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XI. Biennale der Schmiede Kolbermoor - Programmheft 2016

Weitere Informationen zur Schmiede-Biennale in Kolbermoor finden Sie unter www.metall-zentrum.de

Ausstellung Handel ohne

Ausstellung Handel ohne Geld? Sonderausstellung im Mareis-Saal Wir können uns gar nicht mehr vorstellen, wie Handel ohne Geld funktionieren kann. In der Bronzezeit und im Mittelalter gab es bei uns in Mitteleuropa auch noch alternative Zahlungsmittel in Form von Gebrauchsgegenständen. In Asien und Afrika sind heute noch solche »Wertgegenstände« als alternative Währung im Umlauf. Bei der Biennale gibt es im Mareis-Saal eine Sonderausstellung mit Zahlungsmitteln aus Metall nach dem Motto: Alles außer Münzen. Warm in Eisen getrieben ist dies Halbschale mit spitzem Griff. Wurde sie als Schale oder als Werkzeuge hergestellt? Auf jeden Fall wurde sie als Zahlungmittel im Handel verwendet Eiserne Gegenstände, die als »Geldersatz« oder Handelsware im Umlauf war. Gesammelt von Max Regesburger Max Regensburger aus Bad Aibling und Johann Reif aus Moosburg können sehr gut erklären, wie Handel ohne Geld funktioniert. Regensburger sammelt weltweit solche alternativen Zahlungsmittel und der Schmied Johann Reif kennt die Bedeutung dieser Währung aus seiner Zeit als Entwicklungshelfer in Niger, Togo, Mali und Ruanda. Als Primitivgeld, traditionelles Zahlungsmittel oder vormünzliches Zahlungsmittel werden Zahlungsmittel bezeichnet, die nicht als Münzen geformt werden und neben ihrem Tauschwert oft einen symbolischen Gebrauchswert haben, sich also wie andere Waren konsumieren lassen. Solche ursprüngliche Formen des Geldes gingen der Entwicklung der modernen Geldformen voraus, wurden in allen Regionen der Erde verwendet und dienen vereinzelt auch heute noch als Geldersatz zum Tausch in einigen Regionen Asiens und Afrikas. Da die Bezeichnung Primitivgeld eine abwertende Bedeutung enthält, trifft vielleicht eher die Bezeichnung Primärgeld zu. Ein wesentliches Merkmal von traditionellen Zahlungsmitteln ist, dass sie grundsätzlich von jeder Person selber hergestellt und in Umlauf gebracht werden können, ohne eine zentrale Ausgabe- oder Kontrollstelle. Entscheidend für den Wert eines solchen Primitivgeldes ist allein seine Verfügbarkeit und die zu seiner Gewinnung und Herstellung benötigte Arbeitszeit. Johann Reif hat selbst noch erlebt, wie bei Hochzeiten »Naturgeld« in Afrika als Mitgift für die Braut verwendet wurde. Der Sammler Max Regensburger und der Metallgestalter Johann Reif werden in Kolbermoor bei der Biennale erklären, wie der Handel mit Naturgeld früher funktionierte und wie insbesondere geschmiedete »Handelsware« als Geldersatz hergestellt wurde und in Umlauf gebracht wurde. Die Sonderausstellung befindet sich im Eingangsbereich des Mareis-Saales. Der Vortrag der beiden Fachleute wird am Samstag, 6. August, um 14 Uhr direkt bei der Ausstellung stattfinden. 30

Messer mal ganz anders Messermacher Stefan Steigerwald kommt Erstmals in Kolbermoor dabei ist der international anerkannter Messermacher Stefan Steigerwald. Im letzten Jahrzehnt hat sich eine ausgeprägte Sammler-Szene entwickelt, die von diversen Spezialisten unterschiedlich bedient wird. An einem Stand am Schmiedeplatz wird Stefan Steigerwald Beispiele seiner Arbeiten zeigen und am praktischen Beispiel das Schleifen der Messer zeigen. S tefan Steierwald kommt aus Wendelstein in Mittelfranken. Er fand den Weg zum Messermachen durch Zufall. Eine Anzeige in einer Waffenzeitschrift hatte für dieses Hobby geworben. Aus Neugier und zum Eigenbedarf entstanden so 1989 die ersten selbst gemachten Messer. Anfänglich arbeitete er noch mit sehr geringem Werkzeugaufwand, der sich über die Jahre zu einer gut sortierten mechanischen Werkstatt erweiterte. Viele Tricks und Vorgehensweisen lernte er von namhaften Messermachern aus seiner Region. Bücher und Anleitungen gab es damals noch nicht. Es folgten viele Messen, Ausstellungen, auch internationale Bekanntschaften. Buchprojekte, Prototypenbau, Messen - das alles nahm viel Zeit in Anspruch. Ein glücklicher Zufall machte 2002 den Weg zu Selbständigkeit leichter. Alfred Dobner bot ihm seine »Messerwerkstatt« zur Übernahme an. Das Hobby nun zum Beruf gemacht, konnte Steigerwald sich noch intensiver mit dem Thema beschäftigen und stets seine Verarbeitungsqualität verbessern. Grundsätzlich fertigt er nur Einzelstücke. Ungewöhnliche Messervariationen, technische Spielereien mit floralem »biomechanoiden« Design bis hin zu reduziert klaren Linien. Jedes seiner Messer hat Wiedererkennungswert und sie finden sich weltweit in Sammlungen. Aber auch einfachen Messervarianten verschließt er sich nicht - wenn dabei auch »experimental« gearbei- tet wird. So schmiedete er letztes Jahr aus einer Rennfeuerluppe bei Peter Brunners Schmiedetreffen ein »Wendenmesser« nach alten Vorgaben. Steigerwald zu seiner Teilnahme in Kolbermoor: »Mir geht es hauptsächlich darum, an dem Event in Kolbermoor teilzunehmen. Normalerweise baue ich eher mechanische Nutzlosigkeiten. Aber ich habe ich viele Bilder zum zeigen und viel zu erzählen, wenn ich gefragt werde.« Aufgrund seiner engen Kontakte zu Messer-Verbänden und -Gruppen hat Steigerwald den Messerarbeitskreis (MAK) Olching mit an seinen Stand gebeten. Der Arbeitskreis wird eigene Produkte zeigen und mit Interessierten über die »Szene« diskutieren. Kompliziert und schlicht - Stefan Steigerwald hat sich viele Variationen für seine Messerkreationen ausgedacht. Oben: »Steampunk 1« mit einer Damastklinge. Unten ein formal schlichtes »Arbeitsmesser«. 31