Z15/16 GENDER-IDEOLOGIE :: Lass Dich nicht zur Äff*In machen

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D a s U m d e n k I m p u l s Z u k u n f t s G e s t a l t u n g s M a g a z i n

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f ü r Z u k u n f t

GENDER

IDEOLOGIE

LASS DICH

NICHT ZUR

**

AFFIN *

I MACHEN

A u s g a b e # 1 5 / 1 6

Z für Zukunft

1

w w w . Z f ü r Z u k u n f t . d e


Gruß der Vielfalt

Herausgeber: Zukunft-Europa e.V.

setzt sich für die zukunftstragenden

Werte der Gesellschaft ein und weist auf

wertezerstörende Trends hin.

Vorstand: Peter Ischka, Dr. Martin Fontanari,

Dr. Roland Andergassen, Christa

Meves, Sr. Dogan Hatune

Redaktion: Peter Ischka

Anschrift: Zukunft-Europa e.V.

Postfach 1409 • 73014 Göppingen

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Lektorat: Gabriele Pässler,

www.g-paessler.de

Satz und Gestaltung:

Agentur PJI UG, Adelberg

Druck: Primus GmbH, 56307 Dernbach

Erscheinungsweise

unregelmäßig, ca. 2 x jährlich

1. Auflage der Nr.15/16 Juli 2016

Abopreis: € 29,– für 6 Einzel-Ausgaben,

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ISBN: 978-3-944764-08-5

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nicht umsonst!

Sie habe sicher gehört, Zeitschriften und Magazine haben es

nicht mehr so leicht. Das sagen die großen, bekannten Blätter.

Die »Z« hat da noch einen ganz anderen Stand – wir schwimmen

gegen den Strom. Der Mainstream hat gar kein Interesse an der

Existenz so einer Publikation.

Wir sind aber überzeugt, dass es heute notwenidiger denn je,

Dinge beim Namen zu nennen und ans „Licht“ zu führen.

Wenn Sie das auch für wichtig erachten, dann helfen Sie mit,

damit wir die nötig Kraft entwickeln können, weiter gegen den

Strom zu schwimmen.

Jede Ausgabe der »Z« wird dem Leser helfen, seinen eigenen Standpunkt

zu festigen und seine Meinung konkreter zu formulieren.

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Z für Zukunft


Editorial

... liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie diese Ausgabe lesen, sollten Sie gut sitzen und auch einen

Beruhigungs-Tee vorbereitet haben – denn was Sie in dieser Ausgabe

erfahren, das kann Sie nicht kalt lassen. Wenn Sie noch einigermaßen

klar im Kopf sind, also noch nicht durchgegendert wurden,

wird es Sie aufwühlen, wie führende Politiker, Wissenschaftler

und Kirchenführer solchen jeder Vernunft und Logik entbehrenden

Unsinn unterstützen und dazu beitragen können, den gesellschaftszerstörenden

Konzepten, die UNO und EU vorgeben, Tür und Tor zu öffnen hinein in alle

Gesellschaftsbereiche (besonders in Schulen).

Diese Ausgabe will ihnen aber keine Angst machen – wenngleich das leicht möglich

wäre. Unsere Absicht ist eine andere: Sie sollen umfassend informiert sein, damit Sie

sich nicht länger übers Ohr hauen lassen müssen. Äußerst clever verwendet die Gender-

Ideologie nämlich Begriffe, die gut klingen, um weitgehend unbemerkt ins Denken der

Gesellschaft eine neue Ideologie zu implementieren: man spricht von Gerechtigkeit, Freiheit,

Frieden und Menschenwürde. Sie erinnern sich noch an Ideologien, die sich diese

Parolen ebenfalls auf die Fahnen geschrieben hatten?

Diese Ausgabe der „Z“ will Sie soweit aufregen, dass Sie nicht mehr schweigen und

nicht mehr alles über sich ergehen lassen. Noch sind wir eine Demokratie und Sie haben

eine Stimme. Schreiben Sie an die Medien, gehen Sie den Abgeordneten Ihres Wahlkreises

auf die Nerven. Sie haben eine Stimme – jeden Tag, nicht nur bei Wahlen. Sprechen

Sie mit Menschen. Denn wenn sich einer getraut, fassen auch andere Mut. Es gilt, das

Diktat des Schweigens zu durchbrechen – und die politische Korrektheit dazu.

Diese Ausgabe hat eine hohe Informationsdichte. Das Thema wird aus so vielen

Gesichtspunkten betrachtet wie sonst kaum – und das von einer Reihe höchst kompetenter

Autoren. Das wird Ihnen helfen, Ihren Standpunkt konkreter zu vertreten – und man

wird Ihnen nicht mehr so leicht ein X für ein U vormachen können.

Wenn Sie einer der wenigen aktiven Christen sind (was sich jedenfalls lohnen würde;

denn nur wer einen soliden Rückhalt bei einer wirklich höheren Instanz hat, wird mit

diesen Gegebenheiten einigermaßen zu Rande kommen) – jedenfalls: als solch ein Christ

haben Sie das entscheidende Potenzial, wirklich etwas zu bewegen in dieser Gesellschaft,

trotz scheinbarer Aussichtslosigkeit. Beachten Sie dazu die letzten fünf Artikel, besonders

den über „SEX – Beliebigkeit oder höhere Spiritualität?“.

Peter Ischka

Chefredakteur

Bereiten Sie sich einen

Beruhigungs-Tee,

bevor Sie zu lesen

beginnen

PS: Da zu viele zu wenig über die Gender-Ideologie etwas wissen, wäre es ein wichtiger

Beitrag, wenn Sie dieses Magazin auch anderen zukommen lassen könnten. Bestellen

Sie dazu einige Hefte nach: www.ZwieZukunft.de/z-15-bestellung.php

Z für Zukunft

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Inhalt

Affenjungen spielen mit Autos,

Affenmädchen mit Puppen … 10

Das Spiel mit dem roten Würfel ... 54

Wie das „Gehirn“

der sexuellen Vielfalt tickt ... 85

Der Homosexuelle als Spezies ... 116

SEX: Beliebigkeit

oder höhere Spiritualität? ... 140

Leitthema

Ulrike Walker

Gender für Anfänger

„Gender“, das bezeichnet das „soziale Geschlecht“, also eine

angeblich anerzogene Geschlechterrolle, im Gegensatz zum „Sex“,

dem „biologischen“, angeborenen Geschlecht 6

Peter Ischka

Affenjungen spielen mit Autos,

Affenmädchen mit Puppen …

Oder: Wie ist das nun mit den gesellschaftlichen Stereotypen –

alles Erziehung oder was? 10

Ulrike Walker

Weniger Menschen, dafür mehr Sex

Ein Downhill-Fahrplan, der 1995 auf UNO-Ebene beschlossen wurde

– und seitdem gnadenlos umgesetzt wird, an der Öffentlichkeit

vorbei. Ganz nach dem Motto: Wie kocht man einen Frosch? 13

Bettina Röhl

Die Entmännlichung unserer Gesellschaft

Wie kommt es, dass die dominierenden Männer sich so gründlich ins

Bockshorn jagen lassen von einem jeder Logik baren Unsinn? 16

Was kostet der „Spaß“?

Für die Gender-Durchsetzung in allen Gesellschaftsbereichen haben

EU und Länder großzügige Budgets. Ein Teileinblick wie dieser

kann helfen, vom Ausmaß eine kleine Ahnung zu bekommen 21

Gender-Taktik

Tomas Kubelik

Von Herren Professorinnen

und anderen MenschInnen. Wie Gendern die Sprache verhun(d)zt 27

Satire

Universal Electrics zahlt 35 Mrd. $

wegen sexueller Diskriminierung 31

Mathias von Gersdorff

Verharmlosen und verschleiern

Die Strategie der Gender-Lobby: Gender-Befürworter nützen positiv

besetzte Wörter und weisen Kritik als völlig übertrieben zurück 32

Herr Gröhe, das ist aber nicht zum Lachen 35

Gender-Blüten

Gabriele Kuby

Freie Fahrt ins Irrenhaus

New York City verabschiedet Transgender-Gesetz – mit gigantischen

Folgen: Zuerst New York, danach Europa, dann der Rest der Welt 36

Peter Ischka

Die 60 Geschlechter von Facebook

Für alle, die inzwischen so gründlich gegendert sind, dass auf sie

die Kategorien „Mann“ oder „Frau“ nicht mehr zutreffen, bietet

Facebook nun eine lange Liste Wahlmöglichkeiten 40

Können Ampelmännchen schwul sein?

In Wien und Linz sollen schwul-lesbische Ampelpärchen Weltoffenheit

und Großkariertheit beweisen – aber es regt sich Widerstand 42

Kündigung wegen ungegenderten Christkinds

Wiener Kindergärtnerin wurde arbeitslos, weil zu christlich 44

Europa

Veronika Neumann

Verschlungene Wege der EU

Eine neue „Europäische Bürger-Initiative zum Schutz von Ehe

und Familie“ will diese Wege durchkreuzen 45

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Z für Zukunft


Inhalt

Überwachungsmechanismus in EU geplant

um konservativen Werte-Widerstand zu brechen 48

Beatrix von Storch

Aus parlamentarischer Praxis

Ein Erfahrungsbericht mit Gender-Mainstreaming in der EU 51

Historisch

Wolfgang Leisenberg

Das Spiel mit dem roten Würfel

oder: Die Schattenseite der humanistischen Aufklärung 54

Peter Ischka

Gehirnwäsche missglückt

Ein norwegischer Komiker hat gezeigt, wie ideologisch und

wissenschaftsfern die Gleichstellungs-Bemühungen angelegt sind 58

Politik

Wolfgang Leisenberg

Gender – eine totalitäre Bedrohung

Die Umsetzung der Gender-Ideologie zerstört die Seele der

Gesellschaft – beabsichtigte Strategie? 60

Wolfgang Leisenberg

Der entmenschlichte „Neu-Mensch“

Gender-Mainstreaming, der letzte Versuch des Sozialismus, die Illusion vom

„neuen Menschen“ aufrechtzuerhalten? Schlägt der fehl, was dann? 65

Hedwig von Beverfoerde

Warum DEMO für ALLE?

Im Interview mit der Initiatorin über die Entwicklung einer Bewegung,

die gegen die Gender-Agenda aufgestanden ist 69

Peter Ischka

Die Neue Weltordnung

Kommt sie noch – oder ist sie schon da? Politiker sprechen von

New World Order. Was hat die Gender-Ideologie damit zu tun? 74

Sexualpädagogik

Jakob Pastötter

Wie viel Wissenschaft steckt in der

deutschen Sexualpädagogik?

Sexualpädagogik in Deutschland scheint institutionell bis aufs

Letzte durchstrukturiert zu sein – aber was steckt dahinter? 78

Peter Ischka

Wie das „Gehirn“ der sexuellen Vielfalt tickt

Aussagen von Prof. Uwe Sielert, dem Vordenker der

„Sexualpädagogik der Vielfalt“ 85

„Gender“ raus aus Bildungsplan im Kanton Bern

Genderthemen sollen im Stundenplan und in der Lehrerbildung

künftig keinen festen Platz haben 91

Unsere Kinder

Birgit Kelle

Identität zerbrechen?

… bis wir von unseren „determinierenden Rollenstereotypen“

total befreit sind 92

Herr Kretschmann, Sie als Lehrer und Katholik? 95

Christa Meves

Staatlich verordneter Kindesmissbrauch

Frühsexualisierung: Warum tun wir unseren Kindern das an? 96

Manfred Spreng

Neugeborene: kein „unbeschriebenes Blatt“!

Moderne Wissenschaft lässt keinen Zweifel: Schon beim Embryo sind

auch im Gehirn wichtige Geschlechts-Unterschiede festzustellen 99

Manfred Spreng

Kollateralschäden der Fremdbetreuung

Gender-Ideologen sind ausschließlich fixiert auf die erwerbstätige

Frau, blenden das Kindeswohl aber aus und das der Mütter auch 103

Manfred Spieker

Die „Vielfalts“-Indoktrinierung

Die neue Sexualpädagogik zum Zwecke der Beeinflussung

unserer Kinder von der Krippe an 107

Homosexualität

Manfred Spieker

Die eingetragene Lebenspartnerschaft

Frucht der Gender-Implementierung und deren Folgen 112

Markus S. Hoffmann

Der Homosexuelle als Spezies

Eine gesellschaftspolitische, sexualwissenschaftliche Analyse

über gesellschaftliche Konstruktionen und Verdrängungen 116

Dennis Riehle

Ich bin schwul

… aber was die Homo-Lobby treibt, ist nicht wirklich „gut so“ 122

Karsten Spilling

Markenpiraterie Regenbogen

Als Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung beansprucht,

aber wofür eigentlich steht der Regenbogen schon immer? 128

Pädophilie

Christian Schürmann

Pädophilie

Normale sexuelle Neigung oder strafbare gestörte Sexualität? 132

Interview von Peter Ischka

Gefangen im Netz pädophiler Seilschaften

Vom Hausarzt sechs Jahre lang zur „Vergewaltigungs-Kur“ geschickt 135

Spiritualität

Peter Ischka

SEX: Beliebigkeit oder höhere Spiritualität?

One-Night-Stands als Spaß oder sich bei okkulten Riten einer

Macht aussetzen – Was ist die tiefere Bedeutung von Sex? 140

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Die nicht manipulierbare Andersheit

Die mystische Bedeutung von Liebe und Ehe. Die Andersheit als

das Rätsel, das in der Vereinigung gelöst werden kann 146

Rainer Mayer

Was ist schon gerecht?

Was bedeutet „Geschlechtergerechtigkeit“ im Gender-Konzept? 150

Peter Beyerhaus

Salzburger Erklärung

Die Int. Konferenz Bekennender Gemeinschaften (IKBG) gegen

die Gender-Ideologie und für die Schöpfungsordnung 155

Manfred Spieker

Gender-Mainstreaming und Christen

Trotz kritischer Stimmen findet die Ideologie Eingang in Kirchen.

Die EKD will „Familie neu denken“ und „Kirche in Vielfalt denken“ 160

Z für Zukunft

5


Leitthema

Foto: © Lamborghini Murcielago LP640/123hdwallpapers.com

Gender für Anfänger

„Gender“, das bezeichnet das „soziale Geschlecht“, also eine angeblich

anerzogene Geschlechterrolle, im Gegensatz zum „Sex“, dem „biologischen“,

dem angeborenen Geschlecht.

Ulrike Walker

John Money,

Psychologe und Sexologe

aus Neuseeland.

Er gründete 1965 die

„Gender Identity Clinic“

Foto: © CSU Northridge Oviatt

• Das Wort „Gender“ wurde 1955 eingeführt

von dem US-amerikanischen Forscher John

Money; es sollte das Fühlen und Verhalten von

intersexuellen Menschen beschreiben, d. h.,

es sollte einer Minderheit, die sich nicht eindeutig

einem Geschlecht zuordnen kann, eine

Bezeichnung ermöglichen.

• Die feministische Homosexuellen-Bewegung

griff es auf und machte es bekannt, wie auch

die „Queer-Theorie“. Die Genderunterstützende

Queer-Theorie geht davon aus, dass die

geschlechtliche und die sexuelle Identität nicht

„naturgegeben“ seien, sondern erst in sozialen

und kulturellen Prozessen konstruiert würden.

Eine der Wurzeln moderner Queer-Theorien

liegt in den Aids-Kampagnen der 1980er-Jahre.

Die bis dahin von „lesbisch-schwulen“ Organisationen

(z. B. der Gay Liberation Front) vertretene

Politik von sexueller Identität erwies

sich im Zuge der Ausbreitung von Aids als

unangemessen.

Geschlechter-Selbstbestimmung

• Nicht die Verwirklichung einer Rollenvorgabe,

sondern die Befreiung daraus ist das Merkmal

einer „geschlechtergerechten“ Welt, ähnlich wie

bei der sexuellen Befreiung der 68iger. So soll

das „biologische Geschlecht“ durch das „soziale

Geschlecht“ (Gender) verdrängt und ersetzt

werden – die eigene Geschlechtlichkeit soll kein

gottgegebenes Schicksal sein, vielmehr steht

„Selbstbestimmung“ im Zentrum.

• Die biologische „Zwangszuordnung“ der heterosexuellen

Geschlechter, die Aufteilung in Mädchen

und Jungen stelle eine Ungleichheit per se

dar und schaffe patriarchale Machtstrukturen;

6

Z für Zukunft


Leitthema

durch „Gender“ sollen diese Ungerechtigkeit

und Diskriminierung überwunden werden.

Um das „biologische Geschlecht“ nicht zu

bevorzugen, schafft man es kurzerhand ab und

sucht sich in Zukunft sein Geschlecht selbst aus

bzw. konstruiert dieses. Jeder Mensch ist also

– nach der Gender-Definition der EU und der

UNO – bei seiner Geburt geschlechtsneutral.

• Wenn alle gleich behandelt werden wollen und

die gleichen Rechte einfordern, darf es für biologische

Väter und Mütter keine Ausnahmen

mehr geben, weil sich damit alle anderen ausgegrenzt

und diskriminiert fühlen könnten.

• Die Gleichstellung soll im ersten Schritt unter

dem Schlagwort der Quoten geregelt werden.

Dies bedeutet eine akribische Arbeitsaufteilung

(50:50) zwischen den Geschlechtern und

die Vermittlung der notwendigen Toleranz in

der Bevölkerung, um die vielfältigsten sexuellen

Orientierungen zu verankern.

Sprache schafft „Realitäten“

• Um diesen Diskriminierungen entgegenzuwirken,

bedarf es einer Veränderung

des Sprachgebrauchs! Denn Sprache ist

das Instrument, um Menschen umzuerziehen.

Im Leitfaden für gendergerechte Texte

am eidgenössischen Hochschulinstitut für

Berufsbildung heißt es: „Sprache bildet

Realität nicht nur ab, sie schafft sie auch.“

Also schafft oder vielmehr konstruiert man

künstlich durch die Wortwahl Realitäten und

redet diese in Existenz. Genauso gut, wie man

mit Wörtern „Realitäten“ erschaffen kann, können

nicht gewollte, bisherige Realitäten abgeschafft

werden. Denn alles, was es sprachlich

nicht mehr gibt, existiert auch nicht mehr. So

heißt es beispielsweise nicht mehr „Vater“

oder „Mutter“, sondern „Elter1“ und „Elter2“.

Die kommenden Generationen sollen also nicht

mehr wissen, was Vater und Mutter ist.

Kaum jemand weiß Bescheid

• Diese Auflösung der Geschlechter findet in

der Bevölkerung „noch“ keine Akzeptanz,

keine Zustimmung. Da die Bevölkerung über

Gender nicht aufgeklärt wurde, erstaunt es

nicht, dass kaum jemand weiß, worum es

eigentlich geht und was auf uns zukommt.

Aus diesem Grund wird vordergründig Gender

als Gleichberechtigung von Mann und

Frau vermarktet und „Toleranz“ gefordert und

von „Antidiskriminierung“ gesprochen. Aber

die eigentlich vorangetriebene Gleichstellung

geht viel weiter.

Foto: © Wikipedia/Neptuul

• So wird unter dem neu interpretierten Wort

„Toleranz“ allen sexuellen Orientierungen oder

Identitäten (homosexuell, bisexuell, transsexuell,

transgender, intersexuell u. a. m.) zu

ihren Rechten verholfen und den heterosexuellen

(Mann und Frau) gleichgestellt. Es wird

nicht Toleranz verlangt, sondern eine generelle

Akzeptanz gefordert.

Sex: Verhandlungssache?

• Einvernehmlichkeit unter den jeweils involvierten

Sexualpartner und Verhandlungsbereitschaft

gilt als neuer gesellschaftlicher Kodex: Die

bevorzugte sexuelle Praktik soll ausgehandelt

werden; vorausgesetzt wird wohl das beiderseitige

Vertrauen der Kurzzeitbekanntschaften,

dass sie einander schon nicht anstecken würden.

Trotz kostspieliger Aids-Kampagnen ist diese

Krankheit, von der im Westen (Europas) nach wie

vor primär homosexuelle Männer betroffen sind,

in Deutschland nur geringfügig zurückgegangen.

Zusätzlich warnt die WHO nun neu vor der inzwischen

als unheilbar eingestuften Geschlechtskrankheit

Tripper, die schon fast als ausgerottet

galt: Weltweit hätten sich 106 Millionen Menschen

durch Geschlechtsverkehr angesteckt

und Millionen davon würden wegen Antibiotika-Resistenzen

nicht geheilt werden können.

Bei einigen STI (sexually transmitted infections)

Vereinte Nationen,

Hauptquartier in

New York City, Ansicht

von Roosevelt Island

Laut EU und

UNO ist jeder

Mensch – nach

Gender-Definition

– bei seiner

Geburt

geschlechtsneutral

Z für Zukunft

7


Leitthema

• Abtreibung als „Menschenrecht“ unter der

Neu-Bezeichnung „reproduktive Gesundheit“

ist ebenfalls Bestandteil des Gender-Pakets.

• Der Begriff „Gender-Mainstreaming“ wurde

auf der 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking

fest integriert und im Amsterdamer Vertrag

1997/1999 zum offiziellen Ziel der EU-Gleichstellungspolitik

erklärt.

Foto: © Wikipedia/Onderwijsgek

„Gender

Studies“

schießen wie

Pilze aus dem

Boden.

An deutschen

Universitäten

gibt es

inzwischen

200 Professuren

dafür

bieten Kondome keinen ausreichenden Schutz.

Das Geld der Krankenkassen wird zukünftig

schlichtweg nicht mehr für alle reichen.

Das Geschlecht beliebig wechseln

• Da sexuelle Orientierungen laut „Gender“

weder natur- noch gottgegeben sind, sind sie

beliebig austauschbar. Das heißt: In Zukunft

wählt jeder sein Geschlecht aus oder wechselt

hin und her zwischen bi-, homo-, trans- etc. Die

Jungen Grünen in Deutschland gehen schon

mal mit „gutem“ Beispiel voran und führten bei

ihrem Parteitag Gender-Unisex-Toiletten ein.

• Medien und Behörden erwecken den Anschein,

als würde eine beträchtliche Zahl von Menschen

einen Lebensstil der sexuellen „Vielfalt“ bevorzugen.

Das ist ein Irrtum. Tatsächlich handelt

es sich um eine sehr kleine Minderheit, die nur

in unseren Köpfen als Mehrheit erscheinen soll.

Sogar der „Spiegel“ 1 war überrascht: „Die

Zahl der Homosexuellen ist wesentlich geringer,

als der mediengestützte Schwulentrend

suggeriert. Nur 1,3 Prozent der befragten

Männer und 0,6 Prozent der befragten Frauen

gaben an, schwul beziehungsweise lesbisch zu

sein. Weitere 2,8 Prozent der Männer (Frauen:

2,5 Prozent) sagten, sie hätten eine bisexuelle

Neigung.“

Öffentliche Institutionen auf „Gender“

verpflichtet

• Wie setzt man das nun um? Durch eine sogenannte

Top-Down-Strategie, d. h. von oben

nach unten. Gender-Mainstreaming ist inzwischen

in allen Einrichtungen der öffentlichen

Hand verpflichtend zur rechtlichen Grundlage

geworden, also in allen Bundes- und Landesministerien,

in den Kommunen, Kirchen,

Schulen, Universitäten, Behörden, öffentlichrechtlichen

Sendern, Unternehmen usw. Linientreue

werden in „Gender“ geschult und in

Schlüsselpositionen gesetzt.

• „Gender Studies“ schießen wie Pilze aus dem

Boden. An deutschen Universitäten gibt es inzwischen

200 Professuren für Gender-Studies, in

den letzten zehn Jahren haben sie einen Etat

von über einer Milliarde Euro verschlungen.

Diese Pseudowissenschaft ist vergleichbar mit

dem „Wissenschaftlichen Sozialismus“ und

könnte auch als „genderkonforme Geschlechterwissenschaft“

übersetzt werden. Das Kerngeschäft

der Gender-Studies ist im Wesentlichen

die analytische Dekonstruktion des Geschlechts:

Demnach erklären nicht die Gene oder eine andere

biologische Essenz das Geschlecht der Menschen,

das tun ausschließlich soziale Kategorien.

Ziel ist es, die Gender-Studies an Universitäten

nachhaltig zu institutionalisieren, um so den

nachhaltigen Einfluss auf die Gesellschaft

sicherzustellen.

• An der Berliner Humboldt-Universität hat die

Regierung eigens ein „Kompetenzzentrum“

eingerichtet, in dem acht Wissenschaftler darüber

wachen, dass Gender-Mainstreaming korrekt

in den Staatskörper eingepflanzt wird.

8

Z für Zukunft


Leitthema

Am besten bei den Kleinsten ansetzen

• In Kindergärten und Schulen beginnt man mit

der Sexualerziehung zur Gender-Vielfalt: Schüler

werden angehalten, diese neuen Formen

der sexuellen Orientierung nicht nur zu tolerieren,

sondern zu akzeptieren. So erstaunt

es nicht, dass tonangebende Soziologen wie

Prof. Uwe Sielert schwerpunktmäßig nicht nur

auf Sexualerziehung setzen, sondern auch auf

Gender.

• Aus diesem Grund betont man ein vermeintliches

Recht der Kinder auf Sexualerziehung

und die damit verbundene selbstbestimmte

sexuelle Orientierungen; die Grundsätze der

Genderideologie sollen tief im Bewusstsein

der Kleinen verankert werden.

• Sollte es Eltern geben, die dieser Ideologie

nicht folgen und ihre Kinder vor dem genderideologischen

Sexualkundeunterricht schützen

wollen, kann der klar definierten Toleranz

schon mal durch Beugehaft ein Ende gesetzt

werden – so erging es einer russlanddeutschen

Mutter aus Salzkotten bei Paderborn.

Kein Pardon also für Menschen, denen die

sexuelle Vielfalt aus religiösen Gründen zu viel

ist und die die „Unverschämtheit“ besitzen,

dies auch noch zu sagen.

Zerstörende Ergebnisse

• Dass Kindern diese Gender-Umgebung weder

zu Stabilität verhilft noch zur Chancengleichheit,

zeigt eine neue wissenschaftliche Untersuchung:

2 Kinder aus klassischen Familien

haben signifikant bessere Startbedingungen für

das Leben als Kinder aus Regenbogenfamilien.

Ob hier die Natur der Gender-Ideologie ein

Schnippchen schlägt? Am schlechtesten schneiden

Kinder ab, die von lesbischen Paaren aufgezogen

wurden; von diesen Kindern erlitten

23 % Missbrauchserfahrungen (Vergleichswert:

2 % bei Herkunft aus intakten biologischen

Foto: © Flickr/Tom&Katrin

Familien), sie zeigen schlechtere Werte bei

der körperlichen Gesundheit, neigen stärker

zu Depressionen und zu Drogengebrauch.

Diese Zahlen geben die tragische, die empirisch-wissenschaftliche

Realität wieder.

Möge diese Einführung über Gender-Mainstreaming

Ihnen zu einem besseren Verständnis

verhelfen. Vielleicht werden Sie sogar zum Gender-Profi,

der die manipulativen Absichten hinter

dieser Ideologie durchschaut, ihr in seinem

Umfeld keinen Raum gewährt.

Ulrike Walker lebt in der Schweiz, ist Mutter von vier Kindern

und Ehefrau. Bloggt auf „Die Weiterdenkerin – wenn Mütter wieder

selber denken“: dieweiterdenkerin.wordpress.com

1 Der Spiegel 13/2001,

www.spiegel.de/spiegel/print/d-18818115.html.

2 www.kath.net/news/36988.

Die Z 13/14 bring in kompakter Form

alles was sie über den Islam

wissen sollten.

Nur wer Hintergründen versteht, kann

beurteilen, wohin wir uns entwickeln.

Unwissenheit mach Angst!

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Z für Zukunft

9


Leitthema

Affenjungen spielen mit Autos,

Affenmädchen mit Puppen …

Oder: Wie ist es nun mit den gesellschaftlichen Stereotypen – anerzogen oder was?

Peter Ischka

Foto: © Screenshots der BBC-Docu „Horizon“

Die BBC-Doku

„Horizon“ zeigte

Forschungsergebnisse:

Die

weiblichen Affen

nahmen die

Puppen behutsam

an sich, während

die männlichen

sich um die Autos

balgten

Mädchen spielen eher mit Puppen

und Jungen lieber mit Autos.

Ist das von der Gesellschaft so

einprogrammiert, oder gibt es

dafür vielleicht andere Ursachen?

Sogar Affen, die keine Ahnung haben von

den sozialen Rollen der Menschen, entscheiden

sich für „geschlechtstypisches“ Spielzeug. Zumindest

haben wissenschaftliche Untersuchungen das

ergeben.

Die Gender-Theorie behauptet hingegen, jeder

Mensch könne unabhängig von seinem biologischen

Geschlecht wählen, ob er als Mann oder als

Frau leben wolle. Die Fixierung auf soziale Rollen,

etwa auf die der Mutter und Hausfrau, sei das

Ergebnis von Erziehung und sozialer Projektion.

Das müsse überwunden werden.

Politik und Wirtschaft bemühen sich mit großem

finanziellem Aufwand seit Jahren vergeblich,

Mädchen in technische Berufe zu bringen; die

Umprogrammierung beginnt im Kindergarten.

Schülerinnen sollen für sogenannte MINT-

Berufe begeistert werden – für Jobs im Bereich

Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften

oder Technik –, das alles unter der Flagge der

„Geschlechtergerechtigkeit“. Doch Hunderte

von Initiativen über Jahre hinweg brachten keinen

Erfolg: Die meisten Mädchen bleiben weiterhin

bei ihren charakteristischen Berufswünschen.

Auch die „Girls’ Days“ an deutschen Schulen zeigten

keine Wirkung. Doch der „Kampf“ gegen ein

vermeintliches Geschlechterklischee geht erbarmungslos

weiter.

Genderbeauftragte rechtfertigen ihren Misserfolg

mit der Genderforschung, die davon ausgeht,

dass Mädchen von Geburt an genauso

technikinteressiert seien wie Jungen. Es wären

nur die überkommenen Geschlechterklischees,

die die Umsetzung und den Erfolg selbst der besten

Aktionen behinderten.

Der Lösungsansatz: Wer den Frauenanteil in

technischen Berufen erhöhen will, muss in der

Erziehung deutlich früher ansetzen: Dreijährigen

Mädchen sollen statt Puppen und Kinderküchen

endlich Metallbaukästen und technische

Experimentier-Sets angeboten werden.

10

Z für Zukunft


Leitthema

Tatsächlich ergreifen in Wohlstandsgesellschaften

deutlich mehr Frauen „klassische“

Frauenberufe: Man macht das, was einem liegt

oder Spaß macht. In ärmeren Ländern hingegen

ergreifen Frauen auch „Männerberufe“, weil die

Not dazu drängt: Die Familie muss versorgt werden.

In besonders gut „gegenderten“ Ländern

(diesen Luxus können sich fast nur Wohlstandsgesellschaften

leisten) ist der Anteil von Frauen in

„Männerberufen“ sogar rückläufig.

Stereotypen bei Affen

Wissenschaftliche Experimente mit Affen sowie

Hirn-Forschungen am Menschen haben weitgehend

bestätigt, dass es bei Mann und Frau angeborene

Verhaltensunterschiede gibt. Die englische

Neurowissenschaftlerin Prof. Melissa Hines

von der Universität Cambridge hat mit ihrer Kollegin

Gerianne Alexander Tests mit Rhesusaffen

und Südlichen Grünmeerkatzen durchgeführt:

Sie gaben den Tieren „männliche“ Spielzeuge wie

Autos, „weibliche“ wie Puppen und „neutrale“ wie

Bücher oder einen ausgestopften Hund. Zur Überraschung

der Forscherinnen spielten die männlichen

Affen vorwiegend mit Autos und die weiblichen

mit Puppen! Für die „neutralen“ Gegenstände

interessierten sich beide Geschlechter.

US-Forscher berichten im Fachblatt „Current

Biology“ von einer Untersuchung unter Schimpansen

im Kibale-Nationalpark in Uganda; über

Jahre wurden Tiere in freier Natur beobachtet.

Dabei stellten sie unter anderem fest, dass

Schimpansen Stöcke benutzten, und zwar auf

verschiedene Arten: Auf der Suche nach Wasser

oder Honig stocherten sie damit in Löchern

herum, sie verwendeten sie als Spielwaffe zum

Werfen oder Stoßen, sie spielten damit allein

oder in der Gruppe, manche trugen die Stöcke

stundenlang umher.

Weibliche Jungtiere setzten die Stöckchen

öfter ein – und häufig trugen sie sie einfach mit

sich herum; aber wenn sie das erste Mal Nachwuchs

bekamen, hörten sie damit auf. Die Forscher

schlossen daraus, dass die Stöckchen eine

Art Puppe sind, dass die Schimpansenmädchen

also Mutter spielen. Darauf deute auch hin, dass

die Tiere die Stöcke regelmäßig mit in ihr Nest

nahmen und auch dort gelegentlich mit ihnen

spielten. Stöckchen hingegen, die zur Erkundung

oder als Spielwaffe benutzt worden waren, wurden

nie mit ins Nest genommen.

Diese Untersuchung zeige erstmals bei freilebenden

Tieren, dass männliche und weibliche

Jungtiere bisweilen unterschiedliche Spiele

bevorzugen. – Einen deutlichen Hinweis, dass

es tatsächlich eine Art biologischer Vorliebe für

bestimmte Spielzeuge gibt, beschreiben Sonya

Kahlenberg vom Bates College in Lewiston,

Maine, und Richard Wrangham von der Harvard-

Universität in Cambridge.

Eine ältere Studie am „Yerkes National Primate

Research Center“ in Atlanta hatte gezeigt,

dass beim Rhesusaffen-Nachwuchs ähnliche Vorlieben

zu finden sind: Bei der Wahl zwischen einer

Stoffpuppe und einem Spielzeugauto wählte der

Foto: © Kibale Chimpanzee Project

Richard Wrangham von

der Harvard-Universität in

Cambridge war maßgeblich

an den Untersuchungen

beteiligt

Z für Zukunft

11


Leitthema

die Unterschiede zurück auf verschiedenartige

Nervenverbindungen zwischen dem vorderen und

dem hinteren Teil des Gehirns sowie der linken

und rechten Gehirnhälfte: Männer können das,

was sie sehen, besser verbinden mit dem, was sie

tun. Frauen hingegen sind fähiger, verschiedene

Tätigkeiten gleichzeitig zu erledigen und können

noch dazu Gefühle sicherer deuten als Männer.

Foto: © Anup Shah/Thinkstock

Schimpansen

in freier Natur

benutzten

Stöcke,

Weibchen

trugen sie

wie Puppen

stundenlang

umher

männliche Affennachwuchs fast ausschließlich

das Auto, die Mädchen zeigten eine etwas größere

Neigung zu den Puppen.

Ein Team der BBC-Fernsehserie „Horizon“

(Horizont) hat nach Angaben von Moderator

Michael Mosley solche Forschungsergebnisse in

einem Experiment bestätigt gefunden: In einem

Safaripark warfen die Mitarbeiter wahllos Spielzeug

in das Affengehege. Die Reaktionen waren

„umwerfend komisch“, so Mosley: Die weiblichen

Affen hätten die Puppen behutsam an sich genommen,

während die männlichen sich um die Autos

gebalgt hätten.

Wir müssen uns also erst mal zum Affen machen

lassen, um den völlig verdrehten Denkansatz der

Gender-Theorie klarzustellen, aber gegendertes

Denken ist offensichtlich vernunftresistent, denn

es ignoriert die Ergebnisse moderner Wissenschaft

vorsätzlich: So hat ein neurowissenschaftlicher

Test mit 200 000 Personen aus 53 Ländern

gezeigt, dass Männer sich in der Regel in

einer Landschaft besser zurechtfinden, während

Frauen besser Gefühle lesen können.

Prof. Rubin Gur von der US-amerikanischen

Universität von Pennsylvania (Philadelphia) führt

Foto: © fotolia/ikonoklast_hh

Die Wissenschaft bestätigt also:

Mann und Frau sind verschieden

Die Gender-Theorie, die fern jeder Logik solche

geschlechtsspezifischen Fixierungen leugnet,

hat inzwischen in weiten Teilen von Politik, Kirche

und Gesellschaft Fuß gefasst. Besonders will

man in Bildungsplänen an staatlichen Schulen die

Akzeptanz der Gender-Vorgaben als Unterrichtsziel

festschreiben.

Doch wissenschaftliche Befunde – wie die hier

erwähnten – belegen die Unterschiedlichkeit von

Mann und Frau.

Schülerinnen sollen für sogenannte

MINT-Berufe begeistert werden – für Jobs im

Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften

oder Technik –, das alles unter

der Flagge der „Geschlechtergerechtigkeit“

– dabei könnte man von den Affen lernen!

12

Z für Zukunft


Leitthema

Weniger Menschen, dafür mehr Sex

Ein Downhill-Fahrplan, 1995 auf UN-Ebene beschlossen – der seitdem an der Öffentlichkeit

vorbei gnadenlos umgesetzt wird. Oder: Wie kocht man einen Frosch?

Ulrike Walker

Foto: © Agentur PJI UG

Die Bezeichnung „Gender“ ist mit

Judith Butler unmittelbar verbunden.

Butler, vielbeachtete Feminismus-Theoretikerin,

strebt die radikale

Abschaffung der Geschlechter

an, wie der FAZ-Redakteur Volker Zastrow in seinem

Buch „Gender – politische Geschlechtsumwandlung“

1 schreibt:

„Gender-Mainstreaming will einen neuen Menschen

schaffen, der sein Geschlecht und seine

sexuelle Orientierung selbst wählen soll, das

heißt, willkürlich entscheiden, ob er oder sie

Mann oder Frau sein will, heterosexuell, schwul,

lesbisch, bisexuell, transsexuell etc.“

Systematisch eingeführt wird diese Ideologie

auch von der Bundeszentale für gesundheitliche

Bildung, die Einfluss nehmen will durch verstärkte

Lobbyarbeit in Politik und Bildung: „Das

Recht des Kindes und des Jugendlichen auf seine

sexuelle Orientierung und seine Geschlechtsidentität“,

das sind die Themen, die besonders in der

Bildung vorangetrieben werden sollen.

Ebenso fließt diese Ideologie als „Mainstream“

mittels „Gender-Kompetenzzentren“ systematisch

in alle Gesellschaftsbereiche; den Hochschulen

und Universitäten kommt dabei eine Schlüsselfunktion

zu. Unter dem wohlklingenden Vorwand,

man sei auf „sexuelle Gesundheit“ bedacht, wird

diese „politische Geschlechtsumwandlung“ in

Kindergarten und Schule zunehmend umgesetzt.

An der Öffentlichkeit vorbei werden „Standards

für die Sexualaufklärung in Europa“ eingeführt.

Bereits mit der Muttermilch gegendert

So soll das Bewusstsein für Geschlechtsidentität

vom Säugling an bis zum Dreijährigen entwickelt

und bei den Vier- bis Sechsjährigen gefestigt werden

(dabei geht es notabene auch um gleichgeschlechtliche

Beziehungen sowie um die Vielzahl

der Genderidentitäten). Im Alter von neun bis

Foto: © Wikipedia/University of California, Berkeley

Judith Butler und „Gender“ sind

eng verbunden. Die vielbeachtete

Feminismus-Theoretikerin strebt

die radikale Abschaffung der

Geschlechter an

Z für Zukunft

13


Leitthema

Foto: © UN Photo

Der wohl wichtigste

Grundstein

für Gender-Mainstreaming

wurde

1995 gelegt,

auf der UN-Weltfrauenkonferenz

in Peking

Dale O’Leary war in Peking

dabei und hat die Ergebnisse

gut zusammengefasst

Foto: © www.humanrightsaction.org

zwölf wird dann Klartext gesprochen: „Genderorientierung“

ist jetzt das Lernziel.

Dabei werden die „Kinderrechte“ immer höhergeachtet

als die Rechte der Eltern, obwohl den

Kindern die Tragweite ihrer Handlung meist nicht

bewusst ist. Trotz der Umkehrung der Rechte

haben im Ernstfall aber die Eltern die Verantwortung

und nicht etwa der Staat, der sich mit diesem

Vorgehen doch der Kinder bemächtigt hat.

Gender-Mainstreaming will nicht weniger als

den neuen Menschen schaffen, und zwar durch die

Zerstörung der traditionellen Geschlechterrollen.

Das erklärt auch, warum Ausschüsse der EU 2 fordern,

per Gesetz die „traditionellen Rollen-Stereotypen“

auszuschließen, zum Beispiel aus Kinder-

Fernsehserien, TV-Werbespots, Lernmaterial und

Bildungsplänen.

Der wohl wichtigste Grundstein für Gender-

Mainstreaming wurde 1995 gelegt, auf der UN-

Weltfrauenkonferenz in Peking. 3 Die US-amerikanische

Journalistin Dale O’Leary, die dabei war,

berichtet in ihrem Buch „The Gender Agenda“ 4

darüber.

Der Fahrplan wurde verabschiedet

und keiner hat es bemerkt

Dale O’Leary: „Immer wieder werde ich gefragt,

was ich in Peking gesehen habe. Auch auf die

Gefahr hin, zu stark zu vereinfachen, das ist

meine Antwort:

Im UN-Establishment haben folgende Ansichten

die Mehrheit:

• In der Welt braucht es weniger Menschen und

mehr sexuelle Vergnügungen. Es braucht die

Abschaffung der Unterschiede zwischen Männern

und Frauen sowie die Abschaffung der

Vollzeit-Mütter.

• Da mehr sexuelle Vergnügung zu mehr Kindern

führen kann, braucht es freien Zugang

zu Verhütung und Abtreibung für alle und Förderung

homosexuellen Verhaltens, da es dabei

nicht zur Empfängnis kommt.

• In der Welt braucht es einen Sexualkundeunterricht

für Kinder und Jugendliche, der

zu sexuellem Experimentieren ermutigt; es

braucht die Abschaffung der Rechte der Eltern

über ihre Kinder.

• Die Welt braucht eine 50/50-Männer/Frauen-

Quotenregelung für alle Arbeits- und Lebensbereiche.

Alle Frauen müssen zu möglichst

jeder Zeit einer Erwerbsarbeit nachgehen.

• Religionen, die diese Agenda nicht mitmachen,

müssen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.

[Die EKD braucht das nicht zu fürchten;

mit ihren Gender-Kompetenzzentren auf dem

Weg der UN-Planerfüllung hat sie alles „richtig

gemacht.“]

14

Z für Zukunft


Leitthema

• Das mit Abstand wichtigste Ziel aber war, die

‚Gender-Perspektive‘ im Denken und in der Politik

als Hauptstrom (Mainstream) zu verankern.“

Das war die Gender-Perspektive bereits vor 21

Jahren in Kurzform; sie soll in den Mainstream

(Hauptstrom) der Gesellschaft gelangen. Damit

dies weitgehend unbemerkt geschehen konnte,

wurde sie verpackt in wohlklingende Wörter wie

Gleichberechtigung, Rechte, Familien, reproduktive

Gesundheit (sexuelle Gesundheit) und Fairness.

Aber mit Gleichberechtigung ist die Gleichstellung

von naturgegebenen Unterschieden

gemeint; „reproduktive Gesundheit“ steht für

Abtreibung!

Gender: Die Welt

wurde weniger gerecht

Wer sich einsetzt für den Schutz von Ehe und

Familie und für wirkliche Würde und Autonomie

von Frau und Mann, der ist gegen diese „Gender“-Perspektive

nicht weil er gegen den Fortschritt

in Frauenfragen wäre, sondern weil er für

Frauen ist. Die Zukunft, die Gender-Feministen

sich erträumen, ist inzwischen schon deutlich

näher gerückt; sollte sie voll zum Durchbruch

kommen, wird die Welt weniger gerecht sein,

weniger frei und weniger menschlich.

1 Was „Gender-Mainstreaming“ bedeutet, können oder wollen selbst

die nicht vernünftig erklären, die es wissen müssten. Das hat wohl

Methode. Denn die Gender-Theorie ist eine sozialrevolutionäre Ideologie,

die darauf abzielt, die Geschlechterrollen zu zerstören – weil

sie diese Rollen für künstlich hält, also für beliebig formbar. Das

„Mainstreaming“-Konzept ist eine politische Technik, die diese Ideologie

durchsetzen soll. Die EU hat sie sich zu eigen gemacht, die

Bundesrepublik Deutschland inzwischen auch. Was heute die Politik

bestimmt, begann vor vierzig Jahren in Baltimore mit einem verantwortungslosen

Menschenversuch, der in menschenverachtender

Weise ausgeschlachtet wurde. Volker Zastrow beschreibt die „politische

Geschlechtsumwandlung“ in zwei profunden, zusammenhängenden,

beklemmenden Essays. Verlag: Manuskriptum, ISBN 978-3-

937801-13-1.

2 DRAFT REPORT on eliminating gender stereotypes in the EU (2012/

2116(INI)), Committee on Women’s Rights and Gender Equality,

Rapporteur: Kartika Tamara Liotard.

3 Die Vierte UN-Weltfrauenkonferenz im September 1995 in Peking

zählte 47 000 Teilnehmerinnen, darunter 6000 offizielle Delegierte

aus 189 Ländern. Die Konferenz stand unter dem Motto „Handeln

für Gleichberechtigung, Entwicklung und Frieden“. Insbesondere

das kulturell und traditionell unterschiedliche Verständnis von Frauenrechten

wurde heftig und kontrovers diskutiert. Das Ergebnis der

Diskussionen war ein Forderungskatalog, der von 189 Staaten im

Konsens verabschiedet wurde. Darin verpflichteten sich Staaten insbesondere,

die Gleichstellung der Geschlechter in allen Gesellschaftsbereichen

zu fördern (d. h. in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft),

Frauenrechte zu schützen, die Armut von Frauen zu bekämpfen,

Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung zu verfolgen

und geschlechtsspezifische Unterschiede in der Gesundheitsversorgung

und im Bildungssystem abzubauen. Um die Umsetzung der

Aktionsplattform zu überwachen, wurde bei der UNO eine „Abteilung

zur Förderung der Frau“ eingerichtet. http://www.un.org/

Depts/german/conf/beijing/beij_bericht.html.

4 Eine gute Zusammenfassung des Buches findet sich auf: http://

www.dijg.de/gender-mainstreaming/dale-o-leary-agenda-konzepthintergrund/.

Durch die

Gender-Ideologie

wird die Welt

weniger gerecht,

weniger frei

und weniger

menschlich

Die Z 12 beantwortet Fragen zu den

Fundamenten unserrer Kultur.

Woher kommen wir? Worauf

bewegen wir uns zu?

Lektorat &

Übersetzung

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Z für Zukunft

15


Leitthema

Gemälde: © Ritt der Walküren, 1890, von Henry De Groux, Königliche Museen der Schönen Künste, Brüssel

Entmännlichung der Gesellschaft

Wie kommt es, dass die historisch gesehen dominierenden Männer sich von einem

jeder Logik entbehrenden Unsinn so gründlich ins Bockshorn jagen lassen?

Bettina Röhl

Die

Walküren:

Totendämonen,

die sich zu

irdischen

Kriegerinnen

mit menschlichen

Zügen

wandelten

An der Universität Leipzig wird seit

kurzem ein (männlicher) Professor

mit Herr Professorin angesprochen.

Die Gender-Ideologen blasen zum

Angriff auf die Sprache und leiten

damit einen neuen Orbitalsprung bei der Durchgenderung

der Gesellschaft ein

Hat Deutschland überhaupt eine Regierung?

Artikel 63,1 des Grundgesetzes offenbart das

Dilemma: Dieses Land ist führungslos. „Der Bundeskanzler

wird auf Vorschlag des Bundespräsidenten

vom Bundestag (…) gewählt“, so die Verfassung.

Eine Bundeskanzlerin gibt es in diesem

Rechtsstaat schlichtweg nicht! Der Bundespräsident,

der wiederholt in der Verfassung als „der“

Bundespräsident vorkommt, ist männlich – basta.

Aber nach dem hierzulande geltendem Gender-Recht

ist das mit dem Bundespräsidenten

natürlich kein Problem. Solange die Verfassung

sprachlich nicht durchgegendert ist, wird einfach

so getan, als könnte der Bundespräsident auch

genauso gut eine Frau sein. Und wenn man die

Entscheidung der Universität Leipzig (die sofort

auf die Uni Potsdam ausgestrahlt hat), männliche

Dozenten ab sofort offiziell als Herr Professorin

zu führen, hochrechnet, dann ist der Schritt nicht

mehr weit, Herrn Gauck demnächst offiziös mit

„Herr Bundespräsidentin“ anzusprechen. Wichtig

für alle politisch korrekten Nachrichtensprecher!

Es würde dann heißen: Die Herr Bundespräsidentin

nimmt die Herr Ministerin unter die Bundesflagge

die Amtseid ab! (Bitte verzeihen Sie mir

diesen Spott, ähm, diese Spöttin.)

Der schönste Unterschied der Welt

Alle Substantive mit einem „der“ davor abschaffen,

das funktioniert nicht, weil dann zu viele real existierende

Gegenstände nicht mehr bezeichnet werden

könnten. Bliebe also die Alternative, den Artikel

16

Z für Zukunft


Leitthema

„der“ abzuschaffen. Machen wir es auf die englische

Art und verwenden nur noch „die“. Mit anderen

Worten: die Mann, die Frau, die Kind. „Die“ ist

dem englischen „the“ ja auch am nächsten, ein kleiner

Beitrag zur Völkerverständigung. „Die“ wäre

dann nicht mehr weiblich, mangels männlichen

Gegenparts, sondern geschlechtsneutral.

Woher kommt eigentlich dieser Fanatismus, dass

man mittels Manipulierung einer gewachsenen

Sprache das weibliche Element in den Vordergrund

schieben will? Selbst die übelsten Biologisten unter

den Gender-Kämpfern, besser -Kämpferinnen, die

mit unsinnigen physikalisch-chemisch-biologischen

Behauptungen den schönsten Unterschied der

Welt, nämlich den zwischen Mann und Frau, für

nicht existent erklären, selbst sie können die Tatsache

nicht leugnen, dass das offenbar Böseste in der

menschlichen Welt, das Testosteron, der Hoden,

der Penis, im Plural weiblich werden: die Testosterone,

die Hoden, die Penisse.

Die intimste Stelle des Menschen

An den Universitäten wird seit Jahren gegendert,

dass die Schwarte kracht. Von dieser Tendenz

werden die Schulen und neuerdings auch die

Kitas und Kindergärten zunehmend erfasst. Klar,

die Gender-Mainstreaming-Strategie ist erklärtermaßen

ein Versuch, mittels Umerziehung der

Menschen Politik zu machen. Also sind Bildungseinrichtungen

bevorzugtes Ziel für die Unterwanderung

durch Gender-Mainstreamer.

Politik von extremen Minderheiten

beherrscht

Unter weitestgehendem Ausschluss der breiten

Öffentlichkeit (und das bis heute!) haben die

Agentinnen der Gender-Ideologie es in nur 20

Jahren geschafft, die Positionen extremster Minderheiten

zur herrschenden Politik zu machen,

und zwar in fast allen Institutionen der EU und

ihrer Mitgliedsstaaten, deren Regierungen, Parlamenten,

Justizapparaten und Medien bis hinein

in Nichtregierungsorganisationen.

Der Extremfeminismus wolle die gesamte

Gesellschaft umkrempeln und dies im wahrsten

Sinne des Wortes an der intimsten Stelle jedes

Menschen, nämlich im Bereich seines Sexlebens,

Foto: © auxiliaris.org

seiner Genitalien und seines individuellsten Denkens,

nämlich der Selbstreflexion.

Gender-Mainstreaming ist heiße Luft

Die Nummer, dass es kein biologisches Geschlecht

gäbe, sondern nur eine Vielzahl von sogenannten

sozialen Geschlechtern, die jeder Mensch

jeden Tag frei wählen sollte, ist in Wahrheit ein

Nichts. Heiße Luft. Es gibt nun mal ein biologisches

Geschlecht. Es gibt Mann und Frau, die zur

Zeugung neuen Lebens höchst gleichberechtigt

und höchst lustvoll zusammenwirken, um neues

menschliches Leben hervorzubringen. Und da

sind Mann und Frau gleichermaßen conditio.

Die perversen Phantasien, die in der Mehrzahl

der Genderköpfe rumspuken, dass eines Tages

die Klonerei den verabscheuten Geschlechtsakt

überflüssig machen könnte, sollte man nicht

vornehm übersehen, ganz im Gegenteil: Man

muss den Finger in diese perverse Wunde legen.

Die Genderistinnen vermeiden es regelmäßig,

anders als Alice Schwarzer es getan hat, vom

Geschlechtsakt auch nur zu sprechen. Dennoch

wird dieser, ganz im Sinne von Schwarzer, völlig

selbstverständlich als Ausübung der Herrschaft

des Mannes über die Frau angesehen.

Ja klar, die Zeugung eines Kindes, die Mann

und Frau das schönste Gefühl der Welt bereitet

(zumindest bereiten kann und sollte), nämlich

den Orgasmus – die Zeugung eines Kindes

also ist Frauendiskriminierung. Jeder

lebende Mensch ist demnach entstanden durch

Diskriminierung der Mutter durch den Vater.

Kinder als Kollateralschaden systematischer

Frauendiskriminierung durch die Männer?

Ja, das ungefähr ist das Gedankenkonstrukt,

Der Extremfeminismus,

unterstützt von

Vertretern der

Homo-Lobby, hat

ein Konstrukt

namens Gender

ersonnen, mit

dem die gesamte

Gesellschaft

gegängelt und

umgekrempelt

werden soll

Ein Werbeplakat für

Frauen-Unterwäsche der

Firma Kolotex Voodoo.

Offensichtlich spielt

dieses Unternehmen mit

den neuen Rollen von

Mann und Frau

Z für Zukunft

17


Leitthema

Die Frau,

der bessere

Mensch?

Foto: © auxiliaris.org

das hinter Gender-Mainstreaming steht und das

geglaubt und ausgeheckt wird in den Zirkeln

um die Gender-Fighterinnen in aller Welt, unter

ihnen viele Extremistinnen wie Judith Butler.

Verbeamteter Feminismus

Klar, dass im Kampf gegen Frauendiskriminierung

bei einer derart göttlich-kosmischen Dimension

des Problems die Forschungs-Milliarden nur

so fließen. Hier braucht es weibisch-weibliche

Weisheit jenseits von Wissenschaft und befreit

von naturwissenschaftlicher Exaktheit! In einem

Europa, in dem das Geld an allen Ecken und Enden

fehlt und wo junge Menschen auf der Straße stehen,

fließen jährlich Milliardenbeträge in Gender-

Strategien, in Gender-Forschung und in die europaweite

Durchsetzung dieses Irrsinns. („Was kostet

der ‚Spaß‘?“ – siehe Artikel auf Seite 21.)

Forschung gegen den Mann

Die Universitäten in Deutschland opfern den Status

ihrer Wissenschaftlichkeit, ihres intellektuellen

Niveaus, ihrer Seriosität, nur damit sie es

nicht verpassen, „professorale Lehrstühle“ für

Gender-Forschung einzurichten, die fast ausschließlich

durch Frauen besetzt werden.

Da gibt es sie plötzlich doch noch, die Frau,

nämlich als Gegnerin des Mannes. Die Gender-

Forschung kann man getrost betrachten als eine

außerordentlich ineffiziente Arbeitsbeschaffungsmaßnahme

oder als die Verbeamtung des Feminismus.

Die Ergebnisse der Gender-Forschung

sind im Grunde nur

hochgestochen präsentierte Null-

Nummern.

Die Dreistigkeit, mit der die Gender-Forschung

die Naturwissenschaften

ablehnt als Ausgeburt der

Herrschaft des Mannes über die

Frau und als dem Männer-Kapitalismus

dienend, die sucht ihresgleichen.

Und natürlich ist es peinlich,

dass sich die Männer, die lange Zeit

tatsächlich dominierend waren,

von einem derartigen Unsinn so

gründlich ins Bockshorn jagen

lassen.

Die Phantasie von der Weltherrschaft

Die Macht der Gender-Frauen ist inzwischen auch

für Männer karriereentscheidend. Die Quotenregelungen

zugunsten der Frau, gefüttert mit dem

„Argument“ einer grundsätzlichen Diskriminierung

der Frau durch den Mann, sind nur ein strategischer

Anfang. 100 % Frauenherrschaft und

testosteronbereinigte Männer in die Kindergärten

oder in die Altenpflege, das sind real existierende

Gender-Visionen. Nicht wissenschaftlich, aber aufgeladen

mit der Kraft von Allmachtsphantasien.

Doch auch ihren Geschlechtsgenossinnen sind

die Gender-Königinnen keineswegs wohlgesonnen;

die werden nur instrumentalisiert: Mutterglück?

Das Glück einer Partnerschaft? Die sexuelle

Lust mit einem Mann? Das müssen sich die Frauen,

die Gender noch nicht verstanden haben, schon

noch abgewöhnen. So wie die Männer in Wahrheit

durch die Köpfe schwirren als die technisch-handwerklich

durchaus brauchbaren Arbeitsdrohnen

der Zukunft.

Man, ach nein, frau träumt von einer Weltherrschaft,

nicht im Sinne des altbekannten Matriarchats,

sondern im Sinne einer neu zu schaffenden

schönen neuen Welt, in der testosteronfreie Männer

geräuschlos funktionieren.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Was Gender wirklich ist, weiß niemand so genau.

Dass Gender eine unwissenschaftliche, die Realität

ganz offensichtlich auf den Kopf stellende,

fanatische Ideologie einer Minderheit ist, die die

Mehrheit in ihren Zangengriff genommen hat,

soviel steht fest. Die Gender-Ideologie ist ein Verbrechen

gegen die Menschlichkeit (für deren Verteidigung

und Herstellung sich die Genderisten

doch angeblich so verausgaben): Frauen und Männer

abzuschaffen und Kinder ihres Vater und ihrer

Mutter zu berauben – diese beiden Begriffe sollen

als diskriminierende Begriffe abgeschafft und

durch das Wort „Elter“ ersetzt werden –, ist größenwahnsinnig,

ist grausam und unmenschlich.

Vor dem Gesetz sind Mann und Frau gleich.

Diesen ebenso einfachen wie gewichtigen

Grundsatz haben die Väter des Grundgesetzes

nicht erfunden, aber sie haben ihn prominent in

18

Z für Zukunft


Leitthema

Foto: © Wisconsinart/Dreamstime.com

die deutsche Verfassung geschrieben, unabänderlich.

Ohne Zweifel sah die Verfassungswirklichkeit

1949 noch anders aus, obwohl die Frauen

auf dem Terrain der Gleichberechtigung schon

einiges an Boden gutgemacht hatten, und dies

aus den unterschiedlichsten Gründen.

Gesetz gewordene Ideologie

Die Herstellung vollständiger Gleichberechtigung

von Mann und Frau ohne Diskriminierung, das ist

das Verfassungsgebot, in das die Gender-Ideologinnen

eingefallen sind. Es geht ihnen aber nicht

um Gesetzesanwendung und -auslegung im üblichen

Sinn. Vielmehr diktieren sie – eine krümelhaft

kleine Minderheit, die mit uns allen Schlitten

fährt –, wie die Gesetze, wie das Recht in Sachen

Gleichberechtigung auszulegen und zu interpretieren

wäre. Mit ihrer quasi Gesetz gewordenen

Ideologie liefern sie die Denk-Ge- und Verbote

und dazu gleich noch die Interpretationen, wie

die Rechtsvorschriften der geltenden Gesetze

auszulegen sind, generell und konkret.

Und da wird’s widernatürlich, verfassungswidrig

und kriminell: Aus der einfachen Gleichberechtigung

wird eine fiktive absolute Geschlechtergleichheit

herausgelesen, die gefährdet wäre

durch Diskriminierung, die buchstäblich hinter

jedem gesellschaftlichen Busch lauere.

So wurde selbst die Gleichheit vor dem Gesetz

zur Diskriminierung umfunktioniert, weil es nicht

zwei Geschlechter gäbe, sondern in Wahrheit

sechzehn und mehr – und dabei ist das biologische

Geschlecht noch nicht einmal mitgezählt.

Gender-Ideologie: geistige Brandstiftung

Die Nummer mit den nahezu beliebig vielen sozialen

Geschlechtern ist ein albernes Spielchen, das

allerdings für die Gender-Ideologie von zentraler

Bedeutung ist. Schaut man sich nämlich an,

welche nicht-biologischen Geschlechter es denn

so geben soll, wird man enttäuscht: Da kommt

nichts Substanzielles.

Am Ende läuft alles darauf hinaus, dass es

sogenannte intersexuelle oder transsexuelle

Menschen gäbe, die sich in ihrem meist männlichen

Körper als Frauen nicht wohlfühlten. Dieses

Phänomen gibt es; allerdings betrifft es eine statistisch

kaum darstellbare Minderheit, und aus

deren Erleben allein kann die Existenz von Mann

und Frau doch nicht einfach negiert werden! Aus

der Lebenswirklichkeit einer so kleinen Minderheit

eine für alle Menschen geltende (gegen die

Biologie gerichtete) Gesetzmäßigkeit abzuleiten,

ist in extremer Weise bösartig.

Das Gegenteil von Wissenschaft

Inzwischen wurde aus diesem Gedankenmix geltendes

Recht, nachzulesen auf den regierungsamtlichen

Homepages im Familienministerium

und anderen Bundesministerien. Trotz seiner formalen

Anerkennung als Wissenschaft ist Gender-

Mainstreaming bei Lichte betrachtet das Gegenteil:

Es ist eine menschenverachtende Fiktion, die

nicht trotz dieser Tatsache, sondern mutmaßlich

wegen ihres Irrsinns so grausam erfolgreich ist.

Es ist wirklich peinlich,

dass sich die Männer,

die lange Zeit tatsächlich

dominierend

waren, von einem

derartigen Unsinn so

gründlich ins Bockshorn

jagen lassen

Gender:

Eine

menschenverachtende

Fiktion

Z für Zukunft

19


Leitthema

Foto: © voodoohosiery.com.au

Gender, ein

westliches

Dekadenzphänomen

Auch aus Brüssel kommt immer wieder der

Vorstoß, im Kampf gegen die Diskriminierung der

Frau bedürfe es einer flächendeckenden Sprachsäuberung.

Allerdings: Wer das Wort Frau oder das

Wort Mann per se als Diskriminierung empfindet,

hat den Verstand verloren – oder er frönt einfach

einer Ideologie und den persönlichen Vorteilen

aus ihrer Durchsetzung.

Wer dem Mann das männliche und der Frau

das weibliche Genom abspricht – wer das sogenannte

biologische Geschlecht für gar nicht existent

erklärt, sondern für eine falsche wahnhafte

Wahrnehmung des Menschen von sich selbst –,

ist nichts als ein geistiger Brandstifter und zwar

ein gefährlicher. Wer statt Mann und Frau nur

ein sogenanntes soziales Geschlecht, Gender, zur

Realität fingiert, sozialisiert seine abwegigen Vorstellungen.

Dies geschieht derzeit allerdings mit größtmöglichem

Erfolg, indem die Gender-Ideologie

selbst das Grundgesetz überrollt, das Mann und

Frau festhält als die beiden Geschlechter, die die

Erde bevölkern –, es überrollt, ohne dass das Volk

in den letzten 20 Jahren mitgeredet hätte.

Wie konnte eine so kleine Gruppe mit solchem

Irrsinn so erfolgreich werden? Es funktionierte

nach demselben Prinzip wie die Machtübernahme

durch einige wenige Kommunisten, die es

Anfang des letzten Jahrhunderts schafften, auch

in Deutschland die wichtigen

gesellschaftlichen Institutionen

zu unterwandern

und in einigen Ländern wie

Russland gar die Macht zu

ergreifen.

Wo eine Unterwanderung

nicht erfolgreich war, musste

am Ende eine Revolution

zum Durchbruch verhelfen.

Ähnlich agieren die Feministinnen

bis heute. Dieser

Extrem-Feminismus kam auf

leisen Sohlen daher und hat

sich implementiert.

Die Gleichstellungs- oder

Frauenbeauftragten der

Städte genießen Sonderrechte und entscheiden

über Karrieren und die Verteilung öffentlicher

Gelder – und das alles ohne adäquate Kontrolle.

Nur noch den Oberbürgermeistern sind sie verpflichtet,

die sich allerdings gehorsam der Gender-Ideologie

unterworfen haben.

Die Gender-Krake

Zurück zu den Herren Professorin. Das ist kein

Scherz, keine Satire; Ironie ist Ideologen unbekannt.

Es wird hier ein Orbitalsprung im Wachstum

der Genderkrake exemplarisch sichtbar. Der

Angriff auf die Sprache zwecks Manipulation der

Realität ist nicht nur eine strategische Variante,

sondern wird jetzt mit Macht getestet und

vorangetrieben.

„Herr Bundespräsidentin“ ist nicht mehr weit.

Und die Erzwingung der Akzeptanz, dass Männerunterdrückung

keine Diskriminierung sei, sondern

höchstens die gerechte Strafe für 20 000

Jahre Männerdominanz. Und umgekehrt: Auch

Frauenprivilegierung ist keine Diskriminierung

der Männer. Das hat in der gesellschaftlichen

Wirklichkeit längst Fuß gefasst.

Auch der Schockeffekt, Penis und Vagina seien

nur Einbildung oder so unwichtig wie etwa die

Haarfarbe, ist durchaus gewollt. Der Schock

nämlich beraubt den Menschen seiner natürlichen

Gegenwehr.

Die Professoren, die sich fröhlich Professorin

nennen lassen, wissen nicht wirklich, was sie mit

dieser „Akzeptanz“ anrichten. Hier geht es ja nicht

um einen Gag: „Machen wir es doch zur Abwechslung

einfach mal andersherum“; es geht um die

Machteroberung durch die menschenverachtende

Gender-Ideologie.

Originalartikel WirtschaftsWoche

Bettina Röhl begann 1986 ihre journalistische Karriere bei dem

legendären Lifestyle-Magazin Tempo. Es folgten Reportagen für

Spiegel-TV, den NDR, sie schreibt regelmäßig für große deutsche

Print-Medien. Bekannt wurde sie 2001 durch Enthüllungen zur

Gewaltvergangenheit des damaligen Außenministers Joschka

Fischer. In ihrem Buch „So macht Kommunismus Spaß“ lieferte

Röhl 2006 ein Standardwerk zur Geschichte der Linken in der

BRD. ISBN 3-434-50600-4

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Z für Zukunft


Leitthema

Foto: © voodoohosiery.com.au

Was kostet der „Spaß“?

Für die Durchsetzung der Gender-Politik in allen Gesellschaftsbereichen haben EU und die Regierungen

der Mitgliedsländer in allen Ressorts großzügige Budgets. Der Durchblick fällt nicht leicht. Aber

schon ein Teileinblick wie dieser gibt wichtigen Aufschluss

Beginnen wir mit der EU: Für die

Finanzierung der Gender-Politik

werden den Mitgliedsstaaten in mindestens

zehn verschiedenen Finanzierungsprogrammen

mehrere Milliarden

Euro zur Verfügung gestellt. Das geht

hervor aus der „Arbeitsunterlage der Kommissionsdienststellen:

Strategisches Engagement für

die Gleichstellung der Geschlechter 2016–2019“

(„Strategic engagement for gender equality 2016-

2019“ SWD (2015) 0278).

Gender-Finanzierungen verbergen sich in spezielle

Programmen wie für Asyl, Migration und Integration

(„AMIF“), für Beschäftigung und soziale

Innovation („EaSI“), für allgemeine und berufliche

Bildung, Jugend und Sport („Erasmus +“) und sogar

die Europäische Fazilität „Connecting Europe“, ein

Finanzierungsprogramm im Bereich der transeuropäischen

Netze (bekannt aus der Transport- und

Energiepolitik), das Nachbarschafts- und Partnerschaftsinstrument

sowie das Instrument für Demokratie

und Menschenrechte. Alle Bereiche sollen

ge-gender-mainstreamt werden.

An Milliardenbeträge gewöhnt

Allein der Europäische Struktur- und Investitionsfonds

stellt für Gender-Projekte in den Mitgliedsstaaten

rund 5,85 Mrd. Euro zur Verfügung.

Hinter unterschiedlichen

Bezeichnungen

verbirgt sich

erstaunliche

Gender-Finanzierung

Z für Zukunft

21


Leitthema

Stoßen

Gendervorgaben

in

Drittländern

auf Ablehnung,

wird das mit

Einschränkung

wirklich nötiger

Entwicklungshilfe

geahndet

Foto: © MGEPA NRW/ /2016

Rosenmontag:

Emanzipationsministerin

Barbara Steffens

(1. Reihe 3. v. l.) mit

den Akteurinnen

zum Mottowagen

gegen sexualisierte

Gewalt

Mit 440 Mio. € gibt das EU-Programm „Rechte,

Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ ein Drittel

seines Haushalts für genderbezogene Politikvorhaben

aus. Im Rahmenprogramm für Forschung

und Innovation „Horizont 2020“ sind 43

Mio. € speziell für Sensibilisierungs- und Durchführungsmaßnahmen

zugunsten von Frauen in

Forschungseinrichtungen vorgesehen. Auch in

ihren Außenbeziehungen gibt die EU Steuergelder

für Genderprojekte aus.

Gegenderte Entwicklungshilfe

Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit

der EU sind dafür 100 Mio. € vorgesehen („Genderaspekte

der Entwicklungshilfe“, „Sexuelle und

reproduktive Gesundheit und Rechte“ – zu diesen

Rechten gehört auch das Recht auf Abtreibung).

„Gender Equality“ ist fester Bestandteil auch in

bilateralen und regionalspezifischen Programmen.

Das Instrument der Entwicklungszusammenarbeit

mit Asien und Lateinamerika plant Ausgaben

in Höhe von 16 und 18 Mio € für Genderprojekte,

während Albanien eine „Gender Equality Facility“

in Höhe von 2 Mio. € zugesagt wurde. Stoßen Gendervorgaben

in diesen Ländern auf Ablehnung,

wird dies geahndet mit Einschränkung der wirklich

nötigen Entwicklungshilfe.

Großzügige Steuergelder

für die „richtigen“ Vereine

Zusätzliche Kosten entstehen in der EU durch das

Europäische Genderinstitut in Vilnius, das seine

Eigenmittel von 2014 auf 2015 um 300 000 € auf

7,6 Mio. € aufstockte.

Die EU-Grundrechte-Agentur, ein bedeutender

Motor der institutionellen Steuerung von sozialen

Werten und Normen in der EU, verfügt in diesem Jahr

über einen Haushaltsplan von etwas über 21 Mio. €.

Der gemeinnützige Verein „Europäische Frauenlobby“

in Brüssel (Leitmotiv: „Gemeinsam für

ein feministisches Europa“) fordert Abtreibung

und ein vereinfachtes europäisches Scheidungsrecht;

er verfügt über einen Jahreshaushalt von

etwa 1 Mio. €, wovon über 80 % durch die EU-Kommission

bereitgestellt werden.

Der ebenso gemeinnützige Verein „ILGA

Europa“ (der sich u. a. für Transgender-Personen

einsetzt) erhält ebenfalls 90 % seines 2 Mio. €

umfassenden Jahreshaushalts von der EU-Kommission.

Da mehr als drei Viertel ihres Jahreshaushalts

von der EU-Kommission bereitgestellt werden,

müsste man diesen Vereinen sowohl die politische

Unabhängigkeit als auch die „Gemeinnützigkeit“

aberkennen.

Personalkosten unbekannt

Hinzu kommen die Personalkosten für die mit Genderfragen

befassten Beamten der EU-Kommission;

über die gibt es jedoch öffentlich keine Auskunft.

Deswegen stellte die EU-Abgeordnete Beatrix

von Storch (AfD) eine einfache parlamentarische

Anfrage (P-002380-16) an die EU-Kommission:

„Kann die EU-Kommission den Gesamtbetrag

in Euro bekanntgeben (eine Ziffer), der jährlich

im EU-Haushalt für alle Maßnahmen für Gender-Mainstreaming,

Maßnahmen zur Gleichstellung

von Männern und Frauen, die Bekämpfung

der geschlechtsbedingten Diskriminierung und

den Themenbereich „Gewalt gegen Frauen“

(einschließlich der Tätigkeiten der entsprechenden

Agenturen) ausgegeben wird? Kann die EU-

Kommission die Zahl und den Dienstgrad aller

Beamten bzw. sonstigen Bediensteten mitteilen,

die mit Umsetzung, der Überwachung und

der Auswertung von politischen Maßnahmen für

Gender-Mainstreaming, Maßnahmen zur Gleichstellung

von Männern und Frauen, die Bekämpfung

der geschlechtsbedingten Diskriminierung

und den Themenbereich „Gewalt gegen Frauen“

22

Z für Zukunft


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Meinungsfreiheit geradezu in

den Stand der Heiligkeit erhoben

wird, sind eine Fülle neuer

Tabus errichtet worden. Denken

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TV-Sprecherin die einseitige Verherrlichung

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Frau infrage stellt und den Wert

der Mutter öffentlich ausspricht,

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23


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24

Z für Zukunft


Leitthema

beschäftigt sind, und die damit verbundenen jährlichen

Personalkosten in Euro beziffern?“ – Die

Antwort steht bei Redaktionsschluss noch aus.

Auch die EU-Mitgliedsländer lassen

sich „Gender“ etwas kosten

Die einzelnen EU-Staaten gönnen sich unterschiedlich

hohe Budgets, um die EU-Vorgaben zu

Gender-Mainstreaming zu implementieren; Zahlen

liegen nur für die Zeit von 2000 bis 2006 vor:

Insgesamt gaben die Staaten 3,5 Milliarden Euro

dafür aus. Vor Italien und Spanien ist Deutschland

mit 1,1 Mrd. Euro mit Abstand Spitzenreiter.

Zum Beispiel NRW

Zoomen wir ins bevölkerungsreichste Bundesland

Deutschlands, nach Nordrhein-Westfalen (NRW),

und betrachten dessen Finanzgebaren in Sachen

Gender und Co. Dort gibt es ein Ministerium, das

sich mit MGEPA abkürzt (das E steht für Emanzipation)

und sich sehr für die Belange der LSBT

engagiert. Erstaunlich ist der Sprung des Budgets

von 15,2 Mio. € im Jahr 2010 auf 24,4 Mio. €

im Jahr 2011.

Zu der Zeit veränderte sich die Bezeichnung

des Haushaltspostens; hieß er bis dahin „Gleichstellung

von Frau und Mann“, lautet er jetzt

schlicht „Emanzipation“, und das Ministerium,

das sich 2010 noch „Ministerium für Generationen,

Familie, Frauen und Integration“ nannte,

bezeichnet sich nun als „Ministerium für Gesundheit,

Emanzipation, Pflege und Alter“.

Das ist immer noch nicht alles

Doch das sind noch nicht alle Ausgaben mit „frauenpolitischem

Bezug“; allein die 140 Beamten

und Richter kosten zusätzliche 8,16 Mio. Euro an

Dienstbezügen. Interessant sind aber die in den

anderen Ministerien versteckten Leistungen, die

einen „unmittelbaren Gender- und frauenpolitischen

Bezug“ haben:

„Die Landesministerien sind in Ansehung des

Landesgleichstellungsgesetzes auch im Haushaltsverfahren

gehalten, in ihrem jeweiligen

Fachbereich die Gleichstellung von Frauen und

Foto: © voodoohosiery.com.au

Männern als durchgängiges Leitprinzip bei allen

Maßnahmen zu fördern. Soweit es sich dabei um

Maßnahmen mit finanziellen Auswirkungen handelt,

ist auch insoweit die geschlechterdifferenzierte

Abschätzung der Wirkungen bereits jetzt

Teil der Facharbeit der Ressorts. Benannt werden

sollen für die einzelnen Ressorts zumindest

beispielhaft wichtige Bereiche mit einem solchen

frauenpolitischen Bezug.“

Zu diesem Zweck wurde 1998 eine sog. „Beilage

2 zu Einzelplan 15: Geplante Leistungen

aller Ressorts mit frauenpolitischem Bezug“

hinzugefügt. In dieser Beilage findet sich die

Gesamtsumme aller Leistungen mit frauenpolitischem

Bezug in NRW 2011: 57 544 42 €.

NRW-Emanzipationsministerin

Barbara

Steffens eröffnet die

Veranstaltung

„Online trifft offline

– Feministische Diskurse

und Strategien“ anlässlich

des Internationalen

Frauentages

Z für Zukunft

25


Leitthema

Da Frauen

angeblich an

den Hochschulen

stärker

benachteiligt

sind als z. B.

bei der Müllabfuhr,

gibt es zur

„Förderung der

Gleichstellung

an den Hochschulen“

3,5 Mio. €

57,5 Millionen Euro, eine stolze Summe. Damit

werden Maßnahmen, Unterstützung und Förderung

finanziert, zum Beispiel:

• Kunst und Kultur der Frauen,

• Einrichtungen zur Organisation überörtlicher

kultureller Zusammenarbeit,

• Kongresse und Workshops für Frauen im ländlichen

Raum,

• Öffentliche Film- und Fernseharbeit; Frauenfilmfestivals.

Da Frauen angeblich an den Hochschulen noch

stärker benachteiligt sind als z. B. bei der Müllabfuhr,

gibt es zur „Förderung der Gleichstellung an

den Hochschulen“ ein Budget von 3,5 Mio. € (2011).

Jede Hochschule braucht nämlich eine Gleichstellungsbeauftragte

mit eigenem Büro und einer

Sekretärin; beide verbrauchen Material. Sie reist,

um Kolleginnen vom „Netzwerk Frauen- und

Geschlechterforschung NRW“ zu treffen; mit denen

bespricht sie Ergebnisse aus der Forschungsarbeit

und Strategien.

Solange an allen Fakultäten keine totale

„Geschlechtergerechtigkeit“ herrscht, werden

jedes Jahr viele Millionen Euro in solche Projekte

fließen müssen.

Für die Jahre 2012 bis 2015 liegt in NRW ein

eigenes „Aktions-Budget für Gleichstellung und

Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt

gegen Homo- und Transphobie“ vor. Dafür sind

4,1 Mio. € veranschlagt.

Einfach mal hochgerechnet

Nehmen wir die Zahlen von NRW als Querschnittsinvestition

in eine ressortübergreifende Durchsetzung

des Gender-Mainstreamings und

rechnen das auf die anderen deutschen Bundesländer

hoch, bekommen wir ein Gefühl

dafür, was der „Gender-Spaß“ uns Steuerzahler

kosten darf: Im Jahr 2011 wäre

das ein sagenhaftes Budget von 265 Mio.

Euro gewesen. Das war 2011, heute wird diese

Zahl sicher weit höher ausfallen.

Wie viele Milliarden und Abermilliarden mögen

es in der ganzen EU sein? Zur Durchsetzung einer

Ideologie, wobei die Mehrheit der Bevölkerung

überhaupt nicht weiß, was mit ihr geschieht.

Foto: © Studenten-Werk Berlin

Foto: © Studenten-Werk Berlin

Berlin lässt sich den Gender-Spaß fast

eine Million kosten

Da war der Wunsch der Studenten, ups, der

Studierenden, der bei den Frauenbeauftragten

Unterstützung fand. Es geht um das Studentenwerk

Berlin. Das Problem: Die Bezeichnung

„Studenten“ schließe Studentinnen aus; da sich

inzwischen der geschlechtsneutrale Begriff „Studierende“

im Uni-Alltag durchgesetzt habe, könne

man die Institution ja ganz einfach in „Studierendenwerk“

umbenennen.

Ganz einfach. Was vier Buchstaben auslösen:

Ein neues Logo und Hunderte von Schildern müssen

ausgewechselt werden. Plaketten, Briefpapier,

E-Mail-Adressen, Mensa-Karten – es ist eine lange

Liste an Neuanschaffungen. Besonders kostspielig

ist die Änderung des Logos an Gebäudefassaden.

Für alle Anpassungsmaßnahmen wurden

800 000 Euro veranschlagt (und das betrifft nur

Berlin ...). Diese hohen Kosten hält ein Sprecher

der CDU nicht für sinnvoll; von den Grünen hingegen

wird dieser Schritt begrüßt: Die Änderung

sei absolut zeitgemäß und wäre in anderen Bundesländern

schon längst erledigt.

Weibliche Studenten können sich nun offensichtlich

besser mitgemeint fühlen als zuvor.

26

Z für Zukunft


Gender-Taktik

Von Herren Professorinnen

und anderen MenschInnen. Wie Gendern unsere Sprache verhun(d)zt

Tomas Kubelik

Foto: © fotolia/dreidos Montage

Mit Sprache

den Mann

zähmen

Vor über 20 Jahren schrieb die Feministin

Luise F. Pusch: „Der Mann braucht

dringend eine Abmagerungskur zur

Therapie seines immer gefährlicher

werdenden Größenwahns. Es wird

ihm guttun, es im eigenen Gemüt zu erleben, wie

es sich anfühlt, mitgemeint zu sein, sprachlich dem

anderen Geschlecht zugezählt zu werden.“

Den Mann zähmen

Seit damals ist viel geschehen: Sprachleitfäden

zum Schutz der Frauen wurden verfasst und an

den Mann gebracht, Genderbeauftragte richteten

sich in bequemen Büros ein, das Binnen-I wurde

„in“, Gesetzestexte wurden umgeschrieben,

Schulbücher der feministischen Sprachreinigung

unterzogen. Die Gehirnwäsche nahm ihren Lauf.

Nun scheinen die therapeutischen Maßnahmen,

die den Mann endlich zähmen sollen, in

die entscheidende Phase zu treten: Im Jahr 2013

beschloss der Senat der Universität Leipzig,

weibliche Bezeichnungen wie Professorin, Dozentin

oder Wissenschaftlerin künftig auch für männliche

Personen zu benützen. Dies geschah auf Vorschlag

des Herrn Professorin Josef Käs.

Wer hätte das gedacht: Fast 1500 Jahre

geschichtlicher Entwicklung der deutschen Sprache,

deren Grammatikstrukturen in den Ursprüngen

des Indogermanischen wurzeln, werden per

Senatsbeschluss über den Haufen geworfen. Eine

Institution, die der Wissenschaft dienen sollte,

erhebt kurzerhand einen groben Grammatikfehler

zur Norm, obwohl die Mehrheit der Deutschen

es lächerlich und dumm findet.

Umpolen durch Sprachveränderung

Was derzeit geschieht, ist nicht natürlicher

Sprachwandel, sondern politisch motivierte

Umerziehung: Sprachvorschriften sollen die

Köpfe der Menschen umpolen. Das Stichwort

lautet „Sexualisierung“: Bei jeder noch so alltäglichen

Verrichtung, bei noch so ernsten und

Foto: © Screenshot/Dorf-TV

Luise F. Pusch

vor 20 Jahren:

„Der Mann braucht

dringend eine

Abmagerungskur“

Z für Zukunft

27


Gender-Taktik

Foto: © Wikipedia/Sächsisches Staatsministerium des Inneren

Polizei:

„Deine

Freundin

und

Helferin“

– ?

abstrakten Themen soll das Geschlecht der Beteiligten

als Monstranz der politischen Korrektheit

der Satzaussage vorangetragen werden.

Der neudeutsche Terminus dazu heißt „Gendern“.

Ein Mustersatz aus der Berufsordnung

der deutschen Ärztekammer zeigt, wie das funktioniert:

„Ärztinnen und Ärzte achten das Recht

ihrer Patientinnen und Patienten, die Ärztin oder

den Arzt frei zu wählen oder zu wechseln. Andererseits

sind … auch Ärztinnen und Ärzte frei,

eine Behandlung abzulehnen.“

Wenn nun nicht-gegenderte Arbeiten an Universitäten

abgelehnt oder schlechter beurteilt

werden, wenn Texte in Schulbüchern Grammatikund

Rechtschreibfehler enthalten, um angeblich

geschlechtergerecht zu sein, wenn amtliche Schreiben

und Gesetzestexte mühsam entziffert werden

müssen, dann hat eine Ideologie längst die Mitte

der Gesellschaft erreicht. Und jeder, der die deutsche

Sprache verwendet, sollte klar Position

beziehen.

Führt Rechtsgleichheit auch zu

Ergebnisgleichheit?

Weltanschaulicher Ausgangspunkt der Sprachkritik

ist die ostentativ behauptete Benachteiligung

der Frau in unserer Gesellschaft. Abgesehen

davon, dass es „die Frau“ genauso wenig gibt wie

„den Mann“: Frauen sind in unserer Gesellschaft

gegenüber Männern rechtlich gleichgestellt. Nur

führt Rechtsgleichheit nicht notwendigerweise zur

Ergebnisgleichheit; wer diese einfordert, verkennt

einfach die Unterschiede zwischen den Menschen.

Frauen und Männer unterscheiden sich viel zu

stark in ihrem Denken und Fühlen, ihren Interessen

und Lebensentwürfen, in ihren Begabungen und

Schwächen. Deshalb wird es nie zu einer völligen

Gleichheit kommen, was – nebenbei gesagt – eine

ziemlich abschreckende Vorstellung wäre. Doch hat

das alles mit Benachteiligung, mit Ausbeutung und

Unterdrückung nichts zu tun. Schon gar nichts mit

einer angeblich frauenfeindlichen Sprache.

Wenn man Irrtümern folgt ...

Den Forderungen der feministischen Sprachkritik

liegt nämlich ein fundamentaler Irrtum zugrunde:

die Gleichsetzung von Genus und Sexus. Mit

pseudowissenschaftlicher Rhetorik wird behauptet,

Wörter wie Einwohner, Dieb, Kunde oder Student

würden ausschließlich Männer bezeichnen.

Das ist weder vom linguistischen noch vom

psychologischen Standpunkt aus haltbar: Wer

nach der Einwohnerzahl einer Stadt oder der Studentenzahl

einer Universität fragt, wird niemals

bloß die Männer zählen; wer fordert, Diebe sollten

strenger bestraft werden, wird Frauen nicht ausnehmen;

und kaum eine Frau, die sich auf einen

Kundenparkplatz stellt, fühlt sich diskriminiert.

Männer sind genauso „mit-gemeint“

Nie bestand in der Vergangenheit Zweifel darüber,

dass maskuline Formen in all diesen Fällen

die Frauen mit-meinen. Feministinnen argumentieren,

Frauen wollten eben nicht nur mit-gemeint

sein, sondern explizit erwähnt und dadurch „sichtbar“

werden.

Sie haben aber nicht verstanden, dass beim

sogenannten generischen Maskulinum auch Männer

„nur mit-gemeint“ sind. Und oftmals nicht

einmal das. Auch ein Frauenfußballteam müssen

wir als starken Gegner bezeichnen, obwohl das

Team grammatikalisch sächlich und die betroffenen

Personen weiblich sind. Und bekanntlich

wirbt die Polizei nicht mit dem Spruch „Deine

Freundin und Helferin“: grammatisches und

natürliches Geschlecht sind eben zwei Paar Stiefel.

Ihre Vermischung hat zum größten sprachlichen

Unfug der letzten Jahrzehnte geführt.

28

Z für Zukunft


Gender-Taktik

Die Klügerin gibt nach

Doch leider wurden die Konsequenzen nicht bedacht.

Wie viele schöne Redewendungen müssten – nähme

man die sogenannte Frauensprache ernst – auf der

Strecke bleiben: Es dürfte keine Sündenböcke

mehr geben und die Ratschläge „Übung macht den

Meister“ und „Der Klügere gibt nach“ gäbe es auch

nur mehr in verstaubten Märchen.

Doch es ist nicht durchzuziehen. Sprache entspringt

nun einmal dem mündlichen Gebrauch,

nicht dem Reißbrett feministischer Forschung.

Wörter wie KandidatInnen, Leser(innen) oder

Französ/innen sind und bleiben daher papierenes

Phantasiedeutsch. Auch die permanente, ermüdende

Aufzählung von Schülerinnen und Schülern,

Zuschauerinnen und Zuschauern, Politikerinnen

und Politikern ist um nichts besser. Denn

sie führt zu unüberbrückbaren stilistischen und

grammatikalischen Problemen, ist lächerlich und

letztlich undurchführbar.

Geschriebene Sprache hat sich an der gesprochenen

zu orientieren; das tun gegenderte Texte

nie. Sie laufen den Grundregeln guten Stils zuwider

und sind oftmals nicht einmal laut vorlesbar.

Was bleibt, ist Chaos

und scheußliches Deutsch

• Sätze wie „Nur 20 % aller Managerinnen sind

Frauen“ fallen heutzutage gar nicht mehr auf,

obwohl sie blanker Unsinn sind.

• „Wer nach einem Kochrezept kochen will,

weiß, dass er/sie darin vor der Anleitung die

Zutatenliste findet“, heißt es in einem österreichischen

Schulbuch. Der Satz ist grammatikalisch

schlicht falsch, weil nach dem Fragepronomen

„wer“ kein „sie“ folgen kann.

Sollten nicht zumindest Schulbücher vorbildliches

Deutsch enthalten? Wieso passiert so

etwas die Begutachtungskommission?

• Am 6. November 2013 verabschiedete der Tiroler

Landtag ein neues Kinder- und Jugendhilfegesetz.

Darin werden ausschließlich weibliche

Personenbezeichnungen verwendet. So wimmelt

es von Sozialarbeiterinnen, Erziehungswissenschaftlerinnen

und Psychologinnen.

Gemälde © Der Sündenbock, William Holman Hunt, 1854, Lady Lever Art Gallery/UK

Ein Ausdruck allerdings blieb im Maskulinum:

Sexualstraftäter. Da zeigt sich die hässliche

Fratze der feministischen Bewegung.

• Bei der letzten Wahl der Hochschulvertretung

Jahre 2011 lud die HochschülerInnenschaft zur

ElefantInnenrunde – und bewies damit nicht nur

sprachliche Ahnungslosigkeit, sondern auch

Bildungslücken im Bereich Biologie, gibt es

doch nur Elefantenbullen und Elefantenkühe.

• Die Firma „Kleider Bauer“ warb kürzlich in

einem Newsletter folgendermaßen um ihre

jüngsten Kunden: „Stell dir dein Lieblingsoutfit

zusammen, zieh es an und lass dich

von deiner/m Mama/Papa/Begleitung mit dem

Handy oder der Kamera vor unserer Shootingstar-Fotowand

fotografieren.“ So also sieht

kultureller Fortschritt im 21. Jahrhundert aus.

Es blüht eine verarmende Sprache

Es muss allen klar sein: Wer das generische Maskulinum

ablehnt, kann vieles einfach nicht mehr

ausdrücken. Die Sätze „Frauen sind die besseren

Zuhörer“ oder „Überraschenderweise war der

Täter eine Frau“ oder „Eders sind Österreicher“

oder „In einer Ehe sollten beide Partner gleichberechtigt

sein“ funktionieren nur, weil die maskulinen

Formen geschlechtsübergreifend verstanden

werden. Dasselbe gilt für zusammengesetzte und

abgeleitete Wörter. Ausdrücke wie Bürgermeister

oder Schülerberater können beim besten Willen

auf keine sinnvolle Weise gegendert werden.

Denn beide Teile des Wortes bestehen aus maskulinen

Personenbezeichnungen.

Foto: © Universitätsklinikum Leipzig / Swen Reichhold

Die „Sündenböckin“

Sie hatte die Idee:

Herr Professorin

Josef Käs

Z für Zukunft

29


Gender-Taktik

Foto: © Wikipedia/Ryan Stubbs (Haljackey)

Wer ist

gefährlicher:

Geisterfahrer

oder Geisterfahrerinnen?

Im Grunde hat

George Orwell diese

Entwicklung in „1984“

bereits beschrieben

Die Sprache wird sexualisiert

Das Schlimmste an dieser Entwicklung: Man

beraubt die Sprache der Möglichkeit, in allgemeinen,

geschlechtsübergreifenden Begriffen zu

sprechen. Dann ist zwar der Wähler ein Mann und

die Wählerin eine Frau. Das geschlechtsneutrale

Wort für eine Person, die wählen geht, ist aber

verschwunden.

Die zentrale Frage sollte daher lauten: Kommt

es bei einer Formulierung auf das Geschlecht der

betroffenen Personen an oder nicht? Es ist nicht

einzusehen, weshalb jeder Sachverhalt, der sich

auf Menschen bezieht, auf die Geschlechterebene

gehoben werden soll.

In der Meldung „Achtung Autofahrer! Auf der

A1 kommt Ihnen ein Geisterfahrer entgegen“ ist

weder das Geschlecht der Autofahrer noch des

Geisterfahrers relevant. Deshalb wäre eine Formulierung

wie „Achtung Autofahrerinnen und

Autofahrer! Auf der A1 kommt Ihnen eine Geisterfahrerin

oder ein Geisterfahrer entgegen“

nicht nur lächerlich lang; sie würde vor allem

den Fokus in sinnloser Weise von der Sache, der

Gefahr weg auf die Geschlechterebene lenken.

Weswegen – so muss man fragen – soll uns

die Trivialität ständig vor Augen geführt werden,

dass es unter den Menschen Männer und

Frauen gibt? In den meisten Situationen spielt

doch das Geschlecht gar keine Rolle. Und das

ist auch gut so und ist sicherlich auch das Ergebnis

veränderter Geschlechterrollen. Dennoch soll

dem biologischen Geschlecht beim Gendern ein

Gewicht verliehen werden, das es gar nicht hat

oder zumindest nicht haben sollte. Die penetrante

Betonung des Geschlechts führt so zu einer

subtilen Form der Diskriminierung, nach dem

Motto: Seht her, Frauen gehören auch dazu!

Quelle von Missverständnissen

Außerdem führt exzessives Gendern zu veritablen

Missverständnissen. Eine Meldung wie „Lehrer

fordern mehr Durchgriffsrechte gegenüber verhaltensauffälligen

Schülern“ müsste nach feministischer

Auffassung so verstanden werden,

dass die Forderung nur von männlichen Lehrern

erhoben wurde und sich nur auf Burschen

bezieht. Über die Lehrerinnen und die Schülerinnen

würde nicht nur nichts ausgesagt, ein solcher

Satz würde vielmehr nahelegen, dass die weiblichen

Lehrer keinen Bedarf an schärferen Erziehungsmaßnahmen

sähen.

Sind wir einer Minderheit hörig?

Ginge es beim Gendern nur um eine vorübergehende

Modeströmung, könnte man die ganze

Bewegung locker ignorieren. In Wirklichkeit

jedoch maßt sich eine Minderheit an, darüber zu

befinden, wie in Schulen, Medien, Politik und Wissenschaft

gesprochen werden soll.

Alle Umfragen zeigen: Weit über 80 % der

Menschen, auch eine erdrückende Mehrheit der

Frauen, lehnen die sogenannte gendergerechte

Sprache ab – insbesondere die unlesbaren Formen

wie das Binnen-I oder Schrägstrichballungen.

Wie ist es dennoch möglich, dass wir zunehmend

mit hässlichen Sprachungetümen feministischer

Provenienz traktiert werden? Wieso widerspricht

niemand, wo doch die Konsequenzen für

Logik, Verständlichkeit, Ästhetik und sprachlichen

Reichtum offensichtlich verheerend sind?

Es geht ja keineswegs darum, durch korrektes

Argumentieren, durch intellektuelle Überzeugungsarbeit

legitime Ansprüche zu erheben

und die eine oder andere gesellschaftliche

Veränderung herbeiführen zu wollen. Vielmehr

soll richtiges Sprechen und Schreiben richtiges

Denken zur Folge haben; das ist die Methode

jeder Ideologie. Im Grunde handelt es sich um

einen ähnlichen Vorgang, wie ihn George Orwell

in seinem berühmten Buch 1984 beschrieben

hat: Eine künstlich geschaffene Sprache soll die

30

Z für Zukunft


Gender-Taktik

Kommunikation der Menschen im Sinne der

herrschenden Doktrin steuern, die richtigen

Ideen, Assoziationen und Gefühle begünstigen

und gewisse Gedanken unmöglich machen.

Dass dadurch das Verständnis älterer Texte

massiv erschwert wird, sei nur am Rande

erwähnt.

Sich Gender-Beauftragte sparen

Ich plädiere daher dafür, den Geschlechterkampf

zu beenden, die deutsche Sprache nicht

weiter zu verunstalten und etliche Genderbeauftragte

einzusparen.

Vielleicht bliebe dann genügend Energie,

damit alle Professoren – männliche wie weibliche

– sich ganz der Forschung und Lehre widmen

können. Unserer Gesellschaft wäre damit

mehr gedient als durch eine Flut von Leitfäden

zum geschlechtssensiblen Formulieren.

Wollten die Gender-Ideologen nicht die

Gleichstellung der Geschlechter? Warum

drängen sie dann so vehement auf die

Unterschiedlichkeit in der Sprache?

Tomas Kubelik, 1976 in der

Slowakei geboren, wuchs in

Stuttgart auf und studierte Germanistik

und Mathematik. 2005

promovierte er zum Dr. phil. Er ist

als Gymnasiallehrer für Deutsch

und Mathematik tätig. Kürzlich

erschien im Projekte-Verlag Halle

sein Buch „Genug gegendert!“

Eine Kritik der feministischen

Sprache, in dem er die Argumente

der feministischen Sprachkritik

überzeugend und allgemeinverständlich entkräftet.

ISBN: 9783954862511

Foto: © Agentur PJI UG

Universal Electrics zahlt

35 Mrd. $ wegen

sexueller Diskriminierung

(New York) Aufgrund persönlicher sexueller Neigungen wollte der schwule

Marco S. mit zwei „männlichen“ Elektro-Steckverbindungen bei einer Gay-Party

das Sound-System in Gang setzen. Dabei wurde er von Stromstößen erfasst und

erlitt an empfindlichen Körperteilen Verbrennungen ersten Grades.

Der Veranstalter der Party, ein Schwulen-Lesben-Club, verklagte daraufhin

den Hersteller der Stecker „Universal Electrics“ wegen Diskriminierung

aufgrund von sexuellen Neigungen.

Marco S. verabscheut alles Heterosexuelle und konnte aufgrund psychischen

Drucks keine hetero-elektrischen Verbindungen mehr benützen. Da

aber herkömmliche Steckverbindungen ausschließlich „hetero“ konzipiert

sind, gab das Gericht in letzter Instanz der Klage statt und bestätigte den

Tatbestand der sexuellen Diskriminierung.

Dieses Urteil dient nun als Präzedenzfall und zieht eine Flut von Klagen

nach sich. International haben Elektro-Großkonzerne bereits begonnen, für die

zu erwartenden Schadensforderungen Rücklagen in Milliardenhöhe zu bilden.

Unter dem Arbeitstitel „Safer Stex“ hat eine Forschungsabteilung des

deutschen Max-Pranck-Instituts ein Hochtechnologie-Entwicklungsprogramm

eingeleitet für Stex-Verbindungen, die allen homo-, lesben- und transelektrischen

Anforderungen gerecht werden. Sogar eine hydraulisch verwandelbare

Bi-Stex-Funktionalität ist vorgesehen.

Aufgrund der zu erwartenden Billiarden-Investitionen, die weltweit in der

Elektro- und Immobilien-Industrie zu erwarten sind, wird der deutsche Stex-

Technologie-Vorsprung ein Wirtschaftswachstum von 6 % erwarten lassen.

-Satire

Z für Zukunft

31


Gender-Taktik

Verschleiern und

verharmlosen Die Strategie der Gender-Lobby

Mathias von Gersdorff

Foto: © Wikipedia/Trying burqa/Marius Arnesen

Mit positiv

besetzten

Wörten Übles

beschreiben –

das verschleiert

Der Begriff „Gender“ schwirrt schon

lange herum, wurde aber von der

großen Mehrheit wenig beachtet.

Das änderte sich schlagartig mit

einer Petition des Realschullehrers

Gabriel Stängle unter dem Motto „Kein Bildungsplan

2015 unter der Ideologie des Regenbogens“.

Diese Petition, gestartet Ende 2013, wurde von

fast 200 000 Personen unterschrieben. Stängles

Aktion richtete sich gegen die Einführung von

„Gender“ als Querschnittsthema in den Schulen

Baden-Württembergs.

Diese Maßnahme bedeutete konkret, dass

ab dem ersten Grundschuljahr Gender in allen

Fächern berücksichtigt werden sollte. Der erste

Entwurf des „Bildungsplans 2015“ sah eine regelrechte

Indoktrination der Schulkinder vor.

Unmut fand seinen Ausdruck

Kein Wunder, dass es seitdem in Baden-Württemberg

nicht zur Ruhe kommt: In Stuttgart fanden

inzwischen zehn Demonstrationen statt, acht

davon organisiert vom Aktionsbündnis „DEMO für

ALLE“ unter der Leitung von Hedwig von Beverfoerde

(siehe Interview auf Seite 69). Zudem gab

es viele Proteste in Form von Postkartenaktionen,

Infotischen in Fußgängerzonen, Aufklärungsvorträgen

etc. Im Ländle hat sich sozusagen eine

regelrechte Bewegung gegen „Gender in der

Schule“ gebildet, die bundesweit Aufmerksamkeit

erregt hat.

Das Interesse an diesem Thema führte auch

dazu, dass etliche kritische Bücher über Gender

in die Buchhandlungen gekommen sind; heute

hat man es leichter, hilfreiche Literatur über

32

Z für Zukunft


Gender-Taktik

Hintergründe von Gender zu finden. Vertreter

der baden-württembergischen Landesregierung

aus Bündnis90/Die Grünen und der SPD haben

die Reaktionen gegen den Bildungsplan zunächst

nicht ernst genommen und nannten die Gegner

homophob, ewiggestrig, christliche Fundamentalisten

etc. – also die üblichen Totschlag-Begriffe.

Die Jungen Grünen gar bezeichneten die Demonstranten

als „homophoben Schlossplatz-Mob“.

Strategie-Änderung

Aber die Bildungsplan-Gegner ließen sich nicht

einschüchtern, die Proteste wurden immer stärker,

immer mehr Eltern erfuhren, was die grünrote

Landesregierung mit ihren Kindern vorhat,

und die Regierungsvertreter kamen zunehmend

in Erklärungsnot.

Die Gender-Befürworter änderten ihre Strategie

und behaupteten, die Kritik an den Bildungsplänen

und an Gender überhaupt sei völlig übertrieben. So

behauptete die Journalistin Veronika Wawatschek

in der stark beachteten Sendung für den Bayerischen

Rundfunk „Außerparlamentarische Opposition

von christlich-rechts?“, gesendet am 19. Februar

2015, es ginge lediglich um Gleichstellung

von Mann und Frau und um die Vermeidung von

Gewalt gegenüber Homosexuellen.

Dieses Argumentationsmuster entspricht ganz

dem von Ministerpräsident Kretschmann: Für

ihn sei die ganze Diskussion lediglich das Produkt

eines großen Missverständnisses. O-Ton am

8. April 2014 in der „Frankfurter Allgemeinen

Zeitung“ (FAZ): „Unser Ziel ist es, dass die Schule

zu einem von Vorurteilen und Diskriminierungen

freien Raum wird.“

Bildungshoheit bei der LSBTTIQ-Lobby?

Zu diesem Zeitpunkt war schon allgemein

bekannt, dass die entsprechenden Stellen im

Entwurf des Bildungsplans von LSBTTIQ-Lobbygruppen

fast komplett redigiert wurden.

Heike Schmoll schrieb am 24. Januar 2014 auf

der ersten Seite der FAZ im Hauptkommentar,

wichtige Stellen des „Erziehungsschwerpunktes

Akzeptanz sexueller Vielfalt“ seien maßgeblich

von Lobbygruppen bestimmt worden: „Allerdings

Foto: © Wikipedia/Capital Pride Festival 2015/S. Pakhrin

zeugt es nicht von allzu großer Klugheit in Stuttgart,

nahezu wörtlich die Ziele einschlägiger Interessengruppen

in den neuen Entwurf für den Bildungsplan

zu übernehmen.“

Schon am 14. Januar 2014 hatte die FAZ auf

Seite 1 berichtet, der Entwurf zur Durchsetzung

der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ an den Schulen

Baden-Württembergs sei auf „Druck von Lobbyisten“

entstanden: „Nach Informationen dieser Zeitung

stand das Kultusministerium bei der Abfassung

des Arbeitspapiers unter Zeitdruck sowie

unter großem Einfluss von Lobbyverbänden.“

Diese Vorgehensweise wurde von der „Evangelischen

Lehrer- und Erziehungsgemeinschaft“

in Württemberg kritisiert: „Zum Thema ‚sexuelle

Vielfalt‘ sei nur mit drei Interessengruppen

gesprochen worden“, so die FAZ. Im Bericht

„Von der Vielfalt und der Einfalt“, ebenfalls am

14. Januar 2014 erschienen, berichtet die FAZ:

„Von Seiten der Kirchen sei deutlich Kritik geäußert

worden, man sei dann überrascht gewesen,

dass diese Diskussion auf das am 18. November

2013 verfasste Arbeitspapier keinen Einfluss

gehabt habe. Man habe angedeutet, dass der

Druck der Lobby-Gruppen, also der Lesben- und

Schwulenverbände, ausgesprochen stark sei.“

Beschwichtigung

Das ganze Projekt „Bildungsplan 2015“ drohte

für die grün-rote Landesregierung zum Fiasko zu

werden; sie musste nun unbedingt beweisen, dass

sie nicht vorhatte, ein radikales Umerziehungs-

Der Druck der

LSBTTIQ-Lobbygruppen,

also der

Lesben- und

Schwulenverbände,

auf die Politik ist

ausgesprochen stark

Als ob es

um Gleichberechtigung

und Gewaltvermeidung

ginge ...

Z für Zukunft

33


Gender-Taktik

Jutta Hartmann entwarf

eine Pädagogik,

die die Dekonstruktion

der Geschlechter schon

bei den Schülern

möglichst gründlich

bewirken könnte

Foto: © Alice Salomon Hochschule Berlin

programm einzuführen. Schützenhilfe erhielten

Kretschmann & Co. von der baden-württembergischen

Presse, die fast ausnahmslos die Position

der Landesregierung verteidigt; auch diese beteuerte

stets, es ginge bloß um Gleichstellung von

Mann und Frau sowie um Gewaltvermeidung.

Wer so argumentiert, der verharmlost und verschleiert,

was „Gender“ wirklich ist: Eine pseudoreligiöse

fanatische Ideologie, die ein völlig neues

Menschenbild einführen will. Gender strebt

nichts Geringeres an als eine anthropologische

Revolution, so Papst Benedikt XVI. in seiner

Ansprache beim Weihnachtsempfang für das Kardinalskollegium

am 21. Dezember 2012.

Nur wache Köpfe

lassen sich nicht manipulieren

Wer nicht auf die Verharmlosungsstrategie der

Gender-Ideologen hereinfallen will, sollte sich die

Radikalität einiger ihrer Texte vor Augen führen:

„Geschlecht, Sexualität und Lebensform als

gänzlich gesellschaftlich hervorgebracht begreifend,

arbeite ich eine Vorstellung von Handlungsfähigkeit

heraus, die die Möglichkeit bewusster

Aktivität gegenüber Normen und ein Neuentwerfen

von Existenz- und Lebensweisen beinhaltet.“

Das Projekt »Z« fördern:

Spenden • Inserieren • Sponsern

Mit Ihrer Hilfe kann

die »Z« eine

deutliche Stimme

im Lande werden

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Das schrieb Professorin Jutta Hartmann im

Jahr 2002 in „Vielfältige Lebensweisen – Dynamisierungen

in der Triade Geschlecht – Sexualität

– Lebensform. Kritisch-dekonstruktive Perspektiven

für die Pädagogik“. Hartmann war eine

der wichtigsten Exponenten der sog. „Dekonstruktiven

Pädagogik“. Diese unterwirft sämtliche

grundlegenden Denkmodelle der Moderne – wie

Vernunft, Subjekt, Identität, Einheit, Emanzipation

oder Fortschritt – einer radikalen Kritik bis

hin zur Verneinung der Existenz der Realität, für

die diese Begriffe stehen.

Als Hartmanns Buch erschien, spielten Themen

wie „Gender“, „Dekonstruktion der Geschlechter“

und „Vielfalt sexueller Orientierung“ außerhalb

von Universitäten noch kaum eine Rolle.

Wer die Kinder hat,

hat die nächste Generation

Doch es gab große Pläne, Gender & Co. in der

Gesellschaft zu implementieren, am besten durch

die Schule. Deshalb machten sich Jutta Hartmann

und andere ans Werk, eine Pädagogik zu entwerfen,

die die Dekonstruktion der Geschlechter

schon bei den Schülern möglichst gründlich betreiben

könnte – die „Dekonstruktive Pädagogik“.

Schon damals gab es Versuche, solche Konzepte

in den Schulen umzusetzen, zum Beispiel

die „schwul-lesbischen Aufklärungsprojekte“.

Franz Timmermann (er brachte viele Jahre später

zusammen mit Elisabeth Tuider das skandalöse

Praxisbuch „Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden

zu Identitäten, Beziehungen, Körper

und Prävention für Schule und Jugendarbeit“ heraus)

schrieb damals eine „Evaluation schwul-lesbischer

Aufklärungsprojekte in Schulen“.

Dort steht: „Die scheinbare Eindeutigkeit konstruierter

Systeme, die die Menschen entweder

in ‚Männer‘ oder ‚Frauen‘ bzw. ‚Hetero-‘ oder

‚Homosexuelle‘ einteilen, ist die Grundlage eines

binären, biologistischen, essentialistischen, fundamentalistischen

und totalitären Denkens, das

die Welt nur in Polaritäten wahrnehmen will und

kann. … In letzter Konsequenz läuft diese Perspektive

auf eine moralische Unterscheidung in

‚Gut‘ und ‚Böse‘ hinaus.“

34

Z für Zukunft


Gender-Taktik

In diesem Sinne schrieb auch der kanadische

Soziologe Michel Dorais 1999 in seinem

Buch „Éloge de la Diversité Sexuelle“ (Lob der

sexuellen Vielfalt): „Seit wir angefangen haben,

die Schubladen ‚Männer‘ und ‚Frauen‘, ‚männlich‘

und ‚weiblich‘, ‚heterosexuell‘ und ‚homosexuell‘

zu kreieren, haben wir aus dem Auge

verloren, was ein sexualisiertes Sein und was

eine Bevölkerung in ihrer Vielfalt ist.“

Am ehrgeizigsten waren die englischsprachigen

Feministinnen, man braucht nur in den

Büchern von US-amerikanischen Autorinnen

wie Judith Butler zu blättern.

Die Kritiker übertreiben ja nur ...

Zurzeit wollen die Gender-Ideologen von diesen

radikalen Thesen wenig wissen; werden sie auf

solche theoretischen Texte angesprochen, antworten

sie, man würde übertreiben. Verharmlosen

und Verschleiern ist zurzeit die Taktik

der Gender-Ideologen, eine Reaktion auf den

gewaltigen Widerstand gegen die Einführung

dieser Ideologie an den Schulen.

Wer noch bei klarem Verstand ist und

erkennt, dass Gender eine Doktrin wider jede

Vernunft ist, sollte stets bemüht sein zu zeigen,

wie radikal und gefährlich diese Ideologie ist.

Die Grundlagentexte müssen bekannt gemacht

werden, denn diese sprechen für sich, zumindest

für jeden normal denkenden Menschen.

Mathias von Gersdorff ist Leiter

der Aktion „Kinder in Gefahr“

und Autor mehrerer Bücher, darunter

„Gender – was steckt dahinter“,

erschienen 2015 im Verlag „Media

Maria“.

ISBN 978-3-945401-14-9

Foto: © BZgA

Herr Gröhe, das ist

aber nicht zum Lachen!

Der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe präsentiert die 15

Mio. Euro teure Kampagne „LIEBESLEBEN“. 65 000 dieser „lustigen“

Plakate sind inzwischen affichiert, etliche davon vor Bushaltestellen

und Schulen, damit unsere Kinder auch ganz sicher erfahren, wie

einfach solche akrobatischen Stellungen eigentlich seien. Will Herr

Gröhe sagen: „Probierts einfach aus, Hauptsache mit Kondom!“ – ?

Diese anregenden Bilder befinden sich aber auch vor den Toren von

Flüchtlingsunterkünften. Was bewirkt das bei den vorwiegend muslimischen

Männern dort? Zu irgendetwas wird sie das schon anregen

– den Text verstehen sie wohl eher nicht.

Die „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ (BZgA) gibt

vor, damit über HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten aufklären

zu wollen. „Wird damit nicht Sex als ‚bedeutungsloser, leicht

zu konsumierender Spaß‘ dargestellt, an dessen mögliche Konsequenzen

man dank Kondomen keinen Gedanken mehr verschwenden muss?

Dabei gibt es auch sexuell übertragbare Krankheiten, vor denen Kondome

nicht zu 100 % schützen – damit wird eine falsche Sicherheit

suggeriert“, so Dr. Jakob Pastötter (siehe Seite 78).

„De facto propagiert die Kampagne genau das promiskuitive Verhalten,

das eine der Hauptursachen für zerstörte Familienbeziehungen und

sexuell übertragbare Krankheiten ist“, sagt Frau von Beverfoerde.

Oder macht Herr Gröhe nur gute Miene zum bösen Spiel? Als aktivem

Christen ist ihm ja bewusst, dass eine Treue-Beziehung zum eigenen

Ehepartner der allerbeste Schutz ist gegen Aids und andere Geschlechtskrankheiten.

Muss er von Berufs wegen etwas vertreten, was ihm persönlich

gar nicht lieb ist – deshalb das allzu gezwungene Lächeln?

Unterstützten Sie die Protest-Petition:

www.citizengo.org/de/pc/35049-sex-plakate-der-bzga-stoppen

Z für Zukunft

35


Gender-Blüten

Freie Fahrt ins Irrenhaus

New York City verabschiedet Transgender-Gesetz

Gabriele Kuby

Foto: © Montage Agentur PJI UG/Manahtan/AngMoKio

Der Anteil von

Transgender in der

Bevölkerung

liegt im

Promille-Bereich

Kürzlich, nach einem Vortrag, kam

eine Person auf mich zu und sprach

mich an: „Ich bin transident.“ Wir

kamen ins Gespräch. Sie sei zwar

Frau und Mutter von drei Kindern,

aber sie fühle sich als Mann. „Da drüben steht

mein Schatz“: Ein Schrank von einem Mann mit

Stöckelschuhen und roten Lippen.

Je länger wir sprachen, umso mehr flammten

Wut und Schmerz aus ihren Augen, was ihr alles

angetan worden und wie schrecklich ihr Leben

sei, in dem ihr das Gehirn eine andere Botschaft

gebe als der Körper. Ich fragte: „Und wie wäre

es, wenn Sie all diesen Schmerz loswerden könnten?“

Die Antwort: „Das wäre das Paradies.“ Mit

Tränen in den Augen ging sie weg.

Ein Fass ohne Boden

Wer dachte, die Forderungen der Homosexuellen-

Bewegung könnten irgendwann erfüllt sein und

dann zum Halten kommen, der irrt: Nun befinden

wir uns am Beginn der Transgenderwelle.

Die LGBT-Bewegung in den USA hat den

November zum „Transgender Awareness Month“

ausgerufen und kämpft darum, dass in den Schulen

außer dem „National Coming-Out Day“ auch

noch ein „Transgender Awareness Day“ eingeführt

wird, an dem Kinder lernen sollen, dass sie

ihr Geschlecht beliebig wählen können.

Zuerst New York, dann Europa,

später der Rest der Welt

Vorreiter ist New York City (NYC). Die „New York

City Commission on Human Rights“ (Menschen-

36

Z für Zukunft


Gender-Blüten

rechtskommission) hat Ausführungsbestimmungen

erlassen, wie das „New York City Human

Rights Law“ konkret umgesetzt werden muss

(NYCHRL, Local Law No. 3 (2002) Code §8-

102(23)).

Ziel dieser gesetzlichen Bestimmungen ist

es, Diskriminierung aufgrund der Gender-Identität

in öffentlichen Institutionen, dem Hotelgewerbe,

auf dem Wohnungsmarkt und am Arbeitsplatz

zu verhindern und juristisch zu verfolgen.

Das Geschlecht, die „Gender-Identität“, solle frei

wählbar sein, denn das Geschlecht, mit dem ein

Mensch auf die Welt kommt, sei nur „zugeschrieben“.

Das NYCHRL definiert den Begriff „Gender-

Identität“ so:

„Gender-Identität ist das innere, tief empfundene

Gefühl des eigenen Geschlechts, welches

dasselbe oder ein anderes Geschlecht sein kann

als jenes, das einem bei der Geburt zugeschrieben

wurde. Die Gender-Identität kann männlich

oder weiblich sein, keines von beiden oder beides,

d. h. sie ist nicht bi-polar.“

Wer nicht transgender ist,

ist „cisgender“

Damit niemand auf die Idee kommt, die heterosexuelle

Identität als Mann oder Frau wäre normal,

werden alle, die „nicht transgender“ sind,

also mehr als 99 Prozent der Menschheit, als „Cisgender“

definiert, nämlich als Personen, „deren

Selbst-Identität mit dem Gender übereinstimmt,

welches mit dem bei der Geburt zugeschriebenen

biologischen Geschlecht (sex) korrespondiert“.

Das Normale soll durch einen abnormalen Begriff

seiner Normalität beraubt werden.

ist das gewünschte Geschlecht, der gewünschte

Name, das gewünschte Pronomen der Person, die

sich mit dem „bei der Geburt zugeschriebenen

Geschlecht“ derzeit nicht identifiziert.

Wenn ein Büroangestellter oder vielleicht ein

Hotelportier eines Tages mit hohen Schuhen im

rosa Röckchen mit lackierten Fingernägeln und

Lidschatten erscheint, so darf der Arbeitgeber

daran keinen Anstoß nehmen.

Sollte ihm eine Missfallensäußerung entfahren,

so hat der Angestellte ein Recht, ihn zu verklagen;

dabei spielen der Ernst oder die Häufigkeit des

geäußerten Missfallens keine Rolle („severity or

pervasiveness of the harassment is irrelevant“).

Falls der Arbeitgeber den/die/das Transgender

daraufhin in irgendeiner Weise zurücksetzt, etwa

auf Beförderung verzichtet, so ist dies gesetzwidrig,

und zwar auch dann, wenn sich herausstellt,

dass die Klage unberechtigt war.

Es wird empfohlen, dass Institutionen dadurch

Verstöße gegen das NYCHRL vermeiden, dass sie

jeden danach fragen, mit welchem Namen oder

Pronomen er angeredet werden möchte, damit

sich Transgender-Personen durch solche Fragen

nicht diskriminiert fühlen (§ 3,1).

Damit niemand

auf die Idee

kommt, Heterosexualität

wäre

normal:

Wer nicht

transgender ist,

ist „cisgender“

Die Diskriminierungs-Willkür

Diskriminierung liegt vor, wann immer jemand

sich ablehnend gegenüber einem/r Transgender

(Transgender*in?) verhält oder auch nur

Menschen mit unterschiedlichem Gender unterschiedlich

behandelt. Dabei spielt es keine Rolle,

ob die/der/das Transgender tatsächlich eine juristische

Geschlechtsänderung vorweisen kann

oder nicht. Sollte ein Arbeitgeber danach fragen,

wäre das Diskriminierung. Was allein zählt,

Foto: © Bildzitat: Ausschnitt BILD

Z für Zukunft

37


Gender-Blüten

Sebastian Berggren

zeigt das Konzept des

dualen Geschlechts

im Musical

„Wild Side Story“.

1999, Stockholm

Foto: © Wikipedia/Musical-

Produktion F.U.S.I.A.

Es gibt in unserer Gesellschaft noch Orte,

die man lieber aufsucht, wenn sie dem gleichen

Geschlecht vorbehalten sind, etwa Waschräume,

Toiletten und Umkleidekabinen. Dies ist insbesondere

für Frauen wünschenswert, da sie der

Gefahr sexueller Belästigung besonders ausgesetzt

sind, und zwar nicht nur in der Silvesternacht

2015/2016 am Kölner Hauptbahnhof, sondern

massenhaft im Alltag.

Welche Lokalität soll nun der/die/das Transgender

aufsuchen? Darüber gibt es in

den USA eine nationale Debatte.

Präsident Obama hat mit der

Einführung einer Unisex-Toilette

im Weißen Haus aller

Welt den Weg gewiesen: eine

dritte Kategorie von Toiletten,

die Transgendern die Entscheidung

über ihr Geschlecht

erspart.

Diese salomonische Obama-

Lösung ist für das NYCHRL unbefriedigend

(III, 2): Transgender sollen

die „single-sex facility“ benutzen

dürfen, die dem Geschlecht

ihrer Wahl entspreche,

„unabhängig

von dem bei der

Geburt zugeschriebenen

Geschlecht,

der Anatomie, der

medizinischen Vorgeschichte,

der Erscheinung

oder dem Eintrag im Personalausweis“, denn

die Entscheidung über das Geschlecht sei ja ein tief

innerliches Gefühl (s. o.).

Es darf also eine MTF (male to female) das

Frauenklo benutzen und ein FTM (female to

male) das Männerklo, auch wenn FTM mit gewissen

schritthohen Uriniergefäßen Schwierigkeiten

haben dürfte und sich Frauen im Schwimmbad

lieber nicht in Gemeinschaft mit MTF umkleiden

möchten, deren Geschlecht, sofern es nicht

amputiert wurde, spätestens dann eindeutig zu

erkennen ist.

Das „gefühlte“ Geschlecht

Auch die Teilnahme an geschlechtsspezifischen

Programmen muss Transgendern gestattet werden:

Wenn ein Mann z. B. gerne an einer Frauengruppe

teilnehmen möchte, braucht er nur

zu behaupten, er fühle sich als Frau, um in der

Frauengruppe Einlass erzwingen zu können – und

umgekehrt. Ein Nachweis des Geschlechtswechsels

darf hierfür nicht verlangt werden (III, 2, c).

Um Verstößen gegen das NYCHRL

vorzubeugen, wird empfohlen,

dass Arbeitgeber und

öffentliche Einrichtungen

ihr Personal regelmäßigen

Schulungen unterziehen,

in denen die Belegschaft

lernt, eine Umgebung

zu schaffen, die frei von „Sex-

Stereotypen“ ist. Ausgemerzt

werden sollen alle Indikatoren,

die bisher signalisierten, ob

jemand ein Mann oder eine Frau

ist, denn das sperre ihn/sie/es in

Schubladen, wodurch er/sie/es

der freien, geschlechtsunabhängigen

Selbstbestimmung

verlustig

gehe.

Dabei bleibt die

Frage offen, wie denn

mit den Geschlechtsstereotypen

von

Transgendern umzugehen

sei, die ja in der Rege besonders auffällig

zur Schau gestellt werden. Auch soll das Personal

darin geschult werden, Verstöße gegen das NYCHRL

zu erkennen und innerbetrieblich zu melden – ohne

Furcht vor negativen Konsequenzen (III, 8).

Geschlecht wählbar –

aber nicht die Frisur

Arbeitgeber etwa von Restaurants oder Bars dürfen

ihren männlichen und weiblichen Angestellten

keinen unterschiedlichen Dress-Code vorschreiben:

also High-Heels und Lidschatten für

alle oder für keinen! Empfohlen wird, Männern

38

Z für Zukunft


Gender-Blüten

und Frauen ein einheitliches Erscheinungsbild

vorzuschreiben, z. B. Pferdeschwanz oder kurze

Haare für alle. Das Geschlecht ist wählbar, nicht

aber die Frisur!

Befindet sich ein Individuum gerade im Prozess

des Übergangs von einem Geschlecht zum

anderen, so muss die betriebliche Krankenkasse

die ganze Bandbreite therapeutisch-medizinischer

Maßnahmen bezahlen, als da sind: Hormonbehandlung,

Stimmtraining, Operationen. Die

Behandlung darf während der Arbeitszeit erfolgen

und darf vom Arbeitgeber nicht anders eingestuft

werden als eine Krankheit.

New York City meint es ernst: Es können Strafen

bis zu 125 000 US-Dollar verhängt werden

und bis zu 250 000 Dollar, wenn es sich um „mutwilliges

und bösartiges Verhalten“ handelt.

Ganz neue Möglichkeiten

Wir wollen aber auch das Positive sehen; das

NYCHRL eröffnet den New Yorkern ganz neue

Möglichkeiten:

Angenommen, ein Mann hat mit seinem Nachbarn

Ärger. Er zieht sich einen Minirock an, stopft

Skihandschuhe unter sein T-Shirt, schminkt sich

die Lippen rot und klingelt an der Haustür seines

Nachbarn und verlangt, dass er seinen Fernseher

leiser stellt. Der Mann presst die Hand vor

den Mund, um sein Lachen zu unterdrücken und

knallt ihm die Türe vor der Nase zu: Anklage

wegen Diskriminierung.

Angenommen, eine Frau wird am Arbeitsplatz

gemobbt; ihre Beschwerden beim Chef fruchten

nichts. Sie erscheint mit Anzug, Krawatte und

gegelten kurzen Haaren und verlangt, dass man

sie als Herr XY anredet. Ihr Arbeitgeber und ihre

Kollegen tun dies nicht: Anklage wegen Diskriminierung.

Angenommen, die Bewerbung eines Mannes in

den Vorstand einer Firma ist erfolglos, weil Quotenfrauen

vorgezogen werden. Einfache Lösung:

Bewerbung als Frau. Würde der Arbeitgeber die

Bewerbung ablehnen: Anklage wegen Diskriminierung.

Foto: © Wikipedia/Pax Ahimsa Gethen

Wenn eine Störung zum Maßstab wird

Dies alles bedeutet: Die Welt darf nicht mehr

objektiv wahrgenommen werden, vielmehr muss

sie so wahrgenommen werden, wie der/die/das

Gegenüber es verlangt. Herr über die Wirklichkeit

soll eine winzige Gruppe von Menschen mit

einer schweren Störung ihrer Geschlechtsidentität

sein, welche als solche auf der Diagnoseliste

der WHO (ICD 10) geführt wird.

Wissenschaftliche Studien zeigen übereinstimmend,

dass die Rate von versuchtem Suizid bei

Transgender-Personen über 40 Prozent liegt und

damit zehnmal höher ist als in der Normalbevölkerung.

Leidende Menschen werden benutzt, um die

kulturrevolutionäre Agenda der Zerschlagung der

menschlichen Identität voranzutreiben.

Gabriele Kuby hat Soziologie studiert. Als Buchautorin und

internationale Vortragsrednerin warnt sie unermüdlich vor der

Zerstörung der Familie durch die Gender-Ideologie und die zunehmende

Aushöhlung demokratischer Grundrechte. Ihr Hauptwerk

„Die globale sexuelle Revolution – Zerstörung der Freiheit im

Namen der Freiheit“ ISBN 9783863570798 wurde bisher in sieben

Sprachen übersetzt.

www.gabriele-kuby.de

Diesen Titel online bestellen:

http://shop.agentur-pji.com

Es gibt nicht nur

Muttertag und

Vatertag, nein, es

gibt auch einen

Trans-Tag

Z für Zukunft

39


Gender-Blüten

Die 60 Geschlechter von Facebook

Für alle, die inzwischen so gründlich gegendert sind, dass auf sie die Kategorien „Mann“ oder

„Frau“ nicht mehr zutreffen, bietet Facebook nun auch in Deutschland eine lange Liste an

Wahlmöglichkeiten. Hoffentlich ist auch für Sie das Passende dabei.

Peter Ischka

Foto: © Wikipedia/Giuseppe Milo, Dublin gay pride 2013

Die Vielfalt

ihres Selbstgefühls

und

ihrer Identität

zum Ausdruck

bringen

Mit „Frau“ und „Mann“ gibt es nun

unter „Benutzerdefiniert“ 60 Wahlmöglichkeiten

zur Beschreibung

Ihres Geschlechts, das hat Facebook

gemeinsam mit dem Lesbenund

Schwulenverband Deutschland (LSVD) ausgeknobelt.

Es seien „Begriffe, die hier in Deutschland

im Sprachgebrauch, aber auch im Selbstverständnis

der LGBT-Community verwendet werden“, so

ein Vertreter des LSVD. Für die einen mag das verwirrend

sein, für andere ist es eine Möglichkeit, die

Vielfalt ihres Selbstgefühls und ihrer Identität zum

Ausdruck zu bringen – so die Insider.

Facebook wird gendergerecht. Damit solle es

für Lesben, Schwule, Transsexuelle und weitere

Menschen einfacher werden, ihre Geschlechtsidentität

auszudrücken. Das sei „ein Zeichen des

Respekts gegenüber Verschiedenheiten“. Ob ihre

Geschlechtsbezeichnung öffentlich, nur für ihre

Facebook-Kontakte oder nur für einen kleinen Kreis

angezeigt wird, bestimmen die Nutzer selbst.

In den USA hat Facebook diese Änderungen

schon vor einiger Zeit eingeführt; für Nutzer in

Deutschland, die als Sprache Deutsch eingestellt

haben, wurden die Änderungen im Herbst 2015

freigeschaltet. Der Lesben- und Schwulenverband

schätzt, dass sich etwa drei Prozent der Deutschen

nicht eindeutig einem Geschlecht zuordnen.

Patchwork-Identität

Mit den 58 neu hinzugefügten Geschlechtern

verneigt sich Facebook vor der Gender-Ideologie

und stärkt deren Vertreter, die die Existenz

oder jedenfalls die Relevanz des biologischen

Geschlechts leugnen.

Ihr Credo: Seien erst einmal die gesellschaftlichen,

sprachlichen und politischen Zwänge beseitigt,

die den Menschen dazu verdammten, sich

entweder als Mann oder als Frau zu definieren,

dann gebe es endlich die angestrebte Freiheit,

sich seine individuelle Patchwork-Geschlechtsidentität

zusammenzustellen.

40

Z für Zukunft


Gender-Blüten

Zwischen virtueller und realer Welt

Aber Kommunikation im Alltag kennt kein Facebook-Scrolldown-Angebot.

Auf dem Weg zu einer

„gerechten“ Geschlechterbenennung außerhalb

von Facebook gibt es also noch einige Probleme

zu überwinden, besonders sprachliche. Man kann

nicht einfach down-scrollen, um schnell die richtige

Anrede verfügbar zu haben.

Zudem, merkwürdig: Gerade diejenigen, die

sonst strikt darauf beharren, das biologische

Geschlecht sei gegenstandslos und Gender sei

alles, legen allergrößten Wert auf das grammatikalische

Geschlecht, also den Genus.

Weil aber alle Angriffe auf das generische Maskulinum

das Patriarchat nicht besonders erschüttern

konnten, hat die Uni Leipzig 2015 mit dem

generischen Femininum zurückgeschlagen. So

ist dort jetzt von den Herren Professorinnen die

Rede. Wir dachten, das wäre ein Aprilscherz,

naja, das Datum passte nicht, also ein Karnevalscherz.

Doch was machen die Herren Professorinnen

nun mit den weiteren 58 Geschlechtern?

Sie werden doch hoffentlich keines davon durch

Missachtung diskriminieren?

Wer bisher Mühe hatte, sich Namen zu merken,

der hat es nun doppelt schwer – man merke sich erst

mal die sechzig möglichen Geschlechtervarianten!

Zudem wird man wohl noch andere Qualitäten

benötigen, um bei seinem Gesprächspartnerin

immer das Richtige zu treffen. Und wenn diese(r)

seit der letzten Begegnung sein Geschlechtin

schon wieder geändert hat, was dann?

Bei offiziellen Veranstaltungen wird man in

Zukunft ruhig eine Viertelstunde zu spät kommen

können, dann wird hoffentlich die gendergerechte

Begrüßung vorüber sein:

„Sehr geehrte Androgynous, sehr geehrte Trans-

Males, sehr geehrte Neutrois, sehr geehrte Damen,

sehr geehrte Bigender, sehr geehrte Two-Spirits,

sehr geehrte Herren, sehr geehrte Agender, sehr

geehrte Pangender, sehr geehrte Intergender, sehr

geehrte MTF, sehr geehrte FTM, sehr geehrte Cis,

sehr geehrte Butch, sehr geehrte Transmaskuline,

sehr geehrte Cross-Gender, sehr geehrte Zwitter,

sehr geehrte Weder-noch, usw., usf. …“

Foto: © Wikipedia/Monage

Bitteschön, hier die Auswahl:

• androgyner Mensch

• androgyn

• bigender

• weiblich

• Frau zu Mann (FzM)

• gendervariabel

• genderqueer

• intersexuell (auch inter*)

• männlich

• Mann zu Frau (MzF)

• weder-noch

• geschlechtslos

nicht-binär

• weitere

• Pangender

• Pangeschlecht

• trans

• transweiblich

• transmännlich

• Transmann

• Transmensch

• Transfrau

• trans*

• trans*weiblich

• trans*männlich

• Trans*Mann

• Trans*Mensch

• Trans*Frau

• transfeminin

• Transgender

• transgender weiblich

• transgender männlich

• Transgender Mann

• Transgender Mensch

• Transgender Frau

• transmaskulin

• transsexuell

• weiblich-transsexuell

• männlich-transsexuell

• transsexueller Mann

• transsexuelle Person

• transsexuelle Frau

• Inter*

• Inter*weiblich

• Inter*männlich

• Inter*Mann

• Inter*Frau

• Inter*Mensch

• intergender

• intergeschlechtlich

• zweigeschlechtlich

• Zwitter

• Hermaphrodit

• Two-Spirit

drittes Geschlecht (indianische

Bezeichnung für zwei in einem

Körper vereinte Seelen)

• Viertes Geschlecht

• XY-Frau

• Butch

(maskuliner Typ in einer lesbischen

Beziehung)

• Femme

(femininer Typ in einer lesbischen

Beziehung)

• Drag

• Transvestit

• Cross-Gender

Ist hoffentlich auch Ihr „gefühltes“

Geschlecht dabei?

Z für Zukunft

41


Gender-Blüten

Schwule Ampelmännchen?

In Wien und Linz sollen schwul-lesbische Ampelpärchen Weltoffenheit und

Großkariertheit beweisen – aber es regt sich Widerstand

Foto: © Die Grünen, Wien

Foto: © Bildmontage. Agentur PJI UG

Zur

Verbesserung

der Verkehrssicherheit

in Wien ...

Die Idee für diese

„Signale“ der Toleranz hatte

Wiens Verkehrsstadträtin

Maria Vassilakou

An rund 50 der großen Kreuzungen in

der Wiener Innenstadt stößt man auf

besondere Ampeln – statt einem Männchen

zeigen sie ein Pärchen, Mann mit

Mann, Mann mit Frau, Frau mit Frau,

und die Herzchen zwischen den beiden Figuren zeigen:

Hier handelt es sich um gleichgeschlechtliche

Paare. Die Idee, mit Fußgängerampeln „Signale“

der Toleranz zu setzen, stammt von Wiens Verkehrsstadträtin

Maria Vassilakou (Grüne); sie nützte den

Anlass des Eurovision-Songcontests 2015.

Von diesen etwas anderen Ampelfiguren erhofft

sich die Wiener Stadtverwaltung mehr Aufmerksamkeit:

„Es ist ein Versuch, ob dadurch die Verkehrssicherheit

verbessert werden kann“, heißt es

in der für Ampeln zuständigen Verwaltungsabteilung

33. Um herauszufinden, ob diese Maßnahme

sich tatsächlich positiv auf die Fußgänger auswirkt,

werde das Projekt wissenschaftlich begleitet,

so das Wiener Rathaus.

Stadt: Zeichen setzen für mehr Toleranz

Gleich mehrere Großveranstaltungen haben Wien

in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt: Am

19. Mai 2015 wurde klar, dass der „European

Song Contest“ wegen des

vorangegangenen Sieges

der Kunstfigur Conchita

Wurst nach Wien kommen

würde. Tausende Journalisten

und Zehntausende

Zuschauer kamen in die

österreichische Hauptstadt,

der passende Zeitpunkt für

die Ampel-Aktion!

Zuvor stand mit dem „Life

Ball“ Europas größte Benefizveranstaltung

zugunsten

HIV-Positiver und an Aids

Erkrankter auf dem Programm.

Im Juni folgte dann

die Regenbogenparade der Lesben-, Schwulen- und

Transgender-Bewegung in Österreich; die Installation

der neuen Ampelfiguren sollte die Parade willkommen

heißen.

Nach 20 Jahren LGBT-Erfolgsgeschichte habe

sich auf symbolischer Ebene viel getan, angefangen

von der Regenbogenflagge am Rathausplatz

bis zu den Ampelpärchen. Auch im Bewusstsein

der Menschen habe sich viel verändert, so Vizebürgermeisterin

Vassilakou. Derzeit liebäugele

sie mit Regenbogen-Zebrastreifen, die sie in Neuseeland

entdeckt habe.

TV-Moderator Stefan Raab machte sich in einer

seiner letzten Sendungen über diese Ampel-Aktion

lustig: „In Wien dürfen Schwule und Lesben nur

noch dort über die Straße gehen, wo auf den

Ampeln Mann und Mann oder Frau und Frau zu

sehen sind.“

Opposition empört über „Genderwahn“

Der Stadtrat Toni Mahdalik (FPÖ) spricht von

„rot-grünem Genderwahnsinn“ in Wien und kritisiert

die Kosten des Projekts, das Geld solle lieber

in die Armutsbekämpfung investiert werden.

Auch die konservative ÖVP hat kein Verständnis

42

Z für Zukunft


Gender-Blüten

für den „teuren Geniestreich“ der rot-grünen

Stadtregierung.

Eine Ausweitung auf weitere Standorte sei vorerst

nicht geplant. Der SPÖ-Tourismussprecher

Max Unterrainer hingegen sieht das anders; er

forderte, die Ampeln in ganz Österreich zu installieren:

„Die Kosten von 1.285 Euro pro Ampel

sind absolut vertretbar.“

München folgt zum „Christopher Street Day“

dem österreichischen Beispiel; auch hier soll es

schwule Ampelmännchen und lesbische Ampelfrauen

geben.

Stephan Handel kommentiert das in der „Süddeutschen

Zeitung“ so: 1

„Entweder wird das Abendland demnächst

untergehen, oder es bricht das Paradies auf

Erden aus, je nach Sichtweise. Und das alles nur,

weil die Streuscheiben an ein paar Fußgängerampeln

ausgetauscht werden. Hätte die Menschheit

früher schon von der weltverändernden Macht

der glasverarbeitenden Industrie gewusst und sie

zielgerichtet eingesetzt, der Lauf der Geschichte

wäre ein völlig anderer gewesen.“

Zum „Christopher Street Day“ wurden an

einigen Ampeln die üblichen Stehen-Gehen-Piktogramme

ausgetauscht. Wer’s nicht gesagt

bekommt, könnte meinen, da wären Mutter und

Tochter auf dem Weg zum Verwandtenbesuch oder

der Karle und der Lucke kämen vom Vatertagsausflug.

Ein Herz jedoch zeigt, dass die beiden Figuren

emotional miteinander verbandelt sind – fertig

sind das schwule Ampelmännchen und das lesbische

Ampelfrauchen. Und damit alles vollständig

ist, gibt’s auch noch eine Hetero-Version.

Nun auch in Hamburg: Dort hat die Gleichstellungssenatorin

Katharina Fegebank die Idee der

schwul-lesbischen Ampelfiguren ins Spiel gebracht.

AfD will diese Pläne stoppen

Aber niemand muss so weit reisen, die schwulen/

lesbischen Ampelpärchen kann man als Merchandising-Artikel

in die Hand bekommen, auf T-Shirts

und Kaffeetassen, und sich damit gleichfalls tolerant,

weltoffen und großkariert geben.

1 www.sueddeutsche.de/muenchen/schwule-alpenmaennchen-es-istdoch-nur-deko-1.2487452,

Stand 04.05.2016.

Kündigung wegen

ungegenderten Christkinds

Der Fall einer Kindergärtnerin, der gekündigt wurde, weil sie den Kindern

die christliche Bedeutung des Weihnachtsfestes erklärte, erlangte

österreichweite Aufmerksamkeit. In einer TV-Sendung darauf angesprochen,

meinten Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) und Maria Vassilakou

(Grüne), der Erzieherin sei keineswegs gekündigt worden. – Entweder

sie sagten die Unwahrheit oder sie wussten nicht, was in ihrer

Abteilung läuft, doch die Wahrheit kam umgehend ans Licht; Manfred

Juraczka von der ÖVP hatte das Kündigungsschreiben der Verwaltungsabteilung

Magistrat 10 – Wiener Kindergärten dabei und las den Absatz

vor: Die Erzieherin habe sich nicht an die Vorgaben der Stadt Wien

gehalten und gegen die Richtlinien ein Kind mehrfach über das Weihnachtsfest

aufgeklärt – und das führte zur Kündigung.

Journalisten der „Kronen Zeitung“ trafen sich mit der Dame, die der

Stadt Wien „zu christlich“ war, und erfuhr Undenkbares: Das Jesus-Kind

hätte gegendert werden sollen!

„Arbeitslos, weil ich eine

religiöse Person bin“

Die 1989 aus Polen nach Österreich

immigrierte Kindergärtnerin

schilderte die Vorfälle, die

am 10. Juli 2015 zu ihrem Rausschmiss

führten, gegenüber

der „Kronen Zeitung“ so: 1 „Ich

habe den Kindern die christliche

Bedeutung des Weihnachtsfestes

erklärt. Aber ich durfte

im Kindergarten ja nicht einmal sagen, dass das Jesu-Kind ein Junge

ist – es musste gegendert werden, also ‚geschlechterneutral‘ erklärt

werden. Obwohl jeder weiß, dass er Sohn Gottes ist.“ Die Leiterin

des Kindergartens habe sie deshalb zur Rede gestellt und ihr gesagt,

sie habe sich an den Bildungsplan der MA 10 zu halten. „Aber einige

dieser Vorgaben kann ich nicht mit gutem Gewissen erfüllen“, so die

geschasste Pädagogin, die die Welt nicht mehr versteht und sich über

die Politiker nur noch wundert: „Warum wurde ich so behandelt? Ich

bin arbeitslos, weil ich eine religiöse Person bin. Bei dieser TV-Sendung

mit den Parteichefs wurde gesagt, dass meine Kündigung aufgehoben

worden sei? Das stimmt nicht.“

Quelle: www.unzensuriert.at/content/0018963-Jesusinnen-Sohn-Gottes-muss-im-Wiener-Kindergarten-zum-Zwitter-gegendert-werden.

1 www.krone.at/Wien/Ich_bin_jetzt_arbeitslos._weil_ich_religioes_bin-Gefeuerte_Paedagogin_-

Story-476101. 05.05.2016.

Bildmontage: © Agentur PJI UG

Z für Zukunft

43


Europa

Verschlungene Wege der EU

Eine neue „Europäische Bürger-Initiative zum Schutz von Ehe und Familie“ will

helfen, diese Irr-Wege zu durchkreuzen

Veronika Neumann

Es tobt

ein subtiler

Kampf um die

Definition

von Ehe und

Familie

Bildmontage: © Agentur PJI UG

In Brüssel tobt seit vielen Jahren ein subtiler

Kampf um die Definitionshoheit zwischen

den Vorgaben des Naturrechts und

dem (von EU-Wahlen sowie tagesaktuellen

politischen Mehrheiten abhängigen) EU-

Recht: Was bedeuten die Begriffe „Ehe“, „Familie“

und „Gender“ für die Ausübung des EU-Rechts und

die Verpflichtungen der Mitgliedsstaaten? Diese

Auseinandersetzung wird oft mit harten Bandagen

ausgetragen und mit ungleichem Kräfteverhältnis

zulasten der Vertreter von Ehe und Familie.

Zum Vergleich: Der Familienbund der Katholiken

auf europäischer Ebene (FAFCE) besteht seit fast

20 Jahren, arbeitet mit nur zwei Planstellen (eine

davon in Halbzeit) und lebt von kargen Spenden.

ILGA-Europa hingegen (ILGA, Internationale

Lesben- und Schwulen-Vereinigung) arbeitet mit

etwa 20 Personen und einem Jahreshaushalt von

2,2 Mio. Euro, davon stammt über die Hälfte als

garantierter Betriebskostenzuschuss aus jenen

Steuergeldern, die die EU-Kommission verwaltet.

Über den Kampf um die Deutungshoheit von Ehe

und Familie in der EU zu sprechen ist kein Vorwand,

um ein Angstszenario gegen die EU zu erzeugen –

dieser Kampf findet wirklich statt. Christen, Kirchen

und Religionsgemeinschaften sowie ihre

Familienverbände müssen sich der Herausforderung

stellen und in der öffentlichen Debatte einstehen

für die Ehe von Mann und Frau.

44

Z für Zukunft


Europa

Ein tagesaktuelles Fallbeispiel aus dem EU-Parlament

soll die Manipulation aufzeigen, die die EU-

Institutionen bei der Definition von Ehe und Familie

betreiben; anschließend stellen wir die Europäische

Bürgerinitiative „Vater, Mutter, Kinder“ vor als eine

konkrete Möglichkeit für alle Bürger, für die Definition

der Ehe als Verbindung von Mann und Frau einzutreten

und der Gender-Ideologie auf europäischer

Ebene Einhalt zu gebieten.

Vor der Sommerpause 2016 beraten im EU-Parlament

die Ausschüsse für Arbeit und soziale Angelegenheiten

sowie für Frauenrechte und Gender-

Gleichstellung über eine zukünftige „Entschließung

des EU-Parlaments über die Schaffung von Arbeitsmarktbedingungen

zur Förderung eines ausgewogenen

Verhältnisses von Berufs- und Privatleben“

(2016/2017(INI)).

In der Tat sollte es Vätern und Müttern (und

Großeltern) besser ermöglicht werden, Familie und

Beruf zu harmonisieren. Dafür sind jedoch zuvörderst

die Mitgliedsstaaten zuständig, nicht die

EU, weil diese Entscheidungen nahe am Menschen

getroffen werden müssen. Eine Standardlösung für

die verbleibenden 27 unterschiedlichen Mitgliedsstaaten

hilft niemandem.

Dennoch nutzt das Parlament eine Teilzuständigkeit

der EU in einem ausgewählten Aspekt der

Arbeitsmarktpolitik, nämlich der Chancengleichheit

zwischen Männern und Frauen auf dem

Arbeitsmarkt, dafür aus, um in die Familienpolitik

der Mitgliedsstaaten hineinzuregieren. Außerdem

kennt die EU seit ihrer Gründung weder

Mütter noch Väter, sondern nur Arbeitnehmer.

Nun verhandeln die Fraktionen in den beiden

Ausschüssen die 414 Änderungsanträge zu Kompromiss-Anträgen.

Einer davon bezieht sich auf

die Definition von Ehe und Familie und lautet:

„Das EU-Parlament fordert die Kommission und

die Mitgliedsstaaten auf, Maßnahmen aufzulegen,

die der zunehmenden Vielfalt der familiären Bindungen,

Lebenspartnerschaften und Regelungen

zur elterlichen Sorge, einschließlich Eltern aller

Geschlechtsidentitäten, Rechnung tragen, damit

ein Kind nicht aufgrund des Personenstands seiner

Eltern, der Familienzusammensetzung oder anderer

Partnerschaftsmodelle diskriminiert wird. Die

Mitgliedsstaaten werden zur gegenseitigen Anerkennung

rechtlicher Dokumente, z. B. über eine

Eheschließung, aufgefordert, damit die Freizügigkeit

ohne Diskriminierung aufgrund der Familienkonstellation

umgesetzt wird“ (Dokument AM\

1098120EN.doc, PE 584.260v01-00 vom 15.06.2016).

Hier ein Fallbeispiel

Foto: © Bundesregierung/Tybussek

Homo-Ehe durch die Hintertür

Das Fallbeispiel zeigt, wie eine an sich sinnvolle

Idee auf nationaler Ebene vom EU-Parlament

dazu missbraucht wird, um Ehe und Familie zu

definieren und alle Mitgliedsstaaten zur Anerkennung

der „Homo-Ehe“ zu drängen.

Dabei ist das Kindeswohl nur ein in jüngster

Zeit eingebrachter neuer Vorwand. Mit dem technokratischen

Halbsatz über die gegenseitige Anerkennung

von Personenstandsdokumenten soll

mittelfristig die „Homo-Ehe“ auch in diejenigen

Mitgliedsstaaten importiert werden, die das bisher

nicht wollten. Nach der Sommerpause 2016 soll

in den beiden Ausschüssen über den Bericht abgestimmt

werden. – Soweit ein Fallbeispiel; ähnliche

Episoden könnten hier zahlreich angereiht werden.

Werden Sie aktiv!

Wie können sich Bürger in den Mitgliedsstaaten

gegen diese Manipulation durch die Institutionen

der EU wehren? Unterstützen Sie die Europäische

Bürgerinitiative „Mum, Dad & Kids / Vater, Mutter,

Kind“ (www.vatermutterkind.eu), deren deutsche

Koordinatorin, wie schon bei “One of us” Hedwig

von Bevertoerde ist. Damit soll die EU zur Wahrung

der Definition der Ehe als Verbindung zwischen

Mann und Frau verpflichtet werden.

Lösen sich die

Rechte der

Mitgliedsstaaten

im EU-Recht auf?

Diese EU-Bürgerinitiative

mit 1 897 588 Unterschriften

forderte: „Stoppt EU-Gelder

für Klonen und Versuche

an Embryos“

Z für Zukunft

45


Europa

Mit Ihrer

Unterschrift

haben Sie

eine Stimme.

Schweigen

wäre fatal

www.vater-mutter-kinder.eu

www.vatermutterkind.eu

Bitte

unterstützen

Sie diese Europäische

Bürgerinitiative

Diese von der EU-Kommission genehmigte Bürgerinitiative

läuft in allen EU-Mitgliedsstaaten bis

zum 3. April 2017; als Element der direkten Demokratie

wird sie zur Entscheidung der Bürger über

die Zukunft einer EU beitragen, die eintritt für

oder gegen die Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Initiative ist notwendig und sie kommt zur

rechten Zeit. Die EU unterstützt nämlich schon

lange eine Politik, die auf eine Neudefinition von Ehe

und Familie hinausläuft; dazu gehört beispielsweise

das im EU-Vertrag von Maastricht (1999) festgelegte

Diskriminierungsverbot aufgrund des Geschlechts

und der sexuellen Orientierung sowie die Richtlinie

zum Freizügigkeits- und Aufenthaltsrecht der Unionsbürger

und ihrer Familienangehörigen (2001).

Seit Lissabon (2009) verfügt die EU über eine

Rechtsgrundlage für die grenzüberschreitende

Zusammenarbeit der Ziviljustiz (Vertrag über die

Arbeitsweise der Union, Artikel 81).

Nach dem überwältigenden Erfolg der Europäischen

Bürgerinitiative Einer von Uns 2013 ist

nun der Moment gekommen, die Institutionen der

EU zur Anerkennung der Ehe als Verbindung zwischen

Mann und Frau zu verpflichten. Jetzt können

sich auch die christlichen Familienverbände

zum besonderen Schutz der Ehe zwischen Mann

und Frau bekennen und aktiv werben.

Die Deutung von Familienzugehörigkeit

Jeder Bürger eines EU-Mitgliedsstaats darf sich

ungeachtet seiner Nationalität in jedem anderen

Mitgliedsstaat, dessen Staatsangehörigkeit er

nicht besitzt, unter den gleichen Voraussetzungen

niederlassen sowie eine Beschäftigung aufnehmen

und ausüben wie ein Angehöriger dieses

Staates. – Für sich genommen ist das auch nicht

zu beanstanden.

Am 25. September 2001 jedoch legte die EU-

Kommission ihren „Richtlinienentwurf über das

Recht der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen,

sich im Hoheitsgebiet der Mitgliedsstaaten

frei zu bewegen und aufzuhalten“ vor

(KOM(2001) 257). Ziel der EU-Kommission war, das

Freizügigkeits- und Aufenthaltsrecht aller Unionsbürger

„und ihrer Familienangehörigen“ zu

vereinfachen und zu verstärken. Der Zusatz „und

ihrer Familienangehörigen“ war neu. Damit öffnete

die EU-Kommission die „Büchse der Pandora“:

Es begann die offene Auseinandersetzung

um die Definitionshoheit des Begriffs „Ehe“ und

„Familienangehörige“ zwischen dem Naturrecht

und dem von politischen Mehrheiten abhängigen

Gemeinschaftsrecht der EU.

Das EU-Parlament forderte: „... den Begriff des

Familienangehörigen für all jene, die das Aufenthaltsrecht

genießen, so zu erweitern und zu vereinheitlichen,

dass die Vielfalt der familiären

Beziehungen, in der heutigen Gesellschaft – ob Ehe,

eingetragene Partnerschaften oder unverheiratet –,

anerkannt und geachtet wird. Auf der Grundlage

von Gleichheit und gerechter Behandlung sollte

das Grundrecht auf ein Familienleben nicht

davon abhängig gemacht werden, ob sich jemand

entscheidet, eine Ehe einzugehen.“

„Die Mitgliedsstaaten setzen diese Richtlinie

ohne Diskriminierung der durch diese Richtlinie

Berechtigten insbesondere wegen des Geschlechts,

… der geschlechtlichen Identität … oder der sexuellen

Orientierung um.“ Denn auch transsexuelle

Ehen sollten nicht diskriminiert werden …

Nach einer Blockadedrohung mehrerer Mitgliedsstaaten

gegenüber Parlament und Kommission

wurde der besondere Status der Ehe aufrechterhalten.

Die EU-Institutionen einigte sich darauf,

dass die „eingetragene Lebenspartnerschaft“

anerkannt werden solle, sofern nach den Rechtsvorschriften

des Aufnahmemitgliedsstaats die eingetragene

Partnerschaft der Ehe gleichgestellt

ist, natürlich ohne Diskriminierung zwischen den

46

Z für Zukunft


Europa

Begünstigten dieser Richtlinie etwa aufgrund des

Geschlechts oder der sexuellen Ausrichtung.

Stillschweigende Bevormundung?

Eine weitere für die zukünftige Definition von Ehe

und Familie bedenkliche Entwicklung in der EU

kam mit Artikel 81 des Vertrags über die Arbeitsweise

der EU. Dort heißt es: „Der Rat kann auf

Vorschlag der Kommission einen Beschluss erlassen,

durch den die Aspekte des Familienrechts mit

grenzüberschreitendem Bezug bestimmt werden.

Der Rat beschließt einstimmig nach Anhörung des

Europäischen Parlaments. Der genannte Vorschlag

wird den nationalen Parlamenten übermittelt.

Wird der Vorschlag in der Frist nicht abgelehnt, so

kann der Rat den Beschluss erlassen.“

Es liegt auf der Hand: Die EU hat jetzt unmittelbare

Zuständigkeit für das Familienrecht und

mithin auch die Definitionsmacht.

Das ist keine gute Nachricht, denn selbst die

jetzige EU-Kommission unter der Führung der

christdemokratischen „Europäischen Volkspartei“

(zu der CDU/CSU und ÖVP gehören) finanziert eine

Fülle von Genderaktivisten. Kommissions-Vizepräsident

Frans Timmermans verletzt ungehindert das

Subsidiaritätsprinzip und fordert medienwirksam

die Homo-Ehe in allen Mitgliedsstaaten.

Das fördert genauso wenig das Vertrauen der Bürger

in die EU-Institutionen wie das Strategiepapier

der Justizkommissarin Vera Jourova „Kommissions-

Vorhaben für die LGBTI-Gleichstellung“. Darin fordert

die EU-Kommissarin u. a., „Gruppenzwang“

auszuüben auf diejenigen Mitgliedsstaaten, die beispielsweise

Ehe und gleichgeschlechtliche Partnerschaft

deswegen nicht völlig gleichstellen, weil es

die Bevölkerung im eigenen kulturellen Rahmen als

nicht wünschenswert erachtet.

Hoffen auf das Vetorecht

Hoffnung kommt nur auf beim Blick auf die Etikette:

Wenn es um das EU-Familienrecht geht, müssen

alle verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten einstimmig

entscheiden; das EU-Parlament wird lediglich

angehört. Zudem haben die nationalen Parlamente

ein Vetorecht.

Auch wenn es einige Brandschutztüren gibt,

darf das keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass

sich die Situation grundlegend geändert hat: die EU

verfügt nunmehr über eine direkte Zuständigkeit

für EU-Gesetze mit Familienrechts-Aspekten. Auch

deswegen müssen die Bürger jetzt die Institutionen

der EU verpflichten, bei der Umsetzung des

Gemeinschaftsrechts den Begriff „Ehe“ als Verbindung

zwischen Mann und Frau anzuerkennen.

Stärkung der Begriffe „Ehe“ & „Familie“

Die zunehmende Zersplitterung der Begriffe „Ehe“

und „Familie“ in den Rechtsakten und politischen

Entschließungen der Brüsseler Institutionen stellt

für die EU und die Mitgliedsstaaten zunehmend

ein Problem dar: Das Europarecht verwendet beide

Begriffe, doch ihre Bedeutung ist zunehmend unklar;

verschiedene EU-Richtlinien zum selben Themenkomplex

enthalten unterschiedliche Definitionen.

Die Europäische Bürgerinitiative vater-mutterkinder.eu

schafft Abhilfe, indem sie eine EU-weit

einheitliche Definition beider Begriffe verlangt. Im

Einklang mit Art. 9 der EU-Grundrechte-Charta

berücksichtigt die Initiative vollumfänglich die

Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten zur Gesetzgebung

im Ehe- und Familienrecht.

Die vorgeschlagene Definition der Ehe als

dauerhafte Verbindung zwischen einem Mann und

einer Frau entspricht dem gemeinsamen Nenner

der Gesetze aller EU-Mitgliedsstaaten.

Eine Million Unterschriften – oder

schaffen wir auch zwei?

Sollte die Bürgerinitiative bis zum 10. Dezember

2016 eine Million Unterstützungsbekundungen

aus mindestens sieben Mitgliedsstaaten erhalten,

muss die Kommission innerhalb von drei Monaten

reagieren. Die Kommission kann daraufhin

entscheiden, der Aufforderung zu folgen oder ihr

nicht zu folgen.

Deswegen muss die Zahl von einer Million Unterschriften

aus mindestens sieben Mitgliedsstaaten

deutlich übertroffen werden. Diese Initiative wird

zu einem politischen Statement: Ist die EU für oder

gegen die Ehe zwischen Mann und Frau?

Regelmäßige Informationen:

www.vater-mutter-kinder.eu

Offizielle Website und Zugang zum Unterschriftenportal:

www.vatermutterkind.eu

Foto: © Wikipedia/Government of Romania

Frans Timmerman, seit dem

1. November 2014 Erster Vizepräsident

und EU-Kommissar

für „Bessere Rechtssetzung,

interinstitutionelle Beziehungen,

Rechtsstaatlichkeit und Grundrechtecharta“

in der Kommission

Juncker. Wer so viele offizielle Auszeichnungen

trägt, kann doch so

böse nicht sein?

Ritter des Ordens von

Oranien-Nassau

Offizier des

Verdienstordens der

Republik Polen

Ehrenpalme Bulgariens

Kommandeur des

rumänischen Ordens für

Verdienst

Ritter der Ehrenlegion

Großkreuz des Ordens

vom Kreuz des Südens

I. Klasse des Ordens des

Marienland-Kreuzes

Großkreuz des Ordens

des litauischen

Großfürsten Gediminas

Kommandeur des

Nordstern-Ordens

Großkreuz des

chilenischen

Verdienstordens

Ritter des Malteserordens

Z für Zukunft

47


Europa

Überwachungsmechanismus

in der EU geplant

Die EU-Kommissionen und das Parlament planen neue Überwachungsmechanismen,

um konservativen Werte-Widerstand einzelner Mitgliedsstaaten zu brechen

Foto: © wi-bi-wei.de/Montage

Mitgliedsstaaten

sollen

an den Pranger,

wenn sie sich

durch Volksentscheide

in

besonders

sensiblen

Bereichen vor

EU-Entscheidungen

schützen

wollen

Der Widerstand mancher EU-Mitgliedsstaaten

gegen die europäische

Steuerung von Werten und

Normen soll gebrochen werden.

Dafür planen Kommission und Parlament

einen neuen Überwachungsmechanismus:

Mitgliedsstaaten sollen zukünftig an den Pranger

gestellt werden können, wenn ihre Bevölkerung

sich durch Volksentscheide oder durch Verfassungsänderungen

in besonders sensiblen Bereichen

schützen will vor den Entscheidungen der

EU-Institutionen. Dazu gehören die Nichtdiskriminierung

aufgrund des Geschlechts und der

sexuellen Orientierung, die Definition von Ehe

und Familie und die „unveräußerlichen, nicht verhandelbaren

Grundsätze“.

Die gewählte Rechtsform ist eine „interinstitutionelle

Vereinbarung“ zwischen Kommission und

Parlament. Damit umgehen diese das ordentliche

Gesetzgebungsverfahren, denn „interinstitutionelle

Vereinbarungen“ regeln lediglich die Details

der Zusammenarbeit der Institutionen, die solche

Vereinbarungen abschließen, dürfen aber keine

Bindewirkung gegenüber Dritten haben.

66 Experten für die Durchsetzung

Der Innenausschuss des EU-Parlaments hat dazu

eine Initiative vorgelegt für einen „integrierten

Mechanismus für die systematische, objektive

und vollständige Überwachung aller Mitgliedsstaaten

der EU und ihrer Organe“ (Dokument 2015/

2254 INL vom 5. April 2016).

Der „Grundrechte-Mechanismus“ soll parallel

zur Rechtsprechung des EuGH wirken und

besteht aus einem „Anzeiger“, einem „Semester“

und „länderspezifischen Regelungen“. Ein 66-köpfiges

Expertengremium unter Leitung der politisch

umstrittenen EU-Grundrechteagentur (die seit

ihrer Gründung nur dadurch auffiel, dass sie sich

einseitig auf die Forderungen der LGBT-Lobby konzentrierte)

verfolgt halbjährlich die Entwicklungen

in allen Mitgliedsstaaten. Konkret geht es dabei

48

Z für Zukunft


Europa

um Entscheidungen im Bereich des Lebensrechtsschutzes

oder der Definition von Ehe und Familie:

„Homo-Ehe“ und „intersex-gerechte Toiletten“ – Ja

oder Nein; für oder gegen Abtreibung?

In einem anonymisierten Verfahren teilen

„unabhängige Experten“ die Mitgliedsstaaten

nach dem Ampelsystem in „Konform“ (grün) und

„Rebell“ (rot) ein. „Rebellen“ werden von der Kommission

vorgeladen und erhalten länderspezifische

„Empfehlungen“, die von Nichtregierungsorganisationen

ausgearbeitet sind und den Rebellen zur

„EU Compliance-Kultur im Bereich Grundrechte

und Rechtsstaatlichkeit“ verhelfen sollen.

Nicht also durch ordentliche Vertragsverletzungsverfahren

beim EuGH in Luxemburg, sondern

durch diese Parallelmechanismen in Brüssel

soll der Widerstand gebrochen werden, den die

Bevölkerung der EU-Länder gegen die Regelungswut

der EU in Wertefragen leistet.

Missachtung des EU-Vertrags?

Parlament und Kommission umgehen also den

Gerichtshof der EU und etablieren sich als Richter

über die Mitgliedsstaaten. Dabei sieht der

EU-Vertrag ausdrücklich vor, dass die Union die

Rechtsordnung und -tradition sowie die nationale

Identität der Mitgliedstaaten achten muss (Art

67.1 EU-Vertrag), die „in ihren grundlegenden

politischen und verfassungsmäßigen Strukturen

einschließlich der regionalen und lokalen Selbstverwaltung

zum Ausdruck kommt“.

Dennoch bringen sich Kommission und Parlament

mit einer neuen „Grundrechte-Bürokratie“

gegen die Mitgliedsstaaten in Stellung. Immerhin

gibt es bereits Kooperations- und Kontrollverfahren

im Bereich der Grundrechte: das Justizbarometer,

die Antikorruptionsberichte und

ein Medienpluralismus-Monitor. Alle diese Instrumente

werden regelmäßig angewandt, um den

Zustand der Demokratie in den Mitgliedsstaaten

zu überprüfen.

Ethisch sensible Bereiche einfach über

einen Kamm scheren?

Anders als bei Sachfragen sind in ethisch sensiblen

Bereichen verbindliche Kompromisse zwischen 28

Mitgliedsstaaten unmöglich, weil andernfalls die

innere Einheit und Kohärenz

der Völker aufgegeben

würde. Das wissen die

Staats- und Regierungschefs.

Bei Entscheidungen in

der Gleichstellungspolitik

gilt im Rat das Einstimmigkeitsprinzip.

Deswegen

sollen sich alle Mitgliedsstaaten

in Fragen

der Gesellschafts-Werte

genauso einem Kompromiss

anpassen wie in Wirtschaftsfragen.

Junckers Erster Vizepräsident Frans

Timmermans wünscht dann Polen schon mal die

„Erlösung von der immerwährenden Unterdrückung

der katholischen Kirche in Familienfragen“.

Homo-Ehe durch die Hintertür

Für die Juncker-Kommission sagte Frans Timmermans

im Juni 2015: „Die EU-Kommission

sollte weiter darauf bestehen, dass alle EU-Mitgliedsstaaten

die Homo-Ehe vorbehaltlos anerkennen.

Auch wenn manche Mitgliedsstaaten die

gleichgeschlechtliche Ehe in ihrem eigenen Land

nicht eingeführt haben, sollten sie zumindest den

Anstand haben, die Homo-Ehe anderer Länder

anzuerkennen.“

Arbeitnehmerfreizügigkeit kombiniert mit der

Politik der gegenseitigen Anerkennung von Personenstandsurkunden

(z. B. standesamtlichen Heiratsurkunden)

ist also wichtiger als das Recht der

Mitgliedsstaaten, eigenständig über die Anerkennung

der Homo-Ehe in ihrem Land zu befinden.

Justiz-Kommissarin Jourova legte eine „Liste

der Vorhaben der EU-Kommission zur Förderung

der LGBTI-Rechte“ vor. Das zeigt, wie die EU-Kommission

besondere Rechte für gleichgeschlechtlich

orientierte Menschen aller Altersgruppen durchdrücken

will, ganz besonders jedoch besondere

Rechte für Menschen mit wechselnden Geschlechtsidentitäten

und Transgendermenschen. – Das Ziel:

„die gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTI-Personen

zu verbessern und EU-Rechtsvorschriften

durchzusetzen“.

Foto: © Wikipedia, Reinis Inkens Saeima

Foto: © Wikipedia, U.S. Department of State of the United States

Kommissionspräsident

Juncker

Sein

Vizepräsident

wünscht einigen

EU-Ländern

Befreiung von der

„kirchlichen

Unterdrückung in

Familienfragen“ –

unwidersprochen!

Die EU-Justiz-Kommissarin

Vera Jourová

kümmert sich vor allem

um LGBTI-Rechte

Z für Zukunft

49


Europa

Foto: © Wikipedia, Arnfinn Pettersen

Foto: © Wikipedia, Gemälde von Thomas Rowlandso, Pranger in London 1808

So lange am

Pranger unter

Druck setzen,

bis das Land

einknickt

Sophie In’t Veld

ist Vorsitzende der

„Parlamentarischen Plattform

für Säkularismus in der

Politik“, ein Sprachrohr

radikaler Atheisten, die den

Einfluss von Religion und

Spiritualität auf die Gestaltung

des Gemeinwohls bekämpfen

Die C-Parteien schwiegen

Dabei setzt die Juncker-Kommission auf Gruppendruck

im Ministerrat: Mitgliedsstaaten, deren

Bevölkerung weiterhin ein traditionelles Familienbild

als beste Voraussetzung für die nachhaltige

Entwicklung ansehen, sollen durch den Gruppendruck

anderer Staaten einknicken.

Die christdemokratischen Kommissare Oettinger

(CDU) und Hahn (ÖVP) schweigen dazu. Nicht

jedoch Beatrix von Storch, die für die AfD im EU-

Parlament sitzt und Frau Jourova eine Reihe von

parlamentarischen Anfragen stellte. Die Antworten

der EU-Justizkommissarin lassen aufhorchen:

„Jede Form von Diskriminierung, Intoleranz

oder Gewalt aus Gründen der sexuellen Ausrichtung

oder Geschlechtsidentität verstößt

gegen die Grundwerte der EU“ (E-003548/2016).

Da irrt die Kommissarin zwar, denn der Begriff

„Geschlechtsidentität“ wurde in keiner EU-Verordnung

definiert; aber ihre Antwort zeigt, wie

sich die „Gender-Idologie“ in der „Antidiskriminierungs-Rhetorik“

etabliert hat.

Manche Mitgliedsstaaten

wollen EU-Einfluss begrenzen

Manche Mitgliedsstaaten wollen den Einfluss der

EU begrenzen: Volksentscheide oder Einzelgesetze

für den Familienschutz gab es 2009 in Litauen,

2012 in Slowenien, 2013 in Kroatien, 2015 in

Rumänien und in der Slowakei. Gegen die Einführung

der Homo-Ehe brachte Frankreichs Staatspräsident

Francois Hollande Millionen Familien

auf die Straßen; 2014 verschärfte die konservative

Regierung in Spanien das Abtreibungsgesetz.

Die EU-Bürgerinitiative zum Lebensrechtsschutz

„Einer-von-uns“ erzielte 2013 einen überragenden

Erfolg, doch die EU-Kommission zeigte

den Bürgern die kalte Schulter und weigert sich,

geltende Rechtsprechung des EuGH (C-34/10)

anzuwenden: die verlangte, die Finanzierung

von Abtreibung und embryonaler Stammzellforschung

aus dem EU-Haushalt zu stoppen. Die

Initiatoren ließen nicht locker, der Fall landete

vor dem EuGH.

Jetzt läuft die offizielle EU-Bürgerinitiative

zum Familienschutz „Vater, Mutter, Kinder“

in allen Mitgliedsstaaten (www.vater-mutterkinder.eu).

Im Protokoll der Kommissions-Sitzung

am Tage der Zulassung dieser Initiative kann man

die Verachtung des Kommissars-Kollegiums von

Kommissions-Präsident Jean-Claude Juncker für

die Bürger nachlesen.

Auch politische Stellungnahmen lassen Brüssel

aufhorchen; der ungarische Parlamentspräsident

László Kövé gab 2015 zu Protokoll: „Wir

lehnen die Gender-Ideologie ab. Wir wollen

nicht, dass Ungarn ein Land wird, in dem

feminisierte Männer die Frauen nachmachen

und wo Frauen ihre Kinder und Familie

als Hindernisse gegen Selbstverwirklichung

fürchten. Wir lehnen das ab, weil es zu einer

Gesellschaft ohne Zukunft führt.“

Ungarn und Polen blockierten gemeinsam

eine Verordnung im Ministerrat zu Vermögensauswirkungen

für eingetragene Partnerschaften.

Mit dieser Verordnung hätte durch das Prinzip

der gegenseitigen Anerkennung von Zivilstands-

Urkunden die Homo-Ehe durch die Hintertür eingeführt

werden können.

Trotz des Widerstands Ungarns und Polens

umgingen einige Mitgliedsstaaten das Einstimmigkeitsprinzip

mittels der „verstärkten Zusammenarbeit“,

die EU-Kommission zog mit, und das

EU-Parlament verabschiedete den Beschluss am

22. Juni 2016 trotz des Widerstands zweier wichtiger

EU-Mitgliedsstaaten Mitteleuropas.

50

Z für Zukunft


Europa

Nimmt hier radikaler Atheismus Einfluss?

All diese Beispiele von Selbstbestimmung der Mitgliedsstaaten

will das EU-Parlament nun mit einem

politischen Überwachungsmechanismus brechen.

Autorin des Berichtsentwurfs ist die niederländische

Liberale Sophie In’t Veld. Sie ist Vorsitzende

der „Parlamentarischen Plattform für

Säkularismus in der Politik“, einer Verbindung

radikaler Atheisten, die den Einfluss von Religion

und Spiritualität auf die Gestaltung des Gemeinwohls

bekämpfen. In’t Veld leitet ebenfalls die

„Arbeitsgruppe Reproduktionsgesundheit“, die

sich einsetzt für ein allgemeines Recht auf Abtreibung

in der EU und darüber hinaus. Außerdem ist

sie stellvertretende Vorsitzende der LGBT-Intergruppe

des EU-Parlaments.

Fördert das nicht EU-Verdrossenheit?

Beobachter in Brüssel rechnen mit harten Auseinandersetzungen

zwischen den Fraktionen des

EU-Parlaments. Die geplante „interinstitutionelle

Vereinbarung für einen integrierten Mechanismus

für die systematische, objektive und vollständige

Überwachung aller Mitgliedsstaaten der EU und

ihrer Organe“ verletzt das Subsidiaritätsprinzip,

erschafft einen neuen „Grundrechte-Bürokratismus“

und setzt die Bevölkerung der Mitgliedsstaaten dem

politischen Wohlwollen der EU-Institutionen aus.

Wen wundert es, wenn die EU-Gegner Zustimmung

finden – wie jetzt im Vereinigten Königreich

von Großbritannien, das sich für den Austritt entschieden

hat?

Aus parlamentarischer Praxis

Ein Erfahrungsbericht mit Gender-Mainstreaming in der EU

Beatrix von Storch

Foto: © Wikipedia, J. Patrick Fischer

Seit Mai 2014 bin ich Mitglied des

EU-Parlaments und arbeite im „Ausschuss

für die Rechte der Frauen und

die Gleichstellung der Geschlechter“.

In der vorherigen Legislaturperiode

(2009–2014) wurden im Plenum 2790 Entschließungen

verabschiedet. Davon sind nur 1071 verbindliche

Rechtsakte; der weit größere Anteil

sind also unverbindliche Entschließungen auf der

Grundlage von Initiativ-Berichten.

Die machen trotzdem viel Arbeit, beschäftigen

viele Parlamentarier, Assistenten, Übersetzer,

Lobbyisten und Journalisten, werden in

alle Amtssprachen übersetzt – verpflichten aber

2790 Entschließungen

– davon

sind nur 1071

rechtlich

verbindlich

Z für Zukunft

51


Europa

Foto: © Wikipedia, J. Patrick Fischer

Das

EU-Parlament

Abtreibung zum

Menschenrecht

niemanden. Und doch sind diese Entschließungen

Statements, mit denen Politik gemacht wird. Ich

winke sie also nicht einfach durch, da sie ja keine

Bindewirkung haben; im Gegenteil: Ich lehne sie

ab, besonders Entschließungen zu „Gender-Mainstreaming“

und „Gender-Gleichstellung“.

Einige dieser Entschließungsvorlagen stelle

ich hier kurz vor, um zu verdeutlichen, welche

Blüten die Gender-Ideologie im EU-Parlament

treibt. Neben dem Frauenausschuss gibt es im

EU-Parlament ja noch zahlreiche Gremien, die ein

durchgängiges Gender-Mainstreaming durchsetzen

wollen.

Brüssel sagt, wer den Abwasch macht

In der Tarabella-Entschließung vom 10. März

2015 „Gleichstellung von Frauen und Männern in

der Europäischen Union – 2013” machte das EU-

Parlament die gleichmäßige Aufteilung der Hausarbeit

zwischen Frauen und Männern zu einer

unabdingbaren Voraussetzung für die Gleichstellung

von Frauen und Männern. Jetzt entscheidet

also Brüssel, wer zu Hause bügelt, einkauft und

den Abwasch macht.

Außerdem erklärt das EU-Parlament Abtreibung

zum Menschenrecht, obwohl in der Estrela-

Entschließung vom 10. Dezember 2013 festgelegt

wurde, dass das nicht EU-Angelegenheit ist.

Mutterschutz gendern, was soll denn das?

Die EU will auch den Mutterschutz gendern. Die

Richtlinie, um die es hier geht, handelt von der

„Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung

der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes

von schwangeren Arbeitnehmerinnen, Wöchnerinnen

und stillenden Arbeitnehmerinnen am Arbeitsplatz“.

„Mütter“ fehlen im Titel der Richtlinie!

Am 20. Mai 2015 bedauerte das EU-Parlament,

dass die EU-Kommission die 2008 vorgelegte und

alsbald blockierte Richtlinien-Novelle über den

Mutterschaftsurlaub nun wieder zurückzog. Dieses

Bedauern ist eher geheuchelt, denn das EU-

Parlament überzog damals seine Forderungen

an die Mitgliedsstaaten so sehr, dass diese nur

abwinkten: Die EU-Kommission (damals unter dem

Christdemokraten Barroso) wollte auch den Mutterschutz

gendern und fügte dem verständlichen

Schutz von Schwangeren am Arbeitsplatz den

Grundsatz der Gleichbehandlung und der Chancengleichheit

von Männern und Frauen hinzu.

Aber Männer werden nun mal nicht schwanger.

Das erweiterte jedoch den Anwendungsbereich

der Richtlinie auf Eltern-, Vaterschafts- und

Adoptionsurlaub, die Vereinbarkeit von Familie

und Beruf, Antidiskriminierungs-Aspekte usw. Die

Barroso-Kommission verengte das wirkliche Problem

des Mutterschaftsurlaubs auf ideologische

Gleichstellungsfragen.

Das „Problem“ sind die Eltern

In der Entschließung vom 9. September 2015 zur

„Stärkung von Mädchen durch Bildung in der EU“

kommentierte das Hohe Haus kritisch, dass Eltern

für die Erziehung ihrer Kinder verantwortlich

seien: indem nämlich Eltern ihre Söhne zu Männern

und Vätern und ihre Töchter zu Frauen und

Müttern erziehen, würden starre Geschlechterstereotypen

weitergegeben. Daher sollen Eltern

an Sensibilisierungs-Initiativen teilnehmen, an

Weiterbildungsmaßnahmen und Maßnahmen zur

Integration der Geschlechterperspektive.

In derselben Entschließung wird die Kommission

aufgefordert, Diskriminierung aufgrund von

sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität

in Bildungseinrichtungen (wie Kindergärten und

52

Z für Zukunft


Europa

Schulen) zu bekämpfen und dafür „ausdrücklich“

LGBTI-Themen in die Lehrpläne aufzunehmen.

Die Gender-Spitzenreiter unter den Bildungseinrichtungen

sollen mit einem europäischen Gleichstellungs-Preis

ausgezeichnet werden.

Masturbation für Kinder von 0 bis 4

Die bayerische SPD-Abgeordnete Maria Noichl

fordert in der von ihr vorbereiteten Entschließung

vom 9. Juni 2015 zur EU-Gleichstellungsstrategie

nach 2015 dazu auf, an Schulen Sexualerziehungsprogramme

durchzuführen und sicherzustellen,

dass junge Menschen Zugang zu Beratung

und zu Verhütungsmitteln haben. Der Inhalt

dieser Sexualerziehung wird in den „Standards

der Sexualaufklärung in Europa” vom Regionalbüro

Europa der Weltgesundheitsorganisation als

Rahmenkonzept für Bildungseinrichtungen vorgelegt.

Für die Altersgruppe 0–4 Jahre wird beispielsweise

empfohlen, eine positive Haltung zum

sozial konstruierten Geschlecht zu entwickeln

und frühkindliche Masturbation zu lernen.

Als käme Armut von

Geschlechterungerechtigkeit

Bei der „Armutsbekämpfung aus geschlechtsspezifischer

Perspektive” ist sich das EU-Parlament

am 26. Mai 2016 sicher: Würden gleichgeschlechtliche

LGBTI-Familien endlich durch alle Mitgliedsstaaten

voll anerkannt, würde deren Einkommen

steigen und die Lebenshaltungskosten, das

Armutsrisiko und die Gefahr sozialer Ausgrenzung

sinken. Eine Studie soll zeigen, wie sich Verfahren

zur amtlichen Anerkennung der Geschlechtsumwandlung

einer Person bzw. das Fehlen solcher

Verfahren auswirken auf die Stellung von Transgender-Personen

auf dem Arbeitsmarkt.

LGBTI gleichstellen per Entwicklungshilfe

Foto: © Inspirit Communication

Aber auch Außenpolitik und Entwicklungshilfe

können gegendert werden, wie die Entschließung

vom 8. Oktober 2015 zur Erneuerung des „EU-

Aktionsplans zur Gleichstellung der Geschlechter

und Machtgleichstellung der Frauen in der

Entwicklungszusammenarbeit“ zeigt. Darin wird

gefordert, den EU-Aktionsplan für die Gleichstellung

bezüglich der Lage von LGBTI in Drittländern

(also Nicht-EU-Ländern) zu verbessern und

deren Schutz und Rechte in den Mittelpunkt zu

stellen, und gleich noch mehr: besondere Maßnahmen

zur Stärkung der Rechte von jugendlichen

Frauen, Migrantinnen, mit dem HI-Virus

lebenden Frauen, lesbischen, bi-, trans- und

intersexuellen Frauen (LGBTI) sowie Frauen mit

Behinderungen.

Das selbstgendernde Parlament

Ein letztes Beispiel betrifft das parlamentarische

Selbst-Gendern. Dazu verabschiedete das Plenum

am 3. Februar 2016 eine umfangreiche Entschließung:

Die Personalabteilung des EU-Parlaments

wird beauftragt, besondere Leitlinien für

das Wohlergehen der lesbischen, schwulen, bi-,

trans-, inter- und quersexuellen Bediensteten am

Arbeitsplatz einzuführen.

Subtiler Einfluss auf EU-Politik

Obwohl diese Entschließungsverfahren im EU-

Recht keine Bindewirkung entfalten, nehmen sie

erheblich Einfluss auf das Denken der EU-Institutionen

in diesem Politikbereich und können

Eingang finden in Vorlagen der Kommission für

Rechtsakte. Deswegen ist es wichtig, dass sich

die Bürger über diese Entschließungen im Vorfeld

informieren, die Europa-Abgeordneten mit

Briefen und E-Mails kontaktieren und sich bei den

nächsten Wahlen an die Ergebnisse der namentlichen

Abstimmungen erinnern.

Beatrix von Storch MdEP (45) ist Vize-Chefin der Fraktion des

„Europas der Freiheit und der Direkten Demokratie“ (EFDD) und

Co-Vorsitzende der Familien-Intergruppe des EU-Parlaments.

Es ist wichtig,

dass Bürger

über diese

Entschließungen

im Vorfeld

informiert sind

und ihre Stimme

erheben

Die EVP-Politikerin Anna

Zaborska aus der Slowakei

tritt seit 2004 im EU-

Parlament für den Schutz

von Ehe und Familie in der

EU ein. Seit 2009 ist sie

Präsidentin der „Intergruppe

Familie, Rechte des Kindes

und Solidarität zwischen

den Generationen“. Hier

berät sie sich vor wichtigen

Abstimmungen mit ihrem

langjährigen Assistenten

Tobias Teuscher

Z für Zukunft

53


Historisch

Das Spiel mit

dem roten

Würfel

Wolfgang Leisenberg

oder: Die Schattenseite

der humanistischen Aufklärung

Sehen Sie auch,

wie schön dieses

„Es“ mit dem

roten Würfel

spielt?

Foto: © Agentur PJI UG / Montage

Dekonstruktion der Natur

„Ein kluger Kopf hat mal gesagt: Die Biologie

ist das, was man dafür hält.“ 1 Diese inzwischen

amtliche, für jeden Naturwissenschaftler verblüffende

Argumentation ergibt sich aber zwingend

aus einem Konstruktivismus 2 , der nun auch

die Natur einbezieht. „Die Genderbewegung hat

(…) kein Interesse an Objektivität. Eine objektive

Wirklichkeit, die es zu erforschen gilt, existiert

für sie nicht.“ 3

So nimmt der Konstruktivismus allerdings

bizarre Züge an: Als Wissenschaftler nach der

Untersuchung der Mumie von Ramses II. herausfanden,

dass der Pharao wahrscheinlich an

Tuberkulose gestorben war, bestritt der französische

Konstruktivist Robert Latour, dass das

möglich sei, weil Robert Koch das Virus erst 1882

entdeckt hatte: „Vor Koch hatte das Virus keine

wirkliche Existenz.“ 4

Noch weiter geht Judith Butler: Für die Professorin

für Linguistik entsteht Wirklichkeit

überhaupt erst durch Sprache. Somit ist auch

Geschlecht semantisch konstruiert: „Es gibt überhaupt

keinen ‚natürlichen‘ Körper als solchen,

der ‚vor‘ der Sprache und Deutung der Kulturen

liege. Radikalisiert bedeutet das, auch ‚Biologie‘

sei Kultur.“ 5 Da aber offensichtlich Lebewesen

existierten, bevor es Menschen und Sprache gab,

offenbart sich diese Weltsicht als wirklichkeitsfremd

und zeigt, wie eine Ideologie selbst offensichtlichste

Dinge vernebelt.

Die drei Dekonstruktions-Geschütze der

führenden kanadischen Gender-Professorin

Donna Haraway

Das erste:

„Der Konstruktivismus lehrt, dass wir Wirklichkeit

niemals als das erkennen können, was sie

wirklich ist.“ 6 Zunächst ist der Konstruktivismus

für die Genderwissenschaft offensichtlich eine

nicht hinterfragbare Prämisse und somit ist er

unwissenschaftlich.

Aber es gibt einen wahren Kern: „Die Physik ist

nicht die Beschreibung der Natur, sondern vielmehr

nur die Beschreibung unserer Vorstellung von der

Natur.“ Diese Aussage von Nils Bohr 7 wird von Carl-

Friedrich v. Weizsäcker noch verschärft: „Die rationale

Physik sieht … nur die Oberfläche der Wirklichkeit,

die Physik erklärt nicht die Geheimnisse der

Natur, sie führt sie auf tiefer liegende Geheimnisse

zurück.“ 8 Tatsächlich werden wir nie herausfinden,

„was die Welt im Innersten zusammenhält“.

54

Z für Zukunft


Historisch

Wenn wir nun heute die meisten Krankheiten

medikamentös behandeln und über Kontinente hinweg

kommunizieren können; wenn sich ein viele

Tonnen schwerer Jumbo in die Luft erhebt oder

unsere Raumsonden auf dem Mond, dem Mars und

sogar auf einem Kometen landen, dann belegt das

wohl eindrücklich, dass wir zumindest die Oberfläche

der Wirklichkeit, die uns ja unmittelbar betrifft,

hinreichend genau beschreiben können.

Donna Haraways zweites Argument:

„Geltende Theorien wurden bisher nur nicht falsifiziert.

Wenn überhaupt, dann wissen wir nur

sicher, was Wirklichkeit nicht ist.“ 9 Auch dieser

Einwand ist im Prinzip richtig: Alle unsere mathematischen

Modelle der Wirklichkeit müssen sich

im Experiment bewähren. Aber noch so viele

Bestätigungen machen eine Theorie nicht zur

Wahrheit, sie kann nur falsifiziert werden. Insofern

wissen wir tatsächlich nur sicher, was die

Wirklichkeit nicht ist.

Auch die großen Theorien wie Newtons Mechanik

wurden nicht „falsifiziert“ – widerlegt –, sondern

lediglich eingeschränkt auf den Geltungsbereich,

in dem sie angewandt werden können. Im

„Alltagsgebrauch“ funktioniert Newtons Mechanik

ja wunderbar; sie versagt erst bei Geschwindigkeiten

nahe der Lichtgeschwindigkeit und im atomaren

Bereich. Hier greifen umfassendere Theorien –

die Relativitätstheorie bzw. die Quantenmechanik.

Donna Haraways erste beide Einwände sind also

prinzipiell richtig, aber praktisch irrelevant.

Ihr drittes Argument lautet:

„Wissen von Forschenden kann nur in Bezug auf

deren politische Position gebildet werden.“ 10 Das

heißt: Der Wissenschaftler sieht die Welt durch

die Brille seiner politischen Einstellung. Damit

wäre jede Wissenschaft letztlich Ideologie, auch

die von Haraway.

Die Schwierigkeit für Frau Haraway ist, einerseits

die Objektivitätsansprüche der Wissenschaft

zu dekonstruieren und andererseits den eigenen

Objektivitätsanspruch aufrechtzuerhalten.

Deshalb ist für sie ein neuer Objektivitätsbegriff

notwendig: „Unterworfene Standpunkte werden

bevorzugt, weil sie angemessenere, nachhaltigere,

objektivere, transformierendere Darstellungen

der Welt zu versprechen scheinen.“ 11

Im Geiste von Karl Marx

Donna Haraway argumentiert im Sinne der „kritischen

Theorie“. Die entstand aus der Forderung

von Karl Marx, dass wahre Philosophie nicht über

die Welt nachdenken, sondern sie verändern solle.

Die „kritische Theorie“ ist nicht, wie die Naturwissenschaft,

vom Interesse an Objektivität und

Wahrheit geleitet, sondern will die bestehende

Gesellschaft verändern. Objektiver Wissenschaft

darf weder ein Dogma noch ein Konsens vorgeschaltet

werden, sondern es muss methodisch

korrekt geforscht werden, und diese Forschung

muss ergebnisoffen sein. Gendertheorien sind

daher keine Naturwissenschaft, sondern Handlungskonzepte

zur Veränderung der Welt.

Wenn das Versprechen nicht hält

und der Schein trügt

Dabei war sich Frau Haraway ihrer Sache keineswegs

sicher: Was also, wenn das Versprechen

nicht hält und der Schein trügt? Mit welchem

Kriterium könnte man eine solche Theorie verifizieren

oder falsifizieren? Wer bestimmt, was der

„richtige“ Standpunkt ist?

Man muss schon sehr naiv sein zu glauben, dass

„die Unterworfenen“ jemals die Deutungshoheit

über die „richtige Weltanschauung“ hatten. Erinnern

wir uns: Aristoteles hatte behauptet, dass ein

schwerer Stein schneller fällt als ein leichter.

Das wurde 1500 Jahre so geglaubt; weil die

Autorität Aristoteles´ so übermächtig war, wagte es

niemand, seine Aussagen anzuzweifeln. Erst Galileo

Galilei bewies durch

seine Experimente, dass

beide gleich schnell fallen.

Erstmals hatte die

Menschheit mit der empirischen

Wissenschaft eine

Methode gefunden, die

Wirklichkeit zu beschreiben

unabhängig von einer

„richtigen“ Weltanschau-

Donna Jeanne Haraway ist

eine amerikanische Naturwissenschaftshistorikerin

und

Biologin. Sie war Professorin

an der University of California

Foto: © Wikipedia/Rusten Hogness

Z für Zukunft

55


Historisch

Bilder: (von oben)

Konrad Lorenz († 27. Februar 1989)

– österreichischer Zoologe, Medizin-Nobelpreisträger

und Hauptvertreter der klassischen vergleichenden

Verhaltensforschung

Isaac Newton († 20. März 1726) – englischer

Naturforscher, Theologe, Philosoph und Verwaltungsbeamter

Sigmund Freud († 23. Sept. 1939) – österreichischer

Neurologe, Tiefenpsychologe und

Kulturtheoretiker. Weltweit bekannt als Begründer

der Psychoanalyse

Carl Gustav Jung († 6. Juni 1961) – Schweizer

Psychiater und Begründer der analytischen

Psychologie. Schüler Freuds

Erich Fromm († 18. März 1980) – deutschamerikanischer

Psychoanalytiker, Philosoph und

Sozialpsychologe

Fotos: © Wikipedia

ung oder der Autorität eines Forschers.

Galilei, Newton oder Einstein haben

ihre Forschung bestimmt nicht von

einem „unterworfenen Standpunkt“ aus

betrieben. Wären ihre Erkenntnisse besser

oder anders, wenn sie mit einer anderen

politischen Einstellung gefunden worden

wären?

Mit der Gendertheorie fällt die

Menschheit endgültig in das vorwissenschaftliche

Zeitalter zurück,

mutierte das materialistische Weltbild

zur maßgeblichen Weltanschauung.

Heute entscheidet in allen gesellschaftlich

relevanten Bereichen die „richtige“

Weltanschauung darüber, wer auf einen

Lehrstuhl berufen wird; wer es wagte,

die Evolutionslehre Darwins in Zweifel

zu ziehen oder dass die Klimaerwärmung

vom Menschen verursacht sei,

wird sicher nicht mehr berücksichtigt.

Und Forschungsgelder erhält nur,

dessen Projekte den politischen Mainstream

nicht infrage stellen, so wurde

beispielsweise die Forschung über die

Ursachen von Homosexualität vollständig

eingestellt. Das Absurdeste hingegen:

Es wurden etwa 200 Lehrstühle

für Gender-Studies eingerichtet, deren

erklärtes Ziel es ist, die Wissenschaft zu

dekonstruieren.

Der große Irrtum

Man könnte sich natürlich eine passende

Wirklichkeit konstruieren; nur ändert das

nichts an der real existierenden – aber

es hat dramatische Folgen für unsere

Zukunft! So schrieb Konrad Lorenz schon

1982: „Der Irrglaube, dass man aus

dem Menschen … schlechterdings alles

machen kann, liegt den vielen Todsünden

zugrunde, welche die zivilisierte Menschheit

gegen die Natur des Menschen

begeht. Es muss übelste Auswirkungen

haben, wenn eine weltumfassende Ideologie

samt der sich daraus ergebenden

Politik auf Lüge begründet ist.“ 12

Da der Sozialismus von einem unrealistischen

Menschenbild ausging, musste er an diesem Grundirrtum

immer wieder scheitern: „Die schlichte …

Wahrheit ist, dass der ‚eigentliche Mensch‘ seit

je da war – in seinen Höhen und Tiefen, in seiner

Größe und Erbärmlichkeit, seinem Glück und seiner

Qual, seiner Rechtfertigung und seiner Schuld.

Der Irrtum der Utopie ist also ein Irrtum der Auffassung

vom Wesen des Menschen.“ 13

Das falsche Menschenbild beginnt mit der Illusion,

dass Mensch frei wäre. Sigmund Freud hat

es wiederentdeckt; es wurde aber schon im ersten

Jahrhundert umfassend beschrieben: 14 dass der

Mensch eben nicht Herr im eigenen Hause ist.

Aber diese zentrale Erkenntnis wollen die „aufgeklärten“

Zeitgenossen bis heute nicht hören,

weil dann das gesamte Projekt „neuer Gender-

Mensch“ schon im Ansatz gescheitert wäre.

„Mit Abscheu zitiert Skinner am Schluss seines

Buches ‚Was ist Behaviorismus?‘ Konrad Lorenz

mit dem Satz: ‚… wonach der Menschheit die

größte Gefahr dadurch drohe, dass der Mensch

seiner nie ganz Herr zu werden wisse‘. Skinners

Antwort: ‚Wenn das wahr wäre, wären wir verloren.‘“

15 Also durfte es nicht wahr sein.

Verdrängung – Verleugnung – Relativierung

„Aber was geschah mit dem Bösen, der Macht der

Destruktivität?“, fragte Horst-Eberhard Richter.

Die Antwort: „Seiner Bewältigung dienten verschiedene

geistreiche Versuche zur Verleugnung

oder Relativierung. Was diese Verdrängungsmanöver

bewirkten, war aber nur, die gefährlichen

Kräfte unsichtbar zu machen.“ 16 Dass diese

Kräfte sehr real sind, wusste besonders Freuds

Schüler C. G. Jung: „Es ist nicht wahr, das wir

einzig mit der Ratio und dem Willen auskommen.

Wir sind ganz im Gegenteil beständig unter dem

Einfluss von störenden Mächten, die Vernunft und

Willen durchkreuzen, das heißt, sie sind stärker

als das letztere …“ 17

Das Wesen des Menschen insgesamt, seine

moralische Ambivalenz, seine Sehnsucht nach

dem Paradies und seine Suche nach Sinn, war den

Materialisten seit jeher ein Rätsel. Er sei ein „Irrläufer,

eine groteske Laune der Natur. Er ist Teil

56

Z für Zukunft


Historisch

der Natur und doch transzendiert er die Natur.

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das

sich in der Natur nicht zu Hause fühlt, das sich

aus dem Paradies vertrieben fühlen kann“ 18 –

fand Erich Fromm.

Als Jude wusste er aus seiner Bibel, dass in der

Urzeit mit dem Menschen etwas Entscheidendes

„schiefgelaufen“ war: „Obwohl Mann und Frau

einander unverhüllt gegenübertraten, schämten

sie sich nicht, weil sie sich nicht als Fremde

erfuhren, sondern als ‚eins‘.“ Nach dem Ereignis,

das wir „Sündenfall“ nennen, „empfinden sie die

tiefste Scham, die es gibt: einem Mitmenschen

‚nackt‘ gegenüberzutreten und sich dabei der

gegenseitigen Entfremdung bewusst zu sein, die

sie voneinander trennt.“ 19

Diese „Entfremdung“ des Menschen von sich

selbst, vom Nächsten und von seiner Umwelt

sieht Fromm als das zentrale Thema des Menschen:

„Der Mensch aller Zeiten und Kulturen

steht der … einen und immer gleichen Frage

gegenüber: Wie die Getrenntheit überwunden,

wie man das eigene individuelle Leben transzendieren

und einswerden kann.“ 20

Liebe, das „Missing Link“

Die Lösung des Problems haben gerade neomarxistische

Denker erstaunlich gut erkannt. So

schrieb Theodor W. Adorno: „Jeder Mensch heute,

ohne jede Ausnahme, fühlt sich zu wenig geliebt,

weil jeder zu wenig lieben kann. … Der Mangel an

Liebe ist der Mangel aller Menschen ohne Ausnahme,

so wie sie heute existieren.“ 21

So konnte sich die Hoffnung der Moderne mit

ihrer Sicht vom Menschen als einer „biologischen

Maschine“ nicht erfüllen: „Das Ziel der Aufklärung,

die vollständige Befriedigung aller instinktiven

Wünsche, ist nicht nur keine Basis für das

Glück, sondern garantiert nicht einmal minimale

seelische Gesundheit.“ 22

Bleibt ihm also nur das „Lustprinzip“, „das

einzige Ziel und die entscheidende Kraft, welche

die menschliche Gesellschaft entwickelt“. 23

Aber Erich Fromm weiß, dass auch die Sexualität

nur eine Scheinlösung ist: „Die sexuelle Orgie …

wird zu dem verzweifelten Versuch, der durch die

Getrenntheit erzeugten Angst zu entkommen, und

resultiert in einem

immer stärker wachsenden

Gefühl der

Einsamkeit, da der

ohne Liebe vollzogene

Geschlechtsakt

die Kluft zwischen

zwei menschlichen

Wesen höchstens für

einen kurzen Augenblick

überbrücken

kann.“ 24

Das Fazit des Marxisten Erich Fromm ist daher:

„Wenn es wahr ist – was ich darzulegen versuchte

– … dass die Liebe die einzig befriedigende Antwort

auf das Problem der menschlichen Existenz ist,

dann muss jede Gesellschaft, die die Entwicklung

zur Liebe ausschließt, an ihrem Widerspruch … zur

menschlichen Natur zugrunde gehen …“ 25

Fünf für gerade verkaufen

Die Dekonstruktion – also eine Umkonstruierung

– des Menschen will Veränderung herbeiführen,

bis allen klar ist, dass das Kind eben nicht mit

dem blauen Ball, sondern mit einem roten Würfel

spielt. Aber alle Ersatzformen, die für Liebe

bisher konstruiert wurden, haben das Bedürfnis

nicht stillen können. Es empfiehlt sich also, ganz

„rückwärtsgewandt“ das Urmodell von „Liebe“

zu testen, ob nicht diese den elementaren Mangel

ausfüllen kann.

Als Qualitätsbeschreibung dazu gilt: „Die Liebe

hat Ausdauer, die Liebe ist gütig, sie neidet nicht,

die Liebe spielt sich nicht groß auf, sie benimmt

sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre,

sie lässt sich nicht verbittern, sie rechnet Böses

nicht zu, sie freut sich nicht über Ungerechtigkeit;

sondern sie freut sich mit der Wahrheit (im

Gegensatz zum Konstitutionalismus), sie erträgt

alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet

alles. Diese Liebe vergeht niemals.“ 26

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Leisenberg

Professor und Dekan in Frankfurt und Gießen, Geschäftsführer einer

Firma für thermische Verfahrenstechnik. Ausgezeichnet mit dem

„Unternehmerpreis Innovativer Mittelstand“ (2004) und dem „Hessischen

Innovationspreis“ (2008). Verheiratet, zwei Kinder.

Fußnoten: siehe Seite 64

Im Geiste von

Karl Marx

Foto: © boris15 / 123RF

Z für Zukunft

57


Medien

Gehirnwäsche missglückt

Ein norwegischer Komiker hat in einer TV-Dokumentation gezeigt, wie dogmatisch und

ideologisch die Gleichstellungs-Bemühungen angelegt sind. Staatliche Subventionen

wurden gestoppt, das norwegische Genderinstitut musste geschlossen werden

Peter Ischka

Was kann

Deutschland

vom „Vorzeige“-

Genderland

Norwegen

lernen?

Foto: © Agentur PJI UG / Montage

Seit Jahren bemühen sich Politik und

Wirtschaft vergeblich, Mädchen in

technische Berufe zu bringen. Während

man hierzulande mit großem

finanziellem Aufwand darauf drängt,

bereits im Kindergarten mit einer Umprogrammierung

zu beginnen, hat in Norwegen ein Komiker

in einer eindrücklichen TV-Dokumentation gezeigt,

wie dogmatisch und ideologisch diese Gleichstellungs-Bemühungen

angelegt sind.

Schülerinnen sollen für sogenannte MINT-Berufe

begeistert werden – für Jobs im Bereich Mathematik,

Informatik, Naturwissenschaften oder Technik –,

angeblich der Geschlechtergerechtigkeit wegen.

Doch Hunderte von Initiativen und Bemühungen

über Jahre hinweg zeigten keinen Erfolg: Die meisten

Mädchen verfolgen weiterhin charakteristische

Berufswünsche. Darüber berichtete der „Spiegel“ in

der 39. Ausgabe vom 21. September 2013.

Mit großem finanziellem Aufwand unterstützen

die Bundesregierung und die EU den „Kampf“

gegen ein vermeintliches Geschlechterklischee.

Aber bisher haben alle Bemühungen nicht so

recht fruchten wollen, auch die „Girls’ Days“

zeigten keine Wirkung, genauso wenig wie die

weiblichen Stars in TV-Shows, die, in technischen

Berufen gezeigt, in romantischen Liebesgeschichten

das Schmalz zum Triefen bringen.

Genderbeauftragte, die solche Projekte verantworten,

rechtfertigen sich: Die Chancen, ihre

Ziele zu erreichen, stünden nicht schlecht. Zumindest

in der Theorie. Man bezieht sich auf die Genderforschung,

die davon ausgeht, dass Mädchen

von Geburt an genauso technikinteressiert seien

wie Jungen – es wären nur die überkommenen

Geschlechterklischees, die die Umsetzung und den

Erfolg selbst der besten Aktionen behinderten.

58

Z für Zukunft


Medien

Der Lösungsansatz: Wer den Frauenanteil

in technischen Berufen erhöhen will,

muss in der Erziehung deutlich früher

ansetzen – dreijährigen Mädchen sollen

statt Puppen und Kinderküchen endlich

Metallbaukästen und technische Experimentier-Sets

angeboten werden.

Naturwissenschaftliche

Erkenntnisse veraltet?

Norwegen ist eines der am besten gegenderten

Länder der Welt. Doch auch hier hat man das Problem,

dass nur wenige Frauen technische Berufe

ergreifen (seit Neuestem ist die Tendenz sogar

rückläufig). Es gibt keine offizielle Erklärung dafür,

man nennt es „das norwegische Gleichstellungs-

Paradoxon“. Darüber öffentlich zu diskutieren war

in Norwegen ein Tabu – bis der norwegische Clown

und Soziologe Harald Eia eine mehrteilige TV-Dokumentation

drehte, der Titel: „Gehirnwäsche“.

Eia stellte den führenden Genderforschern in Norwegen

die provozierende Frage: „Haben Geschlechterrollen

eine naturwissenschaftlich begründbare

Ursache?“ Harald Eia wurde aufgeklärt: Die

Naturwissenschaft habe in diesen Fragen nur

untergeordnete Bedeutung; allein die Gesellschaft

forme das soziale Geschlecht (Gender).

Wer andere Meinungen vertrete, stütze sich in

der Regel auf veraltete Forschungsergebnisse.

Der Komiker Eia machte sich auf und befragte

Wissenschaftler anderer Disziplinen. Die norwegische

Soziologin Camilla Schreiner verwies auf

eine Studie, in der 15-Jährige aus 20 Ländern

nach ihren Interessen befragt wurden. Die Studie

zeigt, dass gerade Frauen aus Ländern ohne

Frauenförderung das größte Interesse an Technik

aufweisen: Die Armut drängt diese Frauen dazu,

alle ihnen angebotenen Möglichkeiten zu ergreifen,

während Frauen im Wohlstand sich für einen

Beruf ihrer Neigung entscheiden.

In San Francisco suchte Eia den Psychologen

Lippa auf. Lippa hat in einer Studie mit 200 000

Menschen aus 53 Ländern gezeigt, dass sich

Geschlechtsrollen überall sehr ähneln. Daraus

schließt er: Wenn in unterschiedlichen Kulturen

derartige Übereinstimmungen vorliegen, muss

von einer biologischen Ursache ausgegangen

werden. Auf seiner Erkundungsreise besuchte Eia

auch einen Psychologen in Cambridge und eine

Evolutions-Psychologin in Durham. Weitere Puzzleteile

vervollständigten das Bild.

Subvention

gestrichen

Mit diesen Ergebnissen

konfrontierte Eia

die norwegischen Genderforscher.

Die erste

Reaktion war in der

Regel: „Sie sehen nur,

was Sie sehen wollen.“

Auf die Frage nach

ihrer eigenen wissenschaftlichen

Grundlage kam nur zögerlich: „... eine

theoretische Grundlage“.

600 000 Zuschauer (Norwegen hat 4,8 Millionen

Einwohner) sahen diese Sendung; sie löste

eine kontroverse Diskussion über den Wert der

Genderforschung aus. Ende 2011 wurde das

norwegische Genderinstitut geschlossen, da die

staatliche Subvention von 7,6 Millionen Euro im

Jahr nicht mehr gewährt wurde. Für seine Reportage

„Gehirnwäsche“ erhielt Eia einen Preis für

hervorragende journalistische Arbeit.

Die verantwortlichen Regierungs-Abteilungen

in Deutschland, die viele Millionen Euro für die

deutsche Variante des Gender-Paradoxons verschwenden,

sollten sich die Dokumentation von

Harald Eia auf YouTube ansehen. Jeder vernünftige

Mensch kann erkennen, dass auch weitere

teure Maßnahmen und Versuche, Mädchen umzuerziehen,

scheitern werden – man braucht nur neueste

naturwissenschaftliche Erkenntnisse einzubeziehen,

zum Beispiel die aus der Hirnforschung

(siehe Artikel Seite 10, „Affenjungen spielen mit

Autos ...“).

Sehen Sie die norwegische Dokumentation „Gehirnwäsche“ mit

deutschen Untertiteln auf

http://www.youtube.com/watch?v=mguctw0i-rk

oder googeln Sie „Gehirnwäsche Harald Eia“.

Foto: © Wikipedia/Bjame Thunr

Für seine Reportage

„Gehirnwäsche“ erhielt

der Komiker und Soziologe

Harald Eia einen Preis

für hervorragende

journalistische Arbeit

12,5 % der

Norweger sahen

diese Sendung;

sie löste eine

kontroverse

Diskussion über

den Sinn der

Genderforschung

aus

Z für Zukunft

59


Politik

Gender – eine

totalitäre Bedrohung

Die Umsetzung der Gender-Ideologie zerstört die Seele

einer Gesellschaft – beabsichtigte Strategie?

Wolfgang Leisenberg

Foto: © Agentur PJI UG / Montage

Massen neigen dazu,

kopflos einer Ideologie

zu folgen

Das

Wissenschafts-

Establishment

hält eisern am

Naturbild des

17. Jh. fest,

obwohl dieses

modernen

Erkenntnissen

widerspricht

1. Denkmodelle von „Wirklichkeit“?

Was ist Wirklichkeit – und kann sich der Mensch

seine Wirklichkeit schaffen? Ein „richtiges“ Weltbild,

das der Natur und der Logik nicht widerspricht,

sollte helfen, auf diese Fragen eine Antwort

zu finden. Die Methode dazu hatten Galilei

und Bacon gefunden – mit der empirischen Wissenschaft

auf der Basis der Bibel. 1

Ihr Erfolg führte allerdings dazu, dass dieses

Naturbild zur naturalistischen Weltanschauung

mutierte: Die Idee, die sichtbare Wirklichkeit sei

eingebettet in eine unsichtbare, wurde verworfen.

Nun galt:

1. Der Ursprung der Welt ist materiell,

2. außerhalb der Raumzeit-Welt gibt es nichts,

3. dank der Wissenschaft ist alles durch innerweltliche

Faktoren erklärbar,

4. alle Ordnungen der Welt bis hin zu Leben und

Bewusstsein haben sich von selbst entwickelt.

Das naturalistische Weltbild

Das Wissenschafts-Establishment 2 hält eisern fest

an diesem Naturbild aus dem 17. Jahrhundert,

obwohl dieses der Logik sowie der Erkenntnis der

modernen Physik widerspricht; somit ist die Wissenschaft

wieder hinter Galilei zurückgefallen.

In diesem naturalistischen Weltbild

1. ist der Mensch ein Produkt des Zufalls und sein

Leben hat weder Sinn noch Ziel (Nihilismus),

2. sind Gedanken und Gefühle Begleiterscheinungen

elektrochemischer Prozesse (Materialismus),

3. ist sein Verhalten allein durch die soziale Umwelt

und Erziehung geprägt (Milieutheorie),

4. sind alle gesellschaftlichen Institutionen menschengemacht

(Konstruktivismus),

5. ist der Mensch das Maß aller Dinge und Herr

seiner moralischen Maßstäbe (Humanismus).

60

Z für Zukunft


Politik

Simone de Beauvoir übertrug den Gedanken

des sozialen Konstruktivismus auf die Biologie:

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur

Frau gemacht.“ Das biologische Geschlecht (Sex)

ist nun für das eigentliche, das soziale Geschlecht

(Gender) unmaßgeblich. Da das im Widerspruch

steht zu allen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen,

„dekonstruiert“ die Feministin Donna

Haraway 3 die empirische Wissenschaft zur puren

Ideologie.

Im postmodernen Weltbild gibt es keine Wirklichkeit

per se. Sie wird durch Kultur und, nach

Judith Butler, durch Sprache erst geschaffen.

Jane Flax bringt es auf den Punkt: „Die postmodernen

Denker möchten alle essentiellen Auffassungen

des Menschen oder der Natur zerstören.

(…) Tatsächlich ist der Mensch ein gesellschaftliches,

geschichtliches oder sprachliches Artefakt.“

4 Das Kennzeichen der Postmoderne ist ein

Realitätsverlust.

2. Strategien für eine

bessere Welt von Rousseau bis Butler

Mit Wissenschaft und Technik schienen sich

ungeahnte Möglichkeiten zu eröffnen zur Schaffung

einer besseren Welt mit besseren Menschen.

Auf dem „dialektischen Materialismus“ bauten

Marx und Engels ihre Vision von einem Reich der

„Freien und Gleichen“ auf; diese neue Hoffnung

sollte das Sinn-Vakuum füllen, das das naturalistische

Weltbild produziert hatte.

Aber der „real existierende Sozialismus“

zeigte, dass die neue Gesellschaftsstruktur den

Menschen nicht besser machte; das Problem lag

offenbar tiefer.

Was genau war nun diese destruktive Kraft,

die den Menschen von innen heraus steuerte?

Sigmund Freud suchte sie im „Unbewussten“,

genauer: in der Unterdrückung der Sexualität.

Der Apostel Paulus hatte die eigentliche Macht

schon weit früher beschrieben, 5 aber für den

Materialisten Freud war die Kraft der Sünde kein

Thema. „Freud reduzierte damit Menschen auf

ein rein biologisches Niveau: Auch der Bereich

des Unbewussten funktioniere ausschließlich

nach dem ‚Lustprinzip‘.“ 6

Foto: © Agentur PJI UG / Montage

Liegt die Kraft einer Gesellschaft

in der Sexualität?

Dies griff der Neo-Marxismus gerne auf, da nun

das Friedensreich auf Erden doch noch realisierbar

schien. Im sozialistischen Denken ist die

Sexualität „das einzige Ziel und die entscheidende

Kraft, welche die menschliche Gesellschaft

entwickelt.“ 7

So war auch die „sexuelle Befreiung“ die

treibende Kraft der 68er-Kulturrevolution. Ihre

Anhänger in Politik und Medien beseitigen heute

systematisch die von Foucault definierten Verhinderer

„freier Sexualität“: 8

1. die Kopplung der Frau an Fruchtbarkeit, Familie

und das Kind,

2. die soziale Aufwertung der Modelle Ehe und

Familie,

3. die repressive Erziehung des kindlichen Sexes,

4. die Psychiatrisierung der perversen und unnatürlichen

Formen der Lust.

Dreht man diese vier Vorgaben um, erhält man

eine frappierende Beschreibung der heute in die

Bildungspläne eingespeisten ‚Sexualpädagogik

der Vielfalt‘: 9

• die Entkopplung der Sexualität der Frau von

Fruchtbarkeit, Familie und Kind,

• die „Entnaturalisierung“ der Kernfamilie, der

Heterosexualität und der Generativität, 10

• die Förderung kindlicher und jugendlicher

Sexualität in allen ihren Varianten. 11

Foto: © Wikipedia

Von Rousseau

bis Butler

Simone de Beauvoir

übertrug den Gedanken des

sozialen Konstruktivismus

auf die Biologie

Z für Zukunft

61


Politik

Gender - die Fortsetzung der

Ideologie der beiden Vordenker

Marx und Engels?

Foto: © philosophers-for-change.org

Die letzten

vierzig Jahre

zeigen, wie eine

„sexuelle

Revolution“ die

Einstellung zu Ehe,

Familie und

nachhaltig

verändern kann

Marxistischer Nährboden

Für Marx und Engels lag die Ur-Unterdrückung

in der Macht des Mannes über die Frau in der

Ehe, also letztlich in der Verschiedenheit der

Geschlechter. Wenn diese aber nur soziale Konstrukte

sind, so können sie auch de-konstruiert

werden; damit wäre der Ur-Unterdrückung die

Basis entzogen. – Diese Sicht führte zum marxistischen

Feminismus, für den die Befreiung der

Frau in der Dekonstruktion der Geschlechter liegt

und in der „reproduktiven Selbstbestimmung“

(Recht auf Abtreibung).

3. Umsetzung von

Gender-Mainstreaming (GM)

Im Juni 1999 machte die Bundesregierung das GM-

Konzept zur Querschnittsaufgabe der Gleichstellungspolitik

12 – ohne jede parlamentarische Legitimierung

und ohne die Bevölkerung aufzuklären

über die Ziele und Methoden von GM (Kasten 1). Da

die Eltern auf die Werte ihrer Kinder den weitaus

größten Einfluss haben, ist es für GM zwingend notwendig,

die Weitergabe „falscher“ Werte zu unterbinden

und die Erziehung in staatliche Hände zu

legen. Die wichtigsten Maßnahmen dazu sind:

• (24-Stunden-)Kitas, Ganztags-Kindergarten und

-Schule,

• Gesetze zur stetigen Verminderung des Einflusses

der Eltern in der Erziehung,

• Abwertung und versorgungsrechtliche Schlechterstellung

der „Nur-Hausfrau“,

• „Denaturalisierung“ der Kernfamilie als eine

von vielen möglichen Lebensformen,

• Einführung der „Sexualpädagogik der Vielfalt“

ab der Kita, „Verwirrung“ und „Veruneindeutigung“

der Geschlechtsidentität von Jugendlichen,

13

• Eliminierung der christlichen Ausrichtung des

Erziehungsauftrags aus den Schulgesetzen.

In der Identität verunsichert

Den Weg für den letzten Punkt frei gemacht hat

das BVG gerade mit dem „Kopftuch-Urteil“. 14

Von rot-grün-regierten Ländern wird dies dankbar

aufgegriffen und in die Schulgesetze eingebracht.

15

Die vergangenen vierzig Jahre zeigen eindrücklich,

wie durch eine „sexuelle Revolution“

die Einstellung zu Ehe, Familie und Sexualität

nachhaltig verändert werden kann. Auch die Verunsicherungs-Pädagogik

wirkt: So hat sich in den

USA die Zahl der Jugendlichen, die in ihrer sexuellen

Identität verunsichert sind, in den letzten

acht Jahren verfünffacht. 16

4. Wunsch und Wirklichkeit –

die „Nebenwirkungen“ von Gender

Das hochgesteckte Ziel von GM ist „nicht weniger,

als den neuen Menschen schaffen, und

zwar durch die Zerstörung der ‚traditionellen‘

Geschlechterrollen.“ 17 Aus dieser „tabula rasa“

würde dann, so die Vision des Gender-Mainstreamings,

der neue Mensch auferstehen wie Phönix

aus der Asche: „Wir werden eine Kultur schaffen

von nie da gewesener Kreativität bezüglich persönlicher

Entwicklungsmöglichkeiten. Aus der

Apartheid der Geschlechter entsteht die Freiheit

der Gender.“ 18

Ignoranz entwicklungsrelevanter Fakten

Das irreale GM-Menschenbild ignoriert bewusst

die Bedingungen für die Entwicklung der Persönlichkeit

und setzt exakt das Gegenteil dessen um,

was Kinder und Jugendliche brauchen, um ihre

Identität zu entwickeln:

62

Z für Zukunft


Politik

• Die frühe Trennung von der Mutter verhindert

die Bildung von Vertrauen und Identität. 19

• Die kollektive Kleinkind-Betreuung verhindert

sichere Bindung und führt zu Traumata. 20

• Unsicherheit in der Bindung hemmt die Entwicklung

des Gehirns. 21

• Trennung von den Eltern und Sozialisierung

unter Gleichaltrigen führen zum Kulturabriss. 22

• Sexualisierung und Pornografie steigert die

Bindungs- und Eheunfähigkeit. 23

• Mit der Umsetzung von GM entsteht gerade

nicht der emanzipierte Mensch, sondern ein

in seinem Selbst zerstörter, ein traumatisierter,

depressiver bzw. aggressiver, angstgestörter,

(sex-)abhängiger und bindungsunfähiger

Mensch.

Zerstörung einer ganzen Gesellschaft

GM zerstört jedoch nicht nur die einzelne Persönlichkeit,

sondern auch die Zukunftsfähigkeit

einer ganzen Gesellschaft. Die Folgen hat Konrad

Lorenz schon 1982 drastisch formuliert: „Es muss

übelste Auswirkungen haben, wenn eine weltumfassende

Ideologie samt der sich daraus ergebenden

Politik auf einer Lüge begründet ist.“ 24

Denn insbesondere die nachhaltige Auflösung

der Kernfamilie hat fatale Folgen für ein Volk:

Eine umfangreiche Studie an 80 primitiven und

16 zivilisierten Kulturen über 5000 Jahre zeigt,

dass in allen Fällen der Zusammenbruch des Volkes

ein Resultat des Zusammenbruchs der Familieneinheiten

war. Dem ging ebenso regelmäßig

eine Phase sexueller Freizügigkeit voraus. 25

5. Hintergründe

Es ist kaum denkbar, dass nur eine Handvoll Genderfeministinnen

die UNO und die EU dominieren

könnten mit einer so absurden Ideologie,

wenn dahinter nicht mächtige Interessengruppen

stünden. Könnte es sein, dass diese Gruppen

gerade an den Nebenwirkungen des GM interessiert

sind?

Das Ziel des UNO-Establishments lässt dies

vermuten (Kasten 2): sexualisierte Menschen ohne

Nachkommen, die nur noch in ihrem Hamsterrad

laufen und sich wie Nietzsches „letzter Mensch“

begnügen mit „einem Lüstchen

für den Tag und einem

für die Nacht“; um alles

andere kümmert sich ein

allversorgender „Nanny-

Staat“, eine Pseudo-Demokratie

mit totalitärer Gesinnungskontrolle.

Diese „Kultur“ ist der

totale Gegenentwurf einer

christlich-bürgerlichen Kultur.

Wir erleben derzeit den

gewaltigsten, aber kaum

wahrgenommenen Angriff

auf die freiheitliche Kultur des Westens. Entchristlichung

entzieht Wiederstandskraft

All diese Entwicklungen sind Symptome der

Entchristlichung des Westens: In den USA schwinden

christliche Werte rasant, 26 die EU hat sich zu

den ihren nie bekannt. Dieser Prozess wird nun,

besonders mit dem Urteil zur „Homo-Ehe“ in den

USA und dem „Kopftuch-Urteil“ in Deutschland,

durch die höchsten Gerichte de facto irreversibel.

Es ist nicht zu fassen: Eine Handvoll Verfassungsrichter

hat „die bislang christliche Ausrichtung

des Erziehungsauftrags … vom Tisch gefegt“ 27 .

Wenn dies der letzte Akt des „großen Abfalls“

des Abendlandes von seinen christlichen Wurzeln

sein soll, dann erklärt sich auch, warum die meisten

Bürger sowie die politische und mediale Elite

offenbar blind sind für die Tragweite dieser Entwicklung:

„Weil sie die Wahrheit nicht angenommen

haben, dass sie gerettet würden, hat Gott sie

dem Irrwahn überlassen,

sodass sie der Lüge glauben.“

28

Noch wäre Zeit für Christen,

aufzuwachen, im Gebet

etwas zu bewegen und aus

un-informierten Bürgern

Betroffene zu machen! Die

Lage ist ernst, aber nicht

hoffnungslos: Gott bleibt

Herr der Geschichte.

Bild: © Mittelalterliche Darstellung

Foto: © Screenshot, Qlar, Faszination Museum

Den neuen

Gender-Menschen

erstehen lassen

wie Phönix aus

der Asche

Wie im Hamsterrad:

Menschen ohne Nachkommen,

die sich begnügen mit „einem

Lüstchen für den Tag und

einem für die Nacht“

Z für Zukunft

63


Politik

UN-Weltfrauenkonferenz

in Nairobi: Ob diese

Frauen verstanden,

worum es ging?

Foto: © UNO/Milton Grant

Zeittafel der wichtigsten Stationen zur

Implementierung von GM 29

1985 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi: GM

wird als politische Strategie vorgestellt.

1995 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking: Der

Begriff „Gender-Mainstreaming“ wird zum

Leitprinzip der UNO erkoren.

1999 Verankerung von GM in den beschäftigungspolitischen

Leitlinien der EU

1999 Im „Amsterdamer“ EG-Vertrag verpflichten

sich die Mitgliedsstaaten zu einer aktiven

Gleichstellungspolitik.

1999 In Deutschland wird GM durch Kabinettsbeschluss

„zum Leitprinzip und zur Querschnittsaufgabe

der Politik“ erklärt.

2003 Eröffnung des „Gender-KompetenzZentrums“

an der Humboldt-Universität in Berlin

Lesen Sie eine Zusammenfassung der Ziele der

Gender-Agenda im Artikel „Weniger Menschen,

dafür mehr Sex“, Seite 14.

1 Vishal Mangalwadi, Das Buch der Mitte, 2014, S. 307 ff.

2 Richard Lewontin, New York Review of Books, Jan. 9, 1997.

3 Christian Fuchs: Der Feminismus Donna Haraways,

http://fuchs.uti.at/.

4 Jane Flax, Feminism and Postmodernism in the Contemporary West.

Berkeley 1990, S. 32 ff.

5 Brief an die Römer 7,15 ff.

6 Igor R. Schafarewitsch, Der Todestrieb in der Geschichte, 1980, S. 281.

7 Ebd., S. 279.

8 Michel Foucault, Der gesellschaftliche Triumph des sexuellen Lust,

2005, S. 170.

9 Nikolaus Franke, Sexuelle Vielfalt im Unterricht?, Weißes Kreuz e.V.

2015, S. 9.

10 Uwe Sielert, Forum Sexualaufklärung und Familienplanung, BZgA,

4/2002.

11 Gabriele Kuby: Die globale sexuelle Revolution, 2012, S. 293 ff.

12 Rb 151, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und

Jugend, Bonn, Juni 1999.

13 Gabriele Kuby, ebd., S. 193 ff.

14 Das Bundesverfassungsgericht erklärte am 27.01.2015 ein pauschales

Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig

(Az. 1 BvR 471/10 und 1 BvR 1181/19).

15 Gesetzentwurf Landtag von Baden-Württemberg,

Drucksache 15/7061 vom 24.06.2015.

16 Gary Remafedi u. a. (Hg.): Pediatrics, Vol. 89, No. 4, 1992, S. 714–721.

17 Volker Zastrow: Gender – Politische Geschlechtsumwandlung, 2010,

S. 19.

18 Martine Rothblatt: The Apartheid of Sex, 1995, S. 21.

19 Karl Heinz Brisch, Psychologie heute, Mai 2014.

20 Deutsche Psychoanalytische Vereinigung, Berlin, Dezember 2007.

21 Christa Meves: Geheimnis Gehirn, 2008, S. 112 ff.

22 Gordon Neufeld, Gabor Maté: Kinder brauchen uns!, S. 93 ff.

23 Hanne K. Götze: Kinder brauchen Mütter, 2011, S. 111 ff.

24 Konrad Lorenz, ebd, S. 96.

25 John D. Unwin, Sex and Culture, Oxford 1934, S. 411 ff.

26 Uwe Siemon-Netto, IdeaSpektrum 26/2015.

27 Rudolf Lambrecht: Kopftuch, FAS 12/2015.

28 2. Brief an die Thessalonicher 2,9–12.

29 Auszug aus Gabriele Kuby, ebd., S. 151–152.

Fußnoten zu „Das Spiel mit dem roten Würfel“

Fortsetzung von Seite 57

1 Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren

Baden-Württemberg, 10/14.

2 Der Konstruktivist geht davon aus, dass das Gehirn bei der Wahrnehmung

der Außenwelt diese nicht so erkennt, wie sie wirklich ist; vielmehr

konstruiert das Gehirn diese Wahrnehmung. Es interessiert den

Konstruktivisten daher weniger, was „wahr“ ist, da sich das objektiv

nicht feststellen lässt, sondern eher, was sich als nützlich bzw. viabel

erweist. – http://lexikon.stangl.eu/194/konstruktivismus/.

3 Doris Bischof-Köhler, LMU München, Zeit-Magazin 6. Juni 2013.

4 Cord Riechelmann, Und sie existiert doch! FAS 43/14.

5 Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, ebd.

6 Christian Fuchs: Der Feminismus Donna Haraways, http://fuchs.uti.at/

wpcontent/uploads/infogestechn/haraway.htmlw.

7 Nils Bohr, zitiert in: Ernst Peter Fischer: Sowohl als auch, 1987, S. 57.

8 Carl Friedrich von Weizsäcker: Bewußtseinswandel, 1988, S. 419.

9 Christian Fuchs, ebd.

10 Christian Fuchs, ebd.

11 Donna Haraway, 1995, S. 83–84.

12 Konrad Lorenz: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit,

1982, S. 96.

13 Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung, 1987, S. 382.

14 Der Brief des Apostel Paulus an die Römer, Kapitel 7.

15 Jan Fleischhauer: Unter Linken, 2010, S. 90.

16 Horst Eberhard Richter: Wer nicht leiden will, muss hassen, 1993, S. 27.

17 C. G. Jung: Briefe II, S. 512.

18 Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität, 1981,

S. 253.

19 Erich Fromm: Haben oder Sein, 1980, S. 123.

20 Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, 1973, S. 24.

21 Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz, 1966.

22 Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, 1973, S. 122.

23 Charles Fourier 1938, dt. 1966, S. 387.

24 Erich Fromm: ebd., S. 29.

25 Erich Fromm: ebd., S. 164.

26 Der 1. Brief des Paulus an die Korinther 13,4–8.

64

Z für Zukunft


Politik

Der entmenschlichte

„Neu-Mensch“

Gender-Mainstreaming, der letzte Versuch des Sozialismus, die Illusion vom „neuen Menschen“

aufrechtzuerhalten? Schlage auch dieser fehl, „sind wir verloren“, so B. F. Skinner

Wolfgang Leisenberg

Foto: © Wikipedia/Ngchinfung Hong Kong

Um den „Neu-Menschen“ zu schaffen,

muss die Gender-Erziehung radikal

mit der bürgerlichen Prägung brechen.

Wie der „Kinderwertemonitor“

der UNICEF herausfand, sagten

98 % der befragten Kinder, die Eltern vermittelten

ihnen ihre Werte am besten. 1

So erscheint notwendig, das Kind möglichst

früh und möglichst vollständig von seinen Eltern

zu trennen. Also werden Kita, Kindergarten und

Ganztagsschule systematisch ausgebaut.

Um auch Restbestände bürgerlicher Werte

zu beseitigen, werden Kinder in ihrer Identität

bewusst verunsichert. So möchten die Autoren

des Standardwerkes „Sexualpädagogik der Vielfalt“,

Elisabeth Tuider und ihre Mitstreiter, „als

Methode ausdrücklich die ‚Verwirrung‘ und die

‚Veruneindeutigung‘ angewendet wissen.“ 2 Die

höchste Stufe der Verwirrung ist ja schon im Volksmund

dann erreicht, wenn der Mensch „nicht mehr

weiß, ob er Männlein oder Weiblein ist“.

Um sicherzustellen, dass es keinen „Rückfall“

in bürgerliche Werte gibt, geschieht die Sozialisierung

durch Gleichaltrige in der Ganztagsschule:

„Dies führt zu einem Verlust der vertikalen

Kulturvermittlung.“ 3

Auf Bindung angewiesen

wie auf Luft zum Atmen

Aber anders als Judith Butler und die Gender-

FeministInnen das erwarten, entsteht auf dieser

Tabula rasa der Verunsicherung gerade nicht die

neue, emanzipierte Persönlichkeit mit selbstgewählter

Identität. Denn auch die Entwicklung

eines Kindes hat naturbedingte Voraussetzungen,

die sich nicht dekonstruieren lassen: Soll

das Kind Identität, Selbstwertgefühl, Beziehungsund

Lernfähigkeit entwickeln und zu einer stabilen

Persönlichkeit werden, dann braucht es Liebe,

Geborgenheit und emotionale Nähe zur Mutter –

kurz: eine sichere Bindung, wie Christa Meves 4 es

seit Jahrzehnten fordert und wie es heute die Bindungsforschung

eindeutig belegt.

„Bindung ist emotionale Nahrung, die uns am

Leben hält. Sie ist gleichberechtigt mit lebenswichtigen

Bedürfnissen wie Hunger, Durst, Schlaf,

Foto: © sudburybeach.wordpress.com

Um den

„Neu-Menschen“

zu kreieren, sei das

Kind möglichst früh

und vollständig von

seinen Eltern zu

trennen. Um Restbestände

bürgerlicher

Werte zu

beseitigen, werden

Kinder in ihrer

Identität bewusst

verunsichert

B. F. Skinner,

US-amerikanischer Psychol

oge und der prominenteste

Vertreter

des Behaviorismus

Z für Zukunft

65


Politik

Foto: © Screen-Shots, Spiegel-TV-Reportage von Thilo Thielke

Luft oder Bewegung. Wenn kleine

Kinder keine Bindung haben,

gedeihen sie nicht, weil sie es

nicht aushalten, dass niemand

mit ihnen in Kontakt ist. Wenn

das weitergeht, entwickeln sie

sich motorisch ganz zurück und

sterben.“ 5 Das ist vielfach empirisch

belegt, besonders eindrücklich

durch ein Großexperiment in

Rumänien unter Ceaucescu. 6

Für die Bildung von Identität,

Selbstwertgefühl, Lernfähigkeit

und Beziehungsfähigkeit gibt es

Zeitfenster, in denen eine sichere

emotionale Bindung an die Mutter

unerlässlich ist: „Gerade

diese frühe Phase muss daher

dazu genutzt werden, die hirnbiologische

Basis für spätere Lernleistungen

und sozio-emotionale

Kompetenz zu bilden. Frühkindliche

emotional gesteuerte Lernprozesse,

wie die Entstehung der

Kind-Eltern-Beziehung, sind von

grundlegender Bedeutung für

die Ausbildung normaler sozialer,

emotionaler und intellektueller

Fähigkeiten.“ 7

Die Folge:

Unumkehrbare Schäden

Werden die biologisch vorgegebenen

Bedingungen durch die Gender-Ideologie

ignoriert, werden

Kinder schon früh einer kollektiven

Aufbewahrung von Kleinkindern

ohne sichere Bindung ausgesetzt,

und kommt dann noch

eine zusätzliche Verunsicherung

Wenn kleine Kinder keine Bindung haben,

gedeihen sie nicht, weil sie es nicht aushalten,

dass niemand mit ihnen in Kontakt ist.

Ceaucescus Waisenkinder belegen das aufs

Schaurigste. Die Bilder sind Screen-Shots aus

einer Spiegel-TV-Reportage von Thilo Thielke.

www.youtube.com/watch?v=46p-uoXbutI

in den Phasen der Persönlichkeitsbildung

hinzu, muss das zwangsläufig zu

irreversiblen Schäden führen.

Diese sind heute in den Gender-Vorreiterländern

zu besichtigen: In Schweden

haben bei jungen Mädchen in den

letzten 20 Jahren die Depressionen um

1000 %, die Angststörungen um 250 %

zugenommen. Junge Schwedinnen nehmen

in der Suizidrate eine Spitzenstellung

in Europa ein; 8 jedes dritte Kind

leidet an psychischen Störungen: „Wir

sprechen hier von kleinen Kindern im

Alter von vier Jahren! Und jedes Jahr

begehen ca. 100 Kinder (4–6 Jahre)

Selbstmord. In Finnland mit einem Anteil

von 97 % unter-dreijähriger Kita-Kinder

zeigen fast 40 % der 24-jährigen Frauen

depressive Symptome. In den vergangenen

Jahren haben sich die Tötungsdelikte

unter den 18- bis 20-jährigen Männern

mehr als verdoppelt.“ 9

Traumatisierte Zukunftslosigkeit

Schon vor über zehn Jahren hat Christa

Meves das Buch „Verführt. Manipuliert.

Pervertiert.“ geschrieben; heute müsste

man den Titel erweitern durch die

Begriffe „Traumatisiert. Sexualisiert.“ 10

Es ist schlicht absurd zu glauben, traumatisierte

und sexualisierte junge Menschen,

die in den prägenden Phasen

ihrer Persönlichkeitsentwicklung systematisch

verunsichert werden, wären

imstande, später eine freie und stabile

Identität aufzubauen. Das Ergebnis sind

vielmehr verunsicherte, bindungsunfähige

Menschen ohne persönliche, kulturelle,

religiöse und nationale Identität.

Von „primitiven“ Völkern lernen

Aber die gesellschaftlichen Folgen der

Gender-Ideologie gehen viel weiter:

Sie zerstört die kulturellen Grundlagen

einer Gesellschaft durch die Auflösung

der klassischen Familie.

66

Z für Zukunft


Politik

Konrad Lorenz warnt: „Eine Kultur lässt sich auslöschen

wie eine Kerzenflamme.“ 13 Unsere demographische

Katastrophe zeigt schon jetzt, dass die westliche

Gesellschaft ihren Bestand nur noch parasitär

halten kann, also durch Migranten, die aus Ländern

mit „rückständigen“ Formen von Familie kommen.

Auch diese Entwicklung hat ihre Wurzel in dem verfehlten

materialistischen Menschenbild.

Der wohl schärfste Analytiker des Sozialismus,

Lenin-Preisträger Igor R. Schafarewisch,

schrieb: „Beziehungen stellen für Tiere den ‚Sinn

des Lebens‘ dar: Wenn sie auseinanderbrechen,

wird das Tier apathisch, verweigert die Nahrung

und wird zu einer leichten Beute für Raubtiere.

Dies trifft in unvergleichlich höherem Maße auf

Menschen zu. … Deshalb würde die konsequente

Verwirklichung der Prinzipien des Sozialismus,

welche der menschlichen Individualität ihre Rolle

entzieht, gleichzeitig auch dem Leben seinen Sinn

und seine Attraktivität entziehen und würde zu

einem Aussterben der Bevölkerungsgruppe führen.“

14 Mittlerweile sind wir dabei, wie es Meinhard

Miegel einmal sagte, „uns biologisch und

geistig abzuschaffen“. Ohne letzten Sinn stirbt ein

Volk: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“ 15

Cui bono? Wem nützt es?

Was bewirkt der Kultur- und Traditionsabriss in

einer Gesellschaft? Es ist exakt das, was Alexis de

Tocqueville schon 1835 als die größte Gefahr der

modernen Demokratie vorausgesehen hat: dass die

Egalisierung der Lebensumstände eine „atomisierte

Gesellschaft“ hervorbringen würde, eine Ansammlung

eingekapselter Monaden (unendlich vielen,

einheitlichen Entitäten), die nur noch um ihre eigenen

elementarsten Lebensbedürfnisse kreisen.

Sie sind „Selbst-los“ im wahrsten Sinne des

Wortes, ohne Persönlichkeit und damit grenzenlos

manipulierbar, wie Viktor Frankl zeigte: „Im Gegensatz

zum Tier sagen dem Menschen keine Instinkte,

was er tun muss. Heute sagen dem Menschen auch

keine Traditionen mehr, was er soll. Weder wissend,

was er muss, noch, was er soll, scheint er nicht mehr

recht zu wissen, was er will. So will er nun das, was

die anderen tun – Konformismus –, oder das, was die

anderen von ihm wollen – Totalitarismus.“ 16

Damit wird unter dem Mantel der Demokratie

einer Gesinnungsdiktatur Tür und Tor geöffnet,

wie wir sie schon heute in Ansätzen als „political

correctness“ erleben. C. S. Lewis sah die Folgen

einer Ideologie voraus, die dem Menschen die

totale „Selbstverwirklichung“ verspricht: „Die

Macht des Menschen, aus sich zu machen, was

ihm beliebt, bedeutet die Macht einiger Weniger,

aus anderen zu machen, was ihnen beliebt.“ 17

Volle Kraft voraus – gegen die Wand

Zielstrebig wird dieses Programm zur Zerstörung

von Persönlichkeiten und Kulturen durchgezogen,

gegen jeden gesunden Hausverstand und allen

wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Trotz, topdown

von UNO über EU und Länderregierungen

von der Exekutive als „hidden agenda“, vorbei an

der Bevölkerung und den Parlamenten. Das legt

nahe, dahinter eine Strategie zu vermuten.

Könnte es also sein, dass die Drahtzieher dieser

Entwicklung viel klüger sind als die wirklichkeitsblinden

Gender-Ideologen? Dass sie sie gewähren

lassen, weil sie an den „Nebenwirkungen“ vom

Gender-Mainstreaming interessiert sind? An dem

idealen Untertanen, der in seinem Hamsterrad

läuft, Gewinn erwirtschaftet, Kinder zeugt, um sie

sofort abzugeben, und sich ansonsten nur noch um

sich selbst dreht?

Der tiefere Grund unserer Misere

Das materialistische Weltbild war in seiner technischen

Anwendung ungeheuer erfolgreich, und

die Moderne brachte Millionen von Menschen

unvorstellbaren Wohlstand. Aber die Übertragung

des im technischen Bereich so erfolgreichen

Materialismus auf die Gesellschaft hatte dramatische

Konsequenzen.

Da sich die Aufklärung die Emanzipation des

Menschen von Gott auf die Fahnen geschrieben

hatte, ist das eigentliche Problem des modernen

Menschen sein spirituelles Vakuum. So war

das Resümee des Psychotherapeuten C. G. Jung:

„Unter all meinen Patienten jenseits der 35 ist

nicht ein einziger, dessen endgültiges Problem

nicht das der religiösen Einstellung wäre.“

Foto: © Wikipedia/Viktor-Frankl-Archiv

Viktor Frankl: „Im

Gegensatz zum Tier sagen

dem Menschen keine

Instinkte, was er tun muss.

Weder wissend, was er

muss, noch, was er soll,

scheint er nicht mehr

recht zu wissen, was er

will. So will er nun das,

was die anderen tun –

Konformismus –, oder das,

was die anderen von ihm

wollen – Totalitarismus.“

Z für Zukunft

67


Politik

Foto: © Wikipedia

Der Agnostiker

C. G. Jung: Wird die

christliche Überlieferung

über Bord geworfen,

ist das ein ungeheurer

Verlust, für den wir einen

schrecklichen Preis zu

zahlen haben werden

Ideologie neo-religiös

So beobachten wir in unserer säkularen Gesellschaft

eine religiöse Aufladung von politischen

Programmen und Ideologien. Religion muss ja

nichts mit Gott zu tun haben. Deshalb bezeichnete

Raymond Aron den Kommunismus „als

Opium für Intellektuelle“ und attestierte diesen

„die Sucht nach Weltanschauung“.

Auch der Naturschutz entwickelte sich zu einer

Ökoreligion, dem neuen Glauben der gebildeten

Mittelschicht, „in dem man Technikfeindlichkeit,

Antikapitalismus und Aktionismus unterbringen

kann: Diejenigen, die es entrüstet als Zumutung von

sich weisen, Gott-Vater anzubeten, huldigen ganz

selbstverständlich einem Kult der Mutter Erde.“ 18

Verlust aller Orientierung

Aber in all dem sieht C. G. Jung, obwohl selbst

Agnostiker, keinen tragfähigen Ersatz für den

christlichen Glauben: „Da dem, der nicht glauben

kann, sondern verstehen möchte, nur Zweifel

und Skepsis bleiben, wird die ganze christliche

Überlieferung als bloße Phantasie über Bord

geworfen. Darin sehe ich einen ungeheuren Verlust,

für den wir einen schrecklichen Preis zu zahlen

haben werden. Die Wirkung zeigt sich in der

Auflösung ethischer Werte und in einer totalen

Desorientierung unserer ‚Weltanschauung‘. Die

‚Wahrheit‘ der Naturwissenschaft und ‚Existentialphilosophie‘

ist ein schwacher Ersatz.“ 19

Mittlerweile nehmen die Ersatzreligionen

immer irrationalere Züge an. Uns umgibt heute

eine weltanschauliche Verwirrung und Dunkelheit,

gegen die das Mittelalter als ein Zeitalter des Lichts

erscheint. „Obwohl sie von Gott wussten, … sind

sie dem Nichtigen verfallen in ihren Gedanken, ihr

unverständiges Herz ist verfinstert. Da sie sich für

Weise hielten, sind sie zu Narren geworden.“ 20

So wendet sich C. G. Jung ausdrücklich „an

jene vielen, für die (…) Gott tot ist,“ 21 um ihnen

die Folgen klarzumachen: „In einer Zeit, wo ein

großer Teil der Menschheit anfängt, das Christentum

wegzulegen, lohnt es sich wohl, klar einzusehen,

wozu man es eigentlich angenommen hat.

Man hat es angenommen, um der Rohheit und

Unbewusstheit der Antike zu entkommen. Legen

wir es weg, so steht schon wieder die ursprüngliche

Rohheit da, von der uns ja die zeitgenössische

Geschichte einen nicht mehr zu überbietenden

Eindruck gegeben hat.“ 22

Frei vom Paradies

Mit der Gender-Ideologie als dem totalen Gegenentwurf

zu einer christlich-bürgerlichen Gesellschaft

erleben wir gerade den massivsten Versuch,

unsere Gesellschaft zu säkularisieren. Was

das mit uns tut, hat der damalige Professor Josef

Ratzinger und spätere Papst Benedikt XVI. deutlich

beschrieben: „Der Kern der Versuchung ist

schon auf den ersten Seiten der Bibel beschrieben:

Ihr werdet sein wie Gott, frei von den Gesetzen

des Schöpfers, frei von den Gesetzen der

Natur, absolute Herren des eigenen Schicksals.

Aber was euch am Ende eines solchen Weges

erwartet, ist gewiss nicht das Paradies.“ 23

1 WZ vom 18. September 2014.

2 Antje Schmelcher: Unter dem Deckmantel der Vielfalt, FASZ vom 12.

Oktober 2014.

3 Gordon Neufeld, Gabore Maté: Unsere Kinder brauchen uns, 2007,

S. 93 ff.

4 Christa Meves: Geheimnis Gehirn, 2008.

5 Karl Heinz Brisch: Psychologie heute, Mai 2014.

6 Beilage zu Christa Meves: Geheimnis Gehirn, 2008.

7 Bock, J.; Helmeke, C.; Ovtscharoff, W.; Gruß, M.; Braun, K.: Leibniz:

Frühkindliche emotionale Erfahrungen beeinflussen die funktionelle

Entwicklung des Gehirns. 15 Neuroforum 2/03.

8 Christian Sörbis Ekström in: Hubert Gindert, Der Fels, 11/2013.

9 Erja Rusanen, Helsinki in: Hubert Gindert, Der Fels, 11/2013.

10 Christa Meves, Verführt. Manipuliert. Pervertiert. 2005.

13 Konrad Lorenz: Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit,

1982, S. 77.83.

14 Igor R. Schafarewitsch: Der Todestrieb in der Geschichte, 1980, S. 327.

15 Jesaja 7,9.

16 Viktor Frankl: Das Leiden am sinnlosen Leben, 1991, S. 13.

17 Quelle nicht bekannt.

18 Norbert Bolz: Das Wissen der Religionen, 2008, S. 45.

19 C. G. Jung: Briefe II, 437.

20 Römerbrief 1,21–22.

21 C. G. Jung: Grundwerk 4, S. 92.

22 C. G. Jung: Grundwerk 8, S. 76.

23 Josef Ratzinger vor Studenten in Tübingen, 1982.

68

Z für Zukunft


Politik

Warum DEMO für ALLE?

Ein Interview mit der Initiatorin Hedwig von Beverfoerde über die Entwicklung einer

Bewegung, die sich gegen die Gender-Agenda aufgestellt hat

Foto: © Agentur PJI UG

Z: Warum diese Demos?

HvB: Für unsere Forderungen gegen die Gender-Agenda

sind wir mit über 4 500 Menschen als

DEMO für ALLE am 28. Februar 2016 in Stuttgart

wieder auf die Straße gegangen. Zum siebten Mal

in Baden-Württemberg.

Dabei treffen sich ganz normale Bürger – Mütter,

Väter, Familien mit Kindern, Rentner und

Jugendliche –, um friedlich und selbstbewusst

für das zu demonstrieren, was noch bis vor Kurzem

die selbstverständliche Grundlage unseres

Zusammenlebens war: die Ehe zwischen einem

Mann und einer Frau und die daraus erwachsende

Familie mit Kindern, die von ihren Eltern

erzogen, religiös und weltanschaulich geprägt

und vor schlechten Einflüssen geschützt werden.

Leider ist nichts davon mehr selbstverständlich:

Nach jahrzehntelanger schleichender Entwertung

von Ehe und Familie versucht jetzt eine Phalanx

von grün-rosa-roten Ideologen und schwul-lesbischen

Lobbygruppen, diese Institutionen zu kapern

und alle Gesellschaftsbereiche ihrem „Gender und

Sexuelle Vielfalt“-Diktat zu unterwerfen.

Endlich bricht etwas auf, die schweigende

Mehrheit beginnt, aufzustehen. Das ist neu und

macht Hoffnung.

Z: Wie ist es zu dieser Aktion gekommen, die inzwischen

ja zu einer Bewegung angewachsen ist?

HvB: Angesichts einer Politik, die Familien systematisch

finanziell ausbeutet, und einer Familienpolitik,

die Eltern entmündigte und Kinder in

Krippen drängte, begannen vor etwa zehn Jahren

die Kinderärztin Maria Steuer und ich, bundesweit

Eltern zu sammeln und politische Aktionen

zu organisieren.

Als „Familiennetzwerk“ forderten wir die Achtung

der Mutter-Kind-Bindung und organisierten

u. a. breiten Widerstand gegen die Krippenoffensive

der Familienministerin Ursula v. d. Leyen.

Die CSU nahm 2007 unseren Protest auf und

stellte regierungsintern die Bedingung eines

Betreuungsgeldes für Selbsterziehende ab 2013.

Um familienpolitische Basis-Aktionen effizienter

und professioneller durchführen zu können,

gründete ich 2008 gemeinsam mit Beatrix

Herzogin Oldenburg (heute v. Storch) unter dem

Foto: © Demo für alle

Hedwig von

Beverfoerde –

über Jahrzehnte

setzt sie sich für

das Wohl von

Familie und

Ehe ein

Z für Zukunft

69


Politik

Foto: © Agentur PJI UG

Die Gegner der

DEMO für ALLE

fordern Toleranz,

sind selber aber

zu keiner

Toleranz

bereit.

Dach des von ihr geführten Vereins „Zivile Koalition

e.V.“ die Initiative Familienschutz, die ich bis

2015 ehrenamtlich als Sprecherin geleitet habe.

Z: Was sind die wesentlichen Anliegen der DEMO

für ALLE?

HvB: Vor allem geht es darum, den Familien,

die bekanntlich keine Lobby haben, politisches

Gewicht und Einfluss zu geben. Wir beobachten

die politischen Vorgänge, informieren die Familien

durch den Newsletter und führen gezielte

Kampagnen für familienpolitische Anliegen durch

– mit einer wachsenden Basis.

Von Beginn an war es ein Hauptschwerpunkt,

über die Gender-Ideologie aufzuklären. Außerdem

setzen wir uns ein für eine familienfaire

Reform des Steuerrechts und der Sozialabgaben.

Als außerparlamentarische Kraft haben wir

2012/13 wesentlich daran mitgewirkt, dass das

bis aufs Messer bekämpfte Betreuungsgeld allen

Widerständen zum Trotz eingeführt wurde.

Besonders am Herzen liegen mir alle Themen,

die das Elternrecht betreffen. So haben wir Widerstand

organisiert gegen eine drohende Kita-Pflicht

und bekämpfen die Sexualisierung der Kinder per

Schulpflicht in mehreren Bundesländern. Adressaten

unserer Aktionen sind Entscheidungsträger in

der Politik, also Abgeordnete oder Regierungsmitglieder

auf Landes- oder Bundesebene.

Z: Kann man auf diese politische Entwicklung

überhaupt Einfluss nehmen?

HvB: Der Mechanismus ist recht einfach: Politiker

schauen immer auf die nächsten Wahlen. Um in der

Politik gehört zu werden, muss man eine wahl-relevante

Perspektive einnehmen und darin die eigenen

Anliegen platzieren, und dann – und das ist das Entscheidende

– den nötigen Druck aufbauen.

Ohne Druck erreicht man nichts. In den

Anfangsjahren organisierten wir v. a. Aktionen

mit vorformulierten E-Mails, die von Tausenden

Bürgern an Politiker geschickt wurden und ihnen

signalisierten: Wir sind viele – und wir werden

unsere Wahlentscheidung bei der nächsten Wahl

abhängig machen von Ihrem Verhalten bzw. Ihrer

Position zu unserem Anliegen.

Naturgemäß funktioniert dies am besten kurz

vor Wahlen, wenn Politiker hochsensibel auf Bürgeranfragen

reagieren. Die Wirkung blieb nicht

aus: Die großen Medien wurden auf unsere Initiative

aufmerksam, was mir u. a. Einladungen in

Talkshows bescherte.

Z: Was war der Auslöser, Demos in dieser Größenordnung

zu wagen?

HvB: Obwohl unsere Basis an Unterstützern

wuchs, waren wir zurückhaltend, die Familien

zu Demonstrationen auf die Straße zu rufen. Das

änderte sich schlagartig im Oktober 2013: Kurzfristig

drohte das Europäische Parlament in Straßburg,

ein unsägliches Papier zu beschließen, den

sogenannten Estrela-Bericht. Dieser forderte für

die EU-Mitgliedsstaaten u. a. ein Recht auf Abtreibung

sowie die verpflichtende Einführung einer

schamverletzenden Sexualerziehung ab dem Kindergarten

und zwar ohne Einwilligung der Eltern.

Dies richtete sich nicht nur gegen die damals

laufende „Europäische Bürgerinitiative One of

us“ (Einer von uns) zum Embryonenschutz, deren

Koordinatorin für Deutschland ich war, sondern

auch unmittelbar gegen Kinder und Eltern.

Innerhalb von fünf Tagen organisierten wir

über unseren Verteiler eine riesige E-Mail-Petitionswelle

an die EP-Abgeordneten und, mit

Unterstützung von Lebensschutzorganisationen,

eine Blitzdemonstration vor dem Parlamentsgebäude

in Straßburg. Als die Europaparlamentarier

zu ihrer Sitzungswoche anreisten, wurden

70

Z für Zukunft


Politik

sie empfangen von über hundert Menschen mit

Transparenten und Sprechchören „Estrela – NO!“

Zu Hause entfachten unzählige Unterstützer

einen wahren Gebetssturm für dieses Anliegen.

Die Überraschung gelang: Familien vor dem

Parlament zum Schutz ihrer Kinder vor staatlicher

sex education – das hatte es noch nicht gegeben.

Nach einer weiteren Aktion und Demonstration

im Dezember, an der sich auch Teilnehmer

aus anderen EU-Staaten beteiligten, war das

Europaparlament vollends aufgescheucht und

lehnte in einer spektakulären Parlamentssitzung

mit knapper Mehrheit den Estrela-Bericht ab –

gegen jede Vorhersage! Ein Riesenerfolg für den

europäischen Lebens- und Familienschutz, ein

tiefer Schock für die erfolgsgewohnte, nun völlig

überrumpelte Gender- und Abtreibungslobby.

Z: War dieser Anfang in Straßburg der Beginn

einer Erfolgswelle?

HvB: Wenngleich spätere EP-Abstimmungen verloren

gingen, markiert der Estrela-Sieg einen entscheidenden

Wendepunkt: Wir Lebens- und Familienschützer,

die wir nur die Defensive kannten und

unsere Position stets auf der Verliererseite sahen,

machten erstmals die Erfahrung, dass wir, wenn

wir vernetzt und organisiert sind, gegen eine ideologische

Übermacht siegen können – ein Motivationsschub,

der durch nichts zu übertreffen ist.

Auf der anderen Seite waren unsere Gegner

waren völlig entsetzt über unsere neue Kampagnefähigkeit

in Deutschland und auf EU-Ebene.

Bei ihnen führte das zu nachhaltiger Verunsicherung,

es hat ihre Siegesgewissheit deutlich

geschwächt.

Z: Wie kam es zu Ihrem Engagement im pietistischen

Baden-Württemberg?

Foto: © Agentur PJI UG

Dadurch ermutigt, rief eine Gruppe junger

Eltern zu Demonstrationen in Stuttgart auf –

gegen den Bildungsplan. Im Februar 2014 wandten

sie sich an unsere Initiative Familienschutz

und baten um Unterstützung.

Ich hatte das Gefühl, dass dies ein größeres

Potenzial haben könnte; immerhin gingen in

Frankreich bereits seit einem Jahr Hunderttausende

Bürger gegen die Gender-Agenda auf die

Straße und demonstrierten gegen die Öffnung

der Ehe für Homo-Paare.

Beflügelt von unseren Estrela-Erfahrungen

wandte ich mich an eine Reihe mir bekannter

Familieninitiativen und -organisationen sowie an

Einzelpersonen, darunter Gabriele Kuby, Christa

Meves und Birgit Kelle, und gewann sie für ein

gemeinsames Aktionsbündnis als Veranstalter der

nächsten Demonstration. Wir nahmen uns die französische

Bewegung „La Manif Pour Tous“ (LMPT)

zum Vorbild und schufen eine Marke unter dem

gleichen deutschen Namen „DEMO für ALLE“ mit

eigenem Logo in den Farben Rosa und Blau.

Z: Wie ging es dann konkret los?

Der

Polizeischutz

der friedlichen

Demo vor

gewaltbereiten

Gegendemonstranten

hat

Kosten in Höhe

von ca. 320 000

Euro verursacht

HvB: Die grün-rote Landesregierung in Baden-

Württemberg hat 2015 ziemlich Streit ausgelöst

mit der Ankündigung ihres Bildungsplans als Leitlinien

zur „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ für alle Klassen

ab dem ersten Schuljahr. Der Realschullehrer

Gabriel Stängle startete eine Online-Petition dagegen,

die innerhalb weniger Monate von sage und

schreibe 192 000 Menschen unterzeichnet wurde.

HvB: Die erste DEMO für ALLE sollte im April

2014 stattfinden. Wir luden dazu auch einen Redner

der „Manif“ aus Paris ein. Alle im Aktionsbündnis

mobilisierten ihre Verteiler. Das Interesse

der Presse war hoch.

Wir ließen rosa und blaue Schilder und Transparente

drucken und füllten Hunderte Luftballons

mit Helium. Es sollte neben dem Protest gegen

Z für Zukunft

71


Politik

Foto: © Szene aus Fear, Schaubühne/Arno Declair

In dem Theaterstück „Fear“

wird DEMO für ALLE schlimm

verunglimpft.

Es werden Bildern mit

ausgestochenen Augen von

Gabriele Kuby, Beatrix v. Storch,

Birgit Kelle und mir gezeigt.

Kurz nach der Premiere wurde

ein Brandanschlag verübt.

Er traf ein Bürogebäude meines

Mannes, den VW-Bus, der auch

bei den Demos in Stuttgart

eingesetzt war

Foto: © Hedwig von Beverfoerde

die Sexualisierung der Kinder eine Demonstration

der Stärke für Ehe und Familie in positiver

Atmosphäre werden.

2 500 Menschen folgten unserem Aufruf, der

Marktplatz in Stuttgart war voll! Die Polizei

schützte uns vorbildlich vor mehreren hundert linken

Gegendemonstranten, die mehrfach unseren

Demonstrationszug zum Staatstheater blockierten.

Es wurde ein voller Erfolg: Die Presse berichtete

vom Schulterschluss der Bildungsplangegner

mit der französischen Bewegung LMPT und der

hohen Professionalität unserer Demonstration.

Beim Grünen-Ministerpräsidenten Kretschmann

schrillten alle Alarmglocken. Er musste

befürchten, dass sich hier eine neue Großbewegung

formierte (à la Stuttgart21), die seine Regierung

bedrohen könnte, und nur zwei Tage nach

dieser ersten Demo beschloss das Kabinett überraschend,

den Bildungsplan um ein Jahr zu verschieben

und ihn zu überarbeiten.

Z: Nach der ersten Demo schon der Sieg? Verwöhnt?

HvB: Das war leider kein Grund, sich zurückzulehnen.

Schnell war klar, dass der Bildungsplan

2016 lediglich verbal entschärft wurde. Das

Reizwort „sexuell“ tauchte nicht mehr auf, aus

den Leitlinien wurden – Prinzipien. Nunmehr

sollten die Schüler mit „Akzeptanz von Vielfalt“

indoktriniert werden. Alle Änderungen erfolgten

in Absprache des Kultusministeriums mit den

LSBTTIQ-Interessengruppen (lesbisch, schwul,

bi-, trans-, queer-, …-sexuell). Allein das – eine

Ungeheuerlichkeit!

Wir blieben am Ball mit weiteren Demonstrationen,

während Grün-Rot die Gender-Agenda

weiter vorantrieb. Im Frühjahr 2015 wurde ein

haarsträubender Aktionsplan bekannt, der zur

Privilegierung der LSBTTIQ-Interessen in allen

gesellschaftlichen Bereichen führen soll; er liest

sich wie ein Bürger-Umerziehungsplan.

Der Maßnahmenkatalog enthielt teils offen

totalitäre und grundgesetzwidrige Forderungen,

darunter Medienzensur bei „Homophobie“, die

Öffnung der Ehe für Homo-Paare, Legalisierung

von Leihmutterschaft, kirchliche Segnungen von

Homopartnerschaften sowie LSBTTIQ-Projekte

und -Lehrmaterialien in Schulen und Kitas, erarbeitet

unter Führung des baden-württembergischen

Sozialministeriums mit einem Beirat,

der überwiegend aus Homosexuellen-Vertretern

bestand. Mit unserer März-Demo wurde dieses

Vorhaben endlich einer breiten Öffentlichkeit

bekannt.

Z: War das positive Referendum in Irland für die

„Homo-Ehe“ auch das grüne Licht für die Gender-

Akteure in Deutschland?

HvB: Mit Baden-Württemberg wurde sofort die

Bundesratsinitiative zur Öffnung der Ehe gestartet.

Die Öffnung der Zivilehe wäre ein Meilenstein

der Gender-Agenda; dies muss um jeden Preis

verhindert werden!

Die „Ehe für Alle“-Aktivisten versuchen uns

einzureden, die Ehe-Öffnung sei ohnehin nicht

mehr aufzuhalten. Das ist blanker Unsinn und soll

ausschließlich zu unserer Entmutigung dienen. In

Wahrheit gibt es noch sehr viele Menschen, die

damit keineswegs einverstanden sind! Als DEMO

für ALLE haben wir deshalb dagegen eine große

Unterschriftenaktion begonnen mit einem Appell

an Angela Merkel: „Ehe bleibt Ehe!“

Z: Ihr Engagement wird ja nicht von allen begrüßt.

Jüngst wurde in einem Theaterstück gegen Sie

und andere Gender-kritische Personen zum Hass

aufgerufen.

72

Z für Zukunft


Politik

Foto: © Agentur PJI UG

HvB: Nur wenige Tage nach der Premiere des

Stücks „Fear“ an der Berliner Schaubühne wurde

ein hinterhältiger Brandanschlag verübt, er traf ein

Bürogebäude meines Mannes: Ein unter einem offenen

Gebäudeteil abgestellter VW-Bus, der auch bei

den Demonstrationen in Stuttgart eingesetzt war,

wurde in Brand gesteckt. Neben dem Fahrzeug

gelagertes Holz, das Dach und der angrenzende

Sozialraum fingen sofort Feuer. Das Fahrzeug und

ein Teil des Gebäudes brannten vollständig aus.

Gut, dass die Feuerwehr schnell vor Ort war und

die weitere Ausbreitung der Flammen verhindern

konnte. – Aus dem linksextremen Milieu gab es ein

Bekennerschreiben.

In dem Agitprop-Theaterstück „Fear“ wird die

DEMO für ALLE auf schlimmste verunglimpft und

es werden u. a. Gabriele Kuby, Beatrix v. Storch,

Birgit Kelle und ich auf Bildern mit ausgestochenen

Augen gezeigt, auf verleumderische Weise als

rechtsextreme, Hassreden schwingende Zombies

dargestellt und auf der Basis „künstlerischer“

Freiheit zum Abschuss freigegeben. Das ist geistige

Brandstiftung, die direkt zu echter Brandstiftung

führt. Der Regisseur Falk Richter ist sich

offensichtlich nicht bewusst, dass er selber das

tut, was er bei anderen zu kritisieren meint.

Z: Was kann der Einzelne tun im Kampf gegen die

Gender-Agenda?

HvB: Neben dem Gebet ist die Unterstützung der

Demonstrationen das Allerwichtigste. Entscheidend

für die Bedeutung bei Medien und Politik ist, ob die

Teilnehmerzahl wächst – oder eben nicht. Daran

hängt vieles. Es ist auch ein psychologischer Kampf.

Zur Verteidigung der Ehe als fruchtbringendem

Lebensbund zwischen Mann und Frau brauchen

wir außerdem eine eindrückliche Anzahl von

Unterzeichnern des Merkel-Appells. Die Gegenseite

hat fast 100 000 Unterschriften gesammelt

für die „Ehe für alle“. Unterzeichnen Sie

über www.demofueralle.de online und sammeln

Sie Unterschriften auf Papier. Unterschriftenlisten

zum Ausdrucken finden Sie ebenfalls auf der

Internetseite.

Fragen Sie aktiv nach in der Schule oder Kindertagesstätte,

wie es dort mit der Sexualerziehung

aussieht. Tun Sie sich mit anderen Eltern

zusammen und prüfen Sie die Schulbücher und

Unterrichtsmaterialien. Berufen Sie sich auf ihr

elterliches Erziehungsrecht. Manches lässt sich

vor Ort verhindern, wenn Eltern klar ihre Wünsche

artikulieren.

Schreiben Sie Leserbriefe! Jeder Leserbrief

wird in den Redaktionen als die Meinung

von mindestens hundert Lesern angesehen und

beeinflusst die Themenwahl in Verlagen und bei

TV-Sendern.

Melden Sie sich für die Newsletter von DEMO

für ALLE an, damit wir Sie über Aktionen und die

nächsten Demos informieren können. Obwohl es

spät ist, sehe ich eine echte Chance, das Blatt

noch zu wenden. Gehen wir’s an. Mit Gottes und

Ihrer Hilfe.

Hedwig v. Beverfoerde, Koordinatorin der DEMO für ALLE, Vorsitzende

des Vereins Ehe-Familie-Leben, www.demofueralle.de.

Was der Einzelne

tun kann:

Nehmen Sie an

Demos teil, die

Teilnehmerzahl

ist für Medien

wichtig. Unterschreiben

Sie

Petitionen.

Schreiben Sie

Leserbriefe

Z für Zukunft

73


Politik

Die Neue Weltordnung

Peter Ischka

Kommt sie noch – oder ist sie schon da? – Immer häufiger gebrauchen Politiker

die Begriffe New World Order, Neue Weltordnung, One World, Eine Welt. Aber was

meinen sie damit eigentlich, und was hat die Gender-Ideologie damit zu tun?

Bildzitat: © CD-Cover der Band Iron Maiden

Der Neoliberalismus,

ein Baby des

Marxismus,

verfolgt die

Auflösung

„überkommener“

Strukturen – Volk,

Familie, Religion

Malerei: © Paul Helm

Manfred Kleine-Hartlages Buch

„Neue Weltordnung – Zukunfts-

Plan oder Verschwörungs-Theorie?“

bietet eine brillante

politische Analyse, die zeigt,

worauf eine Neue Weltordnung (NWO) abzielt.

Jeder unvoreingenommene Leser wird dem Autor

gut folgen können, auch wenn er sich bisher mit

diesem Thema weniger beschäftigt hat. Einige

Gedanken aus diesem Buch:

Die Neue Weltordnung ist ein revolutionäres

Projekt. Warum ist es so schwer greifbar und

warum finden sich kaum Kritiker? Es scheint eine

Domäne von passionierten Verschwörungs-Theoretikern

und Rechtsextremisten zu sein; die meisten

Menschen wollen sich gar nicht darauf einlassen.

Aber auch das: Wir im Westen haben die

subtile Auflösung von Nationalstaatlichkeit, die

weltweite Migration und die Verschmelzung der

Religionen schon längst als Selbstverständlichkeit

unserer Zeit hingenommen.

So fällt es kaum noch auf, dass Begriffe wie

Frieden, Menschenrechte, Freiheit, Toleranz und

Gleichheit zu ideologischen Stichwörtern umgedeutet

wurden, mit denen jeder Schritt hin zu „One

World“ begründet werden kann, wie ungeheuerlich

er auch anmuten mag. Wer es wagt, Kritik anzumelden,

setzt sich dem Verdacht aus, gegen Frieden

zu sein (oder gegen Menschenrechte). Die

NWO ist längst keine Utopie mehr; sie ist gerade

im Begriff, Wirklichkeit zu werden!

Von langer Hand vorbereitet

Begonnen hat es vor über hundert Jahren mit den

Haager Konferenzen von 1899 und 1907. Deren

Ziel war die Verrechtlichung zwischenstaatlicher

Beziehungen – also die allmähliche Auflösung nationaler

Souveränität. Nach dem Zweiten Weltkrieg

wurden die Staaten immer mehr aneinandergebunden,

und zwar durch ein Netz multilateraler

Verträge und Organisationen. Zu diesen Institutionen

gehören die Vereinten Nationen (UNO; davor:

74

Z für Zukunft


Politik

Völkerbund), IWF und Weltbank, WTO, EU, NATO,

der Internationale Strafgerichtshof und Dutzende

weniger bekannter Organisationen und Stiftungen.

Mehr und mehr Kompetenzen der Nationalstaaten

wurden bereits an solche Organisationen

übertragen; und das setzt sich fort.

Der aktuell bedeutendste Schritt in diese Richtung

ist die Einrichtung eines globalen Klimaregimes.

Auch mehren sich die Anzeichen, dass

die Nationalstaaten einem internationalen Menschenrechts-Regime

unterworfen werden sollen.

Wichtig: Internationale Verträge haben Vorrang

vor Staatsrecht. Ohne Ausnahme: Bündnisrecht

bricht Landesrecht – die Länder treten also ihre

Hoheitsrechte ab an übergeordnete Institutionen.

Dechiffrierung gesucht

Ihre Botschaft kleiden Entscheidungsträger in

Stereotypien; das müsste doch den Verdacht

erwecken, hier werde gelogen. Andererseits

sagen unsere Regierenden mit erstaunlicher

Offenheit, wie die NWO aussehen soll; doch diese

Aussagen bedürfen der Dechiffrierung. Die nicht

leicht fällt, weil Politiker, Medien, Wissenschaftler,

Kirchenvertreter ..., also die Ideologien-Industrie,

es versteht, ihr Projekt in einer ideologiegetränkten

PR-Sprache anzupreisen.

Bundeskanzlerin

Angela Merkel spricht

zum 10-jährigen

Jubiläum des Mauerfalls

vor Regierungsvertretern

der wichtigsten Staaten

der Welt

Desinformation –

an demokratischen Strukturen vorbei

Wie kommen nun diese multilateralen Vertragssysteme

zustande? Das ist völlig undurchschaubar:

Die Öffentlichkeit wird nur kryptisch informiert,

die Länderparlamente vor vollendete Tatsachen

gestellt. Es gibt keine Möglichkeit zur Steuerung

– und zur demokratischen Willensbildung schon

gar nicht. Wenn eine solche Ordnung einmal existiert,

ist sie praktisch unumkehrbar.

Wer dies als notwendige Folge der unvermeidlichen

Globalisierung abtut, hat aus der

Geschichte nichts gelernt. So lautete ein kommunistisches

Dogma, die Menschheitsgeschichte

müsse zwangsläufig zum Kommunismus führen;

jeder Widerstand wurde gebrochen, und dazu war

jedes Mittel recht. Millionen Menschen haben

diesen Irrtum mit ihrem Blut bezahlt!

Gerade deshalb sollte man misstrauisch sein

gegenüber der Versicherung, die Globalisierung

sei ein (diesmal aber wirklich!) historisch unvermeidbarer

Prozess. Denn Liberalismus und Neoliberalismus,

in deren Namen dieser Prozess

vorangetrieben wird, sind nicht nur geistesgeschichtlich

mit dem Marxismus verwandt, sondern

auch strukturell: Hier wie dort wird die Auflösung

„überkommener“ solidaritätsstiftender

Strukturen – Volk, Familie, Religion – gefeiert als

Akt der Emanzipation, als Voraussetzung für eine

die ganze Menschheit beglückende Utopie.

Foto: © ddp images/AP Photo/Markus Schreiber

Ein Beispiel ist die Rede von Bundeskanzlerin

Angela Merkel auf der Konferenz „Falling Walls“

(Fallende Mauern) am 9. November 2009. Dort

brachte sie die Ideologie hinter der Neuen Weltordnung

klar zum Ausdruck: „Eine der spannendsten

Fragen, Mauern zu überwinden, wird sein: Sind

Nationalstaaten bereit und fähig, Kompetenzen an

multilaterale Organisationen abzugeben, koste es,

was es wolle?“ Im Jahre 2009 gab es die Berliner

Mauer schon längst nicht mehr; was es gibt, sind

nationale Grenzen – deren bloße Existenz hier mit

der Berliner Mauer gleichgesetzt wird!

Der Globalismus, so die Bundeskanzlerin, sei

„alternativlos“. Die Vision – oder der Albtraum –

einer „One World“ bedarf anscheinend keiner

Begründung mehr. Wenn Politiker so sprechen,

kann man davon ausgehen, dass ihre Loyalität

nicht etwa dem Volk gilt, das sie beauftragt hat,

seine Interessen wahrzunehmen, und dessen Nutzen

zu mehren sie geschworen haben; ihre Loyalität

gilt vielmehr „der Menschheit“. Für Globalisten

„... Kompetenz

an multilaterale

Organisationen

abzugeben,

koste es, was

es wolle“

Angela Merkel

Z für Zukunft

75


Politik

Foto: © flickr/rainbow-gathering

Friedliches

Zusammenleben

nur mit globaler

Ordnung

möglich ...

Wer will schon

gegen Frieden

sein?

„Neue Weltordnung:

Zukunftsplan oder

Verschwörungstheorie?“

Manfred Kleine-Hartlage

Edition Antaios,

ISBN 978-3-935063-64-7

hat die „Menschheit“ mit den wirklichen Menschen

allerdings so wenig zu tun wie für Kommunisten die

„Arbeiterklasse“ mit den wirklichen Arbeitern.

Ideologien für den Frieden, die nie

einen brachten

Das gute alte Wort „Frieden“: Der Marxismus verstand

die Verwirklichung seines Programms als notwendige

Voraussetzung zur Stiftung eines umfassenden

Weltfriedens. Im Namen dieser Ideologie

wurden Ströme von Blut vergossen, ohne dass der

Weltfriede auch nur eine Spur näherrückte!

Uns wird vermittelt, ein friedliches Zusammenleben

sei nur mithilfe einer globalen Ordnung möglich.

Nun, wer will sich schon nachsagen lassen, er

sei gegen Frieden? Kaum einer wagt nach dem Preis

zu fragen, der für diese Art „Frieden“ kostet. Es gilt

also, der Frieden um jeden Preis. Krieg soll buchstäblich

unmöglich gemacht werden – ausgenommen

selbstverständlich zu dem Zwecke, die Errichtung

und Einhaltung dieser Ordnung zu sichern.

Das klingt human und fortschrittlich; es impliziert

allerdings, dass ganze Völker ihre lebenswichtigen

Interessen nicht mehr verfolgen dürfen.

War das der Grund, warum das Deutsche

Reich, damals noch unter dem Kaiser, auf den

Haager Konferenzen jegliche Einbindung in ein

solches System kategorisch abgelehnt hat? Möglicherweise

habe sich Deutschland gerade deshalb

die Feindschaft der angelsächsischen Mächte

zugezogen, die bereits vor dem Ersten Weltkrieg

erkennbar war, so Manfred Kleine-Hartlage.

Inzwischen greift das Völkerrecht in die inneren

Angelegenheiten von Staaten ein: Zur Aufrechterhaltung

ihrer Ordnung werden ihnen nur noch

solche Mittel zugestanden, die auf keinen Fall mit

den „Menschenrechten“ kollidieren.

So schafft man Interventionsgründe im großen

Stil – und kann jeden Staat soweit bringen, dass

sich dieser nach den Maßstäben seines Feindes ins

Unrecht setzt. Dann interveniert man à la carte,

also wie es opportun erscheint: gegen die Weimarer

Republik, aber nicht gegen das Italien Mussolinis.

Gegen Ho Chi Minh, aber nicht gegen Pol Pot.

In Jugoslawien, aber nicht in Ruanda. Im Irak, aber

nicht im Sudan. Man deklariert die Wahrung eigener

Interessen mittels gewaltsamer Übergriffe

ganz einfach als „humanitäre Intervention“.

Die Internationalisierung wuchert. Denn die

bereits genannten Organisationen (IWF, Weltbank,

WTO, EU) wollen eine befreite Marktwirtschaft

aufrichten, befreit von Restriktionen und

staatlichen Eingriffen und jeder sozialen Verpflichtung.

Dies soll geschehen durch Festschreibung

in übernationalen Vertragssystemen, die

sich der demokratischen Kontrolle entziehen:

TTIP lässt grüßen.

Was bremst die NWO?

Hemmnisse sind Unternehmer, die sich dem Wohl

des Gemeinwesens verpflichtet fühlen; ebenso Politiker,

die nationale Interessen, statt die Globalisierung

voranzutreiben, auch der Soldat, der einen

Einsatz am Hindukusch im Interesse einer „Wertegemeinschaft“

ablehnt. Oder der „Fundamentalist“,

der gegen Abtreibung ist, und die Frau, die sich lieber

um ihre Familie kümmert als um Karriere.

Die neoliberale Ideologie greift mit Vorliebe

soziale Strukturen an, die etwas mit Solidarität zu

tun haben: intakte Familien, intakte Völker, intakte

Religionsgemeinschaften.

Wer regiert wen?

Wenn ein Schwellenland die Implementierung der

Gender-Ideologie verweigert, wird einfach am

Entwicklungshilfe-Geldhahn gedreht und Personen

an Schlüsselstellen werden ausgewechselt.

Unter Berufung auf Menschenrechte wird das

Recht an sich beseitigt. Dafür ermächtigt eine

76

Z für Zukunft


Politik

Ideologie, die auf die Schaffung eines umfassenden

Weltfriedens abzielt, sich selbst zur Supermacht

für willkürliche Kriegsführung. Es sollte

nicht wundern, wenn die Demokratie, der Kern

„unserer gemeinsamen Werte“, in den Händen

der herrschenden internationalen Eliten sich als

ähnlich doppelbödig herausstellen sollte.

Demokratie setzt so etwas wie „Volk“ voraus;

für die neue, global herrschende Klasse scheint das

nicht mehr zu gelten: Sie verhält sich wie eine international

verflochtene Kaste, die ihre Interessen allemal

über das Wohl eines Volkes stellt. Sie betont, Globalisierung

sei „unvermeidlich“ und etwas Gutes.

Warum aber sollten nationale Regierungen das

als Selbstentmachtung sehen – ist es denn nicht

eher eine Selbstermächtigung? Die Regierungen

herrschen ja weiter, aber eben nicht jede einzelne

über je ein Land, sondern alle gemeinsam über alle

Länder: eine Kollektivherrschaft, aber ohne lästige

parlamentarische Kontrolle oder öffentliche Kritik.

Die Zerstörung nationaler Identität, Kultur, Sitten

und Traditionen gilt als fortschrittlich – und wer an

alten Werten festhält, als rückständig.

Auch ein gewisses Maß an finanzieller Überforderung

der Nationalstaaten ist kein Unfall,

sondern durchaus gewollt: Denn nur wer pleite

ist – das lehren uns aktuelle Krisen –, muss sich

der Überwachung und Gängelung durch supranationale

Organisationen unterwerfen. So wird die

Unabhängigkeit aufgegeben, ohne dass ein einziger

Schuss abgefeuert worden wäre.

Der Fortschritt kennt nur eine Richtung:

Liberalisierung, Egalisierung, Globalisierung;

jeder Widerspruch wird verunglimpft als reaktionär,

fundamentalistisch oder rechtsradikal:

Monopolisierung des Rechts auf Wirlichkeitsbeschreibung.

Apropos Monopolisierung: Der

Monopolisierung der „Wissenschaft“ kommt

dabei eine Schlüsselrolle zu; von hier aus werden

alle gesellschaftlichen Funktionssysteme gesteuert

– Schule, Medien, Wirtschaft, Recht, Politik.

Wer zur Elite gehören will, kommt an der Universität

nicht vorbei; hier wird die ideologische Konformität

sichergestellt.

Dabei dürfte ein gewisses Maß an Korrumpierbarkeit

sogar erwünscht sein, da dies die Voraussetzung

für Kontrollierbarkeit ist: Wer krumme

Wege geht, wetzt die Wunderwaffe Erpressung,

mit der er dann bedroht wird.

Liberale wie Sozialisten bejubeln die Auflösung

der Familie, die Entwertung der Religion,

die Entgrenzung der Völker, die Entmachtung

der Nationalstaaten als „progressiv“; und genau

das macht das heraufziehende System der totalen

Herrschaft sich zunutze. Denn jede Rebellion

wird den Herrschenden nur dann wirklich gefährlich,

wenn jemand für etwas zu sterben bereit ist.

Wofür sind Menschen bereit zu sterben? Erstens

für die eigenen Kinder, zweitens für das eigene

Volk, drittens für den eigenen Glauben.

Wer also eine Auflehnung ein für alle Mal

unmöglich machen will, muss die Familie, die Völker,

die Religion auflösen. Denn wer weder in seinen

Kindern fortleben will noch sich als Teil eines

Volkes sieht noch eine Verantwortung vor Gott

kennt, der ist der ideale Untertan.

Die Elite und das Fußvolk

Im letzten Kapitel seines Buches erklärt der Verfasser

die Struktur des „Geldmachtkomplexes“

hinter der NWO als ein System konzentrischer

Kreise: im Inneren die Klasse der Superreichen,

darum herum die von ihnen kontrollierten Konzerne

und Funktions-Eliten, dann die politischen

Eliten und im äußeren Ring die Ideologieproduzenten

– Medien, Unterhaltungsindustrie, Wissenschaft.

Allerdings müssen nicht alle Akteure in

Politik, Medien oder Wissenschaft diese Ideologie

abkaufen; es reicht, wenn einige strategisch platzierte

Figuren das tun. Der Rest ist Fußvolk.

Kann man sie schon sehen, die NWO?

So zeichnen sich bereits ihre Umrisse ab, die

Umrisse einer durchaus totalitären, nicht mehr

zu beseitigenden globalen Diktatur. Alle zu ihrer

Verwirklichung erforderlichen Strategien sind

bereits in vollem Gang, zum Teil schon seit vielen

Jahrzehnten. Ob dieser Prozess noch umkehrbar

ist?

Die internationalen

Organisationen wollen

eine von Restriktionen und

staatlichen Eingriffen befreite

Marktwirtschaft.

Hier das UNO-Hauptquartier

in New York

Foto © Wikipedia

Z für Zukunft

77


Pädagogik

Wie viel Wissenschaft steckt in

der deutschen Sexualpädagogik?

Sexualpädagogik in Deutschland erscheint institutionell bis aufs Letzte durchstrukturiert zu

sein – fast wie eine Insel der Seligen, auf der sich konsensfähige Aufklärung durchgesetzt hat

Jakob Pastötter

Foto: © Agentur PJI UG

Man kann

pressen, so viel

man will, am

Ende kommt

nicht viel

heraus

Wer sich mit der Sexualpädagogik

in Deutschland beschäftigt,

könnte von der institutionellen

Durchstrukturiertheit beeindruckt

sein: Da gibt es

• die gesetzlich verankerte Sexualerziehung an

Schulen, die häufig von außerschulischen Trägern

geleistet wird, von denen ProFamilia der

größte ist (aber so „pro“ Familie ist ProFamilia

gar nicht),

• die sexualpädagogische Fortbildung, für die

das private „Institut für Sexualpädagogik“

(ISP) sorgt sowie die „Gesellschaft für Sexualpädagogik“

(GSP), die das sexualpädagogische

Qualitätssiegel verleiht,

• den sexualpädagogischen Aufbaustudiengang

der Hochschule Merseburg,

• Förderung und Finanzierung von Erhebungen,

Studien und Diskussionen, unter anderem mit

der kostenfreien Verteilung von zahlreichen

auflagenstarken Dokumentationen und Aufklärungsbroschüren

durch die Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), deren

Abteilung für Sexualaufklärung dem Bundesministerium

für Familie, Senioren, Frauen und

Jugend (BMFSFJ) unterstellt ist, und schließlich

• die universitäre Forschung und Lehre durch

die fünf Juniorprofessuren, die gefördert werden

durch das Bundesministerium für Bildung

und Forschung (BMBF), ein Ergebnis des

„Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch in

Abhängigkeits- und Machtverhältnissen

in privaten und öffentlichen Einrichtungen

und im familiären

Bereich“.

Deutschland,

eine Insel der Seligen?

In Deutschland scheinen Praxis, Wissenschaft

und Politik an einem „sexualpädagogischen“

Strang zu ziehen. In vielen anderen Ländern ist

das undenkbar, da dort die politische und die

öffentliche Diskussion beeinflusst wird durch

78

Z für Zukunft


Pädagogik

alternative Grundpositionen, moralische Bedenken

und religiöse Überzeugungen; hinzu kommt

das Bewusstsein für Gesundheitsrisiken und die

Gefahren des Missbrauchs.

Ist Deutschland also eine Insel der Seligen, auf

der sich eine konsensfähige, wirklich aufgeklärte

Sexualpädagogik durchgesetzt hat? Eine Sicht,

wie sie auch von der Weltgesundheitsbehörde

(WHO) gefordert wird, die zusammen mit der

BZgA die „Standards für die Sexualaufklärung in

Europa“ 1 herausgegeben hat?

Von benachbarten Disziplinen profitieren

Skepsis ist angebracht, wenn die Wissenschaftlichkeit

des Konzepts einer Prüfung unterzogen

wird; Studien zur „Wirksamkeit“ sexualpädagogischer

Einflussnahme beschränken sich weitgehend

auf die Reduzierung von ungewollten Schwangerschaften

und Geschlechtskrankheiten. Demgegenüber

lässt sich das Hauptanliegen der deutschen

Sexualpädagogik, nämlich die „Bildung“ von Kindern

und Jugendlichen hin zu sexuell befriedigten

und glücklichen Erwachsenen im Sinne einer

erfolgreichen, positiv verlaufenden „psychosexuellen

Entwicklung“, nicht wissenschaftlich begründen

oder nachweisen.

Sexualpädagogik könnte profitieren von

benachbarten wissenschaftlichen Disziplinen,

könnte zurückgreifen auf Erkenntnisse über Entwicklungsprozesse,

z. B. auf die Entwicklungspsychologie

und die Humanbiologie, aber auch

auf die Erfahrungen von Traumatherapeuten. Die

Sexualwissenschaft dagegen bietet nur wenige

gesicherte Erkenntnisse.

Sexualwissenschaftliche Standardwerke 2,3 zum

Thema kindlicher und jugendlicher Sexualentwicklung

zeigen, dass die Sexualwissenschaft

kaum etwas in Erfahrung gebracht hat über die

psychologische Entwicklung der Sexualität.

Die staatlich geförderte Sexualpädagogik

Bei der Analyse der BZgA-Standards und der

deutschen staatlich geförderten Sexualpädagogik

allgemein stellt sich heraus, dass einige

ihrer Grundannahmen nicht auf empirisch bestätigten

Fakten beruhen, sondern getragen sind

von sexualphilosophischen bzw. sexualideologischen

Annahmen. „Sexualideologisch“ ist hier

die Abgrenzung zu einer im Idealfall „ideologiefreien“

wissenschaftlichen Begründetheit.

Beispiel für ideologische Behauptungen ist

etwa, wenn man ausgeht von einer psychosexuellen

Entwicklung, die vom Säuglingsalter an der

sexualpädagogischen Unterstützung bedürfe. Die

Abkehr von den biologischen und entwicklungspsychologischen

Grundlagen der Sexualpädagogik

ist fatal; seit 2001 wird dies von den „Gender Studies“

verstärkt gefordert. „Gender Studies“ interessieren

sich von ihrem Selbstverständnis her nur

für die soziale Konstruktion von „Geschlecht“ und

wollen andere Einflüsse auf die Sexualität nicht

wahrhaben.

Die eingangs erwähnten sexualpädagogischen

Einrichtungen weisen alle eine beachtliche institutionelle

und personelle Verzahnung auf. Daneben

gibt es private Initiativen wie „Donum Vitae“,

das MFM-Projekt (für Mädchen: „Mädchen,

Frauen, meine Tage“, für Jungen: „Männer für

Männer“), die „Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung

der Frau“ (ÄGGF), die bindungsorientierte

Sexualpädagogik von „Fit for Love?“

und TeenSTAR („Sexuality Teaching in the Context

of Adult Responsibility“).

Sie alle finden in den „offiziellen“ Broschüren

der BzgA keinen Widerhall, sind aber bei der Verwendung

von Aufklärungsbroschüren auf die kostenlosen

Angebote der BZgA angewiesen, bei der

Fortbildung auf das ISP und die Hochschule Merseburg

und auf die Lehre der fünf Juniorprofessoren

bzw. bei der „Qualitätssicherung“ auf das Qualitätssiegel

der GSP. Diese Institutionen behalten

das „Gütesiegel“ quasi für sich selbst vor.

Wissenschaftsresistent?

Eine enge Verbindung zwischen der pädagogischen

Vermittlung eines Wissensgebiets und der

Wissenschaft, die dieses erforscht, wäre absolut

notwendig. Ist es doch auch nicht zielführend,

gesundes Ernährungsverhalten zu unterrichten,

ohne die Erkenntnisse der Ökotrophologie zu

berücksichtigen, oder Physik, ohne auf wissenschaftliche

Forschung zurückzugreifen.

„Wir haben uns

selbst geprüft

und festgestellt:

Wir sind die

Besten!“

Z für Zukunft

79


Pädagogik

Sexualität als

„Lebensenergie“?

Wissenschaftlich

nicht haltbar

Warum die

Scheu der

etablierten

Wissenschaft

vor der Analyse

menschlicher

Sexualität?

Offensichtlich haben wir hier einen Sonderfall:

Die Sexualpädagogik beansprucht, selbst eine

wissenschaftliche Disziplin zu sein.

Warum tun sich Sexualpädagogen so schwer

mit der Wissenschaft? Der Hauptgrund ist wohl:

Weil ihre Sicht weniger erkenntnistheoretisch

bestimmt ist als vielmehr „emanzipatorisch“ im

Sinne einer „sex-positiven Befreiung“ von „sexnegativen“

Einflüssen durch Tradition, Kultur

und Religion. Helmut Kentler und Uwe Sielert –

beide kommen aus der Sozialpädagogik – sind in

Deutschland so etwas wie die Vordenker.

Sexuelle Befreiung sollte die

Gesellschaft friedlicher machen

Die ersten Anfänge dieses Denkens finden

sich bereits bei Rousseau, erhielten aber ihren

wesentlichen Impuls durch die von Freud postulierte

„psychosexuelle Entwicklung“; die Interpretation

als marxistisch-eschatologische Heilslehre

stammt von Wilhelm Reich und Herbert

Marcuse. Diese gingen davon aus, der Einzelne

und die gesamte Gesellschaft könnten durch

sexuelle Befreiung immunisiert werden u. a.

gegen faschistische und autoritäre Indoktrination.

Diese Ideen stießen besonders in der EKD

auf Zustimmung.

Wissenschaftlich lässt sich nichts davon verifizieren

– weder die Behauptung, Sexualität hätte

das Potenzial, die Gesellschaft „friedlicher“ zu

machen, noch die Idee einer „psychosexuellen

Entwicklung“.

Ausgeprägtes „sexuelles“ Verhalten über einen

längeren Zeitraum hinweg hat sich bisher nur

nachweisen lassen bei schwer traumatisierten und

von gleichaltrigen abgelehnten Kindern. 4 Trotzdem

zieht die staatlich geförderte Sexualpädagogik

(sgS) das „sexuelle Verhalten“ als allgemeine

Grundlage heran.

Bislang hat sich weder die Entwicklungspsychologie

mit sexuellen Aspekten beschäftigt noch

hat die sgS versucht, die kindliche Sexualität aus

Sicht der Entwicklungspsychologie zu betrachten;

die einzigen wissenschaftlich verwertbaren

Langzeit-Daten sind Untersuchungen zur

Auswirkung pädophiler Übergriffe; diese können

jedoch kein einheitliches Bild zeichnen.

So bleibt nur, zurückzugreifen auf Erkenntnisse

aus der Beratung und der Therapie, die aber

Rückschlüsse auf eine „normale Entwicklung“

ebenfalls kaum zulassen. Warum also die Scheu

der etablierten Wissenschaft vor der Analyse

menschlicher Sexualität (rebus sexualibus)? Es

bleibt eine bedeutende Erkenntnislücke anthropologischer

und psychologischer Art.

Thesen der staatlich geförderten

Sexualpädagogik

1. Grundannahme einer „psychosexuellen

Entwicklung“ und die Definition von Sexualität

als „Lebensenergie“

Obwohl es in Wissenschaft und Forschung Standard

ist, Aussagen nur über Nachweisbares zu

machen, entzieht sich die staatlich geförderte Sexualpädagogik

dieser „conditio sine qua non“, dieser

unverzichtbaren Grundvoraussetzung. Im Wesentlichen

stützt sie sich auf die Experimente von Harlow,

der an Rhesus-Affen nachwies, dass der Entzug

körperlicher Nähe zu einem späteren Unvermögen

führt, körperliche Beziehungen aufzunehmen, wozu

auch das Sexualverhalten gehört. 5

Auch die Annahme, dass es sich bei Sexualität

um eine „Lebensenergie“ handele, lässt sich wissenschaftlich

nicht belegen:

„Wenn Sexualität aber als wichtige und wünschenswerte

Lebensenergie angesehen wird,

kann die Tatsache akzeptiert werden und in

die Erziehung mit einbezogen werden, dass sie

von Anfang an bei Kindern eine wichtige Rolle

spielt.“ 6 Das erinnert an die pseudowissenschaftliche

Auffassung Wilhelm Reichs, es gäbe eine Art

kosmischer Orgon-Energie, die sich vor allem im

Orgasmus manifestiere.

2. Bedeutung

frühkindlicher „sexueller Bildung“

Frühkindliche „sexuelle Bildung“ ist eine problematische

Begriffsneuschöpfung der staatlich

geförderten Sexualpädagogik: Man geht davon

aus, Sexualität benötige Bildungsarbeit. Damit

wäre man aber im Bereich des „Coachings“,

80

Z für Zukunft


Pädagogik

das im Falle von Sexualität ideologisch

begründet ist. Als Ziel wird der „sexuell

gebildete“ Mensch impliziert.

Für die staatlich geförderte Sexualpädagogik

ist sexuelle Bildung die Konsequenz

aus der Vorstellung von Sexualität

als Lebensenergie, die von Anfang an auch

bei Kindern eine wichtige Rolle spiele 7 und

durch sexuelles Handeln zu fördern sei.

Das Ausbleiben sexueller Bildungsangebote

in der frühen Kindheit soll angeblich

zu schweren Schäden führen:

„Die Schäden einer unzureichenden

sexuellen Bildung werden nicht sofort

offenbar, sie verstecken sich in persönlicher

Unzufriedenheit mit dem Lebenslauf,

privaten Identitätskrisen, gescheiterten

Beziehungen, sexueller Gewalt

und Depressionen.“ 8

3. Eltern und andere Bezugspersonen:

Erfüllungsgehilfen kindlicher Neugier

und sexueller Bedürfnisse

Sie hätten, so die staatlich geförderte

Sexualpädagogik, den Kindern einen

möglichst schamfreien Zugang zu ihrer

Genitalität zu ermöglichen. Fehle ein

allzeit „entspannter“ und „pro-aktiver“

Umgang mit Sexualität bzw. Genitalität,

seien die Erwachsenen schuld, wenn das

Kind später kein Lebensglück verspüre:

„Kinder entdecken diese Lust selbstverständlich

an sich selbst, wenn sie

zuvor von den Eltern lustvoll gestreichelt

werden; wenn sie gar nicht wissen,

was Lust ist, werden auch sexuelle Spielereien

fehlen.“ 9 Und schließlich:

„Eine sexualfreundliche Erziehung

bedeutet, die Wissbegierde der Kinder

zu befriedigen, Fragen altersgemäß zu

beantworten und durch eine liebevolle

Atmosphäre auch die Experimentierfreude

und Erlebnisse rund um den Körper

und die Sinne zu unterstützen.“ 10

Die Beobachtungen von Kinderpsychiatern,

dass etwa zwanghaftes Masturbieren

oder Sich-zur-Schau-Stellen

innere Unruhe, Angstzustände und

emotionale Aufgewühltheit nach sich

ziehen, 11 wird von Sielert als zwar

„weit verbreitete“, aber eben doch

„bloße“ Meinung abgewertet.

4. Intellekt, Gefühle und Körper

als Objekte der staatlich geförderten

Sexualpädagogik

Das Schlagwort der „Ganzheitlichkeit“

findet sich auch in der staatlich

geförderten Sexualpädagogik.

Es will sagen, dass nicht die bloße

Information das Ziel ist; quasi therapeutisch

soll das Wissen mit den

Gefühlen und dem Körper verknüpft

werden:

„Sexuelle Bildung erfasst den

ganzen Körper, nicht nur den Kopf

oder die Sprache. … Körperliche

Erfahrungen unterstützen die Lernprozesse

und führen dazu, dass

das neu erworbene – kognitive und

affektive – Wissen nicht abstrakt

bleibt. So kann der Körper selbst

zum ‚Lernort‘ werden.“ 12

Eine solche „Ganzheitlichkeit“ hat

das Potenzial zur sexuellen Übergriffigkeit.

Besonders problematisch ist

ein solcher Ansatz bei Kindern, weil

die sich dagegen weniger zur Wehr

setzen können. Solche „Ganzheitlichkeit“

muss sich den Vorwurf des

Totalitarismus gefallen lassen.

5. Befreiung der Sexualität aus

gesellschaftlichen und religiösen

Zwängen

Sexualität ist kulturell, religiös und

durch Gesetze „eingehegt“, da sie das

Potenzial hat, den gesellschaftlichen

Frieden zu stören. Die individualistische

postmoderne Gesellschaft verzichtet

weitgehend auf solche Schutzmaßnahmen

– dadurch haben sich

ungeahnte „Freiheiten“ eröffnet.

Aufklärungsbuch für

Kinder ab 5: Wenn Lars

das Schmusen mit Lisa

schön findet, wird sein

Penis größer ... Lars mag

es sehr, wenn Lisa ihn

dort streichelt ...

Bild 1 u. 3: Illustration Dagmar Geisler, aus Sexbox, CH;

Bild 2 u. 4: Illustrationen Frank Ruprecht; aus „Lisa & Jan –

Ein Aufklärungsbuch ...“ von Frank Herrath und Uwe Sielert

Z für Zukunft

81


Pädagogik

Foto: © Cover von VOGUE Italia

„Make

love

not

war“

„Sich auf kulturell festgelegte Markierungen

[wie Geschlecht, sexuelle Orientierung, Kernfamilie,

biologische Elternschaft] sicherheitsheischend

zu verlassen, bedeutet, der Selbst-Entfaltung, dem

aufregenden und zugleich befriedigenden Selbst-

Entwurf aus dem Weg zu gehen.“ 13

6. Schwerpunkt sexuelles Lustempfinden

Die staatlich geförderte Sexualpädagogik folgt

dem Denken von Wilhelm Reich und Herbert Marcuse.

Für diese Philosophen hatte Sexualität die

Macht, die Gesellschaft zu revolutionieren und

sexuelle Gewalt zu verhindern.

„Im Namen sexueller Lust ist bisher kaum eine

pädagogische Konzeption entstanden, obwohl das

die beste Prävention auch gegen sexuelle Gewalt

wäre.“ 14 Diese naive Heilsvorstellung brachte die

„sexuelle Revolution“ hervor mit ihren Slogans

„Make love not war“ und „Wer zweimal mit derselben

pennt, gehört schon zum Establishment“.

Diese Bewegung führte aber keineswegs zu einer

friedlicheren Gesellschaft.

7. Affirmative Einstellung gegenüber „vielfältigem“

Sexualverhalten und „vielfältigen“

Partnerschaftsmodellen

Mit der Befreiung der Sexualität aus gesellschaftlichen

und religiösen Zwängen und der Fokussierung

auf das sexuelle Lustempfinden geht einher,

dass Heterosexualität entnormalisiert und abgewertet

wird, obwohl sie nach wie vor die weitaus

häufigste Form der sexuellen Betätigung darstellt:

„Die Konsequenz [der gesellschaftlichen Entwicklung]

ist deutlich: der klassische heterosexuelle

Koitus wird zu einer von vielen möglichen Formen,

sexuell zu sein. Perversionen verlieren ihren

perversen Charakter, indem sie einvernehmlich

vorgenommen und stolz geoutet werden.“ 15

8. Verlagerung der Sexualpädagogik aus der

Familie in öffentliche Einrichtungen

Der staatlich geförderten Sexualpädagogik

ist ein besonderes Ärgernis, dass Sexualerziehung

im Verfassungsrecht zunächst das Vorrecht

der Familie ist. Deshalb wird nichts unversucht

gelassen, die sexualpädagogische Kompetenz der

Familie in Abrede zu stellen und dem Aufgabenbereich

von Erziehern und sexualpädagogischen

Aktivisten zuzuweisen.

Realitätsfern mutet insbesondere der Perfektionismus-Anspruch

an: Sexualität kann sich

angeblich nur dann „frei“ entfalten, wenn sie

ständig „lustvoll“ ist.

„Erwachsene – Pädagoginnen wie Eltern – können

das nicht immer gelassen mit ansehen [Anm.:

gemeint ist die Experimentierfreude des Kindes]

und wissen nicht immer so recht, wie sie damit

umgehen sollen … So leben Kinder im Umgang

mit Körper und Sexualität von der Spannung zwischen

Entdeckungslust und Erfahrungsfrust.“ 16

82

Z für Zukunft


Pädagogik

9. Aufhebung der Unterschiede zwischen

kindlichem sexuell konnotiertem Verhalten

und erwachsener Sexualität

„Die Beziehungen zu den Eltern haben sich im

Laufe der Zeit gewandelt: Mädchen flirten gelegentlich

mit dem Vater und lassen die Mutter abblitzen,

Jungen und Mädchen spielen schon mal gerne

an den Brüsten der Mutter und träumen nachts vor

lauter Eifersucht vom Autounfall des Vaters. Die

Eltern nehmen mit Verwunderung wahr, dass sie zu

begehrten Liebesobjekten wurden.“ 17

Hier wird Missverständnissen, die von Pädosexuellen

aufgegriffen werden können, Tor und

Tür geöffnet. So wissenschaftlich fragwürdig eine

solche Gleichsetzung des Spielen des Kindes und

des erwachsenen Ernsts der Sexualität ist, so

gefährlich ist sie für Kinder, wenn es den Erwachsenen

an Reife und Distanz fehlt. Es ist nur ein

kleiner Schritt zur Schutzbehauptung, es wären

die Kinder, die die Erwachsenen verführten.

10. Parallelen zwischen empfohlenen Körperspielen

und einer die Schamgrenzen aufweichenden

Konditionierung

„Übungen“, die von der „Sexualpädagogik der

Vielfalt“ vorgeschlagen werden – Variationsmöglichkeit

der Übung „Erster Eindruck“: „Sammeln

von Eindrücken (ab 10 Jahren) zu ‚Was ich sexuell

schon immer mal ausprobieren wollte‘, ‚Was

ich sexuell auf keinen Fall tun würde‘ oder ‚Meine

Lieblingsstellung/Lieblingspraktik‘.“ 18

Zur Übung „Das erste Mal … ja, welches

denn?“ (ab 13 Jahren): Zu den „Erstes-Mal-Karten“

gehören u. a. das erste Mal Selbstbefriedigung,

das erste Mal Petting, das erste Mal Analverkehr.

Bisweilen erinnern diese sexualpädagogischen

Übungen eher an die auflockernden Spiele

bei Swinger-Parties, so auch die Übung „Der Po

gehört zu …“, die sich dezidiert an Kinder im Vorschulalter

richtet:

„Ein Kind fängt an und wird zum ‚Po-Begutachter‘.

Die anderen Kinder stellen sich in einer

Reihe auf, mit dem nackten Po in Richtung

Po-Begutachter. Der rät dann, welcher Po zu welchem

Kind gehört. Wenn ihm bei einem Po gar

nichts einfällt, dann darf er ihn vorsichtig und

zärtlich streicheln oder kneifen, um dem Besitzer

ein Geräusch zu entlocken.“

„Das Spiel lässt sich im Prinzip mit jedem Körperteil

spielen. Dann wird daraus ein […] ‚Dieser

Pimmel gehört zu …‘-Spiel.“ 19

11. Abwendung von der Biologie und der Entwicklungspsychologie

als Leitwissenschaften

der Sexualpädagogik zugunsten der „Gender

Studies“

Sielert postulierte bereits 2001: „Das nachfolgend

von mir erläuterte Verständnis einer Sexualpädagogik

der Vielfalt von Geschlecht, Lebensweise,

Generativität und Begehren skizziert den sexualpädagogischen

Horizont, der durch Gender Mainstreaming

als momentan konsensfähigem Motor

der Veränderung angesteuert werden kann.“ 20

Sechs Anforderungen an eine

alternative Sexualpädagogik

Vorbemerkung: Toleranz gegenüber dem nichtheterosexuellen

Lebensentwurf muss nicht extra

erwähnt werden, da Toleranz selbstverständlich

immer Erziehungsziel sein sollte.

1. Die Möglichkeit, Sexualität „entwicklungssensibel

zu fördern“, sollte zuallererst darin gesehen

werden, dass für eine ungestörte, gesunde

körperliche und stabile emotionale Entwicklung

gesorgt wird. Von einer zu frühen „Intellektualisierung“

durch Detailwissen über Erwachsenen

sexualität ist abzuraten, weil sie Kinder überfordern

kann; darauf reagieren sie mit einem „sexualisierten“,

nicht altersgemäßen Verhalten.

2. Auf die Vermittlung von Schutzwissen kann

nicht verzichtet werden. Dazu gehört grundlegendes

Gesundheitswissen über die Reproduktionsorgane,

in der Pubertät auch Verhütungswissen,

der Hinweis auf Anzeichen für

missbräuchliche Manipulation durch Erwachsene

oder andere Jugendliche und die Bedeutung

von emotionaler Stabilität.

Zeige

deinen Po,

und die anderen

erraten, wer

du bist

„Sexualpädagogische“ Übung

Z für Zukunft

83


Pädagogik

Bei älteren Jugendlichen sollte dieses Schutzwissen

ergänzt werden um den Aspekt der Verantwortung

für sich selbst und den (weiblichen

oder männlichen) Sexualpartner. Generell gilt,

dass Sexualverhalten, das „nur Spaß“ ist, auf

Dauer als flach und emotional unbefriedigend

erfahren wird.

3. Die Frage, was Männlichkeit und Weiblichkeit

über das angeborene biologische Geschlecht

hinaus bedeutet, muss altersgerecht aufgegriffen

werden.

Eine zu frühe theorielastige Betonung der

„Gender Diversity“ ist aus entwicklungspsychologischer

Sicht zumindest fragwürdig,

wenn nicht sogar „Missbrauch“.

4. Es ist naiv, anzunehmen, Kinder und Jugendliche

hätten eine Art natürlicher Immunität

gegen die Einflüsse der heute allgegenwärtigen

Pornografie.

5. Die Förderung von Achtsamkeit gegenüber

den eigenen körperlichen und emotionalen

Bedürfnissen ist wünschenswert. Das ist

Grundlage für Empathie und für die Entwicklung

von Resilienz gegenüber negativen Wirkungen

von außen und führt generell zu höherer

Lebenszufriedenheit.

6. Für Sexual-Wissenschaft muss gelten: Wie in

allen anderen Disziplinen ist auf die Vorläufigkeit

und Widersprüchlichkeit von „Faktenwissen“

hinzuweisen. Eine entwicklungssensible

Sexualpädagogik muss mit Fragen beginnen,

nicht mit Antworten.

Fazit: Sexualpädagogik darf nicht der Selbstverwirklichung

von „Aufklärern“ dienen, sondern

muss das Wohl und die ganze Persönlichkeit der

anvertrauten Kinder und Jugendlichen im Blick b

ehalten.

Jakob Pastötter, Prof. (US) Dr. phil., M. A., Diplomate in Clinical

Sexology. Sexualwissenschaftler und Kulturanthropologe.

Clinical Professor, American Academy of Clinical Sexologists,

Orlando (Florida, USA). Jahrgang 1965.

Leiter des DGSS-Institutes für Sexualberatung und eigene Sexualberatungspraxis

„Sexualität leben!“ bei München. Mitglied der

Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung

e.V. (DAJEB) des American Board of Sexology (ABS) und der American

Association of Sexuality Educators Counselors & Therapists

(AASECT).

1 WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA (Hrsg.): Standards für die

Sexualaufklärung in Europa. Rahmenkonzept für politische Entscheidungsträger,

Bildungseinrichtungen, Gesundheitsbehörden, Expertinnen

und Experten, Köln 2011.

2 John Bancroft (Hg): Sexual Development in Childhood, Indiana University

Press, Bloomington 2003.

3 Daniel S. Bromberg, William T. O’Donohue (Hrsg.), Handbook of Child

and Adolescent Sexuality: Developmental and Forensic Psychology,

Academic Press 2013.

4 Anna Freud, Heimatlose Kinder, S. Fischer Verlag 1971, englisches

Original London 1950: Anna Freud in collaboration with Sophie

Dann: An Experiment in Group Upbringing, in: The Psychoanalytic

Study of the Child, VI, 1951: A group of six three-year-old former

Terezin children is observed as regards group behavior, psychological

problems and adaption.

5 Harlow HF, Dodsworth RO, Harlow MK, Total social isolation in monkeys,

Proc Natl Acad Sci USA, 1965, S. 90–97.

6 Uwe Sielert, Einführung in die Sexualpädagogik. Beltz Verlag, Weinheim

2005, S. 101.

7 Ebd.

8 www.zeit.de/2014/21/sexualerziehung-paedagogik.

9 Uwe Sielert, Einführung in die Sexualpädagogik, S. 120.

10 Eckhard Schroll (BZgA), Die Kinderliedertour „Nase, Bauch, Po“ der

BZgA. Eine bundesweite Initiative zur länderspezifischen Umsetzung

der Sexualerziehung im Kindergarten. In: Petra Hofrichter und Dörte

Frevel (HAG), „Kuscheln, Fühlen, Doktorspiele …“, Dokumentation

zur Fachtagung „Frühkindliche Sexualerziehung in der Kita“. Hamburg

2005, S. 22.

11 Practical approach to childhood masturbation—a review, Charita

Mallants & Kristina Casteels; Eur J Pediatr (2008), erhalten am

23.02.2008, akzeptiert am 14.05.2008, online veröffentlicht am

25.06.2008, Springer-Verlag 2008; Bancroft, J., Herbenick DL, Reynolds

MA, Masturbation as a Marker of Sexual Development; Two

Studies 50 Years apart, in: Bancroft et al., „Sexual Development in

Childhood“, S. 156–185.

12 Elisabeth Tuider et al., Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden

zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und

Jugendarbeit, Juventa, Weinheim 2012, S. 167.

13 Uwe Sielert, Gender Mainstreaming im Kontext einer Sexualpädagogik

der Vielfalt. Auf: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung,

https://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=667 (Stand

22.09.2015).

14 Uwe Sielert, Vortrag. In: Treffpunkt: Sexuelle Selbstbestimmung, 30

Jahre Sexualpädagogik bei pro familia NRW. Dokumentation des

Fachkongresses am 26. und 27. Mai 2011 in Wuppertal, S. 21.

15 Uwe Sielert, Einführung in die Sexualpädagogik, S. 57.

16 Christa Wanzeck-Sielert, Psychosexuelle Entwicklung des Kindes und

sexualpädagogische Herausforderung, BZgA- Homepage, Quelle:

https://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=459 (Stand

22.09.2015).

17 Uwe Sielert, Einführung in die Sexualpädagogik, S. 106, unter der

Überschrift „Sexuelle Sozialisation im vierten Lebensjahr“.

18 Elisabeth Tuider et al., Sexualpädagogik der Vielfalt. Praxismethoden

zu Identitäten, Beziehungen, Körper und Prävention für Schule und

Jugendarbeit, S. 80.

19 Lothar Kleinschmidt u. a., Lieben, kuscheln, schmusen. Hilfen für

den Umgang mit kindlicher Sexualität im Vorschulalter. In: ProFamilia

NRW (Hg.), Sexualpädagogische Reihe. Bd. 1, Ökotopia-Verlag,

Münster 1994, S. 90.

20 Uwe Sielert, Gender Mainstreaming im Kontext einer Sexualpädagogik

der Vielfalt. Auf: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

https://forum.sexualaufklaerung.de/index.php?docid=667 (Stand

22.09.2015).

84

Z für Zukunft


Pädagogik

Wie das »Gehirn« der

sexuellen Vielfalt tickt

Prof. Dr. Uwe Sielert gilt als der Vordenker der modernen Sexualpädagogik. Hier fassen

wir einen Text von ihm zusammen – im Versuch, sein Denken zu verstehen

Peter Ischka

Foto: © Agentur PJI UG/Montage

Es ist

vierzig

nach

zwölf

Um die kontroverse Diskussion rund

um Bildungspläne besser zu verstehen,

sehen wir uns an, wie das

Gehirn der „neuen“ Sexualpädagogik

tickt. Ich fasse Aussagen von

Prof. Dr. Uwe Sielert zusammen, die auf der Website

der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

veröffentlicht sind. Er wird als der Vordenker

der modernen Sexualpädagogik gesehen und

zugleich sitzt er in den Gremien, die ihre eigene

Tauglichkeit prüfen sollen.

Für Sielert ist das Gender-Konzept eine Strategie

geschlechterbewusster Arbeit, für die er

breiten Konsens und politischen Rückenwind auf

allen Ebenen wahrnimmt. Er ist der Meinung,

hier könnte Diskriminierung abgebaut werden,

indem man vorgegebene Grundannahmen über

existierende Geschlechterverhältnisse aufgibt. 1

Denkt er dabei an das, was in der Gendersprache

als Stereotypen bezeichnet wird? Aber bei den

sogenannten Gender-Studies geht man doch erst

recht wieder von eigenen Grundannahmen aus?

Es scheint ihm das Top-down-Prinzip klar vor

Augen zu stehen, wenn er sagt, nicht zufällig

liege der Ursprung des politischen Anstoßes zum

Gender-Mainstreaming (GM) auf europäischer

Man lehnt

vorgegebene

Grundannahmen

ab, um dafür eigene

Grundannahmen

aufzustellen

Z für Zukunft

85


Pädagogik

Foto: © Buchcover

Foto: © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Foto: © „Das wilde Leben“ Warner Bros. Germany Foto: © Stiftung Haus der Geschichte der BRD

Oswald Kolle (1) und Beate Uhse (2) durften dem

sexuellen Begehren auf die Sprünge helfen

(3) Die 68er Sexuelle Revolution – Kommune 1

(4) Frauenbewegung

Ebene, denn dort könnten zwangsläufig

nur breit konsensfähige Grundintentionen

auf den Weg gebracht werden. 2

Das spare mühsame nationale Prozesse.

Damit sieht er den Weg frei für die Entideologisierung

bisheriger Positionen in

der Geschlechterdebatte eben mit einer

neuen, der Gender-Ideologie.

Sielert meint, man komme nicht umhin,

die in der feministischen Geschlechterforschung

herausgearbeitete heterosexuelle

Matrix der Dreieinigkeit von Sex, Gender

und Begehren zu thematisieren als wesentliche

Stütze der Zweigeschlechtlichkeit. 3

Da diskriminiert und benachteiligt werde,

weil wir Frauen oder Männer zu sein hätten,

4 müssten alle relevanten Verhaltensmuster

und Erwartungen in Frage gestellt

werden. Das bedeutet für ihn, Heterosexualität,

Generativität und Kernfamilie zu

„entnaturalisieren“ und die Sexualpädagogik

darauf abzustimmen.

Gender-Mainstreaming aber auf die

Gleichberechtigung von Frauen und

Männern zu reduzieren, wäre für Sielert

eine Einschränkung. Er will heterosexuelles

Begehren generell hinterfragen und

damit die Kernfamilie einschließlich biologischer

Elternschaft. Er sieht GM als

„sexual diversity mainstreaming“, eine

Strategie zur sexuellen Vielfalt. Für ihn

ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich das

komplett durchsetzt.

Sielert skizziert, in welchen

Etappen die Interpretation des

Geschlechterverhältnisses sich

bisher entwickelt hat, um daraus

seine Überlegungen für eine Sexualpädagogik

der Vielfalt abzuleiten:

• Geschlechtserziehung 5 , so hieß Sexualpädagogik

bis in die zweite Hälfte

des vorigen Jahrhunderts hinein.

Damals sah man Männer und Frauen als

wesensverschieden; ihr sexuelles Begehren,

die Generativität als Elternschaft und

die Formen des Zusammenlebens waren

normativ festgelegt. Die Geschlechtserziehung

diente der Festschreibung des

hierarchischen Verhältnisses, der Ehevorbereitung,

der Fortpflanzung und der normativen

Ächtung gleichgeschlechtlicher

Sexualität. Die Generativität der Frau

wurde definiert über Schwangerschaft,

Geburt und Kindererziehung.

• Emotionalisierung der Lieb- und

Partnerschaft in den 1960er-Jahren

Das andere Geschlecht sollte kein unbekanntes

Wesen mehr bleiben; Mädchen

und Jungen sollten sich kennen und lieben

lernen, damit die Ehe später gelänge.

Durch die Pille konnte Lust von Fortpflanzung

getrennt erlebt werden. Oswald

Kolle und Beate Uhse durften dem Begehren

auf die Sprünge helfen.

• Die „sexuelle Revolution“: Emanzipation

durch sexuelle Freizügigkeit

Die Befreiung der Lust von der biologischen

Generativität machten ihre Emanzipation

von der Ehe und sogar von der

Liebe möglich. Kommunen entstanden

als erste alternative Modelle zur Ehe

und Kernfamilie, es formierten sich erste

homosexuelle Interessengruppen. 6

• In den 70er-Jahren sieht Sielert eine

weniger repressive Sexualerziehung.

Aber er vermisst immer noch eine

Demokratisierung der Geschlechterverhältnisse,

da die Grundannahmen von

männerlastigen Geschlechter- und Sexualitätsmythen

durchdrungen gewesen

seien. Gleichgeschlechtliche Liebe wurde

weiterhin negativ sanktioniert.

• Dies änderte sich mit der Frauenbewegung

in den 1980er-Jahren, die

die Hierarchie der Geschlechter und

die Benachteiligung von Mädchen und

Frauen skandalisierte. Feministinnen

beschrieben Sexualität als Territorium

männlicher Machtausübung.

86

Z für Zukunft


Pädagogik

Weibliches Begehren konnte sich ohne Abhängigkeit

von Männern bestätigen. Einem lesbischen

Lebensentwurf wurde der Boden bereitet, jedoch

ohne jene öffentliche Identitätspräsentation zu erreichen,

wie das der Schwulen-Bewegung gelang.

In der Sexualpädagogik ging es darum, möglichst

viele Territorien weiblich zu besetzen. So

diente nun so manches Programm als Umerziehungshilfe

für Jungen bzw. zur vordergründigen

Anpassung ihres sexuellen Erlebens an die sozial

erwünschte, als weiblich etikettierte Norm.

Aus seinem historischen Exkurs ergeben sich

für Sielert drei zentrale Fragen:

1. Wie hängen Geschlecht, Lebensweise, sexuelle

Orientierung und Generativität zusammen,

und wie lässt sich daraus das Konzept sexueller

Identität ableiten?

2. Wie kann sexuelle Identität erworben werden,

ohne das Differente auszugrenzen und abzuwerten?

3. Wie kann eine Sexualpädagogik aussehen, die

Menschen darin begleitet, eine selbstreflexive

sexuelle Identität auszubilden?

1. Wie hängen Geschlecht, Lebensweise, sexuelle

Orientierung und Generativität zusammen,

und wie lässt sich daraus sexuelle Identität

ableiten?

Sielert verweist auf den von Sonja Düring ausgeführten

Gedanken, Homosexualität sei nicht nur

eine andere Sexualität, sondern auch ein subversiver

Protest gegen die Zweigeschlechtlichkeit. 7

Ihre Argumentation gründet auf den Ergebnissen

einer Fragebogenstudie und auf den Erfahrungen

in ihrer psychotherapeutischen Sprechstunde;

denen zufolge wollten Menschen im Laufe des

Leben ihre sexuelle Orientierung nicht wechseln

bzw. sich gar nicht erst als homo- oder heterosexuell

einordnen, sondern gingen eher von

einem erotischen Kontinuum aus.

Düring entwickelt die Hypothese, die sexuelle

Orientierung sei weder Ergebnis einer frühen

Prägung noch Ergebnis eines homosexuellen oder

heterosexuellen Triebschicksals. Sie hänge vielmehr

davon ab, welche Position im Geschlechterverhältnis

bezogen wird: ob Mann/Frau bereit ist,

auf eines der beiden Potenziale der in ihm/ihr

angelegten (aber ihm/ihr nicht mehr zustehenden)

Geschlechtsrollen zu verzichten oder ob er/

sie festhalten will an dem ganzen Potenzial, das in

diesen angelegt ist.

Sielert ist der Meinung, Kinder gingen

zunächst grundsätzlich davon aus, ihnen stünden

alle sexuellen und geschlechtlichen Möglichkeiten

offen; er spricht von einem „bisexuellen Vollkommenheitsanspruch“.

Doch dann, so Sielert, beginnen

sie, die Geschlechtsrollen wahrzunehmen und

kognitiv zu verarbeiten, so setze eine Geschlechter-Differenzierung

ein. Das veranlasse sie, ihren

Wunsch nach Entfaltung des gesamten in ihnen

angelegten Potenzials aufzugeben [Zwangsheterosexualisierung].

Sie begännen, ihr biologisches

Geschlecht gleichzusetzen mit der vorgegebenen

Geschlechtsrolle und eine heterosexuelle Entwicklung

als Mann oder Frau einzuschlagen.

Soweit jedoch Kinder unbewusst am bisexuellen

Vollkommenheitsanspruch festhielten und sich

dagegen wehrten, dass sie auf die Möglichkeiten

des anderen Geschlechts verzichten müssen, wenn

sie also ihr biologisches Geschlecht trennten von

der vorgegebenen Geschlechtsrolle, würden sie im

Hinblick auf die sexuelle Orientierung eine flexiblere

Entwicklung nehmen, so die Sicht Sielerts.

Weiter attestiert Sielert, der kulturelle Protest

gegen die geschlechtliche Polarisierung

gehe mehr von den Frauen aus; das könne den

Grund legen für eine auch spätere Entwicklung

hin zur Homo- oder Bisexualität. Männer hätten

eher Probleme, sich den Sphären anzunähern,

die als „weiblich“ etikettiert seien, weil das mit

Macht- und Prestigeverlust einherginge. Sielerts

Schlussfolgerung: Da die Chancen stiegen, den

„bisexuellen Vollkommenheitsanspruch“ aufrechtzuerhalten

oder auch später noch zu erfüllen,

könnten auch Art und Richtung des Begehrens

sowie die Form von Elternschaft und Lebensweise

weiter variabilisiert werden. 8

2. Wie sexuelle Identität finden, ohne das Differente

auszugrenzen und abzuwerten?

Die Betrachtung der Geschlechterverhältnisse

in der Sexualpädagogik zeigt für Sielert, wie

dringlich das Bedürfnis sei, sich einer sexuellen

Schon mal vom

„bisexuellen

Vollkommenheitsanspruch“

gehört?

Z für Zukunft

87


Pädagogik

Foto: © Wikipedia, Mm.Toronto

Ein homosexuelles Paar

in Kanada

Rigides

Geschlechtsrollenfesthalten

verhindere eine

Vielzahl von

Verhaltensmöglichkeiten,

z. B. gleichgeschlechtliches

Begehren

Identität zuzuordnen, für

die es ein gesellschaftliches

Muster gebe, wenngleich

es von der allgemein

anerkannten Norm

abweichen mag.

Ihm scheint klar zu

sein: Bei rigiden, um die

biologischen Geschlechtsmerkmale

herum konstruierten

Geschlechtsrollen

von Mann oder Frau ist

die Folge der Verzicht auf

eine Vielzahl von Verhaltensmöglichkeiten

(z. B.

auf die Ausrichtung des

Begehrens auf das gleiche

Geschlecht).

Hat der Mensch biologisches Geschlecht und

Geschlechtsrolle voneinander getrennt, stehen

für Sielert in unserer dominanten Kultur nur –

meist abgewertete – Minderheitspositionen zur

Verfügung. Jemand ist dann z. B. schwul oder lesbisch,

selten bisexuell, manchmal transgender.

Jedenfalls sei der Wunsch, eine sexuelle Identität

zu haben, sich also von anderen Identitäten abzugrenzen,

ein grundlegendes Bedürfnis. Sielert

fragt, ob diese Identität eindeutig, gesichert und

das ganze Leben gültig sein muss.

Die Vorstellung vom konstruierten Selbst

als Grundlage aller Identitätstheorien

Unser Selbst, unsere Identität, so Sielert, sei wie

alles Menschliche relativ. Zwar könne man in den

Schichten der eigenen Person durchaus auch Tieferes

und Festeres finden (z. B. Anlässe für das

Grundgefühl von Urvertrauen) und man könne

auch nach einer persönlichen Sinn-Regel streben,

doch letztlich sei es ein Fluss, ein Prozess,

ein Suchgeschehen.

Dieses Selbst gibt es für Sielert nicht real,

auch nicht ein sexuelles; für ihn existiert nur

die subjektive Konstruktion eines Selbstgefühls. 9

Laut Sielert bauen wir unser Selbst durch unsere

Selbstentfaltung und die Konstruktion von Sinn,

in einer persönlichen Sinn-Erzählung.

Sich auf einige kulturell festgestellte Markierungen

(wie Geschlecht, sexuelle Orientierung,

Kernfamilie oder biologische Elternschaft) sicherheitsheischend

zu verlassen, heißt für Sielert der

Selbst-Entfaltung, dem aufregenden und zugleich

befriedigenden Selbst-Entwurf aus dem Weg zu

gehen. Nach Sielert werden solche Kulturmuster

als Identitätsstützen gebraucht, als vermeintliche

Sicherheit, und alles andere gilt damit als unnatürlich,

abweichend, manchmal sogar als bedrohlich,

zumindest aber als unwesentlich. Doch Sielert

sieht diese vermeintlichen Sicherheiten erodieren:

• Das Dominanzmuster des klassisch Männlichen

gebe inzwischen am wenigsten her. Das

traditionelle Patriarchat als Verhaltensvorbild

beginne zu verwesen, es werde wieder auferstehen

in den Strukturen eines globalen Kapitalismus

in Form des flexiblen Menschen. Dieses

modernisierte Sozialisationsmuster gelte

inzwischen auch für Frauen. 10

• Das homosexuelle Selbst und die dazugehörige

Lebenswelt dienten noch als vorübergehende

Stütze diskriminierter Identität, begännen

jedoch, sich in der allgemeinen Pluralisierung

der Lebensstile aufzulösen. 11

• Die Kernfamilie sei erwiesenermaßen nur noch

eine Lebensweise unter vielen anderen geworden

(wenngleich eine bedeutsame). 12

• Am stabilsten erweise sich noch das tief verankerte

Muster der biologischen Elternschaft,

obwohl es auch anders gehe: Seit langem seien

Formen fraktionierter Elternschaft bekannt, so

durch Pflegschaft und Adoption; neuerdings

würden auch Leihmutterschaft und künstliche

Befruchtung praktiziert.

Die meisten, vielleicht alle Menschen brauchen

nach wie vor ein Gefühl des „Mit-sich-eins-Seins“

als Kompositionsprinzip, wie Sielert es nennt;

ohne die Abstimmung mit einer bestätigenden

Umwelt könne es allerdings kaum erreicht werden.

Doch die wesentlichen sozialen Konstrukte,

die das bisher gewährleistet haben, begännen

langsam zu zerfallen bzw. verändert zu werden.

Eine lebendige (nicht immer unproblematische)

Vielfalt beginne zu gedeihen, die der potenziellen

Vielfalt menschlicher Möglichkeiten entspreche.

88

Z für Zukunft


Pädagogik

3. Wie kann eine Sexualpädagogik der Vielfalt

aussehen, die Menschen begleitet, eine selbstreflexive

sexuelle Identität auszubilden?

Sielert knüpft an die emanzipatorische Sexualpädagogik

an, die seiner Meinung nach verhindern

kann, dass Personengruppen, die der dominanten

Kultur nicht entsprechen, benachteiligt und ausgegrenzt

werden. Aber eine Pädagogik der Vielfalt

solle noch einen Schritt weitergehen: Dekonstruktives

Denken habe ihn gelehrt, dass es nicht reiche,

diskriminierten Identitäten die Durchsetzung

ihrer legitimen Interessen zu ermöglichen.

Sielert will sich also nicht nur einsetzen für die

Gleichberechtigung vorhandener (d. h. zugewiesener)

Identitäten und Lebensweisen, also Mann

oder Frau, Heterosexualität oder Homosexualität,

Kernfamilie oder Single, mit und ohne Kinder; er

engagiert sich auch für die potenzielle Vielfalt der

Lebensweisen, die zwischen den genannten polaren

Identitätsangeboten existieren.

Unter Vielfalt versteht er eine Perspektive,

welche „die Struktur von Norm und Abweichung,

von Allgemeinem und Besonderem zu Gunsten

einer gleichwertigen Vielfalt“ verschiebt. Für die

pädagogische Praxis sieht Sielert die Notwendigkeit,

„vorfindliche Existenz- und Lebensweisen

unabhängig von ihrem quantitativen Vorkommen

wertschätzend zu entfalten“ 13 und nicht nur additiv-plural

nebeneinander zu stellen. Es geht ihm

um ein gesellschaftliches Miteinander, in dem

man ohne Angst verschieden sein kann (Adorno).

Eine Pädagogik der Vielfalt

In dieser Denkrichtung und in der aus ihr erwachsenden

Sexualerziehung findet Sielert seine Zielperspektiven

in der Beförderung von Vielfalt sexueller

Identität, also der Vielfalt von Geschlecht,

Generativität, Lebensweise und Begehren.

In einer Welt der aufbrechenden Vielfalt, der

Chance, aber auch des Risikos eigener Entscheidungen

hält Sielert sexualpädagogische Hilfen

und Sexualaufklärung für jedes Lebensalter für

wichtiger denn je:

Foto: © Screenshot, GUE‘, Youtube

• So könnte Sexualpädagogik einerseits aus der

Enge eindeutiger polarer Zuordnungen heraushelfen,

andererseits aber die Tatsache berücksichtigen,

dass wir körperlich, psychisch und

sozial unser Geschlecht vorwiegend in der

erwarteten Rolle präsentieren müssen, um

handlungsfähig zu bleiben.

• Sexualpädagogisch Tätige sollten Erlaubnisräume

öffnen, damit Kinder und Jugendliche ihr

Begehren ausdrücken und leben können – das

gleichgeschlechtliche ebenso wie das heterosexuelle.

• Es erscheint Sielert als dringend nötig, soziale

Elternschaft in Eineltern-, Patchwork- und

gleichgeschlechtlichen Familien sexualpädagogisch

zu würdigen und die (auch dort) auftretenden

Konflikte zu bearbeiten, ohne aber

den oft tief empfundenen Wunsch nach „eigenen“,

leiblichen Kindern kleinzureden.

• Sexualpädagogik kommt nicht umhin, sich verstärkt

auseinanderzusetzen mit verschiedenen

Formen der Leihmutterschaft, künstlichen

Befruchtung und anderen Möglichkeiten der

Reproduktionsmedizin.

• Für Sielert hat Sexualpädagogik immer noch

Mühe, mit Lust, Zärtlichkeit und Erotik als

Energiequelle fürs Leben in allen Altersphasen

auch ohne Ehe und Liebe umzugehen. Für ihn

ist auch in dieser Hinsicht Vielfalt möglich und

human. So kritisiert er, dass man gegen lustsuchende

„Erregungssammler“ vorgehe, statt

auf Übereinkunft und Sensibilität zu vertrauen,

die auch ohne den Anspruch einer Zukunftsperspektive

eine Ausbeutung verhindern würden.

• Es ist für Sielert aber auch eine Frage der Haltung

und der Gesamtatmosphäre, was Sexualpädagogik

bewirkt: Unterstützt sie die Bereitschaft

und Kompetenz zum Entwerfen der

eigenen sexuellen Identität, ohne damit grenzenlosen

Machbarkeitswahn zu unterstützen, und

„Aus der Enge

eindeutiger

polarer

Zuordnungen

heraushelfen“

Sielert kritisiert,

dass man gegen

lustsuchende

„Erregungssammler“

vorgehe,

statt auf

Übereinkunft zu

vertrauen

Z für Zukunft

89


Pädagogik

Foto: © Wikimannia, Uni Kiehl, mag

Zur Person

Prof. Dr.

Uwe Sielert

hält sie gleichzeitig die

Erfahrung wach, dass

manches aller eigenen

Aktivität und inneren

Bereitschaft zum Trotz

nur ein Geschenk ist?

Der volle Artikel von Prof. Sielert,

der für diese Rezension

als Grundlage dient, ist auf

der Website der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung

veröffentlicht: https:

//forum.sexualaufklaerung.de/

index.php?docid=667.

Prof. Dr. Uwe Sielert,

bekennender Homosexueller,

gilt als zentrale Figur der „Sexualpädagogik

der Vielfalt“, die u. a. auf Thesen des homosexuellen

Päderasten Prof. Dr. Helmut Kentler aufbaut, der

auch „väterlicher“ Freund Sielerts genannt wird.

Kentler lehrte 20 Jahre an der Universität Hannover.

In Berlin brachte er verwahrloste Kinder und

Jugendliche bei Pädophilen unter (sprich: Essen und

Schlafen gegen Sex mit Erwachsenen!), und das mit

Kenntnis und Billigung des Senats. Nach Kentlers

Tod 2008 ging sein gedankliches Erbe über an Sielert,

den neuen Kopf der „Pädagogik der sexuellen

Vielfalt“, die sich unter dem Motto von Toleranz und

Anti-Diskriminierung durch alle Gesellschaftsbereiche

zieht, bis in Krippen und Kindergärten.

Uwe Sielert ist seit 1992 Professor für Sozialpädagogik

am Institut für Pädagogik der Christian-

Albrechts-Universität zu Kiel; er ist Mitgründer

und Vorstand der „Gesellschaft für Sexualpädagogik“

(GSP). Sielerts Gesellschaft vergibt als

einzige in Deutschland ein Qualitäts-Siegel für

Sexualpädagogen. Auch das „Institut für Sexualpädagogik“

wurde von ihm mitbegründet. Uwe

Sielert war Mitglied in mehreren Kommissionen,

etwa der Kommission zur „Sexualethik der Evangelischen

Kirche“ oder der Kommission „Sexualität,

Gewalt und Pädagogik“ der Deutschen Gesellschaft

für Erziehungswissenschaft, deren Mitglied

er ist. Sielerts Gender-Programm kann nachgelesen

werden im „Informationsdienst der Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung“.

Ebenfalls Mitglied der „Gesellschaft für Sexualpädagogik“

ist die Kasseler Professorin Elisabeth

Tuider. Zusammen mit Sielert hat sie das Buch

„Sexualpädagogik weiter denken“ veröffentlicht,

Untertitel: „Postmoderne Entgrenzungen“. Tuider

hat mit einigen Kollegen, alle in der GSP, außerdem

das Standardwerk „Sexualpädagogik der Vielfalt“

verfasst. Das Autorenteam will Kindern und Jugendlichen

durch „Praxismethoden“ beibringen, wo

„der Penis sonst noch stecken könnte“ um so einen

Aspekt der Vielfalt deutlich zu machen. 14

1 Dorit Meyer: Gender Mainstreaming – Bedeutung – Entstehung –

Kontexte einer neuen politischen Strategie. In: Gabriele v. Ginsheim

und Dorit Meyer (Hg.): Gender Mainstreaming. Neue Perspektiven

für die Jugendhilfe. Stiftung SPI, Berlin 2001, S. 25–40.

2 Siehe dazu Scherr, Albert: Gender Mainstreaming als Lernprovokation.

In: ebenda, S. 81.

3 Zuerst formuliert bei Judith Butler in: Das Unbehagen der Geschlechter,

Frankfurt a. M. 1991.

4 Meyer, Dorit: Gender Mainstreaming: Bedeutung – Entstehung –

Kontexte einer neuen politischen Strategie. In: von Ginsheim, Gabriele

und Meyer, Dorit (Hg.): Gender Mainstreaming. Neue Perspektiven

für die Jugendhilfe. SPI Berlin 2001, S. 35.

5 Immer noch gibt es die „Deutsche Gesellschaft für Geschlechtserziehung“

(DGG), allerdings hat sie ihr Konzept modernisiert.

6 In den 1970er-Jahren erschienen die sexualpädagogische Materialmappe

„betrifft: sexualität“, ein für diese Zeit beachtliches Zeugnis

für erste Versuche einer Sexualpädagogik der Vielfalt.

7 Düring, Sonja: Über sequentielle Homo- und Heterosexualität, in:

Zeitschrift für Sexualforschung Heft 3, 7. Jahrgang, September

1994, S. 193–202.

8 An dieser Stelle sind noch weitere sexualwissenschaftliche Recherchen

notwendig. Ein wichtiger Anfang auf diesem Gebiet ist die noch nicht

veröffentlichte Habilitationsschrift von Renate-Berenike Schmidt zum

Thema: Lebensthema Sexualität. Sexuelle Einstellungen und Handlungsmuster

jüngerer Frauen, Bremen 2001.

9 Genauer dazu: Lifton, Robert: The protean self: Human resilience in

an age of fragmentation, New York: Basic Books. Auch zitiert und

verarbeitet in: Heiner Keupp u. a.: Identitätskonstruktionen. Das

Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne, Reinbek 1999.

10 Böhnisch, Lothar: Männlichkeiten und Geschlechterbeziehungen –

Ein männertheoretischer Durchgang. In: Brückner, Margit und Böhnisch,

Lothar (Hg.): Geschlechterverhältnisse. Gesellschaftliche Konstruktionen

und Perspektiven ihrer Veränderung. Weinheim 2001,

S. 39–106.

11 Bech, Henning: When Men Meet. Homosexuality And Modernity,

Chicago 1997.

12 Schneider, Norbert F.: Und was kommt nach der Familie? – Soziologische

Anmerkungen zur Situation und zukünftigen Entwicklung von

Familie in Deutschland. In: Behrens, Christoph und Rüdiger Sachau:

Homosexualität – Herausforderung für die Familie. Evangelische Akademie

Nordelbien, Orientierungen Band 1, Hamburg 2000, S. 1–8.

13 Hartmann, Jutta: Bewegungsräume zwischen Kritischer Theorie und

Poststrukturalismus. In: Fritsche, Bettina, Jutta Hartmann, Andrea

Schmidt, Anja Tervoorden (Hg.): Dekonstruktive Pädagogik. Erziehungswissenschaftliche

Debatten unter poststrukturalistischen Perspektiven.

Opladen 2001, S. 80.

14 Quelle: http://de.wikimannia.org/Uwe_Sielert.

90

Z für Zukunft


Politik

»Gender« raus aus Bildungsplan

im Kanton Bern

Foto: © Wikipedia, chensiyuan

Die Genderthematik wird aus der Bildungsstrategie

2016 gestrichen –

auf Antrag der EDU mit Unterstützung

anderer Parteien.

Immer wieder macht die Schweizer Basisdemokratie

auf sich aufmerksam. Diese kleine Insel

der Rebellen gegen Brüssel lässt sich auch von

der Gender-Ideologie nicht bevormunden. Wie die

Schweizer Tageszeitung „Der Bund“ berichtet,

sollen Genderthemen im Stundenplan und in der

Lehrerbildung künftig keinen festen Platz haben:

Die christlich-wertkonservative Eidgenössische

Demokratische Partei (EDU) hat Mitte März 2016

im Grossen Rat durchgesetzt, dass in der Bildungsstrategie

für 2016 verzichtet wird auf den

Passus, der „verbindliche Standards zur Verankerung

der Genderperspektive“ fordert. Die Mehrheit

nahm den Antrag von Daniel Beutler (EDU)

an. Er forderte, dass in den Bereichen Unterricht,

Schulentwicklung sowie bei Aus- und Weiterbildung

von Lehrpersonen Genderthemen keinen

Platz haben dürften. Denn bei „Gender“ handle es

sich um einen ideologisch gefärbten Begriff und

nicht um Wissenschaft im herkömmlichen Sinne,

sondern ziele darauf ab, dass das Geschlecht

eines Menschen anerzogen sei und demnach

beeinflussbar wäre, so Beutler. Zudem habe die

genderkonforme Sprache in seinen Augen Auswüchse

gezeigt, die er nicht unterstütze.

Nicht gegen Gleichberechtigung

Mit der Streichung der Passage im Strategiepapier

des Kantons wolle er aber nicht die

Gleichberechtigung von Frau und Mann hinterfragen,

betonte Beutler weiter. Er befürworte die Chancengleichheit

für beide Geschlechter. Es solle keine Hindernisse

geben für Mädchen, die sich für Jobs z. B. im Baugewerbe

interessieren, oder für Jungs, die etwa einen Pflegeberuf

erlernen wollen. Gegen die Streichung des Abschnitts im

Strategiepapier hatte sich Michael Köpfli von den Grünliberalen

gestellt: Er meinte, Gender heiße eben auch Rollenbilder

aufbrechen. Wenn man Kindern nicht eine geschlechtertypische

Rolle zuschreibe, fänden etwa Mädchen eher

den Zugang zu Naturwissenschaften. Daher finde er es gut,

wenn an Schulen ein Bewusstsein dafür geschaffen werde.

Angenommen wurde der EDU-Antrag schließlich, weil sich

neben der Mehrheit der Schweizer Volkspartei (SVP) auch

„Die Liberalen“ (FDP) für das Anliegen stark gemacht hatten.

Corinne Schmidhauser (FDP) dazu: In den Genderbegriff

werde viel hineininterpretiert, darum habe ihre Partei

das Anliegen der EDU unterstützt. „Wenn man unter Gleichstellung

beispielsweise Schülerinnen in männertypischen

Domänen fördern will, dann müsste man mit gleicher Vehemenz

etwas gegen einen aktuell tieferen Ausbildungsstatus

bei jungen Männer unternehmen“, so Schmidhauser. Zudem

sei man bei der FDP der Meinung, dass die Förderung eines

Bewusstseins für Genderfragen nicht in eine Bildungsstrategie

gehöre.

Quelle: www.derbund.ch/bern/kanton/FDP-hat-kein-Gehoer-fuer-

Genderfragen/story/23461814. Stand 05.05.2016.

Z für Zukunft

91


Unsere Kinder

Identität zerbrechen?

... bis wir von unseren „determinierenden Rollenstereotypen“

total befreit sind

Birgit Kelle

Foto: © Manuel Tennert - fotolia.com/Montage

Stereotype

aufzubrechen:

Kinder sollen

sich Gedanken

machen ob

sie wirklich

männlich oder

weiblich sind

Als unsere jüngste Tochter vier Jahre

alt war, stand sie irgendwann unvermittelt

vor mir und sagte: „Ich bin

ein Mädchen, so wie Mama“, dann

benannte sie ihre Schwester, die sei

auch ein Mädchen. Nach angestrengtem Überlegen

fuhr sie fort: „Papa ist ein Junge und der Paul

ist ein Junge und der Emil ist auch ein Junge.“

Am Schluss strahlte sie: „Dann haben wir bei uns

drei Mädchen und drei Jungen.“ Zufrieden zog sie

von dannen: Geschlechter-Gleichstand im Hause

Kelle. Ihre kleine Welt war wieder ein Stück sortiert.

Sie hatte realisiert, dass sie so eine ist wie

Mama und die große Schwester – und dass ihre

Brüder so sind wie Papa. Sie hatte sich selbst eingeordnet

in unserer Familie.

Szenenwechsel: In einem Interview erklärt die

Leiterin der sogenannten Berliner „Koffer-Initiative“

– ein Medienkoffer mit Arbeitsmaterial zum

Thema sexuelle Vielfalt für Kindergartenkinder(!) –,

die Zielsetzung des öffentlich geförderten Projektes

sei, „Rollenstereotype“ aufzubrechen, bei Kindergartenkindern

wohlgemerkt, und die Kinder

sollen sich Gedanken darüber machen, „wie es

ist, wenn man nicht genau weiß, ob man männlich

oder weiblich ist. Als Jugendliche können sie sich

dann bewusst für eine sexuelle Identität entscheiden,

so wie für eine Religion.“

Zwei Szenen, zwei Denkmodelle: Während ich

als Mutter darum bemüht bin, unseren Kindern

auf dem Weg zur Entdeckung ihrer Identität Bestätigung

zu geben für das, was sie sind – nämlich

92

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Mädchen und Jungen –, arbeiten auf der anderen

Seite Pädagogen und immer neue „Experten“ zur

Sexualpädagogik daran, schon bei Vorschulkindern

das Selbstverständnis von Männlichkeit und

Weiblichkeit infrage zu stellen. Willkommen in der

absurden Welt von Gender-Mainstreaming.

Bis alles durchgegendert ist

Wir haben neuerdings fast 200 Lehrstühle für

Gender-Studien, überall Genderbeauftragte, wir

gendern die deutsche Sprache sowie Budgets,

Straßenschilder, Verkehrsordnungen, Ampelanlagen,

Toilettenschilder, Schulbücher, Bildungspläne

und sogar Spielplätze.

Fragt man jedoch, was Gender-Mainstreaming

denn sei, kann es kaum jemand in zwei vernünftigen

Sätzen erklären. Für so manchen ist das einfach

ein nettes, aber nichtssagendes Fremdwort.

Wir setzen also derzeit ein neues Denkmodell um,

ein Denkmodell zur Frage von „Geschlecht“, ohne

dass die Mehrheit der Bevölkerung überhaupt

weiß, was es bedeutet – oder gar, was dahintersteckt,

und wozu die Frage, wie viele verschiedene

sexuelle Spielarten es gibt, und was das

überhaupt zu tun hat mit der Gleichberechtigung

von Mann und Frau.

Gar nichts nämlich. Für beide Themenfelder

wird allerdings in der öffentlichen Debatte das

Wort „Gender“ benutzt.

Gender gegen Sex

Erstmalig tauchte der Begriff „Gender“, also

die Bezeichnung für das sogenannte „soziale“

Geschlecht im Gegensatz zum biologischen

Geschlecht, in der Transsexuellen-Forschung auf.

Also in der Forschung rund um die Menschen, die

eine Diskrepanz aufweisen zwischen ihrem tatsächlichen,

biologischen Geschlecht und dem,

was sie fühlen. Die Ausnahme der Transsexuellen

wird heute allerdings als Standardmodell vorgezeigt,

so als beträfe diese Diskrepanz zwischen

Biologie und Empfinden tatsächlich die Mehrheit

der Weltbevölkerung.

Die Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 hat

den Gender-Begriff dann erstmals in ihre Dokumente

übernommen und das bewährte englische

Wort „Sex“ für Geschlecht kurzerhand durch

„Gender“ ersetzt. Glaubten sie doch, mit dieser

Theorie hätten sie endlich den wissenschaftlichen

Unterbau gefunden für das, was Simone de

Beauvoir schon immer sagte: „Wir werden nicht

als Frau geboren (Biologie), sondern zur Frau

gemacht (Gender).“

Von da an gab es kein Halten mehr. Inzwischen

ist Gender durchmarschiert von UNO-Ebene auf

EU-Ebene, in die einzelnen Mitgliedsländer und

bis hinunter auf den Schreibtisch jeder einzelnen

Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten.

Entsprechend wird Gender-Mainstreaming bis

heute von den meisten immer noch mit „Gleichstellungspolitik“

übersetzt, genauer genommen

als „Frauenpolitik“, so auch in den Publikationen

des Bundesfamilienministeriums.

Auch im Amsterdamer Vertrag der EU aus

dem Jahr 1997 steht nichts von sexuellen Identitäten,

sondern dass Gender-Mainstreaming

bedeute, dass man bei allem politischen Handeln

(Mainstream) die besonderen Bedürfnisse beider

Geschlechter im Blick haben solle.

Dagegen kann niemand etwas haben. Das Problem

liegt also weniger in dem, was in solchen Dokumenten

niedergeschrieben wurde, als eher in dem,

was tatsächlich von der Politik umgesetzt wird.

„Entnaturalisieren“ – eine Lösung?

Tatsächlich behaupten die sogenannten „Gender

Studies“, die Frage nach Weiblichkeit und Männlichkeit

sei nicht eine Frage der Biologie, sondern

der gesellschaftlichen Prägung. Weiblichkeit und

Männlichkeit soll also nicht angeboren sein, sondern

sei geprägt durch gesellschaftliche Normen,

Gewohnheiten, Erziehung, Moral oder gar Religion.

Oder, um im Jargon zu bleiben: Geschlecht sei

„determiniert“ durch diese äußeren Faktoren. Dies

wiederum wird nicht als normaler Sozialisationsprozess

anerkannt, sondern zum Problem erklärt,

das man nun lösen will, indem man uns aus diesen

„determinierenden Rollenstereotypen“, denen wir

angeblich alle unterliegen, befreien will.

Die Lösung sehen diese Leute im „Aufbrechen“,

im „Entnaturalisieren“ der Kategorie Geschlecht.

Logisch: Wenn man die eindeutige Identifikation

Während ich als

Mutter darum

bemüht bin,

unseren Kindern

ihrer Identität

Bestätigung zu

geben, arbeiten

Sexualpädagogen

daran, schon bei

Vorschulkindern

Männlichkeit

und Weiblichkeit

infrage zu stellen

Z für Zukunft

93


Unsere Kinder

Foto: © Wikipedia, www.lukeisback.com

Foto: © Wikipedia, The All-Nite Images

Wir sind nicht weiblich,

wir sind lesbisch

Wir sind nicht männlich,

wir sind schwul

Foto: © Wikipedia, DC Gay Pride Parade 2012

Ich bin nicht männlich,

ich bin trans

mit dem Geschlecht „männlich“ oder

„weiblich“ zum Problem erklärt, dann

muss man diese Kategorie verwischen,

aufbrechen oder gar ganz abschaffen.

Tatsächlich ist das, was einst als „Gender

Mainstreaming“ niedergeschrieben

wurde, von einer zweiten Welle überrollt

worden, der „Diversity“-Bewegung,

zu Deutsch: Vielfalt.

Ging es einst noch um Mann und Frau,

muss jetzt eine Vielzahl von „Geschlechtern“

sichtbar gemacht und vor angeblicher

Diskriminierung geschützt werden.

Selbst das Wort „Geschlecht“ hat eine

neue Bedeutung bekommen: War damit

noch vor wenigen Jahren der biologische

Unterschied von Mann und Frau gemeint,

gelten inzwischen verschiedene sexuelle

Orientierungen als Geschlecht.

Biologie wird heute nicht mehr bestätigt,

man hat ihr den Kampf angesagt.

Man spricht davon, die „Zweigeschlechtlichkeit“

aufbrechen zu wollen, oder gar

von einer „Zwangsheteronormativität“,

die man abschaffen will. Heterosexualität

als Norm sei also ein Zwang und

nicht Natur.

„An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Dieses geflügelte Bibelwort ist auch

hier hilfreich: Eröffnet man ein Facebook-

Profil, kann man derzeit unter 60 verschiedenen

„Geschlechtern“ auswählen,

wo einst zwei standen (siehe Seite 40).

Sollte früher die Frau in der Sprache

sichtbar gemacht werden durch die Extranennung

wie „Bürgerinnen und Bürger“

oder das sogenannten Binnen-I („BürgerInnen“),

müssen heute zahlreiche

Geschlechter sichtbar gemacht werden,

um keines der „neuen“ Geschlechter

zu vernachlässigen. Das Ergebnis sind

Wörter wie „Jurist*Innen-Kongress“,

„Bürger_Innen“ oder gar neue Deklinationen

wie „Profx.“: Striche, Sternchen und

„X“ sollen angeblich zu mehr Geschlechtergerechtigkeit

führen.

Toiletten für die „anderen“

Darüber kann man nun müde lächeln

oder es als Spinnerei abtun, wie etwa

die Einführung von Unisex-Toiletten in

Berlin oder eine dritte Tür für die „anderen“

Geschlechter.

Gefährlich wird es jedoch, wenn diese

wissenschaftlich unhaltbare und ideologisch

geprägte Gedankenwelt zur Frage

des Geschlechts nun unseren Kindern

übergestülpt werden soll: Schon jetzt

existieren Materialien für Geschlechtervielfalt

im Kindergarten, zu Gender-

Mainstreaming in der Schule. Es gibt

Fortbildungen für Erzieherinnen, wie sie

die neue „Geschlechtervielfalt“ bei der

Erziehung umsetzen und berücksichtigen

sollen. Werden neue Bildungspläne

für unsere Kinder entworfen, wie etwa

in Baden-Württemberg, NRW, Niedersachsen,

Berlin oder Schleswig-Holstein,

definiert sich Geschlechtergerechtigkeit

plötzlich als „Akzeptanz sexueller Vielfalt“

unter besonderer Berücksichtigung

von LSBTTIQ-Menschen.

Man verwechselt „Geschlecht“

mit sexuellem Begehren

Lesbisch-Schwul-Bisexuell-Transgender-Transident-Intersexuell-Queer

– das

sind aber keine „Geschlechter“, sondern

Aussagen über die Frage, wen ich sexuell

begehre.

Das Denken, das sich dahinter offenbart

und in Fachbüchern ganz offen nachzulesen

ist, will Kinder und Jugendliche

nicht etwa unterstützen auf dem Weg

ihrer Identifikation zu Mann und Frau,

sondern diese Identifikation gezielt stören:

Verwirrung der Geschlechter als

pädagogisches Konzept.

Gerade deswegen ist es nicht akzeptabel,

dass die Lehre um die sogenannte

„sexuelle Vielfalt“ neuerdings als Bildungsinhalt

in die Schulen getragen

wird – alles unter dem Deckmantel von

94

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Toleranz und Aufklärung und unter Ausschluss der

Eltern, die bei der sexuellen Vielfaltsentdeckung

ihrer Kinder nur als Störfaktoren gelten.

Im Beiboot schwimmen die angeblichen

„Rechte“ für LSBTTIQ-Menschen mit: „Ehe für

Alle“, Adoptionsrecht für Alle. Alles für Alle. Endziel:

sowohl den privilegierten Status der Ehe von

Mann und Frau neu zu definieren als auch die

natürliche Elternschaft infrage zu stellen.

Zum Glück wollen noch einige Mädchen

Mama werden

Unsere Vierjährige ist inzwischen sieben. Spricht

sie von der Zukunft, dann sagt sie: „Wenn ich

später einmal Mama bin, dann …“. Weiblichkeit,

Mutterschaft, Familie sind für sie logische Konsequenz

des Älterwerdens. Es ist genau diese kindliche

Normalität, die Gender-Aktivisten zerstören

wollen – und genau deswegen hat diese Ideologie

an unseren Schulen nichts zu suchen.

Birgit Kelle ist Journalistin,

verheiratet und Mutter von 4

Kindern. Vorsitzende des Vereins

www.frau2000plus.net

Bild: © Wahlplakat Bündnis 90,Die Grünen

Herr Kretschmann, Sie als

Lehrer und Katholik?

Unserer Bitte um einen Interview-Termin wurde nicht stattgegeben.

Daher versuchen wir hier den Weg der Meinungs-Interpolation – also

der Vermutungs-Hochrechnung: Was könnte der Ministerpräsident

von Baden-Württemberg auf unsere Fragen geantwortet haben?

Z: Herr Kretschmann, Sie waren selbst Lehrer und wissen aus langjähriger

Erfahrung, wie es um die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern

bestellt ist. Welche Wirkung hat da der umstrittene Bildungsplan?

Zum Thema empfehlen wir

das Buch „GenderGaga –

Wie eine absurde Ideologie

unseren Alltag erobern will“,

ISBN: 978-38633-404-52

http://shop.agenturpji.com

K [intpl]: Die Zeiten haben sich geändert. Seit 1995 bin ich nicht mehr

im Schuldienst. Die Psyche der Kinder ist die eine Sache, der politische

Druck, das von der EU vorgegebene Konzept der „sexuellen Vielfalt“

als Mainstream durchzusetzen, die andere. Die Schwulen- und Lesben-

Lobby hat einen festen Platz in unseren Vorzimmern eingenommen.

Z: Herr Kretschmann, als praktizierender Katholik, sind Sie mit der

Schöpfungsordnung vertrauter, also dass der Mensch als Mann und Frau

geschaffen wurde und gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr für Gott ein

Gräuel ist. Wie können Sie da Positionen Ihrer Partei vertreten?

K [intpl]: Heute ist Glauben Privatsache. Als Privatmann lese ich gelegentlich

in der Bibel und finde Trost im Gebet. Aber in einem politischen

Amt ist man gewissermaßen eine geteilte Persönlichkeit: Die

Mehrheitsverhältnisse sprechen eine klare Sprache. Die Säkularisierung

der Gesellschaft ist weit fortgeschritten. Der Glaubensbezug ist

nur noch für eine Minderheit von Bedeutung. – Wenn ich gewählt werden

will, bleibt mir nichts anderes übrig, als das zu berücksichtigen.

Z: Danke für die nicht gegebenen Antworten (wir haben wiedergeben,

was wir vermuten, wie Ihre Antwort hätte sein können). Sollten Sie

aber ganz anderer Meinung sein, besteht jederzeit die Möglichkeit,

ein tatsächliches Interview nachzuholen.

Z für Zukunft

95


Unsere Kinder

Staatlich verordneter

Kindesmissbrauch

Frühsexualisierung: Warum tun wir unseren Kindern das an?

Christa Meves

Foto: © flickr/Miguel Edraira Castro

Ist uns ein

aufgebessertes

Budget wichtiger

als ein

zufriedenes,

glückliches Kind

auf dem Schoß

seiner Mutter?

Jeder Mensch in unserem Kulturkreis weiß:

Kinder sind Geschöpfe, die sich in einem langen

Werdeprozess entfalten. Ähnlich wie bei

Pflanzen ist auch ihre Ausgestaltung davon

abhängig, dass sie zunächst einmal Wurzeln

bilden, um für spätere Lebensstürme die

nötige Standfestigkeit entwickeln zu können.

Sie sind zunächst zarte Hälmlein, die des Schutzes

gegen grobe Einwirkungen von außen bedürfen, um

sich kräftig und gesund entfalten zu können. Für

die Spezies Mensch ist dafür als Nest und wärmendes

„Treibhaus“ die Familie der angemessene und

geeignete Ort.

Dass das so und nicht anders ist, hat die

Menschheit längst aus Erfahrung lernen können.

Deshalb ist es geradezu erschreckend, wie sich

unsere Zeitgenossen herausnehmen, das nicht

mehr für zwingend notwendig zu halten. Und wie

sie sich daran machen, bereits die Kleinkinder in

Kollektiven unterbringen zu wollen, damit die

Mütter nach der Geburt des Kindes rasch wieder

der Wirtschaft zur Verfügung stehen können.

Einhellig und mit einer Vielzahl wissenschaftlicher

Nachweise hat sich aber herausgestellt: Eine

solche gefährliche Umgangsweise des Staates mit

Kindern – besonders durch frühen „heimatlosen“

Aufenthalt in Einrichtungen wie Krippen

– riskiert, dass der Mensch lebenslang anhaltende

seelische Beeinträchtigungen erleidet.

Langzeitstudien in den USA haben ergeben, dass

Kinder, je länger, je früher, je ausschließlicher sie

der noch benötigten Wärme der „Heimat“ Familie

verlustig gehen, im Erwachsenenalter umso weniger

leistungs-, bindungs- und liebesfähig sind.

96

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Elternferne ist Kinderstress

Ja, um Himmels willen, warum tun wir unseren

Kindern das an? Warum nimmt eine Gesellschaft

diese Minderung ihrer Kraft in Kauf? Warum lässt

man Eltern so uninformiert mit dann schwierigen

und schulisch weniger erfolgreichen Kindern in

ihr Unglück abgleiten? Für Krippenkinder ist

die tägliche Trennung von der Mama ein sich

immer wiederholender Stress. Unruhe, Unzufriedenheit,

Wut und Traurigkeit in dieser Prägungsphase

nisten sich so als ständige Lebensbegleiter

in die Kindergehirne und -seelen ein.

Leichtfertig und kurzsichtig nehmen wir das

Schreien der Kleinen, nehmen wir ihr Weinen:

„Mama, wo bist du, Mama, wo bleibst du?“ in

Kauf. Die Erwerbstätigkeit der jungen Mütter und

das aufgebesserte Budget sind uns wichtiger als

ein zufriedenes, glückliches Kind auf dem Schoß

seiner Mutter!

Aber nicht nur damit muten wir unseren Kindern

heute Unerträgliches zu. So gibt es seit 40

Jahren für unsere Grundschulkinder Pflichtunterricht

in „Sexualerziehung“. Es ist eine gefährliche

Verfrühung und Übertreibung, Kinder bereits in

diesem Alter sexuell zu stimulieren. Wenn z. B.

Grundschullehrer viele Schulstunden mit einer

detaillierten, fast wissenschaftlich-biologischen

Information über geschlechtliche Vorgänge füllen,

ist das bedenklich. So sind Farbfilme über die

Geburt aus der Sicht des Gynäkologen unangebracht,

sie können sogar schockieren.

Verfrühter unangemessener Unterricht dieser

Art kann zu früh den Sex in den Vordergrund

rücken; so können sich Störungen in der sexuellen

Identität herausbilden. Es kann doch nicht

Unterrichtsziel sein, dass in den Mädchen

eine von Ekel begleitete Abneigung vor sexuellen

Beziehungen, vor Schwangerschaft und

Geburt entsteht! Es ist eine nicht zu verantwortende

Verfrühung, wenn Kinder im Kindergarten

oder im Grundschulunterricht so drastisch mit

der Sexualität der Erwachsenen konfrontiert werden

oder wenn man sie gar durch sexuelle Spielereien

in diese einzuführen sucht. Zwar kann

bei Kindern dieses Alters schon sexuelle Erregung

ausgelöst werden; vor der Geschlechtsreife

bedarf dies allerdings noch überoptimaler Reize.

Auch hier gilt die Regel der Verhaltensforscher:

Soll Wirkung erzeugt werden, muss der äußere

Reiz umso stärker sein, je geringer die innere

Bereitschaft ist.

Wollen wir Identitätsstörungen?

Sexuelle Reizung von Kindern hat aber eine

gefährliche Wirkung: Durch Verfrühung und

Übertreibung entsteht eine Abspaltung, eine

Verselbstständigung der sexuellen Funktion.

Sie bekommt die Gewichtigkeit eines Kitzels, der

später zunehmend und suchtartig nach immer

stärkerer Stimulation verlangt. Deshalb ist auch

die Freigabe der Pornografie so verhängnisvoll

gewesen; denn seitdem ist besonders über

das Internet Kindern eine Flut von Pornografie

zugänglich geworden, was sie später in die Sackgasse

von Sexualsüchten führen kann.

Mit Sexualität ist es wie mit allen menschlichen

Grundtrieben: Isoliert man sie, setzt man sie

absolut, so beginnt sie zu wuchern und beraubt

den Menschen seiner Freiheit. Sein Wille erweist

sich dann allzu oft zu schwach gegenüber dem

aufgereizten und als absolut gesetzten Sexualtrieb;

dieser verselbstständigt sich und zwingt so

den Menschen in die Sucht. An den Trieb gefesselt

verliert der Mensch seine Willensfreiheit: Nicht

er ist in der Lage, den Trieb zu beherrschen, sondern

dieser beherrscht ihn. Die überhöhte Sexualität

bleibt auf das Kind fixiert; ein Teil seiner Seele

bleibt infantil. Durch die Störung der sexuellen

Identität können später pädophile Bedürfnisse

und andere Perversionen entstehen. Der Mainstream

verherrlicht das als „sexuelle Vielfalt“,

und von der Gesellschaft wird verlangt, dies

ohne Widerrede hinzunehmen.

Raub der Sicherheit,

ein Junge bzw. ein Mädchen zu sein

Geradezu abstrus erscheint es deshalb, dass man

in jüngster Zeit den Versuch macht, den vier- bis

sechsjährigen Kindern die Sicherheit in ihrer

Zuordnung als Junge bzw. Mädchen zu nehmen.

Das sogenannte Gender-Mainstreaming, das die

Isolierte und

absolut gesetzte

Sexualität wuchert

und beraubt den

Menschen seiner

Freiheit

Z für Zukunft

97


Unsere Kinder

Ein spannender Bericht von Pilgerreisen auf den Spuren des Apostels Paulus. Sie

werden zur Suche nach der Kraft des Glaubens und führen zu aufschlussreichen

historischen Plätzen der ersten Christen in „Kleinasien“, der heutigen Türkei.

Herrliche Panoramabilder begleiten den mitreißenden Text (80 Farb- und 34 s/w-Fotos).

Der Leser spürt etwas von der Leidenschaft der ersten Christenheit.

Geschichte und Gegenwart verschmelzen: Istanbul – Konstantinopel, das Tor zum

Orient. Über Ankara geht es zu den tausend Höhlenkirchen in Kappadokien. Auch die

Plätze der sieben apokalyptischen Gemeinden fehlen nicht.

An der türkischen Südküste, wo die erste Reise des Paulus ihren Ausgang nahm,

sollte Peter Ischka vieles selbst erleben, wovon in der Apostelgeschichte berichtet

wird: Er bekommt den „Auftrag“, einen jungen Christen, der auf Grund seiner

Bekehrung ins Gefängnis kam, daraus zu befreien. In diesem Buch lesen Sie, wie das

Unmögliche tatsächlich geschah. Daumennagelgroße Nierensteine verschwinden nach

schlichtem Gebet. Jesus begegnet Muslimen in Träumen und Visionen. Sogar ein Esel

wird von dieser Kraft übernatürlich berührt.

Dieses Buch liest sich wie die Fortsetzung der Apostelgeschichte und macht Mut,

längst in Vergessenheit geratenes Glaubensgut wieder beim Wort zu nehmen.

Gebunden, 160 S., 32 Seiten Panorama-Fotos, 17 x 25 cm, Best.-Nr. 453.103.778

17,95

http://shop.agentur-pji.com

Menschen durch Gleichheit des Geschlechts

glücklicher machen soll, ist eine absolut zerstörerische

Ideologie, die aber durch Institutionen

mit Milliarden von Euro jetzt als „Hauptstrom“,

allgemein auf nicht-demokratischen Wege, in die

nationale Politik implementiert wird. Was tun wir

unseren Kindern an, wenn wir sie der Sicherheit

berauben, ein Junge bzw. ein Mädchen zu sein?

Es gibt immer einen großen Aufschrei, wenn

einzelne Fälle von Kindesmisshandlungen an die

Öffentlichkeit kommen (und ja, jeder einzelne Fall

ist schändlich und in vollem Umfang zu verurteilen).

Aber was hier vor sich geht, ist kollektiver

Kindesmissbrauch auf staatliche Verordnung hin

und mit Steuergeldern finanziert, zur Zerstörung

der Kinderseelen der nächsten Generation.

Es ist Zeit, dass wir aufstehen

Es ist an der Zeit, nicht weiterhin bösen Planern,

verantwortungslosen Schreibtischtätern

und gerissenen Geschäftemachern das Feld

zu überlassen. Noch viele Beispiele mehr ließen

sich dafür anführen, dass wir heute zu einer

kinderfeindlichen Gesellschaft geworden sind.

Nur wacher Widerstand vieler mündiger Bürger

kann es noch bewirken, dass einer neuen verantwortungsbewussten

Umgangsweise mit unseren

Kindern wieder Raum gegeben wird. Daher

sind Demonstrationen wie in Stuttgart, die

sich gegen den (Ver-)Bildungsplan der badenwürttembergischen

Landesregierung wenden,

so wichtig.

Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen für die Kinder,

um ihnen in ihrer jeweiligen Entwicklungsphase

gerecht zu werden.

Denn nur mit gesunden, glücklichen Kindern

hat die Gesellschaft eine gedeihliche Zukunft;

doch gesund und glücklich werden sie nur, wenn

wir mit ihnen so umgehen, wie es der Schöpfer

vorgegeben hat.

Christa Meves, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin sowie

Autorin vieler Bücher, die millionenfache Auflagen erreicht

haben. Weiterführende Informationen über den Verein „Verantwortung

für die Familie“ und die Vielzahl ihrer Bücher erhalten

Sie auf www.vfa-ev.de

98

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Neugeborene:

kein „unbeschriebenes Blatt“!

Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse lassen keinen Zweifel: Schon beim Embryo sind

neben den äußeren Geschlechtsorganen auch im Gehirn wichtige Unterschiede festzustellen

Manfred Spreng

Foto: © Wikipedia, Ernest F

Das von der Politik forcierte Gender-

Programm soll neben der bestehenden

Gleichberechtigung in jedem

Gesellschaftsbereich eine sogenannte

Gleichstellung von Frauen

und Männern bewirken. Dabei wird eine sinnvolle

Differenzierung nach Geschlecht verhindert, die

die jeweiligen optimalen Eigenschaften von Mädchen

und Jungen berücksichtigen und fördern

würde; stattdessen wird die eigentümliche Tendenz

verfolgt, klare natürliche Unterschiede möglichst

einzuebnen.

Abschaffen, was vielfältig bewiesen?

Die Gender-Ideologie verfolgt intensiv die Negierung

bzw. Abschaffung („Dekonstruktion“) der

offensichtlichen dualen Geschlechterrollen. Dabei

sind die biologischen, physiologischen, medizinischen

Fakten eindeutig; zusätzlich werden sie

bestätigt durch eine Vielzahl psychologisch-soziologischer

Befunde.

Gender-Ideologen stützen sich auf die falsche

Behauptung, Neugeborene kämen als „unbeschriebenes

Blatt“ (tabula rasa, blank slate) zur Welt und

ihre Geschlechtsidentität würde dann nahezu ausschließlich

durch die Gesellschaft geprägt.

Z für Zukunft

99


Unsere Kinder

Foto: © University of Rwanda

Foto: © Universität Basel

Frisch gegendert am

„Centre for Gender

Studies“ an der

Universität von Rwanda.

Sonst gibt es dort ja

keine Probleme

Andrea Maihofer,

Professor*? für

Geschlechterforschung

und Leiterin des Zentrums

„Gender Studies“ an der

Universität Basel

Woher kommt die Beharrungspotenzial

der Zweigeschlechtlichkeit?

So formuliert Frau Andrea Maihofer, Professorin

für Geschlechterforschung und Leiterin des

Zentrums „Gender Studies“ an der Universität

Basel: „Die zweigeschlechtliche Ordnung hat ein

erstaunliches Beharrungspotenzial. Die Zuweisung

zu einer bestimmten Form der Existenz

wurde im Namen der Natur ausgerufen, werden

doch mit dem Geschlecht bestimmte Eigenschaften,

Fähigkeiten und Existenzweisen verbunden,

die von vielen Frauen als Begrenzung und Einschränkung

empfunden werden.“

Damit behauptet sie, das Geschlecht sei nicht

naturgegeben, sondern werde später „im Namen

der Natur“ ausgerufen bzw. irgendwie zugewiesen,

und, noch kühner und ohne nachprüfbare Angaben:

viele Frauen würden dies als Begrenzung und

Einschränkung empfinden. 1

Frau Betty Friedan, eine feministische Wissenschaftlerin

und Publizistin, stellt die Behauptung

auf, die Einteilung von Neugeborenen in Jungen

und Mädchen sei Willkür, ebenso könnte man sie

auch nach ganz anderen Gesichtspunkten unterscheiden,

etwa nach der Größe. 2

Abgesehen davon, dass dies ebenfalls rein

willkürlich wäre, zeigen solche Aussagen in

erschreckender Weise die schlichte Leugnung

empirischer Tatsachen sowie das krampfhafte

Aufrechterhalten einer vielfach widerlegten

Behauptung über Neugeborene.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf

Diese Falschbehauptung muss aus Sicht der Genderbewegung

unter allen Umständen aufrechterhalten

werden, da sonst ein entscheidender

Pfeiler des pseudowissenschaftlichen Gender-

Gebäudes zusammenbrechen würde – nämlich dass

geschlechtliche Identität nicht weitgehend naturgegeben

sei, also biologisch-physiologisch bestimmt,

sondern ausschließlich festgelegt werde durch

nachgeburtliche Prägung, also zwanghaft umgebungs-

bzw. erziehungsbedingt sei. Man spricht von

einem „Heterozwang“, wodurch den Kindern eine

heterosexuelle Orientierung eingeredet oder gar

aufgezwungen werde – doch das ist wissenschaftlich

nicht haltbar.

Um dennoch eine Verteidigung ihrer unsinnigen

Behauptung zu ermöglichen, versuchen Gender-

Ideologen, an den wehrlosen Kindern massiv eine

Art Gehirnwäsche zu praktizieren: So soll bereits

im Kindergarten und durch jedes Schulbuch in

Kopf und Herz der Kinder nicht nur Toleranz,

sondern volle Akzeptanz sämtlicher geschlechtlichen

bzw. sexuellen Orientierungen eingeprägt

werden. Die Begründung: Damit entgehe man der

„Gefahr“, dass die Eltern einseitige Rollenbilder

einprägen. Auch würde den Kindern damit eine

leichtere Entfaltung der eigenen „sexuellen Vielfalt“

ermöglicht, frei von Hetero-Zwang.

Hier ist zu erwähnen der Aktionsplan „Für

Akzeptanz & gleiche Rechte, Baden-Württemberg“

sowie ähnliche Vorhaben in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern,

Niedersachsen, Schleswig-

Holstein und Thüringen. Diese Pläne lesen sich

wie Zielvorgaben für spezielle Vorlieben von

Erwachsenen; dabei wird die vom Grundgesetz

geschützte Verantwortung der Eltern ausgeblendet.

Die biologische Dimension wird unterschlagen

zugunsten eines gesellschafts-technischen

Konstruktivismus, wobei nicht nur die freie Wahl

der „sexuellen Orientierung“ verfolgt wird, sondern

die des Geschlechts selbst. Ehe und Familie

als wertvolles Lebensmodell kommen in diesen

Bildungsplänen so gut wie gar nicht mehr vor.

100

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Die gender-ideologische Absicht dahinter ist

unverkennbar; sie richtet sich in erschreckender

Weise gegen die im Kind vorgegebene Identität

und Entwicklung. 3

Oh Wunder, das Geschlecht ist

zweifelsfrei!

Bekanntlich steht bei der Mehrzahl

der Neugeborenen (95–99 %) das

Geschlecht zweifelsfrei fest.

Dieses wird in einem sehr

frühen Entwicklungsstadium

im Mutterleib bestimmt,

wobei neben

den äußeren Geschlechtsorganen

die Unterschiede

im Gehirn der

Föten eine wichtige

Rolle spielen. Hier

einige wenige Aspekte,

die eindeutig klarstellen:

Die Genderbewegung

geht von völlig falschen, ja

für Kinder gefährlichen Voraussetzungen

aus. 3

Hormone spielen die Hauptrolle

Beim werdenden Kind wird die Geschlechtsdifferenzierung

durch die Gene initiiert, also sehr früh.

Für die geschlechtsspezifische Differenzierung des

Gehirns allerdings spielen Hormone eine wichtige

Rolle; in den verschiedenen Arealen befinden sich

nämlich Sexualhormon-Rezeptoren, zum Beispiel

im Zwischenhirn, insbesondere im Hippocampus,

der für Orientierung und Gedächtnis wichtig

ist, und der als Furchtzentrum zu bezeichnenden

Amygdala, dem Zentrum für Affektreaktionen und

für affektgeladene Erinnerungen.

Insbesondere in der 9. Schwangerschaftswoche

setzt bei männlichen Föten mit der Produktion

von Testosteron eine Serie von Veränderungen

ein, die zu einer Maskulinisierung des Gehirns

und der Genitalien führen. Im Gehirn des Fötus

beginnt eine kontrollierte Reduktion von Zellen

(Neuronen) sowie eine Reduktion bestimmter synaptischer

Verbindungen an Zahl und Dichte.

Während der letzten zehn Schwangerschaftswochen

kommt es beim männlichen Fötus zur stärksten

Reduktion der Nervenzellen der

Hirnrinde, was vermuten lässt,

dass Geschlechtsunterschiede

verursacht werden

durch biologische

Faktoren, die im Mutterleib

wirksam sind. 4

Weiterhin konnte

gezeigt werden: Geschlechtsunterschiede

bei Neugeborenen finden

sich auch in der

Häufigkeit einer spezifischen

Synapsenart im

Hypothalamus, der Steuerungszentrale

für Stressreaktionen

und den gesamten Hormonhaushalt.

Das lässt schließen,

dass offenbar eine relativ kurze Einwirkungsphase

von Testosteron im Fötalstadium

genügt, um das Gehirn zu differenzieren,

damit es den männlichen Entwicklungspfad

einschlägt und den weiblichen unterdrückt.

Es ist hinzuzufügen: Das Testosteron, das im

männlichen Fötus ausgeschüttet wird, wirkt auf

den Hypothalamus und löst eine Veränderung in

jenen Schaltkreisen aus, die die Ausschüttung

von Wachstumshormonen aus der Hypophyse

(Hirnanhangdrüse) steuern. 5 Dies ist eine entscheidende

Voraussetzung für den späteren Aufbau

einer ausgeprägt männlichen Muskulatur.

Zudem weist der Hypothalamus des sich entwickelnden

männlichen Gehirns zwei- bis dreimal

mehr Verknüpfungen einzelner Elemente auf

sowie vielfältigere Verzweigungen im Vergleich

zum weiblichen Gehirn; dieses zeigt dafür an

anderer Stelle ausgeprägte geschlechtsdimorphe

Verbindungen. 6

Foto: © von Buchcover zitiert

Neben den äußeren

Geschlechtsorganen spielen

die Unterschiede im Gehirn

der Föten bereits eine

wichtige Rolle

Foto: © Wikipedia/www.flickr.com/

74896762@N00/3167352760/

Betty Friedan,

feministischer

Wissenschaftler*?

und Publizist*?, stellt

die Behauptung auf,

Neugeborenen in Jungen

und Mädchen einzuteilen

sei Willkür

Z für Zukunft

101


Unsere Kinder

Es ist nun

mal so: Jungs

treffen einfach

besser ins Ziel!

Management by Testosteron

Diese wenigen Beispiele zeigen: Die Wissenschaft

ist sich einig über die dauerhaft maskulinisierenden

Effekte von Testosteron bereits vor

der Geburt. Man nimmt an, dass Testosteron

bestimmte „Schaltkreise“ im Gehirn organisiert,

die für ein männliches Verhalten verantwortlich

sind, und andererseits im selben Gehirn die Organisation

von Verschaltungen unterdrückt, die

weibliches Verhalten verursachen. – Grundsätzlich

kann man also sagen: Sexualhormone prägen

das Verhalten, und zwar schon vor der Geburt.

Wie zahlreiche Untersuchungen belegen, sind

auch unmittelbar nach der Geburt Verhaltensunterschiede

zu erkennen.

So weisen nach der Geburt Mädchen gegenüber

Jungen einen gewissen Reifungsvorsprung auf, der

sie auch weniger anfällig macht für Krankheiten

und Verletzungen und den sie einige Zeit beibehalten.

Zusätzlich kann man bei Mädchen auch im

Kleinkindalter eine schnellere Entwicklung beobachten,

vor allem in kognitiver Hinsicht und beim

Spracherwerb.

Mädchen sind einfach schneller

Laut Untersuchungen zeigen Mädchen bereits

48 und 80 Stunden nach der Geburt stärkere

Verhaltensantworten auf Stimmen als Jungen.

Mädchen können schon bei der Geburt besser

im Gesicht lesen und den Tonfall einer Stimme

erkennen – sie nehmen in einer menschlichen

Stimme ein breiteres Spektrum von Frequenzen

wahr als Jungen. Schon im Säuglingsalter bemerken

Mädchen, wenn die Mutter ihre Stimme ein

wenig hebt, und beachten das dadurch ausgedrückte

Verbot.

Kleine Mädchen beginnen im Allgemeinen

früher zu sprechen: Im

Alter von 20 Monaten besteht

ihr Wortschatz bereits aus zwei- bis

dreimal so vielen Wörtern wie der

von Jungen.

Was den Wortschatz angeht, holen

die Jungen später auf, nicht aber bei

der Geschwindigkeit: Mädchen sprechen

in der Regel schneller als Jungen.

Jungen treffen besser ins Ziel

Hinsichtlich visueller Präferenzen scheinen die

Jungen etwas hervorzustechen, denn sie beachten

im Säuglingsalter in einigen Fällen häufiger

bewegte Objekte (z. B. Mobile) als Gesichter (auf

die hingegen weibliche Säuglinge besser ansprechen).

Auch treffen kleine Jungen beim Werfen ein

Ziel besser als gleichaltrige Mädchen.

Gender ist eben nur eine Theorie

Es stimmt also keinesfalls, dass ein Kind im Mutterleib

keine biologische Geschlechtlichkeit hätte;

die Behauptungen der Gender-Ideologen, das

Geschlecht werde nahezu ausschließlich nach der

Geburt durch die Umwelt geprägt, sind naturwissenschaftlich

nicht haltbar.

Zweifellos hat das menschliche Gehirn eine ausgeprägte

Formbarkeit; ohne diese wären manches

Lernen sowie Persönlichkeitsbildung oder Regeneration

nach Gehirnverletzungen nicht möglich;

auch Verhaltensweisen (z. B. Sprachfähigkeit,

Rechtshändigkeit), die sich beim Kind erst im Lauf

der Zeit herausbilden, können eine geschlechtsspezifische

physiologische Basis haben; jedoch

gibt es physiologische Schranken, die verhindern,

dass das Gehirn durch umweltbedingte Erfahrungen

beliebig verändert werden kann.

Also wem sollte man Gehör schenken, den

Gender-Theoretikern oder der klassischen Wissenschaft?

Dr. Manfred Spreng, bis 2001 Uni-Prof. für Physiologie und

Biokybernetik Uni Erlangen-Nürnberg. Arbeitsgebiet: Sinnes- und

Neurophysiologie. Seit 2001 freiberuflicher Gutachter, Referent,

verheiratet, 3 Kinder.

1 A. Maihofer: Geschlecht als Existenzweise. Ulrike Helmer Verlag,

Sulzbach/Taunus, 1995.

2 B. Friedan bei V. Zastrow: Politische Geschlechtsumwandlung, FAZ

vom 20.06.2006.

3 M. Spreng: Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-)Entwicklung

durch Gender Mainstreaming. In (Späth, A., Hrsg): Vergewaltigung

der menschlichen Identität – Über die Irrtümer der Gender-Ideologie.

Ansbach, Logos Editions, 2014.

4 A. M. Aloisi: Geschlecht und Hormone. In: (S. Lautenbacher, O.

Güntürkün, M. Hausmann, Hrsg.) Gehirn und Geschlecht, Springer

Medizin Verlag, Heidelberg 2007.

5 A. P. Arnold: Biologische Grundlagen von Geschlechtsunterschieden.

In: (S. Lautenbacher, O. Güntürkün, M. Hausmann, Hrsg.) Gehirn

und Geschlecht, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2007.

6 S. K. Amateau, M. M. McCarthy: Sexual differentiation of astrocyte

morphology in the developing rat preoptic area, J. Neuroendo 14

(2002), S. 904–910.

102

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Kollateralschäden

der Fremdbetreuung

Manfred Spreng

Kollateralschäden sind

offensichtlich die unschönen

Nebenwirkungen

moderner Kriege. Hier ein

afghanisches Kind, das auf

eine Landmine getreten ist

Foto: © ICRC Photo

Das Geschlechterbild der Gender-

Ideologen, ausschließlich fixiert auf

die erwerbstätige Frau, blendet das

Kindeswohl und die Interessen der

daheim erziehenden Mütter weitgehend

aus. Wird doch von Gender-Ideologen kühn

behauptet, Frausein und Mutter beruhe lediglich

auf einer Rollenzuweisung und sei weder identitätsstiftend

noch gar eine Berufung, sondern die

überkommene Mutterrolle sei eine Benachteiligung

bzw. Diskriminierung und behindere die

Entfaltung und Selbstverwirklichung der Frau.

Krippen besser als Mütter?

Dass es eine Wert und Sinn gebende Aufgabe

mit einer lebenslangen Bereicherung ist (die ein

Mann übrigens so nie erleben kann, gleichgültig,

welches Lebensziel er auch anstreben mag),

davon spricht keiner mehr.

Den Frauen wird von nahezu allen Seiten – vor

allem von der Wirtschaft – vermittelt, dass es

erstrebenswert sei, Familie und Beruf permanent

zu vereinbaren. Daher die starke Unterstützung

der Erwerbstätigkeit der Mütter durch die Politik,

welche konsequenterweise die außerfamiliäre

Kinderbetreuung fordert: „Keine Mutter kann

ihrem Kind das bieten, was eine Krippe bietet.“ 1

Kein Wunder, dass die Zahl der Einrichtungen

für Fremdbetreuung schon im Säuglingsalter

stetig zunimmt (für 100 Kleinstkinder gab es in

Deutschland 2008 im Schnitt etwa 14 Plätze, 2010

bereits 23, heute gibt es 33 Plätze).Warnhinweise

aller Art werden geflissentlich überhört, wenn

nicht gar unterdrückt. 2

Zum Beispiel die „Nationale Untersuchung

zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der

frühen Kindheit (NUBBEK)“, die 2013 vom Bundesfamilienministerium

gefördert wurde: Dort

Untersuchungsergebnis:

Kinder

im Alter von ein

bis drei Jahren

sind am besten

zu Hause aufgehoben

Z für Zukunft

103


Unsere Kinder

Foto: © vzerbor/123RF Foto: © AOK-Bundesverband

Eine Betreuerin

für zwei Kinder,

das wird meist

nicht erreicht

Das Cortisol-Tagesprofil

eines Krippenkindes

ist vergleichbar mit

den Stressreaktionen

von stark belasteten

Managern

hat man erkannt, dass Kinder im Alter von ein

bis drei Jahren am besten zu Hause aufgehoben

seien – sofern das soziale Umfeld stimme. Andernfalls

sei eine Betreuung vorzuziehen (mit einem

optimalen Betreuungsverhältnis 1:2, also eine

Betreuerin für zwei Kinder!), wobei allerdings

die Qualität der Betreuung in über der Hälfte der

Einrichtungen als unzureichend bezeichnet werden

muss; zudem sind die Fälle mit einem gestörten

sozialen Umfeld relativ selten. 3

Stress bereits im Säuglingsalter

Als besonders problematisch sind die bei der Krippenaufbewahrung

möglichen gesundheitlichen

Beeinträchtigungen und Entwicklungsstörungen

zu betrachten, z. B. durch die vermehrte Ausschüttung

von Stresshormonen und die Verminderung

der Wachstumshormone infolge Schlafmangels. 4

Schon beim Säugling und Kleinkind sind Zwischenhirn

und vegetatives Nervensystem voll

funktionsfähig; das bedeutet: Wenn das Kind in der

Krippe bzw. Kita abgeliefert wird, erzeugt der Verlust

der festen Bezugsperson, also der Mutter, im

Kind nicht nur das Gefühl des Verlassenseins; es ist

auch eine höhere Konzentration der

Stresshormone zu erwarten.

So wurde bestätigt, dass beim

Kleinkind, wenn es in der Krippe

oder Kita abgegeben und so von

der Mutter getrennt wird, nicht nur

herzzerreißendes Weinen ausgelöst

wird; diese dramatische Erfahrung und das

Gefühl des Ausgeliefertseins können den Cortisolspiegel

enorm, ja besorgniserregend ansteigen

lassen – selbst bei guter Betreuung. Zahlreiche

Untersuchungen an Kindern belegen dies. 5

Das Cortisol-Tagesprofil eines Krippenkindes

ist vergleichbar mit den Stressreaktionen von

Managern, die im Beruf extremen Anforderungen

ausgesetzt sind.

Wenn das Gehirn

nicht richtig wachsen kann

Cortisol ist ein Multitalent, es wirkt in vielerlei

Weise und an vielen Organen. Besonders interessant:

Cortisol stört wichtige Reifungsprozesse im

Gehirn von Kindern.

Am stärksten betroffen ist dabei der Hippocampus:

Hier konnten Schrumpfungen der Verbindungsmöglichkeiten

(Dendriten) zwischen den

Gehirnzellen beobachtet werden; längerfristig

sterben Gehirnzellen ab.

Damit ist nicht nur eine Störung der zukünftigen

Stressregulierung zu befürchten; hält der

erhöhte Cortisolpegel beim Kleinkind länger an,

kann die Schädigung des Hippocampus lebenslang

zu Beeinträchtigungen führen.

Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass im

Gehirn neben dem Hippocampus auch der Stirnlappen

der Großhirnrinde (präfrontaler Cortex)

und die Amygdala beeinträchtigt werden; diese

Gehirnregionen sind sowohl für die kognitive als

auch für die emotionale Steuerung zuständig.

Andere Studien lassen annehmen, dass hohe

Stresshormonspiegel speziell diese Koordination

beeinträchtigen – besonders bei Mädchen, mit

dem Resultat, dass sie später deutlich größere

Probleme bei der Angstbewältigung haben als

Mädchen, die als Kinder keinen hohen Cortisolspiegel

aufwiesen.

Lärm stört

Für die Entwicklung von Kindern ist die Langsame-Wellen-Schlaf-Phase

entscheidend wichtig;

in diesen Phasen werden 80 % des Wachstumshormons

produziert bzw. ausgeschüttet. Ein

Kleinkind benötigt am Tag vier bis fünf Stunden

mehr Schlaf als ein Erwachsener, wobei diese ver-

104

Z für Zukunft


Unsere Kinder

mehrten Schlafstunden auch tagsüber, z. T. in der

Krippe, erfolgen müssen, um ausreichend Phasen

von Langsame-Wellen-Schlaf zu gewährleisten.

Der in Krippen vorherrschende hohe Lärmpegel

allerdings kann zu Einschlaf- und Durchschlafstörungen

führen.

Sogar Fettsucht als Folge

Eine Folge verfrühter Fremdbetreuung ist demnach

eine verminderte Produktion von Wachstumshormonen

mit Konsequenzen für die körperliche

Entwicklung und die Ausreifung des Gehirns,

da diese Hormone auch am Wachstum und der

Verbindung von Nervenzellen beteiligt sind.

Eine weitere Folge: So wird eine zusätzliche

Stabilisierung der Insulin-Sensitivität und der

Glukosetoleranz verhindert, was das Risiko einer

Diabetes-Erkrankung und unnötiger Gewichtszunahme

durch Körperfett ansteigen lässt. In einer

kanadischen Studie war der Anteil der übergewichtigen

Kinder und der Kinder mit Fettsucht

bei ehemaligen Krippen/Kita-Kindern um 50 Prozent

höher als bei den Kindern, die in der Familie

betreut worden waren. 6

Wie ist es mit seelischer Schädigung?

Weitreichende Folgen der durch die Gender-Ideologie

ausgelösten Tendenz zur Fremdbetreuung

sind also bereits deutlich erkennbar.

Besonders alarmierende Befunde kommen

ausgerechnet aus den Ländern, die wie Schweden

und Finnland seit vielen Jahren als Vorbilder

für eine „moderne“ Familienpolitik gelten; neben

Island und Norwegen haben sie hinsichtlich Gender-Mainstreaming

seit über 30 Jahren in Europa

eine Vorreiterrolle inne. In diesen Ländern ist fast

die Hälfte der 12 Monate alten Kleinkinder und

bereits 90 % (Schweden) der unter Zweijährigen

in Fremdbetreuung untergebracht; in Finnland

sind es 97 % der unter Dreijährigen, in Dänemark

78 % der ein- bis zweijährigen Kinder.

Interessanterweise sind dort besonders Mädchen

von diesen Folgen betroffen: Innerhalb

der letzten 15 bis 20 Jahre haben bei Mädchen

die seelischen Erkrankungen um 1000 Prozent

zugenommen – sie haben sich also verzehnfacht!

Depressionen sind um 500 Prozent angestiegen.

Foto: © Youtube/LOS TUTORIALES

Die Suizidrate bei schwedischen und finnischen

Mädchen ist die höchste in ganz Europa; 39 Prozent

der 24-jährigen finnischen Frauen weisen

Symptome einer Depression auf. Bei Jungen und

jungen Männern ist der Trend ähnlich, wenn auch

nicht so deutlich ausgeprägt. 7

Eine beschädigte nächste Generation?

Vor allem der offensichtliche Mangel in der Stressbewältigung

und die Hinweise auf Angstzustände

sowie die Neigung zu Depressionen, aber auch zu

ausgeprägter Hyperaktivität, sind bestürzend. 8

Bei weiterer Intensivierung von Gender-Mainstreaming

müssen wir also damit rechnen, dass

nicht nur Frauen vermehrt depressiv reagieren,

weil sie sich nicht mehr sicher sind, wer sie sind;

eine weitere Folge wird sein, dass die kognitive

Entwicklung der Kinder (Spracherwerb!) beeinträchtigt

ist.

Die Auswirkungen einer zu frühen Fremdbetreuung

auf eine ganze Generation von Kleinkindern

schaden also letztlich allen – auch dann,

wenn die negativen Wirkungen zwar eher gering

sind, aber eine sehr große Zahl von Kindern

betroffen ist.

Dr. Manfred Spreng, bis 2001 Uni-Prof. für Physiologie und

Biokybernetik Uni Erlangen-Nürnberg. Arbeitsgebiete: Sinnes-

und Neurophysiologie; Datenverarbeitung in der Medizin;

Sprachentwicklung. Seit 2001 freiberuflicher Gutachter. Referent.

Verheiratet, 3 Kinder.

Fettsucht-Rate

bei ehemaligen

„Krippen-

Kindern“ um

50 Prozent

höher

Z für Zukunft

105


Unsere Kinder














1 Krippenpolitik: Krippe als staatlicher Familienersatz,

Bildungsstaatssekretärin von Rheinland-Pfalz Vera

Reiß. – In Großstädten gibt es inzwischen 24-Stunden-Kitas.

2 H. K. Götze: Kinder brauchen Mütter. Die Risiken der

Krippenbetreuung – was Kinder wirklich brauchen.

Ares-Verlag, 2011.

3 NUBBEK-Studie (Herausgeberschaft der NUBBEK-

Studienpartner): NUBBEK – Nationale Untersuchung

zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen

Kindheit. Forschungsbericht, Berlin, Herbst 2013.

4 M. Spreng: Kinder Die Gefährdung ihrer normalen

(Gehirn-)Entwicklung durch Gender Mainstreaming.

In (Späth, A., Hrsg): Vergewaltigung in der menschlichen

Identität – Über die Irrtümer der Gender-Ideologie,

4. Auflage 2014, Verlag Logos Editions, Ansbach.

5 Wiener Krippenstudie (W. Datler; L. Ahnert),

www.pdfk.de/.../Vortrag2_Ahnert_19.11.2009_

Krippentagung.pdf.

L. Ahnert: Methoden und Befunde der Wiener Krippenstudie.

Universität Wien. Kooperationstagung

vom 19.–20.11.2009.

NICHD Early Child Care Research Network: Nonmaternal

care and family factors in early development:

An overview of the NICHD Study of Early Child Care.

Journal of Applied Developmental Psychology 2001,

22, S. 457–492.

M. M. Sumner, K. Bernard, M. Dozier: Young

children’s full-day patterns of cortisol production on

child care days. Archives of Pediatrics & Adolescent

Medicine, 164 (2010), S. 567–571.

R. Beijers, J. M. Riksen-Walraven, C. de Weerth: Cortisol

regulation in 12-month-old human infants: associations

with the infants’ early history of breastfeeding

and co-sleeping. Stress. Bd. 16, 3. Aufl. 2013, S. 267–

277.

M. Spreng: Genderismus – ungesund für Frauen,

Mütter und Kinder. Diakrisis 35 (2014), S. 197–206.

6 M-C. Geoffroy et al., Childcare and Overweight or

Obesity over 10 Years of Follow-Up, The Journal of

Pediatrics, 162 (2013), S. 753–758.

7 A. Wahlgren: Kleine Kinder brauchen uns. Aus dem

Schwedischen von Lore Rasmussen-Otten. Beltz Verlag,

Weinheim 2006.

J.-O. Gustafsson: Wie Kindertagesstätten eine Nation

zerstören können. Human Life International; Info Nr.

4 (2001) und in Der Fels 2 (2002), S. 39–41.

8 Ch. S. Eckström: Was kommt, wenn Familie geht?

Vorbild Skandinavien?, http://www.fuerkinder.org/

kinder-brauchen-bindung/aktuelles-news/394-waskommt-wenn-familie-geht-vorbild-skandinavien

[Zugriff am 08.03.2016].

106

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Die »Vielfalts«-Indoktrinierung

Die neue Sexualpädagogik zum Zwecke der Beeinflussung unserer Kinder von der Krippe an

Manfred Spieker

Foto: © Agentur PJI/Montage

Die Durchsetzung des Gender-Mainstreamings

in Deutschland bediente

sich schlagkräftiger Werkzeuge.

Eines davon ist, dass den Eltern

scheibchenweise die Erziehungshoheit

genommen wird. Das geschieht durch eine

neue Familien- und Krippenpolitik und darauf aufbauend

durch die Verpflichtung der Schulen auf

eine „Sexualpädagogik der Vielfalt“.

„Serielle Monogamie“ und Kinderkrippen

Vor zehn Jahren, im April 2006, veröffentlichte

Familienministerin Ursula von der Leyen den

7. Familienbericht der Bundesregierung „Familie

zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Perspektiven

für eine lebenslaufbezogene Familienpolitik“.

Dies war ein bedeutender Schritt der Implementierung

des Gender-Mainstreamings: Obwohl in

der öffentlichen Debatte weithin unbeachtet, hat

dieses Papier einen nachhaltigen Einfluss auf die

Familien- und insbesondere auf die Krippenpolitik.

Wie die Gender-Theorie geht auch dieser

Familienbericht davon aus, dass Geschlechterrollen

nur von der Gesellschaft konstruiert sind; entsprechend

gilt auch die Familie als „eine soziale

Konstruktion“. Dieses Papier sieht in der Familie

nicht mehr eine Beziehungseinheit verschiedener

Geschlechter und Generationen, die ohne die

natürliche Geschlechter- und Generationendifferenz

nicht möglich wäre, sondern eine Ansammlung

von Individuen mit jeweils eigenen Rechten;

deshalb müsse die Aufteilung der Arbeiten in

Haushalt, Erziehung und Pflege ständig neu ausgehandelt

werden.

Die auf einer Ehe beruhende Familie aus Vater,

Mutter und Kindern, deren Pflege und Erziehung

laut Art 6 Abs. 2 GG „das natürliche Recht

der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende

Pflicht“ ist, sei als „bürgerliche“ Familie ein „Anachronismus“

– also nicht mehr zeitgemäß, sondern

„überholt“: In Zukunft werde die Mehrheit

der Menschen „unabhängig davon, ob verheiratet,

Wenn

Geschlechterrollen

nur von der

Gesellschaft

konstruiert sind,

wäre auch die

Familie ein solches

Konstrukt

Z für Zukunft

107


Unsere Kinder

Foto: © bp /Gerhard Kiesling

Kinderkrippen sind nicht

mehr die gelegentliche Hilfe

zur Unterstützung der Eltern

in ihrer Erziehungspflicht,

sondern entziehen ihnen

die Kinder

Kinderkrippe bei Bergmann-Borsig,

Ost-Berlin 1953

Man bedient

sich des unverfänglichen

Begriffs

„Vielfalt“, der

angenehme

Assoziationen

weckt

im Laufe ihres Lebens multiple Beziehungen mit

verschiedenen Lebenspartnern erfahren.

Der Wechsel von einem Modell der lebenslangen

Ehe zu einem Modell der ‚seriellen Monogamie‘“

stehe als Faktum für eine grundlegende

Veränderung unserer Gesellschaft. Hauptmotiv

für das Eingehen einer Ehe, so der 7. Familienbericht,

sei „die Maximierung des individuellen

Glücks in einer auf Dauer angelegten, qualitativ

hochwertigen Beziehung“, die bei unbefriedigendem

Verlauf aufgegeben werde, um „nach besseren

Perspektiven zu suchen“. Deshalb müsse

Familienpolitik „lebenslaufbezogen“ sein.

In einem Familienalltag, dessen Basis die

„serielle Monogamie“ ist, kommt Kinderkrippen

eine ganz neue Bedeutung zu: Sie sind nicht mehr

die gelegentlich notwendigen Hilfen zur Unterstützung

der Eltern in ihrer Erziehungspflicht,

sondern die ruhenden Pole im Alltag einer Patchwork-Familie.

Sie sind die Knoten im Netz der

Kleinkind-Betreuung.

Die „Konstrukteure“ des Familienlebens nehmen

ihre Verantwortung zur Erziehung der Kinder

nicht mehr selbst wahr, trotz Art 6 Abs. 2 GG;

sie übertragen sie an die Gesellschaft. Der komme

eine „besondere Verantwortung“ zu für den gelebten

Alltag der Familie. Patchwork-Familien erziehen

die Kinder also nicht mehr, sie vernetzen nur

noch die verschiedenen Orte der Erziehung.

Die Konsequenz dieser Perspektive war eine

starke und einseitige Förderung des Krippenausbaus,

beginnend mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz

2004 und beschleunigt durch das

Kinderförderungsgesetz 2008. Sollte das Elterngeldgesetz

von 2006 noch dazu dienen, dass

Kinder im ersten Lebensjahr zu Hause betreut

werden, gehörten diese nun zur Klientel der Krippenbetreuung.

„Sexualpädagogik der Vielfalt“

Ein weiterer wichtiger Schritt, um das Gender-

Mainstreaming in die Gesellschaft einzuführen:

Verschiedene Bundesländer erstellen Pläne

und fassen Beschlüsse, die die Schulen auf die

„Sexualpädagogik der Vielfalt“ verpflichten. Das

eigentliche Schlachtfeld des Gender-Mainstreamings

sind die Strategien der „Sexualpädagogik

der Vielfalt“. Was ist darunter zu verstehen?

Es ist nicht etwa eine neue Variante des Sexualkundeunterrichts!

Auch keine neue Antidiskriminierungskampagne!

Die „Sexualpädagogik der

Vielfalt“ bedient sich des unverfänglichen Begriffs

der „Vielfalt“, der in der Regel einen guten Klang

hat und angenehme Assoziationen weckt. Sie will

den gesamten Unterricht in allen Fächern und

Schulstufen dazu nutzen, die „Zwangsheterosexualität“

infrage zu stellen und alle sexuellen

Orientierungen und Praktiken als normal und

gleichwertig zu präsentieren.

Am Ende geht es um

„Diversity-Mainstreaming“

Uwe Sielert, akademischer Kopf der „Sexualpädagogik

der Vielfalt“, schrieb schon 2001 auf

der Homepage der Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung (BZgA), das Gender-Mainstreaming

sei nur „ein Anfang in die richtige Richtung“,

ein „Baustein im Rahmen einer breiteren sexualpädagogischen

Strategie“, an deren Ende das „Diversity-Mainstreaming“

stehe. Gender-Mainstreaming

helfe, die „kulturell vorgestanzte Dichotomie“, also

die Zweiteilung der Geschlechter, zu überwinden

(siehe Seite 85).

Diversity-Mainstreaming? Für Soziologen der

Inbegriff des Gegenteils von Diskriminierung.

Das Diversity-Mainstreaming ist in den vergangenen

15 Jahren also gut vorangekommen – und

jetzt geht es wieder einen Schritt weiter: Es will

nicht nur erreichen, dass Homo- und Heterosexualität

gleichberechtigt sind, sondern auch „die

108

Z für Zukunft


Unsere Kinder

potenzielle Vielfalt der Lebensweisen … zwischen

den polaren Identitätsangeboten“ ermöglichen.

Darüber hinaus propagiert Diversity-Mainstreaming

alle Formen der Familie und der Reproduktion,

„Generativität“ genannt, als gleichwertig –

einschließlich der künstlichen Befruchtung und der

Leihmutterschaft. Die „Sexualpädagogik der Vielfalt“

habe, so Sielert, „Heterosexualität, Generativität

und Kernfamilie zu ‚entnaturalisieren‘“

und „Lust, Zärtlichkeit und Erotik als Energiequelle

für Lebensmut und Wohlbefinden“

zu vermitteln, „auch unabhängig von Ehe und

Liebe in allen Altersphasen“. Sie soll „Erlebnisräume

öffnen, damit Kinder und Jugendliche

gleichgeschlechtliches ebenso wie heterosexuelles

Begehren ausdrücken und leben können“.

Wie Judith Butler, so geht auch Uwe Sielert

von einer konstruktivistischen Anthropologie aus,

für die es keine menschliche Natur gebe, kein

reales Selbst, sondern nur das „erzählte und konstruierte

Selbst“, das „letztlich ein Fluss, ein Prozess,

ein Suchgeschehen“ sei. Das Selbst werde

gebaut „durch unsere Selbstentfaltung und die

Konstruktion von Sinn“. Wer dagegen auf „kulturell

festgelegte Markierungen“ wie Geschlecht, Kernfamilie

und biologische Elternschaft Wert lege, wolle

nur „dem aufregenden und zugleich befriedigenden

Selbstentwurf“ aus dem Wege gehen.

Angesichts dieser konstruktivistischen Anthropologie

steht man etwas ratlos vor der Frage, welches

„Selbst“ dann ein Mensch hat, der sich noch

nicht oder nicht mehr an der „Konstruktion von

Sinn“ beteiligen kann, wie Ungeborene, Neugeborene,

Komapatienten oder Demenzerkrankte.

Erlebnisräume für

gleichgeschlechtliches Begehren

Schüler von Uwe Sielert haben in dem Standardwerk

„Sexualpädagogik der Vielfalt“ diesen sexualpädagogischen

Ansatz heruntergebrochen für

die Anwendung in Schule und Jugendarbeit: Kindern

und Jugendlichen zwischen 8 und 16 Jahren

wollen sie Wege weisen in jene „Erlebnisräume“

der Lust, Zärtlichkeit und Erotik, in denen gleichgeschlechtliches

und heterosexuelles Begehren

als gleichwertig gelten.

Foto: © Wikipedia/Huhu Uet

Das Lernziel für 13-jährige Kinder der 7. Klasse

lautet: „Heterosexualität als Norm in Frage stellen“.

Ein Auszug aus den vielfältigen Vorschlägen

für praktische Übungen im Unterricht: 14-Jährige

sollen Gegenstände wie Dildos, Anti-Baby-Pillen,

Vaginalkugeln, Potenzmittel und Kamasutra erörtern

und verschiedenen Parteien eines Mietshauses

zuordnen; Jugendliche ab 15 Jahren planen einen

„Puff für alle“, dabei sollen sie von der Übungsleitung

ermuntert werden, „Sexualität sehr vielseitig

zu denken“ – für jede sexuelle Vorliebe soll ein

Angebot bereitgestellt und so ein „Freudenhaus der

sexuellen Lebenslust“ kreiert werden.

Die Autoren schlagen auch Körperübungen vor.

So sollen Jugendliche ab 16 Jahren in einer „Rückenwalzer“

genannten „Intensiv-Übung“ einander paarweise

aufmerksam anschauen, dann sich Rücken an

Rücken aneinandersetzen und bei Entspannungsmusik

fünf Minuten lang ihre Körper gegenseitig erspüren;

anschließend sollen sie sich austauschen über

ihre Empfindungen. – In einer „Gänsehaut“ genannten

Übung für Kinder ab 10 Jahren sollen sich die

Teilnehmer mit leichter Bekleidung in einem „von

außen nicht einsehbaren Raum“ auf Decken legen

und ebenfalls bei leiser Entspannungsmusik einander

an empfindlichen Körperstellen streicheln.

Indoktrinationsanleitung

der Lehrer-Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

(GEW) Baden-Württemberg hat eine „Unterrichtshandreichung“

verfasst mit dem Titel „Lesbische

und schwule Lebensweisen – ein Thema für die

Schule“. Diese Indoktrinationsanleitung zeigt, wie

15-jährige

planen einen

„Puff für alle“ –

ein Freudenhaus

der „Vielfalt“

und „sexuellen

Lebenslust“

Z für Zukunft

109


Unsere Kinder

Foto: © Wikipedia

Zu neutestamentlichen

Zeiten wusste man sehr

genau, was unter Unzucht

zu verstehen war

Zwei Männer und eine Frau beim

Geschlechtsverkehr; Pompejanische

Wandmalerei, um 79 v. Chr.

Aus der Kindergartenbox

„Entdecken, Schauen, Fühlen“

Foto: © derfreiejournalist.de

sexuelle Vielfalt in

allen Schulfächern

zum Thema gemacht

werden kann; das

solle dem „heimlichen

Lehrplan“ entgegenwirken,

„der die

Heterosexualität zur

nicht hinterfragbaren

Norm macht“.

In diesem fächerübergreifenden

Unterrichtsentwurf ab Klasse 7

sollen Schüler Fragen beantworten wie „Woher

glaubst du, kommt deine Heterosexualität?“ und

„Wann und warum hast du dich entschlossen,

heterosexuell zu leben?“ In den „Bausteinen für

den Religionsunterricht“ behauptet die Unterrichtshilfe,

die Aussagen des Neuen Testaments

zur Homosexualität gehörten „in den Kontext

der antiken Kultur“, die sich aber „letzten Endes

gegen die zentralen Impulse des Evangeliums nicht

behaupten“ habe können.

In Kindergärten sexuelle Lust entdecken

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

(BZgA) ist überzeugt, dass bereits Kindergärten

und Kindertagesstätten „Sexualaufklärung

flächendeckend als Bildungsaufgabe

wahrnehmen müssen“: Sie bietet Materialien an,

die der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ folgen. Die

Kindergartenbox „Entdecken, Schauen, Fühlen“

mit den Stoffpuppen Lutz mit Penis und Hoden

und Linda mit Scheide folgt dem Aufklärungsbuch

„für Kinder und ihre Eltern“ von Frank Herrath

und Uwe Sielert, „Lisa und Jan“ (siehe Bilder

auf Seite 81). Ziel beider Angebote ist es, den

Kindern deutlich zu machen, dass sie spielerisch

Erfahrungen sammeln sollen mit sexueller Lust.

Wegen des Lehrbuchs von Tuider u. a. und des

Aufklärungsbuches „Lisa und Jan“ von Herrath und

Sielert geriet die „Sexualpädagogik der Vielfalt“

seit 2014 zunehmend in die Kritik. Den Büchern

wurde vorgeworfen: Anleitung zum Sex, Verletzung

des Schamgefühls der Kinder und Jugendlichen,

Verwischung der Grenzen zwischen den Generationen

und Übernahme der Pädophilen-Propaganda.

Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchs-Beauftragter

der Bundesregierung, kritisierte diese

Aufklärung als „grenzüberschreitend und nicht

akzeptabel“. Verschiedene Landesregierungen, so

Hamburg und Baden-Württemberg, gingen auf Distanz

zu dem Buch und erklärten, es aus der Liste

der empfohlenen Literatur streichen zu wollen.

Aber keine einzige rot-grüne Landesregierung hat

deshalb die Absicht aufgegeben, die Schulen auf

die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ zu verpflichten.

Auch das von CDU und SPD regierte Saarland

hat sich die „Sexualpädagogik der Vielfalt“ zu

eigen gemacht: In den Richtlinien zur schulischen

Sexualerziehung von 2013 gelten „Hetero-, Bi-,

Homo-, Trans- und Intersexualität“ als „gleichwertige

Ausdrucksformen des menschlichen

Empfindens und der menschlichen Identität“.

Aktionspläne gegen Homophobie

Mehrere Bundesländer haben umfangreiche Aktionspläne

verabschiedet (Nordrhein-Westfalen,

Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Berlin) oder

vorbereitet (Baden-Württemberg), in denen eine

Fülle von Maßnahmen zur Förderung der „Diversity“

aufgelistet wird.

Das von CDU und SPD regierte Sachsen-

Anhalt beschloss am 29. Januar 2015 einen Aktionsplan

gegen Homophobie; beantragt hatten ihn

die Oppositionsfraktionen der Linken und von

Bündnis 90/Die Grünen.

Diese Aktionspläne betreffen nicht nur die

Schulen, sondern die gesamte Verwaltung einschließlich

der Kommunen, die Polizei und die Justiz,

Kindergärten und Hochschulen, soziale Einrichtungen,

Rundfunk- und Fernsehräte sowie die

Zivilgesellschaft. Dafür werden neue Abteilungen

und Referate in Ministerien eingerichtet, es gibt

neue Haushaltstitel und breite Fördermaßnahmen

für schwule und lesbische Interessengruppen, Aufklärungsinitiativen

und Beratungseinrichtungen.

Die Aktionspläne wollen mehr als nur Diskriminierungen

abbauen und Toleranz kultivieren;

sie wollen eine „sichtbare Wertschätzung von

Menschen mit unterschiedlichen sexuellen und

geschlechtlichen Identitäten in der Gesellschaft

fördern“.

110

Z für Zukunft


Unsere Kinder

Den Gruppen, die an der sexuellen Vielfalt kein

Interesse haben oder sie gar ablehnen, wird dagegen

mit Umerziehungs- und Sanktionsmaßnahmen

gedroht. So verpflichtet Berlin alle Empfänger

öffentlicher Leistungen und Fördermittel „in

besonderer Weise …, sich mit der kulturellen Vielfalt

und der Unterschiedlichkeit sexueller Orientierung,

Identitäten und individuellen Lebensentwürfen

auseinander zu setzen.“ Der Senat wird

aufgefordert, einen Dialog mit den Religionsgemeinschaften

zu führen, „um Akzeptanz

sexueller Vielfalt zu erreichen“.

Auch Schleswig-Holstein sieht in Kirchen und

Religionsgemeinschaften ein Hindernis für die

Diversity-Politik. Die Ministerien sollen ihre Maßnahmen

gegen Diskriminierung und Homophobie

ausbauen; dazu gehöre u. a. „die Auseinandersetzung

mit Glaubensgemeinschaften“.

Gender hat sich durchgesetzt

Das Gender-Mainstreaming hat sich in den letzten

15 Jahren weitgehend durchgesetzt. Seine

Implementierung hat Deutschland verändert:

Homosexualität gilt in Deutschland (wie in den

meisten Staaten des Westens) inzwischen als

„normal“. Nur eine Minderheit sieht das anders

– und eine noch kleinere Minderheit wagt es, das

auch auszusprechen und praktizierte Homosexualität

als unsittlich zu bezeichnen.

Viele Maßnahmen in den Aktionsplänen der

Bundesländer zwingen zu dem Schluss, dass Kritiker

der Homosexualität, der Diversity-Politik und

der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ als „homophob“

gelten, also als krank und behandlungsbedürftig.

Den Unterschied zu verwischen zwischen

der Bewertung der Homosexualität und der

Diskriminierung von Menschen mit homosexueller

Orientierung, das verstößt jedoch gegen die vom

Bundesverfassungsgericht geforderte Rücksicht

auf unterschiedliche Werthaltungen in Fragen der

Sexualität.

Es verstößt auch gegen einen Beschluss des

Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen von

2007, der vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt

wurde: dass nämlich zu unterscheiden sei zwischen

der Bewertung der Homosexualität einerseits und

der Achtung des gleichen Eigenwerts eines jeden

Menschen ungeachtet seiner sexuellen Orientierung

andererseits.

Die Antidiskriminierungskampagne der Homo-

Lobby nimmt inzwischen selbst diskriminierende

Formen an. Es genügt ihr nicht, „dass sie die

Entfaltungsfreiheit für ihre Klientel und die Meinungsführerschaft

erstritten hat, sie will jetzt der

Minderheit, die noch immer eine abweichende

Meinung vertritt, die Freiheit nehmen, Homosexualität

weiterhin negativ zu bewerten und ihr

Verhalten gegenüber Dritten an dieser Bewertung

zu orientieren“ (Christian Hillgruber). Rocco Buttiglione,

2004 designierter italienischer EU-Kommissar

für Justiz, wurde vom Innenausschuss des

EU-Parlaments an der Übernahme dieses Amtes

gehindert, weil er als guter Katholik praktizierte

Homosexualität als Sünde bewertete. In England

sah die katholische Kirche sich 2014 genötigt,

kirchliche Agenturen für Adoptionsvermittlung

zu schließen bzw. ihnen die Unterstützung zu entziehen,

weil diese durch „Antidiskriminierungsgesetze“

gezwungen wurden, Kinder auch an gleichgeschlechtliche

Paare zu vermitteln.

Wie zu Zeiten Heinrichs VIII.

Die Gender-Lobby will nicht nur Toleranz,

sie besteht auf Akzeptanz: Sie verlangt,

ihre Vorstellungen von Geschlecht und

Sexualität gutzuheißen. Akzeptanz zu

verweigern, das heißt für sie: diskriminieren.

Die Gender-Lobby benimmt sich wie

Heinrich VIII., dem es im 16. Jahrhundert

nicht genügte, dass sein Kanzler Thomas

Morus zu seiner Scheidung und Wiederheirat

schwieg; er bestand darauf, dass Thomas

Morus seine neue Ehe gutzuheißen

habe. Weil Thomas Morus dies in Treue

zur katholischen Lehre ablehnte, und als

einziger der englischen Bischöfe auch der

Bischof von Rochester John Fisher, wurden

beide hingerichtet.

Prof. Dr. Manfred Spieker ist Sozialwissenschaftler

und Professor em. für Christliche Sozialwissenschaften

an der Universität Osnabrück.

Wie Heinrich VIII.

will die Gender-

Lobby nicht nur

Toleranz, sie

besteht auf

Akzeptanz

Z für Zukunft

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Homosexualität

Die eingetragene

Lebenspartnerschaft

Frucht der Gender-Implementierung

Manfred Spieker

Foto: © Wikipedia/Elvert Barnes

Ehe und Familie:

Man kämpft um

Legalisierung dessen,

was man lange Zeit als

überholt geschmäht

und als Anachronismus

abgelehnt hat

Die politische Implementierung des

Gender-Mainstreamings in Deutschland

lässt sich in vier Etappen gliedern:

1. Die Beschlüsse der Regierung Schröder/Fischer

1999 und 2000, das Gender-Mainstreaming in

Gesetzgebung und Verwaltung durchzusetzen;

2. die Legalisierung eingetragener Lebenspartnerschaften

(2001) mit mehreren Folgeentscheidungen

von Justiz und Gesetzgeber, die die Lebenspartnerschaft

immer mehr an die Ehe anglichen;

3. die neue Familien- und Krippenpolitik (ab

2006) und

4. die Verpflichtung der Schulen auf die „Sexualpädagogik

der Vielfalt“ (ab 2003).

Philosophie des „Gender-Mainstreamings“

Wollte man der Gender-Theorie einen wahren Kern

zugestehen, könnte man sagen: In der Tat ist die

Sexualität des Menschen nicht nur „Natur“, sondern

immer auch Kultur. Sie ist nicht nur ein Trieb;

sie bedarf der verantwortungsbewussten Kultivierung,

der Beherrschung und der Integration in die

Person. Sie ist auf Erziehung angewiesen. Sie ist

also nicht nur Gegenstand der Biologie.

Aber die Gender-Theorie geht weit darüber hinaus:

Ihr geht es nicht um die Kultivierung, sondern

um die Dekonstruktion der Sexualität, genauer: um

die Dekonstruktion der Heterosexualität. Heterosexualität

ist für sie ein Synonym für die Beziehung

von Mann und Frau, die geregelt werde durch von

der Gesellschaft aufgezwungene Normen.

112

Z für Zukunft


Homosexualität

Deshalb spricht die Gender-Theorie häufig

nicht nur von Heterosexualität, sondern von

„Zwangsheterosexualität“. Wenn nämlich das

Geschlecht in erster Linie eine Konstruktion der

Gesellschaft und der Kultur ist, dann gilt auch

die Zweigeschlechtlichkeit als eine solche Konstruktion

– und da alles nur eine Konstruktion der

Gesellschaft und der vorherrschenden Kultur sei,

spricht die Gender-Theorie jeder Form der Sexualität

das gleiche Recht zu.

An die Stelle der sexuellen Identität als Mann oder

als Frau, die von der Natur vorgegeben ist, tritt die

sexuelle Orientierung, die der Mensch selbst wählt,

die also allein von seinem Willen abhängen soll.

Worum geht es eigentlich?

Gender-Mainstreaming ist primär ein Kampf um

die Anerkennung der Homosexualität. Ihr sollen

der gleiche Rang und der gleiche staatliche Schutz

zukommen wie der Heterosexualität; die Ehe von

Mann und Frau darf in dieser Perspektive gegenüber

gleichgeschlechtlichen Verbindungen nicht privilegiert

werden. Das gilt für alle Rechtsbereiche,

insbesondere für das Familienrecht, das Steuerund

Erbschaftsrecht sowie das Adoptionsrecht.

Homosexualität gilt deshalb als „subversiver Protest

gegen die Zweigeschlechtlichkeit“ (Uwe Sielert).

In einem zweiten Schritt ist Gender-Mainstreaming

ein Kampf für die LGBTTI-Agenda: Nicht nur

homosexuelle, also lesbische und schwule (gay)

Lebensweisen sollen heterosexuellen Beziehungen

gleichrangig sein, sondern auch bisexuelle

und solche, die als „Transgender“, intersexuell

oder „Queer“ bezeichnet werden.

Der Begriff „Gender“ dient also nicht nur der

Dekonstruktion der Geschlechtspolarität, sondern

der Relativierung des Geschlechts selbst – er leugnet

eine dem Menschen vorgegebene Natur. Diese

Leugnung kann durchaus skurrile Formen annehmen,

so wenn gefordert wird, die Begriffe Vater

und Mutter in standesamtlichen Dokumenten

durch die Begriffe „Elter 1“ und „Elter 2“ zu ersetzen,

oder wenn die Bundesärztekammer in gendersensiblem

Übereifer genetische Labors auffordert,

neben den üblichen Geschlechtsbezeichnungen

„männlich“ und „weiblich“ noch eine Rubrik für

ein drittes Geschlecht „X“ einzuführen.

Die Zerstörung der geschlechtlichen

Identität

Judith Butlers Buch „Das Unbehagen der Geschlechter“

(1990, deutsch 1991), der literarische Vorreiter

des Gender-Mainstreamings, dient, wie der Untertitel

im englischen Original zum Ausdruck bringt,

„the Subversion of Identity“, der Zerstörung einer

vorgegebenen geschlechtlichen Identität.

Die Kategorie „Frau“ ist für Butler, wie für

Simone de Beauvoir, nichts Vorgegebenes, sondern

„ein prozessualer Begriff, ein Werden und

Konstruieren“, bei dem es keinen Anfang und

kein Ende gibt. Das gilt dann konsequenterweise

auch für den Mann.

Die Attribute und Akte geschlechtlicher Identität

seien „performativ“, das heißt, sie werden erst

im konkreten Verhalten geschaffen. Deshalb gebe

es „weder wahre noch falsche, weder wirkliche

noch verzerrte Akte der Geschlechtsidentität“.

Für Elisabeth Tuider sind „Identitäten, geschlechtliche

und sexuelle Positionierungen … mit einem

Ablaufdatum versehen und sagen höchstens ‚zurzeit‘

etwas über einen Menschen aus“.

Eingetragene Lebenspartnerschaften

Der Gesetzgeber in Deutschland hat sich seit der

14. Legislaturperiode, also seit 1998, die Perspektive

des Gender-Mainstreamings zu eigen gemacht.

Das begann mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz

vom 16. Februar 2001, das gleichgeschlechtlichen

Verbindungen einen eheähnlichen Status verlieh;

das Bundesverfassungsgericht bewertete es am

17. Juli 2002 als grundgesetzkonform.

Dass eine eingetragene Lebenspartnerschaft

im Gegensatz zur Ehe nicht auf ein eigenes Kind

hin angelegt ist, nicht zur Elternverantwortlichkeit

führt und keinen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit

der Gesellschaft leistet,

blieb im Gericht eine Minderheitenmeinung.

Die Mehrheit wollte

nicht sehen, dass Homosexualität

generationenblind und lebensfeindlich

ist.

Der Eifer der Homo-Lobby, in

allem der Ehe und Familie gleichgestellt

zu werden, wollte mit

der Dekonstruktion von Ehe und

In der Tat ist

die Sexualität des

Menschen nicht

nur „Natur“,

sondern immer

auch Kultur. Sie

ist nicht nur ein

Trieb; sie bedarf