aerokurier 07/2016
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7/<strong>2016</strong> Deutschland € 5,50 / Schweiz sfr 10 / Österreich € 6,30 / Benelux € 6,40 / Finnland € 8,30 www.<strong>aerokurier</strong>.de / 60. Jahrgang<br />
<strong>aerokurier</strong><br />
DAS MAGAZIN FÜR PILOTEN<br />
plus 15 Seiten<br />
Avionik<br />
Special<br />
Flying Doctress<br />
Die Ärztin und<br />
der Doppeldecker<br />
Seawings Dubai<br />
Meer und Wüste<br />
mit der Caravan<br />
ZURUCK IN DIE<br />
Beechcraft<br />
Starship<br />
ZUKUNFT<br />
Segelflug-Wettbewerbe<br />
Mehr Sicherheit bitte!<br />
D-36 Circe<br />
Pionierarbeit<br />
im GFK-Bau<br />
Sonaca 200<br />
VLA mit satter<br />
Zuladung
UNTER IHNEN EINE WELT VOLLER LIMITS<br />
ÜBER IHNEN DER BLAUE HIMMEL.<br />
Lassen Sie den Alltag hinter sich. Der HondaJet bringt Sie nicht nur schneller<br />
an Ihr Ziel; er macht den Weg dorthin zu einem echten Erlebnis. Faszination<br />
pur erleben: Einzigartiger Komfort, Schnelligkeit und Effizienz. hondajet.com
[ EDITORIAL Juli ]<br />
BALD IM FUNKLOCH?<br />
Die Umrüstung auf das 8,33-kHz-Raster beschäftigt Wartungsbetriebe und<br />
Flugzeughalter gleichermaßen. Während es für Flugzeuge und Flugplätze<br />
reichlich Lösungen gibt, hat so mancher Luftsportler ein echtes Problem.<br />
Haben Sie schon umgerüstet? Oder das fällige Avionik-Upgrade zumindest<br />
im Blick? In eineinhalb Jahren greift die Umstellung des Flugfunks<br />
auf das 8,33-kHz-Raster auch im unteren Luftraum, und alle Halter von<br />
Flugzeugen der Allgemeinen Luftfahrt müssen ihre Cockpits entsprechend<br />
ausrüsten. Wohl dem, der es kann. Denn während es für Segelflugzeuge,<br />
ULs und Motormaschinen inzwischen hinreichend Geräte gibt, die<br />
vom schnöden Funkverkehr bis hin zu ausgeklügelten Navigationslösungen<br />
einschließlich Transponder alles Mögliche bieten, schauen Trike- und<br />
Drachenflieger ebenso in die Röhre wie Gleitschirmpiloten. Auch Rückholer,<br />
die bisher zu Segelfliegern oder Ballonen mittels Handfunkgeräten<br />
Kontakt hielten, oder Fluglehrer, die die Freiheit genossen, mit der Handquetsche<br />
über den Flugplatz zu laufen und ihren Schützling beim Alleinflug<br />
zu beobachten und zu unterstützen, fallen ab Anfang 2018 förmlich<br />
ins Funkloch. Das Problem: Es gibt aktuell keine 8,33-kHz-fähigen Handfunkgeräte,<br />
die eine Zulassung für Deutschland haben. Die Behörden<br />
zucken mit den Schultern, Hersteller scheuen den Aufwand für die<br />
Zu las sung und der DAeC schäumt vor Ärger. Verständlich, denn eine<br />
Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Unverständlich dagegen ist, warum<br />
Deutschland bei den Zulassungsvoraussetzungen für Funkgeräte offenbar<br />
andere Maß stäbe anlegt als seine EU-Partnerländer, in denen die Geräte<br />
laut Hersteller eingesetzt werden dürfen.<br />
Bei allem Frust kann die Notwendigkeit, sich um ein neues Funkgerät<br />
kümmern zu müssen, aber auch Anstoß sein, endlich mal im Panel<br />
auf zuräumen und den Uhrenladen zu modernisieren. Was sich derzeit<br />
Inte-ressantes in der Avionik tut und welche Helferlein das Pilotenleben<br />
ein-facher und das Fliegen sicherer machen, haben wir in unserem<br />
Avionik-Special zusammengestellt. Viel Spaß beim Lesen und anschließendem<br />
Avionik-Shopping wünscht die <strong>aerokurier</strong>-Redaktion.<br />
Lars Reinhold,<br />
Redaktionsleiter <strong>aerokurier</strong><br />
Diskutieren Sie mit! Wir freuen uns über eine E-Mail (redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de), ein Fax (+49 711 182-1781)<br />
oder einen Brief (Redaktion <strong>aerokurier</strong>, Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart) für unser Leserforum. Bitte vergessen<br />
Sie nicht, Ihre Adresse und Telefonnummer für eventuelle Rückfragen anzugeben.<br />
Foto: Ülis Segelflugbedarf<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 3
112<br />
Interview<br />
Ein Cowboy<br />
im Cockpit<br />
Motorfliegen<br />
8 Beechcraft Starship<br />
Ende der 80er Jahre der Zeit<br />
weit voraus, sind die heute<br />
noch fliegenden Starships das<br />
Zeugnis einer großen Vision, die<br />
grandios gescheitert ist<br />
20 Sonaca im Test<br />
Der Trainer hat das Zeug, die<br />
neue Referenz bei den Schulflugzeugen<br />
zu werden<br />
34 Mit der Caravan über Dubai<br />
Die Fluggesellschaft Seawings<br />
bietet Touristenflüge zwischen<br />
Wüste und Meer<br />
40 The Flying Doctress<br />
Wenn Dr. Ilse Jannicke nicht<br />
gerade am offenen Herzen<br />
operiert, fliegt sie eine An-2<br />
Magazin<br />
28 Serie Berufe: Der Fluglehrer<br />
Wie man das eigene Können<br />
professionell weitergibt<br />
30 Planesharing<br />
Der Gedanke des Teilens ist<br />
auch in der GA angekommen<br />
UL/LSA<br />
46 Deutsche Meisterschaft<br />
21 Teams zeigten, dass auch<br />
UL-Piloten präzise fliegen können<br />
48 Urteil zum Übergewicht<br />
Wer sein Flugzeug mästet, muss<br />
selbst auf das Gewicht achten<br />
112 Ein Cowboy im Porträt<br />
Pullman-City-Chef Wolfgang<br />
Hagenberger pendelt zwischen<br />
Cockpit und Sattel<br />
Inhalt Nr. 7 <br />
Juli <strong>2016</strong> I 60. Jahrgang<br />
20<br />
4 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
<strong>aerokurier</strong> gibt es auch als E-Paper.<br />
Mehr Infos: www.<strong>aerokurier</strong>.de/epaper
Business Aviation<br />
66 Optimismus auf der EBACE<br />
Die Business Aviation glaubt das<br />
Tal durchschritten und zeigt in Genf<br />
verhaltenen Optimismus<br />
Praxis<br />
69 Generator oder Alternator<br />
Technik von Gleich- und Drehstromlichtmaschine<br />
im Detail<br />
72 Expertentipp<br />
Was tun bei verschmutzten<br />
Innenverkleidungen?<br />
73 Produkte für Piloten<br />
Nützliches und Schönes<br />
74 Unfallanalyse<br />
Aufgrund schlechten Wetters<br />
und schlechten Übungsstandes<br />
endet ein Nachtflug tödlich<br />
Segelfliegen<br />
76 D36 Circe<br />
Wie die Akaflieg Darmstadt mit<br />
ihrer „Schönheit“ die Entwicklungen<br />
des Kunststoffzeitalters<br />
vorwegnahm<br />
80 Mehr Sicherheit bitte!<br />
Der Verlust eines Freundes lässt<br />
Karol Staryszak darüber nachdenken,<br />
welches Risiko im<br />
Wettbewerb angemessen ist<br />
86 Meteo-Rückblick<br />
April und Mai boten eine Reihe<br />
guter Segelflugtage<br />
88 Airbus sponsert Perlan<br />
Mit Unterstützung reift das<br />
Höhenflug-Projekt<br />
90 Wellensymposium<br />
Wissensaustausch unter Segelfliegern<br />
und Forschern<br />
Rubriken<br />
3 Editorial<br />
6 Leserforum<br />
18 News<br />
92 <strong>aerokurier</strong>-Markt<br />
101 Jobbörse<br />
110 Termine<br />
111 Impressum<br />
114 Vorschau<br />
Titelthemen<br />
im Abo<br />
Coupons auf den Seiten 19 und 61<br />
34<br />
40<br />
76<br />
Avionik Special<br />
52 8,33 kHz: Die Zeit läuft<br />
Werften warten auf die Umrüstwelle<br />
54 air avionics AIR COM<br />
Der flexible Ersatz für alte Funkgeräte<br />
56 ADS-B kommt<br />
Die Chance für mehr Sicherheit in der<br />
Allgemeinen Luftfahrt<br />
58 Viel mehr als nur Transponder<br />
Zwei neue Geräte im Vergleich, die<br />
durch ihre ADS-B-Funktion glänzen<br />
60 Aero Avionics<br />
Porträt des neuen<br />
Garmin-Service-Centers<br />
in Saarbrücken<br />
62 Garmin GTN 750<br />
Die Funktionsvielfalt<br />
dieses Flight-Management-<br />
Systems im Überblick<br />
64 Kolumne<br />
Dr. Spornrad plädiert für<br />
sinnvolle Redundanz<br />
Titelfotos: Jessica Ambats, Simon Roloff, Sonaca Aircraft<br />
Fotos: Toni Ganzmann, Frank Martini, Torsten Matz, Andreas Rohde, Sonaca Aircraft<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 5
Leserforum<br />
<strong>aerokurier</strong> 6/<strong>2016</strong><br />
ULs auf 600 Kilogramm angehoben<br />
Abfluggewicht begrenzt<br />
sich von selbst<br />
Wenn wir mal ganz ehrlich sind, die<br />
Anhebung auf 600 Kilogramm ist ja nur<br />
konsequent und pragmatisch. Aber ist der<br />
wichtigere Teil der Idee nicht die Begrenzung<br />
des Leergewichts auf 350 Kilogramm?<br />
Wenn nur das maximale Abfluggewicht<br />
begrenzt ist, wird es auch bei<br />
600 Kilo bald wieder „Ultraleichte“ mit<br />
noch mehr Elektronik und noch mehr<br />
„Profi“-Technik geben, die dann leer 420<br />
Kilogramm auf die Waage bringen werden.<br />
Und dann sind wir genau so weit<br />
wie jetzt.<br />
Eine einfache, sinnvolle und klare Regelung<br />
wäre doch diese:<br />
- Ultraleichte: max. Leergewicht 350 kg,<br />
max. zwei Sitze<br />
- Leichte Luftsportgeräte (die sogenannten<br />
„120-kg-Flieger“): max. Leergewicht<br />
150 kg, ein Sitz (ja, 15 kg mehr für die Zelle<br />
und 15 kg mehr für den Motor, das wäre<br />
extrem sinnvoll!)<br />
Zudem sollte für beide Klassen gelten:<br />
- max. stationär sicher fliegbare Mindestgeschwindigkeit<br />
bei max. Abfluggewicht<br />
65 km/h, mit und ohne Motorleistung<br />
- Rettungsgerät gilt als Zuladung<br />
- Batterie/Akku eines elektrisch angetriebenen<br />
Flugzeugs gilt als Zuladung, wie<br />
der Treibstoff bei einem Benziner<br />
- eine Vorgabe eines max. Abfluggewichts<br />
ist nicht nötig, das begrenzt sich selbst<br />
aus der vorgeschriebenen Mindestgeschwindigkeit<br />
und den einzuhaltenden sicheren<br />
Lastvielfachen.<br />
Carsten Eusterbarkey,<br />
25813 Simonsberg<br />
Wo bleibt die Grenze<br />
zur Echo-Klasse?<br />
Wenn zwei Erwachsene gleichzeitig<br />
mit solchen Fluggeräten fliegen dürfen<br />
sollen, ist die Erhöhung auf 600 Kilogramm<br />
gewiss ein Muss. Was aber ist<br />
dann die Abgrenzung zur Echo-Klasse?<br />
Es gibt Echo-Flugzeuge mit maximalem<br />
Abfluggewicht von weniger als 600 Kilogramm:<br />
Piper Cub J3 mit 65 – 100 PS, Jodel<br />
D-112 mit 65 PS und Ercoupe 415 mit<br />
85 PS. Ich bleibe bei meiner seit Jahren<br />
gehegten Vermutung, wonach Luftfahrtbehörden<br />
es, wenn nicht gleich verhindern,<br />
aber doch zumindest erschweren<br />
wollen, dass ULs zu vollwertigen Doppelsitzern<br />
aufgewertet werden. Diese Kategorie<br />
ist bekanntlich weit weniger teuer<br />
in Anschaffung und Unterhalt als neue<br />
Echo- oder VLA-Flugzeuge. Das Wachstum<br />
der ULs würde bei 600 Kilogramm<br />
MTOW über die Zeit vielleicht gar exponentiell<br />
zunehmen! Der etwa gehörte Einwand,<br />
es sei in den letzten Jahrzehnten<br />
doch schon mehrmals aufgelastet worden,<br />
es müsse nun mal Halt gemacht werden“,<br />
ist schlicht eine hübsche Ausrede.<br />
Fritz Stauber, Seengen (Schweiz)<br />
Fliegen anstatt<br />
Neiddebatten führen!<br />
Ich bin mal wieder sehr überrascht<br />
über diese Diskussion. Es wird sich darüber<br />
opponiert, dass die Ultraleichtfliegerei<br />
mit 600 Kilogramm legal fliegen könnte.<br />
Es wird wieder auf den Urgedanken der<br />
UL Fliegerei verwiesen, von Überladung<br />
und und ... Aber bei aller Kritik, berechtigt<br />
oder nicht, so nach dem Motto: Wer<br />
Gerne veröffentlichen<br />
wir Ihre Meinung. Schicken<br />
Sie uns Ihren Leserbrief<br />
(für Rückfragen bitte<br />
unbedingt mit Adresse<br />
und Telefonnummer) an<br />
E-Mail: redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Fax: +49 711 182-1781<br />
im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen<br />
werfen, z.B. Zuladungsproblematik und<br />
Pilotenfehler, beinhaltet diese Diskussion<br />
nur eins: NEID! Mehr ist es nicht, weil die<br />
Vielfältigkeit in der UL-Fliegerei bleibt erhalten.<br />
Und Fliegerkameraden, ihr müsst<br />
ja nicht Ultraleichtflugzeuge fliegen, ihr<br />
könnt ja gerne weiter Echo fliegen, ich<br />
gönne euch das ganz neidlos.<br />
Mein Rat ist: Seid nicht so neidisch auf<br />
die UL-Piloten und probiert es selber mal<br />
aus, mit einem UL abzuheben. Ich habe<br />
das schon oft erlebt was Frank Martini<br />
mit der Funkstille meint. Und ich werde<br />
jetzt das machen was alle Piloten machen<br />
sollten, nämlich Fliegen und nicht Neiddebatten<br />
führen.<br />
Toni Goertz, 53902 Bad Münstereifel<br />
Schreiben lohnt sich!<br />
Unter allen Leserbrief-Autoren des vergangenen<br />
Monats hat die Redaktion das Buch „Museumsflugzeuge<br />
und Museen – Deutschland, Österreich<br />
und Schweiz“ verlost. Als Gewinner wurde Carsten<br />
Eusterbarkey gezogen.<br />
Die in Leserbriefen geäußerte Meinung muss nicht mit der<br />
Redaktionsmeinung übereinstimmen. Wir behalten uns die<br />
Kürzung von Leserbriefen aus redaktionellen Gründen vor.<br />
Foto: Motorbuch Verlag<br />
6 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
DIE KING AIR FAMILIE<br />
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[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Foto: Jessica Ambats<br />
8 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Das Starship von Beechcraft<br />
wirkt noch heute<br />
wie eine Vision für die<br />
Zukunft der Luftfahrt.<br />
Noch fünf Exemplare<br />
werden von Enthusiasten<br />
am Leben und in der Luft<br />
gehalten. Ein außergewöhnlicher<br />
Pilot Report.<br />
AUTOR: John Hayes<br />
ÜBERSETZUNG: Oliver Schenk<br />
ABHEBEN IM<br />
RAUMSCHIFF<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 9
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Was heute im Airliner Standard<br />
ist und im Privatflieger Standard<br />
wird, nahm Beechcraft in den<br />
80er Jahren vorweg.<br />
Einsteigen bitte: Die<br />
Treppe ist stilecht in die<br />
Tür integriert, der Einstieg<br />
entsprechend bequem.<br />
Ich habe eine ansehnliche Menge<br />
an Stunden auf Kolbenmotorflugzeugen,<br />
Turbinen-Einmots<br />
und leichten Jets, aber ich erachte<br />
mich als ziemlich durchschnittlichen<br />
Piloten. Umso erfreuter bin ich,<br />
als sich Raj einverstanden erklärt,<br />
mich eins seiner geliebten Starships<br />
Probe fliegen zu lassen – natürlich<br />
mit ihm höchstselbst als verantwortlichem<br />
Piloten auf dem rechten Sitz.<br />
Von 53 gebauten Starships sind<br />
noch fünf flugtüchtig. Raj Narayanan<br />
gehören zwei der vier Canards in den<br />
USA. Er kaufte das erste flugfähige<br />
Exemplar (NC-50) 2011 und griff zwei<br />
Jahre später noch einmal zu (NC-33).<br />
Zudem besitzt er zwei weitere nicht<br />
flugfähige Maschinen, die am Marana<br />
Regional Airport nördlich von<br />
Tucson hangariert sind. Eine könnte<br />
wieder in die Luft gebracht werden,<br />
die andere ist ein Schlachtobjekt. Raj<br />
hat auch einen Hangar voll mit Ersatzteilen,<br />
um seine kleine Flotte in<br />
der Luft zu halten. Sätze von Fahrwerken,<br />
diverse Propeller (von denen<br />
viele nagelneu sind), Ersatzkomponenten<br />
für die Avionik, Stapel von<br />
CRT-Displays, Verkabelungen, Tragflächensegmente<br />
und eimerweise<br />
andere Teile, die sich im Starship<br />
verbauen lassen. Als i-Tüpfelchen hat<br />
er sogar die Originalpropeller vom<br />
Prototyp in seinem Fundus.<br />
Viele Leute bewahren historische<br />
Flugzeuge, aber das Starship ist ein<br />
absoluter Sonderfall. Es ist groß, es<br />
ist kompliziert, es besteht aus Verbundwerkstoffen,<br />
es wurden nicht<br />
viele gebaut und das Betreuungsnetzwerk<br />
ist lange aufgegeben. Wie also<br />
hält man solch ein Konstrukt flugtüchtig?<br />
Rajs Ausbildung als Flugsicherheitsingenieur<br />
ist ein Schlüssel zum<br />
Erfolg. Er ist Inhaber einer Part-65-<br />
Reparateurlizenz und ebenso wie die<br />
Mitarbeiter seiner Firma Experte für<br />
Verbundstoffe. So kam Raj auch zum<br />
Starship.<br />
Die Zelle ist stabil und hat kein<br />
Lebensdauerlimit. Muss etwas repariert<br />
werden, kann Raj eine Lösung<br />
austüfteln. Ihn fasziniert, dass das<br />
Flugzeug theoretisch hundert Jahre<br />
halten kann – oder mehr. Tatsächlich<br />
ist das Starship für Raj nicht nur Liebhaberstück,<br />
sondern auch Transportmittel.<br />
Eines, über das er mit Leidenschaft<br />
spricht. 1500 Flugstunden ist<br />
er seine beiden Babys in fünf Jahren<br />
geflogen – nur ein einziges Mal konnte<br />
er wegen eines Generatorversagens<br />
nicht abheben. Angesichts des Alters<br />
der Flugzeuge eine beeindruckende<br />
Statistik. Er berichtet, dass sich das<br />
Flugzeug bei 320 bis 330 KTAS auf<br />
Flight Level 340 bis 350 entspannt<br />
fliegen lässt und er guten Gewissens<br />
Etappen bis zu 1200 nautischen Meilen<br />
zurücklegt. Seine beiden Starships<br />
sind RVSM-zertifiziert, dürfen also<br />
auch in Luftstraßen mit reduzierter<br />
Staffelung geflogen werden. Für einen<br />
Steigflug auf FL 410 brauchen sie nur<br />
etwa 30 Minuten. Das reicht sehr<br />
nahe an die Leistung leichter Jets<br />
heran. Die Stabilität der Zelle, die<br />
Werkstoffe, die futuristische Optik<br />
– das waren alles Gründe für Raj,<br />
Starship-Captain zu werden. „Warum<br />
gewöhnlich sein?“, fragt er.<br />
Vielleicht spielte auch der Luxus<br />
eine Rolle. Wenn man durch die Bordtür<br />
tritt, sieht man sechs große Ledersitze,<br />
große Fenster und schicke<br />
Holzapplikationen. Zwar kann man<br />
nicht aufrecht stehen, dennoch ist<br />
das Raumgefühl gut. Alles mutet noch<br />
heute modern an. Der Gepäckbereich<br />
im hinteren Teil der Druckkabine ist<br />
wie diese beheizt, allerdings gibt es<br />
keine Möglichkeit einer Beladung<br />
von außen.<br />
Das Cockpit dominiert eine Konsole,<br />
die aus einem großen Transportflugzeug<br />
stammen könnte – sowohl<br />
der Form als auch der Funktion nach.<br />
Das Avioniksystem Pro Line 4 AMS-<br />
10 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Daten Beechcraft Starship<br />
Bauweise: Faserverbund<br />
Verwendung: Geschäftsreiseflugzeug<br />
Sitzplätze: Crew 2 + 6-8 Passagiere<br />
Antrieb<br />
ArtTurboprop<br />
Typ 2 x Pratt & Whitney Canada PT6A-67A<br />
Leistung <br />
je 1200 PS (895 kW)<br />
Propeller<br />
Fünfblatt McCauley<br />
Flugleistungen<br />
V NE <br />
Reichweite<br />
Dienstgipfelhöhe<br />
335 kts / 620 km/h<br />
1576 NM / 2920 km<br />
41 000 ft / 12 500 m<br />
Abmessungen<br />
Länge<br />
14,05 m<br />
Spannweite<br />
16,58 m<br />
Flügelfläche 26,1 m²<br />
Leergewicht <br />
4590 kg<br />
max. Startgewicht<br />
6 760 kg<br />
Mit Canards und<br />
Druckpropellern hatte<br />
das Starship einen<br />
futuristischen Auftritt.<br />
850 mit 16 Bildschirmen wurde entwickelt,<br />
bevor das Konzept des elektronischen<br />
Fluginstrumentensystems<br />
mit nur einem Bildschirm Einzug hielt.<br />
Die Leistungsfähigkeit beeindruckt<br />
auch heute noch. Eine einzelne Mattscheibe<br />
zeigt alle Motorinstrumente,<br />
eine weitere die elektronische Checkliste.<br />
Schon in den 80ern dachten die<br />
Ingenieure also daran, verschiedene<br />
Anzeigen zu integrieren.<br />
Die großen P&WC-PT6A-67A-<br />
Triebwerke zu starten ist eine Standardprozedur<br />
für jeden, der sich mit<br />
Pratt-Turbinen auskennt. Von außen<br />
hat das Starship einen eigenständigen<br />
Klang, der dadurch entsteht, dass die<br />
Abgase direkt durch den Propeller<br />
geleitet werden (und die ihn damit<br />
eisfrei halten). Vorne allerdings hört<br />
man davon kaum etwas. Sobald die<br />
Motoren rundlaufen, sind immer noch<br />
viele Punkte der Checkliste zu befolgen.<br />
Ist man eingearbeitet, ließe sich<br />
das doppelt so schnell erledigen, aber<br />
Raj gibt zu, dass es im Starship-Cockpit<br />
viel zu tun gibt. Heute beträgt das<br />
Abfluggewicht nur 6100 Kilogramm,<br />
also setzen wir V 1 auf 93, V r auf 96<br />
und V 2 auf 109 Knoten.<br />
Das Rollen ist schwierig. Die vertikalen<br />
Aufsätze auf den Flügelspitzen<br />
sind weit hinter dem Cockpit<br />
positioniert. Es ist also wichtig, im<br />
Kopf zu behalten, dass das Starship<br />
eine Spannweite von mehr als 18<br />
Metern hat. Die Bugradsteuerung<br />
erfordert einen festen Pedaldruck und<br />
hat nur einen kleinen Bewegungsradius.<br />
Für enge Kurven muss man<br />
daher die Fußspitzenbremsen benutzen.<br />
Das verlangt Krafteinsatz.<br />
ICH ERWARTE EINEN FLOTTEN ANTRITT.<br />
SEKUNDEN SPÄTER WEISS ICH: ZU RECHT<br />
Die Checkliste für den Rollhalt ist<br />
schnell abgearbeitet, und bald stehen<br />
wir abflugbereit an der Mittellinie.<br />
Ich muss beachten, dass man ohne<br />
FADEC das Motordrehmoment für<br />
den Startvorgang auf etwa 92 Prozent<br />
setzen muss. Jeder Motor hat 1200<br />
PS, und ich erwarte einen flotten Antritt.<br />
Einige Sekunden später weiß<br />
ich: zu Recht. Bei 96 KIAS bewirkt<br />
ein leichter Zug am Steuerhorn ein<br />
anmutigesAbheben. Das Starship<br />
nimmt Fahrt auf, beschleunigt auf<br />
150 KIAS bei 2500 ft/min. Der Versuch,<br />
meinen Blick auf die richtige Anzeige<br />
zu heften während wir beschleunigen,<br />
ist etwas hypnotisierend, und<br />
als ich die Gasspitze herausnehme,<br />
um den Motor innnerhalb der Betriebsgrenzen<br />
zu halten, hat Raj die Maschine<br />
schon wieder im Griff, fährt<br />
das Fahrwerk und die Klappen ein,<br />
trimmt aus und meldet den Abflug.<br />
Ich bin ganz mitgenommen, obwohl<br />
dieses Gerät eine ähnliche Leistung<br />
hat wie mein eigenes Flugzeug! Ich<br />
schaffe es, halb unterbewusst, die<br />
Höhe von 2500 Fuß zu halten, ohne<br />
in den B-Luftraum über uns einzufliegen,<br />
und das Gas weiter zurückzunehmen,<br />
um nicht die Maximalgeschwindigkeit<br />
für den Luftraum D zu<br />
überschreiten, während mein Denkvermögen<br />
langsam wieder die Oberhand<br />
gewinnt …<br />
Das Starship hat eine V NE von 254<br />
KIAS, und die Höchstgeschwindigkeit<br />
von 335 KTAS in der Höhe reicht nahe<br />
an die von Jets heran. Am anderen<br />
Ende der Fahrtmesserskala soll das<br />
Flugzeug stallsicher sein, und ich bin<br />
natürlich gespannt darauf, die Manövrierfähigkeit<br />
bei niedrigem Tempo<br />
zu testen. Wie bei den meisten<br />
Turboprops führt ein Ziehen an den<br />
Gashebeln zu sofortiger Fahrtabnahme.<br />
Konfiguriert man für die Landung,<br />
Im Innern empfängt hoher<br />
Komfort, das Ambiente<br />
wirkt auch nach 30 Jahren<br />
noch modern.<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 11<br />
Fotos: Jessica Ambats, John Hayes
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Fotos: Jessica Ambats, John Hayes, Raj Narayanan<br />
Gute Laune im Cockpit:<br />
Das Starship ist gut zu<br />
handhaben, verlangt aber<br />
mitunter Krafteinsatz.<br />
fährt Klappen und Fahrwerk aus und<br />
hält die Nase dann oben, so aktiviert<br />
sich der Stickshaker. Arbeitet man<br />
gegen den Pusher und hält die Nase<br />
weiter oben, nimmt das Flugzeug sie<br />
von allein eine Winzigkeit nach unten<br />
und fliegt weiter. Es ist unspektakulär.<br />
Zieht man beharrlich weiter, geht<br />
das Starship schüttelnd in den Sackflug<br />
und sinkt mit 1000 ft/min. Es<br />
bleibt beim Schütteln, die Strömung<br />
reißt nicht ab. Man kann das Steuerhorn<br />
voll gezogen halten, das Gas<br />
reinschieben und mit 1000 ft/min<br />
steigen, während das Flugzeug schüttelt<br />
und der Fahrtmesser 92 KIAS<br />
anzeigt, immer noch mehr als die 89<br />
KIAS der blauen V MC -Markierung.<br />
Bei Reisegeschwindigkeit fliegt<br />
das Starship außergewöhnlich stabil.<br />
Die Höhe zu halten ist einfach, auch<br />
im Kurvenflug. Die Seitenruder wirken<br />
gut. Um die Querachse lässt sich das<br />
Starship mit geringem Krafteinsatz<br />
steuern, im Gegensatz zu Lageänderungen<br />
um die Längsachse. Insgesamt<br />
verlangt der Entenflügler mehr<br />
Körpereinsatz als andere Flugzeuge.<br />
Ein kleines Problem mit der Trimmung<br />
überschattet die Vorbereitungen<br />
zu meiner ersten Landung, Raj<br />
leistet mir Hilfe und trimmt ständig<br />
nach. Ich richte das Flugzeug aus,<br />
bringe Klappen und Fahrwerk in Landekonfiguration<br />
und wähle das Powersetting<br />
für 115 Knoten Anfluggeschwindigkeit.<br />
Erst jetzt erinnere ich<br />
mich daran, dass ich viel höher sitze<br />
als in meiner Citation, und wie wir<br />
dem Boden näher kommen, schießt<br />
es mir durch den Kopf: „Nase nach<br />
oben!“ Als ich durchstarten will, setzen<br />
wir schon auf – kabumm! Raj<br />
grinst mich an und meint nur trocken:<br />
„Du hättest meine erste Landung<br />
sehen sollen. Das ist eine robuste<br />
Zelle, es wird ihr nicht wehtun.“ Ich<br />
zucke trotzdem zusammen.<br />
Zurück auf Rajs Homebase, haben<br />
wir Seitenwind, und ich schaffe keinen<br />
sauberen Anflug. Also durchstarten.<br />
Ein Sechs-Tonnen-Flugzeug im<br />
Griff zu haben erfordert nun mal das<br />
entsprechende Können. Bei meinem<br />
12 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Raj Narayanan hat vorgesorgt und für seine kleine Starship-<br />
Flotte allerhand Ersatzteile gehortet. Zahlreiche Propeller warten auf<br />
ihren Einsatz. [ 2 ] Warum normal sein?, fragt Raj. [ 3 ] Fahrwerke,<br />
Ausrüstung, Avionik – alles liegt sauber sortiert parat.<br />
[ 3 ]<br />
nächsten Versuch setzen wir etwas<br />
sanfter auf, zuerst mit dem rechten<br />
Hauptfahrwerk, dann mit dem linken<br />
– aber ziemlich weg von der Mittellinie.<br />
Die Fluglage erscheint schon<br />
ziemlich flach, weshalb ich überrascht<br />
bin, wie weit die Nase noch herunterkommt,<br />
nachdem ich das Ruder<br />
nachgelassen habe. Raj erklärt, dass<br />
der Vorflügel stark gepfeilt ist und<br />
abrupt aufhört zu fliegen, wenn man<br />
nicht aufpasst. So besteht die Gefahr,<br />
die Nase hart aufzusetzen, wenn man<br />
langsamer wird. Ich wünschte, ich<br />
hätte das Starship etwas souveräner<br />
gesteuert, und wenn ich ehrlich bin,<br />
fühle ich mich ziemlich fertig, als wir<br />
ausrollen. Mit etwas Übung und Erfahrung<br />
ist das Starship hingegen<br />
vollkommen beherrschbar – und es<br />
WENN ICH EHRLICH BIN, FÜHLTE ICH<br />
MICH BEIM AUSROLLEN ZIEMLICH FERTIG<br />
macht sogar Spaß, es zu fliegen. Allerdings<br />
bezweifle ich, dass sich Piloten<br />
kleinerer Maschinen darin auf<br />
Anhieb wohl fühlen werden.<br />
Eine Sache aber ist klar: Bei jeder<br />
Kursanweisung schienen es die Controller<br />
zu genießen, mit dem Starship<br />
zu arbeiten, und Raj sagt, wo immer<br />
er auch hinkomme, werde jede Ankunft<br />
zum Event.<br />
Heute sind viele Flugzeuge, von<br />
der Cirrus bis zum Dreamliner, aus<br />
Verbundwerkstoffen, und Glascockpits<br />
sind Standardausrüstung. Aber<br />
nur ein einziges anderes Geschäftsreiseflugzeug,<br />
die italienische Piaggio<br />
P-180, war mit dem Konzept einer<br />
Canard-Schubpropeller-Konfiguration<br />
ebenfalls erfolgreich. Beech war seiner<br />
Zeit mit dem Starship vielleicht<br />
voraus, aber diese Vision war nahe<br />
an der Realität. Ein Stück weit dürften<br />
wir heute in der Zukunft angekommen<br />
sein.<br />
ae<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 13
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
VISION UND<br />
WIRKLICHKEIT<br />
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Burt Rutan, Paul Bowen<br />
Die Entwicklungsgeschichte<br />
des Starships ist geprägt<br />
vom Streben nach Innovation<br />
und großen Träumen, aber<br />
auch von Missmanagement<br />
und schlechter Planung.<br />
[ 1 ] Das Starship bot auch<br />
von vorn einen sehr<br />
futuristischen Anblick.<br />
[ 2 ] Nachdem das<br />
„Baby-Starship“, ein<br />
85-Prozent-Prototyp, in<br />
rund 500 Stunden<br />
wichtige Daten für das<br />
Projekt erflogen hatte,<br />
wurde es in der Mojave-<br />
Wüste rabiat mit Maschinenhilfe<br />
zerstört.<br />
[ 1 ]<br />
14 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
AUTOR: John Hayes<br />
ÜBERSETZUNG: Oliver Schenk<br />
Die Geburtsstunde des Starships<br />
datiert zurück bis in<br />
die späten 70er Jahre, als<br />
man bei Beechcraft begann,<br />
über einen Nachfolger für die erfolgreiche<br />
King Air nachzudenken. Ausgangspunkt<br />
war ein Entwurf für ein<br />
Flugzeug mit weit hinten sitzenden<br />
Tragflächen und Entenflügeln, das<br />
Beechcraft-Ingenieur Bill Brown an<br />
Burt Rutan geschickt hatte. Brown<br />
war Mitglied der EAA und kannte<br />
Rutans Selbstbau-Kits, insbesondere<br />
die Long-EZ. Dieses Muster veranschaulichte<br />
nach seinem Dafürhalten<br />
die Vorzüge, die der Einsatz von Verbundwerkstoffen<br />
und innovativer<br />
Entwürfe für die Luftfahrzeuge der<br />
Zukunft bereithielt. Rutans unkonventionelle<br />
Canard-Konfiguration reduzierte<br />
den Luftwiderstand, war<br />
Stall-unempfindlich und sah futuristisch<br />
aus. Die Übernahme von Beechcraft<br />
durch den US-Konzern Raytheon<br />
im Jahr 1980 verzögerte das Projekt.<br />
Erst im August 1982 erhielt Rutans<br />
neu gegründete Firma Scaled<br />
Composites den Auftrag, einen Prototyp<br />
der nächsten Beech-Turboprop-<br />
Generation zu entwickeln.<br />
Rutan und sein Team konzipierten<br />
die Machbarkeitsstudie „Model 115“.<br />
Rutan nutzte dabei einen eigenen<br />
BASIC-Code auf einem frühen Apple-<br />
II-Computer, um die Aerodynamik für<br />
den Prototyp im 85-Prozent-Maßstab<br />
auszutüfteln. Das „Baby-Starship“<br />
entsprach in den Abmessungen etwa<br />
einer King Air 90. Es flog erstmals im<br />
August 1983, angetrieben von zwei<br />
kleinen Pratt-Turboprop-Motoren und<br />
nur rudimentär instrumentiert. Am<br />
Steuer saß Burt Rutans Bruder Dick.<br />
[ 3 ] Die Starship-Produktion.<br />
Um Subventionen für<br />
die Fabrik zu erhalten,<br />
verpflichtete sich Beechcraft,<br />
mindestens<br />
53 Flugzeuge zu bauen.<br />
Bei dieser Zahl blieb es.<br />
[ 2 ] [ 3 ]<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 15
[ MOTORFLIEGEN Reportage ]<br />
Bei der Entwicklung des<br />
Starships konnte Rutan auf<br />
seine vorherigen Canard-<br />
Entwürfe aufbauen.<br />
Beech drängte Rutan, das Starship<br />
bis zur NBAA 1983 in Dallas flugfertig<br />
zu machen, um potenzielle Kunden<br />
aufmerksam machen zu können.<br />
Mehrere Überflüge mit Höchstgeschwindigkeit,<br />
gemäßigter Kunstflug<br />
und eine Landung mit Stopp nach nur<br />
150 Metern beeindruckten die Zuschauer,<br />
aber fast niemand konnte<br />
das Flugzeug aus der Nähe sehen.<br />
Dementsprechend blieb den Beobachtern<br />
verborgen, wie viel noch zum<br />
fertigen Endprodukt fehlte. Der Prototyp<br />
flog insgesamt etwa 500 Stunden,<br />
bevor Beechcraft ihn in der<br />
Mojave-Wüste zerstören ließ – vor<br />
den Augen der Männer, die so hart<br />
daran gearbeitet hatten.<br />
Kurz nach der NBAA kündigte das<br />
Unternehmen den ambitionierten Plan<br />
an, das Starship bis Ende 1985 zur<br />
Zulassung zu bringen. Das bedeutete<br />
Pionierarbeit in mehrfacher Hinsicht:<br />
Es sollte das erste Flugzeug mit Tragflächen<br />
und Zelle aus Kohlefaser, mit<br />
Entenflügeln und Anti-Stall-Aerody-<br />
namik sein, weiterhin das erste<br />
Turboprop-Geschäftsreiseflugzeug<br />
mit Schubpropeller, das auch als erstes<br />
über ein Glascockpit mit FMS-<br />
Navigationsfähigkeiten verfügte. Das<br />
Ziel war, ein Flugzeug zu entwerfen,<br />
das von einem Piloten bedient werden<br />
konnte und Leistungsparameter eines<br />
Jets, verbesserte Sicherheit und überragende<br />
Effizienz aufwies. Ursprünglich<br />
sollten eine Reichweite von 2500<br />
nautischen Meilen, eine Cruise Speed<br />
von 400 mph (640 km/h) und eine<br />
maximale Flughöhe von 12 500 Metern<br />
erreicht werden. Das Gesamtgewicht<br />
sollte zudem unter 5,7 Tonnen liegen,<br />
damit das Flugzeug ohne Musterberechtigung<br />
geflogen werden konnte.<br />
Die Herausforderungen an die<br />
Konstruktion waren außerordentlich<br />
– besonders in Hinsicht auf die Verbundstoffe.<br />
Anstatt Materialermüdungserscheinungen<br />
darstellen zu<br />
müssen wie bei einer Metallstruktur,<br />
verlangte man von Beechcraft, die<br />
Strukturstärke im Falle unterschiedlicher<br />
Beschädigungen nachzuweisen.<br />
Sobald Probleme auftraten, verstärkten<br />
die Ingenieure einfach die Struktur.<br />
Man musste zudem Schichten aus<br />
leitenden Materialien einbauen, um<br />
Schutz vor Blitzschlag zu gewährleisten.<br />
Als wäre das noch nicht genug,<br />
musste Beechcraft gemäß den neuen<br />
FAA-Anforderungen in einem Zug<br />
den Entwurf, den Herstellungsprozess<br />
und das Material zulassen.<br />
Im Endeffekt bekam das Starship<br />
eine starke Struktur, die dadurch aber<br />
wesentlich schwerer war als geplant.<br />
Aerodynamische Belange trugen<br />
ebenfalls zum wachsenden Gewichtsproblem<br />
bei. Während der Tests stellte<br />
sich zudem heraus, dass der Canard<br />
in der Reiseflugkonfiguration in einen<br />
Deep Stall geraten konnte, wenn der<br />
Schwerpunkt nach hinten verschoben<br />
war. Daher wurde ein Stick Pusher<br />
eingebaut, eine Automatik, die die<br />
Steuersäule nach vorne drückt, wenn<br />
der Anstellwinkel einen Grenzwert<br />
erreicht. Und das bei einem Flugzeug,<br />
16 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Tatsächlich erfüllte das fertig zugelassene<br />
Produkt viele der ursprünglichen<br />
Anforderungen nicht mehr. Das<br />
Startgewicht lag bei 6760 Kilogramm.<br />
Ein Nebeneffekt des Zusatzgewichtes<br />
war eine geringere Treibstoffkapazität<br />
und damit eine geringere Reichweite.<br />
Auf dem Papier war die Reichweite<br />
mit 2920 Kilometer immer noch<br />
respektabel, aber weit entfernt vom<br />
ursprünglichen Ziel. Die Kabine war<br />
aber auch größer geworden, so konnten<br />
zwei zusätzliche Passagiere untergebracht<br />
und der Komfort erhöht<br />
werden. Aber die Änderungen reduzierten<br />
wiederum die Reisegeschwindigkeit.<br />
In weiser Voraussicht hatte<br />
Beechcraft das Flugzeug für den<br />
Single-Pilot- und den Crewbetrieb<br />
zeug anzunehmen, ganz offensichtlich<br />
falsch eingeschätzt. Für viele war das<br />
Design zu radikal, und für wenig mehr<br />
Geld gab es leistungsfähigere Jets.<br />
Außerdem hatte Beech mehr als<br />
100 Millionen Dollar an Verbindlichkeiten<br />
gegenüber der Gemeinde, die<br />
den Bau der Starship-Fabrik gefördert<br />
hatte. Die Firma hatte zugestimmt,<br />
mindestens 53 Exemplare zu bauen,<br />
um die Investitionen nicht abgelten<br />
zu müssen. Angesichts der schleppenden<br />
Verkäufe plante Beech schließlich,<br />
einen Teil der Flugzeuge zu<br />
verleasen. Allerdings waren die Konditionen<br />
dafür so gut, dass es sich<br />
für niemanden mehr lohnte, das Flugzeug<br />
zu kaufen. Um mehr Kunden<br />
anzulocken, wurde ihnen kostenfreie<br />
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Burt Rutan, Paul Bowen<br />
Burt Rutan war Mastermind<br />
bei der Entwicklung<br />
des Starships. Auf das<br />
Konto seiner Firma Scaled<br />
Composites gehen viele<br />
außergewöhnliche<br />
Flugzeugentwürfe bis hin<br />
zum SpaceShipOne.<br />
das ursprünglich besonders abrissresistent<br />
in der Start- und Landekonfiguration<br />
sein sollte!<br />
Trotz aller Probleme investierte<br />
Beechcraft weiter Unsummen – einige<br />
Schätzungen liegen bei 500 000<br />
Dollar pro Tag –, um den ersten Prototyp<br />
in Originalgröße in die Luft zu<br />
bringen. In dieser Zeit war Beechs<br />
Position als Marktführer in Gefahr, die<br />
Firma erlebte zwischen<br />
1982 und 1989<br />
drei Präsidenten und<br />
vier Vizepräsidenten.<br />
Am 15. Februar 1986,<br />
nur 28 Monate, nachdem<br />
das Starship<br />
angekündigt worden war, flogen die<br />
Testpiloten Tom Carr und Bud Frances<br />
erfolgreich den ersten Prototyp.<br />
Bis zum Frühling 1987 gingen zwei<br />
weitere Maschinen in die Luft, und<br />
am 14. Juni 1988 erhielt das Starship<br />
die FAA-Zertifizierung, fünf Jahre und<br />
geschätzte 800 Millionen Dollar nach<br />
dem Erstflug des Baby-Starships.<br />
TROTZ ALLER PROBLEME<br />
INVESTIERTE BEECHCRAFT WEITER<br />
UNSUMMEN IN DAS PROJEKT<br />
zugelassen, was aber eine Musterberechtigung<br />
erforderte.<br />
Dennoch hatte das Starship viele<br />
Vorzüge. Mit einer Kabinengröße, die<br />
die einer King Air 300 übertraf, war<br />
es großzügig und komfortabel. Der<br />
Innenraum-Geräuschpegel war extrem<br />
niedrig, weil die Schubpropelleranordnung<br />
den Motorlärm hinter das<br />
Flugzeug leitete, und die hohe Belastbarkeit<br />
der Tragflächen ermöglichte<br />
einen entspannten Flug bei<br />
Turbulenzen. Nicht zuletzt bot das<br />
Starship zu seiner Zeit bei der Avionik<br />
einen höheren Entwicklungsstand<br />
als alle Wettbewerber.<br />
Beechcraft allerdings hat den Markt<br />
im Hinblick auf die Bereitschaft der<br />
Kunden, ein derart innovatives Flug-<br />
Wartung versprochen. Der Effekt war,<br />
dass alle Halter die Wartungszentren<br />
überliefen und das Starship schnell<br />
den unverdienten Ruf bekam, besonders<br />
wartungsintensiv zu sein –<br />
nicht nur bei den Kunden, auch beim<br />
Beechcraft-Management.<br />
1995 wurden nur elf Flugzeuge<br />
verkauft und daraufhin die Entscheidung<br />
getroffen, das Programm einzustellen<br />
und die<br />
Betreuungsangebote<br />
zurückzuziehen. Insgesamt<br />
schrieb die<br />
Firma mit dem Starship<br />
einen Verlust von<br />
etwa 300 Millionen<br />
Dollar. Man beschloss – so wie man<br />
mit dem ursprünglichen Prototyp<br />
verfahren war –, die gesamte Starship-<br />
Flotte zu verschrotten. Die Firma<br />
rechtfertigte dies damit, dass sie die<br />
Unterhaltskosten für eine so kleine<br />
Flotte sparen und sich stattdessen<br />
auf den neuen Hawker Jet konzentrieren<br />
wolle.<br />
ae<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 17
[ NEWS ]<br />
Remos Light Sport Aircraft<br />
ERSTFLUG DER GXIS<br />
Am 26. Mai hat die neue Remos GXiS in Pasewalk zum erfolgreichen Erstflug abgehoben. Zuerst<br />
hatte sich der Prototyp in Rollversuchen bis zum High Speed Taxiing beweisen müssen. Erst dann<br />
brachte Konstrukteur und Pilot Christian Majunke die GXiS in die Luft. Bei dem rund einstündigen<br />
Erprobungsflug testete er gleich das komplette Geschwindigkeitsspektrum vom Langsam- bis zum<br />
Schnellflug aus. Die GXiS ist die erste Remos, die vom Rotax 912 iS Sport mit elektronischer Benzineinspritzung<br />
angetrieben wird. Um den Anlassvorgang so einfach wie möglich zu machen, hat<br />
Remos den „Smartstart“ entwickelt. Damit laufen nahezu alle Rotax-Checks automatisch ab. Der<br />
Erstflug der GXiS war der Auftakt zur angestrebten EASA-Zulassung als Light Sport Aircraft (LSA).<br />
Die Rotax-Motoren 912 können<br />
jetzt zwischen den Überholungen<br />
2000 Stunden beziehungsweise<br />
15 Jahre betrieben werden. In den<br />
Genuss der TBO-Erhöhung kommen<br />
Motoren vom Typ 912 A, F<br />
und S ab bestimmten Seriennummern,<br />
sofern die 1000-Stunden-<br />
Sonderkontrolle durchgeführt wurde.<br />
Die TBO-Intervalle erhöhen<br />
sich dann von 1500 auf 2000<br />
Stunden beziehungsweise von 12<br />
auf 15 Jahre. Bei älteren Motoren<br />
dieses Typs kann die Zeit zwischen<br />
den Grundüberholungen<br />
schrittweise mit Servicemaßnahmen<br />
angehoben werden. Für eine<br />
Reihe der Motoren vom Typ 912<br />
iSc Sport sowie 912 iS und iS<br />
Sport wird für die nächste Wartung<br />
ein Austausch des Stators<br />
im Generator vorgeschrieben.<br />
Am 4. Mai fliegen über Mitteleuropa mehr als<br />
30 Piloten 1000 km nonstop im reinen Segelflug.<br />
Supersegler<br />
STEMME S12 ERHÄLT EASA-ZULASSUNG<br />
Jubiläum bei Cessna<br />
DER CITATIONJET WIRD 25 JAHRE ALT<br />
Vor 25 Jahren, am 29. April 1991, startete das Modell 525 CitationJet von<br />
Cessna zum Erstflug. Cessna hatte damit ein neues Light-Jet-Segment<br />
aus der Taufe gehoben. Die ersten Auslieferungen des Flugzeugs erfolgten<br />
zwei Jahre nach dem Erstflug. Inzwischen wurden mehr als 1800 Exemplare<br />
des Modells 525 ausgeliefert, zählt man die aktuellen Modelle M2,<br />
CJ3+ and CJ4 mit. Die CJ-Linie ist damit die erfolgreichste Light-Jet-Serie.<br />
Insgesamt hat Cessna im Segment der leichten Jets bisher mehr als 4900<br />
Flugzeuge auf den Markt gebracht. Das Angebot reicht heute vom Einstiegsjet<br />
Citation Mustang bis zum Top-Performer CJ4.<br />
Das neue Premiummodell der Stemme AG, die Twin Voyager S12, hat<br />
die Musterzulassung erhalten. Der vom Design der S10 abgelei te te<br />
doppelsitzige Motorsegler mit Mittelmotor, versenkbarem Propeller<br />
und Einziehfahrwerk glänzt durch gute Reiseflug- und Segelflugleistungen.<br />
Mit 25 Metern Spannweite verfügt die Stemme S12 über ein<br />
bestes Gleiten von 1:53.<br />
Fotos: Cessna, Diamond Aircraft, Predrag Vuckovic RBCP, Remos, Rotax, Stemme<br />
18 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Piloten landen hier<br />
3 x <strong>aerokurier</strong><br />
mit 35 % Preisvorteil!<br />
Red Bull Air Race<br />
DOLDERER VERTEIDIGT FÜHRUNG<br />
Trotz vorzeitigem Aus in Chiba, Japan, führt Matthias Dolderer<br />
die Rangliste des Red Bull Air Race weiter an. Aufgrund zu<br />
hoher g-Kräfte war er in der „Round of 8“ ausgeschieden. Er<br />
musste sich mit Platz acht und drei WM-Punkten zufriedengeben.<br />
Bei den Zwischenzeiten lag Dolderer sogar mit über einer<br />
halben Sekunde Vorsprung vorne. In der Auftaktrunde des<br />
Tages, der „Round of 14“, hatte sich Dolderer noch gegen Petr<br />
Kopfstein aus der Tschechischen Republik durchgesetzt. Trotz<br />
des vorzeitigen Aus konnte Dolderer seine Spitzenposition vor<br />
Kirby Chambliss (USA) und Nicolas Ivanoff (F) verteidigen.<br />
1 :<br />
3Die DFS Deutsche Flugsicherung<br />
GmbH will die Fluginformationsdienste<br />
(FIS) in Deutschland<br />
künftig zentralisiert von einer<br />
Stelle aus erbringen – der Kontrollzentrale in Langen<br />
bei Frankfurt. Im Zuge dieser Neuorganisation holt die<br />
DFS mit einer Online-Umfrage die Meinung der Piloten<br />
ein. Auf DFS.de kann der Service bewertet werden.<br />
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[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
DIE NEUE<br />
AUTOR: Gerhard Marzinzik<br />
20 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Sonaca 200<br />
REFERENZ<br />
Viele Piloten träumen von einem robusten,<br />
zuverlässigen und schnellen Flugzeug mit<br />
guter Reichweite, in das man auch richtig<br />
was einladen kann. Sonaca Aircraft will<br />
den Traum mit der Sonaca 200 realisieren.<br />
Foto: Jeff Bauche<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 21
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
[ 1 ]<br />
Einfach und sicher<br />
funktioniert die Verriegelung<br />
der Schiebehaube.<br />
Die Sonaca 200 soll die neue<br />
Referenz unter den zweisitzigen<br />
Trainern und Reiseflugzeugen<br />
werden. Der<br />
Ganzmetall-Tiefdecker fliegt bereits<br />
als Proof-of-Concept-Modell. Anfang<br />
Juni hatte die <strong>aerokurier</strong>-Redaktion<br />
im belgischen Spa-La Sauvenière Gelegenheit,<br />
den schnittigen Erprobungsträger<br />
für die VLA-Klasse unter<br />
die Lupe zu nehmen.<br />
Das dickste Pfund, mit dem die<br />
Sonaca wuchert, ist neben der höchst<br />
attraktiven Erscheinung die Zuladung<br />
von 320 kg. Das bietet kein anderer<br />
Zweisitzer, nicht als Light Sport Aircraft<br />
(LSA), nicht als Very Light Aircraft<br />
(VLA) und nicht als Single in<br />
der Zulassungskategorie CS-23. Die<br />
Sonaca 200 nimmt 2 mal 70 Liter<br />
Treibstoff (104 kg) in den Flügeltanks<br />
auf, das reicht für 750 NM (1400 km)<br />
und lässt noch eine Besatzung mit<br />
216 kg Gewicht zu. Der große Gepäckraum<br />
hinter den Sitzen fasst bis<br />
zu 30 kg. Und das alles gibt es in<br />
einer wetterbeständigen Alu-Hülle.<br />
Die Zuverlässigkeit der zugrunde<br />
liegenden Konstruktion hat das Flugzeug<br />
bereits in einer Vielzahl von<br />
Experimentals unter Beweis gestellt.<br />
Die Sonaca 200 basiert auf der Sling<br />
2 des Bausatzherstellers The Airplane<br />
Factory (TAF) aus Südafrika,<br />
mit der die in der Großluftfahrt tätige<br />
Sonaca Group die neue Sonaca Aircraft<br />
in Gosselies, Belgien, gegründet hat.<br />
Mit zehn Prozent sind noch drei Mitarbeiter<br />
der Sonaca Group mit von<br />
der Partie.<br />
Pierre Van Wetter, Head of Marketing<br />
and Sales der neuen Gesellschaft,<br />
hat als Sonaca-Angestellter<br />
und PPL(A)-Pilot den entscheidenden<br />
STARTEN UND LANDEN OHNE ANSTRENGUNG, KOMFORTABEL<br />
REISEN ODER EINFACH NUR MAL HERUMWIRBELN<br />
22 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
Anstoß für die Aufnahme des Leichtflugzeugbaus<br />
gegeben.<br />
Vor dem Einstieg in dieses Marktsegment<br />
hat man sich in ganz Europa<br />
umgehört: Was braucht die Allgemeine<br />
Luftfahrt? Die zusammenfassende<br />
Antwort mündete im zweisitzigen<br />
Schulflugzeug robuster<br />
Konstruktion, das eine praxisgerechte<br />
Zuladung, ansprechende Leistung,<br />
günstige Betriebskosten und die<br />
Garantie für eine verlässliche Betreuung<br />
durch den Hersteller auszeichnet.<br />
Was die Musterbetreuung im Hinblick<br />
auf Ingenieurleistung und rasche<br />
Ersatzteilversorgung angeht, sieht<br />
sich Sonaca Aircraft mit der Erfahrung<br />
der Muttergesellschaft in der früheren<br />
Fertigung der F-16 für die Luftwaffe<br />
und als Zulieferer für Airbus,<br />
Embraer und andere Großflugzeughersteller<br />
als Garant.<br />
In Sachen Konstruktion wollte man<br />
in Gosselies nicht das Rad neu erfinden<br />
und setzte deshalb auf die Sling<br />
2 von TAF als Grundlage. In ihrer<br />
aerodynamischen Gestalt ist das<br />
Sonaca-200-Konzept<br />
damit schon festgelegt.<br />
In Gosselies<br />
arbeiten die Ingenieure<br />
nun an den inneren<br />
Werten; sie sollen das Flugzeug<br />
fit machen für die VLA-Zulassung und<br />
für eine maximale Startmasse von 750<br />
kg. Dazu werden der vierholmige,<br />
über insgesamt 18 Rippen aufgebaute<br />
Flügel und die Verbindung mit<br />
dem schon robust ausgelegten Fahrwerk<br />
verstärkt. Der Rahmen der<br />
Frontscheibe wird als Überrollbügel<br />
ausgelegt. Das Gewicht von fast 19
[ 3 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Ausstattung, wie man sie bei einem Pkw der Premiumklasse erwartet: Das<br />
Cockpit ist mit Leder ausgeschlagen, das Instrumentenpanel edel mit einer CFK-<br />
Struktur versehen. [ 2 ] Pierre Van Wetter von Sonaca Aircraft entert sein „Baby“.<br />
Das Einsteigen erfordert keine besondere Sportlichkeit. [ 3 ] Die Ledersessel lassen<br />
sich lateral verschieben. [ 4 ] Kleine Aufmerksamkeiten: Aufnahmen für Headsets und<br />
Kartenlampe. Die Sonaca 200 gibt es standardmäßig mit NVFR-Ausrüstung.<br />
[ 4 ]<br />
Fotos: Gerhard Marzinzik
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
Abgehoben: Das<br />
Festfahrwerk sorgt mit<br />
seiner breiten Spur für<br />
sicheres Rollen.<br />
Fazit<br />
• Flugleistungen, Zuladung<br />
• harmonische<br />
Ruderabstimmung<br />
• Flugeigenschaften, Wendigkeit<br />
• sehr direkte Bugradsteuerung<br />
• schwerfällige Trimmung<br />
• keine Gepäckraumklappe<br />
kg des verzichtbaren (nicht zertifizierten)<br />
Rettungssystems des Experimentals,<br />
kann in die Struktur fließen,<br />
ohne dass die Rüstmasse zunehme<br />
und die Zuladung verringert werden<br />
würde.<br />
Beim Triebwerk fiel die Wahl auf<br />
den Rotax-914F-Flugmotor mit 115 PS<br />
Startleistung, damit die Sonaca 200<br />
ohne Einschränkungen<br />
auch auf<br />
Graspisten eingesetzt<br />
werden<br />
kann. Eine starre<br />
Zweiblatt-Luftschraube<br />
von<br />
MT-Propeller soll<br />
die Motorleistung<br />
in Vortrieb umsetzen.<br />
Das Proofof-Concept-Modell<br />
war noch wie<br />
das Experimental<br />
mit einem Dreiblatt-Constant-Speed-<br />
Propeller von Whirlwind Propellers<br />
bestückt. Wären da nicht die wie<br />
grimmig blickende Augen erscheinenden<br />
Lufteinlässe neben der Propellernabe,<br />
die der Sonaca einen ganz<br />
eigenen Ausdruck verleihen, das<br />
Flugzeug würde als ganz konventionelle<br />
Konstruktion daherkommen<br />
mit Kreuzleitwerk, einem fast rechteckigen<br />
Flügel und der großen, nach<br />
hinten gleitenden Schiebehaube.<br />
Wingtips und Cowling haben ihre<br />
elegante Form durch Faserverbundbauteile<br />
erhalten.<br />
Im Cockpit haben die Piloten reichlich<br />
Platz, über 1,10 m misst die lichte<br />
Weite. Der Abstand zu den großen,<br />
mit Fußspitzenbremsen versehenen<br />
Seitenruderpedalen lässt sich durch<br />
Verschieben der Sitze anpassen. Man<br />
fühlt sich sofort gut aufgehoben im<br />
Ledersitz. Die Seitenwände und das<br />
Panel mit CFK-Struktur sind ebenfalls<br />
wertig in Leder eingefasst. Das soll<br />
auch Standard bleiben, sagt Pierre<br />
Van Wetter.<br />
Die Instrumentierung der OO-SON<br />
entsprach beim Testflug noch nicht<br />
der vorgesehenen konventionellen<br />
Serienausstattung. Ein Garmin G3X<br />
Touch – gibt es nur für Experimentals<br />
– übernahm im Erprobungsträger<br />
noch die gesamte Motorüberwachung,<br />
das Primary Flight Display und die<br />
Darstellung der Navigationskarte. Im<br />
Panel soll sich noch vieles ändern.<br />
Der Zündschalter wird, um Fehlbedienungen<br />
zu vermeiden, durch einen<br />
Magnetschalter und Startknopf ersetzt.<br />
Der Drehschalter für die elektrisch<br />
betriebenen Landeklappen verliert<br />
eine Position, die zweite Klappenstellung<br />
wird nicht benötigt. Die Bedienelemente<br />
für die vielen Tanks, die für<br />
die Überführung in diesem Frühjahr<br />
24 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
LED-Leuchten für sicheres Landen<br />
und Gesehenwerden.<br />
Randbeleuchtung in den Faserverbund-Wingtips.<br />
Auch bei mieser Sicht, gut zu erkennen. Die Sonaca 200<br />
kommt serienmäßig mit einer NVFR-Ausrüstung.<br />
Fotos: Jeff Bauche, Gerhard Marzinzik<br />
von Südafrika notwendig waren, verschwinden.<br />
Die Sicherungsleiste wird<br />
vertikal angeordnet. Im Angebot wird<br />
es eine Glascockpit-Variante mit einem<br />
Garmin G500 geben.<br />
Den künftigen Sonaca-Piloten erwartet<br />
ein aufgeräumtes Cockpit mit<br />
zentral im Blickfeld über der Mittelkonsole<br />
platziertem Tankwahlhebel.<br />
Der Gashebel auf der Mittelkonsole<br />
ist mit einer kleinen Sperre für die<br />
für fünf Minuten abrufbare 15-PS-<br />
Zusatzpower des Rotax versehen und<br />
kann komfortabel mit aufgelegtem<br />
Arm betätigt werden. Dahinter befindet<br />
sich die Bedienung für die<br />
Feststellbremse. Die Steuerknüppel<br />
ragen dominant ins Cockpit. Ein Gefühl<br />
von Enge kommt aber nicht auf,<br />
sie finden auch bei Vollausschlägen<br />
ausreichend Raum, ohne dass blaue<br />
Flecken an den Oberschenkeln befürchtet<br />
werden müssen. Beim Einund<br />
Ausstieg behindern sie nicht.<br />
Die Knüppelköpfe beherbergten<br />
beim Testmodell noch die Stelltaster<br />
der elektrischen Trimmung. Für die<br />
Anzeige der Trimmstellung war das<br />
G3X Touch zuständig.<br />
Nach dem Anschnallen kann der<br />
Spaß beginnen, den Rotax 914F mittels<br />
Zündschalter zum Leben zu erwecken.<br />
Das funktioniert ganz ohne<br />
Tricks. Die Checkliste abarbeiten – und<br />
schon geht es zum Start. Auf dem<br />
abschüssigen Rollweg zur Piste 03<br />
in Spa können sich die Bremsen das<br />
erste Mal beweisen. Die Rollsteuerung<br />
über das Bugrad wirkt sehr direkt.
[ MOTORFLIEGEN Pilot Report ]<br />
Mit den Trittstufen wird der Ein- und<br />
Ausstieg geradezu komfortabel.<br />
Etwas grimmig schaut die<br />
Sonaca über die kantigen<br />
Lufteinlässe nach vorn.<br />
Daten Sonaca 200<br />
Hersteller: Sonaca Aircraft, Gosselies Zulassung: VLA Sitzplätze: 2 Bauweise:<br />
freitragender Metalltiefdecker Verwendung: Training, Reise<br />
Antrieb<br />
Motor<br />
Leistung<br />
Propeller<br />
Abmessungen<br />
Länge<br />
Spannweite<br />
Cockpitbreite<br />
Massen und Mengen<br />
Leermasse<br />
Nutzlast<br />
BRP Rotax 914F<br />
115 PS / 86 kW<br />
MT, Zweiblatt, starr<br />
Mit dem Vorschieben des Gashebels<br />
und dem Entriegeln der 15-PS-<br />
Sperre nimmt die Sonaca zügig Fahrt<br />
auf. Bei 65 kts und Klappenstellung<br />
1 hebe ich sie von der Bahn. Beschleunigt<br />
auf 70 kts, steigt sie mit mehr<br />
7,00 m<br />
9,15 m<br />
1,11 m<br />
430 kg<br />
320 kg<br />
Maximalmasse<br />
Tankinhalt<br />
750 kg<br />
2 x 70 l<br />
Flugleistungen<br />
max. Reisegeschwindigk. 115 KTAS<br />
Reisegeschw. bei 75 %<br />
Leistung in 6000 ft 105 KTAS<br />
Überziehgeschw. m. Klappen 45 KTS<br />
Startstrecke 350 m<br />
Landestrecke 300 m<br />
bestes Steigen 750 ft/min<br />
Reichweite<br />
750 NM<br />
sichere Lastvielfache +4,4 g / -1,76 g<br />
als den versprochenen 750 ft/min.<br />
Bei der Zuladung haben wir auch<br />
noch Luft nach oben. Bei rund 100 l<br />
Avgas in den Tanks und rund 150 kg<br />
Gewicht im Cockpit sind bis zur Maximalmasse<br />
fast noch 100 kg übrig.<br />
Auf Sicherheitshöhe können die<br />
Klappen zurückgefahren werden.<br />
Jetzt steigt die Sonaca mit 75 kts am<br />
besten.<br />
Hinter uns grummelt ein Gewitter,<br />
zu den Seiten sieht es auch recht<br />
dunkel aus. Bei den guten Sichtverhältnissen<br />
aus dem Cockpit – auch<br />
im Steigflug nach vorn – lässt sich<br />
die Lage aber gut beurteilen. Nach<br />
Süden haben wir freien Himmel, und<br />
in 4000 ft levele ich aus. Leistung<br />
reduzieren, nachtrimmen – stabil zieht<br />
die Sonaca weiter. Ein Steilkreis links,<br />
ein Steilkreis rechts: Leicht und wendig<br />
wie ein Kunstflugzeug lässt sich<br />
die Maschine geradezu herumwirbeln.<br />
Die Höhenrudertrimmung arbeitet<br />
langsam, aber wirkungsvoll. Vertrimmt,<br />
sind hohe Kräfte aufzubringen.<br />
Auch im Langsamflug überzeugt<br />
die Sonaca. In unserer Beladungskonfiguration<br />
lässt sie sich clean ebenso<br />
wie mit voll ausgefahrenen Klappen<br />
bei voll durchgezogenem Steuerknüppel<br />
noch mit kleinen Querruderausschlägen<br />
kontrollieren, ohne aus<br />
dem Sackflug abzukippen. Das deutliche<br />
Weichwerden in den Rudern bis<br />
hin zum leichten Schütteln ist so of<br />
Die Landeklappen sind mehrfach<br />
angelenkt, das Querruder einmal.<br />
fensichtlich, dass es sich auch bei<br />
größter Unaufmerksamkeit nicht<br />
ignorieren lässt. Dann geht es auch<br />
schon zurück nach Spa, für den gewöhnungsbedürftigen<br />
Anflug durch<br />
die Waldschneise zur Piste 03 – mal<br />
mit vollen Klappen, mal ohne. Mit 70<br />
kts ist die Sonaca im Endanflug gut<br />
zu beherrschen, auch als sie aus der<br />
Schneise heraus vom heftigen Querwind<br />
erfasst und gebeutelt wird.<br />
Flugschüler dürften mit dem Tiefdecker<br />
einen viel verzeihenden Trainer<br />
bekommen, der auch bei großem<br />
Ausbildungsstress für einen kühlen<br />
Kopf sorgt – die seitlichen NACA-<br />
Hutzen führen reichlich Frischluft in<br />
den Innenraum. Für gestandene Piloten<br />
dürfte die Sonaca dank ihrer<br />
Wendigkeit und guten Reiseleistungen<br />
attraktiv sein.<br />
Rund 175 000 Euro zuzüglich Steuern<br />
soll die Sonaca 200 kosten, wenn<br />
sie ab Ende 2017 zur Auslieferung<br />
kommt. Pierre van Wetter schätzt,<br />
dass sie in Flugschulen bei 600 Flugstunden<br />
im Jahr für rund 80 bis 90<br />
Euro pro Stunde betrieben werden<br />
kann.<br />
Die Rechnung hat schon eine Reihe<br />
Ausbildungsbetriebe überzeugt.<br />
22 Aufträge – und damit deutlich mehr<br />
als einmal für den gegenwärtigen<br />
Entwicklungsstatus angepeilt – hat<br />
Sonaca Aircraft schon in Europa eingesammelt.<br />
ae<br />
Fotos: Jeff Bauche, Gerhard Marzinzik, Sonaca Aircraft<br />
26 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
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[ MAGAZIN ]<br />
FI an gewerblichen Flugschulen<br />
Ausbilder im Cockpit<br />
Ohne sie kommt niemand in die Luft – die Fluglehrer. In<br />
der Vereinsfliegerei im Ehrenamt, arbeiten die FIs in der<br />
gewerblichen Luftfahrt freiberuflich oder in Festanstellung.<br />
W<br />
N<br />
Der Flight<br />
Instructor<br />
S<br />
O<br />
SERIE BERUFE<br />
Wenn du dir so viele Wegpunkte<br />
auf der kurzen<br />
Strecke raussuchst, ist<br />
das sicher gut für deine Orientierung.<br />
Aber alle in den Flightlog<br />
einzutragen, bringt dich gleich in<br />
der Luft nur in unnötigen Stress“,<br />
sagt Moritz vom Heede beim Briefing<br />
zu Lena Meurer. Die 22-Jährige<br />
absolviert bei TFC Käufer eine<br />
Ausbildung zur Verkehrsluftfahrzeugführerin<br />
und ist gerade<br />
in der Basisausbildung auf einer<br />
Cessna 152.<br />
Zwölf Flugstunden und ihre<br />
erste Soloplatzrunde hat sie bereits<br />
hinter sich, heute geht es an ihren<br />
ersten kurzen Überlandflug von<br />
Essen/Mülheim zum nur wenige<br />
Flugminuten entfernten Flugplatz<br />
Dinslaken – Schwarze Heide. Etwa<br />
eine Stunde hat sich Moritz zuvor<br />
Zeit genommen, mit Lena die Flugvorbereitung<br />
durchzugehen und<br />
ihr Tipps für die einzelnen Schritte<br />
zu geben. Lena ist eine von drei<br />
Flugschülerinnen, die der angestellte<br />
Fluglehrer derzeit durch die<br />
praktische Ausbildung bis zur<br />
PPL(A)-Prüfung führt.<br />
Über den PPL zum ATPL<br />
TFC Käufer, als Vertragsschule<br />
von airberlin, Aerologic und Condor<br />
einer der größten Pilotenausbilder<br />
bundesweit, bietet in integrierten<br />
ATPL-Kursen die Möglichkeit,<br />
auf dem Weg zum Verkehrspiloten<br />
schon mal den PPL(A) zu<br />
erwerben. Gut 130 Flugschüler hat<br />
das Essener Unternehmen derzeit<br />
in Ausbildung, sie werden von<br />
Moritz und neun weiteren festangestellten<br />
Kollegen betreut – unterstützt<br />
von einem Pool freiberuflicher<br />
FIs. Unterrichtet wird in<br />
Kursen von etwa zwölf Schülern,<br />
die die Lehrer für die praktische<br />
Ausbildung in Gruppen von drei<br />
bis vier Personen aufteilen. Im<br />
Theorieunterricht deckt der 29-Jährige<br />
das Fach Meteorologie ab. Die<br />
Verzahnung von Unterricht und<br />
praktischer Basisausbildung ist für<br />
ihn ein entscheidendes Qualitätsmerkmal<br />
seines Berufs: „Wenn ich<br />
einen Schüler vom ersten Tag an<br />
durchgehend betreue, kann ich<br />
den Lernstoff individuell angepasst<br />
systematisch aufbauen.“<br />
Neben den eigenen Lizenzen<br />
und dem Spaß an der Fliegerei<br />
gehört die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche<br />
Charaktere einzulassen,<br />
für Moritz vom Heede zu<br />
den wichtigsten Voraussetzungen<br />
für seinen Beruf. So verschieden<br />
die Anwärter sind, ist die Fähigkeit<br />
des Ausbilders, Stärken und Schwächen<br />
zu erkennen, elementarer Teil<br />
seiner Verantwortung als FI. Vor<br />
einem Jahr hat er seine Stelle als<br />
Fluglehrer bei TFC Käufer angetreten.<br />
Die Lehrberechtigung hat<br />
er 2012 während seiner eigenen<br />
ATPL-Ausbildung erworben, die<br />
er nach Erhalt seiner Segelfluglizenz<br />
mit 17 Jahren angetreten hatte.<br />
Für ihn ein effizienter Weg zu einem<br />
Job im Cockpit – auch ohne Anstellung<br />
als Pilot bei einer Airline.<br />
Die Lehrberechtigung kann man<br />
bereits als Privatpilot mit 200 Flugstunden,<br />
150 davon als PIC, erwerben.<br />
Hinzu kommen neben einer<br />
zehnstündigen Instrumentenflugausbildung<br />
ein Theorielehrgang,<br />
28 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
die Praxisausbildung sowie die<br />
Theorieprüfung zum CPL beim<br />
LBA. Alles Schritte, die der junge<br />
Fluglehrer in seiner Ausbildung<br />
zum Verkehrsluftfahrzeugführer<br />
bereits absolvierte. Als Ausbilder<br />
von Flugschülern nur bis zum LAPL<br />
würde hingegen der PPL sogar<br />
ohne die CPL-Theorie ausreichen.<br />
Schüler bis zur ATPL-Prüfung<br />
durchgehend zu begleiten erfordert<br />
dagegen deutlich umfangreichere<br />
Berechtigungen. Denn nach der<br />
Basisausbildung inklusive PPL-<br />
Prüfung folgt auf den anschließenden<br />
ATPL-Theorieblock mit großer<br />
LBA-Prüfung wieder eine praktische<br />
Phase – die IFR-Ausbildung auf<br />
einer Einmot. An die schließt sich<br />
die MEP-Schulung bis zur praktischen<br />
Prüfung zum CPL-IFR-MEP<br />
an. Dafür erweitert der junge Fluglehrer<br />
gerade seine Lehrberechtigung<br />
als MEP-FI. In diesem letzten<br />
Ausbildungsabschnitt wird die<br />
Praxis in der Luft mit dem Training<br />
auf Airbus- und Boeing-Simulatoren<br />
kombiniert, einer weiteren<br />
Facette des Berufs als Fluglehrer<br />
für Verkehrsluftfahrtführer.<br />
Mehrheit arbeitet<br />
freiberuflich<br />
Mit dem Erwerb der Berufspilotenlizenz<br />
mit IFR-Berechtigung<br />
und MEP Class Rating und der<br />
zuvor absolvierten ATPL-Theorieprüfung<br />
schließen die Schüler ihre<br />
Ausbildung bei Käufer ab und haben<br />
die Basis für einen Cockpitjob<br />
bei einer Airline in der Tasche. Weil<br />
der für Moritz vom Heede nach<br />
seiner ATPL-Ausbildung nicht in<br />
Sicht war, entschied er sich für den<br />
Weg als hauptberuflicher Fluglehrer.<br />
„Viele Kollegen nehmen auch<br />
erst mal einen Kabinenjob an oder<br />
verdingen sich als Ramp Agent“,<br />
so der 29-Jährige, der sich stattdessen<br />
für den Cockpitjob als FI<br />
entschied: „Natürlich ist es nach<br />
wie vor mein Ziel, für eine Airline<br />
zu fliegen. Dabei möchte ich mir<br />
die Tätigkeit als Trainer aber aufrechterhalten.“<br />
Seine jetzige Arbeit als hauptberuflicher<br />
Fluglehrer bei einer der<br />
größten deutschen Schulen für die<br />
Verkehrsluftfahrt könnte sich dafür<br />
als wichtiger Pluspunkt erweisen.<br />
Denn bei den Fluggesellschaften<br />
wird die weitere praktische<br />
Pilotenausbildung mit ihren Type<br />
Ratings von erfahrenen Kapitänen<br />
mit Lehrberechtigung durchgeführt.<br />
Die haben einen Arbeitsvertrag<br />
als Piloten, festangestellte Fluglehrer<br />
gibt es dagegen auch bei<br />
den Airlines nicht allzu viele. So<br />
ist der überwiegende Teil von Moritz’<br />
Kollegen auch freiberuflich<br />
tätig, nicht wenige von ihnen gleich<br />
an mehreren Flugschulen. Fluglehrer<br />
im Hauptberuf ist also eine<br />
recht schmale Nische – aber immerhin<br />
eine zusätzliche, sein Geld<br />
auch ohne Anstellung als Verkehrsluftfahrzeugführer<br />
oder Berufspilot<br />
im Cockpit zu verdienen.<br />
Für ehemalige Airliner zum Beispiel<br />
ist es daher ein Weg, der Fliegerei<br />
beruflich verbunden zu bleiben.<br />
So auch für Axel Goyke: Früher<br />
als Flugingenieur bei der LTU im<br />
Cockpit, deckt der Freiberufler<br />
heute 8 der insgesamt 14 Theoriefächer<br />
bei TFC Käufer ab. ae<br />
Beruf Fluglehrer<br />
Die Voraussetzungen sind ein<br />
Mindestalter von 18 Jahren,<br />
der CPL oder der PPL mit<br />
CPL-Theorieprüfung und<br />
mindestens 200 Flugstunden,<br />
von denen 150 als Pilot in<br />
Command absolviert worden<br />
sein müssen. Hinzu kommen<br />
mindestens 10 Stunden<br />
Instrumentenflugausbildung<br />
sowie die Fluglehrerausbildung<br />
mit einem 125-stündigen<br />
Theoriekurs und 30 Flugstunden<br />
Praxis bei einer ATO.<br />
Lernfortschritte individuell anpassen: Für Moritz vom Heede heißt das<br />
auch Zeit für theoretische Fragen und eine intensive Flugvorbereitung.<br />
Vom Cockpit in einen der Essener Airbus-Simulatoren: ein Kollege Moritz<br />
vom Heedes beim Training mit zwei fortgeschritteneren ATPL-Anwärtern.<br />
Fotos: Frank Martini<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 29
[ MAGAZIN ]<br />
Mit nur einem Checkflug bundesweit chartern<br />
Geteiltes Flugzeug<br />
und doppelter Nutzen<br />
Carsharing, Housesharing, sogar Cowsharing – überall<br />
wird geteilt. aeroPS ist als erster Anbieter für Planesharing<br />
an den Markt gegangen. Das Portal verspricht Piloten<br />
unkompliziertes Chartern und Vereinen, Flugzeughaltern<br />
und Flugschulen eine bessere Auslastung ihrer Flotten.<br />
Anders als bei den bereits<br />
boomenden Mitflugzentralen<br />
geht es bei aeroPS nicht<br />
um das Angebot freier Sitzplätze,<br />
sondern um die Vermittlung ganzer<br />
Flugzeuge – schließlich ist Mitfliegen<br />
schon toll, selber fliegen<br />
aber noch viel besser. Doch den<br />
meisten Piloten fehlt die dazu wichtigste<br />
Ressource: Zeit. Wochentags<br />
wollen Job und Familie unter einen<br />
Hut gebracht werden, am Wochenende<br />
sind die Flieger dann<br />
ausgebucht. Unter der Woche das<br />
Leid von Vereinen und Flugschulen:<br />
Die Flieger verstauben in der<br />
Halle.<br />
Von der spartanisch instrumentierten DR 300 bis<br />
zur Hightech-Zweimot ist alles dabei.<br />
Genau hier setzt aeroPS an: „Wir<br />
bieten Piloten zusätzliche Optionen<br />
zu ihren Vereinen oder Vercharterern<br />
– in der Umgebung oder<br />
deutschlandweit. Und wir geben<br />
Anbietern die Möglichkeit, ihre<br />
Maschinen besser auszulasten“,<br />
sagt Daniel Steinhauß, der zusammen<br />
mit Julian Brott hinter aeroPS<br />
steht. Steinhauß kennt das Pilotenproblem<br />
aus Erfahrung: „Wir<br />
sind an unseren Verein gebunden,<br />
aber die Flieger sind am Wochenende<br />
regelmäßig ausgebucht oder<br />
kaputt. Also habe ich mich gefragt,<br />
wie ich unkompliziert und standort-ungebunden<br />
chartern kann.“<br />
Daraus wurde dann seine Bachelor-Arbeit,<br />
unter anderem mit der<br />
Erkenntnis, dass Piloten zu wenig<br />
fliegen, weil sie keinen ausreichenden<br />
Zugriff auf Flugzeuge haben.<br />
OpenAirplane als<br />
Vorbild aus den USA<br />
Planesharing ist in Europa bislang<br />
nicht etabliert; lediglich in<br />
den USA gibt es OpenAirplane, wo<br />
freie Charterkapazitäten für Privatpiloten<br />
angeboten werden. Als<br />
Vorbilder für das daraufhin erarbeitete<br />
Konzept dienten deshalb<br />
auch die etablierten Carsharing-<br />
Anbieter wie etwa Car2go. Hier<br />
kann der Nutzer online die verfügbaren<br />
Fahrzeuge an beliebigen<br />
Standorten einsehen und per App<br />
buchen – auch kurzfristig. Fast so<br />
einfach soll es auch bei aeroPS<br />
gehen – fast, denn das Problem<br />
beim Mieten von Flugzeugen ist,<br />
dass jeder Anbieter eigene Regeln<br />
hat, jeder seinen eigenen Checkflug<br />
verlangt, bevor man das kostbare<br />
Gerät eigenverantwortlich bewegen<br />
darf. Das wiederum kostet Zeit<br />
und Geld und hält letztendlich die<br />
Leute vom Fliegen ab. „Ist ja auch<br />
kein Wunder“, meint Steinhauß,<br />
„wenn ich schon für ein paar<br />
Platzrunden mit einem Fluglehrer<br />
über einhundert Euro bezahlen<br />
muss, damit ich bei einem Fremdanbieter<br />
überhaupt fliegen darf.“<br />
„Da lokale Checkflüge nicht<br />
gesetzlich geregelt sind, haben wir<br />
also die Vercharterer gefragt, wel-<br />
30 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Ob am Laptop oder per<br />
Smartphone – aeroPS will die<br />
Suche nach der passenden<br />
Chartermaschine so einfach<br />
wie möglich machen.<br />
Fotos: Helge Zembold, aeroPS<br />
che fliegerischen Ansprüche sie<br />
an ihre Kunden stellen. Daraus<br />
haben wir mithilfe von erfahrenen<br />
Fluglehrern und juristischer Beratung<br />
einen standardisierten Checkout<br />
entwickelt, der ein gutes fliegerisches<br />
Niveau sicherstellen soll<br />
und von allen Anbietern akzeptiert<br />
wird“, so Steinhauß. Wer die entsprechenden<br />
Unterlagen aufmerksam<br />
liest, wird schnell feststellen,<br />
dass es hier nicht mal eben um<br />
eine schnelle Platzrunde geht,<br />
sondern dass von der Flugvorbereitung<br />
über die Durchführung bis<br />
hin zur Theorie durchaus hohe<br />
Ansprüche an den Kandidaten<br />
gestellt werden. Offiziell entspricht<br />
dies dem Verfahren zur Unterschiedsschulung<br />
gemäß EU-Verordnung<br />
1178/2011 und wird von<br />
benannten Fluglehrern der jeweiligen<br />
Anbieter durchgeführt. „Der<br />
Check-out bietet sowohl für die<br />
Piloten als auch für die Anbieter<br />
die Sicherheit, dass das Flugzeug<br />
beherrscht wird. Deshalb schreiben<br />
wir ihn unabhängig von der Erfahrung<br />
des Piloten vor“, erklärt<br />
Daniel Steinhauß. „Piloten mit<br />
wenig Flugstunden lernen dazu,<br />
erfahrene Piloten können Verfahren<br />
wieder auffrischen und abseits<br />
der fliegerischen Routine trainieren.<br />
Und natürlich kann der Checkflug<br />
mit dem jährlichen Übungsflug<br />
kombiniert werden.“<br />
Typenzertifikat mit<br />
zwei Jahren Gültigkeit<br />
Am Ende des Check-outs steht<br />
das „Typenzertifikat“, das von<br />
einem Fluglehrer in die Datenbank<br />
von aeroPS eingetragen wird.<br />
Grundsätzlich muss der Nutzer für<br />
jeden Flugzeugtyp ein Typenzertifikat<br />
erwerben, das zwei Jahre<br />
gültig ist und von allen Anbietern<br />
auf aeroPS.com anerkannt wird.<br />
Zudem werden drei Platzrunden<br />
mit einem Fluglehrer fällig, wenn<br />
die letzten drei Flüge mit dem<br />
Für jeden<br />
Flugzeugtyp<br />
verlangt das<br />
System ein Typenzertifikat.<br />
entsprechenden Flugzeugmuster<br />
länger als 90 Tage her sind. Steinhauß<br />
erklärt: „Das war eine Anforderung<br />
der Vercharterer und<br />
Flugschulen, die von unserem<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 31
[ MAGAZIN ]<br />
Daniel Steinhauß (l.) und Julian Brott wollen<br />
perspektivisch mit aeroPS auch Geld verdienen.<br />
Die Seite ist übersichtlich aufgebaut und selbsterklärend. Die<br />
Suche kann nach Region und Flugzeugtyp erfolgen.<br />
Fotos: Helge Zembold, aeroPS<br />
Luftrechtler ebenfalls befürwortet<br />
wurde.“ Regelmäßiges Fliegen auf<br />
demselben Muster hilft in diesem<br />
Fall also sparen, denn Flüge mit<br />
Flugzeugen derselben Klasse genügen<br />
nicht. Allerdings: Die für<br />
den Erhalt des Zertifikats notwendigen<br />
Starts müssen nicht zwangsläufig<br />
bei dem jeweiligen Vercharterer<br />
erflogen werden, es werden<br />
vielmehr alle Flüge auf dem Flugzeugmuster<br />
anerkannt. Für Flugzeuge<br />
mit komplexer Avionik<br />
(Garmin G1000 oder andere EFIS-<br />
Anlagen) muss zusätzlich noch ein<br />
Avionikzertifikat erworben werden;<br />
für Flugzeuge mit Standardausrüstung<br />
ist dies nicht notwendig.<br />
Der Buchungsprozess ist einfach<br />
und nutzerfreundlich: Nach einer<br />
einmaligen Anmeldung werden<br />
die verfügbaren Flugplätze auf<br />
einer Karte angezeigt, ein Klick auf<br />
das entsprechende Symbol öffnet<br />
eine Liste mit den ortsansässigen<br />
Anbietern. Dort können wiederum<br />
die einzelnen Flugzeugmuster<br />
angezeigt und bei Bedarf direkt<br />
gebucht werden. Auch eine Suche<br />
nach Muster oder Umkreis ist möglich.<br />
Das System überprüft, ob die<br />
notwendigen Zertifikate vorhanden<br />
sind, und gibt dann die Buchung<br />
frei, zeigt dabei auch die voraussichtlichen<br />
Kosten an. Falls eine<br />
Voraussetzung nicht erfüllt ist, wird<br />
die Reservierung eines Check-out-<br />
Fluges vorgeschlagen. Vor dem<br />
Flug werden die voraussichtlichen<br />
Flugdaten abgefragt; nach der<br />
Landung müssen dann die Flugzeiten<br />
und Zählerstände korrekt<br />
angegeben werden. Die Abrechnung<br />
erfolgt direkt über den Vercharterer.<br />
Zum Abschluss werden<br />
Dienstleister und Flugzeug vom<br />
Kunden bewertet; der Pilot erhält<br />
ebenfalls eine Bewertung vom<br />
Anbieter.<br />
Für Piloten kostet die Nutzung<br />
von aeroPS zunächst nichts; dafür<br />
wird jedes Typenzertifikat mit 49,95<br />
und jedes Avionikzertifikat mit 9,95<br />
Euro in Rechnung gestellt. Wer<br />
aeroPS häufig mit wechselnden<br />
Anbietern nutzt, kann alternativ<br />
monatlich 14,95 Euro berappen,<br />
womit alle Kosten für Zertifikate<br />
abgegolten sind. Die Anbieter verpflichten<br />
sich, Kunden des Portals<br />
denselben Preis zu berechnen wie<br />
allen anderen Piloten.<br />
Zu den Anbietern auf aeroPS.<br />
com zählen derzeit überwiegend<br />
Flugschulen und einige gewerbliche<br />
Vercharterer; Anfragen gibt<br />
es aber auch schon von privaten<br />
Haltern, die ihr Flugzeug besser<br />
auslasten wollen. Auch für Vereine,<br />
deren Flieger wochentags nicht<br />
ausgebucht sind, ist das Portal<br />
geeignet, wenn es etwa in Verbindung<br />
mit einer Kurzmitgliedschaft<br />
genutzt wird. Zu Beginn des Regelbetriebes<br />
Ende Mai waren 19<br />
Anbieter aus ganz Deutschland<br />
mit insgesamt mehr als 120 Flugzeugen<br />
vom UL bis zur Zweimot<br />
angemeldet.<br />
Für die Partner stellt aeroPS das<br />
Internetportal als kostenlose Werbeplattform<br />
zur Verfügung und<br />
verspricht, die Auslastung der<br />
angebotenen Flugzeuge zu erhöhen.<br />
Allerdings kassiert das Unternehmen<br />
fünf Prozent des dem Piloten<br />
tatsächlich berechneten Nasscharterpreises,<br />
wenn ein Chartervertrag<br />
zustande kommt. Derzeit werden<br />
die Anfragen, die aeroPS erreichen,<br />
noch per E-Mail an die Vercharterer<br />
weitergeleitet; künftig sollen<br />
Schnittstellen zu den gängigen<br />
Online-Buchungssystemen eingerichtet<br />
werden, damit die Flugzeugverfügbarkeit<br />
direkt im Portal<br />
angezeigt werden kann.<br />
Auf der Suche nach<br />
europäischen Partnern<br />
Neben vereinsfrustrierten Piloten<br />
hat aeroPS noch eine weitere<br />
Zielgruppe: jene Flieger, die (beruflich)<br />
viel unterwegs sind und<br />
die Zeit an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort<br />
nutzen wollen. „Das<br />
sind zum Beispiel Berufspiloten<br />
und Außendienstler, aber natürlich<br />
auch Urlauber“, so Julian Brott.<br />
Mit den entsprechenden Zertifikaten<br />
in der Tasche sollte es möglichst<br />
einfach sein, vor Ort eine Flugmöglichkeit<br />
zu finden, ohne erneute<br />
langwierige Prüfprozeduren über<br />
sich ergehen lassen zu müssen.<br />
Derzeit beschränkt sich das<br />
Angebot nur auf Deutschland,<br />
Steinhauß und Brott sind jedoch<br />
bereits auf der Suche nach europäischen<br />
Anbietern: „Wir sind<br />
immer dankbar für Tipps, wo man<br />
im In- und Ausland chartern kann.<br />
Wir sprechen dann die Anbieter<br />
an und versuchen, sie ins Boot zu<br />
holen.“ Als waschechtes Start-up-<br />
Unternehmen konnten die beiden<br />
Studenten zwar auf einen Zuschuss<br />
der TU Braunschweig zurückgreifen,<br />
investieren derzeit aber noch<br />
private Gelder in ihre Firma mit<br />
dem Ziel, künftig Geld damit zu<br />
verdienen. Neben diesen bodenständigen<br />
Ambitionen sehen sich<br />
die Gründer aber auch als Förderer<br />
der Sicherheit der Allgemeinen<br />
Luftfahrt: „Wir bieten den Piloten<br />
die freien Flugzeugkapazitäten,<br />
damit mehr geflogen wird, und<br />
durch unsere Check-outs tragen<br />
wir außerdem zu einem höheren<br />
Sicherheitsniveau bei.“<br />
Dass ihre Anforderungen hinsichtlich<br />
der Zertifikate möglicherweise<br />
abschreckend wirken, wissen<br />
auch Steinhauß und Brott, und<br />
sie sind sich der Tatsache bewusst,<br />
dass sie vielleicht bei einer spartanisch<br />
ausgerüsteten, gutmütigen<br />
Robin etwas über das Ziel hinausschießen.<br />
Spätestens aber bei einer<br />
Cirrus SR20 oder einem Flugzeug<br />
mit Glascockpit ist regelmäßige<br />
Flugpraxis überlebenswichtig, weiß<br />
Daniel Steinhauß aus eigener Erfahrung:<br />
„Man fühlt sich darin wie<br />
ein Anfänger, wenn man 90 Tage<br />
nicht geflogen ist.“ Wer ein Zertifikat<br />
erwirbt, kann sich demnach<br />
sicher sein, das Flugzeug und seine<br />
Ausrüstung zu beherrschen –<br />
Sicherheit für Pilot und Flugzeughalter<br />
gleichermaßen.<br />
ae<br />
<br />
Helge Zembold<br />
32 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
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[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
Caravan im Touristeneinsatz<br />
SPRITZ-TOUR<br />
ÜBER<br />
34 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Wenn über der arabischen Wüste ein<br />
Wasserflugzeug erscheint, dann ist das<br />
nicht unbedingt eine Fata Morgana.<br />
Seawings Dubai bietet mit Cessna Caravans<br />
Rundflüge zwischen Sand und Meer.<br />
DUBAI<br />
TEXT + FOTOS: Andreas Rohde<br />
Das Ambiente ist exklusiv.<br />
Unter großen Sonnenschirmen<br />
stehen weich gepolsterte<br />
Sessel auf dem gepflegten<br />
Rasen und laden zum Verweilen<br />
ein, während Ober aus dem<br />
benachbarten Yachtclub den wartenden<br />
Fluggästen gekühlte Drinks servieren.<br />
Fast könnte man sich auf einer<br />
Reise in die Vergangenheit wähnen,<br />
zurückversetzt in die Zeit der<br />
großen Flugboote, deren betuchte<br />
Passagiere auf exotischen Inseln derart<br />
verwöhnt auf ihren Weiterflug<br />
warteten. Weit gefehlt! Wir befinden<br />
uns im Jahr 2015 am Rande der Arabischen<br />
Wüste, etwa auf halbem Wege<br />
zwischen Abu Dhabi und Dubai.<br />
Das Einzige, was uns mit besagten<br />
Passagieren aus den 1930er Jahren<br />
verbindet, ist die Tatsache, dass unsere<br />
anstehende Flugreise auf See<br />
beginnen wird.<br />
Ausgangspunkt ist das Jebel Ali<br />
Golf Resort & Spa Hotel, eine der<br />
ersten Adressen in den Vereinigten<br />
Arabischen Emiraten. Und die Heimatbasis<br />
von Seawings. Dubai<br />
Seawings wurde im Jahr 20<strong>07</strong> als<br />
Tochterunternehmen von Air Charter<br />
International mit dem Ziel gegründet,<br />
touristische Flüge in den Vereinigten<br />
Arabischen Emiraten anzubieten. Als<br />
Basis dafür wurde Dubai gewählt,<br />
eine kosmopolitische Metropole, Finanz-<br />
und Wirtschaftszentrum, Drehscheibe<br />
des Weltluftverkehrs – und<br />
natürlich eine erstklassige Urlaubsdestination<br />
mit genügend potenzieller<br />
Kundschaft.<br />
Seawings zeichnet dabei für die<br />
Organisation und Vermarktung der<br />
Flüge verantwortlich, während der<br />
Flugbetrieb von Jet-Ops, ebenfalls<br />
Tochter der Air Charter International,<br />
durchgeführt wird. Die Wahl des<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 35
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
[ 1 ]<br />
Pilot Jeff Powell ist ein<br />
erfahrener Wasserflieger.<br />
In den Wintermonaten<br />
sitzt er für Seawings am<br />
Steuer einer Caravan.<br />
Flugzeugs fiel dabei auf die Cessna<br />
208 Caravan, von der heute drei Exemplare<br />
betrieben werden. Für den<br />
Einsatz bei Seawings wurden die<br />
Maschinen mit einem exklusiven Interieur<br />
ausgestattet, sie bieten den<br />
Fluggästen Platz in acht bequemen<br />
Ledersitzen. Ein neunter Passagier<br />
kann auf dem Copilotenplatz sitzen.<br />
Dieser sowie die beiden Plätze in der<br />
letzten Reihe mit extra viel Beinfreiheit<br />
können gegen<br />
einen Preisaufschlag<br />
reserviert werden.<br />
Die drei Caravans<br />
wurden mit amphibischen<br />
Schwimmern ausgestattet, sie<br />
erlauben sowohl den Betrieb vom<br />
Wasser als auch von regulären Startbahnen<br />
aus. Als Operationsbasis<br />
wurde die Marina des Jebel-Ali-Golf-<br />
Resorts gewählt, da dieses Hotel<br />
nicht nur strategisch günstig zwischen<br />
Abu Dhabi und Dubai gelegen ist,<br />
sondern mit eigenem Yachthafen und<br />
Golfclub der kleinen Airline die technisch<br />
nötige Infrastruktur bietet.<br />
Aufgrund der großen Entfernung<br />
zum Stadtzentrum von Dubai ist es<br />
jedoch für viele Gäste zu umständlich,<br />
Jebel Ali zu erreichen, sodass 2009<br />
eine Dependance im Dubai Creek<br />
Golf & Yacht Club eröffnet wurde.<br />
Von dieser im Stadtzentrum gelegenen<br />
Basis startet mittlerweile die<br />
Mehrzahl der Seawings-Flüge, wobei<br />
jedoch alle Maschinen regelmäßig<br />
nach Jebel Ali zurückkehren, um dort<br />
im Yachthafen für Inspektionen und<br />
Wartung via Rampe an Land rollen<br />
zu können.<br />
Vor dem Flug treffen wir uns auf<br />
der Wartungsrampe in Jebel Ali mit<br />
MIT PREISAUFSCHLAG ALS<br />
COPILOT INS COCKPIT DER 208<br />
Pilot Jeff Powell. Jeff ist ein erfahrener<br />
Wasserflieger, der während der<br />
Sommermonate in seiner kanadischen<br />
Heimat für das Ontario Ministry of<br />
Natural Resources and Forestry von<br />
Sudbury aus zu Wasserbombern umgebaute<br />
Twin Otter fliegt. Im Winter<br />
tauscht er seine frostige Heimat gegen<br />
das angenehm milde Klima von<br />
Dubai und zeigt Touristen aus der<br />
ganzen Welt die monumentalen Attraktionen<br />
dieser Region.<br />
Während die Techniker letzte Hand<br />
an die Caravan anlegen, führt Jeff<br />
den Außencheck an seiner Maschine<br />
durch und bittet uns schließlich an<br />
Bord, da wir ihn ausnahmsweise auf<br />
dem Weg von der Wartungsrampe<br />
zum Passagierdock begleiten dürfen.<br />
Dazu müssen wir erst einmal die Caravan<br />
erklimmen, die auf ihrem aus<br />
den Schwimmern ausgefahrenen<br />
Fahrwerk erstaunlich groß und hoch<br />
wirkt. Auf Land ist die Sitzhöhe im<br />
Cockpit durchaus mit der eines kleinen<br />
Airliners zu vergleichen. Nach<br />
dem „All clear“-Signal der Bodencrew<br />
startet Jeff die 675 PS<br />
starke Pratt & Whitney-PT6A-114A-Pro-<br />
pellerturbine. Da das<br />
Triebwerk weit vor<br />
dem Cockpit sitzt, ist der Lärmpegel<br />
in der Kabine überraschend gering.<br />
Langsam steuert Jeff die Caravan<br />
eine kleine Rampe hinunter in das<br />
azurblaue Wasser des Hafenbeckens,<br />
zieht das Fahrwerk ein, und fährt,<br />
einem Schiff gleich, zur anderen Seite<br />
des Hafenbeckens hinüber, vorbei<br />
an stattlichen Luxusyachten.<br />
Am Passagierdock von Seawings<br />
angekommen, wird die Caravan zum<br />
Boarding vorbereitet. Eine externe<br />
Klimaanlage sorgt bis zum Einsteigen<br />
der Gäste für angenehme Temperaturen<br />
im Inneren der Maschine. Kurz<br />
darauf werden die Gäste mit einem<br />
36 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Kaum über die Rampe der Seawings-Werft ins Wasser gerollt, wird das Fahrwerk<br />
in die Schwimmer eingezogen und die Amphibien-Caravan ist in ihrem zweiten<br />
Element. [ 2 ] Die Jebel Ali Palm gehört zu den wohl beeindruckendsten Landmarken,<br />
die bei einem Rundflug über Dubai aus der Luft zu erkennen sind. Da sie zu weit vom<br />
Stadtzentrum entfernt liegt, gibt es noch eine innenstadtnahe Basis. [ 3 ] Beim Ver -<br />
lassen der Basis muss ein Wasserflieger durchaus mit maritimem Verkehr rechnen.<br />
[ 3 ]<br />
Golfwagen zum „Gate“ gebracht, wo<br />
eine kurze Sicherheitskontrolle stattfindet.<br />
Sechs Gäste haben einen<br />
halbstündigen Rundflug gebucht –<br />
allesamt Touristen aus Deutschland,<br />
England, Lettland und Korea. Da das<br />
Sicherheitsbriefing bereits beim Checkin<br />
mittels Video durchgeführt wurde,<br />
startet Jeff unmittelbar nach einer<br />
kurzen Begrüßung das Triebwerk.<br />
Leinen los, und schon bewegt sich<br />
die Caravan gemächlich Richtung<br />
Hafenausfahrt.<br />
Dann schiebt Jeff den Gashebel<br />
nach vorne. Mit hochgezogener Nase<br />
nimmt der Flieger Fahrt auf. Nach<br />
wenigen Sekunden lässt Jeff die Nase<br />
ein wenig herunter, die Caravan<br />
gleitet jetzt „on the step“. Das ist der<br />
Punkt des geringsten Wasserwiderstandes<br />
der Schwimmer. Gischtsprühend<br />
jagt die Caravan über das<br />
Wasser, bis sich die Schwimmer vom<br />
nassen Element trennen.<br />
Entlang der bisher unvollendeten<br />
Jebel Ali Palm, einer künstlich im<br />
Meer angelegten Insel in Form einer<br />
umrandeten Palme, steigen wir vorerst<br />
auf eine Höhe von 1000 Fuß,<br />
während unter uns ein riesiges Con-
[ MOTORFLIEGEN Reise ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Maritimes Flair dank<br />
reetgedecktem Portal zur<br />
Gangway. [ 2 ] Beim<br />
morgendlichen Walkaround<br />
prüfen die Piloten<br />
ihr Flugzeug akribisch.<br />
tainerschiff seinen Weg aufs offene<br />
Meer nimmt. Wir aber folgen der<br />
Küstenlinie nordwärts Richtung Jumeirah,<br />
bevor wir wieder landeinwärts<br />
drehen.<br />
Jeff schiebt den Gashebel wieder<br />
nach vorne und setzt Steigleistung.<br />
Bevor wir die Küstenlinie überfliegen,<br />
erreichen wir unsere endgültige Flughöhe<br />
von 2000 Fuß. Während wir jetzt<br />
in einer lang gezogenen Kurve um<br />
die Wolkenkratzer entlang der Sheikh<br />
Zayed Road herumfliegen, befindet<br />
sich auf der anderen Seite ein Meer<br />
aus Sand – die arabische Wüste,<br />
deren Ausläufer bis in die Stadt hineinreichen.<br />
Genau genommen ist es<br />
aber andersherum richtig: Dubai ist<br />
in die Wüste hineingewachsen. Und<br />
erst aus der Luft lässt sich erkennen,<br />
dass tatsächlich auch viele große<br />
Gebäude noch vom Wüstensand umgeben<br />
sind.<br />
Die nächste Attraktion ist das<br />
weltberühmte Hotel Burj al Arab, das<br />
dem Segel einer Dhow, einem traditionellen<br />
arabischen Segelschiff,<br />
nachempfunden ist. Weiter geht es<br />
wieder über Wasser, entlang der<br />
Umrandung der Jumeirah Palm bis<br />
zum exklusiven Atlantis Resort, das<br />
an der Spitze von Dubais erster künstlicher<br />
Palmeninsel liegt. Auf Höhe<br />
des Resorts fliegt Jeff eine 180-Grad<br />
Kurve, sodass die Gäste auf beiden<br />
Seiten der Caravan den gleichen Ausblick<br />
auf diese von Menschenhand<br />
geschaffene Welt genießen können.<br />
Kurz darauf erreichen wir die „Welt“<br />
– eine aus 300 künstlichen Inseln<br />
bestehende Weltkarte. Bisher wurde<br />
jedoch nur auf zweien davon mit der<br />
Bebauung begonnen, und es scheint<br />
zweifelhaft, ob dieses gigantische<br />
Projekt jemals fertig wird. Die lokale<br />
Presse berichtete bereits über versandende<br />
Kanäle, schlechte Wasserqualität<br />
wegen mangelnder Zirkulation<br />
und beginnende Erosion der<br />
künstlichen Aufschüttungen. Es ist<br />
daher nicht auszuschließen, dass<br />
ironischerweise gerade das Spiegelbild<br />
der Welt durch menschlichen<br />
Größenwahn letztendlich im Meer zu<br />
versinken droht.<br />
Nächstes Highlight ist das Burj<br />
Khalifa, mit 163 Stockwerken und 828<br />
EINE WELT AUS 300 KÜNSTLICH ANGELEGTEN INSELN<br />
38 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
Metern das höchste Gebäude der<br />
Welt. Aus Sicherheitsgründen muss<br />
ein großer Abstand zu diesem Gebäude<br />
gehalten werden, sodass seine<br />
grazile Eleganz ein wenig durch<br />
den vorherrschenden Dunst getrübt<br />
wird. Von diesem Symbol des modernen<br />
Dubai geht der Flug weiter über<br />
Land nach Deira, dem alten Mittelpunkt<br />
und Handelszentrum der Stadt. Noch<br />
heute werden hier entlang des Dubai<br />
Creek hölzerne Frachtschiffe beladen,<br />
die Waren in die angrenzenden arabischen<br />
Nationen und darüber hinaus<br />
transportieren. Nach einer Schleife<br />
über dem Kreuzfahrthafen fliegen wir<br />
schließlich wieder südwärts, zurück<br />
Richtung Jebel Ali, wo der Flug mit<br />
einem weiteren Höhepunkt enden<br />
wird – der Landung auf dem Meer.<br />
Sanft setzt Jeff die Caravan wieder<br />
auf dem Wasser auf, schiebt ein wenig<br />
Leistung nach und gleitet mit<br />
hoher Geschwindigkeit bis zur Hafeneinfahrt.<br />
Dann zieht er die Leistung<br />
heraus und das Steuerhorn bis zum<br />
Anschlag nach hinten, sodass die<br />
Caravan mit hochgezogener Nase<br />
gegen den Widerstand des Wassers<br />
abgebremst wird. Gleichzeitig wird<br />
so auch ein Unterschneiden der<br />
Schwimmer vermieden. Das Manöver<br />
stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass<br />
Wasserflugzeuge in der Regel eine<br />
um das Mehrfache höhere<br />
Distanz zum Starten benötigen<br />
als zum Landen. Kurz<br />
vor Erreichen des Seawings-<br />
Docks schaltet Jeff die Turbine schließlich<br />
ab, und wir gleiten gemächlich<br />
an den Steg heran, wo die Bodencrew<br />
den Flieger in Empfang nimmt und<br />
vertäut.<br />
Damit geht für uns ein tolles Flugerlebnis<br />
zu Ende, während für Jeff<br />
der Tag gerade erst beginnt. Er fliegt<br />
jetzt leer nach Dubai Creek und wird<br />
dort bis zum Sonnenuntergang noch<br />
neun Rundflüge durchführen.
[ 3 ]<br />
[ 4 ]<br />
Beflügelt durch die große Nachfrage<br />
in Dubai, bietet Seawings mittlerweile<br />
auch Rundflüge über dem<br />
Nachbaremirat Abu Dhabi an. Sie<br />
starten von Basen in der Yas Marina<br />
und am Emirates Palace Hotel aus.<br />
Darüber hinaus sind exklusive Flugund<br />
Bodenarrangements in Zusammenarbeit<br />
mit Luxus-Spas und Hotels<br />
im Angebot, die unter anderem auch<br />
in die Nachbaremirate Fujairah und<br />
Ras Al Kaimah sowie nach Zighy Bay<br />
im Norden des Oman führen. Eine<br />
2011 gewagte Expansion nach Europa<br />
war jedoch weniger von Erfolg<br />
gekrönt. Um das geringere Gästeaufkommen<br />
während der extrem<br />
heißen arabischen Sommermonate<br />
auszugleichen, hoffte man, eine Maschine<br />
im tourismusstarken Mittelmeerraum<br />
betreiben zu können. Die<br />
Wahl fiel dabei auf Venedig.<br />
Während der Sommersaison 2011<br />
wurde für sechs Monate eine Cessna<br />
Caravan vom San Clemente Palace<br />
Hotel aus betrieben, wobei der Flugbetrieb<br />
selbst dem eigens hierfür<br />
gegründeten Tochterunternehmen<br />
Jet-Ops EU oblag. Aufgrund der wirtschaftlichen<br />
Rezession in Südeuropa<br />
blieb es bei einem Versuch für eine<br />
Saison.<br />
Borislav Georgiev, bei Jet-Ops<br />
Director of Ground Operations, versichert<br />
allerdings, dass Seawings den<br />
europäischen Markt weiterhin sehr<br />
genau beobachtet und nach Europa<br />
zurückkehren möchte, sobald die<br />
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen<br />
dieses sinnvoll erscheinen lassen.<br />
Gegebenenfalls wird eine Rückkehr<br />
auch nicht zwangsläufig nach Venedig<br />
führen. Bis dahin konzentriert<br />
Seawings ihre Aktivitäten im weiterhin<br />
lukrativen arabischen Markt – im<br />
abgelaufenen Geschäftsjahr wurden<br />
hier mit nur drei Maschinen 22 000<br />
Gäste befördert.<br />
ae<br />
[ 3 ] Die Skyline der<br />
Wüstenstaaten ist aus der<br />
Luft ein echter Hingucker.<br />
[ 4 ] Logenplatz: Der Sitz<br />
des Copiloten im Cockpit<br />
kann gegen Aufpreis auch<br />
von Passagieren gebucht<br />
werden.<br />
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[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
AME mit CPL<br />
THE FLYING<br />
DOCTRESS<br />
Fliegerärztinnen dürfte es einige geben,<br />
solche mit Berufspilotenlizenz dagegen weniger.<br />
Wer dazu aber noch eine Antonow steuert, ist<br />
ganz gewiss eine Ausnahme.<br />
TEXT + FOTOS: Frank Martini<br />
40 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Doktor Ilse Janicke tritt ihren<br />
Dienst in diesem Jahr erstmals<br />
am 8. Mai an. Aber nicht als<br />
Ärztin in weißem Kittel, sondern<br />
in einem feuerroten Overall. Der<br />
Job der Düsseldorfer Kardiologin heute<br />
ist aber auch kein notärztlicher Einsatz.<br />
Für ihren Auftraggeber, die Air Albatros,<br />
ist es der Saisonbeginn. Das Unternehmen<br />
des Mülheimers Lothar Steinbiß<br />
betreibt seit 25 Jahren zwei Antonow<br />
An-2 im gewerblichen Flugbetrieb.<br />
Beide Maschinen, die D-FONE und die<br />
D-FKMB, tragen die gleiche feuerrote<br />
Farbe wie der Overall Dr. Janickes und<br />
sind im Ruhrgebiet eine fliegerische Attraktion.<br />
Jeweils von einem Sonntag in der<br />
ersten Maihälfte an starten die beiden<br />
„Red Eagle“ und „Roter Baron“ getauften<br />
Flugzeuge von den Plätzen in Essen/<br />
Mülheim und Dortmund regelmäßig mit<br />
Passagieren an Bord zu Rundflügen über<br />
Westfalen und dem Rheinland, einschließlich<br />
des Düsseldorfer Airports und der<br />
City. Seit 2010 auch mit der Medizinerin<br />
im Cockpit, die in ihrem roten Dress und<br />
mit ihrem dunkelroten Haar hinter dem<br />
mächtigen Steuerhorn eine überaus gute<br />
Figur macht. Mit der Fliegerei hat die<br />
gebürtige Berlinerin schon als Jugendliche<br />
begonnen. Bis ins Cockpit einer<br />
An-2 und zuvor einer Ausbildung zur<br />
Fachärztin mit Zulassung als AME (Aeromedical<br />
Examiner) für flugmedizinische<br />
Tauglichkeitszeugnisse der Klassen 1<br />
und 2 war es noch ein längerer Weg.<br />
Vom Segelflug zur<br />
Berufspilotenlizenz<br />
„Ich bin ja in Vorwendezeiten in Berlin<br />
aufgewachsen, da war die Sache mit<br />
der Segelfluglizenz nicht mal eben um<br />
die Ecke möglich“, erinnert sie sich. Das<br />
Fliegervirus hat sie schon als Kind erwischt,<br />
ist vielleicht sogar ein „Erbschaden“.<br />
Denn bereits ihr Vater war begeisterter<br />
Segelflieger – für die junge Ilse in<br />
der damals hinter dem Eisernen Vorhang<br />
eingeschlossenen Stadt der Glücksfall:<br />
„Jedes Wochenende ging es zum Segelfliegen<br />
in den Westen nach Braunschweig.“<br />
Dort nahm sie als 14-Jährige<br />
das erste Mal in ihrem Leben selbst<br />
hinter einem Steuerknüppel Platz. Das<br />
war 1973. Anfang der 80er Jahre erwarb<br />
sie schließlich den PPL(C) und die Lizenz<br />
für eigenstartfähige Motorsegler; am<br />
Ende der Dekade hatte sie auch ihren<br />
PPL(A) sowie die F-Schleppberechtigung<br />
in der Tasche. Inzwischen längst im<br />
Westen angekommen, fand sie eine fliegerische<br />
Heimat im Luftsportclub<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 41
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
VOLLEN KÖRPERLICHEN EINSATZ<br />
FORDERT DAS DURCHDREHEN DES<br />
PROPELLERS VON HAND<br />
42 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Bayer Leverkusen. Dort hängte sie<br />
Ende der 90er noch die CVFR- und<br />
die Nachtflugberechtigung an.<br />
Nicht weit von der Homebase der<br />
jungen Ärztin entfernt betrieben seinerzeit<br />
Wolfgang Bilo und Mark Stähle<br />
die Flugschule Flight Training<br />
Cologne – und eine An-2. Spätestens<br />
da muss die Kardiologin Herzblut für<br />
den Flugsaurier entwickelt haben.<br />
Damals hieß es in Bezug auf ihre Ambitionen<br />
zunächst noch: „Wenn Sie<br />
unsere An-2 fliegen wollen, machen<br />
Sie doch erst mal Ihren CPL“, erinnert<br />
sich Janicke. Da hatte sie mit der<br />
Berufspilotenlizenz bereits angefangen<br />
– und solche Vertröstungen<br />
spornten sie nur weiter an, zumal sie<br />
die Instrumentenflugberechtigung<br />
bereits in der Tasche hatte. Doch auch<br />
nach bestandener Prüfung nahmen<br />
die Sprüche kein Ende: „’ne Antonow?<br />
Da musste vorm Anlassen aber den<br />
Propeller erst 25-mal von Hand durchdrehen.<br />
Das ist doch wohl nix für so<br />
’ne zierliche Frau!“ Doch die Ärztin<br />
wollte es den Skeptikern zeigen. Nach<br />
einer Differenzschulung mit 70 Starts<br />
und Landungen, die sie aus Kostengründen<br />
im April 2006 in nur zwei<br />
Tagen in Ungarn auf sich nahm, durfte<br />
sie die Bonner „Anna“ fliegen. Und<br />
war nach der Auflösung der Firma<br />
vor wenigen Jahren froh, in Lothar<br />
Steinbiß’ Air Albatros ein neues Unternehmen<br />
für eine Fortsetzung gefunden<br />
zu haben.<br />
Die Begeisterung, die die Abwechslung<br />
zu ihrem Job in einem renommierten<br />
Herzzentrum bei ihr auslöst,<br />
merkt man der „Flying Doctress“<br />
schon bei der Vorflugkontrolle an.<br />
Beim Walk-around um die Maschine<br />
geht ihr freudiges Grinsen einfach<br />
nicht mehr weg. Daran ändert auch<br />
das aus einem Ventil unter dem Motor<br />
tropfende Öl nichts, das sie beim<br />
Wegnehmen des Auffangeimers regelmäßig<br />
ins Gesicht bekommt. Selbst<br />
wenn sie sich in Schräglage mit ausgestreckten<br />
Armen gegen die Propellerspitzen<br />
stemmen muss, um die<br />
vor dem Start fälligen Motorumdrehungen<br />
zu bewältigen, weicht es<br />
allenfalls einem etwas angestrengteren<br />
Lächeln. Denn es hilft ja nix:<br />
Das Öl, das sich in den unteren Zylindern<br />
des Sternmotors gesammelt<br />
hat – er schöpft aus 30 Litern Hubraum<br />
1000 PS –, muss vor dem Anlassen<br />
beseitigt werden. Diesen nicht ganz<br />
unkomplizierten Vorgang meistert<br />
die Ärztin routiniert: Erst mal mit<br />
einem Hebel rechts vom Pilotensitz<br />
per Handpumpe den nötigen Benzindruck<br />
aufbauen, dann vor Einschalten<br />
der Zündmagnete einen Elektromotor<br />
starten, der ein gewaltiges Schwungrad<br />
in Fahrt bringt, um – sobald dessen<br />
Energie zum Anlassen ausreicht<br />
– diese über ein Untersetzungsgetriebe<br />
auf die Kurbelwelle loszulassen.<br />
Den richtigen Zeitpunkt dafür kann<br />
die Pilotin nur am Laufgeräusch der<br />
Schwungscheibe erkennen.<br />
Kaum hat sich der mächtige Verstellpropeller<br />
in Bewegung gesetzt,<br />
dröhnt der Motor nach einem kurzen<br />
Anstottern auch schon los. Ilse spielt<br />
gekonnt am Gashebel, um das Aggregat<br />
bloß nicht wieder absterben<br />
Fliegender Fluggastwechsel:<br />
Kaum ist die eine<br />
Gruppe ausgestiegen,<br />
wartet schon die nächste.<br />
[ 1 ]<br />
[ 1 ] Von der Villa Hügel geht die kurze Route weiter ein Stück längs der Ruhr. Bei den<br />
längeren Rundflügen erhalten die Gäste auch einen fantastischen Ausblick auf die<br />
Landeshauptstadt mit ihrem Airport und dem Rhein. [ 2 ] Klappe zu, alles gecheckt:<br />
Dr. Ilse Janicke am Ende ihres Walk-around vor dem Anlassen und Abrollen zur Tank -<br />
stelle. [ 3 ] Ein echter Balanceakt: Der Tankvorgang bei einer An-2 ist etwas trickreich.<br />
[ 2 ]<br />
[ 3 ]<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 43
[ MOTORFLIEGEN Flying ]<br />
Antonow An-2<br />
Abmessungen<br />
Länge<br />
12,74 m<br />
Spannweite o./u. 18,18/14,24 m<br />
Flügelfläche gesamt 71,60 m²<br />
Antrieb<br />
Konstrukteur Arkadi Schwezow<br />
Art Neunzylinder-Sternmotor<br />
Typ<br />
A Sch-62<br />
maximale Leistung<br />
bei 2200 rpm 1000 PS/736 kW<br />
DIE BEIDEN ROTEN ANTONOWS<br />
SIND EINE ATTRAKTION AM HIMMEL<br />
ÜBER DEM RUHRGEBIET<br />
[ 1 ] Eint ihre Begeisterung für die Antonow An-2: die Ärztin Dr. Ilse Janicke und der<br />
Rundfluganbieter Lothar Steinbiß. [ 2 ] Das Flugerlebnis für die Nachwelt festhalten:<br />
Kaum jemand, der nicht die ganze Zeit eine Kamera im Anschlag hielte.<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
Passt zur Pilotin: der<br />
Sticker auf der linken Seite<br />
des feuerroten Overalls.<br />
zu lassen. Nach einem kurzen Gruß<br />
über Funk setzt sich der Traktor der<br />
Lüfte Richtung Tankstelle in Bewegung.<br />
1200 Liter Sprit nehmen die<br />
oberen Flächen auf. Niemals soll der<br />
Unterschied zwischen rechter und<br />
linker Seite mehr als 150 Liter betragen,<br />
mahnt ein Schild an der Tankanzeige<br />
im Cockpit – eine nach nur<br />
50 Flugminuten verbrannte Menge.<br />
An der Zapfsäule angekommen,<br />
hat die Fliegerärztin wieselflink den<br />
Rumpf der Antonow erklommen und<br />
ist über einen schmalen Steg zum<br />
Tankdeckel der rechten Fläche balanciert.<br />
Nach einem Blick darunter<br />
ruft sie dem Mann am Zähler die<br />
benötigte Menge zu. Die Zapfpistole<br />
hangelt sie mit einem Seil nach oben,<br />
Lothar Steinbiß assistiert von unten.<br />
Nun wird es Zeit! Es ist schon elf<br />
Uhr, und hinter der Absperrung am<br />
Vorfeld haben sich die ersten Fluggäste<br />
versammelt.<br />
Mehrere Rundflüge unterschiedlicher<br />
Länge absolviert die Pilotin<br />
sonntags während der Saison. Der<br />
längste, der auch den Überflug der<br />
Landeshauptstadt inklusive ihres<br />
internationalen Flughafens umfasst,<br />
dauert etwa eine Stunde. Da kommt<br />
ganz schön was zusammen. Weit mehr<br />
als 300 der insgesamt 2500 Stunden,<br />
die sich in ihren Flugbüchern inzwischen<br />
summieren, hat sie in den<br />
vergangenen zehn Jahren als An-<br />
2-Pilotin gesammelt. Und weil die<br />
Betriebskosten eines solchen Flugzeugs<br />
nicht ohne sind, dürfen Passagiere<br />
gegen Aufpreis ihren Sitz<br />
gegen den rechts im Cockpit tauschen.<br />
So hat die Ärztin, die als Pilotin und<br />
Stewardess in Personalunion fungiert,<br />
im Flug Entlastung durch einen Luftraumbeobachter.<br />
Nach dem Zurückrollen an die<br />
Absperrung nimmt sie ihre Fluggäste<br />
persönlich in Empfang, geleitet sie<br />
zum Einstieg auf die linke Flugzeugseite<br />
und erklärt ihnen mit freundlicher<br />
Hingabe detailliert, mit welchem<br />
Flugzeug sie nun losfliegen und was<br />
sie dabei erwartet. Kaum einer der<br />
Fluggäste, der nicht schon dabei eine<br />
Kamera oder ein Smartphone in<br />
der Hand hätte – ein Antonow-Flug<br />
ist schließlich ein einmaliges Erlebnis.<br />
Als der Motor zum dritten Mal an<br />
diesem Vormittag anläuft, lebt ein<br />
ordentlicher Wind auf. „Das Spornrad<br />
ist frei beweglich, da kannste beim<br />
Rollen nur über die Bremse steuern“,<br />
erläutert sie das laute Pffff-pffft, das<br />
die Hydraulikbremse wie bei einem<br />
Lkw verursacht. Betätigt wird diese<br />
über nur einen Hebel am linken Steuerhorn<br />
– die Verteilung der Bremskraft<br />
auf die beiden Räder muss parallel<br />
dazu über die Seitenruderpedale geregelt<br />
werden. Keine einfache Geschichte,<br />
vor allem, wenn der Wind<br />
einem – wie jetzt beim Abbiegen in<br />
44 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
den Rollweg zur Piste <strong>07</strong> – ordentlich<br />
von der Seite gegen den mächtigen<br />
Rumpf drückt. Aber mit wenigen<br />
Schweißperlen kriegt sie die Kurve,<br />
und nach einem kurzen abschließenden<br />
Check am Rollhalt heißt es: „Wir<br />
starten.“ Kaum hat sie die Anna auf<br />
der Centerline ausgerichtet, schiebt<br />
sie den Gashebel bis zum Anschlag<br />
nach vorn und drückt nur leicht gegen<br />
das Höhenruder.<br />
Die Anna fliegt,<br />
die Ärztin strahlt<br />
Kurz nachdem sich Anuschkas<br />
Spornrad von der Bahn gelöst hat,<br />
hebt das Flugzeug auch schon beinahe<br />
unmerklich ab. Gerade mal 150<br />
Meter Rollstrecke benötigt die voll<br />
besetzte Antonow, um in die Luft zu<br />
kommen. Als habe sie eben bei einem<br />
Notfallpatienten ein lebensbedrohliches<br />
Kammerflimmern verhindert,<br />
strahlt die Kardiologin nun über beide<br />
Backen. Obschon es recht bockig<br />
ist, haben wir bestes Flugwetter, das<br />
den Gästen nach Eindrehen Richtung<br />
Baldeneysee einen ungetrübten Blick<br />
auf die Villa Hügel ermöglicht. Mit<br />
269 Räumen auf lächerlichen 8100<br />
Quadratmetern Wohnfläche, die der<br />
Industrielle Alfred Krupp vor knapp<br />
150 Jahren inmitten eines 28 Hektar<br />
großen Parks als standesgemäßes<br />
Unternehmerdomizil errichten ließ,<br />
gehört sie als Symbol der Industrialisierung<br />
Deutschlands zu den Highlights<br />
jedes Ruhrgebietsrundfluges.<br />
C<br />
Entlang der Ruhr geht es Richtung<br />
M<br />
Essener City und zur Neuen Mitte<br />
Y<br />
Oberhausen mit Blick auf das zum<br />
CM<br />
Veranstaltungsort umgebaute Gasometer<br />
weiter, das Sichtfliegern im<br />
MY<br />
Pott immer eine gute Orientierung<br />
CY<br />
bietet. Als wir aus dem Ruhrtal auf<br />
CMY<br />
die Mintarder Brücke zufliegen, muss<br />
die Pilotin dem böigen Wind wieder K<br />
ordentlich mit dem Seitenruder entgegenwirken<br />
– schließlich soll der<br />
Genuss ihrer Fluggäste möglichst<br />
unbeeinträchtigt bleiben. Als sie über<br />
Funk das Eindrehen ins Final meldet,<br />
erhält sie bis zur Landung vier Mal<br />
Antworten mit leicht verschiedenen<br />
Angaben über die Windstärke und<br />
-richtung. Der Türmer weiß, wer da<br />
kommt, und dass so eine schwere,<br />
mit neun Fluggästen beladene Spornradmaschine<br />
nicht so einfach wieder<br />
auf die Bahn zu setzen ist. Nun merkt<br />
man Ilse Janicke doch eine leichte<br />
Anspannung an. Konzentriert rudert<br />
sie gegen die Böen an, am Ende quittiert<br />
die Anna das Gasrausziehen<br />
damit, sich beinah saugend in Dreipunktlage<br />
auf dem Asphalt niederzulassen.<br />
Obschon nun das Ende des<br />
Spaßes unmittelbar bevorsteht, strahlen<br />
alle Passagiere begeistert.<br />
Der Besucherpulk hinter der Absperrung<br />
ist unverändert groß, als<br />
der Motor stoppt. Kaum hat Dr. Janicke<br />
den Fluggästen beim Ausstieg<br />
geholfen und Fragen beantwortet,<br />
kommt Steinbiß schon mit der nächsten<br />
Gruppe ums Leitwerk. Nachdem<br />
auch ich mich verabschiedet habe,<br />
hebt die „Red Eagle“ ein zweites Mal<br />
ab. Wie ich später erfahre, hat Lothar<br />
Steinbiß den sowjetischen Doppeldecker<br />
in einer abenteuerlichen Aktion<br />
direkt nach der Wende über die<br />
Treuhand erworben. Nur 24 dieser<br />
Flugzeuge sind heute in Deutschland<br />
The new R44 Cadet combines the performance and<br />
comfort of the proven R44 Raven I with the economy<br />
and utility of the R22.<br />
• 2 Plus Cargo<br />
• 2400-Hour TBO<br />
• Optional Air Conditioning<br />
• Improved Performance at High Altitudes<br />
• Glass Avionics and SAS / Autopilot Options<br />
noch zugelassen, privat oder von<br />
Vereinen betrieben. Und als ob es<br />
noch eine alte Verbundenheit aus<br />
dieser Zeit gäbe, schickt der Halter<br />
seine beiden An-2 jeden Winter in<br />
jenen Kamenzer LTB zurück, der sie<br />
für solche Zwecke in Schuss halten<br />
darf. Monate, in der die „Flying Doctress“<br />
ihre Anuschka natürlich vermisst,<br />
fliegerisch aber trotzdem keine<br />
Langeweile aufkommen lässt.<br />
Einmal im Jahr treibt es sie noch<br />
heute zum Segelfliegen nach St. Auban<br />
in die französischen Seealpen.<br />
Und wenn gerade kein Segelflugwetter<br />
ist, fliegt sie allein oder mit ihren<br />
beiden Freundinnen mit der gemeinsamen<br />
Cessna 182 inner- und außereuropäische<br />
Ziele an. Für irgendwas<br />
muss ja schließlich auch das Instrument<br />
Rating gut gewesen sein. ae<br />
robinson_r44_cadet_new_gen_ad_<strong>aerokurier</strong>__july_issue.pdf 1 5/23/<strong>2016</strong> 1:35:47 PM<br />
Ölläppchen statt Puderquaste:<br />
Dr. Janicke bei<br />
ihrer „Pilotinnenkosmetik“.<br />
$339,000<br />
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[ UL/LSA Meisterschaft ]<br />
EDMT<br />
Tannheim<br />
Deutsche Meisterschaft im UL-Flug<br />
Ultraleichte Präzision<br />
Karte, Kompass und Stoppuhr – das ist das Handwerkszeug,<br />
das die Teilnehmer der Deutschen UL-Meisterschaft Anfang<br />
Mai in Tannheim zu beherrschen hatten. In vier Klassen flogen<br />
die UL-Piloten die besten unter sich aus.<br />
Zeichne einen Kurs vom EP-<br />
West zur Kirche Altmannsweiler.<br />
Zeichne einen Kreis<br />
mit Mittelpunkt Kirche Niederkirch<br />
und Radius bis zur Kirche Dietelhofen<br />
in nördliche Richtung bis<br />
Hütten sowie einen Kurs von der<br />
Kirche Hütten bis zur Illerbrücke<br />
bei Vöhringen. Zum Schluss einen<br />
Kurs von der Illerbrücke bis zum<br />
EP Ost.<br />
Fliege von EP-West entlang des<br />
Kurses in Richtung Altmannsweiler<br />
bis zum Zeichen „X“, von hier<br />
aus direkt zum Kreiseinstiegspunkt<br />
Kirche Dietelhofen. Nun entlang<br />
dem Kreisbogen bis zum Kurs<br />
Hütten-Illerbrücke. Fliege weiter<br />
in Richtung Illerbrücke und zum<br />
EP Ost und von dort zurück zum<br />
Flugplatz.<br />
Wer sich bei diesen Zeilen ein<br />
Stück weit an Textaufgaben aus<br />
dem Mathematikunterricht erinnert<br />
fühlt, der liegt damit gar nicht mal<br />
so falsch. Gut für jene Teilnehmer<br />
der Deutschen UL-Meisterschaft,<br />
die bei Mathe gerade nicht Kreide<br />
holen waren, denn jede Abweichung<br />
von der Aufgabe wurde mit<br />
Punktabzug bestraft.<br />
21 Teams waren vom 5. bis 8.<br />
Mai in den vier Wettbewerbsklassen<br />
– aerodynamisch gesteuerte<br />
Doppelsitzer, gewichtsgesteuerte<br />
Doppelsitzer, aerodynamisch gesteuerte<br />
Einsitzer sowie Tragschrauber<br />
– vom Flugplatz Tannheim<br />
aus zu den Navigationsaufgaben<br />
gestartet. Über die Navigationsflüge<br />
hinaus galt es, verschiedene<br />
geometrische Figuren<br />
mit möglichst geringen Abweichungen<br />
nachzufliegen, vorgegebene<br />
Geschwindigkeiten genau<br />
einzuhalten oder bei den Ziellandungen<br />
das Fluggerät exakt auf<br />
den Boden zu bringen.<br />
„Nicht maximale Geschwindigkeiten<br />
oder Rennspirit, sondern<br />
tatsächliches fliegerisches Können<br />
und Weitsicht sind die Fähigkeiten,<br />
die ein Team für diesen Wettbewerb<br />
mitbringen muss“, schloss Holger<br />
Bockholt von der Bundeskommission<br />
Ultraleichtflug des DAeC.<br />
„Ausnahmslos alle Teams der<br />
diesjährigen Deutschen UL-Meisterschaften<br />
haben unter Beweis<br />
gestellt, dass sie das können. Aus<br />
diesem Grund ein großes Kompliment<br />
an alle!“<br />
Aufgaben auf<br />
hohem Niveau<br />
Das Kompliment gaben die Teilnehmer<br />
gerne an die Veranstalter<br />
zurück. „Ein großes Lob an die<br />
Organisatoren für diese tolle Meisterschaft“,<br />
sagte Reinhold Rieger,<br />
Sieger in der Klasse der aerodynamisch<br />
gesteuerten Doppelsitzer.<br />
„Die Aufgaben waren wirklich<br />
anspruchsvoll und verlangten von<br />
den Piloten gute navigatorische<br />
Fähigkeiten. Auch das Drumherum<br />
am Flugplatz Tannheim hat gestimmt,<br />
und der Teamgeist hat<br />
gezeigt, dass die Leidenschaft für<br />
die Fliegerei die Leute zusammenbringt,<br />
unabhängig vom Fluggerät.“<br />
Für Rieger, der gemeinsam mit<br />
seiner Frau Ruth im Cockpit saß,<br />
ist es bereits die vierte Deutsche<br />
Meisterschaft, außerdem hat er<br />
bereits an der Europa- und Weltmeisterschaft<br />
teilgenommen. „Die-<br />
46 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Beim Ziellanden kam es<br />
darauf an, im 100 Meter<br />
langen Bereich aufzusetzen.<br />
Zweisitzer aerodynamisch gesteuert<br />
Platz Pilot Punkte<br />
1 Reinhold Rieger und Ruth Hahn-Rieger 3957<br />
2 Henry und Helga Bohlig 3443<br />
3 Gunther Klein und Reinhard Müller 2774<br />
Zweisitzer gewichtsgesteuert<br />
Platz Pilot Punkte<br />
1 Viktor Wyklicky und Sven Harsch 4188<br />
2 Dietmar Haas und Kirstin Jaeger 3999<br />
3 Richard Krüger-Sprengel und Xiaoying Hou 2896<br />
Einsitzer aerodynamisch gesteuert<br />
se Wettkampferfahrung war durchaus<br />
von Vorteil, denn die anderen<br />
Teams, darunter auch einige alte<br />
Hasen, waren uns mitunter dicht<br />
auf den Fersen.“<br />
Was aber macht den Reiz aus,<br />
anstatt entspannt zum Kaffee auf<br />
den Nachbarflugplatz zu fliegen,<br />
lieber umständlich Kurse zu rechnen,<br />
Speedlimits genau einzuhalten<br />
und nach bunten Tüchern am<br />
Boden Ausschau zu halten? „Der<br />
Navigationsflug fordert einem<br />
Piloten ein Höchstmaß an Konzentration<br />
und fliegerischer Fähigkeit<br />
ab. Da kann man zeigen, wie gut<br />
man sein Handwerk wirklich beherrscht.“<br />
Genau darum geht es auch den<br />
Veranstaltern. „Wir wollen nicht<br />
das beste, schnellste, leistungsfähigste<br />
und teuerste Fluggerät<br />
auszeichnen, sondern die Leistung<br />
des Piloten“, betont Holger Bockholt.<br />
Die Aufgaben und Regeln sind<br />
so ausgelegt, dass eine C22 chancengleich<br />
mit einer Breezer mitfliegen<br />
kann. Auch die im UL-<br />
Bereich zunehmende Ausstattung<br />
mit Glascockpits und Navigationsassistenten<br />
schafft keinen Vorteil.<br />
„Da wird ganz einfach das GPS<br />
entfernt oder von Glascockpits das<br />
Antennenkabel abgezogen. So<br />
herrscht auch bei unterschiedlichster<br />
Ausstattung Chancengleichheit.“<br />
Grundsätzlich, so Bockholt,<br />
seien Navigationsflüge eine Hommage<br />
an die ursprüngliche und bis<br />
heute vorgeschriebene Art und<br />
Weise der Flugnavigation: „Mit<br />
Karten, Lineal, Kompass und Stoppuhr<br />
sein Ziel zu finden, darauf<br />
kommt es an. Und natürlich spielt<br />
auch der Austausch der Teilnehmer<br />
untereinander eine Rolle, sodass<br />
am Ende jeder der Piloten von den<br />
Erfahrungen der anderen profitiert.<br />
Es bereichert einen fliegerisch und<br />
menschlich.“<br />
Doch nicht nur für die Piloten<br />
ist eine UL-Meisterschaft eine Herausforderung,<br />
auch die Organisatoren<br />
müssen sich jedes Jahr<br />
strecken, um den über die Jahre<br />
gestiegenen Ansprüchen der Teilnehmer<br />
gerecht zu werden. „Die<br />
Ziellandung zu organisieren ist da<br />
noch das Einfachste“, sagt Bockholt.<br />
Bei den Navigationsaufgaben hingegen<br />
ist Kreativität gefragt, denn<br />
wir wollen die Besonderheiten der<br />
Platz Pilot Punkte<br />
1 Ulrich Nübling 4392<br />
2 Willi Schröder 2535<br />
3 Peter Aringer 1683<br />
Tragschrauber<br />
Platz Pilot Punkte<br />
1 Johannes Lemburg und Hans-Wilhelm Friedrich 4418<br />
2 Herbert und Lisa Lehner 3453<br />
3 David Hladik 2858<br />
jeweiligen Landschaft miteinbeziehen<br />
und interessante, auf<br />
geometrischen Figuren wie der<br />
Fibonacci-Kurve, Trochoiden oder<br />
Tetraedern basierende Kurse vorschreiben.“<br />
Dass es auch im nächsten Jahr<br />
eine Deutsche Meisterschaft im<br />
Ultraleichtflug geben wird, daran<br />
besteht kein Zweifel. „Wir arbeiten<br />
kontinuierlich auf kommende Wettbewerbe<br />
hin, ein konkretes Datum<br />
für 2017 steht aber noch nicht<br />
fest“, sagt Bockholt und lädt interessierte<br />
Vereine und Flugplätze<br />
ein, sich um die Ausrichtung zu<br />
bewerben<br />
ae<br />
Lars Reinhold<br />
Gemeinsames Abschiedsfoto: Allen Teilnehmern attestierte Organisator Holger Bockholt von der<br />
Bundeskommission Ultraleichtflug im DAeC fliegerisches Können und die notwendige Weitsicht.<br />
Fotos: DAeC / DULV<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 47
[ UL/LSA Recht ]<br />
UL zu schwer<br />
Ordentlich verrechnet<br />
Zubehör – erforderlich, nützlich oder auch nur „nice to have“.<br />
Aber Vorsicht: Bei der Bestellung eines neuen Flugzeugs kostet<br />
die Zusatzausstattung nicht nur Geld, sondern auch Zuladung!<br />
Vor allem Ultraleichtflugzeuge<br />
können sich bei üppigen<br />
Zusatzwünschen des Käufers<br />
schnell vom Zwei- zum Einsitzer<br />
verwandeln, obwohl das vom<br />
Gesetzgeber wohl kaum so gedacht<br />
sein dürfte. Die Formulierungen<br />
in den Gerätekennblättern, die auf<br />
das maximale Abfluggewicht abstellen,<br />
lassen es jedoch zu.<br />
Mit Urteil vom 18. März <strong>2016</strong><br />
entschied das Landgericht Osnabrück,<br />
dass der klagende Käufer<br />
keinen Anspruch auf Rückabwicklung<br />
eines Kaufvertrages habe,<br />
nachdem das bestellte Ultraleichtflugzeug<br />
bei der Auslieferung 347<br />
kg Leergewicht hatte und damit<br />
für die verschiedenen angedachten<br />
Einsatzbereiche nicht mehr nutzbar<br />
war. Der Verein wollte das UL<br />
sowohl zum Segelflugschlepp als<br />
auch zur Schulung einsetzen. Er<br />
bestellte einen fabrikneuen Tiefdecker,<br />
den der Hersteller mit dem<br />
Slogan „Ich will ein schönes Flugzeug,<br />
das alles mitmacht, in dem<br />
ich mich richtig wohlfühle und bei<br />
dem ich weiß, dass ich immer gut<br />
aufgehoben bin“ bewirbt.<br />
Zum „Power-Schlepper für bis<br />
zu 720 kg Anhängelast“, so der<br />
Prospekt, kann man das Flugzeug<br />
durch entsprechendes Zubehör<br />
aufrüsten. Einen Hinweis auf das<br />
mit der jeweiligen Zusatzausstattung<br />
verbundene Gewicht ist<br />
der Preisliste beziehungsweise<br />
Zubehörliste allerdings nicht zu<br />
entnehmen.<br />
Mit 347 kg Leergewicht verweigerte<br />
der DAeC allerdings die<br />
Genehmigung zur Ausbildung mit<br />
diesem über 100 000 Euro teuren<br />
Flugzeug – zu Recht. Doppelsteuer,<br />
Fußspitzenbremsen auf der<br />
rechten Seite, eine zweite Libelle<br />
und anderes für die Schulung gedachtes<br />
Equipment erwiesen sich<br />
damit als völlig nutzlos. Der Verein<br />
wollte daher das UL nicht abnehmen<br />
und klagte auf Rückabwicklung<br />
des Vertrages – ohne Erfolg. Das<br />
Landgericht wies die Klage ab und<br />
stellte fest, dass sich der Verein<br />
mit der Annahme des Ultraleichtflugzeuges<br />
in Verzug befände.<br />
Das maximale Abfluggewicht<br />
von ULs beträgt 472,5 kg – so die<br />
durch Annex II der VO(EU) 216/2008<br />
definierte Grenze –, sodass bei dem<br />
Leergewicht von 347 kg nur noch<br />
eine Nutzlast von 125,5 kg inklusive<br />
Treibstoff zugeladen werden<br />
könnte. Deutlich zu wenig für zwei<br />
Personen im Cockpit.<br />
Ohne Zusatzausrüstung könnte<br />
bei dem betreffenden UL nach<br />
Annahme des Gerichts eine Insassenmasse<br />
von 170 kg zugeladen<br />
werden. Ein Großteil der für den<br />
Flugzeugschlepp eingebauten<br />
Ausrüstung könnte ja ausgebaut<br />
werden, sodass die Insassenmasse<br />
entsprechend erhöht werden<br />
könnte.<br />
Der Verein stellte unter anderem<br />
darauf ab, dass bei den Kaufvertragsverhandlungen<br />
betont worden<br />
sei, dass das Flugzeug sowohl für<br />
die Schulung als auch zum Schlep-<br />
48 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
pen verwendet werden sollte. Das<br />
Flugzeug könne nun aber aufgrund<br />
des überhöhten Leergewichts nicht<br />
mehr bestimmungsgemäß eingesetzt<br />
werden, da es nur noch als<br />
Einsitzer geflogen werden dürfe.<br />
Es liege damit ein Sachmangel vor.<br />
Die beklagte Verkäuferin des<br />
Ultraleichtflugzeuges legte dar,<br />
dass ein Zeuge, der in die Vertragsverhandlungen<br />
für die Verkäuferin<br />
eingebunden war, den Vorsitzenden<br />
des Vereins bei der Erarbeitung<br />
der Liste der Ausrüstungsgegenstände<br />
darauf aufmerksam gemacht<br />
habe, dass durch die Sonderausstattung<br />
ein hohes Leergewicht<br />
des Flugzeuges erreicht würde und<br />
dass der Kläger in eigener Verantwortung<br />
zu überprüfen habe, inwieweit<br />
tatsächlich im Praxisbetrieb<br />
das jeweils individuelle Gewicht<br />
eine Beförderung von zwei Personen<br />
zulasse.<br />
Das Gericht entschied, dass der<br />
Verein keinen Anspruch auf Rückzahlung<br />
des Kaufpreises habe. Ein<br />
Mangel des Flugzeugs im Sinne<br />
von § 434 BGB, der zur Rückabwicklung<br />
des Vertrages berechtigen<br />
würde, läge nicht allein deshalb<br />
vor, weil die Insassenmasse von<br />
170 kg unterschritten würde. Diese<br />
müsse nicht zugeladen werden<br />
können. Vielmehr würde in der<br />
Bauvorschrift für Ultraleichtflugzeuge<br />
lediglich die zulässige Masse<br />
aus der Insassenmasse von 170<br />
kg und der Leermasse inklusive<br />
der geforderten Mindestausrüstung<br />
des Flugzeugs, also ohne Zusatzausrüstung,<br />
errechnet. Diese Massen<br />
seien vorliegend eingehalten.<br />
Es könne offenbleiben, ob bei<br />
Vertragsschluss ausdrücklich vereinbart<br />
wurde, dass das Flugzeug<br />
auch für Schulungszwecke, also<br />
als Flugzeug für zwei Personen,<br />
eingesetzt werden solle. Zwar läge<br />
in diesem Fall eine vertraglich<br />
vorausgesetzte Verwendung vor,<br />
die bei einer noch zulässigen Insassenmasse<br />
von 120,5 kg zumindest<br />
stark eingeschränkt wäre.<br />
Aber selbst wenn es sich um einen<br />
Fehler im Sinne von § 434 Abs. 1<br />
S. 2 Nr. 1 BGB handeln würde,<br />
wären Gewährleistungsansprüche<br />
des Vereins gemäß § 442 BGB ausgeschlossen.<br />
Nach dieser Vorschrift<br />
könne ein Kläger, dem ein Mangel<br />
infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt<br />
geblieben ist, Rechte<br />
wegen dieses Mangels nur bei<br />
arglistigem Verhalten des Verkäufers<br />
oder Garantieübernahme geltend<br />
machen. Beides läge im konkreten<br />
Fall nicht vor.<br />
Unkenntnis wegen<br />
grober Fahrlässigkeit<br />
Dem Verein sei der Mangel zumindest<br />
infolge grober Fahrlässigkeit<br />
unbekannt geblieben. Es<br />
müsse jedem Kunden bewusst sein,<br />
dass er mit dem Erwerb einer Zusatzausstattung<br />
das Eigengewicht<br />
einer Maschine erhöhe. Allgemein<br />
sei bekannt, dass jedes Flugzeug<br />
nur ein begrenztes zulässiges Gesamtgewicht<br />
habe. Dem Kläger als<br />
Schulungsverein müsse daher<br />
bekannt sein, dass nur eine begrenzte<br />
Insassenmasse zugeladen<br />
werden könne.<br />
Dementsprechend müsse dem<br />
Verein bei gehöriger Anstrengung<br />
das Risiko bewusst sein, dass das<br />
Flugzeug mit jeder Erweiterung<br />
der Ausstattung die zu befördernde<br />
Insassenmasse immer weiteren<br />
Einschränkungen unterläge und<br />
die Insassen weit weniger als insgesamt<br />
170 kg wiegen dürften. Die<br />
mit der Erweiterung der Zusatzausstattung<br />
verbundene Beschränkung<br />
des Verwendungszwecks sei<br />
dem Verein, wenn er dies nicht<br />
berücksichtigt hat, infolge grober<br />
Fahrlässigkeit unbekannt geblieben.<br />
Gerade der Kläger als ausbildender<br />
Verein, der Erfahrung<br />
mit Flugzeugen habe, hätte sich<br />
dieser Tatsache bewusst sein<br />
müssen.<br />
Nachdem der Verein mit dem<br />
verlorenen erstinstanzlichen Verfahren<br />
die Anschaffung des Ultraleichtflugzeuges<br />
nun bereits mit<br />
rund weiteren 20 Prozent des<br />
Preises durch Verfahrenskosten<br />
hinnehmen musste, hat er sich<br />
dazu entschlossen, kein Berufungsverfahren<br />
und die damit verbundenen<br />
Kosten zu riskieren. Zudem<br />
wird das im Streit stehende UL im<br />
Verlauf der Gerichtsverfahren auch<br />
nicht wertvoller.<br />
Der Verein, der hier teures Lehrgeld<br />
bezahlen musste, wird beim<br />
nächsten Kauf eines Flugzeuges<br />
wahrscheinlich neben dem Preis<br />
von Zusatzausrüstungen auch sehr<br />
viel mehr Aufmerksamkeit auf das<br />
damit verbundene Gewicht oder<br />
andere betriebsrelevante Parameter<br />
legen.<br />
Andere Käufer oder Kaufinteressenten<br />
können nur daraus lernen<br />
und Angebote oder den Kaufvertrag<br />
entsprechend sensibel<br />
prüfen. Luftfahrzeughersteller,<br />
Importeure und Händler sollten<br />
ebenfalls über solche Auseinandersetzungen<br />
nachdenken und bei<br />
der Erstellung von Prospekten,<br />
Preislisten und Angeboten versuchen,<br />
solche für beide Seiten nicht<br />
zufriedenstellende Situationen zu<br />
vermeiden.<br />
ae<br />
[ Autor Frank Dörner ...<br />
... ist Rechtsanwalt,<br />
Fachanwalt<br />
für<br />
Verwaltungsrecht<br />
und<br />
Diplom-Luftfahrtsachverständiger.<br />
7611609-3-1.QXD_Layout 1 <strong>07</strong>.04.16 09:51 Seite 1<br />
Fotos: Frank Herzog, Katrin Sdun<br />
Ein UL kann vieles, aber nur selten alles auf einmal. Das MTOW von<br />
derzeit 472,5 Kilogramm schränkt die mögliche Zusatzausstattung ein.
FLUGGESELLSCHAFTEN<br />
[ UL/LSA Thema ]<br />
US Airlines im Steigflug<br />
Foto: Kevin Boydston, AirTeamImages<br />
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50 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
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IM HANDEL
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Avionik<br />
8,33 kHz<br />
Warten auf die Umrüstwelle<br />
Seite 52<br />
ADS-B<br />
Einstieg mit neuen Transpondern<br />
Seite 58<br />
Garmin GTN 750<br />
Kompakte Navigationszentrale<br />
Seite 62<br />
Fotos: air avionics, Heiko Link<br />
www.<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Ersatz für alte Funkgeräte<br />
air avionics’ schlanke Lösung: Funk und<br />
Transponder gemeinsam bedient
[ AVIONIK SPECIAL ]<br />
Umrüstarbeiten machen<br />
schon jetzt einen großen<br />
Teil der Werftaufträge aus.<br />
Umstellung auf das 8,33-kHz-Raster<br />
Die Uhr tickt<br />
Hersteller und Werften warten noch immer auf die große<br />
Umrüstwelle und prognostizieren Wartezeiten, je später man<br />
sein Funkgerät tauscht. Noch völlig offen ist, ob und ab wann<br />
es zugelassene Handfunkgeräte im 8,33-kHz-Raster gibt.<br />
Noch knapp anderthalb Jahre,<br />
bis Dezember 2017,<br />
haben Flugzeughalter Zeit,<br />
ihre Funkgeräte an das ab 1. Januar<br />
2018 geltende 8,33-kHz-Raster<br />
im Flugfunk anzupassen. Heißt<br />
zumeist, eine neue Funke einzubauen,<br />
denn nur wenige Geräte<br />
lassen sich entsprechend modifizieren.<br />
Seit Bekanntwerden der<br />
neuen Regularien raten Hersteller<br />
und Werften Piloten und Haltern,<br />
die Umrüstung nicht auf die lange<br />
Bank zu schieben, um den erwarteten<br />
Andrang kurz vor Inkrafttreten<br />
der Verordnung zu verhindern.<br />
Der Erfolg ist allenfalls mäßig.<br />
„Ich denke, der große Run auf<br />
die Umrüstung zum 8,33-kHz-<br />
Funkgerät hat noch nicht begon-<br />
nen“, sagt Martin Gauding, Senior<br />
Manager Avionics bei Piper+Jet<br />
Maintenance. Generell hätte man<br />
im Bereich Avionik mehr als genug<br />
zu tun, die Auftragsbücher seien<br />
auch unabhängig von der Umrüstung<br />
voll. „Das kann natürlich zu<br />
Problemen führen, wenn dann die<br />
große Masse kommt. Mehr als arbeiten<br />
können wir ja auch nicht“,<br />
so Gauding. Auch Laurent Gauthier,<br />
CEO bei Porta Air Service, sieht<br />
das Gros erst noch kommen. „Die<br />
Leute wollen jetzt fliegen und lieber<br />
im Winter umrüsten. Aber sie<br />
müssen auch bedenken, dass es<br />
nur noch zwei Winter sind, und in<br />
Bezug auf größere Avionik-Upgrades<br />
sind wir für dieses Jahr<br />
bereits ausgebucht.“<br />
Was die Verfügbarkeit von Funkgeräten<br />
angeht, scheinen Hersteller<br />
und Lieferanten vorgesorgt zu<br />
haben, um Engpässe zu vermeiden.<br />
„Die Nachfrage nach Geräten hat<br />
gegenüber den beiden letzten<br />
Jahren deutlich zugenommen,<br />
insbesondere die Bestellungen von<br />
Vereinen, die die gesamte Flotte<br />
umrüsten“, sagt Aeroshop-Betreiber<br />
Thomas Siebert. Lieferprobleme<br />
gebe es derzeit allerdings<br />
keine. Auch auf die Preise scheint<br />
sich der nahende Stichtag noch<br />
nicht groß auszuwirken. „Die Preise<br />
für Funkgeräte sind durch Angebote<br />
von Mitbewerbern und<br />
ausländischen Anbietern gegenüber<br />
dem letzten Jahr aus meiner Sicht<br />
sogar gefallen“, sagt Siebert und<br />
empfiehlt, jetzt zu kaufen. „Ich<br />
erwarte, dass es spätestens im<br />
nächsten Jahr zu längeren Lieferzeiten<br />
und steigenden Preisen<br />
kommt.“ Fabian Kienzle von Garmin<br />
erklärt, dass die Preise für die<br />
Geräte stabil geblieben seien, und<br />
verweist zudem darauf, dass eher<br />
die Händler und der Dollarkurs den<br />
Preis bestimmen als die Hersteller.<br />
Alle Bodenstationen<br />
mit neuer Frequenz<br />
Doch nicht nur in der Luft steht<br />
die Veränderung ins Haus, auch<br />
Bodenfunkstellen müssen an das<br />
neue Raster angepasst werden.<br />
„Es ist ein weit verbreiteter Irrtum,<br />
dass die Bodenfrequenzen davon<br />
unbehelligt bleiben“, sagt Ralf Keil<br />
vom Referat Luftfahrttechnik und<br />
Betrieb beim DAeC. „Nach der<br />
Umstellung wird beinahe jede Bodenstation,<br />
die heute im 25-kHz-<br />
Raster betrieben wird, rechts und<br />
links im Abstand von 8,33 kHz<br />
einen neuen Frequenzpartner erhalten<br />
und somit eine 8,33-kHz-<br />
Station.“ Zum 1. Januar 2018 würde<br />
sich dementsprechend die<br />
Masse der Info-Frequenzen ändern,<br />
so Keil. „Die Frequenz beispiels-<br />
52 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
weise des Flugplatzes Arnstadt-<br />
Alkersleben ist heute 120,60.<br />
Mit der Umstellung fällt sie in<br />
das 8,33-kHz-Band und erhält<br />
dann die Bezeichnung 126,605.“<br />
Laut Bundesnetzagentur sollten<br />
Betreiber von Bodenfunkstellen<br />
rechtzeitig eine 8,33-kHz-Frequenz<br />
beantragen, da die Umstellung<br />
eine gewisse Zeit in<br />
Anspruch nehmen wird.<br />
Während inzwischen genug<br />
zugelassene Bodenstationen<br />
im neuen Raster verfügbar sind,<br />
sieht es bei den Handfunkgeräten<br />
ganz anders aus – es gibt<br />
schlicht keine. Zwar sind zumindest<br />
die ICOM-Geräte vom<br />
Typ IC-A24E und IC-A6E 8,33-<br />
kHz-fähig, allerdings fehlt ihnen<br />
für Deutschland die Zulassung.<br />
Der klassische Walk-around<br />
eines Fluglehrers, der mit der<br />
„Handgurke“ über den Flugplatz<br />
läuft, um seinen allein fliegenden<br />
Schützling im Auge zu<br />
behalten, wird damit zum<br />
Rechtsbruch.<br />
Keine Handgeräte<br />
in der Zulassung<br />
„Das ist eines unserer größeren<br />
Probleme“, bestätigt Keil<br />
auf Nachfrage des <strong>aerokurier</strong>s.<br />
„Neben dem Fluglehrer sind<br />
auch Nutzer von Luftfahrzeugen<br />
wie Trikes, motorisierten Gleitschirmen<br />
bis hin zu Verfolgern<br />
und Rückholern, die traditionell<br />
mit Handfunken arbeiten, betroffen.<br />
Ihnen stehen in absehbarer<br />
Zeit faktisch keine Geräte<br />
zur Verfügung, die für den<br />
Flugfunk zugelassen sind.“ Die<br />
AERO <strong>2016</strong> habe diesbezüglich<br />
keine neuen Zeichen gesetzt.<br />
„Nach unseren Recherchen sind<br />
aktuell keine entsprechenden<br />
Geräte in der Zulassung.“<br />
Das Bundesaufsichtsamt für<br />
Flugsicherheit (BAF) weist darauf<br />
hin, dass der Flugfunkdienst<br />
ein Sicherheitsfunkdienst ist,<br />
für dessen Nutzung in der Zuteilung<br />
besondere Anforderungen<br />
zur Verträglichkeit mit<br />
anderen Nutzern und dem störungsfreien<br />
Betrieb erfüllt sein<br />
müssen. Der Einsatz nicht<br />
zugelassener Geräte konterkariere<br />
dieses Schutzbedürfnis<br />
und sei demnach nicht zu<br />
unterstützen.<br />
Der Avionikhersteller ICOM,<br />
der die beiden 8,33-kHz-fähigen<br />
Handgeräte herstellt, verweist<br />
darauf, dass sie nach europaweit<br />
gültigen Normen hergestellt<br />
sind und in anderen Ländern<br />
auch entsprechend eingesetzt<br />
werden dürften. Infolge der<br />
technischen Anpassung an das<br />
neue Raster vor etwa drei Jahren<br />
hätte allerdings eine erneute<br />
Zulassung beim BAF erfolgen<br />
müssen, um die Geräte hierzulande<br />
einzusetzen – aus Sicht<br />
des Mutterkonzerns ein Aufwand,<br />
der sich nicht lohne.<br />
Was aber bleibt den Nutzern?<br />
Die vorgeschriebene Ausrüstung<br />
ergibt sich aus der Verordnung<br />
über die Flugsicherungsausrüstung<br />
der Luftfahrzeuge<br />
(FSAV), wobei hier für<br />
den Sichtflug noch nicht explizit<br />
das 8,33-kHz-Raster genannt<br />
wird. Die Verordnung wird<br />
gerade vom BAF überarbeitet.<br />
Allerdings sei klar, dass ein<br />
Flugzeug ohne entsprechendes<br />
Gerät ab dem 1. Januar 2018<br />
als nicht betriebstüchtig einzustufen<br />
und ein Flug damit<br />
eine Ordnungswidrigkeit ist.<br />
Dafür reicht der mögliche Strafrahmen<br />
bis 50 000 Euro. ae<br />
Lars Reinhold<br />
ICOM-Geräte können zwar im<br />
8,33-kHz-Raster funken, haben<br />
aber keine Zulassung.<br />
Fotos: Torsten Matz, ICOM<br />
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[ AVIONIK SPECIAL ]<br />
Umstellung auf das 8,33-kHz-Raster<br />
Muss alles raus?<br />
Die Anpassung an das engere Kanalraster nutzen Hersteller<br />
als Chance, sich mit neuen Geräten zu profilieren. air avionics<br />
verspricht Platzersparnis und eine einfache Bedienung.<br />
Erinnern Sie sich noch an das<br />
Bendix-King GPS KLN 90?<br />
Ein monochromes Display,<br />
auf dem sich ein kleines grünes<br />
Flugzeugsymbol seinem markierten<br />
Ziel auf einem grünen Strich<br />
näherte? Anfang der 90er thronte<br />
das Gerät in den Racks in der Cockpitmitte<br />
stolz ganz oben. Über den<br />
dort bereits installierten Com-Nav-<br />
Geräten, die die Funknavigation<br />
zusätzlich zu dem ohnehin noch<br />
vorhandenen ADF um das VOR<br />
ergänzten. Wer da zusätzlich bereits<br />
einen Mode-C-Transponder eingebaut<br />
und deswegen keinen Platz<br />
oder schlicht kein Geld mehr für<br />
ein Einbaunavi hatte, klemmte sich<br />
eben ein Garmin-Handheld irgendwo<br />
oben aufs Panel.<br />
All diese Geräte sind noch heute<br />
in nicht wenigen Flugzeugen<br />
zu finden – sie waren und sind ja<br />
auch nicht schlecht, wenn auch<br />
unter heutigen Gesichtspunkten<br />
nicht immer einfach zu bedienen.<br />
Eines aber brachte jede dieser<br />
Avionikkombinationen mit sich:<br />
ein prall gefülltes Panel. Und das<br />
bereitet mit der bevorstehenden<br />
Deadline zur obligatorischen Umstellung<br />
auf den 8,33-kHz-Abstand<br />
im Flugfunk Anfang 2018 nun vielen<br />
Piloten Kopfzerbrechen.<br />
So tüftelten auch Marc Förderer<br />
und Johannes Garrecht an einer<br />
Lösung, als sie unter ihrer neuen<br />
gemeinsamen Marke air avionics<br />
im Herbst 2014 ihr neues Konzept<br />
der AIR-COM-Installation für die<br />
Umstellung präsentierten. Eine<br />
Kombination, die aus einem Bedienteil<br />
im einbaufreundlichen<br />
Rundgeräteformat mit einem hellen,<br />
gut ablesbaren und blendfreien<br />
Farbdisplay besteht – und mit<br />
einem verbesserten Bedienkonzept<br />
glänzt – und dem eigentlichen<br />
Funkgerät, das wahlweise direkt<br />
an die Rückseite des Bedienteils<br />
gesteckt oder bei Platzmangel hinter<br />
dem Panel auch andernorts im<br />
Flugzeug montiert und via Kabel<br />
angeschlossen werden kann. Neben<br />
möglichst geringem Platzbedarf<br />
stand bei der Entwicklung die<br />
leichtere Bedienbarkeit im Fokus.<br />
„Wenn schon Funkgeräte aufgrund<br />
von neuen Regelungen<br />
ausgetauscht werden müssen, dann<br />
sollen Piloten echte Vorteile davon<br />
haben“, so Marc Förderer damals.<br />
„AIR COM wird helfen, die Arbeitsabläufe<br />
in unseren Cockpits zu<br />
vereinfachen.“ Auch wenn air<br />
avionics damit heute hinter dem<br />
ursprünglich geplanten Markteintritt<br />
2015 zurückliegt, scheint das<br />
neue Konzept viel Zuspruch zu<br />
finden. „Unsere Auftragsbücher<br />
sind schon jetzt voll“, freut sich<br />
Förderer im Gespräch mit dem<br />
<strong>aerokurier</strong>. Momentan läuft das<br />
Zulassungsverfahren der neuen<br />
Geräte zwar noch, es soll aber bis<br />
zum Herbst abgeschlossen sein.<br />
Förderer kalkuliert derweil mit<br />
einem Liefervorlauf von zwei bis<br />
drei Monaten – damit könnten<br />
Kunden bei rechtzeitiger Bestellung<br />
die neuen Geräte bereits zum Jahresanfang<br />
2017 erhalten. Dass schon<br />
jetzt etliche Vorbestellungen vorliegen,<br />
dürfte auch an dem Konzept<br />
liegen, die Bedienung von Sprechfunk<br />
und Mode-S-Transponder<br />
kostengünstig in einem gemeinsamen<br />
Bedienteil zu vereinen. Das<br />
kannte man bislang nur von wesentlich<br />
teureren Com-Nav-Geräten<br />
mit GPS, wie etwa Garmins<br />
GTN 650.<br />
Die neuen AIR-COM-Sprechfunkgeräte<br />
sind nicht mehr mit<br />
einem eigenen Bedienteil in einem<br />
Gehäuse vereint. Und auch den<br />
gegenwärtig bereits verfügbaren<br />
Mode-S-Transponder mit der Bezeichnung<br />
VT-01 gibt es ebenfalls<br />
ohne eigenes Display, weil Anzeige<br />
und Einstellung der Transpondercodes<br />
von dem neuen, Air-<br />
Control-Display genannten Bedienteil<br />
miterledigt werden können.<br />
54 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Direktanschluss oder<br />
Kabel: Die neuen<br />
air-avionics-Funkgeräte<br />
ermöglichen flexiblen<br />
Einbau. Ein Transponder<br />
in gleicher Bauform<br />
wie das Funkgerät für<br />
den Anschluss direkt an<br />
der Displayrückseite ist<br />
in Planung.<br />
Fotos: air avionics (2), Frank Martini<br />
Es beinhaltet neben dem hellen<br />
Farbdisplay bereits eine Datenbank<br />
mit vielen Landeplatz- und ACC-<br />
Frequenzen und bietet zusätzlichen<br />
Platz für das Abspeichern eigener<br />
Stationen. Ein integriertes GPS-<br />
Interface ermöglicht außerdem die<br />
schnelle Frequenzwahl über eine<br />
Nearest-Funktion. Die Datenbank<br />
kann über einen Micro-SD-Slot an<br />
der Gerätevorderseite aktualisiert<br />
werden.<br />
„Say again“-Funktion<br />
erspart Rückfragen<br />
Die beiden interessantesten<br />
neuen Features, die das Air-Control-Display<br />
bietet, sind sicher die<br />
Dual-Watch-Funktion, bei der sich<br />
die Lautstärke der abhörbaren<br />
Standby-Frequenz unabhängig von<br />
der des aktiven Kanals regeln lässt,<br />
sowie eine „Say Again“-Funktion.<br />
Dafür speichert das Air-Control-<br />
Display eingehende Funksprüche<br />
20 Sekunden lang ab. Hat man bei<br />
einer Anflugmeldung oder einem<br />
FIS-Anruf das QNH oder den zugewiesenen<br />
Transpondercode nicht<br />
sicher verstanden, wird die Funkansage<br />
auf Knopfdruck wiederholt<br />
– ein Rückruf erübrigt sich.<br />
Auf der Rückseite des Bedienteils<br />
befinden sich ein Anschluss<br />
für das Drucksystem des Flugzeugs<br />
sowie zwei elektronische Anschlüsse<br />
für das AIR-COM-Funkgerät<br />
direkt oder via Kabel. Der Mode-<br />
S-Transponder VT-01 kann seiner<br />
Bauform wegen nur über ein Kabel<br />
dort angeschlossen werden. Ein<br />
neues Transpondermodell mit dem<br />
gleichen Formfaktor wie das AIR-<br />
COM-Funkgerät ist aber bereits in<br />
der Entwicklung, sodass später<br />
– bei ausreichendem Platz hinter<br />
dem Panel – beide Geräte auch<br />
direkt hinten ans Display gestöpselt<br />
werden können. Ein vom<br />
Drucksystem des Flugzeugs kommender<br />
Schlauch würde dann nur<br />
vom Air-Control-Display abgezogen<br />
und rückseitig an den neuen Transponder<br />
angeschlossen.<br />
Natürlich lassen sich beide Geräte<br />
auch an zwei Air-Control-<br />
Displays so anschließen, dass<br />
beide Displays auf die Einstellungen<br />
beider Geräte zugreifen können.<br />
So will air avionics mit der<br />
neuen AIR-COM-Installation bei<br />
Einführung einer Transponderpflicht<br />
für Segelflugzeuge auch in<br />
Zweisitzern zukunftsfähig sein.<br />
Für die momentan verfügbare Minimalkonfiguration<br />
– das Air-Control-Display<br />
mit einem 8,33-kHz-<br />
Funkgerät – rufen die Avioniker<br />
deutlich unter 2000 Euro auf. Das<br />
Display schlägt mit 599 Euro zu<br />
Buche, das Funkgerät mit 1099<br />
Euro. Wer noch einen Mode-C-<br />
Transponder hat und mit der Funkumstellung<br />
auch auf Mode-S nachrüsten<br />
will, muss für das VT-01<br />
zusätzlich 1649 Euro aufwenden.<br />
Funk und Transponder neu, in<br />
Verbindung mit einem gemeinsamen<br />
modernen, platzsparenden<br />
Bedienteil mit den genannten<br />
Funktionen, für weniger als 3500<br />
Euro, klingt nach einem sehr interessanten<br />
Angebot, ganz abgesehen<br />
von der gebotenen Platzersparnis.<br />
Wem es nur auf Platz und Kosten<br />
bei sonst vorhandener guter<br />
Avionikausstattung ankommt, kann<br />
sich mit der Minimalkonfiguration<br />
begnügen. Ein bereits vorhandenes<br />
Com-Nav mit VOR-Anzeige kann<br />
im Flugzeug verbleiben. Denn auch<br />
im Sprechfunk dürfen diese Geräte<br />
auf Frequenzen, die wie die<br />
internationale Notruffrequenz im<br />
25-kHz-Raster zugeteilt bleiben,<br />
weiterhin eingesetzt werden. Und<br />
wer vor Jahren bereits das links<br />
abgebildete GNS 430 nachgerüstet<br />
hatte, ist sowieso fein raus. Dieses<br />
GPS-Gerät mit Com-Nav-Funktion<br />
lässt sich bereits auf das neue<br />
8,33-kHz-Kanalraster ändern. ae<br />
Frank Martini
[ AVIONIK SPECIAL ]<br />
So sieht der Lotse die Verkehrslage. Mit ADS-B kann er auch Verkehr<br />
in nicht vom Radar abgedeckten Gebieten erkennen.<br />
Im Gewirr komplexer Start-/Landebahnen und Rollwegsystemen kann<br />
ADS-B wesentlich zur Sicherheit beitragen.<br />
Fotos: Volker Stuhlsatz<br />
Sehen und gesehen werden mit ADS-B<br />
Chance für die General Aviation?<br />
ADS-B ist nicht nur etwas für die Großluftfahrt. Was bietet diese<br />
Technik, was kann die Allgemeine Luftfahrt damit gewinnen?<br />
Seit vielen Jahren kennen wir<br />
die Möglichkeiten, jederzeit<br />
und überall die Flugzeuge<br />
am Himmel über uns mit Hilfe<br />
verschiedener Online-Apps in Realzeit<br />
nebst der Metadaten zu<br />
verfolgen. Die ADS-B-Technik, die<br />
dies ermöglicht, wird voraussichtlich<br />
in Europa im Juni 2020 zusammen<br />
mit Enhanced Mode-S eingeführt.<br />
Aber zunächst wohl nur<br />
verbindlich für die Verkehrsluftfahrt,<br />
obwohl sie gerade für die General<br />
Aviation die Sicherheit wesentlich<br />
verbessern kann. Welchen Sicherheitsgewinn<br />
bietet ein freiwilliges<br />
Update jenseits des verbindlichen<br />
ADS-B-Mandates für Flugzeuge<br />
mit einem MTOM über 5,7 Tonnen,<br />
die schneller sind als 250 Knoten?<br />
ADS-B steht für Automatic Dependant<br />
Surveillance Broadcast.<br />
Es handelt sich um einen inzwischen<br />
weltweiten Standard, der<br />
automatisch und unaufgefordert<br />
– nur abhängig von bordseitigen<br />
Navigationssystemen – ständig<br />
die eigene Position periodisch abstrahlt<br />
und somit unter anderem<br />
die präzise Flugverkehrs- oder<br />
Bodenkontrolle unterstützt. Dabei<br />
besteht ADS-B eigentlich aus zwei<br />
verschiedenen Komponenten. Zum<br />
einem dem Luft-Boden-Teil (auch<br />
ADS-B Out genannt) sowie dem<br />
Luft-Luft-Teil (ADS-B In), das heißt,<br />
direkt von Flugzeug zu Flugzeug.<br />
Genau genommen bezeichnet man<br />
mit ADS-B Out das automatische<br />
Senden der Flugzeugpositionsdaten<br />
unabhängig von Radarabfragen<br />
im Sekundentakt.<br />
Bei der optionalen ADS-B-In-<br />
Zusatzfunktion werden die ADS-<br />
B-Signale nicht nur von einer Bodenstation,<br />
sondern auch bordseitig<br />
empfangen und auf einem<br />
entsprechenden Cockpitdisplay<br />
als Verkehrsinformation angezeigt.<br />
Der GA-Pilot sieht damit alle Verkehrsflieger<br />
in der näheren Umgebung<br />
– im Luftraum Echo mit<br />
VFR-IFR-Mischverkehr ein nicht<br />
zu unterschätzender Sicherheitsfaktor.<br />
Bei Nutzung der viel gängigeren<br />
ADS-B-Out-Funktion in<br />
Transpondern der General Aviation<br />
kann auch der Verkehrspilot<br />
das GA-Flugzeug erkennen.<br />
Die ADS-B-Avionik sendet nach<br />
verifizierter Positionsbestimmung<br />
des Luftfahrzeugs durch eine GNSS-<br />
Technologie die Positionsdaten<br />
zusammen mit weiteren Flugzeugdaten<br />
(Kennzeichen, Luftfahrzeugtyp,<br />
Geschwindigkeit, Flughöhe<br />
nach barometrischem Encoder und<br />
Flugrichtung) im Sekundentakt<br />
aus. Die ADS-B-Bodenstationen<br />
komplementieren dann besonders<br />
in den tieferen Flughöhen zusammen<br />
mit konventionellen Sekundärradarstationen<br />
oder Mode-S das<br />
Luftlagebild. Moderne ADS-B-<br />
Avionik leistet das in den Cockpits.<br />
Richtige Verbreitung hat ADS-<br />
B, das bereits vor mehr als zwei<br />
Jahrzehnten in Schweden entwickelt<br />
wurde, erst mit dem Mode-<br />
S-Transponder erfahren. Der (bislang<br />
noch optionale) Extended<br />
Squitter in Mode-S-Transpondern<br />
ermöglicht die Kommunikation der<br />
Flugzeugdaten.<br />
Long Squitter mit<br />
vielen Informationen<br />
Es gibt den Short und den Long<br />
Squitter. Der Short Squitter wird<br />
jede Sekunde gesendet, braucht<br />
keine Abfrage, besteht aus 56 Bit<br />
und enthält den Mode-S-Code. Er<br />
wird bereits seit knapp 20 Jahren<br />
von TCAS benutzt, um die Position,<br />
den vertikalen Trend und die<br />
Flughöhe des relevanten Verkehrs<br />
zu berechnen. Der Long Squitter<br />
ist mit 112 Bit doppelt so lang und<br />
bietet zusätzlich die ADS-B-Nachricht<br />
(mit 56 Bit). Diese beinhaltet<br />
neben den LAT-LONG-Koordinaten<br />
die barometrische Höhe, die Geschwindigkeit,<br />
die vertikale Geschwindigkeit,<br />
die Drehrate und<br />
mehr.<br />
In Europa wurden durch das<br />
Casade-ADS-B-Pionier-Programm,<br />
das Teil des Single European Sky<br />
ATM Research (SESAR) ist, seit<br />
2008 mehr als 500 Flugzeuge mit<br />
ADS-B zertifiziert. Seitdem besteht<br />
in der Verkehrsluftfahrt nun schon<br />
seit einigen Jahren eine ADS-B-<br />
Ausrüstungsquote von über 90<br />
Prozent. In der General Aviation<br />
sieht es anders aus.<br />
Schon heute dienen die ADS-<br />
B-Out-Daten der Flugsicherung<br />
beim Update der strategischen<br />
Verkehrsflusssteuerung. Damit<br />
können Überlastungen in einzelnen<br />
Sektoren rechtzeitig erkannt und<br />
vermieden werden. Andererseits<br />
bietet ADS-B dem Sekundärradar<br />
ähnliche Funktionen in Gebieten,<br />
wo Radar technisch nicht möglich<br />
ist, und erhöht dort die Luftraumkapazität<br />
und die Sicherheit. Es<br />
ergeben sich auch erheblich effektivere<br />
Anflugverfahren in nur<br />
saisonal stärker beflogenen oder<br />
56 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
schlecht entwickelten Gebieten.<br />
Inzwischen sind mehr als 750 ADS-<br />
B-Bodenstationen in 25 europäischen<br />
Ländern errichtet.<br />
Durch ADS-B In können Piloten<br />
der Allgemeinen Luftfahrt ein fast<br />
so genaues Bild von der Verkehrssituation<br />
bekommen wie die Flugsicherung.<br />
Dies umfasst dann nicht<br />
nur die Positionen von TCAS-<br />
Verkehr, sondern den gesamten<br />
Verkehr in der Umgebung mit<br />
dessen Richtung, Geschwindigkeit<br />
und Identifikation, sofern der ADS-<br />
B Out nutzt.<br />
Der in Europa modernere, für<br />
ADS-B Out Version 2 notwendige<br />
technische Standard setzt einen<br />
Mode-S-Transponder voraus, der<br />
mit zwei unabhängigen Fehleranzeigen<br />
„Transponder Fail“ sowie<br />
„ADS-B Fail“ ausgestattet ist.<br />
Dazu kommt noch eine zertifizierte<br />
SBAS-(Satellite Based Augmented<br />
System wie WAAS, EGNOS)<br />
gestützte GNSS-Positionsquelle.<br />
Die ist deshalb besonders wichtig,<br />
weil die Flugsicherung wahrscheinlich<br />
sogar integriert mit konventionellen<br />
Sekundär-Radardaten<br />
damit den ADS-B-Out-Verkehr<br />
staffeln muss und es keine zweite<br />
Rückfallebene mehr gibt. ADS-B<br />
Out erfordert folglich eine kostspieligere<br />
Festinstallation. Die<br />
optionale ADS-B-In-Funktionalität<br />
kann dagegen auch mobil und<br />
damit erheblich günstiger sein.<br />
Bereits seit einigen Jahren gibt<br />
es für ADS-B In zahlreiche günstige<br />
Erweiterungen auch als Apps<br />
zusammen mit weiteren sinnvollen<br />
Funktionen. Kleine portable ADS-<br />
B-In-Applikationen sind inzwischen<br />
schon relativ günstig zu erwerben,<br />
eine externe Antenne ist aber notwendig,<br />
um auch die gewünschte<br />
Empfangsleistung zu erreichen.<br />
Nur die teurere ADS-B-Out-<br />
Funktion leistet einen wirklich<br />
aktiven Betrag zur eigenen Flugsicherheit<br />
und der der anderen<br />
Verkehrsteilnehmer. Wenn eine<br />
zertifizierte Positionsquelle angeschlossen<br />
ist, sind schon heute die<br />
allermeisten aktuellen Mode-S-<br />
Transponder in der Lage ADS-B<br />
Out über den Extended Squitter<br />
zu unterstützen.<br />
ADS-B-Out-Daten werden schon<br />
seit einiger Zeit recht wirkungsvoll<br />
in Traffic Avoidance Systemen (TAS)<br />
zur Anzeige gebracht. Die Chancen<br />
der Kollisionsvermeidung stehen<br />
und fallen aber mit der ADS-B-Out-<br />
Ausrüstungsquote. Da eine 100-prozentige<br />
Ausrüstung ohne Mandat<br />
eher unwahrscheinlich ist und<br />
ADS-B Out für viele auch in Zukunft<br />
zu kostspielig bleiben wird, denkt<br />
man im Rahmen des SESAR-Projekts<br />
Electronic Visibility ADS-B (EVA)<br />
über kostengünstigere kompatible<br />
Alternativen nach.<br />
Sichtbar mit dem<br />
Low Power Transceiver<br />
Bei einem britischen Projekt<br />
eines Low Power ADS-B Transceiver<br />
(LPAT) geht es um mobile Geräte,<br />
die mit geringerer Leistung<br />
auf der 1090-ES-Frequenz ADS-B-<br />
Sichtbarkeit erzeugen – ideal für<br />
Luftfahrzeuge, die technisch nicht<br />
transpondertauglich sind. Zusätzlich<br />
werden die bereits weit verbreiteten<br />
FLARM-Signale angezeigt,<br />
und ein auf Signalstärke basierender<br />
Alarm warnt vor allen Mode-<br />
ADS-B-Out-/-In-Flugzeug<br />
ADS-B-In-Service<br />
von der Bodenstation<br />
Funktionsschema ADS-B. Mit der ADS-B-Out- und ADS-B-In-Funktion<br />
ausgestattete Flugzeuge erkennen sich gegenseitig.<br />
A/C/S-Signalen, die empfangen<br />
werden. Inzwischen haben die<br />
Geräte eine Empfangsreichweite<br />
von zehn nautischen Meilen.<br />
Die erste Kleinserie ist bereits<br />
produziert, wobei auch günstigere,<br />
nicht zertifizierte GNSS-Quellen<br />
für diese General-Aviation-Anwendung<br />
ausreichend zu sein scheinen.<br />
Mit zwei verschiedenen Antennen<br />
an Bug und Heck funktioniert das<br />
System.<br />
Eine Low-Cost-ADS-B-Lösung<br />
wie LPAT würde nicht nur innerhalb<br />
der General Aviation für eine erheblich<br />
bessere „situational awareness“<br />
sorgen was anderen VFR-<br />
Verkehr betrifft, sondern auch die<br />
ADS-B-Out- und -In-ausgerüstete<br />
Flugzeuge erkennen sich<br />
unabhängig von Bodenstationen.<br />
Bodenstation erhält<br />
die ADS-B-Out-Signale<br />
der Flugzeuge.<br />
Das Flugzeug ermittelt seine<br />
Position per GNSS<br />
(GPS, GLONASS, EGNOS).<br />
ADS-B-Bodenstation<br />
ADS-B-Out-/-In-Flugzeug<br />
notwendige Sichtbarkeit im Airline-<br />
Cockpit herstellen. Solch ein<br />
Sicherheitsgewinn kann dazu beitragen,<br />
der Allgemeinen Luftfahrt<br />
mehr Luftraum zu erhalten.<br />
Auch mit einem technisch machbaren<br />
und bezahlbaren System<br />
bleibt die Frage, wie man im Falle<br />
des Falles mit den Alarmen<br />
umgeht. Das ist nicht gerade trivial.<br />
Unkoordinierte Ausweichempfehlungen<br />
sind mitunter kontraproduktiv.<br />
Es braucht auch einige<br />
Zeit und Übung, um bei mehreren<br />
Flugzeugen in der Umgebung trotz<br />
akustischer Warnungen den Überblick<br />
zu behalten.<br />
ae<br />
Volker Stuhlsatz
[ AVIONIK SPECIAL ]<br />
Mit dem Garmin GTX 345 wird<br />
der umgebende ADS-B-Verkehr<br />
sichtbar – hier auf einem<br />
Tablet, das vom 345er zugleich<br />
Attitude-Informationen erhält.<br />
ADS-B-Avionik<br />
Transponder<br />
und sehr viel mehr<br />
Eine neue Transpondergeneration für die Allgemeine Luftfahrt<br />
erleichtert jetzt den Einstieg in ADS-B – und damit in die<br />
Kollisionswarnung, von der auch Verkehrsflugzeuge profitieren.<br />
Verkehrserkennung mit<br />
ADS-B wird mit den neuen<br />
Mode-S-Transpondern von<br />
Garmin und von L-3 Avionic Systems<br />
besonders leicht. Das Garmin<br />
GTX 335/345 und das L-3 Lynx NGT<br />
9000 bieten in ihren Ausbaustufen<br />
mit WAAS-fähigen GPS-Empfängern<br />
ADS-B-Out- und ADS-B-In-Funktionalität,<br />
versorgen also alle anderen<br />
ADS-B-Stationen im weiteren<br />
Umfeld mit Informationen über die<br />
eigene Position, Höhe, Geschwindigkeit<br />
und Bewegungsrichtung.<br />
Über die In-Funktion werden diese<br />
Informationen von anderen<br />
ADS-B-Teilnehmern aufgenommen.<br />
Damit werden für diese Transponder<br />
alle anderen Verkehrsteilneh-<br />
mer sichtbar, die einen Mode-S-<br />
Transponder mit Extended Squitter<br />
(ES) nutzen, um die Positionsdaten<br />
eines aufgeschalteten GPS<br />
auszusenden.<br />
Die WAAS/EGNOS-Fähigkeit<br />
der GPS-Empfänger sichert dabei<br />
hochgenaue Positionsdaten. WAAS<br />
steht für Wide Area Augmentation<br />
System, das europäische Pendant<br />
nennt sich Euro Geostationary<br />
Navigation Overlay Service.<br />
Bei den Transpondern von Garmin<br />
wie dem von L-3 können die<br />
Informationen an integrierte Bordavionik<br />
wie zum Beispiel das Garmin<br />
GTN 650/750 oder drahtlos<br />
an Navigations-Apps auf Tablets<br />
weitergegeben werden. Auf den<br />
Moving Maps dieser größeren Displays<br />
erhält der Pilot dann mit dem<br />
GTX 345 wie mit dem Lynx ein<br />
umfassendes Verkehrslagebild (das<br />
GTX 335 verfügt nicht über die<br />
In-Funktion). Garmin nutzt für die<br />
drahtlose Kommunikation zu externen<br />
Geräten Bluetooth. Mit iPads<br />
und Android-Tablets verbindet sich<br />
das Lynx ebenfalls via Wi-Fi. Das<br />
GTX 345 kann Apps wie Garmin<br />
Pilot und ForeFlight Mobile zusätzlich<br />
mit Attitude-Informationen<br />
versorgen, damit wird ein Backup-Horizont<br />
verfügbar.<br />
L-3 Avionic Systems hat das Lynx<br />
NGT 9000 schon in der Basisversion<br />
mit integriertem GPS-Empfänger,<br />
mit Farbdisplay und Touchscreen<br />
für die intuitive Bedienung<br />
ausgestattet. Die Plus-Version, die<br />
höchste Ausbaustufe, ist ein vollständig<br />
autarkes System. Hier wird<br />
die Verkehrssituation auf dem<br />
Display des Geräts fortlaufend<br />
aktualisiert wiedergegeben (L-3<br />
NextGen Active Traffic), dazu gibt<br />
es eine integrierte Terrainwarnung.<br />
Eine Anbindung an ein weiteres<br />
Avioniksystem ist nicht notwendig.<br />
Die Option, auch noch aktuell das<br />
Wetter entlang des Flugwegs zu<br />
empfangen und auf dem geräteeigenen<br />
Display darzustellen, ist<br />
dagegen nur in den USA nutzbar.<br />
Hinweise und Warnungen vor<br />
anderem Verkehr werden von beiden<br />
Systemen auch akustisch<br />
ausgegeben. Das GTX 345 warnt<br />
dann zum Beispiel mit: „Traffic ten<br />
o’clock, same altitude, two miles.“<br />
Die Garmin-Transponder können<br />
in die Glascockpits des amerikanischen<br />
Avionikherstellers integriert<br />
werden. Sie können dann<br />
zum Beispiel das WAAS-fähige<br />
GPS und das Display eines G1000<br />
für die Verkehrsdarstellung nutzen<br />
sowie vom Gerät her bedient<br />
werden.<br />
Im Lynx Multi-link Surveillance<br />
System sieht man den umgebenen<br />
Verkehr mittels patentiertem Lynx<br />
Tail, er zeigt Kennzeichen beziehungsweise<br />
Flug-ID, Flugzeugtyp<br />
und Geschwindigkeit über<br />
Grund an.<br />
Die Preise für das „All-in-One“-<br />
Lynx NGT-9000 und das vergleichbare<br />
Garmin GTS 345 (mit integriertem<br />
WAAS-GPS) liegen bei<br />
5800 US-Dollar. In Anbetracht der<br />
Funktionalität ein preiswertes<br />
Angebot, das die Sicherheit erheblich<br />
verbessern kann.<br />
ae<br />
Gerhard Marzinzik<br />
Fotos: Garmin, L-3 Avionic Systems<br />
Das Lynx NGT-9600 plus ist sehr viel mehr als ein Transponder. Auf dem<br />
Touchscreen können auch Terrainwarnungen angezeigt werden.<br />
Der Mehrzweckbildschirm des Lynx, hier mit Verkehrslage und Wetter<br />
(nur in Nordamerika erhältlich), macht Zusatzanzeigen überflüssig.<br />
58 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
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[ AVIONIK SPECIAL ]<br />
Aero-Avionik-Geschäftsführer Jan Baltes (li., hinten) kontrolliert mit einem<br />
Mitarbeiter ein Nav/Comm. Standard werden jetzt Garmin GTN 650/750.<br />
Fotos: Aero Avionik<br />
Aero Avionik<br />
Neues Garmin<br />
Service Center<br />
Garmin entwickelt sich immer mehr zu<br />
dem Generalausrüster in Sachen Avio nik.<br />
Jetzt gibt es in Deutschland einen<br />
wei teren Garmin-Service-Stützpunkt:<br />
Aero Avionik in Saarbrücken.<br />
60 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
Die Halle von Aero Avionik<br />
auf dem Flughafen Saarbrücken<br />
fasst Mitte Mai so<br />
ziemlich alles, was zur Allgemeinen<br />
Luftfahrt zählt, vom Jet und Turboprop<br />
bis hin zu kleinen Einmotorigen.<br />
Den neuen Standort Saarbrücken<br />
hat der auf Avionik spezialisierte<br />
Wartungsbetrieb nach<br />
Part 145 bezogen, nachdem der<br />
ursprüngliche Betriebsort Zweibrücken<br />
zum Sonderlandeplatz<br />
heruntergestuft wurde. Für die<br />
Kunden mit komplexeren Flugzeugen<br />
wurde der Umzug notwendig;<br />
Saarbrücken mit seinem Instrumentenlandesystem<br />
kann nämlich<br />
jederzeit angeflogen werden.<br />
Neben dem Airline-Bereich, der<br />
Business Aviation und dem Hubschraubersegment<br />
hat Aero Avionik<br />
jetzt vor allem die kleinere<br />
Allgemeine Luftfahrt in den Blick<br />
genommen. Für Garmin-Nachrüstpakete<br />
ergibt sich hier ein besonders<br />
großer Markt. Und der reicht<br />
deutlich über die deutschen Grenzen<br />
hinaus. Saarbrücken mit seiner<br />
Randlage bedeutet da keinen<br />
Standortnachteil. Gerade erst, freut<br />
sich Aero-Avionik-Geschäftsführer<br />
Jan Baltes, hat sich der Luxemburgische<br />
Aero-Club entschlossen,<br />
seine Flotte von zehn Ein- und<br />
Zweimotorigen mit dem Garmin<br />
GTN 650 samt Aufschaltanlage<br />
nachzurüsten.<br />
Das GTN 650 lässt sich mit seinen<br />
platzsparenden Abmessungen<br />
im Vergleich zum GTN 750 mit<br />
seinem großen Display recht einfach<br />
an Stelle älterer Avionik einbauen.<br />
Als GPS/Nav/Comm-Plattform bietet<br />
es ansonsten auch nahezu alle<br />
Features des 750ers: Touchscreen-<br />
Bedienung, eine hochaufgelöste<br />
Geländedarstellung, die Einblendung<br />
des Wetters und des umgebenden<br />
Verkehrs im Navigationsbild<br />
wie auch die grafische Flugplanung<br />
auf dem Multifunktionsbildschirm<br />
und letztlich die<br />
Möglichkeit für hochpräzise GPS-<br />
Anflüge (LPV) bis auf 200 Fuß<br />
Entscheidungshöhe. Ein neu genehmigtes<br />
STC von Garmin erlaubt<br />
den Einbau dieser Avionik ganz<br />
ohne Minor-Change-Kosten.<br />
Aero Avionik zeigt sich überdies<br />
flexibel, was den Einsatz beim<br />
Kunden angeht. Die Werft wirbt:<br />
„Bei Fehlermeldungen an Ihrem<br />
Flugzeug sind wir in kürzester Zeit<br />
für Sie vor Ort.“ Für defekte Bauteile<br />
gibt es in Saarbrücken in<br />
der speziell dafür ausgerüsteten<br />
Werkstatt die Möglichkeit zur<br />
Reparatur. Weitere Arbeiten werden<br />
gleich am Stammsitz der Kunden<br />
ausgeführt, ob bei Zeppelin<br />
in Friedrichshafen, dem Stuttgarter<br />
Flugdienst, bei der Luftrettung<br />
in Baden-Baden oder als Unterstützung<br />
von vielen weiteren Werftbetrieben.<br />
Jan Baltes, der sich erst<br />
vor sechs Jahren selbstständig<br />
gemacht hat: „Wir sind spezialisiert<br />
auf jede Art von Avionik. Vom einmotorigen<br />
Privatflugzeug bis zum<br />
Citation-Business-Jet. Entsprechend<br />
legen wir Wert auf hohe Qualität<br />
der Installationen.“<br />
Seit diesem Sommer zählt der<br />
Betrieb sieben technische Mitarbeiter<br />
und drei im kaufmännischen<br />
Bereich. Ausgebildet wird auch.<br />
Im technischen Bereich arbeitet<br />
Aero Avionik mit Lufthansa Technik<br />
in Frankfurt zusammen. Der<br />
erste von drei Auszubildenden<br />
steht jetzt vor dem Abschluss. ae<br />
Gerhard Marzinzik
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Avionik-<br />
[ AVIONIK SPECIAL ]<br />
Garmin GTN 750<br />
Überall wird zentralisiert.<br />
„All-in-one“ ist auch für<br />
Cockpits von Flugzeugen der<br />
General Aviation das Schlagwort.<br />
Das GTN 750 von<br />
Garmin hat in Bezug auf<br />
Leistungsumfang und Bedienerfreundlichkeit<br />
eine<br />
Vorreiterrolle eingenommen.<br />
Fotos: Garmin<br />
Die GPS/COMM/VOR/MFD-<br />
Plattform Garmin GTN 750<br />
mit dem 6,9 Zoll großen<br />
Touchscreen hält immer mehr Einzug<br />
in Cockpits der Flugzeuge der<br />
Allgemeinen Luftfahrt. In Panels<br />
mit wenig Platz ist es das ebenso<br />
leistungsfähige, aber nur 2,67 Zoll<br />
große Schwestermodell GTN 650.<br />
Der Zwang zur Umrüstung auf<br />
8,33-kHz-Funkgeräte und die komfortable<br />
Bedienung über den Touchscreen,<br />
der beim GTN 650/750 zum<br />
ersten Mal in einer solchen Plattform<br />
für die General Aviation verwirklicht<br />
wurde, haben das Garmin-<br />
Angebot besonders attraktiv gemacht.<br />
Inzwischen ist das Funktionsspektrum<br />
dieser Plattform<br />
immens angewachsen, ein Ausblick<br />
auf die neuen Highlights im Leistungsangebot<br />
zeigt, was alles<br />
machbar ist. Dank Multifunktionsdisplay<br />
(MFD) und menügeführter<br />
Touchscreen-Bedienung sind der<br />
Ausweitung der Funktionalität fast<br />
keine Grenzen gesetzt.<br />
Es können Funktionen integriert<br />
werden, die früher die Anschaffung<br />
eines neuen Gerätes erfordert hätten.<br />
So ist das GTN 750 heute weit<br />
über das ursprüngliche Kombigerät<br />
hinausgewachsen, das Funkgerät,<br />
VOR und GPS mit einer<br />
Moving-Map-Navigation vereint<br />
hat. Inzwischen ist das Gerät der<br />
Baustein, der auch GA-Flugzeugen<br />
dazu verhilft, den Schritt von der<br />
bodenseitigen Flugkontrolle hin<br />
zum autonomen, satellitenbasierten<br />
Luftverkehrsmanagement der<br />
Zukunft zu schaffen.<br />
Das WAAS/EGNOS-fähige GTN<br />
750 macht GPS-Anflüge der LPV-<br />
Kategorie (Localiser Precision mit<br />
Vertical Guidance) möglich. Auch<br />
Flugplätze ohne Instrumentenlandesystem<br />
können – sofern sie dafür<br />
zugelassen sind – damit bis auf<br />
Entscheidungshöhen von 200 Fuß<br />
über Grund angeflogen werden,<br />
was bisher nur mit einem ILS möglich<br />
war. In Europa erfolgten mit<br />
dem Gerät jetzt erstmals Anflüge<br />
bei solchen Minima in Paris-Charles<br />
de Gaulle. Für Anflüge nach Instrumentenflugregeln<br />
lassen sich<br />
im Display des GTN 750 jetzt auch<br />
die Jeppesen-Anflugkarten anzeigen.<br />
Eine so ausgestattete Cockpit-<br />
Crew verfügt damit für jeden<br />
Flugplatz weltweit über Anflugkarten<br />
im einheitlichen Design – ein<br />
Umstellen auf die unterschiedlichen<br />
Formate der nationalen Flugsicherungen<br />
ist nicht erforderlich. Werden<br />
bodengestützte Navigationseinrichtungen<br />
genutzt, dekodiert<br />
das GTN 650/750 auch automatisch<br />
die Morsekennung und identifiziert<br />
die Station.<br />
„Verkehrsradar“ auf dem<br />
Display des GTN 750<br />
Über die Verkehrslage informiert<br />
das GTN 650/750 mit entsprechender<br />
Zusatzausstattung wie dem<br />
ADS-B-fähigen Transponder GTX<br />
345. Damit kommt der gesamte<br />
62 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Zentrale<br />
SafeTaxi-Karten von Garmin verhindern das Verirren in komplexen<br />
Rollwegsystemen größerer Flugplätze (oben). Die Jeppesen-Karten<br />
können jetzt aufs Display ders GTN 750 geholt werden.<br />
Nah am Zielflugplatz blendet<br />
sich auf dem GTN-750-Bildschirm<br />
das Anflugverfahren ein.<br />
Für die Darstellung der<br />
Verkehrslage auf Basis von<br />
ADS-B-Informationen (rechts)<br />
eignet sich der große Bild -<br />
schirm des GTN 750 bestens.<br />
Oben mit VFR-Anflugkarte für<br />
Friedrichshafen.<br />
umgebende (ADS-B-)Verkehr zur<br />
Anzeige. Bahnt sich ein Kollisionsrisiko<br />
an, wird auch akustisch<br />
gewarnt.<br />
Im Sichtflug in geringeren<br />
Höhen sind Informationen und<br />
gegebenenfalls Warnungen vor<br />
höherem Gelände und Hindernissen<br />
wichtig. Speziell für Hubschrauber<br />
gibt es die Option, der<br />
„wire-strike avoidance“, die vor<br />
Überlandleitungen warnt. Diesen<br />
Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit<br />
liefert das Terrain Awareness<br />
System. Bei zu geringer Flughöhe<br />
taucht das Display das Gelände in<br />
Rot. Über das Wetter voraus kann<br />
die farbkodierte Einblendung von<br />
Radarinformationen in Kenntnis<br />
setzen.<br />
Vieles ist in der Nutzung erheblich<br />
komfortabler geworden. Flugpläne,<br />
bei denen noch Wegpunkt<br />
für Wegpunkt eingetippt werden<br />
mussten, sofern es sich nicht um<br />
eine schon abgespeicherte Strecke<br />
handelte, können jetzt drahtlos<br />
vom Tablet übernommen und so-<br />
Flight Stream 210 ermöglicht<br />
die drahtlose Übertragung von<br />
Flugplänen und bringt 3-D-<br />
Synthetic-Vision aufs Tablet.<br />
mit bequem am Schreibtisch erstellt<br />
werden.<br />
Im Cockpit unterstützt die Grafik<br />
des GTN 750 die Flugdurchführung<br />
bei Freigabenänderungen,<br />
indem einfach ATS-Routensegmente<br />
durch Antippen und Ziehen<br />
im Display ausgewählt und im<br />
Flugplan aktiviert werden. Umleitungen<br />
lassen sich per Fingerstreich<br />
einfügen.<br />
Bei Aufschaltung eines entsprechend<br />
leistungsfähigen Autopiloten<br />
kann dieser alle Teile eines<br />
IFR-Flugs absolvieren – bis hin zu<br />
Holdings. Nach der Landung helfen<br />
die georeferenzierten SafeTaxi-Karten<br />
von Garmin bei der Orientierung<br />
auf den Rollwegen. ae<br />
Gerhard Marzinzik
[ KOLUMNE ]<br />
Als Dr. Spornrad beleuchtet ein Kenner der Szene exklusiv für den <strong>aerokurier</strong> die großen und kleinen Geheimnisse der GA<br />
Jein zum papierlosen Cockpit<br />
Navigation ist, wenn man trotzdem ankommt, weiß Dr. Spornrad und ist entsetzt über den Trend,<br />
sich die Cockpitscheibe mit Handhelds und Post-its zuzupflastern. Sein Motto: Wer es gelernt hat,<br />
mit Kompass und Karte umzugehen, der ist auch nicht blind, wenn die Elektronik streikt.<br />
Emil und Franz – so hießen zu K.-u.-K-<br />
Zeiten Pilot und Navigator in der Luftfahrt,<br />
egal ob sie nun Egon, Karl oder<br />
Friedrich im Reisepass stehen hatten. Machte<br />
Franz Fehler und gab Emil falsche Kurse vor,<br />
so „verfranzten“ sie sich. So weit, so historisch.<br />
Das ist bis vor Kurzem auch so gewesen,<br />
dank modernster Navigationshilfsmittel heute<br />
jedoch fast unmöglich. Aber auch nur fast. Nun<br />
gut, ich bin aufgewachsen mit der guten alten<br />
Papierkarte und dem Schnapskompass. In<br />
meiner PPL(A)-Ausbildung durfte ich den Kurskreisel<br />
nicht benutzen und wurde ausschließlich<br />
auf die Nutzung des Kompasses dressiert.<br />
So ist es bei mir bis heute geblieben. Zugegeben,<br />
es macht mir Spaß, meinen Schülern nach<br />
alter Manier einfach mal<br />
den Kurskreisel zu verstellen,<br />
und ich ergötze<br />
mich an ihren Reaktionen,<br />
wenn nach 10 bis<br />
15 Minuten der Hals das<br />
Pilotenanwärters immer<br />
länger wird. Eine sinnvolle<br />
Übung? Ja – denn<br />
der jederzeit mögliche<br />
Ausfall des „SatelliteniPhone-Pad-Androidnavigations-Rollators“<br />
kann bei vielen der<br />
heute ähnlich dressierten<br />
Aviateure schnell<br />
zur Lost-in-space-Situation<br />
ausarten.<br />
Überhaupt macht<br />
mich die Entwicklung<br />
in den Cockpits wehmütig,<br />
traurig und<br />
nervös zugleich. Zu<br />
oft beobachte ich bei<br />
Checkflügen, wie der<br />
Kopf des Piloten ständig in Richtung FLARM-<br />
Anzeige und GPS geht – zu Lasten der aktiven<br />
Luftraumbeobachtung. Ich kannte mal einen<br />
Jungfluglehrer, dessen Kniebrett mit drei GPS-<br />
Geräten ausgestattet war. Das Ding hat ausgesehen<br />
wie ein Cockpitsegment aus dem<br />
Lunar-Modul von Neil Armstrong bei der Mondlandung.<br />
Die Angst, sich zu verfranzen, war<br />
wohl stärker als sein Drang, an der eigenen<br />
Navigationsperformance zu arbeiten.<br />
Illustrationen: Harald Hornig<br />
Interessant ist auch der Blick in manches<br />
Cockpit. Charles Lindbergh hat bei seinem<br />
Atlantikflug aufgrund des vor ihm eingebauten<br />
Haupttanks nach vorn nichts gesehen und<br />
vor seinem Abflug noch schnell ein<br />
Periskop montiert bekommen,<br />
um ihm den Blick geradeaus<br />
bei der Landung in Paris<br />
zu ermöglichen. So mancher<br />
Pilot bräuchte so<br />
etwas womöglich heute<br />
auch. Windschutzscheiben<br />
eignen sich<br />
ja perfekt, um dort<br />
mittels Saugnäpfen die<br />
Navigations-„Rollatoren“<br />
zu drappieren – und gleichzeitig jeden visuellen<br />
Restkontakt zur Außenwelt zu verlieren.<br />
Auch kann es zum Problem werden, wenn<br />
zu viele Informationen auf den Aviateur einwirken.<br />
Oft sehe ich neben den Handhelds im<br />
Cockpit weitere ein bis fünf GPS-Geräte, teilweise<br />
fest eingebaut und aus der Steinzeit.<br />
Dazu gesellen sich noch die vom Copiloten<br />
mitgebrachten. Logisch, dass immer alle Geräte<br />
laufen müssen und auch ständig gegengecheckt<br />
werden, es könnte ja sein, dass ein<br />
GPS etwas mehr oder anderes anzeigt als das<br />
andere. Ein heilloses Informationsdurcheinander!<br />
Was macht in dieser Zeit<br />
eigentlich unsere alte, äh,<br />
aktuelle Luftfahrerkarte? Die<br />
eine oder andere Landesluftfahrtbehörde<br />
sähe gerne<br />
ein „Backup“ zum Glascockpit<br />
und verlangt zusätzlich<br />
eine Papierkarte.<br />
Nur: Wenn ich bislang<br />
im offenen Doppeldecker<br />
oder mit einer PA-18 mit<br />
offener Tür unterwegs war<br />
und mir ’ne Karte „entflogen“<br />
ist, dann hatte ich ja auch<br />
keine Ersatzkarte unterm Redundanz-Zauberhut<br />
griffbereit.<br />
Also halte ich mal fest: wenn eine aktuelle<br />
Luftfahrerkarte auf dem „Rollator“ ist und<br />
einem die Batterien und Generatoren keinen<br />
Strich durch die Rechnung machen, dann hilft<br />
ein klares Ja zum papierlosen Cockpit auch<br />
noch zum Erhalt so manchen Hektars Regenwald.<br />
Die FAA hat hier schon 2011 grünes<br />
Licht gegeben.<br />
Aber mal ein ganz anderer Aspekt: Früher<br />
ging mein Kopf auch ganz ohne GPS ständig<br />
nach unten und auf die Armbanduhr. Der Grund:<br />
angewandte Koppelnavigation mit ständigem<br />
Mitschreiben von Überflugzeiten und Gegenrechnen<br />
von Restflugzeiten. Meine These:<br />
Wenn ich eine konventionelle Flugvorbereitung<br />
mache, also meinen Strich auf einer Papierkarte<br />
habe, und dazu dann ein modernes GPS-<br />
Navi einsetze, dann kann die gewonnene Zeit<br />
auch ein enormer Sicherheitsgewinn sein.<br />
Vorausgesetzt, ich nutze sie für die Luftraumbeobachtung.<br />
Es ist ein Unding, wie manche<br />
Flieger die ganze Zeit gebannt auf die bunten<br />
Bildchen auf dem Bildschirm gucken und warten,<br />
dass TCAS und FLARM einen Begegnungsverkehr<br />
anzeigen, während vor ihrer Nase<br />
gerade der echte Begegnungsverkehr stattfindet.<br />
Fazit: Es langen ein einziges System, beispielsweise<br />
auf dem iPad, die Karte als Backup<br />
und – Sie ahnen es – der gute alte Schnapskompass.<br />
Und natürlich offene Augen! ae<br />
64 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
[ BUSINESS AVIATION Messe ]<br />
EBACE <strong>2016</strong><br />
Business as usual?<br />
Auch wenn die Lage der Business Aviation weiterhin angespannt bleibt, hatten die<br />
Hersteller auf der Fachmesse EBACE in Genf spannende Neuigkeiten im Gepäck.<br />
D<br />
ie Hoffnung auf die kommenden<br />
Jahre ist da. Das<br />
konnten die 13 000 Fachbesucher<br />
aus vier Tagen EBACE<br />
in Genf mit nach Hause nehmen.<br />
Momentan sieht es aber eher noch<br />
trübe aus: Nachdem sich die Business<br />
Aviation nach dem Crash im<br />
Jahr 2008 etwas erholt hatte und<br />
bis 2013 wieder leichte Zuwächse<br />
verzeichnen konnte, lagen die<br />
letzten beiden Jahre leicht unter<br />
dem Ergebnis des jeweiligen Vorjahres.<br />
Auch die im Vorfeld der<br />
EBACE vorgestellten Quartalszahlen<br />
der Herstellervereinigung der<br />
Allgemeinen Luftfahrt (GAMA)<br />
dämpfen die Hoffnungen für <strong>2016</strong>:<br />
128 Business Jets wurden ausgeliefert,<br />
fünf Prozent weniger als<br />
in den ersten drei Monaten 2015.<br />
Die 500 Aussteller brachten 60<br />
Flugzeuge mit auf das Außengelände<br />
am Genfer Flughafen – so<br />
viele wie noch nie. Das unterstreicht<br />
die Erwartungen, dass neue Modelle<br />
eine Antwort auf die Probleme<br />
des schwierigen Markts sein<br />
könnten.<br />
Am unteren Ende der Größentabelle<br />
sorgte die aus Beechcraft,<br />
Cessna und Hawker bestehende<br />
Textron Aviation mit der Ankündigung<br />
eines „PC-12-Killers“ für<br />
Aufsehen. Die Business-Turboprop<br />
soll über Platz für bis zu acht Passagiere<br />
verfügen, eine Höchstgeschwindigkeit<br />
von 520 Stundenkilometern<br />
(285 kts) und eine<br />
Reichweite von knapp 3000 Kilometern<br />
(1600 NM) haben. Den 1240<br />
shp starken Antrieb entwickelt GE<br />
Aviation derzeit in Europa. Die<br />
Wellenturbine besitzt den Arbeitstitel<br />
ATP (Advanced Turboprop).<br />
Den Namen des Flugzeugs will<br />
Textron in Oshkosh bekannt geben,<br />
den Erstflug peilen die Amerikaner<br />
für 2018 an. Auch im Cockpit soll<br />
Technik der neuesten Generation<br />
zum Einsatz kommen: Ein Garmin<br />
G3000 mit Touchscreen-Bedienung<br />
und integriertem Wetterradar,<br />
Geländewarnsystem und ADS-B-<br />
Fähigkeit soll den Piloten das Leben<br />
vereinfachen. Die Passagiere<br />
können sich auf einzelne Liegesitze,<br />
große Fenster, LED-Beleuchtung<br />
und eine digital geregelte Druckkabine<br />
freuen.<br />
HondaJet jetzt auch von<br />
der EASA zertifiziert<br />
Bei den Leichtjets feierte Honda<br />
die Zulassung seines ersten<br />
Modells, der HA-420 HondaJet,<br />
durch die europäischen Behörden.<br />
Damit steht der Indienststellung<br />
bei europäischen Betreibern nichts<br />
mehr im Weg. Als Nächstes peilt<br />
der Hersteller die Zulassung in<br />
66 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
[ 1 ]<br />
Zu einer Stippvisite kam die<br />
Pilatus PC-24. Sie befindet sich<br />
mitten im Erprobungs- und<br />
Zulassungsprogramm.<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Große Fenster und ein<br />
Vier-Zonen-Layout sollen<br />
Ultralangstrecken in der<br />
Global 7000 angenehm<br />
gestalten. Zu sehen war ein<br />
1:1-Modell des Rumpfes mit<br />
Inneneinrichtung.<br />
[ 2 ] Gulfstream brachte fast<br />
ihre komplette Palette an<br />
Business Jets mit nach Genf.<br />
[ 3 ] Textron zeigte erstmals<br />
Bilder des angekündigten<br />
„PC-12-Killers“ – einer<br />
vollständig neu entwickelten<br />
Single Turboprop mit mehr<br />
als 1200 PS. Sie soll die<br />
PC-12 in allen Eigenschaften<br />
übertreffen.<br />
[ 3 ]<br />
Fotos: Max Kühnl, Textron<br />
Kanada sowie das Hochfahren der<br />
Produktionsrate an. Der Antrieb<br />
des HondaJet wurde ebenfalls von<br />
der EASA zertifiziert. Es handelt<br />
sich um eine Gemeinschaftsentwicklung<br />
von GE und Honda. Interessantes<br />
Detail: Die Amerikaner<br />
wollen das Triebwerk künftig auch<br />
anderen Flugzeugherstellern als<br />
Antriebsvariante verkaufen.<br />
Noch mitten in der Zulassung<br />
befindet sich die Pilatus PC-24, die<br />
zwischen den Erprobungsflügen<br />
Zeit für einen eintägigen Abstecher<br />
nach Genf hatte und dort ihre Messepremiere<br />
gab. Die Testmannschaft<br />
hat dem Erprobungsflugzeug dafür<br />
den aktuellen Status des Programms<br />
auf die Außenhaut geklebt:<br />
Die Zahl 522 weist auf die absolvierten<br />
Flugstunden der beiden<br />
ersten Prototypen hin. Die Zulassung<br />
und Indienststellung peilen<br />
die Schweizer für das kommende<br />
Jahr an. Auch ein Modell der nun<br />
fertig entwickelten Kabine war in<br />
Lebensgröße am Stand von Pilatus<br />
zu sehen. Kennzeichnend ist das<br />
große Frachttor im hinteren linken<br />
Bereich des Rumpfes.<br />
Dassaults Falcon 8X war gerade<br />
von einer Tour um die Welt<br />
zurückgekommen. Unter verschiedensten<br />
klimatischen Bedingungen<br />
in Europa, Nord- und Südamerika,<br />
dem Nahen Osten und Asien habe<br />
der größte Jet der Franzosen seine<br />
operative Einsatzfähigkeit unter<br />
Beweis gestellt. Er soll noch in<br />
diesem Jahr ausgeliefert werden.<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 67
[ BUSINESS AVIATION Messe ]<br />
[ 1 ]<br />
[ 2 ]<br />
[ 1 ] Die kurz vor der Zulassung<br />
stehende Dassault Falcon 8X<br />
weckte großes Interesse.<br />
[ 2 ] Zur Feier der jüngst<br />
erhaltenen EASA-Zulassung<br />
brachte Honda gleich zwei<br />
seiner Jets mit in die Schweiz.<br />
[ 3 ] Auf dem Außenbereich am<br />
Genfer Flughafen tummelten<br />
sich 60 Flugzeuge – von der<br />
Einmot bis hin zur brandneuen<br />
VIP-Version der Boeing 787.<br />
[ 3 ]<br />
Fotos: Max Kühnl<br />
Der Fokus lag insbesondere auf<br />
dem Komfortangebot in der Kabine<br />
des Dreistrahlers im täglichen<br />
Betrieb. Die Erprobung führte die<br />
26 Piloten und 60 Ingenieure einen<br />
Monat lang auf 65 Flügen zu 46<br />
Destinationen. Die Zulassung des<br />
Langstreckenjets soll in der zweiten<br />
Jahreshälfte erfolgen. Um gegen<br />
die Konkurrenz von Gulfstream<br />
zu bestehen, treibt Bombardier die<br />
Entwicklung der Global 7000 voran.<br />
Ein Rumpfmodell zeigte den<br />
Komfort, den Passagiere während<br />
Ultralangstrecken in der großen<br />
Kabine erwarten dürfen.<br />
Am oberen Ende des Flugzeugspektrums<br />
steht eine neue<br />
Generation bereit: Die von Passagiermodellen<br />
abgeleiteten VIP-<br />
Versionen von Airbus und Boeing<br />
werden derzeit auf die neu motorisierten<br />
Varianten der Boeing<br />
737MAX sowie des Airbus<br />
A320neo umgestellt. Kunden<br />
können sich aufgrund von identischen<br />
Rümpfen auf mindestens<br />
gleichen Komfort bei geringerem<br />
Treibstoffverbrauch freuen. Mehr<br />
als eine Klasse darüber rangiert<br />
die VIP-Version der Boeing 787,<br />
von der die Amerikaner das erste<br />
Exemplar nach Genf geflogen hatten.<br />
Es war gleichzeitig das größte<br />
jemals auf einer EBACE ausgestellte<br />
Flugzeug. Derweil hat<br />
Airbus nun offiziell die noch größere<br />
ACJ350 XWB im Angebot für<br />
wohlhabende Kunden.<br />
ae<br />
Max Kühnl<br />
68 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Praxis<br />
Know-how<br />
Juli <strong>2016</strong><br />
für<br />
Einsteiger und<br />
Fortgeschrittene<br />
Irgendwo muss der<br />
Strom herkommen – im<br />
öffentlichen Netz genauso<br />
wie im Flugzeug.<br />
Stromversorgung<br />
Das Kraftwerk im Flugzeug<br />
Foto: Patrick Pleuel<br />
Im Englischen wird zwischen Generator und Alternator<br />
unterschieden, im Deutschen meist nur von der Lichtmaschine<br />
allgemein gesprochen. Unser Autor erklärt die Unterschiede.<br />
Alternator und Generator unterscheiden<br />
sich in ihrer Konstruktion und haben<br />
unterschiedliche Eigenschaften. Grund<br />
genug, sich die beiden Bauformen der Lichtmaschine<br />
einmal genauer anzusehen.<br />
Die korrekte englische Bezeichnung für den<br />
Generator ist übrigens Dynamo – wie der Dynamo<br />
am Fahrrad. Der Begriff beschreibt einen<br />
Gleichstromgenerator mit Kommutator. Die<br />
korrekte deutsche Bezeichnung ist demnach<br />
Gleichstromlichtmaschine. Der englische Begriff<br />
Alternator beschreibt hingegen eine<br />
Wechsel- oder Drehstromlichtmaschine.<br />
Dass es zwei unterschiedliche Bauarten von<br />
Lichtmaschinen gibt, liegt an den jeweils<br />
benötigten Technologien. Die von einem Wechselstromgenerator<br />
erzeugte Wechselspannung<br />
muss für die Versorgung der elektrischen<br />
Verbraucher zuerst gleichgerichtet werden.<br />
Entsprechend kompakte und leistungsstarke<br />
Halbleitergleichrichter waren jedoch erst in<br />
den 1960er Jahren verfügbar. Vorher wurden<br />
daher ausschließlich Gleichstromlichtmaschinen<br />
verwendet, bei denen ein sogenannter<br />
Kommutator – auch als Polwender bezeichnet<br />
– für die Erzeugung des Gleichstroms sorgte.<br />
Der Kommutator wandelt die von den in der<br />
Lichtmaschine rotierenden Wicklungen erzeugte<br />
Wechselspannung in eine Gleichspannung<br />
um. Die rotierenden Wicklungen bewegen<br />
sich in einem von den feststehenden<br />
Feldwicklungen erzeugten Magnetfeld.<br />
Im Automobilbereich wurde die Gleichstromlichtmaschine<br />
in den 60er Jahren von der<br />
Wechsel- beziehungsweise Drehstromlichtmaschine<br />
abgelöst. Etwas später setzte sich<br />
diese Bauform dann auch in der Luftfahrt durch.<br />
Bei der Wechselstromlichtmaschine sind die<br />
stromerzeugenden Wicklungen stationär im<br />
Gehäuse der Lichtmaschine eingebaut, im<br />
Inneren rotiert die Feldwicklung. Die Feldwicklung<br />
erhält den Erregerstrom zur Erzeugung<br />
des Magnetfeldes über zwei Schleifringe<br />
und Kohlen, auch Bürsten genannt. Die<br />
Unterschiede zwischen Gleich- und Wechselstromlichtmaschine<br />
erscheinen auf den ersten<br />
Blick marginal, dennoch hat die Drehstromlichtmaschine<br />
einige erhebliche Vorteile.<br />
Fangen wir mit dem Kommutator der Gleichstromlichtmaschine<br />
an. Wie die Schleifringe<br />
der Wechselstromlichtmaschine überträgt er<br />
den Strom über Bürsten. Jedoch fließt bei der<br />
Gleichstromlichtmaschine der gesamte erzeugte<br />
Strom über den Kommutator und die<br />
Bürsten, während bei der Wechselstromlichtmaschine<br />
nur der relativ geringe Erregerstrom<br />
zur Erzeugung des Magnetfeldes über Schleifringe<br />
und Bürsten fließt. Weiterhin besteht<br />
der Kommutator der Gleichstromlichtma-<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 69
[ PRAXIS Juli <strong>2016</strong> ]<br />
Gleichstromlichtmaschine (engl. Generator)<br />
Erregerwicklung<br />
N<br />
Kohlebürsten<br />
Kommutator<br />
(Stromwender)<br />
Rotorwicklung<br />
Prinzipieller Aufbau einer Gleichstromlichtmaschine<br />
S<br />
Selbst bei einer erhöhten Leerlaufdrehzahl<br />
von 1200 Umdrehungen pro Minute<br />
erzeugt die Gleichstromlichtmaschine<br />
eines O-200 noch keinen Strom – folglich<br />
zeigt das Amperemeter Entladung an.<br />
Die Gleichstromlichtmaschine<br />
(hier an einem<br />
Continental O-200)<br />
wird über Zahnräder<br />
angetrieben.<br />
Drehstromlichtmaschine (engl. Alternator)<br />
N<br />
Wechselspannung<br />
Rotor mit<br />
Erregerwicklung<br />
Schleifringe<br />
Eine Drehstromlichtmaschine<br />
an<br />
einem Continental<br />
IO-550-Motor.<br />
S<br />
Stator mit<br />
Erzeugerwicklungen<br />
Prinzipieller Aufbau einer Drehstromlichtmaschine<br />
schine aus zahlreichen voneinander isolierten<br />
Segmenten, welche mit den stromerzeugenden<br />
Wicklungen im Rotor verbunden sind. Das<br />
macht die Oberfläche des Kommutators verhältnismäßig<br />
rau und uneben. Daher verschleißen<br />
die Kohlen auch viel schneller als die<br />
Kohlen der Wechselstromlichtmaschine. Es<br />
ist nicht selten der Fall, dass die Kohlen einer<br />
Wechselstromlichtmaschine die gesamte Lebenszeit<br />
der Lichtmaschine durchhalten.<br />
Ein weiterer Nachteil der Gleichstromlichtmaschine<br />
ist deren geringe Drehzahlfestigkeit.<br />
Aufgrund des relativ komplexen Aufbaus des<br />
Rotors mit seinen zahlreichen Wicklungen ist<br />
dessen Maximaldrehzahl begrenzt. Dies hat<br />
zur Folge, dass die Übersetzung von der Kurbelwelle<br />
zur Gleichstromlichtmaschine so<br />
ausgelegt werden muss, dass deren maximal<br />
zulässige Drehzahl nicht überschritten werden<br />
kann. Daher liefern Gleichstromlichtmaschinen<br />
meist erst dann ausreichend Strom, wenn der<br />
Motor bei Reiseflugdrehzahl betrieben wird.<br />
Läuft der Motor im Leerlauf oder bei relativ<br />
niedriger Drehzahl, wird die Bordelektrik nur<br />
durch die Batterie versorgt. Wechsel- beziehungsweise<br />
Drehstromlichtmaschinen produzieren<br />
dagegen meist schon bei Leerlaufdrehzahl<br />
genügend Strom, damit die Batterie<br />
nicht entladen wird.<br />
Der Laderegler schützt<br />
Batterie und Lichtmaschine<br />
Eines haben Gleichstrom- und Wechselstromlichtmaschinen<br />
gemeinsam: Die Spannung<br />
des Bordnetzes wird auf die gleiche Art geregelt.<br />
Würde man dies nicht tun, würde sie<br />
über die maximal zulässige Batteriespannung<br />
ansteigen, sobald die Batterie vollständig<br />
aufgeladen ist. Die Zerstörung des Akkus<br />
wäre nur eine Frage der Zeit. Um dies zu vermeiden,<br />
wird die Lichtmaschine abgeschaltet,<br />
sobald die Maximalspannung der Batterie<br />
erreicht ist. Hier unterscheiden sich Gleichund<br />
Wechselstromlichtmaschinen nicht voneinander,<br />
denn bei beiden Systemen wird die<br />
magnetfeld- beziehungsweise erregerfelderzeugende<br />
Wicklung der Lichtmaschine<br />
abgeschaltet. Sobald die Batteriespannung<br />
abgesunken ist, schaltet der Lichtmaschinenregler<br />
die Erregerwicklung wieder ein, dieser<br />
Vorgang wiederholt sich viele hundert Mal<br />
pro Sekunde. Mitunter kann man dieses schnelle<br />
Ein- und Ausschalten als gurgelndes Geräusch<br />
im Headset hören.<br />
Da die ursprünglichen Regler der Gleichstromlichtmaschinen<br />
noch ohne Elektronik auskom-<br />
70 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Ältere Gleichstromlichtmaschinen<br />
haben häufig noch relaisgesteuerte<br />
Strom- und Spannungsregler.<br />
men mussten, bestanden sie aus mehreren<br />
Relais. Eins dieser Relais unterbricht den<br />
Erregerstromkreis, sobald die Maximalspannung<br />
der Batterie erreicht wird; ein weiteres<br />
Relais trennt die Lichtmaschine vom Bordnetz,<br />
sobald die von der Lichtmaschine produzierte<br />
Spannung zu gering ist. So ist sichergestellt,<br />
dass die Batterie nicht durch die Lichtmaschine<br />
entladen werden kann. Das dritte Relais<br />
des Reglers verringert die Stromproduktion,<br />
sobald der maximal zulässige Ladestrom überschritten<br />
wird, um die Lichtmaschine vor<br />
einem Schaden durch Überhitzung zu schützen.<br />
Die Relais von Spannungs- und Stromregelung<br />
werden über einstellbare Kontaktabstände<br />
justiert. Da diese sich durch Abbrennen<br />
der Kontakte zunehmend vergrößern,<br />
müssen sie regelmäßig kontrolliert, nachgestellt<br />
und gereinigt werden. Heute dominieren<br />
elektronische Regler. Sie sind, wie auch die<br />
Regler für Wechselstromlichtmaschinen, völlig<br />
wartungsfrei.<br />
Die Regler von Wechselstromlichtmaschinen<br />
haben meist nur eine Spannungsregelung. Die<br />
Abschaltung der Lichtmaschine bei niedrigen<br />
Drehzahlen ist nicht erforderlich, da sie keinen<br />
Strom aus der Batterie entnehmen und verbrauchen<br />
kann. Dies wird von dem eingebauten<br />
Gleichrichter verhindert. Auch eine Strombegrenzung<br />
ist bei Wechselstromlichtmaschinen<br />
nicht erforderlich, da sie so robust sind,<br />
dass sie auch bei maximal möglicher Stromproduktion<br />
nicht überhitzen und Schaden<br />
nehmen können. Zusätzlich verfügen die<br />
meisten Lichtmaschinenregler noch über die<br />
Möglichkeit, eine Warnleuchte anzuschließen,<br />
die im Störfall einen Fehler signalisiert. In<br />
vielen Flugzeugen ist zusätzlich noch eine<br />
weitere Warnleuchte verbaut, die bei zu niedriger<br />
Batteriespannung aufleuchtet.<br />
Dennoch haben Drehstromlichtmaschinen<br />
nicht nur Vorteile. So benötigt eine Drehstromlichtmaschine<br />
eine funktionierende Batterie,<br />
um überhaupt Strom erzeugen zu können. Ist<br />
die Batterie völlig entladen, dann kann das<br />
Erregerfeld nicht aufgebaut werden, und die<br />
Stromproduktion bleibt aus. Die Gleichstromlichtmaschine<br />
ist hingegen durch vorhandenen<br />
Restmagnetismus „selbsterregend“ und kann<br />
daher sogar eine völlig entladene Batterie<br />
wieder aufladen. Ein neuer Gleichstromgenerator<br />
muss daher nach dem ersten Einbau<br />
zuerst „polarisiert“ werden, damit er auch<br />
die richtige Polarität erzeugt. Dies erfolgt durch<br />
eine kurzzeitige Verbindung der stromerzeugenden<br />
beziehungsweise erregerfelderzeugenden<br />
Wicklung der Lichtmaschine mit dem<br />
positiven Batteriepol, je nach Bauart der<br />
Gleichstromlichtmaschine. Auch ist die Fehlersuche<br />
an einer Gleichstromlichtmaschine<br />
durch die Selbsterregung vereinfacht. Man<br />
kann sie ausbauen und dann auf der Werkbank<br />
mit relativ einfachen Mitteln testen. Schließlich<br />
muss sie nur angetrieben werden, um<br />
eine messbare Spannung zu erzeugen.<br />
Gleichstromlichtmaschinen fast<br />
nur noch bei Oldtimern<br />
Die Vorteile von Wechselstromlichtmaschinen<br />
bestehen darin, dass sie bei gleicher Leistung<br />
deutlich leichter sind, einen geringen Wartungsaufwand<br />
haben und dass sie schon bei<br />
niedrigen Drehzahlen Strom produzieren.<br />
Weiterhin erzeugen sie einen sehr gleichförmigen<br />
Strom mit geringer Restwelligkeit,<br />
sodass die hörbaren Störungen über Funk und<br />
Headsets minimiert sind. Da die Vorteile der<br />
Wechselstromlichtmaschinen überwiegen,<br />
findet man die Gleichstromlichtmaschine<br />
praktisch nur noch in sehr alten Flugzeugen<br />
und Oldtimern.<br />
Ein besonderer Fall ist der Rotax 912, der mit<br />
einer am hinteren Kurbelwellenausgang angebrachten<br />
Wechselstromlichtmaschine daherkommt.<br />
Zusätzlich kann noch eine konventionelle<br />
Lichtmaschine vorn am Motor<br />
mittels Keilriemen angetrieben werden. Der<br />
hinten angebrachte Alternator hat im Vergleich<br />
zu den zuvor beschriebenen Lichtmaschinen<br />
jedoch keine Erregerwicklung, sondern wird<br />
durch Dauermagnete erregt. Daher kann die<br />
Regelung der Lichtmaschine nicht durch Abund<br />
Anschalten des Erregerfeldes erfolgen,<br />
der Lichtmaschinenausgang muss vom Bordnetz<br />
getrennt werden, sobald die maximale<br />
Spannung überschritten wird. Der Regler<br />
einer Rotax-Lichtmaschine muss daher verhältnismäßig<br />
hohe Ströme schalten. So kommt<br />
es bei dem verwendeten Lichtmaschinenregler<br />
gelegentlich zu Ausfällen, vor allem im<br />
Hochsommer. Ein Vorteil der Rotax-Lichtmaschine<br />
ist, dass sie, wie die Gleichstromlichtmaschine,<br />
auch ohne anliegende Batteriespannung<br />
mit ihrer Arbeit beginnt und dass sie<br />
durch das Fehlen von Kohlen und Schleifringen<br />
völlig wartungsfrei ist.<br />
[ Autor Mark Juhrig<br />
... fand mit dem Modellflug<br />
den Einstieg in die<br />
Fliegerei. Heute ist er in<br />
Cockpits von Motorflugzeugen<br />
ebenso<br />
zu Hause wie in denen<br />
von Motorseglern und<br />
ULs. Das Interesse<br />
des Elektroingenieurs gilt insbesondere der<br />
Flugzeugtechnik.<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 71
[ PRAXIS Juli <strong>2016</strong> ]<br />
Beim Einsatz von Reinigungsmitteln ist zu beachten,<br />
dass sie nicht zu feucht und nicht aggressiv sind.<br />
DER<br />
EXPERTEN-<br />
TIPP<br />
Innenraum-Pflege<br />
0X <strong>07</strong><br />
Torsten Matz<br />
Leder ist bei guter Pflege langlebig. Beschädigte<br />
Innenverkleidungen sind häufig ein Fall für<br />
den Profi, da Reparaturen kaum möglich sind<br />
und der Tausch aufwendig ist.<br />
Der Zustand der Innenverkleidungen<br />
eines Flugzeuges fällt beim ersten Blick<br />
in die Kabine ins Auge. Neben der<br />
Erscheinung der äußeren Lackierung sind sie<br />
erheblich für den ersten Eindruck, den das<br />
Flugzeug auf Außenstehende macht. Da unsere<br />
Maschinen der General Aviation oft schon<br />
mehrere Jahrzehnte alt sind, findet man manchmal<br />
ein sehr verbrauchtes Interieur vor.<br />
Als Materialien sieht man innen an den Seiten<br />
und am Himmel oft relativ leichte, eingefärbte<br />
Kunststoff-Formteile (beispielsweise bei<br />
älteren Cessna- und Piper-Flugzeugen) sowie<br />
Plastikteile, die mit Leder, Alcantara oder Stoff<br />
bezogen sind. Weiterhin gibt es Verkleidungsteile<br />
aus einem pappeähnlichen Grundmaterial,<br />
aus Wabenmaterial oder gar Aluminium.<br />
Der Himmel kann fast genauso aufgebaut sein<br />
wie in manchen Autos, also aus Bügeln mit<br />
darüber gespanntem Gewebematerial. Auf<br />
dem Boden finden sich fast ausschließlich<br />
Teppiche in verschiedenen Ausführungen,<br />
manchmal einige Dezimeter an den Seiten<br />
hochgezogen. Die Sitze werden üblicherweise<br />
mit Leder oder Stoff bezogen.<br />
An Alterungserscheinungen findet man oft<br />
Gebrauchsspuren wie beispielsweise abgeschliffenes<br />
oder gebrochenes Leder der Sitze.<br />
Die Teppiche können abgetreten oder stark<br />
verschmutzt sein. Die Reinigung und Pflege<br />
unterscheidet sich hier kaum von den üblichen<br />
Verfahren in der Kfz-Branche. Das Leder lässt<br />
sich vom handwerklich etwas begabten Piloten<br />
mit entsprechenden, möglichst hochwertigen<br />
Pflegemitteln lange geschmeidig halten.<br />
Die Farbe auf dem Leder behält ihren Glanz<br />
länger und bricht nicht so schnell, wenn sie<br />
gepflegt wird. Kleinere Verschmutzungen auf<br />
Stoffoberflächen oder Alcantara können ebenfalls<br />
mit herkömmlichen Mitteln entfernt werden.<br />
Die Verwendung von Cockpitspray oder<br />
ähnlichem zur Reinigung von glatten Verkleidungen<br />
im Flugzeug ist fragwürdig, da Sprühnebel<br />
unbemerkt auf die Scheiben gelangen<br />
und die Sicht verschlechtern kann. Für das<br />
Panel mit Avionik und Bildschirmen können<br />
spezielle Tücher genutzt werden. Es gibt dafür<br />
sogar luftfahrtzugelassene „Cleaning Wipes<br />
for Aerospace Instruments and In-flight Entertainment<br />
Systems“.<br />
Manche Flugzeughersteller geben in ihren<br />
Maintenance Manuals aber spezielle Hinweise.<br />
So sollen beispielsweise nur luftfahrtzugelassene<br />
Mittel verwendet werden. Korrosion<br />
spielt hier natürlich eine Rolle, also<br />
Vorsicht beim Umgang mit Reinigern im Flugzeug.<br />
Das gilt vor allem für besonders nasse<br />
Teppichreiniger, die auch nach dem Absaugen<br />
viel Nässe im Stoff hinterlassen.<br />
Seitenverkleidungen und Himmel leiden häufig<br />
sehr unter der Sonneneinstrahlung. Es<br />
können sich aus dem Kunststoff Bestandteile<br />
wie Weichmacher lösen, was Farbänderungen<br />
wie Ausbleichen und Vergilben oder Verspröden<br />
bis hin zu Rissen und Brüchen verursachen<br />
kann. Derart brüchige Kunststoffverkleidungen<br />
sind schwierig auf Dauer zu reparieren.<br />
So kann es sein, dass das Teil beim Einbau<br />
schon wieder neben der Reparaturstelle bricht.<br />
Deswegen ist es meist sinnvoller, die Teile<br />
zu erneuern. Der Aufwand dafür sollte aber<br />
nicht unterschätzt werden. Oft sind die gelieferten<br />
Formteile (auch vom Originalhersteller<br />
des Flugzeugs!) tatsächlich Rohlinge, die<br />
erst in langwieriger Kleinarbeit angepasst<br />
werden müssen. Es lohnt sich hier, einen erfahrenen<br />
Fachbetrieb zu konsultieren. Verzogene<br />
und eventuell feucht gewordene, halb<br />
aufgelöste Pappverkleidungen sind kaum zu<br />
reparieren, sie müssen erneuert werden.<br />
Anstelle aufwendiger Reinigung der alten,<br />
teils unmodernen Innenausstattung, kann man<br />
auch über eine Überholung oder Erneuerung<br />
mit gleichzeitiger optischer Aufwertung nachdenken.<br />
Es können beispielsweise die verschlissenen<br />
und durchgesessenen Sitze mit<br />
neuem Schaum und Bezug in modernem Glanz<br />
erstrahlen. Ebenso lassen sich unschöne, aber<br />
intakte Verkleidungen mit modernen Materialien<br />
beziehen. Das Gleiche gilt für die Teppiche.<br />
Aber Vorsicht ist geboten: Auch die<br />
Innenausstattung muss nach den gleichen<br />
technischen Standards gewartet werden wie<br />
der Rest des Flugzeugs. Es gibt bei unseren<br />
Maschinen sicherlich Unterschiede in der<br />
Beurteilung mancher Arbeiten je nach Art und<br />
Staat der Registrierung der Maschine. Bei den<br />
meist EASA- oder US-zugelassenen Fliegern<br />
kann man aber einige grundsätzliche Übereinstimmungen<br />
diesbezüglich feststellen.<br />
Eine Überholung des Interieurs ist eine Reparatur<br />
bei Verwendung originaler Materialien.<br />
Werden andere, wahrscheinlich modernere<br />
und schönere Materialien benutzt, müssen<br />
diese dafür geeignet und zugelassen sein.<br />
Erwähnt sei hier nur der Brandtest aller Materialien<br />
im Verbund, also Schaum, Unterlage,<br />
Leder und Garn.<br />
[<br />
Autor Torsten Matz<br />
... ist Technischer Leiter<br />
beim Porta Air Service<br />
in Porta Westfalica.<br />
Er hat viele Jahre<br />
Er fahrung in der Wartung<br />
von Flugzeugen<br />
der Allgemeinen Luftfahrt<br />
und ist lizenziert<br />
von der EASA (B1) und der amerikanischen<br />
Luftfahrtbehörde FAA als A&P.<br />
72 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
Fotos: Torsten Matz
Nice to have<br />
Ob praktische Helferlein für<br />
den Flugbetrieb oder schicke<br />
Accessoires für den Einsatz<br />
abseits des Flugfeldes: Der<br />
<strong>aerokurier</strong> hat sich umgeschaut,<br />
wofür man als Pilot<br />
sein Geld ausgeben kann.<br />
1 Treibstoff für den Feierabend<br />
Das Grinsen der Vereinskameraden dürfte<br />
garantiert sein, wenn man am Abend nach<br />
einem langen Flugtag zu einem besonderen<br />
Bierchen einlädt. Ob diverse Jet-Fuels oder<br />
Avgas 100LL – für so ziemlich jeden Durst ist<br />
hier das Passende dabei. Aber Vorsicht: Nach<br />
dem Tankvorgang möglichst nicht mehr ins<br />
eigene Cockpit steigen, vor allem dann, wenn<br />
eine größere Menge „Kraftstoff“ eingefüllt<br />
wurde. 15 Flaschen in stilechter Kiste kosten<br />
20,90 Euro. www.flugzeugmöbel.de<br />
1<br />
4<br />
4 Löschflugzeug<br />
Nicht dass wir Piloten zu übermäßigem Alkoholkonsum<br />
anhalten wollen, aber gegen ein<br />
gepflegtes Gläschen Wein zum guten Essen ist<br />
ja nun wirklich nichts einzuwenden. Umso<br />
besser, wenn man die Flasche stilecht mit dem<br />
passenden Korkenzieher öffnen kann. Das edle<br />
Chrom-Accessoire kostet 29,90 Euro.<br />
www.skyfox.de<br />
2 Peppiges Zeiteisen<br />
Darf eine Fliegeruhr flott aussehen?<br />
Ja! Darf eine Fliegeruhr ein Quarzwerk<br />
haben? Sicher! Muss eine Fliegeruhr<br />
tausende Euro Kosten? Schwachsinn!<br />
Bei der Pop-Pilot vereinen sich die<br />
gute Ablesbarkeit der klassischen<br />
Fliegeruhr mit einem modernen<br />
Design. Hinter dem Hersteller Zeitgeber<br />
steht die Hamburger Maßuhrenmanufaktur<br />
Fischer & Cie, die<br />
Qualität dürfte also auch stimmen.<br />
Die Uhren gibt es ab 129 Euro.<br />
www.pop-pilot.com<br />
2<br />
3 Erdanker für die Wiese<br />
In Zeiten des gefühlt immer extremer<br />
werdenden Wetters ist es mitunter nötig,<br />
sein Flugzeug fest im Boden zu verankern.<br />
Während klassische Einschlagheringe<br />
sich bei Bewegungen mit der Zeit<br />
lockern, sollen die Peggy-Peg-Schraubheringe<br />
dies verhindern. Das<br />
breite Gewinde bietet auch in<br />
weichen Böden Halt. Ein Set<br />
kostet 44,95 Euro.<br />
www.sky.peggypeg.eu<br />
3<br />
5 Edler Informationsorganizer<br />
Wenn Tablet, Karten und Notizen mal wieder<br />
durchs Cockpit flattern, wünscht man sich<br />
einen Organizer, der die Informationsflut<br />
bändigt. Das Luxus-Kniebrett air Tablet Control<br />
überzeugt mit durchdachten Details, einer<br />
hochwertigen Verarbeitung und der Möglichkeit,<br />
es individuell gestalten zu lassen. Zu<br />
haben ist es ab 299 Euro.<br />
www.air-tc.de<br />
5<br />
Fotos: Peggy Peg, Pop-Pilot, air-tc, Skyfox, Flugzeugmoebel<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 73
[ PRAXIS Juli <strong>2016</strong> ]<br />
Der stark verbogene Propeller zeugt von der Kraft,<br />
die beim Aufprall auf das Wasser gewirkt hat.<br />
Unfallanalyse<br />
In der Nacht ins Meer<br />
Ein Pilot startet mit einer TB 9 von Heringsdorf aus zu einem<br />
Nachtflug. Die Bedingungen: schwierig. Sein Übungsstand:<br />
schlecht. Kurz nach dem Start stürzt das Flugzeug ins Meer.<br />
Der 58-jährige Luftfahrzeugführer startete<br />
um 18:57 Uhr auf der Piste 10 am<br />
Flughafen Heringsdorf auf Usedom zu<br />
einem Flug nach Sichtflugregeln bei Nacht,<br />
der maximal 30 Minuten dauern sollte. Bereits<br />
beim Rollen scheint es ein Problem zu geben,<br />
denn der Pilot informiert den Tower über das<br />
Aufleuchten der Öldruck-Kontrollleuchte, ergänzt<br />
aber, dass der Öldruck in Ordnung sei.<br />
25 Minuten nach dem Start erkundigte sich<br />
der Lotse mehrfach nach der Position der Socata.<br />
Da kein Funkkontakt hergestellt werden<br />
konnte, wurde Radarunterstützung der Flugsicherungsstelle<br />
in Bremen in Anspruch genommen.<br />
Sie konnte aber kein fliegendes Ziel<br />
nahe Heringsdorf finden. Unmittelbar danach<br />
wurde der Rettungsdienst alarmiert, der in<br />
der Nacht und am nächsten Tag das Haff südlich<br />
von Heringsdorf absuchte. Am Folgetag<br />
wurden bei Tageslicht Teile des Wracks innerhalb<br />
der Südplatzrunde entdeckt. Unmittelbar<br />
danach wurde der tote Pilot geborgen.<br />
Laut Flugleiter hatte sich der Pilot bereits am<br />
Nachmittag nach dem Wetter für sein Nachtflugvorhaben<br />
erkundigt. Zeugen berichteten,<br />
dass eine halbe Stunde vor dem Start der TB 9<br />
die Wolkenuntergrenze 150 bis 200 Meter<br />
betragen habe, der Wetterbericht stützt diese<br />
Angabe. Hier ist laut BFU-Unfallbericht von<br />
5/8 bis 7/8 Cumulus in einer Höhe von 800<br />
Fuß die Rede. Insgesamt waren die Sichtverhältnisse<br />
laut mehrerer Zeugen schlecht.<br />
Wenig Nachtflugerfahrung,<br />
die auch noch lange her ist .<br />
Der Pilot war seit 1993 im Besitz des PPL(A)<br />
mit Berechtigung als verantwortlicher Pilot<br />
für einmotorige Kolbenmotorflugzeuge. Ferner<br />
verfügte er über eine 1999 erworbene Nachtflugqualifikation.<br />
Sein flugmedizinisches<br />
Tauglichkeitszeugnis Klasse 2 war gültig mit<br />
der Auflage, eine Brille zu tragen. Die Gesamtflugerfahrung<br />
betrug 948 Starts mit 337<br />
Stunden. Sein persönliches Flugbuch weist<br />
für die letzten zwölf Monate vor dem Unfall<br />
gut fünf Stunden mit insgesamt 13 Landungen<br />
als PIC aus, davon zwei Stunden und 43 Minuten<br />
mit sechs Landungen für die letzten 90<br />
Tage. In den Jahren 2013 und 2012 hatte der<br />
Pilot insgesamt 29 Starts und 20 Flugstunden<br />
absolviert; am 11. Dezember 2012 war eine<br />
Befähigungsüberprüfung zur Verlängerung<br />
der Klassenberechtigung erfolgt. Seine Nachtflugerfahrung<br />
betrug 13:38 Stunden. Die letzten<br />
im Flugbuch dokumentierten Nachtflüge<br />
stammen allerdings aus dem Jahr 2006 und<br />
waren laut Einschätzung der BFU angesichts<br />
von Flugzeiten zwischen spätem Nachmittag<br />
und frühem Abend nicht plausibel. Start- und<br />
Zielort war jeweils Heringsdorf.<br />
Die Experten der BFU konnten keine Hinweise<br />
darauf finden, dass ein technischer Defekt<br />
am Flugzeug den Absturz verursacht haben<br />
könnte. Die Socata war ordnungsgemäß zugelassen<br />
und nachgeprüft, Masse und Schwerpunkt<br />
lagen im zulässigen Bereich. Vielmehr<br />
vermutet die Behörde Pilotenfehler als Unglücksursache.<br />
Der Luftfahrzeugführer hatte<br />
zwar formal die erforderliche Lizenz zur Durchführung<br />
des Fluges und eine insgesamt ausreichende<br />
Erfahrung auf dem Muster. Allerdings<br />
sei sein Übungsstand – allgemein und in<br />
Bezug auf das Nachtflugvorhaben – als äußerst<br />
kritisch zu bewerten. So lag der letzte Nachtflug<br />
bei einer Nachtflugpraxis von insgesamt<br />
knapp 14 Stunden schon neun Jahre zurück!<br />
Nachtflüge erfordern laut BFU ein überdurchschnittliches<br />
Maß an fliegerischen Fertigkeiten,<br />
Routine und Aufmerksamkeit. Die Frage<br />
des Piloten an den Flugleiter während des<br />
Rollens zum Start bezüglich einer rot aufleuchtenden<br />
Warnleuchte lasse zudem Defizite<br />
hinsichtlich seiner Systemkenntnisse erkennen.<br />
Unabhängig von den persönlichen Voraussetzungen<br />
des Piloten sei auch das Wetter für<br />
74 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Taucher bergen die Wrackteile aus dem rund<br />
1,20 Meter tiefen Wasser des Oderhaffs.<br />
Die Unfallstelle befindet sich rund 600 Meter südlich des Ufers. Der Großteil<br />
der Wrackteile lag in einem Umkreis von 10 Metern um den Rumpf.<br />
Fotos: BFU<br />
den geplanten Nachtflug nach Sichtflugregeln<br />
wegen der niedrigen Wolkenuntergrenzen<br />
sowie der schlechten Sicht mit Nebelschwaden<br />
in der Umgebung von Heringsdorf ungeeignet<br />
gewesen. Hinzu kommen die für den<br />
Sichtflug kaum vorhandenen Referenzen über<br />
dem Haff, beispielsweise beleuchtete Siedlungen.<br />
Die dichten, niedrigen Wolken dürften<br />
zudem den Sternenhimmel als weitere Referenz<br />
nahezu vollständig bedeckt haben.<br />
Der Rumpf wurde nach Süden ausgerichtet<br />
gefunden, das Cockpit war<br />
zerstört. Der Pilot hatte keine Chance.<br />
Aufgrund fehlender Flugspuren und Zeitangaben<br />
war eine Rekonstruktion von Flugweg<br />
und -dauer nicht möglich. Aus den vorliegenden<br />
Fakten rekonstruierte die BFU das Unfallgeschehen<br />
derart, dass der Pilot innerhalb der<br />
Platzrunde zu einem unbestimmten Zeitpunkt<br />
die Orientierung aufgrund fehlender Referenzen<br />
verloren haben muss. Weiterhin sei davon<br />
auszugehen, dass dem Orientierungsverlust<br />
ein Kontrollverlust aufgrund einer räumlichen<br />
Desorientierung oder des Einflugs in Wolken<br />
folgte. Zusätzlich könnten Probleme mit der<br />
Kraftstoffversorgung während des Fluges nicht<br />
ausgeschlossen werden, da die Sichtung der<br />
letzten Betankungsnotizen und Flugzeiten<br />
eine Flugdauer von maximal 135 Minuten<br />
inklusive Reserve ergaben und so eventuell<br />
ein Tank leergeflogen worden war.<br />
Zustand und Verteilung der Wrackteile im Haff<br />
ließen auf eine sehr hohe Geschwindigkeit<br />
und erhebliche Überlastung der Flugzeugstruktur<br />
schließen. Als Folge der Überlastung<br />
sei von einem Ablösen der äußeren Tragflächensegmente<br />
während des Fluges sowie von<br />
einem Bruch der linken Tragfläche kurz vor<br />
oder beim Aufschlag auf die Wasseroberfläche<br />
auszugehen. Nach dem Zustand des Propellers<br />
und den Anzeigen der Instrumente zu urteilen,<br />
lief das Triebwerk beim Aufprall unter<br />
Last. Bei einem Kontrollverlust während des<br />
Steigfluges beziehungsweise mit reduzierter<br />
Leistung oder einer niedrigen Flughöhe in<br />
der Platzrunde wären eine andere Verteilung<br />
der Wrackteile und ein anderes Schadensbild<br />
zu erwarten gewesen.<br />
Die BFU kommt zu dem Schluss, dass der Unfall<br />
sehr wahrscheinlich darauf zurückzuführen<br />
ist, dass der Pilot die Orientierung und<br />
Kontrolle über das Luftfahrzeug verlor und<br />
es nachfolgend auf die Wasseroberfläche<br />
prallte. Ein genereller Verzicht auf das Flugvorhaben<br />
oder die Mitnahme eines Fluglehrers<br />
zur Wiedereingewöhnung in den Nachtflug<br />
bei geeigneten Bedingungen hätten den Unfall<br />
möglicherweise verhindern können.<br />
Lars Reinhold/BFU<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 75
[ SEGELFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
D-36 Circe<br />
DIE<br />
Sie war das erste<br />
Flugzeug der Akaflieg<br />
Darmstadt in der Anfang<br />
der 1960er Jahre<br />
beginnenden Ära der<br />
Faserverbundbauweise:<br />
die D-36 Circe.<br />
Mit ihr gelang den<br />
Studenten eine<br />
Schönheit, die den<br />
weiteren Segelflugzeugbau<br />
wesentlich<br />
beeinflusste.<br />
AUTOR: Egon-Manfred Paech<br />
76 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
SCHÖNE<br />
Foto: Holger Weitzel<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 77
[ SEGELFLIEGEN Flugzeugreport ]<br />
Heute Museumsstück:<br />
die D-36 V2. Die einteilige<br />
Haube und die Winglets<br />
erhielt sie später.<br />
Aus den Erstflugtagen:<br />
Die D-36 der Akaflieg<br />
Darmstadt in der neuen<br />
Faserverbundbauweise.<br />
Sowohl die D-36 Circe<br />
als auch die BS 1 von<br />
Björn Stender galten<br />
als die leistungsfähigsten<br />
Segel flugzeuge zu ihrer<br />
Zeit. Beide Muster wurden<br />
von der DFVLR vermessen.<br />
Fotos: Eqip Verlag, Paech<br />
D-36 Circe BS 1<br />
Spannweite 17,80 m 18,00 m<br />
Länge 7,35 m 7,50 m<br />
Flügelfläche 12,8 m² 14,2 m²<br />
Flächenbelastung 32 kg/m² 31,6 – 35,2 kg/m²<br />
Flügelstreckung 24,8 22,8<br />
Profil innen FX 62 – 131K Eppler 348 K<br />
Profil außen FX 60 – 126 –<br />
bestes Gleiten 44 bei 87 km/h 44 bei 91 km/h<br />
geringstes Sinken 0,53 m/s bei 82 km/h 0,56 m/s bei 83 km/h<br />
Mindestgeschwindigkeit 65 km/h 65 km/h<br />
Rüstmasse 285 kg 310 kg<br />
Flugmasse 410 kg 450 kg (mit 500 kg Ballast)<br />
Das zweite Exemplar (V 2)<br />
dieser Superorchidee aus<br />
den Anfängen der Faserverbundbauweise<br />
steht<br />
heute neben einer ASW 12, ihrer Weiterentwicklung,<br />
im Segelflugmuseum<br />
auf der Wasserkuppe. Sie ist das<br />
Werk einer Generation von Konstrukteuren,<br />
die die Entwicklung des Segelflugzeugbaus<br />
ganz wesentlich<br />
geprägt haben: Heiko Frieß, Wolf<br />
Lemke, Gerhard Waibel und Klaus<br />
Holighaus.<br />
Glasfaserverstärkter Kunststoff,<br />
kurz GFK, wurde in den 1960er Jahren<br />
zum Werkstoff der Zukunft. Ein<br />
Material für extrem glatte Oberflächen,<br />
beliebig formbar und maßhaltig. Ideal<br />
für die Herstellung von Laminarprofilen.<br />
Dass mit dem neuen Werkstoff<br />
zugleich eine neue Generation<br />
von Laminarprofilen nutzbar wurde,<br />
bescherte dem Segelflug vor 50 Jahren<br />
einen Leistungssprung, der sich<br />
auch in der D-36 vollzog.<br />
Karl-Heinz Hinz, Werkstattleiter<br />
der Akaflieg Darmstadt, schreibt in<br />
seinen Lebenserinnerungen zur Entstehungsgeschichte<br />
der D-36: „Der<br />
Bau der D-35 artete immer mehr in<br />
Gammelei aus. Es klappte einfach<br />
nicht. Das Ergebnis […] die D-35<br />
(wurde) aufgegeben.“ Allerdings<br />
waren damit Zeit, Platz und Kapazität<br />
geschaffen für ein neues Projekt:<br />
die D-36 Circe.<br />
Mit diesem Projekt starteten zugleich<br />
vier Studenten der Akaflieg<br />
Darmstadt ihre einmalige Karriere im<br />
Segelflugzeugbau. Gerhard Waibel,<br />
Klaus Holighaus, Wolf Lemke und<br />
Heiko Frieß reizten die Aerodynamik<br />
und Bauweise mit GFK voll aus, schufen<br />
mit der D-36 Circe eine Superorchidee<br />
des aufziehenden Kunststoff-<br />
Zeitalters.<br />
Ursprünglich sollte die D-36 ein<br />
Flugzeug der Standardklasse mit einer<br />
Spannweite von 15 Metern werden.<br />
Das änderte sich noch in der<br />
Planungsphase. Gerhard Waibel und<br />
Wolf Lemke besuchten, begleitet von<br />
Karl-Heinz Hinz, den Flugzeugbau<br />
Stender. Dort entstand gerade die BS<br />
1 mit einer Spannweite von 18 Metern.<br />
Der Eindruck war nachhaltig. Während<br />
der Rückfahrt entschieden die Darmstädter,<br />
die Spannweite der D-36 in<br />
Richtung 18 Meter zu vergrößern. Mehr<br />
war aufgrund der beengten Verhältnisse<br />
der Werkstatt nicht möglich.<br />
Wegen der vergrößerten Spannweite<br />
musste später die Rohbaumontage<br />
draußen vor der Werkstatt auf<br />
dem Opernplatz erfolgen. Das war<br />
am 2. Januar 1964. Es war ein extrem<br />
kalter Winter. Das Einstellen der Ruder<br />
mit Änderungen dauerte Stunden.<br />
Als die Finger vor Kälte steifgefroren<br />
waren, wurden die Arbeiten abgebrochen<br />
und am nächsten Tag fortgesetzt.<br />
Die Arbeiten waren aufgeteilt:<br />
Gerhard Waibel übernahm die Konstruktion<br />
von Rumpf und Leitwerk,<br />
Wolf Lemke den Flügel und Heiko<br />
Frieß die Störklappen, eine komplizierte<br />
Sache bei dem flexiblen Flügel<br />
– daher auch der Spitzname „Gummiflieger“.<br />
Am 28. März 1964 brachte<br />
Wolf Lemke auf dem Flugplatz von<br />
Gelnhausen die Circe zum ersten Mal<br />
in die Luft.<br />
Bei der Flugerprobung wurden<br />
Flattererscheinungen beobachtet,<br />
ausgelöst durch das Höhenruder.<br />
Dieses Problem zu lösen, dafür war<br />
der in dieser Phase zur Gruppe gestoßene<br />
Klaus Holighaus prädestiniert.<br />
Seine zweite Studienarbeit hatte den<br />
Titel: „Die Berechnung und Konstruktion<br />
der Leitwerke des Flugzeuges<br />
D-36“. Mit einem neu gestalteten<br />
Höhenleitwerk geringerer Pfeilung<br />
und ohne Massenausgleich beseitigte<br />
er die Flatterneigung.<br />
Die D-36 war zuerst einmal für den<br />
Leistungssegelflug gedacht. Ebenso<br />
war sie ein Experimental- und Forschungsprojekt.<br />
Man bewegte sich<br />
ja auf Neuland. Aerodynamik, Form<br />
78 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
und Konstruktionsprinzipien waren<br />
von dem neuen Material bestimmt.<br />
Die Möglichkeiten, die die glatten<br />
GFK-Flächen boten, konnten jetzt<br />
durch Profile mit langer laminarer<br />
Laufstrecke ausgenutzt werden. Professor<br />
Franz Xaver Wortmann schuf<br />
speziell für die D-36 die Profile FX<br />
62-K-131 innen und FX 60-126 außen.<br />
Das Klappenprofil findet sich auch in<br />
späteren Konstruktionen von Gerhard<br />
Waibel und Mustern der Braunschweiger<br />
Akaflieg wie SB 8, SB 9 und der<br />
Superorchidee SB 10 wieder.<br />
Der Flügelgrundriss der D-36 wurde<br />
über ein Doppeltrapez leicht elliptisch<br />
geformt. Für ein gutmütiges<br />
Langsamflug- und Abreißverhalten<br />
wurde der Flügel um drei Grad linear<br />
geometrisch geschränkt. Zusätzlich<br />
erlaubt eine mit der Klappenstellung<br />
veränderliche Differenzierung der<br />
Querruder eine durchgehende Steuerung<br />
im Langsamflug. Für die Steuerung<br />
des Landeanflugs gibt es<br />
Schempp-Hirth-Bremsklappen.<br />
Von der fast zeitgleich entstandenen<br />
BS 1 hebt sich die Circe durch<br />
einen ab der Tragflügelhinterkante<br />
deutlich eingeschnürten Rumpf ab.<br />
Diese Maßnahme zur Reduzierung<br />
des Widerstandes findet sich später<br />
in allen Faserverbundkonstruktionenwieder.<br />
Eigenschafts- und leistungsmäßig<br />
galt die D-36 als gelungen. Sie war<br />
angenehm zu fliegen. Für einen Kurvenwechsel<br />
von 45 Grad zu 45 Grad<br />
Schräglage wurden fünf Sekunden<br />
benötigt. Die Knüppelkräfte waren<br />
gering und ausgewogen. In der Thermik<br />
konnte mit 70 bis 80 km/h gekreist<br />
werden. Mit der D-36 Circe war den<br />
Darmstädtern ein Flugzeug gelungen,<br />
das einen durchschnittlichen Piloten<br />
nicht überforderte.<br />
Während ihrer kurzen Lebensdauer<br />
wurden mit der D-36 beträchtliche<br />
Leistungen erflogen. Der damals noch<br />
wenig bekannte Gerhard Waibel gewann<br />
1964 mit ihr die Deutsche Meisterschaft<br />
in der Offenen Klasse und<br />
flog 1966 noch einmal auf Platz drei.<br />
Bei der Weltmeisterschaft 1966 flog<br />
Rolf Spänig mit der Circe auf den<br />
zweiten Platz.<br />
Viele Konstruktionsdetails der D-36<br />
werden auch in den heutigen Leistungssegelflugzeugen<br />
verwendet:<br />
die voll eingestrakte Haube, die Steuerungs-<br />
und Klappenantriebe und die<br />
Mechanik der Einziehfahrwerke.<br />
Gebaut wurden von der D-36 zwei<br />
Exemplare. Die D-36 V 1 endete als<br />
Totalschaden. Sie zerbrach 1967 wegen<br />
Überlastung in einer Wolke. Walter<br />
Schneider baute sich mit Hilfe der<br />
Akaflieg Darmstadt die D-36 V 2. Statt<br />
mit Bremsklappen war sie mit einem<br />
Bremsfallschirm ausgerüstet. Auch<br />
dieses Flugzeug kam einmal ohne<br />
den Piloten zu Boden. Bei einem Windenstart<br />
musste Walter Schneider mit<br />
dem Fallschirm aussteigen. Das Höhenruder<br />
war nicht angeschlossen<br />
gewesen. Der Schaden war aber reparabel.<br />
Die Gene der D-36 fanden später<br />
Eingang in die Flugzeuge von<br />
Schempp-Hirth, Schleicher und Rolladen-Schneider.<br />
Gerhard Waibel ging<br />
in die Rhön zum Segelflugzeugbau<br />
Alexander Schleicher. Dort entwickelte<br />
er die D-36 weiter zur ASW 12. Mit<br />
ihr eröffnete er das Kunststoff-Zeitalter<br />
bei Schleicher. Von der ASW 12<br />
wurde eine Serie von 15 Exemplaren<br />
gebaut. Wolf Lemke konstruierte bei<br />
Rolladen-Schneider die LS-Serie. Klaus<br />
Holighaus ging zu Schempp-Hirth,<br />
und Heiko Frieß schuf beim LBA die<br />
Voraussetzungen für den Bau und die<br />
Zulassung von GFK-Segelflugzeugen.<br />
Das Projekt D-36 hat über Jahrzehnte<br />
die Struktur, Fertigungstechnik<br />
und Aerodynamik des Segelflugbaus<br />
beeinflusst. Die vier Darmstädter<br />
Konstrukteure wurden später<br />
dafür mit dem OSTIV-Preis ausgezeichnet.<br />
ae<br />
Die eingestrakte Haube<br />
und die Rumpfeinschnürung<br />
wurden mit der D-36<br />
Standard im Segelflugzeugbau.<br />
Sie hatte ein<br />
Stahlrohrfachwerk für die<br />
Krafteinleitung und eine<br />
vierteilige Bremsklappe.<br />
Die Zelle entstand als<br />
GFK-Balsaholz-Sandwich.<br />
Zeichnung: Martin Simons (Segelflugzeuge 1945 - 1965, Eqip Verlag)<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 79
[ SEGELFLIEGEN Wettbewerb ]<br />
Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.<br />
Besonders schmerzlich ist das, wenn<br />
man einen Freund verloren hat. Für Karol<br />
Staryszak war das Anlass, über die Risiken<br />
des Wettbewerbsfliegens nachzudenken.<br />
SICHER FLIEGEN<br />
IN WETTBEWER<br />
80 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
BEN<br />
Wenn die Wolken so hoch über den Gipfeln<br />
stehen, ist das Gebirgsfliegen ein Spaß.<br />
Hüllen die Wolken die Gipfel ein, kann es<br />
sehr schnell sehr gefährlich werden.<br />
Ruhe vor dem Sturm. Startaufstellung<br />
vor einem neuen Wettbewerbsflug.<br />
Karol Staryszak, 2011 Europameister<br />
und 2014 Weltmeister<br />
der 18-m-Klasse,<br />
belegt in der FAI-Weltrangliste<br />
der Piloten hinter Abonnement-<br />
Weltmeister Sebastian Kawa und dem<br />
vierfachen Weltmeister der Offenen<br />
Klasse, Michael Sommer, Rang drei.<br />
Im April verlor Staryszak beim Prievidza-Wettbewerb<br />
in der Slowakei<br />
am letzten Wertungstag seinen Freund<br />
Marcin Mezyk (33. der Weltrangliste)<br />
durch einen tragischen Unfall. Bei<br />
schwierigen Wetterbedingungen war<br />
Mezyk rund 90 Kilometer südlich von<br />
Krakau im polnisch-slowakischen<br />
Grenzgebiet abgestürzt. Vier weitere<br />
Piloten kamen bei Bruchlandungen<br />
am selben Tag – der schließlich neutralisiert<br />
wurde – ohne schwere Verletzungen<br />
davon. Karol Staryszak gewann<br />
am Ende den Wettbewerb vor<br />
seinem Landsmann Kawa. Über den<br />
Sieg konnte sich der Airliner-Pilot jedoch<br />
nicht freuen. Ihn zermürbte die<br />
Frage, was für einen Sinn es ergibt,<br />
im Wettbewerb Risiken einzugehen,<br />
die das Leben kosten können. Hier<br />
die Gedanken von Karol Staryszak.<br />
„Es gibt Momente im Leben, die<br />
wir gerne ungeschehen machen würden.<br />
Aber das ist nicht möglich, wir<br />
haben keine Zeitmaschine, um den<br />
Gang der Dinge nachträglich zu beeinflussen.<br />
So ist es unmöglich, meinen<br />
Freund Marcin wieder zum Leben<br />
zu erwecken, obgleich ich alles dafür<br />
tun würde. Noch bin ich in Prievidza,<br />
aber es ist mir nicht möglich zu packen<br />
und abzureisen. Das Einzige, was mir<br />
einfällt, ist, meine quälenden Gedanken<br />
zu Papier zu bringen.<br />
Hektisch mit Stress<br />
in den Tag gestartet<br />
Der tragische Tag beginnt mit<br />
großer Nervosität. Das Briefing ist<br />
von 10 auf 9 Uhr vorgezogen. Obgleich<br />
das schon zuvor angekündigt worden<br />
war, kommt es für viele Piloten überraschend.<br />
Es wird gehetzt, um die<br />
Flugzeuge mit Wasser zu befüllen,<br />
und es kommt zur Konfusion bei der<br />
Startaufstellung. Einige Piloten werden<br />
dennoch rechtzeitig fertig.<br />
Ich selbst bin noch mit einer anderen<br />
Einstellung dabei. Ich finde,<br />
dass ein Frühstück in Ruhe wichtiger<br />
ist, und entscheide, erst einmal in<br />
Ruhe zu essen und dafür das Briefing<br />
sausen zu lassen, um mich dann um<br />
den Wasserballast zu kümmern. Aber<br />
alle Wasserstellen sind gerade besetzt,<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 81<br />
Fotos: Amelie Schuck, Holger Weitzel
[ SEGELFLIEGEN Wettbewerb ]<br />
IM TEAM FLIEGEN MIT<br />
ABSPRACHEN UND IMMER<br />
MIT EIGENEM PLAN<br />
82 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Fliegen im Team hat<br />
seine besonderen Reize.<br />
Friedliche Stimmung<br />
im Abendnebel.<br />
sodass ich doch zum Briefing gehe,<br />
mir das Aufgabenblatt hole und mich<br />
dann erst um das Tanken kümmere.<br />
Die ersten Cumuli bilden sich, und<br />
es soll tatsächlich schon um neun Uhr<br />
losgehen. Das ist zu früh für mich.<br />
Ich stelle mich hinter allen anderen<br />
an und bin mir durchaus bewusst,<br />
dass ich erst ganz zuletzt, nach dem<br />
Start aller Klassen, in die Luft kommen<br />
werde. Ein paar Minuten vor Startbeginn<br />
bin ich bereit, habe noch Gelegenheit,<br />
den Himmel zu studieren<br />
und mich zurückzulehnen. Die Piloten<br />
in der vorderen Startposition rennen<br />
zu ihren Flugzeugen.<br />
Die meiste Zeit des Flugs folge ich<br />
Sebastian Kawa. Es ist ein unglaublicher<br />
Ritt bei schwierigen Bedingungen<br />
im Hangwind. Ich bin aber zu<br />
jeder Zeit in der Reichweite von Außenlandemöglichkeiten<br />
oder kann ins<br />
Tal ausweichen. Als wir die Tatra<br />
erreichen, wird es noch schwieriger.<br />
Schneewolken verhüllen die Gipfel,<br />
an den Graten lösen sich bei böigem<br />
30-km/h-Wind sehr turbulente Aufwinde<br />
ab. Es überrascht mich nicht,<br />
dass Sebastian auf einmal davonsteigt<br />
und mich 300 Meter tiefer zurücklässt.<br />
Statt in dem turbulenten Aufwind zu<br />
bleiben, folge ich einem anderen Segelflieger<br />
den Hang entlang, rund 500<br />
Meter über Grund. Und immer noch<br />
fliege ich mit vollen Wassertanks –<br />
warum? Wir sind nur 100 Kilometer<br />
vorangekommen und haben noch 500<br />
vor uns. Einfach dumm.<br />
Auf der polnischen Seite wird das<br />
Wetter dann richtig schlecht. Ich habe<br />
jetzt ernsthafte Zweifel, voraus<br />
noch geeignete Außenlandefelder zu<br />
finden, und teile meinem Kollegen<br />
mit, dass es voraus keine Landemöglichkeit<br />
mehr gibt. Er erinnert mich<br />
daraufhin daran, dass er ja ein Klapptriebwerk<br />
habe. Für mich ein ernüchternder<br />
Moment. Ich drehe um zu<br />
einem etwas längeren, noch funktionierenden<br />
Hang und lande in einem<br />
schönen ebenen Wiesengelände –<br />
allerdings mit einem Puls von gefühlt<br />
300 Schlägen pro Minute.<br />
Ich klettere aus dem Cockpit, ich<br />
bin unbeschadet davongekommen,<br />
und mit einem Lächeln sage ich laut<br />
zu mir: „Das Leben ist schön!“ Ich<br />
bin so froh, dass dieser Flug ein so<br />
glückliches Ende gefunden hat. Ich<br />
könnte laut singen, so froh bin ich.<br />
Und ganz uneigennützig, bin ich<br />
erleichtert, als sich das Wetter bessert<br />
und ich über mir andere Segelflugzeuge<br />
steigen sehe. Es begeistert<br />
mich, dass sie noch fliegen, die Sonne<br />
scheint und sich große Cumulanten<br />
bilden. Es herrscht Stille, Vögel<br />
zwitschern, und um mich herum<br />
erstrahlen die Berge in ihrer Schönheit.<br />
Ich wandere ein wenig umher und<br />
genieße den Ausblick.<br />
Ich rufe Marcin über Funk – er<br />
würde mich mit dem Hänger abholen<br />
können –, aber er antwortet nicht.<br />
Ich denke, er ist glücklich dran, wahrscheinlich<br />
hat er die Wetterbesserung<br />
weiter zurück abgewartet, ist zurückgeflogen<br />
oder hat vielleicht den Wendepunkt<br />
umrundet und ist jetzt auf<br />
dem Rückweg.<br />
Wie dumm ist es, einfach<br />
jemandem zu folgen?<br />
Hatte ich mich bis zur Außenlandung<br />
richtig verhalten? Im Wettbewerb<br />
einfach jemandem zu folgen, bedeutet,<br />
in eine Falle zu laufen, denn wir<br />
vergessen dabei, auf uns selbst zu<br />
bauen. Dieser Jemand ist vielleicht<br />
sehr viel besser als man selbst, wie<br />
im Fall von Sebastian Kawa und mir.<br />
Er sieht vielleicht mehr, er hat seinen<br />
eigenen Plan, seine Alternativen, und<br />
man selbst setzt auf seine Hilfe. Sich<br />
darauf einzulassen ist absolut falsch!<br />
In kritischen Situationen sind wir auf<br />
uns selbst gestellt ohne jede Hilfe!<br />
Man muss deshalb immer einen eigenen<br />
Plan haben.<br />
Ein voraus oder höher fliegender<br />
Pilot hat eine ganz andere Perspektive<br />
als man selbst. Er sieht mehr,<br />
kann weiter gleiten, ist weniger gestresst<br />
und macht deshalb auch weniger<br />
Fehler. Normalerweise werden<br />
die Aufwinde mit zunehmender Höhe<br />
stärker, die Hänge funktionieren<br />
oben besser und es ist dort weniger<br />
turbulent. Wenn wir tiefer fliegen und<br />
aufholen wollen, müssten wir die<br />
Speed rausnehmen und einen guten<br />
Aufwind bis ganz oben nutzen. Wir<br />
müssten unseren Flugweg optimieren<br />
und Fehler vermeiden. An diesem<br />
unglückseligen Tag in der Tatra habe<br />
ich all das vergessen, bin Sebastian<br />
gefolgt, obgleich ich tiefer war,<br />
und das in sehr schwierigem Terrain.<br />
Oft höre ich, dass man jemandem<br />
folgt, um zu lernen. Ich denke, man<br />
kann nur lernen, indem man im Funkkontakt<br />
miteinander fliegt, die Optionen<br />
diskutiert, klärt, was zu tun ist,<br />
wenn eine Wolke oder ein Hang nicht<br />
funktionieren. Passives Nachfliegen<br />
macht dumm. Was einzig hilft, ist,<br />
die eigene Entscheidung mit der anderer<br />
zu vergleichen. Mitunter muss<br />
man die eigene Entscheidung mit<br />
einer Außenlandung bezahlen, aber<br />
manchmal kann die eigene Entscheidung<br />
auch die bessere sein. Und das<br />
bringt auch die größte Befriedigung.<br />
Auf meiner Landewiese am Fuß<br />
der Tatra hatte ich schon gewünscht,<br />
ein motorisiertes Segelflugzeug zu<br />
haben, ich wäre längst wieder in<br />
Prievidza gewesen. Heute denke ich,<br />
ich hätte es riskiert und wäre damit<br />
auch weitergeflogen. Möglicherweise<br />
hätte ich auch den Wendepunkt<br />
erreicht, möglicherweise hätte der<br />
Flug aber sehr viel schlechter geendet.<br />
Ich kann nicht ausschließen, dass<br />
ich mit großem Risiko weitergeflogen<br />
wäre, so wie Marcin.<br />
Mit der Rückversicherung eines<br />
Motors zu fliegen erfordert einiges<br />
an mentaler und praktischer Vorbereitung.<br />
Man muss immer davon<br />
ausgehen, dass der Motor nicht anspringt.<br />
Man muss immer ein Außenlandefeld<br />
in Reichweite haben, die<br />
Landung planen, eine Platzrunde<br />
fliegen, das Fahrwerk ausfahren und<br />
noch in sicherer Höhe – vorzugsweise<br />
im Gegenanflug – den Motor starten.<br />
Den Motor mit dem Windmühleneffekt<br />
anzulassen erfordert extreme<br />
Manöver in Bodennähe – wir<br />
üben das zuvor gar nicht so tief. Zweimal<br />
bin ich mit einem Segelflugzeug<br />
mit Klapptriebwerk außengelandet<br />
– mir war in beiden Fällen bewusst,<br />
ich war zu tief, um den Motor in Betrieb<br />
zu nehmen.<br />
Es ist schwer, die Entscheidung<br />
für eine Außenlandung zu treffen,<br />
insbesondere, wenn man weiß, dass<br />
andere noch fliegen. Es ist definitiv<br />
das Ende des Flugs, und eine hart<br />
erarbeitete gute Platzierung ist mit<br />
der vorzeitigen Landung verloren.<br />
Ich landete einmal am letzten Tag<br />
einer Weltmeisterschaft außen und<br />
verlor meinen Führungsplatz. Es war<br />
eine Riesenenttäuschung. Wie ich<br />
heute darüber denke? Es ist mir keinen<br />
Fluch wert. Ich erinnere mich<br />
heute nicht einmal mehr, in welchem<br />
Jahr das war. Wenn ich kein Video<br />
von der Siegerehrung hätte, würde<br />
ich mich nicht einmal mehr daran<br />
erinnern. Ich habe nicht die Goldmedaille<br />
bekommen. Ich habe eine, ja,<br />
aber von der weiß ich nicht einmal,<br />
wo sie steckt. Das Wichtigste ist doch<br />
die Freude am Fliegen.<br />
Falls dir Wettbewerbsfliegen keinen<br />
Spaß macht, so lange du nicht<br />
gewinnst, gib es auf. Es ist sinnlos<br />
Fotos: Yves Klett, Holger Weitzel<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 83
[ SEGELFLIEGEN Wettbewerb ]<br />
DICHT AN FELSWÄNDEN ENTLANG,<br />
ABER IMMER MIT DER OPTION,<br />
INS TAL AUSWEICHEN ZU KÖNNEN<br />
und bringt dich nur in Schwierigkeiten.<br />
Eine Außenlandung ist immer<br />
eine Schlappe. Manchmal kostet es<br />
den Wettbewerb, manchmal eine<br />
nächtliche Rückholtour mit einem<br />
hektischen Morgen – und doch sollten<br />
wir uns belohnt sehen mit einer guten,<br />
sicheren Außenlandung. Gönn<br />
dir dafür was, vielleicht ein gutes<br />
Essen, und lass uns andere ebenso<br />
belohnt sehen. Wer denkt, eine Außenlandung<br />
oder ein verlorener Wettbewerb<br />
seien ein Versagen, der denke<br />
an Marcin.<br />
Oft habe ich vor einem Wettbewerb<br />
gehört: „Zeig ihnen, wie es läuft!“<br />
Das ist das Übelste, was man einem<br />
Piloten vor einem Flug sagen kann.<br />
Was sollte man sagen? „Flieg fürs<br />
Vergnügen!“ „Hab Spaß!“ „Triff deine<br />
eigenen Entscheidungen!“ „Lerne<br />
dazu!“ „Es kommt nicht darauf an<br />
zu gewinnen, es ist wichtig, dass du<br />
bei guter Laune bist!“ „Zuerst der<br />
Spaß, dann das Ergebnis!“ „Falls du<br />
nicht sicher bist, ob du das Richtige<br />
tust, lass es!“ Es kommt nicht darauf<br />
an, ob es sich dabei um eine Weltmeisterschaft<br />
oder ein Vergleichsfliegen<br />
handelt – wichtig ist, gesund<br />
wieder nach Hause zu kommen.<br />
Eine Tagesaufgabe<br />
ist kein Befehl<br />
Ich habe mir mal einen kleinen<br />
Erinnerungszettel mit der Aufforderung<br />
„Denk voraus!“ direkt ins Blickfeld<br />
ans Instrumentenbrett geklebt,<br />
sodass ich ihn immer im Blick hatte.<br />
Ich hatte und habe immer noch mit<br />
dem Vorausschauen mein Problem<br />
– immer wieder bringen mich meine<br />
vorschnellen und dann nicht völlig<br />
durchdachten Entscheidungen in<br />
Schwierigkeiten.<br />
Sehr oft wird gesagt, die Wettbewerbsorganisatoren<br />
sollten dieses<br />
oder jenes tun. Sie sollten einen Tag<br />
canceln, sie sollten eine einfachere<br />
Aufgabe stellen, sie sollten sicherstellen,<br />
dass es ausreichend Außenlandemöglichkeiten<br />
entlang eines<br />
Kurses gibt, sie sollten nicht so viele<br />
Flugzeuge zur gleichen Zeit in die<br />
Luft bringen. Dabei ist zu bedenken,<br />
eine Tagesaufgabe ist kein Befehl,<br />
man muss sie nicht absolvieren. Die<br />
Entscheidung zu fliegen, liegt einzig<br />
beim Piloten. Ob ich über ein Gebiet<br />
ohne Außenlandemöglichkeit fliege,<br />
ohne Option auf eine Umkehr, oder<br />
mein Endanflug unter dem Gleitpfad<br />
liegt, oder ob ich im Pulk fliege oder<br />
in Wolken – das ist alles nur meine<br />
eigene Entscheidung.<br />
Einladender Himmel<br />
zu einem problemlosen<br />
Wettbewerbsflug.<br />
Teamflug: in jedem Fall<br />
mit Funkkontakt.<br />
84 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Faszinierend und<br />
Respekt einflößend:<br />
Gebirgsflug bedeutet<br />
immer Fliegen in<br />
Bodennähe.<br />
Am letzten Wettbewerbstag war<br />
in Prievidza noch alles drin – vielleicht<br />
hätte nur ein Bart oder ein kurzer<br />
Augenblick Sonneneinstrahlung Marcin<br />
und anderen erlaubt, in bessere<br />
Bedingungen zurückzukehren. An<br />
dem Abend wären viele Geschichten<br />
zum Besten gegeben worden, wie<br />
sich manche Piloten gerettet hätten.<br />
Man sollte sich bewusst sein, wie<br />
schmal der Grat ist zwischen einem<br />
glücklichen Ausgang und einem tragischen<br />
Unglück. Sag dir niemals nach<br />
einem Flug, das Risiko hätte ich eingehen<br />
müssen. Eine Entscheidung,<br />
die einen sicheren Ausgang zur Folge<br />
hat, ist immer die beste Entscheidung,<br />
die man treffen kann. Sie ist<br />
den Weltmeistertitel wert.<br />
Champion ist, wer professionelle<br />
Entscheidungen trifft. Dazu gehört,<br />
eine Aufgabe abzubrechen, außenund<br />
vor allem sicher zu landen. Ich<br />
weiß, es gibt nicht viele professionelle<br />
Piloten, die das können.<br />
Selbstverständlich hat der Ausrichter<br />
eines Wettbewerbs bei der<br />
Ausschreibung einer Tagesaufgabe<br />
alle Aspekte zu beachten. Aber das<br />
gelingt nicht immer. Es ist deshalb<br />
immer davon auszugehen, dass der<br />
Ausrichter die Teilnehmer unwissentlich<br />
in Schwierigkeiten schicken und<br />
sie damit unabsichtlich in Gefahr<br />
bringen kann.<br />
1999 hatte ich kurz vor dem Start<br />
ein technisches Problem. Ich lief zum<br />
Startleiter und erklärte ihm, dass ich<br />
nicht starten könne. Er schrie mich<br />
an: „Mach dich mit deinem Flugzeug<br />
raus aus der Startaufstellung!“ So zog<br />
ich den voll Wasser geladenen Jantar<br />
2B an den Startbahnrand.<br />
Manchmal treffen wir auf Leute,<br />
die in ihrer Hektik nur die eigenen<br />
Ziele vor Augen haben und keinen<br />
Sinn für die Schwierigkeiten anderer.<br />
Wir, die Piloten, dürfen uns davon<br />
nicht anstecken lassen. Wir müssen<br />
den Ablauf unterbrechen und uns<br />
selbst sagen: So nicht weiter.<br />
Meine Forderung an die Ausrichter:<br />
Denkt an die schwächeren Piloten<br />
– schaut nicht nur auf Sebastian<br />
Kawa, der mit Schallgeschwindigkeit<br />
unterwegs ist. Meine Forderung an<br />
die Piloten: Kritisiert den Sportleiter<br />
nicht, wenn er eine kleine Aufgabe<br />
ausschreibt oder nicht die Aufreihungen<br />
berücksichtigt. Wenn sich zeigt,<br />
dass er Unterstützung braucht, helft<br />
ihm. Bildet eine Gruppe, die bei der<br />
Festlegung der Tagesaufgabe hilft.<br />
Mag sein, dass das nicht ganz sportlich<br />
ist, aber Segelfliegen ist ohnehin<br />
nicht immer fair. Meine Forderung<br />
an die Mannschaften: Wird etwas als<br />
nicht richtig erkannt – sprecht es an.<br />
Ignoriert nicht die Einwände anderer;<br />
es kann sein, dass sie im Recht sind.<br />
Meine Forderung an alle: Falls die<br />
Dinge nicht so laufen, wie sie sollen,<br />
falls man sieht, dass etwas außer<br />
Kontrolle gerät – schreitet ein, stoppt<br />
den weiteren Gang, landet außen.<br />
Unternehmt alles, damit der Tag ein<br />
gutes Ende nimmt.<br />
So richtig realisieren wir gar nicht,<br />
dass in unseren Flugzeugen viel Energie<br />
steckt, mit der wir umgehen müssen.<br />
Es ist ja so einfach: Wir füllen<br />
150 bis 200 Liter Wasser in die Flügel,<br />
hängen das Flugzeug ans Auto und<br />
ziehen es an den Start. Dort werden<br />
wir im F-Schlepp auf 600 Meter befördert.<br />
Mit Bewegungen aus dem<br />
Handgelenk steuern wir, leiten Kreise<br />
ein und beschleunigen. Für die<br />
Energie, die notwendig war, uns auf<br />
600 Meter Höhe zu bringen, und die<br />
wir aus einem Aufwind ziehen, um<br />
weitere Höhe zu gewinnen, haben<br />
wir kein Gefühl. Eine Idee über das<br />
Maß dieser Energie kann eine Überlegung<br />
vermitteln: Wie ermüdend<br />
wäre es, die erstiegene Höhe über<br />
Treppen erklimmen zu müssen. In<br />
einem zehnmal schwereren Segelflugzeug<br />
steigen wir auf und steuern<br />
dabei nur mit zwei Fingern. Wenn<br />
Segelflugzeuge zusammenstoßen oder<br />
zu Boden krachen, können wir das<br />
nur mit einer Explosion vergleichen.<br />
Falls jemand so etwas überlebt, dann<br />
grenzt das an ein Wunder.<br />
Siege von Draufgängern<br />
sind Einzelfälle<br />
Wir sollten keine Risiken eingehen,<br />
das ist der Sieg bei einem Wettbewerb<br />
nicht wert. Aber wenn wir uns ernsthaft<br />
vergleichen wollen, wollen wir<br />
auch erfolgreich sein. Ohne Einsatz<br />
gibt es keinen Lorbeer. Man beginnt<br />
mit einer guten Vorbereitung, man<br />
trifft rechtzeitig am Austragungsort<br />
ein, ausgeruht, bereit für den ersten<br />
Flug. Man muss hier mental für den<br />
Erfolg wie den Misserfolg vorbereitet<br />
sein. Gewinnen setzt eine Reihe von<br />
guten Entscheidungen voraus, es<br />
dürfen keine unnötigen Risiken eingegangen<br />
werden. Ein notwendiges<br />
Risiko könnte eine Außenlandung<br />
sein, aber eine, bei der man sich nicht<br />
in Gefahr bringt. Draufgänger gewinnen<br />
manchmal, aber das bleiben<br />
Einzelfälle. Wer so fliegt, kann einen<br />
Wettbewerb gewinnen, aber er kann<br />
ebenso sein Leben verlieren. Ein<br />
Wettbewerb, der für einen gut läuft,<br />
vermittelt nicht das Gefühl, etwas<br />
erzwingen zu müssen, es klappt einfach<br />
alles. Wenn du alles daransetzt<br />
zu gewinnen und die Dinge laufen<br />
nicht so gut, dann gib das Ziel auf.<br />
Mach dir stattdessen bewusst, warum<br />
du fliegst und weshalb es Spaß<br />
macht. Segelfliegen ist schön, und<br />
man verbringt seine Zeit mit Freunden.<br />
Wenn du die Balance zwischen<br />
dem Spaß am Fliegen und dem Spaß<br />
am Wettbewerb findest, dann, das<br />
garantiere ich, kannst du auch gewinnen.<br />
Du gewinnst nicht unbedingt<br />
das Rennen, aber du gewinnst die<br />
Befriedigung aus dem Fliegen.<br />
Marcin ist gegangen. Warum trifft<br />
mich das so sehr? Ich habe ihn nicht<br />
sonderlich gut gekannt, aber ich habe<br />
ihn einfach als Freund erlebt. Er<br />
war offen, ehrlich und sehr bescheiden.<br />
Er war einfach normal. Sein Tod<br />
bewegt mich so, weil ich weiß, wie<br />
schwierig es war, wo er sein Leben<br />
verloren hat. Ich weiß, wie hart es<br />
ist, außenzulanden, wenn andere<br />
noch fliegen. Ich hätte ebenfalls in<br />
einer Situation stecken können, in<br />
der mir das notwendige Glück fehlte.<br />
Ich weiß auch, wenn es zu spät<br />
ist, dann geht es nur noch darum,<br />
sich zu retten, volle Klappen zu setzen,<br />
in den Gegenwind zu drehen<br />
und das Flugzeug zu kontrollieren.<br />
Aber bin ich auch in einer so stressigen<br />
Lage dazu fähig, tief über Grund<br />
im Anblick heranrauschender Bäume?<br />
Ich weiß es nicht und hoffe, dass ich<br />
es auch niemals muss.<br />
Marcin würde wünschen, dass wir<br />
aus seinem tragischen Flug lernen.<br />
Er würde wahrscheinlich sagen: „Ich<br />
habe mich ausweglos verrannt, lass<br />
es nie dazu kommen!“ Danke dir,<br />
Marcin. Ich bedauere, dass wir so<br />
wenig Zeit miteinander verbracht<br />
haben. Du weißt nicht, wie sehr ich<br />
wünschte, an dem Morgen unaufmerksam<br />
mit dem Auto über dein<br />
Flügelende gefahren zu sein, damit<br />
du an dem Tag nicht hättest fliegen<br />
können. Und ich weiß, du hättest es<br />
mir nicht einmal übel genommen, du<br />
hättest süßsauer gelächelt und einfach<br />
nur gesagt: „Kein Problem, nichts<br />
passiert.“ So war Marcin. Ich wünsche<br />
mir und jedem Leser, dass wir im<br />
richtigen Augenblick sagen können:<br />
„Danke Leute, ich lande jetzt.“ ae<br />
Karol Staryszak<br />
Fotos: elko, Holger Weitzel, Tobias Welsch<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 85
Foto: TopMeteo<br />
[ SEGELFLIEGEN Meteo ]<br />
Regenmonate?<br />
In der Rückschau auf April und Mai<br />
zeigt sich, dass es durchaus auch gute<br />
und sogar sehr gute Wetterlagen<br />
für den Streckensegelflug gegeben hat.<br />
Es ist Anfang Juni, als ich<br />
diesen Artikel verfasse, das<br />
Thema Wetter ist Hauptbestandteil<br />
der Nachrichten. Seit<br />
Tagen bereits häufen sich Unwetter<br />
über allen Teilen Deutschlands.<br />
Segelflugwetter ist gerade eher<br />
selten, tritt angesichts der Lage<br />
aber auch in den Hintergrund.<br />
Nochmals zu den Nachrichten:<br />
Hier wurde im Winter und frühen<br />
Frühjahr das Ende des Klimaphänomens<br />
El Niño hoch und runter<br />
dekliniert, was die Frage aufwirft:<br />
Hat das Auswirkungen auf unser<br />
Segelflugwetter im weiteren Jahr?<br />
Das Wetter im Zeitraum Ende<br />
Mai/Anfang Juni lässt ahnen – so<br />
die landläufige Vorstellung –, wie<br />
sich das Weter den Sommer über<br />
fortsetzt – ein Indikator oder gar<br />
gesichert ist das aber nicht. Mittelt<br />
man die Monate April und Mai, so<br />
zeigen sich auch gar keine großen<br />
Abweichungen vom langjährigen<br />
Durchschnitt. Erwähnenswert bleibt<br />
ein Nord-Süd-Gefälle, denn im Mai<br />
war der Norden etwas wärmer und<br />
trockener. Einzelne Spots mit hohen<br />
Niederschlagsmengen sind dabei<br />
ein Indiz für eine hohe Labilität.<br />
Schaut man auf die größten<br />
Strecken im OLC, gab es die ersten<br />
guten Tage schon im frühen April.<br />
Möglich sind diese in der Regel<br />
als Frühjahrsklassiker in der Kombination<br />
aus Kaltluft und Hochdruck.<br />
Am 9. April, einem Samstag, waren<br />
nicht nur erste Flüge in der Kaltluft<br />
über der Mitte und dem Norden<br />
Deutschlands bis knapp an die<br />
1000er-Marke möglich, auch die<br />
Zahl der gemeldeten Flüge erreichte<br />
erstmals fast einen vierstelligen<br />
Wert. Während kein anderer Tag<br />
im April die Zahl der Meldungen<br />
überbieten sollte, sah es bei den<br />
Strecken anders aus: Zwischen<br />
zwei wellenden Fronten, einer im<br />
Süden und einer im Norden, sorgte<br />
ein Zwischenhoch für das nötige<br />
stabilisierende Moment der<br />
Kaltluft. Wilfried Großkinsky nutzte<br />
die klassischen Linien über<br />
Eifel, Saarland und weit über das<br />
Sauerland hinaus für 1046 km. Aber<br />
auch die Plätze zwischen Saarland<br />
und Bergstraße waren gute Ausgangspunkte<br />
für weite Flüge. Das<br />
Hoch konnte sich aber nur kurz<br />
festsetzen. Der 20. April war dann<br />
erneut ein verbreitet guter Tag,<br />
an den sich eine eher wechselhafte<br />
Periode anschloss. Bemerkenswert<br />
war dann der 25. April: In<br />
der Thermikinfo hatte ich das<br />
Wetter mit dem Satz beschrieben:<br />
„Im Osten spricht die Luftmasse<br />
für sich, es wird aber kein einfacher<br />
Tag.“ Nur ein Einziger fühlte sich<br />
offenbar berufen, das auszutesten.<br />
Von Reinsdorf aus flog Michel Ebel<br />
den einzigen im OLC gemeldeten<br />
Flug. Rund zehn Stunden war er<br />
in der Luft, davon die ersten vier<br />
kaum mal in über 1000 m Höhe.<br />
Geflogen ist er 875 km.<br />
Tausender-Wetter<br />
gegen Ende April<br />
Gleich fünf Flüge über 1000 km<br />
fanden am 29. April Einzug in den<br />
OLC. Interessanterweise gingen<br />
alle Flüge an diesem Tag im Vorfeld<br />
einer aufziehenden Okklusion weit<br />
über die Grenzen Deutschlands<br />
hinaus: Alex Müller (1102 km) und<br />
Horst Singer (1002 km) flogen ein<br />
weites Viereck über Erz- und Riesengebirge<br />
und durch Tschechien<br />
zurück an den Bayerischen Wald.<br />
Bernd Goretzki (1004 km) und Michael<br />
Ebel (1018 km) legten ihren<br />
Kurs weit nach Polen hinein, und<br />
Michael Schleich flog 1<strong>07</strong>0 km zu<br />
großen Teilen entlang des Jura.<br />
An die ersten Maitage schloss<br />
sich eine Phase guter Tage an.<br />
Eingeflossene Kaltluft kam am 2.<br />
Mai direkt unter Hochdruck. Zwar<br />
trocknete die Luftmasse schon<br />
wieder ab. Alex Müller und Michael<br />
Ebel schafften die weitesten<br />
Flüge (über 900 km), Punktbester<br />
an dem Tag war Stefan Langer,<br />
der von Donauwörth aus 791 km<br />
mit einer Standard-Libelle erzielte.<br />
Das Christi-Himmelfahrt-Wochenende<br />
begann für viele bereits<br />
einen Tag früher. Nochmals war<br />
eine Kaltfront durchgezogen, und<br />
das Hoch war von Westen her gleich<br />
wieder zur Stelle. Nach und nach<br />
baute das Wetter auf, und der 4.<br />
Mai entwickelte sich vor allem für<br />
den Süden als der bisher beste Tag<br />
des Jahres, wenn nicht sogar als<br />
einer der besten der letzten Jahre.<br />
Bis auf die Reste der Front im Osten<br />
reihten sich die Cumuli zwischen<br />
Küste und Alpen, gut erkennbar<br />
im Satellitenbild. Elf<br />
Stunden Thermik bot die kühle<br />
Luftmasse, und da der Tag im Vorfeld<br />
als gut prognostiziert worden<br />
war, war viel los: Knapp 1000 Flüge<br />
wurden an dem Wochentag (!)<br />
für den OLC gemeldet. Um auf die<br />
erste Seite, also die Top 50, zu<br />
kommen, musste es ein Flug über<br />
1000 Punkte sein. Die weiteste<br />
Strecke legte das Team Jens Minard/Markus<br />
Straub mit 1192 km<br />
von Blaubeuren aus über die klassischen<br />
südlichen Mittelgebirgsrouten<br />
zurück. Den schnellsten<br />
Schnitt im OLC flogen Fabian Siebenwurst/Friedrich<br />
Nagel mit 133<br />
km/h. Noch schneller unterwegs<br />
waren einige Piloten im Rahmen<br />
des Hahnweide-Wettbewerbs.<br />
Das Wetter der Folgetage entwickelte<br />
sich klassisch weiter: Bei<br />
der anhaltenden Erwärmung waren<br />
es der Osten und vor allem die<br />
Alpen, die glänzen konnten. Einen<br />
Tag gezielt herauszupicken, der<br />
sich von den anderen besonders<br />
abhob, ist kaum möglich. Vor allem<br />
Rekordinhaber Mathias Schunk<br />
legte erst von Lienz, dann von<br />
Ohlstadt aus eine Serie hin: Er flog<br />
innerhalb von sechs Tagen fünf<br />
Mal mehr als 1100 km. Am 7. Mai<br />
schaffte Rainer Cronjäger ein<br />
angemeldetes 1000er-Alpen-FAI-<br />
Dreieck.<br />
Leider hielt sich das Wetter<br />
nicht, die weiteren trogbestimmten<br />
Tage boten kaum Streckenflugbedingungen.<br />
Die guten waren<br />
eher singulär, aber irgendwann<br />
musste sich ja wieder mal eine<br />
Lücke auftun. Das geschah am 18.<br />
und 22. Mai, als der Süden beziehungsweise<br />
der Alpenraum gutes<br />
Wetter zu bieten hatten. Florian<br />
Seibel/Fabian Honecker und Vincent<br />
Heckert/Michael Wisbacher<br />
erzielten mit Föhnunterstützung<br />
von Königsdorf aus ihr jeweils<br />
erstes 1000er.<br />
Nach ein paar fliegbaren Tagen<br />
stellte sich zum Monatsende die<br />
Lage um: Blockiert durch ein Hoch<br />
über Skandinavien, drehte über<br />
uns ein Trog. Reichliche und ungebremste<br />
Konvektion sorgte für<br />
Unwetter.<br />
Gerade werden draußen die<br />
letzten Sandsäcke wieder eingesammelt<br />
– werten wir das als gutes<br />
Zeichen für das Wetter der<br />
kommenden Monate.<br />
ae<br />
Bernd Fischer<br />
86 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
[ SEGELFLIEGEN Wissenschaft ]<br />
Auf ins All<br />
Rekordjäger<br />
Den Rand des Alls erreichen will das amerikanische Perlan-Team<br />
mit einem neuen, von Airbus gesponserten Hightech-Segelflugzeug.<br />
Ambitioniertes Ziel sind 27 500 Meter Höhe.<br />
Einen ersten Erfolg hat das<br />
von Einar Enevoldson und<br />
Steve Fossett ins Leben<br />
gerufene Perlan-Projekt schon vor<br />
zehn Jahren erzielt. Die beiden<br />
Piloten stiegen in Argentinien mit<br />
einer speziell präparierten DG-500<br />
in Wellenaufwinden bis auf 15 460<br />
Meter und damit auf die größte<br />
im Segelflug erreichte Höhe.<br />
Für weitere Aufstiege musste<br />
eigens ein Flugzeug gebaut werden,<br />
das in größten Höhen noch<br />
flugfähig ist: die Perlan 2. Den<br />
Druckkabinen-Doppelsitzer hat der<br />
Amerikaner Greg Cole konstruiert<br />
und in seiner Firma Windward<br />
Performance in Bend, Oregon, gebaut.<br />
Der Segler mit einer Spannweite<br />
von 25,55 Metern hat eine<br />
Gleitzahl von 43 und wurde unter<br />
Verzicht auf besondere Schnellflugleistun<br />
gen speziell auf ein<br />
geringes Sinken optimiert. Klappt<br />
damit der Aufstieg bis auf 27 500<br />
Meter Höhe, dann sind im Segelflug<br />
Höhen gemeistert, die selbst<br />
strahlgetriebene Militärflugzeuge<br />
bisher nicht geschafft haben. Das<br />
Aufklärungsflugzeug Lockheed<br />
U-2 flog 21,3 Kilometer hoch, die<br />
SR-71 hält den Rekord mit 25,9<br />
Kilo metern Höhe.<br />
Fast wäre das Projekt mit dem<br />
Rohbau der Perlan 2 gescheitert.<br />
Das Team hatte mit dem Tod von<br />
Steve Fossett seinen wichtigsten<br />
Geldgeber verloren. Als Retter<br />
stiegen Milliardär und ISS-Weltraumtourist<br />
Dennis Tito und Airbus<br />
ein, mit deren Hilfe die sieben<br />
Millionen Dollar für das gesamte<br />
Unternehmen inklusive Flugzeug<br />
aufgebracht werden.<br />
Im Mai machte sich Airbus-Chef<br />
Tom Enders selbst ein Bild von<br />
dem Projekt. „Der Bezug zu Airbus<br />
war klar“, sagte er bei seinem Besuch<br />
in Minden, Nevada. „Wir<br />
haben Segelflug schon als DASA<br />
und EADS gesponsert. Segelflug<br />
ist ein Schrittmacher für Leichtbau,<br />
neue Materialien wie Glas- und<br />
Kohlefaser, und hilft uns bei der<br />
Nachwuchsförderung. Wir fliegen<br />
jetzt an der Grenze zum Weltraum<br />
und überschreiten damit neue<br />
Grenzen. Wenn wir auch künftig<br />
an der Spitze mitmischen wollen<br />
bei Überschall, Hyperschall, elektrischem<br />
Fliegen und neuen Raumfahrtkonzepten,<br />
müssen wir hier<br />
dabei sein. Hier verschmelzen<br />
Technologien.“<br />
Die Piloten erwartet ein<br />
Höllenritt in den Wellen<br />
Airbus half mit einer höhentauglichen<br />
Spezial-Dichtungsmasse<br />
für die Einstiegsluken, einer<br />
zerstörungsfreien Werkstoffprüfung<br />
und bei der Materialauswahl.<br />
Enders ließ es sich bei seinem<br />
Kurzbesuch nicht nehmen, für einen<br />
Testflug in das Höhenflugzeug<br />
zu steigen. Sein Fazit nach dem<br />
Flug: „Ich durfte vor der Landung<br />
selber ein Stück steuern. Die Ruder<br />
sind relativ schwergängig, aber<br />
Perlan 2 reagiert genau auf Eingaben.“<br />
Von dem Flugzeug wird<br />
sehr viel mehr gefordert, als ein<br />
normales Segelflugzeug im sportlichen<br />
Einsatz leisten kann. Die<br />
Bedingungen in 27 500 Metern<br />
Höhe sind extrem: Die Atmosphäre<br />
erreicht hier nur noch zwei<br />
Prozent der Dichte an der Erdoberfläche.<br />
Die Perlan 2 wird dort mit<br />
81,5 km/h angezeigter Geschwindigkeit<br />
fliegen, tatsächlich aber<br />
mit einer wahren Geschwindigkeit<br />
von 555 km/h unterwegs sein.<br />
Wellenaufwinde, die solche<br />
Höhen ermöglichen, entstehen in<br />
den jeweiligen Wintern in der Nähe<br />
der Pole. Im Bereich der Polkappen<br />
bildet sich in der kalten Jahreszeit<br />
ein besonders starkes und<br />
hoch reichendes Windsystem. Es<br />
ist die Voraussetzung für einen<br />
Aufstieg aus den von Gebirgen<br />
ausgelösten Leewellen über die<br />
Tropopause hinaus. Von Mistral<br />
und Föhn in den Alpen ausgelöste<br />
Wellenaufwinde werden hingegen<br />
an der Tropopause ausgebremst.<br />
In Verbindung mit einer schwachen<br />
Tropopause kann ein ideal<br />
ausgebildeter Polar Night Jet bis<br />
in die angepeilte Höhe mit bis zu<br />
480 km/h blasen und Perlan 2 auf<br />
die Rekordhöhe bringen.<br />
88 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Der Blick voraus ist aus der Perlan 2 stark eingeschränkt. Eine Außenbordkamera<br />
hilft dem Piloten, den Überblick zu behalten.<br />
Starteten in Minden zu einem gemeinsamen Testflug mit der Perlan 2:<br />
Testpilot Jim Payne (links) und Airbus Konzernchef Tom Enders.<br />
Fotos: Perlan Project, Sebastian Steinke<br />
„Wir jagen hier nicht nach Rekorden,<br />
sondern an erster Stelle<br />
steht die Wissenschaft“, stellte<br />
Perlan-Vorstandschef Ed Warnock<br />
bei dem Besuch von Enders klar.<br />
Der Luftfahrtingenieur hat sogar<br />
ein kleines Nutzlastabteil in die<br />
Perlan 2 einbauen lassen. Messgeräte<br />
sollen die relative Feuchte,<br />
Methan und Kohlendioxid in der<br />
Atmosphäre aufzeichnen.<br />
Geplant sind die Flüge ab August.<br />
Perlan 2 wird dann in El<br />
Calafate im Süden Argentiniens<br />
stationiert sein und das Team<br />
ständig auf Abruf bereit stehen.<br />
Die Flüge werden an die Grenzen<br />
des Machbaren für Mensch und<br />
Flugzeug führen. Die Crew fliegt<br />
mit Helm, aber nicht mehr mit den<br />
unpraktischen Raumanzügen der<br />
Perlan-1-Mission. Ihren Atemsauerstoff<br />
beziehen die Piloten in der<br />
Druckkabine von Rebreather-Geräten,<br />
die immer wieder Restsauerstoff<br />
aus der Atemluft holen. Die<br />
Außenwelt sehen sie nur durch die<br />
seitlich angeordneten, kleinen<br />
Bullaugen. Bei der Lageorientierung<br />
helfen ein künstlicher Horizont und<br />
eine Außenkamera, die ihre Bilder<br />
auf ein iPad im Cockpit überträgt.<br />
Noch während der Vorbereitung<br />
auf die Südamerikaflüge plant das<br />
Perlan-Team bereits weiter: Atmosphärenforscherin<br />
Elizabeth<br />
Austin schätzt, dass man in Wellenaufwinden<br />
sogar bis auf 33 500<br />
Meter Höhe steigen kann. Allerdings<br />
müsste das Segelflugzeug<br />
sich in dieser Höhe aufgrund der<br />
geringen Luftdichte mit Überschall<br />
fortbewegen. Mit einem herkömmlichen<br />
Flügel wäre das nicht machbar.<br />
„Ein transsonischer Flügel<br />
kostet uns in Entwicklung und Bau<br />
jeweils eine Million Dollar“, schätzt<br />
Ed Warnock. „Wir haben Forschungs-<br />
und Technologiezentren<br />
dafür“, sagte Tom Enders in Minden<br />
vielversprechend.<br />
ae<br />
Sebastian Steinke<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 89
[ SEGELFLIEGEN Wissenschaft ]<br />
Symposium<br />
Im Frühjahr trafen<br />
sich die Mittelgebirgs-Wellenflieger<br />
zum sechsten Mal.<br />
Zen trales Thema<br />
ihrer Tagung in<br />
Göttingen: ein besseres<br />
Verständnis<br />
der Wellen in der<br />
Atmosphäre.<br />
Wellenfliegen –<br />
Wellen verstehen<br />
Angeregt von eigenen Flügen<br />
und Auswertungen von<br />
Satellitenbildern, Pilotenberichten<br />
und meteorologischen<br />
Daten, hat Carsten Lindemann die<br />
Frage gestellt, wie sich eine Strömung<br />
im Rahmen der Thermik<br />
strukturiert. Dabei wurden zuhauf<br />
Wolkenstraßen gefunden, die längs<br />
der Strömung orientiert sind und<br />
schon bei niedrigen Basishöhen<br />
und geringer Einstrahlung funktionieren.<br />
Sehr häufig findet sich<br />
ein gekrümmtes Windprofil, was<br />
ein relatives Windmaximum inner-<br />
halb der Thermikschicht bedeutet.<br />
Aber es ergeben sich auch im<br />
Flachland Aufwinde vor Wolkenstraßen<br />
– Thermikwellen genannt<br />
– quer zum vorherrschenden Wind,<br />
wenn die Atmosphäre ähnlich wie<br />
bei Leewellen schwingungsfähig<br />
ist. Sie entstehen, wenn der Wind<br />
in der Thermikschicht unterhalb<br />
der oberen schwingungsfähigen<br />
Schicht quer, idealerweise rechtwinklig<br />
zur oberen Strömung weht<br />
oder gar äußerst schwach ist. Höhen<br />
von bis zu mehreren tausend<br />
Metern über der Obergrenze der<br />
Cumuli konnten erreicht werden.<br />
Diese durchaus seltenen Wolkenstrukturen<br />
sind deutlich im Satellitenbild<br />
zu erkennen. Die Thermikwelle<br />
am einzelnen Cumulus<br />
entsteht in einem Windfeld etwa<br />
gleicher Windrichtung mit zunehmender<br />
Geschwindigkeit. Dann<br />
wandern die Wellen auch regelmäßig<br />
mit dem Wind, es werden<br />
Höhen bis über die Obergrenze<br />
der Cu erreicht.<br />
Schon seit vielen Jahrzehnten<br />
ist der Prozess, Gebirgswellen und<br />
deren Rotoren wissenschaftlich zu<br />
untersuchen und zu verstehen,<br />
vornehmlich auf numerische Simulationen<br />
gestützt. Die Einbeziehung<br />
von Messdaten zum Zweck einer<br />
Überprüfung der mathematischen<br />
Modelle spielt eine viel zu geringe<br />
Rolle. Die Akaflieg Frankfurt sammelt<br />
jetzt mit einem speziellen<br />
Loggersystem von Hendrik Hoeth<br />
relevante aerologische Daten:<br />
Temperatur und Feuchte, vertikale<br />
und horizontale Luftmassenbewegung.<br />
Erste Ergebnisse stellte<br />
Christof Maul anhand von Messungen<br />
dar, die im Frühjahr 2015<br />
Vertikale Geschwindigkeit (m/s)<br />
Vertikalgeschw. (brutto) u gross<br />
polares Sinken u polar<br />
Knüppelthermik (Steig./Si.) u stick<br />
Vertikalgeschw. der Luft u net<br />
Keine Schwerewelle<br />
bei Bewölkung<br />
Zahl = Wellenlänge (km)<br />
Schwerewelle,<br />
wenn die<br />
Wellenlänge<br />
zunimmt<br />
Keine<br />
Schwerewelle,<br />
wenn die<br />
Wellenlänge<br />
nach oben<br />
abnimmt<br />
Rotor<br />
Isotherme<br />
Zeit (s)<br />
Die Grenze zwischen turbulentem Rotor- und laminarem Wellenregime<br />
erweist sich als sehr scharf ausgeprägt.<br />
Geplante (pc_met-)Vorhersagen, wie von einem Meteogramm her gewohnt<br />
für ein ausgewähltes Gebiet in Einheiten von 200 Höhenmetern dargestellt.<br />
90 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
ei Wellenflügen mit dem Akaflieg-<br />
DuoDiscus in den Pyrenäen gewonnen<br />
wurden. Noch lag der<br />
Schwerpunkt auf der Prüfung und<br />
Optimierung der Technik. Es gab<br />
aber schon interessante Ergebnisse,<br />
wie zum Beispiel der kleine<br />
datentechnisch gestützte Einblick<br />
auf die sehr scharf ausgeprägte<br />
Grenze zwischen turbulentem<br />
Rotor- und laminarem Wellenregime.<br />
Ziel ist jetzt, möglichst viele Segelflugzeuge<br />
mit dieser Technik<br />
auszustatten.<br />
Ralf Thehos gab einen Einblick<br />
in die Planungen, wie pc_met speziell<br />
für den Segelflug ausgebaut<br />
werden soll. Die von vielen gewünschte<br />
Ausdehnung des Vorhersagezeitraums<br />
für Schwerewellen<br />
auf fünf Tage soll für TOP-<br />
THERM aufbauend auf einer Berechnung<br />
des Scorer-Parameters<br />
umgesetzt werden. Mit den numerischen<br />
Vorhersagemodellen<br />
von COSMO_DE kann es nicht<br />
realisiert werden.<br />
Der DWD will zudem mehr Wetterdaten<br />
so zur Verfügung stellen,<br />
dass sie während der Flüge abgerufen<br />
werden können. In einer<br />
Testphase betrifft dies zunächst<br />
die per COSMO-DE prognostizierten<br />
lokalen Leewellen und den<br />
Wind. Eine Erweiterung um vielerlei<br />
Datensätze dieses Geowebservice<br />
genannten Angebotes ist<br />
möglich: Niederschlags- und Satellitenbilder,<br />
Blitzdaten, Flugplatzwarnungen.<br />
Die Daten stehen zur<br />
Verfügung auf einem DWD-FTP-<br />
Server, für den jeder pc_met-Kunde<br />
einen Freischaltcode hat.<br />
Diese Entwicklung findet in<br />
engem Kontakt mit Max Kellermann<br />
aus dem Projektteam der Open-<br />
Source-Avionik-Software XCSoar<br />
statt. Das zentrale Thema der geplanten<br />
neuen Version 7.0 ist Vernetzung<br />
– möglich dadurch, dass<br />
ohnehin fast jeder per Smartphone<br />
eine Internetverbindung im Flugzeug<br />
dabei hat.<br />
Mit Schwarmdaten zu<br />
neuen Erkenntnissen<br />
Über die Nutzung der vom<br />
eigenen System erhobenen Daten<br />
– zum Beispiel zur Zentrierung von<br />
Thermik- oder Wellenaufwinden<br />
aus der Flugweghistorie – hinaus<br />
werden die Übernahme von zentral<br />
zur Verfügung gestellten Be-<br />
obachtungs- und Prognosedaten<br />
der Wetterdienste und die Akquisition<br />
von Schwarmdaten möglich.<br />
Letztgenannte sind beispielsweise<br />
Verkehrs-, Thermik- und Wellenpositionsdaten,<br />
die zeitgleich<br />
und ortsnah fliegende Segelflugzeuge<br />
erhoben haben und per<br />
FLARM-Radar oder Skylines zur<br />
Verfügung stellen. Es ist der Beginn<br />
einer Entwicklung, die unabsehbare<br />
Möglichkeiten eröffnet.<br />
Im Licht des US-Höhenflugweltrekord-Projekts<br />
Perlan analysierte<br />
Dieter Etling die Bedingungen,<br />
unter denen Wellen ihren Impuls<br />
– ohne dass sie wie bei den meisten<br />
an der Troposphäre reflektiert<br />
würden – vertikal an schwingungsfähige<br />
stratosphärische Schichten<br />
weiterleiten. Die kritische Bedingung<br />
dafür ist, dass der breitenkreis-parallele<br />
Wind (Zonalströmung)<br />
auch noch in der Stratosphäre<br />
mit der Höhe zunimmt. Nur so<br />
ergibt sich ein durchgehender<br />
vertikaler Wellenaufwindpfad, der<br />
fliegerisch bis in die geplanten<br />
Höhen von zirka 25 Kilometern<br />
nutzbar sein kann. Aufgrund des<br />
jahreszeitlich wechselnden Musters<br />
der globalen atmosphärischen<br />
Zirkulation stellen sich die benötigten<br />
Verhältnisse auf der Nordhalbkugel<br />
nur in den Monaten<br />
Dezember bis Februar nördlich des<br />
60. Breitengrades ein, auf der Südhalbkugel<br />
in den Monaten Juni bis<br />
August durch den unterschiedlichen<br />
Landmassenanteil südlich des 50.<br />
Breitengrades. Jede Saison weist<br />
nur wenige Tage auf, die eine solch<br />
hochreichende Ausbreitung von<br />
Wellen überhaupt ermöglichen. Im<br />
bekannten Wellenfluggebiet der<br />
Höhe (km)<br />
Temp. in °C<br />
Tropopause<br />
U in m/s<br />
Vertikalprofil der Lufttemperatur (T)<br />
und schematisches Windprofil (U)<br />
für die Ausbreitung von Schwerewellen<br />
bis in die Stratosphäre.<br />
Vorhersage von Aufwind- und Abwindfeldern nach COSMO-DE für den<br />
7. Februar <strong>2016</strong> in 1500 Metern Höhe.<br />
Neuseeländischen Alpen treten<br />
zwar häufig starke stratosphärische<br />
Schwerewellen auf, jedoch ist ihre<br />
Anbindung an die darunter<br />
liegenden Troposphärenwellen<br />
meist zu schwach. Somit kommen<br />
als geeignetes Gebiet für durchgängig<br />
bis in die mittlere Stratosphäre<br />
reichende Leewellen am<br />
ehesten die südlichen Anden in<br />
Frage, wo auch der Rekordversuch<br />
des Projektes Perlan stattfinden<br />
soll. Es bleibt spannend, ob diese<br />
Überlegungen durch einen erfolgreichen<br />
Stratosphären-Wellenflug<br />
bestätigt werden können.<br />
Reiten auf der<br />
Weihnachtswelle<br />
Zurück in die Praxis des Mittelgebirgswellenfliegens<br />
führte der<br />
Vortrag von Philipp Illerhaus (Akaflieg<br />
Frankfurt) über das sehr erfolgreiche<br />
Wellenfluglager des LSV<br />
Witzenhausen, das an den letzten<br />
Höhe (km)<br />
Entfernung (km)<br />
Tagen des ausgehenden Jahres<br />
2015 stattfand (<strong>aerokurier</strong> 3/<strong>2016</strong><br />
„Reiten auf der Weihnachtswelle“).<br />
In viel größerem – nämlich regionalem<br />
– Maßstab wies Martin<br />
Füllgraf anhand von Geländeschnitten<br />
und dokumentierten Wellenflügen<br />
nach, dass Resonanzeffekte<br />
zwischen dem Schwingungsverhalten<br />
der Luft und der mit<br />
Windgeschwindigkeit überströmten<br />
Orografie eine wichtige Rolle<br />
bei der Entstehung der Wellen des<br />
Leineberglandes spielen.<br />
In Erinnerung bleibt den mitunter<br />
von weither angereisten<br />
Teilnehmern der Eindruck einer<br />
gelungenen Veranstaltung. Das<br />
Engagement aller Beteiligten, vorrangig<br />
natürlich die aufwendig<br />
ausgearbeiteten und interessanten<br />
Vorträge, hat ebenso wesentlich<br />
dazu beigetragen wie die vom<br />
DLR-Göttingen zur Verfügung gestellte<br />
Infrastruktur.<br />
ae<br />
Jörg Dummann<br />
Simulation von Schwerewellen mit dem UM-Modell des UK Met-Office<br />
für den 23. Juli 2013 im Bereich der Insel Südgeorgien im Südatlantik.<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 91<br />
Grafiken: Maul, Thehos, Etling, Vosper (DMG)
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92 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
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4149 Std., 4 Sitzpl., Preis VS. Eng.<br />
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1979, TT 2650 Std., 4 Sitzpl., Motor<br />
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GTX330 (Mode S), ELT 406 MHz.<br />
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Mooney M20J 201 US-IFR,<br />
Standort EDSZ, Bj. 1977, TT<br />
2337Std. Lycoming IO-360-A1B6D,<br />
ETSO 457h, McCauley B2D34C212,<br />
PTT 19h, Aspen PFD mit 3-Achs<br />
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<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
93
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 669858<br />
Piper PA-18 Super Cub, Standort<br />
EDTX, Bj. 1958, TT 4900 Std., 2<br />
Sitzpl., 78.000,– € VB. 150 PS,<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 669519<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 666624<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 665138<br />
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<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
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- CAT-B2 mechanic for B 777 (f/m) (LEJ)<br />
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- CAT-B1 mechanic for B 737CL/NG (f/m) (LEJ)<br />
- CAT-B2 mechanic for Airbus 320 Fam (f/m) (LEJ)<br />
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mehr: www.<strong>aerokurier</strong>-markt.de Exposé-Nr 659546<br />
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102 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> Firmenanzeigen sind mit "F" gekennzeichnet www.<strong>aerokurier</strong>.de
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• Fluggerätmechaniker, Fachrichtung Instandhaltungstechnik (m/w)<br />
• Mitarbeiter Instandhaltungsaufzeichnung Hubschrauber (m/w)<br />
• Arbeitsplaner/Arbeitsvorbereiter für Hubschrauber (m/w)<br />
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<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong><br />
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Baden-Württembergischer Luftfahrtverband<br />
e.V., Simone Bürkle,<br />
Scharrstraße 10, 70563 Stuttgart<br />
Tel.: +49 711 22762-0<br />
E-Mail: buerkle@bwlv.de<br />
http://www.bwlv.de<br />
OO<br />
2. / 3. Juli<br />
Open Airport, Rock im Hangar<br />
und Fly-in, Quirnheim<br />
Luftfahrtverein Grünstadt u. Umgebung<br />
, Postfach 1329,<br />
67263 Grünstadt,<br />
Tel.: +49 6359 3100, E-Mail:<br />
kontakt@luftfahrt verein-gruenstadt.de,<br />
www.luftfahrtverein-gruenstadt.de<br />
OO<br />
8. – 10. Juli<br />
3. Internationales Cessna-<br />
Treffen, Verkehrslandeplatz<br />
Jena-Schön gleina<br />
Flugplatz 1, <strong>07</strong>646 Schön gleina,<br />
Tel.: +49 36428 40669,<br />
E-Mail: info@flugplatz-jena.com,<br />
www.edbj.de<br />
OO<br />
8. – 10. Juli<br />
69. RSA Eurofly’in,<br />
Vichy-Charmeil, Frankreich<br />
Fédération RSA, 46, rue Sauffroy,<br />
75017 Paris, Frankreich,<br />
Tel.: +33 1 42282554, E-Mail:<br />
communication@rsafrance.com,<br />
http://euroflyin.rsafrance.com<br />
OO<br />
8. – 10. Juli<br />
Royal International Air Tattoo,<br />
Fairford, Großbritannien<br />
Tel.: +44 1285 713300 ext. 5000,<br />
www.airtattoo.com<br />
OO<br />
9. – 10. Juli<br />
Dimona-Treffen, Borkenberge<br />
Das Service-Center-LTB,<br />
Tel.: +49 2367 8250 , E-Mail:<br />
b.brandt@service-center-ltb.de,<br />
mathias.havlik@arcor.de,<br />
www.das-service-center-ltb.de<br />
OO<br />
11. – 17. Juli<br />
Farnborough International<br />
Airshow, Großbritannien<br />
Farnborough International Limited,<br />
Show Centre, ETPS Road,<br />
Farn borough, Hampshire,<br />
GU14 6FD, Großbritannien,<br />
Tel.: +44 1252 532800,<br />
E-Mail: enquiries@farnborough.com,<br />
www.farnborough.com<br />
OO<br />
16. Juli<br />
Großes Fly-in, Eutingen im Gäu<br />
Flugsportverein Rottenburg-<br />
Horb-Eutingen e.V.,<br />
E-Mail: info-fsvroho@gmx.de,<br />
www.fsv-roho.de/aktuelles/fly-in<br />
OO<br />
17. Juli<br />
Oldtimer- und Luftfahrtfestival<br />
Mobile Legenden, Eutingen im<br />
Gäu<br />
E-Mail: micha.weippert@mpsagentur.de,<br />
www.mobile-legenden.de<br />
OO<br />
16. / 17. Juli<br />
Flugplatzfest Rügen<br />
Tel.: +49 38306 1289,<br />
www.flugplatz-ruegen.de<br />
OO<br />
16. / 17. Juli<br />
46. Flugplatzfest,<br />
Altötting-Osterwies<br />
Fluggruppe Alt-Neuötting, 84505<br />
Altötting,Tel.: +49 163 6673200,<br />
E-Mail: info@fgaoe.de, www.fgaoe.de<br />
OO<br />
23. / 24. Juli<br />
50 Jahre Luftsportgruppe<br />
Kaiserstuhl<br />
Modellflugplatz Wasenweiler,<br />
Beim Classic-Cessna-Meeting in Wershofen darf es ruhig ein bisschen<br />
nostalgisch zugehen.<br />
✘✘<br />
Terminankündigungen<br />
Weitere Termine finden Sie bei uns auf der Website www.<strong>aerokurier</strong>.de.<br />
Bitte schicken Sie Ihre Ankündigungen für den Termin-Service an<br />
redaktion@<strong>aerokurier</strong>.de<br />
Veranstaltungen mit <strong>aerokurier</strong>-Stand<br />
Wasenweiler Straße, 79241 Ihringen,<br />
www.lsgk.de<br />
OO<br />
24. Juli<br />
Flugplatzfest mit Oldtimertreffen,<br />
Illertissen<br />
Flugplatz Illertissen, E-Mail: philippvc@<br />
freenet.de, Tel.: +49 171 7975083<br />
OO<br />
25. – 31. Juli<br />
EAA AirVenture, Oshkosh, USA<br />
Oshkosh, Wisconsin, USA, EAA Aviation<br />
Center, Tel.: +1 920 4264800,<br />
E-Mail: convention@eaa.org,<br />
www.airventure.org<br />
OO<br />
31. Juli<br />
60 Jahre Flugplatz Günzburg<br />
Luftsportverein Günzburg, Otto-<br />
Lilienthal-Weg 7, 89312 Günzburg,<br />
Tel.: +49 8221 4336, E-Mail:<br />
info@lsvgz.de, www.lsvgz.de<br />
OO<br />
31. Juli<br />
Oldtimertreffen Riedlingen<br />
Fliegergruppe Riedlingen e.V., Brühlweg<br />
30, 88499 Riedlingen, Tel.: +49<br />
171 3671214 , Infos: www.oldtimertreffen-riedlingen.de<br />
OO<br />
13. / 14. August<br />
Do-Days <strong>2016</strong>, Friedrichshafen<br />
Dornier Museum, Claude-Dornier-<br />
Platz 1, 88406 Friedrichshafen,<br />
Tel.: +49 7541 4873640,<br />
E-Mail: info@dorniermuseum.de,<br />
www.dorniermuseum.de<br />
OO<br />
13. / 14. August<br />
18. Zwickauer Flugplatzfest<br />
Flugplatz Zwickau, Reichenbacher<br />
Str. 131, 08056 Zwickau,<br />
Tel.: +49 375 781183, www.acz.de<br />
OO<br />
14. / 15. August<br />
Fly-in Gundelfingen<br />
Modelllandeplatz Gundelfingen<br />
Äußerer Auweg 3, 89423 Gundelfingen,<br />
Tel.: +49 171 2323152, www.<br />
lsv-gundelfingen.de<br />
OO<br />
21. August<br />
Tag der offenen Tür, Siegerland-Flughafen<br />
E-Mail: info@siegerland-airport.de,<br />
www.siegerland-airport.de<br />
OO<br />
19. – 21. August<br />
Flugtage Soest und Fly-in,<br />
Soest/Bad Sassendorf<br />
Am Flugplatz 5, 59505 Soest,<br />
Tel.: +49 2927 340, E-Mail: info@<br />
flugplatz-soest.de, www.flugtagesoest.de<br />
OO<br />
27. August<br />
Hunterfest <strong>2016</strong>,<br />
St. Stephan, Schweiz<br />
Hunterverein Obersimmental,<br />
Postfach 23, 3772 St. Stephan,<br />
Schweiz, E-Mail: info@hunterverein.ch,<br />
www.hunterverein.ch<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Piper Cup Fly-in, zum 50.<br />
Todestag von Hermann Geiger<br />
Flugplatz Langenthal-Bleienbach,<br />
www.pipercubflyin.ch<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Airliner Classics Speyer<br />
Tel.: +49 6232 6872929, Roland<br />
Kern, E-Mail: flugleitung@flugplatzspeyer.de,<br />
www.airliner-classics.de<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Flugplatzfest<br />
Albstadt-Degerfeld<br />
Luftsportverein Degerfeld, Volker<br />
Rath, Postfach 562, 72426 Albstadt,<br />
Tel.: +49 7422 9493-17, E-Mail:<br />
volker.rath@schwarzwaelder-bote.de,<br />
www.lsv-degerfeld.de<br />
OO<br />
27. / 28. August<br />
Flugtagwochenende Donzdorf<br />
Fliegergruppe Donzdorf, Sonderlandeplatz<br />
Donzdorf-Messelberg,<br />
73<strong>07</strong>2 Donzdorf,<br />
www.donzdorfer-flugtage.de<br />
OO<br />
28. August<br />
Flugplatzfest Erbach<br />
LSV Erbach, Burren 7, 89155<br />
Erbach, Tel.: +49 160 5355300,<br />
E-Mail: sayler@autohaus-sayler.de,<br />
www.lsv-erbach.de<br />
OO<br />
28. August<br />
Müllheimer Flugplatzfest,<br />
Segelfluggelände Müllheim<br />
Markgräfler Luftsportverein, Müllheim/Baden,<br />
Tel.: +49 7631 13824,<br />
E-Mail: kontakt@luftsport-muellheim.<br />
de, http://luftsport-muellheim.de/<br />
110 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Fotos: Philipp Prinzing<br />
Wenn die Quaxe nach Paderborn einladen, dann gehen interessante Flugzeuge wie die Chipmunk in die Luft.<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Flugplatzfest Dierdorf-Wienau<br />
LSV Neuwied, lsv-neuwied.de<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Flugplatzfest und Fly-in Elz,<br />
Flugsportgruppe Elz, Flugplatz an<br />
der B8, Postfach 112, 65604 Elz,<br />
Tel.: +49 6431 54200, E-Mail:<br />
Vorstand@edfy.de, www.edfy.de/<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Fly-in & BBQ, Flugplatz<br />
Montabaur<br />
LSC Westerwald, FlyIn@lscww.de<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Flugtag AC Pirmasens<br />
Aero-Club Pirmasens , Ostring 18,<br />
66509 Rieschweiler-Mühlbach,<br />
Tel.: +49 (6336) 6266,<br />
E-Mail: info@aero-club-pirmasens.de,<br />
www.flugtag-pirmasens.de<br />
OO<br />
3. / 4. September<br />
Nostalgisches Flieger-Picknick<br />
und Classic-Cessna-Meeting,<br />
Segelfluggruppe Wershofen,<br />
Bergstraße 7, 53520 Wershofen,<br />
Tel.: +49 (2694) 277,<br />
E-Mail: info@sfg-wershofen.de,<br />
www.flugtag-wershofen.de<br />
OO<br />
9. – 11. September<br />
18. Oldtimer-Fliegertreffen,<br />
Hahnweide<br />
Fliegergruppe Wolf Hirth, Klaus-<br />
Holighaus-Straße 59, 73230 Kirchheim/Teck,<br />
Tel.: +49 7021 81602,<br />
E-Mail: oldtimer@wolf-hirth.de,<br />
www.oldtimer-hahnweide.de<br />
OO<br />
10. / 11. September<br />
Flugtag Sinsheim<br />
Flugsportring Kraichgau,<br />
Lilienthalstr. 15, 74889 Sinsheim,<br />
Tel.: +49 7261 3005, E-Mail:<br />
flugsportring-kraichgau@gmx.de,<br />
www.flugtag-sinsheim.de<br />
OO<br />
11. September<br />
Flugplatzfest Laichingen<br />
Flugsportverein Laichingen,<br />
Postfach 11<strong>07</strong>, 89150 Laichingen,<br />
Tel.: +49 7333 4401, E-Mail:<br />
vorstand@edpj.de, www.edpj.de<br />
OO<br />
10. / 11. September<br />
Flugplatzfest Leverkusen<br />
Flugplatz Leverkusen, Kurtekottenweg,<br />
51373 Leverkusen,<br />
Tel.: +49 214 833222,<br />
www.edkl.de<br />
OO<br />
15. – 18. September<br />
EBS Fly-out Roulette<br />
European Bonanza Society, E-Mail:<br />
Uwe.Lutz@beech-bonanza.org<br />
OO<br />
17. / 18. September<br />
10 Jahre Quax-Flieger, Fly-in,<br />
Flughafen Paderborn/Lippstadt<br />
Quax-Flieger, Heessener<br />
Dorfstraße 46, 59<strong>07</strong>3 Hamm,<br />
Tel.: +49 2381 488842,<br />
E-Mail: info@Quax-flieger.de,<br />
www.quax-flieger.de<br />
OO<br />
3. Oktober<br />
19. Oldtimertreffen Jesenwang<br />
Pro Luftfahrt e.V., Am Flugplatz,<br />
82287 Jesenwang, Tel.: +49 8146<br />
1444, Veranstaltung@proluftfahrtjesenwang.de,<br />
www.proluftfahrtjesenwang.de<br />
OO<br />
14. / 15. Oktober<br />
AOPA Sea Survival Training,<br />
Elsfleth<br />
AOPA-Germany, Verband der<br />
Allgemeinen Luftfahrt, Flugplatz<br />
Außerhalb 27, 63329 Egelsbach,<br />
Tel.: +49 6103 42081, E-Mail: info@<br />
aopa.de, www.aopa.de<br />
OO<br />
9. / 10. September 2017<br />
Fliegerfest Ammerbuch,<br />
Flugplatz Poltringen<br />
Flugsportverein Ammerbuch, Postfach<br />
1102, 71<strong>07</strong>0 Herrenberg, Tel.:<br />
+49 7032 28602, Mail: info@fsv-herrenberg.de,<br />
www.fsv-herrenberg.de<br />
IMPRESSUM<br />
REDAKTION: Leuschnerstr. 1, 70174 Stuttgart, Telefon: +49 711<br />
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Braunschweig, www.daec.de Offizielles Organ: DAeC, AOPA<br />
Germany, Club der Luftfahrt e.V.<br />
ANZEIGENVERTRETUNGEN IM AUSLAND: USA: International<br />
Aviation Magazine Group, Ed Hirsch, 12901 S.W. 64th Court, Miami,<br />
FL 33156, Tel.: 001 305-666-2055, E-Mail: ed.hirsch@iamgrp.<br />
com Advertising Office USA: Lorrie Balding, Advertising Sales Manager,<br />
Tel.: 001 786-223-1852, E-Mail: lorrie.balding@iamgrp.com<br />
Frankreich: Defense & Communication, Fabio Lancellotti, 48 Boulevard<br />
Jean-Jaurès, F-92110 Clichy, Tel.: +33 1 473<strong>07</strong>180, E-Mail:<br />
earchambeaud@defcommunication.com Italien: Rosy Pommerschein,<br />
Via Reno 2c, I-00198 Rom, Tel.: +39 06 8554126, E-Mail:<br />
pommerschein@tin.it Polen: Wojciech Luczak, Agencja Lotnicza<br />
Altair, ul. Fabry czna 16-22/23, PL-00-446 Warschau, Tel.: +48 22<br />
6283<strong>07</strong>3, E-Mail: wojciechluczak@wp.pl Tschechien: Ing. Zdenek<br />
Burian, Ke kurtum 379/11, CZ-14200 Prag 4, Tel.: +420 261<br />
911187, E-Mail: motorpresse@email.cz<br />
BEZUGSPREISE: Einzelpreis: € 5,50 Jahresabonnement:<br />
€ 66,– frei Haus, A: € 72,90, CH: sfr 115,–. Übriges Ausland auf Anfrage.<br />
Studenten erhalten gegen Vorlage einer Immatrikulationsbescheinigung<br />
das Abo mit einem Preisvorteil von 40 % gegenüber<br />
dem Kioskkauf zum Preis von € 39,60 (A: € 45,36; CH: sfr<br />
72,– ; weitere Auslandspreise auf Anfrage). Persönliche Mitglieder<br />
der Bundeskommission Motorflug des Deutschen Aero Club e.V.<br />
(DAeC) erhalten den Titel aero kurier im Rahmen eines gesonderten<br />
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Der <strong>aerokurier</strong> erscheint monatlich (mit den DAeC-Nachrichten<br />
in der Abonnement-Auflage). Es gilt die Anzeigenpreisliste <strong>2016</strong>.<br />
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übernommen. (ISSN 0341-1281)<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 111
[ UL/LSA Porträt ]<br />
Das Interview führte Toni Ganzmann<br />
Wolfgang, du bist quasi<br />
der Bürgermeister<br />
einer Westernstadt.<br />
Wie kamst du überhaupt<br />
auf diese Idee?<br />
Meine Eltern hatten einen Pferdezuchtbetrieb.<br />
Da gab es für mich halt<br />
immer nur Pferde und Reiten statt<br />
Fußball und Disco. Aber früher oder<br />
später willst du dich auch mal weiterentwickeln.<br />
Und so habe ich zusammen<br />
mit ein paar Freunden, die<br />
auch eine starke Affinität zu Pferden<br />
hatten, den Sattelclub gegründet. Da<br />
wir zur Bonanza-Generation gehören,<br />
interessierten wir uns besonders für<br />
den Wilden Westen, aber so, wie er<br />
wirklich war. Damit konnten wir<br />
schnell auch andere begeistern, und<br />
wir führten, natürlich erst im Kleinen,<br />
Westernreitveranstaltungen durch.<br />
Später konnten wir einen alten Märchenpark<br />
in der Nähe von Passau<br />
erwerben und begannen, dort „Pullman<br />
City, die Westernstadt in Bayern“<br />
aufzubauen. Doch irgendwann wurde<br />
es Zeit für eine Veränderung, und<br />
ich spielte mit dem Gedanken einer<br />
eigenen Westernstadt.<br />
Dass Cowboys immer nur zu Pferd<br />
unterwegs sind, ist ein Märchen,<br />
weiß Wolfgang Hagenberger. Seine<br />
Westernstadt Pullman City in Hasselfelde<br />
hat einen eigenen Landeplatz<br />
für fliegende Westernfans.<br />
Zwischen<br />
Cockpit und Sattel<br />
Da hast du im Harz, in Hasselfelde,<br />
noch einmal ganz von<br />
vorne begonnen?<br />
Im Prinzip ja. Ich hatte ja schon das<br />
Know-how, und ich wusste, was man<br />
braucht und wie man es präsentieren<br />
muss, um Westernfeeling und Lagerfeuerromantik<br />
zu erzeugen. Um authentisch<br />
zu sein, habe ich fast alle<br />
ausgestellten Exponate direkt in Texas<br />
und Oklahoma ausgesucht und in<br />
Containern nach Hasselfelde transportieren<br />
lassen. Nachdem ich dann<br />
auch noch eine gute Mitarbeitercrew<br />
112 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
Die Ausstattung der<br />
Westernstadt stammt<br />
nahezu vollständig aus<br />
den USA. Wolfgang<br />
Hagenberger legt viel<br />
Wert auf Authentizität.<br />
Fotos: Toni Ganzmann<br />
gefunden hatte, starteten wir vor 16<br />
Jahren mit „Pullman City, der Westernstadt<br />
im Harz“.<br />
Deine Westernstadt liegt im<br />
Landschaftsschutzgebiet, hat<br />
aber sogar einen eigenen, ordentlich<br />
zugelassenen Flugplatz. Wie<br />
ist das möglich?<br />
In unserer Westernstadt demonstrieren<br />
wir Naturverbundenheit. Hier gibt<br />
es Tiere zum Anfassen, Reiten für<br />
jedermann, wir züchten Bisons, Longhornrinder<br />
und natürlich Pferde. Zudem<br />
bin ich im Landschaftspflegeverband<br />
aktiv. Dieses Engagement sehen offensichtlich<br />
auch die Behörden und<br />
Naturschutzorganisationen mit Wohlwollen,<br />
denn ich habe sofort die Flugplatzgenehmigung<br />
nach Paragraf 25<br />
Luftverkehrsgesetz bekommen. Sogar<br />
die Zulassung nach Paragraf 6 als<br />
allgemeiner UL-Flugplatz wurde vor<br />
fünf Jahren erteilt.<br />
Aber spielt bei solchen Entscheidungen<br />
nicht auch die hohe Popularität,<br />
die Pullman City zum<br />
regionalen Wirtschaftsfaktor<br />
macht, eine Rolle?<br />
Ja natürlich. Wir gehören mit mehr<br />
als 200000 Besuchern jährlich zu den<br />
wichtigen Tourismusattraktionen und<br />
mit 150 Mitarbeitern zu den größten<br />
Arbeitgebern in der strukturschwachen<br />
Region Oberharz. Der Flugplatz ist<br />
dabei ein ebenso wichtiger Teil des<br />
Konzepts. Er spricht Piloten an, wie<br />
unsere Stallungen für Wanderreiter<br />
oder unsere Folklore- und Musikveranstaltungen<br />
für Westernfreunde<br />
interessant sind.<br />
Welche Rolle spielt die Fliegerei<br />
in deinem Leben?<br />
Vor zehn Jahren, als die Westernstadt<br />
aus dem Gröbsten raus war, habe ich<br />
mit dem Fliegen begonnen. Zuerst<br />
lernte ich Tragschrauber zu steuern,<br />
und etwas später erweiterte ich mei-<br />
ne Lizenz auf Ultraleichtflugzeuge. Ich<br />
freue mich immer wieder aufs Neue,<br />
die Natur von oben betrachten zu<br />
können. Dazu ist mein offener Tragschrauber<br />
MTOsport ideal. Wenn es<br />
die Wetterverhältnisse zulassen, dann<br />
steige ich aber auch gerne in meinen<br />
Kiebitz-Doppeldecker. Geschwindigkeit<br />
spielt für mich beim Fliegen keine<br />
Rolle – ich möchte einfach nur nach<br />
unten schauen und genießen. Das ist<br />
für mich Freiheit pur.<br />
Wird Pullman City häufig von<br />
Piloten angeflogen?<br />
Wir haben jährlich immer ungefähr<br />
400 Starts. Aber die Wetterlage im Harz<br />
spielt halt eine große Rolle. Manchmal<br />
bläst der Wind so, dass an Fliegen gar<br />
nicht zu denken ist. Auch unsere Platzhöhe<br />
von 1600 Fuß muss an heißen<br />
Tagen beachtet werden. Aber im Schnitt<br />
kommen jedes Wochenende 20 bis 30<br />
Ultraleichtflugzeuge, Tragschrauber<br />
und Trikes. Außerdem organisieren<br />
wir jährlich ein Flugplatzfest und von<br />
Zeit zu Zeit auch Thementreffen für<br />
Piloten. Tradition hat mittlerweile schon<br />
unser Wild West Fly In, das immer<br />
Mitte August stattfindet.<br />
Im Wilden Westen<br />
Mitten im Landschaftsschutzgebiet<br />
Oberharz betreibt der 57-jährige<br />
Wolfgang Hagenberger, ein waschechter<br />
Münchener, der nie seinen<br />
Dialekt abgelegt hat, den Erlebnispark<br />
„Pullman City“. Das ist eine<br />
200 000 Quadratmeter große<br />
Westernstadt, die den Besuchern<br />
den wahren Alltag von Indianern<br />
und Siedlern im 19. Jahrhundert<br />
näherbringen möchte. Direkt neben<br />
dem Palisadenzaun des Ortes<br />
liegt der dazugehörige Flugplatz<br />
Hasselfelde, der höchstgelegene<br />
im Umkreis von mehreren hundert<br />
Kilometern.<br />
Was ist an dem Flugplatz der<br />
Westernstadt im Harz so besonders?<br />
Wegen unserer topografischen Lage<br />
ist es wirklich nicht ganz einfach, hier<br />
sicher zu landen. Insbesondere beim<br />
Anflug aus Osten muss man frühzeitig<br />
aufsetzen, denn die Bahn endet<br />
kurz vor dem Palisadenzaun der Stadt.<br />
Da wir aber ein PPR-Platz sind, habe<br />
ich ja vorher immer Gelegenheit, jeden<br />
Piloten auf die Besonderheiten hinzuweisen.<br />
Auch im Anflug gebe ich<br />
bei Bedarf über Funk Hilfestellung.<br />
Der Gesetzgeber verlangt übrigens<br />
für eine Landung hier eine Mindestflugerfahrung<br />
von 100 Stunden.<br />
Eine erwähnenswerte Besonderheit<br />
ist, dass die Flugzeugbesatzungen<br />
freien Eintritt in die<br />
Westernstadt haben ...<br />
Ja, stimmt, das kostet nichts, und auch<br />
die Landung ist gebührenfrei. Es steht<br />
aber eine Spendenbüchse bereit, denn<br />
ich unterstütze schon seit vielen Jahren<br />
das Hamburger Kinderhospiz<br />
„Sternenbrücke“. Da freue ich mich<br />
natürlich über jeden Euro, der in die<br />
Dose fällt.<br />
ae<br />
In dieser Serie stellt<br />
der <strong>aerokurier</strong><br />
außergewöhnliche<br />
Persönlichkeiten<br />
aus der Luftfahrt<br />
im Interview vor.<br />
<strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong> 113
[ VORSCHAU ]<br />
Das lesen Sie im August<br />
... erhältlich auch<br />
als E-Paper<br />
Heft<br />
8<br />
erscheint am<br />
27. Juli<br />
<strong>2016</strong><br />
im Abo<br />
Coupons auf den Seiten 19 und 61<br />
3 x <strong>aerokurier</strong><br />
mit 35 % Ersparnis<br />
für nur € 10,75<br />
frei Haus!<br />
Einfach anrufen: +49 711 320 688 99<br />
und Kennziffer 1431625 angeben.<br />
Falls Sie nach dem Test keine weiteren Hefte<br />
wünschen, sagen Sie spätestens 14 Tage nach<br />
Erhalt der 2. Ausgabe ab. Ansonsten erhalten<br />
Sie den <strong>aerokurier</strong> weiter hin monatlich zu<br />
den im Impressum angegebenen Preisen<br />
mit jeder zeitigem Kündigungsrecht.<br />
Flying Bulls<br />
Teamgeist im Trainingscamp<br />
Vor jeder Flugsaison heißt es für die Piloten der Red-Bull-<br />
Oldtimerflotte aus Österreich, ihre fliegerische Präzision nach<br />
der Winterpause wiederzufinden und neue Manöver für die<br />
Displays einzustudieren. Der <strong>aerokurier</strong> hat beim Training im<br />
slowenischen Maribor ins Cockpit geschaut.<br />
Wir bitten um Verständnis, wenn angekündigte Beiträge aus aktuellen Gründen in eine andere Ausgabe verschoben werden.<br />
Fotos: Cornelius Braun/Red Bull Content Pool, DG-Flugzeugbau, Fotolia, Lars Reinhold<br />
Pilot Report<br />
DG-1001 Club mit Winglets<br />
Was kann die Trainervariante der DG-1001?<br />
Wir haben die neue Version des Schulflugzeugs<br />
mit Winglets und Festfahrwerk<br />
gründlich unter die Lupe genommen.<br />
Drohnen<br />
Unbemannt im Luftraum Golf<br />
Wer darf wo bis zu welcher Höhe fliegen?<br />
Können Drohnen sicher betrieben werden,<br />
oder sind sie immer nur eine Gefahr?<br />
Aktuelles aus einer hitzigen Debatte.<br />
Rettung des Blaník<br />
Aus Liebe zum Blech<br />
Elisa Bretterebner ist es zu verdanken, dass<br />
der LET-13 heute wieder fliegen darf. Nach<br />
dem Absturz 2010 trieb die Österreicherin<br />
die Entwicklung des Reparaturkits voran.<br />
114 <strong>aerokurier</strong> 7/<strong>2016</strong>
HELIKOPTER<br />
SPECIAL <strong>2016</strong><br />
September-Ausgabe<br />
Oktober-Ausgabe<br />
Das Heft im Heft bietet<br />
folgende Themen:<br />
■ Eine Legende geht<br />
Ende <strong>2016</strong> wird die Bo 105<br />
bei der Bundeswehr ausgemustert.<br />
Wir blicken auf eine<br />
bewegte Geschichte zurück.<br />
■ Pilot Report R66<br />
Was der Turbinen-Spross<br />
aus dem Hause Robinson<br />
wirklich kann<br />
■ Heli-Guide<br />
Hubschrauber-Unternehmen<br />
in Deutschland, Österreich<br />
und der Schweiz<br />
Anzeigenschluss<br />
19. Juli <strong>2016</strong><br />
Verkauf am Kiosk<br />
ab 24. August <strong>2016</strong><br />
Information<br />
Reinhard Wittstamm<br />
Tel.: +49 711 182-2814<br />
➟Bonusauflage<br />
VORTEIL<br />
Flächendeckende Präsenz<br />
ohne Mehrkosten<br />
Mit dem Helikopter Special im <strong>aerokurier</strong> 9/<strong>2016</strong> und<br />
in der Abo-Auflage der FLUG REVUE 10/<strong>2016</strong> erreichen<br />
Sie Ihre Zielgruppe im exklusiven Themenfeld.<br />
Es gilt die <strong>aerokurier</strong>-Preisliste <strong>2016</strong>.