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XI. Biennale der Schmiede Kolbermoor - Programmheft 2016

Weitere Informationen zur Schmiede-Biennale in Kolbermoor finden Sie unter www.metall-zentrum.de

Partnerort Ybbsitz –

Partnerort Ybbsitz – Weltkulturerbe Schmiedetradition auf Schritt und Tritt Der Markt Ybbsitz in Niederösterreich ist Gründungsmitglied im Ring der Schmiedestädte - wie die Stadt Kolbermoor. Zugleich ist der Traditionsort der Schmiedekunst auch die kleinste Mitgliedsgemeinde. Allerdings mit einer großen Tradition und mit einer quicklebendigen Schmiedeszene und einem lebendigen Kurszentrum Fotos: Archiv HEPHAISTOS Die Hauptstraße im der Schmiedegemeinde. Dort findet das Ferra - culum statt. Da neben die Skulptur »Bahn radfahrer«, die beim Ferraculum im Juni entstand. Sie wiegt zwei Tonnen Ein kurzer Ausflug in die Geschichte des Marktes Ybbsitz: 1355 waren im Raume des heutigen Ortes Ybbsitz nur zwei Schmiede genannt, so müssen sich um 1400 zahlreiche weitere angesiedelt haben, wodurch das Handwerk rasch aufblühte. Voraussetzungen dafür waren die Nähe des österreichischen Erzberges, die Wasserkraft der Bäche sowie der Holzreichtum der Wälder. 1437 erhalten die Schmiede der »uralten kayserlichen Werkstatt« in Ybbsitz die Bewilligung, Eisen aus dem staatlichen Lager in Eisenerz zu beziehen. Der kräftige Aufschwung des Schmiedehandwerks war wohl der Hauptgrund, dass Ybbsitz 1480 das Marktrecht erhielt. 1572 finden sich in Ybbsitz bereits 69 privilegierte Schmiedemeister – mit den nicht privilegierten Pfannen- und Bohrerschmieden muss zu dieser Zeit von ca. 90 Schmiedemeistern ausgegangen werden. Die Erzeugnisse der Ybbsitzer Schmiede wurden nach Deutschland, Böhmen und Mähren, Schlesien und Preußen, Polen und Russland, Triest und Italien (besonders Venedig) sowie donauabwärts in Balkan und Vorderen Orient ausgeführt. Diese Geschichte muss man sich vor Augen führen, wenn man den Markt heute besucht. Schmieden ist in Ybbsitz historisch gewachsen, wird von breiten Teilen der Bürger in Tradition und Handwerk gelebt und stellt ein vielversprechendes Entwicklungspotential für Ort und Bevölkerung dar, das von Jung und Alt getragen wird. Vor allem dem Bürgermeister Josef Hofmarcher, der seit 1998 im Amt ist, verdankt Ybbsitz seine heute Bedeutung als Schmiede-Ort. Auf der sogenannten »Schmiedemeile« reiht sich ein lebendiges Denkmal an das andere. Vergleichbar ist in Europa vielleicht nur noch Bienno in Norditalien – ebenfalls ein Mitgliedsort im Ring der Europäischen Schmiedestädte e.V. Heute findet man in Ybbsitz zahlreiche metallverarbeitende Betriebe die sich aus einstigen Hammerwerken entwickelten und internationalen Ruf geniessen. Weiters wurde 1990 mit der Gründung des Vereines NÖ Eisenstraße begonnen bereits Vergessenes wieder aufzuarbeiten. Durch die verstärkte Wiederbelebung der alten Tradition des Schmiedens ist Ybbsitz heute wieder eine »lebendige Metallwerkstätte«. Das Element »Schmieden in Ybbsitz« wurde mit der Entscheidung des Fachbeirates der Österreichischen Unesco-Kommission vom 29. September 2010 in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Ybbsitz hat eines der vielfältigsten Kursangebote im Bereich der Metallverarbeitung und des Schmiedens. Vom interessierten Laien bis zum versierten Messermacher ist alles geboten. Vier aktive Schmieden sind derzeit zu verzeichnen. Hinzu kommen Werkzeugschmieden und Hersteller von Küchen- 6

Arbeit beim Ferraculum am 100 Kilo Beche-Lufthammer (links). Darunter Festgäste nach dem Entzünden der Europa- Skulptur. Daneben: Brunnen und dahinter das »Schwarze Haus«. Ganz unten: Blick in das Museum »Haus Ferrum« Kein Schaubetrieb sondern tägliche Arbeit: Das Feuer brennt im Eybl-Hammer (ganz oben) und in in der Werkzeugschmiede Sonneck (darunter) utensilien. Mit dem international tätigen Profil- Hersteller Welser hat die Gemeinde einen Sponsor für etliche Schmiedeprojekte vor Ort gefunden. Beispielsweise hat diese Firma maßgeblich dazu beigetragen, dass im Ort das sogenannte »Schwarze Haus«, eine Fabrikantenvilla wieder der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurde. Mit dem Haus Ferrum auf dem Hauptplatz verfügt Ybbsitz über eines der führenden Metall und Ortsmuseen in Mitteleuropa. Für Besucher aus der Schmiedeszene ist der Besuch ein unbedingtes »Muß« in Ybbsitz. Genauso wie ein Rundgang durch den Ort und entlang der Schmiedemeile. Hervorragende Kunstwerke und Arbeiten internationaler Künstler und Metall-Handwerker begegnet man überall im Ort. Und immer noch kommen welche hinzu. Alle zwei Jahre beim großen Schmiedefestmit dem Titel »Ferraculum« oder bei der vielbesuchten Schmie deweihnacht in Ybbsitz. Freunde aus der Schmiedepartner-Gemeinde Ybbsitz werden auch bei der XI. Biennale in Kolbermoor dabei sein. Allen voran der Bürgermeister Josef Hofmarcher, der einen Vortrag über den Werdegang des Projektes »Schmieden in Ybbsitz - immaterielles Weltkulturerbe« halten wird. Mit ihm werden Vertreter der Politik, der Wirtschaft und der Landwirtschaft auf zwei Ständen vertreten sein. Seit 1998 »Triebfeder« für die Schmiedetradition und deren Sichtbarmachung: Bürgermeister Josef Hofmarcher Ybbsitz Ybbsitz liegt in der Eisenwurzen im niederösterreichischen Mostviertel, im Tal der Kleinen Ybbs, einem Nebenfluss der Ybbs. Die Kleine Ybbs, die in ihrem Oberlauf bis Ybbsitz den Namen Schwarze Ois trägt, nimmt im Ort den von Süden kommenden Prollingbach auf. Ybbsitz hat mit seiner Schmiedemeile eines der interessantesten Schmiede- Denkmäler Europas auf engstem Raum. Zudem ist das Schmieden in Ybbsitz »immaterielles Kulturerbe«. Einwohner: 3.498 Fläche: 104 qkm Bürgermeister: Josef Hofmarcher Internet: www.ybbsitz.at Adresse Verwaltung: A-3341 Ybbsitz, Markt 1 Tel. 0043 7443/86601 O 7