ewe aktuell_2_2016

eineweltengagement

Magazin des eine-welt-engagement.de für Mitglieder, Sponsoren und Interessenten

Juni 2016

Osterfreuden

und Vorwahlspannung

WEITERE THEMEN IN DIESER AUSGABE:

„Eine tolle Zeit“

„Der erste Elephant trinkt das

sauberste Wasser!“

Chirundu – zwischen Lusaka

und Harare


Seite 2

Editorial

Liebe Leser,

vor zwei Wochen hatte ich eine Mail im

Posteingang – von Olivia aus Zingu. Ich hatte

Olivia vor 14 Jahren kennengelernt und

vor 8 Jahren zum letzten Mal gesehen. Als

wir uns zum ersten Mal begegnet waren,

war ich gerade am Ende meines Freiwilligenjahres

angekommen und verbrachte

eine Woche in einer Outstation von Mazabuka,

einer Außenstelle der Gemeinde in den

Munali Hills. Zingu war ein kleines Dorf, ich

wohnte dort bei der Familie Malambo, und

jeden Morgen gingen

wir zum Brunnen, um

unser Wasser fürs Waschen

und Kochen zu

holen. Olivia war damals

sieben Jahre alt,

packte schon damals

überall mit an und

machte das Essen,

während sich ihre

Mutter um die jüngeren

Geschwister kümmerte

und ihr Vater

unterrichtete. Von ihrer zupackenden Art hat

sie offensichtlich nichts verloren. Sie schrieb

mir, dass sie nun kurz vor dem Abschluss

ihres Universitätsstudiums an der Uni des

Copperbelt steht. Dann ist sie fertige Ingenieurin.

Mich hat das tief beeindruckt. Auf der

einen Seite zeigt es mir, wie viel Zeit seit

meinem Freiwilligenjahr vergangen ist, zum

anderen ist es einfach eine tolle Entwicklung,

über die ich mich sehr für Olivia

freue. Es ist schön, auf diese Weise Sambia

wieder ganz nah zu sein. Trotz aller technischen

Möglichkeiten ist es doch nicht einfach,

jeden Kontakt zu halten. Und wenn

man dann plötzlich durch eine Email wieder

am Leben einstiger Weggefährten teilhaben

kann, dann zeigt das auch die Nachhaltigkeit

und die vielen Facetten der Partnerschaften

des ewe. Mit einigen dieser Facetten

wünsche ich Ihnen und euch nun viel

Vergnügen!

Johann Müller

Inhaltsverzeichnis

3

5

8

10

eine-welt-engagement –

eine Herausforderung

Gemeinden im Bistum Monze

4

Chirundu – zwischen Lusaka und Harare

Unsere deutsche Freiwillige berichten

„Der erste Elephant trinkt

das sauberste Wasser!“

Aktuelles aus Sambia

Ausschreitungen und Vorwahlspannung

Unsere sambischen Freiwillige berichtet

6

„Eine tolle Zeit!“

Unsere sambischen Freiwillige berichtet

Ostern und Gemeindeleben

Herausgeber: eine-welt-engagement (ewe) e.V.

Internet: www.eine-welt-engagement.de

Redaktion: Johann Müller

E-Mail: johann.mueller@eine-welt-engagement.de

Postfach 100523, 52305 Düren

Layout/Satz: Type Art, Herzogenrath

Druck: saxoprint.de

Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt

eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen.

ewe aktuell“ ist im Abonnement gegen eine Spende

erhältlich. Info unter Telefon 02421- 8 79 88

oder unter: info@eine-welt-engagement.de

ViSdP: Guido Schürenberg

Impressum


Der Name unseres

Vereins –

und das war auch

die Intention der

Gründer – beschreibt

einerseits

das, was Ziel und

Aufgabe des Vereins

ist, und andererseits die Motivation der

Mitglieder: Wir im ewe engagieren uns für

diese eine Welt und wir tun das exemplarisch,

indem wir Partnerschaft mit den Menschen

im südlichen Sambia leben, in der

Diözese Monze. Unsere Partnerschaft findet

ihren Ausdruck im Freiwilligenaustausch und

näher hin in der Verortung unserer Freiwilligen

aus Deutschland und Sambia in Familien,

Gemeinden und sozialen Einrichtungen

im Gastland.

Für dieses Konzept und dessen erfolgreiche

Umsetzung erwarten wir das Qualitätssiegel

als weltwärts-Entsendeorganisation.

Für eine Organisation ohne Hauptamtliche

und ohne zentrale Verwaltung ist dies eine

stolze Leistung, für die unsere weltwärts-

Verantwortlichen Gesine und Natalie viele

Stunden hart gearbeitet haben, um die erforderlichen

Absprachen, Protokolle, Verträge,

Einsatz- und Notfallpläne und vieles mehr in

eine-welt-engagement –

eine Herausforderung

abgelegten Ordnern aus vergangenen Zeiten

der Vereinsverwaltung zu finden, zusammenzustellen,

mit den sambischen Partnern

abzugleichen bzw. neu zu formulieren.

Im Konzept dieses freiwilligen

sozialen Dienstes

in Sambia und Deutschland

stecken ein hoher

Selbstanspruch und eine

Herausforderung gerade für

die Freiwilligen. Hochmotivierte

Jugendliche suchen

diese Herausforderung

und wollen sich auf dieses

Abenteuer in einer so anderen

Kultur und Gesellschaft

einlassen – und das

nun schon seit 20 Jahren.

In diesem Jahr können wir

leider zum zweiten Mal in

der Vereinsgeschichte keine

deutschen Freiwilligen nach Sambia entsenden,

weil wir keine geeigneten Bewerber

hatten. Und auch unsere sambischen Partner

entsenden nur einen geeigneten Freiwilligen.

Sind unsere Ansprüche zu hoch? Stört

ein Freiwilligendienst die Ausbildungs- und

Karriereplanung?

Die Entscheidung für einen Freiwilligendienst

und besonders der Dienst in einer

anderen Kultur liegt eher in der Grundmotivation

der Bewerber und dem Reiz etwas

Besonderes zu tun.

Freiwilligendienst im ewe

ist EMPOWERMENT for LIFE

Denn für deutsche wie sambische Freiwillige

war ihr Jahr in Sambia bzw. Deutschland

wichtig, orientierend, motivierend, bereichernd

und entscheidend für ihren weiteren

Lebensweg – das ist das Fazit des Treffens

der ehemaligen Freiwilligen mit Solomon

Seite 3

Phiri und Sister Chrisencia beim Jubiläumsfest.

Der Vorstand des ewe, also die acht ehrenamtlich

Engagierten für den interkulturellen

Freiwilligendienst, für die Informationsund

Öffentlichkeitsarbeit und für die Leitung

des Vereins, setzen auf Kontinuität und entwickeln

Ideen und Perspektiven für einen attraktiven

Freiwilligendienst, weil Partnerschaft

nicht beliebig ist und Verlässlichkeit

braucht.

Sangu Phiri kam im Jahr 2000 auf Vermittlung

des ewe für ein Jahr nach Deutschland.

15 Jahre danach befragt, was er dem

ewe wünscht, antwortet er „Kontinuität,

dass auch weiterhin Freiwillige die Erfahrung

des Eintauchens in eine fremde Kultur

machen können“ und er fordert die, die so

viel profitiert haben vom interkulturellen

Austausch, auf „noch mehr Energie reinzustecken“,

um auch weiterhin Freiwilligenarbeit

auf beiden Seiten zu ermöglichen.

Diese Herausforderung gehen wir gerne

mit Ihrer/ Eurer Unterstützung an.

Guido Schürenberg -Vorsitzender

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Seite 4

Gemeinden im Bistum Monze

Heute: Chirundu – zwischen Lusaka und Harare

„Mary Queen of Peace“ und eine der sogenannten

„italienischen“ Gemeinden. Hierhin

entsendet das Bistum Mailand seit vielen

Jahren einen italienischen Priester. Im Jahr

Wer sich von Sambias Hauptstadt Lusaka

auf direktem Weg ins simbabwische

Regierungszentrum Harare begeben

will, der hat keine andere Wahl als durch

Chirundu zu fahren. Das klingt erst einmal

unangenehm: Betritt man die sambische

Grenzstadt am Sambesi, so fragt man sich

zunächst, wo denn eigentlich die Stadt ist,

denn außer LKWs, die in lang aufgereihten

Schlangen auf ihren Grenzübertritt warten,

sieht man erst einmal nicht viel. Vermengt

sich die über weite Strecken

des Jahres große Hitze mit

LKW-Abgasen, so mag manch

einer schnelle Fluchtreflexe

entwickeln. Doch genau hier

beginnen die südöstlichen

Ableger des Bistums Monze:

Bewegt man sich weiter den

Sambesi flussaufwärts entlang,

kommt man zu den Gemeinden Lusitu

und Siavonga, das direkt am Karibasee liegt.

Chirundu ist die Heimat der Gemeinde

2007 war Chirundu zum bisher ersten und

einzigen Mal Einsatzort einer deutschen

ewe-Freiwilligen. Wer sich Richtung Sambesi

begibt, lernt dann auch schnell die angenehmen

Seiten Chirundus kennen: der

Grenzfluss strahlt eine große Ruhe aus, man

kann direkt bis nach Simbabwe hinüberschauen,

und mit etwas Glück lässt sich

auch mal der Blick auf ein Nilpferd oder Krokodil

erhaschen. 20 km außerhalb Chirundus

lässt sich der Chirundu Petrified Forest,

ein versteinerter Wald, begutachten. Dort finden

sich noch versteinerte Baumstämme

aus der Karoo-Eiszeit – von vor 360-260

Millionen Jahren.

Johann Müller

Fotonachweise

Guido Schürenberg 2

Helen Hermens 4

Melody Namano 4

Nelly Kabila 7

WildZambezi.com 1

Weather-Forecast.com 1

Newsday 1

Trademarksa.org 1

Mwebantu.com 1

Alchetron 1

AFP 1


Seite 5

Akutelles aus Sambia

Ausschreitungen und Vorwahlspannung

Im Kontext der wirtschaftlichen Spannungen

und der im August stattfindenden Parlaments-

und Präsidentschaftswahlen kam

es in Lusaka im April zu gewaltsamen Ausschreitungen

gegen Ausländer, bei denen

zwei Menschen getötet wurden. Auslöser

waren Gerüchte, nach denen Einwanderer

aus Ruanda hinter einer Mordserie stecken.

Im Anschluss daran wurden Geschäfte von

Ruandern, Burundiern und Kongolesen in

Armenvierteln Lusakas geplündert. Nach

den beiden bestätigten Todesfällen nahm

die Polizei über 250 Menschen fest.

Am 21.Mai benannte Präsident Edgar Lungu

die amtierende Vize-Präsidentin als

seine „Running Mate“ für die Präsidentschaftswahlen

am 11.August. Zeitgleich wird

auch ein neues Parlament gewählt. Größter

Herausforderer Lungus ist der der aus Monze

stammende Geschäftsmann Hakainde

Hichilema von der United

Party for National

Development (UPND).

Die inzwischen in drei

Flügel gespaltene ehemalige

Regierungspartei

Movement for Multiparty

Democracy

(MMD) gilt als chancenlos.

Sie hatte von

1991 bis 2008 mit Frederick

Chiluba, Levy

Mwanawasa und Rupiah

Banda drei Präsidenten

gestellt.

Mit nur einem Sieg aus fünf Qualifikationsspielen

verpasst die sambische

Fußballnationalmannschaft, die Chipolopolo

Boys, erstmals seit 2004 wieder die Fußball-

Afrikameisterschaft, die Anfang des kommenden

Jahres in Gabun stattfindet. Im

entscheidenden Spiel verlor Sambia in

Guinea-Bissau und liegt in der Qualifikationsgruppe

abgeschlagen auf Rang drei

hinter Guinea-Bissau und Kenia. 2012 hatte

Sambia zum ersten und einzigen Mal das

Turnier gewonnen.

Johann Müller

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Seite 6

Aus dem Freiwilligenleben: Unsere s

„Eine tolle Zeit!“

Ich habe mich jetzt

wirklich gut in

Deutschland eingelebt,

aber die Uhr

tickt....

Im Krankenhaus

kann ich jetzt die

Ärzte begleiten, um zu sehen, wie sie arbeiten

und dort zu helfen, wo ich schon Kenntnisse

erworben habe. Einfach gesagt: Lernen

durch Beobachten.

Ich bin jetzt in meiner zweiten Gastfamilie,

bei Karl-Josef und Beate Pfeiffer. Sie haben

drei Kinder, die Zwillinge Christina und

Veronika und einen Sohn Philipp. Alle drei

Kinder sind verheiratet und leben nicht mehr

bei ihren Eltern. Also sind nur wir drei zu

Hause.

Morgens geht mein Gastvater immer mit

mir zum Bahnhof, weil mein Zug schon um

5:29h fährt und wenn ich Spätdienst habe,

holt er mich am Bahnhof ab. Allein zu gehen

ist nicht so sicher für mich.

Mit neuer Brille auf dem Kölntriangle.

In Sambia habe ich nie die Gelegenheit

gehabt, Kommunionunterricht zu nehmen.

Hier sah das anders aus, ich ging zum Kommunionunterricht

und am 31. Januar war

meine Erstkommunion hier in Deutschland.

Mit Tünnes und Schäl in Köln.

Im April war ich mit meiner Gastfamilie

in der Schweiz, um die Erstkommunion

eines ihrer Enkel zu feiern. Es war so interessant,

weil jedes Kommunionkind in der

Lage war, in der Kirche ein Musikinstrument

zu spielen, zu singen und zu tanzen. Es war

ein Riesenfest mit viel Essen, und das Kommunionkind

bekam viele Geschenke.

Die Schweiz ist meiner Meinung nach

ein wunderschönes Land. Es war schon

mein zweiter Besuch in diesem Land. Beim

ersten Mal war ich im Winter dort und es lag

jede Menge Schnee. Wir warfen Schneebälle

auf die anderen, was für ein schönes

Spiel! Beim späteren Besuch war es Frühling,

es war so wunderbar mit den vielen

Blumen und den grünen Bäumen. Ich konnte

gar nicht aufhören zu fotografieren.

Bei der Erstkommunion.

Jetzt habe ich Firmunterricht und werde mit

60 anderen Kindern am 11. Juni 2016 gefirmt.


Seite 7

sambischen Freiwilligen berichten

„Zuhause in Sambia

war ich es nicht

gewohnt, jemandem

meine Hilfe anzubieten.

Ich glaubte immer, dass

die Menschen auf mich

zukommen, wenn sie

Hilfe benötigen.“

Eine andere Sache ist der Besuch bei

einem Optiker, der einige Augentests machte

und dann feststellte, dass ich ziemlich

schlechte Augen habe. Jetzt trage ich zum

ersten Mal eine Brille.

Schon zu Beginn meines Aufenthaltes in

Deutschland bis heute habe ich entdeckt,

dass die Frauen normalerweise keine hohen

Absätze tragen. Man sagte mir, dass der

Grund dafür die Unfähigkeit ist, mit oder

auf ihnen schnell zu gehen und zur Arbeit

zu laufen oder den Zug oder Bus noch zu

bekommen. Ich habe mich dem schnellen

Gehen und Laufen angepasst , das hilft mir

sehr, pünktlich bei der Arbeit und anderswo

zu sein.

Der Respekt für die Mitarbeiter im Krankenhaus

hat mich so sehr inspiriert, manche

Besucher der Patienten wollten das Zimmer

verlassen, selbst wenn ich nur den Blutdruck

oder Blutzucker messen wollte. Ich wünsche

„Ich wünsche mir

sehr, dass die Leute in

Sambia den gleichen

Respekt vor den

Krankenschwestern

und Pflegern haben.“

mir sehr, dass die Leute in Sambia den gleichen

Respekt vor den Krankenschwestern

und Pflegern haben. Im letzten Sommer, als

ich in Deutschland ankam, waren alle diese

Leute so schnell in ihrer Arbeit und beim

Sprechen, dass ich dachte, ich könnte es

nicht schaffen, mit ihnen zusammen zu arbeiten,

weil ich schon etwas langsam war.

Aber jetzt habe ich gelernt, genau so schnell

wie meine deutschen Arbeitskollegen zu

sein. Ich werde versuchen, diese Schnelligkeit

bei der Arbeit mit nach Sambia zu nehmen,

obwohl es dort manchmal so heiß ist,

dass man nicht schnell arbeiten kann.

Meine Pfeiffer-Familie.

Zuhause in Sambia war ich es nicht gewohnt,

jemandem meine Hilfe anzubieten.

Ich glaubte immer, dass die Menschen auf

mich zukommen, wenn sie Hilfe benötigen.

Hier in Deutschland habe ich gelernt, dass

es anders ist. Ich muss den Menschen meine

Hilfe anbieten. Genauso ist es auf meiner

Arbeitsstelle. Dort muss ich nicht darauf warten,

bis mir jemand sagt, was zu tun ist,

sondern ich muss es selbst erkennen und

mir eine Aufgabe suchen.

Mein Rat an die nächsten Freiwilligen

ist, dass sie sich darauf konzentrieren, die

Sprache zu lernen, und zwar bereits in Sambia

und dann auch in Deutschland. Wenn

man die Sprache lernt, wird das Leben

bedeutend leichter und die Leute werden

glücklich.

Zum Schluss möchte ich dem EWE danken.

Ich habe meine Fähigkeiten in einem

Krankenhaus zu arbeiten entdeckt und zurück

in Sambia werde ich einen sehr großen

Teil meines neuen Wissens, das ich in

Deutschland erworben habe, gut nutzen.

Danke EWE

Nelly Kabila


Seite 8

Aus dem Freiwilligenleben: Unsere

Ostern und

das Gemeindeleben

Ostern ist eines

der wichtigsten

christlichen Feste.

Tage vorher beginnen

die Vorbereitungen

für das große

Fest. Die Fenster

und Türen der Häuser werden mit Blumen

und gebastelten Osterhasen, Kaninchen mit

Karotten aus Pappkarton dekoriert und die

Osterglocken, die nur zu dieser Jahreszeit

blühen, werden schön in Szene gesetzt. Besonders

schön fand ich das Dekorieren mit

bunten, innen hohlen Eiern, die an einen

Strauch gehängt werden. Dazu werden diese

ausgeblasen und angemalt. Das fand ich

ein wenig schwierig, da ich Angst hatte, ich

würde die Eier zerbrechen.

Während der Osterzeit gab es bei uns

auch spezielle Kuchen, in Form von Osterlämmern

oder Osterhasen.

Am Osterfest trifft sich die ganze Familie

und sucht im Garten nach bunten Eiern. Derjenige,

der die meisten Eier gefunden hatte,

war der Gewinner des Spiels. Insgesamt war

Ostern für mich eine tolle und aufregende

Zeit, in der ich viele neue Bräuche kennengelernt

habe.

An Himmelfahrt mit befreundeten Familien.

Beim Eierfärben mit der Familie.


Seite 9

sambischen Freiwilligen berichten

„Insgesamt war Ostern

für mich eine tolle und

aufregende Zeit, in der

ich viele neue Bräuche

kennengelernt habe.“

Eine schöne Geschichte

über die Freundschaft

In einer Gemeinschaft helfen Menschen sich

gegenseitig und auch anderen und wollen

gemeinsam Neues lernen. Daher ist es

wichtig, Fragen zu stellen. Selbst wenn du

glaubst, du würdest vieles wissen, es gibt

immer noch mehr, dass du nicht weißt, aber

wissen solltest. Mit einer solchen Gemeinschaft

habe ich mich getroffen. Es waren

ganz verschiedene Menschen, die sich während

ihrer Studienzeit kennengelernt haben

und aktuell aber in verschiedenen Städten

leben. Nachdem sie ihr Studium abgeschlossen

hatten, haben sie beschlossen,

eine Gemeinschaft zu gründen, um ihre

Freundschaft aufrechtzuerhalten. Einmal im

Jahr treffen sich die drei Freunde und sind

immer noch wie Brüder füreinander. Sie haben

nun alle eine eigene Familie und Kinder

und sind zu einer großen Gemeinschaft

zusammengewachsen. Obwohl sie weit

voneinander entfernt leben, war ich davon

fasziniert und begeistert wie viel Wert ihre

Freundschaft immer noch besitzt. Danke

ewe, dass ich solche Menschen treffen darf

und lerne, wie sie ihr Leben gestalten.

Davon habe ich für mich persönlich viel mitgenommen.

Herzliche Grüße, Melody Namano

Ostern bei der Oma mit Familie.

Hairstyling.

„Selbst wenn du

glaubst, du würdest

vieles wissen, es gibt

immer noch mehr, dass

du nicht weißt, aber

wissen solltest.“

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Danke!


Seite 10

Aus dem Freiwilligenleben: Unsere

„Der erste Elefant trinkt

das sauberste Wasser!“

Mir kommt es vor, als sei es gestern gewesen,

dass ich den letzten Bericht

geschrieben habe, auch wenn wieder einmal

so viel in den paar Monaten passiert ist

und ich wieder einmal so viel Neues gelernt

habe. Man darf hier nie denken „so, jetzt

weiß ich über alles Bescheid, jetzt bin ich

eine echte Sambierin.“ Immer wieder stolpere

ich über neue Dinge, die entdeckt werden

wollen und treffe neue Menschen, die mir

neue Geschichten erzählen.

So zum Beispiel kürzlich, als ich mich

auf den Weg zum Singen machte: Wir trafen

uns jeden Nachmittag vor Ostern, um für das

Easter Festival, einem Nachmittag für die

Chöre in den Small Christian Communities,

zu proben. Auf dem Weg zu dem Treffen begegnete

mir ein älterer Herr, der nicht wie

sonst viele mir einfach nur „Mzungu“ hinter

mir her rief oder mir ein nächstes „How are

you?“ an den Kopf warf. Er hatte einen Maiskolben

dabei, teilte ihn in zwei Hälften und

bot mir eine Hälfte an. Und so gingen wir

zusammen ein Stück. Er fand es super, dass

ich das Tongawort für Maiskolben „Popgwe“

kannte und wir unterhielten uns wirklich

nett: Über Politik und die anstehenden Wahlen

im August, die schlechte Regenzeit und

er verkündete hat mir, dass „Sambia ja so

ein friedvolles Land ist“, wie es mir schon

viele zuvor gesagt hatten. Ja, das sehe ich

genauso, doch manchmal zweifle ich ein

bisschen an dem berühmten Slogan „One

Zambia, one Nation“, mit dem jeden Abend

die Nachrichten beginnen. Das liegt vor allem

an den vielen kleinen Stämmen in Sambia

und den vielen (74!) unterschiedlichen

Sprachen. Da ist es manchmal ganz schön

schwer, EIN Land zu sein, besonders in der

Zeit vor den wirklich sehr wichtigen Wahlen.

Sambia hat gerade ein paar Laster zu tragen.

Unsere Währung verliert an Wert. Die

Regenzeit war sehr trocken, sodass der Mais

nicht ordentlich wachsen konnte. Geplante

Stromausfälle (das bedeutet, dass jede Stadt

einen Plan bekommt, auf dem steht an welchem

Wochentag um welche Uhrzeit es keinen

Strom gibt) und somit Wasserausfälle

gehören zum Alltag dazu. Die Sambier sind

deswegen alle sehr gespannt auf die Wahlen

im August. Wird sich dann endlich etwas

verbessern? Man kann bereits jetzt schon

die Spannung in der Luft spüren. Zu schade,

dass ich im August wieder in Deutschland

sein werde – wo man irgendwie überhaupt

nichts davon hört, dass sich der Kwacha gerade

in einer ziemlichen Krise befindet oder

dass sich so viele Menschen Sorgen um ihr

Hauptnahrungsmittel machen. Das ist schon

sehr komisch, wenn ich daran denke, weil

Sambia nun meine zweite Heimat ist und

plötzlich so viel wichtiger als jedes andere

Land, was andauernd in den deutschen

Nachrichten ist.

Was ich außerdem Neues kennengelernt

habe, ist Ostern. Ich dachte immer, ich kenne

Ostern. Ja, deutsches Ostern vielleicht mit

einer andächtigen Osternacht und ein paar

buntgemalten Eiern, die ein Hase versteckt

(schon ein seltsamer Brauch, wenn man mal

darüber nachdenkt). Aber ich kannte bis

heute nicht das sambische Ostern, ein so

beschäftigtes Fest mit so viel Hingabe und

Glauben und Freude. An Palmsonntag liefen

wir alle singend mit mannsgroßen Palmwedeln

zur Kirche. Gründonnerstag hatten wir

eine Messe mit vielen Gesängen. Karfreitag

spielten die Jugendlichen den Kreuzweg

nach: mit echten Kreuzen, an denen die

Jungs wirklich aufgehängt wurden und so

viel Dramatik, dass ich echt das Gefühl hatte,

das erste Mal den Kreuzweg richtig

verstanden zu haben. Und dann die Osternacht.

Ich habe noch nie in meinem Leben

(selbst nicht hier in Sambia) so eine Messe


Seite 11

deutsche Freiwillige berichtet

erlebt. Es war zuerst sehr feierlich mit den

vielen Kerzen in der Kirche. Und dann war

die Atmosphäre schließlich voller Freude, als

Jesus‘ Auferstehung verkündet wurde. Ich

dachte, Jesus höchstpersönlich käme zur Kirche

hereinspaziert, so sehr haben die Menschen

gefeiert, getanzt, gesungen und geschrien.

Es war wirklich fantastisch. Ich habe

bereits meiner Familie gesagt, dass ich,

wenn ich Sambia wieder besuchen komme,

auf jeden Fall Ostern kommen werde.

Die Geschichten, die ich sonst hier oft

mithöre oder erzählt bekomme, handeln regelmäßig

von Hexen, Schlangen, bösen Geistern

und dem Teufel. Natürlich habe ich

darüber schon von Vorfreiwilligen gehört,

aber zu sehen, wie ernst viele Menschen

diese Geschichten nehmen, hat mich trotzdem

überrascht. „Ich glaube nicht daran,

aber es ist da.“ Diese Aussage habe ich

schon oft gehört. Zuerst war ich ein bisschen

verwirrt. Wenn man an etwas nicht

glaubt, dann ist es doch auch nicht da,

oder? Dann aber habe ich verstanden, was

mit „Glauben“ gemeint ist. Glauben in diesem

Falle heißt so etwas wie „Anbeten“

„Verehren“ oder „Unterstützen“. So „glauben“

viele an Gott oder an den christlichen Glauben,

jedoch nicht an Zauber und Witchcraft.

Lustige Missverständnisse tauchen so immer

wieder auf. Zum Beispiel war kürzlich

ein weißer, etwas älterer Mann in einem

Dorf unterwegs. Er hatte zufällig ein

bisschen Bart und anscheinend ein weißes

Gewand an, denn plötzlich wurde er von allen

für den wiederauferstandenen Jesus gehalten.

Dazu wäre es in einem deutschen

Dorf sicherlich nicht gekommen.

Eine immer noch große Herausforderung

für mich ist die Sprache: Tonga hier in Mazabuka.

Ich muss immer wieder feststellen,

dass Englisch vielleicht die Landessprache

ist, doch die Menschen untereinander

eigentlich nie Englisch reden. Wenn ich

manchmal mit Freunden unterwegs bin,

bekomme ich nur Brocken von dem mit, von

dem sie reden, und das ist manchmal echt

schade, weil ich es so gerne verstehen würde!

Ein paar Dinge sind mir aber natürlich

schon vertraut, und es ist immer schön zu

sehen, wie sich jemand freut, wenn man auf

dem Markt einkaufen geht und nach dem

Preis auf Tonga fragt: „Mali nzi?“. Ich habe

aus der Schule, in der ich zurzeit arbeite ein

Tonga-Englisch Wörterbuch bekommen, was

mir wirklich sehr hilft. Darin stehen auch

Tonga-Sprichwörter, und ich fand es sehr

interessant zu sehen, wie sehr die Umgebung

und die Kultur Sprichwörter beeinflussen.

Zum Beispiel ist unser „der frühe Vogel

fängt den Wurm“ auf Tonga „Injombe ntaanzi

njinywa meenda mabotu“, wörtlich übersetzt:

„Der erste Elefant trinkt das sauberste

Wasser.“ Auch die Familiensituation und das

Gefühl von Familie drücken sich perfekt in

der Sprache hier aus. Hier in Sambia stehen

alle Türen jederzeit jedermann offen. Alle

werden mit in die Familie aufgenommen,

und wenn meine Mutter mir jemanden als

meine Tante vorstellt, dann ist das nicht un-

„Ich dachte, Jesus

höchstpersönlich käme

zur Kirche hereinspaziert,

so sehr haben

die Menschen gefeiert,

getanzt, gesungen

und geschrien.“

bedingt die Schwester meiner Mutter oder

meines Vaters, sondern vielleicht auch die

Cousine oder die angeheiratete Großtante.

So gibt es in Tonga zum Beispiel gar kein

Wort für Cousin oder Cousine, es gibt nur

Bruder und Schwester. Das Wort für „Tante“

in Tonga „Baama Bamwi“ wird wortwörtlich

mit „meine andere Mutter“ übersetzt. Ich finde,

dass zeigt wie offen und herzlich die

Menschen hier sind. Und das erfahre ich immer

wieder.

Ich kann gar nicht glauben, dass ich

meinen nächsten Bericht schon in Deutschland

verfassen werde. Ich bin doch gerade

erst angekommen! Ich habe mich doch

gerade erst eingelebt und das Essen, die

Menschen, das Klima, die Stadt lieben

gelernt. Ich glaube, egal wie viele Berichte,

Fotos und Eindrücke ich vor meinem Jahr

von anderen Freiwilligen und auf den Vorbereitungsseminaren

bekommen habe, ist dieses

Jahr doch ganz anders, als ich es mir

vorgestellt habe. Vor allem jedoch hätte ich

nie gedacht, dass ich es so schwer finden

würde, Mazabuka wieder zu verlassen. Zum

Glück habe ich noch knapp drei Monate!

Helen Hermens


Bitte

vormerken!

04. August 2016:

Ankunft des sambischen

Freiwilligen Daniel Nanja

11. August 2016:

Parlaments- und Präsidentschaftswahlen

in Sambia

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