Bambolino - Das Familienmagazin für Bamberg und Region

bambolino

Ausflug, Veranstaltungen, Kinder, Familie, Themen, Tipps, Workshops, Kurse

Erinnerungen,

die im Wind klingen

„Herzensangelegenheiten“ – seit 2012 gibt es in Bamberg

eine Gedenkstätte für verstorbene Kinder

Daniela, Dirk, Tanja, Justus, Sven, Samantha …

Nicht die Namensliste einer Schulklasse, sondern

gravierte Erinnerungen von Eltern an das viel zu

kurze Leben ihrer Kinder. Ein Treffen bei der Gedenkstätte

„Herzensangelegenheiten“ auf dem

Bamberger Friedhof.

Unter den leuchtend grünen Blättern der jungen

Linde stehen vier helle Granitsäulen, verbunden

durch schlichte Metallketten, an denen zahlreiche

Herzen aus Edelstahl hängen.

Die Gedenkstätte für Eltern von verstorbenen Kindern

liegt nahe der Aussegnungshalle links vom

Friedhofszugang geschützt in einer Nische und wird

heute von der Frühlingssonne hell bestrahlt. Es ist

ein freundlicher Ort, so mein erster Gedanke, der

– trotz aller Trauer und Fassungslosigkeit über die

Schicksalsgeschichten, die die einzelnen Herzen

erzählen – Trost und Ruhe ausstrahlt. Wenn zwei

der Herzen im Frühlingswind leicht aufeinander

treffen, gibt es einen hellen Ton. Auch aus diesem

leisen „Pling“ klingt eine Hoffnung, und mit dieser

Hoffnung auf ein Weiterleben, auf Verständnis und

auf Menschen, die Geduld haben zuzuhören, beteiligte

sich Gabriela E. Pöll 1992 an der Gründung

der Selbsthilfegruppe für Eltern von verstorbenen

Kindern, nachdem ihre zweite Tochter Carolin 1991

mit nur sieben Jahren an Leukämie starb. In den

folgenden Jahren setzte sie sich intensiv mit dem

Thema „Trauer“ auseinander, besuchte viele Fortbildungen

und Seminare und absolvierte die Ausbildung

zur Trauerbegleitung. Zwanzig Jahre später

initiierte sie dann die Gedenkstätte „Herzensangelegenheiten“

auf dem Bamberger Friedhof, an

der seither trauernde Eltern mehr als 60 Herzen

zur Erinnerung an ihre toten Kinder anbringen ließen.

„Ich habe damals nicht gedacht, dass die Gedenkstätte

einen solchen Zuspruch findet und die

betroffenen Eltern diese so dankbar annehmen“,

berichtet Gabriela E. Pöll, die gemeinsam mit ihrer

jüngeren Schwester Silvia Bock-Ende die Entwürfe

für die „Herzensangelegenheiten“ entwickelte. Das

Herz für ihre verstorbene Tochter Carolin, für das die

erstgeborene Jennifer den Platz auswählte, hängt

ganz nah bei jenen für Sebastian und Maximilian,

deren Mutter Ute sich heute ebenfalls mit uns an

dem sonnigen Gedenkort trifft. Die jetzt 47-Jährige

gehört zu jenen Eltern, für die zwei Herzen direkt

übereinander an der Kette hängen: Im Abstand von

einem Jahr verlor sie mit Mitte zwanzig zunächst

ihren ersten Sohn Sebastian, der mit nur einem Monat

als Frühchen starb und dann ihren zweiten Sohn

Maximilian, der im Alter von sechs Wochen den

Plötzlichen Kindstod erlitt. Heute kann Ute gefasst

4 bambolino Juni / Juli ’16

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine