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XI. Biennale der Schmiede Kolbermoor - Programmheft 2016

Weitere Informationen zur Schmiede-Biennale in Kolbermoor finden Sie unter www.metall-zentrum.de

Projekt

Projekt Mahnender Mohn Kolbermoor baut mit an einem Denkmal Während des Ersten Weltkrieges trugen Schmiede dazu bei, die Militärmaschinerie am Laufen zu halten. Hundert Jahre später sind Metallgestalter aus allen Ländern, deren Soldaten im Krieg kämpften, dazu eingeladen, ihre Fertigkeiten in den Dienst des Friedens zu stellen: Belgische und britische Schmiede bauen ein Denkmal »Ypern 2016«. Bei der Biennale in Kolbermoor werden für dieses internationale Denkmal Mohnblumen geschmiedet Foto unten: Das positive Element des Mohnblumen- Kenotaphs wird in der Werkstatt feinbearbeitet Eine Delegation von Schmieden aus Belgien und Großbritannien wird während der drei Tage der Biennale Mohnblumen schmieden. »Gerne machen wir das auch mit Kindern aus Kolbermoor,« sagt Luc Vandecasteele, der die Gruppe in Kolbermoor leitet. Knapp vier Wochen später, vom 1. bis 6. September 2016 treffen sich dann Metallgestalter aus aller Welt zur Zusammenarbeit im belgische Flandern. Der Anlass ist ein trauriger, will zugleich aber auch Hoffnung machen: Ein Kenotaph, ein Mahnmal soll geschaffen werden, in Gedenken an die Millionen zivilen und militärischen Opfer des Ersten Weltkrieges. Ypern ist dafür als Austragungsstadt geradezu prädestiniert; es wurde im Krieg fast vollständig in Schutt und Asche gelegt, gibt bis heute Zeugnis von Herois- Luc Vandecasteele kommt nach Kolbermoor um mit Kindern und Erwachsenen Mohnblumen zu schmieden mus, Tragödie, Sinnlosigkeit und Folgen des Krieges. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Städten sind Erinnerungen an die schrecklichen Ereignisse hier noch besonders präsent, nicht zuletzt dank der Spuren einstiger Schlachtfelder, so vieler bewegender Fotografien, Bilder und unzähliger Geschichten aus dem Krieg. Das Schmiedeprojekt im Gedenken an den vor 100 Jahren geführten Ersten Weltkrieg hatte Luc Vandecasteele von der belgischen Ambachtelijke Smedersgilde ASG 2009 initiiert. Das Design des Kenotaphs stammt von Terrence Clark, damals noch Vorsitzender des britischen Kunstschmiedeverbandes BABA. Im Mittelpunkt steht die Mohnblume, die traditionell als Symbol an die vom Blut der Soldaten des Ersten Weltkrieges geröteten Felder Flanderns erinnert (s. Kas - ten). Die Enthüllung des Mahnmals ist für den 11. November 2016 geplant. Die einwöchige, öffentliche Veranstaltung dient der Fertigstellung des Kenotaphs. In Ypern werden Mohnblumen und Geländerpaneele angefertigt. Dreizehn der 25 Paneele stammen von den eingeladenen Schmieden, darunter Achim Kühn aus Deutschland, Claudio Bottero aus Italien, Will Maguire aus Australien, Peter De Beus aus Belgien, Sandra Dunn aus Kanada, Takayoshi Komine aus Japan, Vladimir 28

Sokhonovich aus Russland, Francisco Gazitua aus Chile und Shona Johnson aus Großbritannien. Den renommierten Schmieden wird bei der Fertigung jeweils ein Team aus sechs Kollegen zur Hand gehen. Zur Gestaltung der anderen zwölf Geländerpaneele haben die Veranstalter einen internationalen Design- Wettbewerb gestartet, an dem jeder interessierte Metallgestalter teilnehmen konnte. Die Arbeiten werden an vielen Schmiedestationen auf dem »Grote Markt« im Zentrum Yperns ausgeführt. Die große Platte des Denkmals wird vor Ort mit Mohnblumen umgeben. »Ypern 2016« dürfte eine der größten öffentlichen Veranstaltungen weltweit werden. Eine herausragende Gelegenheit für Metallgestalter, Anwendung und Möglichkeiten moderner Schmiedekunst öffentlich zu demons trieren, mit Schmieden anderer Länder zusammenzukommen und zu einem einzigartigen, bleibenden Stück Erinnerungskultur beizutragen. Die Mohnblumen, die in Kolbermoor entstehen sollen, finden den Weg nach Ypern und werden Teil des Denkmals. Abwechselnd mit dem »Schmieden mit Kindern« wird die belgisch/britische Schmiedegruppe die Gasfeuer belegen. (red/si) Eine Mohnblüte entsteht im Schmiedefeuer 1916 - 2016 Ein Denkmal gegen den Krieg und für den Frieden Das Mohnblumen-Kenotaph besteht aus einer sieben Meter hohen, zwei Meter breiten und 10 Zentimeter dicken Stahlplatte, in der ausgeschnitten und aufgeklappt eine Flandern-Mohnblume zu sehen ist. Symbolisiert sie beide Seiten des Krieges. Das Negativ steht für jene, die ihr Leben verloren, und den Verlust, den ihre Familien erlitten. Das Positiv weist in die Zukunft, erinnert an diejenigen, die überlebten. Die Platte, die bereits angefertigt wurde, wird umgeben von einem Feld aus 2016 geschmiedeten Stahlmohnblumen. Hier werden die vielen Mohnblumen platziert, die auf der ganzen Welt geschmiedet wurden - auch die aus Kolbermoor. Dazu kommen die, die bei der Veranstaltung hergestellt werden. Der Entwurf legt fest, dass alle Mohnblumen identisch aussehen. Umgeben wird das Mahnmal von 25 individuell gestalteten, niedrigen Geländerpaneelen in einer Zick-Zack- Anordnung, die die charakteristischen Grundrisse der Schützengräben nachempfinden sollen. Ein Durchgang macht es öffentlich zugänglich. Stehen wird es letztendlich in Langemark-Poelkapelle, Belgien, ein paar Kilometer von Ypern entfernt, neben einem schön angelegten deutschen Soldatenfriedhof. 29