340 Rachel Baer geb. Grünewald (1885-1941?), Enkelin von Abraham

und Hanna Heil; vgl. S. 59.

341 Einige in den Akten genannte Personen namens Freudenberger

sind nicht genau zuzuordnen. Ein Benjamin, 1849 mit einer

Rugstrafe bedacht, dürfte ein Sohn von Nathan und Regina

Freudenberger sein (StadtAR II 1/4, 3. 9. 1849). Eine Hanna

Freudenberger, 36 Jahre alt, die 1827 Heiratserlaubnis erhält,

dürfte eine Schwester des jüngeren Nathan sein (StadtAR 21-1

S. 572). Sicher hingegen ist: Eine Joanna Schön Freudenberger,

27 Jahre alt, 1818 verheiratet mit Jakob Tannenwald aus Karbach,

ist eine Tochter des älteren Nathan und seiner Frau Beß

geb. Hirsch (StAWü Jüdische Standesregister 51).

342 Vgl. S. 38.

Die letzte nach Bergrothenfels zugezogene Familie

hält sich hier keine zwei Generationen. Nathan Kahn

(1832-1913) aus Steinbach bei Lohr bekommt 1870

das Heimat- und Bürgerrecht im Dorf und heiratet

Rosa Heil (1839-1895), die Tochter des Landwirts David

Heil. 343 Nach dem Tod seiner Frau geht er nach

Lohr am Main. Dort erwirbt er ein Haus (die alte Nr.

107, jetzt Gerbergasse 16) und 1906 die Bürgerrechte.

Als altersschwacher Mann kommt er 1913 in das Städtische

Hospital Lohr, dann in das Israelitische Krankenhaus

Würzburg, wo er noch im selben Jahr stirbt. 344

Die Tochter Frieda (1872-1930) findet sich nach verschlungenen

Umwegen über Philadelphia (USA) mit

ihrem Mann Andreas Benno Völker (1870-1907) in

Lohr und schließlich wieder in Bergrothenfels ein. 345

Eine Tochter Riela (1873-1875) stirbt schon als Kleinkind.

346 Der Sohn Michael Kahn (1875-1943) wandert

nach Frankfurt am Main ab, wo er als Kaufmann firmiert.

347

Warum die Rothenfelser Juden im letzten Drittel

des 19. Jahrhunderts ihr Interesse an dem Mainstädtchen

und dem zugehörigen Dorf verlieren, warum sich

auch keine neuen Familien hier anmelden, wird nirgends

genannt. Offensichtlich aber bietet der Ort ihnen

keine beruflichen Chancen mehr. Daran kann auch die

Eröffnung der Eisenbahnlinie zwischen Lohr und

Wertheim im Jahr 1881, mit Station und Umschlagplatz

in Rothenfels, nichts mehr ändern. 348 Auch der

Wegfall der engen staatlichen Zuzugs- und Aufenthaltsbestimmungen

seit 1861 wirkt sich hier nicht

mehr spürbar aus. Im Gegenteil: Die endliche Erlangung

der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden

mit freier Wahl des Berufes und des Wohnortes hat die

Tore in die nahe und die weite Welt geöffnet. Die benachbarten

Mittelstädte und die entfernteren Großstädte

– vor allem Frankfurt am Main – locken mit der

Aussicht auf berufliches Fortkommen und gesellschaftlichen

Aufstieg. Aus einigen Orten im heutigen

Main-Spessart-Kreis sind Auswanderungen in die Vereinigten

Staaten bekannt. 349 So auch aus Bergrothenfels:

1840 emigrieren drei junge, ledige Frauen von

hier nach Nordamerika, darunter die Jüdin Rosina

Hamburger. 350

343 StadtAR 41-2; 311-49 fol. 22 (Jahresrechnung 1870: Nathan

Kahn zahlt 25 fl Heimathgebühren; die gleichzeitig neu aufgenommenen

christlichen Bürger zahlen nur 10 fl).

344 StadtA Lohr 150.2/K (Bürgerakt Nathan Kahn).

345 Vgl. Anm. 328.

346 StAWü Jüdische Standesregister 114.

347 StadtA Lohr 150.2/K (Bürgerakt Nathan Kahn).

348 Vgl. P. Kolb, Chronik, S. 203 f.

349 Vgl. z. B. die Ortsartikel Heßdorf, Karbach und Urspringen in:

www.alemannia-judaica.de.

350 StadtAR 21-1 S. 965 f. Der Gemeinderat stellt Rosina Hamburger

(27) die nötigen Leumunds- und Gesundheitszeugnisse aus

und bestätigt den Nachweis des obligatorischen Reisegeldes; es

gibt auch keine Verwandten mehr, die ihr irgend ein Hindernis

in den Weg legen könnten. Auswanderungsanträge werden auch

für die Christinnen Anna Maria Wießmann (28) und Margaretha

Herrmann (24) genehmigt.


Juden von Rothenfels 59

16. Verstreut, verschollen, ermordet

Nur wenige Nachrichten gibt es über Nachkommen

der Rothenfelser und Bergrothenfelser Juden. Im Ort

selbst ließen sich bei den Recherchen für die vorliegende

Publikation keine Erinnerungen mehr abrufen;

möglicherweise führen die folgenden Hinweise noch

zu weiteren Materialfunden oder gar zu Überlebenden

der Enkel- und Urenkelgenerationen. Nachweisbar

sind bisher einige Opfer der nationalsozialistischen

Verfolgungen:

Rachel Grünewald, am 9. Januar 1885 in Rothenfels

geboren, ist seit 1910 verheiratet mit dem Weingroßhändler

Hippolyt Baer (1877-?) aus Sulz am

Wald, dessen Geschäft in Frankfurt am Main seit 1933

boykottiert wird und nach dem November-Pogrom

1938 eingeht. Das Ehepaar wird 1940 mit ungenanntem

Ziel verschleppt und stirbt vermutlich in einem

nationalsozialistischen Vernichtungs- oder Konzentrationslager;

das letzte Lebenszeichen stammt vom 12.

Dezember 1941. Drei in Frankfurt geborenen Kindern

– Josef (1911-?), Babette (1913-?) und Max (1917-?)

– gelingt noch rechtzeitig über die Niederlande die

Flucht ins Exil. Die jüngste Tochter Clementine, geboren

am 24. März 1924 in Frankfurt, als Achtzehnjährige

von dort deportiert, kommt am 11. Juni 1942 im

Vernichtungslager Sobibor ums Leben. 351

Der am 17. März 1875 in Bergrothenfels geborene

Michael Kahn, Kaufmann in Frankfurt am Main, verheiratet

seit 1914 mit der Lohrer Handelsmanntochter

Meta Kahn,wird am 15. September 1942 ins Ghetto

Theresienstadt deportiert, wo er am 2. Februar 1943

umkommt. Seine Frau, geboren am 14. Juni 1891, als

Kranke in der Landesheil- und Pflegeanstalt Erbach-Eichberg

untergebracht, wird am 5. Februar 1941

von dort in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht und

ermordet. Nachkommen des Paares lassen sich in den

(unvollständig erhaltenen) Frankfurter Einwohnermeldeunterlagen

nicht ermitteln. 352

Epilog

„Jetzt ist kein einziger Jude hier mehr ansässig“, notierte

der katholische Pfarrer von Rothenfels um 1900

in einem Nachsatz zur Pfarrchronik. 353 Dabei sollte es

bleiben – die letzte Generation derer, die so zäh um ihr

Lebensrecht in dem Ort gekämpft hatten, starb um

1870/75 aus; die Witwen folgten den Männern nach;

von ihren Nachkommen blieb niemand dort. 354

351 Freundliche Mitteilungen des Jüdischen Museums Frankfurt am

Main, des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main und

des Bürgerbüros Neuhof-Fulda. Vgl. die wenigen Daten in: Gedenkbuch

Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen

Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

(www.bundesarchiv.de/gedenkbuch); Zentrale Datenbank der

Holocaustopfer (db.yadvashem.org/names). – Für den Sohn

Josef Baer ließ sich ermitteln: 17. 2. 1932 Zuzug nach Neuhof

bei Fulda, 16. 1. 1933 Wegzug nach Almelo (Niederlande).

352 Freundliche Mitteilungen des Jüdischen Museums, Frankfurt

am Main, und des Instituts für Stadtgeschichte, Frankfurt am

Main; vgl. Gedenkbuch (wie Anm. 351).

353 PfarrAR Pfarrbuch S. 298.

354 Ausgenommen die Konvertitin Frieda Völker geb. Kahn; vgl.

oben S. 57 f.


60 Winfried Mogge

Rothenfels

Die älteste bisher bekannte fotografische Aufnahme (Ausschnitt),

entstanden vor dem Bau des Bahndammes (1880), Fotograf unbekannt


Juden von Rothenfels 61

Anhang 1

Schutzjuden im Amt Rothenfels (17. bis 18. Jahrhundert)

1655 1675 1699 1720 1725 1731 1743 1748

Haushalte

Personen

Haushalte

Personen

Haushalte

Personen

Haushalte

Haushalte

Haushalte

Haushalte

Haushalte

Rothenfels 2 20 2 6 4 22 3 3 4 2 4

Bergrothenfels - - - - - - 1 1 2 2 3

Birkenfeld - - - - 1 8 2 2 2 2 2

Greußenheim - - 1 5 1 6 2 2 3 3 3

Karbach - - 1 8 4 25 7 10 8 11 4

Zimmern - - - - 1 5 - - - - -

gesamt 2 20 4 19 11 66 15 18 19 20 16

Erfasst sind nur die Schutzjuden des Hochstifts Würzburg, nicht die der Adeligen und anderer

Körperschaften. In Rothenfels und Bergrothenfels leben ausschließlich hochstiftische Schutzjuden,

in Karbach auch solche der Herren von Sickingen und des Julius-Spitals Würzburg.

Quellen:

1655: StAWü Administrationsakten 8318 (unpaginiert)

1675: StAWü Administrationsakten 8318 (unpaginiert)

1699: StAWü Gebrechenamtsakten VI W 273 (unpaginiert)

1720: StAWü Standbuch Nr. 933 fol. 519

1725: StAWü Standbuch Nr. 935 fol. 805

1731: StAWü Standbuch Nr. 937 fol. 1603

1743: StAWt-R R 76, Rothenfelser Amtsrechnung Jg. 1743/44 S. 280

1748: StAWü Standbuch Nr. 942 S. 248


62 Winfried Mogge

Anhang 2

Juden im Herrschaftsgericht Rothenfels (19. bis 20. Jahrhundert)

1817 1830 1833 1871 1904 1905

Personen

Personen

Familien

Personen

Personen

Personen

Personen

Rothenfels 8 4 1 3 4 - -

Bergrothenfels 14 14 3 15 10 3 -

Greußenheim 37 59 9 54 38 25 23

Karbach 89 114 25 110 87 81 79

gesamt 148 191 38 182 139 109 102

Quellen:

1817: StAWt-R R 76 (Rothenfelser Rentamtsrechnung Jg. 1816/17)

1830: A. Rottmayer, Statistisch-topographisches Handbuch (1830), S. 519-525

1833: StAWü Statistische Sammlung Nr. 280; Regierung von Unterfranken 8540

1871: K. statistisches Bureau, Ergebnisse der Volkszählung 1871 (1873), S. 180, 189

1904: K. Bayer. Statistisches Bureau, Ortschaften-Verzeichnis 1904 (1904), Sp. 1357-1361, 1393

1905: K. Statistisches Bureau, Gemeinde-Verzeichnis 1905 (1906), S. 230-232, 243

Weitere Zahlenreihen aus den Gemeinde-Verzeichnissen bei:

G. Christ, Lohr, S. 79 f.

Erfasst sind nur die Schutzjuden des Hochstifts Würzburg, nicht die der Adeligen und der

geistlichen Körperschaften. Hinzu kommen z. B. in Bergrothenfels Einzelpersonen, Witwen

und elternlose Kinder, die nur geduldet und keine Gemeindemitglieder sind.


Juden von Rothenfels 63

Anhang 3

Juden im Herrschaftsgericht Rothenfels (1833)

Ansässig Erwerbszweige Bildung und

Kult

Familienzahl

Seelenzahl

Familien mit vollem Bürgerrecht

Groß- und Detailhandel

Ordentliche Gewerbe und Handwerke

Selbstständige Ökonomiebetriebe

Not- und Hausierhandel

Rabbiner, Lehrer, Vorsänger

Schulpflichtige Kinder

Eigene Religionsschule

Eigene Betstube oder Synagoge

Rothenfels 1 3 - - 1 - - - - - -

Bergrothenfels 3 15 1 1 - 1 1 - - - 1

Greußenheim 9 54 9 - 2 1 5 1 15 1 1

Karbach 25 110 8 3 3 - 18 1 31 1 1

gesamt 38 182 18 4 6 2 24 2 46 2 3

Ergänzungen:

In Bergrothenfels wohnen außerdem eine Einzelperson, zwei Witwen und mehrere

elternlose Kinder (nur geduldet, keine Gemeindemitglieder).

Ein Vorsänger in Bergrothenfels ist ehrenamtlich tätig und in den Statistiken nicht

aufgeführt.

Zum Vergleich die Zahlen der christlichen Familien:

Rothenfels 200, Bergrothenfels 115, Greußenheim 148, Karbach 225, gesamt 688.

Quellen:

StAWü Statistische Sammlung Nr. 279, 280

(Daten erfasst nach Nr. 280, dort kleinere Abweichungen zu Nr. 279)


64 Winfried Mogge

Anhang 4

Seelen-Register 1743

───────────────────────────────────────────────────────


Juden von Rothenfels 65

Einwohner-Statistik für das fürstbischöflich-würzburgische Amt Rothenfels aus der Amtsrechnung für 1743/44

(Aus: StAWt-R R 76, Jg. 1743/44, S. 280/281).

Verzeichnet werden die Einwohner für die zu der Zeit 18 Amtsorte (vgl. die Karte S. 16), aufgeschlüsselt nach

Männern, Frauen, Söhnen, Töchtern, Knechten und Mägden (insgesamt 6.191 Personen). Auf der zweiten Seite

folgen zwei Gruppen ohne Bürgerrechte: Beisitzer (Beisassen) und Juden. Während die Bürger mit genauen

Kopfzahlen (Seelen) gelistet sind, werden letztere nur nach Haushaltungen gezählt. In den beiden letzten Spalten

werden noch die bewirtschafteten (bebauten, gebauten) und unbewirtschafteten (öthen) Hofstätten addiert.

Orte:

Rothenfels

Zimmern

Bergrothenfels

Windheim

Karbach

Birkenfeld

Greußen(heim)

Roden

Ansbach

Waldzell

Steinfeld

Neustadt

Erlach

Pflochsbach

Sendelbach

Hafenlohr

Esselbach

Oberndorf

Nicht dabei:

Marienbrunn

(zu Hafenlohr)


66 Winfried Mogge

Anhang 5

Jüdische Familien in Rothenfels (17. bis 19. Jahrhundert)

────────────────────────────────────────────────────────────────

Jöstlein Joseph Mendlein

1646 1655,1675 1655,1675

1675 tot

┌─────┴─────┐

Moyses Jöstle Mayer Perlein Samuel Aaron

Jude am Maintor Jöstlein Meyerlein Behrlein 1688-1694 1702,1704

1671-1699 1699 1675-1706 1675-1701

1719 tot

Moyses (Moschel) Nathan Perlein Hirsch

Moyses Lazarus 1720 Behrlein Hirschlein

(1694/95-1775) 1731 tot 1732,1736 1720-1743

1736 nach B.


Perlein Männlein

[junior] Männle

1734,1736 1734-1775

1736 nach B. ¦ │ 1736 nach B.

¦ │

┌─┴───────────────────┐ ?

Mayer Nathan Behrlein Moyses Berl Nathan Hirsch

Mayer Moyses Nathan Moyses Behrlein Moyses Perlein Hirschlein

1750-1795 1749,1751 1753,1763 1749,1751 1734-1760

1798 tot 1751 nach Karbach 1753 in Karbach 1749 nach B. 1749 nach B.

¦ 1759 tot 1759 tot

¦

?

Isack Mayer Nathan Isack (Heil)

1799 (1753-1830)

1813 von B.

┌─┴────────────────────────┐

Joseph Heil David Heil Abraham Heil Joseph Bernay

(1795-1874) (1800-1877) (1802-1875) (1769-1848)

1826 nach B. 1846 nach B.

Abraham Heil David Grünewald

1879 1879-1887

1879 tot 1887 nach Karbach

Versuch einer Darstellung nach Generationen und Familien

Korrekturen und Ergänzungen vorbehalten

Zahlen ohne Klammern: Jahre der Erwähnung

Zahlen mit Klammern: Lebensdaten

B. = Bergrothenfels

R. = Rothenfels


Juden von Rothenfels 67

Anhang 6

Jüdische Familien in Bergrothenfels (18. und 19. Jahrhundert)

────────────────────────────────────────────────────────────────

Wolff Schlommel Behrlein

1720 1731-1773 1720

1731 tot

Itzig Perlein Männlein

1750,1772 Behrlein Männle

1732,1736 1734-1775

1736 von R. 1736 von R.

¦

?

Isaac Nathan Nathan Hirsch Moyses Berl

1743 Hirschlein Perlein

1734-1760 1749-1751

1749 von R. 1749 von R.

1759 tot 1759 tot

│ ┌─┴─────────────────┐

Nathan Isack Nathan Hirsch Sender Moises Männlein Nathan Männlein

(Heil) (Herrmann) Sendter (Freudenberger) (Freudenberger)

(1753-1830) 1754-1774,1811 1763,1773 1764-1782,1811 1751-1818

1813 nach R. 1816 tot 1817 tot

┌─┴────────┐ ┌──┴─────────────┐ ┌─┴────────────────┐

David Abraham Isaak Nathan Jakob Nathan Nathan Moises Abraham Moises

Heil Heil (Herrmann) (Herrmann) (Freudenberger) (Freudenberger)

(1800-1877) (1802-1875) (1791-1830) 1819-1833 (1784-1868) 1773-1797

1826 von R. 1846 von R.

¦

┌───────────┴────┐ ?

Amsel Benjamin Nathan Benjamin

Hamburger Herrmann Herrmann Freudenberger

(1755-1833) (1799-1868) 1820-1829 1849

¦

┌─┴────────────────┐ ?

Löb Benjamin Oschel Benjamin

Hamburger Hamburger Hamburger Herrmann

1822-1835 (1792-1832) 1822-1831 1817-1878


Hänlein Hamburger Nathan Kahn

(1814-1887) (1832-1913)

1870 von Steinbach

1896 nach Lohr

Versuch einer Darstellung nach Generationen und Familien

Korrekturen und Ergänzungen vorbehalten

Zahlen ohne Klammern: Jahre der Erwähnung

Zahlen in Klammern: Lebensdaten

B. = Bergrothenfels

R. = Rothenfels


68 Winfried Mogge

Anhang 7

Stammtafel Männlein / Freudenberger

──────────────────────────────────────────────────────

Männlein

1734-1775 genannt

1736 von Rothenfels nach Bergrothenfels

┌───┴─────────────────────────────────────────────────┐

Moises Männlein ∞ Giedel geb. NN Nathan Männlein ∞ Beß geb. Hirsch

1764-1782, 1817 tot 1751-1818

ab 1811 Freudenberger

ab 1811 Freudenberger

┌───┴─────────────────────────────────────────────────┐

Nathan Moises NN (Tochter) NN (Tochter) Abraham Moises

(Freudenberger) (Freudenberger)

* 1784 1773-1797

+ 6.7.1868

∞ Regina geb. Schlesinger

* 1791

+ 13.3.1868

¦

?

Benjamin Freudenberger

1849

Zahlen ohne Zeichen: Jahre der Erwähnung

Korrekturen und Ergänzungen vorbehalten


Juden von Rothenfels 69

Anhang 8

Stammtafel Isack / Heil

───────────────────────────────────────────────────────────────

Nathan Heil (bis 1811: Nathan Isack)

Viehhändler

* 1753

+ 5.8.1830

∞ Riela (Riele) geb. NN

┌───┴─────────────────────────────────────────────────────────────────┐

Joseph Heil David Heil Abraham Heil NN NN Giedel Dolz Feigel

Handelsmann Bauer Bauer (Jentel) (Vogel)

* 1795 * 26.3.1800 Bergr. * 1802 Bergr. ∞ 1. Simon ∞ Hajm ∞ Michael

+ 3.7.1874 Roth. + 6.6.1877 Bergr. + 25.4.1875 Roth. Fröhlich Heß Kahn

∞ Jethe ∞ Rosetta (Rosel) ∞ Hanna ∞ 2. David

geb. Stiefel geb. Stern geb. Lindheim Grünebaum

* 1810 Hochhausen * 1807 Miltenberg * 22.4.1820 Marktsteft

+ 27.4.1889 Bergr.

┌───────────────────┴───────┐ ┌─────┴─────────────────────────────────┐

Nathan Riele Reiz (Rosa) Riele Elia Nathan Reiz (Rosa) Vögele (Fanny) Golda

* 6.10.1832 * 31.5.1836 * 6.9.1839 Bergr. * 1848 * 1850 * 1850 * 1852 * 1852 * 1857

+ 1.3.1834 + 11.11.1895 Bergr. + 1850 + 1850 ∞ David + 1858

∞ Nathan Kahn Grünewald

* 30.5.1832 Steinbach

+ 28.12.1913 Würzburg

Bergr. = Bergrothenfels

Roth. = Rothenfels

Korrekturen und Ergänzungen vorbehalten


70 Winfried Mogge

Anhang 9

Stammtafel Kahn / Völker

──────────────────────────────────────────────────────────────

Michael (Michel) Kahn ∞ Feigel (Vogel) Kahn geb. Heil

Handelsmann

Handelsmanntochter

* 1794 Steinbach * 1811 Bergr.

+ 2.1.1865 Steinbach + 4. 5. 1875 Steinbach

┌────────────────┴───────────────────────────────────────────┐

Rosetta Nathan Kahn Sani (?) Babett Sigmund Isak Benjamin

* 1829 Handelsmann * 1834 * 1836 * 1839 * 1846 *1848

* 30.5.1832 Steinbach + 1847

+ 28.12.1913 Würzburg

∞ Reiz (Rosa) Kahn geb. Heil

* 6.9.1839 Bergr.

+ 11.11.1895 Bergr.

┌─────────────┴──────────────────────────────────────────────┐

Frieda (Friederike Maria) Kahn (Völker) Riela Kahn Michael Kahn

( konvertiert 9.4.1901) Kaufmann

* 21.7.1872 Bergr. * 10.10.1873 Bergr. * 17.3.1875 Bergr.

+ 11.3.1930 Bergr. + 27.2.1875 Bergr. + 2.2.1943 Theresienstadt

∞ Andreas Benno Völker*

∞ Meta Kahn geb. Kahn

Steinhauer (kath.)

Handelsmanntochter

* 14.6.1870 Bergr. * 14.6.1891 Lohr

+ 10.12.1907 Bergr. + 5.2.1941 Hadamar

┌───────┴───────────────────────────────────────┐

David (Joseph) Völker Erna (Barbara) Völker Rupert Alfred Völker

* 9.4.1894 Philadelphia * 19.6.1897 Lohr * 9.7.1906 Bergr.

vermisst im 1. Weltkrieg + 25.6.1966 Würzburg

* Vater: Johann Michael Völker (1835-1915), Bergr.

Mutter: Maria Anna geb. Harth (1841-1896), Bergr.

Bergr. = Bergrothenfels

Roth. = Rothenfels

Korrekturen und Ergänzungen vorbehalten


Juden von Rothenfels 71

Anhang 10

Personenstandsregister 1829-1875

────────────────────────────────────────────────────────────────

Von 1820 bis 1875 mussten im bayerischen Untermainkreis die christlichen Ortspfarrer Personenstandsregister

auch für die jüdischen Gemeinden führen. Die Rothenfelser „Judenmatrikel“ ist in einer schadhaften, schwer lesbaren

Kopie erhalten (StaWü Jüdische Standesregister 114; vgl. oben S. 57). Das schmale Heft enthält vier Trauungen,

zwölf Geburten und 20 Sterbefälle aus den Jahren 1829 bis 1876 mit Angaben zu den Familien.

Die dort chronologisch aufgelisteten Daten werden im Folgenden in alphabetischer Sortierung nach Namen zusammengezogen.

Weggelassen sind hier weitere Angaben des Originals – bei Geburten: Name der Hebamme

oder des Geburtshelfers, bei Knaben auch Tag der Beschneidung und Name des Beschneiders; bei Trauungen:

Ort der Trauung, Name des Rabbiners oder Lehrers; bei Sterbefällen: Stunde und Ursache des Todes, Name des

Arztes, Tag und Ort der Beisetzung (in der Regel am nächsten oder übernächsten Tag in Laudenbach), Name des

Rabbiners oder Lehrers; bei allen: Angabe der Religion (Jude bzw. Jüdin bzw. Israelit).

Errechnete oder aus anderen Quellen hinzugefügte Daten sind in eckige Klammern gesetzt (vgl. Anm. 333). Bei

den Kindern ist als Geburts- und Sterbeort stets Bergrothenfels einzusetzen. Weitere Namen und Familienzusammenhänge

erschließen sich über die Tabellen und Stammtafeln im Anhang.

Abkürzungen:

V = Vater

M = Mutter

∞ = verheiratet

K = Kind

Bergr. = Bergrothenfels

Roth. = Rothenfels

Freudenberger, Nathan * [1784] + 6.7.1868 Bergr. 84 Jahre

Handelsmann

Bergrothenfels Nr. 56

V: Freudenberger [vorher Männlein], Moises

M: Freudenberger, Giedel

∞ Schlesinger, Regina * [1791] + 13.3.1868 Bergr. 77

Hamburger, Anschel * [1755] + 1.1.1833 Bergr. 78

Bergrothenfels

verheiratet

Hamburger, Benjamin * [1792] + 4.5.1832 Bergr. 40

Bergrothenfels Nr. 23

verheiratet

Hamburger, Giedel + 9.12.(?)1849 Bergr. 64

Bergrothenfels

Witwe [∞ Hamburger, Löw]

Hamburger, Madel + 20.9.1853 Bergr. 31

Bergrothenfels Nr. 23

ledig

Hamburger, Reichel + 14.(?)1.1838 Bergr. 73

Bergrothenfels

Witwe

>>


72 Winfried Mogge

Heil, Abraham * 1802 Bergr. + 25.4.1875 Bergr. 73

Bauer / Handelsmann

Bergrothenfels Nr. 42

V: Heil, Nathan

M: Riela (Riele)

∞ Lindheim, Hanna (20.10.1847) * 22.4.1820 Marktsteft

V: Lindheim, Elias

M: Lindheim, Lina

K: Riele * 28.8.1848

K: Elia * 16.8.1850 + 19.8.1850

K: Nathan * 16.8.1850 + 19.8.1850

K: Reiz (Rosa) * 13.5.1852

K: Vögele (Fanny) * 13.5.1852

K: Golda * 5.1.1857 + 27.11.1858

Heil, David * [26.3.]1800 Bergr. + [6.6.1877] Bergr. [77]

Bauer

Bergrothenfels Nr. 40

V: Heil, Nathan

M: Riela (Riele)

∞ Stern, Rosetta (Rosel) (17.8.1831) * 1807 Miltenberg + [27.4.1889] [92]

V: Stern, Simon Levi

M: Stern, Reitz

K: Nathan * 6.10.1832 + 1.3.1834

K: Riele * 31.5.1836

K: Reitz (Rosa) * 6.9.1839 + [11.11.1895] [56]

Heil, Joseph * 1795 Roth. + 3.7.1874 Roth. 79

Handelsmann

Rothenfels Nr. 15

V: Heil, Nathan

M: Riela (Riele)

∞ Stiefel, Jethe (5.5.1836)

* 1810 Hochhausen

V: Stiefel, Marx

M: Stiefel, Elster

Heil, Nathan [vorher Isack, Nathan] * [1753] + 5.8.1830 Roth. 77

Handelsmann

Bergrothenfels Nr. 14 / Rothenfels Nr. 15

∞ Riela (Riele)

Herrmann, Benjamin * [1799] + 28.2.1868 Bergr. 69

Handelsmann

Bergrothenfels Nr. 59

ledig

Herrmann, Dolz * [1776] + 5.12.1834 Bergr. 58

Bergrothenfels

ledig

Herrmann, Ester * [1799] + 24.6.1829 Bergr. 30

Bergrothenfels

ledig

Herrmann, Isack [vorher Nathan, Isack] * [1791] + 21.11.1830 Bergr. 39

Bergrothenfels

V: Herrmann [vorher Hirsch], Nathan

ledig >>


Juden von Rothenfels 73

Kahn, Nathan * 30.5.1832 Steinbach + [28.12.1913 Würzburg] [81]

Handelsmann

Steinbach / Bergrothenfels Nr. 40

V: Kahn, Michael

M: Heil, Vogel

∞ Heil, Rosa (Reiz) (6.2.1871) * 6.9.1839 Bergr. + [11.11.1895 Bergr.] [56]

V: Heil, David

M: Stern, Rosetta (Rosel)

K: Frieda * 21.7.1872 + [11.3.1930] [58]

K: Riela * 10.10.1873 + 27.2.1875

K: Michael * 17.3.1875 + [2.2.1943 Theresienstadt][68]

Weinstock, Minna [geb. Herrmann] * [1876] + 28.4.1864 Bergr. 78

Bergrothenfels Nr. 59 (vorher Hochhausen)

Witwe [∞ Weinstock, Löb]


74 Winfried Mogge

Anhang 11

Jüdische Wohnstätten in Rothenfels und Bergrothenfels

Ortsteil

Daten, soweit

feststellbar

Familie(n)

alte

Hausnr.

heutige

Adresse

Rothenfels 13. bis 15. Jh. ? ?

Anmerkungen

Mitte 17. bis

Mitte 18. Jh.

? ?

1677/78 Moyses ? ? Jude am Maintor

Voitisches Haus

1744-1749 Moyses Berl

Nathan Hirsch

1753-1795 Moyses Lazarus

Mayer Moyses

1813-1876 Isack / Heil 15 Mainstr. 10

66 Hauptstr. 67 Ochsenwirtshaus

4 Hauptstr. 14 ersetzt durch Neubau

…. -1887

Bergrothenfels Anfang 18. bis

Mitte 18. Jh.

Heil

Grünewald

1736- .... Männlein /

Freudenberger

1763- .... Hirsch /

Herrmann

95 Hauptstr. 25

? ?

56 Bergrothenfelser Str. 30 Berger Stuben

59 Bergrothenfelser Str. 32 ersetzt durch Neubau

…. -1831 Isack / Heil 14 Bergrothenfelser Str. 45

1826-1896 Heil

Kahn

40 Zum Alten Herrgott 14 “

1845- .... Heil 42 Zum Alten Herrgott 18 “

1825-1887 Hamburger 23 Bergrothenfelser Str. 21 “

Korrekturen und Ergänzungen vorbehalten


Juden von Rothenfels 75

Literatur und Quellen

1. Literatur

Arnold, Klaus: Abweichung im Glauben – Judenverfolgung

– Volksbewegung. In: Unterfränkische Geschichte,

hg. von Peter Kolb und Ernst-Günter

Krenig. Bd. 2: Vom hohen Mittelalter bis zum Beginn

des konfessionellen Zeitalters, S. 337-356.

Würzburg 1992.

Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der

Juden. Zur Entwicklung einer Minderheit in der

nichtjüdischen Umwelt Europas. In zwei Teilbänden.

Teilband I: Von den Anfängen bis 1650, Teilband

II: Von 1650 bis 1945. Darmstadt 1990.

Battenberg, J. Friedrich: Aus der Stadt auf das Land?

Zur Vertreibung und Neuansiedlung der Juden im

Heiligen Römischen Reich. In: Jüdisches Leben

auf dem Lande, hg. von Monika Richarz und Reinhard

Rürup (Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen

des Leo Baeck Instituts 56), S. 9-35.

Tübingen 1997.

Battenberg, J. Friedrich: Die Juden in Deutschland

vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (Enzyklopädie

deutscher Geschichte Bd. 60). München

2001.

Baum, Hans-Peter: Jüdische Geschichte. In: Geschichte

der Stadt Würzburg, hg. von Ulrich Wagner.

Bd. II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum

Übergang an das Königreich Bayern 1814, S. 762-

772. Stuttgart 2004.

Baum, Hans-Peter / Leng, Rainer / Meier, Robert: Kehillot

Keddoschot (Heilige Gemeinden). Die Geschichte

der unterfränkischen Juden im Spiegel der

neuen Ausstellung des Jüdischen Dokumentationszentrums

(Stadtarchiv Würzburg, Kleine Reihe

30). Würzburg 2007.

Brämer, Andreas: Der lange Weg von der Duldung zur

Emanzipation. In: Die Geschichte der Juden in

Deutschland, hg. von Arno Herzig und Cay Rademacher,

S.80-97. Hamburg 2007.

Braunfels, Ludwig: Die Mainufer und ihre nächsten

Umgebungen. Mit 54 Stahlstichen, nach Originalzeichnungen

von Fritz Bamberger. Würzburg

1847.

Brenner, Michael / Eisenstein, Daniela F. (Hg.): Die

Juden in Franken (Studien zur Jüdischen Geschichte

und Kultur in Bayern Bd. 5). München 2012.

Bundesarchiv (Hg.): Gedenkbuch Opfer der Verfolgung

der Juden unter der nationalsozialistischen

Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945. Online.

Christ, Günter: Lohr am Main. Der ehemalige Landkreis

(Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken,

Reihe I H. 34). München 2007.

Feulner, Adolf (Bearb.): Die Kunstdenkmäler von Unterfranken

& Aschaffenburg. H. IX: Bezirksamt

Lohr (Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern

Bd. 3: Regierungsbezirk Unterfranken &

Aschaffenburg, H. IX). München 1914.

Flade, Roland: Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte

vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Mit einem Beitrag

von Ursula Gehring-Münzel. 2., erw. Aufl.

Würzburg 1996.

Gehring-Münzel, Ursula: Emanzipation. In: Roland

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(PfarrAR)

Familienbuch für Bergrothenfels (Rothenfels C 4)

Familienbuch für Rothenfels (Rothenfels B 4)

Pfarrchronik (Chronik I)

Pfarrbuch (Chronik II)

Pfarrmatrikelkartei (Kartei Hepp)

Rothenfelser Gotteshausrechnungen 1563-1749

Landesamt für Digitalisierung, Breitband und

Vermessung, München

Uraufnahmen von 1843 NW.085.61c, NW.085.62b,

NW.085.62d

Staatsarchiv Wertheim (StAWt)

Freudenbergsches Archiv (StAWt-F)

Rep. 229 Nr. 31

Gemeinsames Archiv (StAWt-G)

Rep. 54 Nr. 101

Rep. 102 Nr. 2433

Rep. 229 Nr. 31

Rosenbergsches Archiv (StAWt-R)

J 2 Nr. 8

Lit. B Nr. 2913, 2914

Rep. 5g Nr. 2

Rep. 12i Nr. 35

Rep. 26h Nr. 21. 71

Rep. 41e Nr. 1, 2, 3

Rep. 54 Nr. 101

Rep. 65g Nr. 47

Rep. 79h Nr. 19

Rep. 82l Nr. 473

Rep. 99b Nr. 37, 49, 55, 56, 65, 70, 83, 84

Rep. 100e Nr. 38, 47

R 76 (Rothenfelser Amtsrechnungen) Jg. 1683/84 bis

1697/98, 1743/44, 1816/17

S 2 Nr. 474, 522

Urkundenselekt US 1341 Juni 8, US 1677 Juli 14,

US 1678 März 9

Staatsarchiv Würzburg (StAWü)

Administrationsakten 8318, 8322

G 16.727

Gebrechenamtsakten IV R 153, VI W 256, VI W 273,

VI W 292

Grundsteuerkataster Bergrothenfels: Grund- Saal- und

Lagerbuch Bde. I-V

Grundsteuerkataster Bergrothenfels: Renoviertes

Grundsteuerkataster Bd. I

Grundsteuerkataster Rothenfels: Grund- Saal- und

Lagerbuch Bde. I-V, XIII

Grundsteuerkataster Rothenfels: Renoviertes

Grundsteuerkataster

Judenschaft Nr. 1, 81

Jüdische Standesregister 51 (Karbach), 114 (Rothenfels),

130 (Steinbach)

Landratsamt Lohr Nr. 1585

Landratsamt Marktheidenfeld Nr. 2327


Juden von Rothenfels 79

Libri diversarum formarum Nr. 50

Rechnung 39.022

Regierung von Unterfranken Nr. 8498, 8511, 8540,

8541, 8663

Regierung von Unterfranken, Präsidialakten Nr. 325

Salbuch Nr. 1, 136, 137, 138

Standbuch Nr. 799, 929, 933, 935, 937, 942

Statistische Sammlung Nr. 279, 280, 617, 618

Würzburger Urkunden WU 6507, WU 7746,

WU 8620

Stadtarchiv Lohr

150.2/K (Bürgerakt Nathan Kahn)

Stadtarchiv Rothenfels (StadtAR)

II 1/1 Stadtbuch B („Anno 1413“)

II 1/3 Strafbuch 1777-1796

II 1/4 Strafbuch 1843-1900

II 2/1 Ratsprotokolle 1531-1553 (Stadtbuch D)

II 2/2 Ratsprotokolle 1590-1594 (Stadtbuch F)

II 2/3 Ratsprotokolle 1592-1616 (Stadtbuch E)

II 2/4 Ratsprotokolle 1594-1595 (Stadtbuch G)

II 2/5 Ratsprotokolle 1630-1641 (Stadtbuch K)

II 2/6 Ratsprotokolle 1642-1725 (Stadtbuch L)

II 2/7 Ratsprotokolle 1732-1751 (Stadtbuch N)

II 2/8 Ratsprotokolle 1751-1755 (Stadtbuch O)

II 2/10 Ratsprotokolle 1763-1770 (Stadtbuch Q)

II 2/11 Ratsprotokolle 1770-1776 (Stadtbuch R)

II 2/14 Ratsprotokolle 1799-1802 (Stadtbuch Z)

II 2/15 Ratsprotokolle 1802-1818

II 2/16 Ratsprotokolle 1818-1823

II 2/17 Ratsprotokolle 1823-1828

II 4/1 Bürger-Matric 1754

II 7/1 Beth-Register 1531 (Stadtbuch U)

II 7/2 Beth-Buch 1752-1803

II 7/4 Schatzungs-Heb-Register 1810

II 7/5 Schatzungs-Lagerbuch 1810-1853

II 7/6 Besitzbuch 1817-1846

II 7/7 Beet-Lagerbuch 1842-1859

II 8/3 Verkündungsbuch für die Gemeinde

Rothenfels 1850-1863

II 9/1 Vieh-Protokollbuch 1814-1861

II 9/2 Kontraktenbuch 1818-1833

II 10/3 Gewerbe-Niederlassungs-Register

1878-1900

II 10/4 Gewerbe-Anmelde-Register 1878-1900

III 7/1 Gotteshaus-Rechnung 1687/88

III 11/1

bis III 11/102 Bürgermeister- bzw.

Gemeinderechnungen 1551 bis 1861/62

III 12/1 Urkunden zur Bürgermeisterrechnung 1811

IV 3/3

IV 3/4

IV 3/5

Chronik der Stadtgemeinde Rothenfels

(Chronik Fuß), Bd. I

Chronik der Stadtgemeinde Rothenfels

(Chronik Fuß), Bd. II

Chronik der Stadtgemeinde Rothenfels

(Chronik Fuß), Bd. III

IV 3/6 Chronik der Stadtgemeinde Rothenfels

(Chronik Fuß), Bd. IV

IV 3/7 Chronik der Stadtgemeinde Rothenfels

(Chronik Fuß), Bd. V (Reste)

IV 8/5 Gewerbe-Anmelderegister 1868-1877

IV 8/6 Register der Gewerbe-Niederlegungen

1868-1878

IV 9/7 Aufnahmegebühren für Bürger 1869-1896

IV 9/9 bis IV 9/18 Heberegister für Grund-

Haus-, Gewerbe-, Kapitalrenten- und

Einkommensteuer 1876 bis 1883

Archiv Bergrothenfels

21-1 Sitzungsprotokolle der Gemeindeverwaltung

1817-1841

21-2 Sitzungsprotokolle der Gemeindeverwaltung

1836-1844

21-3 Sitzungsprotokolle der Gemeindeverwaltung

1844-1868

21-5 Sitzungsprotokolle der Gemeindeverwaltung

1880-1890

21-6 Sitzungsprotokolle der Gemeindeverwaltung

1891-1905

23-11 Grundbuch der Bedegefälle 1825-1841

24-5 Abschriften diverser Rundschreiben usw.

1849-1856

25-3 Protokolle diverser Viehkaufverträge

1840-1874

25-4 Protokolle diverser Kaufverträge 1845-1853

311-1 bis 311-74 Jahresrechnungen 1812/18 bis

1895

312-1 bis 312-13 Urkunden zur Bergrothenfelser

Gemeinderechnung 1819/20 bis 1833/34

40-1 Grundbuch der Brandversicherung 1830

40-16 Brandversicherung nach 1875

41-2 Heimatrecht, Eheschließung 1844-1875

41-3 Urwahllisten Teil 1, Mitte 19. Jh.

41-4 Urwahllisten Teil 2, Mitte 19. Jh.

41-11 Bürgerverzeichnisse 1869-1911

41-45 Zwangsvollstreckung, Versteigerung

1882-1931

43-2 Ortsgeschichte von Bergrothenfels

(Chronik Göpfert)

48-5 Gewerbeabmeldungen 1882-1931

Verwaltungsgemeinschaft (VG) Marktheidenfeld

Standesamt Bergrothenfels: Geburtsregister Bde. I und

II, Heiratsregister Bd. I, Sterberegister Bde. I-III

Standesamt Rothenfels: Geburtsregister [Bde. I und

II], Heiratsregister [Bd. I], Sterberegister

[Bde. I-II]

Standesamt Karbach: Heiratsbuch Bd. I, Sterbebuch

Bd. I


80 Winfried Mogge

Abbildungsnachweis

Ludwig Braunfels, Die Mainufer und ihre nächsten

Umgebungen, Würzburg 1847: S. 6

Wolfgang Denninger, Unterpleichfeld: S. 9

Günter Giessler, Rothenfels: Umschlagbild, S. 43

Hellmut Harth, Rothenfels: S. 44 mitte links

Landesamt für Digitalisierung, Breitband und

Vermessung (Bayerische Vermessungsverwaltung),

München:

S. 15 rechts (Ausschnitt aus NW.085.62b),

S. 41 (Ausschnitt aus NW.085.61c),

S. 47 (Ausschnitt aus NW.085.62d)

Luftbilddokumentation Klaus Leidorf, Buch: S. 85

Winfried Mogge, Berlin: S. 16, 18, 25, 33, 44 oben

links und rechts, 44 mitte rechts, 44 unten links

und rechts, 45 alles, 54 oben rechts, 56 links

Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius, Pfarrarchiv

Rothenfels: S. 27

Leonhard Scherg, Marktheidenfeld: S. 56 rechts

Georg Schnabel, Karlstadt: S. 3, 54 oben links,

54 unten links und rechts, 55

Staatsarchiv Wertheim: S. 64, 65

(StAWt-R R 76, Rothenfelser Amtsrechnung

Jg. 1743/44)

Staatsarchiv Würzburg: S. 11, 13

(StAWü WU 6507, WU 7746)

Stadtarchiv Lohr: S. 49, 60

Stadtarchiv Rothenfels: S. 15 links, 23, 36, 46, 87

Dank

Für freundliche Hilfe vieler Art (sachkundige Hinweise,

Hilfe bei den Recherchen, Übertragung hebräischer

Namen, Beschaffung und Nachdruckerlaubnis von

Bildern) ist zu danken:

Gerhard Bregenzer, Rothenfels

Wolfgang Denninger, Unterpleichfeld

Rebekka Denz M. A., Braunschweig

Dr. Martina Edelmann, Veitshöchheim

Elisabeth Ehring, Rothenfels

Barbara Endres, Marktheidenfeld

Ingrid Engelke, Rothenfels

Michal Friedlander, Berlin

Günter Giessler, Rothenfels

Hellmuth Harth, Rothenfels

Josef Harth, Lohr

Dr. Ingrid Heeg-Engelhart, Würzburg

Martina Heine, Wertheim

Dr. Peter Kolb, Würzburg

Klaus Leidorf, Buch

Wiltrud Mogge, Berlin

Prof. Dr. Dr. Karlheinz Müller, Würzburg

Norbert Oestel, Rothenfels

Walter Rausch, Rothenfels

Rosemarie Richartz, Rothenfels

Dr. Rotraud Ries, Würzburg

Roswitha Roth, Rothenfels

Udo Roth, Rothenfels

Dr. Leonhard Scherg, Marktheidenfeld

Georg Schnabel, Karlstadt

Siegfried Straub, Rothenfels

Dr. Torben Stretz, Trier

Hans Walter, Rothenfels

Claudia Wieland, Wertheim

Werner Zürn, Rothenfels

Bürgerbüro Neuhof-Fulda

Diözesanarchiv Würzburg

Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main

Jüdisches Museum Berlin, Bibliothek

Jüdisches Museum Frankfurt am Main

Landesamt für Digitalisierung, Breitband und

Vermessung, München

Pfarreiengemeinschaft St. Laurentius,

Marktheidenfeld

Staatsarchiv Wertheim

Staatsarchiv Würzburg

Stadtarchiv Lohr

Stadtarchiv Würzburg

Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg

Stadtverwaltung Rothenfels

Standesamt Lohr

Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld

Für sachkundige Hinweise und kritisches Lektorat ist

Rotraud Ries und Leonhard Scherg besonders zu danken.


Juden von Rothenfels 81

Abkürzungen

Anm.

Anmerkung

Bd., Bde.

Band, Bände

bearb., Bearb.

bearbeitet, Bearbeiter(in)

bzw.

beziehungsweise

d

denar (Pfennig)

DAW

Diözesanarchiv Würzburg

ders.

derselbe

f, ff folgende Seite(n)

fl

florin (Gulden)

fol.

folio (Blatt)

geb.

geboren

gest.

gestorben

GrStKat

Grundsteuerkataster

H. Heft

hg., Hg.

herausgegeben,

Herausgeber(in)

Jh.

Jahrhundert

kath.

katholisch

kr

Kreuzer

lb

libra (Pfund)

Nr.

Nummer

PfarrAR

Pfarrarchiv Rothenfels

Rep.

Repertorium

S. Seite(n)

StA

Staatsarchiv

StadtA

Stadtarchiv

StadtAR

Stadtarchiv Rothenfels

StAWt

Staatsarchiv Wertheim

StAWü

Staatsarchiv Würzburg

u. a. unter anderem

v. von

VG

Verwaltungsgemeinschaft

vgl.

vergleiche

z. B. zum Beispiel

Personenregister

Namen, die sich nicht im Text finden, sind in den Anmerkungen

zu suchen.

Bei Namenswechsel durch Heirat, Taufe oder Annahme

fester Familiennamen steht der Ursprungsname in

eckigen Klammern.

Aaron 22, 23, 66

Aaron (Sohn des Feyferl) 20

Aaron zum Fröhlichen Mann (Geldgeber) 20

Abraham (Sohn des Ambsell) 20

Abt, Michael 46

Adler, Abraham (Distriktsrabbiner) 53

Adler, Joseph I (Makler) 47

Adler, Löb (Makler) 47

Adler, Samuel Hirsch (Rabbiner) 53

Albert, Melchior (Schmied) 29

Albert, Sebastian 43

Ambsell (Händler) 20

Armleder s. Uissigheim

Aulenbach, Johann 46

Baer, Babette 59

Baer, Clementine 59

Baer, Hippolyt (Weinhändler) 59

Baer, Joseph 59

Baer, Max 59

Baer [Grünewald], Rachel 58, 59

Bamberger, Seligmann Bär (Oberrabbiner) 53

Bauer, Franz Anton (Pfarrer) 15

Beck, Andreas (Landwirt) 29

Beeß (Besse) (Frau des Mendlein) 19

Behr , Behrlein, Berlein s. Perlein

Behrlein, Moyses s. Moyses

Berl (Perlein), Moyses 7, 24-26, 38, 42, 66, 67, 74

Bernay, Benjamin 47

Bernay, Joseph 58, 66

Besse s. Beeß

Bessinger, Conrad (Steinhauer) 43

Bestian (zu Rothenfels) 14

Bibra, Lorenz von (Fürstbischof) 17

Bing, Abraham (Oberrabbiner) 53

Christenfels, Franz Ludwig 55

Christenfels, Franz Nikolaus 55

Dalberg, Karl Theodor von (Fürstprimas) 31

Dauch, Michael (Bäcker) 42

Davit (Lehrer) 20

Dettelbach, von (Familie) 14

Echter von Mespelbrunn, Julius (Fürstbischof) 18, 28

Ehrenberg, Philipp Adolph von (Fürstbischof) 28

Elle (Dienstmagd) 20

Emmerich, Anton 47

Endres, Hans (Flößer) 20

Erlanger, Jacob (Rabbiner) 53

Eschwege, Hirsch (Lehrer) 52

Ester (Frau des Joseph) 19

Feyferl (Feiferl, Feiferlein) (Händler) 20, 29

Fleischmann, Franz Nikolaus (Stadtschreiber) 55


82 Winfried Mogge

Freudenberger [Moises], Abraham 38, 58, 67, 68

Freudenberger, Benjamin 28, 58, 67, 68

Freudenberger [Hirsch], Beß 58, 68

Freudenberger [Männlein], Giedel 38, 68, 71

Freudenberger, Hanna 58

Freudenberger, Joanna Schön s. Tannenwald

Freudenberger [Männlein], Moises 38, 67, 68, 71

Freudenberger [Männlein], Nathan 29, 38, 67, 68, 71

Freudenberger [Moises], Nathan 34, 35, 38, 39, 46,

50, 52, 55, 57, 58, 67, 68

Freudenberger [Schlesinger], Regina 55, 58, 68, 71

Freudenreich, Maier (Metzger) 40

Fröhlich [Heil], Giedel (Jentel) 36, 69

Fröhlich, Simon 69

Fuchs von Dornheim, Anna Maria 42

Fuß, Georg Max (Lehrer) 15, 29

Gerhard, Georg 45

Germann, Johann 46

Glück, Margaretha 55

Glück, Peter Philipp 55

Greiffenclau, Johann Philipp von (Fürstbischof)

22, 23

Greiffenclau, Karl Philipp von (Fürstbischof) 26, 30

Göpfert, Anton (Lehrer) 38

Götz, Konrad (Ingenieur) 50

Gottfried (Schultheiß) 10

Greß, Anna 47

Grünebaum, David (Händler) 69

Grünewald, David (Händler) 37, 45, 58, 66

Grünewald, Rachel s. Baer

Grünewald [Heil], Vögele (Fanny) 45, 58, 69, 72

Grumbach, von (Edelfreie) 10, 11

Grumbach, Marquard II. von 9

Gutradt (Tochter des Feyferl) 20

Guttenberg, Charlotta Katharina Brigitta von

s. Hettersdorf

Habriel (Lehrer) 19, 51

Häcker, Joseph Georg (Herrschaftsrichter) 35

Hamburger, Amsel (Amschel) 39, 58, 67, 71

Hamburger, Benjamin 39, 52, 58, 67, 71

Hamburger, Giedel (Handelsfrau) 39, 40, 71

Hamburger, Hänlein (Hila, Hille, Hinlein)

(Buchbinder) 35, 39, 40, 47, 67

Hamburger, Löb (Löw) 39, 40, 52, 67, 71

Hamburger, Madel 71

Hamburger, Oschel 39, 52, 67

Hamburger, Reichel (Witwe) 71

Hamburger, Rosina 58

Heil, Abraham (Landwirt) 35, 36, 40, 43, 45, 46, 52,

55, 57, 58, 66, 67, 69, 72

Heil, Abraham (Händler) 37, 57, 66

Heil, David (Landwirt) 35, 36, 39, 40, 45-47, 52, 54,

55, 57, 58, 66, 67, 69, 72, 73

Heil, Dolz s. Heß

Heil, Elia (Kind) 69, 72

Heil, Fanny (Vögele) s. Grünewald

Heil, Feigel (Vogel) s. Kahn

Heil, Giedel s. Fröhlich

Heil, Golda (Kind) 69, 72

Heil [Lindheim], Hanna 40, 45, 58, 69, 72

Heil [Stiefel], Jethe 57, 69, 72

Heil, Joseph (Händler) 26, 36, 37, 43, 45, 52, 55, 57,

66, 69, 72

Heil [Isack], Nathan (Händler) 26, 35, 36, 40, 43,

46, 51, 66, 67, 69, 72

Heil, Nathan (Kind) 55, 69, 72

Heil, Reiz (Rosa) 69, 72

Heil, Reiz (Rosa) s. Kahn

Heil, Riela (Riele) 69, 72

Heil, Riele (Kind) 69, 72

Heil [Stern], Rosetta (Rosel) 40, 47, 54, 55, 58, 69,

72, 73

Heil, Vögele (Fanny) s. Grünewald

Heinemann, Nathan (Rabbiner) 53

Heinrich de Windau (Priester) 10

Herrmann, Benjamin (Händler) 35, 39, 52, 55, 67,

72

Herrmann, David 54

Herrmann, Dolz 72

Herrmann, Ester 72

Herrmann, Margaretha 58

Herrmann [Nathan], Isaak (Isack) 38, 39, 52, 67, 72

Herrmann [Nathan], Jakob 39, 52, 67

Herrmann, Jede (Jethe) 51

Herrmann, Minna s. Weinstock

Herrmann [Hirsch], Nathan 38, 46, 54, 67, 72

Herrmann, Nathan 39, 67

Heß, Hajm (Hajum) (Händler) 36, 55, 69

Heß [Heil], Dolz 55, 69

Hettersdorf [Guttenberg], Charlotta Katharina Brigitta

von 56

Hettersdorf, Philipp Emmerich Philibert von

(Oberamtmann) 42, 56

Hirsch (Hirschlein) (Händler) 21, 29, 37, 66

Hirsch, Beß s. Freudenberger

Hirsch, Malez s. Leib

Hirsch, Nathan s. Herrmann

Hirsch (Hirschlein), Nathan 7, 24-26, 37, 38, 42, 54,

66, 67, 74

Hirschlein, Johann (Steinhauer) 47

Hirschlein, Margaretha (Witwe) 47

Hutten, von (Familie) 20

Ingelheim, Anselm Franz von (Fürstbischof) 7, 25,

26

Isaak, Nathan 54

Isac (Lehrer) 51

Isack, Nathan s. Heil

Itzig 38, 67

Jacob (Sohn des Feyferl) 20

Jacob (von Rothenfels) 14

Jentlein (Tochter des Ambsell) 20

Jöstle (Jöstlein) 20, 28, 66

Jöstlein 19, 42, 66

Johel zum Birnbaum (Geldgeber) 20

Joseph (Händler) 19-21, 66

Joseph de Wertheim 11, 12


Juden von Rothenfels 83

Joseph, Michael 55

Jud, Eva (Müllersfrau) 17

Jud (Jude, Jüde), Hans (Müller) 17

Jud, Heintz 17

Jud, Paul (Landwirt) 17

Judith (Tochter des Feyferl) 20

Kahn, Babett 70

Kahn, Benjamin 70

Kahn [Heil], Feigel (Vogel) 69, 70, 73

Kahn, Frieda s. Völker

Kahn, Isak (Kind) 70

Kahn [Kahn], Meta 59, 70

Kahn, Michael (Händler) 36, 55, 58, 59, 69, 70, 73

Kahn, Nathan (Händler) 39, 40, 47, 57, 58, 67, 69,

70, 73

Kahn, Riela (Kind) 55, 58, 70, 73

Kahn [Heil], Reiz (Rosa) 58, 69, 70, 72, 73

Kahn, Rosetta 70

Kahn, Sani (?) 70

Kahn, Sigmund 70

Klopf, Johannes 46

König Armleder s. Uissigheim

König Rintfleisch s. Rintfleisch

Kohn, Israël (Rabbiner) 38, 51

Kraus, Johann Adolph (Pfarrer) 35

Lämmlein, Benjamin (Lehrer) 52, 53

Lang, Hans gen. Stockstatter (Wirt) 20

Lazarus, Moses (Moises, Moschel, Moyses, Moyßel)

21, 26, 29, 37, 43, 45, 46, 48, 49, 51, 53, 66, 74

Lea (Frau des Feyferl) 20

Leib [Hirsch], Malez 54

Leser (Knecht) 51

Liebman (Sohn des Ambsell) 20

Lindheim, Elias (Weinhändler) 72

Lindheim, Hanna s. Heil

Lindheim, Lina 72

Lippert, Franz Ludwig (Centgraf) 55

Lochner von Hüttenbach, Joseph Christian

(Oberamtmann) 26, 38

Löb (Händler) 29

Löblein (Händler) 29

Löblein (Löwelein) 26

Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, von (Fürsten)

31, 50, 53

Löwenthal, Jonas (Lehrer) 52

Ludwig I. (König von Bayern) 52

Ludwig IV. (Kaiser) 10, 14

Männlein (Männle) 24, 28, 29, 38, 42, 46, 48, 52,

66-68

Männlein, Giedel s. Freudenberger

Männlein, Moises s. Freudenberger

Männlein, Nathan s. Freudenberger

Maria (Frau des Moyses) 20

Maximilian II. (Kaiser) 17

Maximilian II. (König von Bayern) 32

Mayer s. Moyses, Mayer

Mayer (Mayerlein, Meier, Meierlein, Meyer, Meyerlein)

(Sohn des Mendlein) 20, 21, 28, 66

Mayer, Isack 26, 66

Meier, Meierlein s. Mayer

Mendlein (Sohn des Feyferl) 20

Mendlein (Händler) 19-21, 66

Meyer, Meyerlein s. Mayer

Moises, Abraham s. Freudenberger

Moises, Nathan s. Freudenberger

Moschel, Moses, Moyses s. Lazarus

Moyses (Sohn des Joseph) 20

Moyses, Behrlein (Sohn des Lazarus) 66

Moyses, Jude am Maintor 20, 21, 29, 42, 66, 74

Moyses, Mayer (Händler) 26, 43, 48, 57, 66, 74

Moyses, Nathan (Sohn des Lazarus) 26, 66

Mynner, Heintz 15

Nathan s. Moyses, Nathan

Nathan (Händler) 21, 23, 24, 42, 66

Nathan de Rothenfels 9, 11-14

Nathan, Isaac 67

Nathan, Isack s. Herrmann

Nathan (nicht zuzuordnende Namensträger) 54, 55

Niederhöfer, Maria Philippina Charlotta 56

Oscher (Viehhändler) 37

Papius, Johann Wilhelm Cyriacus (Amtskeller)

48, 49, 53

Perl s. Perlein

Perlein (Behrlein) (Händler) 29, 38, 66, 67

Perlein (Behrlein) (Sohn des Mendlein) 20-23, 28, 66

Perlein (Behrlein) (Sohn des Nathan) 21, 23, 24, 42,

66

Pfeuffer (Viehhändler) 37

Pleichfeld, Billung d. J. von (Ritter) 11

Rachel (Tochter des Joseph) 20

Rieneck, von (Grafen) 9-11

Rintfleisch gen. König Rintfleisch 13

Rosenbusch, Lazarus (Rabbiner) 53

Roth, Johann 46, 47

Roth, Joseph (Landwirt) 37

Roth, Karl Ambros 47

Salomon (Krämer) 37, 51

Samuel (Händler) 21, 66

Samuel (in Karbach) 26

Scheeb, Oswald 45

Scheiner, Michael 43

Scherenberg, Rudolf II. von (Fürstbischof) 10

Schim'on (aus Wertheim) 12

Schlesinger, Regina s. Freudenberger

Schlomm (Schlommel, Schlummel) (Händler) 29,

38, 46, 67

Schönborn, Friedrich Karl von (Fürstbischof) 24, 25

Schönborn, Johann Philipp Franz von (Fürstbischof)

23, 37

Schüppert, Andreas 44, 45

Schwindt, Joseph (Krämer) 42

Seinsheim, Adam Friedrich von (Fürstbischof) 49

Selig, Esther 57

Sender (Sendter) (Händler) 38, 46, 67

Sickingen, von (Familie) 20, 61

Sondheimer, Hillel Wolf (Distriktsrabbiner) 53


84 Winfried Mogge

Stern, Franz Joseph (Amtskeller) 42

Stern, Lea 40

Stern, Reitz 72

Stern, Rosetta (Rosel) s. Heil

Stern, Simon Levi (Händler) 72

Stiefel, Elster 72

Stiefel, Jethe s. Heil

Stiefel, Marx 72

Straub, Johann (Steinmetz) 55

Tannenwald, Friedel 47

Tannenwald, Jakob 58

Tannenwald [Freudenberger], Joanna Schön 58

Tinctorius, Matthias (Pfarrer) 16

Truhendingen, Siegfried von (Fürstbischof) 12

Uhl, Philipp (Küfer) 43

Uhl, Sebastian (Küfer) 43

Uissigheim, Arnold von gen. König Armleder 13

Ulrich, Sebastian (Metzger) 42

Völcker, Hanns Jörg 43

Völker, Andreas Benno (Steinhauer) 57, 58, 70

Völker, [David] Joseph 57, 70

Völker, [Erna] Barbara 57, 70

Völker [Kahn], [Frieda] Friederike Maria 57-59, 70,

73

Völker, Johann Michael 70

Völker [Harth], Maria Anna 70

Völker, Rupert Alfred 57, 70

Voit von Rieneck (Familie) 42

Voit von Rieneck, Eitel (Ritter) 10, 17

Weber, Hans (Schiffer) 15

Weinstock, Löb (Viehhändler) 73

Weinstock [Herrmann], Minna (Witwe) 55, 73

Weitzel, Johann Michael (Büttner) 56

Weitzel, Maria Philippina Charlotta s. Niederhöfer

Weitzenfelder, Moses (Lehrer) 52

Weyrich, Georg 46

Wießmann, Anna Maria 58

Wirsberg, Friedrich von (Fürstbischof) 17

Wölfflein (in Zimmern) 20

Wolff 37, 67

Wolfskeel, Otto II. von (Fürstbischof) 10, 14

Wolfskeel von Reichenberg (Freiherren) 56

Zehner, Georg Friedrich (Judenamtmann) 48

Zinia (Frau des Ambsell) 20

Ortsregister

Die häufig genannten Orte Rothenfels, Bergrothenfels

und Würzburg werden im Register nicht verzeichnet.

Ortsnamen, die sich nicht im Text finden, sind in den

Anmerkungen zu suchen.

Almelo 59

Ansbach 18, 36, 64, 65

Arnstein 13, 24

Aschaffenburg 50, 52, 53

Birkenfeld 18, 19, 61, 64, 65

Erbach-Eichberg 59

Erlach 18, 64, 65

Erlenbach 36

Esselbach 18, 64, 65

Frankfurt am Main 7, 14, 20, 55, 58, 59

Gemünden 13, 14, 19

Greußen s. Greußenheim

Greußenheim (Greußen) 18-20, 29, 33, 36, 37,

51-53, 61-65

Hadamar 59, 70

Hafenlohr 18, 57, 64, 65

Heidenfeld s. Marktheidenfeld

Heidingsfeld 17, 50, 51, 53

Hochhausen 57, 69, 72

Homburg am Main 13, 55

Jerusalem 12

Karbach 18-22, 26, 29, 33-37, 40, 47, 51-53, 55, 58,

61-66

Karlstadt 7, 13, 18, 55

Kirchschönbach 57

Kleinwallstadt 39

Kredenbach 29

Laudenbach 7, 18, 32, 36, 53-55, 71

Lohr 13, 16, 18-20, 40, 57-59, 67, 70

Marienbrunn (Mergenbrunn) 18, 65

Marktheidenfeld (Heidenfeld) 18, 19, 35

Marktsteft 40, 69, 72

Mergenbrunn s. Marienbrunn

Miltenberg 40, 69, 72

Neuhof-Fulda 59

Neustadt am Main 9, 18, 20, 35, 50, 64, 65

Oberndorf 18, 64, 65

Pflochsbach 18, 35, 64, 65

Philadelphia 57, 58

Rathsfeld 57

Reichenberg 56

Rieneck 13

Roden 18, 56, 64, 65

Röttingen 13

Rottenbauer 40

Sendelbach 18, 64, 65

Sobibor 59

Steinbach 18, 20, 31, 32, 40, 55, 67, 69, 70, 73

Steinfeld 18, 64, 65

Sulz am Wald 59

Theresienstadt 59, 70, 73

Trennfeld 29

Unterdürrbach 11

Urspringen 18, 29, 32, 36, 40, 47, 53

Veitshöchheim 26

Waldzell 18, 64, 65

Wertheim 8, 12, 20, 30, 38, 53, 58

Wiesenfeld 18, 32

Windau s. Windheim

Windheim (Windau) 10, 17, 18, 27, 64, 65

Zimmern 17-20, 27, 61, 64, 65


Juden von Rothenfels 85

Nachwort und Nachträge

Am 10. Dezember 2015 wurde dieses Buch im Rathaus

zu Rothenfels einem großen und höchst interessierten

Publikum vorgestellt. Kurz darauf war die

erste, gedruckte Auflage vergriffen. Der Nachdruck einer

Kleinstauflage verbot sich aus Kostengründen.

Umso erfreulicher ist es, dass nun, mit freundlichem

Einverständnis des Verlages Königshausen & Neumann,

im Rahmen des neuen Internet-Auftritts des

Förderkreises Synagoge Urspringen e. V. eine online-

Ausgabe zur Verfügung gestellt werden kann. Hier, bei

der Schaltstelle zur Erforschung und Bewahrung der

Geschichte der Juden im heutigen Main-Spessart-

Kreis, ist der richtige Ort für diese Publikation.

Dies ist auch eine Gelegenheit, Korrekturen und

Ergänzungen zur ersten Auflage anzubringen. Einige

kleinere Fehler wurden im vorliegenden Text verbessert,

einige Nachträge sind auf dieser Seite angehängt.

Denn das Thema ist nicht etwa abgeschlossen.

Weitere eigene Nachforschungen und auch erste Hinweise

von Bürgerinnen und Bürgern von Rothenfels

und Bergrothenfels zeigen, dass weiterführende Ergebnisse

möglich sind.

Nachträge

Eine Durchsicht der Jahresrechnungen des Amtes Rothenfels

aus dem 17. Jahrhundert ergab: Die einheimischen

jüdischen Händler lieferten Baumaterial und

Gebrauchswaren auch in die Burg. 1683/84 verkaufte

Moyses Jude zu Rottenfels dem Amtskeller in der Burg

Bretter und Nägel. 355 Von 1683/84 bis 1697/98 taucht

Jud Perlein (Berlein, Behrlein) als Lieferant für Bretter,

Nägel und Blei auf, einmal (1697/98) besorgt er

für die Burg auch zwei eiserne Öfen und zwei Wasserkrüge.

356 Die biografischen Mitteilungen im Buch (S.

21 und Tabellen) werden durch diese Daten ergänzt

und bestätigt.

Zu den Nachkommen der letzten jüdischen Familie

in Bergrothenfels (vgl. S. 57 und 70) gibt es eine Ergänzung:

Erna Völker (1896-1966), Tochter von Frieda

Völker geborene Kahn (1872-1930) und Andreas

Benno Völker (1870-1907), verstorben in Würzburg,

lebte als ledige Zigarrenarbeiterin in Bergrothenfels,

Haus Nr. 45 (ein inzwischen nicht mehr vorhandenes

Häuschen an der Straße Zum Alten Herrgott). 357 Obwohl

sie nach der Konversion und Verheiratung ihrer

Mutter (1901) selbst katholisch war, behielt sie den –

nicht unfreundlich gemeinten – Spitznamen „Jüde

Erna“. 358

355 StAWt-R R 76, Amtsrechnung Jg. 1683/84 fol. 87.

356 StAWt-R R 76, Amtsrechnungen Jg. 1683/84 fol. 87', 1687/88

fol. 79', 1688/89 fol. 76', 1693/94 fol. 98', 1695/96 fol. 96',

1696/97 fol. 97, 1697/98 fol. 96.

357 Freundliche Mitteilungen der Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld,

dort des Standesamtes, und des Standesamtes Lohr.

358 Freundliche Mitteilung von Roswitha Roth (Bergrothenfels).

Korrekturen

Die Besitzer der gedruckten Ausgabe von 2015 wollen

bitte folgende Korrekturen nachtragen:

S. 42 Anm. 232: Abbildung S. 41 (nicht 39)

S. 43 Anm. 246: Abbildung S. 41 (nicht 39)

S. 84, Personenregister:

Ergänzen bei Völker, [David] Joseph: 70

Ergänzen bei Völker, [Erna] Barbara: 70

Ergänzen bei Völker, Rupert Alfred: 70

Nachtragen: Völker, Johann Michael 70

Nachtragen: Völker [Harth], Maria Anna 70

Nachfragen

Seit dem Ende der jüdischen Gemeinde von Rothenfels

und Bergrothenfels und dem Verkauf ihrer letzten

Häuser sind 130 und mehr Jahre vergangen. Die ehemaligen

Wohnstätten wurden inzwischen mehrmals

modernisiert oder durch Neubauten ersetzt. Der ehemalige

„Judenkirchhof“ war sogar schon im späten

Mittelalter aufgelassen. Trotzdem ist nicht auszuschließen,

dass sich noch Spuren oder Erinnerungen

auftun.

Von den infrage kommenden Museen und Sammlungen

gab es nur Fehlanzeigen. Vielleicht ist trotz aller

bisher ergebnislosen Nachfragen „vor Ort“ doch

noch etwas zu finden – ein Türpfosten mit einer „Mesusa“

(Rille für eine Kapsel mit Segenssprüchen) verbaut,

eine hebräische Inschrift versteckt, der Rest

eines Inventars der Betstuben oder Wohnungen ererbt?

Oder ein Bild, eine Fotografie, ein Bericht, ein Brief

ehemaliger Nachbarn aus der Zeit der Groß- und Urgroßeltern

verwahrt, eine Erinnerung mündlich überliefert?

Vielleicht gibt es Hinweise auf oder gar

Kontakte mit Nachfahren jüdischer Familien aus Rothenfels

und Bergrothenfels in Würzburg, Frankfurt

oder den USA?

Der Verfasser ist für jeden Hinweis dankbar!

Berlin, März 2016

Dr. Winfried Mogge

Rauentaler Str. 12, 13465 Berlin

(039) 46 999 705

w.mogge@arcor.de

www.winfried-mogge.de

Hinweis

Eine Kurzfassung zur Geschichte der jüdischen Gemeinde

von Rothenfels und Bergrothenfels findet sich

in der Datenbank der Arbeitsgemeinschaft Alemannia

Judaica:

www.alemannia-judaica.de/rothenfels_synagoge.htm


Vom selben Autor

ist zu Burg und Stadt Rothenfels erschienen:

„Dies uralt Haus auf Felsengrund ...“

Rothenfels am Main:

Geschichte und Gestalt einer unterfränkischen

Burg

Rothenfels / Burg Rothenfels

Schnell Kunstführer Nr. 740

5., neu bearbeitete Auflage

24 Seiten mit 19 Abbildungen

Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2009

ISBN 978-3-7954-4473-0

Burg Rothenfels im Hochmittelalter

In: Spessart – Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft

Spessart, Oktober 2012, S. 3-14

Die Anfänge von Rothenfels

Legenden und Tatsachen

In: Spessart – Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft

Spessart, Juni 2013, S. 17-24

Die Stadt Rothenfels im Mittelalter

Rothenfels am Main zählt zu den wenigen unzerstörten

und noch bewohnten deutschen Burgen des

Mittelalters. Im Jahr 1150 gegründet als Sitz der

edelfreien fränkischen Familie von Grumbach, kam

sie 1343 an das Fürstbistum Würzburg, dem sie bis

Ende 1802 als Amts- und Gerichtssitz diente. 1919

zog mit der katholischen Jugendbewegung Quickborn

neues Leben in die alten Mauern ein. Heute

arbeitet die Burg als unabhängige Tagungsstätte und

Jugendherberge.

Die romanische Anlage der Anfangszeit ist in guten

Teilen noch sichtbar, ergänzt durch spätgotische

Neubauten des 16. Jahrhunderts, ein spätbarockes

Amtshaus und weitläufige Wirtschaftsgebäude.

Nach jahrzehntelangen Sanierungen gilt Rothenfels

als Musterbeispiel für die gelungene Erhaltung eines

Kulturdenkmals mit neuer Nutzung.

Die Schicksale der Burg werden hier vor dem Hintergrund

der fränkischen und deutschen Geschichte

nachgezeichnet. Ausführlich wird auch die Baugeschichte

analysiert und dokumentiert, ergänzt mit

zahlreichen historischen und aktuellen Plänen, Abbildungen

und Fotografien. Politische, soziale und

religiöse Entwicklungen, Wirtschafts- und Kunstgeschichte

kommen zusammen, mit teils überraschenden

Ergebnissen quer zur bisherigen Forschung.

464 Seiten, einschließlich 231 Abbildungen und 15

Farbseiten

Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2012

ISBN 978-8260-4989-7

Beobachtungen zur Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur

In: Spessart – Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft

Spessart, Juli 2013, S. 11-17

Ein „unrentierliches Objekt“?

Rothenfels im Fokus der Grafen von Wertheim und

Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg

In: Wertheimer Jahrbuch 2012, Wertheim 2013,

S. 85-116

„ain starcke veste burgk“

Zur Baugeschichte der Burg Rothenfels am Main

In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und

Kunst Bd. 65, Würzburg 2014, S. 29-58

Gralsburg und Ehrenmal

Anmerkungen zur Idee und Ideologie der

Jugendburg

In: Burgen und Schlösser – Zeitschrift für Burgenforschung

und Denkmalpflege, 2/2014, S. 105-115

Der Alltag war bunt

Die farbige Gestaltung und Ausstattung von Burgen

am Beispiel von Rothenfels

In: Beiträge zur Geschichte der Stadt und des

Raumes Lohr, Ausgabe 2015 (Schriften des Geschichts-

und Museumsvereins Lohr a. Main Folge

58/2015), S. 63-85


Finis.

Schriftzug aus dem Rothenfelser Ratsprotokollbuch 1732-1751


In der unterfränkischen Kleinstadt Rothenfels am Main gab

es schon im Mittelalter eine jüdische Gemeinde, die in unbekannter

Zeit unterging. Erst im 17. Jahrhundert siedelten sich in

der Stadt, danach in dem zugehörigen Dorf Bergrothenfels Juden

erneut an. Deren Geschichte endete vor 1900 wegen Überalterung

der Familien und Abwanderung ihrer jungen Mitglieder. Einige

Nachkommen sind in Würzburg und Frankfurt am Main – und in

nationalsozialistischen Vernichtungslagern nachweisbar.

Die bisher unbekannte Geschichte dieser kleinen fränkischen

Landjudengemeinde wird hier aus zahlreichen amtlichen Akten,

Korrespondenzen und Protokollen rekonstruiert. Auch die vor

Ort fast völlig verwehten Spuren der Juden werden entdeckt: ein

schon vor Jahrhunderten aufgelassener Friedhof, die ehemaligen

Wohnstätten und die nur noch literarisch überlieferten Gemeindezentren.

So entsteht ein Bild der wechselhaften Geschicke der Rothenfelser

und Bergrothenfelser jüdischen Familien, ihres Lebens und Arbeitens

als Händler und Bauern. Deutlich wird der lange Weg einer

religiösen Minderheit im Wandel der Politik zwischen Vertreibung

und Duldung, Ausgrenzung und Emanzipation.

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