eine „hau-ruck- union“ - Nordcapital

nordcapital.com

eine „hau-ruck- union“ - Nordcapital


STADT

Warum Mega-Städte in

der Luftfahrt mehr werden

Ausgabe 1/2012

Magazin des VGF Verband Geschlossene Fonds e. V.


LAND

Welche Immobilien

die USA prägen


FLUSS

Wie aus Wasser

Strom wird


Der geschlossene Fonds.

Das kleine Wirtschaftswunder.

Damit eine Idee zu Höhenflügen ansetzt, müssen sich viele Menschen

zusammentun. Mit geschlossenen Fonds finanzieren viele Anleger

gemeinsam ganz konkrete Projekte – Immobilien, erneubare Energien,

Schiffe oder Flugzeuge. Auf diese Weise sichern sie Arbeitsplätze und

gestalten den Wandel unseres Landes. Auch die Anlageform selbst

wandelt sich beständig. Mehr Transparenz, mehr Verbraucherschutz –

geschlossene Fonds sind auf dem Weg zu einer regulierten Anlageform.

Informieren sie sich.

Wir

Fliegen.

www.kleines-wirtschaftswunder.de


ASSETkLASSEN

das Haus

der sacHWerte

es gibt geldanlagen, die aus papier sind und im stillen arbeiten.

geschlossene Fonds sind anders. Man kann sie sehen und anfassen.

denn sie prägen nicht nur viele wirtschaftszweige

unseres landes, sondern mitunter auch das tägliche leben.

ein Überblick


5

Hier

investieren

gescHlossene

Fonds

Erneuerbare Energien

Energieeffizienzmaßnahmen,

Windenergie, Wasserkraft

Immobilien

Wohn- und Bürogebäude, Gewerbe-,

Logistik- & Einzelhandelsimmobilien,

öffentliche Liegenschaften

Spezialitäten

Wälder, Agrarflächen und Produkte

Private Equity

Beteiligung an Autovermietungen,

Herstellern von Badarmaturen,

Computern, Schienenfahrzeugen

Schiffe

Container, Massengutfrachter,

Öltanker, Spezialschiffe

Flugzeuge

Großraumflugzeuge, Langstrecken- und

Mittelstreckenflugzeuge, Turbinen


neW York citY. Sie ist

der Laufsteg Manhattans – an der Fifth Avenue kaufen die

Reichen und Schönen und die schön Reichen ihre Dinge des

täglichen Bedarfs: Prada, Louis Vuitton und Versace liegen

hier Tür an Tür. Auch Einzelhandelsketten wie H&M und

Zara zieht es mit ihren Flagshipstores zwischen die 49. und

60. Straße. 2.000 Dollar kostet hier der Quadratmeter Ladenfläche

pro Monat. Wer sich das nicht leisten kann, zieht gen

Süden, Richtung 42. Straße, wo noch nicht so viel los ist und

wo die Mieten niedriger sind. Und so belebt sich auch dieser

Teil der Fifth Avenue zusehends. Der Laufsteg wird länger und

länger. *

8


AUS DEM LEBEN EINES SAcHWERTS

9


AUS DEM LEBEN EINES SAcHWERTS

pertH. Wenn die Maschine aus Dubai im

südwestlichsten Winkel Australiens landet, liegen zehneinhalb

Stunden und rund 9.000 Kilometer hinter ihr. Für die Boeing

777-200 LR allerdings eine Kleinigkeit, ist sie doch das Zivilflugzeug

mit der größten Reichweite überhaupt. Im Linienverkehr

fliegt sie ganze 17.446 Kilometer am Stück. Der Prototyp flog bei

einem Testflug sogar eine Rekordstrecke: Von Hongkong ging

es über die USA und den Pazifik, ehe die Maschine in London

landete – nach 21.601 Kilometern. Kein Wunder, dass sie den

Namen „Worldliner“ trägt. *

11


panama. Auf dem Weg nach Hause ist

für die „Saturn Glory“ ein Umweg unvermeidlich: Sie muss

ums Kap Hoorn herum. Der Supertanker gehört zur sogenannten

Post-Panamax-Klasse und ist für die Durchquerung des

Panamakanals schlicht zu groß. Noch. Denn die künstliche

Wasserstraße wird seit 2007 vergrößert. Nach den gigantischen

Bauarbeiten soll auch die „Saturn Glory“ mit ihren 332 Metern

Länge, 58 Metern Breite und 22,2 Metern Tiefgang die 82 Kilometer

durch ihr Heimatland fahren können. *

12


AUS DEM LEBEN EINES SAcHWERTS

13


IMMOBILIEN

in müncHen

steHt nicHt nur ein

HoFbräuHaus

Tradition und Zukunft, Kultur und Kunst, Fc bayern und 1860 –

zu München fällt einem eine Menge ein. Vieles davon verbindet man mit bestimmten

Orten und gebäuden. wovon wiederum überraschend bekannte fondsfinanziert sind.

erinnerungsskizzen nach einem besuch in der bayerischen landeshauptstadt

14


WIener plAtz

so beginnt der Tag: mit einem zünftigen

weißwurstfrühstück im biergarten des Hofbräukellers.

das dazugehörige bier muss

noch vor dem Mittag ausgetrunken sein –

so will es der brauch. eine straßenbahn

fährt vorbei. Von ihrem gebimmel lässt sich

hier niemand aus der ruhe bringen. so

kennen und so lieben wir München!

AllIAnz-ArenA

wer aus dem Norden kommt, muss an ihr vorbei: Hier wohnt auf

69.901 steh- und sitzplätzen das statt des „Mir san mir“-gefühl.

Oder anders: die überzeugung, die eigentliche und einzige

Hauptstadt des deutschen Fußballs zu sein. Vor allem, wenn

die 1.056 Folienkissen der bekannten Fassade bei Heimspielen

in den Vereinsfarben des rekordmeisters leuchten. was machen

da schon zwei titellose Jahre in Folge?

15

neuperlAcH

München ist mehr als Marienplatz und wies’n. etwas weiter außerhalb

zeigt sich, was München so erfolgreich macht: in Neuperlach

hat siemens seinen Hauptsitz. 36 gebäude umfasst das areal.

so läuft’s business: das Hotel für geschäftspartner und Kunden ist

gleich gegenüber auf der anderen straßenseite.


olympIApArk

ausgefallene dachkonstruktionen scheinen

hier Tradition zu haben. die eine ist

75.000 Quadratmeter groß, weltberühmt

und zieht sich über den gesamten park.

dessen Herzstück, das Olympiastadion,

gilt bis heute als der Ort in deutschland,

an dem die meisten internationalen sportwettbewerbe

stattgefunden haben. dazu

16

gehört der unvergessene Moment,

als gerd Müller, bomber der Nation,

1974 das entscheidende 2:1 im wM-

Finale gegen Holland erzielte. Zwei Jahre

zuvor wurde das dach bei den Olympischen

spielen weltberühmt. Heute kann

man auf ihm spazieren gehen.

weniger bekannt ist die andere dachkonstruktion

um die ecke am einkaufszentrum.

sie bildet den eingang ins shopping-

paradies München.


BAHnHoFSVIertel

Königliche residenz, Verwaltungszentrum

bayerns, Kunststadt – München strotzt nur

so vor Traditionen, die sie mit der Zukunft

einer modernen Metropole verbindet. das

spürt und das sieht man auch im Münchner

westend, dem alten arbeiterviertel am

Hauptbahnhof. dort verbindet das altehrwürdige

Hotel bayerpost genau das: eine

historische Fassade mit einem prachtbau

moderner ausstattung.

ISArtAl mIt AlpenpAnorAmA

Nicht einmal 20 Minuten mit der s-bahn braucht es vom Hauptbahnhof, und man steht

nicht mehr in einer Millionenmetropole, sondern mitten im grünen. genauer: in pullach,

mitten im isartal. Kein wunder, dass mit blick auf alpen, isar und jede Menge grün

die lebensqualität der region so hoch ist. das haben auch großunternehmen wie sixt

gemerkt, die sich hier angesiedelt haben, ohne idylle und Flair zu mildern.

17


IMMOBILIENFONDS

unbegrenzte

möglicHkeiten

Ob wolkenkratzer in Manhattan oder

Hotel am bilderbuchstrand: städte

in Nordamerika sind gespickt mit

beeindruckenden immobilien. Hinter

vielen von ihnen stecken geschlossene

Fonds, die besonders das erscheinungsbild

in den Metropolen prägen.

eine Auswahl von Giganten aus

Stein, Stahl und Glas

ONE SANSOME STREET,

SAn FrAncISco

das 168 Meter hohe bauwerk mitten im Financial

district von downtown san Francisco ist

sitz eines großen amerikanischen Finanzinstituts.

den eingangsbereich säumen 12 Meter hohe

dorische säulen.

20

i

private und institutionelle anleger haben

allein im Jahr 2011 rund 198 Millionen

euro eigenkapital in us-immobilien

investiert. damit liegen die Vereinigten

staaten auf platz eins der ausländischen

immobilienmärkte geschlossener Fonds.


5000 yONGE STREET,

toronto

eines der modernsten und auffälligsten bürogebäude

in der wirtschaftsmetropole Kanadas:

der „Transamerica Tower“, ecke Yonge street

und North York boulevard, verfügt sogar über

einen eigenen Zugang zur u-bahn.

455 GRAND BAy DRIVE,

key BIScAyne

das traditionsreiche ritz-carlton-Hotel liegt nur

ein paar Meilen südlich von Miami beach und

downtown Miami. luxus pur im inneren, paradies

unter palmen vor der Tür – der sandstrand

des Hotels ist der einzige in süd-Florida auf der

liste der „america's best beaches“.

53 UND 75 STATE STREET,

BoSton

im Herzen des Finanzdistrikts der fünf Millionen

einwohner starken Metropolregion boston steht

der 155 Meter hohe wolkenkratzer „exchange

place“. in unmittelbarer Nähe prägt das

119-Meter-Hochhaus mit der Nummer 75 das

bild der state street.

ONE NORTH WAckER,

cHIcAGo

Mit 163.000 Quadratmetern geschossfläche

ist der ubs-Tower eines der größten gebäude

in chicago. der 199-Meter-gigant beherbergt

neben büros für unternehmensberatungen und

Finanzdienstleister ein edelrestaurant, eine bar,

ein Konferenz-center, ein Fitness-center und

einen supermarkt.

21

1290 AVENUE OF THE AMERIcAS,

neW york cIty

das 43-stöckige gebäude in Midtown Manhattan

nimmt den block zwischen 51. und 52.

straße entlang der 6th avenue komplett für sich

in anspruch. Für seine energieeffizienz wurde

der skyscraper nach einer umfangreichen

sanierung vom u.s. green building council

ausgezeichnet.

1701 JOHN F. kENNEDy BOULEVARD,

pHIlAdelpHIA

auch das höchste gebäude philadelphias wurde

durch einen geschlossenen Fonds realisiert.

„One pennsylvania plaza“ oder „comcast center“,

wie es genannt wird, steht mit seinen 297

Metern auf platz 15 der höchsten gebäude in

den usa.


Umsatzstark sind die

Zentren immer noch.

Nur stehen sie oft nicht

mehr weit draußen auf

der grünen Wiese, sondern

beleben die Innenstädte. Früher

wurden die Einkaufsmeilen wegen der

länglichen Form mit beidseitig dickem

Ende noch „Hundeknochen“ genannt.

In den Räumlichkeiten lockten damals

insbesondere Mieter aus der Unterhaltungselektronik

mit billigen Fernsehgeräten

das Publikum. Heute dagegen

passen sich die innerstädtischen Shoppinggalerien

den städtebaulichen Gegebenheiten

und den Erlebniswünschen

der Kunden an. Die wollen flanieren

und erwarten entsprechend sogenannte

„Rundlaufmöglichkeiten“, wie Christian

Stamerjohanns erklärt. Er ist Pressesprecher

beim Branchenprimus ECE,

der seit über 40 Jahren Shopping-Paläste,

aber auch Büroimmobilien, Bahnhöfe

und Logistikbauten errichtet.

IMMOBILIENFONDS

städte

mit dacH

darüber

Von wegen beton auf grüner wiese! Moderne shoppinggalerien

sind weit mehr als bloß einkaufszentren. Neue Konzepte, grundrisse und

mehr gastronomie machen sie zu Freizeit-Oasen

Das Kerngeschäft der Hamburger liegt

allerdings ohne Frage in der Inszenierung

des Einkaufserlebnisses: Seit

Werner Otto, der Unternehmensgründer,

das Konzept der Mall aus den USA

nach Deutschland brachte, sind 183

Center entstanden, die von der ECE betrieben

werden. 14 weitere sind derzeit

in Planung oder im Bau. Jeden Tag besuchen

mehr als vier Millionen Men-

i

immobilien sind die größte assetklasse

geschlossener Fonds in deutschland.

allein im Jahr 2011 betrug das Fondsvolumen

3,75 Milliarden euro. das sind

23 prozent mehr als noch in 2010.

immobilienfonds finanzieren in erster

linie gewerbeimmobilien wie bürogebäude

oder einkaufszentren

22

schen die Center des Unternehmens

– mehr Menschen als in ganz Berlin

wohnen.

Ganz ohne die besagten „Anker“

kommen freilich auch die meisten

der modernen Einkaufszentren

nicht aus. Doch die Anforderungen

an Shops, die die Kunden in die Märkte

ziehen, sind heute andere. „Ein Ankermieter

hat vor allem eine bestimmt Größe,

meistens über 1.500 Quadratmeter“,

sagt Stamerjohanns. „Darüber hinaus

muss so ein Laden ein Konzept haben,

das die Kunden überzeugt, sich extra

auf den Weg in ein Center zu machen.

In der Vergangenheit waren es Warenhäuser.

Diese wurden abgelöst von Unterhaltungselektronikern,

um die man

jahrelang nicht herumkam. Heute sind

es oft Textilanbieter.“

In der Regel ist ungefähr die Hälfte

eines Centers mit Modegeschäften

bestückt. Die Filialen großer Anbieter


galerieN der sTädTe

shopping-Zentren, wie hier in lüdenscheid,

saarbrücken und ludwigshafen, sind mehr

als plätze zum einkaufen

ziehen das meiste Publikum an. Die

Auswahl der Shops, die man ansiedeln

möchte, entscheiden darüber, ob man

junge Trendsetter anspricht oder ein

gesetzteres Publikum – oder die ganze

Familie.

Grundsätzlich jedoch ist es der

Anspruch jedes Einkaufszentrums,

für ein möglichst breites

Publikum attraktiv zu sein. Insofern stehen

die Shoppinggalerien von heute in

direkter Nachfolge der Kaufhauskultur

von einst. Das gilt entsprechend auch für

das, was in den Kaufhäusern „Sortiment“

genannt wurde und in den Shoppinggalerien

über den Mietermix angeboten

wird . Um, wie die ECE, mit insgesamt

17.500 Mieterpartnern auf sechs Millionen

Quadratmetern Verkaufsfläche stolze

19 Milliarden Euro Einzelhandelsumsatz

zu erzielen, ist vor allem wichtig,

dass die Mischung der Läden zu Standort

und Publikum passt.

23

Damit die Mischung stimmt, werden

die Mieten dem Umsatz der jeweiligen

Branche angepasst: „Ein Juwelier oder

ein Handyshop kann natürlich viel

mehr Miete zahlen als ein Fleischerfachgeschäft“,

erläutert Christian Stamerjohanns.

„Aber weil wir einen attraktiven

Mix haben wollen, zahlt der Fleischer

weniger Miete. Natürlich könnte man

die kurzfristige Rendite erhöhen, indem

man 40 Handyshops in ein Center

nimmt. Aber das würde langfristig nicht

funktionieren.“

Dass es nicht nur ums Einkaufen

geht, wusste schon der deutsche

Philosoph Walter Benjamin,

der sich in den Fragmenten seines

„Passagen-Werks“ auf die Erlebnisse der

Flaneure in „überdachten Städten“ bezog.

In der Tat gleichen manche Malls

einer richtigen kleinen Stadt – mit einem

Dach darüber. Hier trifft man sich

mit Freunden und verbringt gemeinsam

Zeit und trinkt vielleicht eine Tasse

Kaffee. Entsprechend nimmt die Bedeutung

der Gastronomie zu. Cafés und

Restaurants bestimmen zunehmend die

Laufwege der Kunden. Mancherorts entstehen

Foodcourts wie in den USA. Sie

versammeln unterschiedliche Angebote.

So kann man auch zu mehreren gemeinsam

speisen, wenn der eine lieber einen

Bagel möchte, die anderen aber Appetit

auf Sushi oder Burger haben. Gastronomische

Ideen helfen den Betreibern,

sich unabhängiger von konjunkturellen

Schwankungen zu machen. Denn gemeinsam

gegessen wird immer. *


Auf der Brücke der „Hamburg“

herrscht routinierte

Ruhe. Mit einer

Geschwindigkeit von 19

Knoten (35 km/h) schiebt

sich das 200 Meter lange Containerschiff

durch die südostasiatische Inselwelt.

Im regelmäßigen Rhythmus lässt

der wachhabende Offizier den Blick

über die Instrumente und durch die

Scheiben des Brückenhauses kreisen.

Plötzlich erkennt er auf dem Radarbild

ein Fischereifahrzeug, das die Kurslinie

des Frachters zu kreuzen droht.

Mit schnellen Schritten legt der „Erste“

die rund fünf Meter vom Steuerstand

zum rechten Seitenfenster zurück. Mit

schnellem Blick überprüft er, was hinter

der kleinen Insel an Steuerbord lauert.

Tatsächlich: Die Darstellung auf den

vier 23-Zoll-Monitoren ist korrekt.

Mit einem Schlag ändert sich die

Situation. Ein lauter Alarm, dazu rote

ScHIFFSFONDS

Wir

lieben die

stürme

brausende woge mit kreuzendem schiff voraus,

und der Hauptantrieb fällt aus auf der brücke eines Ozeanriesens

begegnet man Herausforderungen, die enorme Konsequenzen

haben können. in einem schiffssimulator in Hamburg bereiten

sich künftige besatzungsmitglieder auf den ernstfall vor

Lampen im Motoren-Kontrollfeld des

Steuerstandes und das Klingeln des

Bordtelefons durchbrechen die Routi-

Das system

schiff wirD

immer

komplexer

unD komplizierter

ne: „Ungeklärter Temperaturanstieg am

zweiten Zylinder“, meldet der diensthabende

Ingenieur aus dem Maschinen-

24

raum. „Wir müssen die Hauptmaschine

runterfahren.“ Jetzt droht der Frachter

manövrierunfähig zu werden – inmitten

von Untiefen, Inseln und einem halben

Dutzend anderer Schiffe.

Zum Glück ereignet sich die geschilderte

Szene nicht in den viel befahrenen

und engen Gewässern vor Singapur, die

durch die großen Brückenhausscheiben

zu sehen sind. Sondern auf dem Trockenen

in Schenefeld bei Hamburg. Dort betreibt

die „Interschalt maritime systems

AG“ einen der modernsten Schiffssimulatoren

Europas, das „Maritime Education

and Training Center“ (MET). „Auf

vier vollwertig ausgerüsteten Schiffsbrücken

und einem kompletten Maschinenkontrollraum

können wir komplexe

Situationen auf praktisch allen Wasserstraßen

der Welt simulieren“, sagt Axel

Schult, der Leiter des MET. „Der Clou ist,

dass sich alle vier Brückensimulatoren

und der Maschinenraumsimulator zu


einem Gesamtszenariozusammenschalten

lassen,

was die Realitätsnähe noch weiter erhöht.“

Brückenbesatzungen und Maschinenpersonal

müssen in einer kombinierten

Übung im Team zusammenarbeiten.

Der Bedarf, die Schiffsbesatzungen

realitätsnah auf die wachsenden

Anforderungen des

Schiffsbetriebes zu trainieren, steigt

stetig. „Das System Schiff wird immer

komplexer und komplizierter; der

Druck auf die Besatzungen wächst und

in den teilweise aus vielen Nationen zusammengewürfelten

Besatzungen wird

eine funktionierende Kommunikation

zu einem immer wichtigeren Faktor“,

erläutert Schult. Zudem sind immer

mehr Schiffe mit immer mehr Ladung

auf den Weltmeeren unterwegs. An den

neuralgischen Punkten wie beispiels-

weise der Deutschen Bucht wird es

mittlerweile eng. Angesichts von rund

100.000 Schiffen, die jährlich die Elbmündung

ansteuern, grenzt es auch für

Schifffahrtsexperten fast an ein Wunder,

dass es noch nicht zu spektakulären Unfällen

gekommen ist.

Bereits vor fünf Jahren hat Interschalt

darauf reagiert und das MET eröffnet.

Das Schenefelder Unternehmen

rüstet Schiffe jeder Größe mit kompletten

Brückensystemen, Fahr- und Maschinenleitständen,

Automationsanlagen

und Schiffsführungssoftware aus; das

spiegelt sich in den Simulatoren wider.

Jede Brücke ist technisch mit modernsten

Geräten ausgestattet. Die Kursteilnehmer

bewegen ihr „Schiff“ durch elektronische

Projektionen real existierender

Wasserstraßen. „Ob die Elbe vor Ham-

25

VOllwerTig

ausgerüsTeT

auf der brücke des

Maritime education

and Training center

wird der ernstfall realitätsnah

simuliert

burg oder die Hafeneinfahrt

von

New York: Wir

können hier jedes Revier nachbilden“,

sagt Schult. Selbst der Sprechfunkkontakt,

der von der jeweiligen Brücke zu

anderen Schiffen oder zu Institutionen

an Land besteht, klingt wie im Original.

Tatsächlich kommen die Funksprüche

aber aus dem Instruktorraum.

Von dort werden die

Szenarien gesteuert und beeinflusst.

Für die heutige Übung sind die Brücke

1 und der Maschinenleitstand des Containerschiffes

„Hamburg“ besetzt; ein

weiteres Team derselben Reederei trainiert

auf einer zweiten Brücke. „Um die

Realitätsnähe noch weiter zu erhöhen,

können wir beide Schiffe in dasselbe

Szenario integrieren und so auch die

Kommunikation von Schiff zu Schiff

üben“, erläutert Schult.


An Bord der „Hamburg“ hat die

Besatzung seit dem ersten Ton

der Alarmsirene jedoch schon

genug mit sich selbst zu tun. Aufgeregt

sucht der Chefingenieur nach der Ursache

für den Maschinenausfall. Sein

Hinweis auf den Bruch einer Ölleitung

zwingt den Kapitän zu der Entscheidung,

Schlepperhilfe zu rufen oder den

Anker fallen zu lassen, bevor das Schiff

ins Hauptfahrwasser driftet. Mitten in

dieser angespannten Situation klingelt

das Handy des ersten Offiziers. Ausgerechnet

jetzt will der Agent der Reederei

wissen, ob die „Hamburg“ im übernächsten

Hafen auf einen bestimmten

Container warten kann. Kurzfristig kehrt

bestürztes Schweigen ein, als dann noch

über den Lautsprecher des Funkgerätes

in die ohnehin schon stressgeladene Situation

eine Starkwind- und Sturmwarnung

platzt.

Axel Schult und seine Kollegen

brauchen nicht allzu viel Fantasie, um

sich derartige

Szenarien auszudenken.

Sie sind

selbst als Kapitän

oder Ingenieur zur

See gefahren und

wissen deshalb,

was in der Praxis

passieren kann

und tatsächlich

auch geschieht.

Unfallberichte der

Bundesstelle für

Seeunfalluntersu-

chung (BSU) liefern zusätzliches Material

und bieten mit aktuellen Fällen

eine gute Grundlage aus der Praxis für

die Praxis. Über die Monitore und Lautsprecher

im Instruktorraum kann das

26

i

schiffsfonds sind eine der wichtigsten

assetklassen geschlossener Fonds.

unter anderem werden containerschiffe,

Massengutfrachter, Öltanker und

spezialschiffe durch geschlossene Fonds

finanziert.

MET-Team beobachten, wie sich die Besatzungsmitglieder

verhalten. Deutlich

ist dabei zu beobachten, wie schnell die

Kursteilnehmer das Gefühl entwickeln,

tatsächlich an Bord eines Schiffes zu

sein.

Gleichzeitig werden auch die

Aktivitäten des Chefingenieurs

im Maschinenraum beobachtet.

Hektisch springt der hin und her. Statt

seine Mitarbeiter gezielt einzusetzen,

macht er alles alleine, kommt aber zu

nichts, weil er ständig von der Brücke

ans Telefon gerufen wird. Dort oben

geht es zwar etwas ruhiger, aber beileibe

nicht entspannt zu. Ununterbrochen

versucht der Kapitän Telefonkontakt

zu seiner Reederei zu bekommen: Die

kostenträchtige Entscheidung über die

Annahme einer Schlepperhilfe kann

und will er nicht alleine treffen. Doch

die Zeit drängt, denn inzwischen ist die

„Hamburg“ im dichten Schiffsverkehr

ins Treiben geraten.

Natürlich ist

das Geschehen

an Bord des Containerfrachters

ein extremes Szenario.

Das „normale“

Programm

des MET umfasst

Schulungen zu

nahezu allen Themen

und Aufgaben,

denen sich

Schiffsbesatzungen gegenüber sehen

können. Selbst höchst routinierte Nautiker

nutzen die nahezu unbegrenzten

Möglichkeiten des Trainings unter realistischen

Bedingungen: „Die Hambur


fehler zu

machen ist

ausDrücklich

erwünscht

ger Hafenlotsen informieren sich hier

beispielsweise immer wieder über den

neuesten Stand der Technik und führen

derzeit Seminare zur elektronischen

Seekarte (ECDIS) durch“, sagt Schult.

Die Übung auf der „Hamburg“ gehört

zu den komplexesten Trainingseinheiten

am MET. „Wir möchten den

Teilnehmern damit helfen, die eigenen

Möglichkeiten und Grenzen besser ein-

zuschätzen“, erläutert Schult. Die meisten

Schulungsteilnehmer haben bereits

jahrelange Erfahrung. Doch nicht nur

bei brenzligen Situationen, sondern

auch im Alltag auf See sind sie zumeist

auf sich allein gestellt und bekommen

kaum eine Rückmeldung über ihr eigenes

Verhalten.

Bevor die Situation auf der „Hamburg“

weiter eskaliert, entschließt

sich Schult die Übung

zu beenden. In der nun folgenden Manöverkritik

brauchen die MET-Instruktoren

gar nicht viel zu sagen: Den

meisten Teilnehmern ist selbst aufgefallen,

wo ihre möglichen Schwachstellen

liegen könnten. „Fehler zu machen ist

ausdrücklich erwünscht“, betont Schult.

27

erHÖHTe uNFallgeFaHr

bei rund 100.000 schiffen jährlich kann es in

der elbmündung, hier in Hamburg, schon mal

eng werden

„Allein schon die Einsicht, dass eine

Übung vielleicht misslungen ist, überzeugt

die Teilnehmer von der Notwendigkeit,

durch Training möglichen Unfällen

vorzubeugen. Aus Fehlern lernt

man. Und Fehler macht man dann doch

lieber im Simulator als in der Realität.“

Die Realitätsnähe verblüfft selbst

die erfahrenen Nautiker unter den Teilnehmern:

„Anfangs habe ich das ja nicht

ganz ernst genommen, aber schon nach

ein paar Minuten geht man voll in der

Geschichte auf“, sagt einer von ihnen in

der Kaffeepause. „Ja“, bestätigt Schult:

„Die Übungen sind schon täuschend

echt.“ So echt, dass einzelne Teilnehmern

bei simulierten Sturmfahrten sogar

schon seekrank geworden sein sollen.

*


FLUGZEUGFONDS

gross

grösser

mega

aus städten werden Mega-städte, aus airports

werden Mega-airports: die luftfahrtbranche wächst – weltweit.

das freut auch die Flugzeughersteller

uNeNdlicHe weiTeN

Terminal 3 des beijing capital

international airport ist das

flächenmäßig größte gebäude

der welt


Halt Dich an mir fest!“

Eine junge Mutter

nimmt ihren kleinen

Sohn fest an die Hand.

Sie wirkt nicht so, als

würde sie sich gemeinhin schnell aus der

Ruhe bringen lassen. In der Abfertigungshalle

von Terminal A des Flughafens Istanbul-Atatürk

wird sie allerdings etwas

nervös. 10.000 Passagiere starten und

landen hier. Jeden Tag. 37,5 Millionen

Menschen hasten pro Jahr zu den Flugsteigen.

Entsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit

der Mutter, um ihren Sohn

nicht aus den Augen zu verlieren und

dabei gleichzeitig den Überblick zu behalten

und den Weg zum Gate zu finden.

In Zukunft wird es für Mutter und

Sohn am Flughafen Istanbul-Atatürk

weniger anstrengend. Allerdings nur,

weil die internationalen Flüge in Istanbul

nicht mehr hier, sondern an einem

neuen Flughafen starten und landen

werden. Dabei hat die Stadt am Bosporus

bereits zwei Flughäfen. Nummer

drei soll noch größer, noch mächtiger

werden: 120 Millionen Fluggäste werden

dort ab 2016 durch die Gates strömen.

Nach heutigen Maßstäben wäre es

mega-

airports

fertigen

am tag

mehr als

10.000

passagiere

ab

der größte Flughafen Europas. Die Drehkreuze

Frankfurt, Paris und London

rangieren dann mit großem Abstand auf

den Plätzen dahinter.

Derzeit ist London Heathrow immerhin

der drittgrößte Flughafen der

Welt. Knapp 70 Millionen Passagiere

nutzten ihn im Jahr 2011. Und trotzdem:

Die britische Hauptstadt könnte in Zukunft

als internationales Drehkreuz an

Bedeutung verlieren. Das liegt jedoch

nicht allein an den Plänen in der tür-

29

kischen Metropole. Auch Peking rüstet

ordentlich auf. Dessen neuer Mega-Airport

wird mit geplanten 120 Millionen

Passagieren pro Jahr in derselben Liga

spielen wie Istanbul. Oder Indien: Der

Indira Gandhi International Airport in

Neu-Delhi soll bis 2026 für immerhin

100 Millionen Fluggäste im Jahr fit gemacht

werden. Vietnam plant für Ho-

Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon,

einen Airport ähnlicher Größe.

Dass Flughäfen immer größer

werden, ist nicht etwa einem

sportlichen Ehrgeiz um Platz

eins geschuldet. Sondern schlichter

Notwendigkeit, weil die Luftfahrtbranche

wächst. Wer kann, sichert sich eine

gute Startposition und schafft eine Infrastruktur,

die dem gewachsen ist. Der

Ausweg: Mega-Airports, also Flughäfen,

an denen mindestens 10.000 Passagiere

am Tag abgefertigt werden. Frankfurt

gehört zu dieser Kategorie, ebenso wie

München. Weltweit gibt es 39 Airports

dieser Größenordnung. Schon im Jahr

2030 könnte sich die Zahl mehr als verdoppeln:

Der Flugzeughersteller Airbus

prognostiziert 87 Mega-Airports.


Den größten Zuwachs erfährt dabei

der asiatische Raum. Dort

wird der Luftfahrt ein Wachstum

von 8,3 Prozent bis 2030 vorausgesagt.

Und das spürt man schon heute.

Beispiel Peking: Der noch relativ junge

Beijing Capital International Airport

hat seine Kapazitätsgrenze von 70 Millionen

Passagieren jährlich bereits fünf

Jahre früher erreicht als prognostiziert –

nämlich schon heute. Auch wenn er erweitert

wird, ist bei 78 Millionen Fluggästen

Schluss. Darum wird schon jetzt

ein weiterer neuer geplant.

Steigt das Passagieraufkommen

weltweit, wächst auch die Branche

insgesamt, auf allen Kontinenten. Allerdings

bringt das für jede Region ihre

eigenen Herausforderungen mit sich.

Asiatische Megastädte kommen mit

dem Bau neuer Verkehrsinfrastrukturen

kaum hinterher. Und Europa hat seine

ganz eigenen Schwierigkeiten, Schritt

zu halten. Mit London, Paris, Amsterdam,

Frankfurt, Rom, Madrid, München

und Zürich liegen hier Megaflughäfen

so dicht beieinander, dass sie sich

das Mehr an Fluggästen teilen müssen.

Die dafür notwendigen Erweiterungen

gestalten sich jedoch vielerorts als

schwierig. Der Bau einer neuen Landebahn

am Flughafen München, bei den

World Airport Awards 2011 als bester

Airport Europas ausgezeichnet, wurde

nach Bürgerprotesten vorerst gestoppt.

Frankfurt hingegen ist baulich gut aufgestellt,

kann seine Kapazitäten durch

das Nachtflugverbot jedoch nur eingeschränkt

nutzen.

London Heathrow ist ebenfalls

ausgelastet; die Schaffung neuer Kapazitäten

keine Frage des Ob, sondern

des Wie. Dafür liegen Konzepte in der

welTweiTes wacHsTuM

auf den internationalen Flughäfen

steigt die Zahl der passagiere

und mit ihnen die Zahl der Flüge

Schublade, die jeweils Freunde, aber

auch Gegner haben. Die Einen möchten

Heathrow ausbauen, Andere plädieren

dafür, die weiteren Londoner Airports

wie Luton und Stansted besser an die

Stadt anzubinden. Eine Entscheidung

zeichnet sich momentan nicht ab, weshalb

auch der Neubau eines Flughafens

an der Themse-Mündung diskutiert

wird. Der könnte eine Kapazität von 150

Millionen Passagieren pro Jahr bieten.

Mehr Fluggäste, mehr Großflughäfen:

Das bedeutet für

die Airlines und Flugzeughersteller

Wachstum am Himmel der

Zukunft. Flugzeuge wie der Airbus

A380 sind da ein wichtiger Faktor. Einer

von ihnen kann durch sein Fassungsvermögen

gleich zwei Flüge kleinerer

Maschinen auf derselben Route

ersetzen. Er hat bei geringerem Verbrauch

eine enorm hohe Reichweite

und entlastet zusätzlich die Flughäfen

30

und Airlines, weil er die Anzahl der

Zwischenlandungen reduziert.

Bei der diesjährigen Flugmesse im

englischen Farnborough konnten Airbus

und Boeing zusammen rund 500

Bestellungen verbuchen. Der europäische

Branchenprimus Airbus verkaufte

vor allem den A320neo, US-Konkurrent

Boeing die B737 – beides Mittelstreckenflugzeuge.

Das dürfte kaum ein Zufall

sein. Durch das gigantische Wachstum

in Asien und angesichts des trotz

i

geschlossene Fonds finanzieren sowohl

Flugzeuge als auch Triebwerke, darunter

mehrere airbus a380, a319 und

boeing 777. im Jahr 2011 betrug des

Volumen geschlossener Flugzeugfonds

823 Millionen euro.


Eurokrise stabilen europäischen Marktes

entsteht der Bedarf an einem Drehkreuz

in der Mitte.

Dafür macht man sich in Dubai

auf verschiedene Weise bereit.

Die staatliche Fluggesellschaft

Emirates wird ihre Flotte in den kommenden

Jahren mehr als verdoppeln.

Allein dafür hat sie 90 Airbus A380

bestellt, weit mehr als jede andere

Airline. Ihr Drehkreuz, der Flughafen

Dubai International, hat die Zahl der

abgefertigten Passagiere in 2011 um

rund acht Prozent auf 51 Millionen

gesteigert. Damit hat er sein Limit erreicht.

In Zukunft wird er wohl eine

neue Funktion erfüllen: die des Zweitflughafens.

Vom neuen Flughafen starten

heute schon Frachtflugzeuge, in 13

Jahren sollen ihn dann 160 Millionen

Passagiere jährlich benutzen. Sein vielsagender

Name: Dubai-World Central

International. *

dIe FÜnF GröSSten

pASSAGIerFluGHäFen

der Welt

1 Atlanta

92.365.860 passagiere

Nicht New Yorks JFK, sondern der Hartsfield-

Jackson atlanta international airport ist mit einem

passagieraufkommen von rund 92 Millionen das

wichtigste drehkreuz für inlandsflüge in den usa –

und der größte Flughafen der welt im Jahr 2011.

2 peking

77.403.668 passagiere

der beijing capital international airport hat das

höchste passagieraufkommen asiens und ist bereits

vier Jahre nach seiner letzten erweiterung an

der Kapazitätsgrenze. sein neues Terminal 3 ist

das flächenmäßig größte gebäude der welt.

3 london

69.433.565 passagiere

london Heathrow airport ist der größte Flughafen

europas. er war auch der erste europäische

Flughafen, der im linienverkehr von einem airbus

a380 angeflogen wurde.

4 chicago

66.561.023 passagiere

bei den Flugbewegungen pro Tag ist der O’Hare

international airport heute schon internationale

spitze. selbige sollen durch ein neues pistensystem

von aktuell 2.700 bis 2015 auf 3.800

startende und landende Maschinen pro Tag

gesteigert werden.

5 tokyo

64.211.074 passagiere

Tokyo-Haneda gewann mit den Olympischen

sommerspielen 1964 internationale bedeutung

und ist seitdem stetig gewachsen. Obwohl die

meisten internationalen Verbindungen von und

nach Tokyo seit 1978 über den Nachbarflughafen

Narita abgewickelt werden, schafft es Tokyo-

Haneda unter die Top 5.

31


durchschnittlicher

Anteil von treibstoff

an den betriebskosten

einer airline,

in prozent:

30

Senkung des

treibstoffverbrauchs

von passagierflugzeugen

innerhalb

der letzen 40

Jahre, in prozent:

75

Senkung des

lärmpegels

von passagierflug-

zeugen innerhalb

der letzen 40

Jahren, in prozent:

45

Gesamtzahl

der Fluggäste in

2011 weltweit,

in Milliarden:

2

Anteil der

touristen, die

2011 weltweit per

Flugzeug gereist

sind, in prozent:

40

geschätzte

Anzahl touristischer

Fluggäste

international im

Jahr 2020,

in Milliarden:

1,6

davon

interregionale

Fluggäste,

in Milliarden:

1,2

davon lang-

streckenreisende

Fluggäste,

in Milliarden:

0,38

FLUGZEUGFONDS

der Himmel

in zaHlen

Anzahl der

mega-Airports

im Jahr 2011:

39

Voraussichtliche

anzahl der

Mega-airports

im Jahr 2030:

87

Anzahl der

linienflughäfen,

weltweit:

2.500

Standardbreite

einer Start-

und landebahn,

in Metern:

45

mindestbreite

einer start- und

landebahn für

einen airbus a380,

in Metern:

60

32

Voraussichtliches

Wachstum des

internationalen

Flugverkehrs pro

Jahr bis 2030,

in prozent:

4,8

Voraussichtliches

wachstum

des asiatischen

Flugverkehrs pro

Jahr bis 2030,

in prozent:

6,4

Größe der zivilen

luftfahrtflotte

im Jahre 2011,

in Flugzeugen:

15.000

Voraussichtliche

größe der zivilen

luftfahrtflotte

im Jahre 2030,

in Flugzeugen:

31.500

Voraussichtliche

Anzahl der

Auslieferungen

neuer passagierflugzeuge

bis

2030:

26.900

davon anteil der

lieferungen in den

asiatischen raum,

in prozent:

34

davon anteil der

lieferungen nach

nordamerika, in

prozent:

22

davon anteil der

lieferungen nach

europa, in prozent:

22

Anteil der Flüge

im Asien-pazifikraum

am gesamten

luftverkehr

2010, in prozent:

19

Voraussichtlicher

anteil der Flüge

im asien-pazifikraum

am gesamten

luftverkehr

2030, in prozent:

25


einmal um

die ganze Welt

Hartsfield international

airport, atlanta, usa

33° 38' 12''N 084° 25' 41''w

Tara airport,

australien

23° 52' 11''s 151° 13' 22''e

FLUGZEUGFONDS

start- und landebahnen auf allen sechs

Kontinenten leisten täglich ihren dienst unter

Tonnen von last. es ist Zeit, sie mit etwas

aufmerksamkeit zu würdigen.

doch welche landebahn gehört zu

welchem Flughafen?

el dorado international

airport, bogota, Kolumbien

22° 54' 37''s 043° 09' 46''w

Hurghada international

airport, ägypten

27° 10'' 41'N 33° 47'' 57'e

33

charles de gaulle,

paris, Frankreich

49° 00' 35''N 002° 32' 52''e

singapore changi inter-

national airport, singapur

01° 21' 33''N 103° 59' 22''e


otorblattlager

rotorwelle

rotorblatt

ERNEUERBARE ENERGIEN

Wo die

scHnellen

Winde

WeHen

wind wird wichtiger.

die energiewende wäre ohne rotierende windräder undenkbar.

damit aus der steifen brise wirklich strom wird,

muss bei der planung alles stimmen.

denn die komplexe technik verzeiht keine Fehler

getriebe

Kühlsystem für

den generator

steuerelektronik

generator

elektrische Blattverstellung

die rotoren getriebeloser anlagen

können je nach windgeschwindigkeit

ihren anstellwinkel verändern.

34

windmesser

der Azimutmotor dreht gondel

und rotor in die windrichtung

(auch „windnachführung“ genannt).

die Bremse dient dazu,

den rotor während eines

sturms oder wartungs-

arbeiten zu fixieren.


Als Mitte der 1950er Jahre

nahe der süddänischen

Stadt Gedser eine Windkraftanlage

ans Netz ging,

war das eine technische

Revolution. Mit einer maximalen Leistung

von gut 200 Kilowatt war sie die

größte der Welt. Heute würde sie in der

Statistik nicht mehr auffallen: Knapp

acht Prozent des in Deutschland verbrauchten

Stroms entsteht inzwischen

in den hohen Türmen mit den großen

Rotoren. Mehr als 22.000 Windkraftanlagen

gibt es hierzulande, mehr als die

Hälfte in Niedersachsen, Brandenburg,

Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Tendenz: steigend. Allein 2011

gingen in Deutschland fast 900 neue

Anlagen ans Netz.

Lange bevor der erste Strom fließt,

müssen Planer die Standortfrage beantworten,

Gutachten erstellen und die

mittlere Windgeschwindigkeit während

der normalerweise auf etwa 20 Jahre

ausgelegten Betriebszeit prognostizieren.

Entscheidend ist dabei, zu welchen

Zeitpunkten und wie lange hohe Windgeschwindigkeiten

auftreten. Aufgrund

physikalischer Gesetze steckt in der doppelten

Windgeschwindigkeit nämlich

nicht die doppelte, sondern die achtfache

Energie. Eine dreifach höhere Geschwindigkeit

bedeutet 27 Mal mehr Energie.

Windräder werden immer höher

und größer. Mit bis zu 45 Meter langen

Rotoren können sie an den richtigen

Standorten mehr Strom erzeugen als

kleinere Aggregate, weil etwa im Binnenland

der Wind in höheren Lagen

Moderne anlagen arbeiten meist mit einem getriebe (links), das

die niedrige drehzahl des rotors (6 bis 20 umdrehungen pro

Minute) auf eine höhere drehzahl für den generator erhöht (zwischen

900 und 2000 umdrehungen). bei einigen anlagen ist

der rotor direkt mit der generatorwelle verbunden (rechts). beide

bauteile arbeiten dann mit derselben drehzahl.

WArum WIndräder WAcHSen

90 Meter – so viel beträgt der durchmesser der rotoren von jeder fünften neu errichteten

anlage. das entspricht fast der länge eines Fußballfeldes. der grund: Je mehr bäume

und gebäude, desto schwächer der wind und desto mehr Verwirbelungen. beides

erschwert die optimale Nutzung des windes. in höheren luftschichten dagegen weht

der wind schneller, die Turbulenzen nehmen ab. deshalb werden anlagen mit mehr

als einhundert Metern Höhe meist im binnenland gebaut. an der Küste weht der wind

auch für kleinere anlagen schnell genug.

1980

H: 30 m

Ø: 15 m

30 kwh

schneller weht. Für Anlagen im Meer

sind noch aufwändigere Gutachten, Genehmigungen

und Forschungen nötig.

Denn hier hat die Anlage auch Auswirkungen

auf den Meeresboden, Fische

und Meeressäuger. Außerdem braucht

man im Wasser stabile Fundamente, um

die Anlage sicher im Boden zu halten.

Sind die Anlagen installiert, kann

Strom produziert werden. Das

Grundprinzip ist einfach: Wind

trifft auf die aerodynamisch geformten

Rotorblätter, die nach einem ähnlichen

Prinzip funktionieren wie die Tragflächen

eines Flugzeugs: Weil die Luft auf

einer Seite schneller am Rotorblatt vorbeiströmt

als auf der anderen, entsteht

ein Druckunterschied, der den Rotor in

Bewegung versetzt. Wird der Wind zu

schnell, bremst die Anlage automatisch

WIe WIrd WInd Strom?

35

1990

H: 50 m

Ø: 30 m

250 kwh

2000

H: 100 m

Ø: 70 m

1.500 kwh

2008

H: 135 m

Ø: 126 m

6.000 kwh

ab oder hält an, um Überlastungen zu

vermeiden. Doch dazu braucht es schon

heftige Orkanböen. Über eine Nabe, eine

Antriebswelle und je nach Anlagentyp

auch ein Getriebe wird die Rotation

an einen Generator übertragen, der

aus der Rotationsenergie Strom erzeugt.

Verschiedene Bauteile passen den vom

Generator produzierten Strom auf die

jeweiligen Vorgaben und Gegebenheiten

am Standort an und korrigieren seine

Frequenz auf den richtigen Wert.

Der Strom der meisten größeren

Windparks wird dann in einem Umspannwerk

auf die jeweilige Spannung

des Verteilernetzes transformiert – und

nach vielen Kilometern kommt er dann

in irgendeinem Haushalt als Teil des gesamten

Stroms aus der Steckdose und

sorgt dafür, dass die Toastscheiben zum

Frühstück angenehm knusprig werden. *

anlagen mit getriebe und variablen drehzahlen erzeugen strom

mit schwankenden spannungen und Frequenzen. weil dieser so

nicht ins Netz eingespeist werden kann, korrigiert ein „umrichter“

spannung und Frequenz. der größte Vorteil der variablen

drehzahl: die bauteile sind mechanisch weniger belastet und die

anlage arbeitet deutlich leiser.


SpeIcHerkrAFtWerk

ENERGIEFONDS

es klappert

die müHle

seit Jahrhunderten entwickeln schlaue Menschen wege und Möglichkeiten,

aus wasser strom zu gewinnen. sechs Technologien, die wasserkraft zu einer

wichtigen stromquelle im energiemix machen

ScHIFFSmÜHle

Ob rauschender bach oder reißender Fluss: die schiffsmühle

nutzt bereits seit 540 nach christus die Kraft des wassers für

das Mahlen von getreide. das prinzip: ein wasserrad taucht,

an einem schwimmenden Haus befestigt, in das strömende wasser.

so wird das Mühlrad bewegt und erzeugt eine konstante

Menge energie. inzwischen gibt es auch prototypen moderner

schiffsmühlen für die stromerzeugung.

das Netz kann keinen strom speichern. deshalb muss immer genau

so viel energie produziert werden, wie augenblicklich verbraucht

wird. durch das stauen von wasser lässt sich energiepotenzial für

Zeiten mit hohem bedarf vorhalten. im bedarfsfall wird mehr oder

weniger wasser durchgelassen und über Turbinen strom erzeugt.

lAuFWASSerkrAFtWerk

die Kraft eines Fließgewässers wird durch Turbinen geleitet und in

eine mechanische drehbewegung verwandelt, die einen generator

antreibt. die antriebskraft der Turbine wird gesteigert, indem das

wasser durch eine wehranlage zunächst angestaut und so die

Fallhöhe erhöht wird.

WellenkrAFtWerk

GezeIten-

krAFtWerk

das Kraftwerk trennt eine Meeresbucht vom Meer. bei Flut steigt

der der pegel im offenen Meer, das wasser wird durch das Kraft-

werk leicht gestaut. so wird die Fallhöhe des wassers gesteigert,

das die Turbinen bewegt. selbige können so eingestellt werden,

dass sie auch dann strom erzeugen, wenn sie sich bei ebbe in

der gegenläufigen richtung bewegen.

die so genannte „seeschlange“ wird vor allem in Küstenabschnitten

eingesetzt, in denen starker wellengang herrscht, beispielsweise

vor Kap Hoorn. durch die wellen werden die elemente der

seeschlange auf der wasseroberfläche bewegt. darin befinden

sich Hydraulikzylinder, in deren inneren sich eine Flüssigkeit durch

rohre mit Turbinen und generatoren bewegt, die strom erzeugen.

36

meereSStrömunGSkrAFtWerk

so ähnlich wie windräder unter wasser – mit dem unterschied,

dass strömung im Meer immer konstant ist: ein Meeresströmungskraftwerk

besteht aus einem rotor, der durch die stetige strömung

unter wasser bewegt wird. er treibt den generator an. über

der wasseroberfläche befindet sich eine plattform, auf der daten

über den rotor gesammelt werden.


GREEN BUILDINGS

grün ist gross

eine gute lage macht eine Immobilie wertvoll.

Nicht nur. denn ihre energieeffizienz ist nicht nur ökologisch,

sondern auch ökonomisch sinnvoll.

New York, 1250 Broadway – schon immer eine

der ersten Adressen der US-Metropole. Hier,

zwischen 31. und 32. Straße, arbeitet auf 39

Stockwerken wer es sich leisten kann. Nun hält

auch die Nachhaltigkeit Einzug in das elegante

Bürogebäude: Im Jahr 2010 wurde es mit einem Nachhaltigkeitszertifikat

in Gold der US-amerikanischen Zertifizierungsstelle

LEED, kurz für Leadership in Energy and Environmental

Design, ausgezeichnet. Zuvor war es aufwändig und unter Berücksichtigung

vielfältiger ökologischer und sozialer Standards

erneuert worden. Allein durch die verbesserte sanitäre Ausstattung

sollen in Zukunft elf Millionen Liter Wasser eingespart

werden – pro Jahr. Zusammen mit

anderen energieeffizienten Maßnahmen

macht sich das in den Nebenkosten mit

einer Ersparnis von 350.000 US-Dollar

durchaus bemerkbar. Da rechnet sich die

Investition von 1,2 Millionen US-Dollar.

Green Buildings haben auch in

Deutschland an Bedeutung gewonnen.

Nicht zuletzt die beschlossene und ambitionierte

Energiewende hat das Thema

auf der politischen Tagesordnung weit

nach oben katapultiert. Schließlich wird

laut Bundesumweltministerium rund

ein Drittel des Ressourcenverbrauchs hierzulande von Gebäuden

verursacht. Daher muss ein Green Building mehr sein als

energieeffizient: Die Ansprüche der 2007 gegründeten Deutschen

Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) umfassen

mehr als nur eine hohe ökologische Qualität. Ein DGNB-Zertifikat

bewertet darüber hinaus den Standort und die Wirtschaftlichkeit

einer Immobilie sowie die soziokulturelle Dimension

und die sogenannte „Prozessqualität“ des Bauens;

maßgebliche Faktoren für die Bewertung eines Neubaus, wie

der Konflikt um Stuttgart 21 sehr deutlich zeigte.

Dass grünes Bauen in Deutschland dennoch lange ein Nischenthema

war, hatte seine Ursache in den hiesigen Umwelt-

i

auch zur energetischen sanierung von

gebäuden leisten geschlossene Fonds

einen beitrag. durch sie werden

Maßnahmen finanziert, die die energieeffizienz

von gebäuden um mindestens

30 prozent steigern. das macht sie zu

„green buildings“.

37

auflagen für Neubauten. Anders als etwa in den USA, waren

sie schon immer vergleichsweise hoch. So hat der Immobiliendienstleister

Savills bis Februar 2011 gerade einmal 94 Bürobauten

in Deutschland mit einem LEED- oder DGNB-Nachhaltigkeitszertifikat

ausfindig machen können. Das entspricht

rund 0,5 Prozent des gesamten deutschen Büroflächenbestands.

Interessanterweise ist die Marktbedeutung nachhaltiger

Büroimmobilien jedoch laut Savills überproportional hoch

– mit über 13 Prozent des Büroflächenumsatzes und rund 14

Prozent des Investmentvolumens. Und der deutsche Immobilienmarkt

holt rasch auf – auch mit Hilfe von geschlossenen

Fonds, die in Green Buildings investieren.

Dass die nahe Zukunft grünen

Gebäuden gehören wird, kann

man sich ausrechnen. Investoren

haben längst nicht mehr nur die

Rendite im Blick – sondern auch die

Natur und den Menschen. Davon wiederum

profitieren nicht nur die Umwelt

und künftige Generationen, sondern

auch die Anleger von heute. Green

Buildings haben das Potenzial für höhere

Mieteinnahmen, langfristigere Mietdauer,

niedrigere Nebenkosten sowie

durch vorausschauendes Bauen für eine gesicherte Wertstabilität.

Für Anleger sind das geldwerte Vorteile. Wie eine Studie

der Unternehmensberatung Roland Berger ergab, sind über 73

Prozent der Bauherren und Investoren in Deutschland, Österreich

und der Schweiz bereit, durchschnittlich neun Prozent

höhere Investitionskosten für den Bau einer nachhaltigen Immobilie

in Kauf zu nehmen. Auch den Mietern sind Ökologie

und nachweisbar niedrigere Nebenkosten einiges wert – sie

sollen laut der Studie bereit sein, bis zu 4,5 Prozent höhere

Mieten zu bezahlen. Ganz zu schweigen von einem gänzlich

unbezahlbaren Faktor für Mieter und Investoren: dem guten

Gefühl, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. *


WAll Street

gier und skrupellosigkeit sind älter als

geld: den willen zur Macht hat börsenstar

gordon gekko (Michael douglas) mit der

Muttermilch aufgesogen. auf dem weg

dorthin bleiben gesetz und Moral schon

mal auf der strecke. allerdings kommt Hochmut

auch hier vor dem Fall – und vor dem

Knast, als sein Zögling bud Fox (charlie

sheen) dem Finanzhai die illegale Verwendung

von insider-informationen nachweist.

zWeI mIllIonen dollAr trInkGeld

FILMMyTHEN

der stoFF,

aus dem

träume sind

Hollywood hatte schon immer seine eigenen regeln

und ideen zum reichtum. in der Traumfabrik ist alles möglich.

Fünf Filme mit fünf Wegen zum Geld

cAtcH me IF you cAn

Märchenhaftes Hollywood: aus Kleingeldmangel verspricht der

freundliche polizist charlie (Nicolas cage) der unfreundlichen Kellnerin

Yvonne (bridget Fonda) statt Trinkgeld die Hälfte eines möglichen

lottogewinns. der wird unerwartet realität und beträgt tatsächlich

vier Millionen dollar. charlie hält sein Versprechen und nach einigen

Turbulenzen im leben der beiden erkennen sie ihre liebe zueinander;

und dass die wichtiger ist als alles geld der welt.

Hollywoods Version von „mehr schein als

sein“ basiert auf einer wahren geschichte:

in „catch Me if You can“ spielt leonardo

di caprio den Hochstapler Frank

abagnale jr., der mit schauspielerischem

Talent und Maskerade aus der Oberflächlichkeit

seiner umwelt seine Vorteile

zieht. beispielsweise, wenn er mit teuren

sportwagen durch Frankreich fährt, die er

mit gefälschten schecks bezahlt.

41

Im AuFtrAG deS teuFelS

zurÜck In dIe zukunFt

wissensvorsprung + Zeitmaschine = reichtum:

das ist auch eine Formel, mit der man

in Hollywood reich wird. besser gesagt

im zweiten Teil der Filmtrilogie „Zurück in

die Zukunft“. schurke biff Tannen reist in

die Zukunft und stiehlt dem Helden Marty

McFly (Michael J. Fox) im Jahr 2025 einen

sport-almanach. Mit dem reist biff ins Jahr

1955, schließt wetten ab, wird reich und

verändert die gegenwart des Jahres 1985.

Faust goes to Hollywood: Für geld, ruhm und Macht tut man

bekanntlich fast alles. Manche schrecken dabei nicht einmal vor

einem bündnis mit dem Teufel höchstpersönlich zurück. wie der

aufstrebende anwalt Kevin lomax (Keanu reeves), der bei dem

erfolgreichen John Milton (al pacino) anheuert, immer erfolgreicher

wird und schließlich herausfindet, dass er buchstäblich ein

geschäft mit dem Teufel abgeschlossen hat.


DDie Geschichte des Unternehmertums

ist tränenreich.

Tatsächlich

beginnt sie mit einem

Mann, der seine Mitmenschen

reihenweise zum Weinen brachte

– und sich von ihnen gut dafür bezahlen

ließ. Es war im sechsten Jahrhundert

vor Christi Geburt, als ein Mann in der

Stadt Babylon lebte. Auf den Märkten

der Stadt, die etwa dort lag, wo heute

die Straßen nach Bagdad verlaufen, gab

es Datteln und Getreide.

Während der Getreideernte kam

dem Mann eine Idee: Warum interessierten

sich alle nur für Korn, aber

niemand für jene Knollen, die von den

Bauern nur zum Eigenbedarf angebaut

wurden, für die Küche jedoch unerlässlich

schienen? Gemeint waren Zwiebeln.

Der Mann kaufte den Bauern die

Zwiebeln ab, brachte sie im großen Stil

in die Städte und legte damit das Fundament

seines geschäftlichen Erfolges.

Iddin-Maruk hieß der Mann – und er

GEScHLOSSENE FONDS

unterneHmen

Heisst

überneHmen –

von verantWortung

was ist eigentlich ein unternehmer? das ist gar nicht so einfach.

selbst das bürgerliche gesetzbuch gibt zwei unterschiedliche antworten.

beginnen wir also mit einer gegenfrage:

Was hat sieben Häut’ und beißt alle leut’?

i

geschlossene Fonds sind eine unternehmerische

anlage. wer zeichnet,

zeichnet auch verantwortlich: er erwirbt

einen anteil am investitionsgut, wird

zum gesellschafter und trägt als solcher

auch einen Teil des risikos mit, das sich

naturgemäß aus den entwicklungen der

jeweiligen Märkte ergibt. deshalb ist es

wichtig, sich vor dem Zeichnen eines

Fonds genau zu informieren – über das

emissionshaus, den konkreten Fonds

und über die wirtschaftliche lage der

branche, in die investiert wird.

gilt bis heute als der erste namentlich

bekannte Unternehmer der Welt.

Unternehmerische Tätigkeiten prägen

die Menschheitsgeschichte. Gleichwohl

hatte der Unternehmer nicht

immer Konjunktur. In der Antike war

42

wirtschaftliches Handeln eher verpönt.

Bei den alten Griechen genoss derjenige

großes Ansehen, der sich um Philosophie

oder Kultur verdient machte. Wer

es in Rom zu etwas bringen wollte, war

gut beraten, ein paar Schlachten im Krieg

erfolgreich zu schlagen. Waren herzustellen

oder sich handwerklich zu betätigen,

das war etwas für niedere Schichten

oder Sklaven. Und doch gelang es

beiden antiken Kulturen unbestreitbar,

große zivilisatorische Leistungen zu

vollbringen, Bauwerke zu errichten und

Innovationen ins Werk zu setzen – denken

wir nur an die Aquädukte.

Eine Blütezeit erlebte das Unternehmertum

indes in der islamischen

Welt. Der Prophet Mohammed

hatte ein vollständiges Staatswesen

errichtet. Es gab ein Rechtssystem, das

auch über ein Vertragsrecht verfügte. So

entstanden stabile Rahmenbedingungen

für einen sich stetig ausweitenden Wirtschaftsraum.


Auch das Bürgerliche Gesetzbuch

der Bundesrepublik befasst sich

mit dem Unternehmer. Die Definitionen

des Begriffs finden

sich dabei an unterschiedlichen

Stellen. In § 14, Abs. 1 wird der

Unternehmer als eine Person beschrieben,

die „in Ausübung ihrer

gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit“

Rechtsgeschäfte abschließt. Das

unterscheidet einen Apotheker, der Medikamente

einkauft, oder einen Anwalt,

der das Bürgerliche Gesetzbuch in einer

edlen Rindslederedition für seine Kanzlei

anschafft, von einem Verbraucher.

In einem anderen Teil des BGB geht

es um einen ganz anderen Themenbereich,

nämlich das Werksvertragsrecht.

Und wo der Gegenstand ein anderer ist,

da ist auch der Unternehmer ein ganz

anderer – im § 631 nämlich derjenige,

der ein vertraglich vereinbartes „Werk“

herstellt, das jemand anderes bei ihm

bestellt hat.

Beide Definitionen sind in einem

gewissen Sinne situativ:

Was ein Unternehmer ist, beschreibt

das BGB anhand dessen, was

er aktuell tut – einmal kauft er Waren

und Dienstleistungen ein, einmal verkauft

er selbst hergestellte Waren oder

Dienstleistungen.

Um eine Klärung des Begriffs haben

sich Generationen von Wissenschaftlern

bemüht, seitdem er in der akademi-

ein

unternehmer

ist ein

künstler.

wie

picasso.

Nicolas g. Hayek,

gründer der swatch group

43

schen Welt im 18. Jahrhundert

als „Entrepreneur“ auftauchte.

Es war der Nationalökonom Richard

Cantillon, der in seinem

„Essay on Economic Theory“ ein

Bild des Unternehmers schuf,

mit dem er nachfolgende Überlegungen

– etwa von Adam Smith

oder Joseph Schumpeter – prägte. Ein

Unternehmer sei jemand, der etwas zu

einem bestimmten Preis einkaufe, was

er später zu einem noch nicht bestimmbaren

Preis wieder verkaufe. Die Differenz

zwischen den beiden Preisen ist

entweder der Gewinn oder der Verlust.

Wohin das Pendel dabei ausschlägt, ist

niemals mit allerletzter Sicherheit zu

sagen. So etwas nennt man „Risiko“.

Auch unserem Unternehmer vom

Euphrat, dem vorchristlichen

Zwiebelhändler Iddin-Maruk,

war das Risiko nicht unbekannt. Er und

seine Familie häuften Immobilien und

Landbesitz in Hülle und Fülle an. Mit

den Mitteln aus dem Zwiebelhandel en

gros stiegen sie in eine andere Branche

ein: Sie nahmen Kredite auf und erwarben

Häuser, die sie dann vermieteten.

Die Mieteinnahmen waren so groß, dass

sich Zins und Tilgung davon bestreiten

ließen. Mag Risiko also für den Unternehmer

noch so wesensbestimmend

sein – solch einen Wagemut würde

heutzutage kein seriöser Anlageberater

mehr empfehlen. *


Nehmen wir ganz kurz

an, Sie wären ein junger

Erfinder. Oder Webdesigner,

manchmal

verschwimmen die

Grenzen. Nehmen wir außerdem an,

Sie hätten die Vision eines preiswerten

3D-Druckers ausgeheckt. Einer Maschine

also, die aus digitalen Bauplänen

mittels winziger Tropfen von flüssigem

Plastik echte Objekte herstellen kann.

Was würden Sie tun?

Der klassische Weg geht ungefähr so:

Mit Krediten oder Risikokapital finanzieren

Sie die Produktion des Druckers

und hoffen, dass die Käufer nur auf ihre

Idee gewartet haben. Sie könnten vorab

die Chancen bewerten, Marktforschung

betreiben, Vertriebspartner suchen und

so für den Erfolg Ihres Projekts Sorge

tragen. Aber – schon vergessen? Sie sind

Erfinder und Webdesigner. Vermutlich

haben Sie andere Stärken.

Das Internet hat in den vergangenen

Jahren eine interessante Lösung für

Menschen wie Brook Drumm aus Kalifornien

entwickelt. Seinen 3D-Drucker

Printrbot hat er auf kickstarter.com,

einer Crowdfunding-Plattform, vorgestellt.

Dort können aufstrebende Entrepreneure

ihre Ideen der Öffentlichkeit

GEMEINSAM FINANZIEREN

so macHt man

Was eigenes

auf crowdfunding-plattformen im internet investieren Menschen

gemeinsam in kreative ideen. wo geschlossene Fonds im großen sachwerte schaffen,

ermöglicht crowdfunding produkte, für die es keinen Massenmarkt gibt.

beides funktioniert auch deshalb, weil unternehmer und Käufer einander bereits

in der Konzeptionsphase näher kommen.

zeigen und Geld für die Produktion einsammeln.

Das Verfahren läuft auf Kickstarter

so ab: Ein Designer oder Entwickler

stellt sein Projekt vor. Was tut das Produkt,

was macht es besonders, warum –

und für wen – will er es auf den Markt

bringen? Dann nennt er den Preis – beim

Printrbot waren es 25.000 US-Dollar –

zu dem er eine erste Serie produzieren

will. Nun können andere Nutzer Geld

beisteuern: 1, 5, 75 oder auch 1.000 US-

Dollar. Damit sorgen sie dafür, dass das

Produkt (von dem sie eben vielleicht

noch nicht wussten, dass sie es haben

wollen) auf den Markt kommt.

Mit Abgabe eines Gebotes

schließen beide Parteien einen

Vertrag: Der Anbieter

verpflichtet sich, sein Produkt zu liefern;

der Finanzier verpflichtet sich, es

dann auch zu kaufen. Gültig wird der

gegenseitige Deal erst dann, wenn das

gesetzte Finanzierungsziel erreicht wurde.

Kommt die nötige Summe nicht zusammen,

passiert einfach nichts.

Diese simple Idee ist erfolgreich.

Kickstarter ist nur eine von etlichen

Crowdfunding-Plattformen im Netz.

Da werben junge Mütter auf indiegogo.

44

com die Vertriebskosten für ihre selbst

entworfenen Schwangerschaftskissen

ein (4.660 US-Dollar). Auf der Dresdner

Plattform startnext.de will ein Zombiekurzfilm

finanziert werden (2.000 Euro).

Und auf spot.us werben freie Journalisten

um Unterstützung für ihre Rechercheprojekte.

All diese Plattformen haben im Wesentlichen

dasselbe Ziel: Sie fördern

Produkte und Ideen, die zu speziell für

den Massenmarkt sind. Wie wäre es

etwa damit: Ein Film über Altnazis, die

vor 70 Jahren auf der Rückseite des Mondes

ins Exil gingen und nun Rache nehmen

– natürlich in alten Uniformen und

mit Reichsflugscheiben? Zu verrückt?

Keineswegs, denn das Werk hatte im

Februar auf dem Filmfestival „Berlinale“

Premiere. Iron Sky heißt der Film des

finnischen Regisseurs Timo Vuorensola,

und man braucht einen speziellen Sinn

für Humor dafür. Doch genau das machte

die Fans von Iron Sky zu besonders

loyalen Anhängern, die schon Jahre im

Voraus halfen, den Film überhaupt zu

verwirklichen. Mehr als 680.000 Euro

(knapp zehn Prozent des Gesamtbudgets)

hat Vuroensola von ihnen eingesammelt.

Investiert wurde das Fangeld

zum großen Teil in Spezialeffekte.


So FunktIonIert croWdFundInG

1

2

die Idee wird projekt

eine idee, zum beispiel für einen Film,

wird geboren, kalkuliert und strukturiert.

das projekt wird beworben

der Film oder ein Teil dessen wird auf

einer crowdfunding-plattform präsentiert

und um unterstützung geworben.

die plattform kann und sollte dabei als

stete Kommunikation mit der „crowd“

genutzt werden.

Apropos Explosionen. Auch im

Markt der Computerspiele ist

Crowdfunding längst Teil des

Geschäfts. Tim Schafer hatte seine große

Zeit in den Neunzigern, er ist Erfinder

des legendären PC-Spiels Monkey

Island. Dieser Tage dagegen kassierte

er dutzendweise Absagen von klassischen

Investoren für sein neues Projekt

Double Fine Adventure. Auf Kickstarter

bat er neue und alte Fans um insgesamt

400.000 US-Dollar. Am Ende wurden es

mehr als drei Millionen.

3

4

das projekt wird finanziert

das projekt kann von usern mit

beliebigen beträgen unterstützt werden.

ist die Zielsumme zu einem bestimmten

Zeitpunkt erreicht, geht es in die

realisierung. wenn nicht, erhalten die

unterstützer ihr geld zurück und es

passiert nichts.

das projekt wird realisiert

der Film wird gedreht. ist er

fertig, erhalten die unterstützung

gegenleistungen.

Die Summen, die inzwischen weltweit

für Crowdfunding-Projekte gesammelt

werden, sind manchmal beträchtlich.

Doch auf die Idee, ein Bürogebäude

oder ein Containerschiff auf diese Art

zu finanzieren, ist noch niemand gekommen.

Anders als Filme, 3D-Drucker

oder Spielekonsolen werden bleibende

Werte über Jahrzehnte bewirtschaftet.

Der Beweis, dass ein solch dauerhaftes

Engagement auch mit einer Online-

Community möglich ist, wäre noch zu

erbringen.

45

MaN Muss Ja NicHT

gleicH grüN werdeN:

erst durch crowdfunding

wurden viele spezialeffekte

im Film „iron sky“ realisiert.

Dagegen sind fast alle Crowdfunding-

Projekte Nischenprodukte, und als

solche eher kurzfristig angelegt. Dafür

bündeln sie die Beschaffung von Wagniskapital

und die Marktforschung in

einem Prozess. Julie Uhrman, die mehr

als acht Millionen US-Dollar von 60.000

Usern für ihre neuartige Spielkonsole

Ouya eingesammelt hat, sagt es auf Kickstarter

so: „Unreife Ideen werden von

denen unterstützt, die sie am Ende nutzen

wollen. Wenn wir es schaffen, genug

Geld einzusammeln … dann heißt das,

dass eine Nachfrage da ist.“ Oder anders

herum: Findet sich keine Zielgruppe,

wird auch nichts produziert.

Und noch etwas passiert: Wo

viele Menschen zusammenkommen,

um gemeinsam ein

Projekt zu verwirklichen, wird die Trennung

von Produzenten und Konsumenten

aufgehoben. Aus einst anonymen

Anbietern und Abnehmern werden

Menschen, Freunde, eine Art Schicksalsgemeinschaft.

Mit genau diesem

Leistungsversprechen verdienen Werbeagenturen

im klassischen Geschäft sehr

viel Geld – Stichwort Markenbildung.

Printrbot-Macher Brook Drumm

hat sein Projekt in einem Video der Öffentlichkeit

vorgestellt. Gedreht wurde

auf dem heimischen Sofa. Wer wollte,

konnte jederzeit Drumms Facebook-

Profil durchstöbern, ihm Fragen stellen

oder Verbesserungsvorschläge äußern.

Auch jetzt, nachdem der Printrbot

in Produktion gegangen ist, reißt der Dialog

nicht ab. Von fehlenden Zoll-Papieren

beim Produktversand ins Ausland

bis zu fehlerhaften Teilen – Probleme

werden öffentlich diskutiert. Manchmal

helfen sich die User dann auch untereinander:

„Hast Du den Pin richtig ins

Gehäuse gesteckt?“ *


Um die Wende vom 19.

zum 20. Jahrhundert,

ziemlich genau zu derselben

Zeit, in der Sigmund

Freud in Wien

die Psychoanalyse erfand, forschten an

der Universität Greifswald ein Pharmakologe

und ein Psychiater über die

Wirkung von Reizen auf den menschlichen

Organismus. Sie entdeckten

beispielsweise, dass ein kurzer Kältereiz

beim Duschen die Immunabwehr

stärkt, während längere Unterkühlung

den Körper anfälliger macht und im Extremfall

tötet. Bis heute wird eine Art

leibseelisches Grundgesetz nach dem

Professor für Pharmakologie Hugo Paul

Friedrich Schulz und dem Professor für

Psychiatrie Rudolf Arndt benannt, die

PSycHOLOGIE

Wie viel

risiko

ist

gesund?

gastautor und psychoanalytiker

wolfgang schmidbauer

über das leben zwischen Mut

und angst und warum es wichtig ist,

einen Mittelweg zu finden

Arndt-Schulz-Regel: „Schwache Reize

fachen die Lebenstätigkeit an, mittelstarke

Reize fördern sie, starke hemmen

sie, stärkste heben sie auf.“

Es hilft dem Menschen, wenn er

einen Mittelweg findet. Wer ständig an

den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit

tätig ist, brennt aus; wer aber immer

unterfordert bleibt, langweilt sich krank

– weshalb Berufstätige zwischen burn

out und bore out einen mittleren Weg

finden müssen. Dauernde Harmonie ist

öde; dauernder Streit mündet in Scheidungen.

Dazwischen gedeiht die Liebe,

befeuert von versöhnlichem Kabbeln

und Balgen. Wer zuviel Lampenfießber

hat, erfindet eine Ausrede, um den

Auftritt zu verschieben; wer gar keines

hat, pfuscht unkonzentriert seine Rol-

46

le hin. Zu den Reizen, die in geringer

Menge wohltätige Wirkungen haben, in

Überdosis aber schaden, gehören auch

Gefahren und ihre manchmal versachlichte

Schwester, das Risiko.

Der Soziologe und Gesellschaftswissenschaftler

Niklas Luhmann

hat vermutet, dass der

Ausdruck Risiko in seiner heutigen Bedeutung

(rischio in Italien, risicum im

mittelalterlichen Latein, ursprünglich

vielleicht Klippe, Hindernis) mit dem

Beginn der Neuzeit begann, die alte

Rhetorik von Fortuna und Prudentia zu

ersetzen. Mehr und mehr wurde nicht

mehr der Ritter, sondern der Kaufmann

zur Leitfigur des Denkens; seine Aufgabe

war es, Gefahren einzuschätzen,


während die kriegerischen Tugenden

eher darauf hinauslaufen, eine dem

Menschen geschenkte, intuitive und

spontane Risikoabschätzung zu unterdrücken:

die Angst.

Wenn wir vom Risiko sprechen,

und damit auch von

der Angst davor, dass etwas

schlecht ausgeht, meinen wir fast immer

ein psychologisches Amalgam. Denn

diese Wahrscheinlichkeit, können wir

ja nur dann ermitteln, wenn wir einen

mittleren Weg zwischen Größenphantasie

und Angst, zwischen Dreistigkeit

und Vermeidung finden.

Um vieles an den offenkundigen

Fehlern der menschlichen Risikoschätzung

besser verstehen zu können, ist es

hilfreich, wenn wir dem psychoanalytischen

Gedanken folgen, dass unsere

seelische Entwicklung mit einer Art

Größenwahn beginnt – mit der Phantasie

des kleinen Kindes, es sei mit der

Mutter symbiotisch verbunden und in

dieser Verbindung auch allmächtig.

Diese Größenphantasie geben wir

im Heranwachsen nicht gerne auf und

bleiben verführbar, sie wieder herzustellen.

Eine meist gutartige, beflügelnde

Form dieser Wiederherstellung ist

die Verliebtheit: Auch Verliebte trauen

sich, mit ihrem Partner imaginär verschmolzen,

sehr viel mehr zu, als sie es

vereinzelt getan hätten. Weniger gutartig

ist die Wiederherstellung der Größenphantasie

durch die Verschmelzung mit

einer idealisierten Gestalt an der Spitze

der Gesellschaft. Leider finden sich gerade

in der deutschen Geschichte drastische

Beispiele dafür, dass unter dem

Eindruck einer Größenphantasie viele

Menschen ihre Fähigkeiten zu einer

nüchternen Gefahreneinschätzung einbüßen.

Sie leisten bis in die komplette

Katastrophe hinein Gefolgschaft und

glauben unerschütterlich an die Wunderwaffen

der Führungsfigur.

In der normalen seelischen Entwicklung

erkennt das Kind schrittweise,

dass die Mutter nicht allmächtig ist und

nicht alles für das Kind tun kann. Das ist

der Autor

wolfgang schmidbauer ist psychoanalytiker,

paartherapeut und sachbuchautor;

er lebt in München und hat 2011 das

buch „das kalte Herz. die Macht des

geldes und der Verlust der gefühle“ im

Murmann-Verlag, Hamburg veröffentlicht.

ein leidvoller Prozess. Wenn das Kind

Schnupfen hat und die Mama bittet,

den Schnupfen wegzumachen, muss es

einen Schritt in dieser Richtung leisten:

Es gibt Dinge, die Mama nicht zustande

bringt. Kleine Kinder vertrauen darauf,

dass die Erwachsenen sie beschützen.

Sie würden ins tiefe Wasser plumpsen,

47

die Giftschlange antatschen oder auf der

Autobahn spielen, wenn sie niemand

davor bewahrt.

Gefahren einzuschätzen, lernen

Kinder von den Eltern. Sie spüren die

Angst, die diese bewegt, und übernehmen

sie; auf diese Weise können Eltern

auch unzweckmäßige Ängste weitergeben,

wie eine Spinnenphobie oder

Höhenangst. Je besser sich ein Kind

bewegen und die eigene Umwelt selbst

erforschen kann, desto mehr bemerkt es

auch, dass die Mutter es nicht nur beschützt,

sondern auch einschränkt.

Viele Kinder lernen gehen oder

schwimmen gerade dann, wenn

die Mutter es nicht sieht. Neulich

hat mir eine Klientin erzählt, wie

ihre Eltern erst durch Nachbarn erfuhren,

dass sie den Führerschein hat. Der

Mensch braucht beides: das Unbekannte,

in dem es riskant ist, sich zu bewegen,

wo es aber auch möglich ist, Neues

zu entdecken und Beute zu machen.

Ihm gegenüber braucht er den sicheren

Ort, an dem er sich geborgen fühlt und

wo er vor Überraschungen sicher ist.

Der Soziologe Ulrich Beck spricht

von einer „Risikogesellschaft“, welche

die Nachfolge der Industriegesellschaft

angetreten hat und zunehmend Gefahren

produziert, die sie nicht mehr

abschätzen kann. Eines von Becks Beispielen

ist die Tatsache, dass Atomkraftwerke

nicht mehr gegen Havarien

versichert sind, anders als die Titanic.

Studien der letzten Jahre haben gezeigt;

Psychologisch schlägt sich die Risikogesellschaft

in einem Phänomen nieder,

das in Japan besonders verbreitet ist,

sich aber auch in anderen hoch entwickelten

Gesellschaften beobachten lässt.


sicHerHeiT

Je unüberschaubarer

die realität, desto größer ist

das bedürfnis nach kontrollierbaren

Horizonten.

Die Japaner sprechen von Hikikomori,

wenn junge Menschen vor dem

Anspruch zurückweichen, es ihren

tüchtigen Eltern gleichzutun. Den Eltern

in der Risikogesellschaft gelingt es

oft nicht mehr, ihren Kindern mit jener

Mischung aus Zuversicht und Grenzsetzung

zu begegnen, die das Ich darin

fördert, sich angesichts seiner Angstbereitschaft

zu kräftigen.

Es sind meistens die erstgeborenen

Söhne der gut situierten Mittelschicht,

aber auch jüngere Geschwister können

betroffen sein. Die Eltern sind erfolgreich

in ihren Berufen: Lehrer, Ärzte,

leitende Angestellte. Die Kinder sind

begabt, wechseln selbstverständlich auf

das Gymnasium, schaffen oft auch noch

das Abitur, beginnen sogar ein Studium.

Aber dann verändert sich ihr Verhalten,

manchmal schleichend, manchmal

plötzlich.

Sie gehen nicht mehr aus dem

Haus. Sie sind nicht aus dem

Bett zu bekommen, haben

Kopfschmerzen, konnten angeblich

die Nacht nicht schlafen. Sie gehen

nicht mehr in die Schule oder zur Universität.

Aber sie haben auch keine

Lust, Kameraden zu sehen, die lästige

Fragen stellen. Sie sind am liebsten zu

Hause, bleiben in ihrem Zimmer, sehen

fern, surfen im Internet. Sie nehmen

nicht an den Familienmahlzeiten

teil, gehen nachts an den Kühlschrank

und backen eine Fertigpizza in der Mikrowelle.

48

Die Eremiten im Kinderzimmer

sind ein Hinweis auf eine allgemeine

Erscheinung: das Bedürfnis nach Sicherheit,

nach Überschaubarkeit. Je unübersichtlicher

die Realität wird, desto

mehr wachsen auch die Bedürfnisse

nach einem Horizont, der so begrenzt

oder so kontrollierbar ist, dass die Überraschungen,

die dieser entstandene

Raum zu bieten hat, einigermaßen gesteuert

werden können. Der Bildschirm

beschenkt den jungen Mann, dem reale

Beziehungen zu riskant sind, mit einem

kontrollierbaren Ersatz.

Den flapsigen Spruch „no risk, no

fun“ habe ich zuletzt von einem Neurologen

gehört, der Anti-Burnout-Kurse

anbietet, ein begeisterter Bergsteiger

und Sportler. Flapsig, weil er nicht


stimmt: Wer sich vom Leben zurückzieht,

lebt ja nicht risikolos, auch wenn

er keinen Spaß hat. Das Leben geht weiter,

er verliert Erfahrungen, büsst Chancen

ein. Wer sich entscheidet, macht

Fehler, aber wer sich nicht entscheidet,

macht unter Umständen einen noch größeren

Fehler. Wer im Bett liegen bleibt,

wird keinen Unfall haben – aber er kann

dennoch früher sterben, weil ungeübte

Organe schlechter funktionieren.

Erbanlagen, die während der langen

Evolution von Homo erectus

zu Homo sapiens entstanden,

rüsten den Menschen aus für ein Leben

als Jäger und Sammler. Sesshaftigkeit

und Geldwirtschaft sind in unserem Affektleben

nicht vorgesehen. Wir müssen

für sie erzogen werden und uns für sie

erziehen. Der zentrale Unterschied im

Gefühlsleben auf diesem Weg: Wir haben

die Orientierung am Hunger schrittweise

durch eine Orientierung an der

(Verlust-)Angst ersetzt.

Diese Angst gründet sich in der

genetischen Geschichte des Menschen.

Genauer: Darin, dass sie zu 99 Prozent

von Jägern und Sammlern geprägt wurde,

die nomadisch leben. Geld wurde

erst erfunden, als Menschen sesshaft

wurden und so viele Vorräte anlegten,

dass es sich lohnte, Handel zu treiben.

Die Zivilisation hat uns den Hunger

genommen, aber die Angst verschärft

– wir sind an ein bequemes Leben gewöhnt

und besitzen viele Dinge, können

also auch sehr viel verlieren.

Wenn der Pygmäe einen Elefanten

erbeutet, können seine

Kameraden darauf vertrauen,

dass er das Fleisch mit ihnen

teilt: er wäre dumm, es nicht zu tun,

denn er kann es nicht aufbewahren. Im

Magen seiner Freunde ist es am besten

aufgehoben. Geld hingegen verstärkt

die Neigung, geizig zu sein und sich mit

seiner Hilfe gegen eben die Gefahren zu

wappnen, die es heraufbeschwört. „Das

kalte Herz“, ein Märchen von Wilhelm

Hauff, bringt diesen Prozess in sprechende

Bilder.

Was im letzten Jahrzehnt geschehen

ist, hat Ulrich Becks Thesen bestätigt

und die Ängste im Zusammenhang mit

dem Geld potenziert. Während der Besitzende

seine Goldstücke einst unter

den Dielenbrettern verstecken und sich

seines Schatzes sicher fühlen konnte,

muss er heute zwischen Übeln wählen:

Wenn er keine Entscheidung trifft, wird

49

ihm die Inflation das Vermögen benagen.

Sucht er aber eine Möglichkeit,

sein Erspartes zu investieren, muss er

sich dem Risiko aussetzen.

Seit wir den Metallstandard verlassen

haben, beruhen Währungen auf Vertrauen

in Wirtschaftskraft und Glauben

an verantwortliche politische Führung.

Diese Gefühle sind aber schwer zu ha-

es hilft

Dem

menschen,

wenn er

einen

mittelweg

finDet.

ben in einer Zeit wachsender Unsicherheit

und größter Schwierigkeiten, finanzielle

Risiken abzuschätzen. Vertrauen

ist eine riskante Vorleistung; Misstrauen

jedoch lähmt. Was im Einzelfall

nützlicher ist, kann die Psychologie

nicht sagen. Aber sie kann doch zu der

Einsicht beitragen, dass wir weder ganz

ohne Angst noch mit einem Übermaß an

Risiko gut leben können. *


TRANSPARENZ

Fragen sie

iHren arzt oder

apotHeker

die welt könnte so einfach sein: investieren, abwarten, rendite kassieren.

doch das leben ist oft komplizierter. und anlageprodukte erst recht.

deshalb ist es gar nicht so einfach, risiken, Kosten oder renditechancen

verständlich und kurz und knapp auf wenigen seiten zu schildern. ein Fall für profis

Wissen Sie, wie Sie

Ihren Fernseher einstellen?

Kennen Sie

das Bedienmenü

Ihrer Digitalkamera

auswendig? Nein? Leider ist auch der

Griff zur Gebrauchsanleitung nicht immer

hilfreich. Oft strotzt sie vor Übersetzungsfehlern

oder ist mit Fachausdrücken

gespickt, die zumeist ein Studium

der Elektrotechnik voraussetzen.

Auch bei Finanzprodukten lassen

Unterlagen zur Produktinformation Anleger

oft ratlos zurück. Dabei haben gerade

Investoren einen großen Bedarf. Sie

wollen wissen, welche Renditechancen

eine Geldanlage bietet, wovon die Wertentwicklung

abhängt, wo Risiken liegen

und wie hoch die Kosten ausfallen. Dabei

kommt Flyern, Faktenblättern und

Broschüren eine zentrale Bedeutung zu.

„Jeder Laie sollte die Produktinformationen

verstehen können, da sie Finanzprodukte

beispielsweise auch für die

Altersvorsorge kaufen“, sagt Dr. Anikar

Haseloff. Der Kommunikationswissenschaftler

befasst sich beruflich mit dem

Thema Klartext. Er ist Geschäftsführer

des Instituts für Verständlichkeit in

Ulm und betreibt Lesbarkeitsforschung.

Er kennt sich aus mit Packungsbeilagen.

anleger

sollen eigenschaften

Des proDuktes

schnell

erfassen

können.

Beipackzettel gibt es nicht nur für Kopfschmerztabletten,

sondern auch für Finanzprodukte.

Für viele Anlageklassen

sind kurze Informationsblätter schon

länger Pflicht. Auch geschlossene Fonds,

die nach dem 1. Juni 2012 aufgelegt

wurden, müssen nun alle wesentlichen

50

Informationen auf Vermögensanlagen-

Informationsblättern (VIB) zur Verfügung

stellen. Drei DIN-A4-Seiten stehen

zur Verfügung. Das hat der Gesetzgeber

so festgelegt. Das Ziel der Informationsblätter:

Anleger sollen die wesentlichen

Eigenschaften des Produktes schnell erfassen

können. Eine aufmerksame Lektüre

des Prospekts und der Leistungsbilanz

ersetzt dies freilich nicht. Trotzdem

soll das VIB die wichtigsten Informationen

vermitteln – klar und verständlich.

Um eine möglichst einheitliche

Gestaltung der Vermögensanlagen-Informationsblätter

zu

gewährleisten, hat der VGF Verband

Geschlossene Fonds ein Muster für geschlossene

Fonds entwickelt. Dabei

erhalten Anleger auf drei Seiten einen

verständlichen Überblick. Sie bekommen

alle wesentlichen Informationen

beispielsweise zum Investitionsobjekt,

zur Beteiligungsform, zur Finanzierung,

zur Haftung, zur steuerlichen Behandlung

und zur Anlagestrategie. Wichtige

Punkte sind natürlich auch die Risiken

und Kosten der Anlage. Die Anbieter


können die Vorlage an das jeweilige Produkt

individuell anpassen, Aufbau und

Struktur bleiben gleich. Auch für geschlossene

Fonds, die vor dem Stichtag

1. Juni 2012 aufgelegt wurden, empfiehlt

der Verband, sich an den dreiseitigen

Vermögensanlagen-Informationsblättern

zu orientieren.

Doch geht das überhaupt? Werden

die Dinge nicht kompliziert, sobald es

um Geld geht? Das legt zumindest die

Ergo-Verständlichkeitsstudie 2012 nahe.

Sieben Branchen wurden darin auf die

Verständlichkeit ihrer Verkaufsunterlagen

hin untersucht. Auf dem vorletzten

Platz landeten die Produktinformationen

von Banken und Versicherungen. „Produktunterlagen

sind häufig abstrakt geschrieben

und gespickt mit Fachwörtern.

Oft werden Risiken oder Kosten nicht

ausreichend oder unverständlich beschrieben“,

so Haseloff. Noch schlechter

schneiden nur die Formulare und Erläuterungen

zur Steuererklärung ab.

Ein Manko der Produktunterlagen

aus dem Finanzbereich: Informationen

zu verschiedenen

Produkten sind kaum miteinander zu

vergleichen. So weichen Angaben zu

einem Aktienfonds oder einer Versicherung

stark voneinander ab. „Informationen

zu Kosten und Risiken finden sich

bei den Anbietern oft an unterschiedlichen

Stellen. Außerdem verwenden die

Emittenten wiederkehrend abweichende

Formulierungen oder Berechnungs-

i

wie genau und mit welchen Konditionen

ein geschlossener Fonds in einen sachwert

investiert, ist nun noch transparenter

als vorher. die Mitglieder des VgF

Verband geschlossene Fonds informieren

mit einem standardisierten Vermögensanlagen-informationsblatt

(Vib). das Muster

gibt es unter www.vgf-online.de

modelle. „Das verwirrt viele Anleger“,

meint Haseloff. Auch seien Begriffe wie

„Cap“ oder „Emittentenrisiko“ den Finanzprofis

zwar geläufig, jedoch kann

die Mehrzahl der Laien damit kaum

etwas anfangen. Zudem hat in den vergangenen

Jahren die Zahl komplizierter

Finanzprodukte zugenommen, die sich

auf Investments an den Terminmärkten

beziehen. Hier sind verständliche Erklärungen

besonders wichtig.

51

Ein Vorbild könnte die Pharmabranche

sein Noch vor Jahren

galten die Beipackzettel für Medikamente

als unverständlich. Beim aktuellen

Ergo-Verständlichkeitsranking

schneiden sie jedoch am besten ab. Das

kommt nicht von ungefähr: Nur die

Pharma-Branche schreibt verpflichtende

Tests zur Verständlichkeit der Texte

vor. Laut einer EU-Richtlinie müssen

Beipackzettel für Laien nachvollziehbar

sein. Die Behörden geben sogar Standardformulierungen

vor, welche die

Unternehmen verwenden müssen. Nur

wenn der Test positiv ausfällt, wird das

Medikament zugelassen.

Dass sich Verständlichkeit für Anleger

bezahlt macht, zeigt das Beispiel

Warren Buffett. Der Gründer der legendären

Investmentgesellschaft Berkshire

Hathaway verfolgt einen eisernen

Grundsatz: Er beteiligt sich nur an Unternehmen,

deren Geschäftsmodell er

versteht. So zählen Coca-Cola, Gillette

oder McDonald’s seit Jahren zu seinen

wichtigsten Investments. Unternehmen,

deren Produkte und Dienstleistungen

ihm nicht einleuchten, scheiden für

Buffett grundsätzlich aus. Gerade private

Anleger sollten das nachahmen – also

nur Finanzprodukte kaufen, von denen

sie überzeugt sind, und die sie auch verstehen.

Diese Anlagestrategie hat Warren

Buffett zum erfolgreichsten Investor

der Welt gemacht. Er würde übrigens

niemals einen Fernseher kaufen, den er

nicht auf Anhieb bedienen kann. *


EUROPA

„vertrauen

stärken und

stabilität

erHöHen“

eine Krise ist immer auch eine chance, sagt man.

die kann die europäische union nur gemeinsam als solche wahrnehmen.

Mit gemeinsamen entscheidungen. ein Gastbeitrag von Georg Fahrenschon,

präsident des deutschen Sparkassen- und Giroverbands (dSGV).

Wir stehen in diesen

Wochen und

Monaten vor einer

historischen Wegscheide:

Wird es

uns gelingen, Europa zu festigen und

weiter zu einen oder scheitert der Euro

und mit ihm viele Jahre europäische

Aussöhnung und Gemeinsamkeit? Es

besteht für mich kein Zweifel, dass wir

mehr Europa brauchen. Dafür bedarf es

jetzt eines klaren politischen Willens.

Oberstes Ziel muss aus unserer

Sicht sein, Vertrauen zu stärken, die Stabilität

im europäischen Finanzsektor zu

erhöhen und Verantwortung speziell bei

Großbanken einzufordern.

präSIdent und polItIk

georg Fahrenschon ist präsident des

deutschen sparkassen- und giroverbandes

(dsgV) und vertritt die interessen

von rund 360.000 Mitarbeitern in sparkassen,

landesbanken, Versicherungsgruppen,

landesbausparkassen und

mehreren Finanzinstituten. Zuvor war der

44-Jährige zunächst staatsekretär und ab

2008 Finanzminister in bayern.

52

Die Erwartung an den „großen Wurf“,

der nun endlich für einen stabilen

Finanzsektor sorgt, steigt. Mit ihren

Vorschlägen für eine sogenannte europäische

Bankenunion hat die EU-Kommission

allerdings noch kein befriedigendes

Konzept vorgelegt. Unter dem

Stichwort Bankenunion werden drei

Einzelmaßnahmen diskutiert, nämlich

eine gemeinsame europäische

Bankenaufsicht

eine gemeinsame europäische

Einlagensicherung und

• ein gemeinsamer europäischer

Bankenrestrukturierungs- und

-abwicklungsfonds.


Eine einheitliche europäische

Aufsicht, die sich auf die Beaufsichtigung

der größten europäischen

systemrelevanten Kreditinstitute

konzentriert, könnte durchaus sinnvoll

sein. Dies wäre konsequent, weil von

diesen Instituten, vor allem von denen,

die als „too big to fail“ gelten, die größte

Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems

und damit für den europäischen

Steuerzahler ausgeht. Die EZB wäre angesichts

der bestehenden Herausforderungen

und ihrer Expertise am besten

geeignet, diese Funktion zu erfüllen. Dabei

ist allerdings entscheidend, dass die

geldpolitische Unabhängigkeit der EZB

uneingeschränkt gewahrt bleibt.

National oder regional tätige Kreditinstitute

sollten dagegen weiterhin

der nationalen Bankenaufsicht unterstehen.

Es ist weder notwendig noch

realistisch, dass die EZB die Aufsicht

über alle 8.400 Kreditinstitute in Europa

wahrnehmen kann. Eine EU-weite

Bankenaufsicht für alle europäischen

Kreditinstitute wäre überdimensioniert

und könnte nicht mehr nahe genug an

den Marktrealitäten operieren, was gerade

für regional tätige Institute äußerst

wichtig ist.

Das Vertrauen der Menschen in den Finanzmarkt kann

aber nur wiederhergestellt werden, wenn auch die

Sparer ihre Einlagen sicher wissen. Die Sparkassen

verfügen mit ihrer Institutssicherung über ein seit Jahrzehnten

bewährtes System. Nicht umsonst verzeichneten die Sparkassen

in der Hochzeit der Finanzkrise Mittelzuflüsse in Milliardenhöhe.

Sparer, die ihre Einlagen sicher wissen, stürmen

nicht die Schalter, um ihr Erspartes abzuziehen.

Unabdingbare Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die

Sparer der Einlagen- bzw. Institutssicherung auch vertrauen.

Eine gemeinsame europäische Einlagensicherung ist daher definitiv

der falsche Weg. Sie würde das Vertrauen der Sparer ge-

eine

„hau-ruck-

union“ ist

keine

lösung.

53

nau in den Mitgliedsstaaten schwächen,

die über stabile Instituts- und Einlagensicherungssysteme

verfügen.

Es ist insgesamt gesehen sicher

richtig, frühzeitig präventive

Maßnahmen zu ergreifen, damit

es erst gar nicht zur Krise kommt. Darüber

hinaus müssen aber auch Optionen

geschaffen werden, dass krisenbehaftete

Institute aus dem Markt ausscheiden

können. In Deutschland wurde

mit dem Restrukturierungsgesetz ein

entsprechendes Instrumentarium geschaffen.

Unangemessen ist es jedoch,

einen gemeinsamen EU-weiten Abwicklungsfonds

zu gründen und damit ein

Transfersystem für Bankenrettungen

bzw. Bankenpleiten einzuführen. Für

gänzlich inakzeptabel halte ich die Verknüpfung

von Abwicklungsfonds und

Einlagensicherungsfonds.

Die Sparkassen verstehen sich als

Schutzmacht der deutschen Sparer.

Wir können deshalb nicht akzeptieren,

dass deren Geld bei Schieflagen oder

auch bei Abwicklungen ausländischer

Großbanken eingesetzt wird. Die Sparkassen

sind auch nicht bereit, mit ihrer

vorsichtigen Geschäftspolitik für die

risikoreichen Finanzausflüge ausländischer

Wettbewerber zu haften. Staaten können untereinander

solidarisch sein. Unternehmen sind Wettbewerber und können

deshalb nicht füreinander einstehen.

Fazit: Die Bankenunion ist nicht der große Wurf zur Stabilisierung

des Finanzmarktes und damit zur Festigung Europas,

sondern beinhaltet durchaus auch destabilisierende Elemente.

Daher es ist dringend geboten, in Ruhe und besonnen diese

Vorschläge zu überdenken. Parallel dazu müssen die Bemühungen

zum Abbau der enormen Staatsschulden weiter vorangetrieben

werden. Dort liegt in erster Linie der Schlüssel zu

Vertrauen und Stabilität. Eine „Hau-Ruck-Union“ ist deshalb

keine Lösung. *


Wir sind der VGF

Verband Geschlossene

Fonds e.V.

Der VGF Verband Geschlossene Fonds

e. V. ist die Interessenvertretung der

Anbieter geschlossener Fonds in

Deutschland. Wir informieren Politik,

Medien und Anleger aktiv und

transparent über die Vermögensanlage

geschlossene Fonds. Zudem engagieren

wir uns für langfristig stabile wirtschaftliche,

rechtliche und steuerliche

Rahmenbedingungen in unserem Markt.

Derzeit vertritt der VGF insgesamt

61 Mitglieder, darunter 41 Anbieter

geschlossener Fonds und 20 Förder-

mitglieder. Die im Verband organi-

sierten Anbieter verwalten zusammen

ein Investitionsvolumen von rund

142 Mrd. Euro. Bezogen auf den

Gesamtmarkt in Deutschland mit

einem verwalteten Fondsvolumen von

199 Mrd. Euro repräsentiert der VGF

damit mehr als 70 Prozent des Marktes

geschlossener Fonds.

VgF Verband geschlossene Fonds e. V.

georgenstraße 24 | 10117 berlin

www.vgf-online.de

www.kleines-wirtschaftswunder.de

aquila capital structured

assets gmbH

Valentinskamp 70

20355 Hamburg

www.aquila-capital.de

bouwfonds real estate

investment Management

deutschland gmbH

potsdamer straße 58

10785 berlin

www.bouwfondsreim.de

buss capital

gmbH & co. Kg

am sandtorkai 48

20457 Hamburg

www.buss-capital.de

bVT Holding

gmbH & co. Kg

leopoldstraße 7

80802 München

www.bvt.de

commerz real ag –

cFb-Fonds

Mercedesstraße 6

40470 düsseldorf

www.commerzreal.com/

cfb-fonds

dcM deutsche capital

Management ag

Hopfenstraße 6

80335 München

www.dcm-ag.de

deutsche Fonds Holding ag

Kriegsbergstraße 13

70174 stuttgart

www.dfh-ag.com

doric asset Finance &

Verwaltungs gmbH

berliner straße 114

63065 Offenbach

www.doricassetfinance.com

dr. peters gmbH & co.

emissionshaus Kg

stockholmer allee 53

44269 dortmund

www.dr-peters.de

dws Finanz-service gmbH

Mainzer landstraße 178-190

60327 Frankfurt am Main

www.dws.de

54

e&p real estate

gmbH & co. Kg

aachener strasse 1053–1055

50858 Köln

www.ebertz.de

FleX Fonds capital ag

Friedensstraße 13-15

73614 schorndorf

www.flex-fonds.de

gebab

Konzeptions- und emissions-

gesellschaft mbH

rudolf-diesel-straße 11

40670 Meerbusch

www.gebab.de

HaHN-immobilien-

beteiligungs ag

buddestraße 14

51429 bergisch gladbach

www.hahnag.de

Hamburg Trust grundver-

mögen und anlage gmbH

beim strohhause 27

20097 Hamburg

www.hamburgtrust.de

HaNNOVer leasiNg

gmbH & co. Kg

wolfratshauser straße 49

82049 pullach

www.hannover-leasing.de

HaNsa TreuHaNd

schiffsbeteiligungs

gmbH & co. Kg

an der alster 9

20099 Hamburg

www.hansatreuhand.de

Hci Hanseatische capital-

beratungsgesellschaft mbH

burchardstraße 8

20095 Hamburg

www.hci-capital.de


Hesse Newman capital ag

gorch-Fock-wall 3

20354 Hamburg

www.hesse-newman.de

Hga capital grund-

besitz und anlage gmbH

europapassage/

Hermannstraße 13

20095 Hamburg

www.hga-capital.de

HiH Hamburgische

immobilien Handlung

gmbH – ein unternehmen

der warburg gruppe

Kehrwieder 8

20457 Hamburg

www.hih.de

ilg Fonds gmbH

landsberger straße 439

81241 München

www.ilg-fonds.de

industrifinans

real estate gmbH

Kaiserstrasse 10

60311 Frankfurt

www.industrifinans.de

iVg private Funds gmbH

(Tochter d. iVg immobilien ag)

THe sQuaire 18

am Flughafen

60549 Frankfurt

www.ivg-funds.de

JaMesTOwN us-

immobilien gmbH

Marienburger straße 17

50968 Köln

www.jamestownusimmobilien.de

Kgal gmbH & co. Kg

Tölzer straße 15

82031 grünwald

www.kgal.de

lHi leasing gmbH

emil-riedl-weg 6

82049 pullach i. isartal

www.lhi.de

lloyd Fonds ag

amelungstraße 8 – 10

20354 Hamburg

www.lloydfonds.de

Mpc Münchmeyer petersen

capital ag

palmaille 75

22767 Hamburg

www.mpc-capital.de

Next generation Funds

München gmbH

einsteinring 28

85609 aschheim / München

www.ngf-gmbh.de

NOrdcapiTal gmbH

Hohe bleichen 12

20354 Hamburg

www.nordcapital.com

Ownership

emissionshaus gmbH

cremon 36

20457 Hamburg

www.ownership.de

paribus capital gmbH

palmaille 33

20095 Hamburg

www.paribus-capital.de

pce premium

capital emissionshaus

gmbH & co. Kg

ballindamm 8

20095 Hamburg

www.premiumcapital.de

55

real i.s. ag

gesellschaft für immobilien

assetmanagement

innere wiener straße 17

81667 München

www.realisag.de

sachsenFonds Holding gmbH

Max-planck-straße 3

85609 aschheim / München

www.sachsenfonds.com

sigNa property Funds

deutschland ag

benrather straße 18 - 20

40213 düsseldorf

www.signa-funds.de

gemeinsam investieren

us Treuhand Verwaltungsgesellschaft

für

us-immobilienfonds mbH

spreestraße 3

64295 darmstadt

www.ustreuhand.de

wealthcap wealth

Management

capital Holding gmbH

arabellastraße 14

81925 München

www.wealthcap.com

white Owl capital ag

saarbrücker straße 37b

10405 berlin

www.whiteowl.de

wölbern invest Kg

großer grasbrook 9

20457 Hamburg

www.woelbern-invest.de


www.kleines-wirtschaftswunder.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine