dérive - Zeitschrift für Stadtforschung, Heft 64 (3/2016), Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung - Urbane Lebenswelten von Roma

derive

Wer mit halbwegs wachem Geist in Europa lebt, weiß, dass Roma diskriminiert werden, ihnen mit rassistischem Hass und Gewalt begegnet wird; und doch scheint die Verdrängungsleistung in Bezug auf die untragbare Situation groß. Als ausgegrenzte und stigmatisierte europäische Minderheit trifft die Roma die neoliberale Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte besonders hart. Seien es die Privatisierung von kommunalen Dienstleistungen, die Kommodifizierung von Wohnraum oder die Kommerzialisierung des öffentlichen Raums. Die Sommerausgabe von dérive greift all diese Punkte auf und setzt sich mit klassischen Vorurteilen wie dem Nomadentum oder dem Betteln auseinander. Darüberhinaus gibt es einen ausführlichen Beitrag über den Städtebau in Brasilien.
Das Heft kann hier http://derive.tictail.com/product/heft-64 bestellt werden.

Juli — Sept 2016

N o 64

Zeitschrift für Stadtforschung

dérive

dérive

AUSGRENZUNG,

STIGMATISIERUNG,

EXOTISIERUNG

Urbane Lebenswelten von Roma

ISSN 1608-8131

8 euro

dérive


Editorial

Wer mit halbwegs wachem Geist in Europa lebt, weiß, dass

Roma diskriminiert werden, ihnen mit rassistischem Hass und

Gewalt begegnet wird; und doch scheint die Verdrängungsleistung

in Bezug auf die untragbare Situation groß. Im Februar

1995 wurden Josef Simon, Peter Sarközi, Karl und Erwin

Horvath im burgenländischen Oberwart durch einen rassistisch

motivierten Bombenanschlag getötet. 2008/09 wurden

in Ungarn sechs Roma von Rechtsextremisten heimtückisch

ermordet, 55 weitere teils schwer verletzt. Am 18. April 2016

wurde der 17jährige Rom Mitko Yonkov im bulgarischen

Ovchepoltsi fast zu Tode geprügelt, weil er postulierte, dass

Roma und die bulgarische Mehrheitsbevölkerung gleich sind.

Der 24jährige Täter Angel Kaleev filmte seinen Gewaltakt

und veröffentlichte das Video im Internet. Diese Taten bilden

die Spitze eines Eisbergs aus tagtäglicher Diskriminierung,

Ausgrenzung und Stigmatisierung. Bemühungen auf EU-

Ebene, durch Initiativen wie der Roma-Dekade (2005 – 2015),

der Diskriminierung und Benachteiligung eine Ende zu bereiten

oder durch unterstützende Aktionen zumindest eine

Trendwende einzuläuten, haben wenig bewirkt. Wir haben uns

daran gewöhnt, dass Roma, die in West- und Nordeuropa

seit mehr als einem halben Jahrtausend leben, als Bürger zweiter

Klasse behandelt werden und tun kaum etwas gegen

dieses Unrecht. Gilda-Nancy Horvath schreibt in ihrem Beitrag

für diesen Schwerpunkt zu Recht: Wir lassen es zu.

Als diskriminierte und stigmatisierte europäische Minderheit

– wobei nicht vergessen werden sollte, dass diese

Minderheit in Europa aus 14 Mio. Menschen besteht – trifft die

Roma die neoliberale Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte

besonders hart. Ein Beispiel dafür ist die Privatisierung von

kommunalen Dienstleistung in bulgarischen Städten. Sie hat,

wie Rosalina Babourkova in ihrem Artikel für diesen Schwerpunkt

schreibt, nicht nur dazu geführt, dass die Lebensqualität

von Roma stark beeinträchtigt wurde, sondern auch dazu,

dass sie durch speziell gegen sie gerichtete Maßnahmen öffentlich

stigmatisiert werden und ihr Stellenwert als Stadtbürger

und -bürgerin im Sinken begriffen ist. Ein anderes Beispiel ist

der Zugang zu Wohnraum. Die Redakteurin des Schwerpunkts,

Anna Kokalanova, schildert gemeinsam mit Diana

Botescu am Beispiel Berlin wie sich die Privatisierung des

Wohnungsmarktes auf die Erlangung von Wohnraum für neu

zugewanderte Roma auswirkt. Auch hier sind Roma von der

allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung am schnellsten und

härtesten betroffen. Zur grundsätzlichen Schwierigkeit eine

leistbare Wohnung zu finden, gesellen sich rassistische Vorurteile

und eine oftmalige Nicht-Anerkennung von EU-Bürgerrechten.

Somit sind ankommende Roma auf ein Marktsegment angewiesen,

das von diesen Ausschlüssen profitiert und im Geschäft

mit der Armut horrende Preise für sogenannte Schrottimmobilien

lukriert.

Ein drittes Beispiel ist die Verdrängung von unerwünschten

Personen aus dem öffentlichen Raum, der mittlerweile

umindest in zentralen städtischen Lagen als Konsum- und

Eventzone weitgehend ökonomisiert ist. Ferdinand Koller,

Aktivist der Bettellobby Wien, hat diesen Umstand zum Anlass

genommen, einerseits die Kriminalisierung des Bettelns im

öffentlichen Raum und andererseits die verstärkte (mediale)

Wahrnehmung von Bettlern als Roma und infolge dessen

von Roma als Bettler zu analysieren. Denn die Zuschreibung

verschleiert die tatsächlichen Verhältnisse, haben die allermeisten

Roma (in Österreich) doch noch nie gebettelt und leben

ein an die Mehrheitsbevölkerung angepasstes, durchschnittliches

Leben. Der unterschiedliche Stellen-wert in der Gesellschaft

erschließt sich also auch über die Sichtbarkeit. Die seit Generationen

und Jahrhunderten in Österreich lebenden Roma werden

zumeist nicht als solche wahrgenommen, ganz im Gegensatz

zu den neu Zugewanderten bzw. den (Armuts-)MigrantInnen,

die zwischen Rumänien, Bulgarien und Westeuropa pendeln

und von denen Michael Hieslmair in seinem Bericht über eine

Busreise von Sofia nach Wien erzählt.

Das Thema Pendeln leitet zu einem weiteren Vorurteil

über, mit dem Roma ständig konfrontiert sind und das in

der Rede vom fahrenden Volk Eingang in den Sprachgebrauch

gefunden hat. Andre Krammer lotet das Spektrum zwischen

der Figur der modernen, von Termin zu Termin jettenden

Nomadin, des auf Jack Kerouacs Pfaden wandelnden Hobos,

des Flaneurs und schließlich der immer wieder aufs neue

verdrängten und vertriebenen Roma aus.

Manfred Russos Serie zur Geschichte der Urbanität

macht diesmal Pause, was aber nicht heißt, dass es diesen

Sommer keinen Lesestoff von Russo gibt. Wir dürfen nämlich

erfreut vermelden, dass die Geschichte der Urbanität unter

dem Titel Projekt Stadt – Eine Geschichte der Urbanität als

knapp 450 Seiten starkes Werk jüngst bei Birkhäuser

erschienen ist. Dem brasilianischen Städtebau und seinem

Verhältnis zur Moderne, widmet sich der Berliner Stadtforscher

Martin Gegner in einem ausführlichen Artikel im

Magazinteil dieser Ausgabe.

Noch ein wichtiger Hinweis in Sachen Lesestoff:

In unserem neuen Online-Kiosk auf www.derive.at gibt es

vergriffene dérive-Schwerpunkthefte wie Smart Cities, Stadt

selber machen, Urbanität durch Migration, Modell Wiener

Wohnbau und andere mehr jetzt als PDF zu erwerben –

geht ganz einfach und schnell!

Und ganz zum Schluss locken wir noch mit einem sensationellen

Angebot zur Festival-Flanerie: 2016 geht urbanize!

erstmals auf Wanderschaft und ist in Kooperation mit Planbude

St. Pauli, ctc – curating the city, dem Kunsthaus Hamburg

und dem Gängeviertel 10 Tage in Hamburg zu Gast (Housing

the Many, 23.9 – 2.10). Anschließend setzen wir Segel und

gehen mit dem Festivaltanker und jeder Menge hamburgischem

Stadt selber machen im Gepäck für 5 Tage Diskussion,

Wissensproduktion und Programm in Wien vor Anker

(Die Stadt der Vielen, 12. – 16.10.). Alle Infos zum Festival-

Programm 2016 demnächst auf www.urbanize.at.

Einen schönen Sommer und auf bald in Hamburg,

Wien oder anderswo!

Christoph Laimer

01


Internationales Festival für

urbane Erkundungen

dérive

urbani7e!

Artwork — Christoph Schäfer

HOUSING THE MANY —

DIE STADT DER VIELEN

23. September — 2. Oktober 2016, HAMBURG

12. Oktober — 16. Oktober 2016, WIEN

www.urbanize.at


Inhalt

01

Editorial

Schwerpunkt

CHRISTOPH LAIMER

04 — 09

URBANE Räume VON und FÜR Roma

Das Sprechen über eine

unmögliche Notwendigkei

ANNA KOKALANOVA

10 — 14

IDENTITÄT, ILLEGALITÄT und INFRASTRUKTUR

Roma als moderne Stadtbürger

ROSALINA BABOURKOVA

15 — 19

Sind Bettler ROMA, sind ROMA Bettler?

Kritik einer einseitigen Wahrnehmung

FERDINAND KOLLER

20 — 25

ZUGANG zu Wohnraum für bulgarische und

rumänische BÜRGERiNNEN in Berlin

Formen des informellen Wohnens in der

Ankunftsphase

DIANA BOTESCU & ANNA KOKALANOVA

26 — 31

Die GEISTER zwischen den STÜHLEN

Anmerkungen zur psychogeographischen

Rolle moderner Nomaden und der sich

fortschreibenden Leidensgeschichte der Roma

ANDRE KRAMMER

37 — 39

WIR lassen ES ZU

Die Verantwortung des Nichthandelns und

die Bedeutung der Selbstrepräsentation

GILDA-NANCY HORVATH

40 — 44

SOFIA–Express

Alltag am Verkehrskorridor

Magazin

MICHAEL HIESLMAIR

45 — 54

Die BRASILIANISCHE Stadt –

zu modern für das 21. Jahrhundert?

MARTIN GEGNER

Besprechungen

55 — 59

Die Stadt ins Werk setzen

Henri Lefebvre und das Recht auf Stadt S.55

Ein Buch für ein Haus S.56

Memory takes place.

Erinnerungskulturen in Mexiko-Stadt und

Buenos Aires im Vergleich S.57

Schnecke, Pilz, Zylinder S.58

Räume des Phantastischen und Grotesken S.60

68

IMPRESSUM

Kunstinsert

32 — 36

Angelika Krinzinger

Mäder


dérive – Radio für Stadtforschung

Jeden 1. Dienstag im Monat von

17.30 bis 18 Uhr in Wien auf ORANGE 94.0

oder als Webstream http://o94.at/live.

Sendungsarchiv: http://cba.fro.at/series/1235


Anna Kokalanova

URBANE

Räume

VON und FÜR Roma

Das Sprechen über eine

unmögliche Notwendigkeit

Roma, Romapolitik, Romaforschung, Diskriminierung,

Selbstrepräsentation, Vertreibung,

Segregation, Bürgerrechte, Neoliberalisierung

Ehemaliges Wohnheim für vietnamesische

VertragsarbeiterInnen in Sofia, das jetzt als Sozialunterkunft für Roma dient.

Foto — Anna Kokalanova

04

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Am 19. April dieses Jahres, nur elf Tage nach dem Internationalen

Roma Tag 1 , verbreitet sich im Internet ein Video, in

dem der 17-jährige Rom Mitko aus Ovchepoltsi in Bulgarien

brutal von einem 24-Jährigen verprügelt wird. Grund für

diese Aggressivität ist eine Aussage, die Mitko vor der Kamera

macht: »We are equal.« Dieser einfache Satz kostete ihn fast

das Leben. Eine solche Aussage ist offenbar bei vielen Menschen

heutzutage Anlass genug für kaltblütige Brutalität. Der

mittlerweile von der Polizei verhaftete Täter filmte sogar den

Gewaltakt mit seinem Handy und brüstete sich mit seiner

Tat in einem Interview mit dem Sender BTV (Zahariev 2016).

Eine Tat wie diese, mit all ihrer unfassbaren Brutalität,

ist nicht spezifisch für Bulgarien, ihre Ursache ist aber Teil

unserer gesellschaftlichen Verfasstheit. Sie zeigt, dass im heutigen

Europa die Überzeugung, dass es Menschen gibt, denen

keine Menschenrechte zustehen, immer noch existiert. Sie

zeigt auch, dass viele Menschen eine enorme Angst vor dem

Anderen, vor dem Fremden haben und bereit sind, unfassbare

Gewalt auszuüben, um das Eigene zu schützen.

In komplettem Widerspruch zu dieser Haltung gilt der

provokative Pop-Folk-Sänger Azis als populärste Person Bulgariens.

Als eine Mischung aus George Michael und Madonna,

von bulgarischen DurchschnittsbürgerInnen liebevoll Vasko

der Schwule genannt, verweist Azis kokett und stolz auf seine

ethnische Identität als Rom. In Interviews erzählt er immer

wieder, dass er im Frauengefängnis von Sliven zur Welt

gekommen ist und dass die einzige Berufschance, die er als

junger Rom in Bulgarien gehabt hätte, Friseur gewesen wäre.

Sein Auftritt und seine Musik sind eine Provokation par

excellence für die gesamte bulgarische Gesellschaft. Azis versammelt

alle Vorurteile – tief verankert in der postsozialistischen

bulgarischen Seele – auf sich und treibt sie auf die

Spitze. Durch diese Exotisierung seines medialen Images ist er

zu einer beliebten Ikone des Fremden in Bulgarien geworden.

Das Bild der Roma und der gesellschaftliche Umgang

mit diesem Bild schwanken zwischen diesen beiden Polen –

Aggressivität und Exotisierung. Das betrifft nicht nur Osteuropa

oder Bulgarien, sondern alle europäischen Länder.

Während Gypsies und Travellers 2 in Großbritannien von

Armut, Diskriminierung und Exklusion betroffen sind, taucht

Brad Pitt in Guy Richies Film Snatch als exotische Traveller-

Figur auf und gewinnt die Herzen der ZuschauerInnen.

Während in Europa Roma heutzutage als zunehmendes gesellschaftliches

Konfliktpotenzial betrachtet werden, gibt es

weiterhin wenig Diskussion darüber. Das Bild der Roma, welches

medial, künstlerisch oder wissenschaftlich erzeugt wird,

bleibt oft fern der Realität.

Aus diesem Anlass widmet sich der Schwerpunkt dieser

Ausgabe jenen Mechanismen einer städtischen Raumproduktion,

die in Verbindung mit der Gruppe der Roma stehen. Aus

Sicht der Stadtforschung gibt es kaum Arbeiten, die sich

explizit mit den Roma auseinandersetzen. Das hat verschiedene

Gründe, die in der Romaforschung und der Romapolitik verankert

sind und im Folgenden näher erläutert werden. Dabei

versteht sich die Romapolitik in ihrer räumlichen Auswirkung

auch als eine Stadtpolitik, die einen starken Einfluss auf die

Entstehung der urbanen Lebenswelten der Roma hat. Von diesem

Ausgangspunkt aus stellen die Beiträge in diesem Heft die

unmögliche und dringend notwendige Verbindung zwischen

Stadt und Roma her, geleitet von der Frage: Wie werden städtische

Räume der Roma produziert? Und dabei steht nicht die

ethnische Gruppe im Vordergrund, sondern die gegenwärtige

Raumproduktion der Stadtgesellschaft in Europa.

Vom Paradox über die präsente

Abwesenheit zu sprechen

Roma stellen die größte und am stärksten von Exklusion

betroffene Minderheit in Europa dar. Sie besitzen kein

historisches Heimatland und leben über ganz Europa verteilt.

Mit etwa 70 % lebt die Mehrheit der europäischen Roma heute

in mittel- und osteuropäischen Ländern. 80 % davon leben in

Ländern, die 2004 bzw. 2007 der Europäischen Union

beigetreten sind (Ringold 2005, S. 4; Kokalanova 2009, S. 38).

Wenn wir über Roma sprechen, können wir es nur fiktiv

tun, da sich hinter dieser Bezeichnung keinesfalls eine

bekannte – oder, wie der Begriff suggeriert – eine homogene

Gruppe verbirgt. In vielen europäischen Ländern werden nach

wie vor Fremdbezeichnungen für Roma benutzt. Auf der

einen Seite stehen Bezeichnungen wie Zigeuner, Tsigane oder

Цигани in einem Zusammenhang mit dem griechischen Wort

atsingani, welches sinngemäß mit »Leute, mit denen man

schwierig in Kontakt treten kann« übersetzt wird. Auf der

anderen Seite lassen sich die Begriffe Gypsy oder Gitane vom

ursprünglichen und irrtümlichen Glauben ableiten, dass Roma

aus Ägypten (engl. egyptian) herstammen (Marishiakova &

Popov 2007). Der Begriff Roma wurde im Jahr 1971 beim

Ersten Roma-Welt-Kongress der Internationalen Roma Union

in London als anerkannte Bezeichnung für alle in Europa

lebenden Gruppen gewählt – Roma, Manusch, Sinti, Kale. In

einzelnen europäischen Ländern wird dieser Begriff durch die

Besonderheiten der dort lebenden Roma verdeutlicht. Bezugnehmend

auf die allgemeine Definition der Internationalen

Roma Union wird in diesem Heft der Begriff Roma verwendet,

mit dem Wissen, dass auch dieser ein Konstrukt ist und der

Diversität der sich dahinter verbergende Gruppen nicht gerecht

wird. Denn durch die Verwendung dieser zusammenfassenden

1

Am 8. April wird weltweit

die Romakultur gefeiert und

auf die Situation der

Roma und insbesondere ihre

Diskriminierung und Verfolgung

aufmerksam gemacht.

Vom 7. bis 11. April fand im

Jahr 1971 in London der

erste Welt-Roma-Kongress

statt, an dem Vertreterinnen

von Roma-Organisationen

aus 23 Länder teilnahmen.

Dort wurde die Verwendung

des Begriffs Roma anstatt

der bis dahin üblichen

Fremdbezeichnungen

beschlossen, sowie die

Flagge und die Hymne der

Roma angenommen.

2

Travellers oder Pavee sind

die offiziellen Bezeichnungen

einer aus Irland

stämmigen fahrenden soziokulturellen

Gruppe, die

aufgrund ihrer Lebensweise

auch als Gypsies fremdbezeichnet

werden. Ethnisch

sind die Travellers mit den

Romavölkern nicht verwandt,

sind jedoch ebenso von

antiziganistischer Diskriminierung

betroffen.

Anna Kokalanova — URBANE Räume VON und FÜR Roma

05


Bezeichnung wird eben die Vorstellung einer homogenen

Volksgruppe vermittelt. Die Roma-Gemeinschaft teilt sich

jedoch in klar definierte Gruppen und Subgruppen, die

zueinander in einem hierarchischen Beziehungsgeflecht stehen.

Die Beziehungen unter den einzelnen Gruppen sind zum

Teil noch komplexer als zwischen Roma und Nicht-Roma (u.a.

Kokalanova 2009, S. 36).

Hinter dem Begriff Zigeunerforschung verbarg sich im

Nationalsozialismus das Rassenhygienische Institut unter

der Leitung von Robert Ritter. Die pseudowissenschaftlichen

Untersuchungen von Ritter und seinen MitarbeiterInnen boten

die Grundlage für zahlreiche Zwangssterilisierungen und die

Vernichtung von Roma in Deutschland und Österreich

(Zimmermann 2007). Bis heute verbinden Überlebende und

deren Familien die Begriffe Wissenschaft und Forschung

mit der Deportation nach Auschwitz.

Erst in den 1990er Jahren begann eine neue wissenschaftliche

Auseinandersetzung, die sich unter der Bezeichnung

Romani Studies mit der Frage »Wer sind die Roma

beschäftigt. Die Romani Studies stellen die Auseinandersetzung

mit dem Leben der Roma in den Mittelpunkt. Dabei

versuchen Forschungen in diesem Bereich zunehmend eine

gemeinsame Definition für alle Roma zu finden. ForscherInnen

wie der Historiker und Kulturwissenschaftler Stefan Benedik

kritisieren diese Herangehensweise, wobei sie vor allem vor

dem Produzieren weiterer Vorurteile und Diskriminierungen

warnen. Benedik verweist darauf, dass durch die Konzentration

auf die Außenbetrachtung von Roma die Mechanismen der

Diskriminierung, die in der Gesamtgesellschaft verankert sind,

in den Hintergrund rücken. Hinzu können diese durch den

Versuch, die heterogene Gruppe der Roma ethnisch unter

einem Forschungsschwerpunkt zusammenzuführen, sogar

gestärkt werden (Benedik 2015).

Als Reaktion auf die einseitige Betrachtungsweise der

Romani Studies erlebte Ende der 1990er Jahre die antiziganistische

Forschung, die sich mit der negativen Einstellung der

sogenannten Mehrheitsgesellschaft gegenüber den Roma

befasst, einen starken Aufschwung. Auf diesem Weg wird im

Sinne eines Critical-Whiteness-Diskurses 3 die Perspektive

gedreht und auf die BetrachterInnen gerichtet und somit die

Frage nach ihren Handlungen in den Fokus gestellt. Der Fokus

antiziganistischer Forschung ist auf Diskriminierung und

negative Erfahrungen gesetzt, den Betroffenen wird durch

diesen Ansatz die Macht der eigenen Repräsentation genommen.

Roma werden in der antiziganistischen Forschung als

vorrangig bedürftige Menschen und Opfer von Diskriminierungen

dargestellt, womit erneut Vorurteile verfestigt werden

(vgl. Benedik 2015).

Schweigen oder die abwesende Präsenz

Ein Sprechen über Roma ohne Stereotype und Diskriminierung

scheint in diesem Kontext unmöglich. In dem

daraus folgenden Versuch nicht über Roma zu sprechen, entstehen

jedoch zunehmend Konflikte und versteckte Diskriminierungen.

So wurden in den letzten Jahren absurde Begriffe

wie beispielsweise Rotationseuropäer erfunden, um antiziganistische

Aussagen zu umgehen und vor allem zu verdecken 4

(vgl. End 2014).

Des Weiteren fehlt grundsätzlich eine klare Strategie,

die festlegt, ob eine staatliche Intervention sich an Roma wenden

darf oder nicht. Deutschland reagierte auf die Aufforderung

der Europäischen Union, eine Nationalstrategie über die

Integration von Roma zu implementieren, negativ. Begründet

wurde das damit, dass Roma zum einen immer schon da gewesen

seien und damit Teil der Gesellschaft sind, weshalb sie

keine Integration benötigen, und zum anderen sich solche Strategien

an die Gesamtgesellschaft richten müssten und nicht

ausschließlich Roma als Zielgruppe haben dürfen. Zwei Argumente,

die in ihrem Ansatz sehr gut nachvollziehbar sind.

Den Widerspruch zu dieser Stellungnahme stellen Maßnahmen

der kommunalen und regionalen Verwaltungen dar, wenn sie

in Folge der zunehmenden Zuwanderung von bulgarischen und

rumänischen BürgerInnen in manchen Städten explizit Roma-

Strategien implementieren. Dadurch wird innerhalb der

Verwaltung die Meinung verbreitet, dass bestimmte Eigenschaften

und Praktiken wie Obdachlosigkeit oder Betteln

typisch für Roma sind und kein gesamtgesellschaftliches Phänomen

darstellen.

Um eine verstärkte Diskriminierung sowie verdeckte

antiziganistische Aussagen zu vermeiden, scheint das Schweigen

über Roma kein gangbarer Ausweg zu sein. Es wird nur

allzu deutlich, dass uns die Begriffe fehlen. Bis heute ist unklar,

worüber wir sprechen und dass bei dem Thema Roma eine

große Hilflosigkeit und Unbedarftheit herrscht und es nach wie

vor an Wissen fehlt. Die Ursachen dafür sind in der jahrhundertelangen

Roma-feindlichen Politik in Europa zu suchen, die

sich durch die zunehmende Xenophobie in der Gesellschaft

momentan weiter verstärkt.

3

Critical Whiteness bezeichnet

einen aus den USA stammenden

akademischen

Diskurs zur postkolonialen

Auseinandersetzung mit dem

Weißsein, bei dem die Perspektive

auf das Eigene bzw.

das Privilegierte und

nicht auf das Fremde bzw.

das Marginale gerichtet

wird. Whiteness beinhaltet

dabei nicht nur die Hautfarbe

sondern auch andere

Parameter, die mit Macht

und sozialem Status verbunden

sind.

4

So berichtet beispielsweise

die Frankfurter Allgemeine

Zeitung über »Rotationseuropäer«,

die Wohnungseinbrüche

in Frankfurt

durchführen. Im Nebensatz

wird der Begriff Rotationseuropäer

folgendermaßen

erklärt: »[…] Die Einbrecher

stammen aus dem Kreis

der ›Rotationseuropäer‹,

also aus Sinti- und Roma-

Familien, die aus Straßburg

in die Rhein-Main-Region

gebracht werden.« (Iskander

2009) Das Beispiel zeigt,

wie anstatt einer differenzierten

Betrachtung eine

noch stärker stigmatisierende

und versteckt rassistische

Aussage getroffen

wird. Ähnliche Aussagen

trifft beispielsweise auch

der Bürgermeister von Duisburg,

Sören Link, wenn er

bei einer Konferenz zum

Umgang mit Geflüchteten im

September 2015 in Berlin

die Bereitschaft äußert,

»(...) das Doppelte an

Syrern [aufzunehmen], wenn

[er] dafür ein paar Osteuropäer

abgeben könnte«.

(SZ 2015). Dabei wird in

einem Nebensatz noch verdeutlicht,

dass Link mit

dieser Aussage »Roma gegen

syrische Flüchtlinge schachern«

würde.

06

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Roma Politik

Die politische Haltung gegenüber den Romavölkern in

Europa hat eine lange Tradition der Nicht-Anerkennung und

Feindseligkeit. Bis heute ist die Politik gegenüber der größten

Minderheit in Europa durch die Verweigerung von Menschenrechten,

durch Vertreibung und Ausschließung, Vernichtung

sowie Erziehung durch Sesshaftmachung gekennzeichnet.

Rechte verweigern

Auf dem Territorium des heutigen Rumäniens waren

Roma bis ins 19. Jahrhundert hinein Sklaven (vgl. Zimmermann

2007). Obwohl es fast absurd wirkt, ist die Übereinkunft,

dass Roma nicht die gleichen Rechte wie anderen BürgerInnen

zustehen, heutzutage immer noch verbreitet. In ihrem Artikel

für diesen Schwerpunkt Identität, Illegalität und Infrastruktur –

Roma als moderne Stadtbürger zeigt Rosalina Babourkova, wie

die mangelnde, teils fehlende Versorgung mit technischer Infrastruktur

in Stadtteilen mit Roma-Bevölkerung durch die Privatisierung

der Netze eine soziale und infrastrukturelle

Ungleichheit zwischen Roma und Nicht-Roma in Sofia produziert.

Im medialen Diskurs in Bulgarien wird diese Ungleichheit

mit Narrativen begründet. Diese lauten, dass Roma in

Europa lediglich geduldet sind und dahin zurückkehren sollen,

woher sie gekommen sind. Die gleiche Argumentation taucht

oft auch bei der Begründung für Siedlungsdemolierungen

in städtischen Gebieten auf, bei denen kein alternativer Wohnraum

für die betroffenen Romafamilien angeboten wird.

Vertreiben

Historisch betrachtet war und ist die Vertreibung von

Roma aus städtischen Gebieten gängige Praxis. Es wurde ihnen

häufig untersagt, sich niederzulassen – diese Verbote wurden

immer wieder auch für ländliche Gebiete ausgesprochen. Eine

solche Praxis tritt vor allem gegenüber fahrenden Roma oder

gegenüber ZuwanderInnen auf und ist heutzutage nicht selten.

Selbst innerhalb der Europäischen Union, auf deren Gebiet das

Recht der Freizügigkeit anerkannt ist, wird eine Vertreibung

durch die so genannte Rückkehrhilfe praktiziert. Das bekannteste

Beispiel der letzten Jahre war die 2010 ausgesprochene

Ankündigung von Nicolas Sarkozy, der damals französischer

Präsident war, Hunderte in informellen Siedlungen lebende

Roma kollektiv nach Rumänien und Bulgarien auszuweisen.

Die Ankündigung wurde später in die Tat umgesetzt und es

wurden über 1.000 Roma nach Bulgarien und Rumänien ausgeflogen.

Die Siedlungen der Vertriebenen wurden medienwirksam

zerstört. Das EU-Parlament kritisierte diese

Vorgehensweise heftig.

Vernichten

Die schärfste Form der Nicht-Anerkennung der Roma

als BürgerInnen mit gleichen Rechten wurde in Europa während

der Zeit des Nationalsozialismus praktiziert. Das Reichskriminalamt

zur Bekämpfung des Zigeunerwesens in Berlin

hat in Zusammenarbeit mit der Rassenhygienischen Forschungsstelle

von Robert Ritter Angehörige von Romavölkern systematisch

erfasst, verhaftet und in Konzentrationslager deportiert.

Von den 11.000 österreichischen Roma wurden zwei Drittel

ermordet oder starben an den unmenschlichen Lagerbedingungen.

Insgesamt fielen dem nationalsozialistischen Regime

rund 500.000 Roma zum Opfer (Pientka 2013; Zimmermann

2007; Knudsen 2003; Benz 2007). Diese Vergangenheit ist

immer noch ein Teil der kollektiven Erinnerungen der Roma-

Familien in Europa und wurde in Deutschland offiziell als

Teil der Geschichte erst im Jahr 1982 anerkannt.

Erziehen und Bändigen

Anstatt Roma aus dem eigenen Gebiet zu vertreiben

oder sie gar zu vernichten, veranlasste Maria Theresia, Kaiserin

von Österreich-Ungarn, in der zweiten Hälfte des

18. Jahrhunderts eine Verordnung zur Sesshaftmachung. Diese

bedeutete einerseits das Niederlassungsrecht, andererseits

aber auch das Verbot der eigenen Sprache, das der Eheschließungen

unter Roma sowie die Trennung der Kinder von deren

Eltern. Ziel dieser Verordnung war eine radikale Zwangs-

Assimilierung (Zimmermann 2007; Knudsen 2003). Ähnliche

Verordnungen und Gesetze wurden auch in der jüngeren

Vergangenheit in Europa verabschiedet. Im Jahr 1958 trat in

Bulgarien ein Gesetz zur Wohnsitzpflicht für alle StaatsbürgerInnen

in Kraft, welches die mobile Wohnweise der Roma

regulieren sollte. Infolgedessen wurden mobile Roma-

Gruppen in den Großstädten durch Zwangsmaßnahmen angesiedelt.

Von 1962 bis 1989 verfolgte die bulgarische kommunistische

Partei eine anti-muslimische Politik, bei der Roma,

ethnische Türken und Pomaken 5 gezwungen wurden, zum

Christentum zu konvertieren und sich der bulgarischen Kultur

durch Namenswechsel und Kleidungsregeln im öffentlichen

Raum anzupassen. Der Höhepunkt dieser nationalkommunistischen

Ideologie war der sogenannte Rückbesinnungsprozess,

bei dem in den Jahren 1984/85 mit Hilfe von Sicherheitsbehörden

türkisch-arabische Namen durch bulgarische

ersetzt wurden (Marushiakova & Popov 2007, S. 149; Kokalanova

2009, S. 22).

Eigene Organisationsstrukturen schaffen

Trotz der weit verbreiteten feindseligen Politik gegenüber

den Roma in Europa gab es historisch auch Beispiele für

die Stärkung der Organisationsstrukturen und der Roma-

Community, die für die gegenwärtige Roma-Politik eine wichtige

Rolle spielen. In Bulgarien wurden Roma direkt nach

dem Zweiten Weltkrieg als wichtiger Teil des Proletariats und

als UnterstützerInnen im Kampf gegen den Faschismus eine

Zeit lang anerkannt und gefördert. So entstanden Ende der

1940er Jahre in Sofia ein Romatheater und Romakulturhäuser,

in denen Roma-AktivistInnen unter anderem Entwürfe für

ein Romanes-Alphabet entwickelten (Kokalanova 2009, S. 40;

Marushiakova & Popov 2007). Die Entwicklung einer starken

Vereinskultur und einer Selbstrepräsentation der Roma spielte

5

Slawischsprachige

muslimische Minderheit im

Südwesten Bulgariens.

Anna Kokalanova — URBANE Räume VON und FÜR Roma

07


spätestens ab den 1990er Jahren in Österreich eine wichtige

Rolle, ohne die Projekte wie die Ausstellung Romane Thana im

Wien Museum 6 nicht möglich wären. Mit dem Projekt

RomArchive zeigt Gilda Horvath in ihrem Beitrag in diesem

Heft wie wichtig die eigene Stimme und das Schreiben der

eigenen Geschichte sind, um das Bild der Roma nicht weiterhin

durch die Perspektive von außen zu verzerren und entweder in

eine ablehnende oder in eine exotisierende Richtung zu treiben.

Dennoch wird die Integration von Roma heute weiterhin

in Form einer Assimilation in die sogenannte Mehrheitsgesellschaft

verstanden. Besonders seit der EU-Osterweiterung

wurden unterschiedliche Programme auf nationaler oder internationaler

Ebene entwickelt, von denen jedoch nur wenige

realisiert wurden. Selbst diesen gelang es nicht, Verbesserungen

im Alltag jener Menschen zu erwirken, die mit diesen

Programmen adressiert wurden. So blieben politische Bemühungen,

die anlässlich der Romadekade 2005-2015 oder der

EU-Rahmenstrategie zur Integration der Roma von 2011

initiiert wurden, bloße Ankündigungen oder schlugen fehl (vgl.

Jovanovic 2015). In seinem Buch The Gypsy ›menace‹: populism

and the new anti-Gypsy politics argumentiert Michael Stewart,

dass die Förderprogramme der EU, die ausschließlich auf

Roma ausgerichtet sind, gepaart mit der sich verschlechternden

sozialen Lage der Roma in Europa und deren Abhängigkeit

von Sozialleistungen, zu einer Aggressivität in der Gesamtgesellschaft

geführt haben. Gewalt und Aggressivität gegenüber

Roma gab es immer, jedoch blieb sie früher im Gegensatz zu

der heutigen Situation auf einer lokalen Ebene. Sie äußerte sich

oft als Konflikt um Ressourcen oder um die gesellschaftliche

Stellung zwischen Roma und Nicht-Roma. Laut Stewart erleben

wir spätestens seit 2008 eine nicht mehr nur lokale sondern

eine europaweite Gewalt gegen Roma. Die einzelnen Konflikte

um Ressourcen sind heute zu einer rechtspopulistischen

Nationalpolitik auf dem ganzen Kontinent gewachsen, die sich

in ihrer Rhetorik dieser Aggressivität bedient (Stewart 2012,

S. 3–23).

Die politischen Versprechungen, die keine positiven

Veränderungen in der Alltagsrealität der Roma gebracht haben,

führen zu zusätzlichen Schwierigkeiten, über Roma zu sprechen.

Es sind in erster Linie Handlungen notwendig, um diese

zu verbessern. Zu schweigen, und sei es auch nur, um begriffliche

Schwierigkeiten zu vermeiden, und die Augen vor der

Realität zu verschließen, ist jedoch keine Lösung.

Roma und Raumproduktion

Die Auseinandersetzung speziell mit Roma in der Stadtund

Raumforschung findet vereinzelt und aus verschiedenen

Perspektiven statt. In diesem Schwerpunkt versammeln wir

unterschiedliche Themen, die Verbindung zwischen Stadt und

Roma zeigen.

von alteingesessenen BürgerInnen thematisiert werden. Auch

das Betteln im öffentlichen Raum wird in der Öffentlichkeit

schnell als Roma-Thema dargestellt. Ferdinand Koller zeigt in

seinem Beitrag Sind Bettler Roma, sind Roma Bettler? wie problematisch

diese Verbindung ist und welche Möglichkeiten es

gibt, dieser entgegenzuwirken. Die negative Verbindung von

Roma und der Nutzung des öffentlichen Raums resultiert vor

allem aufgrund der Außenperspektive. So zeigt die Ausstellung

Romane Thana ein ganz anderes Bild der Stadt und der Nutzung

der städtischen Räume von Roma in Österreich. In ihrem

Beitrag Wir lassen es zu verdeutlicht auch Gilda Horvath die

signifikante Bedeutung der Selbstrepräsentation. Dabei macht

sie auch darauf aufmerksam, dass nicht das Tabuisieren von

bestimmten Themen, sondern das genaue Hinschauen eine

Veränderung in der Realität erwirken kann.

Ethnisch basierte Bürgerrechte

Roma sind ein wichtiger Teil der städtischen Gesellschaft

in Europa. Die Auseinandersetzung mit dieser Gruppe

zeigt, dass sich die Bürgerschaft in privilegiert und marginalisiert

auf Basis der ethnischen Zugehörigkeit teilt. In ihrem

Beitrag Identität, Illegalität und Infrastruktur – Roma als

moderne Stadtbürger hinterfragt Rosalina Babourkova das

Modell der Citizenship für Roma durch die Liberalisierung der

städtischen Infrastruktur und die Versorgung mit Elektrizität

in der ethnisch segregierten Roma-Siedlung Fakulteta in

Sofia. Anhand einer Busfahrt von Sofia nach Wien macht auch

Michael Hieslmair in Sofia-Express deutlich, dass solche

Teilungen nicht nur das Produkt einer staatlichen Intervention

sind. Auch in informellen städtischen Alltagssituationen –

wie die einer Busfahrt – werden Roma ganz bestimmte Rechte

zugesprochen und unterprivilegierte Plätze zugeordnet.

Räumliche Segregation

In vielen Städten Europas leben Roma in ethnisch

segregierten Siedlungen und Camps. In Osteuropa findet man

in jeder Stadt unterschiedliche informelle Siedlungen von

Roma, die keine spontanen Ansiedlungen darstellen, sondern

eine lange Geschichte aufweisen. Eine solche ist beispielsweise

Fakulteta in Sofia, über die Rosalina Babourkova in ihrem

Artikel schreibt. Auch in Italien und Frankreich leben Roma in

informellen Camps unter prekären Bedingungen, der ständigen

Bedrohung einer Räumung ausgesetzt. In seinem Beitrag

Die Geister zwischen den Stühlen beschreibt Andre Krammer

die Situation in Paris und kommentiert deren Entstehung aus

einer biopolitischen Perspektive.

Sichtbarkeit in der Stadt

Roma werden im öffentlichen Raum sichtbar und vor

allem in dem Kontext eines potenziellen Konflikts um den

Raum als Ressource thematisiert. Quartiersmanagements und

Gebietsbetreuungen berichten von Beschwerden in der Nachbarschaft

um Zunahme an Müll und Lärm im Wohnumfeld, die

6

Romane Thana. Orte der Roma

und Sinti ist eine Ausstellung

und ein begleitender

Katalog, entstanden in

Kooperation zwischen Wien

Museum, Landesmuseum

Burgenland, Initiative

Minderheiten und Romano

Centro. Im Wien Museum

wurde die Ausstellung vom

12.2. bis 17.5.2015 gezeigt,

aktuell ist die Ausstellung

bis 11.11.2016 im Landesmuseum

Burgenland zu sehen.

08

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Literatur

Behausung einer delogierten

Familie auf einem Gehsteig in Bukarest.

Foto — Lidija Mirkovic.

Neoliberalisierung des Markts und Zugang zu Raum

Selbst wenn eine solche Segregation in Städten wie

Berlin oder Wien nicht eindeutig sichtbar ist, finden dort komplexe

Ausschlussmechanismen statt, die den Zugang für Roma

zu Wohnraum erschweren. Im Beitrag Zugang zu Wohnraum

für bulgarische und rumänische BürgerInnen in Berlin,

gemeinsam von der Autorin dieses Artikels und Diana Botescu

verfasst, werden die prekären Zugangsmöglichkeiten der

bulgarischen und rumänischen BürgerInnen zum Berliner

Wohnungsmarkt, die in direkter Verbindung mit seiner Neoliberalisierung

stehen, beschrieben. In ihrer aktuellen Forschungsarbeit

untersucht die Autorin die Räume des Ankommens

von bulgarischen Minderheiten in Berlin. Neu ankommende

bulgarische BürgerInnen haben ausschließlich auf dem

privaten Wohnungsmarkt eine Chance auf Wohnraum. Dort

treffen besonders Roma auf komplexe Mechanismen der Inklusion

und der Ausgrenzung, die in einer Verflechtung mit der

Deregulierung des Marktes und mit der Immobilien-Spekulation

stehen.

Alle Beiträge zeigen, dass durch die thematische Verbindung

von Roma und urbanen Phänomenen ein Zuwachs an

Erkenntnissen über die städtische Raumproduktion entsteht,

der neue Perspektiven auf die Stadt aufzeigen kann.

Anna Kokalanova ist gebürtige Bulgarin,

Stadtplanerin und Stadtforscherin. Neben ihrer Tätigkeit

als Koordinatorin der Plattform future.lab an

der TU Wien arbeitet sie aktuell an ihrer Dissertation zum

Thema Ankommensräume von bulgarischen Minderheiten

in Berlin an der HafenCity Universität Hamburg.

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Anna Kokalanova — URBANE Räume VON und FÜR Roma

09


Rosalina Babourkova

IDENTITÄT,

ILLEGALITÄT und

INFRASTRUKTUR

Roma als moderne Stadtbürger

Daseinsvorsorge, Kommodifizierung, Infrastruktur,

Bulgarien, Transformation, Illegalisierung, Identität,

Wohnraum, Ghetto, Citizenship

In bulgarischen Romasiedlungen, wie hier in der Siedlung Fakulteta in Sofia,

werden die Stromzähler auf hohen Masten montiert,

um Manipulationen zu verhindern. Diese Maßnahme ist nur in Romasiedlungen

üblich und somit stigmatisierend.

Foto — Anna Kokalanova

Mit dem Übergang Bulgariens von einer realsozialistischen in eine marktwirtschaftliche

Ökonomie änderte sich der Stellenwert der städtischen Infrastruktur.

Das gesellschaftliche Ziel der Versorgung aller BürgerInnen mit der

notwendigen Basisinfrastruktur einer modernen Gesellschaft wurde zugunsten

der Kommodifizierung von Strom, Wasser etc. verabschiedet. Am Beispiel

der Stromversorgungspolitik und der illegalen Bau-Praxis in bulgarischen

Roma-Siedlungen zeigt der folgende Beitrag die gegenseitige Durchdringung

der Themen Identität, Infrastruktur und Citizenship. Stromzähler und

-rechnungen sind heute ein Symbol des Risses in der Beziehung zwischen

Staat und ethnifiziertem Bürger und Verbraucher.

10

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Ferdinand Koller

Sind Bettler

ROMA,

sind ROMA Bettler?

Kritik einer einseitigen

Wahrnehmung

Betteln, Roma, Antiziganismus,

Verdrängung, Kampagnen

Kampagne gegen Bettelverbote.

Foto — BettelLobby Wien

Bettler, so wie andere marginalisierte Gruppen, werden immer öfter mittels

Verordnungen, Kontrollen und sozialem und medialem Druck aus den Zentren

der Städte verdrängt. Das Problem für die Gesellschaft ist nicht ihre Armut,

sondern ihre Sichtbarkeit. Gleichzeitig hat es sich in den letzten Jahren durchgesetzt

Bettler generell als Roma wahrzunehmen, unabhängig davon, ob

das den Tatsachen entspricht oder nicht. Damit werden die in der Öffentlichkeit

herrschenden Vorurteile gegenüber Roma und das Bild, das Politik

und Medien oft von ihnen zeichnen, auf Bettler übertragen, gleichzeitig wird

dadurch das Bild der Roma in Österreich völlig verzerrt. Die Folgen sind

schwindende Hilfsbereitschaft und Spendenfreudigkeit gegenüber Bettlern

und wenig bis kein Widerstand beim Einsatz von polizeilichen Maßnahmen

zur Verdrängung.

Ferdinand Koller — Sind Bettler ROMA, sind ROMA Bettler?

15


Diana Botescu & Anna Kokalanova

ZUGANG zu

Wohnraum für bulgarische

und rumänische

BÜRGERiNNEN in Berlin

Formen des informellen Wohnens in der Ankunftsphase

Wohnungsmarkt, Berlin, Zuwanderung, Informalität,

Diskriminierung, Roma, soziale Mobilität

Hinterhof einer sogenannten Schrottimmobilie in Berlin.

Foto — Diana Botescu

In vielen Städten gibt es eine rege Debatte über die Wohnungsfrage.

Die aktuell verhältnismäßig stark steigenden Einwohnerzahlen, die nicht nur,

aber auch mit der zunehmenden Zahl an Geflüchteten zu sehen ist,

tragen dazu bei. Der folgende Artikel beschäftigt sich mit der Situation in

der Ankunftsphase für bulgarische und rumänische BürgerInnen am

Berliner Wohnungsmarkt. Wie sehen ihr Raumbedürfnis und ihre Ressourcen

aus? Welche Wohnformen stehen ihnen zur Verfügung? Mit welchen

Diskriminierungen sind sie konfrontiert?

20

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Andre Krammer

Die GEISTER

zwischen den

STÜHLEN

Vertreibung, Lager, Antiziganismus, Angst,

Homo sacer, New Babylon,

Nomadentum, Bohème, Flanerie

Anmerkungen zur psychogeographischen Rolle moderner Nomaden und

der sich fortschreibenden Leidensgeschichte der Roma

Constant, Design for Gypsy Camp, 1956–1958.

Foto — Victor Nieuwenhuys

The vagabond who’s rapping at your door is standing

in the clothes that you once wore.

Bob Dylan 1965

Der glatte Raum wird unaufhörlich in einen gekerbten Raum übertragen

und überführt; der gekerbte Raum wird ständig umgekrempelt, in einen

glatten Raum zurückverwandelt.

Gilles Deleuze, Félix Guattari 2005

26

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Kunstinsert:

Angelika Krinzinger

Mäder

Die Geste ist eine Bewegung des Körpers oder eines mit ihm verbundenen Werkzeuges,

für die es keine zufriedenstellende kausale Erklärung gibt.

Vilém Flusser

Angelika Krinzinger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit oft (makro-)fotografischen Zugängen

zu Objekten und Körperausschnitten. Vielfach entstehen dabei Fotoarbeiten und Serien von

groß dargestellten Teilbereichen des Körpers, die unprätentiös den sinnlichen Charakter fokussieren

und über das Detail die Frage nach dem Ganzen stellen.

Vor etwa zwei Jahren begann Angelika Krinzinger intensiv für ihre Ausstellung An Hand

im Schloss Ambras (2014) in Innsbruck Hände zu fotografieren. Dabei handelte es sich jedoch

nicht – wie sonst in ihren Fotoarbeiten – um jene von lebenden Menschen, sondern sie destillierte

Details aus der historischen Porträtgalerie des Schlosses Ambras aus dem 16. Jahrhundert. In

der Zusammenstellung der Fotoarbeiten fällt auf, dass kaum eine dieser historischen Hände den

natürlichen Charakter einer Hand vermittelt. Vielmehr wirken diese durch ihre Vergrößerung

eher wie autonome Studien in einem Skizzenblock: künstlich aber symptomatisch für das Korsett

dieser Zeit.

Im April 2015 fotografierte Angelika Krinzinger im Schulheim Mäder, welches zu der

Landessonderschule für körper- und mehrfachbehinderte Kinder in Vorarlberg gehört, über zwei

Tage nicht nur die Hände der Kinder, sondern auch jene der LehrerInnen, BetreuerInnen und

TherapeutInnen. Auf diese Weise entstand ein kollektives Manogramm, welches die Wichtigkeit

der Hände, ihren Tastsinn und Bewegungsmöglichkeiten in neuen Relationen erscheinen lässt.

Die 156 Schwarzweiß-Fotos sind zu einer Werkserie, deren Erlös dem Schulheim Mäder zugutekommt,

zusammengefasst, die bei jeder Aufnahme die Frage nach dem Menschen hinter der

Hand stellt.

Die Haltungen der Hände verfolgen offensichtlich keine üblichen Codes, wie etwa die

bekannten Gestikulationen süditalienischer Kommunikationspraktiken. Es ist die Spontaneität

und Offenheit der TeilnehmerInnen, die dieses Projekt so selbstverständlich und vielschichtig

zugleich macht.

Von 16. Juni bis 6. August 2016 gibt es Arbeiten von Angelika Krinzinger in der Ausstellung

Filter im Kunstforum Montafon in Schruns zu sehen.

Barbara Holub / Paul Rajakovics

32

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Gilda-Nancy Horvath

WIR lassen

ES ZU

Die Verantwortung

des Nichthandelns und

die Bedeutung

der Selbstrepräsentation

Roma, Selbstrepräsentation,

Menschenrechte, Zivilisation, Geschichte,

Medien, Mythen

Kampagne »Wir sind gegen das Wort Zigeuner« —

Doris, Harri und Sissi Stojka.

Foto — Bettina Neubauer

Europa versteht sich als Hort der Zivilisation und

als Wiege von Aufklärung und Menschenrechten.

Das Schicksal der Roma, die seit gut sechs

Jahrhunderten in Europa leben, steht zu diesem

Selbstverständnis in krassem Widerspruch. Kurzen

Pausen der Duldung stehen lange Zeiten der

Verachtung, Vertreibung und Vernichtung gegenüber.

Auch heute sehen sich Roma mit Segregation,

Verdrängung, Diskriminierung und rassistischer

Gewalt wie z.B. 2008/09 in Ungarn oder 1995 in

Österreich konfrontiert. Gegen das Unwissen

über Geschichte und Bedeutung der Roma für

Europa entsteht das RomArchive, das damit antritt

durch Aufklärung für mehr Verständnis zu sorgen.

Für Gilda-Nancy Horvath verkörpern Projekte

wie dieses die Hoffnung, dass die Idee Europas

gestärkt wird und der Trend zu Abkapselung

und nationalstaatlichem Egoismus gebremst wird.

Wie wir die Ärmsten und Schwächsten in dieser Gesellschaft

behandeln, ist der historische Maßstab, an dem die Glaubwürdigkeit

dessen was wir Europa nennen gemessen werden

wird. Die Roma und all jene Menschen, die jetzt auf der Flucht

sind, sind der Spiegel, den Europa sich nicht vorhalten will.

Aus gutem Grund, denn was würde es sehen? Eine Fratze dessen,

was dereinst die Wiege der Menschenrechte und Aufklärung

war, oder zumindest behauptete es zu sein.

Staunend wie ein Kind, stand ich vor dir Europa.

Voll der Freude, der Aufbruchsstimmung, voller Lust auf das

Neue, den Fortschritt, die Zukunft. Das ist jetzt 15 Jahre

her. Es mag pathetisch klingen, übertrieben, kitschig. Doch

ich halte es nur für angebracht zu fragen: Was ist aus dir

geworden, Europa?

Roma sind ein Teil Europas

Wenn ich über Roma schreiben soll, dann muss ich

zwangsläufig auch über all das schreiben, was die Situation der

Roma beeinflusst: Die Bildungssituation verschiedener

Länder in Europa, die unterschiedlichen Entwicklungen in der

Historie und Politik post-kommunistischer Länder und jenen

in Zentraleuropa; auch über den Holocaust und wie dieser sich

heute auf die nachfolgenden Generationen auswirkt. Ebenso

Gilda-Nancy Horvath — WIR lassen ES ZU

37


Michael Hieslmair

SOFIA–Express

Alltag am

Verkehrskorridor

Arbeitsmigration, Mobilität, Linienbus,

Roma, Segregation, Bulgarien,

Tourismus, Pflege, Multilokalität

Reisebus des bulgarischen Unternehmens Air Kona

Eurolines Linienverbund Sofia und Wien, Hin- und Retourfahrt 61 Euro

Abfahrt: Donnerstag, 2. 9. 2014, 16 Uhr Centralna Avtogara Sofia

Ankunft: Freitag, 3. 9. 2014, 6 Uhr am Vienna International Bus Terminal Erdberg

40

dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


Martin Gegner

Die

BRASILIANISCHE

Stadt —

zu modern für das 21. Jahrhundert?

Brasilien, Städtebau, Moderne, CIAM, Le Corbusier,

Funktionalismus, Fortschritt, Verkehrspolitik,

Automobil, Wohnungsfrage, Oscar Niemeyer, Brasília,

Rio de Janeiro, São Paolo

Eixo Monumental, Brasília.

Foto — Inst. f. Architektur, Universität Aalborg.

In Brasilien entwickelte sich im 20. Jahrhundert

eine eigentümliche Form des

Städtebaus, die von einer besonderen

Rezeption der Moderne Europas geprägt

war. Der weiterhin dominierende Einfluss,

den diese Ideologie auf die Planung

sowohl von Megacities als auch auf die

von Kleinstädten hatte, rechtfertigt es, in

der Überschrift von der brasilianischen

Stadt zu sprechen. Selbstverständlich

sind nicht alle brasilianischen Städte

gleichförmig. Dennoch finden sich in

fast allen immer wiederkehrende Planungsmuster,

die bis in unsere Zeit hinein

angewandt werden. Die Diskussion,

ob deshalb bei der brasilianischen

Stadt von einem eigenen Typus gesprochen

werden kann, findet sich an anderer

Stelle (Gegner 2015).

In diesem Beitrag sollen das spezifisch

Moderne der brasilianischen Stadt herausgearbeitet

und die daraus resultierenden

Probleme diskutiert werden. So

wird zunächst die Rezeption der europäischen

Moderne in Brasilien nachgezeichnet,

um dann den eigenen

brasilianischen Weg in die Moderne zu

skizzieren. Unter Moderne wird hier

die für Architektur und Städtebau mittlerweile

historische Epoche von 1920 bis

1960 verstanden. Der Titel stellt die

Frage, ob der brasilianische Urbanismus

zu stark an den Konzepten der ersten

Hälfte des 20. Jahrhunderts festhält. Die

besonderen Anforderungen des 21. Jahrhunderts,

die keinesfalls objektiv zu bestimmen

sind, werden zum Schluss unter

Bezug auf die Millennium Development

Goals der Vereinten Nationen (UN 2000)

in der Zuständigkeit des Programms

für menschliche Siedlungen UNHABITAT

(UN 2010) definiert. Auf diese Weise

werden die konkreten Entwicklungen des

brasilianischen Städtebaus zu Beginn

des 21. Jahrhunderts den übernationalen

und – unter Bezug auf das Estatuto

da Cidade (Presidência da República

2001) – auch den nationalen Zielvorstellungen

gegenübergestellt.

Magazin

Martin Gegner — Die BRASILIANISCHE Stadt – zu modern für das 21. Jahrhundert?

45


Besprechungen

Die Stadt

ins Werk setzen

Henri Lefebvre und das

Recht auf Stadt

Klaus Ronneberger

Im letzten Jahrzehnt hat die Forderung Recht

auf die Stadt eine Renaissance erlebt. Unter

dieser eingängigen Parole werden so unterschiedliche

Themen wie Gentrifizierung, Privatisierung

öffentlicher Güter oder Migrationsund

Flüchtlingsbewegungen angesprochen. Im

März 1968 – also kurz vor der Pariser Mai-

Revolte – fordert der Philosoph Henri Lefebvre

im Manifest Le droit à la ville erstmals das Recht

auf Stadt ein. Diese Kampfschrift ist nun mit

einem Vorwort vom Hamburger Künstler und

Aktivisten Christoph Schäfer auf deutsch beim

Nautilus Verlag erschienen.

Um die Bedeutung dieses Büchleins zu

verstehen, bedarf es einer historischen Kontextualisierung:

Ab den sechziger Jahren machen

sich die negativen Auswirkungen des fordistischen

Urbanisierungsprogramms nachhaltig

bemerkbar: Der autogerechte Umbau der

Städte, die Stadtflucht zahlungskräftiger Bevölkerungsgruppen

in das suburbane Eigenheim,

die Trostlosigkeit der neuen Trabantensiedlungen

und die Verödung der Zentren werden

von Lefebvre als »globale Krise der Stadt«

wahrgenommen. Synchron zu dieser Entwicklung

setzt auch eine Sanierung der kernstädtischen

Altbaubestände ein. Im Fall von Paris

organisiert man im Rahmen der rénovation

urbaine den Abriss von Stadtquartieren, und

die Mehrzahl der betroffenen BewohnerInnen

wird einfach in die Peripherie umgesiedelt.

Die Stadtsoziologie, damals vornehmlich an statistisch-empirischen

Verfahrensweisen orientiert,

zeigt wenig Neigung, solche Phänomene

gesellschaftstheoretisch zu reflektieren. Viele

SozialwissenschaftlerInnen lassen sich unkritisch

auf Fragestellungen der Planungs- und Verwaltungsinstanzen

ein, denen es um die Kontrolle

und Beherrschung sozialer Prozesse geht.

Henri Lefebvre, zu jener Zeit vor allem als

marxistischer Alltagssoziologe bekannt, gehört

zu den ersten Vertretern der scientific community,

die die fordistische Stadtentwicklung aus

einer umfassenden theoretischen Perspektive zu

analysieren versuchen. In Le droit à la ville

bemüht er dafür so unterschiedliche Felder wie

Philosophie und Kunst, um sich tastend der

urbanen Problematik anzunähern. Natürlich sind

die Jahrzehnte an dem Text nicht spurlos vorbeigegangen.

Von Lefebvre heftig kritisierte

Phänomene wie Funktionalismus oder Strukturalismus

haben heute ihre Bedeutung als

konzeptive Ideologien verloren. Auch die von

ihm häufig beschworene Avantgarderolle

des Proletariats bei der Verwirklichung einer

urbanen Gesellschaft wirkt aus heutiger Sicht

eher bizarr.

Dennoch sind einige seiner Thesen, die er

in La révolution urbaine (1970) nochmals präziser

und systematischer ausarbeitet, weiterhin von

Bedeutung. So bilden für den Philosophen Industrialisierung

und Verstädterung eine

dialektische Einheit: Die Industrialisierung der

Gesellschaft impliziert immer auch eine Urbanisierung.

Ihre Dynamik führt zu einer Zusammenballung

von Arbeitskräften und Produktionsmitteln,

welche wiederum den Ausbau

städtischer Infrastrukturen vorantreibt. Im Laufe

des 20. Jahrhunderts breitet sich ihm zufolge

ein »urbanes Gewebe« (tissu urbain) über die

Landschaft aus. Sowohl die Stadt wie das Land

werden Opfer der kapitalistischen Akkumulation.

Bildhaft gesprochen vollzieht sich der

Besprechungen

Urbanisierungsprozess nach dem Prinzip von

Explosion und Implosion. Die historische Stadt

explodiert; ihre Trümmer werden weit hinausgeschleudert,

und neue Randgebiete und Satellitenstädte

entstehen. Implosion steht für die

gleichzeitig stattfindende Aufwertung der

Stadtzentren. Der frühere Stadt-Land-Gegensatz

transformiert sich zu einem neuen Gegensatz,

demjenigen zwischen Zentrum und

Peripherie. Entscheidend ist die Behauptung

Lefebvres, dass die Ausbreitung des »urbanen

Gewebes« nicht zu einem konturlosen urban

sprawl führt. Vielmehr regenerieren sich die

Stadtkerne als »Zentren des Konsums« und als

»Entscheidungszentren« der Macht. Der Kampf

um »Zentralität« (Information, Begegnung,

Vergnügen) wird deshalb zum wichtigen

Moment einer widerständigen Praxis, die gegen

die kapitalistische Verwertungslogik aufbegehrt.

Angesichts der gegenwärtigen Stadtentwicklung

erweisen sich in dieser Hinsicht Lefebvres

Überlegungen als zutreffend: Der Erlebniskonsum

ist zu einem wichtigen Bestandteil

der urbanen Ökonomie geworden. Gleichzeitig

hat in den Metropolen die Verdichtung

von Headquarter-Strukturen eine neue

Qualität angenommen.

Lefebvre will auch das marxistische Revolutionsprojekt

erneuern: Marx und Engels hätten

die Dialektik von Industrialisierung und Urbanisierung

nicht wirklich begreifen können. Das

Problem des Wohnens (l’habiter) sei zwar von

ihnen erkannt worden, aber das Phänomen der

Urbanisierung gehe weit über die »Wohnungsfrage«

hinaus. Lefebvre deutet damit eine

historische Beschränkung des Marx’schen Denkens

an. Er kommt zu dem Schluss, dass die

erste Welle der Weltrevolution, die durch die

Agrarreformen des 19. Jahrhunderts stimuliert

wurde, verebbt sei. Nun werde die nächste

Welle der Revolution durch die »Stadtreform«

vorangetrieben. Das Recht auf Stadt besitzt für

ihn eine strategische Bedeutung, denn mit der

»Banlieusierung« der Arbeiterklasse und dem

damit einhergehenden Verlust von »Zentralität«

drohe deren widerständiges »urbanes Bewusstsein«

zu verschwinden. Er kommt in diesem

Zusammenhang auf die Pariser Commune zu

sprechen. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte

Baron Georges-Eugène Haussmann im Auftrag

Napoleons III. das Zentrum von Paris für die

besitzenden Klassen völlig umkrempeln lassen.

Die innerstädtische Arbeiter- und Armutsbevölkerung

wurden systematisch in periphere Zonen

verdrängt. Aus Sicht von Lefebvre stellt die

Erhebung von 1871 die kraftvolle Rückkehr der

abgeschobenen ArbeiterInnen in das städtische

55


Martin Feiersingers knappe, konzise Texte das

Interesse am jeweiligen Bau noch steigern.

Da ist es dann ein Jammer, wenn die beschriebenen

Strukturen nicht zu sehen sind.

Ob auch andere Länder ein solches Maß

an Schätzen der Moderne bergen? Vielleicht

kann man Martin und Werner Feiersinger

zumindest dafür gewinnen, Italien auch weiter

Richtung Süden mit ihren Kameras zu

durchkämmen. Jedenfalls sei der Band allen

an der Architektur der Nachkriegsjahrzehnte

Interessierten unbedingt empfohlen, gerade

jetzt, wenn man vielleicht seinen Sommerurlaub

plant. Das nächste Traumziel der Rezensentin

steht jedenfalls fest: der ligurische Küstenort

Bergeggi mit seiner 1950er-Jahre-Retorten-

Feriensiedlung Torre del Mare und ihren in die

Felsen der Steilküste gehauenen, auf

verschränkten Zylinderstrukturen basierenden

Bauten von Mario Galvagni. Auch so ein

Name, den man sich merken muss. Wir lechzen

jedenfalls schon jetzt nach Band 3 …


Martin & Werner Feiersinger

Italomodern 2. Architektur in

Oberitalien 1946-1976.

Zürich: Park Books, 2015

552 Seiten, 48,- Euro


Räume des Phantastischen

und Grotesken

Thomas Ballhausen

Nick Cave ist richtigerweise nicht nur als Musiker

eine fi xe Größe des kulturellen Geschehens

– seine Prosaarbeiten und insbesondere seine

Lyrics machen immer wieder die literarischen

Qualitäten seines Wirkens deutlich. Für die nun

auch in deutscher Sprache vorliegende jüngste

Veröffentlichung, The Sick Bag Song, hat er

sich auf eine Zwischenform verlegt, die in mehrfacher

Hinsicht von der Kategorie des Raums,

sei es in geografi scher oder in poetischer Hinsicht,

geprägt ist. Als lyrischer Prosastrom wird

eine Tour in den Vereinigten Staaten und Kanada

nachgezeichnet, die jeweiligen Städte, von

Nashville über Los Angeles bis Montreal, geben

die zyklische Kapitelstruktur des Buches ab.

Doch wer hier ein Nacherzählen von musikalischen

Stationen in Sinne eines Tour-Tagebuchs

erwartet, wird angenehm überrascht.

Im Mittelpunkt des Langgedichts stehen

nicht so sehr die Auftritte, sondern vielmehr die

Passagen des Übergangs. Von den Rändern her

erzählt Cave über Getriebenheit, über das

Element des Unsteten. Die Kreisbewegung der

Tour ist eingebunden in die umklammernde

Refl exion über eine Kindheitserinnerung, über

das ganz prinzipielle Spannungsverhältnis

zwischen dem Objektivitätsanspruch allgemeingültiger

Wahrheit und subjektstiftender individueller

Erfahrung. Die Unaufl ösbarkeit der

Frage, ob nun etwas tatsächlich so gewesen

ist oder ob es auf eigenständige/eigenwillige

Weise erinnert wird und damit auf einer

verschobenen Ebene Wahrheitsgehalt gewinnt,

ist wenig überraschend die poetologische

Grundlage von Caves Text.

Bevor sich aber ein Moment von Aussöhnung

abzeichnen kann, muss die Tour durchschritten

werden: Die titelspendenden sick bags

sind hier aber nicht nur Notizzettel, sondern

im übertragenen Sinn auch ein diagrammatischer

Raum, in dem Cave seine mannigfaltigen

Bezüge und Referenzen, die auf den ersten

Moment nicht selten widersprüchlich oder auch

gegenläufi g anmuten, literarisch neu zu einander

positioniert. Was sich da fi ndet, macht

deutlich, dass der Titel des Buchs keine Zufälligkeit

ist, spielt Cave doch sehr gekonnt mit

Auswurf und Verwerfung, mit Unrat und Dreck.

Es ist also bestimmt nicht das cleanliness bag

der asiatischen Zivilluftfahrt, das sich auftut,

sondern vielmehr eine wahre Kotztüte (An die

Titelwahl der ansonsten sehr gelungenen

Übersetzung und das österreichische Spezifi -

kum Speibsackerl soll an dieser Stelle kurz erinnert

werden). Wenn also alle in der sprichwörtlich

gleichen Tüte sitzen, ist es nur umso

stimmiger, wenn Cave auch auf dieser Ebene

sein Oszillieren zwischen Dokumentation

und Fiktion fortführt und in seinen mythopoetischen

Verschränkungen die geschilderten

Szenerien in Räume des Phantastischen und

Grotesken überführt. Und nichts ist dann wirklicher,

als wenn er beispielsweise weiblichen

Allegorien von Nationen begegnet oder unter

einer Brücke eine pfl egebedürftige »Drachin«

fi ndet. Die aufwändig gestaltete Ausgabe lädt

zum Vergleicht mit dem im Anhang abgedruckten

englischsprachigen Original, auf

jeden Fall aber zur sofortigen erneuten

Lektüre dieses Raum-Texts ein.


Thomas Ballhausen

Nick Cave: The Sick Bag Song/Das Spucktütenlied

Köln: Verlag Kiepenheuer & Witsch 2016

ISBN 978-3-462-04862-9


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dérive N o 64Ausgrenzung, Stigmatisierung, Exotisierung. Urbane Lebenswelten von Roma


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dérive Nr. 1 (01/2000)

Schwerpunkte: Gürtelsanierung: Sicherheitsdiskurs,

Konzept – und Umsetzungskritik, Transparenzbegriff;

Institutionalisierter Rassismus am Beispiel der »Operation

Spring«

dérive Nr. 2 (02/2000)

Schwerpunkte: Wohnsituation von MigrantInnen und

Kritik des Integrationsbegriffes; Reclaim the Streets/

Politik und Straße

dérive Nr. 3 (01/2001) (vergriffen)

Schwerpunkt: Spektaktelgesellschaft

dérive Nr. 4 (02/2001)

Schwerpunkte: Gentrifi cation, Stadtökologie

dérive Nr. 5 (03/2001)

Sampler: Salzburger Speckgürtel, Museumsquartier,

räumen und gendern, Kulturwissenschaften und Stadtforschung,

Virtual Landscapes, Petrzalka,

Juden/Jüdinnen in Bratislava

dérive Nr. 6 (04/2001)

Schwerpunkt: Argument Kultur

dérive Nr. 7 (01/2002)

Sampler: Ökonomie der Aufmerksamkeit, Plattenbauten,

Feministische Stadtplanung,

Manchester, Augarten/Hakoah

dérive Nr. 8 (02/2002)

Sampler: Trznica Arizona, Dresden, Ottakring,

Tokio, Antwerpen, Graffi ti

dérive Nr. 9 (03/2002)

Schwerpunkt in Kooperation mit dem

Tanzquartier Wien: Wien umgehen

dérive Nr. 10 (04/2002) (vergriffen)

Schwerpunkt: Produkt Wohnen

dérive Nr. 11 (01/2003)

Schwerpunkt: Adressierung

dérive Nr. 12 (02/2003)

Schwerpunkt: Angst

dérive Nr. 13 (03/2003)

Sampler: Nikepark, Mumbai,

Radfahren, Belfast

dérive Nr. 14 (04/2003) (vergriffen)

Schwerpunkt: Temporäre Nutzungen

dérive Nr. 15 (01/2004)

Schwerpunkt: Frauenöffentlichkeiten

dérive Nr. 16 (02/2004)

Sampler: Frankfurt am Arsch, Ghetto Realness,

Hier entsteht, (Un)Sicherheit, Reverse Imagineering,

Ein Ort des Gegen

dérive Nr. 17 (03/2004)

Schwerpunkt: Stadterneuerung

dérive Nr. 18 (01/2005)

Sampler: Elektronische Stadt, Erdgeschoßzonen,

Kathmandu, Architektur in Bratislava

dérive Nr. 19 (02/2005)

Schwerpunkt: Wiederaufbau des Wiederaufbaus

dérive Nr. 20 (03/2005)

Schwerpunkt: Candidates and Hosts

dérive Nr. 21/22 (01-02/2006)

Schwerpunkt: Urbane Räume – öffentliche Kunst

dérive Nr. 23 (03/2006) (vergriffen)

Schwerpunkt: Visuelle Identität

dérive Nr. 24 (04/2006)

Schwerpunkt: Sicherheit: Ideologie und Ware

dérive Nr. 25 (05/2006) (vergriffen)

Schwerpunkt: Stadt mobil

dérive Nr. 26 (01/2007)

Sampler: Stadtaußenpolitik, Sofi a, Frank Lloyd Wright,

Banlieus, Kreative Milieus, Refl exionen der phantastischen

Stadt, Spatial Practices as a Blueprint for Human

Rights Violations

dérive Nr. 27 (02/2007)

Schwerpunkt: Stadt hören

dérive Nr. 28 (03/2007)

Sampler: Total Living Industry Tokyo, Neoliberale

Technokratie und Stadtpolitik, Planung in der Stadtlandschaft,

Entzivilisierung und Dämonisierung, Stadt-

Beschreibung, Die Unversöhnten

dérive Nr. 29 (04/2007)

Schwerpunkt: Transformation der Produktion

dérive Nr. 30 (01/2008) (vergriffen)

Schwerpunkt: Cinematic Cities – Stadt im Film

dérive Nr. 31 (02/2008) (vergriffen)

Schwerpunkt: Gouvernementalität

dérive Nr. 32 (03/2008)

Schwerpunkt: Die Stadt als Stadion

dérive Nr. 33 (04/2008)

Sampler: Quito, Identität und Kultur des Neuen Kapitalismus,

Pavillonprojekte, Hochschullehre,

Altern, Pliensauvorstadt, Istanbul, privater Städtebau,

Keller, James Ballard

dérive Nr. 34 (01/2009)

Schwerpunkt: Arbeit Leben

dérive Nr. 35 (02/2009)

Schwerpunkt: Stadt und Comic

dérive Nr. 36 (03/2009)

Schwerpunkt: Aufwertung

dérive Nr. 37 (04/2009)

Schwerpunkt: Urbanität durch Migration

dérive Nr. 38 (01/2010)

Schwerpunkt: Rekonstruktion

und Dekonstruktion

dérive Nr. 39 (02/2010) (vergriffen)

Schwerpunkt: Kunst und urbane Entwicklung

dérive Nr. 40/41 (03+04/2010)

Schwerpunkt: Understanding Stadtforschung

dérive Nr. 42 (01/2011)

Sampler

dérive Nr. 43 (02/2011)

Sampler

dérive Nr. 44 (03/2011)

Schwerpunkt: Urban Nightscapes

dérive Nr. 45 (04/2011)

Schwerpunkt: Urbane Vergnügungen

dérive Nr. 46 (01/2012)

Das Modell Wiener Wohnbau

dérive Nr. 47 (02/2012)

Ex-Zentrische Normalität:

Zwischenstädtische Lebensräume

dérive Nr. 48 (03/2012)

Stadt Klima Wandel

dérive Nr. 49 (04/2012)

Stadt selber machen

dérive Nr. 50 (01/2013) (vergriffen)

Schwerpunkt Straße

dérive Nr. 51 (02/2013)

Schwerpunkt: Verstädterung der Arten

dérive Nr. 52 (03/2013)

Sampler

dérive Nr. 53 (04/2013)

Citopia Now

dérive Nr. 54 (01/2014)

Public Spaces. Resilience & Rhythm

dérive Nr. 55 (02/2014)

Scarcity: Austerity Urbanism

dérive Nr. 56 (03/2014) (vergriffen)

Smart Cities

dérive Nr. 57 (04/2014)

Safe City

dérive Nr. 58 (01/2015)

Urbanes Labor Ruhr

dérive Nr. 59 (02/2015)

Sampler

dérive Nr. 60 (03/2015)

Schwerpunkt: Henri Levebvre und das Recht aus Stadt

dérive Nr. 61 (04/2015)

Perspektiven eines kooperativen Urbanismus

dérive Nr. 62 (01/2016)

Sampler

dérive Nr. 63 (02/2016)

Korridore der Mobilität


Impressum

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dériveZeitschrift für Stadtforschung

Medieninhaber, Verleger und Herausgeber:

dérive – Verein für Stadtforschung

Mayergasse 5/12, 1020 Wien

Vorstand: Christoph Laimer, Elke Rauth

ISSN 1608-8131

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz

Zweck des Vereines ist die Ermöglichung und Durchführung

von Forschungen und wissenschaftlichen Tätigkeiten zu den

Themen Stadt und Urbanität und allen damit zusammenhängenden

Fragen. Besondere Berücksichtigung sollen dabei

inter- und transdisziplinäre Ansätze finden.

Grundlegende Richtung:

dériveZeitschrift für Stadtforschung versteht sich als

interdisziplinäre Plattform zum Thema Stadtforschung.

Redaktion

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Jeden 1. Dienstag im Monat von 17.30 bis 18 Uhr

in Wien live auf ORANGE 94.0

oder als Webstream http://o94.at/live.

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Chefredaktion: Christoph Laimer

Schwerpunktredaktion: Anna Kokalanova

Redaktion / Mitarbeit: Thomas Ballhausen, Andreas Fogarasi,

Barbara Holub, Holger Hörtnagl, Michael Klein, Andre

Krammer, Axel Laimer, Iris Meder, Erik Meinharter, Sabina

Prudic-Hartl, Paul Rajakovics, Elke Rauth, Manfred Russo.

AutorInnen, InterviewpartnerInnen und KünstlerInnen

dieser Ausgabe: Rosalina Babourkova, Thomas Ballhausen,

Diana Botescu, Barbara Feller, Martin Gegner, Michael

Hieslmair, Gilda-Nancy Horvath, Anna Kokalanova, Ferdinand

Koller, Andre Krammer, Angelika Krinzinger, Iris Meder,

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Vertrieb: Holger Hörtnagl

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Wir danken für die Unterstützung:

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IG Kultur, INURA – International Network for Urban

Research and Action, Recht auf Stadt – Wien.

Die Veröffentlichung von Artikeln aus dérive ist nur mit

Genehmigung des Herausgebers gestattet.

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Impressum


»Historisch betrachtet

war und ist

die Vertreibung

von Roma aus

städtischen Gebieten

gängige Praxis.«

Anna Kokalanova, S. 7

Diskriminierung, Selbstrepräsentation, Vertreibung,

Segregation, Citizenship, Kommodifizierung, Wohnraum, Ghetto,

Betteln, Antiziganismus, Informalität, Lager,

New Babylon, Nomadentum, Arbeitsmigration, Moderne,

Städtebau, Brasilien

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