JB-2015

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1. Geschäftsbericht für das Jahr 2015

Keine Angst vor HIV!

Wir alle können ganz entspannt und positiv zusammen

leben, denn weder im Alltag noch in den allermeisten

denkbaren Lebenssituationen besteht eine begründbare

Gefahr vor einer HIV-Übertragung. Viele Menschen wissen

das und doch vertrauen nicht wenige Menschen in

Situationen, in denen es auf dieses Wissen ankommt,

doch nicht darauf. Die Ängste sind nicht selten größer.

Und Menschen mit HIV erleben Ängste ihrer Umgebung

oft als Zurückweisung oder erleben gar mehr oder weniger

direkte Ablehnung, Ausgrenzung oder subtilere

Formen von Diskriminierung und ziehen wiederum nicht

selten daraus die Konsequenz, ihren Status geheim zu

halten. Diese Zurückweisungen wegen der Infektion und

die Angst davor wiegen bei Menschen mit HIV heute oft

schwerer als die gesundheitlichen Folgen der HIV-Infektion.

Diesen Bedingungskreislauf wollen wir überwinden,

denn:

Mit HIV kann man leben. Mit Diskriminierung nicht!

Da hilft vor allem eines: darüber reden! Denn wer mehr

(voneinander) weiß, hat weniger Angst.

Dass das Thema Entdiskriminierung, also gleichsam die

Bearbeitung der „gesellschaftlichen Erkrankung“ gegenüber

HIV und AIDS, vor dem Hintergrund der medizinischen

Fortschritte in den letzten Jahren immer mehr zum

zentralen Anliegen werden konnte, freut uns geradezu,

geht es doch in unserer Arbeit immer mehr um Lebensbegleitung

und kaum noch um Sterbebegleitung von

Menschen mit HIV und AIDS.

Mit HIV leben in Deutschland immer mehr Menschen

(2015 ca. 85.000) mehr oder weniger gut. Etwa 2/3 davon

sogar so gut, dass sie der Unterstützung durch die

AIDS-Hilfen kaum noch bedürfen. Es bleibt allerdings

gut ein Drittel, die aufgrund von diversen, oft prekären

Lebenssituationen auch aufgrund der HIV-Infektion dringend

auf Unterstützung, Rat und Hilfe durch AIDS-Hilfen

angewiesen sind. Und das zumindest phasenweise sehr

intensiv.

Dies gilt insbesondere für die Gruppe der sogenannten

„late presenter“, der Menschen also, die erst sehr spät

ihre Erstdiagnose bekommen und sich dann bereits in

sehr ernst zu nehmenden gesundheitlichen Problemlagen

befi nden – nicht selten bereits im Stadium AIDS sind.

Sie tauchen erst so spät auf, weil sie bis dahin vielleicht

nur wenig gesundheitliche Probleme hatten, weil sie entweder

bis dahin kein Risikobewusstsein entwickelt haben,

weil sie sich aus diffusen Ängsten heraus bewusst

gegen einen Test entschieden haben oder weil sie Stigmatisierung

oder/und diskriminierende Folgen befürchten

oder weil ihnen schlichtweg die Informationen fehlen.

Oder weil sie bis dahin auf schlecht informierte oder nicht

sensibilisierte Mediziner gestoßen sind und sie somit keine

Testempfehlung bekommen haben.

Für das Berichtsjahr 2015 geht das Robert-Koch-Institut

(RKI) zudem davon aus, dass von den etwa 85.000

HIV-Infi zierten in Deutschland ungefähr 13.000 Menschen

noch nicht getestet sind und somit keine Ahnung

von ihrem Status haben können. Und dabei sind die

zugewanderten Menschen mit Migrationshintergründen

(wie etwa Flüchtlinge) nicht (mehr) berücksichtigt, weil

das RKI sich zur Zeit dazu außer Stande sieht, seriöse

Angaben zu machen.

Und diese Gruppe der Ungetesteten spielt wiederum

eine wesentliche Rolle hinsichtlich der steigenden Zahl

von HIV-Neuinfektionen (so auch wieder im Berichtsjahr

auf etwa 3250), denn diese sind vermutlich für einen großen

Teil der Übertragungen verantwortlich.

Vor diesen Hintergründen kommen wir an der Seite un-

4

Geschäftsbericht


seres Landesverbandes zu der Analyse, dass wir damit

nicht zufrieden sein können und zu verschiedenen begründeten

Forderungen (s. Claims zum 30-jährigen Jubiläum

der Aidshilfe NRW e.V. www.nrw.aidshilfe.de ):

Wir wollen mehr … POSITIVE!

Die Frage nach dem Warum? ist allerdings sehr berechtigt,

denn diese Forderung erscheint ja zunächst einmal

als Paradoxon gegenüber dem eigentlichen Ziel der „Minimierung

von Neuinfektionen“ (s. Landeskonzept NRW

2013), welches wir selbstverständlich weiter verfolgen

müssen und wollen. Es ist also erläuterungsbedürftig.

Und das wollen wir hier nicht versäumen.

Nach heutigem Wissensstand gilt: Für Menschen mit HIV

ist es von deutlich größerem Nutzen, die (antiretrovirale)

Therapie eher früher als später zu beginnen, also „hit

hard and early!“. Je früher man mit der Therapie beginnt,

desto besser scheinen die Optionen zu sein, dass Stadium

AIDS so weit wie möglich hinaus zu zögern, die Erkrankungsprogression

gut zu kontrollieren, desto später

scheinen selbst nicht-HIV-assoziierte Infektionen aufzutauchen.

Und – auch dies soll nicht unerwähnt bleiben: Je früher

der Therapiebeginn liegt, desto früher und besser kann

es gelingen, die HIV-Viruslast unter die sog. Nachweisgrenze

zu bringen und zu halten und somit hat dies auch

sehr deutliche primärpräventive Effekte. Denn hier greift

die gesicherte Erkenntnis, dass unter bestimmten Bedingungen

von einem HIV-positiven Menschen, dessen

Viruslast stabil unter der Nachweisgrenze liegt, keine Infektiösität

ausgehen kann!

Die Instrumente sind also da, dass eigentlich in Deutschland

kein HIV-positiver Mensch mehr an den Folgen von

AIDS versterben muss, sofern dieser Mensch die notwendigen

Bedingungen (lebenslange Chemotherapie mit

hoher Adhärenz und einiges mehr) erfüllen kann und will.

Das ist nicht leicht und sicherlich auch von glücklichen

Umständen (Verträglichkeit, überschaubare Nebenwirkungen,

psychische Stabilität, günstige soziale Verhältnisse

u.a.) abhängig, aber durchaus möglich.

Insofern sehen wir diese Möglichkeiten für uns auch eindeutig

als zielrelevante Orientierungsmarke für unsere

strukturelle Präventionsarbeit an.

Um mehr frühzeitige Diagnosen zu erzielen und dann

auch eine adäquate medizinische Versorgung zu ermöglichen,

braucht es allerdings natürlich auch entsprechende

Ressourcen und Initiativen. Und da sehen wir in unserer

Region eher Stagnation und Standardabsenkungen

als Chancen auf eine Weiterentwicklung der strukturellen

HIV-/AIDS-Prävention, wie sie im Landeskonzept NRW

(s. Vorjahresberichte) und in diversen Empfehlungen der

Fachgesellschaften gefordert werden.

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Die Erkenntnisse müssen transportiert, in die Bevölkerung

getragen werden (insbesondere in die besonders

riskierten Zielgruppen) – das wiederum benötigt menpower,

das benötigt stete Fortbildung, das benötigt die

Unterstützung der Medien, das muss von der Politik und

den Entscheidungsträgern im öffentlichen Gesundheitswesen

gewollt werden.

Das benötigt mehr Fachwissen bei den Ärztinnen und

Ärzten im Hinblick auf die Diagnostik von HIV und anderen

STI`s und eine aktivere Rolle derer in der Prävention.

Das Ziel, mehr Risikobewusstsein und eine höhere Testbereitschaft

zu erzielen, kann nur erreicht werden, wenn

–wie wir es in unseren Jahresberichten immer wieder betonen-

es gelingen mag, entscheidende Schritte bei der

Akzeptanz- und Toleranzentwicklung der Bevölkerung

gegenüber HIV-positiven Menschen, gegenüber verschiedenen

Lebensweisen von Menschen erzielen.

Das Berichtsjahr 2015 hat uns eher Ernüchterung als Zuversicht

vermittelt. Wir hatten mit mehr Diskriminierungsfällen

zu tun als je zuvor. Das Stigmatisierungs- und Diskriminierungspotential

scheint eher wieder zu wachsen

als zu schrumpfen. Die Durch- und Umsetzung kontraproduktiver

Gesetze, Vorschriften und Praktiken (s. Asylgesetzgebung,

Prostitutionsgesetzesnovelle, Initiativen

der „besorgten Eltern“, Pegida, etc.), der Ton im gesellschaftlichen

Diskurs hat sich nicht nur wegen der Flüchtlingsdebatte

radikalisiert und eher Rückschritte für eine

soziale Gerechtigkeit gebracht.

„Um HIV zu besiegen und für alle gleichen Zugang zu

HIV-Prävention, -Behandlung, -Versorgung und Betreuung

zu erreichen, sollte niemand aufgrund von Geschlecht,

Alter, Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Behinderung,

religiöser oder spiritueller Überzeugung, wegen

des Herkunftslandes, des nationalen Status, der sexuellen

Orientierung oder auf der Geschlechtsidentität, aufgrund

der Eigenschaft als Sexarbeiter*in, Häftling oder

Strafgefangener, wegen aktuellen oder ehemaligen Konsums

illegaler Drogen oder wegen einer HIV-Infektion kriminalisiert

oder diskriminiert werden.

Wir bekräftigen, dass alle Frauen, Männer, Transgender

sowie intersexuelle Erwachsene und Kinder Anspruch

auf gleiche Rechte und auf gleichen Zugang zu Informationen

und Angeboten der HIV-Prävention, -Versorgung

und –Behandlung haben. Die Förderung der Geschlechtergleichheit

ist entscheidend für einen Umgang mit HIV,

der den Bedürfnissen der am stärksten Betroffenen tatsächlich

entspricht“.(Melborne-Erklärung, Welt-AIDS-

Kongress 2014, s. Jahrebericht 2014) Gleichbehandlung

und Vertraulichkeit beim Zugang zur HIV-Versorgung und

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Geschäftsbericht


zu Behandlungsangeboten sind grundlegende Bedingungen

für eine Fortschreibung der deutschen Präventionserfolgsgeschichte.

Wir wollen mehr Entspannung im Umgang mit HIV und

AIDS. HIV gehört zu den äußerst schwer übertragbaren

Erregern und in den allermeisten denkbaren Lebenssituationen,

in die wir geraten können, droht keinerlei

Übertragungsrisiko. Selbst in medizinischen Behandlungssituationen

reichen die allgemein üblichen Hygienemaßnahmen

vollends aus, um eine Infektion zu vermeiden.

Und dennoch werden HIV-positive Menschen

immer noch mit irrationalen Ängsten, Vorurteilen oder

sehr rigiden Moralvorstellungen konfrontiert. Ein entspannter

Umgang mit Menschen mit HIV und manchen

Lebensentwürfen „jenseits der Norm“ muss selbstverständlicher

werden, denn wir alle können „Positiv zusammen

leben!“.

Prostitution (s. 5.4.), bei Menschen mit bestimmten

Migrationshintergründen (s. 5.5.) oder bei der Versorgung

von Suchterkrankten (s. 5.2.) und eindeutig im Bereich

von homo- und bisexuellen Männern und Männern,

die Sex mit Männern haben (MSM) (s. 5.1.). Eine weitere

sehr wichtige Zielgruppe stellen Menschen in Haft dar,

wo wir leider immer noch höhere Infektionsgefährdungspotentiale

(besonders bzgl. der Hepatitiden B und C,

aber durchaus auch bezogen auf HIV) konstatieren, die

im Wesentlichen in den hygienisch höchst bedenklichen

(Drogen-) Konsumbedingungen begründet sind (s. 5.3.).

„Unverzichtbar ist dabei nach wie vor die Primärprävention

für Kinder und Jugendliche (s. 5.6.). Wichtig ist, HIV/

AIDS-Prävention als Teil von Gesundheitsförderung und

Sexualaufklärung zu verstehen und Jugendliche frühzeitig

zu Beginn ihrer sexuellen Aktivität zu erreichen“ (Landeskonzept

„Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen“, 2013, S. 10; s. auch 5.6. im

vorliegenden Jahresbericht).

„In 30 Jahren hat sich das Leben mit HIV verändert. Für

die einen ist HIV eine behandelbare chronische Infektion,

bei anderen geht es immer noch mit Armut, Einsamkeit

und dem Krankheitsbild AIDS einher. Prävention ist komplexer

geworden. Aus- und Fortbildung, Beratung und

Ehrenamtsmanagement müssen unseren fachlichen und

professionellen Ansprüchen entsprechen. Das alles kostet

viel Geld.“ (nrw.aidshilfe.de, Wir wollen mehr, 2015)

Um den Ziel der Minimierung von HIV-Neuinfektionen

näher zu kommen, um der Umsetzung des Menschenrechtes

auf Gesundheit, Information und Aufklärung gerecht

zu werden und um die adäquate Versorgung von

Menschen mit HIV und AIDS sicher zu stellen, werden

entsprechende Ressourcen benötigt.

Angesichts der epidemiologischen Situation in Deutschland

müssen Präventionsmittel und –maßnahmen insbesondere

dort zur Verfügung stehen, wo sie besonders

benötigt werden – z.B. in Bereichen von (Beschaffungs-)

Der Ansatz der strukturellen Präventionsarbeit im Kontext

von Gesundheitsförderung hat sich zudem ganz eindeutig

bewährt. Angesichts der epidemiologischen Daten

in Deutschland erweist sich die zielgruppenspezifische

Präventionsarbeit als immer bedeutungsvoller, damit die

richtigen Menschen mit den passenden Botschaften und

Maßnahmen lebenswelt- und akzeptanzorientiert erreicht

werden können und die Ansätze nicht ins Leere greifen,

denn: Nur wer sich schätzt, schützt sich und andere!

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. – Fachstelle

für sexuelle Gesundheitsförderung - arbeitet von Beginn

an nach diesem Grundsatz und bietet – mit einer für die

Größe des Zuständigkeitsgebietes und der Einwohnerzahl

vergleichsweise kleinen Mannschaft von ehren- und

hauptamtlichen Mitarbeiter*innen - ein umfassendes Projektspektrum

dazu.

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So gibt der vorliegende Bericht vor allem Auskunft über

die konkrete Arbeit der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V.- Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung- im

Jahre 2015. Wir wünschen anregende Lektüre!

Zum bewährten Ansatz der „strukturellen HIV-Prävention“

gehört aber auch ein gutes, niedrigschwelliges und

zielgruppenorientiertes Testangebot (Kommunale Pfl ichtaufgabe

der unteren Gesundheitsbehörden!), was wir für

unsere Region sowohl in der Stadt Duisburg als auch im

Kreis Wesel als äußerst suboptimal einschätzen und entsprechend

beobachten und erfahren, dass immer mehr

Testsuchende auf umliegende Angebote in anderen

Ruhrgebietsstädten oder etwa in Düsseldorf ausweichen

(müssen). Hier sehen wir erheblichen Verbesserungsbedarf.

Dazu gehört auch zwingend eine gute medizinische Versorgungslage.

Und auch hier sehen wir zunehmende

Engpässe und eine nicht hinreichende regionale Infrastruktur

für ein sehr großes Zuständigkeitsgebiet, was

wir schon mehrfach thematisiert haben. So auch in diesem

Jahr etwa im Umfeld des Deutsch-österreichischen

AIDS-Kongresses gegenüber den Medien.

„Unsere Meinung aktuell (Stand 08.2015):

Stellungnahme der AIDS-Hilfe zur

Medizinischen Versorgungssituation von Menschen

mit HIV und AIDS in der Region Duisburg / Kreis Wesel

2015 ff

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. sieht eine adäquate

medizinische Versorgung von Menschen mit HIV

und AIDS in der Region um Duisburg, dem Kreis Wesel

wie auch in den benachbarten Niederrhein-Kreisen Kleve,

Viersen, Borken in akuter Gefahr.

Allein in Duisburg und dem Kreis Wesel mit einer Bevölkerungszahl

von knapp einer Million Menschen ist von

einer HIV-Prävalenz von über 1.000 Menschen mit HIV

auszugehen. Nach jüngsten RKI-Angaben (s. Epidemiologisches

Bulletin Nr. 27 des Robert-Koch-Institutes,

07/2015) sind davon etwa 65% unter antiretroviraler Therapie,

also über 650 HIV-Positive, für die für die gesamte

Region nur ein niedergelassener HIV-Schwerpunktbehandler

im Duisburger Süden als Facharzt zur Verfügung

steht. Dieser versorgt etwa 300 HIV-Patienten hervorragend,

ist damit aber auch nach unserer Auffassung nahe

an der Grenze der Auslastung. Die anderen sind zu einem

großen Teil bei der Uniklinik Essen, zu geringeren

Teilen bei den Unikliniken Düsseldorf und Bochum, einem

weiteren niedergelassenen Schwerpunktbehandler

in Krefeld und einigen in Düsseldorf ansässigen Ärzten

angebunden.

Vor dem Hintergrund der heutigen medizinischen Optionen

muss unser gemeinsames Ziel sein, möglichst auch

denjenigen HIV-Positiven Zugang zu medizinischer Versorgung

zu ermöglichen, die diesen bisher noch nicht

hatten. Darüber hinaus gilt es, die noch nicht Getesteten

zu möglichst früher Diagnosestellung zu bewegen und

somit u.a. die Problematik der sog. late presenter zu verringern.

Unsere Aufgabe diesbezüglich besteht dabei darin, zum

einen ein Risikobewusstsein in der Bevölkerung zu schärfen

und die Testbereitschaft zu erhöhen. Dieser Komplex

benötigt dann aber eben auch eine entsprechende Infrastruktur

der strukturellen Prävention und damit eben

auch der HIV-spezifi schen medizinischen Versorgung.

(Anmerkung am Rande: das zitierte RKI-Bulletin konstatiert

für 2014 etwa in der Personengruppe mit heterosexuellen

Transmissionsrisiken einen stärkeren Anstieg

im ländlichen Bereich. Erklärungsansätze sind bei uns

abrufbar.)

Nicht erst wenn sich die für die Region relativ wenigen

Schwerpunktbehandler in absehbarer Zeit zur Ruhe setzen

oder sie selbst wegen Krankheiten und Urlaubsphasen

mittelfristig ausfallen, verschärft sich die Problematik.

Denn die Zahl der Patienten wird auf Grund der längeren

Lebenserwartung sowie der in den letzten Jahren zu verzeichnenden

wachsenden Zahl der HIV-Neudiagnosen

(s. RKI) steigen.

Darüber hinaus ist ein nennenswerter Teil der HIV-Patienten

auf Grund wirtschaftlicher Problemlagen – zum

großen Teil vor dem Hintergrund von Multimorbiditäten

(wie psychische, somatische oder Suchterkrankungen,

etc.) oder anderer z.B. migrationsbedingter Lebensumstände

(ungesicherter Aufenthaltsstatus, kein Krankenversicherungsschutz,

…) häufi g nicht in der Lage, die

jeweils anfallenden notwendigen Fahrtkosten zu ihren

regelmäßigen Monitoring-Terminen oder engmaschigeren

Arztbesuchen in akuten medizinischen Problemlagen

oder die erforderlichen Zuzahlungen zur Medikation

aufzubringen. Zumal es sich oftmals um sehr große

Wegstrecken bei nicht sonderlich guten ÖPNV-Verbindungen

im ländlichen Raum handelt. Und so laufen wir

immer wieder Gefahr, längere Therapiepausen und da-

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Geschäftsbericht


über unter Umständen Resistenzproblematiken u.a. zu

riskieren.

Eine Behebung der derzeit schon bestehenden deutlichen

Unterversorgung ist nach unserer Auffassung dringend

angezeigt und die Politik und die (Kassen-) Ärztlichen

Gremien u.E. gefordert, sich dieser Problematik zu

widmen.“

(Pressemitteilung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V., 08.2015)

Auch wenn in Deutschland eine vergleichsweise günstige

Situation erreicht werden konnte, dürfen wir in unserer

Arbeit nicht nachlassen. Es müssen die etablierten

Strukturen erhalten und eigentlich ausgebaut werden,

um die Erfolgsgeschichte weiter zu schreiben, um nicht

zuletzt auch die wirtschaftlichen Einspareffekte von

preiswerter und wirksamer Prävention gegenüber nach

wie vor sehr teurer Therapie zu halten.

„Besonderes Augenmerk muss dabei auch auf Menschen

gerichtet werden, die aufgrund sozialer, kultureller und

persönlicher Faktoren ihre Gesundheit nicht ausreichend

schützen können. HIV/AIDS-Prävention muss deshalb

zukünftig stärker mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung

verknüpft werden“ (Landeskonzept „Weiterentwicklung

der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen“,

2013, S. 10; Anm.: die Druckfassung dieses sehr empfehlenswerten

Konzeptes kann bestellt oder heruntergeladen

werden: im Internet unter www.mgepa.nrw.de/

ministerium/service unter Angabe der Veröffentlichungsnummer

112)

Gemeinsam gegen AIDS

Ein vielfach betonter und wichtiger Faktor für den bisherigen

Erfolg ist das gelungene und gelingende Zusammenwirken

von Bund, Ländern und Kommunen sowie

von Öffentlichem Gesundheitsdienst und verschiedenen

nichtstaatlichen Trägerstrukturen wie den AIDS-Hilfen

und die abgestimmten Aufgabenverteilungen – so auch

im Kreis Wesel und in der Stadt Duisburg. Wir möchten

an dieser Stelle deutlich zum Ausdruck bringen, dass

wir diese synergetische Strategie wegen schrumpfender

Ressourcen gefährdet sehen!

Angesichts der ambitionierten aber erreichbaren Ziele

erachten wir es für entscheidend, dass die partnerschaftliche

und partizipative Kooperation erhalten und günstigenfalls

gestärkt wird.

Dies alles erfordert natürlich personelle und materielle

Ressourcen, verbunden mit zeitlichen Perspektiven. Nur

so können einerseits nachhaltige Effekte erzielt werden

und andererseits flexible Anpassungsprozesse an epidemiologische

und soziodemographische Entwicklungen

insbesondere in der Vor-Ort-Arbeit erfolgen. Vor allem

auch, weil die Erfordernisse für Netzwerkarbeit stetig anwachsen,

diese allerdings nur dann auch effektiv wirken

können, wenn hier personelle Kontinuität gewährleistet

werden kann.

Und hier ist für das Berichtsjahr in unserer Region leider

Gegenteiliges zu konstatieren.

Im Berichtsjahr blieb es dabei, dass wir nur noch einen

HIV-Schwerpunktbehandler haben (s.o.). Eine weggefallene

Stelle im Gesundheitsamt Duisburg konnte bisher

noch nicht nachbesetzt werden und im Kreis Wesel deutet

sich für das Jahr 2016 eine Reduzierung des fachspezifischen

Personalschlüssels sowie ein damit verbundener

Ausstieg aus der schulischen Prävention an, den das

Gesundheitsamt in Duisburg schon lange nicht mehr vorhält.

Darüber hinaus drohen infolge von Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen

weitere Kürzungen im Bereich

der strukturellen HIV/AIDS-Prävention im Kreis Wesel für

2016, die auch unsere Arbeit betreffen können.

Das Schlimmste zu verhindern erfordert wiederum mehr

zeitlich Investitionen in die Gremien- und Netzwerkarbeit,

um drohenden Know-how-Verlusten vorzubeugen und

das Mögliche zu tun, um etablierte Standards zu erhalten.

Ob dies im erforderlichen Maße gelingen mag, ist mehr

als fraglich. Wir werden uns voraussichtlich eher mit der

Verhinderung von weiteren Erosionen befassen müssen

– und zwar im personellen wie auch im finanziellen Bereich,

denn die Deckelungen der öffentlichen Förderung

werden sich weiter sehr ungünstig auf den Erhalt der vorhandenen

Kapazitäten auswirken!

Unsere Haushaltslage und die Folgen

Die seit einigen Jahren gedeckelten Landes- und kom-

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munalen Fördermittel führen auch bei unserer AIDS-Hilfe

dazu, dass die Schere zwischen öffentlicher Förderung

und Haushaltsbedarfen immer weiter auseinander driftet

und darüber allein schon die Aufrechterhaltung unseres

Angebotsspektrums immer schwieriger wird. Zu betonen

ist, dass ein ganz überwiegender Teil dieser Angebote

kommunale Pfl ichtaufgaben abdeckt.

Selbst bei stabiler öffentlicher Förderung wächst der Eigenmittelanteil

alleine durch tarifrechtliche Steigerungen

im Personalkostenetat sowie stetig steigender Sachkostenausgaben

(Mehrwertsteuer, technische Ausstattung

durch z.B. online-taugliche Medien, Fahrtkosten, vom

Land geforderte, aber nicht refi nanzierte Qualitätssicherungsmaßnahmen,

Nebenkosten für den Gebäudeunterhalt,

Personalbeschaffungs- und Fortbildungskosten,

Mitgliedsbeiträge bei Dachverbänden und vieles mehr).

Im Berichtsjahr sahen wir uns einmal mehr mit Kürzungsplänen,

diesmal im Kreis Wesel –initiiert durch die sog.

Jamaika-Koalition- konfrontiert. Die Notwendigkeit, eine

Abwendung dessen herbeizuführen ist mit gehörigem

Kommunikationsaufwand mit Verwaltung und Politik verbunden,

was wiederum Ressourcen an falscher Stelle

bindet. Das raubt zudem Kraft und fördert nicht gerade

die Motivation! Gerade angesichts der geschilderten Zusammenhänge

brauchen wir unbedingt eine möglichst

stabile Planungssicherheit. Die Aufgaben und Leistungsanforderungen

wachsen eher durch die Veränderungen

im HIV-Geschehen als dass sie geringer würden.

Vor dem Hintergrund der verbesserten Behandlungsoptionen

und der gestiegenen Lebenserwartung bleibt die

Zahl unserer Begleitungsverhältnisse auf stabil hohem

Niveau. Während uns eindeutig immer mehr Menschen

mit HIV immer weniger „nötig“ haben, wächst leider auch

die Zahl derjenigen Klient*innen, die aufgrund vielfältiger

lebenspraktischer Problemlagen eine besonders hohe

Begleitungs- und Betreuungsintensität benötigen. Hinzu

kommt, dass in der Bevölkerung insgesamt, aber in unserer

Klientel in besonderem Maße die Zahl und Vielfalt

der psychischen (Begleit-) Erkrankungen wächst. Hier

stoßen wir zunehmend an Kapazitäts- und Qualifi kationsgrenzen

und haben uns im Berichtsjahr intensiv mit

Möglichkeiten einer Erweiterung unserer Angebote durch

den Einstieg in Projekte des ambulant betreuten Wohnens

beschäftigt, sind in Kontakt zum Landschaftsverband

Rheinland (LVR) getreten und werden dies fortführen

müssen.

Um einen einigermaßen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen,

benötigen wir mittlerweile über 50.000 Euro

per anno aus nicht-öffentlichen Drittmitteln. Das macht

zwischen 15 und 20 % unseres Haushaltsvolumens aus.

Betriebswirtschaftlich betrachtet generiert so jeder aus

öffentlichen Mitteln eingesetzte Euro günstigenfalls wiederum

15 – 20 Cent aus Drittmitteln. Eigentlich doch eine

richtig gute Investition.

Und dabei ist der „Gegenwert“ von ca. 3200 Stunden ehrenamtlicher

(honorarfreier, aber nicht kostenfreier!) Arbeit

per anno (entspricht ca. 3 Vollzeitäquivalenten!) noch

nicht eingerechnet!

Allerdings mussten wir im Berichtsjahr erneut deutliche

Einbrüche bei den Drittmitteln (Spenden, Sponsoring

und sonstige Einnahmen) verzeichnen, wodurch wir veranlasst

waren, noch mehr Betriebsmittelrücklagen einzusetzen

und darüber geraten wir in sehr absehbarer Zeit

in sehr ernsthafte Liquiditätsprobleme. Die stabile Vorhaltung

unseres Leistungsspektrums ist akut gefährdet.

Wenn es nicht gelingen sollte, diesen Trend zu stoppen,

wird das Überleben schwer.

Trotz einer erneut sehr umsichtigen Haushaltsführung,

die bei Werner Garbe in besten Händen liegt, mussten

auch wir uns im Berichtsjahr sehr konkret mit weiteren

Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen beschäftigen und

sehr schmerzliche Einschnitte vollziehen. Um nur ein

paar Beispiel zu nennen, haben wir im Berichtsjahr auf

supervisorische Begleitung vollständig verzichtet, was

fachlich und unter professionellen und qualitätssichernden

Gesichtspunkten eigentlich nicht tragbar ist. Für

2016 wird unser Positivenfonds für dringend benötigte

Soforthilfen abgeschmolzen und die Kriterien verändert.

Darüber hinaus haben wir in nahezu allen Sachkostenbereichen

Reduktionen vornehmen müssen, aber es zeigt

sich deutlich, dass wir damit schon an die Grenzen des

Machbaren gegangen sind und dennoch kaum Entlastung

erfahren konnten.

Die auseinanderdriftende Schere zwischen öffentlicher

Förderung und den Personalkosten lässt alljährlich das

Defi zit wachsen. Und obwohl es sich bei den hauptamtlichen

Leistungen –wie erwähnt- zum ganz überwiegenden

Teil um kommunale Pfl ichtaufgaben handelt und wir

von Land, Stadt und Kreis gehalten sind, qualifi zierte

Fachkräfte einzusetzen, lassen uns diese „Regen stehen“.

Die durch die Deckelung der kommunalen Förderungen

seit nunmehr zehn Jahren aufl aufenden Defi zite haben

wir lange weitgehend durch Drittmittelacquise und den

Einsatz von Eigenmitteln (Notwendige Betriebsmittelrücklagen)

auffangen können und darüber die kommunalen

Haushalte geschont. Durch die Einbrüche (s.o.) in

diesen Bereichen aber ist „das Ende der Fahnenstange“

erreicht.

Über diese Entwicklungen informieren wir natürlich

unsere Zuwendungsgeber alljährlich, allerdings bisher

ohne positive Effekte. Nun haben wir seit März des Berichtsjahres

eine abermalige Initiative ergriffen.

10 Geschäftsbericht


In und nach Gesprächen mit den ÖGD-Fachbereichsspitzen

im Kreis Wesel und in Duisburg haben wir mit

Verweis auf die gesetzlich verankerten Pflichtaufgaben

(nach ÖGDG und IfSG), dem Landeskonzept zur Weiterentwicklung

der HIV/AIDS-Prävention in NRW (vom

Juli 2013) sowie die im Frühjahr des Berichtswesen

ratifizierte „Rahmenvereinbarung zwischen dem Land

Nordrhein-Westfalen, vertreten durch die Ministerin für

Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter und dem

Städtetag NRW, dem Landkreistag NRW, dem Städte-

und Gemeindebund NRW, sowie der Arbeitsgemeinschaft

der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege

NRW über Grundsätze zur Ausgestaltung und Weiterentwicklung

von Präventions- und Hilfemaßnahmen im

Sucht- und AIDS-Bereich im Rahmen der Kommunalisierung

in Nordrhein-Westfalen“ (veröffentlicht im März

2015) erstmalig nach über 15 Jahren Aufstockungsanträge

zur kommunalen Ergänzungsfinanzierung gestellt.

Während diese bei der Stadt Duisburg schon im Dezernat

u.a. mit Verweis auf die Haushaltslage und das schmale

Budget des Dezernates abgewiesen wurde, hat uns die

Fachbereichsleitung im Kreis Wesel eine Unterstützung

unseres Begehrens zugesagt. Letztlich hat der Kreistag

diesen Antrag im Dezember abgewiesen und darüber hinaus

drohen hier sogar noch weitere Kürzungen, über

die in 2016 entschieden wird.

So können die Standards bei weitem nicht gehalten werden

und so gerät die Anforderung zu einer „Weiterentwicklung

der HIV-/AIDS- und STI-Prävention“ letztlich zur

Farce.

Wir meinen, dass es nach nunmehr 29 Jahren unseres

Bestehens an der Zeit wäre, dass sich die Kommunen

entsprechend ihrer Verpflichtung dazu positionieren.

Auf unseren diesbezüglichen Antrag haben wir in der

Kreistagssitzung in Wesel vom 10.12.2015 immerhin

von der Kreisverwaltung die Zusage auf Beantwortung

unseres Fragenkatalogs (in Anlehnung an die in § 4 der

Rahmenvereinbarung geforderten Aufgaben) für 2016

bekommen. Bei der Stadt Duisburg ist hierzu ein analoges

Vorgehen mit der Gesundheitsamtsleitung abgestimmt

worden.

Ohne Spenden- und Sponsoring durch verschiedene zivilgesellschaftliche

Gruppierungen und Einzelpersonen

wäre die Aufrechterhaltung unseres Angebots- und Leistungsspektrums

schon lange nicht denkbar.

Der vorliegende Jahresbericht wird über eine Vielfalt von

derartigem Engagement Auskunft geben. Da halten wir

es gerne mit Erich Kästner und wollen über gutes Tun

reden (s. 4.).

Epidemiologische Eckdaten

Bei allem Verständnis für die seit vielen Jahren schwierigen

Haushaltslagen unserer Kommunen ist es doch

letztlich auch eine Frage der Prioritätensetzung, (wie die

Beispiele vergleichbarer kommunaler Strukturen, die sich

auch in Haushaltssicherung befinden, zeigen) wie viel

den Verantwortlichen die Pflichtaufgabe zur Sicherung

der sexuellen Gesundheit wert ist und wie nachhaltig gedacht

und geplant wird, wenn man auch die Folgekosten

im Blick haben will.

Gerade vor dem Hintergrund der schrumpfenden Ressourcen

haben wir parallel zu unseren Aufstockungsanträgen

auch eine inhaltliche Positionierung von der Stadt

Duisburg und dem Kreis Wesel eingefordert, denn bei

diesen liegt die Pflicht zu definieren, was, durch wen, in

welchem Umfang bei der strukturellen HIV und STI-Prävention

geleistet werden und wie dies finanziert werden

soll.

Und wir benötigen vor allem eines, nämlich eine gewisse

Planungssicherheit –nicht nur- aber insbesondere auch

auf Grund unserer arbeitsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber

unseren Beschäftigten.

Das stabile Niveau bei den für das Jahr 2014 vom RKI

geschätzten Neuinfektionen (ca. 3200 – ohne außerhalb

Deutschlands erworbene Infektionen) in Deutschland ist

ganz sicher eben auch auf eine gestiegene Testbereitschaft

zurückzuführen und insofern in gewisser Weise

durchaus auch als Ausdruck erfolgreicher Präventionsarbeit

zu sehen. Das gilt durchaus auch für die Rubrik der

HIV-Erstdiagnosen, bei denen allerdings ein Anstieg auf

gesichert 3525 (= + 7% = + 237 Neudiagnosen) zu verzeichnen

ist (in den HIV-Erstdiagnosen können auch ältere

Infektionen erfasst sein). Auch weil seit einigen Jah-

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en eine insgesamt stabile Lage dokumentiert werden

kann, die im internationalen Vergleich ein hervorragendes

Ergebnis darstellt, ist diese doch auch Anlass und

Herausforderung zugleich, an dieser Erfolgsgeschichte

intensiv weiterzuarbeiten!

In Duisburg liegt die Inzidenzrate für 2014 bei 3,3 (pro

100.000 Einwohnern = 16 Neudiagnosen (Stand vom

06.07.2015; Vgl. 2013: 4,71), also ein relativ deutlicher

Rückgang. (Quelle: Robert-Koch-Institut, Epidemiologisches

Bulletin http://www.3.rki.de/SurvStat,

Stand:06.07.2015)

Zu berücksichtigen ist hier insgesamt ein suboptimales

(Zeiten und Ort) und recht hochschwelliges Testangebot.

Hier bestand u.E. ein deutlicher Verbesserungsbedarf

(s.o.). Das nach langem Werben Ende 2014 installierte

abendliche Beratungs- und Test-Angebot in der AIDS-Hilfe

in Kooperation mit den Kolleginnen der AIDS- und

STI-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes der Stadt

Duisburg konnte im Berichtsjahr nur noch drei mal angeboten

werden und wurde dann v.a. aus Kapazitätsgründen

wieder aufgekündigt, obwohl es eigentlich gut angenommen

wurde. Allerdings noch nicht in gewünschtem

Maße von der Zielgruppe der MSM. Wir hätten uns da

eindeutig längeren Atem gewünscht, denn ein solches

Angebot benötigt sicher eine Anlaufzeit und entsprechende

Bewerbung, die aber nur dann greifen kann, wenn

eine Regelmäßigkeit erkennbar wird. Das war leider nicht

der Fall. Aus unserer Sicht sehr bedauerlich, denn somit

haben wir in Duisburg wiedermal kein zentrales, niedrigschwelliges

Abendangebot, welches insbesondere für

berufstätige Testwillige wichtig wäre.

Für den Kreis Wesel liegen keine wirklich belastbaren

Daten vor. Das liegt an der anonymisierten Erfassung

und der Zuordnungssystematik, dass nur die ersten drei

Ziffern der Postleitzahlen erhoben werden. Gehen wir

von den Daten des sogenannten „restlichen Regierungsbezirk

Düsseldorf“ für 2014 aus, so ist hier ein leichter

Anstieg zu verzeichnen. Wir können aber nur auf die

Schätzwerte des Vorjahres verweisen: Die Inzidenz lag

2014 realistisch geschätzt bei 2,9 (Stand 06.07.2015;

entspricht etwa 14 Fällen im Berichtsjahr; Vgl. 2013:

2,13).

Nach der Aufgabe unseres langjähriges aufsuchenden

BuT-Angebotes auf Rastplätzen an der A57 in den Sommermonaten,

das wegen letztlich zu geringer Nachfrage

eingestellt wurde, hat unser „Herzenslust-Team“ diese

Cruising-Plätze zu Informations- und Beratungszwecken

aber weiterhin aufgesucht, da die Orte aber im Grunde

gut und richtig gewählt waren, um vor allem MSM zu erreichen,

die ansonsten kaum die Beratungs- und Testangebote

aufsuchen würden.

In der Rubrik der „Neudiagnosen“ ist zu berücksichtigen,

dass es sich um Erstmanifestationen und nicht zwingend

um Neuinfektionen aus dem Erhebungsjahr handelt. Zu

berücksichtigen ist weiterhin eine nicht zu beziffernde

Quote von Menschen, die sich –z.T. aus Anonymitätsgründen-

an anderen Orten testen lassen und auch keine

exakten Angaben zu ihrem Wohnort machen (vgl. o.).

Nach Analysen des RKI verteilt sich der leichte Anstieg

der HIV-Neudiagnosen wie folgt: Männer = + 6%; Frauen

= + 11% im Bundesgebiet. Die höchste Inzidenz lag bei

jüngeren schwulen Männern (25-29 Jahre), der höchste

Anstieg der Neudiagnosen liegt beim heterosexuellen

Transmissionsrisiko (+ 30%), wodurch der relative Anteil

der sog HET von 18% in 2013 auf 22% der HIV-Neudiagnosen

in 2014 anstieg, davon fi elen 65% auf Frauen und

35% auf Männer und 75% davon wiederum entfallen auf

Personen nichtdeutscher Herkunft. Steigende Einwanderungs-

und Flüchtlingszahlen aus Ländern mit hoher

HIV-Prävalenz scheinen sich in den HIV-Melkdedaten

abzuzeichnen. In dieser Gruppe weist das RKI darauf

hin, dass die Neudiagnosen insbesondere im ländlichen

Bereich stärker gestiegen sind. Wichtig, so empfi ehlt das

RKI, sei es, „dass auch diese Menschen Zugang zu angemessener

Beratung und Therapie erhalten“ (RKI, Epidemiologisches

Bulletin Nr. 27 vom 06.07.2015, S. 247).

Auch bei den intravenös drogengebrauchenden Menschen

(IVDU) stiegen die Neudiagnosen im Vergleich zu

2013 um 10%. Der relative Anteil verbleibt damit aber bei

„nur“ 3%.

Das RKI zieht hier das Fazit: „Es bleibt festzuhalten, dass

bislang kein nennenswerter Rückgang der Neuinfektionen

festgestellt werden kann – und dies obwohl ein hoher

Anteil der mit HIV Diagnostizierter antiretroviral behandelt

wird und damit kaum noch infektiös ist.“ (a.a.O., S.

248)

Als ein bedeutsamer Erklärungsansatz gilt der Anstieg

der Syphilis-Inzidenzen, was wiederum die zwingende

Verbindung von HIV- mit STI-Prävention untermauert

und eine Intensivierung der Arbeit vor allem in der Zielgruppe

(junger) schwuler Männer und Männern, die Sex

mit Männern haben (MSM) nach sich ziehen sollte. Das

RKI weist hier darauf hin, dass die Syphilis die HIV-Übertragungswahrscheinlichkeit

auch dann erhöht, wenn sich

am (insgesamt sehr guten) Risikoverhalten (s. Daten der

EMIS-Studie) nichts ändert.

Dazu sollten sich der Zugang und die Abrechnungsmöglichkeiten

für STI-Screenings deutlich verbessern. Regelmäßige

Checks auf STI`s sollten auch für sexuell aktive

Menschen ohne Symptome zur Kassenleistung werden,

denn dies ist eine wichtige Maßnahme im Rahmen der

HIV-Prävention und auch zur Vermeidung von sehr hohen

Folgekosten.

Auf Seiten der Ärzte wie auch der Patienten erfordert

12 Geschäftsbericht


dies allerdings einen tabufreieren, offenen Umgang mit

dem Thema Sexualität, denn nur wenn offen darüber

kommuniziert werden kann, können diagnostische und

therapeutische Maßnahmen zur Anwendung kommen.

Let`s talk about Sex!

Die Zusammenarbeit im Rahmen des „Runden Tisches

zur HIV-Versorgung“, in dem neben Dr. Kwirant auch die

Gesundheitsämter der Stadt Duisburg und des Kreises

Wesel sowie die AIDS-Hilfen Duisburg / Kreis Wesel und

Oberhausen vertreten sind, gestaltet sich recht stabil und

aktiv. Hier übernehmen wir –wie in manch anderen Feldern-

die Koordination und Organisation, was eigentlich

eine der Kernaufgaben der kommunalen AIDS-Koordination

wäre (s. § 23 ÖGDG).

Leider verzeichnen wir nicht nur hier eine stetig nachlassende

Aktivität von Seiten der kommunalen Gesundheitsämter,

die sich bewusst oder nicht immer mehr darauf

verlassen (können), dass wir hier einspringen (z.B.

auch die Öffentlichkeitsarbeit, etwa im Rahmen des Welt-

AIDS-Tages u.a.m.; s. dazu: „Standards und Perspektiven

in der HIV-/AIDS- und STI-Arbeit und –Koordination,

2. Revision vom August 2015; hrsgg. vom Verband der

AIDS-KoordinatorInnen NRW e.V.). Das machen wir seit

vielen Jahren, auch wenn wir dafür keine Refinanzierung

erfahren, weil es aber unerlässlich ist, um die fachlichen

Standards so gut es geht zu halten und Weiterentwicklung

vor dem Hintergrund der sich stetig verändernden

Anforderungen grundsätzlich möglich zu machen.

Eine (Neu-) Positionierung der unteren Gesundheitsbehörden

ist hier u.E. dringend angesagt! Unsere Initiativen

dazu laufen aber bisher immer wieder ins Leere (s.o.).

Die Erhaltung unseres Angebotsspektrums sowie die

stete Weiterentwicklung dessen als erstes Ziel sind in

erster Linie nur deshalb noch möglich, weil wir trotz immer

wiederkehrender Konfrontation mit Kürzungsszenarien

und manch anderer Ernüchterungen (Wegfall wichtiger

Personen in den Netzwerken u.a.) ein immer noch

hochmotiviertes ehren- und hauptamtliches Team haben.

Eine der wichtigsten Pfunde und Ressourcen für die Aufrechterhaltung

unserer Angebotspalette sind und bleiben

unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, denen einmal

mehr ein riesiges „Danke schön!“ gilt.

Angefangen beim Vorstand über nahezu alle anderen Arbeitsfelder

können wir hier auf eine sehr stabile „Mannschaft“

bauen. Allerdings gibt es leider auch nur überschaubaren

Andrang von neuen Interessent*innen.

Wir möchten Sie, verehrte Leserinnen und Leser, an dieser

Stelle bitten, potentiell interessierte Menschen auf

uns aufmerksam zu machen, denn: AIDS-Hilfe-Arbeit ist

spannend, kann intensiv und unter Umständen belastend

sein, aber auch dankbar und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung

gewinnbringend. Das gilt nach wie vor

auch für die ehrenamtliche Mitarbeit auf allen Ebenen (s.

www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de / Ehrenamt).

Wenn wir immer wieder vom „ehren- und hauptamtlichen

Team“ der AIDS-Hilfe reden, so ist dies keine Floskel.

Wir sind ein Verein und wir arbeiten partnerschaftlich und

partizipativ gemeinsam – jede/r im Rahmen seiner/ihrer

Möglichkeiten und alle im Sinne unseres Vereinszweckes

und der verfolgten Ziele. Das gilt natürlich insbesondere

für die Zusammenarbeit von Vorstand und hauptamtlichen

Team.

Bestätigung und Rückhalt für unsere Arbeit und Entwicklung

erfuhren wir auch auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung

am 11. Mai 2015.

Der amtierende Vorstand wurde einmal mehr einstimmig

entlastet und für seine umfassende Arbeit gewürdigt. Bei

den Wahlen für den Vorstand ergab sich auch nur ein

Wechsel. Aufgrund gesundheitlicher Probleme stellte

sich Karl-Heinz Lemke nicht mehr zur Wahl – ihm galt

und gilt ein ganz herzlicher Dank für insgesamt viele Jahre

Vorstandstätigkeit und vieles mehr!

Mit Daniela Niemczyk konnte der Vorstand wieder komplettiert

und deutlich verjüngt werden – herzlich willkommen

in neuer bzw. zusätzlicher Funktion!

Einstimmig wiedergewählt wurden Peter Külpmann aus

Duisburg (Vorsitzender), Silke Stützel aus Moers (stv.

Vorsitzende) und Thomas Hilgers aus Sonsbeck.

Der neue Vorstand: Silke Stützel, Thomas Hilgers, Daniela

Niemczyk und Peter Külpmann

Personelle Struktur

Stete Fort- und Weiterentwicklung einer Organisation

kann nur da gut gedeihen, wo auch spezifische Kompetenzen

und Erfahrungen vorhanden sind, wo Bewährtes

den erforderlichen Wandel konstruktiv, kritisch begleitet.

Kontinuität bei der Personalstruktur ist einer der wichtigsten

Faktoren für die Aufrechterhaltung des Leistungsspektrums

und das Funktionieren auch der Kooperations-

und Netzwerkarbeit, auf die wir in vielfältiger Weise

angewiesen sind. Ganz zu schweigen von der enormen

Bedeutung möglichst fester Ansprechpartner*innen in

der Begleitungsarbeit mit Klient*innen.

Das Berichtsjahr hat uns diesbezüglich vor besondere

Herausforderungen gestellt und eine bisher kaum ähnlich

erlebte Fluktuation beschert.

Nach fünfzehn Jahren entschied sich der Kollege Rüdiger

Wächter wegen der Intensivierung einer Weiterbildung,

13


seine halbe Stelle (PSB und Gesundheitsförderung in

Haft) zum Ende März zu kündigen. Im Rahmen einer geringfügigen

Beschäftigung bleibt er uns erfreulicherweise

aber für das wichtige Projekt der „Gesundheitsförderung

in Haft“ mit erheblichem fi nanziellen Entgegenkommen

erhalten. Vor dem Hintergrund der sehr angespannten

Haushaltslage sah sich der Vorstand schweren Herzens

veranlasst, diese ½ Stelle im Bereich der (psycho-) sozialen

Begleitung (inkl. aufsuchender Arbeit) auf eine

¼ Stelle zu reduzieren. Um dafür eine Nachbesetzung

durch eine qualifi zierte Fachkraft zu gewinnen, war ein

Glücksfall erforderlich. Der trat aber ein, denn mit der

Dipl. Pädagogin und langjährigen Vollzeitkraft im Begleitungsbereich

und Honorarkraft im Youthwork-Projekt

konnten wir diese Stelle zum 01. Mai 2015 wieder besetzen

(auch hier mit fi nanziellem Entgegenkommen bei der

Leistungsstufe der Eingruppierung).

Zum 31.05.2015 beendete mit Ralf Runniger eine weitere

Konstante nach über 17 Jahren seine Tätigkeit bei

unserer AIDS-Hilfe. Damit einher ging der Verlust einer

vollen Stelle im Bereich der PSB und im Bereich der Drogenarbeit

sowie ein herber Verlust an Fachkompetenz,

Erfahrungswissen und Netzwerkverankerung. Aber auch

hier gab es sehr plausible Gründe wegen der Distanz

zwischen Wohnort und Arbeitsstelle. Ralf Runniger bleibt

uns mit seinem Wechsel zur AIDS-Initiative Bonn aber

gewissermaßen als Kollege innerhalb der Verbandsstrukturen

erhalten. Ein großer Dank und ganz viel Respekt

für seinen Einsatz über eine sehr lange Strecke

sollen ihn begleiten.

Mit dem Ausscheiden als Hauptamtler hat er aber zeitgleich

einen Mitgliedsantrag gestellt und bleibt so quasi

ganz nah bei uns.

Auch für diese Stelle haben wir mit der Dipl. Sozialarbeiterin,

Nadine Bolte, ab dem 01. Juli 2016 eine hervorragende

neue Kraft gewinnen können, die die hohen Anforderungen

an diesen Tätigkeitsbereich sofort annehmen

und zu unserer vollsten Zufriedenheit ausfüllen konnte.

Allerdings ist –wenn man so will- dennoch eine qualitative

Einbuße zu verzeichnen, da wir nunmehr keine männliche

Fachkraft im Arbeitsbereich der (psycho-) sozialen

Begleitung (PSB) mehr haben, was gewiss suboptimal

ist. Bisher aber haben unsere Klient*innen die neue Konstellation

hervorragend angenommen.

Nicht genug dessen, verlies uns zum 30. November 2015

auch noch unser „Herzenslust“-Koordinator und frisch

qualifi zierter Koordinator für die telefonische Beratung,

Frank Funk – und auch hier aus völlig nachvollziehbaren

Gründen, nämlich mit dem Angebot einer vollen Stelle,

die wir nicht bieten konnten. Damit war gewissermaßen

das Kernstück unserer Präventionsprojekte, nämlich die

14 Geschäftsbericht


Prävention für MSM verweist. Für diese durch Landesmittel

geförderte ½ Stelle haben wir in den letzten Tagen

des Berichtsjahres auch einen Nachfolger finden können,

der seinen Dienst zum 01.01.2016 antreten wird. Auch

hier stand uns das Glück der Tüchtigen zur Seite.

Die durch das Welt-AIDS-Tags-Geschehen und andere

Veranstaltungshighlights geprägte Hochphase der

(schwulen) Prävention im Dezember konnte insbesondere

durch unseren seit 15 Jahren geringfügig beschäftigten

(durch Eigenmittel finanzierten) Herzenslust-Gruppenleiter,

Uwe Altenschmidt und seinem ehrenamtlichen Team,

mit erheblichem Zusatzengagement ohne dramatische

Einbrüche dennoch gut umgesetzt werden – auch weil

Frank Funk seinen Abschied bestens vorbereitet hatte.

Danke für drei gute Jahre, Frank Funk!

Uwe Altenschmidt wiederum ist uns durch eine leichte

Stundenreduzierung ebenfalls entgegengekommen.

Hier –wie im Bereich der Reinigungskräfte- hat die Umsetzung

der (unbestritten sinnvollen) Mindestlohnanforderungen

Probleme bereitet. Aber auch diese haben wir

kreativ lösen können.

Ein herzlicher Dank der Geschäftsführung gilt einmal

mehr den ehren- und hauptamtlichen Kolleginnen und

Kollegen, die Ihre Arbeit weit über das erwartbare „buisiness

as usual“ hinaus wahrnehmen. Ganz besonders

gilt dieser Dank für die Kolleg*innen, die die jeweiligen

Vakanzen auf den Stellen mit erheblichen Zusatzbelastungen

klaglos aufgefangen haben!

Und das in einer Phase mit hohen Intensitäten durch das

Auftauchen von Late presentern und einem ganzen Bündel

von Diskriminierungsfällen. DANKE!

Dass wir trotz dieser mehr als widrigen Umstände und einigen

Wochen Vakanzen unsere angestammten Arbeitsbereiche

und –angebote in gewohnter Form und Qualität

fast durchgehend vorhalten konnten, darüber legt der

vorliegende Jahresbericht (und die Controlling-Daten im

Anhang) Zeugnis ab.

So ist etwa von einem wichtigen Primärpräventionsbereich,

der Duisburger Substitutionsregelung, welche

nicht unbedingt zum Kernbereich zählt, zu berichten,

dass dieses Angebot recht stabil weiter läuft. Diese Regelung

ist nicht nur für die Klient*innen von hohem gesundheitlichen

und psychosozialen Nutzen ist, sondern

auch für die AIDS-Hilfe ein finanzieller Segen. Hier gilt

den Ärzten Dr. Hander, Herrn Harzem, Dr. Sondag und

Dr. Stark und dem zum Jahresende eingestiegenen Dr.

Gudat sowie unseren begleitenden Ehrenamtler*innen

ein ganz großes Dankeschön! (s. 5.2.2.). Allerdings gab

es auch hier Schatten und unerquicklichen Zusatzaufwand,

denn einem anderen langjährig substituierender

Arzt mussten wir den Kooperationsvertrag kündigen, weil

er seinen Verpflichtungen uns gegenüber nicht nachgekommen

ist und hier nicht unerhebliche Zahlungen ausstehen.

Die Absicht, im Bereich der Drogenarbeit in Duisburg

wieder eine JES- (Junkies, Ehemalige und Substituierte)

Selbsthilfegruppe zu etablieren, war von Erfolg gekrönt.

Dies ist insbesondere eine Folge der intensiven

Streetworkarbeit durch Ralf Runniger und seit Juli des

Berichtsjahres durch unsere neuen Kollegin Nadine Bolte,

die sich inzwischen als feste und gern gesehene Ansprechpartnerin

der zu erreichenden Gruppe drogengebrauchender

Duisburger*innen etabliert und inzwischen

zu einer sehr erfreulichen Netzwerkbildung geführt hat.

Ein ganz wichtiges Angebot, welches leider nicht adäquat

refinanziert wird. Im Berichtsjahr half uns hier eine aufgestockte

Spende der Sparkasse Duisburg, mit der wir im

Oktober auch eine gute Medienarbeit zu diesem Projekt

umsetzen konnten.

Unser erklärtes und auch satzungsgemäßes Ziel bleibt

es, im Sinne eines partizipativen Ansatzes, Selbsthilfestrukturen

anzuschieben und so gut es geht zu fördern

(s. 5.2.).

Nicht nur, aber besonders für diese Zielgruppe relevant

sind die im Vorjahr gestarteten und im Berichtsjahr fortlaufenden

fast schon revolutionär positiven Entwicklungen

auf dem Sektor der Hepatitis C (HCV-) Therapie

erwähnenswert, auf die wir mit verschiedenen Aktionen

und Veranstaltungen aufmerksam gemacht haben.

Im Bereich der Präventions-, Beratungs- und Begleitungsarbeit

in den Justizvollzugsanstalten konnte die

erfreuliche Kooperation im Berichtsjahr wieder in vollem

Umfang durchgeführt werden. Hier ist die Anstaltsleitung

mit der Arbeit von Rüdiger Wächter offensichtlich so zufrieden,

dass wir bereits zum Jahresende den Vertrag für

das Jahr 2016 unterzeichnen konnten, worüber auch Fördermittel

des Justizministeriums NRW abgerufen werden

können, die zumindest Teile der Personalkosten decken

können. Indiz für die hohe Wertschätzung unserer Arbeit

in diesem Bereich ist die Benennung als best-practice-

Beispiel in Publikationen der Deutschen AIDS-Hilfe und

verschiedener Anfragen für das Projekt „Männergesundheit

in Haft“ (s. 5.3).

Es freut uns ganz besonders, dass im Bereich der Frauenarbeit

mit Janina Boers die wichtige Arbeit (XXelle-Kampagne,

PSB bei Frauen mit HIV u.a.m.) mit einer

festen Ansprechpartnerin stabil fortgeführt werden

konnte. Ist es doch die einzige fachspezifische Stelle in

unserem großen Zuständigkeitsgebiet. Die Frauenquote

in unserer AIDS-Hilfe wächst – und das ist gut so. Nicht

nur die Frauengruppe für HIV-Positive und Zugehörige

läuft stabil (ein besonderes Dankeschön gilt hier auch der

äußerst engagierten Ehrenamtlerin Bettina K.), sondern

15


etwa auch das Mittwochs-Café zeichnet sich durch eine

stabil hohe Besucher*innenzahl aus. Darüber hinaus

funktioniert die landesweite und überregionale Vernetzungsarbeit

im landesgeförderten XXelle-Projekt hervorragend

(s. 5.4.).

Zudem waren und sind wir auf dem Sektor der (Beschaffungs-)

Sexarbeit angesichts erheblicher Zuwanderung

–v.a. von Frauen aus südosteuropäischen Regionen- im

Praktischen und Konzeptionellen zunehmend gefordert.

Auch für die dabei unerlässliche Netzwerkarbeit und im

Besonderen die Zusammenarbeit mit den ÖGD-Strukturen

ist eine stabile personelle Struktur besonders wichtig.

Im Arbeitsbereich der Prävention bei Männern, die Sex

mit Männern haben (MSM), gab es nicht nur bei den

Präventionsoffensiven im Umfeld des – im Berichtsjahr

wegen Unwetterwarnung leider abgesagten!- CSD in

Duisburg ebenfalls wieder viel „Action“ für die Abteilung

Herzenslust (Frank Funk, Uwe Altenschmidt und „ihre“

ehrenamtlichen Mitstreiter) – und auch hier viel Anerkennung

für das Geleistete. Erfreulich ist eine zu verzeichnende

(Wieder-) Belebung der schwul-lesbischen Szene

in Duisburg. Es tut sich was und wir sind zuversichtlich,

dass das auch positive Auswirkungen bei der Gewinnung

von neuen „Herzenslüstlern“ haben mag. Die Einstellung

des Beratung-und-Test-Angebotes in unseren Räumen in

Kooperation mit dem Gesundheitsamt Duisburg im Frühjahr

bedauern wir allerdings außerordentlich (s. 5.1.).

Im Sektor Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

(s. 5.6.) können wir über weitgehend

stabile Nachfragen mit nach wie vor hervorragenden

Rückmeldungen berichten. Seit dem „Comeback“ von

Anika Walther können wir zumindest gelegentlich auch

hier wieder etwas mehr anbieten. Erwähnenswert ist dabei

sicher das tolle Projekt der „Sexualpädagogischen

Stadtrallye“ für Schüler/innen der neunten Jahrgänge

aller Schulformen, das in Kooperation mit SchLAu-Duisburg

und der pro familia Duisburg dank der Förderung

durch den Jugendhilfeausschuss der Stadt Duisburg und

die Aktion Mensch weiter erfolgreich durchgeführt wurde

und sich reger Nachfrage erfreut. Darüber hinaus können

wir schon jetzt auf den Start der neuen landesweiten

Youthwork-Kampagne „dein leben. deine lust.“ Im kommenden

Jahr 2016 aufmerksam machen, mit der insbesondere

neue mediale Zugänge für Jugendliche und Multiplikator*innen

geschaffen werden konnten.

Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit (s. 4.) sind wir in

zunehmendem Maße „Alleinunterhalter“ für die Region

geworden, denn da kommt von Seiten der unteren

Gesundheitsbehörden einfach nicht mehr viel. Da heißt

es leider eher „Einsam gegen AIDS“ als „Gemeinsam“!

Dies gilt allerdings nicht für andere Netzwerke, wie das

Duisburger Aktionsbündnis gegen AIDS oder unseren

Landesverband, der im Berichtsjahr sein 30-jähriges

Jubiläum begehen konnte und passend dazu etwa den

Deutsch-österreichischen AIDS-Kongress in Düsseldorf

sehr bereicherte, wo auch wir uns an verschiedenen Stelle

einbringen konnten. Leider waren wir im Berichtsjahr

über Gebühr auch mit Diskriminierungsfällen beschäftigt.

In der Regel irrationale Ängste, aber auch klare Ausgrenzungen

scheinen eher wieder zu- als abzunehmen (s.o.).

Hinzu kamen ab Anfang November intensive Korrespondenzen

und Gespräche anlässlich der Haushaltskonsolidierungspläne

im Kreis Wesel (s.o.).

Aber natürlich waren wir auch in diesem Jahr wieder „auf

der Straße“ mit Infoständen und Aktionen im Sommer

und boten ein umfangreiches Programm zum Welt-AIDS-

Tag 2015 (s. 4.4.).

„Klappern gehört zum Handwerk“.

Unsere Arbeit und unsere Aktionen werden wahrgenommen

– wir können nicht behaupten, dass wir keine Lobby

hätten. Allerdings möchten wir an dieser Stelle eingestehen,

dass der stete Kampf für den Erhalt der Strukturen

immer wieder auch demotiviert und Kraft raubt.

Besonders erfreulich war diesbezüglich allerdings im

Berichtsjahr das Medieninteresse und die Unterstützung

durch Presse, Funk und Fernsehen.

Zivilgesellschaftliches Engagement ist immer noch

und nicht nur vor dem Hintergrund rückläufi ger öffentlicher

Förderung immer mehr gefragt. Diesbezüglich können

wir einmal mehr auf ein Jahr mit zum Teil wirklich

großartiger Unterstützung zurückblicken (s. 4.). Insbesondere

im Zusammenhang mit dem diesjährigen Welt-

AIDS-Tags-Geschehen erlebten wir viel Engagement von

verschiedensten Gruppen und Einzelpersonen. Stellvertretend

möchten wir hier schon mal auf die WAT-Aktionen

an einigen Schulen unserer Region sowie die hervorragende

mediale Unterstützung durch das Duisburger Lokalfernsehen

„Studio47“ verweisen.

Besonders bemerkenswert ist auch das Engagement

des Alpener Gastronomen, Wolfgang Gödeke und seinem

Team der „Burgschänke“, die uns das Essen für die

Weihnachtsfeier am Heiligen Abend spendeten. Dieses

ist von den über 20 Teilnehmer*innen sehr gelobt worden.

Ganz herzlichen Dank für diese wunderbare Geste,

die Menschen zugute kam, die über Weihnachten keine

Familienanbindung haben.

DANKE!

Wir bedanken uns bei den Sparkassen aus unserer Region

für ebenso treue Unterstützung und besonders beim

GudsO-Team der Targobank Duisburg, die schon zum

zehnten Male eine unglaublich kreative Soli-Bären-Verkaufsaktion

durchgeführt und erneut ein neues Rekordergebnis

beim „Bärenvertrieb“ erzielt haben.

16 Geschäftsbericht


Eine fantastische Unterstützung bei der Renovierung

unseres Duisburger Domizils erfuhren wir durch das

RWE-Companius-IT-Team, das mit über 20 Mitarbeiter*innen

im September für einen social day bei uns anrückten

und „die Bude auf Vordermann gebracht haben“

sowie diese Aktion auch noch finanziell unterfüttert haben.

Das war SPITZE! Ganz herzlichen Dank für dieses

ungewöhnliche Engagement!

Abschließend möchten wir uns natürlich an dieser Stelle

bei all jenen treuen Freund/innen und Förderern, Zuwendungsgebern

und Sympathisant/innen sowie bei den

Vertreter/innen aus Politik, Verwaltungen und Gesundheitsämtern,

medizinischen und Beratungseinrichtungen,

einigen Kirchengemeinden für die Unterstützung

unserer Weihnachtsfeier, den vielen Netzwerkpartnern,

Schulen und sonstigen Kooperationspartnern und unseren

Dachverbänden, dem „Paritätischen“, der Deutschen

AIDS-Hilfe und der AIDS-Hilfe NRW für ihre Wertschätzungen,

unterstützenden Aktionen und guten Wünsche

im Berichtsjahr aufs Herzlichste bedanken.

17


2. Beratung

2.1 Einleitung

Die Beratung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. wurde wie in den vorangegangenen Jahren als ein

Hauptschwerpunkt unserer Arbeit durchgeführt.

2.2 Die Angebote der AIDS-Hilfe im Sektor Beratung

Unsere Beratungsangebote konnten von den

Ratsuchenden wie folgt genutzt werden:

1. persönliche Beratung in unseren Büroräumen

während der Öffnungszeiten und nach

Vereinbarung in der AIDS-Hilfe oder aufsuchend;

2. telefonische Beratung durch Hauptamtler*innen

während der Bürozeiten in Duisburg und Wesel

sowie für die Bundesweite Telefonberatung

Donnerstags von 11.00-14.00Uhr; seit dem

03.12.2015 in der Zeit von 09.00 – 12.00 Uhr am

Donnerstag;

3. telefonische und E-Mail Beratung durch die

ehrenamtlichen Telefonberater in der Zeit von

19.00-21.00 Uhr am Montag in Duisburg.

wollten, sich auch Termine außerhalb der Öffnungszeiten

und dem damit verbundenen Publikumsverkehr geben

lassen. Bei Beratungen von Personen, die kürzlich ihr HIVpositives

Testergebnis erhalten haben, wurde im Sinne

der Hilfe zur Selbsthilfe immer das Angebot unterbreitet,

mit einem HIV-Positiven zu sprechen, der schon länger

mit der Infektion lebt. Dieses Angebot wurde auch im

Berichtsjahr gelegentlich in Anspruch genommen.

Die persönliche Beratung wurde im Berichtszeitraum

erneut etwas mehr von Ratsuchenden in Anspruch

genommen als in den vorangegangenen Jahren.

Vermutlich auch ein Zeichen dafür, dass unser „neuer“

2.2.1 Persönliche Beratung

Während der Öffnungszeiten sowie nach telefonischer

Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten, konnten

Ratsuchende sich persönlich durch hauptamtliche

MitarbeiterInnen in unseren Büros in Duisburg und Wesel

beraten lassen. Bei diesen Beratungsgesprächen wurde

auf eine ruhige und entspannte Atmosphäre geachtet.

Bei Bedarf konnten Ratsuchende, die anonym bleiben

18 Beratung


Standort in Duisburg nunmehr bekannt ist.

21.00 Uhr und bis Ende November 2015 am Donnerstag

von 11.00-14.00 Uhr. Seit dem 3. Dezember haben wir

dieses Zeitfenster verändern können und sind seither

Donnerstags von 09.00 – 12.00 Uhr bundesweit aktiv. Die

regionalen Angebote bleiben im vollen Umfang bestehen.

So können sich Menschen telefonisch, persönlich und per

E-Mail zu den gewohnten Zeiten an die Mitarbeiter*innen

der AIDS-Hilfe wenden. Das überregionale Angebot wird

zusätzlich zu dem bestehenden Angebot hinzugefügt.

2.2.2 Telefonische Beratung

Auch in diesem Jahr blieb die Zahl der Telefonberatungen

während der Öffnungszeiten sehr hoch. Die

Ratsuchenden wurden nach eingehender Erörterung der

Risikosituationen aufgeklärt. Falls erwünscht, wurden die

Ratsuchenden zwecks HIV-Antikörper-Test an das örtliche

Gesundheitsamt verwiesen. Vor dem Hintergrund der

sehr schmalen Zeitfenster der Testberatungsangebote

der Gesundheitsämter mussten wir allerdings auch

zunehmend auf Angebote in umliegenden Städten

verweisen. Insbesondere gilt dies für Berufstätige. Eine

sehr unbefriedigende Situation, zumal das Testangebot

zu HIV und STI`s eine kommunale Pflichtaufgabe ist,

deren Umfang allerdings leider nicht festgelegt ist.

2.2.3 Die Bundesweite Telefonberatung

An 62 Stunden pro Woche können sich Ratsuchende

unter der Rufnummer 0180 33 19411 (9 ct./min. aus dem

deutschen Festnetz maximal 42 ct./min. aus deutschen

Mobilfunknetzen) mit ihren Fragen rund um HIV/AIDS

telefonisch an die Berater der AIDS-Hilfen wenden. Die

Hotline ist erreichbar in den Zeiten: Montags bis Freitags

von 9.00-21.00 Uhr und am Samstag und Sonntag von

12.00-14.00 Uhr.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e. V. beteiligt

sich als eine von bundesweit 26 Einrichtungen an

diesem nunmehr fest etablierten Angebot. Die hauptund

ehrenamtlichen Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. bedienen Ratsuchende aus dem

ganzen Bundesgebiet am Montagabend von 19.00-

Die Telefonberatung spielt bei der Aufklärung zu HIV

nach wie vor eine große Rolle. Sie ist das Medium zur

Beantwortung persönlicher Fragen und zur Abklärung

eines individuellen HIV-Übertragungsrisikos. Mit der

neuen Rufnummer werden bestehende Angebote

unter einer bundesweiten Nummer zusammengeführt

und damit die Erreichbarkeit für Ratsuchende weiter

verbessert. Durch die Intensivierung der Weiterbildung

und die Einrichtung eines Online-Portals für Berater*nnen

wird die Qualität der Beratung langfristig gesichert.

Um die Wichtigkeit der Bundesweiten Telefonberatung

aufzuzeigen, sind hier die Zahlen der Beratungskontakte

(Monitorings) und die Art der Anfragen für das Jahr 2015

aufgelistet:

19


Auswertung

430 Monitorings

Gesprächsdauer Prozent Anzahl

Bis 5 Minuten 59,1 % 254

5 bis 15 Minuten 37 % 159

15 bis 30 Minuten 3,5 % 15

Länger als 30 Minuten 0.5 % 2

Gesamt 496

Beratungsanlass Prozent Anzahl

Drogengebrauch 0 % 0

Familie und soziales Umfeld 0 % 0

Hepatitis 0.9 % 4

HIV-Ansteckungsrisiken 55,1 % 237

HIV-Test 31.9 % 137

Leben mit einer HIV-Infektion 2.3 % 10

Migration 0 % 0

Partnerschaft 0 % 0

Prostitution 0.9 % 4

Schutz vor HIV 0.5 % 2

Schwangerschaft 0 % 0

Seelische Probleme 0,2 % 1

Sexualität 0 % 0

Sexuell übertragbare Krankheiten (STD) 3 % 13

Sofortmaßnahmen nach Risikokontakt (PEP) 1,9 % 8

Sonstige Fragen 3 % 13

Soziale und rechtliche Fragen 0,2 % 1

Gesamt 430

Geschlecht Prozent Anzahl

Männlich 70 % 298

Weiblich 30 % 128

Transidentisch 0 % 0

Gesamt 426

Sexuelle Orientierung Prozent Anzahl

Heterosexuell 61,8 % 264

Homosexuell 13,3 % 57

Bisexuell 2.8 % 12

Unbekannt 22 % 94

Gesamt 427

HIV-Status Prozent Anzahl

Negativ 63,1 % 260

Positiv 2,2 % 9

unbekannt 34,7 % 143

Gesamt 412

geschätztes Alter Prozent Anzahl

bis 20 4 % 17

20 bis 29 33 % 140

30 bis 39 35,1 % 149

20 Beratung


40 bis 49 15,6 % 66

50 und älter 8,7 % 37

Nicht einzuschätzen 3,5 % 15

Gesamt 424

Anrufer/in (Maske < 01.07.09) Prozent Anzahl

mit Informationsbedarf

0 % 0

(Übertragungswege, Adressen)

Gesamt 0

Anrufer/in kann diesen Gruppen zugeordnet

werden

Prozent Anzahl

mit Informationsbedarf (Übertragungswege,

56,4 % 308

Adressen)

Freier 13,6 % 74

Aids-ängstlich oder Aids-phobisch

Aids-ängstlich 22,5 % 123

Aids-phobisch 5,1 % 28

Sexanrufer/in 0,2 % 1

Mensch in akuter Krise 0,9 % 5

Angehörige/r 1,3 % 7

Multiplikator/in 0 % 0

Gesamt 546

Themen der Beratung Prozent Anzahl

HIV-Ansteckungsrisiken & Schutz vor HIV 40,3 % 289

HIV-Ansteckungsrisiken

HIV-Test 30,3% 217

Schutz vor HIV

Leben mit HIV 2.6 % 19

Sofortmaßnahmen nach Risikokontakt (PEP) 1.8 % 13

Hepatitis 2,2 % 16

(andere) sexuell übertragbare Krankheiten 7 % 50

Prostitution 2,6 % 19

Drogengebrauch 0,1 % 1

Soziale und rechtliche Fragen 0,7 % 5

Schwangerschaft 0 % 0

Sexualität 3.5 % 25

Partnerschaft 2,6 % 19

Familie und soziales Umfeld 0,7 % 5

Seelische Probleme 2 % 14

Migration 0 % 0

Sonstige Fragen 3.5 % 25

Gesamt 717

Verweise Prozent Anzahl

Aidshilfen intern 5,7 % 25

HIV-Teststellen 26 % 114

Arzt/Ärztin 13 % 57

Kriseneinrichtung 0,5 % 2

Andere Beratungsstellen 1,1 % 5

Kein Verweis 53,8 % 236

Gesamt 439

21


Im Rahmen der Bundesweiten Telefonberatung werden

mit den ehrenamtlichen Telefonberatern regelmäßig

Treffen mit dem hauptamtlichen Koordinator durchgeführt.

Ziel ist einerseits der Austausch und die Terminvergabe

(wer ist an welchen Tagen für die Beratung zuständig)

und andererseits werden Beratungsgespräche

als Fallbeispiele bearbeitet sowie bei belastenden

Gesprächen supervidiert. Im Berichtsjahr wechselte die

hauptamtliche Koordination von Rüdiger Wächter auf

Frank Funk, der nach entsprechender Qualifi zierung

allerdings nur bis zu seinem Ausscheiden Ende November

aktiv sein konnte. Allerdings hat er das ehrenamtliche

Team gut auf die Vakanz vorbereitet.

Johann Mangelsdorf und Klaus Gürke gilt an dieser Stelle

ein großer Dank für ihren fantastischen ehrenamtlichen

Einsatz.

2.2.4 Die Telefonberatervernetzung im Ruhrgebiet:

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. ist mit anderen

Kooperationspartnern aus dem Ruhrgebiet in einer

Telefonberatervernetzung zusammengeschlossen. Ziel

dieser Vernetzung ist der fachliche Austausch und der

Erhalt der hohen Qualitätsstandards.

2.2.5 E-Mail Beratung

Die E-Mail Beratung in der AIDS-Hilfe wurde weiterhin

angeboten. Die E-Mailberatung ist unter der folgenden

Adresse zu erreichen: www.aidshilfe-duisburg-kreiswesel.de.

Um die gängigsten Fragen im Voraus zu klären, wurden

auf unserer Homepage die acht häufi gsten gestellten

Fragen (FAQ) eingestellt. Der Ratsuchende konnte beim

Anklicken einer Frage gleich die Antwort lesen. Durch

dieses Beratungsangebot konnten viele Ratsuchende

ohne dass sie an uns eine E-Mail schreiben mussten,

bedient werden. Detailliertere Fragen konnten dann per

E-Mail an uns gesendet werden. Bei diesen E-Mails wurde

im Betreff automatisch „E-Mailberatung“ eingegeben,

sodass die E-Mails nicht von den Mitarbeitern gelesen

wurden, sondern direkt an die Telefon/E-Mail Beraterin

weitergeleitet werden konnten.

GIBT ES EXTRAGROSSE KONDOME?

WO MACHE ICH EINEN HIV-TEST?

WANN MUSS ICH MEDIKAMENTE NEHMEN?

WIE WIRD MEIN PARTNER REAGIEREN?

IST AIDS EIN GRUND ZUR KÜNDIGUNG?

WIE GEFÄHRLICH IST ORALER SEX?

WO TREFFE ICH ANDERE POSITIVE?

INFO ZUR E-MAIL BERATUNG

Insgesamt wurde die E-Mailberatung im Jahr 2015

allerdings recht wenig genutzt. Als Grund ist hierfür

sicherlich die ebenfalls bundesweite E-Mailberatung der

AIDS-Hilfen zu nennen.

Folgende vorgefertigten Fragen wurden im Internet

angeboten:

22 Beratung


2.2 Danksagung:

Wir danken unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern, die

diese anspruchsvolle und zuweilen äußerst belastende

Tätigkeit ausüben und sich konsequent weiterbilden,

um den hohen Qualitätsstandards in der Beratung zu

entsprechen.

23


3. Begleitung

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet HIVpositiven

und an Aids erkrankten Menschen Begleitung

an. Eine HIV-Infektion geht oftmals einher mit Ängsten

und Problemen bei der Bewältigung der Diagnose. Diese

können Prozesse sozialer Isolation fördern und auch in

ökonomische Krisen führen, die nicht selten vielfältige

sozialrechtliche Problemen mit sich bringen.

Auch beeinfl ussen die Anforderungen und

Nebenwirkungen der lebenslang erforderlichen

Medikamente den Alltag von HIV-positiven Menschen.

Ängste vor dem Verlust sozialer Attraktivität oder einer

möglichen Verkürzung des Lebens, können den Alltag

beeinträchtigen. Die psychische Stabilisierung und

Akzeptanz einer veränderten Lebenssituation sind

wichtige Ziele im Rahmen der Begleitung.

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel bietet:

• Individuelle Hilfen für Menschen mit HIV/Aids

• Beratung für An- und Zugehörige zur

Stabilisierung des sozialen Umfeldes

• Psychosoziale Begleitung bei Substituierten

durch Fachkräfte

• Angeleitete Gruppen für Menschen mit HIV/Aids

• Angebote zur Freizeitgestaltung

• Förderung von Selbsthilfegruppen

HIV ist heute eine chronische Erkrankung, allerdings

mit einigen Besonderheiten. Ein großer Teil der

HIV-positiven Menschen verträgt die Medikamente

gut und hat auch eine gute Compliance. Während

aufgrund der Vielzahl der Medikamente die akuten

Nebenwirkungen weniger werden, treten häufi ger

Langzeitnebenwirkungen und Multimorbiditäten

insbesondere psychische Erkrankungen, Osteoporose

und Herz-Kreislauferkrankungen. Hier gilt es, andere

gesundheitsschädigende Risiken zu minimieren. Des

Weiteren werden unsere Begleiteten auch älter und in

der Beratungsarbeit ist es uns wichtig, für bestimmte

Vorsorgeuntersuchungen zu sensibilisieren und

altersbedingte Erkrankungen, wie im Berichtsjahr das

„Thema Krebs und HIV“ mit in den Fokus zu nehmen.

Ein weiteres Themenfeld unserer Beratung von

Begleiteten liegt in der Koinfektion mit Hepatitis C. Einige

von Ihnen haben neben ihrer HIV-Infektion zusätzlich

noch eine Hepatitis C-Infektion. Insbesondere im Bereich

der Psychosozialen Begleitung von Substituierten mit

HIV, ist aufgrund der hohen Kosten der neuen HCV

Therapien, eine Beantragung und Genehmigung dieser

neuen Optionen durch die Krankenversicherungsträger

oft problematisch. Im Berichtsjahr 2015 konnten dennoch

drei langjährig Begleitete, aufgrund der guten Kooperation

mit der Uniklinik Essen, von den wissenschaftlichen

Fortschritten in der HCV Therapie profi tieren.

Viele von unserer langjährig Begleiteten waren bereits

an AIDS erkrankt, beziehen eine kleine Rente und

leben auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes II, der

Grundsicherung oder leicht darüber. Hierbei handelt

es sich um Leistungen, die ihrem Ursprung nach zur

Überbrückung einer kurzen Zeit angedacht waren.

Letztendlich verharren diese Begleiteten nicht selten

in einer Lebenssituation, die Ihnen fi nanziell keinen

Spielraum lässt und wenig Perspektiven für die Zukunft

bietet. Neben fehlenden Mitteln für existentielle Dinge

wie Stromnachzahlung oder Ersatzanschaffungen

von Haushaltsgeräten, fehlt es aufgrund der nicht

vorhandenen materiellen Ressourcen an Lebensqualität,

da die Teilhabe am gesellschaftlichten Leben wie

Ausgehen, Kino und andere Freizeitaktivitäten einen

Faktor für Lebensqualität darstellen kann. Dadurch

kommt es oft zu Vereinsamung und Depressionen, so

dass auch von Einzelnen suizidale Gedanken geäußert

werden, die Thema in der Beratungsarbeit sind. Um

der Vereinzelung vorzubeugen, haben wir einige

Angebote, die weiter unten beschrieben sind, auch im

Berichtsjahr vorgehalten bzw. freuen uns, dass Angebote

in Selbsthilfe ausgestaltet werden. Des Weiteren bieten

wir Unterstützung bei sozialrechtlichen und fi nanziellen

Schwierigkeiten.

Einige unserer Begleiteten bringen sich aktiv ein und

gestalten unter anderem die Freizeit für HIV-Positive mit,

nehmen an der Kochgruppe teil, die selbstorganisiert

ist oder engagieren sich auf landes- und bundesweiter

Ebene in Landesarbeitsgemeinschaften und Netzwerken.

Andere gehen einer geregelten Arbeit nach und nehmen

die AIDS-Hilfe nur punktuell zu bestimmten Fragen in

Anspruch, besuchen unser Mittwochs-Café oder von uns

durchgeführte Fortbildungsveranstaltungen.

Im Berichtsjahr mussten wir uns – wie in den letzten

Jahren auch - mit dem Thema „Late-Presenter“

beschäftigen. Das bedeutet, dass bei diesen Personen

die Infektion erst festgestellt wurde, als sie sich

schon im Stadium AIDS befanden. Hier ist besonders

psychosoziale Unterstützung gefordert, da in diesen

Fällen bereits eine lebensbedrohende Situation vorlag.

Für die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen bedeutete dies,

häufi ge und zeitintensive Besuche im Krankenhaus und

aufgrund einer prekären Wohn- und Lebenssituation, war

ein großer Handlungsbedarf erforderlich.

Bei komplexen Begleitungen, die im Zeitumfang unsere

Ressourcen übersteigen, und die entsprechenden

Voraussetzungen gegeben sind, vermitteln wir in Formen

ambulant betreuten Wohnens.

24 Begleitung


Neben dem Beratungsangebot in der AIDS-Hilfe bieten

wir in Einzelfällen auch aufsuchende Arbeit und somit

Treffpunkte außerhalb der AIDS-Hilfe an. Dies kann

bei dem Begleiteten zuhause oder einem neutralen Ort

außerhalb von AIDS-Hilfe und Wohnung sein.

3.1 Einzelbegleitung

Die Einzelbegleitung wird in der Regel von drei

hauptamtlichen Mitarbeiterinnen mit unterschiedlichem

Zeitanteil ihrer Voll- bzw. Teilzeitstellen neben ihren

anderen Aufgabenbereichen durchgeführt. Das Jahr

2015 war für unsere Fachstelle ein eher schwieriges

Jahr. Gleich zwei langjährige Mitarbeiter haben sich

aus der AIDS-Hilfe Duisburg verabschiedet, was für die

verbleibende Mitarbeiterin ein deutlich spürbares Paket

an Mehrarbeit, im Bereich der Beratung, Begleitung und

Psychosozialen Begleitung, zur Folge hatte.

Ab Mitte des Jahres konnten wir wieder auf einen

Mitarbeiterinnenstamm von drei hauptamtlichen

Mitarbeiterinnen – zwei Halbe- und einer Viertel-

Teilzeitstellen - blicken.

In der Begleitungsarbeit bieten wir Beratungen

zu Nebenwirkungen der Medikamente, zu

Partnerschaftskonflikten, sozialrechtlichen und finanziellen

Problemen an. Wir unterstützen bei Rentenanträgen

wegen Erwerbsminderung oder schreiben Widersprüche

bei fehlerhaften ALG II Bescheiden. Bei weitergehenden

und komplexeren Problematiken stellen wir Kontakt zu

entsprechenden Beratungsstellen, wie zum Beispiel der

Schuldnerberatung, her.

Bei finanziellen Problemen halfen wir mit unserem

Positivenfond, bei größeren Beträgen stellten wir

Anträge an die Deutsche AIDS-Stiftung, soweit die

Antragshintergründe die Kriterien der Stiftung erfüllen.

Die Bearbeitungszeiten bei der Deutschen AIDS-Stiftung

betragen jedoch ca. 6-8 Wochen je Antrag.

Im Berichtsjahr war uns die DAS insbesondere bei

der Anmietung einer Wohnung und der dringend

erforderlichen neuen Bettausstattung für unseren

Late Presenter innerhalb von ein paar Tagen mit

einer finanziellen Unterstützung behilflich. An dieser

Stelle bedanken wir uns ganz herzlich für die perfekte

Unterstützung durch die DAS.

Krankenhausaufenthalte waren bei drei Begleiteten

zu verzeichnen. Hier ist es weiterhin Tradition, dass

- wenn irgendwie möglich – wir einmal die Woche im

Krankenhaus einen Besuch abstatten. Da die Aufenthalte

in den Krankenhäusern in den unterschiedlichsten Orten

stattfinden, und unsere Begleiteten aus einem großen

Einzugsgebiet kommen (Duisburg und Kreis Wesel) und

teilweise die stationäre Versorgung in den Unikliniken

Essen und Düsseldorf erfolgt, ist der Besuch mit hohem

Zeitaufwand verbunden.

Im Berichtsjahr 2015 konnten wir insgesamt 1521

Begleitungskontakte verzeichnen.

Alle HIV - positive Menschen werden durch das

hauptamtliche Team begleitet. Ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen sind in diesem Feld, u.a. da die

Qualifikationsanforderungen nicht mehr adäquat erfüllt

werden können, zurzeit nicht aktiv.

3.2 Positivenfond

Der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. war es im

Berichtsjahr 2015 erneut möglich, HIV-positive / an

AIDS erkrankte Menschen in finanziellen Notlagen zu

unterstützen.

Zur Verfügung standen dazu Spendengelder in Höhe

von 3.850€, die von dem Vorstand der AIDS-Hilfe

bereitgestellt wurden. In diesem Zusammenhang gilt

unser besonderer Dank den Spendern, die diese Art von

Unterstützungsleistung ermöglicht haben.

Im Rückblick lässt sich konstatieren, dass die Summe

2015 nicht vollständig ausgeschöpft wurde.

Die Verantwortung für die Verteilung der Fondgelder

in der Rubrik „Außergewöhnliche Zuwendung“ und

„Rückzahlbare Zuwendung“ übernahm in diesem

Berichtsjahr erneut ein Gremium, das aus HIV-

Positiven, Ehrenamtler*innen und einem Hauptamtlichen

besteht. Diese Zusammenarbeit macht es möglich eine

Entscheidung über finanzielle Hilfen multiperspektivisch

zu sehen und vermeidet eine einseitige Verteilung.

Die Rubrik „Soforthilfe“ wird hingegen in erster Linie

von den drei Hauptamtler*innen ausgezahlt, die im

Begleitungsbereich tätig sind. Kriterien für die Auszahlung

sind dabei der finanzielle Hintergrund der Antragsteller,

die speziellen Gründe und die Häufigkeit, mit der Bedarfe

angemeldet werden.

Die „Außergewöhnlichen Zuwendungen“, können

bei unvorhersehbaren finanziellen Notlagen von

dem o.a. Gremium gewährt werden. Die spezifische

Lebenssituation der Antragsteller*innen wird zu diesem

Zweck geprüft und diskutiert.

2015 sind in diesem Rahmen 100€ an Menschen aus

dem Begleitungsbereich ausgezahlt worden.

„Rückzahlbare Zuwendungen“ werden ebenso in dem

Positivenfonds Gremium abgestimmt. In diese Kategorie

fallen Situationen, in denen besondere finanzielle

Ausgaben anstehen, bei denen ein Darlehen benötigt

wird. In Rücksprache mit den Begleiteten ist es hier die

zentrale Aufgabe, angemessene Raten zu bestimmen,

mit denen sich das Geld an die AIDS-Hilfe zurückzahlen

lässt. Bei dieser Form der Hilfe gilt es besonders darauf

25


zu achten, dass sich die Rückzahlung als realistisch

erweist. Dieses ist vor dem Hintergrund wichtig, dass

das Begleitungsverhältnis nicht durch fi nanzielle

Abhängigkeiten gestört werden soll. In dem Berichtsjahr

wurden 280€ „Rückzahlbare Zuwendung“ beantragt und

gewährt.

Die „Soforthilfe“ bezeichnet die fi nanzielle Hilfe, bei

der eine geringe Geldsumme am Ende des Monats

ausgezahlt wird, um mögliche Engpässe zu überbrücken.

Das Einkommensniveau der Antragssteller sollte nicht

höher als das Arbeitslosengeld II sein. Darüber hinaus

wird der Nachfrage nicht monatlich nachgekommen,

sondern es gilt nach zwei maliger Auszahlung eine

Sperre von einem Monat.

Im Jahr 2015 gewährte die AIDS-Hilfe im Durchschnitt

10 Menschen im Monat die Soforthilfe. Die Ausgaben

2015 beliefen sich dabei auf 1645 €. Diese fi nanzielle

Unterstützung stellt für Klient*innen eine sehr

niedrigschwellige Hilfe dar, da sie ohne schriftliche

Anfrage / Nachweise gewährt wird. So ist es

nachvollziehbar, dass dieser Bereich des Positivenfonds

der höchste Ausgabenposten ist. Im Vergleich zu dem

Vorjahr 2014, in dem 1900,85 € ausgegeben wurden,

waren die Ausgaben in diesem Jahr unter dieser Rubrik

deutlich niedriger.

Bereits im Berichtsjahr 2014 deutete sich an, dass

der Bereich „Telefonkosten“, welcher bei einem

Krankenhausaufenthalt gezahlt werden kann, an

Relevanz abnimmt. Die Personen, die 2015 einen

Krankenhausaufenthalt hatten, konnten problemlos ihre

Handys benutzen, so dass keine zusätzlichen Kosten

anfi elen.

In dem Arbeitsbereich „Knast“ fallen jährlich

Kosten für die „Knastpakete“ bzw. Bewirtung für die

Informationsveranstaltungen zum Thema „Gesund in

Haft“ an. Diese Ausgaben beliefen sich 2015 auf 231,02

€.

Die „Einnahmen“ ergeben sich aus den gewährten

Darlehen, die zurückgezahlt werden. Dieses geschieht

jedoch in Absprache mit den Begleiteten oftmals nicht

zeitnah sondern erfolgt, je nach Lebenssituation,

auch später. In diesem Berichtsjahr wurden 100 €

zurückgezahlt, die an dieser Stelle als Einnahmen

aufgeführt werden.

3.3 Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern bleibt für

unsere AIDS-Hilfe wichtig. Im Einzelnen handelt es sich

um folgende Partner*innen:

HIV-Schwerpunktpraxen

In Duisburg und dem Kreis Wesel gibt es mit Dr. Kwirant

nur noch eine HIV-Schwerpunktpraxis. Mit Dr. Kwirant

haben wir eine gute Zusamme27narbeit. Ein Teil unserer

Begleiteten wird in den Ambulanzen der umliegenden

Kliniken behandelt.

Positivenfondstatistik 2014 / 2015 Datenreihen 1: Positivenfonds 2014

Datenreihen 2: Positivenfonds 2015

26 Begleitung


Krankenhäuser

Bei Krankenhausaufenthalten in Bezug auf HIV/AIDS

werden unsere Begleiteten in die umliegenden Uni-

Kliniken Essen, Bochum und Düsseldorf eingewiesen.

Insbesondere zur Uniklinik Essen bestehen gute Kontakte

zu dem medizinischen und auch zum sozialarbeiterischen

Personal. In Duisburg hat sich bezüglich der stationären

Versorgung keine Veränderung ergeben.

Pflegedienste

Die Kooperation mit den Pflegediensten, mit denen wir

bisher zusammen gearbeitet haben, wurde erfolgreich

fortgeführt.

Hospize

Im Berichtsjahr benötigten wir nicht die Unterstützung

eines Hospizes.

Anwaltspraxen

Die Zusammenarbeit mit Rechtsanwälten läuft im

migrationsrechtlichen Bereich - soweit von Nöten - ohne

Probleme.

Flüchtlingsberatung

In diesem Bereich haben wir eine enge Zusammenarbeit

zum Beispiel zu Fragen des Aufenthaltrechts mit der

Flüchtlingsberatung des Deutschen Roten Kreuzes.

Frauenspezifische Angebote wurden wie in den

Vorjahren in Kooperation mit den benachbarten AIDS-

Hilfen angeboten. Im Berichtsjahr wurde auch das

Angebot einer Frauengruppe erfolgreich weiter geführt.

Die Gruppe erfreut sich großer Beliebtheit und stabilem

Zuspruch. Hierbei gilt es besonders zu erwähnen, dass

es hier eine Kooperation mit der niedergelassenen HIV-

Schwerpunktpraxis gibt und die AIDS-Hilfe mit diesem

Angebot HIV-positive Frauen erreicht, die bisher keinen

Zugang zur AIDS-Hilfe hatten. Weitere Einzelheiten

werden in Kapitel 5.4 näher beschrieben.

Im Berichtsjahr wurde auch in Selbsthilfe versucht,

eine Gruppe für heterosexuelle Menschen zu gründen.

Dieses führte, trotz hohem Engagement bezüglich der

Bewerbung des Angebotes leider nicht zum Erfolg.

Unser traditionelles Mittwochs-Café ist weiterhin

das bestbesuchte Angebot. Dieses ist ein beliebter

Treffpunkt zwischen HIV-Infizierten / an AIDS Erkrankten,

ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen und der AIDS-Hilfe

Sympathie entgegenbringender Menschen. Darüber

hinaus ist dieses Café eine erste Anlaufstelle für an

ehrenamtlicher Arbeit Interessierte.

Ambulant Betreutes Wohnen

Hier arbeiten wir mit örtlichen Anbietern und der AIDS-

Hilfe Essen zusammen.

ÖGD Duisburg

Die gute Kooperation wurde auch im Jahr 2105 fortgeführt.

3.4 Angebote für HIV-Positive und an AIDS-Erkrankte

Im Berichtsjahr wurde im Rahmen des Solidar-Erleben-

Ansatzes die Kochgruppe fortgeführt. Die Kochgruppe

ist ein monatliches Angebot, bei dem überwiegend HIV-

Positive zusammen kommen und den Abend in Selbsthilfe

organisieren. Dieses dient zum einen dazu, Abwechslung

in den Alltag zu bringen bietet aber gleichzeitig Raum

zum Austausch von Sorgen und Nöten. Es handelt

sich um ein kostenloses Angebot, da der Vorstand die

Kochgruppe mit einem Budget ausgestattet hat. An der

Kochgruppe nehmen im Durchschnitt 4 – 6 Personen teil.

Seit Anfang 2007 trifft sich regelmäßig einmal

monatlich eine Positivengruppe. Zugang haben die

unterschiedlichen sexuellen Präferenzen, auch der

Ansteckungsweg spielt keine Rolle. Es ist eine sehr bunt

gemischte Gruppe, welche in Selbsthilfe eigenständig

durchgeführt wird.

Das Café haben wir hauptsächlich mit Kuchen und

Spenden der Duisburger Tafel bzw. Bürger für Bürger

bestückt. Im Café ist ein Austausch zwischen Betroffenen,

hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern und

Mitarbeiterinnen möglich. Hier kann man sich auch

über Neuigkeiten in der AIDS-Hilfe informieren und die

Angebote an der Infotafel zur Kenntnis nehmen. Zum

einen ist es eine willkommene Abwechselung für die

Betroffenen, zum anderen ist es das Treffen in der „Wahl-

Familie“.

Ehrenamtlicher Mitarbeiter fahren jeweils vor dem Café

bei Bürger für Bürger vorbei und holen dort Lebensmittel,

die dann im Mittwochs-Café verteilt werden ab. Hier

sagen wir - den ehrenamtlichen Mitarbeitern und Bürger

27


für Bürger - recht herzlichen Dank!

Das Café startet um 15 Uhr, wobei einige Besucher

schon vor 15 Uhr eintreffen und endet um 18 Uhr.

Unser Café erfreut sich großer Beliebtheit und wird von

durchschnittlich ca. 14 - 20 Personen besucht. Während

der Café-Zeit ist immer eine hauptamtliche Mitarbeiterin

oder Mitarbeiter präsent, da diese Treffen von vielen

Cafébesuchern dazu genutzt werden, Anliegen an die

Beraterinnen und heranzutragen. Über die Cafézeit

hinaus hat die AIDS-Hilfe mittwochs bis 19 Uhr für

persönliche und telefonische Beratung geöffnet.

Wir gedenken der Verstorbenen in der

Mitgliederversammlung und mit unserer Trauerecke,

die sich im Café befi ndet. Hier befi nden sich unser

Trauerbuch und weitere Informationen zu Verstorbenen.

Eine weitere Möglichkeit des Gedenkens besteht bei

dem Candle-Light-Walk. (s. 4.4.)

Die Weihnachtsfeier fand wieder in den Räumlichkeiten

unserer Fachstelle statt. Knapp 30 Teilnehmer

und Teilnehmerinnen verbrachten einen schönen

Nachmittag mit anschließendem Festessen und

erhielten jeder eine Weihnachtstüte mit Süßigkeiten,

Obst, Kaffee und teilweise Zigaretten. Die Vorbereitung

und die Durchführung der Weihnachtsfeier liegen

schwerpunktmäßig in ehrenamtlicher Hand.

Die Weihnachtsfeier konnte wieder mit Spenden aus

den Kirchengemeinden und insbesondere durch eine

Cateringspende von Wolfgang Gödeke – Inhaber der

Burgschänke in Alpen - durchgeführt werden, wofür wir

uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Im Berichtsjahr 2015 gab es wieder eine Positivenfreizeit.

Sie führte nach ins schöne Emsland und es nahmen 7

Personen teil.

Die Gruppe war wiederum heterogen zusammengesetzt,

mit verschiedenen sexuellen Orientierungen und

Infektionswegen.

Bewährt hat sich hier, durch gemeinsame Unternehmungen

und Aktivitäten im vertrauensvollen Gespräch Probleme

anzusprechen, sich mit anderen auszutauschen und

Lösungsmöglichkeiten für Krisensituationen kennen zu

lernen.

Aber natürlich geht es in erster Linie auch um ein Abtauchen

aus dem Alltag, um Urlaub mit Erholungscharakter und

Kennenlernen von Landstrich und Leuten sowie Besuche

kultureller Veranstaltungen. Dieses Mal wurden wieder

interessante Ausfl üge, z.B. der Besuch einer großen

Schiffswerft, unternommen.

Für die Gruppe ist das gemeinsame Kochen und Essen

wichtig, da zuhause aufgrund des Alleinseins dieses

meistens zu kurz kommt.

3.5 Trauerarbeit

Im Berichtsjahr ist keiner unserer Begleiteten verstorben.

28 Begleitung


29


4. Öffentlichkeitsarbeit

„Mit HIV kann man leben. Mit Diskriminierung nicht.

In Deutschland leben mehr als 80.000 Menschen mit HIV/

AIDS. Dank moderner Medikamente haben die meisten

von ihnen eine fast normale Lebenserwartung. Sie können

in jedem Beruf arbeiten, ihre Freizeit gestalten wie

andere auch. Wird HIV rechtzeitig festgestellt und behandelt,

ist eine AIDS-Erkrankung vermeidbar.

Man kann also heute mit HIV gut leben – aber nicht mit

Diskriminierung, die leider immer noch vorkommt. Hinter

dem Rücken der Betroffenen wird getuschelt, mancher

Zahnarzt verweigert die Behandlung, in einigen Fällen ist

sogar der Arbeitsplatz in Gefahr. Diese Zurückweisung

wegen der Infektion und die Angst davor wiegen bei Menschen

mit HIV heute meist schwerer als die gesundheitlichen

Folgen der Infektion.

Die Ursache für Diskriminierung sind neben Vorurteilen

gegenüber Menschen mit HIV häufi g unbegründete

Ängste vor einer Ansteckung.

Da hilft nur eines: darüber reden! Denn wir alle können

ganz selbstverständlich und ohne Angst „positiv zusammen

leben!“ Im Beruf, in der Freizeit und sogar in der

Liebe. Denn auch beim Sex lässt sich das Risiko einer

Ansteckung fast auf null senken. Durch Kondome und

eine erfolgreiche HIV-Therapie“.

(Vorwort der Kampagnenbroschüre 2015, Hrsg.: BZgA,

DAH und DAS)

Die 2014 neu ausgerichtete bundesweite Kampagne zum

Welt-AIDS-Tag ist im Jahre 2015 nur marginal modifi ziert

und um einige Claims mit ähnlicher Ausrichtung ergänzt

worden. Das erscheint uns konsequent, denn zum einen

fi nden wir diese Form der direkten Ansprache

von Menschen gut und zum anderen ist die Zielrichtung

unverändert wichtig. „Gemeinsam gegen Angst und

Ausgrenzung!“

Die zwingende Kombination von Information & Aufklärung

über HIV und andere STI`s mit Maßnahmen Botschaften,

die zur Entdiskriminierung und Entstigmatisierung

von Menschen mit HIV und AIDS beitragen sollen,

ist nach wie vor geboten. Denn nur so können wir Ängste

abbauen und zu einem entspannteren Umgang miteinander

kommen.

Aber nicht nur nach unserem Eindruck sind diese Botschaften

immer noch schwer zu „verkaufen“, stoßen wir

immer noch häufi g auf Unglauben, Gleichgültigkeit oder

Ablehnung, wenn es um die Annahme der Wahrheiten

geht. Und unsere langjährigen Erfahrungen aus der primärpräventiven

Arbeit lehren eben auch, dass Erfolge in

der Medizin immer auch die Prävention latent gefährden,

weil sie Entwarnungsphantasien und Sorglosigkeit hervorrufen

können. Dennoch werden wir nicht nachlassen,

betrachten diese Arbeit als „positive“ Herausforderung

– wissend, dass es sich lohnt und dass in Deutschland

durchaus schon viel erreicht wurde.

HIV / AIDS-Prävention bleibt Herausforderung

„Aufklärung, Information und Prävention statt Repression

ist seit (über) 25 Jahren der Leitgedanke der HIV/

AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen. Seitdem sehen

sich das Land Nordrhein-Westfalen, die Kommunen und

die freien Träger in der Verantwortung, die weitere Verbreitung

von HIV-Infektionen (…) zu minimieren, HIV-Infi -

zierte und an AIDS erkrankte Menschen zu unterstützen

und sie vor Ausgrenzung und Diskriminierung zu bewahren.

30 Öffentlichkeitsarbeit


Diese grundsätzliche Ausrichtung war und ist die Basis

des großen Erfolges der HIV/AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen

und hat deshalb auch heute noch Bestand.

Dabei haben sich als besondere Qualitätsmerkmale

das Zusammenspiel staatlicher, kommunaler und

nichtstaatlicher Akteurinnen und Akteure, die Orientierung

der Angebote an der Lebenswirklichkeit der Betroffenen

und die Einbeziehung der Menschen, die von HIV und

AIDS bedroht oder betroffen sind, bewährt. Diese Qualitätsmerkmale

sind auch für die zukünftige Entwicklung

und Umsetzung der Präventionskonzepte unverzichtbar.

Einem Wandel unterworfen sind jedoch die Rahmenbedingungen

der Prävention in sehr unterschiedlichen

Feldern: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die

Übertragbarkeit des HI-Virus werden immer detaillierter.

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppen der

HIV-Prävention verändern sich. Das Internet bietet neue

Möglichkeiten der Information und Beratung. Die Lebenserwartung

von Menschen mit HIV nimmt zu.

Die Präventionsbotschaften und die Methoden der Vermittlung

an die Zielgruppen müssen sich diesem Wandel

anpassen. Deshalb bleibt die HIV/AIDS-Prävention auch

in Zukunft eine Herausforderung.“

(Barbara Steffens, Ministerin für Gesundheit, Emanzipation,

Pflege und Alter des Landes NRW, Vorwort zum

Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in Nordrhein-Westfalen“, Düsseldorf 2013, S. 5 f)

„Einem Wandel unterworfen sind jedoch die Rahmenbedingungen

der Prävention …“. Diese Erkenntnis trifft

trotz –auch im Berichtsjahr - massiver wissenschaftlicher

Untermauerung durch verschiedene Fachgesellschaften

(wie z.B. der deutschen STI-Gesellschaft) sowie der in

NRW im Frühjahr 2015 erneuerten „Rahmenvereinbarung

…“, s. 1.) leider auch auf andere Felder immer mehr

zu. Der Kampf um die finanziellen und personellen Ressourcen

zur Erfüllung der Anforderungen an die Träger

der Aufgabe der strukturellen HIV-Prävention wird immer

schwieriger, s. 1. Und dieser Kampf bindet wiederum

wichtige Ressourcen.

Wir haben schon viel erreicht und der Leitgedanke der

Präventionsarbeit hat sich in Deutschland eindeutig bewährt,

denn bezogen auf HIV gilt in den allermeisten

denkbaren Lebenssituationen nach wie vor, dass jeder

vernunftbegabte Mensch sich selbst und andere davor

schützen kann, wenn er über die notwendigen Informationen,

Fähigkeiten und Mittel verfügt und seine Verhältnisse,

in denen er lebt, keine Hindernisse bieten.

Der darauf aufbauende Ansatz der „strukturellen HIV-/

AIDS-Prävention“ war und ist in Deutschland die Basis

für einen großen Erfolg, den die beteiligten Akteure fortschreiben

wollen und müssen. Das Ziel bleibt, die Zahl

der Neuinfektionen auf niedrigem Niveau zu halten und

nachhaltig zu minimieren und das Stigma von Menschen

mit HIV zu nehmen, damit es uns gelingen kann, die Testbereitschaft

von Menschen zu erhöhen, die Zahl der sog.

„late presenter“ deutlich zu verringern und die Errungenschaften

der medizinischen Behandelbarkeiten auch anwenden

zu können.

MIT HIV kann man leben. Mit Diskriminierung nicht!

Hier haben wir allerdings im Berichtsjahr leider auch

Rückschläge verzeichnen müssen, die uns deutlich vor

Augen führen, dass die Anstrengungen eigentlich intensiviert

werden müssten. Wir haben etwa zwei Ablehnungen

von Kur-/Reha-Maßnahmen von Kliniken wegen der

HIV-Infektion zu verzeichnen, obwohl die Maßnahmen eigentlich

keine HIV-Relevanz hatten. Die Ablehnung von

Zahnbehandlungen gehört ja leider schon zur Routine.

Die Zusammenarbeit mit Job-Centern, den Rentenversicherungsträgern

oder auch einzelnen Krankenkassen

lief häufiger sehr suboptimal. So stand eine HIV-positive

Mutter (und ihr kleiner Sohn) über sieben (!) Monate

ohne Krankenversicherungsschutz da, obwohl diverse

Zusagen vorlagen und sogar Klageandrohungen nicht

zum Ziel führten.

Ganz besonders berührt hat uns die unmittelbare „Heimverschickung“

eines zehnjährigen HIV-positiven Jungen

(und seines achtjährigen HIV-negativen Halbbruders)

von einer Jugendferienfreizeit einer katholischen Kirchengemeinde

aus Moers auf Ameland nach Bekanntwerden

seiner Infektion. Und dies trotz Vorliegen einer

ärztlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung. Dazu gesellte

sich ein sehr schlechtes Beschwerdemanagement

der Verantwortlichen im Nachgang dieses Falles. Mit den

traumatischen Folgen für beide Kinder und ihre Familie

werden wir auch 2016 noch zu tun haben.

Diese beispielhaften Schilderungen sollen an dieser Stelle

nur zeigen, wie schnell die bisherigen Erfolge wieder

verschwinden können, wenn wir in unseren Aufklärungsund

Präventionsbemühungen nachlassen. Die „gesellschaftliche

Erkrankung gegenüber HIV“ ist nicht nur latent

immer noch da und scheint eher zu wachsen. Es gibt

noch viel zu tun.

Information und Aufklärung zielgruppenadäquat und seriös

zu transportieren, ist die zentrale Aufgabe der Öffentlichkeitsarbeit

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel.

Diese Aufgabe umzusetzen, wird nicht leichter angesichts

der langen Zeit, in der es darum geht, das Thema

im Bewusstsein der Bevölkerung wach und bewusst zu

halten, die Menschen zu erreichen, denn schon der gute

Freiherr von Knigge wusste:

„Die Menschen wollen lieber unterhalten als belehrt werden.“

31


Und getreu dieser Erkenntnis ist auch unsere Öffentlichkeitsarbeit

nicht von Zeigefi ngerpädagogik geprägt, sondern

sehr darum bemüht, Information & Aufklärung so zu

gestalten, dass sie die Menschen erreichen kann.

mit Menschen mit HIV, aber eben auch hinsichtlich des

Schutzes vor einer Infektion und ihren Folgen.

Auch wenn ein positives Testergebnis heute und hierzulande

dank der modernen Therapiemöglichkeiten kein

mittelbares Todesurteil mehr ist, so erleben es viele doch

zurecht als ganz tiefen Einschnitt ins Leben mit all seinen

Prävention darf und muss Spaß machen – auch den

Präventionisten!

„Positiv zusammen leben. Aber sicher!“ – das ist die

neue, alte Botschaft – nicht nur zum Welt-AIDS-Tag, die

unsere Öffentlichkeitsarbeit von Beginn an prägt.

Wir alle können dazu beitragen, dass Isolation und Stigmatisierung

von Menschen mit HIV abgebaut werden. Indem

wir Betroffenen unvoreingenommen begegnen und

ihnen so erleichtern, offen und verantwortungsvoll mit ihrer

Infektion oder Krankheit umzugehen, indem wir den

Mut aufbringen, aufeinander zuzugehen, über Ängste zu

sprechen, einander verstehen lernen.

Die offene Kommunikation benötigt allerdings ein adäquates

soziales Klima und sie braucht gewissermaßen

den Geist der Aufklärung. Wer informiert ist, ist (nicht

nur) beim Thema HIV und anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten klar im Vorteil – hinsichtlich des Umganges

Facetten – eben nicht nur den physisch-gesundheitlichen

Seiten.

Der `präventive Spagat´ zwischen Enttabuisierungs- und

Entdiskriminierungsarbeit im Umgang mit HIV-positiven

und an AIDS erkrankten Menschen und der Mahnung vor

einer keineswegs „normalen chronischen Erkrankung“,

die immer noch zu erheblichen Einschränkungen der

Lebensqualität führen kann und eben ein nicht unerhebliches

Stigmatisierungs- und Diskriminierungspotential

birgt, bleibt eine große Herausforderung für die Präventions-

und Öffentlichkeitsarbeit.

Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung

auch und gerade gegenüber den Schwächeren in unserer

Leistungsgesellschaft. Nicht nur im HIV-Infektionsgeschehen

sind Menschen überproportional vertreten, die

ökonomisch, bildungsmäßig und sozial benachteiligt sind.

Somit bleibt HIV-Präventionsarbeit zu einem großen Teil

weiterhin Arbeit in gesellschaftlichen Konfl iktbereichen.

Es geht weiter um Aspekte von sozialer Diskriminierung

von Homo- und Bisexuellen, um die Kriminalisierung von

32 Öffentlichkeitsarbeit


Drogengebraucher*innen, um die Ausgrenzung von Menschen

mit Migrationshintergrund, um Marginalisierungstendenzen

von Prostituierten und Menschen in Haft und

um die Defizite in der Um- und Durchsetzung von (sexuellen

-) Selbstbestimmungsrechten von Frauen in besonderen

Lebenslagen.

Von wachsender Bedeutung ist dabei die konsequente

Einbeziehung und Thematisierung anderer sexuell

übertragbarer Infektionen (STI`s, wie Syphilis,

Chlamydien u.a.), da diese eine zunehmende Relevanz

für die HIV-Inzidenzen besitzen, denn STI`s erhöhen das

HIV-Übertragungsrisiko um das Zwei- bis Achtfache.

Während wir nach 29 Jahren AIDS-Prävention in der

Region sicherlich behaupten können, dass das Aufklärungsniveau

bezüglich HIV/AIDS in der Bevölkerung vergleichsweise

gut ist, gilt dies hinsichtlich der STI`s noch

keineswegs in gleicher Weise. Hier muss ein Schwerpunkt

in der künftigen Präventionsarbeit gesetzt werden.

für die Bereiche der Beratung und Begleitung zwingend

ist. Es kann also jede/r Interessierte unverbindlich hereinschnuppern.

Ohne das intensive Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

wäre die Menge an Veranstaltungen und

Aktionen, die wir auch im Berichtsjahr wieder durchführen

konnten, nicht denkbar. Allen beteiligten Ehrenamtler*innen

gilt dafür unser herzlichster Dank!

Weiterhin aber suchen wir gerade für das Feld der Präventions-

und Öffentlichkeitsarbeit neue ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen. Wer hier aktiv werden möchte oder

Interessenten kennt … bitte melden! Ansprechpartner

sind Dietmar Heyde für die Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit

oder alle anderen hauptamtlichen Mitarbeiter*innen.

Erfreulicherweise sind Anfragen nach den Angeboten

unserer AIDS-Hilfe in allen Arbeitsbereichen stabil hoch.

Das spezifische Know-how, die Vermittlungskompetenzen

unserer ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen

und die Flexibilität eines kleinen, freien Trägers in der

Wohlfahrtspflege werden offensichtlich sehr geschätzt.

Dies zeigen uns die vielen positiven Rückmeldungen, die

aus sehr unterschiedlichen Gruppierungen kommen.

Es ist von großer Bedeutung, dass die Arbeit und die

Haltungen der AIDS-Hilfe(n) als sinnvoll wahrgenommen

und der Diskurs zu Ansätzen, Konzepten und deren Förderung

angenommen werden. Dies ist nicht zuletzt auch

für die Arbeit und die Motivation unserer ehrenamtlichen

Mitarbeiter*innen sehr wichtig.

Grundlagen für den Erhalt und die Anpassung unserer

Arbeitsqualitäten sind das Leitbild sowie das Konzept zur

Fachstelle für sexuelle Gesundheitsförderung (s. www.

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ).

4.1. AG Öffentlichkeitsarbeit

Die mit dem skizzierten Themenspektrum und der entsprechenden

Informations- und Aufklärungsarbeit befasste

Arbeitsgruppe trifft sich jeden dritten Donnerstag

im Monat um 18.30 Uhr in der AIDS-Hilfe, um Veranstaltungen,

Informationsstände u.a. Aktionen zu konzipieren

und zu organisieren. Die Gruppe ist mit stabil sechs bis

acht Mitgliedern besetzt. Um diesen Kern von Mitarbeiter*innen

herum finden sich immer wieder neue Interessent/innen

über mehr oder minder lange Zeiträume.

Der Zugang zur Gruppe setzt nicht das Durchlaufen der

Grundausbildung für Ehrenamtler*innen voraus, wie dies

Zum Bereich der medialen Außendarstellung gehört die

Internet-Homepage der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. ( www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ). Ein

Medium, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und

auf die Schnelle nicht nur Informationen zum Verein und

seinen Angeboten bietet, sondern auch zu Beratungszwecken

gerne genutzt wird. Für die Pflege und Aktualisierung

ist immer noch unser treuer Ex-Zivi, Raphael

Diaz-Fernandez, verantwortlich. Er lebt allerdings vom

„Futter“ durch das AIDS-Hilfe-Team. Und allmählich bessert

sich das Mitdenken an die Veröffentlichung von Informationen

und Terminen hier.

Das gilt natürlich insbesondere auch für den vorliegenden

Jahresbericht, für dessen Lay-out ebenfalls Raphael

Diaz-Fernandez verantwortlich ist. DANKE, lieber Raphael!

Die Welt der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

wäre ohne dieses tolle Engagement erheblich trister.

4.2. Veranstaltungen

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist immer bemüht,

ihr Angebot einer breiten Öffentlichkeit transparent

zu machen und nutzt dazu verschiedene Orte und An-

33


„Spruchreif“-Moderator Mario Mais im Gespräch mit Dietmar Heyde beim Studio47

lässe. Wie könnte man auf Enttabuisierung, Entdiskriminierung

und Emanzipation ausgelegte Präventionsarbeit

leisten, ohne die sog. Allgemeinbevölkerung über den

Sinn und Zweck zielgruppenspezifi scher Arbeit zu informieren

und zu überzeugen?

Neben der Herausforderung, das sehr breite Spektrum

an inhaltlichen Ausrichtungen (HIV und AIDS, Hepatitiden

und andere sexuell übertragbare Krankheiten, Homosexualität,

Drogengebrauch, Frauen/Mädchen und AIDS,

Migration und AIDS u.a.m.) über öffentlichkeitswirksame

Veranstaltungen abzubilden, ist es alljährlich auf`s Neue

schwierig, halbwegs fl ächendeckend in unserer großen

Region Präsenz zu zeigen.

Der Jahresauftakt ist traditionell geprägt durch eine Fülle

an Präventionsveranstaltungen im Bereich „Youthwork“

(s. 5.6.) sowie durch intensive Berichts- und Dokumentationsarbeit

zum Vorjahr.

Schon am 21. Januar 2015 freute sich das AH-Team über

die Ausstrahlung der Sendung „Spruchreif“ des Duisburger

Stadtfernsehens „Studio47“ mit Moderator Mario

Mais, bei dem Dietmar Heyde Gelegenheit hatte, über

eine halbe Stunde differenziert zur aktuellen Lage Stellung

zu beziehen (s. Trailer über unsere Homepage).

Wir sind dem Studio47-Team äußerst dankbar für die

wirklich tolle Unterstützung bei der Präventions- und

Öffentlichkeitsarbeit, bieten sie uns doch immer wieder

die Möglichkeit, unsere Botschaften und unsere Arbeit

einem großen TV-Publikum (über 80.000 Haushalte) zu

präsentieren. So auch am 21.07. aus Anlass des Nationalen

Gedenktages an die verstorbenen Drogengebraucher*innen,

am 02.11. zur Projektpräsentation unseres

„Streetwork“-Angebotes für die Zielgruppe der Drogenkonsumenten.

Und natürlich einmal mehr am 30.11. zur

Bewerbung des Veranstaltungsprogrammes zum Welt-

AIDS-Tag 2015.

Ab März stand für die ÖA-Gruppe die Jahresplanung für

das Berichtsjahr mit vielen spannenden inhaltlichen Diskussionen

an – etwa zu der Frage, wie offensiv wir mit

der Forderung „Aids beenden bis 2020!“ (s. Jahresbericht

2014) umgehen und welche Botschaften wir wie in wel-

34 Öffentlichkeitsarbeit


che Zielgruppen transportieren sollen / können.

Diese und andere Fragen fanden auch Eingang in den

„Runden Tisch zur HIV-Versorgung in der Region“ Ende

März, bei dem es auch um die Zukunft der „Beratungsund

Testangebote“ in der Region ging. Unter anderem

konnte auch in dieser Runde festgestellt werden, dass

die Sorge um die sog. „late presenter“ keine abstrakte ist,

sondern vielmehr auch in unserer Praxis verstärkt auftritt

und entsprechender Handlungsbedarf erkannt wurde.

Auch das „klassische“ Geschäft der Öffentlichkeitsarbeit

wurde nicht vernachlässigt, wozu die fachliche Fort- und

Weiterbildung, die angesichts der schon mehrfach beschriebenen

Dynamik im Themenfeld unerlässlich ist und

eine wichtige Grundlage bildet, um auf dem aktuellen

Stand zu sein. So sind sowohl im hauptamtlichen Team

wie auch bei den Ehrenamtlichen im Berichtsjahr jeweils

wieder über 300 Stunden in Fort- und Weiterbildung gut

investiert worden.

Aus dem diesjährigen Fachtagungs- und Kongressgeschehen

haben wir uns zur Teilnahme am hochkarätig

besetzten Fachtag „HIV-Kontrovers“ im Februar in Düsseldorf

entschieden, der die vielen spannenden Themen

tiefgehend und natürlich „kontrovers“ beleuchtete. Dietmar

Heyde besuchte die im Verband mit großer Spannung

erwartete Fachtagung „Aids beenden“ am 24.04.16

bei der DAH in Berlin und brachte die Botschaft mit, dass

der Arbeitstitel dahingehend verändert werden soll, dass

„bis 2020 in Deutschland niemand mehr an den Folgen

von AIDS versterben muss!“, um nicht selbst in eine Diskriminierungsfalle

für Menschen zu fallen, die bewusst ihr

Recht auf „Nichtwissen“ bewahren wollen. Auch diejenigen

wollen wir natürlich nicht ausgrenzen.

Das diesjährige Highlight war sicher der Deutsch-österreichische

AIDS-Kongress Ende Juni in den Düsseldorfer

Messehallen, der vielleicht etwas zu lang war und schon

mal besser besucht war, der aber dennoch hoch interessant

war und zudem für die NRW-Strukturen viel Gelegenheit

der Projektpräsentation (u.a. auch Youthwork

NRW und XXelle NRW mit jeweils einem Poster; Herzenslust

NRW mit einer Ausstellung) bot. Eine ganze

Reihe von Sessions widmeten sich unseren Präventionsthemen

und wurden durch die Aidshilfe NRW hervorragend

organisiert und durchgeführt.

35


Daneben gab es eine ganze Reihe von Tagesfortbildungen

für unsere ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter/

innen, wie beispielsweise die Fortbildungsseminare zur

Telefonberatung, die zum Standard der Qualitätssicherung

gehören oder in diesem Jahr angesichts der „Therapie-Revolutionen“

weitere Fortbildungsveranstaltungen

zum Geschehen in der HCV-Therapie.

In bewährter Kooperation mit der AIDS-Hilfe Oberhausen

haben wir auch in diesem Jahr ein Fachgespräch zur

HIV-Therapie veranstaltet, das wieder einmal gut besucht

und genutzt wurde. Im Rahmen des Welt-AIDS-Tags-Veranstaltungsprogrammes

fand dies am 25.11.15 in der AH

Duisburg unter dem Titel „Wünsch Dir was … und alles

wird gut!? Arzt und Patient im Dialog“ statt und setzte

noch stärker als bisher auf Interaktion zwischen Referenten

und Teilnehmer*innen. Dieses leicht veränderte

Format wurde ausgesprochen gut angenommen. Unser

verbliebener Duisburger HIV-Schwerpunktbehandler, Dr.

Friedhelm Kwirant gab dazu den fachlichen Input und

stand gerne Rede und Antwort.

ein gutes Arzt-Patientenverhältnis entstehen und eine offene,

von gegenseitigem Vertrauen geprägte Kommunikation

stattfinden kann.

Infostand-Saison 2015

Bei der klassischen Stadt(teil-)-Fest-Zielgruppe macht es

unserer Erfahrung nach immer noch, oder besser: immer

mehr Sinn, sich inhaltlich auf „Klassisches“ zu konzentrieren,

nämlich auf die Übertragungswege von HIV – insbesondere

die Tatsache, dass im alltäglichen Miteinander

keinerlei Gefahr droht. Dazu haben wir als gesprächsöffnende

Methoden unsere Tastboxen, um mit Hilfe der darin

befi ndlichen symbolischen Materialien (Seife, Kondome,

Taschentücher, Zahnbürste, etc.) gleichsam gegenständliches

und kognitives Begreifen zu initiieren, oder wahlweise

kommt auch das gute alte Glücksrad zum Einsatz,

das immer noch Neugier und Gewinnlust weckt. Und bei

uns gewinnt jede/r – neben kleinen give-aways vor allem

eine gute Portion Erkenntnisgewinn.

In diesem Jahr mussten wir aus personellen Gründen (s.

1.) und weil das Auffangen von hauptamtlichen Vakanzen

Kapazitäten an anderen Stellen band, allerdings an

dieser Stell etwas kürzer treten. In konzentrierter Weise

nutzten wir das Wochenende vom 13. und 14.06.15

gleich zu zwei aufeinanderfolgenden Infoständen. Am

Samstag traditionell im Rahmen der Duisburger Umwelttage

am Sonntag waren wir einmal mehr auf dem schönen

Walsumer Sommerfest vertreten, allerdings diesmal

mit relativ geringem Zuspruch.

Dr. Friedhelm Kwirant … und das Moderator*innen-Paar

Natalie Rudi und Dietmar Heyde

Ganz in unserem Sinne waren die Botschaften dieses

Abends, nämlich insbesondere, dass immer klarer wird,

dass HIV-Therapie nach wie vor kein „Wunschkonzert“

ist und viele Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die

erzielbaren guten Optionen auch wirklich greifen können.

Dazu aber ist es von ganz besonderer Bedeutung, dass

Um auch unsere Drogenpräventionsarbeit und die dahinter

stehende Haltung der Öffentlichkeit zu präsentieren,

gehört für uns ein Info- und Aktionsstand zum Tag des

Gedenkens an die Drogentoten (21.07.) zum Standardprogramm.

Näheres dazu fi ndet sich unter 5.2. Erfreulich

ist hier hervorzuheben, dass es wieder einmal eine gute

TV-Medienresonanz gab. Studio47 und die WDR-Lokalzeit

berichteten sehr schön. Insbesondere erfreute es

uns, dass mit Marko Stegmann der ganz besonders aktive

Vertreter der JES-Ortsgruppe zur Live-Sendung vom

Studio47 eingeladen wurde und dieser im Interview die

Selbsthilfe-Perspektive darstellen konnte.

Der diesjährige CSD-Duisburg, der eigentlich am

25.07.15 über die Bühne der Bahnhofsvorplatte gehen

sollte, musste wegen einer Unwetterwarnung leider

kurzfristig abgesagt werden, was natürlich nicht schön

war. Dennoch konnte zumindest die Preisverleihung an

den Fußballer Thomas Hitzelsberger kurzfristig ins Mercure-Hotel

verlegt werden und diese sogar sehr gute

Presseresonanz erzielen. Darüber hinaus war es quasi

von besonderer Bedeutung, dass ein einwöchiges Rah-

36 Öffentlichkeitsarbeit


menprogramm zum CSD erstmals umgesetzt wurde und

gleich auch unerwartet viel Zuspruch fand. Unser Herzenslust-Team

als „Zirkus-Artisten“ gekleidet, konnte sich

zudem in Köln und Essen präsentieren und dort auch

sehr gezielt interessiertes Publikum zu Präventionsgesprächen

„in die Manege“ holen. Mehr dazu unter 5.1.4.

Auch die traditionelle Teilnahme an den Jugend-DIN-Tagen

in Dinslaken an der Burghofbühne musste in diesem

Jahr wegen Umbauarbeiten ausfallen. Nach dem Wegfall

des Jugendfestivals in Wesel hoffen wir sehr, dass

es nicht noch weitere Ausdünnungen von Festivitäten für

Jugendliche und junge Menschen in der Region geben

wird, wo wir diese auch einmal im außerschulischen Rahmen

erreichen können.

Ab Sommer starteten dann auch parallel die Planungen

und Vorbereitungen für das Veranstaltungsprogramm

zum diesjährigen Welt-AIDS-Tages (s. 4.4.)

Unser „Herzenslust“-Team als „Zirkusartisten“ beim

CSD-Angrillen in Duisburg

social day mit dem RWE-Companius-IT-Team

37


4.3. Benefiz-Veranstaltungen

seinerseits einige Verbrauchsmaterialien zur Verfügung.

Auch dem IMD gilt natürlich unser Dank!

Natürlich war auch das AIDS-Hilfe Team bei diesem Tag

höchst aktiv. Und hier gilt insbesondere unseren ehrenamtlichen

Kräften ein ebenso großer Dank. Aus dieser

Aktion resultierten natürlich auch noch Folgearbeiten, denen

sich aber einige Beteiligte seither widmen.

Nicht nur in fi nanzieller Hinsicht sind Benefi z-Aktionen

für uns sehr wichtig, bieten Aktionen mit Künstlern oder

anderen Prominenten doch meist die Möglichkeit, unser

Thema auch außerhalb der Welt-AIDS-Tags-Zeit öffentlichkeitswirksam

zu platzieren.

Im Berichtsjahr 2015 gab es erneut viele „zivilgesellschaftliche“

Gruppen und Einzelpersonen, die für uns

und unsere Arbeit sehr Gutes getan haben und wir wollen

darüber reden und schreiben.

Uns allen unvergesslich wird sicherlich der Aktionstag

zur Umsetzung des „social day“ des RWE-Companius-IT-Teams

am 10. September 2015 bleiben. Hier

rückte ein etwa 20-köpfi ges Team an, um konzertiert an

diesem Tag unser Domizil auf der Bismarckstraße in Duisburg-Neudorf

außen und innen zu renovieren. Mit dieser

enormen men- und womenpower wurde –auch wenn es

sich nicht um Profi s handelte- Enormes geleistet. Sämtliche

Fensterrahmen wurden geschliffen und gestrichen,

viele Elemente der Außenfassade quasi runderneuert

und der Grünbereich bekam ein ganz neues „Gesicht“,

wodurch unser räumliches Erscheinungsbild nunmehr in

neuem Glanz erstrahlen konnte. Hier ist das RWE in toller

Weise „voRWEg gegangen“ und das obwohl wir noch

nicht einmal zum Kundenkreis zählen.

Ein großer Teil der dazu benötigten Materialien wurde

zudem vom RWE gesponsort. Eine unglaublich tolle

Geste. Ein Riesen Dank gilt dieser sozialen Initiative des

RWE-Companius-IT-Teams!

Dieses wiederum hatte sicher auch einen eigenen Nutzen,

denn diese Aktion war auch als Team-building-Prozess

von nicht zu unterschätzendem Wert. So wurde es

jedenfalls empfunden und von den Aktiven auch so rückgemeldet.

Sie haben sich –nicht nur wegen der guten Bewirtung-

bei uns sehr wohl gefühlt.

Bei so viel externem Engagement konnte unser Vermieter,

das Immobilienmanagement Duisburg (IMD) natürlich

nicht umhin, sich seinerseits einzubringen. So ließ das

IMD einen Teil des Zuganges neu pfl astern und stellte

Ganz treue Unterstützung erfahren wir seit nunmehr

zehn (!) Jahren durch das „GudsO-Netzwerk“ (Gleichberechtigung

unabhängig von der sexuellen Orientierung)

der Duisburger „Targobank“, die weiß, „wie Bank

geht“. Aber nicht nur das – sie wissen auch, wie soziales

Engagement sinnvoll funktioniert und dass dies auch einen

nicht zu unterschätzenden Benefi t für das Image der

Institution sowie das soziale Betriebsklima bringt. Unter

Federführung von Frau Corinna Voigt und Herrn Guido

Kuhl, hat diese Projektgruppe zum Welt-AIDS-Tag wieder

eine Jubiläumsstarke „Bärenaktion“ entwickelt, mit erfrischender

Promotion umgesetzt und so auch zu einem

erneuten Rekordvertrieb von über 900 Solibären geführt.

Ganz viel Kreativität wird hier freigesetzt. So hat auch die

durch eine Mitarbeiterin der Bank initiierte „Strickgruppe“

in vielen, vielen Stunden Heimarbeit eine eigene Mützenund

Schalkollektion erstellt. In diesem Jahr wurde erneut

eine unfassbare Menge an ganz individueller

Bärenwinterkleidung produziert, die erneut unglaublich

gut ankam. Eine Aktion, die aus dem Jahresprogramm

des Duisburger Sitzes der Bank nicht mehr wegzudenken

ist und dazu führt, dass immer mehr Anfragen schon

deutlich vor dem Welt-AIDS-Tag eingehen. Wir bedanken

uns aufs Herzlichste für so viel Engagement mit wirklicher

„Herzenslust“!

Schon 10 Jahre „Bärenstark“ und „GudsO“ – die Unterstützung

durch die Targobank

38 Öffentlichkeitsarbeit


Unermüdliche Kämpfer*innen im Kampf gegen AIDS sind

schon lange Dr. Günther Bittel, seine Frau Ingrid und ihr

Mitstreiter-Team in Duisburg-Rheinhausen, die im Berichtsjahr

mit Ihrem Benefiz-Konzert „Treatment for all,

part XI“ im Haus der Jugend in Rheinhausen am 28.11.

das 10-jährige Jubiläum feiern konnten. Begleitend zu

den Konzerten gibt es zu Beginn eine Diskussionsrunde

und einen Infotisch von der AIDS-Hilfe. Die Hälfte des

Reinerlöses kommt noch dazu unserer Arbeit zugute.

Ein besonderer Dank gilt den gagenfrei auftretenden

Bands sowie den Mitarbeiter*innen des Jugendzentrums

„Haus der Jugend“ an der Friedrich-Alfred-Str. 14 in Duisburg-Rheinhausen.

Zum anderen möchten wir die Spendenausschüttungen

der Sparkasse am Niederrhein (mit den Zweigstellen

Moers und Rheinberg) erwähnen, die unsere Arbeit sehr

kontinuierlich fördern. Ganz besonders bedanken wir uns

hier bei der Sparkasse Duisburg für ihre Treue hinsichtlich

der Teilfinanzierung unserer aufsuchenden Arbeitsangebote.

Ein besonderes Anliegen ist es uns, den zahlreichen

Schülerinnen und Schülern und engagierten Lehrkräften

zu danken, die uns mit hoher Motivation, Überzeugung

und zum Teil sehr kreativen Aktionsideen vor allem

zum Welt-AIDS-Tag nicht nur bei der Spendensammlung,

sondern auch bei der Thematisierung von HIV und

AIDS in zweifellos wichtigsten Zielgruppen fantastisch

unterstützen. Stellvertretend möchten wir hier die Projektgruppen

am Gymnasium Adolfinum in Moers, dem

Sophie-Scholl-Berufskolleg in Duisburg-Marxloh und die

Projektgruppe am Gymnasium Moers-Rheinkamp erwähnen.

WAT-Aktionstag am Gymnasium Moers-Rheinkamp

Aus Solidarität, Überzeugung oder aus Einsicht in die

Notwendigkeit der Unterstützung unserer Arbeit erfahren

wir Jahr für Jahr viel Wertschätzung, aber eben auch

finanzielle Hilfen von zivilgesellschaftlichen Einzelpersonen,

Gruppen und Institutionen, ohne die vieles nicht

machbar wäre.

DANKE für einen bärenstarken Einsatz für die AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Es ist schön, an dieser Stelle Jahr für Jahr über sehr stabile

Unterstützungsaktivitäten berichten zu können. Da

sind zum einen die Spendensammlungen und thematischen

Veranstaltungen vieler Kirchengemeinden zu

nennen, die zudem in der Regel auf unsere Anfrage hin

für unsere alljährliche Weihnachtsfeier für Menschen mit

HIV und AIDS eingehen – vielen herzlichen Dank dafür!

Ein besonderer Dank gilt für das Berichtsjahr der evangelischen

Kirchengemeinde St. Trinitatis aus Duisburg-Buchholz,

die über zwei Monate Kollekten für uns

gesammelt haben und darüber über 1.000,- Euro zur Unterstützung

unserer Arbeit erzielen konnten!

Der „Soli-Bär“ 2015

39


4.4. Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag 2015

40 Öffentlichkeitsarbeit


„KANNST DU POSITIV ZUSAMMEN LEBEN? Klar!“

Was denkt Deutschland über HIV/AIDS? – war die Ausgangsfrage

zur völlig neu gestalteten bundesweiten

Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2014, die im Jahr 2015

fortgeführt, durch weitere Claims ergänzt wurde und somit

auf eine nachhaltige Wirkung zielt.

„Was macht ihr, wenn euer Stürmer HIV hat? – Hoffentlich

viele Tore!“ Diese und weitere Fragen standen im

Zentrum der Kampagne zum Welt-AIDS-Tag 2015. „Über

die Frage-Antwort-Mechanik regen die Plakatmotive zum

Nachdenken an. (…).

Die Kampagne spricht auf diese Weise unbegründete

Ängste vor einer HIV-Übertragung

an. Ergänzende Informationen helfen, diese

Ängste zu überwinden, und fördern so einen respektvollen

und angemessenen Umgang mit HIV-positiven

Menschen. Die Kernbotschaft der Kampagne lautet: Aufeinander

zugehen, miteinander reden, sich gegenseitig

zuhören und verstehen: So funktioniert POSITIV ZU-

SAMMEN LEBEN!“

(aus: Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministerium

für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung, der Deutschen AIDS-Stiftung und

der Deutschen AIDS-Hilfe zum Start der neuen Kampagne

zum Welt-AIDS-Tag 2015, Berlin, Köln, Bonn,

22.10.2015)

Es ist an der Zeit! Allein – es sind noch nicht alle bereit.

Daran müssen und wollen wir weiter arbeiten. Und dazu

ist der Welt-AIDS-Tag nach wie vor besonders wichtig,

weil wir rund um den 01. Dezember einfach mehr Öffentlichkeit,

mehr mediale Aufmerksamkeit erreichen können

als sonst im Jahr. Die Kampagnenfragen und –botschaften,

die zentrale Bereiche des gesellschaftlichen Lebens

und der damit verbundenen Werteorientierung berühren,

verdeutlichen sehr anschaulich, worum es heute gehen

(darf): um gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen

Leben unter der Bedingung, dass der Status

„HIV-positiv“ bekannt sein darf!

Mit sieben eigenen Veranstaltungen und weiteren mit

und von Kooperationspartnern durchgeführten Aktionen

konnte auch im Berichtsjahr wieder ein umfangreiches

Angebot vorgehalten (s. Flyer und Pressespiegel im Anhang)

und viele Menschen darüber erreicht werden.

Den Auftakt zum WAT-Veranstaltungsprogramm bildete

schon am 04. November eine erfreulich gut angenommene

Doppelveranstaltung.

Die Fotoausstellung „GRAUZONE“ des Dinslakener

Fotografen (und Gründungsmitgliedes der AIDS-Hilfe

Duisburg) Thomas Schönhagen wertete nicht nur unseren

Flur erheblich auf, sondern griff auch ein Thema

fotografi sch auf, das zunehmende Bedeutung auch für

unsere Begleitungs- und Präventionsarbeit mit MSM besitzt,

nämlich „schwules Leben im Alter“.

Einmal mehr konnten wir uns der Ausrichtung und

Intention der WAT-Kampagne voll und ganz anschließen

und die völlig neu gestalteten Medien

auch aktiv im Rahmen unserer Aktivitäten nutzen,

um mit den Menschen in unserer Region ins Gespräch

zu kommen. So führte unsere Praktikantin

Lara Kalina über die Kampagnenfragen und weitere

Ergänzungsfragen über 100 Fragebogen-gestützte

Interviews in unterschi edlichsten Zielgruppen

durch. Obwohl es sich dabei natürlich nicht um

eine repräsentative Studie handelte, bestätigte die

Auswertung doch interessanterweise ganz wesentlich

die Ergebnisse der bundesweiten Umfrage „positive

Stimmen“ und zeigte, dass noch viel Aufklärungsbedarf

besteht und leider eben auch viele –in

der Regel- irrationale Ängste bestehen – bis hin zu

daraus resultierendem Stigmatisierungspotential.

Positiv zusammen leben – ist nicht nur absolut möglich,

sondern sollte allmählich einfach zum Normalfall werden.

Die Ausstellungseröffnung zog 35 Besucher*innen an,

von denen die meisten dann auch zur sich anschließenden

Vortrags- und Diskussionsrunde zu eben diesem

41


Candle-Light-Walk 2015

Themenfeld:

„GRAUZONE, pt. II: Schwules Leben im Alter – Talkrunde

mit Gästen“ blieb.

Unser Herzenslust-Koordinator Frank Funk erwies sich

dabei einmal mehr als hervorragender Moderator, der

unsere Gäste: Georg Roth vom Rubicon in Köln (Fachberatung

gleichgeschlechtlicher Lebensweisen in der

Senior*innenarbeit, vielen besser bekannt als „Sister George“)

und Sigmar Fischer (Bielefeld, Vorstand der neu

gegründeten Bundesinitiative Schwule Senioren, BISS

e.V.) anmoderierte und mit den zahlreichen Teilnehmer*innen

ins Gespräch brachte.

Fachliche Einstimmung gewährte uns das traditionelle

Fachgespräch zur HIV-Therapie am 25. November mit

dem provokanten Titel „Wünsch Dir was … und alles wird

gut!? –Arzt und Patient im Dialog“. Näheres dazu s.o.

(4.2.).

Eine der schönsten und effektivsten Kooperationen in unserem

Netzwerksystem ist sicher das Duisburger „Aktionsbündnis

gegen AIDS“, bestehend aus folgenden Institutionen:

UNICEF Duisburg, Kindernothilfe, AIDS- und

STD-Beratungsstelle des Gesundheitsamtes der Stadt

Duisburg, Infostelle Dritte Welt des ev. Kirchenkreises

Duisburg, dem evangelischen Kirchenkreis Duisburg, die

evangelische Kirchengemeinde Alt-Duissern, die katholische

Gemeinde City Pastoral in der Liebfrauenkirche

und der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel. Nach einer

Verabredung zur „konfessionellen Rotation“, dem jährlichen

Wechsel der Gotteshäuser waren wir mit unserem

„Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag“ im Berichtsjahr am

Freitag, dem 27.11. wieder zu Gast in der katholischen

Liebfrauenkirche im Herzen der Stadt.

Die Mixtur aus christlich, religiösen und politischen Elementen

macht den besonderen Charakter dieser Veranstaltung

aus. Leider konnte es in diesem Jahr nicht

gelingen, einen Chor für den musikalischen Rahmen zu

gewinnen und leider war der Besucherzuspruch diesmal

auch recht gering. Die Veranstaltergemeinschaft ist es

allerdings gewohnt, einen langen Atem zu zeigen und

insofern lassen wir uns davon nicht entmutigen. Auf ein

Neues in 2016!

Unter dem recht geringen Zuspruch zum Abendgebet

litt dann leider auch unser Candle-Light-Walk über den

Weihnachtsmarkt der Duisburger City, den wir erstmalig

vom gewohnten Mittwoch-Abend an den Anschluss des

Abendgebetes gelegt hatten, in der Hoffnung mehr Menschen

zu mobilisieren. Mit dem Candle-Light-Walk wollen

wir zum einen den an den Folgen von HIV und AIDS

Georg Roth, Thomas Schönhagen, Sigmar Fischer

und Dietmar Heyde in der „GRAUZONE“

Georg Roth, Sigmar Fischer und Moderator

Frank Funk – nur zum Teil „GRAUZONEr“

Dr. Friedhelm Kwirant wünscht sic

Gespräche mit seinen

42 Öffentlichkeitsarbeit


im Zeichen der Solidarität beim Abendgebet zum Welt-AIDS-Tag 2015

sich was: gute

Verstorbenen gedenken und daran erinnern, dass wir es

immer noch mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung zu

tun haben und um zum anderen die Bevölkerung auf den

bevorstehenden Welt-AIDS-Tag aufmerksam machen.

Leider wird die Zahl der „Mitläufer“ Jahr für Jahr kleiner

– vielleicht auch ein Ausdruck dafür, dass die früher oft

unmittelbare Verbindung mit dem Sterben heute glücklicherweise

nicht mehr der Realität entspricht. Dennoch

wollen wir die Erinnerung bewahren.

Der Altmarkt in der schönen Moerser Altstadt hat sich

einmal mehr als guter Standort für einen Infostand mit

Roter-Schleifen-Aktion zum WAT am Samstag, den

28.11.15 erwiesen. Die unmittelbare Nähe zum 01. Dezember

ist einfach gut, um die Menschen auf die Kampagne

aufmerksam zu machen, zumal die Medien diesen

Tag zwar immer weniger, aber doch noch intensiver als

sonst im Jahr aufgreifen. Zudem kam uns auch in diesem

Jahr wieder entgegen, dass der Moerser Weihnachtsmarkt

schon geöffnet war und wir somit Publikumsverkehr

bis in die frühen Abendstunden verzeichnen konnte.

Insgesamt aber müssen wir leider eine nachlassende

Resonanz und Offenheit bzgl. der Thematik konstatieren.

Dennoch haben wir durchaus viele gute Gespräche führen

und von vielen Bürgerinnen und Bürgern finanziellen

(Spenden) und ideellen Zuspruch bekommen können –

Ein Teil der gebannten Teilnehmer bei der Talk-

Runde

DANKE Moers!

Am Abend des 28.11.16 ging im Rheinhausener Haus

der Jugend das Benefizkonzert „Treatment for all, pt. XI“

über die Bühne, bei dem wir als Teilnehmer einer kleinen

Podiumsdiskussion und mit einem Infotisch vertreten waren

(s. 4.3.)

Der Aktionstag zum Welt-AIDS-Tag konnte bereits zum

siebten Male in Kooperation und Partnerschaft mit

dem FORUM Duisburg stattfinden. Diese –aus unserer

Sicht- wirklich glorreiche und konstruktive Partnerschaft

mit dem Centermanagement ermöglicht uns schon lange

einen besonders öffentlichkeitswirksamen Auftritt am

01.12. Nicht nur die Chance, viele Menschen erreichen

zu können ist für uns natürlich ganz wichtig, sondern auch

die menpower, das Engagement und die Ressourcen, die

das Centermanagement bereitstellen, macht dies zu einem

echten Gewinn und sicher zu einem best-practice-

Beispiel für „private public partnership“. Dafür gilt unser

großer Dank an die beteiligten Akteurinnen und Akteure

der Einkaufsmall.

Allerdings mussten wir uns 2015 abermals mit einem

„Schmalspur-Auftritt“ begnügen, vor allem wegen der

43


Impressionen vom Infostand auf dem Moerser Altmarkt - … selbst Spendensammeln macht Spaß!

noch nicht gänzlich geklärten Aufl agen durch das neue

Brandschutzkonzept, das zu einer deutlichen Verringerung

der Präsentationsmöglichkeiten führte. Dennoch

waren wir letztlich froh, überhaupt noch einen Fuß „an

der goldenen Leiter“ des Forums zu erhalten und danken

insbesondere dem neuen Manager, Herrn Nidal Sadeq,

für seine Kooperationsbereitschaft.

Erfreulich zu diesem Ereignis war allerdings das TVund

Radio-Medieninteresse. Nicht nur unsere besonders

treuen Begleiter*innen des Duisburger „Studio47“

zogen schöne Bilder und O-Töne, sondern auch ein

WDR-Team der Lokalzeit nutzte die Gelegenheit, Bilder

und Interviews für einen Bericht aufzunehmen, der sich

insbesondere mit den aktuellen Kürzungsplänen durch

die sog. „Jamaika-Koalition“ im Kreis Wesel und deren

potentiellen Folgen für die HIV-Prävention in der Region

beschäftigte.

Diese Problematik wurde vom WDR dann auch weiter

verfolgt und so gab es auch einen Bericht über die vorläufi

g entscheidende Kreistagssitzung vom 10.12.15, bei

der wir natürlich auch mit einer kleinen Protestmannschaft

und –note vertreten waren.

Ende Dezember öffnete das Duisburger Szenelokal

„Harlekin“ seine „Manege“ für unser Herzenslust-Team,

das eine Travestieveranstaltung mit einem „Präventainment-Angebot“

bereichern konnte.

Seit einigen Jahren fi ndet auch im Arbeitsbereich „Sexarbeit“

die gute Kooperation mit dem Gesundheitsamt Duisburg

–seit diesem Jahr mit der neu geschaffenen Beratungsstelle

„Lily“- eine Jahresabschlussaktion in dem

großen Duisburger Bordellbereich statt, bei der nicht nur

die Sexarbeiter*innen kleine, nützliche „Geschenke“ und

Beratungen bekommen, sondern natürlich auch Freier

mit Erkenntnisgewinnen bereichert werden können (s.

5.4.).

Und ab Mitte Dezember 2015 begannen die Auswertungen

des diesjährigen WAT-Geschehens und damit auch

die Vorbereitungen für das nächste Jahr.

Allen, die uns zum Welt-AIDS-Tag 2015 durch viel Engagement

und Kreativität unterstützt haben, gilt an dieser

Stelle noch einmal unser ganz herzlicher Dank !!! –

Spenden sammeln, gute Gespräche, Mitmachaktionen und einiges mehr – WAT 2015 im FORUM Duisburg

44 Öffentlichkeitsarbeit


Dank ans Ehrenamt und unsere Förderer – unser Dezember „Sonder-Aktiven-Treffen“

Ein Engel hat Euch / Sie geschickt.

4.5. Berichterstattung in den Medien

Für das Berichtsjahr 2015 haben wir, was das von Seiten

der Print-, Funk- und TV-Medien betrifft, wenig Grund zur

Klage. Wir konnten sogar wieder Redakteur*innen der

Printmedien begrüßen, was uns sehr freute und in den

letzten Jahren eher selten geworden war.

Und: … nach dem Welt-AIDS-Tag ist vor dem Welt-

AIDS-Tag! Interessierte, die 2016 dabei sein wollen,

können sich jederzeit gerne bei uns melden.

Wir brauchen sie, denn nur gemeinsam bewirken wir

mehr, um das Thema im Bewusstsein der Bevölkerung

zu halten und so dem Ziel der Minimierung von Neuinfektionen

sowie der Verbesserung der Akzeptanz und Toleranz

gegenüber HIV-Positiven näher zu kommen.

Mit dem Interesse von Seiten des Lokalfunks und dem

Lokalfernsehen sind wir einmal mehr sehr zufrieden.

Insbesondere das schon mehrmals zitierte Stadtfernsehen

„Studio 47“ ist ein ungemein treues Begleiter- und

Unterstützermedium, das uns im Berichtsjahr wieder einmal

mehrmals in den Nachrichtenfokus gerückt hat – dafür

herzlichen Dank! Dank gilt genauso den Lokalradios

von Radio DU und Radio KW und für das Berichtsjahr

auch der WDR-Lokalzeit Duisburg.

45


Um das vergleichsweise niedrige Niveau der Neuinfektionen

im Berichtsjahr weiterhin halten zu können und die

neu ausgerichteten Kampagnenziele der weiteren Akzeptanz

und Toleranz gegenüber Menschen mit HIV und

AIDS umsetzen zu können, müssen aus unserer Sicht

aber auch weitere Kommunikationsoffensiven folgen, um

die Präventionserfolge der vergangenen Jahre nicht wieder

zu gefährden. Aufklärung, sachliche Information und

Erinnerung müssen wahrnehmbar bleiben.

4.6. Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Hier sind für den Stelleninhaber zu nennen:

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. in verschiedenen Gremien und Arbeitskreisen in Duisburg,

dem Kreis Wesel und auf Landesebene

• Vorbereitung, Organisation, und Durchführung von Informationsständen, Aktionsformen sowie Seminar- und

Vortragsangeboten,50

• Organisatorische Begleitung und Pressearbeit für Benefi z- und Kooperationsveranstaltungen,

• Akquise von fi nanziellen Mitteln und personellen Ressourcen (Ehrenamtleranwerbung),

• Kontaktpfl ege zu Förderern, Kooperations- und Netzwerkpartnern,

• Telefonische und persönliche Beratung,

• Geschäftsführung,

• U.a.m.

46 Öffentlichkeitsarbeit


Abbildung :

Präventionsveranstaltungen in der Allgemeinbevölkerung

im Jahre 2015 – Veranstaltungen insgesamt

47


5. Zielgruppenspezifische Prävention

5.1. HIV/AIDS-Prävention bei Schwulen, Männern die

Sex mit Männern haben sowie bisexuellen Männern

landesweiten Strukturen ermöglichten Ressourcen

schonende Synergien bei Kampagnen und

Großveranstaltungen und stellen wesentliche Aspekte

im Bereich der Qualitätssicherung.

„Manege frei!“ für das Herzenslust-Team der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V.

Vorbemerkung:

Bedingt durch das Ausscheiden des Projektnehmers zur

„Strukturellen HIV-Prävention bei MSM“ bei der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. zum

30.11.2015, muss der Projektbericht

durch den Geschäftsführer, Dietmar Heyde,

erstellt werden und insofern kann der

Bericht nur begrenzt detailliert erfolgen.

Erfreulicherweise konnte schon für den

01.01.2016 ein Nachfolger gewonnen

werden, so dass eine nahezu bruchlose

Fortführung des Projektes im Jahre 2016

gewährleistet ist. Zudem hat es sich sehr

bewährt, dass die AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel e.V. im spezifi schen

Herzenslust-Arbeitsfeld seit Jahren einen

HL-Gruppenleiter im Rahmen einer

geringfügigen Beschäftigung vorhält, wodurch

der Ausfall des HL-Projektnehmers im

Dezember weitestgehend aufgefangen werden

konnte. U.a. weil der Projektnehmer für diesen

Zeitraum gut vorgearbeitet und geplant hatte.

Das Projekt „strukturelle Prävention für

homosexuelle und bisexuelle Männer sowie

MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) im

Kontext von HIV / STI“ unter dem Namen

„Herzenslust Duisburg“ sowie „Herzenslust

WIRklich“ und „Herzenslust Beratung und Test“

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. ist im

Jahr 2015 durch zielgruppenspezifi sche Mittel des

Landes NRW gefördert worden.

Die Ausrichtung des Projektes ist lokal und hat

einen primärpräventiven Schwerpunkt, wirkt aber

auch im sekundärpräventiven Bereich, stets

methodisch und niedrigschwellig, sowie für den

Nutzer kostenlos. Besonders intensiv wurde die

Einbettung des Projektes in lokale Strukturen der auf

die zu erreichende Zielgruppe ausgelegten Infrastruktur

betrieben.

Das Projekt ist regional und überregional

eingebunden und vernetzt. Die Kooperationen mit

weiteren lokalen Projekten, sowie den

48 Zielgruppenspezifische Prävention


5.1.1. Vernetzung und Kooperationen

Herzenslust wird lokal angeboten. Die Aidshilfe

NRW e.V. dient als Koordinierungsstelle aller

lokalen Herzenslustprojekte und organisiert die

Landesarbeitsgemeinschaft, über die Austausch,

Abstimmung und Qualitätssicherung gewährleistet

werden. Der Projektnehmer nahm an allen Terminen der

LAG teil und brachte Anregungen ein, ebenso nahm er

solche auf.

Im Rahmen der Qualitätssicherung fanden erneut

verschiedene Veranstaltungen auf Landes- und in

diesem Jahr auch auf Bundesebene (Fachtagung zur

Weiterentwicklung der schwulen Prävention und der

(Neu-) Ausrichtung der IWWIT-Kampagne im Oktober in

München) statt, an denen der Projektnehmer genauso

aktiv teilnahm wie an der Herzenslust- Ausstellung

im Rahmen des Deutsch-österreichischen AIDS-

Kongress im Juni in Düsseldorf. So werden neueste

Erkenntnisse aus dem medizinischen Bereich,

soziokulturellen Entwicklungen (z.B. sich

verändernde Mediennutzung) vermittelt und

Modifi zierungs-, bzw. Anpassungsstrategien für die

Prävention entwickelt.

Weitere Teilnahmen an landesweiten Strukturen

erfolgten in dem Bereich „health support“ auf dem

online Portal PlanetRomeo.

Regional nahm der Projektnehmer insbesondere

an den Treffen der an

„Herzenslust WIRklich“ teilnehmenden

Projekte Bonn und Bochum teil. Die

Abstimmung mit den umgebenden Herzenslustprojekten

wurde, fokussiert auf gemeinsame

Aktionen, fortgesetzt.

Lokal schritt die angestrebte Vernetzung mit

weiteren Akteuren schwuler Lebenswelten voran.

Der Projektnehmer ist aktives Mitglied des Vereins

Du-Gay e.V., welcher den Duisburger CSD

organisiert. Der Projektnehmer nahm an allen durch

die kommunale Politik veranstalteten Treffen der schwullesbisch-bi-trans

Akteure teil und pfl egt regelmäßigen

Austausch mit dem zuständigen Mitarbeiter des auf

städtischer Ebene angesiedelten Referates. Durch

Herzenslust WIRklich wurden die Beziehungen zu den

übrigen Szeneakteuren sehr gestärkt, insbesondere

zu den jeweils in den Fokus einer Veranstaltung

gesetzten Partnerinstitutionen und des entsprechenden

thematischen Schwerpunktes.

Mit den Vertreter_innen des öffentlichen

Gesundheitsdienstes wurde ein intensiver Austausch

gepfl egt und Kooperationen (Beratung und

Test) geplant und angeboten, allerdings konnten die

gemeinsamen Beratungs- und Testangebote leider

nicht kontinuierlich vorgehalten werden, was im

49


Wesentlichen an den deutlich schrumpfenden Ressourcen

in den regionalen ÖGD-Strukturen liegt. Im Sommer

des Berichtsjahres wurde diese Situation intensiv mit

den Leitungsstrukturen (Gesundheitsamtsleitungen und

Dezernenten) thematisiert, allerdings zunächst ohne

unmittelbare Erfolge. Die Problematik ist allerdings

erkannt und in Bearbeitung (Anträge gestellt).

5.1.2. Herzenslust Gruppe

Die Herzenslust Gruppe trifft sich regelmäßig und ist

somit selbst Teil der schwulen Szene und Ort schwuler

Begegnung. Die ehrenamtlich Mitwirkenden und die bei

Bedarf durch den Projektnehmer angeleitete Teilzeitkraft

wirken durch das regelmäßige, öffentliche und kostenlose

Angebot strukturell präventiv. Durch Aktionen in der

schwulen Lebenswelt Duisburgs und des Kreises Wesel,

z.B. Szenerundgänge und Besuch von Partys, werden

primärpräventive Botschaften vermittelt. Kontakte

entstehen, die sowohl primär- als sekundärpräventive

Wirkung haben. Die Gruppe ist Kern der kreativen Arbeit

und plant eigenständig mit der Teilzeitkraft, ggf. unter

Anleitung und Mitwirkung des Projektnehmers Aktionen,

bspw. zum CSD. Der Projektnehmer gibt Informationen,

besonders zu Fortbildungsmöglichkeiten und Schulungen

anderer Ebenen an die Gruppe weiter. 2015 konnten

die Gruppentermine im Berichtsjahr ausgebaut, die

Teilnehmerzahl erhöht, mehr Männer für das aktive

Mitwirken an der Gruppe gewonnen und die Anzahl von

Aktionen gesteigert werden.

Beratungsangebot auf und bewarb die Testmöglichkeiten

beim ÖGD in Moers, Wesel und Duisburg. Dieses

aufsuchende, niedrigschwellige, kostenlose und anonyme

Angebot hat sich bewährt, erreicht es doch Männer, die

selten auf Eigeninitiative die Testangebote aufsuchen und

wahrnehmen würden. Das im November 2014 gestartete,

abendliche Beratungs- und Testangebot in Kooperation

mit dem GA Duisburg in der AIDS-Hilfe, wurde bis März

2015 –mit guter Frequentierung- fortgeführt, danach aber

wegen der fehlenden Ressourcen beim GA leider wieder

eingestellt. Im kommenden Jahr soll nach Möglichkeiten

einer Wiederaufnahme dieses niedrigschwelligen

Testangebotes gesucht werden, zumal in Duisburg kein

Abendangebot beim ÖGD vorgehalten wird.

5.1.4. Herzenslust WIRklich

Die in 2014 angefangene Umsetzung der Idee des

Community Building wurde mit Erfolg in 2015 fortgeführt,

in enger Zusammenarbeit mit jeweils einem weiteren

Akteur der schwulen Szene Duisburgs wurden

Diskussionsabende und Aktionen angeboten. Diese Form

eines methodisch-inhaltlich auf einen Kooperationspartner

und ein Schwerpunktthema, z. B. schwules Altern oder

(Party-) Drogenkonsum im Zusammenhang mit schwulem

Sex, ausgelegten, zeitlich klar defi nierten Rahmens hat

sich sehr bewährt. Es konnten zahlreiche Menschen

erreicht, die Bekanntheit der Angebote erhöht und deren

Nutzen verdeutlicht werden. Neben diesen Effekten

erbrachten die Veranstaltungen zum Teil deutliche

Anregungen für die weitere Arbeit der Akteure und des

Projektnehmers und es konnten engagierte Menschen

zur Mitwirkung bewegt werden. Diese der strukturellen

Prävention zuzuordnenden Veranstaltungen zogen in

ihrer Wirkung zahlreiche Gelegenheiten zu primär- und

sekundärpräventiven Kontakten nach.

5.1.5. Konkrete Beispiele

5.1.3. Herzenslust Beratung und Test

Das Beratung und Test-Angebot, die Rastplatz

Sommeraktion auf Autobahnrastplätzen im Kreis Wesel in

Kooperation mit dem Gesundheitsamt des Kreises Wesel

wurde aufgrund deutlich nachlassender Frequentierung

im Berichtsjahr eingestellt. Allerdings suchte das HL-

Team weiterhin regelmäßig die Rastplätze mit einem

CSD Aktion „Manege frei – für Vielfalt“

Die Herzenslustgruppe wirkte beim Auftritt des

Landesverbandes beim Kölner CSD sowie beim Essener

50 Zielgruppenspezifische Prävention


CSD mit. Als Akrobaten oder andere Zirkuskünstler,

traten wieder einmal über hundert ehrenamtlich

Engagierte gemeinsam auf, brachten die Vielfalt aus

der Manege ins echte Leben und erreichten eine sehr

große Zahl von Menschen. Die spielerisch gestalteten

Präventionsbotschaften wurden in zahlreichen

Kontakten vermittelt und konnten dank der zur Verfügung

gestellten, entsprechend dem Motto gestalteten

Informationsbroschüre auch nachhaltig vermittelt werden.

Diese Aktion sollte

natürlich auch auf

dem CSD Duisburg

am 25.07.15

fortgeführt werden,

welcher allerdings

wegen einer

Unwetterwarnung

leider abgesagt

werden musste.

Allerdings gab es im

Berichtsjahr unter

aktiver Beteiligung

des HL-Teams ein

Rahmenprogramm

zum CSD über

eine Woche

mit kleineren

Veranstaltungen, wie dem CSD-Angrillen bei der AIDS-

Hilfe, die insgesamt recht gut frequentiert wurden und

Zugang zu neuen ehrenamtlich Interessierten schaffen

konnten. Zum CSD konnte allerdings immerhin noch

spontan ein Duisburger Hotel gewonnen werden, um

zumindest die Akzeptanzpreisverleihung an Thomas

Hitzelsberger unter Beteiligung des Oberbürgermeisters

und anderen Honoratioren umgesetzt werden, was

noch dazu ein erfreuliches Medienecho und somit

ein unerwartet hohes Maß an Aufmerksamkeit in der

öffentlichen Wahrnehmung erfuhr.

Zudem konnte erstmals in der Geschichte des CSD

Duisburgs erreicht werden, dass die Regenbogenflagge

am Duisburger Rathaus wehen durfte. Ein Meilenstein

und Hinweis auf die deutlich verbesserte Lobbyarbeit für

Belange schwuler Lebenswelten.

WIRklich… im Rahmen von queer-life Duisburg

Eine gute Präsentationsplattform für die Herzenslust-

Kampagne und deren Botschaften ist alljährlich die

„queer-life-Reihe“ (vormals: „Ein Blick zu anderen Ufern“)

der Initiative „HoKuDu“ (Homosexuelle Kultur Duisburg,

s. www.qld.hokudu.de ) , die in diesem Jahr zwischen

dem 28.10.15 und dem 29.11.15 in Duisburg und Moers

eine ganze Reihe von Veranstaltungen anbot, von denen

einige für einen Herzenslust-Auftritt genutzt werden

konnten.

„Angrillen“ zum CSD 2015 bei der AIDS-Hilfe

Herzenslust zum WAT 2015

Mit der Fotoausstellung „GRAUZONE“ des Fotografen

Thomas Schönhagen und der sich anschließenden

Talkrunde zum Thema „Schwules Leben im Alter“ mit

Georg Roth und Sigmar Fischer (vom BISS e.V.) konnten

am 04.11.2015 in der AIDS-Hilfe über 30 Besucher und

aktive Teilnehmer erreicht werden. Im Rahmen der WAT-

Großveranstaltungen war natürlich auch das HL-Team

aktiv beteiligt und konnte sich und „seine“ Botschaften

präsentieren.

51


Moderator und HL-Koordinator Frank Funk (re.) beim „GRAUZONE – Talk mit den Gästen Georg Roth (li.) und Sigmar Fischer

am 04.11.2015 und dem interessierten Auditorium.

Und auch im Dezember konnte die HL-Aktion „Manege

frei!“ noch wie geplant in einem Duisburger Szenelokal

im Rahmen einer Travestie-Show umgesetzt werden.

Darüber hinaus gab es auf dem Duisburger

Weihnachtsmarkt mit dem „Pink Wednesday“ am

15.12.15 eine Premiere, bei der das HL-Team sehr aktiv

eingespannt war und eine sehr erfreuliche Resonanz

erzielen konnte.

5.1.6. Projektkritik

Die Projektziele wurden im hohen Maße erreicht und

auf qualitativ hohem Niveau umgesetzt. Ressourcen

wurden schonend und unter Nutzung bestmöglicher

Synergieeffekte aus Arbeitsteilung eingesetzt. Die

Zusammenarbeit zwischen Projektnehmer und dem HL-

Gruppenleiter (Teilzeitkraft) konnte weiter verbessert

werden und erwies sich insbesondere im letzten

Quartal –vor allem im Dezember- als Glücksfall, da trotz

erhöhter Veranstaltungsintensität (s.o.) die gemeinsam

vorgenommenen Planungen vollständig umgesetzt

werden konnten. Daran gilt es mit neuer Konstellation in

2016 anzuknüpfen. Die Nutzung sozialer Netzwerke und

mobiler Medien konnte ausgebaut und noch aktueller

gepfl egt werden und erwies sich insbesondere zur

Veranstaltungsbewerbung als sehr gewinnbringend. Die

Kooperation auf regionaler und landesweiter Ebene ist

in der Umsetzung effizient. Die Kooperation auf lokaler

Ebene ist in Bezug auf die queere Infrastruktur erheblich

verbessert und auch personell gewachsen, aber auch mit

Ressourceninvestition verbunden.

Die Zusammenarbeit mit den ÖGD-Strukturen (bezüglich

Beratungs- und Testangebot) leidet immer mehr an

schrumpfenden Ressourcen auf dieser Seite. Eine

Erhaltung der fachlich geforderten Standards geschweige

denn eine Weiterentwicklung der strukturellen HIV-

Prävention ist in unserer Region akut gefährdet. Die

guten Initiativen von Seiten der Landesregierung

(Konzept zur Weiterentwicklung der HIV/AIDS- und

STI-Prävention in NRW oder der im Berichtsjahr

neu ratifi zierten Rahmenvereinbarung unter den

Bedingungen der Kommunalisierung, HIV/AIDS in der

Arbeitswelt, …) greifen nicht im gewünschten Maße. Die

Kommunalisierung erweist sich in unserer Region immer

mehr als kontraproduktiv, wir werden viel investieren

müssen, um eine halbwegs bedarfsgerechte Steuerung

und eine adäquate Ressourcenausstattung zu erhalten

bzw. zu erreichen. Umso mehr ist die erfreulich stabile

Förderung der „Strukturellen HIV/AIDS-Prävention

bei MSM“ über zielgruppenspezifi sche Landesmittel

für unser großes Zuständigkeitsgebiet (mit einer nach

EMIS-Studie vergleichsweise hohen Populationsdichte

an MSM) unerlässlich und unverzichtbar.

52 Zielgruppenspezifische Prävention


Uwe Altenschmidt und Teile des Teams im Zeichen der Solidarität beim „Pink Wednesday“

53


5.2 Drogen und Substitution

Im Arbeitsbereich Drogen haben wir im Jahr 2015 unsere

Angebote trotz Personalwechsel im Sommer bruchlos

fortführen können. Ein besonderer Dank gilt dem langjährigen

großen Engagement des Kollegen Ralf Runninger,

den es ab Juni ins „Bonner Loch“ zog. Es fand eine enge

Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe JES (Junkies,

Ehemalige, Substituierte) Duisburg statt. Wir boten weiterhin

für ihre Gruppentreffen unsere Räumlichkeiten an

und begleiteten und unterstützten sie, soweit es unsere

Ressourcen zuließen. Wie in den Vorjahren haben wir mit

JES Duisburg gemeinsam den nationalen Gedenktag am

21.7.2015 für verstorbene Drogengebraucher*innen erfolgreich

geplant, vorbereitet und durchgeführt.

JES Duisburg führte weiterhin anlaog zur AIDS-Hilfe das

Streetwork zweimal pro Woche durch. Care-Packs, die

vom Land NRW fi nanziert wurden sowie Spritzen und

Kondome, die die AIDS-Hilfe Duisburg aus Eigenmitteln

fi nanzierte, sind verteilt worden.

Zusammen mit JES Duisburg nahm die hauptamtliche

Mitarbeiterin für den Drogenbereich am JES NRW-Treffen

teil. Anschließend fand die Mitgliederversammlung in

unseren Räumlichkeiten statt. Hierdurch wurde der partizipative

Ansatz der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel im

Bereich Drogen umgesetzt, da wir im direkten Austausch

mit der Zielgruppe waren.

Im September fand der Fachtag „Herauswachsen aus

dem Krieg gegen die Drogen“ in Köln statt. Schwerpunkte

des Fachtages waren ein Vortrag von Prof. Dr. Heino

Stöver über die Freigabe von illegalen Drogen, ein Beitrag

von Hubert Wimler zur polizeilichen Sicht zur Legalisierung

, Ein Vortrag zum Thema Cannabis als Medizin

und die Sicht von Betroffenen auf das BtmG und eine

Übersicht über die aktuellen Entwicklungen in der Substitutionsbehandlung

und Diamorphinvergabe von Claudia

Schieren und Dirk Schäffer. Der Fachtag war gut besucht

und es gab rege Diskussionen und einen lebhaften Austausch

unter den Teilnehmenden. Im Anschluss fand eine

Mitgliederversammlung von JES statt.

Weiterhin fand Mitte September ein Empfang in Köln zum

25jährigen Jubiläum statt den der JES Bundesverband,

Akzept und Vision gemeinsam feierten.

Politisch sind im Drogenbereich weiterhin dicke Bretter

zu bohren. Es gibt zwar sowohl auf Bundes- als auch auf

Landesebene die Erkenntnis, dass die Substitutionsbehandlung

fortentwickelt werden muss, hier ist zum Beispiel

in NRW eine AG zur Weiterentwicklung der Substitution

eingerichtet, die allerdings noch nicht zu einem

abschließenden Ergebnis gekommen ist. Genauso geht

es mit der Legalisierung von Cannabis bei uns nicht wirklich

voran. Diamorphin wird trotz Anerkennung als Arzneimittel

nur in wenigen Städten eingesetzt und nur sehr

wenige Menschen profi tieren hiervon. Letztendlich geht

es um die Abschaffung des BtmG, welches die größten

Probleme in dem Lebensbereich drogengebrauchender

Menschen verursacht.

Weiterhin wurde die Substitution an Wochenenden und

Feiertagen in der AIDS-Hilfe durchgeführt. Bewährt hat

sich hier das Frühstück am letzten Sonntag im Monat,

welches rein ehrenamtlich angeboten wird.

Ebenso wird das monatliche JES Frühstück, das auch

von den hauptamtlichen Mitarbeitern mit organisiert und

durchgeführt wird, gut angenommen.

Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Nutzern des

Kantparks (Szenetreffpunkt), konnte seit Mitte des Jahres

intensiviert werden. Dies bezieht sich vor allem auf

das Lehmbruckmuseum, das an dem „Aufeinanderzugehen“

der Akteur*innen des Sozialraumes maßgeblich

mitarbeitet.

5.2.1 Primär- und Sekundärprävention

5.2.1.1 Spritzenaustauschprogramm

Die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. nimmt weiterhin

mit den von ihr betreuten Spritzenautomaten am Projekt

der AIDS-Hilfe NRW e.V. teil. Die Standorte befi nden

sich in Wesel neben der Dogenberatung und in Duisburg

befi ndet sich der Spritzenautomat an der AIDS-Hilfe

direkt vor dem Eingangsbereich. Der Spritzenautomat in

Duisburg wird gut angenommen und muss wöchentlich

aufgefüllt werden. Der Spritzenautomat in Wesel wird im

zweiwöchigem Rhythmus neu bestückt.

Spritzenautomat Bismarckstr. 67

von innen mit Entsorgungsbox

5.2.1.2 Suchtprävention bei Partydrogen

@drugthive

54 Zielgruppenspezifische Prävention


Aufgrund mangelnder Ressourcen und fehlender ehrenamtlicher

Mitarbeitenden konnten im Berichtsjahr in diesem

Arbeitsbereich keine Projekte umgesetzt werden.

5.2.2 Substitution

5.2.2.1 Entwicklung der Wochenendvergabe

Auch im Jahre 2015 haben wir über das komplette Jahr

an allen Wochenenden und Feiertagen also insgesamt

114 Tagen die Vergabe von Methadon in der AIDS-Hilfe

in Duisburg durchgeführt. Die Anzahl der Substituierten

lag im Durchschnitt bei 80 Personen. Die Vergabezeit

beträgt 1,5 Stunden. Seit 2014 haben wir unsere Ressourcen

von ehrenamtlichen Kräften auf Honorarkräfte

umstellen müssen, da wir für dieses Angebot leider nicht

mehr genügend ehrenamtliche Kräfte akquirieren konnten.

Zur Vergabe entsenden insgesamt sechs Ärzte ihre

Patient*innen, die Vergabe in der AIDS-Hilfe führen vier

Ärzte durch. Anfang des Jahres schied ein Substitutionsarzt

aus persönlichen Gründen aus, dafür hat ein neuer

Arzt bereits im Herbst 2015 erste Klient*innen geschickt

und wird voraussichtlich im Januar 2016 seinen ersten

Dienst antreten.

Die Zusammenarbeit zwischen den Ärzten, unseren

Honorarkräften und den Apotheken verlief weiterhin reibungslos.

An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank

an die Mitarbeiter*innen für ihr Engagement und ihre

Mithilfe.

Weiterhin wird bei fast jeder Vergabe den Substituierten

Kaffee angeboten mit Ausnahme von den Tagen, an denen

unser Gruppenraum durch andere Veranstaltungen

belegt war. Am letzten Sonntag im Monat gibt es ein ehrenamtlich

organisiertes Frühstück. Bei der Vergabe und

dem Frühstück bietet sich die Gelegenheit, sich über

Sorgen und Nöte auszutauschen.

5.2.2.2 Psychosoziale Begleitung Substituierter

(PSB)

Die psychosoziale Begleitung von HIV-Positiven / an

AIDS erkrankten Substituierten ist ein weiterer Bestandteil

der Drogenarbeit innerhalb der Aidshilfe.

Im Vordergrund der PSB steht die Stabilisierung der Klient*innen,

die in ihrer Lebenssituation gestärkt und unterstützt

werden. Die Zielsetzung der PSB erfolgt dabei

im Wesentlichen nach den Bedürfnissen der Klient*innen.

Das bedeutet in erster Linie, dass das subjektive

Wohlbefinden der jeweiligen Person und die Lebensverhältnisse

verbessert werden sollen. Entsprechend dieser

Zielsetzung steht bei einigen Substituierten die Verbesserung

des Gesundheitsstatus im Mittelpunkt, während

bei anderen die Sicherung der materiellen Grundversorgung

oder der Aufbau sozialer Netze im Vordergrund stehen

kann.

Dies kann in medizinischer Hinsicht bedeuten, dass wir

in eine Substitution vermitteln. Da es sich hier nur um

wenige Einzelfälle handelt und wir gute Kontakte zu den

substituierenden Ärzten pflegen, gelingt dies in der Regel

problemlos. Des Weiteren stellen wir den Kontakt

zu dem HIV-Schwerpunkt-Arzt oder den Ambulanzen her

und unterstützen die Drogengebraucher*innen, die zum

Teil starke Berührungsängste mit Ärzten dieser Fachrichtung

haben, sich in eine adäquate Behandlung zu begeben.

Teilweise ist es jedoch schwierig, neue Klient*innen

in ein relativ schematisches Korsett zu bringen, welches

für eine HIV Behandlung notwendig ist (regelmäßige

Überwachung der HIV/AIDS-Parameter, regelmäßige Tabletteneinnahme,

Compliance).

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Hepatitis-C-Beratung,

da in den meisten Fällen bisher die Hepatitis-Behandlung

bei Drogengebraucher*innen nicht durchgeführt

wurde und die Behandlung auch bei den Betroffenen

große Ängste auslöst. Im Krankheitsbild Hepatitis C gilt

es für die Mitarbeiter*innen, sich auf dem aktuellen Wissensstand

zu halten, da es in diesem Bereich viele Veränderungen

gegeben hat und diese von den Drogengebraucher*innen

auch erfragt werden.

Am 30.5.2015 wurde, im Anschluss an die Wochenendvergabe,

ein Vortrag von Prof.-Dr. Schlaak vom evangelischen

Klinikum Duisbnurg-Fahrn zu den neuen HVC-Therapien

für die Zielgruppe der Substituierten durchgeführt.

Dies geschah mit freundlicher Unterstützung der Firma

Jansen-Cilag.

Im Rahmen der PSB ist es für uns wichtig, die Ressourcen

der Begleiteten zu stärken. Durch die eigene Bewältigung

von Problemen und Aufgaben erfahren sie eine

Stärkung ihres Selbstwertgefühles.

Im Jahr 2015 ging es in der PSB vor allem um Hilfestellungen

im alltäglichen Bereich und der Vermittlung in Beratungsstellen

zu Wohnungslosigkeit und Unterstützung

bei Ämtergängen und Postverkehr.

5.2.3 Niedrigschwellige Arbeit mit illegalisierten Drogengebraucher*innen

In 2015 führten wir das Streetwork auf der „Platte“ mit

Ausnahme von Urlaub und Krankheit wöchentlich durch,

wobei es sich hierbei um das einzige derartig niederschwellige

Angebot in Duisburg handelt. Der größte Teil

der drogengebrauchenden Menschen trifft sich im Kantpark.

Ab 2016 soll das Streetworkangebot der hauptamtlichen

sowie der ehrenamtlichen Mitarbeiter erweitert

55


werden und auf den Stadtteil Homberg ausgedehnt werden,

wo sich ebenfalls eine kleine Szene gebildet hat.

Die Vorbereitungen konnten im Berichtsjahr erfolgreich

abgeschlossen werden.

Beim Streetwork werden Spritzen, Kondome und Care

Sets verteilt. In diesem Jahr konnten auch sogenannte

Smoke-It-Sets beim Streetwork ausgegeben werden.

Diese enthalten 2 Folien, 1 Alkoholtupfer, 1 Feuerzeug,

1 Strohhalm, 1 Bonbon und einen Infofl yer. Die Smoke-

It-Sets ermöglichen das Folie-Rauchen und stellen eine

alternative Konsumform zum Spritzen dar. Die 700 Sets,

die uns zur Verfügung standen, waren in kurzer Zeit aufgebraucht.

Beim Streetwork wurden auch Fragen zu HIV/

AIDS und Hepatitiden beantwortet. Zum Thema Hepatitis

C werden fast wöchentlich Fragen gestellt, denn auch in

der Szene hat sich herumgesprochen, dass es in eine interferonfreie

Behandlung gibt. JES Duisburg hat an zwei

weiteren Tagen Streetwork durchgeführt.

Ein Teil des Streetworks beinhaltet sekundärpräventive

Arbeit, da auf der Platte auch einige HIV-Positive Drogengebraucher*Innen

bzw. Subsituierte erreicht werden,

die ansonsten die AIDS-Hilfe selten aufsuchen.

Da es einen Einbruch bei den Zuwendungen für das

Streetwork gegeben hat, fand am 28.10.2015 ein Pressegespräch

in den Räumlichkeiten der Aids-Hilfe Duisburg/

Kreis Wesel statt. Dabei wurde die Sparkassenförderung

auf den alten Standard zurückgesetzt. Dazu gab es einen

Bericht in der WDR Lokalzeit, ein Interview von Studio 47

und einen Artikel in den Printmedien.

Das Frühstück für Drogengebraucher*innen, Ehemalige,

Substituierte und Freund*innen fand in der Aidshilfe

im Berichtsjahr 2015 regelmäßig einmal pro Monat am

dritten Freitag im Monat statt. Das Frühstück wird überwiegend

von zwei ehrenamtlichen Mitarbeitern vorbereitet

und mit Lebensmittelspenden vom Verein „Bürger für

Bürger“ unterstützt. Hierfür sagen wir recht herzlichen

Dank. Das Frühstücksangebot wurde unterschiedlich frequentiert,

aber prinzipiell gut angenommen.

Die JES-Gruppe traf sich regelmäßig im Jahr 2015 Duisburg.

Zum Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

wurde eine erfolgreiche gemeinsame Aktion

mit der Aidshilfe durchgeführt (siehe unten). JES Duisburg

stand in Verbindung mit der Selbsthilfe-Kontaktstelle.

5.2.4 „Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*Innen“

am 21. Juli

Anlässlich des Nationalen Gedenktages ziehen die Aidshilfe

Duisburg/Kreis Wesel e. V. und JES Duisburg Bilanz

zu den Angeboten im Drogenbereich in Duisburg und zur

Drogenpolitik im Allgemeinen.

In Duisburg sind im vergangenen Jahr sechs Menschen,

die illegale Drogen konsumieren, verstorben. Dies ist ein

Mensch mehr als im Vorjahr. Die Dunkelziffer ist jedoch

leider viel höher. Das ist vor allem der gesellschaftlichen

und gesetzlichen Umstände geschuldet.

Es gibt in Duisburg keinen Drogenkonsumraum. In einem

solchem Raum wäre geschützt unter sicheren Bedingungen

der Konsum möglich. Medizinisch ausgebildetes

Personal kann bei lebensgefährlichen Überdosierungen

Akuthilfe leisten, sterile Spritzen werden zur Verfügung

gestellt und im Verhältnis 1 zu 1 getauscht, es besteht die

Möglichkeit in Therapien oder Entgiftungen zu vermitteln.

Auch die nicht Drogen konsumierende Bevölkerung wird

durch Drogenkonsumräume deutlich entlastet, da durch

56 Zielgruppenspezifische Prävention


diese der Konsum illegaler, harter Drogen in der Öffentlichkeit,

etwa in Parkanlagen wie dem Kantpark, auf offener

Straße sowie in Verkehrsstationen rückläufig ist. Dies

führt wiederum auch dazu, dass dort deutlich weniger

benutztes Spritzbesteck, aufgeschnittene Blechdosen

und weitere Mittel vorzufinden sind, welche zum Konsum

der Drogen außerhalb von Drogenkonsumräumen trotz

damit verbundener gesundheitlicher Risiken oft verwendet

werden. Somit wird auch die damit verbundene Verletzungsgefahr

deutlich verringert. Drogenkonsumräume

gibt es in zehn Städten in NRW u. a. Dortmund, Bochum,

Essen, Wuppertal und sogar in Troisdorf.

Die Substitution mit Methadon oder anderen Substitutionsmitteln

kann helfen, die Drogengebraucher*innen

gesundheitlich und sozial zu stabilisieren, den Drogenkonsum

zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben. In

Duisburg wird die Substitution durch engagierte niedergelassene

Ärzte gewährleistet und hier ist auch mit der

Wochenendvergabe die Aidshilfe ein Partner im System.

Für die Zukunft gilt es jedoch, neue substituierende

Ärzt*innen zu finden, da die bisherigen in absehbarer Zeit

aus Altersgründen ihre Tätigkeit aufgeben werden. Eine

zentrale Forderung von JES und der Aidshilfe Duisburg/

Kreis Wesel e. V. ist die Substitution mit Diamorphin, welches

als Arzneimittel und zur Substitution zugelassen ist,

aber nur in einigen wenigen Städten verfügbar ist.

Die einzigen niedrigschwelligen Angebote in Duisburg

werden von JES Duisburg und der AIDS-Hilfe aufrecht

erhalten, hierbei handelt es sich um das Streetwork und

zweimal monatlich ein Frühstück, am dritten Freitag und

letzten Sonntag im Monat. Die klassische Drogenhilfe in

Duisburg hat kein Kontakt-Cafe und erreicht daher keine

Drogengebraucher*innen im niedrigschwelligen Bereich.

Durch die Substitution werden drogengebrauchende

Menschen älter und benötigen spezifische Angebote, da

sie in bestehende Altersheime nicht zu integrieren sind.

Auch hier sind in Duisburg im Gegensatz zu anderen

Städten, keine Angebote in Planung.

Generell liegt in der Illegalität das Hauptproblem der

Drogenkonsumenten. Die überteuerten Preise auf dem

Schwarzmarkt erzeugen Beschaffungskriminalität und

Beschaffungsprostitution. Dies führt zu Kriminalisierung,

Stigmatisierung, sozialer Ausgrenzung und massiven

Schäden an Körper und Seele. Der Schwarzmarkt ist

auch die Ursache für die Streckung des Stoffes mit gesundheitsgefährdenden

Beimengungen wie Arsen, Puddingpulver

oder zerstoßenes Glas.

Der bessere Weg wäre es, Energie und finanzielle Mittel

nicht für die Prohibition sondern für Präventions- und

Hilfsangebote für Menschen zur Verfügung zu stellen, die

mit ihrem Drogenkonsum Probleme haben.

„War on drugs“ sei gescheitert stellte schon 2009 die

Latin American Commission on Drugs and Democracy

unter Vorsitz der ehemaligen Präsidenten Brasiliens,

Mexikos und Kolumbien fest, er sei ein Krieg gegen die

Kosument_Innen, der nur dem organisierten Verbrechen

und paramilitärischen Organisationen Milliardengewinne

sichere und unsere Demokratien gefährde. Diese

Erkenntnis muss endlich auch bei uns zu verbindlichen

politischen Handlungen führen.

Schon 2014 meldeten 120 Juraprofessoren grundsätzliche

Kritik am Betäubungsmittelgesetz (BtmG) an. Wir

schließen uns der Forderung an, eine Enquete-Kommission

beim Bundestag zur Überprüfung des BtmG einzurichten.

Am 21.07. führten wir dann die gemeinsame Aktion mit

JES Duisburg zum Gedenktag der verstorbenen Drogengebraucher*innen

durch.

Es gab einen Infostand direkt vor dem Haupteingang

des größten Duisburger Einkaufszentrums FORUM. Wir

57


stellten sechs Kreuze und Kerzen für die im Jahr 2015

verstorbenen Drogengebraucher*innen auf. Es wurden

weiße Rosen an die Passantinnen und Passanten verteilt

und gleichzeitig ein Folder überreicht. In diesem Folder

befanden sich die Presseerklärung der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis

Wesel e. V. und eine Forderung zu Drogenkonsumräumen

vom Bundesverband der akzeptierenden

Eltern und Angehörigen e.V., vom JES Bundesverband,

der DAH und Akzept e.V.

Durch die gemeinsame Aktion wurde 250 Passanten erreicht

und mit ihnen teilweise intensiv über die aktuelle

Situation der drogengebrauchenden Menschen in Duisburg

diskutiert.

5.2.6 Teilnahme an JES-Mitgliederversammlung

Die Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist Mitglied

im Landesverband JES NRW e. V. und die Mitgliederversammlung

fand in den Räumlichkeiten der Aidshilfe

Duisburg/ Kreis Wesel e.V. statt. Aufgrund eines Projektantrages

von JES NRW über die Krankenkassenförderung

konnten der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V.

Car-Packs, Spritzen, Feuerzeuge, Abbinder und Smokeit-Sets

für das Streetwork zu Verfügung gestellt werden.

Ebenso wie eine Drop-Flag von JES Duisburg, z.B. zur

Nutzung am Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen.

Medial gab es am 21.07. einen Bericht bei Studio 47 und

dem WDR und einen Artikel in den Printmedien.

5.2.5 Teilnahme an Arbeitskreisen

Die Aidshilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. ist durch die

hauptamtliche Mitarbeiterin für den vorgenannten Bereich

in dem Arbeitskreis Suchtmedizin (Qualitätszirkel der

substituierenden Ärzte), am Landesarbeitskreis „Drogen

und Haft“, an der PSAG Basisarbeitsgruppe „Suchtkrankenhilfe“

und am Runden Tisch Kantpark vertreten.

Der runde Tisch Kantpark hat sich im Berichtsjahr nur im

ersten Halbjahr getroffen. Hier geht es um ein gemeinsames

Miteinander der Szene, die sich im Kantpark aufhält

und den Anwohner*innen des Parks in Auseinandersetzung

mit weiteren Akteur*innen des Sozialraumes.

Weiterhin kann die gute Zusammenarbeit mit dem Lehmbruckmuseum

betont werden, insbesondere mit der

Gruppe „Artgenossen“. Regelmäßig lud das Museum zu

Führungen speziell für die Szene im Kantpark mit anschließendem

Kaffetrinken ein. Dabei waren Mitarbeiter*innen

der Polizei, sowie der Aidshilfe Duisburg/ Kreis

Wesel auch willkommen. So konnten sich Nutzer*innen

des Parks unbefangen näher kommen und ins Gespräch

kommen. Dadurch werden Ängste abgebaut und gegenseitige

Rücksichtnahme gestärkt. Im Berichtsjahr 2015

gab es sogar einen gemeinsam organisieren Ausfl ug in

ein Kunstatelier. Weiter gab es im Herbst eine Kunstaktion

auf der „Platte“ von Künstler*innen aus den „Müllers

Gärten“. Dabei wurden Kronkorken aus dem Park von

der Szene und den Künstler*innen gesammelt und gemeinsam

in Zement arrangiert. Da diese Aktion von allen

gut angenommen wurde, sollen in Zukunft regelmäßiger

solche Begegnungen stattfinden. Dabei wird auch über

eine gemeinsame Ausstellung der entstandenen Werke

nachgedacht.

An dieser Stelle möchten wir allen Beteiligten danken

und hoffen weiterhin auf gute Zusammenarbeit.

58 Zielgruppenspezifische Prävention


59


5.3 HIV und Strafvollzug

Die Präventionsarbeit der AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel

e.V. im Sektor Strafvollzug wurde erfreulicherweise

weiterhin über das Justizministerium NRW zum Teil refi

nanziert. Wir sehen dies als ein Zeichen, dass unser

Ansatz über die Region Duisburg hinaus anerkannt und

gewürdigt wird.

Das Angebot der „Strukturellen HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ wurde auch 2015 durch die

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. auf der lokalen und

landesweiten Ebene umgesetzt. Auf der landesweiten

Ebene erfolgte die Arbeit ausschließlich in Vernetzung

und Kooperation mit Institutionen, die im Bereich „HIV

und Strafvollzug“ tätig sind (wie z.B. bei dem Landesarbeitskreis

Drogen und Haft der AIDS-Hilfe NRW e.V.).

Auf der lokalen Ebene wurde mit den vorhandenen Untersuchungshaftanstalten,

dem offenen Vollzug sowie

den Gerichten und Staatsanwaltschaften der Region kooperiert,

um die Präventionsarbeit für Bedienstete und

Inhaftierte im Bereich Strafvollzug zu platzieren. Ziel war

die Wissensvermittlung von Übertragungswegen und

Schutzmöglichkeiten im Themenfeld STI´s, vor allem im

Hinblick auf HIV und die Hepatitiden. Weitere Arbeitsschwerpunkte

waren die Begleitung HIV-positiver Inhaftierter

sowie die Durchführung regelmäßiger Gruppenangeboten

für inhaftierte Frauen sowie Männer zum Thema

„Gesundheit in Haft“.

5.3.1 Einführung

Die Arbeit in den Untersuchungshaftanstalten wurde, den

Gegebenheiten des Vollzugsalltages angepasst, umgesetzt.

Hierbei ist eine beständige und regelmäßige Arbeit

unabdingbar, da der Vollzug eher durch einen strukturierten

Alltag und durch ein hohes Maß an Regelmäßigkeit

geprägt ist.

5.3.2 Überregionale Aktivitäten

Teilnahme an Arbeitskreisen

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig an dem

Landesarbeitskreis „Drogen und Haft“ der AIDS-Hilfe

NRW e.V. teilgenommen. Durch den regelmäßig stattfindenden

fachlichen Austausch wurde die Arbeit kontinuierlich

modifi ziert, einheitliche Standards erarbeitet und

somit die lokale Arbeit weiter professionalisiert.

Der hauptamtliche Mitarbeiter nahm im Rahmen der landesweiten

Vernetzung an verschiedenen Arbeitskreisen

und Tagungen teil.

Neben dem Landesarbeitskreis hat der Mitarbeiter an

dem Arbeitskreis „Corporate Design“ teilgenommen. Ziel

des Arbeitskreises ist neben einem Leitbild für den Haftbereich

auf Landesebene eine einheitliche Darstellung

der AIDS-Hilfen in NRW, die im Bereich Strafvollzug tätig

sind.

Informationsveranstaltungen

Der Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel

e.V. hat bei den „Gesundheitstagen in der Justizvollzugsschule

NRW / Wuppertal“ im 1. Quartal und 3. Quartal

2015 jeweils eine Informationsveranstaltung für Bedienstete

durchgeführt. Im September 2015 wurde darüber hi-

60 Zielgruppenspezifische Prävention


naus an der Justizvollzugsakademie in Recklinghausen

für Beamte im höheren Dienst eine Informationsveranstaltung

zu HIV und Hepatitiden durchgeführt.

5.3.3 Lokale Arbeit des Projektes ,HIV und Strafvollzug’

Der Arbeitsbereich „Gesundheitsförderung für Menschen

in Haft“ bedient die Untersuchungshaftanstalt Duisburg-Hamborn

sowie deren Zweiganstalt in Dinslaken.

Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit sind:

- Primär- und Sekundärprävention zum Themenfeld

HIV/AIDS, Hepatitiden sowie anderen sexuell

übertragbaren Krankheiten

- Begleitung und Interessensvertretung HIV-positiver

Inhaftierter

- Einzelberatung von Inhaftierten

- Mitarbeiterschulungen

- Verschiedene Veranstaltungen

5.3.4 Gesundheitliche Belastungen von Inhaftierten

Die Hauptinfektionswege von HIV und Hepatitiden sind

das gemeinsame Benutzen gebrauchter Spritzutensilien

beim i.v. Drogenkonsum, sexuelle Kontakte und Tätowieren

/ Piercen. Daher hat die Präventionsarbeit der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. eine starke Fokussierung

auf diese Übertragungswege.

Hier ein Umriss der Risikosituationen anhand statistischer

Forschungsergebnisse:

Drogenkonsum

I.v. Drogenkonsum ist bei inhaftierten Drogenabhängigen

zwar weniger verbreitet als außerhalb, aber die Inhaftierten,

die ihren Konsum in Haft fortsetzen, tun dies unter

hoch riskanten Bedingungen und in der Regel in Form

eines gemeinsamen Gebrauches von Spritzen, Nadeln

und Spritzutensilien. Wedershoven (s. Wedershoven

C. Katamnese der HIV-Infektion bei drogenabhängigen

und nicht-drogenabhängigen Inhaftierten im Vergleich

im Justizvollzug des Landes Nordrhein-Westfalen. 1998)

bestätigt, dass unsterile Spritzutensilien die Hauptinfektionsquelle

der von ihr untersuchten Gefangenen darstellt.

Knapp fand, dass bei den von ihm befragten Inhaftierten

positiven Strafgefangenen bis zu neun Personen

eine Spritze zusammen benutzten (s. Knapp R., AIDS im

Strafvollzug. Zur Situation HIV-Infizierter und AIDS-Kranker

Strafgefangener unter besonderer Berücksichtigung

der Problematik intramuralen Drogenkonsums: Ergebnisse

einer empirischen Erhebung und rechtliche Konsequenzen.

Bonn (Unveröff. Diss.) 1996).

Sexuelle Beziehungen

Sexualität ist in den Haftanstalten genauso präsent wie

der illegale Drogenkonsum. Die Thematisierung von

gleichgeschlechtlicher Sexualität ist jedoch so gut wie

unmöglich. Wenige Haftanstalten gestatten Langzeitinhaftierten

heterosexuelle Kontakte im Rahmen der Besuchszeit

von (Ehe-) PartnerInnen (z.B. JVA Werl, JVA

für Frauen Vechta) oder bei Haftlockerungen der Inhaftierten

sexuelle Kontakte im Rahmen des Urlaubes.

Es scheint jedoch, dass das „Verbot“ der Ausübung von

Sexualität als Teil der Strafe angesehen wird. Dies wird

nicht zuletzt von den Inhaftierten selbst so gesehen. Der

Drang nach sexuellen Handlungen führt zu einer Abspaltung

der Sexualität von der allgemeinen sozialen Haltung

der Inhaftierten. Es werden gleichgeschlechtliche

Handlungen praktiziert, die konträr zur Haltung und allgemeinen

Aussage der Inhaftierten stehen. Durch diese

abgetrennte, nicht akzeptierte Sexualität wird teilweise

bzw. vollständig auf Kondomgebrauch verzichtet. Die

Prävention steht hier vor einem Dilemma. Der Thematisierung

von gleichgeschlechtlicher Sexualität in Präventionsveranstaltungen

wird mit Ablehnung begegnet. Um

Inhaftierten die Möglichkeit eines Beratungsgespräches

zu ermöglichen, wo Fragen zu Übertragungswegen vertrauensvoll

beantwortet werden, bietet die AIDS-Hilfe daher

seit 2007 eine Hepatitis- / HIV-Sprechstunde in den

Haftanstalten Hamborn und Dinslaken an.

Tätowieren / Piercen

Tätowieren und Piercen ist wie das Benutzen unsteriler

Injektionsnadeln eine Übertragungsmöglichkeit von Hepatitis

C und, in geringerem Ausmaß, von HIV. Leider

wurden bis dato keine Studien in Haftanstalten durchgeführt,

um hier eine Aussage in Richtung Risiko, Gebrauch

und Infektionszahlen von Inhaftierten über Tätowieren

und Piercen zu treffen.

Die AIDS-Hilfe thematisiert diese gesundheitsgefährdenden

Verhaltensweisen bei ihrer Präventionsarbeit

61


und bietet den Rahmenbedingungen entsprechende Lösungsansätze

an.

den Inhaftierten gesucht. So durften die Interessierten

erst dann am Glücksrad drehen, wenn drei Fragen aus

den Themenfeldern Schutz und Behandlungsmöglichkeiten

von HIV und STI´s beantwortet wurden. Als Preise

wurden aus Sparsamkeitsgründen günstige „Lippenpfl e-

gestifte“ ausgegeben. Der Informationsstand erfreute

sich großer Beliebtheit.

5.3.4.2 Begleitung

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ bietet den inhaftierten Frauen

und Männern die Möglichkeit, regelmäßig (in der Regel

alle zwei Wochen) mit einem Mitarbeiter der AIDS-Hilfe

Duisburg/Kreis Wesel e.V. zu sprechen. Hier werden folgende

Aspekte erörtert: Bedarf des Inhaftierten, Stadium

der HIV-Infektion, medizinische Behandlung sowie die

Angebote der AIDS-Hilfe (z.B. Knastpakete, Therapievermittlung,

Resozialisierung nach der Haftentlassung etc.).

5.3.4.3 HIV- und Hepatitissprechstunde

5.3.4.1 Primär- und Sekundärprävention

Der hauptamtliche Mitarbeiter hat regelmäßig Informationsveranstaltungen

in den Justizvollzugsanstalten durchgeführt.

Neben den Übertragungswegen von HIV und

Hepatitiden wurden die Behandlungsmöglichkeiten und

mögliche Schutzmaßnahmen angesprochen (Desinfektion

von gebrauchten Spritzen, Förderung des „Blutbewusstseins“,

Vorgehen bei Nadelstichverletzungen und

Safer Sex - Praktiken {bei Männern, die Sex mit Männern

haben sowie Frauen, die Sex mit Frauen haben}). Erwähnenswert

sind neben den normalen Informationsveranstaltungen

für Inhaftierte folgende Veranstaltungen:

- Weihnachtsfeier jeweils in der Frauen- und Männerhaftanstalt

Es fanden am 15.12.2015 und 22.12.2015 jeweils eine

Weihnachtsfeier in den Haftanstalten statt.

- Sommerfest in der Frauenhaftanstalt Dinslaken

Die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. war mit einem

Informationsstand auf dem Sommerfest ganztägig vertreten.

Da die Themenfelder HIV/STI´s sehr Schambesetzt

sind, wurde das Gespräch über eine Glücksradaktion zu

Nach Absprache mit dem Anstaltsarzt der JVA-Hamborn

bietet die AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e.V. seit 2006

in der Zweiganstalt Dinslaken eine HIV- und Hepatitissprechstunde

an und seit 2007 in der Haftanstalt Hamborn.

Ziel der Sprechstunde ist es, in einem geschützten Rahmen

Fragen an den Mitarbeiter der AIDS-Hilfe stellen zu

können, die bei einer Informationsveranstaltung im größeren

Rahmen durch Scham, gesellschaftliche Tabuisierung

bzw. Sanktionsgefahr von Seiten der Anstalten nicht

thematisiert werden (Needlesharing [das gemeinsame

Benutzen von Spritzen], Drogenkonsum, Mann-Männliche

Sexualität sowie die Thematik „Frauen die Sex mit

Frauen haben“). Die Sprechstunde wird durch Plakate

und den neu erstellten Flyer beworben und Interessierte

können sich durch einen Antrag an den Sozialdienst für

die Sprechstunde anmelden.

5.3.4.4 Frauengruppe

In der Haftanstalt Dinslaken wurde alle zwei Wochen ein

Gruppenangebot für die inhaftierten Frauen durchgeführt.

Neben den Themen HIV und Hepatitiden (Behandlung,

Übertragungswegen sowie Behandlungsmöglichkeiten)

wurden unter anderem „Hilfe zur Selbsthilfe“ sowie psychosoziale

Aspekte angesprochen. Das Gruppenangebot

wurde sehr gut angenommen. Die Kapazität von maximal

10 Teilnehmerinnen war durchgängig erreicht worden.

62 Zielgruppenspezifische Prävention


5.3.4.5 Männergruppe

Analog zur Frauengruppe wurde eine Männergruppe installiert,

die sich einmal im Monat trifft. Neben den gängigen

Themen (siehe Frauengruppe) wurden hier vor allem

Hilfen zum Umgang von Aggressionen besprochen sowie

Entspannungsverfahren angeboten.

5.3.5 Resümee

Der Arbeitsbereich „Strukturelle HIV- und STI- Präventionsarbeit

im Strafvollzug“ kann auf ein erfolgreiches Jahr

zurückschauen. Die Kooperation mit den Anstalten ist

konstant, kontinuierlich und produktiv. Die Angebote der

AIDS-Hilfe wurden sehr gut angenommen.

Gerade durch die vertragliche Grundlage mit den Haftanstalten

konnte eine regelmäßige und kontinuierliche

Arbeit sichergestellt werden.

Außenansicht des neu erstellten Flyers

Innenansicht des neu erstellten Flyers

63


5.4. Frauen und HIV /Aids – Prävention bei Frauen in

besonderen Lebenslagen

Im Berichtsjahr 2015 konnte die Arbeit im Bereich Frauen

und HIV/Aids sowie für Frauen in STI relevanten Lebenslagen

mit Hilfe der Bereitstellung der Fördermittel für die

zielgruppenspezifi sche Prävention des Landes NRW umgesetzt

werden. Sie ist seit vielen Jahren fester Bestandteil

unserer Angebote.

Dies gilt insbesondere für den Bereich der psychosozialen

Begleitung von Frauen mit HIV und Aids aus unserer

Region Duisburg / Kreis Wesel mit ca.1 Mio. Einwohnern.

Im Jahre 2015 konnten die angestrebten Projektziele aufgrund

einer kontinuierlichen Besetzung dieses Arbeitsbereiches

durch eine hauptamtliche Mitarbeiterin erreicht

und in dem Maße umgesetzt werden, wie diese geplant

wurden.

Die Projektinhalte umfassen insbesondere Beratung

/ Begleitung von Frauen mit HIV / Aids, die Gestaltung

bedarfsgerechter Versorgungsstrukturen, den Abbau von

gesellschaftlichen Diskriminierungen und die Primärprävention

bei spezifi schen Zielgruppen innerhalb des Frauenbereiches.

Im Berichtsjahr 2015 konnten insgesamt 397 zeitintensive

Begleitungskontakte verzeichnet werden. Umso mehr

ist die Besetzung der für unsere Region einzigen auf HIV

64 Zielgruppenspezifische Prävention


spezialisierten strukturellen Präventionsstelle mit einer

qualifi zierten hauptamtlichen Projektnehmerin unerlässlich.

Besonders im Jahr 2015 wurde deutlich, dass für eine

erfolgreiche Arbeit auf den unterschiedlichen Ebenen die

Vernetzung ein wesentlicher Bestandteil ist. Vernetzungen

fanden auf der überregionalen Ebene mit den benachbarten

AIDS-Hilfen Dortmund, Essen, Oberhausen,

Bochum, Düsseldorf und Unna sowie auf landesweiter

Ebene innerhalb der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen

und HIV/Aids und auf lokaler Ebene insbesondere mit

dem Gesundheitsamt Duisburg sowie im Bedarfsfall mit

dem FD Gesundheitswesen des Kreises Wesel statt.

So konnten vorhandene personelle Ressourcen gebündelt

werden, was eine effiziente Planung und Durchführung

der Projekte gewährleistete.

Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung auf der kollegialen

- ebenso wie die auf der Selbsthilfeebene - unverzichtbar,

um das Projekt adäquat weiterzuentwickeln.

Das Projekt XXelle in Duisburg und dem Kreis Wesel

wurde auf drei verschiedenen Ebenen umgesetzt, der

landesweiten, ruhrgebietsweiten und der kommunalen

Ebene.

65


Projektziele

Auf der landesweiten Ebene bestanden die Ziele 2015

darin, durch die regelmäßige Teilnahme an der Landesarbeitsgemeinschaft

„Frauen und HIV / Aids in NRW“ den

fachlichen Austausch fortzuführen und die Marke XXelle

weiter politisch zu positionieren. Durch die inhaltliche

Auseinandersetzung mit den Fachfrauen auf der Landesebene

entwickeln sich neue Projektideen, die sich

auf der lokalen und regionalen Ebene umsetzen lassen.

So konnten gemeinsame Veranstaltungen geplant und

durchgeführt werden. Die kontinuierliche Beteiligung der

Projektnehmerin an der Arbeitsgemeinschaft Öffentlichkeitsarbeit

der LAG Frauen und HIV / Aids konnte auch

im Jahr 2015 sichergestellt werden.

Diese Aktion wurde von der hauptamtlichen Mitarbeiterin

Dortmund mit vorbereitet und von den Kolleginnen aus

der Vernetzung unterstützend fl ankiert.

Insbesondere diese Veranstaltung hat gezeigt, wie effektiv

die Vernetzung von XXelle Ruhrgebiet ist. Durch die

Bündelung von personellen und fi nanziellen Ressourcen

konnten die geplanten Ziele umgesetzt werden.

Die Konzeptionierung der XXelle Live Fachtagung 2015

und die Ausgestaltung des zeitgleichen Jubiläums der

LAG Frauen und HIV / Aids NRW war ein wesentlicher

Bestandteil der regelmäßig stattfi ndenden Arbeitstreffen.

An der XXelle Live Fachtagung und der Jubiläumsfeier,

die im Jugendgästehaus in Düsseldorf stattfand, nahmen

auch Vertreter und Vertreterinnen aus der Politik teil.

Die Beteiligung der LAG Frauen und HIV / Aids NRW am

DÖAK, der im Juni 2015 in Düsseldorf stattfand, wurde

in der XXelle AG Öffentlichkeitsarbeit bearbeitet und

entsprechende Abstracts für die Poster - Präsentation

vorbereitet. Ein XXelle Workshop „Frauen machen´s Gemeinsam“,

der mit dem Netzwerk Frauen und Aids geplant

und auf dem DÖAK angeboten werden konnte, wurde

von zahlreichen Kongressteilnehmer*innen besucht.

Am Infostand des Netzwerkes Frauen und Aids wurden

u.a. Fachvorträge zu den Themen „Älter werden, Stigma

und HEP C“ referiert. Auch diese Veranstaltungen haben

gezeigt, dass ein großes Interesse - Seitens der Kongressbesucher

und Kongressbesucherinnen - an frauenspezifi

schen Themen besteht.

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene konnte die sehr gute

Zusammenarbeit der Ruhrgebiets-Aidshilfen Dortmund,

Bochum, Essen, Düsseldorf und Duisburg /Kreis Wesel

weiter fortgeführt werden. Durch die vorhandenen Vernetzungsstrukturen

konnten im Jahr 2015 gemeinsame

Aktionen geplant und durchgeführt werden. Hierbei handelte

es sich sowohl um Angebote für Klientinnen als

auch um öffentlichkeitswirksame Aktionen. Es fanden regelmäßige

Arbeitstreffen statt. Darüber hinaus erfolgten

weitere Vernetzungstreffen des Runden Tisches Ruhrgebiet,

an dem alle Ruhrgebiets –Aidshilfen und andere

Träger mit XXelle-Standorten teilnehmen.

Ebenso fanden in regelmäßigem Turnus „ XXelle - Runder

- Tisch – Arbeitstreffen“ der beteiligten Fachfrauen im

Ruhrgebiet statt, in denen unter anderem die Planung

und Durchführung öffentlichkeitswirksamer Aktionen erfolgte,

z.B. Afro - Ruhr Festival.

Afro - Ruhr Festival Dortmund 30. Mai 2015

Ein besonderes Highlight, das federführend von der Kollegin

aus Bochum konzipiert und durch eine Exklusivförderung

einer Gesundheitskasse fi nanziert wurde, war

das Projekt: Komm in Bewegung - mit XXelle den Selbsthilfegedanken

stärken.

Innerhalb der Ruhrgebietsvernetzung konnten insgesamt

23 Angebote in den einzelnen Aidshilfen von Autogenes

Training, Beckenbodengymnastik, Ernährung, Joga, etc.

bis Zumba vielfältige gesundheitsfördernde Angebote bereitgestellt

werden. Wie aus der Evaluation hervorgeht,

gab es 112 Anmeldungen davon nutzten 83 Frauen diese

Angebote. Das Altersspektrum der Teilnehmerinnen

lag zwischen 18 und 63 Jahre.

5.5. Frauen und HIV / Aids / Migration

Eine besonders wichtige Zielgruppe innerhalb der frauenspezifi

schen Arbeit sind Migrantinnen. Hierbei handelt

es sich um eine sehr heterogene Personengruppe. Unterschiedliche

Formen der bereits erfolgten oder noch zu

erfolgender Integration in Bezug auf sprachliche, kulturelle

oder soziale Integration spiegeln sich hier wieder.

Die Zielgruppe Migrantinnen - Frauen mit Kindern und

66 Zielgruppenspezifische Prävention


HIV/Aids - wurden ebenfalls durch verschiedene ruhrgebietsweite

Veranstaltungen erreicht. Insgesamt nahmen

13 Mütter mit 23 Kindern und Jugendlichen an einem Familienausflug

zum Ketteler- Hof teil. Die Erfahrung der

letzten Jahre hat gezeigt, dass gerade alleinerziehende

Frauen und ihre Kinder mit HIV/Aids dieses Angebot sehr

gerne nutzen. Oftmals verfügen diese Familien über keinerlei

finanzielle Ressourcen zur Realisierung von Freizeitaktivitäten.

Des Weiteren ist dieses Angebot ein kreativer

Beitrag, der sozialen Isolation entgegen zu wirken

und positive Begegnungen zu fördern und ist somit eine

willkommene Abwechslung zum regulären Alltag.

Hier wurden Kontakte und Freundschaften zu anderen

HIV positiven Kindern und ihren Familien hergestellt.

die Erkrankung oft hervorgerufenen sozialen Isolation

ausbrechen zu können, konnten die teilnehmenden Frauen

vor allem Strategien der individuellen Gesundheitsförderung

und Alltagsgestaltung erlangen.

Das mittlerweile ins 11. Jahr gehende Frauenvernetzungstreffen

an dem u.a. die Möglichkeit geboten wurde,

sich professionell an Tanz- und Bewegungsübungen

sowie kreatives Malen und Gesprächen zu beteiligen,

wurde auch im Berichtsjahr wieder von Frauen und ihren

Kindern genutzt.

Insbesondere diese Veranstaltung hat gezeigt, wie effektiv

die Vernetzung von XXelle Ruhrgebiet ist. Durch die

Bündelung von personellen und finanziellen Ressourcen

konnten die geplanten Ziele umgesetzt werden.

Familienausflug Ketteler Hof, Haltern am See,

01. Juli 2015

Auf der ruhrgebietsweiten Ebene konnte die sehr gute

Zusammenarbeit der Ruhrgebiets-Aidshilfen weiter fortgeführt

werden. Durch die vorhandenen Vernetzungsstrukturen

konnten im Jahr 2015 gemeinsame Aktionen

geplant und durchgeführt werden. Hierbei handelte es

sich sowohl um Angebote für Klientinnen als auch um öffentlichkeitswirksame

Aktionen.

So konnte zum nunmehr elften Mal in Folge ein Vernetzungstreffen

für Frauen mit HIV / Aids und ihren aus dem

Ruhrgebiet angeboten werden.

Für die teilnehmenden Frauen stellt dieses Angebot eine

wichtige, weil oftmals einzige Möglichkeit dar, Erfahrungen

mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Die Schaffung dieser Plattform in einem geschützten

Rahmen hat einen hohen Stellenwert, da in den jeweiligen

AIDS-Hilfen das Angebot für HIV-positive Frauen aus

der Angst heraus, unwillentlich als HIV-positiv erkannt zu

werden, nur partiell genutzt wird.

In Zusammenarbeit mit den AIDS-Hilfen Oberhausen,

Düsseldorf, Dortmund, Bochum, Essen und Duisburg /

Kreis Wesel, wurde dieses Angebot koordiniert, organisiert

und umgesetzt. Neben der Erfahrung, aus der durch

Auf der lokalen Ebene konnte die bestehende HIV-positive

Frauengruppe kontinuierlich fortgeführt werden.

Die Frauen treffen sich einmal im Monat, wobei der

Ablauf der Nachmittage von den Frauen nach eigenen

Wünschen geplant und durch die hauptamtliche Mitarbeiterin

unterstützend begleitet wird. Neben gemeinsamen

Aktionen, wie z.B. Grillen, Ausflüge, Weihnachtsmarktbesuch,

steht vor allem der gegenseitige Austausch im

Vordergrund. Bei Kaffee und Kuchen werden alltägliche

Probleme oder Themen, die in Bezug auf Partnerschaft,

Familie und Freunde von Bedeutung sind, in der Gruppe

besprochen. Oft sind diese Treffen die einzige Möglichkeit

für die betroffenen Frauen, sich über ihre Infektion

zu unterhalten und in einer geschützten Atmosphäre den

Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Erfreulicherweise

ist es auch wieder im Jahre 2015 gelungen, eine

höchst heterogene Gruppe zu etablieren, die sowohl aufgrund

der Altersstruktur, als auch bzgl. der Nationalitäten

sehr unterschiedlich ist. Die Frauengruppe wird neben

der hauptamtlichen Mitarbeiterin durch eine ehrenamtlich

tätige Frau tatkräftig unterstützt.

Im Jahr 2015 konnte durch die Projektnehmerin für

den Bereich Duisburg und den Kreis Wesel eine Ansprechperson

für Frauen zu den Themen HIV und Aids

sichergestellt werden. Insbesondere für Frauen mit

Migrationshintergrund und HIV / Aids ist diese Form der

geschlechtsspezifischen Arbeit unabdingbar.

Neben verschiedenen sozialrechtlichen Fragen stand vor

allem die Reflektion der eigenen Situation und Schaffung

der Möglichkeit des konstruktiven Umgangs mit dieser

im Vordergrund. Auch hier war oftmals eine zeitintensive

Begleitungsarbeit aufgrund fehlender oder geringer

Deutschkenntnisse erforderlich, wenn es um die Bearbeitung

des Schriftverkehrs mit den unterschiedlichsten

Behörden ging. Das Jahr 2015 war im Arbeitsbereich

Migration gekennzeichnet durch sehr häufige, zeitintensive

und bisweilen kraftraubende Kontakte - aufgrund feh-

67


lender Weiterleitung der Krankenversicherungsmeldung

an die zuständige Krankenkasse- zum Jobcenter.

„Rechtzeitig“ zum WAT erreichten uns die ersten HIV

positiven Flüchtlinge aus dem Kreis Wesel. Die Begleitungsarbeit,

z.B. der Transfer von einer Zentralen Flüchtlingsunterkunft

zum HIV Schwerpunktarzt und wieder zurück,

ist sehr zeitintensiv.

Auch hier hat sich die gute Vernetzung und Kooperation

der Ruhrgebiets-Aidshilfen gezeigt. Aufgrund fehlender

russischer Sprachkenntnisse der Projektnehmerin, fand

das Erstgespräch beim HIV Schwerpunktarzt, mit einer

Kollegin aus der Aidshilfe Oberhausen, statt. Im weiteren

Verlauf des Gesprächs stellte sich heraus, dass diese

Flüchtlinge auch türkisch verstehen und sprechen. In der

Praxis unseres Schwerpunktarztes Dr. Kwirant, konnte

uns bei den folgenden Terminen eine Mitarbeiterin bei

der Übersetzung behilfl ich sein, was zu einer großen Entlastung

aller Beteiligten beigetragen hat.

Die Zusammenarbeit mit dem Duisburger Frauennetzwerk

Agenda 21 erwies sich auch im Jahr 2015 als sehr

erfreulich.

Am internationalen Frauentag waren wieder zahlreiche

Organisationen mit diversen Infoständen vertreten. Die

Projektnehmerin war beteiligt an Aktionen zum internationalen

Frauentag und One Billion Rising.

Die Präventionsarbeit auf dem Duisburger Straßenstrich

in Kooperation mit einer Kollegin des Gesundheitsamtes

der Stadt Duisburg konnte im Berichtsjahr 2015 regelmäßig

im 14-tägigen Rhythmus erfolgen.

Dieses Angebot ist mittlerweile so etabliert, dass die

Frauen nicht nur aufgesucht werden müssen, sondern

von sich aus auf die Kooperationspartnerinnen zukommen.

Zeitlich wird darauf geachtet, die Frauen möglichst

noch vor Aufnahme ihrer Tätigkeit zu erreichen, um die

Möglichkeit für individuelle Fragestellungen zu geben.

Thematisch geht es vor allem darum, sich über sexuell

übertragbare Krankheiten zu

informieren, sich zu schützen und ausstiegsorientierte

Problemstellungen zu bewältigen. Gerade bei drogenabhängigen

Frauen, die der Beschaffungsprostitution

nachgehen, sind aufgrund der HIV Relevanz in dieser

Population, Beratungs- und Testangebote von großer

Bedeutung.

In abendlichen Gesprächen während der aufsuchenden

Arbeit wird auf die verschiedenen Möglichkeiten der

Substitution und entsprechende Beratungsangebote der

AIDS- Hilfe Duisburg/Kreis Wesel hingewiesen. Ein mehrsprachiger

Flyer, den wir insbesondere neuen Frauen auf

dem Straßenstrich anbieten, weist auf HIV-Testmöglichkeiten,

STI - Untersuchungsangebote im Gesundheitsamt

und die der Beratungsstelle „Lily“ hin. Gelegentlich

werden auch konkrete Termine vereinbart, die jedoch

nicht immer eingehalten werden.

Im Jahr 2015 konnten insgesamt 386 Sexarbeiterinnen

erreicht werden. Auf dem Straßenstrich in Duisburg sind

ca. 80% der Frauen Migrantinnen, vor allem aus Osteuropa.

Viele besitzen keine Krankenversicherung und verfügen

– wenn überhaupt - nur über geringe Deutschkenntnisse.

IFT 08.März 2015

14. Februar 2015 One Billion Rising

Im Berichtsjahr konnte die Projektnehmerin aufgrund

der guten Kooperation mit dem ÖGD der Stadt Duisburg

und der im Sommer neu gegründeten Beratungsstelle

für Sexarbeiterinnen Lily, durch den Einsatz von rumänischen

und bulgarischen

Sprachmittlerinnen, insbesondere für die Beratungsarbeit

in der aufsuchenden Arbeit, profi tieren.

Hier ist Sensibilität und Empathie in Bezug auf unterschiedliche

Kulturen und der allgemeinen Lebenssituation

der Frauen gefragt.

Sexarbeiterinnen sind eine multinationale, heterogene

und gesundheitlich gefährdete Gruppe, die oft nur einen

eingeschränkten Zugang zum Gesundheitssystem

haben. Die STI-Prävention stößt somit an Grenzen, die

durch z.B. Lebensbedingungen, soziale und wirtschaftliche

Zwänge, Armut, Unwissenheit über STI und Verhütungsmethoden

gesetzt werden. Der zunehmende Konkurrenzdruck

erschwert es, den Wünschen von Kunden

nach kondomfreiem Sex zu widerstehen. Darüber hinaus

gibt es wie bei vielen Menschen eine Tendenz, medizi-

68 Zielgruppenspezifische Prävention


nische Hilfe nur bei akuten Beschwerden in Anspruch

zu nehmen. Ein kontinuierliches Beratungs- und Untersuchungsangebot

sollte auch aus diesem Grund eine

Grundvoraussetzung für die STI-Prävention bei Sexarbeiterinnen

sein.

Im Rahmen der Angebote der aufsuchenden Arbeit im

Bereich Sexarbeit des ÖGD´s konnten einige Frauen mit

Selbstabstrichen auf diverse STI´s untersucht werden.

Bei einem positiven Befund werden die Frauen angerufen

und es besteht die Möglichkeit weitere erforderliche

Untersuchungen und entsprechende Medikamente -

auch ohne Krankenversicherung - zu erhalten.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich die Sexarbeiterinnen

kostengünstig mit Kondomen versorgen können,

die über das Gesundheitsamt erworben werden.

Die regelmäßige aufsuchende Arbeit ermöglicht einen

langfristigen Beziehungsaufbau zu den einzelnen Sexarbeiterinnen.

Darüber hinaus gewährleistet die Kontinuität,

dass die Projektarbeit den sich ändernden Verhältnissen

der Arbeit vor Ort angepasst wird. Hierbei steht vor

allem die Verbesserung der Arbeitssituation der Frauen

im Fokus. Beratungs- und medizinische Angebote werden

durch niedrigschwellige, arbeitsplatznahe und aufsuchende

Arbeit angeboten.

In der Adventszeit wurde wie jedes Jahr wieder eine Nikolausaktion

in den Bordellen/ Laufhäusern und auf dem

Straßenstrich in Duisburg durchgeführt.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Mitarbeiterinnen von

Lily und der Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes Duisburg

konnte die Projektnehmerin in einer nächtlichen

Aktion insgesamt 197 Sexarbeiterinnen mit Kondomen,

Kalendern und Angeboten zur Untersuchung von STI´s

erreichen.

Zu erwähnen ist für diesen Bereich, dass sich auch hier

der Zielpersonenkreis erweitert bzw. verändert. Der Zuzug

von Sexanbieterinnen aus dem südosteuropäischen

Raum (v.a. Rumänien und Bulgarien) ist in Duisburg, wie

auch im Kreis Wesel (dort allerdings mehr im Clubbereich)

enorm und stellt für die Projektnehmerinnen eine

wachsende Herausforderung, in sprachlicher, kultureller

und sozialrechtlicher Hinsicht dar.

Darüber hinaus hat sich die „Wettbewerbssituation“ verschärft,

ein Preisverfall sowie in der Konsequenz eine

Erosion von Safer Sex ist zu beobachten.

Ein steigender Handlungsbedarf ist erkennbar. Hier hat

sich unsere Fachstelle bei der Erstellung eines Handlungskonzeptes

der Stadt Duisburg mit eingebracht,

dessen konsequente Umsetzung ein Ziel der folgenden

Jahre sein muss, bei dem auch die strukturelle HIV- und

STI-Prävention für Sexarbeiterinnen weiterhin eine wichtige

Rolle spielen sollte.

Projektkritik

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die frauenspezifische

Arbeit von XXelle Duisburg/ Kreis Wesel

wieder kontinuierlich und erfolgreich umgesetzt werden

konnte.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der bestehenden

Vernetzungsstrukturen von XXelle Ruhrgebiet

und die Präsentation in der (Fach-) Öffentlichkeit

Eine sehr positive Entwicklung ist die Stabilisierung der

monatlich stattfindenden Frauengruppe und die damit

verbundene kontinuierliche Zusammenarbeit mit den

Ehrenamtlerinnen vor Ort. Mit Hilfe der personellen Ressourcen

konnten die Beratung und Begleitung von Frauen

mit HIV/ Aids sichergestellt und umgesetzt werden.

Aufgrund der komplexen Problemlagen und sehr heterogenen

Ausgangslagen der betroffenen Frauen beansprucht

die Begleitungsarbeit die größten Zeitkapazitäten.

Dem entsprechend sehen und setzen wir hier auch

die Priorität.

Vor allem im Bereich der Sexarbeit werden gerade in Duisburg

die Bedarfe noch wachsen und höchstwahrscheinlich

weitere Ressourcen erfordern.

Der Standort XXelle Duisburg/ Kreis Wesel ist ein wichtiger

Teil der Ruhrgebietsvernetzung und mittlerweile fester

Bestandteil der Angebote für Frauen mit HIV/Aids der

AIDS-Hilfe Duisburg/ Kreis Wesel e.V.

Auf der lokalen, regionalen und landesweiten Ebene hat

sich das etablierte Netzwerk hier äußerst bewährt und

hervorragende kollegiale Unterstützung geleistet.

In einer Reihe von Veranstaltungen zum Welt-AIDS-Tag

2015 konnte auch das mit dem XXelle-Standort Duisburg

/ Kreis Wesel verbundene frauenspezifische Angebot

und die feste Ansprechpartnerin wieder öffentlichkeitswirksam

präsentiert werden.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit konnten die Angebote

auf den Internetportalen: www.xxelle.nrw.de, www.

xxelle.ruhrgebiet und aufgrund einer kontinuierlichen Aktualisierung

der Termine auf unserer Homepage, www.

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de , Frauen zugänglich

gemacht werden.

69


5.6 Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Seit 1989 ist „Youthwork“ (AIDS-Prävention in sexualpädagogischem

Kontext) ein fester und wichtiger Bestandteil

der Angebotspalette der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis

Wesel e.V. Und wenn auch das alte richtliniengestützte

Förderprogramm (1988 vom damaligen MAGS NRW eingeführt,

s. www.youthwork-nrw.de ) im Zuge des Kommunalisierungsprozesses

seit 2007 grundsätzlich nicht mehr

landesgesteuert ist, so ist aufgrund der unzweifelhaften

Sinnhaftigkeit nicht nur die Landesförderung erhalten

geblieben, sondern auch die kommunalen Ergänzungsfi -

nanzierungen (wenn auch gedeckelt, s.o.). Und so untermauert

das Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/

AIDS-Prävention in Nordrhein-Westfalen. Schwerpunkt

Neuinfektionen minimieren“; Juli 2013) den spezifi schen

Arbeitsansatz auch sehr eindeutig:

„Jugendliche gehören bislang nicht zu den besonders gefährdeten

Bevölkerungsgruppen. Da sie am Anfang ihrer

sexuellen Aktivität stehen, sind sie jedoch eine wichtige

Zielgruppe für die Primärprävention. Jugendliche stehen

vor der Herausforderung, zu Beginn ihrer partnerschaftlich

ausgerichteten Sexualität sich sowohl mit Fragen der

Verhütung und des Schutzes vor sexuell übertragbaren

Infektionen als auch mit physischen und psychischen

Veränderungen auseinanderzusetzen. Die bisherigen Erfahrungen

haben gezeigt, dass personalkommunikative

Ansätze in der Sexualaufklärung und Prävention diese

Lernprozesse besonders fördern und unterstützen. Sie

müssen jedoch frühzeitig einsetzen, kontinuierlich weitergeführt

werden und sich an dem jeweiligen Entwicklungsstand,

der sexuellen Orientierung und den sozialen, kulturellen

und ethischen Hintergründen der Jugendlichen

ausrichten. (…)

Da andere sexuell übertragbare Infektionen, insbesondere

Syphilis, Tripper und Chlamydien auch Jugendliche

betreffen und sich damit das Risiko einer HIV-Infektion

erhöht, müssen die Inhalte der HIV/AIDS-Prävention und

Sexualaufklärung mit den Informationen zur Verhinderung

der o.g. Infektionen verknüpft werden. (…)

Die Angebote der Schule und der außerschulischen Jugendarbeit

werden durch HIV- und STI-Präventionsmaßnahmen

der AIDS-, Sexual- und Jugendberatungsstellen

unterstützt und ergänzt. Notwendig sind kontinuierliche

und strukturierte Kooperationen und gemeinsame Projekte

zwischen AIDS-/STI- und Sexualberatungsstellen,

Jugendhilfe, Suchthilfe, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen

in öffentlicher und freier Trägerschaft.“

(Landeskonzept „Weiterentwicklung der HIV/AIDS-Prävention

in NRW“ vom Juli 2013; S. 21 f; Die Druckfassung

kann bestellt oder heruntergeladen werden: www.

mgepa.nrw.de/ministerium/service, unter Angabe der

Veröffentlichungsnummer 112)

Weiter heißt es ebenda (S. 22): „Besonders zu berücksichtigen

sind männliche Jugendliche im „coming out“,

Jugendliche, die Drogen konsumieren, und Jugendliche

in schwierigen sozialen Verhältnissen, da das Infektionsrisiko

in diesen Gruppen erhöht ist. Sie benötigen einen

niedrigschwelligen Zugang zu den vorhandenen Angeboten

der Information, Beratung und Untersuchung“.

Der Landes-Arbeitsgemeinschaft AIDS-Prävention unter

Federführung des Referates „AIDS, Organspende, Psychoonkologie“

des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation,

Pfl ege und Alter (MGEPA) (s. www.aids-nrw.de)

gebührt ein großes Kompliment für die Analyse und die

daraus resultierenden Handlungsempfehlungen. Diese

sind auf der Höhe der Zeit. Und - aufmerksame Leser/

innen unserer Jahresberichte haben es längst bemerkt

– sie bestätigen unsere regionale Youthwork-Arbeit und

ihre Ansätze in eindrucksvoller Weise. Zielgruppenspezifi

sche Prävention ist unser Geschäft.

Die Zielgruppenanalyse erklärt auch die besondere Eignung

des Youthwork-Angebotes einer AIDS-Hilfe, die

seit nunmehr 29 Jahren Erfahrung in der strukturellen

und vor allem zielgruppenspezifi schen Präventionsarbeit

besitzt. Darüber bringen wir spezifi sche Kenntnisse

und Feldkompetenzen in den Themenfeldern Homosexualität,

Drogengebrauch und diversen Formen

sozialer Benachteiligung bis hin zu Stigmatisierungsproblematiken

mit und können jeweils fl exibel auf Bedarfe

in Gruppen oder auf Einzelpersonen reagieren. Wie bei

allen Adressaten, so gilt auch - und vielleicht besonders

- für Jugendliche der didaktische Grundsatz,

dass (Präventions-) Angebote an der jeweiligen Lebenswelt

(akzeptierend) orientiert werden sollten. „Die

Berücksichtigung von sozialen, ethnischen, kulturellen

und geschlechtsspezifischen Besonderheiten

ist Voraussetzung, um Jugendliche emotional und

kognitiv zu erreichen“ (Landeskonzept, a.a.O., S. 37).

Darüber hinaus können Themen durchaus auch in Präventionsveranstaltungen

in heterogenen Gruppen (wie

Schulklassen) integriert oder exponiert platziert werden.

Die Bedarfe werden jeweils in Planungsgesprächen er-

70 Zielgruppenspezifische Prävention


hoben.

Das Kompliment für das Landeskonzept gilt auch für die

Forderung nach kooperativen Projektformen, die wir seit

jeher propagieren, initiieren und umsetzen und die in besonderer

Weise für nachhaltige Synergieeffekte prädestiniert

sind.

Auch darüber erklärt sich gewiss zu einem nicht unerheblichen

Teil, dass Jugendliche in Deutschland und in

unserer Region tatsächlich nicht zu den von HIV besonders

riskierten Zielgruppen zählen – Prävention im Kontext

von Gesundheitsförderung wirkt und ist zielführend

im Hinblick auf eine Verankerung von Präventionswissen

und die Stärkung der Handlungskompetenzen für die individuelle

Gesunderhaltung sowie die Förderung eines

nachhaltigen Schutzverhaltens und dessen Implementierung

im persönlichen Lebensstil.

Die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von AIDS-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext mit dem vorrangigen

Ziel der Vermeidung von Primärinfektionen hat also

nichts an Bedeutung verloren – und dass sie wirkt, beweisen

nicht zuletzt die Infektions-Diagnose-Zahlen und

Inzidenzannahmen des RKI (s. www.rki.de ) für das Jahr

2014, wonach die Neuinfektionen (ca. 3.200) auf weitgehend

stabil niedrigem Niveau geblieben sind. Dabei

spielen Jugendliche generell keine exponierte Rolle. Zu

beachten ist allerdings die Gruppe der 20-39-jährigen

MSM, insbesondere in Großstädten und gerade hier ist

auch ein signifikanter Zusammenhang mit den Syphilis-Inzidenzen

bemerkenswert. Darüber bestätigt sich,

dass HIV-Prävention zwingend STI-Prävention beinhalten

sollte.

Als Hauptgrund für den Anstieg bei jüngeren Schwulen

gibt das Robert-Koch-Institut den Umstand aus, dass

unter jüngeren Männern mit HIV ein höherer Anteil noch

nicht unter antiretroviraler Therapie steht, so dass in dieser

Gruppe eine höhere Übertragungswahrscheinlichkeit

besteht. Dies wiederum korrespondiert mit der Annahme,

dass 30 bis 50 % der Neuinfektionen von frisch Infizierten

stammen, die zum Teil ihren Status noch gar nicht

kennen (können – weil noch im diagnostischen Fenster).

Die Berücksichtigung von anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten ist allerdings auch für Jugendliche

anderer sexueller Orientierungen zunehmend bedeutungsvoll,

da sich nach RKI-Angaben die Diagnosen insgesamt

mehren. Auf die Erwähnung wirklich belastbarer

Daten für das Berichtsjahr 2015 müssen wir zwar noch

etwas warten, aber die bisherigen Hinweise scheinen

sich einmal mehr zu verifizieren.

Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten müssen

eindeutig weiter enttabuisiert werden. Darüber reden zu

können ist eine entscheidende Voraussetzung für Schutz

und Diagnostik. Hier kommt der schulischen Arbeit eine

besondere Bedeutung zu, denn über den Rahmen der

Schulpflicht kann es besser als in weiteren Lebensphasen

gelingen, möglichst viele Jugendliche die Erfahrung

machen zu lassen, dass dies gelingen kann – dazu bedarf

es guter Unterrichtsprozesse, geschulter Lehrkräfte

(oder noch besser sexualpädagogischer Fachkräfte) und

am besten gezielter Projektformen in adäquaten Settings.

Bei Jugendlichen tragen die Schulen (gemäß ihrem Auftrag,

s. Richtlinien zur Sexualerziehung in NRW vom

30.09.1999, BASS 15 – 04 Nr. 1) zudem entscheidend zur

spezifischen (Sach-) Informationsvermittlung bei. Sie sollen

damit allerdings nicht allein gelassen werden. So wird

ihnen über den –im Juli 2012- aktualisierten Runderlass

zur „HIV/AIDS-Aufklärung in den Schulen“ explizit die

„Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen

und Fachkräften“ anempfohlen: „Die Behandlung des

Themas HIV und AIDS legt eine enge Zusammenarbeit

der Schule mit den unteren Gesundheitsbehörden sowie

anderen außerschulischen Einrichtungen und Fachkräften

nahe. Hierzu zählen neben der Ärzteschaft vor allem

die bei den Kommunen, AIDS-Hilfen und anderen freien

Trägern angesiedelten sog. Youth-Workerinnen und

Youth-Worker, die insbesondere sexualpädagogisch orientierte

HIV/AIDS-Aufklärung für Jugendliche durchführen.

Ihre Fachkompetenz sollte sowohl in den Unterricht

als auch in Beratungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen

werden.“ (aus: BASS, 18 – 12 Nr. 4; RdErl. D.

Kultusministeriums vom 01.07.1987, GABI. NW. S. 416;

geänderte Fassung vom 01.07.2012)

Wer HIV- und STI-Prävention ernst nimmt, muss sich

auch gegen Diskriminierung und Stigmatisierung

von Menschen mit HIV und den von HIV besonders betroffenen

Gruppen –wie eben homosexuellen Jungs und

Männern (s.o.)- stark machen. Dies berücksichtigen wir

in unserer Youthwork-Arbeit –soweit es die zeitlichen und

personellen Möglichkeiten zulassen – schon immer. Im

Berichtsjahr haben wir diesbezüglich für unser Projekt

SchLAu-Duisburg (s. 5.7.) weiter wachsende Nachfragen

erhalten, konnten aus personellen Gründen nur noch

wenige bedienen. Es konnte zwar gelingen, ein kleines

Team von ehrenamtlichen SchLAu-Interessent*innen

aufzubauen und diese zum Teil zu qualifizieren, allerdings

sind darunter leider keine Mitarbeiter*innen, die die

Projekte im Bereich des Vormittags aktiv begleiten können,

so dass unser Kollege Frank Funk hier alleine wirken

musste und seine Einsatzmöglichkeiten für SchLAu

sehr begrenzt waren. Interessent*innen sind nach wie

vor herzlich willkommen.

Sehr hilfreich wirkte sich die Teamerweiterung im

„Youthwork“ durch die Dipl. Pädagogin, Anika Walther,

aus. Damit können wir prinzipiell auch wieder geschlechtsspezifische

Angebote unterbreiten und neue

71


Projektformen `aus der Wiedervorlage´ holen und umsetzen,

aber auch hier sind die Kapazitäten für das Arbeitsfeld

Youthwork begrenzt, da Frau Walther seit Mai

des Berichtsjahres vorwiegend im Bereich der psychosozialen

Begleitung tätig ist.

Erfreulicherweise konnten wir im Berichtsjahr mit unserem

Netzwerkpartner, der profamilia Duisburg, die sog.

„Sexualpädagogischen Stadt-Rallye“ für Jugendliche

der 9. Klassen fortlaufend anbieten. Dieses Projekt

wird für den Youthwork-Bereich federführend von Frau

Walther begleitet und durch die Beteiligung von SchLAu

unter Federführung von Frank Funk sowie dem sexualpädagogischen

Angebot der pro familia inhaltlich abgerundet..

Mit der Sexualpädagogischen Stadt-Rallye bieten wir

kurzweilige Aufklärung über:

- die Ansteckungswege bei HIV und anderen

sexuell übertragbaren Krankheiten; einen vorurteilsfreien

Umgang mit HIV-infi zierten und an

AIDS erkrankten Menschen (AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V .- Youthwork).

- die sexuelle Vielfalt und den Respekt vor verschiedenen

Lebens- und Liebesformen (SchLAu

Duisburg).

- die Angebote für Jugendliche bezüglich

Schwangerschaftskonfl ikt- und Sexualberatung

und die sexuellen und reproduktiven Rechte

Jugendlicher (pro familia Duisburg).

2015 zeigte sich erneut, dass das Projekt „Sexualpädagogische

Stadt-Rallye“ das Youthwork-Regelangebot

der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bekannt

macht, es sinnvoll ergänzt und bereichert.

In kurzen Workshops (je ca. 45 Minuten) präsentieren die

Initiatoren ihre inhaltliche Arbeit. Durch die überarbeiteten

Rallyeaufgaben lassen sich darüber hinaus die Angebotsstrukturen

von Mabilda e.V. und Jungs e.V. (Mädchenbildungsarbeit

und geschlechterrefl ektierte Arbeit

mit Jungen in Duisburg) darstellen.

Ein Ziel ist es, den Schüler*Innen die spezifi sche Ratund

Hilfe-Infrastruktur bekannt zu machen und sie zu befähigen,

diese im Bedarfsfall selbständig und eigenverantwortlich

aufsuchen zu können.

Einen weiteren Schwerpunkt setzt die Rallye auf die Erweiterung

der Kommunikations- und Alltagskompetenzen

der Jugendlichen. Auf dem Weg zu den Institutionen werden

dazu Auskünfte bei den aktiv beteiligten Handelseinrichtungen

in Neudorf eingeholt. In dem Drogeriemarkt

gilt es Fragen zu Kondomen zu stellen, in der Apotheke

zur „Pille danach“ und im Buchladen zur altersgemäßen

Literatur zum Thema Sexualität.

Die Rückmeldebögen, die für die Rallye erstellt wurden,

dokumentieren, dass das Projekt seine Ziele erreicht. So

bestätigten 2015 beispielsweise all (!) Teilnehmer*innen,

dass ihnen die Kontaktaufnahme zu den Beratungsstellen

nach der Veranstaltung leichter fallen würde.

In erster Linie nahmen in diesem Jahr Gesamtschulen

und Förderschulen die Angebotsform der Rallye an. 2015

stellte mit der Teilnahme von sogenannten „Seiteneinsteigerklassen“

für Flüchtlinge eine neue Herausforderung

dar. Durch die sprachlichen Barrieren galt es, den

Fokus bei der Vermittlung von Inhalten mehr auf bildliche

Darstellungen zu legen.

Durchschnittlich nahmen an einer „Sexualpädagogischen

Stadt-Rallye“ 25 Schüler*innen im Alter von 14-17

Jahren teil.

Der Erfolg des Projektes, das 2015 sowohl aus den Mitteln

des „Aktionsprogrammes Kinder- und Jugendschutz

2015“ der Stadt Duisburg sowie bis September 2015 von

der „Aktion Mensch“ gefördert wurde, zeigte sich darüber

hinaus darin, dass die angebotenen Termine zu 80% von

Duisburger Schulen genutzt wurden.

Terminmöglichkeiten und nähere Informationen zur Sexualpädagogischen

Stadtrallye fi nden sich auf unserer

Homepage (www.aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de ).

Um auch weitere Chancen auf Umsetzung kreativer

Projektformen zu erhalten, die wir mit den vorhandenen

Ressourcen für das Regelangebot „Youthwork“ nicht vorhalten

könnten, hat sich die „Abteilung Youthwork“ der

AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel im Dezember 2014

beim Jugendamt der Stadt Duisburg um die Anerkennung

als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe nach §

72 Zielgruppenspezifische Prävention


75 SGB VIII beworben und im Mai 2015 die Anerkennung

erhalten.

Der niedrigschwellige, emanzipatorische und akzeptanzorientierte

Ansatz ist richtig. Repressive Ansätze

sind eindeutig kontraproduktiv. Die besondere Akzeptanz

dieses Ansatzes wird uns auch vor Ort durch Rückmeldungen,

Resonanzen und Evaluationserfahrungen zu

unseren Veranstaltungen in diesem Sektor (s. Abb. Veranstaltungsverteilung

nach Arbeitsfeldern) bestätigt.

Dem Rechnung tragend gestalten wir unsere HIV-Prävention

in sexualpädagogischem Kontext und zielen auf

einen Dialog in offener und angstfreier Atmosphäre und

ohne pädagogischen Zeigefinger.

Youthwork NRW steht für wertorientierte, altersgemäße

und fachlich fundierte Präventionsarbeit basierend auf

dem Landeskonzept des Gesundheitsministeriums NRW

zur Minimierung von HIV/STI-Infektionen und den Standards

für die Sexualaufklärung in Europa. Dabei ist uns

die Vernetzung und Kooperation im Kontext von Sexualität

und Gesundheit mit professionell Tätigen und entsprechenden

Facheinrichtungen ein Anliegen.

Im Zusammenhang der immer noch schwelenden Debatte

zur Sexualpädagogik, die vor allem durch sog.

„besorgte Eltern“ befördert wird, schließen wir uns dem

Statement der Gesellschaft für Sexualpädagogik ausdrücklich

an. Außerdem verweisen wir auf die Erklärung

des Bundesverbandes von pro famila zum Recht auf Sexualaufklärung.

Nähere Informationen zum Youthwork-Angebot finden

sich auch auf der Internetseite www.youthwork-nrw.de .

Die ca. 60 Youthworker/innen in NRW sind gut vernetzt

und pflegen den fachlichen Austausch sowie die stete

Fort- und Weiterentwicklung über eine jährliche dreitägige

Fachfortbildung und durch quartalsweise Treffen

der Gruppen der fünf Regierungsbezirke. Diese stellen

jeweils zwei Sprecher/innen für den sog. Sprecherkreis

Youthwork ab, der den Kontakt mit dem Ministerium

(MGEPA NRW) pflegt und die Fachtagungen organisiert.

Seit 2013 ist der Youthworker der AIDS-Hilfe Duisburg /

Kreis Wesel, Dietmar Heyde, Mitglied dieses Sprecherkreises.

Das landesweite Logo von Youthwork-NRW.

Im Berichtsjahr wurde die Relaunch der „Youthwork-Kampagne“

unter dem Titel „dein leben. deine lust.“ weiterentwickelt

und der aktuelle Stand konnte über ein

Abstract im Rahmen der Posterausstellung auf dem

Deutsch-österreichischen AIDS-Kongress im Juni 2015

in Düsseldorf der Fachwelt präsentiert werden. Zudem

hat das Online-Spiel „Youstrip“, welches Bestandteil der

medialen Kampagne werden wird, im Mai im BMG in

Berlin einen der Sirius-Preise 2015 der BZgA erhalten.

Dieses interaktive Präventionsspiel wird zu Beginn des

Jahres 2016 fertiggestellt und dann über die neu gestaltete

Homepage www.Youthwork-nrw.de abrufbar sein.

Der Start der Kampagne wird im Frühjahr 2016 erfolgen.

5.6.1 Veranstaltungsinhalte

In aller Regel werden personalkommunikative Formen

massenmedialen vorgezogen. Das erfordert allerdings

auch eine jeweilige Reduktion auf zielgruppenadäquate

und bedürfnisorientierte Themenbereiche. Um diese Reduktion

pädagogisch verantwortungsvoll vornehmen zu

können, finden entsprechende Vor- und Nachgespräche

mit den Veranstaltungspartnern statt.

Je nach Zielgruppe, Zugangsvoraussetzungen und Rahmenbedingungen

können u.a. folgende Themenfelder

behandelt werden:

• Medizinisch, biologische Grundlagen zu HIV und

AIDS und anderen STI`s (Virologie, Immunologie, ...)

• Verlaufsformen der HIV-Infektion

• Aktueller Forschungsstand und Therapieansätze

• Übertragungswege und –risiken

• Infektionsschutzmöglichkeiten

73


• Testverfahren und ihre Problematiken

• Epidemiologische Entwicklung und daraus resultierende

Präventionserfordernisse und –strategien

• Lebenssituation von Betroffenen und An- oder Zugehörigen

• Umgang mit HIV-positiven oder/und an AIDS erkrankten

Menschen

• Vorurteile gegenüber sog. Hauptbetroffenengruppen

• Drogen- und Substitutionsproblematik

• HIV und AIDS als gesellschaftliches Phänomen

• Diskriminierungs- u. Stigmatisierungspotentiale

• Juristische und ethische Fragestellungen

• HIV in der Arbeitswelt

• Sekundärpräventive Aspekte für Menschen mit HIV



• Liebe, Sexualität und Partnerschaft

• Probleme im Umgang mit der eigenen Sexualität

• Homosexualität (Schwul-lesbische Aufklärungsarbeit)

• Geschlechterrollen und ihre Problematiken

• Normen, Werte und deren Wandel im Umfeld der

Sexualität

• u.a.m.

5.6.2 Schulische Prävention / Youthwork

Wir bieten für Sie an:

• HIV-Präventionsveranstaltungen

im Rahmen von Sexualpädagogik

und ganzheitlicher Gesundheitsförderung

• Fort- und Weiterbildung für MultiplikatorInnen

und LehrerInnen

Beratung

(siehe auch: www.youthwork-nrw.de/unsereangebote )

Angebote

Präventionsveranstaltungen

Fort- und

Weiterbildung

Kooperation,

Koordination,

Vernetzung

• Beratung (telefonisch, persönlich,

schriftlich und via Internet) für

Jugendliche, Eltern, LehrerInnen,

ErzieherInnen etc.

• Kooperation, Koordination und

Vernetzung

• Geschlechtsspezifische Angebote

für Mädchen und Jungen

Einzel-,

Paar, Gruppenberatung;

-telefonisch

-persönlich

-schriftlich

-via Internet

Gruppenarbeit, Moderation,

Workshop, Seminar,

Expertengespräch, Diskussion,

Projekt, Fachtagung,

Event, Vortrag,

Referat, Infostand etc.

Arbeitskreise,

Gremien,

Ausschüsse,

Lobbyarbeit,

etc.

74 Zielgruppenspezifische Prävention


Unsere Youthworkerin Anika Walther

und unser Youthworker Dietmar Heyde

HIV/AIDS- und STI-präventive Veranstaltungen in sexualpädagogischem

Kontext wurden von der AIDS-Hilfe

Duisburg / Kreis Wesel e.V. für Schülerinnen und

Schüler aller Regelschulformen sowie Kollegschulen

durchgeführt. In der Regel werden unsere Angebote in

den Jahrgängen ab der Klasse 9, in einzelnen begründeten

Ausnahmen auch in jüngeren Jahrgängen platziert.

Form und Inhalte werden jeweils bedürfnis- und lebensweltorientiert

konzipiert. Das Angebotsspektrum reicht

hier von Formen eines „Expertengespräches“ im Rahmen

von Unterrichtsreihen vor unterschiedlichem Fachhintergrund

bis hin zu Projekttagen und – wochen, die

günstigenfalls außerhalb des Schulrahmens durchgeführt

werden.

Mit dem Berichtsjahr 2015 blicken wir im Bereich

Youthwork / Prävention in der Allgemeinbevölkerung

auf ein aktives Jahr mit saisonalen Verschiebungen und

leicht rückläufigen Nachfragen zurück. Dies ist zum einen

darauf zurückzuführen, dass einzelne langjährige Beratungslehrer*innen

als Koordinator*innen aus dem Schuldienst

ausgeschieden sind und die Nachfolgen noch zu

regeln sind und zum anderen auf erhebliche Veränderungsprozesse

in der Schullandschaft infolge des Inklusionsprozesses

und der Errichtung von Sekundarschulen.

Angesichts der Größe des Zuständigkeitsgebietes, der

wachsenden Bedarfe, der zunehmenden Notwendigkeit,

auch andere sexuell übertragbare Krankheiten einzubeziehen

und der Einzigartigkeit des Youthwork-Angebotes

in der Region sind unsere Fachkraftressourcen

trotz der stabilen Einbeziehung von Frau Walther nach

wie vor begrenzt. Zudem stehen wir vor zunehmenden

Finanzierungsschwierigkeiten, weil die öffentliche Förderung

schon die Personalkosten des hauptamtlich Beschäftigten

längst nicht mehr abdecken und wir schon

lange immer mehr Eigenmittel zur Refinanzierung der

Sachkosten und derer für die ehrenamtlich Tätigen einsetzen

müssen. Die Gewinnung von Projektfördermitteln

(wie etwa die der Aktion Mensch) sowie die steigende

Notwendigkeit, von den Nachfragenden (Schulen et al.)

Aufwandsentschädigungen abzuverlangen, sind unerlässlich

geworden. Diese Maßnahmen erfordern aber

auch Zeit und Kapazitäten und senken zudem die Niedrigschwelligkeit

des Zugangs und die Finanzierbarkeit

des Angebotes für die „Kunden“. Wenn die Zuwendungsgeber

(Land und Kommunen) weiterhin dieses wichtige

Angebot vorhalten wollen, wird hier eine Nachbesserung

unumgänglich werden.

Unser Dank gilt an dieser Stelle insbesondere den aktiven

HIV-positiven Ehrenamtlern, die sich immer wieder

bereit erklären, in authentischer Weise zur Frage

„HIV-positiv sein – was heißt das?“ Rede und Antwort

zu stehen. Die Einbeziehung von Selbsthilfeaktivisten ist

fester Bestandteil vieler Präventionsveranstaltungen. Der

besondere Wert dieser Authentizität wird uns auch immer

wieder rückgemeldet. Hier gilt vor allem unserem Ehrenamtler,

Thomas Hilgers, ein herzliches Dankeschön.

Der von uns (mit-) initiierten Präventions-Vernetzung in

Duisburg kommt ebenfalls besondere Bedeutung zu. Dabei

geht es uns vor allem darum, über Multiplikator/innen

eine kontinuierliche Präsenz der Präventionsthemen in

den Institutionen zu schaffen und von `nur´ punktuellen

Veranstaltungen wegzukommen. Durch die Vernetzung

und die damit verbesserte Kooperation und Koordinierung

werden Synergieeffekte erzielt. Durch begleitende

Öffentlichkeitsarbeit wird für die potentiellen Kunden

mehr Transparenz zu den Präventionsangeboten geschaffen

und den Schülerinnen und Schülern die Beratungseinrichtungen

und ihre Mitarbeiter/innen bekannt

gemacht.

„Lernvoraussetzungsanalyse – und didaktische Konsequenzen“

Wir konstatieren bei der Zielgruppe der Jugendlichen weiterhin

insbesondere Defizite im Bereich von sprachlichen

75


und kommunikativen Kompetenzen im Feld von Liebe,

Sexualität und Partnerschaft. Ein Erklärungsansatz mag

in der neuartigen Nutzung von virtuellen Medien und den

damit verbundenen spezifi schen Kommunikationsmustern

zu fi nden sein (die „Explosion“ im Bereich der sog.

Sozialen Netzwerke, …). Ein anderer Ansatz ist uralt,

nämlich dass auch heute der Eintritt in das Abenteuer

„Liebe, Sex und Partnerschaft“ immer noch mit ganz viel

Aufregung, Nervosität und auch Ängsten und Sorgen verbunden

ist, trotz oder gerade wegen der vermeintlichen

Banalisierung der Thematik durch vielfältige einschlägige

Medien, die den Jugendlichen vermeintliche Realitäten

und / oder Normalitäten vorspiegeln. Hier ist einfühlsame

Sexualpädagogik gefordert.

Nach unserer Auffassung sind hierzu die Informations-

und Vermittlungsmethoden und der Zeitpunkt der

thematischen Auseinandersetzung von entscheidender

Bedeutung. Die Erkenntnis ist nicht neu, dass HIV/

AIDS-Prävention mit Jugendlichen im Kontext von Sexualpädagogik

anzusiedeln ist, dass personalkommunikative

Methoden (d.h. „Veranstaltungen von Mensch zu

Mensch“, vgl. BZgA-Ansatz), die an der Lebenswelt der

Schüler/innen orientiert und hinsichtlich der ersten Erfahrungen

zeitnah zu platzieren sind, massenmedialen oder

eindimensionalen Vermittlungsformen vorzuziehen sind,

bzw. diese unbedingt ergänzen sollten (vgl. Landespräventionskonzept

o.).

In den Jahrgangsstufen bis zur 10. Klasse erscheint uns

zudem eine – zumindest phasenweise und themenabhängige

– geschlechtergetrennte Bearbeitung sinnvoll.

Hier müssen einfach die nicht selten durchaus großen

Unterschiede im Reife- und Erfahrungsgrad zwischen

Mädchen und Jungen einer Jahrgangsstufe Berücksichtigung

fi nden. In Anwesenheit des anderen Geschlechtes

fällt es manchmal schwerer, in offene und ehrliche Kommunikationsprozesse

hineinzufi nden.

Erst recht, wenn die eigene Identitätsfi ndung (Wer bin

ich? Was mag ich? Was mag ich nicht? …) noch in vollem

Gange ist. Dennoch sind angesichts der mehrheitlich

heterosexuellen Orientierungen Erfahrungen gelingender

Kommunikation zwischen den Geschlechtern unentbehrlich

und nicht zuletzt besonders wichtig für die Verabredung

von Verhütungsmethoden, für die Durchsetzung

individueller Schutzbedürfnisse.

Verstärkt wird der Trend zu problematischer bzw. nicht

erfolgreicher Face-to-face-Kommunikation durch die rasante

Nutzung der neuen Medien zur Kontaktanbahnung

oder für Verabredungen. Die anfängliche Anonymität wird

einerseits sehr geschätzt, aber andererseits auch zunehmend

missbraucht. Der Ansatz, kommunikative Kompetenzen

zu fördern, wird aus unserer Sicht immer wichtiger

(vgl. o.).

Es bleibt dabei, Emanzipation, Selbstbewusstsein und

–bestimmung mit sozialer Verantwortung und solidarischem

Handeln in Einklang zu bringen, ist eine zentrale

Aufgabe von Erziehung, (Aus-) Bildung und Präventionsarbeit.

Prävention in Zahlen:

Durch Veranstaltungen im Sektor Youthwork und Präventionsveranstaltungen

in der Allgemeinbevölkerung

konnten wir im Berichtsjahr 2015 3.540 Personen mit

personalkommunikativen Formen erreichen, davon 169

sog. Multiplikator/innen (Lehrkräfte und sonstige Pädagog/innen

sowie ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Allein

im schulischen Bereich (-> Youthwork-Angebote) erreichten

wir in 14 Schulen des Kreises Wesel und elf Schulen

der Stadt Duisburg 966 Jugendliche aus allen Schulformen,

299 in außerschulischen Zusammenhängen

wie offener Jugendarbeit u.a. und 1.925 Jugendliche im

Rahmen von personalkommunikativen Formen bei Großveranstaltungen

(wie z.B. bei Veranstaltungen zum Welt-

AIDS-Tag). 34,5 % der jungen Menschen kamen aus

76 Zielgruppenspezifische Prävention


dem Alterssegment zwischen 14 und 17 Jahren, 21,7 %

der Jugendlichen hatten einen Migrationshintergrund (s.

auch Controlling-Daten für 2015 im Anhang).

5.6.3 (Präventions-) Veranstaltungen für Jugendliche

und Multiplikatoren

Erfreulich war auch in diesem Berichtszeitraum erneut die

Nachfrage nach Präventionsberatungen von Schüler*innen,

die für Fach- oder Projektarbeiten unseren Rat

suchten. Dies ist gewiss auch als Zeichen zu deuten,

dass die AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei vielen

Schulen als gute und wichtige Anlaufstelle bekannt ist.

Über das direkte Aufsuchen lassen sich im Übrigen leicht

denkbare Schwellenprobleme abbauen. Zudem können

wir hierüber natürlich auch unsere Youthwork-Angebote

bekannt machen.

Aus dem Bereich berufsbildender Einrichtungen (z.B.

Berufskollegs, insbesondere der Sektor der sog. Berufsgrundschuljahre)

gab es im Berichtsjahr leicht rückläufige

Anfragen zu vermerken. Hier finden wir in der Regel

wichtige Zielgruppen; Jugendliche im Alter zwischen 16

und 25 Jahren, die oftmals problembehaftete Sozialisationen

und einen geringen Grad an Aufklärungsniveau

(z.T. auch migrationsbedingt) aufweisen.

Bis auf einzelne Ausnahmen – vorwiegend im Zusammenhang

mit schulischen Projekttagen und im Umfeld

des Welt-AIDS-Tages – sind direkte Kooperationen mit

Einrichtungen der offenen Jugendarbeit eher selten.

Dass wir hier allerdings auch keine Offensiven starten

konnten, hat unsererseits einfach mit Kapazitätsgrenzen

zu tun.

Dazu führen wir u.a. alljährlich intensive Grundlagenausbildungen

(s. 6.) im Verbund mit drei anderen Ruhrgebiets-AIDS-Hilfen

durch, um darüber einerseits den

Ehrenamtler*innen eine Möglichkeit zu bieten, ein Einsatzfeld

zu finden, dass ihren Ressourcen, Fähigkeiten

und Neigungen entspricht und andererseits sie gemäß

unserer Qualitätsstandards auszubilden und zu rüsten

sowie die vorhandene Motivation zu stärken. Es spricht

vieles dafür, ehrenamtliche Ressourcen gerade auch im

Bereich der (Primär-) Präventionsarbeit weiter zu mobilisieren

und zu qualifizieren, z.B. für den peer-to-peer-

Ansatz. Die aktiven Ehrenamtler*innen sind unsere wichtigste

Ressource und die wichtigsten Multiplikator/innen.

Eine weitere ganz wichtige Gruppe von potentiellen Multiplikator*innen

sind in diesem Präventionsfeld natürlich

die Lehrenden in schulischen und außerschulischen

Einrichtungen. Die Anfragen nach Lehrerfortbildungen

im Hinblick auf und im Vorfeld von Projektformen stagnieren

auf sehr niedrigem Niveau. Dies hat unter anderem

mit den vielfältigen Veränderungen im Schulbereich mit

erheblichen Zusatzbelastungen für die Lehrkräfte zu tun.

Fortbildungen, die mit Unterrichtsausfall verbunden sind,

sind nicht leicht zu installieren. Dies hat auch damit zu

tun, dass wir überwiegend bei z.T. schon sehr lange etablierten

Projekten agieren und hier nicht mehr viel Überzeugungsarbeit

leisten müssen. Darüber hinaus wirkt

hier in sehr positivem Sinne die alljährliche Fachtagung

des AK Prävention Duisburg in genau diese Richtung

(s.u.). Natürlich wäre eine Ausweitung des Angebotes

(s.o.) wünschenswert, aber wir sind nach wie vor froh,

wenn wir mit unseren begrenzten Ressourcen die Nachfragen

weitestgehend bedienen können.

5.6.4 Multiplikatoren- und Erwachsenenbildung

Wie bereits erwähnt, investiert die AIDS-Hilfe Duisburg

/ Kreis Wesel e.V. viel in die Aus- und Weiterbildung

ihrer ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, ohne die einfach

die Vielzahl an Anfragen auch aus diesem Präventionsfeld

nicht befriedigt werden könnten. Dies ist und

bleibt eine wichtige Aufgabe, der wir uns gerne widmen.

Das Themenspektrum reicht hier von der Präsentation

des aktuellen Wissensstandes zu HIV und AIDS über die

epidemiologische Entwicklung und daraus resultierender

Präventionskonsequenzen und –strategien bis hin zu Aspekten

spezieller Fortbildung im Feld der Kommunikation,

wie Gesprächsführung und Moderation.

77


Ein zentrales Anliegen ist es, die Präventionsthemen und

die damit verbundenen Ziele an Schulen und in außerschulischen

(Jugend-) Einrichtungen möglichst ganzjährig

zu platzieren. Geschulte Pädagog*innen, Erzieher*innen

oder Sozialarbeiter*innen und –pädagog*innen

sollten diese repräsentieren, zumindest mit Verweisungskompetenzen

ausgestattet sein und als Ansprechpartner*innen

für die Jugendlichen bekannt sein / werden.

Gut angenommen wurde hier wieder die im Berichtsjahr

angebotene 15. Fachtagung des Präventions-Vernetzungskreises

Duisburg am 22. September. In diesem

Jahr hat sich der AK ganz bewusst der sexualpädagogischen

Debatte (s.o.) gestellt. Unter dem Titel „Sex – (k)

ein Thema in der Schule?“ befassten sich über 40 Teilnehmer*innen

schwerpunktmäßig mit Aspekten des sexuellen

Mißbrauchs, den Ansätzen der Sexualpädagogik

der Duisburger Einrichtungen (AIDS-Hilfe, SchLAu und

pro familia).

diesem Tätigkeitsfeld bewährt sich das „3-Säulen-Modell

AIDS-Hilfe“ mit der Verbindung von Selbsthilfe-, Interessen-

und Fachverband sowie der Ansatz der Strukturellen

Prävention immer wieder aufs Neue.

Vereinzelt tauchen auch –wieder- Anfragen aus dem Bereich

der Altenpfl egeseminare auf, was uns sehr erfreut,

weil es doch zeigt, dass immer mehr Menschen mit HIV

auch hier in Erscheinung treten, da sie immer Chancen

auf ein Älterwerden haben.

Und auch das große Jahresthema – die Flüchtlingswelle

– kommt allmählich bei uns an. Hier gab es neben einzelnen

Begleitungsfällen auch erste Fortbildungsanfragen

von Teams aus zentralen Unterbringungseinheiten (ZUE)

oder Notunterkünften, Wünsche nach Infomaterialien

und Kondomen, die wir gerne bedienen.

Abgerundet wurde die Fachtagung –wie immer- durch

einen wissenschaftlichen Vortrag, diesmal zum Thema

„Standards für die Sexualaufklärung in Europa“, vorgestellt

durch Frau Laura Brockschmidt, der Referentin im

WHO Kollaborationszentrum für sexuelle und reproduktive

Gesundheit der BZgA.

Neben inhaltlichen Anregungen und methodischen Zugangsformen

dient die Fachtagung immer auch dem Ziel,

die Präventionsinfrastruktur in Duisburg kennen lernen

zu können.

5.6.5 Berufsspezifische Erwachsenenbildung

Hier sind im Wesentlichen Fortbildungsveranstaltungen

in Krankenpfl egeschulen, bei sonstigen Pflegeanbietern

und im medizinischen Versorgungssystem

verortet. Insbesondere bei den Krankenpfl egeschulen

unserer Region verzeichnen wir sehr stabile Nachfragen

und hocherfreuliche Rückmeldungen. Insbesondere

wird geschätzt, dass wir von der medizinischen Seite

bis zu den Tiefen im psychosozialen Bereich die ganze

Bandbreite des komplexen Themenfeldes rund um das

Phänomen „HIV / AIDS und andere sexuell übertragbare

Krankheiten“ abdecken können. Nicht zuletzt auch in

78 Zielgruppenspezifische Prävention


5.6.6 Sonstige Aufgaben und Tätigkeiten

Anzuführen sind hier für den Stelleninhaber :

• Beteiligung an der Grundlagenausbildung für Ehrenamtler*innen in der Ruhrgebietsvernetzung der AIDS-Hilfen

• Präventionsvernetzungsarbeit im Kreis Wesel und Duisburg

• Vertretung der AIDS-Hilfe Duisburg / Kreis Wesel e.V. bei den NRW-Youthworker-Arbeitskreisen und dem

Youthwork-Qualitätszirkel sowie im Sprecherkreis der NRW Youthworker*innen

• Evaluation und Qualitätssicherung – Fortführung des Verfahrens beim Youthwork-Förderprogramm-Controlling

MGEPA, NRW – seit 2013 der landesweiten Datenerhebung über die AG Aidsprävention

• Beratung / Information für Zeitungs- TV- und Radio-Redaktionen sowie für politische Entscheidungsträger

• Koordinierung von haupt- und ehrenamtlichen Einsätzen bei Informations- und Präventionsprojekten

• Einarbeitung in und Bereitstellung von Materialien für Lehrende und Multiplikator*innen

• Beratung von pädagogischen Fachkräften bzgl. der Unterrichts- oder Projektgestaltung zum Thema HIV /

AIDS und anderer STI`s

• Telefonische und persönliche Informations- und Beratungsgespräche

• E-mail Beratung

• Unterstützung von Jugendvertretungs- und Schülerzeitungsredakteur*innen

• Geschäftsführung

• u.a.m. (Vgl. 4. Öffentlichkeitsarbeit)

Abb.: Veranstaltungsverteilung nach Arbeitsfeldern

79


5.7. SchLAu Duisburg

SchLAu Duisburg

Seit 2014 ist die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel e.V.

Träger des ehrenamtlichen Projektes SchLAu. SchLAu

steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch welche wir nachhaltige Antidiskriminierung in Duisburg

erreichen wollen.

Beschreibung

SchLAu steht für Schwul Lesbisch Bi Inter Trans* Aufklärung

durch lokale Aufklärungsgruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen.

Die SchLAu Duisburg Gruppe besucht

ehrenamtlich Schulen, Jugendzentren und andere Bildungseinrichtungen

in Duisburg und Umgebung.

Im Zentrum von SchLAu steht die Begegnung zwischen

Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Lesben,

Schwulen, Bi- , Intersexuellen und Trans*. Die dahinterstehende

Idee ist, dass Vorurteile und Klischees durch

die direkte Begegnung wirkungsvoll hinterfragt und abgebaut

werden können. Wir möchten die Jugendlichen

mit Lesben, Schwulen, Bi-, Intersexuellen und Trans* ins

Gespräch bringen:

„Damit nicht mehr über uns geredet wird, sondern

mit uns!“

Denn noch immer zeigen Studien in trauriger Regelmäßigkeit,

dass Homo- und Transphobie feste Bestandteile

in Klassenräumen, Freizeiteinrichtungen und auf Schulhöfen

sind. Manchmal entsteht so ein Klima gegenseitiger

Feindseligkeit, unter dem nicht nur homo- und bisexuelle

sowie inter- und transgeschlechtliche Jugendliche

leiden, sondern das alle betrifft. SchLAu-Workshops thematisieren

diese Diskriminierungsmechanismen, geben

authentische Einblicke in gleichgeschlechtliche Lebensweisen

und vermitteln Akzeptanz gegenüber der Vielfalt

menschlicher Lebensentwürfe.

SchLAu Duisburg leistet damit einen grundlegenden

Beitrag zu nachhaltiger Antidiskriminierung, effektiver

Gewaltprävention und demokratischer Menschenrechtsbildung.

Denn unsere Vision ist eine Gesellschaft ohne

Ausgrenzung, Homophobie und Transphobie.

Kooperation mit dem Träger

SchLAu Duisburg agiert weitgehend eigenständig, bedarf

aber eines Trägers. Die AIDS-Hilfe Duisburg Kreis Wesel

e.V. stellt sich dazu gern zur Verfügung. SchLAu erhält

administrative Unterstützung sowie Sach-Unterstützung

z.B. einen Arbeitsplatz, Zugriff auf Materialien und personelle

Unterstützung durch einen Mitarbeiter. Die Zusammenarbeit

und das Verhältnis der beiden Institutionen

wird durch eine Kooperationsvereinbarung geregelt.

Einsätze

Im Berichtsjahr 2015 konnten die wachsenden Anfragen

von verschiedenen Schulen aus unserem Zustän-

80 Zielgruppenspezifische Prävention


digkeitsgebiet leider nur noch in sehr begrenztem Maße

bedient werden, da es nicht gelingen konnte, ein Team

von ehrenamtlichen Trainer*innen zu gewinnen, die zu

den angefragten Zeiten, also vormittags, Zeit für die Einsätze

gehabt hätten. Bis auf wenige Ausnahmen konnte

SchLAu Duisburg nur noch im Rahmen der Sexualpädagogischen

Stadt-Rallye (s. 5.6.) workshops durchführen.

Kooperation: Sexualpädagogische Stadtrallye

Zusammen mit den Partnern erreichte SchLAu Duisburg

im spielerischen Wettbewerb Schülerinnen und Schüler

verschiedenster Schulformen aus dem gesamten Stadtgebiet.

Die Rallye bietet als Rahmen einen sehr niedrigschwelligen

und zeitlich engbegrenzten Zugang, der in

weiterführenden Workshops bei Bedarf vertieft werden

kann. Dieses innovative Projekt wurde in 2015 auch ohne

weitere Bewerbung sehr gut nachgefragt.

244 junge Menschen wurden durch Workshops erreicht,

davon 118 männlich, 126 weiblich und 162 Jugendliche

mit erkennbarem Migrationshintergrund.

Vernetzung

SchLAu Duisburg ist Teil des landesweiten Netzwerkes

SchLAu NRW, getragen vom Schwulen Netzwerk NRW

e.V. Die Landesstruktur steht im Kontakt zur Landespolitik

und den fördernden Ministerien. Schulungen und Dokumentation

zählen zu den dortigen Aufgaben, wie auch

die bundesweite Vernetzung.

Trotz dieser guten Einbindung in landesweite Strukturen

hat sich im Berichtsjahr deutlich gezeigt, dass der Aufbau

und die Koordinierung einer örtlichen Struktur ohne

hauptamtliche Ressourcen kaum zu leisten ist.

81


6. Ehrenamtliche Mitarbeit

6.1. Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen

Im Berichtsjahr waren als Kern 26 Personen ehrenamtlich

für die AIDS-Hilfe tätig. Punktuell, wie zum Beispiel im

Rahmen der CSD-Saison oder beim WAT beteiligen

sich weitere interessierte Menschen an unserer Arbeit

und unterstützen uns tatkräftig. Insgesamt waren mehr

ehrenamtlich Mitarbeitende als im Vorjahr für uns tätig,

was u.a. daran liegt, dass sich die Herzenslust-Gruppe

neu formiert hat.

Das ehrenamtliche Engagement ist für das Angebot der

AIDS-Hilfe Duisburg/Kreis Wesel e. V. weiterhin überaus

wichtig. Ohne die freiwilligen Mitarbeiter*nnen könnten

wir unser umfangreiches Angebot nicht aufrechterhalten.

Daher an dieser Stelle unser großer Dank für den

unermüdlichen Einsatz und die vielen unentgeltlich

geleisteten Stunden der ehrenamtlichen Mitarbeiter*i

nnen.

Im Berichtsjahr konnte die im Vorjahr in Angriff genommene

Modifi zierung unseres Ehrenamtlerkonzeptes

vorangetrieben werden. Da dies allerdings stets den

laufenden Entwicklungen angepasst werden soll, wird es

keinen abschließenden Stand geben. Angepasst und neu

formuliert ist aber die Rubrik auf der Homepage (s. www.

aidshilfe-duisburg-kreis-wesel.de/ Button: Ehrenamt).

Die AIDS-Hilfe bietet vielfältige Aufgabengebiete, in denen

sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen engagieren

können. Diese umfassen die Begleitung, Knastarbeit,

Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit, Herzenslust,

Telefon- und E-Mail-Beratung, Chat-Beratung,

Vorstandsarbeit, Mittwochs-Café, Freitagsfrühstück,

Substitutionsfrühstück und Weihnachtsfeier. Einige

ehrenamtliche Mitarbeiter*innen arbeiten in mehreren

Bereichen, andere haben sich spezielle Aufgabengebiete

gesucht, so zum Beispiel das Freitagsfrühstück.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen sind in den

unterschiedlichsten Berufen aktiv, sind HIV-negativ oder

HIV-positiv, setzen sich aus Frauen und Männern aus

allen sozialen Lebensbereichen zusammen und stammen

aus den unterschiedlichsten politischen Richtungen. Dies

bedeutet für die Arbeit der AIDS-Hilfe einen enormen

Erfahrungsschatz, der in unsere Arbeit mit einfl ießt.

Eine Möglichkeit des Austausches bietet weiterhin unser

Mittwochs-Café (siehe auch Punkt 3.5). Hier ist der

zentrale Anlaufpunkt, um sich mit Betroffenen zu treffen

oder sich untereinander oder mit den hauptamtlich

Tätigen auszutauschen.

Mit unserem traditionellen Dezember-Aktiventreffen

dankte die AIDS-Hilfe den ehrenamtlich Mitarbeitenden.

Zu einem leckeren Buffet richtete das hauptamtliche

Team den Gruppenraum gemütlich her. In stilvoller

Atmosphäre und geselliger Runde fand in unserem Café

der Abend statt. Wie in den Vorjahren konnten wir uns

bei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

für ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahr und auch bei

den Veranstaltungen zum WAT bedanken. Unter den

Anwesenden fand ein reger Austausch statt.

Gute Gespräche bei vorweihnachtlicher Atmosphäre –

unser Danke schön! – Sonder-Aktiven-Treffen

6.2. Schulung und Fortbildungen für ehrenamtliche

Mitarbeiter*innen

Im Berichtsjahr fand erstmalig keine Schulung für

ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in Vernetzung mit den

AIDS-Hilfen Bochum, Essen und Oberhausen statt.

82 Zielgruppenspezifische Prävention


Vor dem Hintergrund des hohen Ressourceneinsatzes

von hauptamtlichen Trainer*innen sollte ein modifiziertes

Konzept mit einer Basisschulung über den Dachverband

der DAH und aufbauenden Modulen in den Aidshilfen

entstehen. Das Gerüst dazu konnte entwickelt

werden, allerdings stockte der Prozess als unser

Ehrenamtskoordinator, Ralf Runniger, seine Tätigkeit bei

uns beendete und leider fand sich im Berichtsjahr kein(e)

Nachfolger(in).

Im kommenden Jahr soll ein neuer Anlauf erfolgen.

So müssen wir zurzeit für die Einsteigerschulungen auf

die Verbandsangebote verweisen, können aber natürlich

unsere spezifischen AIDS-Hilfe Bedarfe in verschiedenen

Formen in der Regel auch intern abdecken. Die großen

Synergien sind aber zunächst mal weg.

6. 3 Externe Fortbildungen

Weiterhin besteht in unserer Einrichtung ein

Fortbildungsetat für ehrenamtliche und hauptamtliche

Mitarbeiter*innen. Nicht nur im eigentlichen HIV/AIDS-

Bereich, sondern auch bei anderen sexuell übertragbaren

Krankheiten und in der Sozialgesetzgebung ergeben

sich immer schneller Veränderungen. Fortwährende

Weiterbildungen garantieren somit eine kompetente und

aktuelle Beratung und daraus resultierend entsprechende

Qualitätssicherung.

Wir bedanken uns abschließend an dieser Stelle für das

enorme freiwillige Engagement und die vielen Stunden

ehrenamtlicher Arbeit bei unserem „EA-Team“!

83


Controlling-Daten für das Kalenderjahr 2015 -

Verteilung nach Arbeitsfeldern

1. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2015 durch Maßnahmen primärpräventiver

Zielsetzung (personalkommunikativ) :

Gesamt 14.222

Davon im Arbeitsbereich :

1.1. Youthwork u. Prävention in der Allgemeinbevölkerung

Gesamt: 3540 ( 24,9 %)

Davon männlich 1647

Davon weiblich 1893

Mit erkennbarem Migrationshintergrund 769

Ohne erkennbaren Migr.hintergrund 2771

Bis 21 Jahre 2120

Über 21 Jahre 1420

1.2. Beratung (persönlich, telefonisch, inkl. bundesweite Telefonberatung u.per

e-mail)

Gesamt : 1587 (11.2 %)

Davon männlich 1188

Davon weiblich 399

Mit Migrationshintergrund 313

Ohne Migrationshintergrund 1274

Bis 21 Jahre 72

Ab 22 Jahre 1515

1.3 Frauen (inkl. überregionale Aktionen i. R. der Landesarbeitsgemeinschaft; AG

XXelle-Ruhrgebiet , …)

Gesamt : (100% weiblich) 1012 ( 7,2 %)

Mit Migrationshintergrund 607

Ohne Migrationshintergrund 405

Bis 21 Jahre 51

Ab 22 Jahre 961

1.4 Migration (in 2015 subsumiert in Beratung 1.2, Frauen 1.3 u. YW 1.1)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

84 Anhang / Pressespiegel


1.5 Herzenslust regional (inkl. Beratung & Test, CSD Duisburg-Veranstaltungen,

queer-life, Parties, …)

Gesamt : 1760 (12,3 %)

Davon männlich: 1480

Davon weiblich 280

Mit Migrationshintergrund 521

Ohne Migrationshintergrund 1239

Bis 21 Jahre 375

Ab 22 Jahre 1385

1.6 Herzenslust (Knotenpunktarbeit im Ruhrgebiet, fast vollständig über ZSP-Landes

mittel gefördert)

(inkl. Gay-online-Beratung über Health-Support-Profile, CSDs Köln und Essen)

Gesamt : 1238 (8.7 %)

Davon männlich 1158

Davon weiblich 80

Mit Migrationshintergrund 367

Ohne Migrationshintergrund 971

Bis 21 Jahre 350

Ab 22 Jahre 888

1.7. SchLAu Duisburg (seit 06/2013 in Trägerschaft der AIDS-Hilfe)

Gesamt: 244 (1,7 %)

Davon männlich: 118

Davon weiblich: 126

Mit Migrationshintergrund: 162

Ohne Migrationshintergrund: 82

Bis 21 Jahre: 238

Ab 22 Jahre: 6

1.8. Justizvollzug („Knastarbeit“) (JVA Du-Hamborn mit Zweigstelle Dinslaken)

Gesamt : (alle über 21 Jahre!) 415 (2,9 %)

Davon männlich 126

Davon weiblich 289

Mit Migrationshintergrund 116

Ohne Migrationshintergrund 299

1.9. Drogen (allgemeine und zielgruppenspezifische Präventionsarbeit d. AH)

Gesamt : 1300 (9,1 %)

Davon männlich 984

Davon weiblich 316

Mit Migrationshintergrund 310

Ohne Migrationshintergrund 990

Bis 21 Jahre 37

Ab 22 Jahre 1263

85


1.10. Spritzentausch (über persönlichen Kontakt, ohne Automaten in Du. u. Wesel)

Gesamt : 626 (4,4 %)

Davon männlich 522

Davon weiblich 104

Mit Migrationshintergrund 273

Ohne Migrationshintergrund 353

Bis 21 Jahre 20

Ab 22 Jahre 606

1.11. Substitution (an Wochenenden und Feiertagen in Duisburg)

Gesamt : 2500 (17,6 %)

Davon männlich 1640

Davon weiblich 860

Mit Migrationshintergrund 250

Ohne Migrationshintergrund 1250

Bis 21 Jahre 200

Ab 22 Jahre 2300

2. Unmittelbare Kontakte im Berichtsjahr 2015 durch Maßnahmen sekundär- und tertiärer

Zielsetzung (personalkommunikativ)

Gesamt : 2.938

2.1 (Psychosoziale-) Begleitung

Gesamt : 2451 (83,5 %)

Davon männlich 1704

Davon weiblich 747

Mit Migrationshintergrund 772

Ohne Migrationshintergrund 1679

Bis 21 Jahre 7

Ab 22 Jahre 2444

2.2 Beratung (für 2015 in 2.1. PSB integriert)

Gesamt :

Davon männlich

Davon weiblich

Mit Migrationshintergrund

Ohne Migrationshintergrund

Bis 21 Jahre

Ab 22 Jahre

86 Anhang / Pressespiegel


2.3 Justizvollzug

Gesamt : 6 (0,2 %)

Davon männlich 6

Davon weiblich 0

Mit Migrationshintergrund 6

Ohne Migrationshintergrund 0

Ab 22 Jahre (alle!) 6

2.4 Frauen

Gesamt : 428 (14,6 %)

Mit Migrationshintergrund 385

Ohne Migrationshintergrund 43

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre 428

2.5 Migration (s. 2.1. Begleitung und 2.4. Frauen)

2.6 Drogen

Gesamt: 45 (1,4 %)

Davon männlich 45

Davon weiblich 0

Mit Migrationshintergrund 0

Ohne Migrationshintergrund 45

Bis 21 Jahre 0

Ab 22 Jahre (alle!) 45

2.6 Youthwork (hier nur Personen! mit i.d.R. mehreren Kontakten!)

Gesamt : 8 (0,3 %)

Davon männlich 7

Davon weiblich 1

Mit Migrationshintergrund 1

Ohne Migrationshintergrund 7

Bis 21 Jahre 2

Ab 22 Jahre 6

87


88 Anhang / Pressespiegel


89


90 Anhang / Pressespiegel


91


92 Anhang / Pressespiegel


93


94 Anhang / Pressespiegel


95


96 Anhang / Pressespiegel


97


98 Anhang / Pressespiegel


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