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AQIDEH - Die Glaubensgrundsätze der Ehlu Sunneh wel Dschema'ah (Leseprobe)

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Köln 2015


info@erolmedien.de

ISBN: 978-3-95707-011-1

Originaltitel: Delillerle İslam Akaidi

Autor: Hüseyin Okur

Übersetzung: Salih Yılmaz

Lektorat: Salih Yılmaz

Sprachliches Lektorat: Ali İhsan Weiger

İnhaltliches Lektorat: Ridvan Sönmez/ Harun Reşit Şahin

Quellenrecherche: Hasan Karadoğan/Hüseyin Karadoğan

Covergestaltung: Mustafa Hıçkıran

Layout: Yusuf Yelesen/Canan Yelesen

Druck: Neuauflage

© Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Sämtliche,

auch auszugsweise, Verwertungen bleiben vorbehalten.

Erol Medien GmbH

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AQIDEH

Die Glaubensgrundsätze der Ehlu Sunneh wel Dschema‘ah

Hüseyin Okur

Übersetzung: Salih Yılmaz


Inhaltsverzeichnis

Anmerkung.......................................................................................... 8

Vorwort.............................................................................................. 11

1. Kapitel..................................................................................... 15

Die Religionen................................................................................... 15

Die Merkmale der wahrhaftigen Religion .......................................... 18

Iman .................................................................................................. 20

Die besonderen Merkmale der Glaubensgrundlagen........................... 22

Islam................................................................................................... 25

Der Iman ist eine Herzensangelegenheit............................................. 27

Die Voraussetzungen für die Gültigkeit des Iman............................... 28

Die Einordnung der Menschen aufgrund ihres Glaubens.................... 35

Die Sünden........................................................................................ 38

2. Kapitel..................................................................................... 43

Der Glaube an Allah und die Eigenschaften Allahs ................... 43

Die Eigenschaften Allahs ............................................................... 46

3. Kapitel..................................................................................... 65

Der Glaube an die Engel.................................................................... 65

Die Besonderheiten der Engel............................................................. 66

Beauftragte Engel............................................................................... 70

Dschinn und Scheytan....................................................................... 81

4. Kapitel..................................................................................... 89

Der Glaube an die göttlichen Offenbarungsschriften..........................89

Schriftblätter und göttliche Bücher..................................................... 91

Die Notwendigkeit der göttlichen Bücher......................................... 102

5. Kapitel................................................................................... 105

Der Glaube an die Propheten........................................................... 105

Die Propheten, die im Edlen Quran erwähnten werden.................... 107

Die Besonderheiten der Propheten................................................... 108

Die Eigenschaften der Propheten...................................................... 111

5

8. Kapitel 7. Kapitel 6. Kapitel 5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel


7. Kapitel 6. Kapitel 5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

Die Notwendigkeit von Propheten................................................... 115

Mu’dschizheh: Prophetische Wunder................................................ 117

Kerameh und Istidradsch.................................................................. 125

6. Kapitel................................................................................... 129

Der Glaube an das Jenseits................................................................ 129

Tod und Reinkarnation.................................................................... 130

Das Berzakh: Die Zwischenwelt........................................................ 133

Das Leben im Jenseits....................................................................... 139

Die Zeichen des Jüngsten Tages........................................................ 143

Der Jüngste Tag................................................................................ 153

Die Schefa’ah: Die Fürsprache bei Allah ....................................... 164

Die A’raf:

Die Anhöhe zwischen der Dschenneh und der Dschehennem......... 166

Dschenneh und Dschehennem......................................................... 167

Der Sinn des Jenseits........................................................................ 173

7. Kapitel................................................................................... 177

Qader und Qada:

Der Glaube an die Vorherbestimmung und die göttliche Fügung.... 177

Tewekkul: Das Vetrauen in den Erhabenen Allah.............................. 184

Die guten und die schlechten Dinge................................................. 186

Das Rizq........................................................................................... 187

Der Nutzen des Glaubens an Qader und Qada................................. 189

8. Kapitel................................................................................... 193

Rechtsschulen................................................................................... 193

Die Notwendigkeit von Rechtsschulen............................................. 206

Quellenverzeichnis..................................................................... 217

8. Kapitel

6


7. Kapitel 6. Kapitel 5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

Anmerkung

Es ist guter Brauch der Muslime, dem Gesandten Muhammed , den Propheten

und den Prophetengefährten Hochachtung und Liebe entgegenzubringen,

indem wir sie mit unseren Segenswünschen und Bittgebeten

beschenken. Schon die Prophetengefährten pflegten den Brauch, den

Propheten Muhammed mit Segenswünschen zu beschenken. Dieser

Brauch wurde vom Erhabenen Allah im Edlen Quran folgendermaßen

vorgegeben:

„Wahrlich sprechen Allah und Seine Engel Segenswünsche auf den

Propheten (Muhammed). O ihr die ihr glaubt! So sprecht (auch) ihr

auf ihn Segenswünsche und wünscht ihm Frieden!“ 1

Auch die Segenswünsche auf die Prophetengefährten gehen auf einen

Quranvers zurück:

Die Vorangehenden, die ersten der Auswanderer und der Helfer

und jene, die ihnen auf die beste Art gefolgt sind – mit ihnen ist Allah

wohlzufrieden!“ 2

Der Lobpreis, sowie die Segenswünsche und Bittgebete, die wir in diesem

Buch verwenden lauten folgendermaßen:

Wenn der Name des Propheten Muhammed erwähnt wird verwenden

wir, bevorzugt den Ausspruch: „Salla Allahu aleyhi we sellem“ („Allahs

Segen und Friede sei auf ihm“). Diesen Ausspruch kürzen wir mit

folgendem Symbol ab:

Wenn der Name eines Propheten oder eines Engels erwähnt wird, verwenden

wir bevorzugt den Ausspruch: „Aleyhi Selam“ („Friede sei mit

ihm“). Diesen Ausspruch kürzen wir mit folgendem Symbol ab:

1 33. Sure: El-Ehsab, Vers 56.

2 9. Sure: Et-Tewbeh, Vers 100.

8. Kapitel

8


Wenn der Name eines Prophetengefährten bzw. einer Prophetengefährtin

erwähnt wird, verwenden wir bevorzugt den Ausdruck: „Radiya Allahu

Anhu“ bzw. „Radiya Allahu Anha“ („Allah möge mit ihm/ihr zufrieden

sein“). Diesen Ausspruch kürzen wir mit folgendem Symbol ab: bzw.

Wenn man schon dem Gesandten Muhammed , den Propheten,

Gefährten, Engeln und Gottesfreunden Hochachtung

in dieser Form zuteil werden lässt, so ist es eine Selbstverständlichkeit

dass wir Dem Erhabenen Allah eine noch

größere Hochachtung und Ehrerbietung entgegenbringen indem wir

Ihn lobpreisen. Wenn der Name des Erhabenen Allah erwähnt wird,

verwenden wir bevorzugt den Ausspruch: „Dschelle Dschelaluhu“

(„Gewaltig ist Seine Majestät“). Diesen Ausspruch kürzen wir mit folgendem

Symbol ab:

7. Kapitel

4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

6. Kapitel

5. Kapitel

9

8. Kapitel


Vorwort

Jede Religion hat ihre eigene Glaubenslehre. So auch der Islam. Dessen

Glaubenslehre nennt man Aqideh. Diese ist das feste Fundament,

auf dem der Islam gegründet ist. Sie besteht aus der Gesamtheit der

Glaubensgrundsätze, die jeder Muslim zu beachten hat. Der Prophet

Muhammed verkündete der Menschheit diese Glaubensgrundsätze

im Auftrag des Einen und Einzigen Schöpfers. Seine Gefährten gaben

diese Glaubensgrundsätze nach seinem Tode an die nachfolgenden Generationen

weiter und diese schrieben diese nieder und fassten sie zur

„Aqideh der Ehlu Sunneh wel Dschema’ah“ zusammen.

Es ist eines jeden Muslims Pflicht, an die Gesamtheit dieser Glaubensgrundsätze

zu glauben. Nur wer sie ausnahmslos akzeptiert und keinen

von ihnen verleugnet, gilt als Muslim. Schon nebensächlich erscheinende

Abweichungen von diesen Glaubensgrundsätzen können zum

Austritt aus dem Islam führen. Daher sollte jeder Muslim seine Aqideh

genau kennen und diese in seinem Herzen verankert haben. Nur dann

steht seine Religion auf solch einem sicheren Fundament, dass sich darauf

ein erdbebensicheres Glaubensgebäude errichten lässt.

Dieses Werk stellt die Glaubensgrundsätze der Ehlu Sunneh wel Dschema’ah

detailliert dar und belegt diese mit Beweisen aus dem Edlen

Quran und der Sunneh des Propheten Muhammed .

5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

Das erste Kapitel handelt von den Religionen im Allgemeinen und dem

Glauben im Besonderen. Die folgenden sechs Kapitel erläutern die

sechs Grundpfeiler des Islam, die da lauten:

• Glaube an den Erhabenen Allah,

• Glaube an die Engeln,

• Glaube an die göttlichen Offenbarungsschriften,

• Glaube an die Propheten,

• Glaube an das Jenseits und

• Glaube an die Vorherbestimmung und die göttliche Fügung.

11

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel


1. Kapitel

2. Kapitel

Den Abschluss dieses Buches bildet eine Abhandlung über die Entstehung

und Fortentwicklung der Glaubens- und Rechtsschulen. Darin

wird gezeigt, wie wichtig diese für das richtige Verständnis des Islam

und dessen praktische Umsetzung im Alltag sind und welche Gefahren

auf jene lauern, die meinen, auf diese verzichten zu können.

7. Kapitel

6. Kapitel

8. Kapitel

5. Kapitel

4. Kapitel

3. Kapitel

12


1. Kapitel

1. Kapitel

Die Religionen

Alle Religionen erheben den Anspruch, das göttliche Gesetz zu vertreten.

Dabei muss aber unterschieden werden, inwieweit dieser selbstgesetzte

Anspruch auch der Wahrheit entspricht. Denn nicht jede Religion

stimmt vollständig mit den göttlichen Gesetzen überein. Darum

unterscheidet man zwischen der wahrhaftigen Religion, veränderten

Religionen und falschen Religionen. Nur die wahrhaftige Religion ist

unverändert und besteht ausschließlich aus göttlichen Gesetzen. Nur

diese versetzen verständige Menschen dazu in die Lage, aus eigener

Kraft den rechten und wahren Weg zu erkennen und diesen aus freien

Stücken einzuschlagen.

Wir Menschen besitzen die Fähigkeit dazu, unseren Verstand und unsere

Vorstellungskraft dafür einzusetzen, die verschiedensten Arten von

Ordnungs- und Wertesystemen zu entwickeln und diese in die Praxis

umzusetzen. Diese ganz unterschiedlichen Ordnungen, Wertesysteme

und Ideologien werden aber niemals eine wahrhaftige Religion ersetzen

können, denn sie sind menschengemacht und schöpfen nicht aus der

Quelle der göttlichen Wahrheit. Die Quelle einer wahrhaftigen Religion

und ihr einziger Bezugspunkt kann ausschließlich Allah , der

Schöpfer aller Dinge, sein. Nur wer sich Seinen Weisungen fügt, wird

errettet werden und sowohl im Diesseits als auch im Jenseits ein glückliches

und erfülltes Leben führen können.

Nach dem soeben Gesagten können wir die Religionen also in drei Kategorien

unterteilen:

1. Die falschen Religionen

Falsche Religionen entwickelten sich zu den verschiedensten Zeiten

und sie finden sich über den ganzen Erdball verteilt. Ihnen allen ist

eigen, dass ihnen der Bezug zum Erhabenen Allah fehlt. Sie sind men-

15

8. Kapitel 7. Kapitel 6. Kapitel 5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel


5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

schengemacht und entsprangen der Phantasie und den Machtinteressen

der Menschen. Auch zur Zeit ihrer Entstehung zählten sie nicht zu den

wahrhaftigen Religionen. Auch wenn einige ihrer Rituale, Vorschriften

oder Praktiken einleuchtend erscheinen mögen, fehlt ihnen doch jede

Verbindung zur göttlichen Botschaft. Typische Beispiele hierfür sind

die verschiedenen Spielarten des Polytheismus, wie beispielsweise der

Hinduismus, und die sogenannten Naturreligionen, die auf der Anbetung

von Naturerscheinungen, Himmelskörpern oder dem Feuer basieren.

Allah beschreibt die Nutzlosigkeit dieses Götzendienstes mit

folgenden Worten:

Dies, weil Allah die Wahrheit ist, sodass alles, was sie neben Ihm

anrufen, falsch ist, und weil Allah der Hocherhabene, der Große ist.“ 1

An anderer Stelle im Edlen Quran sagt der Erhabene Allah:

„Wollen sie (Allah) denn etwas beigesellen, das nichts erschafft und

selbst erschaffen ist und was weder ihnen helfen kann, noch sich

selbst helfen kann.“ 2

Ein anderer Quranvers weist uns darauf hin, dass das Erscheinen des Islam

der ja an die gesamte Menschheit gesandt wurde – jedem falschen

Glauben seine Grundlage entzog:

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

„Und sprich: „Gekommen ist die Wahrheit und vergangen ist das

Falsche. Das Falsche ist fürwahr vergänglich.“ 3

2. Die veränderten Religionen

Die veränderten Religionen waren ursprünglich ebenfalls wahrhaftige Religionen.

Sie wurden von gottgesandten Propheten verkündet und riefen

die Menschen zum Einheitsbekenntnis auf. Im Laufe der Zeit wurden sie

aber von den Menschen immer mehr verfälscht und verändert. Dadurch

verloren sie ihre ursprüngliche Reinheit und ihre göttliche Botschaft. Ty-

1 31. Sure: Luqman, Vers 30.

2 7. Sure: El-A’raf, Vers 192.

3 17. Sure: El-Isra, Vers 81.

16


pische Beispiele hierfür sind das Judentum und das Christentum.

Im Edlen Quran heißt es dazu folgendermaßen:

Die Menschen waren eine einzige Gemeinschaft. Dann entsandte

Allah Propheten als Freudenboten und Mahner und sandte

mit ihnen die Schrift mit der Wahrheit hinab, damit sie unter

den Menschen über das entscheide, worüber sie uneins waren.

Uneins aber waren ausgerechnet jene, denen sie gegeben worden

war und nachdem sie deutliche Beweise erhalten hatten, aus

Neid aufeinander.“ 4

Die Propheten Musa und Isa verkündeten die Einheit Allahs ,

predigten Seine Gebote und forderten die Menschen dazu auf, ihr Leben

vollkommen nach der göttlichen Botschaft auszurichten. Dies taten sie einzig

und allein im Namen des Erhabenen Allah. Erst von späteren Generationen

wurden ihre Religionen als Judentum und Christentum bezeichnet.

Sie selbst verwendeten diese Bezeichnungen nicht.

4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

3. Die wahrhaftige Religion

Die wahrhaftige Religion wird auch als „göttliche“- oder „himmlische

Religion“ bezeichnet. Ihr Urheber ist Allah . Sie wurde den Menschen

durch Seine Gesandten überbracht und von Seinen Propheten

verkündet. Sie verbreitet die Botschaft der Einheit Allahs und sie

erkennt neben Allah keine weiteren Gottheiten an. Daher wird sie

auch als „Einheitsreligion“ bezeichnet.

Die Glaubensgrundlagen der göttlichen Religion – egal von welchem

der Propheten Allahs sie gepredigt wurden – bleiben immer gleich.

Mit der Zeit wurde aber die göttliche Religion von den Menschen immer

wieder verändert und ihre ursprünglich rein göttliche Botschaft

vermischte sich immer mehr mit menschengemachten Ergänzungen

und Veränderungen. So ging die reine Lehre der göttlichen Religion,

die von Adem bis Isa verkündet wurden, verloren. Der Islam ist

4 2. Sure: El-Baqarah, Vers 213.

17

8. Kapitel 7. Kapitel 6. Kapitel 5. Kapitel


5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

als einzige unveränderte wahrhaftige Religion übriggeblieben. Er wurde

vom letzten und höchsten aller Propheten, Muhammed , verkündet

und vollendet die göttliche Offenbarung. Er richtet sich an die gesamte

Menschheit und wird bis zum Jüngsten Tage seine Gültigkeit behalten.

Nach ihm wird keine weitere wahrhaftige Religion mehr zu uns herabgesandt

werden. Der Islam markiert also den Endpunkt der Zeit der

Entsendung der göttlichen Religion. Durch seine Entsendung haben

alle anderen Religionen ihre Rechtsgültigkeit verloren.

Dazu heißt es im Edlen Quran folgendermaßen:

„Wahrlich ist die Religion bei Allah der Islam.“ 5

Und:

„Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine

Gnade an euch vollendet und euch den Islam zur Religion erwählt.“

6

Und:

„Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt: Nimmer soll

sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter

den Verlierern sein.“ 7

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

18

Die Merkmale der wahrhaftigen Religion

Das Herzstück der wahrhaftigen Religion bildet das Einheitsbekenntnis.

Dieses verkündet die Einheit und Unteilbarkeit des einen Gottes und ist

das Hauptmerkmal der wahrhaftigen Religion: Neben Allah gibt es keinen

anderen Schöpfer und nur Ihm gebührt die Ehre, angebetet zu werden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der wahrhaftigen Religion ist das Be-

5 3. Sure: Alu Imran, Vers 19.

6 5. Sure: El-Ma’ideh, Vers 3.

7 3. Sure: Alu Imran, Vers 85.


kenntnis zu allen Propheten und zu allen Offenbarungsschriften,

die Allah zu uns herabsandte. Ebenfalls zur Botschaft der wahrhaftigen

Religion gehört die Verkündung eines Lebens nach dem Tode im

Jenseits und des Grundsatzes der Gleichheit aller Menschen vor ihrem

Schöpfer. Hierbei setzt Allah die Taqwa 8 und das Edeb (das gute

Benehmen) als Maßstab für die Wertschätzung eines Menschen. Der

beste aller Menschen ist also jener, der die meiste Taqwa und das größte

Edeb besitzt.

Die wahrhaftige Religion hat das Wohlergehen der Menschen und deren

Errettung zum Ziel. Sie ist leicht verständlich. Der Islam ist die

einzige Religion, die all diese Merkmale aufweist. Er wird von Allah

geschützt und wird bis zum Jüngsten Tag unverändert bestehen bleiben.

Der Erhabene Allah stattete den Menschen mit der Veranlagung aus,

über sein Dasein und den Sinn seines Lebens nachdenken zu können.

Die Fragen:

„Woher komme ich?“

„Wohin werde ich gehen?“

„Zu welchem Zweck wurde ich erschaffen?“

beschäftigen einen jeden Menschen irgendwann einmal in seinem Leben.

5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

Die wahrhaftige Religion gibt die Antworten auf all diese Fragen. Sobald

der Mensch Allah als seinen Herrn anerkannt hat, wird ihm bewusst,

welche Gunst ihm zuteilgeworden ist. Sobald er die vollkommenen

Charaktereigenschaften des Propheten nachahmt, erstrahlt sein

ganzes Leben und er erlangt das Wohlgefallen Allahs . So wird es ihm

möglich, im Diesseits ein glückliches Leben zu führen und im Jenseits

ewige Glückseligkeit zu erlangen.

8 Taqwa bedeutet „sich in Acht zu nehmen, sich zu schützen; Furcht, Frömmigkeit, Gottesfurcht“.

Wer nach den Grundsätzen der Taqwa lebt, der hält die Ge- und Verbote des Erhabenen Allah

aus Ehrfurcht vor Diesem ein. Außerdem handelt er jederzeit nach dem Gebot der Vorsicht und

schreckt deshalb davor zurück, Dinge zu tun, bei denen ein Zweifel darüber besteht, ob diese

religiös erlaubt oder verboten sind.

19

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel


1. Kapitel

2. Kapitel

Die wahrhaftige Religion ist der Quell aller Sitte und Moral. Sie ist der

Quell aller Barmherzigkeit. Sie ist der Quell allen Edebs. Ihr Wertesystem

ist für den Menschen unersetzbar. Sobald er begreift, dass Allah

allwissend ist und Ihm nichts verborgen bleibt, entsteht in ihm der unbändige

Wille, die Gebote Allahs zu befolgen. Und wenn eine Gemeinschaft

aus willensstarken und charakterfesten Menschen besteht,

die die Gebote Allahs befolgen, herrschen in ihr Sicherheit, Stabilität

und Gerechtigkeit vor.

8. Kapitel 7. Kapitel 6. Kapitel 5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel

20

Iman

„Iman“ bedeutet, dass man aus innerer Überzeugung heraus an die

Existenz, die Einheit und die Einzigartigkeit Allahs und an die Gesandtschaft

des Propheten Muhammed glaubt. Die Eintrittskarte

in den Islam ist die Kelimetu Schehadeh, also das Glaubensbekenntnis.

„Kelimeh“ ist Arabisch und bedeutet „Wort“. Der Begriff „Schehadeh“

stammt ebenfalls aus dem Arabischen und bedeutet: „Bezeugung, Bekenntnis“.

„Kelimetu Schehadeh“ bedeutet also wörtlich „die Worte

des Bezeugens“ und wird im Allgemeinen mit „Glaubensbekenntnis“

übersetzt. Jeder Muslim muss die Kelimetu Schehadeh kennen. Sobald

ein Mensch die Kelimetu Schehadeh ausspricht und mit seinem Herzen

bestätigt, wird er zum Muslim, also zum Gläubigen. Wer aber die Kelimetu

Schehadeh ausspricht, ohne davon innerlich überzeugt zu sein und

ohne diese mit dem Herzen zu bestätigen, tritt dadurch nicht in den

Islam ein.

Die Kelimetu Schehadeh lautet folgendermaßen:

„Eschhedu en la Ilahe illallahu we eschhedu enne Muhammeden Abduhu

we Rasuluhu.“

Bedeutung:

„Ich bezeuge, dass es keine Gottheit außer Allah gibt, und ich bezeuge,

dass Muhammed Sein Diener und Sein Gesandter ist.“


Jeder, der die Kelimetu Schehadeh ausspricht, bezeugt, dass es nur einen

einzigen Gott gibt und dass Muhammed Sein Diener und Gesandter

ist. Gleichzeitig beteuert er, sich an die Ge- und Verbote Allahs – besonders

an die Einhaltung der fünf Säulen des Islam – halten zu wollen.

Er verpflichtet sich also dazu, das fünfmal tägliche Salah (Gebet) zu

verrichten, im Monat Ramadan zu fasten, die Zekah (Armensteuer) zu

entrichten 9 und die Hadsch (Pilgerfahrt) durchzuführen. 10 Außerdem

gelobt er, aufrichtig, vertrauenswürdig, gerecht und hilfsbereit zu sein

und die islamischen Speisevorschriften zu beachten.

Die Kelimetu Schehadeh wird nochmals in die „Sechs Säulen des Iman“

untergliedert. Man muss an alle sechs dieser Glaubensgrundsätze glauben,

um als Muslim zu gelten. Diese „Sechs Säulen des Iman“ sind der

Glaube an:

1. Allah ,

2. die Engel,

3. die göttlichen Bücher,

4. die Propheten,

5. den Jüngsten Tag,

6. die Vorherbestimmung.

Sie bilden das Fundament des Islam. Sie zu kennen und zu akzeptieren

ist die Pflicht eines jeden Muslims. Wer auch nur einen einigen dieser

sechs Glaubengrundsätze ablehnt oder anzweifelt, tritt damit aus dem

Islam aus. Wir bestätigen unseren Glauben, indem wir wiederholt das

„Amentu“ rezitieren:

“Amentu billahi we Mela‘iketihi we Kutubihi we Rusulihi wel Yewmil

Akhiri we bil Qaderi khayrihi we scherrihi min Allahi Teala wel Ba‘thu

ba‘del Mewti haqqun. Eschhedu en la Ilahe illallahu we eschhedu enne

Muhammeden Abduhu we Rasuluhu”

9 Nur derjenige muss die Pflichtabgabe entrichten, der nach islamrechtlichen Maßstäben als

wohlhabend gilt.

10 Nur derjenige muss die Pilgerfahrt (mindestens einmal im Leben) ausführen, der finanziell und

gesundheitlich dazu in der Lage ist und dessen Reiseweg sicher ist.

21

8. Kapitel 7. Kapitel 6. Kapitel 5. Kapitel 4. Kapitel 3. Kapitel 2. Kapitel 1. Kapitel

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