ALEB_Abschlusszeitung_Web

artfulrooms

Ausgabe 1 Maerz 2015

der

trafikanten

kurier


Vorwort

Vorwort

Liebe Studentinnen

und Studenten,

liebe Bücherfans und

Literaturfreunde!

Was für Sie vermutlich

eine Selbstverständlichkeit

bedeutet,

nämlich

das intensive Vergnügen

am Lesen

und der regelmäßige

„Konsum“ guter Bücher,

wird für viele

Menschen immer

mehr zur Ausnahme. Die Gründe dafür

sind ebenso vielfältig wie naheliegend

angesichts der unvermeidlichen Reizüberflutung

und den digitalen Beschleunigungsprozessen,

denen wir uns ebenfalls

nicht entziehen können.

Umso bedeutsamer ist in meinen Augen

der Erfolg, den das Literaturprojekt

„Augsburg liest ein Buch“ feiern durfte.

Eine ganze Stadt lag monatelang im

Lesefieber! Mit Robert Seethalers Roman

„Der Trafikant“ wurde ein Buch zum

Stadtgespräch und brachte ganz im

Sinne der „Erfinder“ tausende Menschen

unterschiedlichen Alters ins Gespräch

miteinander. Ein aufwändiges und

kreativ konzipiertes Rahmenprogramm

mit anschaulichen Formaten und vielen

„Mitspielern“ regte über viele Wochen

hinweg zum intensiven Austausch an und

ermöglichte u.a. auch die persönliche

Begegnung mit dem Erfolgsautor. Ganz

generell dürfte diese Initiative bestens

dazu geeignet sein, eine neue und

zeitgemäße Leselust zu entfachen und

zu beweisen, wie lebendig und wichtig

das Lesen und die Beschäftigung mit

überzeugender Lektüre in Buchform für

uns alle sein kann.

Dass dies alles so gut funktionierte, ist

nicht selbstverständlich. Es ist dem Engagement

und der Kreativität von

literarisch einschlägig bekannten Akteuren

hier in der Stadt geschuldet.

Bemerkenswert ist aber gerade die Tatsache,

dass das von den Wirtschaftsjunioren

ins Leben gerufene Projekt

zahlreiche kompetente Kooperationspartner

zur Unterstützung und Begleitung

mit ins Lese-Boot holen konnte.

Neugierig darf man jetzt natürlich

auch auf all die in der vorliegenden

Zeitung abgedruckten Artikel und

Beiträge sein, die „Augsburg liest ein

Buch“ und dem komplexen Roman von

Robert Seethaler auch die akademische

Note verleihen und sicher viele weitere

wissenswerte Aspekte beleuchten. Ich

wünsche den Herausgebern und den

jungen Redakteuren dabei eine ähnliche

große Leserschaft und reges Interesse

wie sie das einmalige Buch-Projekt

erhielt, das Augsburg einmal mehr auch

als Literaturstadt verankert hat.

Herzliche Grüße

Dr. Kurt Gribl

Oberbürgermeister der Stadt Augsburg

Liebe Leserinnen und Leser,

liebe Bücherfreunde!

Kein Geringerer als

der bekannte amerikanische

Erfolgsautor

John Irving

prägte den Satz: „Es

ist Schwerstarbeit,

leicht lesbare Bücher

zu schreiben.“

Der junge Gegenwartsautor

Robert

Seethaler hat mit seinem Roman „Der

Trafikant“, das ich sehr gern und mit

großem Gewinn gelesen habe, diese

Schwerstarbeit brillant gemeistert.

Somit war die Idee, eben jenes Werk für

das literarisch ambitionierte Projekt

„Augsburg liest ein Buch“ auszuwählen,

schlüssig und erfolgversprechend. Dennoch

war die Initiative, die von den

Augsburger Wirtschaftsjunioren gemeinsam

mit diversen Kooperationspartnern

gestartet wurde, zu Beginn ein

Abenteuer mit offenem Ausgang. Wie

alle, die hierbei als aktiver Leser oder

auch als Akteur im erlesen konzipierten

Rahmenprogramm involviert waren,

bin ich davon überzeugt, dass sich das

„Wagnis“ in mehrfacher Hinsicht für die

Stadt und unsere Gesellschaft gelohnt hat!

„Der Trafikant“ war und bleibt wohl

eine Zeitlang in aller Munde. Ein Buch -

und später sogar sein Autor – ging durch

die Stadt! Das Projekt machte Schule

und begeisterte wie von alleine alte

und junge Leser, flinke Leseratten und

intellektuelle Bücherwürmer ebenso wie

manche „Quereinsteiger“, die mit dem

Buch die Leidenschaft fürs Lesen neu für

sich entdeckten.

Allein hier könnte der Mehrwert dieser

ungewöhnlichen Lese-Aktion liegen,

die in Augsburg zwar nicht erfunden,

aber hoch motiviert, professionell und

mit nachhaltigem Effekt und großer

medialen Außenwirkung durchgeführt

wurde. Eine Wiederholung wäre fraglos

wünschenswert.

Ich bin auch davon überzeugt,

dass sich weitere Bücher wie das von

Robert Seethaler ausfindig machen

lassen, die sprachliche Finesse mit

einer historisch wertvollen, zeitlos

aktuellen Themenvielfalt vereinen, die

Weltgeschichte im privaten Schicksal

spiegeln und damit eine breite

Allgemeinheit zu begeistern und zu

berühren wissen. „Der Trafikant“ ist

eine Lektüre, die unterhält und ohne

pädagogischen Zeigefinger belehrt,

die nachdenklich macht oder wie in

Augsburg in den vergangenen Wochen

geschehen, zu kontroversen Gesprächen

und Diskussionen inspirierte!

Dass Lesen bildet und mit die wichtigste

Basis für alle weiteren Bildungsschritte

bedeutet, muss hier nicht extra betont

werden. Es kann dennoch nie schaden,

die Lust am Lesen auf diese Weise zu

optimieren und öffentlich zu machen

und mit einer kreativen Initiative fest

in unserer modernen Stadtgesellschaft

zu verankern. Daher danke ich allen, die

einen engagierten Beitrag zum Gelingen

des Projekts „Augsburg liest ein Buch“

geleistet haben und wünsche nicht zuletzt

dieser Zeitung eine große Leserschaft!

Herzlichst Thomas Weitzel

Leiter Kulturreferat der Stadt Augsburg

Liebe Augsburger

Lese-Fans,

wenn Sie jetzt diese

Zeitung in den

Händen halten und

diese Zeilen lesen,

habe ich das Ziel

schon erreicht, Ihr

Interesse für die

spannende Reise

unserer Stadtgesellschaft

– hier mit

dem „Trafikant“ – zu

wecken.

„Augsburg liest ein Buch“ ist ein

Projekt, das das Zusammenhalten

unserer Stadt fördert. Augsburg liest

„Der Trafikant“ von Robert Seethaler,

ein Buch, das Menschen in Augsburg

zusammenführen, den Dialog und den

Austausch aufbauen und für Literatur

und die Freude am Lesen überhaupt

begeistern soll. Unser Ziel ist es, durch

diese „literarische Kommunikation“ die

Stadtgemeinschaft zu stärken und über

Kontaktbarrieren hinweg zu helfen.

Und nicht nur das. Denn die Geschichte

von „Der Trafikant“ ermuntert auch zur

Toleranz gegenüber anderen Kulturen

und Religionen und zur Zivilcourage.

Das ist für mich sehr wichtig und heute

notwendiger denn je. Insbesondere hier

bei uns, in der Friedensstadt Augsburg, hat

die Thematik „Frieden und Toleranz“ eine

lange Tradition, welche die Geschichte

Europas von der Confessio Augustana

über den Augsburger Religionsfrieden

bis heute mitprägt. Deshalb sind „Frieden

und Toleranz“ – zwei Themen, die im

Buch „Der Trafikant“ eine zentrale Rolle

spielen – auch ein zentrales Merkmal

unserer Stadtgeschichte, die untrennbar

verbunden mit Europas Idee des Friedens,

der Integration und Einigung ist.

Aus diesem Grund freue ich mich,

dass unser Projekt „Augsburg liest ein

Buch – Augsburg liest Der Trafikant“

so viel Interesse und Begeisterung bei

den Augsburgerinnen und Augsburgern

geweckt hat und immer weitere

Kreise zieht. Ich bin überzeugt, dass

eine Stadt, die dieses schöne Gefühl

der Zusammengehörigkeit bei ihren

Einwohnern stärkt, viel erreicht hat!

Deshalb möchte ich mich als Schirmherrin,

aber auch ganz persönlich, bei

allen Mitwirkenden und Sponsoren für

das großartige Engagement für unsere

Stadtgesellschaft herzlich bedanken!

Allen Augsburger Leserinnen und

Lesern wünsche ich weiterhin viel Freude

am Lesen und an der gesellschaftlichen

Teilnahme – um es mit den Worten von

Sigmund Freud zu sagen: „Die Gegenwart

kann man nicht genießen ohne sie zu

verstehen und nicht verstehen, ohne die

Vergangenheit zu kennen.“

Eva Weber

Bürgermeisterin der Stadt Augsburg

Schirmherrin des Projektes „Augsburg

liest ein Buch“

Impressum || Herausgeberin Tina Göbel || Redaktion Tina Göbel, Tobias Heuberger || Layout Karin Mausz, Heart Advertising || Foto Credits Gregor

Witsch, artful rooms; Manuela Prinz; Remus Mausz; Sonja Seebach Fotografie || Druck diedruckerei.de || Copyright Wirtschaftsjunioren Augsburg

Kontakt || www.augsburgliesteinbuch.de

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich habe das Buch

„Der Trafikant“

selbst gelesen, oder

besser: in kürzester

Zeit „verschlungen“.

Es war faszinierend,

den Wachstumsund

Reifeprozess

des jungen Franz

in Wien vor dem

Hintergrund der aufkommenden Nazidiktatur

mitzuverfolgen.

Bücher bilden und Bücher regen zur

eigenen Auseinandersetzung des Lesers

mit sich und der Gesellschaft an.

Noch spannender wird es, wenn

ich mich mit anderen über die Lektüre

auseinandersetzen kann. Deshalb halte

ich das Projekt „Augsburg liest ein Buch“

für eine sehr gelungene und kluge Idee,

die ich gerne unterstütze.

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Stefan Kiefer

Bürgermeister

Liebe Freunde und Projektpartner!

Als kühne Idee Anfang

2014 geboren,

wuchs dieses einmalige

Projekt innerhalb

neun aufregender

Monate zu einer

unglaublichen Größe

an, die ich mir

nicht hätte erträumen lassen. Doch

rund zehn umtriebige Wirtschaftsjunioren

und zahlreiche Unterstützer

aus Bürgertum, Kultur, Politik und

Wirtschaft verliehen dieser städtischen

Initiative derartige Flügel, dass wir

am Ende rund 30.000 Leser für das

Buch begeistern konnten! Es führte

Das ALEB-Team

„Der Trafikant“ von Robert Seethaler erzählt die Geschichte des jungen

Franz Huchel, seiner Liebe zu Anezka und seiner Freundschaft

zu Sigmund Freud. Der Roman spielt im Wien der 1930-er Jahre.

Menschen in unserer Stadt zusammen, die

sich sonst vielleicht nie begegnet wären.

Es fanden Veranstaltungen statt, die mit

Begeisterung aufgesogen wurden. Und am

Ende war nicht nur der Autor selbst von

den umtriebigen Augsburgern sichtlich

angetan.

Danke an all die vielen engagierten Menschen,

die „Augsburg liest ein Buch“ in

dieser Form möglich gemacht haben!

Georg Jakob Stemshorn

Projektleiter

Wirtschaftsjunioren Augsburg

Georg Jakob Stemshorn (Projektleiter), Karin Mausz

(Marketing/Layout), Bernadette Buhl (Presse/Öffentlichkeitsarbeit),

Gregor Witsch (Logodesign, Social

Media), Fabian Kappe (Finanzen), Bernhard Maurmeir

(Recht), Andrea Greif, Manuela Prinz, Anja Weiß,

Dennis Preiter, Florian Steichele

2 3


Das Projekt

Rezension

„Augsburg liest ein Buch” – Ein voller Erfolg

Text: Tobias Heuberger und Tina Göbel

Robert Seethaler: Der Trafikant

Text: Tina Göbel

4

Das Projekt „Augsburg liest ein Buch“,

das von den Wirtschaftsjunioren initiiert

wurde, war ein voller Erfolg.

Sowohl Schüler als auch Lehrer,

Studenten, Grafiker und der Augsburger

Buchhandel engagierten sich beim

Projekt, jeder auf seine ganz individuelle

Art und Weise. Als gemeinsame

Lektüre wurde Robert Seethalers „Der

Trafikant“ ausgewählt. Dabei handelt

es sich um einen Roman, der ein breites

Themenspektrum abdeckt und viele

Interpretationen zulässt. Der junge Franz

Huchel kommt vom

Land in die Großstadt

Wien, macht

Bekanntschaft mit

Sigmund Freud und

seiner Psychoanalyse,

durchlebt den

Prozess der Adoleszenz,

erfährt die

Gewaltbereitschaft

des NS-Regimes und

die Propaganda in

der Presse, um nur ein paar Aspekte

zu nennen. Die breite Fächerung des

Buches ermöglicht vielen Menschen

einen Zugang. Seethalers „Trafikant“

begeisterte durch den Humor und

die Leichtigkeit, mit der er ein so

bedrückendes Thema erzählt. Besonders

die feine, einfach gehaltene Sprache

machte das Lesen zum ästhetischen

Genuss. Eindrückliche Stellen waren das

Hissen von Otto Trsjneks Hose zwischen

den Hakenkreuzfahnen, das erste

Kennenlernen von Franz und Anezka,

Franz‘ Gespräch mit Freud über die

Liebe, die Suche nach der „böhmischen

Zahnlücke“ und das Anbringen der

aufgeschriebenen Traumzettel an die

Innenseite der Trafikfenster.

Zahlreiche Veranstaltungen, die in

regelmäßigen Abständen stattfanden,

luden die Augsburger Bürger dazu ein,

sich literarisch auszutauschen und in die

Welt des „Trafikanten“ und ins Wien der

1930er Jahre einzutauchen. So las z. B.

Robert Seethaler persönlich aus seinem

Buch und stellte sich den Augsburger

Lesern vor. Auch verschiedene abendliche

Lesungen, wie z. B. im Löwenhaus

vor beeindruckender Kulisse, zogen

die Menschen an. Weitere Highlights

waren der Wiener Liederabend, der

Workshop mit Robert Seethaler, der

an der Universität Augsburg stattfand,

und die Lesung Seethalers im Maria-

Theresia-Gymnasium, bei der drei

Schulklassen den Autor ganz exklusiv

kennenlernen konnten. Darüber hinaus

beteiligte sich die Universität Augsburg

in Form eines Hauptseminars. Die

Teilnehmer entwickelten mehrere

Projekte. So organisierte man z. B. einen

Lesestaffellauf, bei dem an verschiedenen

öffentlichen Orten aus dem Trafikanten

vorgelesen wurde. Außerdem wurden

Augsburger Schulen kontaktiert. Ein paar

Klassen stellten im Fach Kunst Symbole,

Durch das Projekt „Augsburg liest ein

Buch“ wurde für viele Literaturfans ein

Raum für Begegnungen geschaffen…

wie etwa die zerrissene Hose, aus dem

Buch nach. In diesem Rahmen reifte

auch die Idee zu einer Trafik, die bei

der Abschlussveranstaltung präsentiert

wird. Im Kunstunterricht wird dabei mit

verschiedensten Materialien ein kleines

Häuschen gezimmert, in dem Themen wie

Liebe und Erwachsenwerden dargestellt

werden. Außerdem wird es an der

Abschlussveranstaltung eine Freud-Couch

und einen „echten“ Freud geben, bei

dem sich die Besucher der Veranstaltung

sogar ihre Träume deuten lassen können.

Einige Schüler gestalten in Anlehnung

an das Buch zudem Postkarten. Die

schönste Ausführung wird in Form eines

Wettbewerbs in sozialen Netzwerken

ermittelt. Das Siegermodell ist bei der

Abschlussveranstaltung erhältlich.

Als eine der studentischen Initiativen

zählt auch diese

Zeitung, welche über

die verschiedenen

Projekte und deren

Verlauf berichtet.

Sie umfasst zudem

mehrere Interviews,

die von Studierenden

geführt wurden. Hier

stellt sich zum einen

Robert Seethaler den

interessierten Fragen

und zum anderen spricht ein Zeitzeuge

über die Geschehnisse in und um den

zweiten Weltkrieg. Im Fach Deutsch

wurde an den Augsburger Schulen

ebenfalls mit dem Trafikanten gearbeitet.

Zwei Schüler verfassten eine besonders

gelungene Ausarbeitung zu dem von

ihnen gewählten Thema. Sie skizzieren

die politischen Geschehnisse und den

Einfluss Hitlers in Österreich.

Durch das Projekt „Augsburg liest

ein Buch“ wurde für viele Literaturfans

ein Raum für Begegnungen geschaffen,

wobei zudem die Literatur in die Mitte der

Gesellschaft rückte. Die Erfahrung eines

„gemeinsamen“ Lesens weckte auch bei

Lesemuffeln das Interesse für Bücher. Das

Ziel, die Augsburger gemeinsam ein Buch

lesen zu lassen und einen kulturellen

Austausch zu erzeugen, wurde erreicht

und vielen Lesern eröffnete sich durch

diesen Austausch eine neue Sichtweise

auf das Buch.

Vielen Dank dafür an alle Beteiligten:

an die Wirtschaftsjunioren, die dieses

großartige Projekt ins Leben gerufen

haben, an die Sponsoren und alle

Projektteilnehmer und natürlich an

Robert Seethaler, durch dessen Buch sich

die Augsburger kulturell etwas näher

gekommen sind. •

Österreich 1937: Der 17-jährige Franz

Huchel verlässt sein Heimatdorf, um in

Wien als Lehrling in einer Trafik, einem

Tabak- und Zeitungsgeschäft, bei Otto

Trsnjek, einem alten Freund seiner Mutter,

zu arbeiten und Geld zu verdienen.

Hier begegnet er dem Stammkunden

Sigmund Freud und ist sofort fasziniert

von seiner Ausstrahlung und

Persönlichkeit. Allmählich entwickelt

sich eine außergewöhnliche Freundschaft

zwischen den beiden unterschiedlichen

Männern: zwischen dem jungen Franz,

der noch nichts von der Welt gesehen hat

und sich auf einmal in Wien und somit in

einer vollkommen fremden Umgebung

zurechtfinden muss, und Freud, einem der

großen Denker seiner Zeit, der für seine

Psychoanalyse berühmt wurde. Franz

profitiert von Freuds Lebenserfahrung

und Freud von Franz’ Unbedarftheit und

seiner Jugendlichkeit.

Freud rät Franz, sich ein Mädchen zu

suchen. Als sich Franz in die Tänzerin

Anezka verliebt, wohlwissend, dass

sie einer gänzlich anderen Gesellschaftsschicht

angehört, wendet er sich

mit seinem Liebeskummer an Freud,

doch dabei stellt sich heraus, dass diesem

das weibliche Geschlecht ein mindestens

ebenso großes Rätsel ist wie Franz.

Franz sieht Anezka nun als den

Mittelpunkt seines Lebens und seine

Gedanken kreisen nur um sie, doch

mit ihr läuft es nicht so rund, wie es

zuerst erscheint. Auch die politische

Lage spitzt sich zu, nachdem die Deutschen

in Wien einmarschiert sind. Es

gibt immer deutlichere antisemitische

Ausschreitungen, die Stimmung heizt

sich auf, die Menschen verändern sich.

Das bekommt auch der Trafikbesitzer

Otto Trsnjek zu spüren, denn er hat viele

Juden als Kunden, was weder seinen

Nachbarn noch der Polizei verborgen

bleibt. Als sich der Hass gegen die Juden

auch in Wien immer mehr verstärkt, hat

dies letztlich Folgen für Ottos Tabaktrafik

und so auch für sein Leben. Nun muss

Franz die Trafik alleine weiterführen.

Die Sprache ist so unaufgeregt,

schnörkellos und bewusst einfach wie

die berührende Geschichte, die Robert

Seethaler chronologisch und ohne

Effekthascherei erzählt. Das Buch ist voll

Robert seethaler

der trafikant

von sensiblen und ruhigen Momenten,

ganz kleinen Beobachtungen und

zauberhaften Ideen. Franz beginnt nach

dem Verschwinden Otto Trsnjeks, die

Aufzeichnungen seiner Träume, zu denen

ihm Freud geraten hat, an die Innenseite

der Fenster der Trafik zu kleben, sodass

jeder vorüberhastende Passant sie lesen

kann. Viele reagieren irritiert, andere

nachdenklich.

„Der Trafikant“ bringt den Leser

zum Schmunzeln, zum Nachdenken,

zum Erinnern, zum Träumen, ohne

in künstliche Romantik abzudriften.

Aufgrund der Vielschichtigkeit des

Romans lohnt es sich, ihn ein zweites Mal

zu lesen, da man immer neue Kleinigkeiten

entdecken und die Erzählung mit einem

anderen Fokus neu durchleben, -leiden

und -träumen kann – als Liebesgeschichte

zwischen Franz und Anezka, als Zeugnis

des Vorabends des Zweiten Weltkriegs,

als Roman über die Adoleszenz und

schließlich als Erzählung über eine ganz

besondere Freundschaft mit Freud. •

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Aktionen

Aktionen

Der Trafikant auf Reisen

Unsichtbares Theater

Der Trafikant ging auf Reisen und wurde gelesen, gelesen,

gelesen: China (Partnerstadt Jinan) mit OB Dr. Gribl und der

städtischen Delegation, Wien, Kroatien, Frankfurt, San Francisco

– doch nicht nur: La Strada (27.07.2014), Friedenstafel (08.08.2014)

und Rosa Montag auf dem Plärrer (25.08.2014), Hereinspaziert,

Hereinspaziert (14.09.2014): Augsburg liest ein Buch war dabei

und gab einen Vorgeschmack auf die vielen Aktionen. •

30.10.2014: Stadtmarkt – Regisseur Dominik von Gunten,

Bühnenbildnerin Carolin Mittler und die Wirtschaftsjunioren

Annabelle Schmid und Markus Pflüger wagen ein Experiment.

Eine Buchszene wird in unsere Zeit übersetzt. Mitten im Herzen

unserer Stadt wird ein Angriff auf eine Dönerbude nachgestellt.

Wer greift ein? Haben die Augsburger Zivilcourage? •

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Kick-off Villa Haag

01.10.2014: Große Kick-off-Veranstaltung und Projektauftakt

mit Bürgermeisterin Eva Weber und allen Beteiligten in der

Villa Haag. •

Dozententag IHK

10.10.2014: Dozententag im IHK-Bildungshaus. ‚Der Trafikant‘

war mit dabei. •

Kick-off Deutsche Bank

14.10.2014: Mitarbeiter-Kick-Off beim Hauptsponsor Deutsche

Bank. •

Literarischer Salon I

15.10.2014: Literarischer Salon im Theater mit Intendantin

Juliane Votteler, Bürgermeisterin Eva Weber, Kurt Idrizovic

und Michael Schreiner. •

Getanzt und gesoffen

31.10.2014: Gesoffen und getanzt im Bücher Pustet •

Von Wien nach Augsburg

09.11.2014: Weinstube Jakobus – Eine Trafik ist im Roman

der Schnittpunkt mehrerer Lebenslinien. Um diese Trafik

baut sich das atmosphärische Magnetfeld Wiens auf, das

diese Lebenslinien umlenkt und verformt und die darauf

Schreitenden unausweichlich in ihr Schicksal führt. Von

und mit Edgar Mathe (Performance, Rezitation), Udo Korzer

(Moderation) und Swing de Paris (Songs). •

Sybille Schiller liest

11.11.2014: Sybille Schiller liest ihre Lieblingsstellen im

Augsburg Journal. •

Wiener Liederabend

14.11.2014: Großer Wiener Liederabend im Odeon mit den

Schauspielern Elna Lindgens, Thomas Prazak und dem

Musiker Adrian Sieber. „Und wer bin i?“ •

7


8

Aktionen

Literarischer Salon II

20.11.2014: Zweiter literarischer Salon im Theater „Männer,

Frauen und der Trafikant“ •

Flashmob

22.11.2014: Trafikanten-Flashmob auf dem Königsplatz mit der

Universität Augsburg. •

Erotische Zeitreise

25.11.2014: Eine erotische Zeitreise mit dem Trafikanten und

der Schriftstellerin Vera Kaiser im Bahnpark. •

Da Billi Jean is ned mei Bua

27.11.2014: Da Billie Jean is ned mei Bua – Konzert im Soho

Stage. •

Trafikant goes VHS

28.11.2014: Der Trafikant goes VHS! Der Trafikant in den

Deutschkursen für Migranten und Expats. Die Deutsche Bank

stellt hierfür die nötigen Buchexemplare. •

Aktionen

Lesestaffellauf

29.11.2014: Lesestaffellauf in der Augsburger Innenstadt mit

Studenten von Prof. Dr. Stephanie Waldow und Schülern

des Maria-Theresia-Gymnasiums. Ziel dieser Aktion ist es,

die Mitmenschen nicht nur auf das Projekt aufmerksam zu

machen, sondern auch mit ihnen darüber ins Gespräch zu

kommen. An zehn unterschiedlichen Stationen, wie z.B. das

Rathaus, der Stadtmarkt und auch die Annastraße, kann man

den entscheidenden Stellen aus Seethalers Werk lauschen. •

Lesung in der Stadtbuecherei

30.11.2014: Große Projektkrönung in der neuen Stadtbücherei!

Der Autor Robert Seethaler liest in der Neuen

Stadtbücherei vor mehr als 300 begeisterten Trafikanten-

Fans aus seinem Roman und stellt zudem sein neuestes

Werk „Ein ganzes Leben” vor. •

Lesung im Loewenhaus

15.01.2015: Es ist richtig wild – der Trafikant im Zoo, genauer

gesagt im Raubtierhaus bei den Löwen! •

Philosophisches Gespraech

29.01.2015: Letzte Aktion des erfolgreichen Projekts, das

philosophische Gespräch im Brechthaus. Wie bereitet die

Provinz einen jungen Menschen vor, der erst in den Trubel

der Großstadt Wien und dann in den Strudel der Liebe

und des heraufziehenden Krieges gerät? Diese und andere

Fragen wirft Robert Seethalers Buch „Der Trafikant“ auf,

über das im Rahmen der Initiative „Augsburg liest ein

Buch“ aus literarischer, literaturwissenschaftlicher und

philosophischer Sicht diskutiert wurde. Es diskutierten Lydia

Daher, Dr. Gerhard Hofweber und Dr. Franz Fromholzer. •

9


interview Seethaler

interview Seethaler

Im Rahmen der Aktion „Augsburg liest ein

Buch“ besuchte der Autor Robert Seethaler

die Stadt. Das begleitende Projektseminar

der Universität Augsburg beteiligte sich

an der Gestaltung dieses Konzepts. Für

ein Interview mit Studierenden nahm er

sich Zeit und gewährte Einblicke in seine

literarischen Werke.

Der Trafikant wurde für die Aktion

„Augsburg liest ein Buch“ ausgewählt.

Einer der Gründe ist z. B. die Vielfalt der

Themen, die das Buch für eine große

Leserschaft geeignet machen. Hatten

Sie vermutet, dass das Buch so breit

rezipiert wird?

RS: Es war wirklich nicht abzusehen, dass

ein Buch, das im Jahr 1937/38 in Wien

spielt und von einem Jungen handelt, der

auf den alten Freud trifft, so breit und so

toll aufgenommen wird.

Ihr Buch erfüllt eine wichtige

poetologische Funktion, indem es einen

Imaginationsraum öffnet und einen

regen Erfahrungsaustausch möglich

macht. Welche Themen aus dem Buch

sollten Ihrer Meinung nach in diesem

Erfahrungsaustausch besonders berücksichtigt

werden?

RS: Offensichtlich scheint das Buch

sehr viele Menschen zu erreichen und

die verschiedensten Gedankengänge

und Zugänge dazu zu ermöglichen.

Warum, kann ich schlussendlich nicht

beantworten.

Erstens, die Handlung spielt ‘37/’38:

Wir wissen, was damals passiert ist.

Meine Hauptfiguren wissen es nicht. Die

westliche Zivilisation bricht zusammen.

Daraus ist unsere heutige Welt neu

entstanden. Darum betrifft uns das alle. Es

ist einerseits Geschichte und andererseits

noch nicht so lang her, dass es schon in

Vergessenheit liegt. Zweitens ist sicher

auch die Persönlichkeit von Freud

relevant, er ist weltbekannt und jeder hat

eine Meinung zu ihm – meistens keine

gute. Und das Dritte ist wohl wirklich

diese Figur des jungen Franz. Sie scheint

die meisten Menschen zu berühren. Ich

nehme an, dass es diese Offenheit ist, mit

der Franz die Welt betrachtet.

Interview mit Robert Seethaler vom 01. Dezember 2014

Text: Ruth Holzapfel, Sarina Müller, Aleksandra Pendo und Saskia Wagner

Sie hatten ursprünglich die Idee ein

Buch über Sigmund Freud zu schreiben.

Warum liegt der Fokus nun auf Franz?

RS: Über die historische Figur des

großen Psychoanalytikers wurde bereits

viel berichtet, geschrieben und gedacht.

Dem kann ich eigentlich nichts mehr

hinzufügen. Dementsprechend brauchte

ich einen anderen Zugang zu Freud –

den eines naiven Menschen. Eine Figur

wie Franz, der alles ganz neu, frisch und

naiv betrachtet. Wobei man Naivität

nicht mit Dummheit verwechseln darf.

Naiv heißt offen und staunend. Insofern

ist auch Freud eigentlich immer naiv

geblieben, denn er hat ja selbst noch im

hohen Alter versucht, sich die Welt neu

zu erstaunen.

Welche Funktion übernimmt Freud im

Hinblick auf Franz?

RS: Ich kann dazu nichts sagen.

Jeder Leser soll diese Frage für sich

selbst beantworten. Oder auch nicht.

Man verfällt leicht in Klischees und

spricht von einem Mentor oder einer

verkappten Vaterfigur. Das stimmt aber

nicht. In der Geschichte ist Freud alles

und gleichzeitig auch nichts von dem. Er

ist das, was drinnen steht. Mehr ist es oft

gar nicht.

Angeregt durch den Kontakt mit Freud,

fängt Franz an, seine nächtlichen

Träume aufzuschreiben und sie an der

Auslagenscheibe auszuhängen. Gerade

zu der damaligen Zeit macht Franz damit

etwas Mutiges.

RS: Ob diese Träume schon gefährlich

waren, sei dahin gestellt. Sie waren ja

auch eher unverständlich. Ob es sich

dabei um Mut oder Leichtsinn handelt

– ein großer Unterschied – ist die Frage.

Franz ist siebzehn. Er hat seine Träume

aufgeschrieben und nicht mehr. Da steckt

noch kein Widerstandscharakter drin.

Das hätten wir ganz anders gelesen.

RS: Wenn ihr das so gelesen habt, dann

ist es genau richtig. In Wirklichkeit ist es

nämlich dein Buch, wenn du es liest, und

nicht mehr meines. Ich gebe es meinen

Lesern in die Hand.

Wie ist die Beziehung zwischen Franz und

seiner Mutter zu beurteilen? Wir hatten

Schwierigkeiten damit, sie festzumachen.

RS: Es ist gut, dass du sagst: Wir konnten

es nicht festmachen. Kann und soll

man Beziehungen festmachen? Was

heißt festmachen? Beziehungen, wie

auch immer geartet, schwirren immer

und sind beweglich. Und ich wollte

es nicht festmachen. Schon gar nicht,

wenn man die Geschichte ein bisschen

näher betrachtet: Franz ist siebzehn,

seine Beziehung zur Mutter unterliegt

ständigen Wandlungen. Wir wissen alle,

wie das ist: Wie oft habe ich meine Eltern

zwischendurch wirklich gehasst? Und

andererseits dann wieder geliebt. Das ist

ein ständiger Fluss. Ich glaube, dass es

ihm ähnlich geht. Anders ist – ich bin ja

jetzt selbst Vater von einem fünfjährigen

Sohn – diese Elternliebe, die ist meist

bedingungslos. Franz‘ Mutter würde für

ihren Sohn wahrscheinlich alles tun.

Sie geht ja sogar so weit, dass sie ihm in

den Hintern tritt und sagt: Geh weg von

mir. Sie hätte ihn gern in ihrem Schoß,

aber sie sagt: Geh da raus und entwickle

dich weiter. Das ist eigentlich der größte

Liebesbeweis.

Obwohl sich „Augsburg liest ein Buch“

mit dem Trafikanten beschäftigt, würden

wir darüber hinaus gerne noch auf

Ihren neuesten Roman Ein ganzes Leben

eingehen. Inwieweit denken Sie, dass die

beiden Protagonisten Franz und Egger in

ihrer Entwicklungsgeschichte Parallelen

aufweisen?

RS: Jede Menschengeschichte – ob sie

nur einen Tag betrachtet wie bei Ulysses

oder Ein ganzes Leben – ist immer eine

Entwicklungsgeschichte. Jeder Mensch

bewegt sich in jeder Sekunde voran.

Ihr neues Buch Ein ganzes Leben teilt

mit dem Trafikanten das Thema Zweiter

Weltkrieg. Im Trafikanten geht es auf

den Krieg zu, Ihr letztes Buch geht über

den Krieg noch weiter hinaus. Inwieweit

beeinflusst die Folie des zweiten

Weltkriegs die Entwicklung Ihrer Figuren?

RS: Bei Franz bedeutet

der Beginn des Zweiten

Weltkrieges das

Ende seiner Entwicklung

und für

Andreas Egger im

Rückblick dieses

langen Lebens ist es

eben nur ein kleiner

Teil seines Lebens. Es

waren nur acht Jahre

und er hat zehnmal

länger gelebt. Für uns

ist das noch eine lange

Zeitspanne, welche

aber, je älter man wird, immer kleiner

wird im Rückblick. Das ist das sehr Berührende:

Dass der Rückblick das Leben

etwas ebnet oder jedenfalls die Gefühlslage

dazu. Was so scheinbar dramatisch

wirkt, ist im Rückblick alter Menschen

geglättet. Ja, da gab es auch mal Krieg,

da gab es auch mal Tod. Da ist der Papa

gestorben oder der Bruder. Im Rückblick

scheint alles nicht mehr so schlimm.

Im Trafikanten tritt der Zweite Weltkrieg

zum Ende des Buches hin deutlicher in

den Vordergrund, in Ein ganzes Leben

wird er beinahe als eine alltägliche

Erfahrung geschildert.

RS: Er steht im Hintergrund, weil es

zum Leben dazu gehört. Egger würde

nicht sagen, dass der Weltkrieg die

entscheidende Zeit seines Lebens war.

Ich glaube, dass das Lawinenunglück den

großen Bruch in seinem Leben darstellt,

aber auch den kann er im Rückblick mit

relativer Gelassenheit betrachten.

Die Kriegsgefangenschaft fand er auch

gar nicht so schlecht.

RS: Aber nur im Rückblick. Währenddessen

war es ein großes Leid. Das

Buch ist ein einziger Rückblick auf ein

ganzes Leben. Du hast verschiedene

Möglichkeiten, dein Leben zu betrachten

und er hat sich dafür entschieden, es

anzunehmen.

Wie ist Ihr Anspruch, Krieg zu erzählen?

RS: Ich erzähle Menschen davon, die

wissen, was geschehen ist. Das heißt, ich

gehe nicht beschreibend heran, sondern

ich nehme mir ein paar Schlaglichter

heraus; ich beleuchte einzelne Szenen

oder Zeiten. Und die versuche ich

möglichst wertfrei hinzustellen. Wir

alle wissen, was geschehen ist, da muss

ich nicht noch auf die Tränendrüse

drücken.

„Jede Menschengeschichte – ob sie nur

einen Tag betrachtet wie bei Ulysses

oder Ein ganzes Leben – ist immer

eine Entwicklungsgeschichte.”

(Robert Seethaler)

In Ein ganzen Leben spielt der technische

Fortschritt eine bedeutende Rolle. Wie

stehen Sie diesem gegenüber? Es bleibt

ja offen, ob er Segen oder Fluch für die

Provinz bedeutet.

RS: Ich persönlich denke anders als

meine Romanfiguren. Ich sehe vieles

als Fluch, manches aber wiederum als

Segen. Ich betrachte die verschiedensten

Möglichkeiten des Fortschritts sehr differenziert.

Egger lässt sich vom Schicksal

nicht berieseln wie von einem warmen

Regen, sondern nimmt es an. Und versucht

es dann nach seinem Sinne anzupacken.

Aber er akzeptiert den Fortschritt

genauso wie den Verlust von Werten,

den Verlust der Stille, zum Beispiel.

Es gibt vieles, was für immer verloren ist.

Und manches wird gewonnen. Es wäre

völliger Unsinn, diese alten Zeiten zu

romantisieren. Es war damals ganz schön;

die Berge sind schön, aber sie sind auch

dumm, stehen nur da und tun auch weh.

Es gab keine medizinische Versorgung,

kein Strom, keine Wärme, kein Licht. Man

soll nicht alles verdammen.

Die Entschleunigung, die man im

Trafikanten vor allem durch die

Postkarten und Briefe symbolisiert

sieht, die aber auch in Ein ganzes Leben

durch Eggers Lebensstil dargestellt

wird, ist ein prägnantes Merkmal

Ihrer Bücher. Ist die beschriebene

Entschleunigung eine Antwort auf die

Beschleunigung unseres Lebens?

RS: Ich will eigentlich keine Antworten geben,

sondern eher Fragen stellen. Aber es

ist eine meiner kleinen Antworten darauf,

es passt ein bisschen zu mir. Ich versuche

manchmal ganz bewusst dagegenzuleben.

Ich habe zum Beispiel kein Smartphone.

Einfach, um manchmal nicht erreichbar

zu sein. Und meinem kleinen Sohn z. B.

schreibe ich ganz altmodisch Postkarten,

die er dann anfassen kann.

Wird es einen Film

zum Trafikanten geben?

RS: Eine Produktionsfirma

hat starkes

Interesse daran,

das Buch zu verfilmen.

Aber es wird

schwierig. Es ist ein

Kostümfilm und dementsprechend

sehr

teuer. Ob es sich finanzieren

lässt, weiß

ich nicht.

Hätten Sie Interesse daran, im Film auch

selbst eine Rolle zu übernehmen? Freud

vielleicht?

RS: Frechheit, der ist dreiundachtzig.

(lacht) Nein, das würde ich nicht wollen.

Können Sie uns zum Abschluss Ihr

nächstes Projekt verraten? Werden wir

Ihnen in der Zukunft eher auf der Bühne

oder in der Buchhandlung begegnen?

RS: Mit Schauspielerei habe ich nichts

mehr am Hut. Die Fernsehgeschichte ist

am Auströpfeln, aber ich mache nichts

mehr. Das war für mich immer nur

schambesetzt. Wenn, dann schreibe ich

wieder ein Buch. Aber auch da weiß ich

noch nichts Konkretes.

Vielen Dank für das Interview! •

10 11


Workshop Seethaler

interview Idrizovic

Text: Tobias Heuberger

Im Dezember besuchte Robert Seethaler

die Teilnehmer des Hauptseminars

zu Augsburg liest ein Buch, um ihren

Fragen Rede und Antwort zu stehen.

Während des Kurses widmeten sich die

Studierenden den beiden neusten Büchern

von Seethaler. Während „Der Trafikant“

bereits bekannt ist, soll auch „Ein ganzes

Leben“ nicht unerwähnt bleiben.

Zu Beginn seines Besuchs stellte

sich Seethaler vor und offenbarte, dass

er eigentlich nur ungern vor Leuten

spricht und ein eher schüchterner Typ

ist. Das bestätigte den sympathischen

und bescheidenen Eindruck, den der

Schriftsteller auf uns machte. Seethaler

bereitete eine Szene aus dem Trafikanten

vor und stoppte an der einen oder

anderen Stelle, weil er über die gewählten

Formulierungen und Ausdrücke

schmunzeln musste. Es ginge ihm häufig

so, wenn er seine Bücher nochmal lese.

So auch bei der Szene als der Wind die

Haare des gleichsam ehrwürdigen und

doch gebrechlichen Professor Freud

durcheinanderwirbelt.

Auf die Frage, ob seine Figuren einen

realen Hintergrund haben, antwortete

Seethaler, dass ihm einige Charakterzüge

durchaus bekannt seien, er sich aber nicht

an vertrauten Personen orientiert. Reelle

Figuren hingegen, wie Freud, bedürfen

hingegen sehr wohl einer genauen

Recherche. Er wolle dem jeweiligen

Menschen so nahe wie möglich kommen.

Sigmund Freud, so offenbarte Seethaler,

fasziniere ihn ungemein. Er wollte

unbedingt, dass diese Figur in einem

seiner Bücher vorkommt. Allerdings

gäbe es bereits genügend Bücher mit

und um Sigmund Freud. Deshalb schuf

Seethaler für ihn die Rolle als Begleiter

und Vaterfigur. Ein Student stellte

auch die Frage, wie viel Seethaler denn

im Franzl stecke. Daraufhin meinte er

schmunzelnd, er wisse es nicht genau.

Ein bisschen Autor stecke aber wohl

Traeumen mit Freud

Die Freundschaft des Psychologen

Sigmund Freud und dem jungen Trafikanten

Franz spielt eine besondere

Rolle in Robert Seethalers Roman „Der

Trafikant“. Franz, der sich unglücklich

in die Varietétänzerin Anezka verliebt,

sucht beim weltberühmten Psychoanalytiker

und zugleich dem Stammkunden

der Trafik, Sigmund Freud, nach Rat,

wobei es sich schnell herausstellt, dass

Frauen für den Pychoanalytiker ebenso

unerklärliche Phänomene sind.

Einen Rat hat aber Freud für den

jungen Mann dennoch – er soll seine

Träume aufschreiben, um mit seiner

Ratlosigkeit leichter umgehen zu

können. Denn „[d]er Traum ist[…]“, wie

Sigmund Freud in seiner Traumdeutung

den Philosophen Lichtenberg zitiert,

„[…] ein Leben, das, mit dem unsrigen

zusammengesetzt, das wird, was wir

menschliches Leben nennen. Die

Träume verlieren sich in unser Wachen

allmählich herein, und man kann nicht

in jedem Protagonisten. Die lokalen

Begebenheiten beruhen auf Tatsachen,

wie der Schriftsteller verriet, da er ja

selbst viele Jahre in Wien gelebt hat.

Anschließend kam man auch über

seinen aktuellen Roman ins Gespräch.

Schon allein der Titel „Ein ganzes

Leben“ sei für Seethaler eine große

Herausforderung und Aufgabe gewesen.

Die Erfahrungen und Erlebnisse eines

ganzen Lebens auf so wenige Seiten zu

bringen, sei ihm nicht leicht gefallen.

Auch in diesem Buch sind einige Szenen

enthalten, über die er im Nachhinein

schmunzelt. Den Effekt, den einzelne

Situationen auf den Leser ausüben, wolle

Seethaler nicht steuern. Er freue sich über

die vielen möglichen Arten, wie seine

Bücher gelesen und verstanden werden.

Es gefällt ihm auch, wenn Leser den Text

anders verstehen als er selbst. Er sieht sich

eher als einen Produzenten, der einen Text

zur Verfügung stellt. Was der Einzelne

daraus macht, sei ihm überlassen. •

„… Die Träume verlieren sich in unser

Wachen allmählich herein, und man

kann nicht sagen, wo das eine anfängt

und das andere aufhört.”

(Siegmund Freud)

sagen, wo das eine anfängt und das

andere aufhört.“

berühmten Sofa platznehmen dürfen.

Im Anschluss werden diese Traumzettel

in Korrespondenz mit Zitaten aus der

Traumdeutung von Freud gebracht und

im Raum aufgehängt. •

Kurt Idrizovic, der Inhaber der

Buchhandlung am Obstmarkt, gehört zu

den treibenden Kräften der Kulturszene in

Augsburg. So ist es nicht verwunderlich,

dass er auch beim Projekt „Augsburg liest

ein Buch“ ganz vorne mit dabei war.

Herr Idrizovic, Sie saßen selbst in der

Jury, die beschloss, dass ganz Augsburg

Seethalers „Der Trafikant“ lesen soll. Wieso

wurde gerade dieses Buch ausgewählt?

Es war vorgegeben, dass das Buch

mehrere Bedingungen erfüllen sollte.

Es sollte sowohl als gebundenes Buch

als auch als Taschenbuch und eBook

lieferbar sein. Zudem war es Bedingung,

dass es möglichst viele Facetten des

gesellschaftlichen Lebens abdeckt und

sowohl junge als auch ältere Menschen

anspricht. Es sollte möglichst viele Gedanken

zu unterschiedlichsten Emotionen,

Themen, wie den Widerstand, und

andere politische Themen abbilden.

Was natürlich auch wichtig war, war,

dass der Autor noch lebt, damit man

ihn nach Augsburg einladen kann.

Und es sollte natürlich ein Roman aus

der Belletristik sein. Aufgrund dieser

Vorgaben hat sich die Jury – in der Jury

saßen die Universität Augsburg, das

Theater Augsburg, das Literaturteam,

das durch mich vertreten wurde, die

Wirtschaftsjunioren, der Stadtjugendring

und der Autor Peter Dempf – für den

„Trafikanten“ entschieden und es war die

richtige Entscheidung.

Gab es für Sie ein Highlight während des

Projekts?

Ein Höhepunkt war sicherlich die

Lesung von Robert Seethaler in der

Stadtbücherei, doch das eigentliche

Highlight war die Begegnung mit

Seethaler und die Reaktion der Leser und

des Publikums auf ihn. Sie haben sich alle

sehr gefreut, ihn endlich zu sehen. Das

war wohl die einzige Veranstaltung in

Augsburg, bei der so viele Menschen im

Publikum das Buch davor bereits gelesen

hatten. Ein weiteres Highlight war, dass

sich unterschiedlichste künstlerische

Gruppen – egal ob Schauspieler, Musiker

oder Spezialisten für Wien – nach und

nach an das Projekt „angedockt“ haben,

Interview mit Kurt Idrizovic

Auf der Abschlussveranstaltung am

Donnerstag, dem 05.03.2015, in der

Stadtbücherei Augsburg werden auch

wir auf Freuds Rat hören: Uns an das

Geträumte erinnern und es festhalten.

Alle Gäste können ihre Träume Projektmitglieder: Cansu Atmaca, Emine

aufschreiben, während sie auf Freuds Degirmenci, Aleksandra Pendo, Saskia Wagner

was klasse war.

12 13

Text: Tina Göbel

Welche Erfahrungen haben Sie und das

gesamte Team des Projekts gemacht?

Die Partner, die aus den unterschiedlichsten

gesellschaftlichen Gruppen kommen,

haben gemeinsame Erfahrungen

gemacht und haben sich zusammengerauft.

Es war nicht ganz einfach, aber

die Arbeit funktionierte letztlich reibungslos

und es war auch für uns interessant,

mit anderen gesellschaftlichen

Schichten – mit Rechtsanwälten, Marketingfachleuten,

Bankern, aber auch

mit dem Theater und der Universität

– zusammenzuarbeiten und wir haben

durch die gemeinsame Arbeit alle dazu

gelernt und so kann man letztlich sagen,

dass es ein sehr erfolgreiches Projekt war.

Sind schon neue Projekte in Planung?

Es ist immer schwierig, während ein

Projekt noch läuft, schon ans nächste

zu denken. Wir werden sicher nach

Beendigung des Projekts darüber

nachdenken und überlegen, was gut

funktioniert hat und was man besser

machen könnte. Da das Projekt sehr

viel Arbeit und Ressourcen benötigte,

würde ich aus eigener Erfahrung sagen,

dass man es vielleicht in zwei Jahren

wiederholen könnte.

Vielen Dank fuer das Interview!

Ich danke Ihnen für die professionelle

Arbeit an der Zeitung, mit der das

gesamte Projekt nun noch als eigene

Publikation nachlesbar wird. •

Obstmarkt 11

86152 Augsburg

Telefon 0821-518804

Fax 0821-39136

post@buchhandlung-am-obstmarkt.de

„…wir haben durch die gemeinsame

Arbeit alle dazu gelernt und so kann

man letztlich sagen, dass es ein sehr

erfolgreiches Projekt war.”

(Kurt Idrizovic)


interview Zeitzeuge

Wien 1938

Interview mit einem Zeitzeugen aus dem zweiten Weltkrieg

Text: Tina Göbel

Der Österreich-Deutschland Anschluss

Text: Thaddäus Weißhaar und Michael Mayer

Johann G. wurde 1930 geboren, wuchs im

heutigen Kroatien auf einem Bauernhof

auf und musste während des zweiten

Weltkrieges mehrmals flüchten. Seine

Urahnen kommen aus Ungarn, seine

Ururahnen aus der Nähe von Heidelberg.

Heute ist er 85 Jahre alt und wohnt am

Bodensee.

Wo lebten Sie während der NS-Zeit?

Ich wurde am 24.01.1930 auf einem Bauernhof in

Brsljanica geboren. Das liegt im heutigen Kroatien,

war damals aber noch Jugoslawien. 1941 marschierten

die Deutschen in Jugoslawien ein und im Jahr

darauf mussten wir dann flüchten, weil die Partisanen

uns deutsche Siedler bekämpften. Man schickte

uns in ein Lager nach Litzmannstadt in Polen, wo

wir ein paar Monate blieben. Von dort wurden wir

weiter in den Süden von Polen umgesiedelt. Ende

1943 kamen die Russen näher und die Frauen und

Kinder – ich war auch darunter – brachte man zurück

in das Lager in Litzmannstadt, während die

Männer bis Anfang 1944 dort bleiben mussten. Uns

Kinder – ich war damals 14 Jahre alt und ebenfalls

betroffen – entfernte man Anfang 1944 aus dem

Lager und transportierte uns in die Tschechei,

wo wir in einer Maschinenfabrik eine Lehre als

Maschinenschlosser anfingen. 1945 mussten

wir abermals vor den Russen flüchten – dieses

Mal nach Prag, wo wir beim Volkssturm eine

Ausbildung machen mussten, um die Heimwehr

zu bilden, weshalb wir aufs Schießen und aufs

Handgranatenschmeißen gedrillt wurden. Als

Breslau im April 1945 fiel und die russischen Truppen

sich wiederum näherten, ging ich stiften und

fand meine Eltern, von denen ich in dieser Zeit

erfuhr, dass sie sich in der Nähe von Salzburg

aufhielten, nach drei Tagen und vier Nächten

Flucht wieder. Das war am 20. April 1945 zu Hitlers

Geburtstag.

Wie war Ihre Schulzeit?

Unsere Schulzeit betrug damals fünf Jahre.

Das erste halbe Jahr hatten wir in der Schule

Deutschunterricht, doch danach gab es keine

Deutschlehrerin mehr, sodass wir von da an nur

eine kroatische Schule, in der der Unterricht auf

Kroatisch abgehalten wurde, besuchen konnten. In

der Schule hatten wir vier Fächer: Lesen, Schreiben,

Rechnen und Religion. Unser Schuljahr betrug

ungefähr acht Monate; in den vier Monaten im

Sommer – Juni, Juli, August und September – fand

kein Unterricht statt und wir Kinder mussten auf

dem Bauernhof arbeiten. Ab dem achten Lebensjahr

war es meine Aufgabe, unsere zwei Kühe zu hüten.

Wenn ich etwas zu Lesen hatte, habe ich das

Buch mitgenommen und auf der Wiese gelernt.

Ohne Uhr musste ich anhand des Sonnenstandes

erkennen, wann es Zeit für mich war, die Kühe

wieder nach Hause zu bringen und in die Schule

zu gehen. Wir hatten sowohl Vormittags- als auch

Nachmittagsunterricht, der um 16 Uhr zu Ende

war. Wenn ich im Herbst Schreibaufgaben hatte

und es bereits dunkel war, hat man die Ofentür

aufgemacht und im Lichtschein des Ofens habe ich

dort auf dem Boden gelegen und meine Aufgaben

gemacht, denn das Petroleum war sehr teuer und

elektrisches Licht gab es bei uns noch nicht. 1941 –

also mit 11 Jahren – wurde ich konfirmiert – damals

habe ich meine ersten Schuhe bekommen – und

damit war die Schulzeit zu Ende. Ich habe keine

weitere Schulbildung, weder Berufsschule noch

sonst eine weitere Ausbildung.

Was haben Sie vom Krieg mitbekommen?

Vom Krieg habe ich sehr viel mitbekommen. Im

Dorf meiner Großeltern in Jugoslawien stationierte

man, als die Partisanen bei uns überhandnahmen,

40 bis 50 Soldaten, um die dort lebenden Deutschen

zu beschützen. Zur Sommerzeit war ich einmal bei

meiner Großmutter zu Besuch, als die Partisanen das

Dorf angriffen. 22 Soldaten hat man tot aufgefunden;

einen hatte man direkt vor unserem Fenster auf

seinem Spähposten erschossen. Als der Mann tot

war, kamen sie zu uns ins Haus und benutzten meine

Großmutter, meine Tante, meine Cousine und mich

als Schutzschild und suchten im Haus nach den

anderen. Mein Onkel und mein Cousin, die nachts

immer auf Streife waren, versteckten sich im Kamin

und im Weinkeller unter einer Treppe und wurden

nicht gefunden. In der Früh zogen die Partisanen ab,

brannten davor jedoch noch mehrere Häuser von

den Deutschen nieder und hängten sechs bis acht

Leute direkt am Waldrand auf. Da mein Onkel und

mein Cousin nirgendwo zu finden waren, musste ich

mit meiner Tante die beiden suchen und teilweise

sogar die toten Männer umdrehen, um zu prüfen, ob

es sich um einen der beiden handelte. Sie überlebten

zum Glück. Das war mein schrecklichstes Erlebnis

im Krieg.

Waren Sie selbst im Krieg oder an der Verteidigung

beteiligt?

Nein, da war ich noch zu jung.

Was haben Sie von der Propaganda mitbekommen,

beispielsweise in der Zeitung?

Bei uns gab es keine Zeitung, keinen Strom und

kein Radio. Mein erstes Radio in meinem Leben

habe ich 1940 gesehen. Unser Lehrer bekam ein

Radio, das ich heute noch vor mir sehe: das war

ein großer Kasten und daneben stand eine Batterie

so groß wie eine LKW-Batterie. Es durften immer

fünf oder sechs Schüler mit in die Wohnung des

Lehrers gehen, wo er uns die Funktionen des

Radios vorführte. Als wir Kinder danach wieder

ins Klassenzimmer zurückkamen, konnte keiner

sagen, was der im Radio gesagt hatte, weil wir uns

das damals nicht vorstellen konnten, dass da so ein

Kasten ist, wo einer drinsitzt und spricht.

1945, als der Krieg zu Ende war, habe ich immer

noch nicht daran geglaubt, dass das Regime zu Ende

war, weil damals immer noch die Propaganda lief:

Es wird die große Wunderwaffe kommen. Aber die

kam nicht. Es kamen zuerst die Engländer und dann

die Amerikaner. Das war dann die Wunderwaffe.

Was hat Ihnen in der Nachkriegszeit am meisten

gefehlt?

Als der Krieg zu Ende war, hat man meinen Vater

von der Bahn, wo er davor gearbeitet hatte,

entlassen, weil wir in Österreich Ausländer waren.

Meine Eltern arbeiteten von da an im Ziegelwerk.

Die Arbeit war sehr hart und wir wohnten zu

viert in einer Baracke von 20 m², aber wir waren

zufrieden, da wir endlich keine Angst mehr haben

mussten. Doch die Zeiten waren sehr hart und wir

hatten fast nichts zu essen. Auf Essensmarken hat

man nichts mehr bekommen, weshalb ich 1945

mit meiner Mutter zum Betteln gegangen bin.

Einmal sind wir zu einem Bauern gegangen, der

einen kleinen Wagen voll Kartoffeln hatte. Meine

Mutter stand etwas abseits und ich bat den Bauer

um Kartoffeln. Er hat mich nur angeschrien: „Ihr

Flüchtlinge! Wenn ihr was gehabt hättet, wärt

ihr zuhause geblieben. Und wir sollen euch hier

durchfüttern?“ Er nahm eine Kartoffel in die Hand

und schmiss sie weg und meinte: „So, sucht sie!“

Damals hatte ich mir geschworen: „Wenn ich mal

groß bin: Den bring ich um!“ Den habe ich natürlich

nicht umgebracht, denn dorthin bin ich nie wieder

gekommen. (lacht)

Es gab zu der Zeit sehr wenige Essensmarken,

sodass ich mir nur einmal am Tag ein Essen leisten

konnte. Gegenüber meiner Arbeitsstelle war eine

Wirtschaft mit einem Südtiroler Wirt – ein großer,

magerer Mann – und wenn ich keine Marken mehr

hatte, bin ich immer zu ihm gegangen und habe zwei

Frikadellen und einen Berg Kartoffeln bekommen. So

war mein Leben wieder für einen Tag gerettet. Als ich

1950 geheiratet habe, gab es die Wirtschaft immer

noch und ich bin mit meiner Hochzeitsgesellschaft in

diese Wirtschaft gegangen, in der der Wirt mich am

Leben erhalten hatte. Die anderen Gäste bestellten

sich Schweinebraten, Schnitzel oder Kalbsbrust, doch

ich habe damals zu meiner frisch angetrauten Braut

gesagt: „Wir beide essen Frikadellen und Kartoffeln.“

Die anderen Hochzeitsgäste schauten mich damals

an, als ob ich nicht ganz bei Sinnen wäre. Nach dem

Essen kam der Wirt aus der Küche, schaute mich an,

lächelte und sagte: „Ich glaube, wir beide kennen uns

auch noch!“

Vielen Dank für das Interview! •

A Vorgeschichte und Ausgangssituation

1933 war das Parlament der Österreichischen

Republik gelähmt. Auslöser dafür war ein Streik

von Eisenbahnern, wodurch eine Sondersitzung

einberufen wurde. Als dort bei einer Abstimmung

Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe auftraten,

traten alle drei Parlamentspräsidenten zurück,

woraufhin das Parlament beschlussunfähig wurde.

Dessen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß nutzte

diese günstige Situation, erklärte, das Parlament

hätte sich selbst ausgeschalten und schloss von

nun an das Parlament von allen Entscheidungen

aus. Das Zusammentreffen des Bundesverfassungsgerichts

verhinderte er, regierte nach dem

Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetz aus

dem Ersten Weltkrieg, das ihm besondere

Vollmachten verlieh, und richtete einen autoritären

Ständestaat ein, d. h. alle Gruppierungen, die nicht

seinem konservativen Weltbild entsprachen,

wurden verfolgt.

So wurde die Pressefreiheit eingeschränkt.

Sein Augenmerk richtete sich zuerst vor allem auf

die Sozialdemokraten. Als 1934 deren Aufstand

niedergeschlagen wurde, wurde die Partei

verboten. Nach einem gescheiterten Putschversuch

durch die österreichische NSDAP 1934, bei der

Dollfuß getötet wurde, verfolgte man den NS

vehement. Nach einer Neuorganisation, gesteuert

von Berlin, wurde die NSDAP trotz Verbots in der

Innenpolitik aktiver und erfreute sich gegen Ende

der Amtszeit Kurt Schuschniggs (1934 – 1938) in

der Bevölkerung größter Beliebtheit. Während

sich die Wirtschaft in Österreich in der Rezession

befand, florierte die deutsche vermeintlich durch

das Wirtschaftsmodell der Nationalsozialisten.

Ergänzt wurde der reelle Erfolg durch geschickte

Propaganda seitens der NSDAP. Diese suggerierte,

Österreich ginge es schlechter und Deutschland

besser als es tatsächlich der Fall war.

B Hitlers Absichten

In einer geheimen Rede vom 10. November 1937

nannte Hitler seine Absicht, den „Lebensraum“

des deutschen Volkes zu vergrößern und trug die

künftigen Pläne den Befehlshabern der Reichswehr

und den Reichsministern vor. Hitlers Wunsch war

es, Österreich an das Deutsche Reich anzuschließen

und dieses, wie auch mit den Übernahmen anderer

Länder, zu vergrößern. Ein weiterer Zweck,

den Österreich für das Deutsche Reich erfüllen

sollte, war die militärische und wirtschaftliche

Unterstützung der deutschen Truppen im Zweiten

Weltkrieg. So stellte der Anschluss ein zentrales

Projekt dar und soll nun erläutert werden.

C Verlauf

Am 12.2.1938 wurde Kurt Schuschnigg von Adolf

Hitler auf den Berghof, Hitlers Landhaus am Obersalzberg,

eingeladen. Grund für die Einladung war

der geplante Anschluss an das Deutsche Reich, der

von der Regierung Österreichs mit allen Mitteln

versucht wurde zu verhindern. Hier forderte

Hitler von Schuschnigg, er solle das Parteienverbot

der NSDAP aufheben und sie stärker in die

Regierung einbinden. Außerdem sollten sie freie

Entfaltungsmöglichkeiten genießen und Arthur

Seyß-Inquart soll Innen- und Sicherheitsminister

werden und so für die Polizei zuständig sein. Falls

Schuschnigg widerspräche drohe Mobilisierung

Mobilisierung und anschließender Einmarsch

der Wehrmacht, Besetzung des Landes und

Regierungsübernahme der NSDAP. Kurt

Schuschnigg stimmte in der Hoffnung auf die

Wahrung der Unabhängigkeit den Forderungen

zu, denn er war sich bewusst, dass das Bundesheer

der Wehrmacht wenig entgegenzusetzen hatte. Der

Einfluss der NSDAP wuchs weiter.

Nach der Unterzeichnung wurde der Druck

auf Österreich durch militärische Vorbereitungen

gestärkt bzw. aufrechterhalten. Am 03.03.1938

erklärte Großbritannien, dass es Deutschlands

Bemühungen prinzipiell für gerechtfertigt

hält. Von da an verstärkte Deutschland seine

Bemühungen weiter, Österreich kam immer

mehr in Bedrängnis. Aus Verzweiflung schlug

Schuschnigg am 09.03.1938 eine Volksbefragung

über die Unabhängigkeit Österreichs vor, die schon

am 13.03.1938 stattfinden sollte. Jedoch war ein

solcher Vorschlag verfassungswidrig, da keine

Befragung des Parlaments stattgefunden hatte und

die Stimmzettel selbst nur das Feld Ja enthielten.

Erbost von diesem Vorschlag befahl Hitler die

Mobilisierung der Wehrmacht. Anschließend

forderte Hermann Göring, Oberbefehlshaber der

Luftwaffe, am 11.03.1938 die sofortige Einsetzung

Seyß-Inquarts als Bundeskanzler. Am Nachmittag

desselben Tages wurde die Volksabstimmung

abgesagt und am Abend den Forderungen Görings

nachgegeben. Dieser Umstand gilt als Verlust der

Souveränität Österreichs, da Seyß-Inquart Hitler

direkt unterstellt war. Am folgenden Morgen

begann der Einmarsch deutscher Truppen. Für

Hitler und seine Schergen lief alles wie geplant; so

marschierten um die 65.000 deutsche Soldaten am

12. März 1938 schwer bewaffnet in Österreich ein.

Zu deren Überraschung verlief alles reibungslos

und friedlich, die Einwohner jubelten den

Eindringlingen sogar zu. Das österreichische Militär

griff auch nicht ein, da dieses den Deutschen um

einiges unterlegen war und ein blutiges Gemetzel

vermeiden wollte. Die österreichischen Soldaten

wurden in das deutsche Militär aufgenommen

und hatten nun hier ihren Dienst zu leisten. Kurt

Schuschnigg wurde ins KZ Dachau verfrachtet und

die Regierung unter Seiß-Inquarts beschloss das

Gesetz der Wiedervereinigung, welches am 13.

März 1938 in Kraft trat.

D Weiterer Verlauf in Wien

Am 14. März 1938 erschien Hitler in Wien und

hielt am Balkon der Wiener Hofburg vor über

10.000 Leuten, die sich am Heldenplatz versammelt

hatten, eine seiner bekanntesten Reden. Dann

begann das Übel für viele Juden, von denen vor

allem in Wien einige lebten, aber auch für Gegner

des nationalsozialistischen Regimes. Es wurden

rund 70.000 Menschen verhaftet und Juden

wurden grausam gedemütigt. Jüdische Geschäfte

wurden beschmiert und gekennzeichnet, sowie

die Läden derer, die judenfreundlich waren. Die

Nationalsozialisten führten am 10. April Wahlen

für den Anschluss durch. Juden und deren

Anhängern wurde jedoch das Wahlrecht entzogen,

wodurch insgesamt 200.000 Bürger betroffen

waren. Geistliche Oberhäupter, wie zum

Beispiel Theodor Innitzer – gezwungen von den

Nationalsozialisten –, sollten für den Anschluss

stimmen. Die durch Manipulation erlangten

Wahlergebnisse lagen in Österreich bei 99,73% und

in Deutschland bei 99,08%. In einem Österreich

unter der Herrschaft der Nationalsozialisten war

für die Juden kein normales Leben ohne Angst

und Unterdrückung möglich. Für jene war es

aber möglich ein Ausreisevisum zu erhalten,

wenn sie ihren Besitz an die NS Regierung

vermachten. Die Aktion mit den Ausreisevisen der

Nationalsozialisten brachte ihnen ein Vermögen

ein, das ein 1,5-faches des Staatsbudgets Österreichs

war. Damit war der Anschluss völlig

abgeschlossen.

E Ende des NS in oesterreich und Wien,

Aufhebung des Anschlusses

In den Monaten April und Mai 1945 drang die

sowjetische Großoffensive in den süd-östlichen

Raum ein. Die Rote Armee drang bis nach Wien

vor. Dies sorgte dafür, dass bereits Mitte April

in Wien demokratische Parlamentswahlen stattfanden.

Eine der ersten Amtshandlungen war die

Erklärung der Unabhängigkeit am 27.04.1945,

was in der Geschichte als offizielles Ende des

Anschlusses bekannt ist. Dort wurde der Anschluss

für nichtig erklärt und die Souveränität des Staates

Österreichs proklamiert. •

14 15


SChulprojekt

SChulprojekt

Trafikbau

Text: Ines Smailovic

Postkartenwettbewerb

Text: Ines Smailovic

„Die Zeitungslektüre nämlich sei überhaupt

das einzig Wichtige, das einzig

Bedeutsame und Relevante am Trafikantendasein;

keine Zeitungen zu lesen

hieße ja auch, kein Trafikant zu sein,

wenn nicht gar: kein Mensch zu sein.“ –

Robert Seethaler: Der Trafikant, S.25

Die grundlegende Idee der Studenten

im Projektseminar der Universität

Augsburg, unter der Leitung von Frau

Stephanie Waldow war es, zentrale

Symbole aus dem Roman von Robert

Seethaler nach Augsburg zu bringen.

Ziel war es, einen Ort zu schaffen,

der einlädt zu verweilen und sich mit

Themen und Inhalten des Buches zu

befassen. Das schon angebrochene

Schuljahr stellte alle Beteiligten vor große

Herausforderungen, doch mit Hilfe

von drei engagierten Kunstlehrern- und

lehrerinnen und deren Schulklassen

konnte ein kreatives, aussagekräftiges

und realisierbares Konzept erarbeitet

werden: Es wurde eine Trafik gebaut, die

sich mit zentralen Themen des Romans

befasst und symbolträchtige Elemente in

sich vereint.

Um den Austausch über Literatur im

öffentlichen Raum anzustoßen, konnten

mit der Unterstützung der Lehrkräfte

des Maria-Theresia- und des Jakob-

Fugger-Gymnasiums und deren Schülern

zwei Leitthemen erarbeitet werden.

Zum einen spielt die Informations- und

Wissensvermittlung, insbesondere die

Entwicklung und der Widerstand des

jungen Protagonisten Franz Huchel, eine

große Rolle. Nicht nur die begehbare

Trafik wurde von Frau Barbara Rüppel

und ihrer Klasse entworfen und gebaut,

es wurde auch ein wichtiges Motiv aus

dem Buch, eine Hose, geschneidert und

bearbeitet. Dieses Symbol verkörpert

das einbeinige Beinkleid des Trafikanten

Otto Trsnjek, die Franz nach Ottos Tod

in NS-Gefangenschaft in einer Nachtund

Nebelaktion an einem Fahnenmast

anstelle eines Hakenkreuzbanners hisst.

Diese symbolträchtige Szene wurde

nachgestellt und von Lehrer Robin Högl

mit seiner Klasse in Szene gesetzt. Das

Ergebnis wird als Kurzfilm in der Trafik

gezeigt. Die restlichen Seitenwände der

Trafik sind collageartig mit Zeitungen,

Zeitschriftencovern und Zitaten aus

dem Buch gestaltet. Die Cover wurden

verschiedenen Jugendzeitschriften entnommen

und sind Beispiele für das

zweite Leitmotiv an der Trafik, für die

Adoleszenzthematik. Frau Elisabeth

Baumgartner gestaltete mit ihrer Klasse

zudem verschiedene Objekte, wie z. B.

Zigarettenschachteln und Zeitungscover,

um die Trafik mit Waren zu füllen. Als

Grundlage für die von ihren Schülern

entworfenen Traumzettel wurden

Szenen aus dem Buch genommen und

verbildlicht. •

Projektgruppe: Symbole im öffentlichen Raum

Teilnehmer: Robert Apostel, Christine Kleitsch,

Linda Haggenmiller, Ines Smailovic

In dem behandelten Roman „Der Trafikant“

kommunizieren der Protagonist

und seine Mutter ausschließlich über

Postkarten und Briefe. Da dies heutzutage

kein viel verwendeter Kommunikationsweg

mehr ist, war die Intention

dieses Gruppenprojektes, dass den

Menschen, die sich mittlerweile keinen

Tag mehr ohne Smartphone und Internet

vorstellen können, ein Blick in die

Vergangenheit gewährt wird. In Zusammenarbeit

mit einer Klasse des Maria-

Theresia-Gymnasiums unter der Leitung

von Frau Baumgartner und ei-ner

weiteren Klasse des Jakob-Fugger-Gymnasiums

und des Kunstlehrers Herrn

Högl gab es genügend Schüler, die bereit

waren, Designs für Postkarten zu

gestalten. Ihnen wurden jegliche Freiheiten

gelassen. Es bestand zum Beispiel

die Möglichkeit, verschiedene Techniken

wie zeichnen, fotografieren, collagieren

auszuprobieren oder Bilder mit Hilfe

eines Bildbearbeitungsprogramms zu

bearbeiten. Thematisch konnte man

Kontraste herstellen wie Wien und Augsburg,

Gegenwart, Stadt und Dorf oder

man hat sich komplett auf ein Thema

oder eine Szene konzentriert. Natürlich

konnten die Schüler auch anhand der

Beschreibungen aus dem Roman die

Postkarten designen.

Durch das Projekt „Augsburg liest

ein Buch“ ist uns die Möglichkeit

gegeben worden, die Öffentlichkeit

daran teilhaben zu lassen, auf sozialen

Netzwerken abzustimmen, welche

Designs gedruckt werden sollen. Diese

werden dann in der Trafik bei der

Abschlussveranstaltung verkauft. Somit

werden nicht nur die Schüler, sondern

auch alle Interessierten dazu gebracht, an

diesem kleinen Entschleunigungsprozess

teilzunehmen. Durch das Schreiben von

Postkarten soll verdeutlicht werden,

dass heutzutage weniger Wert auf

Formulierungen und Themen gelegt wird,

wenn es um schriftliche Kommunikation

geht und dass man seine Antwort

nicht in wenigen Sekunden bekommt,

sondern tagelang darauf warten muss.

Unser Ziel war es, den Blick wieder auf

„altmodische“ Briefe und Postkarten zu

lenken, dadurch sind sehr viele kreative

Designs entstanden. •

Die Gewinner-Postkarte

Glückwunsch Liliane Petzold, 10b*

*Möchten Sie alle Postkartentwürfe sehen? Dann gehen Sie bitte auf https://www.facebook.com/augsburgliesteinbuch

Briefe von Franz – Ein Auszug

Im Rahmen des Projekts las auch

die Klasse 10d des Maria-Theresia-

Gymnasiums in Augsburg bei Frau

Hornung Seethalers “Der Trafikant“.

Das inspirierte zu fiktiven Briefwechseln

zwischen verschiedenen Figuren des

Romans. So überrascht es auch nicht,

dass unter anderem ein Brief von Franz

an seinen verstorbenen Vater entworfen

wurde oder z. B. auch Franz einen Brief

an sein altes Ich richtete. •

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Werbemittel-Auszug

01 Plakate

02 Postkarten

03 flyer

04 merchandising 05 Web/Social Media

haben wir

gesoffen

getanzt

und was machen wir jetzt?

„Der Trafikant“ von Robert Seethaler

erschienen bei Kein & Aber

eine schlechte zigarre

schmeckt nach

pferdemist.

eine sehr gute zigarre

nach der welt!

„Der Trafikant“ von Robert Seethaler

erschienen bei Kein & Aber

Ein Projekt der

Wirtschaftsjunioren Augsburg e.V.

mit ihren Partnern

(u.a. Theater Augsburg,

Augsburger Buchhandel)

Weitere Informationen unter:

www.augsburgliesteinbuch.de

www.facebook.de/augsburgliesteinbuch

https://twitter.com/AugsburgLiest

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vielen dank

fuer ihre

unterstuetzung

Projektpartner

AUGSBURGER

BUCHHANDEL

HAuptsponsor

Sponsoren Trafikanten Kurier

sponsoren

Ein Projekt der Wirtschaftsjunioren Augsburg e.V. mit ihren Partnern und Sponsoren.

Weitere Informationen unter:

www.augsburgliesteinbuch.de || www.facebook.com/augsburgliesteinbuch

www.twitter.com/AugsburgLiest || www.youtube.com/user/augsburgliesteinbuch

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