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Christian Thomas Kohl

Nagarjuna und Alfred North Whitehead

über das zwischen den Dingen Liegende.

Denkweisen aus Asien und Europa

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Abstract

In diesem Text geht es zunächst um eine Zurückweisung eines

indologischen Interpretationsmusters und Klischees, nach dem in

Nagarjunas Philosophie den Dingen eine fehlende Existenz zugeschrieben

wird. Das halte ich für einen Versuch, den Buddhismus auf die Stufe

eines Aberglaubens herabzustufen. Weiterhin geht es um das zwischen

den Dingen Liegende und um den Begriff der Abhängigkeit und um

zahlreiche ganz ähnliche Begriffe, die der Philosoph A. N. Whitehead

verwendet, um ein Prinzip zum Ausdruck zu bringen, das von ihm auch als

die Verflochtenheit der Dinge bezeichnet wird. Ein viel früherer Hinweis

auf das zwischen den Dingen Liegende stammt von dem indischen

Philosophen Nagarjuna. Bei beiden Philosophen gibt es Dutzende von

Begriffen und Bildern, die sich vom Denken an ein Objekt lösen, um sich

mehr auf das zu konzentrieren, was zwischen den Dingen passiert, auf

Zwischenräume und Zwischenzustände. Solch ein Zwischenzustand lässt

sich nicht auf einen einzigen Begriff festnageln, der die Vielfalt der

Beziehungen zum Ausdruck bringen könnte.

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1.Vorbemerkung

„Wenn wir es nun, Sokrates, bei der Beantwortung so vieler Fragen über

die Götter und die Entstehung des Universums nicht schaffen, eine

Geschichte zu finden, die völlig in sich übereinstimmend und in allen

Punkten ganz genau ist, solltest du nicht verwundert sein; denn es sollte

schon genügen, wenn unsere Geschichte nicht weniger plausibel als andere

ist. Wir müssen nämlich immer daran denken, dass wir alle bloß Menschen

sind, ich, der ich sie erzähle, und ihr, die ihr sie hört, und dass uns

deshalb bei diesen Fragen wohl eine wahrscheinliche Geschichte genügen

muss…“ (Platon, Timaios).

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2. Vorbemerkung

Whitehead schreibt in seinem Buch Abenteuer der Ideen über

Ähnlichkeiten von Ideen, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind,

weil sie in unterschiedlichen Sprechweisen formuliert wurden. Und damit

möchte ich in mein Thema einführen: Gibt es eine Entsprechung von

asiatischen und europäischen Denkweisen?

„Selbst scharfen Denkern fällt es mitunter schwer, die Entsprechungen

zwischen Ideen zu sehen, die in unterschiedlichen Sprechweisen

formuliert und durch unterschiedliche Beispiele illustriert worden sind.

Manchmal ist es zwischen Philosophen, die genau die gleiche Idee auf

verschiedene Weise formuliert hatten, zum erbitterten Streit

gekommen. Deshalb muss man, wenn man in der Religion einen neuen

Anfang machen will, der auf Ideen von profunder Allgemeinheit basiert,

darauf gefasst sein, dass es tausend Jahre dauert, bis er sich

durchsetzen kann. Religionen sind in dieser Beziehung wie die Spezies im

Tierreich: keine von ihnen entsteht durch einen spontanen Schöpfungsakt

in endgültiger Gestalt“ (A.N. Whitehead, Abenteuer der Ideen, Suhrkamp

Verlag Frankfurt am Main 1971, S. 323).

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3. Vorbemerkung

Vorprägung. Können wir heute, im 21. Jahrhundert den indischen

buddhistischen Philosophen aus dem 2. Jahrhundert verstehen? Werden

wir nicht durch unsere eigenen Vorprägungen daran gehindert? In seinen

Heraklit-Studien hat sich der fast 100-jährige Philosoph Hans-Georg

Gadamer genau mit dieser Frage beschäftigt. Gadamer schreibt dort:

„Unsere eigene Vorprägung sitzt so tief, dass sie im Verständnis anderer

Kulturen und Geschichtswelten uns behindert. Um zu besserem

Verständnis zu gelangen, muss man sich seiner eigenen Vorprägung

bewusst zu werden versuchen“ Hans-Georg Gadamer, Der Anfang des

Wissens, Philipp Reclam, Stuttgart 1999, S. 67). Meine Vorprägung, mit

der ich die Philosophie Nagarjunas zu verstehen suche, ist durch die

Auseinandersetzung mit Whiteheads Schriften entstanden und

umgekehrt. Beide Philosophen haben sich von dem Begriff des Absoluten

und von dem Begriff der Subjektivität verabschiedet, beide haben das

zwischen den Dingen Liegende als eine Grundlage angesehen.

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4. Vorbemerkung

A. N. Whitehead, Denkweisen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main

2001: “Philosophische Wahrheiten sind daher eher in den

Voraussetzungen der Sprache als in ausdrücklichen Feststellungen zu

suchen”(S. 45). “Verbundenheit ist das Wesen jeglicher Art von Dingen”.

(...) „Keine Tatsache ist nur sie selbst”.(...) “Dies bedeutet, dass immer

da, wo ein Einzelfaktum erörtert wird, eine Voraussetzung unterschlagen

wird, nämlich die Koordination mit der Umgebung, die erforderlich ist für

die Existenz dieses Faktums”. (S.54) “Die Tatsache ist eine Abstraktion,

zu der man gelangt, wenn man das Denken auf rein formale Beziehungen

beschränkt, die schließlich als endliche Realität maskiert werden. Darum

fällt Wissenschaft in ihrer Perfektion auf das Studium von

Differentialgleichungen zurück. Die wirkliche Welt ist der Wissenschaft

durch das Netz gegangen”. (S. 62) “Philosophie ist die Kritik der

Abstraktionen, die spezifische Denkweisen beherrschen”. (S.89) “Diese

gegenseitige Durchdringung ist eine fundamentale Erfahrungstatsache”.

(S. 93) “Die Definition der Umgebung ist genau das, was in speziellen

Abstraktionen übergangen wird”. (S. 95) “So suggerieren zum Beispiel

einzelne Wörter, jeweils in ihrer lexikalischen Bedeutung, und einzelne

Sätze, abgetrennt durch Schlusspunkte, die Möglichkeit, vollständig von

jeglicher Umwelt abstrahierbar zu sein. So kann man durchaus sagen,

dass das Problem der Philosophie darin besteht, wechselseitige

Verbindungen von Dingen zu verstehen, die auch ohne Bezug zueinander

verstanden werden können. Aber eben diese Voraussetzung ist irrig. Wir

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sollten uns von ihr verabschieden und davon ausgehen, dass jede Entität –

welcher Art auch immer – notwendigerweise über eine für sie wesentliche

Verbindung mit dem Universum der Dinge verfügt. Diese Verbindung kann

als die Seinsweise betrachtet werden”. (S. 105) “Alles, was in irgendeinem

Sinne existiert, hat zwei Seiten, sein individuelles Selbst und seine

Signifikanz im Universum. Und jeder dieser Aspekte ist ein Faktor des

anderen”. (S. 146) “Die Umwelt dringt in die Natur jedes einzelnen Dings

ein”. (S. 170)

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1. Einleitung

In der Geschichte des Buddhismus ist der indische Philosoph Nagarjuna,

der wahrscheinlich im 2. Jahrhundert lebte, besonders durch zwei

Schlüsselbegriffe seiner Philosophie bekannt geworden, es sind die

Sanskritworte ‚Sunyata‘ und ‚pratityasamutpada‘. Auf diese Begriffe

haben sich nicht etwa europäische Philosophen, sondern ausgerechnet

europäische und amerikanische Philologen, also Sprachwissenschaftler,

Indologen, gestürzt. Kurzgefasst ist Indologie das Folgende:

„Schwerpunkt der klassischen Indologie war seit ihren ersten Anfängen

die Sanskrit-Philologie, bereits in der ersten Hälfte des 19.

Jahrhunderts kamen Studien der mittelindischen Sprachen (Pali und

Prakrit-Dialekte) hinzu. Viele von der klassischen Indologie erstellte

Übersetzungen oder Fachartikel bereicherten andere Wissenschaften

wie zum Beispiel die vergleichende Sprach- und Religionswissenschaft

oder Archäologie. Auch für die Zukunft bleiben noch zahlreiche

Aufgaben, so etwa die deutsche Übersetzung wichtiger Sanskrit-Texte,

die bislang nur in – oft unvollkommener – englischer Übertragung

vorliegen.“ Die Quelle dieses Zitats ist Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/wiki/Indologie

Indologen haben den Schlüsselbegriff Sunyata meistens mit dem deutschen

Wort ‚Leerheit‘ übersetzt und pratityasamutpada mit der Bezeichnung

‚abhängiges Entstehen‘. Diese Übersetzungen von einzelnen Wörtern,

jeweils in ihrer lexikalischen Bedeutung, ohne Rücksicht auf den

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Textzusammenhang und auf die ausgesprochenen und nicht ausgesprochenen

philosophischen Ideen, die dem Text zugrunde liegen und darüber

hinaus zahllose philologische Interpretationen haben den Eindruck hervorgerufen,

Nagarjuna hätte die Dinge für leer, nicht real, nicht existierend

gehalten, für eine Halluzination oder Fiktion.

An dieser Stelle möchte ich an die philosophische Kurzdefinition einer

Fiktion erinnern: „Das menschliche Vorstellungsgebilde der Welt ist ein

ungeheures Gewebe von Fiktionen voll logischer Widersprüche, d. h. von

wissenschaftlichen Erdichtungen zu praktischen Zwecken bzw. von inadäquaten,

subjektiven, bildlichen Vorstellungsweisen, deren Zusammentreffen

mit der Wirklichkeit von vornherein ausgeschlossen ist.“ Hans

Vaihinger: Philosophie des Als Ob, 1911, S. 14

Stellvertretend und symptomatisch für die Indologie möchte ich hier nur

zwei herausragende, bedeutende Gelehrte nennen, Lambert Schmithausen

und Etienne Lamotte. Schmithausen schreibt, über den Begriff

Sunyata bei Nagarjuna: „Das Zustandekommen in Abhängigkeit von anderem

läuft somit auf [In-Wahrheit] Nichtzustandekommen, auf [In-Wahrheit]

Nichtexistieren hinaus, die Eigenwesenlosigkeit [nihsvabhavata] auf

Sunyata im Sinne von Nichtigkeit“ ( L. Schmithausen, in: Historisches

Wörterbuch der Philosophie, Joachim Ritter, Karlfried Gründer [Hg.]; Bd.

10, Basel 1998, S. 629). Demnach soll Sunyata das Nichtzustandekommen,

die Nichtexistenz oder die Nichtigkeit der Gegebenheiten [dharma] bezeichnen.

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Hier möchte ich nur in ganz kurzgefasster Form in Erinnerung rufen,

dass wir in der Philosophie unter den Begriffen der Substanz oder des

Seins oder des Wesens der Dinge keineswegs eine chemische Substanz

oder materielle Existenz oder die einfache Tatsächlichkeit oder das

Dasein der Dinge verstehen, sondern die immaterielle Idee oder das

Urbild eines Dings, etwas Absolutes, das dauerhaft und unveränderlich,

unabhängig von jeder Art von Fremdbestimmung, aus sich selbst heraus

existiert, das körperlos ist, alle Dinge durchdringt und das eigene Sein

der Dinge ausmachen soll. In der traditionellen griechischen Philosophie

wurde es bereits von Platon mit dem griechischen Begriff ousia, eigenes

Sein, oder dem Begriff der Idee bezeichnet oder auch mit noch anderen

Begriffen, ohne eine Festlegung in der Wortwahl. Im Gegensatz dazu war

für Platon die Existenz der Dinge nicht mehr als ein schattenartiges,

scheinhaftes Abbild, eine zweitklassige Imitation der Idee oder des

eigenen Seins.

Der englische Philosoph Henry More (1614-1687) hat die Bedeutung des

Begriffs von einem idealen Sein oder von einem substantiellen Etwas in

der traditionellen europäischen Substanzmetaphysik zusammenfassend

gekennzeichnet. Er sagt von Gott und dem Raum, sie seien „eins, einfach,

unbeweglich, ewig, perfekt, unabhängig, aus sich selbst heraus

existierend, durch sich selbst bestehend, unverfälscht, notwendig,

unermesslich, unerschaffen, unbegreiflich, allgegenwärtig, körperlos, alle

Dinge durchdringend und umfassend, wesentliches Sein, wirkliches Sein,

reine Wirklichkeit“ ( Henry More, zitiert in: Edwin Arthur Burtt, The

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Metaphysical Foundations of Modern Physical Science, London 1925,

Seite 140 ).

Die traditionellen indischen Philosophien bezeichneten ein derartiges

eigenes Sein mit dem Terminus ‚svabhava‘. Beide extreme Vorstellungen;

die von einem eigenen Sein, aber auch die entgegengesetze Vorstellung

von einer schattenartigen, scheinhaften Fiktion der Dinge, wird von der

buddhistischen Philosophie zurückgewiesen. Doch keineswegs wird die

Mitte zwischen diesen extremen Vorstellungen zurückgewiesen, nämlich

die materielle Existenz der Dinge, das bloße Dasein oder die Welt, in der

wir leben.

Allerdings muss bei dem Begriff des Seins der Hinweis des Philosophen

Hans-Georg Gadamers bedacht werden, der bemerkte: „Was das Sein

eigentlich meint, das auf diese Weise zustande gekommen sein soll, haben

sie nicht gesagt“ .(Hans-Georg Gadamer, Der Anfang des Wissens,

Stuttgart 1999, S. 147) Dabei ist zu beachten: All diese Sätze dienen nur

der Bestimmung des Seins und des Absoluten. Sie sind natürlich ohne

Rücksicht formuliert worden, ob es auch wirklich etwas gibt, das diesen

Bestimmungen entspricht. Mit diesen Worten vom Sein ist noch nichts

über die Wirklichkeit des Seins gesagt. Wir haben es nur mit Worten zu

tun.

Selbst unsere besten Ideen haben Grenzen, die nicht überschritten

werden dürfen. Auch der Begriff von Sunyata, der die Substanzlosigkeit

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der Dinge und das Fehlen eines eigenen Seins bezeichnet, hat nicht den

Rang eines Grundbegriffs für alles. Sunyata ist ein eingeschränkter, nur

für eine spezielle Fragestellung brauchbarer Begriff. Er bezieht sich auf

die spezielle Fragestellung nach einem eigenen Sein oder nach etwas

Absolutem, was in der Geschichte der Philosophie auch mit dem Begriff

Substanz bezeichnet wurde. Es ist extrem voreilig, einfach bedenkenlos

zu verallgemeinern und es ist eine unzulässige und unhaltbare

Verallgemeinerung, die philosophische Idee der fehlenden Substanz der

Dinge aufzublasen und nun alles als nichts zu erklären. Der Begriff

Sunyata kann nicht auf die Existenz der Dinge ausgedehnt werden. Mit

dieser Idee kann man nicht das Dasein in seiner einfachen

Tatsächlichkeit in Abrede stellen. Das ist nicht nur ein

Übersetzungsfehler, sondern ein kolossaler philosophischer Fehlschlag,

der die Philosophie Nagarjunas zu einem Aberglauben macht und zu einer

zurückgebliebenen Schwärmerei, durch die wir das Vertrauen in den

gesunden Menschenverstand, in jedes systematische philosophische

Denken und in unsere sinnliche Wahrnehmung verlieren würden, wenn wir

solch einer unhaltbaren und plumpen Verallgemeinerung Glauben

schenken. Wir müssten jede moderne und traditionelle Philosophie

aufgeben und zum mythologischen Denken der Frühzeit als Vorstufe zum

rationalen Denken zurückkehren, um von dem Aberglauben an die

Nichtexistenz der Dinge überzeugt zu sein.

Das mythologische Denken in der Frühgeschichte der Menschheit

lieferte eine vorstellbare Weltdeutung, die weder belegt noch begründet

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werden muss. Es wurde in der modernen Welt als eine kindliche Vorstufe

zum begrifflichen Denken bezeichnet, bei dem es keine Unterscheidung

zwischen vorgestellter und wirklicher Wahrnehmung gibt. Der Philosoph

Ernst Cassirer hat es kurz zusammengefasst: „Mythos ist immer als das

Ergebnis einer unbewussten Tätigkeit und als ein freies Produkt der

Einbildungskraft bezeichnet worden“.

In seinen philosophischen Kerngedanken über die Wirklichkeit, die

meines Erachtens in den zahlreichen Gleichnissen über die Wirklichkeit

zu sehen sind, in denen der Buddha die Wirklichkeit mit einem

Regenbogen, einer Wolke, einem Tautropfen, einem Spiegelbild, einer

Kerzenflamme oder einer Schaumblase vergleicht, spielen schwer zu

belegende oder zu beweisende Mythen wie Karma, Geist, Seele keine

Rolle. Nagarjunas Philosophie beschäftigt sich in seiner Philosophie

überhaupt nicht mehr mit solchen mythologischen Fragen. Damit will ich

die buddhistische Philosophie nicht von dem Ganzen der buddhistischen

Lehren trennen. Das wäre einfach lächerlich. Tiefere philosophische

Wahrheiten haben immer einen Hauch von Mythos, von dem sie nicht

getrennt werden können. Zwischen buddhistischen Philosophien und

buddhistischen religiösen Mythen gibt es keine klare Trennung, es gibt

überhaupt nirgendwo klare Trennungen, denn auch tiefere philosophische

Wahrheiten sind ungesicherte, mögliche Geschichten, wie sie Platon

genannt hatte.

A. N. Whitehead hat sich immer wieder gegen derartige Trennungen

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ausgesprochen. Er hat sich auch gegen eine Trennung von Philosophie und

Mystik ausgesprochen und schreibt im Epilog seines Spätwerks

Denkweisen über den Zusammenhang von Philosophie und Mystik auf den

Seiten 201- 202: „Wenn man es so nennen will, dann ist Philosophie

mystisch. Denn Mystik ist der direkte Einblick in bisher noch

unausgesprochene Tiefen. Aber der Zweck der Philosophie ist es, Mystik

zu rationalisieren: Nicht indem sie diese weg erklärt, sondern indem sie

neue verbale Charakterisierungen einführt, die auf rationale Weise

koordiniert werden“.

Neben dem philosophischen Kerngedanken über die Wirklichkeit gibt es

für den Buddhismus als Ganzes, als Religion solche mythologischen Lehren

wie die vom Karma, oder von einem Zwischenzustand zwischen Leben und

Tod, den die tibetische Tradition 'Bardo' nennt oder solche

buddhistischen Lehren, die tiefe Bereiche des Geistes und des

Bewusstsein betreffen, wie bodhi, Bodhisattva, Buddha, Bodhicitta etc.

Solche buddhistischen, religiösen Vorstellungen können durchaus mit dem

mythischen Denken der alten indischen Weisheit in Verbindung gebracht

werden, die wir in all ihrer Totalität nicht definieren und nicht rational

erklären können. Sie gehören jedoch nicht zum eigentlichen Kernbereich

der Philosophie. Sie sind nicht das eigentliche Thema der Philosophie oder

der Wissenschaften. Ich spreche hier von Philosophie, wie sie von

Edmund Husserl, Ernst Cassirer und A.N. Whitehead verstanden wurde,

als einer 'Wissenschaft' oder besser gesagt, von der Nähe der

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Philosophie zu den Wissenschaften. Whitehead kommt immer wieder auf

diese Nähe zu sprechen. So schreibt er in Abenteuer der Ideen:

„Die Aufgabe der Philosophie besteht darin, eine Zusammenordnung von

Ideen auszuarbeiten, die sich in den konkreten Fakten der realen Welt

manifestieren soll. Sie sucht nach den allgemeinen Zügen, die die

vollständige Realität eines Faktums charakterisieren und ohne die jedes

Faktum den Charakter einer Abstraktion annehmen müsste. Die

Wissenschaft dagegen abstrahiert und begnügt sich damit, das Faktum

nicht in seiner Vollständigkeit, sondern nur im Hinblick auf gewisse

wesentliche Aspekte zu verstehen. Die Wissenschaft und die Philosophie

kritisieren sich wechselseitig, und die eine regt immer das

Vorstellungsvermögen der anderen an. Philosophische Systeme haben die

Aufgabe, die konkreten Fakten zu erleuchten, von denen die

Einzelwissenschaften abstrahieren. Und die Einzelwissenschaften sollten

ihre Prinzipien in den konkreten Fakten finden, die das philosophische

System ihnen präsentiert. Die Geschichte des Denkens ist die Geschichte

der Fehlschläge und Erfolge dieses gemeinsamen Unternehmens“ (Alfred

North Whitehead, Abenteuer der Ideen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt

1971 S. 286)

Ein weiterer Sprachwissenschaftler, Etienne Lamotte, ein

herausragender und hoch qualifizierter Übersetzer der Werke

Kumarajivas, dem wir mehrere bedeutende, umfassende Übersetzungen

aus dem Chinesischen ins Französische verdanken, hatte Nagarjuna

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folgendermaßen verstanden: „Nicht aufgrund einer Leerheit sind die

Wesen und Gegebenheiten leer, sondern sie sind leer, weil sie nicht sind“

( Etienne Lamotte, Der Mahayana-Buddhismus, in: Heinz Becher &

Richard Gombrich, Die Welt des Buddhismus, München 2002, S. 93).

Dadurch wollen uns zwei einflussreiche Gelehrte und mit ihnen zahlreiche

indologisch geschulte Sprachwissenschaftler überzeugen, in den

philosophischen Arbeiten Nagarjunas ginge es um den Begriff des Nichts,

um die Nichtexistenz und Unwirklichkeit der Dinge, sie würden im

buchstäblichen Sinn Leere und Abwesenheit von Inhalt illustrieren.

Gewiss, der Begriff ‚Sunyata‘ steht im Zentrum der Philosophie

Nagarjunas, mit dem eng umgrenzten Geltungsbereich, sich von der

Vorstellung von einem eigenen Sein oder von etwas Absolutem zu lösen.

Dieser beschränkte Geltungsbereich wird durch das

Interpretationsmuster von Schmithausen und Lamotte über die Maßen

ausgedehnt. Nach ihrer Interpretation soll von Nagarjunas Philosophie

nicht nur die Vorstellung von einem ideellen Sein, von einer ideellen

Essenz der Dinge, sondern auch die ganze materielle Existenz der Dinge

bestritten werden.

„Die Neigung zu übertriebenen Behauptungen ist schon immer eines der

Grundlaster der Wissenschaft gewesen, und so hat man denn zahlreichen,

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innerhalb strikter Grenzen unzweifelhaft wahren, Aussagen, dogmatisch

eine nicht bestehende universelle Gültigkeit beigemessen“ (Whitehead).

Immer wenn ich höre und lese, Buddha Sakyamuni oder Nagarjuna sollen

die Dinge dieser Welt als ein Nichts oder als eine Fiktion und Einbildung

erklärt haben, deren Zusammentreffen mit der Wirklichkeit von

vornherein ausgeschlossen ist, überfällt mich ein Gefühl der Lähmung, von

Misstrauen, Argwohn und Skepsis über solch verdrehte, absurde

Beleidigungen des gesunden Menschenverstandes und der sinnlichen

Wahrnehmung. Solch ein Amalgam von philosophischen Begriffen, solch

einen verkorksten Tiefsinn und Aberglauben soll Nagarjuna gelehrt

haben?

Der Begriff 'Aberglaube' hat eine lange Geschichte, nach einer

modernen Definition des Sozialpsychologen Judd Marmor bezeichnet er

heute Glaubenssätze und Praktiken, die wissenschaftlich unbegründet

sind und nicht dem erreichten Kenntnisstand einer Gesellschaft

entsprechen.. Dagegen kann man die meisten Philosophien, auch die

Philosophie Nagarjunas, als einen Versuch beschreiben, ein kohärentes,

logisches, notwendiges System allgemeiner Ideen zu finden, durch das

alle Bestandteile unseres Erlebens interpretierbar werden (Whitehead).

Leider sind derartige philologischer Fehlschläge zu einem dogmatischen

Interpretationsmuster der vergangenen 100 Jahren geworden. Soll ‚das

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Nichts‘ die philosophische zentrale Idee und die Kernaussage Nagarjunas

sein? Soll das seinem Geist und seinen Absichten entsprechen? Wollte

Nagarjuna die Außenwelt leugnen? Müssen wir jetzt etwa die Außenwelt

philosophisch beweisen, bevor wir sie anerkennen? Die Existenz der

Welt, in der wir leben, ist evident, man sieht sie, wir leben in ihr, wir sind

ein Teil von ihr. Der gesunde Menschenverstand reicht vollkommen aus

für eine Zurückweisung des Glaubens an ‚das Nichts‘. Wir brauchen kein

Philosophiestudium, um an die Realität der Außenwelt zu glauben.

Die Welt, in der wir leben, wird eigentlich nur von extremen

subjektivistischen Philosophien geleugnet. Doch haben solche extremen

Sichtweisen nur einen geringen Erklärungswert über die Welt, wenn sie

überhaupt einen haben. Deswegen sollten wir uns von solchen extremen

Subjektivisten einfach nur verabschieden. Sie haben die gleiche scharfe

Trennung zwischen Geist und Materie akzeptiert, die sie bei ihren

'materialistischen' Gegnern bemerkt haben. Während für ihre

'materialistischen' Gegner die physische Natur die einzige Realität und

der Geist eine Randerscheinung ist, ist für sie die die physische Natur

reine fiktive Erscheinung und das Bewusstsein die einzige Realität. Bei

Subjektivisten gibt es keine Verschmelzung von beidem.

Durch ihr Interpretationsmuster ist Nagarjuna von Schmithausen und

Lamotte in die Nähe des idealistischen Philosophen George Berkeley

(1685-1753) gerückt worden. Berkeley lehrte, dass eine vom

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Wahrnehmen und Denken unabhängige Außenwelt nicht existiert. Sollte

Nagarjuna, der Begründer eines mittleren Weges, der alle extremen

Denkweisen zurückgewiesen hat, selber ein extremer subjektivistischer

Philosoph gewesen sein, der die Außenwelt infrage stellt? Wollte er

zurückweisen, was offensichtlich existiert? Wollte Nagarjuna die Welt in

der wir leben, leugnen? Oder war Nagarjuna ein 'Nihilist'? War er blind

oder wollte er einfach nicht seinen Augen trauen?

Zu derartig exotischen, absurden und zurückgebliebenen, altmodischen

subjektivistischen Schlussfolgerungen und Unterstellungen können wir

kommen, wenn wir die Bedeutung von einem zentralen Begriff übersetzen,

ohne nach den Ideen zu fragen, die dem Begriff und dem ganzen Text

zugrunde liegen. Solche indologischen Unterstellungen über ‚das Nichts‘

haben die Diskussion um einen bedeutenden buddhistischen Philosophen

vergiftet. Eine philosophische Interpretation und Diskussion beginnt

nicht mit der Übersetzung von Begriffen, die man nicht verstanden hat,

sondern mit Fragen nach den Ideen, die einem Begriff und dem ganzen

Text zugrunde liegen. Mit solchen Fragen sind wir nicht am Ende, sondern

am Anfang eines philosophischen Verstehens angekommen.

Der Buddhismus hatte von Anfang an einen negativen Ruf, der ihm

unterstellte, die Existenz der Welt zu leugnen. Das ist ein grobes

Missverständnis, weil ja für Budddha Sakyamuni gerade in der Erkenntnis

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der wolkenartigen, regenbogenartigen, spiegelartigen und nebulösen

Wirklichkeit die Voraussetzung besteht, sich von der Welt zu befreien

und alle Bindungen an diese Welt aufzugeben. Befreiung ist erst dann

möglich, so lehrte Buddha Sakyamuni, wenn wir die Bodenlosigkeit und

Grundlosigkeit der Dinge sehen, ihre Bindungen untereinander. Auch wir

Menschen hängen gierig an den Dingen, solange wir nicht sehen, dass wir

einer Fata Morgana nachjagen. Das sind die philosophischen

Kerngedanken Buddha Sakyamunis über die Wirklichkeit.

Nagarjuna betont ebenso den flüchtigen, fragmentarischen,

verschwommenen, sich in Luft auflösenden, zusammengesetzten

Charakter der Dinge, wenn er von ihnen sagt, sie seien nicht zusammen

aber fallen auch nicht auseinander. Weder sind die Dinge zusammen, noch

sind sie nicht zusammen, [MMK 6.8], sagt Nagarjuna wörtlich in seinem

Hauptwerk. Davon wird im 3. Teil dieses Textes die Rede sein.

Vom Nichts zu sprechen, ist eine grobe Irreführung, der es an

Feinfühligkeit und feiner Wahrnehmung von Zwischenzuständen,

Zwischenstufen, Übergängen, Zwischenbereichen, Zwischendingen,

Zwischenräumen, Zwischenergebnissen und Zwischenlösungen fehlt. Ich

denke dabei auch an die unendliche Vielfalt von allem, was beinahe oder

ganz ähnlich ist oder an etwas, das fast verschwunden ist oder noch nicht

ganz in Erscheinung getreten ist. Auf solche Übergänge und

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Ähnlichkeiten hat uns besonders der italienische Mathematiker Paolo

Zellini in seinem historischen Überblick des mathematischen Denkens

hingewiesen.

Den Buddhismus und besonders Nagarjunas Begriff von ‚Sunyata‘ in die

Nähe ‚des Nichts‘ zu rücken entspricht einem Denken, das Klischees

verhaftet geblieben ist. Klischees sind vorgeprägte Wendungen,

abgegriffene und durch allzu häufigen Gebrauch verschlissene Bilder,

Ausdrucksweisen, Redeschemata, die ohne individuelle Überzeugung

einfach unbedacht übernommen werden (Gero von Wilpert).

Sprachwissenschaftler überschreiten ihre lexikale Kompetenz, wenn es

um eine philosophische Interpretation der grundlegenden Ideen

Nagarjunas geht.

Der Buddhismus wäre schon längst nichts weiter als nur ein Glaube oder

Aberglaube, wenn er nicht von seinen Anfängen bis zur Gegenwart in

Verbindung mit einer intellektuellen Bewegung gestanden hätte, mit einer

Liebe nach Weisheit, wie wir die Philosophie nennen können, mit einer

Anstrengung der Vernunft, ein mehr oder weniger vollständiges

philosophisches System zu formulieren.

Dieses Streben nach Rationalität ist auch eine Grundlage der

Religionsphilosophie, die sich im 18. Jahrhundert entwickelte, aus dem

Bemühen, das Wesen und die Wahrheit des religiösen Glaubens aus der

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Vernunft zu begreifen, ohne Rücksicht auf Offenbarungsansprüche.

Dabei schließe ich mich den Religionswissenschaftlern Richard Otto und

Mircea Eliade an, die als einen Einheitsbegriff ‚das Heilige‘ ausgewählt

hatten, um das in der religiösen Erfahrung ursprünglich Erscheinende zu

bezeichnen. 'Das Heilige' ist auch für die buddhistische Religion ein

Kennzeichen, das über den philosophischen Kern hinausführt.

Einige Sprachwissenschaftler setzen sich über diesen rationalen Kern der

buddhistischen Philosophie einfach hinweg. Durch ihre willkürlichen,

irrationalen Fehlschläge der Übersetzungen eines Schlüsselbegriffs ist

die Philosophie Nagarjunas erheblich geschwächt worden. Solche

indologischen Sprachwissenschaftler haben ein vollständig veraltetes Bild

von der buddhistischen Philosophie geschaffen. Sie haben den

Buddhismus auf eine Art mystischen Singsang über das Nichts und über

eine uneinsehbare Welt reduziert und zu einem zurückgebliebenen

Aberglauben herabgestuft.

Ich möchte den buddhistischen Kerngedanken über die Realität an dieser

Stelle mit drei traditionellen Gleichnissen von einer Bananenstaude, einem

Nebel und einem Spiegelbild belegen:

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Bananenstaude.

Foto: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16940722

Kommentar: Bananen gehören zu einer Pflanzengattung in der Familie der

Bananengewächse. Eine Banadenstaude hat keinen Stamm. Was wir für

einen Stamm halten könnten ist ein Scheinstamm, der aus massiven

Blattstielen besteht, die nicht verholzen. Das ist ein häufig genanntes

Beispiel im frühen Buddhismus. Wir sollen alle Dinge so betrachten, ohne

einen festen Kern, ohne eine Substanz. Von einer fehlenden Existenz der

Bananenstaude ist im Buddhismus überhaupt nicht die Rede.

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Die Realität ist wie ein Nebel

Foto: By Taken byfir0002 | flagstaffotos.com.auCanon 20D + Tamron 28-75mm f/2.8 - Own work, GFDL 1.2,

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=205768

Kommentar: Auch Nebel ist ein traditionelles Gleichnis im frühen

Buddhismus. Im Nebel erscheint alles weniger wirklich Von einem Nichts

oder von einer kompletten Unwirklichkeit der Dinge im Nebel ist nicht die

Rede.

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Spiegelbild

Foto: https://de.wikipedia.org/wiki/Flo%C3%9Fteich

Kommentar: Auch ein Spiegelbild ist nicht ein Nichts, auch ist es nicht

leer. Es existiert, es ist da. Es gibt ein Spiegelbild in einem Spiegel oder

in einem See. Nur besteht es eben aus Licht, es stellt keine Verdoppelung

der materiellen Wirklichkeit dar, es täuscht eine Verdoppelung vor. Es

existiert in einem Zwischenbereich zwischen dem Nichts und einer

materiellen Wirklichkeit. Es ist wie eine Erscheinung, die nicht sie selbst

ist. Vor allen Dingen ist es nicht greifbar. Wir können es nicht festhalten.

Es fesselt uns nicht an diese Welt und wir können uns eher von unserer

Gier nach etwas Festem und Haltbarem befreien. Wenn wir alle Dinge

wie ein Spiegelbild betrachten, können wir das Loslassen lernen.

Deswegen wurde im frühen Buddhismus das Spiegelbild gelehrt.

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Wie sollten Nagarjunas Schlüsselbegriffe übersetzt werden? Für ganz

ähnliche Fragen der Übersetzung und Interpretation ist der

Bibelübersetzer Martin Luther (1483 – 1546) bekannt geworden. In der

Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 29. April 2015 schreibt Reinhard

Binger über eine Korrektur der Lutherbibel durch die Evangelische

Kirche Deutschlands und nennt die Gründe, warum Theologen im Jahre

2015 an unzähligen Stellen zum Deutsch Martin Luthers zurückkehren.

Binger schreibt:

„Charakteristisch für Luthers Übersetzung war insgesamt, dass er recht

frei mit den einzelnen Wörtern der Urtexte umging. ‚Die Grammatik soll

nicht über die Bedeutung herrschen‘, sagte Luther einmal. Übersetzung

war für den Reformator immer auch Auslegung. Nicht die Bedeutung

einzelner Worte, sondern die Theologie eines Textes wollte er so präzise

und prägnant wie möglich ins Deutsche übertragen. Vom Ergebnis sind die

in Leipzig versammelten Fachleute noch immer angetan“.

Nagarjuna hat bisher keinen philosophischen Übersetzer vom Rang

Martin Luthers gefunden, wir sind durch philologische Methoden des

Übersetzens noch immer mit dem Ergebnis konfrontiert, dass

Nagarjunas Philosophie als nihilistisch, schwierig, dunkel und bestenfalls

exotisch gilt. Auch werden ihr viele paradoxe und nebulöse

Tiefsinnigkeiten unterstellt, mit denen uns Nagarjuna Rätsel aufgegeben

haben soll. Dadurch wollen uns Sprachwissenschaftler dann weismachen,

Nagarjunas Philosophie könne mit europäischen philosophischen Ideen

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kaum verstanden, verglichen und interpretiert werden.

Während Nagarjuna bei Indologen und Sprachwissenschaftlern seit zwei

oder drei Generation eine Hochkonjunktur erlebt, haben sich europäische

Philosophen in den letzten 200 Jahren nur ganz selten mit indischen

Philosophien auseinander gesetzt. Indische Philosophien waren für sie

bestenfalls Weisheitslehren, aber nicht Philosophie. Darauf ist der

Philosophie-Historiker Elmar Holenstein in seinem Philosophie-Atlas

eingegangen. Holenstein schreibt:

„Der Forschungsstand ist heute ein anderer als in den Jahrzehnten

unmittelbar vor und nach 1800. Zu viele der wahrhaft großen Philosophen

außerhalb Europas waren Kant (1724 -1804) und Hegel (1770 – 1831) wohl

noch nicht einmal dem Namen nach vertraut, etwa Nagarjuna,

Vasubandhu, Bhartrihari, Dharmakirti, Shankara, Gangesha in Süd-Asien,

Xun Zi, Wang Bi, Fazang Zhu Xi, Wang Yangming, Yi Hwang und Ogyu

Sorai in Ostasien“. (…) Von der Mehrzahl dieser Gelehrten sind Texte

überhaupt erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts in europäische Sprachen

zugänglich gemacht worden“(1).

Eine bedeutende Ausnahme war übrigens der Philosoph Karl Theodor

Jaspers (1883 – 1969).

Wie bereits erwähnt: Was Whitehead immer wieder über seine eigene

Philosophie sagt, ist auch für Nagarjunas Philosophie ein Kennzeichen:

„Die Aufgabe der Philosophie besteht darin, eine Zusammenordnung von

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Ideen auszuarbeiten, die sich in den konkreten Fakten der realen Welt

manifestieren soll. Sie sucht nach den allgemeinen Zügen, die die

vollständige Realität eines Faktums charakterisieren, und ohne die jedes

Faktum den Charakter einer Abstraktion annehmen müsste.“ (Abenteuer

der Ideen, S. 286).

Nagarjuna hat seine Idee von der Wirklichkeit keineswegs nur in den

Begriffen 'Sunyata' und 'Pratityasamutpada' zum Ausdruck gebracht.

Diese beiden Sanskrit-Begriffe sind in seinem Hauptwerk [MMK] nur eine

zusammenfassende Verallgemeinerung von 25 Gleichnissen, mit denen er

die Wirklichkeit untersucht, dargestellt und verglichen hat.

Welche Ideen liegen diesen 25 Gleichnissen zugrunde? Der Kerngedanke

Nagarjunas besteht in dem Hinweis auf das zwischen den Dingen

Liegende und wird mit verschiedenen Begriffen bezeichnet, mit dem

Begriff des Zusammenhangs der Dinge, mit dem Begriff der

Abhängigkeit und des Zusammenseins. Das sind alles vage Begriffe, die

schwer in konkrete Worte zu fassen sind. Auch ergänzende und ähnliche

Begriffe aus anderen Philosophien und aus dem Alltag können nicht ohne

weiteres die vage Bedeutung auflösen. Ich meine solche Begriffe wie

beispielsweise Bindungen, Verschränkungen, Zwischenräume,

Verwicklungen, Verflochtenheit, Wechselspiel, oder die wechselseitige

Verbundenheit der Dinge. Oder Gobertis Hinweise auf die Mitte, die

Vereinigung, auf den Durchgang, den Übergang, den Weitergang, den

Abstand, die Entfernung, das Band und auf den Kontakt. (2)

Diese und zahlreiche weitere Begriffe bringen etwas andere Aspekte von

30


dem, was zwischen den Dingen passiert, zum Ausdruck. Bis heute gibt es

keinen einzelnen, einzigen oder zusammenfassenden Begriff für die etwas

schwerfällige Bezeichnung von dem zwischen den Dingen Liegendem, den

ich von Albert Einstein übernommen habe, als er von einem Feld sprach.

Es ist nicht immer von genau demselben Sachverhalt die Rede. Die

Worte Sunyata und Pratityasamutpada können nur als Sammelbegriffe

für das zwischen den Dingen Liegende verstanden werden. Sunyata und

Pratityasamutpada lassen sich nicht durch ein einziges Wort übersetzen,

auf einen einzigen, konkreten Begriff festnageln.

Die Hauptströmungen der europäischen Philosophien haben sich nicht mit

dem beschäftigt, was zwischen den Dingen passiert. Sie sind ganz andere

Wege gegangen. Sie haben vor allem seit Platon (428 – 348 vor Christus)

die extremen Ideen des Absoluten, des Seins und der Substanz oder

aber seit René Descartes (1596 – 1650) das gegenteilige Extrem, das

unabhängige Subjekt thematisiert. Sie konnten seit Aristoteles (384 –

322 vor Christus) mit Zwischenzuständen gar nichts anfangen. Denn

bereits Aristoteles hatte ein logisches Prinzip formuliert nach dem ein

Sachverhalt entweder besteht oder nicht, tertium non datur, ein Drittes

gibt es nicht. Es ist ein Denken in einem Schwarz-Weiß-Schema ohne

Zwischenbereiche. Es durchzieht die europäische Philosophiegeschichte

und Wissenschaftsgeschichte wie ein roter Faden, von Aristoteles bis

heute.

Hier möchte ich das Schwarz-Weiß-Schema durch einige Bilder

31


zurückweisen, die das Dritte darstellen, den Zwischenzustand zwischen

Tag und Nacht.

32


1. Abend.

Foto: Christian Thomas Kohl

Der Abend liegt zwischen Tag und Nacht. Er ist ein Zwischenzustand.

33


2. Abend.

Foto: Christian Thomas Kohl

Kommentar: Der Abend verbindet Tag und Nacht. Er hat keine eigene

Existenz, zum Teil ist er Tag, zum Teil ist er Nacht.

34


3. Abend.

Foto: Christian Thomas Kohl

Kommentar: Der Abend, zwischen Tag und Nacht, ohne eine Grundlage.

35


4. Abend.

Foto: Till Leeser

„Wie für die Leidenschaft ist damit für alle Dinge erwiesen: Weder sind

sie zusammen, noch sind sie nicht zusammen“. ( Nagarjuna MMK 6.10).

Das trifft auch für Tag und Nacht zu. Weder sind sie zusammen, noch

sind sie nicht zusammen.

36


5. Abend

Foto: Till Leser

„Die Objekte sind weder richtig getrennt, noch richtig mit einander

verbunden“ (Der Mathematiker Roger Penrose über verschränkte

Quantenobjekte).

37


6. Abend.

Foto: Till Leeser

Tag und Nacht sind Gegensätze, die sich anscheinend völlig ausschließen.

Durch den Abend werden diese Gegensätze zu einer Einheit verbunden.

„Die Menschen haben sich für zwei Gestalten der seienden Dinge

entschieden und sie mit zweierlei Ausdrücken fest benannt. Damit haben

sie freilich einen grundlegenden Irrtum begangen, nämlich die beiden

Gestalten so zu trennen, statt es mit dem einen Sein zu belassen“

(Gadamer/Parmenides)

38


7. Abend.

Foto: Till Leeser

Der Abend stellt einen Zusammenhang zwischen Tag und Nacht und eine

Beziehung zwischen dem Tag und der Nacht her.

39


8. Abend.

Foto: Till Leeser

Tag und Nacht sind weder zusammen, noch nicht zusammen. Der Abend

befindet zwischen Tag und Nacht. Der Abend ist mit dem Tag und mit

der Nacht verbunden und verschränkt.

40


9. Abend.

Foto: Christian Thomas Kohl

„Die Mitte, die Verbindung, die Vereinigung, der Durchgang, der

Übergang, der Weitergang, der Abstand, die Entfernung, das Band, der

Kontakt“ (Vincenzo Gioberti).

41


10. Abend.

Foto: Christian Thomas Kohl

„Die Mitte ist das Zusammenkommen zweier Verschiedenheiten und

Gegensätze zu einer Einheit“ (Vincenzo Gioberti).

42


11. Abend.

Foto: Christian Thomas Kohl

„Es bedurfte eines kühnen Gedankensprunges, um zu erkennen, dass nicht

das Verhalten von Körpern, sondern das von etwas zwischen ihnen

Liegendem, das heißt, das Verhalten des Feldes, für die Ordnung und das

Verständnis der Vorgänge maßgebend sein könnte“. (Albert Einstein)

43


12. Abend.

Foto: Christian Thomas Kohl

„Abhängigkeit, Vernetzung, Verbundenheit, Relation, wechselseitige

Zusammenhänge, universelle Bezogenheit, Zusammenwirken, Geflecht,

Beziehungsfeld, Glieder eines Systems, Wechselwirkung,

Funktionszusammenhang, Kraftfeld“ (A.N. Whitehead).

44


Ich komme auf Aristoteles zurück. Aristoteles hatte ein logisches Prinzip

gelehrt: Entweder besteht ein Sachverhalt oder es besteht nicht, ein

Drittes gibt es nicht. Diesem grundlegenden logischen Prinzip des

Aristoteles wagten erst im 20. Jahrhundert einige Mathematiker und

Physiker zu widersprechen. Für die Mathematik war es besonders Jan

Brouwer (1881 – 1966). Für die Physik begann die Loslösung bereits mit

Faraday (1791-1867) und Maxwell (1831-1879). Aber darauf soll an

dieser Stelle nicht näher eingegangen werden.

45


Magnetfeld.

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/Magnet#/media/File:Magnet0873.png

„Es bedurfte eines kühnen Gedankensprunges, um zu erkennen, dass nicht

das Verhalten von Körpern, sondern das von etwas zwischen ihnen

Liegendem, das heißt, das Verhalten des Feldes, für die Ordnung und das

Verständnis der Vorgänge maßgebend sein könne“ [Albert Einstein,

Leopold Infeld, Die Evolution der Physik, Rowohlt, Hamburg 1957, Seite

194].

46


Allerdings gibt es in der europäischen Philosophie des 20. Jahrhunderts

vereinzelte Ansätze, die in die gleiche Richtung weisen, in die Nagarjuna

vor fast 2000 Jahren gegangen ist. Es sind Ansätze, die durchaus mit

Zwischenzuständen und Zwischenräumen etwas anfangen können. Ein

Ansatz ist von A.N. Whitehead (1861 – 1947) vertreten worden. Er soll in

kurz gefasster Form mit Nagarjunas Ansatz verglichen werden.

47


2. Alfred North Whitehead

A. N. Whitehead (1861-1947) war in der ersten Hälfte des 20.

Jahrhunderts ein außerordentlicher Mathematiker, Philosoph und

Wissenschaftsphilosoph, der die philosophische Tradition Europas als

eine Reihe von Fußnoten zu Platon charakterisierte und sie gegen den

Strich bürstete. Whitehead war ein historischer Philosoph, es ging ihm

jedoch nicht um die geschichtlichen Ablauf der Philosophie, ihm ging es

darum, die erhellenden Potentiale der betrachteten Philosophen für die

gegenwartsbezogene Diskussion bestimmter philosophischer Sachfragen

zu erkunden. Seine Rückblicke waren problembezogene Prüfungen dessen,

was von der Vergangenheit zu lernen ist. Whitehead integrierte sich

selber in diese philosophische Tradition Europas, um die beiden

grundlegenden Ideen der europäischen Philosophie, die Idee des

Absoluten und des unabhängigen Subjekts, abzuschütteln und hinter

sich zu lassen. Damit hat Whitehead den europäischen Denkweisen eine

neue Richtung gegeben. Welche Richtung? Auf das zwischen den Dingen

Liegende, wie es Albert Einstein (1879-1955) für die Physik seit Faraday

formulierte, auf die Mitte, die Vereinigung, den Durchgang, den

Übergang, auf die Beziehung und das Band zwischen den Dingen, auf den

Kontakt, wie es ein recht unbekannter Gelehrter, Vincenzo Gioberti 1864

in Neapel formulierte (2). Wir verdanken die Hinweise auf Goberti dem

italienischen Mathematiker Paolo Zellini (Eine kurze Geschichte der

Unendlichkeit.)

Whiteheads organistische Prozessphilosophie ist von Christoph Kann

48


zusammengefasst worden und soll hier nicht noch einmal dargestellt

werden. Doch dient seine gelungene Darstellung als eine bequeme

Grundlage für diesen kleinen Überblick: Christoph Kann, Fußnoten zu

Platon. Philosophiegeschichte bei A. N. Whitehead. Felix Meiner Verlag

Hamburg 2001.

In seinem Spätwerk Denkweisen schreibt Whitehead im Jahre 1938

gleich zu Beginn, wie man mit einer philosophischen Auseinandersetzung

anfangen sollte, nämlich durch eine Sammlung der wichtigsten Begriffe

und nicht durch eine systematische Darstellung: „Philosophie kann nichts

ausschließen. Sie sollte folglich niemals mit einer Systematisierung

beginnen. Ihr anfänglicher Zustand kann nur „Sammlung“ genannt werden.

Das ist natürlich ein nie endender Prozess. Alles was erreicht werden

kann ist die Betonung einiger weniger umfangreicher Begriffe, zusammen

mit der Erlangung einer Aufmerksamkeit für das Facettenreichtum

anderer Ideen, die im Zusammenspiel eben dieser Begriffe hervortreten,

die vorgängig ausgewählt worden sind“ (S. 47). Diese Hinweise setzt

Whitehead fort und schreibt auf der Seite 50: „Wir müssen das Thema

im Groben erfassen, bevor wir es glätten und formen“. Darum geht es mir

in der folgenden Sammlung von wichtigen Begriffen, die sich wie ein roter

Faden durch die Werke Whiteheads ziehen. Allerdings ohne einen

Vollständigkeitsanspruch.

49


Hier soll an einen wichtigen Punkt der Philosophie Whiteheads erinnert

werden. Ich meine vor allem den Begriffe der wechselseitigen

Abhängigkeiten der Dinge oder der wechselseitigen Verbundenheit der

Dinge und ganz ähnliche Begriffe, die ich ohne einen

Vollständigkeitsanspruch darstellen möchte. Sie lassen sich nicht auf

einen Begriff bringen. Whitehead verwendet immer wieder andere

Begriffe, er lässt sich nicht auf einen Begriff festnageln, „denn der

voreilige Gebrauch irgendeines geläufigen Worts muss unweigerlich dazu

führen,“ meint Whitehead in Abenteuer der Ideen, „dass wir den

angestrebten Grad von Allgemeinheit nicht erreichen“. „Wir brauchen die

Ausdrücke „zusammen“, „das immanent Schöpferische“, „die

Konkreszenz“, „das Erfassen“, „das Fühlen“, „die subjektive Form“, „die

Gegebenheiten“, „Wirklichkeit“, „Werden“ und „Prozess“, sagt

Whitehead.

Relationalität oder die wechselseitige Abhängigkeit der Dinge. Für diese

und ähnliche Begriffe hat sich weder bei Whitehead selber noch in seiner

Wirkungsgeschichte ein einzelner Begriff durchgesetzt. Wie beiläufig

taucht der Begriff der Abhängigkeit auf, wenn eine unabhängige,

unbewegliche, starre Existenz der Dinge negiert wird (Seite 66 bei

Christoph Kann). Wie ein roter Faden durchzieht er Whiteheads

Gesamtwerk. Wirkliche, konkrete Dinge sind abhängig von anderen

konkreten Dingen, sie befinden sich in einer Vernetzung mit ihrer realen

Welt (Seite 196). Whitehead spricht von einer offensichtlichen

Verbundenheit des Universums (Seite 201). An einer anderen Stelle ist

50


von Relationen die Rede, sie bezeichnen die Beziehungen oder auch die

inneren Relationen, die alle Realität aneinander binden (Seite 208).

Bei unseren Anschauungen - macht Whitehead gegenüber Immanuel Kant

geltend – geht es nicht nur um abstrakte Daten. Den Daten entsprechen

wechselseitige Zusammenhänge der Realisierung (Seite 229) in einem

mehrstufigen Empfindungsprozess. Christoph Kann fasst Whitehead's

Sichtweise zusammen: „Initiiert durch die Aristotelische

Substanzmetaphysik hat für Whitehead die Philosophie einen Weg

eingeschlagen, der den Gesichtspunkt einer universellen Bezogenheit der

Erfahrungswirklichkeit sowie den platonisch Grundgedanken vom Sein als

Werden preisgegeben hat“ (Seite 239).

Bei der Substanzmetaphysik bleibe - nach Whitehead – die Frage nach

Zusammenhängen und Beziehungen zwischen den Dingen außerhalb der

Betrachtung, eine Welt, in der es Beziehungen zwischen realen Individuen

gibt, wird „schlechthin unverständlich“ (Seite 126).

Whitehead meint, auch bei den mathematischen Grundlagen der Physik

Isaak Newtons lassen sich keine inneren Gründe des Zusammenwirkens

angeben (Seite 181). Es fehlen reale Beziehungen zu realen Subjekten

und realen Objekten (Seite 171). Auch fehlt die Kategorie des

Bezogenseins der Dinge, schreibt Whitehead an einer anderen Stelle mit

ganz ähnlichen Worten (Seite 132). Denn gemäß unserem natürlichen

Bewusstsein und unserer Selbsterfahrung erscheint die Natur nicht als

ein Nebeneinander isolierter Materieteilchen, sondern als ein Geflecht

organisch verbundener Wesenheiten (Seite 182).

51


Geflecht.

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:00172_Franz%C3%B6sisch_Geflecht,_Frisuren,_Sanok_2013.JPG?

uselang=de

52


Dieses Geflecht zwischen den Dingen, taucht unter verschiedenen

Bezeichnungen auf. Whitehead nennt es auch Beziehungsfeld (Seite 183),

manchmal ist von einer notwendigen Kohärenz oder Bezogenheit aller

Glieder eines Systems die Rede (Seite 108) oder von einem Kraftfeld

(Seite 185) oder von elementaren Prozesseinheiten, die den materiellen

Dingen zugrunde liegen, statt der überholten Idee eines leeren Raumes

(Seite 185).

Whitehead weist darauf hin, in der neuen Physik gebe es eine

Wechselwirkung mit der Umgebung (Seite 186), atomare Einheiten

werden von einem Feld umfasst, das zugleich das Feld anderer

Organismen ist (Seite 187). Hier wird deutlich, wie Whitehead Einheiten

der Physik zum Modell für seinen Begriff einer organistischen

Wirklichkeit nimmt, wie Christoph Kann zutreffende betont (S. 188). Es

geht Whitehead immer wieder um die wesentliche Verbundenheit der

Dinge (S. 127) und um den Strukturzusammenhang der Geschehnisse (S.

187), was manchmal nexus oder Funktionszusammenhang genannt wird

(Seite 188). Damit schließe ich diese kurzgefasste Übersicht ab, ohne

diese Begriffe noch einmal zusammen zu fassen. Sie lassen sich einfach

nicht auf einen Begriff festnageln. Selbst der etwas holprige

Einsteinsche Begriff von dem 'zwischen den Dingen Liegendem' stellt nur

einen unvollständigen, fragmentarischen Sammelbegriff dar.

53


3. Nagarjuna

„Wenn Darwin oder Einstein Theorien verkünden, die unsere Ideen

modifizieren, dann ist das ein Triumph der Wissenschaft. Wir sagen

nicht, dass die Wissenschaft schon wieder eine Niederlage erlitten hat,

weil ihre alten Ideen aufgegeben wurden. Wir wissen, dass ein weiterer

Schritt der wissenschaftlichen Einsicht gelungen ist. Die Religion wird

ihre alte Kraft nicht wieder erlangen, solange sie Veränderungen nicht in

demselben Geiste begegnen kann wie die Wissenschaft. Ihre Prinzipien

mögen zeitlos sein, aber der Ausdruck dieser Prinzipien verlangt eine

kontinuierliche Weiterentwicklung“. [A.N. Whitehead. Wissenschaft und

moderne Welt. 219]

Nagarjuna war ein bedeutender und einflussreicher buddhistischer

Philosoph Indiens. Wahrscheinlich lebte er im 2. Jahrhundert. In seinem

Hauptwerk, Mulamadhyamaka-Karika, Lehrstrophen über die

grundlegenden Lehren des Mittleren Weges [MMK (2)], war die erste

Frage nicht die nach dem Geist oder dem Bewusstsein, sondern nach den

Dingen der Welt, in der wir leben. Besonders hat Nagarjuna auf die

Abhängigkeit der physischen Objekte von anderen Objekten hingewiesen.

Dadurch hatte er eine neue Sichtweise für das zwischen den Dingen

Liegende eröffnet.

Hier ein Überblick von einigen Bildern von abhängigen, an einander

gebundenen Objekten, die Nagarjuna in den 25. Kapiteln der MMK

untersucht. Seine Bilder, Metaphern, Allegorien oder symbolische

54


Beispiele haben eine Frische und Realitätsnähe, die abstrakte

philosophische Ideen und Begriffe nie erreichen können:

1. Ein Ding und seine Ursache. 2. Der Geher, das Gehen und die begangene

Strecke. 3. Der Seher und das Sehen. 4. Ursache und Wirkung. 5.

Kennzeichen und Zu-Kennzeichnendes. 6. Leidenschaft und der von

Leidenschaft Ergriffene. 7. Entstehen, Bestehen und Vergehen. 8. Tat

und Täter. 9. Der Sehende und das Sehen. 10. Feuer und Brennstoff. 11.

Anfang und Ende. Leid und Ursachen des Leids. 13. Der Junge und der

Alte, süße Milch und saure Milch. 14. Etwas und etwas anderes. 15. Der

Begriff des Seins und der Begriff des Nichts. 16. Bindung und Befreiung.

17. Tat und ihre Frucht. 18. Der Begriff der Identität und der Begriff

der Verschiedenheit. 19. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 20. Der

Grund und die Frucht. 21. Entstehen und Vergehen. 22. Der Gedanke ‚den

Buddha gibt es über den Tod hinaus’ und der Gedanke ‚es gibt ihn nicht’.

23. Das Reine und das Unreine. 24. Der Buddha und bodhi [Erwachen]. 25.

Nirvana und das Seiende.

Mein Kommentar: Ein Ding ist nicht unabhängig von seinen Bedingungen,

aber auch nicht identisch mit ihnen, ein Geher existiert nicht ohne eine

begangene Strecke, aber er ist auch nicht eins mit ihr. Bei einem Seher

gibt es weder eine Identität mit dem Sehen, noch eine Trennung vom

Sehen. Es gibt keine Ursache ohne eine Wirkung und keine Wirkung ohne

eine Ursache. Der Begriff ‚Ursache’ hat keine Bedeutung ohne den

55


ergänzenden Begriff der ‚Wirkung’. Ursache und Wirkung sind nicht eins,

aber sie fallen auch nicht in zwei getrennte Begriffe auseinander. Ohne

ein Kennzeichen können wir nicht von einem Zu-Kennzeichnenden

sprechen und umgekehrt. Wie sollte es einen von Leidenschaft

Ergriffenen geben, ohne Leidenschaft? Ohne eine Tat gibt es keinen

Täter, ohne Brennstoff kein Feuer.

Bei diesen Bildern, die meistens aus Zwei-Körper-Systemen, manchmal

aus zwei oder drei Begriffen bestehen, sind die Körper oder Begriffe

nicht eins, aber sie fallen auch nicht auseinander. Die Körper sind

abhängig von einander, sie sind aneinander gebunden. Sie befinden sich in

einem Zwischenzustand, in dem sie weder richtig zusammen, noch richtig

getrennt sind. Etwas passiert zwischen ihnen. Das ist der erste und

wichtigste Aspekt der Philosophie Nagarjunas. Er soll uns öffnen für das

zwischen den Dingen Liegende und für einen Umgang mit den Dingen, bei

denen wir nicht immer auf Granit beißen müssen, bei dem wir das

Loslassen lernen können.

56


Abb. 1. MMK, 1. Kapitel : Ursache und Wirkung. Eine

Hochgeschwindigkeits-Photographie von Harold E. Edgerton. Foto:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Shockwave.jpg?uselang=de

Kommentar: Ein Geschoss, das gerade eine Druckwelle durchdringt, die

es selber verursacht hat. Das Geschoss ist die Ursache der

Druckwelle und fliegt mit beinahe gleicher Geschwindigkeit durch sie

hindurch. Ursache und Wirkung sind hier wieder vereint. Beide

Prozesse sind nicht dasselbe, aber es sind auch nicht zwei getrennte

Prozesse. Die zwei Prozesse sind abhängig von einander. Sie sind

aneinander gebunden. Sie befinden sich in einem Zwischenzustand, in

dem sie weder zusammen, noch getrennt sind (etwas passiert zwischen

ihnen).

57


58


Abb. 2. MMK, 2. Kapitel: Ein Läufer und die gelaufene Strecke.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Usain_Bolt_Olympics_Celebrati

on.jpg Kommentar: Usain Bolt. Ein Mensch ist nicht unabhängig von seinen

Bedingungen, aber auch nicht identisch mit ihnen. Ein Läufer existiert

nicht ohne eine gelaufene Strecke, aber er ist auch nicht eins mit ihr. Ein

Läufer und die gelaufene Strecke sind weder eins noch zwei getrennte

59


Körper. Das wichtigste Kennzeichen der Körper ist ihre Interdependenz,

ihr fehlendes eigenes Sein oder ihre fehlende unabhängige Existenz.

60


Abb. 3. MMK, 8. Kapitel: Tat und Täter: Clay and Sonny Liston. Foto:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Championship_fight_between_C

assius_Clay_and_Sonny_Liston_Miami_Beach,_Florida.jpg

Kommentar: Wenn es keine Tat gibt, gibt es auch keinen Täter. Beide

existieren nicht für sich alleine. Tat und Täter sind keine isolierten

Komponenten. Sie entstehen nur in Abhängigkeit von einander. Sie sind

aneinander gebunden. Nicht das Verhalten von Körpern, sondern das

zwischen ihnen Liegende, das Zusammenspiel, das motorische

Nervensystem, zwischen einem Täter, dem Boxer, und seiner Tat, dem

Schlag, ist entscheidend.

61


Abb. 4. MMK.10. Kapitel: Feuer und Brennstoff.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fa/Lightmatter_fire

breath.jpg

Kommentar: Ohne Feuer gibt es keinen Brennstoff oder brennenden

Stoff. Ohne Brennstoff oder einen brennenden Stoff gibt es kein Feuer.

Die materiellen oder immateriellen Komponenten eines Zwei-Körper-

Systems existieren nicht isoliert, sie sind nicht eins und existieren doch

nicht unabhängig voneinander. Etwas passiert zwischen diesen Körpern

und deswegen sind sie nicht unabhängig, haben sie keine Substanz, kein

eigenes Sein. Nagarjuna betont eine zentrale Idee: Die Körper sind nicht

getrennt und sie sind nicht eins. Das wichtigste Kennzeichen der Körper

ist ihre Abhängigkeit von einander und ihre Bindung aneinander.

62


4. Ergebnis

Nagarjuna und Whitehead haben es abgelehnt, sich auf einen einzigen

Begriff festzulegen, der das zwischen den Dingen Liegende bezeichnet.

Sogar solche wichtigen Bezeichnungen wie Zwischenzustände der Dinge,

die Zwischenräume, die Zwischenbereiche und die verflochtenen

Zusammenhänge sind nicht umfassend.

Die Dinge können mit einem Regenbogen oder mit einer schwebenden,

luftigen, leichten Wolke verglichen werden. Durch ihre Bindungen haben

sie auch etwas Unwirkliches an sich, das sich schwer in Worten aber

vielleicht etwas leichter in Bildern darstellen lässt. Bei einem

Zwischenzustand verklumpen die Dinge nicht miteinander, aber sie sind

auch nicht getrennt voneinander, ganz ähnlich wie bei einem

Vogelschwarm die Einheit nicht durch einen Zusammenprall der einzelnen

Vögel hergestellt wird. Welch ein befreiender Anblick!

1. https://www.youtube.com/watch?v=XH-groCeKbE

2.http://www.weltderphysik.de/gebiete/fluide/news/2013/rollendeschwärme-mikrokugeln-organisieren-sich-selbst/5

63


Anhang I

A. N. Whitehead: „Abenteuer der Ideen“.

Einige Textpassagen aus Whiteheads Buch „Abenteuer der Ideen“ [A.N.

Whitehead. Abenteuer der Ideen. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main

1971] sollen die eben erwähnten einzelnen Begriffe zusammenhängend

darstellen und seine philosophischen Methoden kurz erläutern.

Whitehead schreibt dort: „Die Aufgabe der Philosophie besteht darin,

eine Zusammenordnung von Ideen auszuarbeiten, die sich in den

konkreten Fakten der realen Welt manifestieren soll. Sie sucht nach den

allgemeinen Zügen, die die vollständige Realität eines Faktums

charakterisieren, und ohne die jedes Faktum den Charakter einer

Abstraktion annehmen müsste. Die Wissenschaft dagegen abstrahiert

und begnügt sich damit, das Faktum nicht in seiner Vollständigkeit,

sondern nur im Hinblick auf gewisse wesentliche Aspekte zu verstehen.

Die Wissenschaft und die Philosophie kritisieren sich wechselseitig, und

die eine regt immer das Vorstellungsvermögen der anderen an.

Philosophische Systeme haben die Aufgabe, die konkreten Fakten zu

erleuchten, von denen die Einzelwissenschaften abstrahieren. Und die

Einzelwissenschaften sollten ihre Prinzipien in den konkreten Fakten

finden, die das philosophische System ihnen präsentiert. Die Geschichte

des Denkens ist die Geschichte der Fehlschläge und Erfolge dieses

gemeinsamen Unternehmens“(S. 286).

Etwas später lesen wir: „Die griechische Auffassung vom gegliederten

Zusammenhang der Harmonie ist durch den Fortschritt des Denkens

64


gerechtfertigt worden. Aber die lebhafte Vorstellungskraft der

Griechen neigte auch dazu, jeden Faktor des Universums mit einer ganz

eigenständigen Individualität auszustatten, wie sie sich z. B. in dem

selbstgenügsamen Reich der Ideen beobachten lässt, das in Platons

frühem Denken dominierte und hin und wieder auch in seinen späteren

Dialogen noch durchschlägt. Man kann den Griechen aus dieser exzessiven

Individualisierung keinen Vorwurf machen. Denn schließlich baut ja unser

ganzes Sprechen auf dem gleichen Irrtum auf. Wir sprechen habituell

von Steinen, Planeten und von Tieren, ganz so, als ob es möglich wäre,

dass ein individuelles Ding auch nur einen Augenblick lang losgelöst von

seiner Umwelt existieren könnte, die in Wahrheit doch ein notwendiger

Bestandteil seines eigenen Wesens ist. Diese Weise des Abstrahierens

ist einfach eine Denknotwendigkeit, bei der die entsprechende

systematisch geordnete Umwelt stillschweigend vorausgesetzt und in den

Hintergrund verdrängt wird. Das ist eine Feststellung, der man nicht

widersprechen kann“(S. 297).

„Die Newtonsche Physik“, so schreibt Whitehead einige Seiten danach,

„beruht auf der Vorstellung, dass jedes Stück Materie eine vollkommen

unabhängige Individualität besitzt: jeder Stein müsste sich danach

absolut vollständig beschreiben lassen, ohne dass man auf irgendeinen

anderen materiellen Körper einzugehen brauchte. Es wäre denkbar, dass

er sich - gleichsam als der einzige Bewohner des Universums – allein in

einem überall gleichförmigen Raum befände und immer noch der gleiche

Stein wäre, der er jetzt ist. Und es wäre auch nicht nötig, bei seiner

65


Beschreibung auf seine Vergangenheit oder Zukunft einzugehen: er lässt

sich immer jetzt, in diesem Augenblick, vollkommen adäquat begreifen.

Das ist die konsequente Newtonsche Grundvorstellung, die im Lauf der

Entwicklung der modernen Physik Stück für Stück verschwand und

preisgegeben wurde. Sie beruht ganz und gar auf der Annahme der

‚eindeutigen Lokalisierbarkeit‘ (simple location) und der ‚Äußerlichkeit‘

aller Beziehungen zwischen Körpern ( external relations), wobei es

allerdings im letzteren Punkt zu einigen Meinungsverschiedenheiten kam.

Newton neigte dazu, diese Beziehungen als Druck und Stoß zwischen sich

berührenden Körpern aufzufassen; seine unmittelbaren Nachfolger – so

z.B. Roger Cotes – fügten dem noch den Begriff der Fernwirkung hinzu.

In beiden Fällen aber blieb das, was vorlag, ein rein in der Gegenwart

aufgehendes Faktum, nämlich das Bestehen einer äußerlichen Beziehung

zwischen Körpern, die sich entweder berührten oder voneinander

entfernt waren.

Die gegenteilige Auffassung, nach der Beziehungen ‚intern‘

beziehungsweise wesenszugehörig sind, ist in ihrer Darstellung meist

durch eine Sprache verzerrt worden, die die Äußerlichkeit der

Beziehungen im Sinne Newtons als Voraussetzung enthält. Den meisten

Vertretern dieser Auffassung, selbst F.H. Bradley, ist es so gegangen.

Man muss sich hier darüber klar werden, dass nicht nur Beziehungen die

durch sie zueinander in Beziehung gesetzten Dinge modifizieren, sondern

dass auch das Umgekehrte gilt und die Dinge das Wesen der zwischen

ihnen bestehenden Beziehungen modifizieren. Eine Beziehung ist nichts

66


Abstrakt – Universales, sondern genauso konkret wie die Dinge, zwischen

denen sie besteht.

Das ist eine Wahrheit, die z.B. durch den Gedanken, dass die Ursache der

Wirkung immanent bleibt, illustriert wird. Wir werden ein Verständnis

der Natur finden müssen, in dem diese konkrete Verbundenheit

physischer und geistiger Funktionen ihren Ausdruck findet, ebenso wie

die Verbundenheit zwischen Vergangenheit und Gegenwart und der

konkrete Zusammenhang unter physischen Realitäten, die für sich

betrachtet individuell verschieden sind.

Die moderne Physik hat den Standpunkt der eindeutigen Lokalisierbarkeit

aufgegeben. Die physischen Dinge, die wir als Sterne, Planeten,

Felsbrocken, Moleküle, Elektronen, Protonen und Energiequanten

bezeichnen, muss man sich als Modifikationen eines Feldes vorstellen, das

sich über die Gesamtheit von Raum und Zeit erstreckt. Diese

Modifikation ist in einem bestimmten Bereich besonders intensiv, und das

ist nach normalem Sprachgebrauch der Ort, wo sich der fragliche

Gegenstand befindet. Aber sie bereitet sich von dort – mit endlicher

Geschwindigkeit – bis in die entferntesten Raum – Zeitbereiche aus. Es

ist selbstverständlich ganz natürlich und für gewisse Zwecke auch

vollkommen angemessen, wenn man diesen Zentralbereich der Erregung

als das Ding selbst anspricht, das sich dort befindet. Aber man kommt in

Schwierigkeiten, wenn man diese Denkweise zu lange durchhält. Denn in

der Physik ist das Ding mit dem identisch, was es tut, und was es tut, ist

eben genau diese Ausbreitung eines Erregungsvorgangs. Und man kann

67


den Zentralbereich auch nicht von den entfernteren Bereichen der

Erregungsausbreitung trennen. Das Ding widersetzt sich hartnäckig dem

Versuch, es als ein rein gegenwärtiges Faktum aufzufassen“(S. 301 –

303).

Die folgenden Zitate sind dem Kapitel ‚Zur philosophischen Methode‘

entnommen: „Unbestreitbar ist in der Philosophie der Einfluss der

früheren Literatur viel größer als in allen anderen Wissenschaften, und

mit Recht. Aber die Ansicht, dass sich in ihr ein technisches Vokabular

herausgebildet hätte, das für alle Zwecke und für alle vorkommenden

Bedeutungsnuancen hinreichend wäre, ist vollkommen unbegründet.

Tatsächlich ist die philosophische Literatur ja so ungeheuer umfangreich

und die Vielzahl der philosophischen Schulen so groß, dass sich überall

eine Fülle von Belegen für die – höchst verständliche und endschuldbare –

Unkenntnis irgendeines bestimmten Sprachgebrauchs finden lässt“(S.

406 – 407).

Whitehead schreibt einige Seiten später: „Diese Bezeichnungsweisen

sind so gewählt worden, um der Bedingung Genüge zu tun, dass die

Sprechweise einer sich entwickelnden Theorie nach Möglichkeit zwanglos

aus der Sprechweise der großen Meister hervorwachsen sollte, die ihre

Grundlagen gelegt haben. Der Sprachgebrauch, der zu einer bestimmten

Zeit in bestimmten philosophischen Schulen herrscht, bildet immer nur

einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtvokabular der philosophischen

Tradition“. (…) „Mit Hilfe der gerade gängigen Sprechweisen kann man

immer nur die Lehrmeinungen der gerade herrschenden Schule und ihrer

68


anerkannten Varianten zum Ausdruck bringen“. Und die Forderung, dass

eine andere Lehrmeinung, die in anderen Teilen der Tradition wurzelt,

sich ebenfalls auf diese Sprachauswahl beschränken müsste, läuft auf

nichts anderes hinaus als auf den dogmatischen Anspruch, dass gewisse

Vorannahmen niemals revidiert werden dürften. Dann sind nur die

Lehrmeinungen zulässig, die sich mit Hilfe des geheiligten Vokabulars zum

Ausdruck bringen lassen. Was man vernünftigerweise fordern darf ist,

dass jede Lehrmeinung sich in ihren Sprechweisen auf die eigene

Tradition gründen sollte. Und wenn in dieser Beziehung Vorsorge

getroffen worden ist, kann man in der lauten Entrüstung über

eingeführte Neologismen nicht mehr sehen als ein Maß für den

unbewussten Dogmatismus des Entrüsteten“ (415).

Die Methoden der Philosophie. Immer wieder kommt Whitehead auf die

Rolle zu sprechen, die der Philosophie und ihren Methoden zukommen. Er

schreibt: „Das Hauptverfahren der Philosophie im Umgang mit ihren

Gegebenheiten ist die Methode der beschreibenden

Verallgemeinerung“(S. 416).

Auf diese Methode der beschreibenden Verallgemeinerung ist Whitehead

immer wieder zurückgekommen. So schreibt er beispielsweise in seinem

Werk Prozess und Realität: „Die wichtigste Methode der Mathematik ist

Deduktion; die der Philosophie ist deskriptive Verallgemeinerung“

( Zitiert in: Christoph Kann, op. cit., S.144).

Auch für die Metaphysik macht Whitehead in Prozess und Realität

Verallgemeinerungen geltend: „Metaphysische Kategorien sind nicht

69


dogmatische Feststellungen des Offensichtlichen, sie sind vorläufige

Formulierungen der allgemeinen Prinzipien“ (Zitiert in: Christoph Kann: op.

cit. S. 145). Für die Forschungsmethode spielt die Verallgemeinerung auch

eine Rolle. Die wahre Forschungsmethode „geht aus von der Grundlage

einzelner Beobachtungen, wodurch Anwendbarkeit gewährleistet werden

soll. In einem zweiten Schritt hebt die Methode von diesem

Ausgangspunkt ab, ‚schwebt durch die dünne Luft phantasievoller

Verallgemeinerung und versenkt sich dann wieder in neue Beobachtungen,

die durch rationale Interpretation geschärft sind‘“(Christoph Kann, op.

cit. S. 110).

Das Allgemeine. Später lesen wir bei Whitehead über das Allgemeine:

„Schon das erste undeutliche Aufdämmern eines großen Prinzips pflegt

von einer ungeheuren emotionalen Kraftentfaltung begleitet zu sein. Die

turbulente Fülle der einzelnen Handlungen, die aus solchen komplexen,

einen Kern tiefer Intuition umgebenden Gefühlen entspringen, fällt in

primitiven Zeiten oft abstoßend und bestialisch aus. Schließlich aber

bildet sich in der zivilisierten Sprache eine ganze Gruppe von Wörtern

heraus, von denen jedes die allgemeine Idee in irgendeiner speziellen

Form verkörpert. Wenn wir das Allgemeine erkennen wollen, das in diesen

speziellen Ausprägungen enthalten ist, müssen wir die ganze Gruppe der

entsprechenden Wörter einer vergleichenden Betrachtung unterziehen,

in der Hoffnung, das ihnen gemeinsame Element zu entdecken. Das ist ein

für die Zwecke der philosophischen Verallgemeinerung unbedingt

notwendiges Vorgehen; denn der voreilige Gebrauch irgendeines

70


geläufigen Worts muss – infolge der mit seiner üblichen Konnotationen –

unweigerlich dazu führen, dass wir den von uns angestrebten Grad von

Allgemeinheit nicht erreichen“(S. 417).

„Um also durch philosophische Verallgemeinerung – als Verallgemeinerung

des Erlebnisakts zu verstehen – zum Begriff des fundamentalen, konkret

Wirklichen (final actuality) zu gelangen, bedarf es einer scheinbaren

Redundanz von Ausdrucksformen: und zwar weil wir darauf angewiesen

sind, dass die jeweils verwendeten Wörter sich wechselseitig korrigieren.

Wir brauchen die Ausdrücke ‚zusammen‘, ‚das immanent Schöpferische‘,

‚die Konkreszenz‘, ‚das Erfassen‘, ‚das Fühlen‘, ‚die subjektive Form‘, ‚die

Gegebenheiten‘, ‚Wirklichkeit‘, ‚Werden‘ und ‚Prozess‘ (S. 419).

71


6. Anhang II

Denken und Sehen: Ein Zusammenspiel

1. „Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen“. Ist eine solche

Bemerkung im 21, Jahrhundert noch denkbar, ist darin noch irgendeine

Erkenntnis enthalten, widersprechen nicht alle Philosophien und

Wissenschaften einer solchen naiven Aussage? Welche Philosophie oder

Wissenschaft interessiert sich heute noch für das Sehen? Max Planck

hatte 1941 in einem Vortrag in Berlin bemerkt, dass vom Sehen, Hören,

Tasten im wissenschaftlichen Weltbild nicht die Rede sei. [1] Der

Aristotelesforscher Ingemar Düring sagte uns im Jahre 1966: Nach einer

Meinung die schon Aristoteles mit fast allen Philosophiekollegen teilte,

sei das philosophische Denken die höchste menschliche Aktivität und der

oberste Wert [2]. Wer wollte dem widersprechen? Denkweisen,

besonders philosophische und wissenschaftliche Denkweisen, können

nicht vom Sehen infrage gestellt werden. Auch die Väter des modernen

wissenschaftlichen Denkens, Kopernikus, Kepler, Galilei, Descartes und

Newton haben seit dem Jahre 1500 Aristoteles nicht widersprochen,

jedenfalls nicht in der Frage des Denkens. Sie haben das

wissenschaftliche, abstrakte Denken noch einmal eine Stufe höher

gehoben. Sie haben es in eine mathematische Form gegossen. Galilei

sprach für ein ganzes wissenschaftliches Zeitalter, als er sagte, das Buch

der Natur sei in der Sprache der Mathematik geschrieben.

Mathematische Formeln und geometrische Formen, Naturgesetze, all das

72


konnte niemand sehen. Mit dem Sehen konnte man nicht die Fallgesetze

bestätigen oder widerlegen. Mit den Augen konnte man nur die Sonne

täglich aufgehen sehen. Man konnte nicht sehen, dass sich die Erde um

ihre eigene Achse dreht. Aber man konnte so etwas denken und

mathematisch berechnen. Dementsprechend ist der Satz von René

Descartes wahrscheinlich der bekannteste Satz der Philosophie und

Wissenschaft der modernen Welt: Ich denke, darum bin ich. Denken ist

wichtig, meinte René Descartes, das Sehen und die anderen Formen der

Wahrnehmung spielen beim Verstehen der Welt keine Rolle.

2. Und eine zweite Selbstverständlichkeit wurde von nun an behauptet:

Denken und Sehen sind zwei getrennte Dinge, sie haben nichts mit

einander zu tun. Die Wahrnehmung und die wahrgenommen Dinge wurden

seit dem 16. Jahrhundert abgewertet. Das Sehen und die gesehenen

Natur, farbige Vögel und bunte Landschaften, sich immer wieder neu

bildende Wasserwellen, helle und dunkle Gegenstände im Licht, diese

unendliche Vielfalt der konkreten Bilder, die wir mit unseren Augen

sehen, sie wurden abgewertet. Sie sollten eine geringere Bedeutung und

Wirklichkeit haben, die mehr den Bereichen der Träume, Visionen,

Fiktionen, Illusionen und Phantasien, zugeordnet wurden. Bis heute

nennen wir solche inneren Dinge Phänomene. Das war nur ein anderes

Wort für Erscheinungen. Ganze Philosophien und Wissenschaften wurden

nach diesem schillernden Begriff genannt: Phänomenologie. Von nun an

wurden die Menschen in eine Welt der Erscheinungen versetzt. Die

73


konkrete Welt, in der wir leben, hieß nun Erscheinung und die konkreten

Dinge dieser Welt wurden nur noch als subjektive, abstrakte Phänomene

zur Kenntnis genommen. Es war keine Welt für Menschen, die sich auf

das Sehen verlassen hatten. Viele wissenschaftliche Denkweisen

versuchten uns nun eines Besseren zu belehren. Man braucht nur ein

beliebiges Physikbuch über Farben aufzuschlagen, um zu erfahren, dass

die Welt farblos sein soll. Farben, so behauptete schon Isaac Newton,

gibt es nicht in dieser Welt. Farben gibt es nur in unserem Bewusstsein

(‚in our minds’, wie Newton es formulierte). Farben, so belehrte uns Isaac

Newton, sind nur die Dispositionen von Dingen, bestimmte Lichtstrahlen

zu reflektieren [3]. Farben, so belehrte uns Newton, gibt es nur im

menschlichen Wahrnehmungsapparat, im Bewusstsein. Wo dieser Ort

genau liegen soll ist keine ausgemachte Sache, jedenfalls nicht da

draußen, in der Natur. Das Sehen spielt keine Rolle mehr beim

philosophischen oder wissenschaftlichen Erkennen der Welt. Es war

vollkommen getrennt vom begrifflichen Denken. Es konnte dem Denken

nicht mehr in die Quere kommen, wenn es darum ging, die Welt zu

erkennen und zu verstehen. Das Sehen hatte in den physikalischen

Wissenschaften und in den verschiedensten Spielarten der

Phänomenologie abgewirtschaftet.

3. Allerdings wagten in Europa einige Seher und Querdenker zu

widersprechen. Sie widersprachen beiden grundlegenden Annahmen

europäischer Philosophien und Wissenschaften, die das Denken und die

74


die dualistische Trennung von Sehen und Denken betrafen. Ohne

Vollständigkeitsanspruch möchte ich einige Hinweise auf solche

Querdenker geben. Der erste europäische Physiker, der das Sehen

wieder aufwertete, war meines Erachten der Physiker Michael Faraday.

Sein Kollege, der berühmte mathematische Physiker James Clerk Maxwell

schreibt über Faraday in der Einleitung seines Werkes 'Treatise on

Electricity and Magnetism' im Jahre 1873: « Faraday sah beispielsweise

vor seinem geistigen Auge Kraftlinien, die den gesamten Raum

durchdringen, wo Mathematiker Kraftzentren sahen, die sich über eine

Entfernung hinweg anziehen; er gewahrte ein Medium, wo jene nichts

anderes als Distanz sahen « [4].

4. Auch über den Philosophen Ludwig Wittgenstein haben wir Hinweise,

die von dem Philosophen Ray Monk im Sommer 2012 stammen, nach denen

es Ludwig Wittgenstein mehr um das Sehen, als um das Denken ging. Er

dachte offenbar in Bildern [5].

5. Der Philosoph Hans Blumenberg hat sein Leben einem Gebiet gewidmet,

das man vielleicht einen Zwischenbereich zwischen dem Sehen und dem

philosophischen Denken in abstrakten Begriffen nennen könnte : Es ist

das Denken in Metaphern oder sollten wir sagen, das Sehen von Metaphern

? [6]

6. Der Gehirnforscher und Neurobiologe Semir M. Zeki ist nach intensiven

Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass Sehen sich nicht

vom Verstehen trennen lässt. Er widerspricht nachdrücklich der dualisti-

75


schen Konzeption Immanuel Kants, nach der Wahrnehmen und Verstehen

zwei grundverschiedene Fähigkeiten seien [7].

7. Mit anderen Methoden als mit den Methoden der Neurobiologie ist Irvin

Rock in seinen psychologischen Studien über die Wahrnehmung zu

ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen, wenn er am Ende seiner vielfältigen

Untersuchungen schreibt : « Trotz der Autonomie der Wahrnehmung

gegenüber dem Bewußtsein würde ich sie als intelligent betrachten : Intelligent

drückt dabei Fähigkeiten aus, wie sie in ähnlicher Form für

Denkprozesse typisch sind : Beschreibung, Schluss und Problemlösung »

[8].

8. Als ein letztes Beispiel für die Aufwertung des Sehens möchte ich einen

bedeutenden Maler zu Wort kommen lassen : Cy Twombly (1928-

2011) : ‘The image cannot be dispossessed of a primordial freshness

which ideas can never claim’. ‚Dem Bild kann eine ursprüngliche Frische

nicht genommen werden, die Ideen niemals für sich beanspruchen können’.

[9]

Anmerkungen zum Anhang II

[1] Vgl. Max Planck. Sinn und Grenzen der exakten Wissenschaft.

München 1971, S.22

[2]. Ingemar Düring, Aristoteles, Heidelberg 1966, S. 220.

[3]. Isaac Newton, Optics., zitiert in: Edwin Arthur Burtt, The Metaphysical

Foundations of Modern Physical Science, Kegan Paul, London

1925, p. 233. Newton schreibt: “so colours in the object are nothing but a

76


disposition to reflect this or that sort of rays more copiously than the

rest“.

[4] James Clerk Maxwell, Treatise on Electricity and Magnetism zitiert

in: Giulio Pruzzi: Maxwell: Der Begründer der Elektrodynamik, Spektrum

der Wissenschaft, 2/2000, Heidelberg 2000, Seite 48

[5] Vgl.Ray Monk : http://www.newstatesman.com/culture/art-and-design/2012/08/ludwig-wittgenstein’s-passionlooking-not-thinking

[6] Vgl. Hans Blumenberg, Quellen, Ströme, Eisberge, Herausgegeben von

Ulrich von Bülow und Doris Krusche, Suhrkamp Verlag Berlin 2012. Blumenberg

schreibt in seinem Nachlass, Seite 258 :« Die Metapher erfrischt

den Verstand ; aber sie bedarf auch der Auffrischung durch den

Verstand ».

[7] Semir M. Zeki. Das geistige Abbild der Welt. In : Gehirn und Bewußtsein.

Mit einer Einführung von Wolf Singer. Spektrum. Akademischer

Verlag. Heidelberg 1994, S. 332

[8] Irvin Rock. Wahrnehmung. Vom visuellen Reiz zum Sehen und Erkennen.

Spektrum. Akademischer Verlag. Heidelberg 1998, S. 198

[9] Hier die ursprüngliche Formulierung des Satzes von Cy Twombly, er

ist von John Crowe Ransom (1888-1974) http://quotes.dictionary.com/the_image_cannot_be_dispossessed_of_a_primordialhttp://www.full-stop.net/wp-content/uploads/2011/07/twombly6.jpg

77


Cy Twombly.

Foto:By museum in progress, Cy Twombly, CC BY-SA 3.0 de,

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15817660

78


7. Anmerkungen

(1) Elmar Holenstein, Philosophie-Atlas: Orte und Wege des Denkens.

Amman Verlag, Zürich 2004, S. 19

(2) Vgl. Paolo Zellini, Eine kurze Geschichte der Unendlichkeit. Verlag

C.H. Beck. München 2010, S. 71

(3) Nagarjuna: Die Philosophie der Leere: Nagarjunas Mulamadhyamakakarikas.

Übersetzung des buddhistischen Basistextes mit

kommentierenden Einführungen / Bernhard Weber-Brosamer, Dieter M.

Back. Wiesbaden Harrassowitz 1997 [ MMK ]

(4) A.N. Whitehead, Abenteuer der Ideen. Suhrkamp Verlag AG, 2000

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8. Literaturauswahl

a) Vorsokratiker

Geoffrey S. Kirk, Die vorsokratischen Philosophen: Einführung, Texte und

Kommentare von Geoffrey S. Kirk, John E. Raven und Malkom Schonfield,

Stuttgart 1994

Hans-Georg Gadamer, Der Anfang der Philosophie, Stuttgart 1996

Hans-Georg Gadamer, Der Anfang des Wissens, Stuttgart 1999

b) Platon

Hans-Georg Gadamer, Wege zu Plato, Stuttgart 2001

Carl Friedrich von Weizsäcker, Ein Blick auf Platon, Stuttgart 1988

c) Aristoteles

Ingemar Düring, Aristoteles, Heidelberg 1966

d) Geschichte der Metaphysik

Heinrich Schmidinger, Metaphysik. Ein Grundkurs, Stuttgart, Berlin Köln

2000

e) Klassische Mechanik

Edwin Arthur Burtt, The Metaphysical Foundations of Modern physical

Science, London 1925

Stephen Shapin, Die wissenschaftliche Revolution, Frankfurt am Main

1998

K. Simonyi, Kulturgeschichte der Physik, Leipzig/Jena/Berlin 1980

Alexandre Koyré, Galilei, Berlin 1988

f) Philosophie

80


Clément Rosset, Le réel et son double. Essai sur l'illusion, Gallimard 1984

A.N. Whitehead. Wissenschaft und moderne Welt. Suhrkamp Frankfurt

1988

A.N. Whitehead, Abenteuer der Ideen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am

Main 1971

A. N. Whitehead, Denkweisen, Suhrkampverlag, Frankfurt 2001

Christoph Kann, Fußnoten zu Platon, Philosophiegeschichte bei A.N.

Whitehead, Hamburg 2001

g) Nagarjuna

Nagarjuna, Die Philosophie der Leere, Nagarjunas Mulamadhyamaka-Karikas,

Bernhard Weber-Brosamer/Dieter M. Back [Hg.], Wiesbaden 1997

Etienne Lamotte, Traité de la Grande Vertue de Sagesse de Nagarjuna,

Mahaprajnaparamita-sastra, Tome I-V, Louvain 1944 ff.

h) Etwas ausführlichere Literaturangaben in:

Christian Thomas Kohl, Buddhismus und Quantenphysik: Schlussfolgerungen

über die Wirklichkeit, Windpferdverlag, Oberstdorf 2013

Christian Thomas Kohl

Email: kohl12345@gmail.com

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